Kategorie-Archiv: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ – Jubiläumsausstellung 200 Jahre Senckenberg vom 29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018

Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 "Buch im XXL-Format" informiert über die Zeit 1960 bis 1997 "Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer". Links das Modell  des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven,  im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 „Buch im XXL-Format“ informiert über die Zeit 1960 bis 1997 „Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer“. Links das Modell des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven, im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Frankfurt ist nicht nur eine der traditionsreichsten Messe- und Finanzmetropolen weltweit, sondern auch die Heimat der ältesten Bürgergesellschaft für Naturforschung, nämlich des Stammsitzes der international renommierten Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit 11 deutschen Standorten und 850 Mitarbeitern, welche in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiert. Anlässlich dieses runden Geburtstages wurde heute die Jubiläumsausstellung „200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet. Auf drei Etagen – zwischen Diplodocus, Urelefant und Strauße – können Besucher vom 29. Juni 2017 bis zum 11. Februar 2018 an sieben Stationen in sieben aufgeschlagenen überdimensionierten Buchkapiteln auf eine Zeitreise durch die wechselvolle spannende Gründungs- und Wissenschafts-Geschichte der tief in Frankfurt verwurzelten Institution gehen. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation
mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt.

Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Kind der Aufklärung, begründet und stets getragen von der Leidenschaft und Unterstützung vieler engagierter Bürger, hat sich die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit ihrer Gründung 1817 ebenso wie Frankfurt mit ihr kontinuierlich weiterentwickelt. Sie trägt ihrerseits seither und heute mehr denn je als internationales Forschungsnetz mit zahlreichen Institutionen und Großprojekten, maßgeblich zum Ansehen der Stadt als renommierter Standort für Wissenschaft, akademische Nachwuchsförderung und Bildung bei. Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden.

„Unser Ursprung in der Frankfurter Bürgergesellschaft prägt Senckenberg bis heute“, hält Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung fest. „Es ist großartig, auf diese bemerkenswerte Geschichte zurückzublicken und zu sehen, wie aus der Begeisterung und Neugier einzelner Bürger und dem Engagement vieler inzwischen eine der weltweit größten und renommiertesten Einrichtungen der Naturforschung und Naturmuseen geworden ist“.

Kniegelenk einer Kindermumie.  Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow
Kniegelenk einer Kindermumie. Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung setzt die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft in engen Bezug zu der historischen Entwicklung der Stadt Frankfurt. „Wir freuen uns, dass wir das Historische Museum Frankfurt und das Institut für Stadtgeschichte als Kooperationspartner für diese Ausstellung gewinnen konnten“ betont Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, und dankt der Stadt Frankfurt für die Unterstützung des Projekts. „Die Senckenberg Gesellschaft hat ihren Ursprung in Frankfurt genommen und blieb stets eng verbunden mit den Frankfurter Bürgern“ beschreibt Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt das Verhältnis und fährt fort: „Neben der Forschungseinrichtung ist auch das Frankfurter Naturmuseum eine Institution der Stadt. Wir haben sofort zugesagt, als die Idee aufkam, gemeinsam diese Entwicklung auch als ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte in einer Jubiläumsausstellung darzustellen.“

Zuschauermagnet "Diplodocus longus" im Sauriersaal, dessen  Originalskelett  1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bei einem Rundgang durch das Museum stellten die Kuratorin Marie Rahn und Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, die dezentral angelegte Ausstellung vor. „Es hätte so viele Geschichten zu erzählen gegeben. Hier die Auswahl zu treffen, war nicht einfach“ berichtet Herkner. „Uns war es wichtig, den Besucherinnen und Besuchern auf einem Zeitstrahl immer auch zu veranschaulichen, welche Frankfurter und gesamthistorischen Themen und Ereignisse aktuell waren – zum Beispiel als das Originalskelett des Diplodocus longus 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde.“

Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten  Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow
Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den Büchern sind in Vitrinen Exponate aus der Forschungsgeschichte Senckenbergs zu sehen, so zum Beispiel ein mehrteiliges Mikroskop, mit dem bereits Fritz Römer als der erste hauptamtliche Kustode Senckenbergs zu Beginn des 20. Jahrhunderts Proben untersuchte. Die Ausstellung hebt zudem die historische Bedeutung einzelner Highlight-Exponate der Dauerausstellung hervor. Museumsbesucher erfahren bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung zum Beispiel von der Pflasterzahnechse, deren ausgestelltes vollständiges Skelett weltweit ein Unikat ist, oder von der Geschichte der berühmten, von Arthur von Weinberg gestifteten Edmontosaurus- Mumie.

Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ kann im Senckenberg Naturmuseum in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden.
Eintritt 9 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Kinder und Jugendliche (6
– 15 Jahre) sowie 23 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3
Kinder).

Begleitprogramm des Senckenberg Naturmuseums und des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“
29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt Ausstellungsbegleitend bieten das Senckenberg Naturmuseum, das Institut für Stadtgeschichte und das Historische Museum Veranstaltungen an.

Das Museumspädagogische Begleitprogramm im Senckenberg Naturmuseum
Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr
Öffentliche Mittwochabendführung für Erwachsene
Senckenberg – Quo vadis? mit Benjamin Weiß
Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden. In dieser Führung werden aktuelle Forschungsfragen Senckenbergs aufgegriffen und die dazu gehörigen Bereiche des Senckenberg Naturmuseums besichtigt, wie zum Beispiel die „Anatomie im Glas“ oder die Vogelausstellung im ersten Obergeschoss.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Mittwoch, 9. August 2017, 18 Uhr
Geschichten aus 200 Jahren Leidenschaft für Natur und Forschung in Frankfurt
mit Marie Rahn
Zum großen Jubiläum zeigt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Kooperation mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt eine Sonderausstellung zu ihrer Geschichte. Ein Rundgang mit der Kuratorin der Ausstellung führt zu den sieben im Museum verteilten Stationen und zu den Vitrinen mit historischen Forschungsobjekten aus 200 Jahren spannender Wissenschaftsgeschichte.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Special zum Jubiläumsjahr: Öffentliche Führung für Erwachsene 200 Jahre Senckenberg – ein Grund zu feiern, aber auch ein Grund zurückzublicken auf die Anfänge und die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Jeden dritten Samstag im Monat laden wir Sie auf eine Zeitreise durch die Geschichte unserer Gesellschaft und unseres Museums ein. Gemeinsam begeben wir uns auf Spurensuche, entdecken die häufig verborgenen Geschichten unserer Exponate und tauchen ein in die 200-jährige Forschungsgeschichte Senckenbergs. Die nächsten Termine:

Samstag, 15. Juli 2017 und Samstag, 19 August, 16 Uhr
Historische Führung zum Jubiläumsjahr

Ohne Anmeldung, ohne Teilnahmebegrenzung. Erhoben wird nur der Museumseintritt.
Treffpunkt: T. rex im Sauriersaal.

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.

Ausstellungsbegeleitende Veranstaltungen im Historischen Museum

Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main

Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Mittwoch, 13. September 2017, 19 Uhr
Eduard Rüppell – Der Humboldt Frankfurts
Führung mit Dr. Frank Berger
Der Frankfurter Forschungsreisende Eduard Rüppell sammelte auf seinen Expeditionen unzählige Objekte. So trug er im Kordofan innerhalb von 35 Tagen 65 Säugetiere, 11 Säugetier-Skelette, 160 Vögel und 12 Vogel-Skelette sowie fünf Amphibien zusammen. Seit ihrer Gründung war der unermüdliche Sammler in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft aktiv und versorgte sie mit naturkundlichen Präparaten, die er von seinen Reisen mitbrachte. Seine Schenkungen waren eine wesentliche Forschungsgrundlage für die Gesellschaft. Mit seinem Wissen trug er schon im 19. Jahrhundert zu ihrem Weltruf bei. Das Historische Museum Frankfurt stellt den großzügigen Universalgelehrten in der Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ vor.

Kinderspur zu Eduard Rüpell im Historischen Museum Frankfurt
Sonntag, 29. Oktober 2017, 15 Uhr
Auf der Kinderspur zu Eduard Rüppell – Universalgelehrter und Senckenberg-Förderer
Ausprobieren, entdecken und Sammelbildchen mitnehmen: Auf dem Weg durch die
Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ kann von den jungen Besucher/innen selbst etwas gesammelt werden. Ein deutlich erkennbares Zeichen markiert die Kinderspur.
Zur Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum gibt es ein spezielles Angebot in der Sammlung von Eduard Rüppell: Unter pädagogischer Anleitung entstehen gefaltete Schmetterlinge. Das Wissen um den bedeutenden Naturforscher und Förderer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft wird im Gespräch spielerisch vermittelt. Es gibt zudem in jedem Sammlerraum Sammelbildchen, die dann zu Hause in das Sammelalbum eingeklebt werden können, das Kindern und Familien ausgehändigt wird. Origamifalten, Sammelheft und Kinderspur für Kinder und Familien.

Ausstellungsbegeleitende Vorträge im Institut für Stadtgeschichte
(Dormitorium), Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main
Montag, 26. Juni 2017, 18.30 Uhr
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – 200 Jahre Leidenschaft für Natur
und Forschung in Frankfurt – was bisher geschah …
Referentin: Marie Rahn

Montag, 13. November 2017, 18.30 Uhr
„Alexander von Humboldt, der Eduard Rüppell Berlins. Leben, Werk und Rezeption des Frankfurter Forschungsreisenden im Vergleich“
Referent: PD Dr. Joachim Scholz, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 17.30 Uhr
„Das Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Institut für Stadtgeschichte“
Archivführung mit Stefanie Bohnensack und Dr. Joachim Kemper
Treffpunkt: Borsigallee 8 (Außenstelle des Instituts für Stadtgeschichte)
Dauer: 60 Minuten, Teilnahme: frei

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.
sowie unter: Historisches Museum Frankfurt

„Das Private ist politisch“ Institut für Stadtgeschichte zeigt Ausstellung des Vereins Frauen helfen Frauen e. V., vom 11.10. bis 13.11.2016

© Ausstellungs-Flyer Institut für Stadtgeschichte
© Ausstellungs-Flyer Institut für Stadtgeschichte

Zum 40jährigen Bestehen des Vereins „Frauen helfen Frauen e.V.“, der 1978 das erste autonome Frauenhaus in Frankfurt am Main eröffnete, macht die Ausstellung „Das Private ist politisch“ vom 11. Oktober bis 13. November 2016 Station im Institut für Stadtgeschichte. Zwölf Text- und Bildtafeln halten Rückschau, Gegenwart und Perspektiven des 1976 gegründeten Vereins fest. „Damit stellt das Institut der Öffentlichkeit eine seit Jahrzehnten wirkende Gruppierung der Frankfurter Frauenbewegung vor“, freute sich Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig. Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, ergänzte: „Die Ausstellung passt prima in unseren Auftrag, die Frankfurter Geschichte in ihrer großen Bandbreite und Vielfalt zu vermitteln.“

Frauen helfen Frauen unterhält in Frankfurt am Main ein Frauenhaus mit 60 Plätzen und eine Frauenberatungs- und Interventionsstelle. Der Verein engagiert sich seit 1976 für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das Anliegen der Gründerinnen war, die verborgene Gewalt gegen Frauen hinter den verschlossenen Wohnungstüren sichtbar zu machen und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken: Gewalt ist keine Privat- oder Familienangelegenheit, sondern eine Straftat. Frauen sollten gesellschaftliche Unterstützung erhalten, aus der gewalttätigen Beziehung wegzugehen.

„Gewaltschutzgesetz, polizeiliche Wegweisung des Täters aus der Wohnung sind Errungenschaf-ten! Sie wurden den Frauen nicht geschenkt“ betonte Hilke Droege-Kempf, langjährige Mitarbeiterin des Vereins. Nur die kontinuierliche und hartnäckige politische Arbeit der Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und Frauenprojekten zwang die Politik, Stellung zu beziehen und der Männergewalt gegen Frauen mit staatlichen Sanktionen zu begegnen. Heute gehört der Verein zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises „INTERVENTION – gegen Gewalt gegen Frauen in Frankfurt“ (InGe), der eine früher für autonome Projekte undenkbare Kooperation mit Polizei, Justiz und Jugendamt pflegt. Außerdem engagiert er sich im Arbeitskreis des städtischen Jugendamtes „AG § 78 Rechte der Kinder“.

Aus dem Wunsch der Mitarbeiterinnen, die Geschichte des Vereins mit seinen Wurzeln in der Frauenbewegung der 1970er Jahre zu dokumentieren, entstand diese Ausstellung. Sie verstehen die Schau als einen Teil weiblicher Geschichtsschreibung und möchten dieses Erbe an die Nach-folgegeneration weitergeben.

Inhaltliche Konzeption und wissenschaftliche Umsetzung der Ausstellung verantwortet zeitsprung. Kontor für Geschichte. Die Frankfurter Historikerinnen Heike Drummer und Jutta Zwilling zeichnen mit der flexiblen Ausstellung „Das Private ist politisch“ Entwicklungslinien von den politischen Anfängen der autonom bewegten Vereinsfrauen, über deren tatkräftiges Engagement gegen häusliche Gewalt bis zu ihrer heutigen professionalisierten Sozialarbeit nach. Sie verdeutlichen einerseits deren Wandel im Umgang mit staatlichen Institutionen und andererseits die Beibehaltung kollektiver Strukturen. Die Gestaltung der Ausstellung übernahm vd Design Hanau.

Die Arbeit des Vereins Frauen helfen Frauen ist auch nach 40-jährigem Bestehen so aktuell wie damals. Im Jahr 2015 haben 78 Frauen und 80 Kinder im autonomen Frauenhaus Zuflucht gefunden.

Die Ausstellung konnte nur durch großzügige Spenden zahlreicher Sponsoren und Stiftungen ermöglicht werden. Auch die Stadt Frankfurt hat sich an der Finanzierung maßgeblich beteiligt.

Zur Ausstellung werden öffentliche Führungen mit Praktikerinnen vom Verein Frauen helfen Frauen und einem Praktiker angeboten. Am Samstag, 15. Oktober 2016, 15 Uhr, mit Sabrina Kulhei und Hilke Droege-Kempf, am Mittwoch 19. Oktober 2016, 16 Uhr, mit Doris Feld und ChristaWellershaus, sowie sonntags um 16 Uhr am 23. Oktober 2016 mit Christa Wellershaus und Madeleine Baumeister und am 30. Oktober 2016 mit Christa Wellershaus und dem Hauptkommissar Staatsbereich Prävention a. D. Jürgen Petermann.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Kostenpflichtige Führungen für Gruppen mit der Kuratorin Jutta Zwilling können unter Tel. 212 31 417 oder per Mail an info.amt47@stadt-frankfurt.de vereinbart werden. Weitere Informationen unter www.stadtgeschichte-ffm.de.

Bei der Finissage am 12. November 2016 liest zunächst um 15 Uhr die Wiener Autorin Amaryllis Sommerer aus ihrem Psychothriller „Selmas Zeichen“, anschließend referiert um 16.30 Uhr die Polizeihauptkommissarin Verena Gerstendorff aus Frankfurt am Main zum Thema Stalking. Der Eintritt ist zu beiden Veranstaltungen frei.

Die Ausstellung im Refektorium des Karmeliterklosters ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Institut für Stadtgeschichte
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main
www.stadtgeschichte-ffm.de

Einladung zum Symposion „1866: Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich. Deutschland – Hessen – Frankfurt

Am 27. und 28. September 2016 veranstaltet das Institut für Stadtgeschichte in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung das Symposion „1866: Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich. Deutschland – Hessen – Frankfurt“.
Vor genau hundertfünfzig Jahren wurden die hessischen Territorialstaaten neu geordnet und auch die Freie Stadt Frankfurt am Main büßte mit der Annexion durch Preußen ihre Unabhängigkeit ein. Damit war auch das Ende des Deutschen Bundes besiegelt.

Bei dem zweitägigen Symposion werden namhafte Historiker den Weg vom Deutschen Bund zum 1871 gegründeten Deutschen Reich nachzeichnen und dabei speziell die hessischen Staaten und die Stadt Frankfurt in den Blick nehmen.

Über Ihre Teilnahme, Vor- und Nachberichterstattung würden wir uns sehr freuen. Das Programm können Sie dem Anhang entnehmen.

Bitte melden Sie sich bei Interesse kostenfrei bei Frau Franziska Kiermeier an (Tel. 069-212 49 730 oder franziska.kiermeier@stadt-frankfurt.de)

Museumsuferfest 2016: Institut für Stadtgeschichte

© massow-picture
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Institut für Stadtgeschichte: Klang im Kloster / Festival für Alte Musik Kostümführungen zu den Ratgeb-Wandgemälden und Künstlerführungen zu „Politische Plakatkunst Wilhelm Zimmermann“

Das Institut für Stadtgeschichte hat seinen Sitz im Karmeliterkloster, der ältesten erhalten Klosteranlage der Mainmetropole – ein Kleinod, das es zu entdecken gilt. Hier zeigt das Institut derzeit die Ausstellungen „Schauplätze. Frankfurt in den 50 er Jahren“ und „Renate Sautermeister. Farbsuggestionen“ – beide zu sehen bei Kuratorenführungen.

Im Refektorium präsentieren Solisten und Ensembles auf Originalinstrumenten verschiedene Programme unter dem Titel „VON DER SCHÖNHEIT – Empfindungen und Farben im Barock“. Die von der Ernst Max von Grunelius-Stiftung ermöglichten Konzerte beginnen samstags und sonntags jeweils um 12, 13, 14 und 16 Uhr. Weiter Informationen finden Sie hier oder unter www.klang-im-kloster.de.

Samstag, 27. August
11 – 15 Uhr Buchverkauf mit Dubletten aus der Bibliothek, modernes Antiquariat, Postkarten, Pläne

Ausführliches Programm

Institut für Stadtgeschichte

„Schauplätze Frankfurt in den 50er Jahren“ – Foto-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

"Berliner Straße beim Durchbruch, 1952" © ISG/W. Woscidlo, S7C1998_4461 Westlich der Neuen Kräme wurde die Berliner Str. neu durchgebrochen und im Bogen zur Weißfrauenstr. geführt. Dafür fielen die Ruinen der Weißfrauenkirche sowie von Teilen des Hirschgrabens und des Kornmarkts; mehrere kl. Straßen verschwanden ganz.
„Berliner Straße beim Durchbruch, 1952″
© ISG/W. Woscidlo, S7C1998_4461
Westlich der Neuen Kräme wurde die Berliner Str. neu durchgebrochen und im Bogen zur Weißfrauenstr. geführt. Dafür fielen die Ruinen der Weißfrauenkirche sowie von Teilen des Hirschgrabens und des Kornmarkts; mehrere kl. Straßen verschwanden ganz.

Ausstellung thematisiert Frankfurt am Main in den 50er Jahren
„Das Interesse der Öffentlichkeit am Wandel des Stadtbildes wächst stetig“, unterstrich Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth bei der Vorstellung der Fotoausstellung „Schauplätze. Frankfurt in den 50er Jahren“ im Institut für Stadtgeschichte. Sie zeigt vom 16. Februar bis 6. November 2016 in 15 Kapiteln die Veränderungen der Stadt in der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit und spürt dem Lebensgefühl dieser zunehmend von US-amerikanischen Einflüssen geprägten Jahre nach.

„Unsere neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen den Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war“, sagte die Leitende Direktorin des Instituts Dr. Evelyn Brockhoff – mit dem Geburtsjahr 1955 selbst ein Kind dieser Zeit. So freut sie sich besonders, dass „alte“ Frankfurter, die diese Jahre selbst erlebt haben, angesichts der gezeigten „Schauplätze“ ihren eigenen Erinnerungen nachgehen können.

"Nachtleben, 1960"  © ISG/F. Frischmann, S7FR_254 In den fünfziger Jahren entwickelte sich im „Flussgebiet“ des Bahnhofsviertels, zwischen Mosel- und Weserstraße, ein Vergnügungszentrum, in dem sich deutsche und internationale Messebesucher, Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung und amerikanische Militärangehörige mischten. An den Wochenenden, vor allem am Pay-day, wenn sich die Soldaten in Gaststätten, Musik- und Striplokalen sowie Bordellen amüsierten, gab es für den Streifendienst der amerikanischen Militärpolizei häufig Anlass einzuschreiten.
„Nachtleben, 1960″
© ISG/F. Frischmann, S7FR_254
In den fünfziger Jahren entwickelte sich im „Flussgebiet“ des Bahnhofsviertels, zwischen Mosel- und Weserstraße, ein Vergnügungszentrum, in dem sich deutsche und internationale Messebesucher, Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung und amerikanische Militärangehörige mischten. An den Wochenenden, vor allem am Pay-day, wenn sich die Soldaten in Gaststätten, Musik- und Striplokalen sowie Bordellen amüsierten, gab es für den Streifendienst der amerikanischen Militärpolizei häufig Anlass einzuschreiten.

Das Frankfurt der 50er Jahre war eine Stadt des Übergangs und der harten Kontraste. Neben Neubauten lagen Trümmer, Tausende warteten auf die Zuteilung einer Wohnung, während das Wirtschaftswunder von der Stadt Besitz ergriff und die provisorischen Verkaufsstände auf der Zeil den Einkaufspalästen Platz machten. Bei allen Vorbehalten den amerikanischen Besatzern gegenüber waren viele fasziniert von den Versprechungen des American Way of Life, der mit Musik, Film, Mode und Konsum im Alltag an Bedeutung gewann. Frankfurt gehörte zu den Kommunen in Westdeutschland, die ihre alte Stadtgestalt preisgaben, um dem motorisierten Verkehr gerecht zu werden. Nahezu alle Verkehrswege wurden verbreitert, kleinere Straßen und Gassen verschwanden, neue Verkehrsachsen wurden durchgebrochen sowie erste Parkhäuser errichtet. Der „Wiederaufbau Innenstadt“, als Frankfurter Lösung bekannt, gab dem zerstörten Zentrum ein neues Gesicht. Der Altstadtkern jedoch, wie in der Folgezeit das kleine Areal zwischen Römer und Dom bezeichnet wurde, blieb von dem Aufbau ausgenommen; die damals ungelöste Frage des Wiederaufbaus begleitet die Frankfurter bis heute.

(vl.)Tobias Picard M.A., Kurator, Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts, Dr. Michael Fleiter, Kurator
(vl.)Tobias Picard M.A., Kurator, Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts, Dr. Michael Fleiter, Kurator

Die beiden Kuratoren Dr. Michael Fleiter und Tobias Picard haben die umfangreichen Sammlungen des Instituts für Stadtgeschichte ausgewertet und aus mehreren zehntausend Motiven die eindringlichsten ausgewählt. Die Ausstellung ist das erste größere Projekt, für das auch die von der Frankfurter Rundschau übernommenen Fotobestände systematisch durchgegangen wurden – augenscheinlich ein Riesengewinn für die Bebilderung der jüngeren Stadtgeschichte. Ausgehend von Orten wie Paulskirche, Römerberg, Konsummeile Zeil, Flughafen, Messegelände oder Stadionbad lässt sie Schauplätze lebendig werden, die im Leben der Bevölkerung in den 50er Jahren eine Rolle spielten. Ihr Design ist in Form und Farben der „Nierentisch-Ära“ angelehnt.

Die Ausstellung soll die erste in einer Reihe von Dokumentationen zur Entwicklung Frankfurts sein. Das Institut für Stadtgeschichte plant Folgeveranstaltungen zu den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren, wie Brockhoff ankündigte.

"Begleitbuch zur Ausstellung“" © ISG, Michael Fleiter und Tobias Picard
„Begleitbuch zur Ausstellung““
© ISG, Michael Fleiter und Tobias Picard

Zur Schau ist unter dem Ausstellungstitel bei Henrich Editionen ein 192seitiger, reich bebilderter Begleitband (ISBN 978-3-943407-59-4) erschienen. Er ist im Institut für Stadtgeschichte sowie im Buchhandel für 14,90 Euro erhältlich.

 

 

 

Ein vielseitiges Begleitprogramm widmet sich Einzelaspekten.
Neben regelmäßigen Kuratorenführungen wird eine Vortragsreihe angeboten, die Kurator Tobias Picard M. A. mit dem Filmabend über Frankfurt im Wiederaufbau am 4. April 2016 um 18.30 Uhr eröffnet.

Der Leiter des Eintracht Frankfurt Museums Matthias Thoma stellt am 9. Mai 2016 unter dem Titel „Vom Neubeginn bis zur Deutschen Meisterschaft“ das sportliche Frankfurt vor. Es folgt am 4. Juli 2016 das Referat von Dr. Thomas Bauer „Ein Hoffnungsträger im Wiederaufbau: Walter Kolb, Oberbürgermeister 1946-1956“.

Ausstellungstafel "Schauplätze" zeigt historischen Fotos der Stunde Null mit erläuternden Texten.
Ausstellungstafel „Schauplätze“ zeigt historischen Fotos der Stunde Null mit erläuternden Texten.

Nach der Sommerpause geht es am 22. August 2016 mit Dr. Almut Gehebe-Gernhardt weiter, die über „Bomben – Bagger – Bauen. Planung und Entwicklung im Frankfurter Städtebau nach 1945“ spricht. Am 12. September 2016 geht es bei Jürgen Schwab unter dem Titel „Durchgejazzt“ um Streifzüge durch die Jazzhauptstadt der Republik in den 50er Jahren.

 

 

Dr. Bettina Tüffers beschäftigt sich am 17. Oktober 2016 mit Frankfurts Umgang mit der NS-Vergangenheit. Den Schlusspunkt der Reihe bildet der Vortrag „Welcome to little America“ von Thorsten Halsey M. A. Bis auf den Filmabend beginnen sämtliche Veranstaltungen um 18 Uhr.

Der Eintritt beträgt jeweils vier Euro, ermäßigt drei Euro. Daneben veranstaltet das Institut für Stadtgeschichte am 12. März 2016 um 16 Uhr ein Frankfurter Erzählcafé mit Stadtrat a. D. Dr. h. c. Ernst Gerhardt, der einen Rückblick auf seine Zeit als Stadtverordneter in den 50er Jahren wirft. Die Teilnahme kostet inklusive Umtrunk sechs Euro.

Die Archivpädagogin Manuela Murmann bietet für Gruppen die Arbeit mit Originalquellen unter dem Titel „Trümmer, Flüchtlinge und Wirtschaftswunder: Was die Frankfurter in den 50er Jahren bewegte“ an.

Die Angebote finden Sie auch auf dem flyer_schauplaetze

Anmeldung unter Tel. 069-212 339 51 oder manuela.murmann@stadt-frankfurt.de. Kosten entstehen den Teilnehmern nicht.

Die neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen. Foto © massow-pictureden Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war. (Dr. Evelyn Brockhoff , leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte)
Die neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen. Foto © massow-pictureden Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war. (Dr. Evelyn Brockhoff , leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte)

Die Ausstellung ist im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, Münzgasse 9, zu sehen und montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei. Für Gruppen können Führungen unter 069-212 314 17 oder info.amt47@stadt-frankfurt.de gebucht werden.

Nähere Informationen und genaue Termine der Veranstaltungen sind im Internet unter www.stadtgeschichte-ffm.de zu finden.

Max Beckmann- Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt bis 15.Nov. verlängert

© massow-picture
Max Beckmann Ausstellung im Karmeliter-Kloster © massow-picture

Die Max-Beckmann-Ausstellung im Karmeliter-Kloster (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt), wurde bis zum 15. November 2015 verlängert.

Öffnungszeiten:
Die Ausstellungen sind geöffnet Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr.
Der Lesesaal ist geöffnet Montag bis Freitag von 8.30 bis 17.00 Uhr.
Begleitprogramm
Eintritt: 6 €, ermäßigt 3 €, Schulklassen inklusive Führung 2,50 €/Person

Ort:
Instituts für Stadtgeschichte (Karmeliterkloster)
Münzgasse 9
D-60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0) 69 212-38 425
Fax: +49 (0) 69 212-30 753

Max Beckmann kommt nach Frankfurt – ab 15. 9. 15 im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

Wie der Maler zufällig in Frankfurt landete – und 17 Jahre blieb

Selbstbildnis, 1914 Radierung, 24,0 x 17,8 cm Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann © VG Bild-Kunst, Bonn / Repro: Martin Joppen
Selbstbildnis, 1914
Radierung, 24,0 x 17,8 cm
Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann © VG Bild-Kunst, Bonn / Repro: Martin Joppen

Wie kein anderer Maler der Moderne ist Max Beckmann mit Frankfurt verbunden. 17 Jahre seines Künstlerlebens verbrachte er am Main, obwohl er eher zufällig hier gestrandet war. Genau 100 Jahre ist das her. Das Institut für Stadtgeschichte zeigt zu diesem Anlass 75 Bilder aus seinem grafischen Werk.

Frankfurt am Main (pia) Im Herbst 1915 wurde der freiwillige Sanitätssoldat Max Beckmann krankheitsbedingt vom Kriegsdienst beurlaubt. Er wollte sich erholen und kam als „klägliches Nervenbündel“ auf der Suche nach einer Unterkunft nach Frankfurt. Aus dem kurzen Besuch bei seinem alten Studienfreund, dem Maler Ugi Battenberg, wurde ein Aufenthalt von insgesamt 17 Jahren. „Durch einen Zufall landete ich in diesen heiteren Jahren in Frankfurt a/M“, schreibt er ironisch an seinen Verleger Reinhard Piper und fuhr dann durchaus ernsthaft fort: „Hier fand ich einen Fluss der mir gefiel ein paar Freunde und ein Atelier.“

Der gute Freund

Ugi Battenberg, den er aus seiner Studienzeit an der Weimarer Akademie kannte, bewohnte mit seiner Frau Fridel und deren Bruder in Sachsenhausen die erste und zweite Etage des Hauses Schweizer Straße 3. Dort nahmen sie den damals 31-jährigen Beckmann auf, zunächst für einige Wochen, schließlich für länger, nachdem dieser im Frühjahr 1917 endgültig aus dem Militärdienst entlassen worden war. In einer Radierung porträtierte sich Beckmann 1916 mit den beiden Freunden in ausgelassener Runde. Das Bild ist, wie 74 weitere grafische Werke des Künstlers, vom 15. September bis zum 15. November in der Ausstellung „Max Beckmann kommt nach Frankfurt“ des Instituts für Stadtgeschichte zu sehen.

Das wohltuende Getümmel

Ugi Battenberg überließ dem Freund sein eigenes Atelier unterm Dach und ein angrenzendes Zimmer. Dort, im vierten Stock, wohnte und arbeitete Beckmann bis zu seiner Heirat mit seiner zweiten Frau Mathilde von Kaulbach, die er Quappi nannte, im Jahr 1925. Die beiden zogen danach ins Hotel, schließlich auf den Sachsenhäuser Berg. Das Atelier in der Schweizer Straße führte Beckmann bis 1933 weiter. Frankfurt gefiel ihm, besonders die Mischung aus „modernem Großstadtbetrieb“ und „altertümlicher Enge“. Und so blieb er so lange, wie an keinem anderen Ort in seinem Leben. In der Stadt fand er offenbar die richtigen Bedingungen, um seine Kriegserlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. „Gerade jetzt habe ich noch mehr als vor dem Krieg das Bedürfnis, unter den Menschen zu bleiben. In der Stadt. Gerade hier ist jetzt unser Platz“, schreibt er in einem seiner Briefe.

Sein Bedürfnis nach Distanz und Menschengetümmel zog ihn aus dem Atelier immer wieder zu öffentlichen Orten wie dem Hauptbahnhof. Im dortigen Restaurant trank er Sekt und aß Muschelsuppe, wie sich ein Zeitgenosse erinnert. Das Hin und Her der Reisenden auf dem Bahnhof ebenso wie im Hotel Frankfurter Hof, in dem er gerne auf dem hauseigenen Briefpapier schrieb und skizzierte, bot dem Maler Anschauungsmaterial für seine Bilder. Es hinterließ den Eindruck des „großen Menschenorchesters“, wie er es nannte.

Eine schaffensreiche Zeit

Der Krieg und die Menschen der Nachkriegszeit prägten seine Frankfurter Bilder, die stilistisch radikaler und kantiger wurden. Nachdem er sich in Berlin vor dem Ersten Weltkrieg bereits mit impressionistischen Gemälden einen Namen gemacht hatte, verlegte er sich in Frankfurt nach dem Einschnitt durch den Krieg auf die Druckgrafik. Ugi Battenberg hatte ihm mit dem Atelier auch seine Handdruckpresse überlassen, die sich für die Wiederaufnahme der künstlerischen Arbeit Beckmanns als unschätzbar erweisen sollte, wie der bekannte Kunsthistoriker und Kurator der aktuellen Ausstellung, Klaus Gallwitz, in seinem Aufsatz für die Katalog-Box deutlich macht. „Nicht vor der Staffelei, sondern mit der Radiernadel auf der Kupferplatte fasste Beckmann wieder Fuß“, betont er weiter. In Radierungen, Lithografien und Holzschnitten verarbeitete dieser seine Kriegserlebnisse. Vier Mappenwerke, Buchillustrationen, zahlreiche Porträts, Caféhaus-Szenen und Stadtlandschaften entstanden auf der Handpresse. In den zehn Jahren nach 1915 habe der Künstler mehr als zwei Drittel des Gesamtwerkes, Mappenwerke und Buchillustrationen eingeschlossen, produziert, betont Gallwitz. Dagegen habe Beckmann in der Kriegszeit in Frankfurt kaum mehr als ein Dutzend Bilder gemalt.

Mit wilder Entschiedenheit

Motive wie der Straßenrummel, das Publikum in den Caféhäusern, die Varietés und Nachtclubs faszinierten den Künstler. So zeigt etwa die Kaltnadelfolge „Gesichter“ die Großstadtgesellschaft während der Kriegsjahre. Für die Mappe „Die Hölle“ nutzte der Kinofan Beckmann, der häufig die „Harmonie“ in Sachsenhausen besuchte, filmische Techniken wie den Perspektivwechsel, erläutert der Beckmann-Fachmann Stephan von Wiese in seinem Artikel zur Ausstellung. Ab 1925 übernahm schließlich wieder die Malerei die Führungsrolle in seiner Arbeit. Der damalige Leiter des Feuilletons der Frankfurter Zeitung, Benno Reifenberg, resümiert entsprechend: „Ich glaube, die Graphik half dem aus dem Krieg auftauchenden und in die Nachkriegszeit taumelnden Mann sich unmittelbar und mit einer wilden Entschiedenheit zurechtzufinden.“

Ein exzentrischer Nachbar

Beckmann war ein leidenschaftlicher Spaziergänger. Zur Städelschule, wo er ab 1925 lehrte, ging er vom Sachsenhäuser Berg aus meist zu Fuß, „über den romantischen Hühnerweg zum belebten Wendelsplatz, von da durch Alt-Sachsenhausen weiter“, erinnert sich Gisela Hofmann-Schott, ab 1927 seine Nachbarin in der Steinhausenstraße. Sie beschreibt auch die Wohnung des Paares, ausgestattet mit Bildern des Malers und mit einem „wirklich himmlischen Himmelbett“ Quappis sowie mit einem einfachen eisernen Bettgestell ein Zimmer weiter, in dem der Maler meist erst gegen vier oder fünf Uhr morgens zur Ruhe kam.
Dass Beckmann durchaus ein exzentrischer Künstler war, zeigt eine Episode, an die sich die Nachbarin erinnert. Eines Tages sei er mit einem Auto in der Steinhausenstraße 7 vorgefahren. Es war ein Geschenk für seine Frau. Er hatte den Opel in Grün-Gelb lackieren lassen. „So einen Wagen gab es in der ganzen Stadt nicht ein zweites Mal. Es war eine Sonderlackierung à la Beckmann“, die überall großes Aufsehen erregte.“

Stadtansicht mit Eisernem Steg, 1923 Radierung, 21,8 x 28,0 cm Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann © VG Bild-Kunst, Bonn / Repro: Martin Joppen
Stadtansicht mit Eisernem Steg, 1923
Radierung, 21,8 x 28,0 cm
Sammlung Jürgen und Antje Conzelmann © VG Bild-Kunst, Bonn / Repro: Martin Joppen

Das liebe Frankfurt

In Frankfurt erfuhr der Künstler große Unterstützung, nicht nur durch Galerien, Kritiker und Sammler wie das Ehepaar von Schnitzler. Auch wenn Beckmann stets ein Einzelgänger blieb, hatte er sich in der Stadt ein wichtiges Netzwerk aufgebaut. So war er freitags zum Mittagstisch bei Heinrich Simon, dem Chefredakteur der Frankfurter Zeitung, eingeladen, wo er auch auf den Städeldirektor Georg Swarzenski und den Leiter der Städelschule Fritz Wichert traf, der ihm ab 1925 den dortigen Lehrauftrag vermittelte. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Beckmann jedoch im April 1933 entlassen. Er zog nach Berlin, dann ins Exil. „Das liebe Frankfurt“ hat er nie wieder gesehen. Er starb 1950 in New York. Seine Arbeiten wurden von den Nationalsozialisten reichsweit aus den Museen entfernt, fünf seiner Gemälde auch aus der Städtischen Galerie des Städel.

Eine umfangreiche Schenkung

In den 50er Jahren erhielt die Grafische Sammlung des Städel von Ugi und Fridel Battenberg eine umfangreiche Schenkung an Beckmann-Grafiken. 28 davon sind in der Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte zu sehen. Dazu 47 weitere Werke aus der privaten Sammlung von Jürgen Conzelmann. Von ihm sei auch die Anregung zur Ausstellung gekommen, berichtet die Abteilungsleiterin Franziska Kiermeier, die sich um die Organisation kümmert. Conzelmann ist nicht nur Beckmann-Sammler, sondern auch Eigentümer des Hauses Schweizer Straße 3. Er bescherte dem Institut für Stadtgeschichte „Max Beckmann kommt nach Frankfurt“, eine besondere Schau mit hochkarätigen Bildern, die im Refektorium des Hauses, also im Dialog mit den dortigen Ratgeb-Fresken zu sehen sein werden. Dazu sollen zeitgenössische Dokumente und Fotos aus dem Archiv ebenso wie ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen und Gesprächen, unter anderem mit Klaus Gallwitz und Stephan von Wiese, das Leben und Wirken Max Beckmanns in Frankfurt wieder lebendig werden lassen.

Sabine Börchers

Öffnungszeiten:
Die Ausstellungen sind geöffnet Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr.
Der Lesesaal ist geöffnet Montag bis Freitag von 8.30 bis 17.00 Uhr.
Begleitprogramm
Eintritt: 6 €, ermäßigt 3 €, Schulklassen inklusive Führung 2,50 €/Person

Ort:
Instituts für Stadtgeschichte (Karmeliterkloster)
Münzgasse 9
D-60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0) 69 212-38 425
Fax: +49 (0) 69 212-30 753

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt – Mesumsuferfest-Programm

Das Institut für Stadtgeschichte befindet sich im Karmeliterkloster. Sie ist die älteste erhaltene Klosteranlage der Main-Metropole und ein Kleinod mitten in Frankfurt. Zur Zeit werden in Begleitung des Grafikers und Designers Wilhelm Zimmermann die Ausstellungen „Politische Plakatkunst Wilhelm Zimmermann“ sowie „Die Frankfurter Großmarkthalle – Ort der Abwesenheit“ gezeigt.

Seit 1998 besteht am selben Ort das Festival für „Alte Musik“. Zudem ist hier die Agentur ALLEGRA (Produktionsleitung) für Konzerte auf historischen Instrumenten sowie Weltmusik und Crossover-Programme untergebracht.

Während des Museumsuferfestes schlüpft unter anderem Silke Westerhoff in die Rolle des Patriziers Claus Stalburg und erläutert im Kreuzgang und Refektorium die herausragenden Wandgemälde des Malers Jörg Ratgeb (um 1480-1526), die als die bedeutendsten vorbarocken Wandmalereien nördlich der Alpen gelten.

Programm

Samstag, 29. August 2015
12:00 Uhr Konzert 1: Gunar Letzbor (Musik von Bach, Telemann u. a. für Violine solo)
13:00 Uhr Konzert 2: MELiOS (spanisch-sefardische Musik, Jazz & Folklore)
14:00 Uhr Konzert 3: Gunar Letzbor (Musik von Bach, Telemann u. a. für Violine solo)
15:00 Uhr Kostümführung: Ratgeb
15:00 Uhr Künstlerführung: „Politische Plakatkunst Wilhelm Zimmermann“
16:00 Uhr Konzert 4: MELiOS (spanisch-sefardische Musik, Jazz & Folklore)
17:00 Uhr Kostümführung: Ratgeb

Sonntag, 30. August 2015
12:00 Uhr Konzert 1: Cora Schmeiser & Susanne Ansorg (Hildegard von Bingen u. a.)
13:00 Uhr Konzert 2: Ensemble ASPECTE (Musik von Händel, C.P.E. Bach, Quantz u. a.)
14:00 Uhr Konzert 3: Cora Schmeiser & Susanne Ansorg (Hildegard von Bingen u. a.)
15:00 Uhr Kostümführung: Ratgeb
15:00 Uhr Künstlerführung: „Politische Plakatkunst Wilhelm Zimmermann“
16:00 Uhr Konzert 4: Ensemble ASPECTE (Musik von Händel, C.P.E. Bach, Quantz u. a.)
17:00 Uhr Kostümführung: Ratgeb

Kontakt
Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069/21 23 84 25
Fax: 069/21 23 07 53

Internet:
E-Mail: info.amt47@stadt-frankfurt.de
www.stadtgeschichte-ffm.de

Öffnungszeiten:
Sa. und So.: 11.00 – 18.00 Uhr