Kategorie-Archiv: Senckenberg Naturmuseum

Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten 10.10.2019–19.01.2020 Senckenberg im Frankfurter Kunstverein

©  Foto: Diether  v Goddenthow.
© Foto: Diether v Goddenthow.

Vom 10. Oktober 2019 bis zum 19. Januar 2020 präsentiert der Frankfurter Kunstverein mit „Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten“ ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt, das den Blick von einem historisch gewachsenen, anthropozentrischen Weltbild auf ein systemisches Verständnis des Menschen als Teil des evolutionären Prozesses führt.

Das ist der Auftakt einer Kooperation der eigentlich unüblich erscheint zwischen zwei Häusern, die sich der naturwissenschaftlichen Forschung und zeitgenössischer Kunstproduktion widmen.  Es ist für uns eigentlich der Beginn einer mehrjährigen geplanten Kooperation. Und dieses Mal eröffnen wir mit der Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, und in Zukunft werden wir zu Gast im Senckenberg Naturmuseum sein, erläuterte Professorin Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins und Kuratorin der Sonderausstellung beim heutigen Pressegespräch im Frankfurter Kunstverein.

v.l.: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,  Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein, Kuratorin der Ausstellung, Philipe Havlik, Wissenschaftler im Senckenberg-Naturmuseum, als wissenschaftlicher Berater.  © Foto: Diether v Goddenthow
v.l.: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für
Naturforschung, Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein, Kuratorin der Ausstellung, Philipe Havlik, Wissenschaftler im Senckenberg-Naturmuseum, als wissenschaftlicher Berater. © Foto: Diether v Goddenthow

Das langwierige Programm im Frankfurter Kunstverein habe ja auch immer wieder gezeigt, „dass wir ein besonderes Interesse für die Künstlerinnen und Künstler haben, die sich den Wissen auch von naturwissenschaftlicher Erkenntnis her ernähren und die großen Fragen auch unserer heutigen Gesellschaft in zeitlichen und historischen Moment stellen“, sagte Nori. Und das löse diese Ausstellung bestimmt auch ein. „Wir haben haben nämlich vier Künstler /innen ausgesucht, die unterschiedliche Arten der Annäherung an die heutige Frage, wie wir uns als Mensch als Teil eines Planeten, eines Großen und Ganzen sehen“, die diese Fragen diskutierten, und ihre unterschiedlichen Positionen auch entsprechend repräsentieren könnten.
Es ginge bei der Kooperation insbesondere auch darum, zu fragen, wer aus welcher Perspektive vom „beschädigten“ Planeten Erde erzählt. Das sei die Grundidee mit der Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung, die viele visuelle Metaphern zeige, erstmal willkommen geheißen würden, so die Nori. In der Ausstellung stünden die Exponate aus dem Senckenberg Naturmuseum nicht nur als wissenschaftliche Belege, sondern sie seien Fragmente von der Welt im Verlauf ihrer Evolution. „Sie ermöglichen uns, einen Bezug zu Zeiten herzustellen, die so unermesslich sind, dass man sie in Zahlen ausdrücken, aber emotional nicht zu begreifen und zu empfinden vermag“, erläuterte die Kuratorin.

Die Ausstellung habe im wesentlichen mit dem Thema „Antropozen“ zu tun, ein Thema, mit dem der Mensch sich in den nächsten 100, 200 Jahren intensiv wird auseinandersetzen. Es ginge um eine kritische Betrachtung dessen, „das es uns auf der einen Seite gelungen ist, durch unsere Intelligenz eine Welt zu schaffen, in der es uns so gut geht, wie noch nie“, aber das Ganze „erfolgte auf Kosten des Planeten, dem Planeten der Erde“, sagte Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Unserem Naturkapital Erde ginge es so schlecht wie noch nie. „Das heißt: wir haben eigentlich in den letzten paar hundert Jahren unseren Planeten ziemlich ausgebeutet zu unserem Wohl. Und wir müssen jetzt Wege finden, wie wir eigentlich zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Erde kommen, eine Herausforderung, die alle betrifft. Und gerade da denke ich, macht es Sinn, Wissenschaft und Kunst näher zusammen zu bringen. Warum?: Wissenschaft und Kunst sind beides Früherkennungssysteme. Wenn immer sich etwas verändert“ reagierten Wissenschaft aber eben auch die Kunst als empfindsame Sensoren.

Kaum ein "Zeitzeuge" verbindet "Naturwissenschaft und Kunst" augenscheinlicher als der Agathoxylon, der verkieselte Stamm eines Nadelbaums, 225 Millionen Jahre alt, Nevada, USA, Leihgabe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v Goddenthow
Kaum ein „Zeitzeuge“ verbindet „Naturwissenschaft und Kunst“ augenscheinlicher als der Agathoxylon, der verkieselte Stamm eines Nadelbaums, 225 Millionen Jahre alt, Nevada, USA, Leihgabe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v Goddenthow

Tatsächlich beschäftigten sich Wissenschaft und Kunst intensiv auch mit diesem Thema, wir der Mensch eigentlich mit seinem Planeten umgehe, und das aus unterschiedlichen Perspektivenm, so Mosbrugger: „Wir Naturwissenschaftler kommen sehr stark von den Daten, von den Fakten, von den Prozessen, vom analytischem Verständnis. Die Kunst hat weniger einen reduktionístischen, sondern mehr einen holistischen Zugang“. In der Kunst ginge es auch um Fragen des Selbstverständnisses des Menschen, um existentielle Fragen und auch um Ästhetik.
Durch die Sicht aus unterschiedlichen Perspektiven, das Hin- und Herspringen zwischen Kunst- und naturwissenschaftlicher Welt, zwischen reduktionistischen und holistischen Sichtweisen, zwischen Sinnfrage und Verständnis, Prozessverständnis, entstünde für Betrachter ein Mehrwert und „wir beide sind überzeugt, dass dadurch mehr entstehen kann, sowohl für Leute, die mehr an Kunst interessiert sind, wie für Leute, die jetzt mehr an Naturwissenschaften interessiert sind“, so Mosbrugger. Wissenschaftliche Ansätze könnten durch die Kunst emotional erlebbar werden und neue Zugänge zu Erfahrungs- und Denkräumen führen.

Der Ansatz:

Für die Ausstellung produzieren zeitgenössische Künstler*innen Werke und Rauminstallationen und stellen diese in einen inhaltlichen Dialog mit wissenschaftlichen Exponaten aus den Sammlungen des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt. Das Ausstellungsprojekt wird von Podiumsdiskussionen begleitet, an denen Schriftsteller*innen, Naturwissenschaftler*innen, Philosoph*innen und zeitgenössische Künstler*innen miteinander das thematische Spektrum ausloten.

Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung wird die gesamte Fläche des Frankfurter Kunstvereins bespielen. Kuratiert wird die Schau von Franziska Nori, Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, in Zusammenarbeit mit Philipe Havlik aus dem Stab Zentrale Museumsentwicklung bei Senckenberg.

Den teilnehmenden Künstler*innen ist jeweils ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. Der Fokus der Ausstellung ist auf zeitgenössische Diskurse gerichtet, die aktuell in zahlreichen Disziplinen geführt werden und die sowohl das dualistische Denken (Mensch-Natur), als auch die Idee eines Vorrangs des Menschen neu überdenken.

So spielen zum Beispiel die Thesen der Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway eine Rolle, welche die darwinistische Auffassung von Evolution als Primat des Stärkeren um die Idee der Kollaboration zwischen Arten diskutiert. Auch die mikrobiologischen Erkenntnisse von Lynn Margulis und der von ihr und James Lovelock verfochtenen Gaia-Hypothese werden aufgegriffen. Sie betrachten die Erde als ein zusammenhängendes Ganzes, in dem ein selbstregulierender Prozess alle Lebewesen miteinander in einem System vereint.

Diese Gedanken haben in der heutigen Gesellschaft, verschiedenen wissenschaftlichen Diskursen und in der zeitgenössischen Kunst einen starken Widerhall erzeugt, der in unterschiedlichen ästhetischen Formulierungen seinen Ausdruck findet. Die Ausstellung „Trees of Life“ hat mit gänzlich unterschiedlichen Ansätzen arbeitende Künstler*innen eingeladen, ihre künstlerische Recherche in Frankfurt zu präsentieren.

Das Senckenberg Naturmuseum und der Frankfurter Kunstverein wollen als komplementäre Partner in einer strategischen Kooperation die Potentiale einer neuartigen Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst ausloten, um neue Perspektiven und Narrative zu präsentieren und dabei Verstehen und Orientierung verbinden.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Die drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen.

Mit dem Verständnis von Kunst als Mittler zwischen fachspezifischem Wissen aus den zahlreichen Forschungsbereichen, theoretischen Positionen und Lebensrealitäten, arbeitet der Frankfurter Kunstverein seit vielen Jahren bevorzugt mit Künstler*innen, die Fragestellungen aus technischen Wissenschaften, Naturwissenschaften als auch Geisteswissenschaften aufgreifen. Ihre künstlerischen Auseinandersetzungen und Präsentationen ermöglichen den Besucher*innen, sich durch ästhetische Erlebnisse wissenschaftliche Kenntnisse über die Entschlüsselung von Vernunft hinaus auch mit der Kraft der Poesie anzueignen.

Das Ausstellungsprojekt wird gefördert vom Kooperationspool Frankfurt.

Der Ausstellungsparcours

Rauminstallation "Leben im Wassertropfen" 2019, von Master-Studierenden, Intermedia Design Trier u. Prof. Daniel Gilgen mit Sound Editing von Marcus Haberkorn (Hochschule Trier) © Foto: Diether v Goddenthow
Rauminstallation „Leben im Wassertropfen“ 2019, von Master-Studierenden, Intermedia Design Trier u. Prof. Daniel Gilgen mit Sound Editing von Marcus Haberkorn (Hochschule Trier) © Foto: Diether v Goddenthow

Jede Zeit und jede Kultur hat ihre eigenen Denkmodelle, ihre eigenen Erzählungen hervorgebracht, wieder verworfen, weiterentwickelt oder gar vergessen und neuentdeckt. Das Wissen ist situativ, stellt die Geschichtswissenschaftlerin Donna Haraway fest. Realitätsvorstellungen sind gebunden an den Wissensstand einer Zeit und einer Kultur, die Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig generieren sie Machtgefüge und moralische Kategorien.

Den Auftakt der Ausstellung bildet im Erdgeschoss eine Auswahl an visuellen Metaphern: von der aristotelischen Scala Naturae, einer hierarchischen Anordnung der Lebewesen, an deren Spitze sich der Mensch über alle anderen Kreaturen erhebt und die Charles Bonnet 1781 zeichnete; über die Tagebuchaufzeichnung von Charles Darwin (1837), in der er die Evolution, und nicht das göttliche Prinzip, als Ursprung der Schöpfung erstmals skizzierte; über Ernst Haeckels Stammbaum des Menschen (1884), bis zur zirkulären Visualisierung von David Hillis, die im 21. Jahrhundert tausende von Arten in ihrer phylogenetischen Verknüpfung ohne Hierarchie darstellt. Diese Lebensbäume (trees of life) fassen in Bilder wie der (westliche) Mensch sich über die Jahrhunderte als Teil des Weltgefüges sieht.

Der Ausstellungsparcours führt die BesucherInnen weiter zu einem 225 Millionen Jahre alten versteinerten Baum. Der 1,7 Tonnen schwere Stamm kommt aus dem Petrified-Forest- Nationalpark in Arizona. Er stammt aus der Sammlung des Senckenberg Naturmuseum. Durch besondere Bedingungen ist der Stamm versteinert und steht nun als über zwei Meter hohes skulpturales Fossil in prächtigen Farben im Raum. Das Exponat stellt einen physischen Bezug her zwischen uns und einer Zeitdimension, die wir in Zahlen ausdrücken, aber emotional nicht zu begreifen und zu empfinden wissen.

Sonja Bäumel ist ein eigener Ausstellungsraum im ersten Geschoss gewidmet. Ihr künstlerisches Werk setzt an einer Kritik des sogenannten „human exceptionalism“ – der Sonderstellung des Menschen – an und stellt diese in Frage. Bäumels Arbeit entsteht vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass 50% des menschlichen Körpers aus Mikroorganismen besteht, mit denen er in komplexen symbiotischen Wechselwirkungen zusammenlebt. Für die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein wurde mit der Künstlerin eine umfassende Werkschau konzipiert, in der mehrere ihrer Arbeiten präsentiert werden. Das Material ihrer künstlerischen Arbeiten sind Mikroorganismen ihrer eigenen Haut, aus denen sie lebende Exponate schafft.

Im benachbarten Ausstellungsraum präsentiert der FKV den Film „Symbiotic Earth“, der 2017 an der University of Oxford seine Weltpremiere feierte. Die Mikrobiologin Lynn Margulis trug dazu bei, James Lovelocks Gaia-Hypothese durch ihre mikrobiologischen Erkenntnisse zu untermauern. Mit einem akademischen Hintergrund als Philosophin, die über die Evolutionsgenetik zur Biologie kam und an unterschiedlichen Universitäten arbeitete, war Margulis eine Verfechterin einer anderen Deutung der Evolution, als Ergebnis der Symbiogenese: der Verschmelzung von zwei Lebewesen zu einem Organismus.

Mit dem Film über Lynn Margulis setzt die Ausstellung Stromatholithen in einen räumlichen Dialog, die aus der Sammlung des Senckenberg Naturmuseums stammen. Die Fossilien entstanden vor über 560 Millionen Jahren. Die Versteinerungen bestehen aus Lagen urzeitlicher Cyanobakterien, die Lynn Margulis in ihrem Film als Urzelle allen Lebens und gleichzeitig als Quelle freien Sauerstoffs in der Atmosphäre aufzeigt. Im Querschnitt lassen sich unzählige Bakterienmatten erkennen, die von einer jahrhundertelangen Abfolge von Werden und Vergehen
zeugen.

Die Hochschule Trier hat mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine immersive Rauminstallation entwickelt. BesucherInnen betreten eine digitale Welt, in der das Leben im Wassertropfen und der darin existierenden Strahlentierchen, Wimperntierchen, Augentierchen und Rädertierchen überdimensional erfahrbar ist. In der Ausstellung wird die Arbeit erstmalig gezeigt.

Edgar Honetschläger ist Künstler und Filmemacher. In seiner künstlerischen Praxis konzentriert er sich auf die Frage nach kulturellen Gegebenheiten und dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Honetschläger entschied sich dazu, seine Stimme nicht ausschließlich als Künstler, sondern auch als Aktivist zu erheben und nicht mehr nur im symbolischen Raum der künstlerischen Produktion zu agieren. Mit der Schaffung des gemeinnützigen Vereins „GoBugsGo“ engagiert er sich seit 2018 dafür, weltweit Mitstreiter zu finden. Vor dem Hintergrund der drastischen Entwicklung, dass in den vergangenen zwanzig Jahren die Anzahl und Vielfalt der Insekten global dramatisch zurückgegangen ist, agiert Honetschläger mit dem Anliegen Lebensraum zurückzugewinnen und diesen durch Schenkung oder Kauf dauerhaft als kollektives Eigentum zu erwerben und ihn zu einem menschenfreien Raum umzuwandeln. Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal in Deutschland „GoBugsGo“ und widmet Honetschläger einen Ausstellungsraum, in dem sein aktivistisches Projekt gemeinsam mit einer historischen Insektensammlung aus den Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung präsentiert wird. Die Sammlung stammt aus Heidelberg, wurde im 19. Jahrhundert angelegt und zeigt in 42 einzelnen Kästen aufgereihte Arten aus der gesamten Welt. Die Objekte stehen in ihrer ästhetischen Präsenz für eine menschliche Form der Annäherung an Natur.

Im oberen Geschoss befindet sich das Werk des Künstlerkollektivs Studio Drift, das Lonneke Gordijn und Ralph Nauta in Amsterdam gründeten. Ihre Arbeiten untersuchen die Beziehung des Menschen zu den von ihm geschaffenen Dingen und Technologien. Die Ausstellung präsentiert die Werkreihe „Materialism“: Alltagsobjekte, Ikonen der Konsumgesellschaft wie das iPhone oder ein Nokia-Mobiltelefon, wurden in ihre zahlreichen Einzelteile und somit in die darunter liegende Ebene, die der Rohstoffe, dekonstruiert. Zwei weitere Objekte, die in den kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit eine zentrale Rolle spielen, sind Teil der Untersuchung von Studio Drift. Die Maschinengewehre M16 (mit Patrone) und die AK 47 (mit Patrone), beide zählen zu den bekanntesten Waffen weltweit. Alle Objekte wurden in ihre einzelnen Bestandteile und dann in ihre chemischen Elemente dekonstruiert und reverse-engeneered. Wir sehen die Artefakte nicht mehr in der Form industriell gefertigter Objekte. Wir begegnen ihnen in ihrer Essenz, in der Reduziertheit auf deren wesentliche Materie. Industrielle Produkte stehen als reine Rohstoffe vor uns, die zu abstrakten Kuben synthetisiert wurden. Geometrische Formen, die auf die Formensprache der klassischer Moderne und dessen Prinzip der Dekonstruktion verweisen.

In räumlicher Nähe stellt die Ausstellung die Quelle aller Elemente, die sich auf unserem Planeten befinden: den Kosmos. Gezeigt werden Moldavite und Meteoriten aus der Sammlung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Meteoriten entstanden vor 4,56 Milliarden Jahren, in der Frühzeit unseres Sonnensystems. Meteorite enthalten chemische Elemente, aus denen das gesamte Sonnensystem besteht und letztendlich alles Lebende auf unserem Planeten hervorgegangen ist. So stammt das Wasser der Ozeane von Kometen, das Kalzium und der Phosphor in unseren Knochen aus den Explosionen von Supernovae, der Wasserstoff in unseren Zellen ist ein Urelement des Urknalls. Eine VR-Station ermöglicht die immersive Erfahrung, die Wucht eines Meteoriteneinschlags selbst zu erleben.

Video-Raum "Holobiont Society" von Dominique Koch im 2. OG © Foto: Diether v Goddenthow
Video-Raum „Holobiont Society“ von Dominique Koch im 2. OG © Foto: Diether v Goddenthow

Dominique Koch bildet den Abschluss des Parcours. Ihre Werke stehen für eine zurzeit in zahlreichen Disziplinen geführte Debatte, die die Notwendigkeit sehen, gefestigte Denkmodelle anhand neuen Wissens wieder kritisch zu hinterfragen. Der Film „Holobiont Society“ entsteht als Montage aus Found Footage mit Audioaufzeichnungen von Interviews dreier international renommierter WissenschaftlerInnen – Scott Gilbert, Maurizio Lazzarato und Donna Haraway – sowie der elektronischen Musik von Tobias Koch. Der Film beginnt mit Gedanken des Biologen Scott Gilbert über den sogenannten genetischen Determinismus und leitet dann zu Lazzaratos kritischen Ansätzen zum Kapitalismus und der Ausbeutung als dessen zentrales Merkmal über. Als dritte Position problematisiert Donna Haraway die Idee der Sonderstellung des Menschen. Koch gelingt es, eine ihr eigene ästhetische Form zu finden, in der sie Fragmente diskursiver Wissensmodelle emotional auflädt.

Die Vernissage findet am 9. Oktober um 19 Uhr statt. Zur Eröffnung spricht unter anderem auch  Ayse Asar, Staatsministerin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Ort:

FRANKFURTER KUNSTVEREIN
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44, 60311 Frankfurt Main
www.fkv.de

Im Senckenberg-Naturmuseum kann man jetzt auch nach Dinos graben – „Dino-Grabung: vom Fund ins Museum“

Senckenbergs neue Grabungsstätte im kleinen Workshop-Bereich, gleich neben Diplodocus und Iguanodon, ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“. Doris Manz-Wisser (Förderin), Kuratorin Larissa Goebel, Claus Wisser (Förderer)und Museums-Direktorin Dr. Katrin Böhning-Gaese zeigen schon mal wie es geht. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Senckenbergs neue Grabungsstätte im kleinen Workshop-Bereich, gleich neben Diplodocus und Iguanodon, ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“. Doris Manz-Wisser (Förderin), Kuratorin Larissa Goebel, Claus Wisser (Förderer)und Museums-Direktorin Dr. Katrin Böhning-Gaese zeigen schon mal wie es geht. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Senckenberg- Naturmuseum Frankfurt können Kinder ab der dritten Klasse im Rahmen gebuchter Workshops und ab 1. November auch zu Geburtstagsfeiern nicht nur Dinos gucken, sondern auch nach ihnen graben. Wie Paläontologen können sie mit Grabungswerkzeugen wie kleinen Schaufeln und Pinseln, aber auch per Hand, in einer mit kieseligem Sand gefüllten Grabungskiste nach „alten“ Tyrannosaurus-Knochen suchen und diese ausgraben. Zuvor teilen sie – wie die Profis in echt – den Grabungsbereich ein in Quadrante und können dann skizzieren, von welcher Stelle ihr Fund stammt. Haben sie die Abgüsse von Dino-Überresten gefunden, und per Skizze dokumentiert, können sie raten, um welche Knochenstücke es sich handeln könnte. Unter fachkundiger Anleitung ihrer Lehrer oder der Museumpädagogik können sie direkt im Lichthof 1 am Skelette des T-Rex vergleichen, welchen Knochen ihre Funde denen des Dions entsprechen.

In den Vitrinen kann auch der "normale" Museumsbesucher erfahren, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie die Funde aus dem Stein kriegen, welche Prägarationsmethoden es gibt, und wie Abgüsse und von Knochenfunden gemacht werden und vieles mehr, erläutert die Kuratorin Larissa Goebel.©  Foto: Diether  v Goddenthow.
In den Vitrinen kann auch der „normale“ Museumsbesucher erfahren, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie die Funde aus dem Stein kriegen, welche Präparationsmethoden es gibt, und wie Abgüsse  von Knochenfunden gemacht werden und vieles mehr, erläutert die Kuratorin Larissa Goebel.© Foto: Diether v Goddenthow.

In der nachgestellten Grabungssituation befinden sich zurzeit Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura. „Unsere Grabungskiste ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“, betont Projektleiterin Larissa Goebel beim Pressegespräch- „Darin befinden sich die Abgüsse unsortierter Einzelknochen, die zunächst freigelegt werden müssen und dann einem Dinosaurier in unserem Museum zugeordnet werden können“ so die Projektleiterin. Aber auch dem „normalen“ Besucher wird die Möglichkeit gegeben, etwas zu dem Thema zu lernen. Dafür wurde eine kleine, aber feine Ausstellung um die Grabungskiste herum aufgebaut, in der jeder sehen und nachvollziehen kann, wie der Weg vom Knochenfund über die Restaurierung und Abguss-Herstellung bis hin zur Ausstellung erfolgen kann. In den Ausstellungsvitrinen wird erläutert, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie den Fund aus dem Stein kriegen, restaurieren, präparieren, konservieren und duplizieren.

Seit dem ersten Fund versteinerter Knochen von Diplodocus 1877 gab es verschiedene Theorien zu dessen Körperbau und Lebensweise. Anhand der hier gezeigten Modelle werden die verschiedenen Forschungs-Stadien bis heute nachempfunden. ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Seit dem ersten Fund versteinerter Knochen von Diplodocus 1877 gab es verschiedene Theorien zu dessen Körperbau und Lebensweise. Anhand der hier gezeigten Modelle werden die verschiedenen Forschungs-Stadien bis heute nachempfunden. © Foto: Diether v Goddenthow.

„In dem neuen Ausstellungsbereich ist etwas gelungen, das uns bei Senckenberg sehr am Herzen liegt“, freut sich Direktoriumsmitglied Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese. „Wir möchten Forschung in unseren Museen sichtbar und erfahrbar machen“, fährt sie fort. Dazu gehöre auch zu zeigen, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit jeder Neuentdeckung stetig weiterentwickeln. Der Fortschritt der Wissenschaft werde an drei Diplodocus-Modellen in der Ausstellung verdeutlicht. Sie zeigen unterschiedliche Phasen in der wissenschaftlichen Darstellung des Langhalssauriers. Einige Theorien gingen davon aus, dass er im Wasser lebte, andere wiesen ihm einen echsenhaften Gang zu. Die Rekonstruktion des Diplodocus, so wie er heute auch im Original im Museum zu bestaunen ist, war erst durch das Zusammenspiel verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen möglich. „Wir haben festgestellt, dass unsere Dinos ein sehr gutes Vehikel sind, um auch unseren jungen Museumsbesucher*innen Prozesse der Forschung nahe zu bringen“, ergänzt Dr. Eva Roßmanith, Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung. Gemeinsam mit Katrin Böhning-Gaese dankt sie den Förderern Doris und Claus Wisser dafür, dass sie dieses Projekt ermöglicht haben.

Impression der kleinen nachgestellten Grabungssituation. In der Grabungskiste  befinden sich Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura, wonach die Kinder unter fachkundiger Anleitung suchen können.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Impression der kleinen nachgestellten Grabungssituation. In der Grabungskiste befinden sich Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura, wonach die Kinder unter fachkundiger Anleitung suchen können. © Foto: Diether v Goddenthow.

Zu Herbstferienbeginn: Kostenlose Schnupper-Workshops
Am Montag, 30. September 2019, dem ersten Tag der hessischen Herbstferien, wird die nachgestellte Grabungssituation für alle interessierten Museumsbesucher*innen von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. Es werden dann kostenfreie Workshops angeboten, die jeweils zur vollen Stunde starten. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, um Voranmeldung vor Ort wird gebeten.

Buchung und Information unter: museumfrankfurt.senckenberg.de oder telefonisch unter 069/7542-1357 (Montag – Donnerstag von 9 – 12 und 13 – 16 Uhr).

Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben? Wachsende Ausstellung zur biobasierten Wirtschaft im Senckenberg Naturmuseum

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?
Wachsende Ausstellung zur biobasierten Wirtschaft im Senckenberg Naturmuseum
28. Mai 2019 bis 30. September 2020

Frankfurt am Main, den 27.05.2019. Wir schreiben das Jahr 2040. Die Wirtschaft hat sich grundlegend gewandelt: Kohle, Erdöl und Erdgas wurden durch nachwachsende Rohstoffe und biobasierte Reststoffe vom Markt verdrängt. Für mehr Nachhaltigkeit, den Erhalt der Artenvielfalt und damit unserer Lebensgrundlage war diese Abkehr von fossilen Ressourcen unvermeidbar. Doch wie genau sieht unser Alltag nun aus? Wie leben wir, was gibt es zu essen und wie bewegen wir uns von A nach B? Viele verschiedene Zukünfte sind vorstellbar. Drei davon zeigt die Ausstellung „Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?“. Entwickelt wurden die Inhalte im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts BioKompass gemeinsam mit Jugendlichen und Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. In der Ausstellung sind auch Museumsbesucher*innen dazu eingeladen, ihre Ideen einzubringen.

Dieser kleine Reaktor produziert Mikroalgen, die man essen oder in Kosmetikprodukten verwenden kann. Außerdem wird daran geforscht, aus Algen Asphalt und Treibstoff herzustellen.  Foto: Senckenberg, Sven Tränkner
Dieser kleine Reaktor produziert Mikroalgen, die man essen oder in Kosmetikprodukten verwenden kann. Außerdem wird daran geforscht, aus Algen Asphalt und Treibstoff herzustellen. Foto: Senckenberg, Sven Tränkner

Angesichts von Klimawandel und Artensterben sind nachhaltige und innovative Ansätze gefragt, wenn die Welt lebenswert bleiben soll. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Problematik und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Teil einer nachhaltigen Zukunft ist die Umstellung von fossilen auf nachwachsende, biobasierte Rohstoffe. Diese Wirtschaftsweise – die Bioökonomie – setzt auf Pflanzen, Tiere und biotechnologische Verfahren, um Ressourcen einzusparen. Ihre Chancen und Risiken stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Wie kann also unsere Zukunft aussehen? Setzen sich Hightech-Ideen durch, die fossile Rohstoffe vom Markt verdrängen? Oder etabliert sich bis zum Jahr 2040 ein ökologisch bewusster Lebensstil und die Menschen konsumieren freiwillig nur soviel sie brauchen? Vielleicht sorgt auch die Politik mit Gesetzen und Anreizen für klimaschonendes Verhalten in Wirtschaft und Gesellschaft. In Zukunftsdialogen wurden gemeinsam mit Jugendlichen sowie Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft solche unterschiedlichen Bilder für das Jahr 2040 entworfen und in greifbare Geschichten übersetzt. Drei davon sind die Grundlage der Sonderausstellung, die das Thema in die breite Öffentlichkeit trägt.

Die Gesamtprojektleiterin Dr. Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erläutert die Hintergründe: „Unser Ziel ist es, auch interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Wandel hin zur Bioökonomie einzubinden, das Wissen über Bioökonomie in der Gesellschaft zu fördern und hier im Senckenberg Naturmuseum den Dialog über die Gestaltung und mögliche Auswirkungen der Bioökonomie auf den Alltag anzuregen. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Austausch darüber, welche Bioökonomie wir uns wünschen und wie wir sie nachhaltig gestalten können, auch wenn dies Veränderungen im Konsumverhalten bedeutet.“

Um diesen Ausstausch zu fördern, wurden Frankfurter Jugendliche in die Entwicklung der Ausstellung einbezogen. Sie erarbeiteten Konzepte für die Vermittlung ihrer persönlichen Schwerpunkte im Museum. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen dabei (Plastik-)Konsum, Ernährung und Energieversorgung. Damit legten sie den thematischen Rahmen der Ausstellung fest. Christina Höfling, Kuratorin der Ausstellung betont: „Für das Senckenberg Naturmuseum ist dies das erste Mal, dass eine Ausstellung auf diese partizipative Weise entsteht. Jetzt schon ist es für alle Beteiligten ein inspirierender Prozess, bei dem jede Seite sehr viel lernt.“ Auch nach der Eröffnung wird dieses partizipative Konzept fortgeführt. Die Ausstellung soll wachsen und Besucher*innen können sich einbringen: Mit dem Thema „Konsum“ starten wir in einen Morgen 2040. Zahnputzbecher aus Flüssigholz, Kleidung aus Algen- oder Hanffasern und Becher aus Kaffeesatz: spannende Innovationen sind bereits zu sehen. Ansätze für einen nachhaltigen Mittag und Abend werden auf Basis der Konzepte der Jugendlichen und mit den Ideen der Besucher*innen entwickelt.

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft bei Senckenberg ordnet die Ausstellung ein: „Forschung für die Zukunft, Schutz der biologischen Vielfalt und Beteiligung der Öffentlichkeit – hier verbinden sich Kernthemen der Senckenberg-Gesellschaft. Wir müssen Wege finden, die Biodiversität und damit unsere Lebensgrundlage zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Möglich ist dies nur in einem Prozess, in den alle eingebunden sind. Dieses Prinzip wenden wir daher auch in der Ausstellung an.“

Die Ausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Weitere Informationen unter: www.senckenberg.de/biokompass
Ort: Raum 206, 2. OG im Museum

Mit dem Deepsea-Tauchboot zur Meereserforschung in die Tiefsee – Neue Themenräume bei Senckenberg geplant

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft und Kurator Thorolf Müller mit zwei Tiefsee-Flügelschneckem  in zehnfacher Vergrößerung, die unter anderem  im neuen Raum "Tiefsee" gezeigt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft und Kurator Thorolf Müller mit zwei Tiefsee-Flügelschneckem in zehnfacher Vergrößerung, die unter anderem im neuen Raum „Tiefsee“ gezeigt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Seit Jahren expandiert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung auf dem benachbarten ehemaligen Campus der Goethe-Universität zu einem der wohl einmal spannendsten Naturmuseen Deutschlands und größten weltweit. Im vergangenen Jahr konnte Senckenberg zum 200. Jubiläum sieben Jahre nach Planungsbeginn mit 22 Millionen Sammlungsstücken und seiner Verwaltung ins benachbarte, wieder original restaurierte und mit modernster Archiv- und Forschungstechnik ausgerüstete Jügelhaus umziehen. Jetzt und in den kommenden Jahren erfolgt – bei laufenden Betrieb – die Modernisierung und Erweiterung des Senckenberg- Naturmuseum Frankfurter Naturmuseum abschnittsweise. So entstehen modular vier die neuen Bereiche: Mensch, Erde, Kosmos und Zukunft. Sie werden die Besucher mitnehmen auf eine Reise zu den Anfängen des Menschen, den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und die Zukunft unseres Planeten beleuchten.

Als eines der ersten neu gestalteten Themenräumen will das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt im Dezember 2019 den Bereich „Meeresforschung“ und „Tiefsee“ im 2. Stockwerk seines Haupthauses eröffnen. „Wir starten hier in der „Tiefsee“, gehen dann über die Riffe und die Mangroven und das Wattenmeer, anschließend in die Bereiche Savannen, Wälder und letztlich ins Hochgebirge“, erläuterte Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft, auf dem gestrigen Pressegespräch. Dabei konnten die Medienvertreter schon einmal einen Blick hinter die Kulissen des Umbaus der künftigen Räume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ werfen. „Diese Räume“, so die Direktorin, „sollen das Eintauchen in diese verschiedenen Lebensräume erlauben.“ Gleichzeitig wolle man auch von der Bausubstanz her, die „‘schönen Decken‘ der 70er Jahre herausnehmen und das Gebäude wieder in der alten neobarocken Pracht zum Leben erwecken, jedoch mit einer modernen Lüftung und neuen Böden.“ So ähnlich wolle man auch mit allen folgenden Räumen im ganzen Haus verfahren.

Der eigentliche Umbaubeginn wurde erst möglich, nach dem die Haie aus ihrem bisherigen Domizil auf gleicher Etage nebenan in den Ausstellungsraum „Faszination Vielfalt“ umgezogen waren.  Diese beiden neuen Räume „Meeresforschung“ und „Tiefsee“ entstehen, so Kurator Dr. Thorolf Müller . in enger Kooperation mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Anhand einer Visualisierung des Raums „Meeresforschung“ des Ateliers Brückner erläuterte der Projektleiter und leidenschaftliche Tiefsee- und Meeresforscher Konzept und Ausstattung. Dabei zeigte sogleich ein paar wertvolle und bizarre Meeresbewohner-Exponate wie einen Fangzahn-Fisch, die leuchtende Tiefsee-Qualle Atolla wyvillei (Alarmqualle),  zwei Tiefsee-Flügelschnecken und ähnliche Modelle, die später im Raum „Tiefsee“ präsentiert werden sollen.

Ein Modell der leuchtenden Tiefsee- Qualle Atolla wyvillei, auch „Alarmqualle“ genannt, da sie bei Gefahr damit noch größere Feinde anlockt, um sich unmittelbare Angriffe vom Leibe zu halten. Ab dem 19.12.2019 zu sehen im neuen Themenraum „Tiefsee“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Modell der leuchtenden Tiefsee- Qualle Atolla wyvillei, auch „Alarmqualle“ genannt, da sie bei Gefahr damit noch größere Feinde anlockt, um sich unmittelbare Angriffe vom Leibe zu halten. Ab dem 19.12.2019 zu sehen im neuen Themenraum „Tiefsee“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Da man, so Dr. Thorolf Müller ,  zum Betrieb von Meeresforschung  jede Menge Gerätschaften brauche, würden diese den Kern dieses (Eingangs)Raums „Meeresforschung“ ausmachen. „Wenn Sie jetzt von hier vorne den Raum betreten, dann werden Sie zunächst auf diese Tauchkugel gucken“, wobei einer historischen Tauchkugel aus den 60er Jahren eine moderne amerikanische Tauchkugel gegenübergestellt werden wird, mit der man bis auf die Sink-Tiefe der Titanic von zirka 4.900 Meter Tiefe hinabtauchen könnte. Dabei handelt es sich um einen Nachbau der Deepsea, dem Tauchboot von Titanic-Regisseur James Cameron, der einer von den Fünfen ist, die bislang zur Titanic hinab tauchen konnten. Tiefseetauchen sei „wahnsinnig gefährlich und aufwendig“. Bemannte Tauchfahrten mache man genauso selten wie private Raumfahrten, so der Kurator.-Es gäbe sogar „Abstimmungen zwischen Raumfahrttechnikern und Tiefseetechnikern, um diese extremen Bedingungen, die herrschen, in beiden Ecken gerecht zu werden“, so Dr. Thorolf Müller.

Wenn die Besucher eine Weile im ersten Raum „Meeresforschung“ warten, werden sie durch Wand-Großprojektionen erleben, wie sie nach und nach durch die Wassersäule abtauchen in die Tiefsee. Es werde dabei, so der Kurator, natürlich immer dunkler. Und auf dem Weg in die Tiefe „werden immer wieder einzelne Exponate gehighlightet, die eben in dieser Höhe etwas tun oder sich in dieser Höhe bewegen.“ In vollflächigen Projektion werde zudem erklärt, welche Meeresbewohner einem begegnen, wie hoch der Druck und wie tief man gerade sei, welche Organismen da leben, bis man irgendwann ganz unten am Meeresgrund sei. Kurzum: Besucher, die den Raum „Meeresforschung“ betreten, erleben hier eine visuell simulierte Tauchfahrt. Über das Abtauchen „mit dem ganzen Raum“ hinaus, können Besucher im Tauchboot Deepsea auch selbst Pilot oder  Pilotin sein. Außerdem wird dargestellt, wie aufwändig eine Schiffsexpedition ist, welche Gerätschaften zur Erkundung der Meere und zum Bergen von Organismen verwendet werden und welche bemerkenswerten Ergebnisse die Meeresforschung erzielt. Nicht zuletzt wird der Einfluss des Menschen auf die Ozeane thematisiert werden.

Von hieraus gelangt man nebenan in den Hauptraum „Tiefsee“. Da werde es, ähnlich wie eben in der Tiefsee tatsächlich sehr dunkel sein. In diesem Raum wird dann das ganze wunderbare und unbekannte, mitunter unheimlich, bizarr und magisch anmutende, faszinierende Universum der Tiefsee gezeigt werden.

Weitere Infos!

Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst

Einzigartige Lebendrekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus) fürs Senckenberg-Museum

Lebendrekonstruktion von Hildegard Enting im Senckenberg Naturmusem. © Senckenberg / Tränkner
Lebendrekonstruktion von Hildegard Enting im Senckenberg Naturmusem. © Senckenberg / Tränkner

Zoologische Präparatorin Hildegard Enting erarbeitet einzigartige Lebendrekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus) für das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Frankfurt, 20.02.2019. Der Dodo, auch Dronte genannt, war ein flugunfähiger Taubenvogel, der im Indischen Ozean auf Mauritius lebte. 1598 berichteten Seefahrer erstmalig von dem Vogel, 100 Jahre später war er bereits ausgestorben. Heute steht er ikonisch für von Menschen ausgerottete Tierarten. Seefahrer steuerten auf der Ostindienroute die Insel an und nahmen die Vögel als Proviant mit auf lange Seefahrten. Hauptgründe für das Aussterben des Dodos waren neben der Bejagung eingeschleppte Ratten und ausgewilderte Haustiere, die die Gelege der bodenbrütenden Vögel zerstörten. Bei den weltweit seltenen Museumsexemplaren des Dodos handelt es sich fast ausschließlich um Skelette. Nur ein Kopf mit mumifizierter Haut ohne Federn ist in Oxford erhalten. Ein mumifizierter Fuß gilt als verschollen. Abgesehen von diesen Relikten kann das Erscheinungsbild des Dodos nur anhand zeitgenössischer Zeichnungen und Gemälde rekonstruiert werden. Die Zoologische Präparatorin Hildegard Enting hat auf Basis dieser Quellen und unter Berücksichtigung aktueller Forschungserkenntnisse eine Lebendrekonstruktion des Dodos erstellt, die ab dem 23. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen sein wird. Unterstützt wurde Hildegard Enting vom Senckenberg-Ornithologen Dr. Gerald Mayr, von Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum bei Senckenberg, sowie von den Sponsoren des Dodos Dr. Claudia Giani-Leber und Dr. Hendrik Leber.

Angefangen hat alles mit dem Buch „Extinct Birds“ von Errol Fuller, das Hildegard Enting vor 20 Jahren als Technische Assistentin beim Senckenberg-Ornithologen Dr. Gerald Mayr entdeckte. Auf der Umschlagseite waren Zeichnungen von Dodos abgebildet, und besonders die Tuschezeichnung von Herman Saftleven ließ sie nicht mehr los. Sie begann ein intensives Studium zeitgenössischer Quellen, befasste sich mit dem aktuellen Forschungsstand und startete schließlich als zoologische Präparatorin ihr Traumprojekt der Dodo-Rekonstruktion.

Nur wenige Abbildungen und Berichte aus dem 17. Jahrhundert beschreiben das Aussehen und Verhalten des Dodos. Enting hat sich mit ihnen intensiv auseinandergesetzt und sie mit neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zu einem aktualisierten Gesamtbild vereint. „Sich mit dem Dodo zu beschäftigen ist wie eine Zeitreise“, schwärmt Hildegard Enting. Die zoologische Präpartorin hat für verschiedene Merkmale des Vogels unterschiedliche Quellen herangezogen. Das Schwanzgefieder und die Färbung beruhen auf einer Miniatur-Darstellung des indischen Künstlers Ustad Mansur aus dem 17. Jahrhundert. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen sind die Schwanzfedern eher unauffällig und kleiner gestaltet. Die auffällig kräftigen Beine und der gebogene, spitz auslaufende Schnabel sind durch Zeichnungen und Beschreibungen in Schifflogbüchern der Gelderland (1601-1603) gut dokumentiert. Die Augen hat Enting in Anlehnung an schriftliche Berichte hell und mit einem leicht gelblichen Schein versehen. Da sich die Augen des Dodos – wie bei vielen Vögeln – seitlich am Kopf befinden, musste er seinen Kopf leicht neigen, um sein Gegenüber im Blick zu haben.

Genau dieser Blick spiegelt laut Hildegard Enting das Wesen des Taubenvogels wider, der keine natürlichen Fressfeinde besaß und frei von Fluchtinstinkten zutraulich und neugierig gewesen sein soll. Neben dem außergewöhnlichen Aussehen des Vogels und den ungewöhnlichen Proportionen gehört diese Wesensart zu den Phänomenen, welche die anhaltende Faszination des Dodos ausmachen. Vor allem die Darstellung in Lewis Carolls „Alice im Wunderland“ machte den Vogel populär.

„Es war mir wichtig, dass meine Rekonstruktion lebendig wirkt und dass der Betrachter mit ihr in Blickkontakt treten kann“, erklärt die Präparatorin. „Wir sind sehr stolz darauf, dass diese einzigartige Rekonstruktion nun unseren Vogelsaal bereichert und unseren Besucherinnen und Besuchern eine besondere Begegnung mit dem ausgestorbenen Vogel ermöglicht“, ergänzt Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum. „Wir möchten unsere Museumsgäste für den Dodo begeistern und gleichzeitig auch das Thema der vom Menschen ausgerotteten Tierarten wieder stärker ins Bewusstsein rücken“, fasst Herkner zusammen.

Kontakt
Hildegard Enting
Zoologische Präparatorin
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Tel. 069 – 7542 1360
hildegard.enting@senckenberg.de

NACHTS IM SENCKENBERG MUSEUM und weitere Programm-Highlights bis März 2019

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Eine erlebnisreiche Alternative zum nasskalten Schmuddelwetter bietet das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt mit seinem vielseitigen Veranstaltungsprogramm von Januar bis März 2019 für die ganze Familie. Im spannenden Ferienprogramm stehen Bildung und Vermittlung mit der Forschungsstation „Winzige Wunderwelt – Die Vielfalt unter dem Mikroskop“, eine Winterferienführung am 04. und 11. Januar  2019 von 11:00 – 15:00 Uhr, sowie  öffentliche Highlightführungen an den Samstagen, 15:00 Uhr, und Sonntagen, 11:00 Uhr, im Vordergrund.

Weitere Programm-Höhepunkte bis Ende März sind:

NACHTS IM SENCKENBERG MUSEUM
FREITAGS | 19:00 – 20:00 UND 20:30 – 21:30 UHR
25. JANUAR | 08. FEBRUAR | 29. MÄRZ 2019
Licht aus! Eine besondere Führung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Durchstreifen Sie gemeinsam mit unseren Guides das geschlossene Museum in ruhiger
Atmosphäre. Mit dem Lichtkegel der Taschenlampe wirken selbst die Schatten lebendig!
Teilnahmegebühr 15,– Euro, Senckenberg-Mitglieder 10,– Euro
Anmeldung erforderlich

NEU: DIE LETZTE RUNDE! MIT DEN BESTEN HIGHLIGHTS AM ABEND
MITTWOCH 30. JANUAR | 27. FEBRUAR | 27. MÄRZ 2019 | 19:00 – 20:00 UHR
Wir drehen eine letzte Runde durchs Haus. Neu im Programm – eine Highlightführung mit einem Feierabendgetränk. Immer am letzten Mittwoch im Monat von 19:00 bis 20:00 Uhr.
Teilnahmegebühr: 10 Euro, Senckenberg-Mitglieder 8 Euro
Anmeldung erforderlich

VON KOHLENSÄURE UND MIKROPLASTIK
SCIENCE AFTER WORK mit Stefanie Raddatz
MITTWOCH 06. FEBRUAR 2019 | 19:30 – 21:30 UHR
Die Ozeane werden in vielfältiger Weise durch uns Menschen belastet. Doch was wird im Zuge dessen mit den Korallen geschehen? Durch kleine Experimente werden wir herausfinden, was es mit der Ozeanversauerung auf sich hat und wie wir selbst einen Beitrag zu einem saubereren Ozean leisten können.
Anhand spannender Experimente und Aufgaben beschäftigen wir uns bei „Science after Work“ intensiver mit einem wissenschaftlichen Thema. Dazu servieren wir Getränke und Snacks.
Teilnahmegebühr: 20 Euro, Senckenberg-Mitglieder 15 Euro
Anmeldung erforderlich

WIE ENTSTEHT EINE AUSSTELLUNG?
HINTER DEN KULISSEN mit Philipe Havlik, Projektmanager im Stab Zentrale Museumsentwicklung
DIENSTAG 19. FEBRUAR 2019 | 19:00 – 20:00 UHR
Philipe Havlik hat bereits zahlreiche Ausstellungen in Museen und an öffentlichen Orten entworfen, geplant und begleitet. Was bei der Gestaltung einer Ausstellung alles im Hintergrund passiert, sehen die BesucherInnen oft nicht. In unserem Format „Hinter den Kulissen“ erfahren Sie, um welche Herausforderungen es bei dem Großprojekt der Museumserweiterung im Senckenberg Naturmuseum geht.
Teilnahmegebühr: 12 Euro, Senckenberg-Mitglieder 10 Euro
Anmeldung erforderlich

TIERISCHE LICHTER: VON GLÜHENDEN WÜRMCHEN UND LEUCHTENDEN FISCHEN
ABENTEUER MUSEUM (4 – 6 Jahre)
DONNERSTAG | 28. MÄRZ 2019 | 15:00 – 16:30 UHR
Einige Tiere leuchten und blinken – allerdings ganz ohne Lampe und ohne Batterien oder Stromanschluss. Aber wie machen sie das? Und vor allem warum?
Im Museum kann man große Abenteuer erleben! Nach einer Führung mit wechselnden Themen findet sich das jeweilig Erlernte in einer kreativen Aktion wieder.
Teilnahmegebühr 15 Euro | Senckenberg-Mitglieder 10 Euro
Anmeldung erforderlich!

Programm Senckenberg Naturmuseum Jan bis März 2019.pdf

SENCKENBERG Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt
www.senckenberg.de
Info@senckenberg.de
T +49 (0)69 7542-0

Homo georgicus – der Schädel aus dem Ursprungsland der ersten Europäer

Das Original des weltweit vollständigsten  fossilen Menschenschädels – Schädel 5 aus  Dmanisi – für fünf Wochen zu sehen im  Senckenberg Naturmuseum. Foto: Guram Bumbiashvili, Nationalmuseum Georgien
Das Original des weltweit vollständigsten
fossilen Menschenschädels – Schädel 5 aus
Dmanisi – für fünf Wochen zu sehen im
Senckenberg Naturmuseum.
Foto: Guram Bumbiashvili, Nationalmuseum Georgien

Präsentation vom 11. Oktober bis 18. November 2018 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Frankfurt, 10.10.2018. Georgien ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Aus diesem Anlass zeigt das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Georgischen Nationalmuseum ein außerordentliches Fossil. In Georgien wurden die bisher ältesten Überreste von Menschen außerhalb Afrikas gefunden. Sie werden der Zeit vor 1,8 Millionen Jahren zugeschrieben und gelten somit als die Vorfahren der ersten Europäer. Von besonders großer wissenschaftlicher Bedeutung sind fünf aus der gleichen Fundschicht stammende, gut erhaltene Schädel. Eines dieser Fossilien, „Schädel 5“, wird in der Schatzkammer des Museums ausgestellt. Er ist der weltweit vollständigste fossile Menschenschädel, bei dem auch der Unterkiefer erhalten ist. Der Originalschädel wird erstmals außerhalb Georgiens zu sehen sein.

Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums, eröffnete die Ausstellung und dankte dem Georgischen Nationalmuseum sowie anwesenden Vertretern des georgischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport für die Möglichkeit, diesen Sensationsfund aus der Grabungsstätte Dmanisi dem Frankfurter Museumspublikum im Original zu präsentieren. Mulch verwies dabei auf die paläoanthropologische Tradition des Senckenberg-Forschungsinstituts und auf die Chancen, die sich aus der Forschung zur Entwicklung des Menschen ergeben: „Ich freue mich sehr, dass in unserem Haus, mit seiner bereits 1968 von Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald gegründeten paläoanthropologischen Abteilung, nun ein für die Forschung so bedeutendes Originalfossil gezeigt werden kann“.

Mikheil Giorgadze, stellvertretender Minister für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport in Georgien bei der Einweihung des „Schädel 5“. Foto: Senckenberg/Tränkner
Mikheil Giorgadze, stellvertretender
Minister für Bildung, Wissenschaft,
Kultur und Sport in Georgien bei der
Einweihung des „Schädel 5“.
Foto: Senckenberg/Tränkner

1991 wurden bei Grabungen in der Nähe des Dorfes Dmanisi Reste von fossilen Menschen gefunden. Der Ort liegt etwa 85 Kilometer südwestlich der georgischen Hauptstadt Tiflis. In den Folgejahren wurden auf einer Fläche von etwa 400 m² fünf Menschenschädel, zahlreiche weitere Skelettelemente sowie einfache Steinwerkzeuge entdeckt. Das Alter der Fossilien konnte auf etwa 1,8 Millionen Jahre datiert werden. Sie sind damit die ältesten Frühmenschenfunde außerhalb Afrikas und gelten als Vorfahren der ersten Europäer. Senckenberg-Anthropologe Prof. Dr. Friedemann Schrenk nennt die Grabungsstätte Dmanisi eine „spektakuläre Homininen-Fundstelle“, die mit über 20 geborgenen Homininenfragmenten „in die kleine Spitzengruppe der bedeutendsten Hominiden-Fundstellen der Welt aufgerückt ist“.

Die vollständige Erhaltung der fünf Schädel aus Georgien erklärt man sich damit, dass Hyänen sie in unterirdische Höhlen schleppten und sie dort vor Zerfall geschützt waren. Die Überreste von drei Männern und zwei Frauen unterschiedlichen Lebensalters weisen eine Mischung anatomischer Merkmale auf, die vor deren Funden verschiedenen Frühmenschenarten zugeordnet wurden. „Hätte man die einzelnen Schädel an voneinander weiter entfernten Fundorten entdeckt, wären sie aufgrund ihrer großen anatomischen Verschiedenheit wahrscheinlich unterschiedlichen Arten zugeordnet worden“, so Schrenk. Doch die tatsächliche Fundsituation lässt für die internationale Forschergemeinschaft nur den Schluss zu, dass sie alle Angehörige derselben Population waren.

Senckenberg-Paläoanthropologe Prof. Dr. Friedemann Schrenk (links),  im Gespräch mit Prof. Dr. David Lordkipanidze, Generaldirektor Georgisches Nationalmuseum, über neueste Forschungen zu „Schädel 5“  und den Kaukasus als Hotspot der Evolution früher Menschen. Foto: Senckenberg/Tränkner
Senckenberg-Paläoanthropologe
Prof. Dr. Friedemann Schrenk (links),
im Gespräch mit Prof. Dr. David Lordkipanidze,
Generaldirektor Georgisches Nationalmuseum,
über neueste Forschungen zu „Schädel 5“
und den Kaukasus als Hotspot der Evolution früher Menschen.
Foto: Senckenberg/Tränkner

Der im Jahr 2005 entdeckte Originalschädel „Schädel 5“ ist der am besten erhaltene und kompletteste der fünf Schädel und zugleich der weltweit vollständigste eines fossilen Menschen. Ihm wurde später ein fünf Jahre zuvor gefundener Unterkiefer zugeordnet. Auffällig sind der große Gesichtsschädel mit den prominenten Überaugenwülsten und das kleine Gehirnvolumen von nur 546 cm³. Damit besaß dieses Individuum unter den Dmanisi Frühmenschen das kleinste Gehirnvolumen, obwohl es mit einer Körperhöhe von etwa 1,60 Metern größer war als die anderen. Man geht davon aus, dass es sich um eine männliche Person im Alter von etwa 40 Jahren handelt.

Friedemann Schrenk und Grabungsleiter David Lordkipanize sprachen über die neueste Forschung an „Schädel 5“ sowie über den Kaukasus als Hotspot der Evolution früher Menschen. Aktuelle Forschungsmethoden erlauben Einblicke in die biologische und soziale Variabilität der frühen Homininen-Population. „Die Zähne sind völlig abgenutzt, die Zahnwurzel war entzündet. Der rechte Wangenknochen war aufgrund einer
Fraktur deformiert, das linke Unterkiefergelenk weist Anzeichen einer chronischen Arthritis auf“, erklärt Schrenk und ergänzt: „Durch die Funde aus Dmanisi wissen wir heute, dass die ersten Frühmenschen spätestens vor 2 Millionen Jahren zum ersten Mal den afrikanischen Kontinent verließen. Ressourcenreiche Flusstäler erlaubten ein rasches Vordringen der Homininen in den Südkaukasus. Die dortigen Lebensräume boten ideale Lebensbedingungen und waren daher das früheste Zentrum der Menschhheitsgeschichte in Europa.“

Der „Schädel 5“ ist vom 11. Oktober bis zum 18. November 2018 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen. Begleitet wird die Präsentation des einzigartigen Exponats von Repliken der anderen vier Schädel, von einigen großformatigen Fotos sowie von einem Kurzfilm über die Arbeiten an der Grabungsstätte Dmanisi.

Die Präsentation kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Eintritt: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Georgischen Nationalmuseum und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport Georgiens im Rahmen des Gastlandauftritts Georgiens auf der Frankfurter Buchmesse 2018 entstanden.

Der in der Ausstellung gezeigte Kurzfilm über die Grabungsstätte Dmanisi wurde mit Mitteln des Aktionsplans der Leibniz-Forschungsmuseen finanziert.

Ort:
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

Senckenberg-Forschungsgebäude mit einem feierlichem Festakt eingeweiht

Forschungsgebäude Arthur-von Weinberg-Haus und Jügelhaus. © Foto: Diether v. Goddenthow
Forschungsgebäude Arthur-von
Weinberg-Haus und Jügelhaus. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gestern in einem feierlichen Festakt ihr Forschungsgebäude Arthur-von Weinberg-Haus und Jügelhaus eingeweiht.

Damit feierte die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung nach etwa sieben Jahren Planungsbeginn und gut vier Jahren Baubeginn den Abschluss des bisher größten Bauprojekts in ihrer Geschichte: 22 Millionen Sammlungsobjekte wurden umgezogen, klimatisierte Sammlungsräume und Labore errichtet und moderne Arbeitsräume geschaffen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können nun in direkter Nachbarschaft zu ihren Sammlungen unter neuesten Standards arbeiten und forschen. In Anwesenheit von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier wurden die neuen Forschungsgebäude feierlich eingeweiht. Dabei erklang erstmals wieder die 1947 erbaute Bach-Orgel im Festsaal, gespielt und begleitet von Musikern des Collegium Musicum der Goethe-Universität.

Mit einem feierlichen Festakt weihte die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung heute die neuen Forschungsgebäude Arthur-von Weinberg-Haus und Jügelhaus ein. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung Collegium Musicum der Goethe-Universität Frankfurt unter Leitung von Jan Schuhmacher, unter anderem mit dem Orgelkonzert in F-Dur, HWV 292, von Georg Friedrich Händel. Zum ersten Mal seit ihrer Grundsanierung lies Organist Vicent Knüppe die große Orgel im Festsaal des Jügelhauses wunderbar erklingen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mit einem feierlichen Festakt weihte die Senckenberg Gesellschaft für
Naturforschung heute die neuen Forschungsgebäude Arthur-von
Weinberg-Haus und Jügelhaus ein. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung Collegium Musicum der Goethe-Universität Frankfurt unter Leitung von Jan Schuhmacher, unter anderem mit dem Orgelkonzert in F-Dur, HWV 292, von Georg Friedrich Händel. Zum ersten Mal seit ihrer Grundsanierung lies Organist Vicent Knüppe die große Orgel im Festsaal des Jügelhauses wunderbar erklingen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es ist so gut wie geschafft – letzte Sammlungsstücke, das Modell eines Pottwal-Kalbs und einige Büros müssen bis zum Endes des Monats noch aus dem Standort Kuhwaldstraße in die neuen Forschungsgebäude umziehen. Dann ist das bislang größte Senckenberg-Umbauprojekt abgeschlossen.

Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Ich bin sehr glücklich, an dem heutigen Festtag das Gelingen dieses großen Bauprojekts mit Ihnen feiern zu können, das für unser Frankfurter Institut, seine exzellente Forschung und herausragenden Sammlungen nun auch die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung stellt“, freut sich Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger. „Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Land Hessen und dem Bund, die diese riesige Umbaumaßnahme ermöglicht und finanziert haben“, fährt er fort. Die Umbaumaßnahmen haben die Forschungsbedingungen der WissenschaftlerInnen optimiert. „Durch die Unterbringung der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen in einem Gebäudekomplex am Standort Frankfurt entstehen neue Synergien in der Erforschung des Systems Erde“, ergänzt Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums. „Die räumliche Nähe zum Museum ermöglicht zudem einen noch engeren Austausch zwischen Forschung und Vermittlung und unterstützt somit unser Ziel, die Bedeutung von Forschung für die Gesellschaft in unserem Museum deutlich präsenter zu machen“, so Mulch weiter.

(v.li.) Prof. Dr.-Ing. Dr.h. c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Wilfried Kraus, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität,  Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg-Gesellschaft, Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident, Gerd Mangel, Gesamt-Projektleiter, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Kulka Architekt,  Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums. Als Dank für ihren großen Einsatz werden künftig vier von Senckenberg neu entdeckte Arten Namen von Vertretern von Bund und Land und dem  Projektleiter Gerd Mangel tragen, nämlich eine Gerd-Mangel-Spinne aus Nordthailand, ein Peter-Kulka-Insekt aus der Grube Messel, ein Volker-Bouffier-Frosch aus Myanmar und zu Ehren des BMBF ein Dinoflagellat, benannt nach Leibniz. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.li.) Prof. Dr.-Ing. Dr.h. c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Wilfried Kraus, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg-Gesellschaft, Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident, Gerd Mangel, Gesamt-Projektleiter, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Kulka Architekt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums.
Als Dank für ihren großen Einsatz beim Gelingen des Bauprojektes werden künftig vier von Senckenberg neu entdeckte Arten Namen von Vertretern von Bund und Land und dem Projektleiter Gerd Mangel tragen, nämlich: Gerd-Mangel-Spinne aus Nordthailand,  Peter-Kulka-Insekt aus der Grube Messel,  Volker-Bouffier-Frosch aus Myanmar und zu Ehren des BMBF ein Dinoflagellat, benannt nach Leibniz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gratulierte der Senckenberg Gesellschaft zu diesem erfolgreichen Umbauprojekt: „Ein lebendiges und funktionales Gebäude mitten in der Stadt, das seine bisherige Geschichte weitererzählt und gleichzeitig zukunftsfähige Forschungsarbeit auf höchstem Niveau ermöglicht – das war die Vision für das Jügelhaus, die hervorragend umgesetzt wurde. Mit rund 117 Millionen Euro haben der Bund und das Land Hessen viel Geld in die Hand genommen, damit die Senckenberg Gesellschaft auch in Zukunft die besten Rahmenbedingungen erhält, um ihre wichtige Forschung auf höchstem Niveau fortzusetzen. Die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren bereits viel getan, um die Spitzenforschung zu stärken. Mit Erfolg: Hessen gehört zu den wissenschaftlich und wirtschaftlich starken Bundesländern Deutschlands.

Gerd Mangel, Gesamt-Projektleiter und Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums sind besonders stolz über die gelungene Restaurierung des Parthenon-Frieses im jetzt fertigen  Parthenon-Saal mit Bibliothek und Besprechungsraum. © Foto: Diether v. Goddenthow
Gerd Mangel, Gesamt-Projektleiter und Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Forschungsinstituts und Naturmuseums sind besonders stolz über die gelungene Restaurierung des Parthenon-Frieses im jetzt fertigen Parthenon-Saal mit Bibliothek und Besprechungsraum. © Foto: Diether v. Goddenthow

Und dafür brauchen wir Forschungseinrichtungen wie Senckenberg, die mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen immer wieder den großen Bogen spannen, die auch mal den Finger in die Wunde legen und nicht müde werden, Probleme zu benennen und Lösungen aufzuzeigen.“

Prof. Dr. Andreas Mulch zeigt einen der 34 000 "Schmetterlings-Kästen" der 22 Mio Sammlungsobjekte umfassenden Senckenberg-Sammlung im neuen auf 18 Grad u. 30 Prozent Luftfeuchtigkeit gehaltenen Archiv © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Andreas Mulch zeigt einen der 34 000 „Schmetterlings-Kästen“ der 22 Mio Sammlungsobjekte umfassenden Senckenberg-Sammlung im neuen auf 18 Grad u. 30 Prozent Luftfeuchtigkeit gehaltenen Archiv © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch Ministerialdirigent Wilfried Kraus schloss sich den Glückwünschen an und betonte von Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: „Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist eine der weltweit führenden Forschungsinstitutionen im Bereich der Erforschung der Natur und der biologischen Vielfalt. Der erfolgreiche Abschluss der umfassenden Umbaumaßnahmen wird dazu beitragen, diese Position zu festigen und auszubauen.“

Unten: Foyer des Jügel-Hauses, oben Blick auf Treppe zum direkten Durchgang ins Senckenberg Naturmuseum. © Foto: Diether v. Goddenthow
Unten: Foyer des Jügel-Hauses, oben Blick auf Treppe zum direkten Durchgang ins Senckenberg Naturmuseum. © Foto: Diether v. Goddenthow

Zu den Gratulanten des heutigen Tages gehörte ebenso Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Er würdigte an dem Bauprojekt besonders „das große Engagement für die – außerhalb der Leibniz-Gemeinschaft gelegentlich etwas stiefmütterlich behandelten – Sammlungen. Tatsächlich sind Sammlungen für Forschungsmuseen und Forschungseinrichtungen wie Senckenberg ein konstitutives Element. So ermöglichen die naturhistorischen Sammlungen als Archive den Blick zurück in die Entwicklung der Natur und des Menschen und damit auch den Blick in die Zukunft.“ Auch Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, beglückwünschte Senckenberg zu der Umwidmung der ehemaligen Universitätsgebäude in moderne Forschungsgebäude.

Gebäude-Impression Südeingang. © Foto: Diether v. Goddenthow
Gebäude-Impression Südeingang. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Umbauprojekt wurde nach Entwürfen von Architekt Peter Kulka realisiert und unter der Projektleitung von Gerd Mangel durchgeführt. Neben der Verbesserung der Forschungsinfrastruktur und dem Platzgewinn galt es, die Gebäude weitestgehend barrierefrei zu machen, sorgsam mit der Bausubstanz umzugehen und die Anforderungen des Denkmalschutzes zu
erfüllen. Durch die Erhaltung von Fassaden, bauzeitlichen Türen und Fenstern, Foyers, Treppenhäusern und Stuckdecken sowie einzelner ausgewählter Räume sollten die verschiedenen Zeitschichten des Gebäudes sichtbar gemacht werden – die Entstehungszeit des
Bautenensembles von 1907, die Eingriffe nach den Zerstörungen des Krieges Anfang der 1950er Jahre sowie die Überformung durch den Umbau und Anbau im Rahmen der jüngsten Baumaßnahmen. Denkmalgeschützte Räume wie der Parthenon-Saal mit der berühmten und jüngst sanierten Replik des Parthenon-Frieses, der Blaue Saal und der Senatssaal wurden saniert und gleichzeitig mit eingebauter Medientechnik zur Nutzung als Konferenzraum ertüchtigt.

Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg-Gesellschaft.© Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg-Gesellschaft.© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus dankte allen Projekt-Beteiligten für das Gelingen des umfassenden Umbau-Projektes und machte den Vertretern von Bund und Land sowie dem Projektleiter und dem Architekten gemeinsam mit Volker Mosbrugger und Andreas Mulch ein besonderes Geschenk: Zukünftig sollen vier von Senckenberg neu entdeckte Arten ihren Namen tragen.

Ausstellung „Faszination Vielfalt“ im Senckenberg-Museum Frankfurt bis 13. Jan. 2019 verlängert

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Wie das Senckenberg-Naturmuseum Frankfurt mitteilt, wird  die  Überblicks-Ausstellung „Faszination Vielfalt“  mit 1.138 geologischen und biologischen  Objekten noch bis zum 13. Januar 2019 gezeigt.

Rund 40 Millionen Objekte aus 200 Jahren Forschungsgeschichte umfassen die Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – einen bunten Querschnitt daraus zeigt die Ausstellung „Faszination Vielfalt“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. Auf 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert sie 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Hier begegnen sich dicht an dicht Tiere, Fossilien und Pflanzen, die sich zeitlich oder räumlich niemals begegnet wären.
Ergänzend zu dieser Inszenierung können Besucher an zwei digitalen Stationen nähere Informationen zu den Objekten aufrufen und so mehr über die „Geobiodiversitätsforschung“ bei Senckenberg erfahren. An einem Mediatisch gibt es die Möglichkeit mit- oder gegeneinander Forschungsaufträge zu den Wandobjekten durchzuspielen.

Anlass für das Zusammenstellen der Wandvitrine war das 200. Jubiläum der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im vergangenen Jahr. Senckenberg-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler erforschen heute weltweit die Vielfalt der unbelebten und belebten Natur, um die Erde als  Ganzes zu verstehen. Dafür sammeln und bewahren sie seit über 200 Jahren biologische und geologische Objekte. Die wissenschaftlichen Sammlungen bilden die elementare Grundlage ihrer Forschung. Jedes der elf Institute hat Objekte beigetragen – vom springenden Tiger aus Dresden, über die Gottesanbeterin aus Müncheberg, Manganknollen aus Wilhelmshaven, einen Faustkeil aus Tübingen bis hin zur Strandgras-Nelke aus Görlitz.

Die Ausstellung erzeugt Begeisterung für die Vielfalt und Schönheit der Natur und ist bei Museumsbesuchern sehr beliebt. Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Senckenbergs ist sie ans Herz gewachsen. Viele haben ihr Lieblingsobjekt in der Wand und kommen untereinander oder mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch über ihre jeweiligen Forschungsgebiete. Das vielfältige Programm des Bereichs Bildung und Vermittlung rund um die Ausstellung bleibt ebenfalls ungebrochen: Bisher wurden 25 Veranstaltungen angeboten, an denen 553 Personen teilnahmen.
Aber auch Besucher, die die Ausstellung ohne eine Museumsführung besuchen, können sich mit den Objekten und der Forschung auseinandersetzen. In der Ausstellung wurde eine zweite, digitale Ebene eingerichtet, die es dem Betrachter ermöglicht, tiefer in die Thematik einzusteigen und mehr über die einzelnen Objekte, ihre Vernetzungen untereinander und über die Forschung dahinter zu erfahren. Das Wechselspiel zwischen Originalexponaten, speziell für die Ausstellung angefertigten Fotos und kompakt präsentierter Information schafft Raum für Such- und Erkundungsspiele. Zusätzlich gibt es eine Spielstation im Ausstellungsbereich mit Forschungsdrohnen auf einer digitalen Landkarte. Familien und Gruppen aus Kindern und Jugendlichen können hier Forschungsaufträge wählen und ihr Wissen über die Exponate der Biodiversitätswand testen und erweitern.

„Faszination Vielfalt“ verlängert und noch bis zum 13. Januar 2019  zu sehen im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, 2. OG, Wolfgang-Steubing-Saal. Die Ausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 – 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder).

Senckenberg-Museum

Ein Statement zur Evolutionsgeschichte – Senckenberg eröffnet Ausstellung: „Gefiederte Dinosaurier“ – Sind Vögel fliegende Dinos?

Archaeopteryx Nr. 11. Fluganimation. © Die Infografen /Senckenberg Naturmuseum
Archaeopteryx Nr. 11. Fluganimation. © Die Infografen /Senckenberg Naturmuseum

Als 1861 der erste Archaeopteryx auf der Langenaltheimer Haardt bei Solnhofen im Bayerischen Altmühltal gefunden und sein Wert als Indiz für die Richtigkeit Darwins Evolutionstheorie erkannt wurde, ließ der renommierte britische Naturforscher Richard Owen, damaliger Leiter des Londoner Museums und Darwin-Gegner, den Fund aufkaufen und aus religiösen Gründen verschließen. Was die Angelegenheit dabei besonders brisant macht, ist, dass Owen als Universalgelehrter einer der angesehensten Wissenschaftler seiner Zeit und renommierter Mediziner, Zoologe, vergleichender Anatom, Physiologe und Paläontologe war, genau wusste, was er tat. Er wollte nicht, dass die Vorstellung an das Walten eines Weltschöpfers erschüttert wurde durch den mit dem Urvogel-Fund erstmals möglichen wissenschaftlichen Beweis der Richtigkeit von Darwins Evolutionstheorie. Diese besagt, dass eine natürliche Auslese die treibende Kraft bei der Veränderung der Arten sei.

Erst Darwin-Befürworter Thomas Henry Huxley, Biologe, vergleichender Anatom und Begründer des Wissenschaftsmagazins „Nature“, lieferte eine wissenschaftlich exakte Beschreibung des 1. Archaeopteryx, des sogenannten Londoner Exemplars“, und machte hierdurch den Weg frei für die Evolutionstheorie.

Jetzt widmet das Senckenberg- Naturmuseum Frankfurt erstmals dem Archaeopteryx, dem einstigen Zünglein an der Waage im wohl größten Wissenschafts- und Glaubenskrieg aller Zeiten, gleich eine ganze Ausstellung. Unter dem Titel „Fliegende Saurier“ werden zahlreiche der weltweit insgesamt 13 mehr oder weniger gut erhaltenen, versteinerten Urvogel-Fossilen in vier, didaktisch gut aufeinander abgestimmten Bereichen präsentiert. Ausstellungshöhepunkt bildet Exemplar Nr. 11. Seine gut erhaltenen versteinerten Konturen leuchten Besuchern aus einer Glasvitrine der ansonsten völlig abgedunkelten Schatzkammer entgegen. Er kann dank Hilfe der Lipoid-Stiftung fünf Jahre lang im Senckenberg-Naturmuseum gezeigt werden.

Der vor zirka 150 Millionen Jahren lebende Archaeopteryx lieferte Mitte des 19. Jahrhunderts aber nicht nur ein wichtiges noch fehlendes Indiz zum Beleg der Evolutionstheorie. Der Urvogel sei vor allem auch ein Bindeglied, „eine Brücke zwischen den Reptilien und den Vögeln“, und „im Prinzip der Beweis, dass diese Bindeglieder zwischen ganz unterschiedlichen Gruppen der Reptilien und Vögel existieren“, erläuterte Direktoriumsmitglied und Vogelforscherin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese zur Begrüßung bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. Juli 2018.

Dabei dankte sie der Lipoid-Stiftung für die Ermöglichung der Ausstellung und Herrn Horst Weiser für die Spende von zwei fossilen Flugsauriern. Die Lipoid-Stiftung, bei der Eröffnung vertreten durch Dr. Herbert Rebmann, fördert unter anderem die archäologische Forschung und das allgemeine Interesse der Öffentlichkeit an deren Ergebnissen. „Wir freuen uns, dass das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt ein Exemplar des seltenen und weltweit bekannten Archaeopteryx nun in einer anspruchsvollen und gelungenen Form präsentiert, die viele Besucher begeistern wird“, so Rebmann.

Archaeopteryx-Tafel mit Abgüssen der wichtigsten Fossilfunde und vorne der Bildschirm der Computer-Animation, der Ausstellung „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Archaeopteryx-Tafel mit Abgüssen der wichtigsten Fossilfunde und vorne der Bildschirm der Computer-Animation, der Ausstellung „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir sind natürlich jetzt stolz, dass wir das 11. Exemplar hier zeigen können, und es ist ein ganz besonderes Exemplar, weil es insbesondere bezogen auf seine Federfaltung neue Aussagen ermöglicht.“, freute sich Dr. Bernd Herkner, Leiter Abteilung Museum, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Herkner dankte insbesondere auch Dr. Gerald Mayr, dem international bekannten Archaeopteryx-Spezialisten des Hauses Senckenberg, dem es mit seinem Team nach der Entdeckung des 10. Archaeopteryx 2005 gelungen war, zu zeigen, dass „der Urvogel Archaeopteryx näher mit den Raptoren verwandt ist, als mit den heutigen Vögeln, und das hat dazu geführt, dass wir diesen Titel hier haben: Gefiederte Dinosaurier. Also Vögel sind eigentlich gefiederte Dinos“. Inzwischen bestehe Common sense in der Naturwissenschaft, „dass Vögel eigentlich gefiederte Dinosaurier sind“, so Herkner.

Das sechste Unterscheidungsmerkmal, welches es noch zwischen Dinosauriern und Vögeln gab, war die von Vögeln her bekannte asymmetrische Feder. Dieses Alleinstellungsmerkmal der Vögel fiel endgültig, als man 2003 in China einen Microraptor mit solchen asymetrischen Federn fand. Mittlerweile habe man immer mehr von diesen Flugsauriern gefunden, und so sei man zu diesem Schluss gekommen, was auch hier in der Ausstellung gezeigt werden soll, erläuterte Herkner, und wies darauf hin, dass auch das ökologische Umfeld der Urvögel und Fossilien der wertvollen Fossilfundstätte Eichstätt /Solnhofen gezeigt werde.

Urvogel, Archaeopteryx, erstmals wissenschaftlich dreidimensional rekonstruiert, begrüßt die Besucher in der ersten Wandvitrine im neuen Ausstellungsbereich „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Urvogel, Archaeopteryx, erstmals wissenschaftlich dreidimensional rekonstruiert, begrüßt die Besucher in der ersten Wandvitrine im neuen Ausstellungsbereich „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gleich an der ersten Wandvitrine der Ausstellung hat der Besucher die Möglichkeit, sich die gut erhaltenen Funde anzuschauen, und zwar aus mehreren Perspektiven: Der Archaeopteryx wird gezeigt als versteinertes Plattenkalk-Fossil, als rekonstruiertes dreidimensionales Skelett und – erstmals – als rekonstruiertes Präparat in schöner Federpracht, ergänzt durch eine Computer-Animation an Station 4. Hier wird dem Urvogel digitales Leben eingehaucht.

Ein Hauptanliegen sei es gewesen, so Projektleiter Philipe Havlik, den Sprung von der flunderflachen Versteinerung des Archaeopteryx zur Dreidimensionalität aufzuzeigen. Eine solche wissenschaftlich exakte Rekonstruktion war nur möglich aufgrund der einzigartigen Fundqualität der Fossilien mit exakt abgebildeten Federn und Weichteilen. Die Tiere müssten wohl, so Haylik, beim Flug über den Gewässern abgestürzt sein, und durch das feinkörnige Sediment der Solnhofener Plattenkalke sofort eng eingeschlossen und konserviert worden sein.

Bayerische Karibik, Ausstellungsstation 2, der Ausstellung „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Bayerische Karibik, Ausstellungsstation 2, der Ausstellung „Gefiederte Dinosaurier“ des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Station 2 der Ausstellung „Die Bayerische Karibik“ widmet sich der wichtigen Fossilfundstätte „Eichstätt Solnhofen“. Vor 150 Millionen Jahren war das heutige Altmühltal in Bayern geprägt von ausgedehnten Lagunen, deren Ränder von Korallenriffen und Inseln gesäumt waren. In den wannenförmigen Vertiefungen zwischen den Riffbauten lagerte sich feinkörniger Kalkschlamm ab, der sich über Jahrmillionen zu den heutigen Solnhofener Plattenkalken verfestigte. In diesen sind bemerkenswert gut erhaltene Fossilien konserviert – allen voran der „Urvogel“ Archaeopteryx.

Station 3 „Sind Vögel Dinosaurier?“ erläutert den Ursprung und das Vorkommen von Federn fossiler Vögel, gibt einen Überblick der weltweiten Fundstellen, veranschaulicht den ähnlichen Aufbau der mit Luft gefüllten Knochen bei Dinos und Vögeln und zieht das Fazit: „Vögel sind die einzigen noch lebenden Dinosaurier“. Ja, die Taube auf dem Dach oder im Park sei ein Dinosaurier, so Philipe Havlik. In Kinderhöhe stellen Grafiken den evolutionäre Weg vom Saurier zum Vogel dar.

Station 4, „Achaeopteryx-Tafel“, die zentrale Ausstellungswand, zeigt Abgüsse besonders interessanter Exemplare der weltweit insgesamt 13 Exemplare der bisherigen Archaeopteryx-Funde (sämtlich aus dem Altmühltal stammend). Eine besondere Attraktion ist die Computer-Animation des 11. Archaeopteryx-Exemplars. Aufgrund seiner überlieferten, asymmetrischen Federn, die zum aktiven Flug benötigt werden, konnte der Urvogel digital zum Fliegen gebracht werden.

Projektleiter Philipe Havlik erläutert beim Rundgang durch die Ausstellung die verschiedenen didaktischen Ebenen. Erwachsene und Kinder können sich die zentralen Aussagen der Ausstellung auf unterschiedlichen Wegen erschließen – über Grafiken, Texte und Objekte. Hier in der Schatzkammer vor dem Original-Archaeopteriyx-Fossil Nr. 11. © Foto: Diether v. Goddenthow
Projektleiter Philipe Havlik erläutert beim Rundgang durch die
Ausstellung die verschiedenen didaktischen Ebenen. Erwachsene und Kinder
können sich die zentralen Aussagen der Ausstellung auf unterschiedlichen
Wegen erschließen – über Grafiken, Texte und Objekte. Hier in der Schatzkammer vor dem Original-Archaeopteriyx-Fossil Nr. 11. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ausstellungs-Höhepunkt bildet die bereits oben erwähnte „Schatzkammer“, ein kleiner Hochsicherheistrakt, mit der Präsentation des Original-Fossilfundes „Nr.11“.

Die Ausstellung, die im Verlauf des voranschreitenden Umbaus des Senckenberg-Museums erweitert und dann an anderer Stelle mit weiteren weltweit bedeutenden Fossilienfundstätten wie Grube Messel und Bundenbach-Schieferfossilien präsentiert werden wird, ist gelungen, und ganz nebenbei ein wissenschaftliches Statement zur Evolutionsgeschichte.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)