Kategorie-Archiv: Senckenberg Naturmuseum

Faszinierende Unterwasserwelt – Senckenberg eröffnet die Themenräume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“

Ausstellungs-Impression. "Tiefsee und Meeresforschung" im Senckenberg-Naturmuseum. Im Vordergrund eine Langnasenchimäre (Rhinochimaera pacifica). Besonders charakteristisch ist die namensgebende lange Nase. In dieser befinden sich Sensoren zur Wahrnehmung von im Sand versteckter Beute mittels Elektrorezeption. Chimären jagen meist in Bodennähe. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression. „Tiefsee und Meeresforschung“ im Senckenberg-Naturmuseum. Im Vordergrund eine Langnasenchimäre (Rhinochimaera pacifica). Besonders charakteristisch ist die namensgebende lange Nase. In dieser befinden sich Sensoren zur Wahrnehmung von im Sand versteckter Beute mittels Elektrorezeption. Chimären jagen meist in Bodennähe. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Bereiche der Ozeane, die tiefer als 1000 Meter sind und in ewiger Dunkelheit liegen, nehmen 60 Prozent der Erdoberfläche ein und sind weniger erforscht als die Oberfläche des Mondes. Erst vor rund 150 Jahren  begann man mit ihrer systematischen Erforschung. Die wichtigsten Entdeckungen und die dazu gehörige Meerestechnik  zeigt ab dem 4. September 2020 das Senckenberg-Naturmuseum Frankfurt in Kooperation mit dem Wissenschaftspartner GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Rahmen des Umbauprojektes Neues Museum in der interaktiven Dauerausstellung:„Tiefsee und Meeresforschung“ –  unter anderen mit 90 Originalen im Raum Tiefsee, darunter ein 2,5-fach verkleinertes Modell des im Original 5,2 Mio. teuren Tauchboots JAGO,  66 Modellen von Tieren und Geräten sowie 13 zum Teil international einzigartigen Präparaten von Tiefsee-Organismen mit Leuchtorganen.

"Tiefseeforschung ist wie Weltraumforschung nur im Nassen", entsprechend sind auch meerestechnische Gerätschaften bis hin zu Tauchrobotern und ein Taucher an von der Decke herabhängenden Seilen befestigt. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Tiefseeforschung ist wie Weltraumforschung nur im Nassen“, entsprechend sind auch meerestechnische Gerätschaften bis hin zu Tauchrobotern und ein Taucher an von der Decke herabhängenden Seilen befestigt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die beiden neuen Themenräume, kuratiert von Dr. Thorolf Müller (Senckenberg) und Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR), befinden sich im 2. Obergeschoss, welches zukünftig den „Lebensräumen der Erde“ mit den Großbereichen „Mensch, Erde, Kosmos und Zukunft“  gewidmet werden soll. Durch die voranschreitende modulare Modernisierung und Erneuerung des Senckenberg-Naturmuseums entsteht auf dieser Etage nach und nach ein Rundgang „entlang eines Höhengradienten, der in der ‚Tiefsee‘ beginnt und mit dem Hochgebirge endet. Als nächster Themenraum werden wir im Sommer 2021 der Raum ‚Korallenriff‘ eröffnen“, erläutert Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger bei einem Presse-Preview durch die neue Dauerausstellung.

Die Dauerausstellung Tiefsee und Meeresforschung gibt umfangreiche Einblicke anhand von zahlreichen Originalpräparaten aus der Sammlung Senckenberg sowie Spezialanfertigungen wie den Lebensraum "Schwarzer Raucher" hier im Bild. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Dauerausstellung Tiefsee und Meeresforschung gibt umfangreiche Einblicke anhand von zahlreichen Originalpräparaten aus der Sammlung Senckenberg sowie Spezialanfertigungen wie den Lebensraum „Schwarzer Raucher“ hier im Bild. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wir möchten im Neuen Museum die Faszination einzelner Lebensräume vermitteln und für die Natur und für unsere Naturforschung begeistern “, unterstreicht Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und zuständig für das Programm Wissenschaft und Gesellschaft. „Wir zeigen Systeme und Zusammenhänge – dazu gehört auch die Rolle des Menschen in einem Ökosystem. In der Tiefsee sprechen wir daher von Themen wie Vermüllung, Überfischung, Erwärmung und Versauerung der Meere sowie von dem Abbau von Rohstoffen“. „Bitte seien Sie ein wenig nachtsichtig, pardon, nachsichtig, denn dieser Text kommt direkt aus der Tiefsee, und da ist es ab 1000 Metern ganz dunkel“,  ähnlich  wie die Themenräume, insbesondere der Bereich „Meeresforschung“, bereitet  Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese die Presse auf das Eintauchen in die Meereswelt in den neuen Ausstellungsräumen vor. Sie selbst habe  ein  ganz besonderes Faibel für den Walfall.

Themenraum Tiefsee

Der Riesenkalmar Architeuthis dux ist einer der sagenumwobensten Tiefsee-Bewohner. Erst 1854 lieferte der Fund eines RiesenkalmarSchnabels den Beweis seiner Existenz. In der Ausstellung ist ein Modell im Maßstab 1:1 zu bestaunen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Riesenkalmar Architeuthis dux ist einer der sagenumwobensten Tiefsee-Bewohner. Erst 1854 lieferte der Fund eines RiesenkalmarSchnabels den Beweis seiner Existenz. In der Ausstellung ist ein Modell im Maßstab 1:1 zu bestaunen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wer in das Dunkel des Themenraums Tiefsee „eintaucht“ , den weichen Boden spürt und den von der Decke herabhängenden Tiefseeschwarm aus 1:1-Modellen wie den etwa 8 Meter langen Riesenkalmar oder Riemenfisch und all die zahlreichen exotisch bis gruselig anmutenden Tiefsee-Exponate aus Wand- und Standvitrinen entgegenleuchten sieht, wähnt sich fast schon selbst 1000 Meter und tiefer unterm Meeresspiegel. Besucher erwartet hier nicht nur ein ästhetisches anmutendes Erlebnis, sondern auch viele neue Einblicke und Erkenntnisse in die weitestgehend noch unbekannte Lebenswelt der Tiefsee. Erst 20 Prozent der Tiefsee-Organismen seien entdeckt und erst 7 Prozent des Meeresgrundes vermessen, so Dr. Gerd Hoffmann-Wieck. Neben zahlreichen Originalpräparaten aus den wissenschaftlichen Sammlungen Senckenbergs werden drei Lebensraumausschnitte der Tiefsee gezeigt: Black Smoker, Weichboden und Walfall. Sie stellen Hotspots der Biodiversität, bzw. temporäre Nahrungsquellen in der Tiefsee dar.

Walfall

Wenn tote Wale auf dem Meeresboden niedergehen, spricht man von „Walfällen“. In einem ansonsten nahrungsarmen Bereich stellen ihre sterblichen Überreste für eine Vielzahl dort lebender Organismen ein wahres Festmahl dar. Das international  einzigartige Walfall-Modell in der Ausstellung zeigt die vier Phasen der Zersetzung des Walkadavers. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wenn tote Wale auf dem Meeresboden niedergehen, spricht man von „Walfällen“. In einem ansonsten nahrungsarmen Bereich stellen ihre sterblichen Überreste für eine Vielzahl dort lebender Organismen ein wahres Festmahl dar. Das international einzigartige Walfall-Modell in der Ausstellung zeigt die vier Phasen der Zersetzung des Walkadavers. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein Walfall, so Dr. Thorolf Müller, sei eine Nahrungs-Oase in der Tiefsee. Sinke der große tote Meeressäuger bis auf den Grund des ansonsten nahrungsarmen Meeres, gäbe es für die unterschiedlichsten Mitbewohner der Tiefsee Nahrung über Jahre. Der Verfall des Walkadavers erfolge in vier aufeinander folgenden Phasen, so der Kurator. Zuerst fressen Aasfresser das weiche Gewebe, in der zweiten Phase fressen Muscheln und andere Tiefseebewohner weiter. Im dritten Stadium zersetzen schwefelliebende Bakterien die Lipide in den Knochen, was Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. Und im letzten Stadium – dem Riffstadium – besiedeln sesshafte Organismen die Knochenreste. Besonders spannend, um nur mal ein der zahlreich dargestellten Beispiele aus Phase 3 herauszupicken, ist die Rolle des „Knochenfresser-Wurms“.

Hier "nagt" der Zombiewurrn, ein Tier ohne Augen, Mund und Darm, sich zersetzend durch die Knochen des toten Meeressäugers. © Foto: Diether v. Goddenthow
Hier „nagt“ der Zombiewurrn, ein Tier ohne Augen, Mund und Darm, sich zersetzend durch die Knochen des toten Meeressäugers. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch „Zombie-Wurm“ genannt, zersetzt dieses Tier ohne Augen, Mund und Darm die Knochen von Wal-Kadavern. Kurios ist auch, dass aus einer Zombie-Larve, die unmittelbar auf dem Knochen siedelt, ein Weibchen wird. Landet jedoch die Larve  auf einem anderen Weibchen, erwächst hieraus ein Männchen. Es lebst im Weibchen.

 

 

Black Smoker – Chemosynthese

Auf bis zu 400 °C aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser steigt durch Risse aus dem Meeresboden empor. Die abkühlungsbedingt ausflockenden Mineralien formen diese typischen Black-Smoker-Gebilde. © Foto: Diether v. Goddenthow
Auf bis zu 400 °C aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser steigt durch Risse aus dem Meeresboden empor. Die abkühlungsbedingt ausflockenden Mineralien formen diese typischen Black-Smoker-Gebilde. © Foto: Diether v. Goddenthow

Aus einer gläsernen Großvitrine ein paar Schritte neben dem Wal-Fall schimmert im Dämmerlicht ein „Schwarze Raucher“. Diese „Black Smoker“ entstehen in Regionen mit vulkanischer Aktivität an Stellen, an denen durch das Erdinnere aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser mit bis zu 400 °C durch Risse aus dem Meeresboden austritt. Sobald das Wasser abkühlt, flocken die darin gelösten Mineralstoffe schnell aus und lagern sich Schicht für Schicht zu schornsteinähnlichen Strukturen ab. Schwarze Raucher sind Lebensräume, die ohne Sonnenlicht und Photosynthese funktionieren. Mikroorganismen nutzen an diesen Heißwasserquellen gelöste Schwefel- und Mineralstoffe als Energiequelle. Man nennt diesen Prozess Chemosynthese. Diese Mikroorganismen oder ihre Stoffwechselprodukte dienen wiederum Muscheln, Würmern, Krebsen und Fischen als Nahrung.

Weichböden der Tiefsee 

In den Weichböden der Tiefsee werden bis zu 10 Mio. unbekannte Arten vermutet.© Foto: Diether v. Goddenthow
In den Weichböden der Tiefsee werden bis zu 10 Mio. unbekannte Arten vermutet.© Foto: Diether v. Goddenthow

Da ein Großteil der Ozeanböden auf den ersten Blick leblosen Wüsten aus Schlick und Sedimenten gleicht, was aber weit gefehlt ist, wurde für die Ausstellung ein „Weicher Meeresboden“ nachgebaut. Weichböden sind von Borstenwürmern, Fischen, Muscheln und vielen anderen sehr kleinen bis zu mikroskopisch kleinen Lebewesen besiedelt, so Dr. Thorolf Müller. Bohrkernuntersuchungen zeigten, dass sich in den Weichböden der Tiefsee eine enorme Artenvielfalt verberge. Es werde vermutet, dass dort bis zu 10 Mio. unbekannte Arten leben könnten, wodurch die Artenvielfalt der Weichböden der in tropischen Riffen und Regenwältern in nichts nachstehe, so der Kurator.

Biolumineszieren – Eigenlichterzeugung 

Alarmqualle lebt in 1000 bis 4000 Metern Tiefe. Wird sie angegriffen sendet sie eine Reihe von kreisförmig pulisierenden Lichtblitzen aus, wodurch auch größere Raubtiere abgeschreckt werden. © Foto: Heike v. Goddenthow
Alarmqualle lebt in 1000 bis 4000 Metern Tiefe. Wird sie angegriffen sendet sie eine Reihe von kreisförmig pulisierenden Lichtblitzen aus, wodurch auch größere Raubtiere abgeschreckt werden. © Foto: Heike v. Goddenthow

Einen Neben-Raum weiter geht es um das Thema Biolumineszenz. Viele Tiefseebewohner können durch eine chemische Reaktion eigenes Licht erzeugen – sie biolumineszieren. Besucher können dies anschaulich nachvollziehen an acht Modellen von Tiefsee-Organismen wie etwa der Alarmquelle. Per Knopfdruck können diese zum Leuchten gebracht werden. Dabei sind Besucher von Geräuschen der Tiefsee umgeben, die mit Unterwasser-Mikrophonen von der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) aufgezeichnet wurden.

Themenraum Meeresforschung

Impression aus dem Themenraum "Meeresforschung", unter anderem mit einem herabhängendem Tiefsee-Schleppnetz. Erst mit diesen Spezialnetzen war es überhaupt möglich Lebewesen aus mehreren 100 oder 1000 Metern Tiefe zu bergen. Zuvor kannte man nur Tiefsee-Tiere, die beispielsweise durch einen Tsunami vom Meeresgrund hochgespült wurden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus dem Themenraum „Meeresforschung“, unter anderem mit einem herabhängendem Tiefsee-Schleppnetz. Erst mit diesen Spezialnetzen war es überhaupt möglich Lebewesen aus mehreren 100 oder 1000 Metern Tiefe zu bergen. Zuvor kannte man nur Tiefsee-Tiere, die beispielsweise durch einen Tsunami vom Meeresgrund hochgespült wurden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Besonders Technik-Fans dürften im Raum „Meeresforschung“ auf ihre Kosten kommen. Gezeigt werden hier die wichtigsten Geräte und Techniken, deren es zur Erforschung der Meere und Tiefsee bedarf wie Netze, Bohrgeräte und Schlitten sowie Hightech-Geräte, die auf Forschungsschiffen eingesetzt werden. Geforscht und gemessen wird von der Oberfläche bis hinab zum Meeresboden. Viele Geräte hängen an Stahlseilen und Kabeln, einige navigieren selbstständig – so zum Beispiel das Autonome Unterwasser-Vehikel „ABYSS“ vom GEOMAR. Die designierte GEOMAR-Direktorin Prof. Dr. Katja Matthes nennt diese Tiefsee-Geräte die „Verlängerung der Arme und Augen der Forscher in der Tiefsee“ und spricht von einer „nassen NASA“, weil die Tiefsee-Messtechnik ähnlichen Extrembedingungen standhalten muss, wie die in der Raumfahrt.

Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR) zeigt, wie die mit dem Schwerelot aus dem Meeresboden gestanzten Sedimentschichten geborgen werden und man aus ihnen lesen kann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR) zeigt, wie die mit dem Schwerelot aus dem Meeresboden gestanzten Sedimentschichten geborgen werden und man aus ihnen lesen kann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Schwereloten, so Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR), die von einem Forschungsfisch herabgelassen werden und sich in den Meeresboden bohren, stanzen Meeresforscher Kerne mit Sedimentschichten heraus. Hieraus könne wie aus einem globalen Geschichtsbuch über die Zusammensetzung der einzelnen über Jahrmillionen abgelagerten Schichten anorganischen und organischen Materials gelesen werden.

Auf Tauchfahrt mit Tiefsee-Roboters „BEMBEL“ 

6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter "Bembel Frankfurt 11.000" virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow
6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter „Bembel Frankfurt 11.000″ virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow

In der interaktiv gestalteten Ausstellung können Besucher selbst zu Piloten des Tiefsee-Roboters „BEMBEL“ werden und sich auf eine virtuelle Tauchfahrt bis in eine Tiefe von 6000 Metern zur Unterwassererkundung begeben. Mit „BEMBEL Frankfurt 11.000“ präsentieren die Ausstellungsmacher ein interaktives U-Boot-als mögliche Zukunft einer bemannten Tiefsee-Unterwasser- Erkundung.  Da bemannte Tauchfahrten in die Tiefsee sehr teuer, aufwendig und gefährlich sind, setzen Tiefseeforscher meist unbemanntes Gerät ein.

Tiefsee ist größter Lebensraum der Erde – Begleitbuch
SB_83_Tiefsee_MIT_U1-240x270Die Tiefsee ist der größte zusammenhängende Lebensraum der Erde, jedoch gehört sie zu den am wenigstens erforschten Regionen. Über 90 Prozent der Tiefsee sind komplett unbekanntes Gebiet. Nur 0,0001 % wurden von Menschen gesehen und intensiv erforscht. Je nach Definition, beginnt die Tiefsee  bei 200 Metern Meerestiefe. Sie ist durchschnittlich 3,8 km tief, wobei die tiefste Region, der Mariannengraben,  mit 11 km tiefer ist als der Mount Everest hoch ist. Inzwischen weiß man, dass trotz der ab 1000 Metern  ewig herrschenden Finsternis, lähmenden Kälte, enormem Druck und ständigen Nahrungsknappheit vielfältiges Leben in der Tiefsee existiert. Alles darüber finden Sie im von Thorolf Müller und Gerd Hoffmann-Wieck herausgegebenen Begleitbuch zur Ausstellung: Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ , Frankfurt 2020)

Sponsoren
Der Raum Tiefsee wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Familie Orenstein. Der Raum Meeresforschung durch die Unterstützung der DZ BANK Stiftung und der Mitglieder der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Die DZ BANK Stiftung hat sich der Förderung von Bildung, Forschung und Lehre verschrieben. Mit der Unterstützung des Themenraums Meeresforschung würdigen wir die Verdienste der Naturwissenschaften in diesem Bereich und freuen uns, die faszinierende Diversität der Tiefsee weiter zu ergründen“, so Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK.

Besuch unter Einhaltung der Hygiene-Bedingungen
Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für den 15. Mai geplante Eröffnung der Themenräume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ auf den 3. September 2020 verschoben werden. Sie kann nun unter Berücksichtigung geltender Sicherheitsmaßnahmen eröffnet werden. Nach aktuell geltenden Regelungen sind zunächst maximal 20 Personen in den Räumen zugelassen. Ein Besuch der neuen Ausstellungsräume ist daher nur nach vorheriger Anmeldung unter museumfrankfurt.senckenberg.de möglich. Hier können einzelne Zeitslots für den Besuch der neuen Räume gebucht werden. In der Ausstellung gilt die Abstandsregelung von 1,5 Metern und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist Pflicht. Vor Besuch des Museums empfehlen wir, die aktuellen Regelungen auf unserer Webseite nachzulesen: museumfrankfurt.senckenberg.de

(Dokumentation Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Wissenschaftspartner GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Aufgabe des Instituts ist die Untersuchung der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Mit dieser Bandbreite deckt das GEOMAR ein in Deutschland einzigartiges Spektrum ab.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Neu im Senckenberg: Sommernacht und Streifzug durchs Museum Führungen für Familien und Kleingruppen wieder buchbar

Die Urzeitgiganten Diplodocus und Iguanodon im Sauriersaal des Senckenberg Naturmuseums. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Urzeitgiganten Diplodocus und Iguanodon im Sauriersaal des Senckenberg Naturmuseums. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das  Senckenberg Naturmuseum Frankfurt meldet, dass ab Montag, dem 15. Juni 2020, Familien und Kleingruppen  wieder Führungen buchen und Streifzüge  durchs Museum erleben können. Im kleinen Kreis von bis zu sechs beziehungsweise acht Personen erkunden die Teilnehmer*innen Dinos, Mammuts, Wale oder das eigene Lieblingsexponat auf besondere Art und Weise. Angeboten werden zwei Formate, bei denen bestimmt keine individuellen Wünsche und Fragen offenbleiben. Die Führung „Streifzug durch das Museum“ kann individuell für Termine unter der Woche per E-Mail gebucht werde. Wer die Ausstellungsstücke einmal nachts nach Museumsschluss entdecken möchte, hat mit der Führung „Sommernacht im Senckenberg“ immer freitags abends zu festen Terminen und Zeiten hierzu Gelegenheit. Alle Abend-Termine sind im Kalender auf der Museums-Homepage ersichtlich und können per E-Mail gebucht werden. Besucher*innen, die das Museum auf eigene Faust an Wochenenden und Feiertagen erkunden möchten, sind gebeten sich über den Homepage-Kalender vorab anzumelden. Dadurch sichern sich Besucher*innen trotz begrenzter Kapazitäten ihren Einlass.
(https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/kalender/)

Selbstverständlich finden alle Führungen unter Einhaltung der auch sonst im Museum geltenden Hygiene- & Abstandshinweise statt.

„Streifzug durch das Museum“
Führung für Familien und Kleingruppen während der Öffnungszeit
(Montag bis Freitag, keine Termine am Wochenende oder an Feiertagen)
Bei den geführten Streifzügen durch das Museum erfahren Kinder und Erwachsene wissenswerte, unterhaltsame, lustige und vielleicht auch überraschende Geschichten, Anekdoten und Hintergründe zu ausgewählten Exponaten. Wie entsteht ein Fossil und wie fühlen sich echte Dino-Knochen an? Warum erstickt die Anakonda nicht, wenn sie ein Wasserschwein am Stück verschlingt? Bei dieser Führung gibt es Außergewöhnliches für Groß und Klein zu entdecken. Gerne gehen unsere Museums-Guides auf individuelle Fragen und Wünsche ein.
Dauer: 50 min; Kosten: 30,- € zzgl. Eintritt, maximale Gruppengröße: 6 Personen.
Termine auf Anfrage, Mo-Fr während der Öffnungszeit, Start immer zur vollen Stunde möglich.
Terminwünsche und Rückfragen unter Angabe einer Rückrufnummer an bildung@senckenberg.de .

„Sommernacht im Senckenberg“ 

Mit der Taschenlampe nachts durch das dunkle Museum.Foto: Michael Frank
Mit der Taschenlampe nachts durch das dunkle Museum.Foto: Michael Frank

Führung für Familien und Kleingruppen nach der Öffnungszeit
Wer schon immer einmal nachts das Museum erkunden wollte, hat jetzt Gelegenheit dazu. Besucher*innen verbringen bei dieser Führung eine „Sommernacht-Stunde“ im Senckenberg nach Museumsschluss. Bei einer spannenden Tour durch die dunklen Ausstellungshallen und -räume begegnen sie gemeinsam mit einem Museums-Guide den Giganten der Urzeit, Walen und Elefanten, seltenen Vögeln und ausgestorbenen oder bedrohten Säugetieren. Taschenlampe nicht vergessen!
Dauer: 50 min; Kosten: 65,- € (pauschal für 1-4 Personen), jede weitere Person 15,-€, maximale Gruppengröße: 8 Personen.
Freitags jeweils um 19:00 Uhr, 20:15 Uhr und 21:30 Uhr. Anmeldung erforderlich.
Alle Termine im Kalender auf unserer Homepage unter: https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/kalender/
Terminwünsche und Rückfragen unter Angabe einer Rückrufnummer an bildung@senckenberg.de.

Alle Informationen zu den Angeboten finden Sie auch unter:
https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/bildungsangebote/fuehrungen-fuer-familien-kleingruppen

Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt Kooperationsausstellung im Senckenberg Naturmuseum vom 4. Juni bis 25. Oktober 2020

Edmonds Urzeitreich_Pavillon als temporäre Grabungsstätte neben dem Senckenberg-Naturmuseum. Besucher können hier den Archäologen über die Schultern schauen und live beim Freilegen von Fundstücken dabei sein. Sobald es "Corona" zulässt, ist geplant, dass Besucher in einem zweiten Pavillonbereich  auch selbst nach Fossilien graben können. © Foto: Diether v. Goddenthow
Edmonds Urzeitreich_Pavillon als temporäre Grabungsstätte neben dem Senckenberg-Naturmuseum. Besucher können hier den Archäologen über die Schultern schauen und live beim Freilegen von Fundstücken dabei sein. Sobald es „Corona“ zulässt, ist geplant, dass Besucher in einem zweiten Pavillonbereich auch selbst nach Fossilien graben können. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein 20- und ein 40-Fuß-Container wurden auf dem Seeweg von den USA nach Frankfurt verschifft – an Bord: „Edmonds Urzeitreich“, ein etwa 20 Quadratmeter großer Gesteinsblock voller Dinosaurier-Knochen. Unterstützt durch die Lipoid Stiftung als Hauptförderer setzt Senckenberg so ein weltweit einmaliges Projekt um. Das aus der Lance-Formation in Wyoming geborgene „Bonebed“, reich an Knochen von Edmontosaurus und weiteren Fossilien, wurde nach Frankfurt transportiert und wird dort ab dem 4. Juni 2020 im Rahmen einer Kooperationsausstellung mit dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis, dem Frankfurter Kunstverein und mit National Geographic im Senckenberg Naturmuseum präsentiert. Vor den Augen der Besucher*innen legen Präparator*innen die Fossilien aus dem Gesteinsblock frei und bereiten sie für weitere wissenschaftliche Analysen vor.

Philipe Havlik zeigt im externen Grabungsmuseum auf dem Senckenberggelände seinen Lieblingsfund , einen 7 mm langen Saurierzahn. © Foto: Diether v. Goddenthow
Philipe Havlik zeigt im externen Grabungsmuseum auf dem Senckenberggelände seinen Lieblingsfund , einen 7 mm langen Saurierzahn. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Unsere Idee war es nie, besonders spektakuläre Einzelobjekte zu finden und nach Frankfurt zu bringen“, erklärt Philipe Havlik die Grundidee des Projekts. „Vielmehr haben wir uns zum Ziel gemacht, erstmalig eine Fundstätte ‚am Stück’ ins Museum zu transportieren und sie erst dort freizupräparieren – um so unseren Besucher*innen die Erfahrung paläontologischer Geländearbeit näher zu bringen und gleichzeitig die modernsten Methoden geowissenschaftlicher Forschung an dem Projekt erläutern zu können“, fährt Havlik fort. Anfang des Jahres wurden daher 30 Tonnen Sediment in 16 Blöcken nach Frankfurt transportiert – auf ihrem Weg von Wyoming legten sie 2.800 Kilometer an Land und 6.200 Kilometer auf dem Wasser zurück. Insgesamt 100 Personen aus unterschiedlichsten Fachdisziplinen sind an dem einzigartigen Projekt beteiligt.

Original-Grabungsstätte in Wyoming Foto ©National-Geographic Janosch Boerckel
Original-Grabungsstätte in Wyoming Foto ©National-Geographic Janosch Boerckel

Mit der Kooperationsausstellung rückt ein wertvolles Objekt der Senckenberg-Dauerausstellung in den Fokus der Betrachtung und wird neu inszeniert: die Edmontosaurus-Mumie, genannt Edmond. Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt beheimatet seit mehr als 100 Jahren das für die Wissenschaft bedeutende Fossil, das – wie auch das Bonebed – aus der Lance-Formation in Wyoming stammt und wegen seines nahezu vollständigen Skeletts und der Hauterhaltung ein wichtiges Zeugnis für das Aussehen der Dinosaurier ist.

Mit verschiedenen Untersuchungen an den Funden sollen wissenschaftliche Fragestellungen zu der Zeit von Edmond & Co geklärt werden: Wie sah das Ökosystem der Dinosaurier von Wyoming in der späten Kreidezeit, vor knapp 70 Millionen Jahren, aus, als die CO2-Konzentration in der Atmosphäre deutlich höher war als heutzutage? Wie lebten und starben die riesigen Tiere, wer fraß wen und welche Herausforderungen mussten sie in ihrem tagtäglichen Überlebenskampf bewältigen, bis das Zeitalter der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren mit einem Schlag endete? 15 Wissenschaftler*innen aus acht Forschungsinstituten verfolgen verschiedene Methoden und Fragestellungen – von der Herkunft kleiner Bernsteine im Sediment, über die Untersuchung von Holzkohle hin zur Geochemie des Zahnschmelzes – um gemeinsam das Ökosystem vor fast 70 Millionen Jahren zu rekonstruieren, es zu verstehen und die Bildung des Bonebeds zu klären.

Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt vor Edmonds Urzeitreich_Pavillon © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt vor Edmonds Urzeitreich_Pavillon © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Präparation im Forschungsinstitut ermöglicht anders als bei der Arbeit im Gelände das Präparieren unter Laborbedingungen – mit Druckstichel und 3D-Scanner. Die Paläontologin Zsofia Hajdu wird im Laufe der Ausstellung die Funde im Dialog mit den Besucher*innen freilegen und für wissenschaftliche Untersuchungen vorbereiten. Bis zu 1.000 Fundstücke werden in den Gesteinsblöcken vermutet. Darunter auch winzige Bernsteine oder einzelne Zähne, die durch die ungewöhnliche Grabungssituation analysiert werden können. „Zähne sind oftmals ein sehr gutes Archiv für Informationen aus der Vergangenheit“, erläutert Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt. Gemeinsam mit Kolleg*innen der Goethe-Universität untersucht er die chemische Zusammensetzung des Zahnschmelzes der Edmontosauruszähne. Über Isotopenanalysen erlangen die Forschenden Informationen über Umweltbedingungen und Ernährungsgewohnheiten des Entenschnabeldinosauriers.

Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Frankfurter Kunstverein ist Kooperationspartner der Ausstellung und hat das Offenbacher Künstlerkollektiv YRD.Works eingeladen, den Präsentationsraum zu entwerfen, in dem Wissenschaft erlebbar wird. „Der temporäre Ausstellungsraum setzt ein unfertiges Exponat ins Zentrum, das seinem ursprünglichen Umfeld entnommen wurde“, erläutert Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, das künstlerische Konzept. „Entstanden ist ein Raum um Rohmaterial – um ein 30 Tonnen schweres Grabungsfeld aus Wyoming. Es ist nicht das fertige Exponat, das in einer inszenierten Form präsentiert wird, es ist der Prozess wissenschaftlicher Arbeit, es sind die Forscher*innen und deren Arbeitsweise, deren Instrumente und deren Können“, fährt sie fort.

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Mit unserem einzigartigen Edmond-Projekt möchten wir unseren Besucher*innen vermitteln, wie wissenschaftliches Arbeiten und das Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen funktioniert“, ergänzt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. „Die letzte Zeit hat uns vor Augen geführt, wie bedeutend wissenschaftliche Expertise für das gesellschaftliche Leben und für die Bewältigung von Krisen ist“, so Böhning-Gaese. Sie dankt der Lipoid-Stiftung, die als Hauptförderer das Projekt ermöglicht hat. Bereits zum zweiten Mal unterstützt die Stiftung ein Senckenberg-Projekt und verfolgt so weiter den Ansatz, paläontologische Wissenschaft erlebbar zu machen.

Ausstellungsansichten Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansichten Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für den 4. April geplante Eröffnung der Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ auf den 4. Juni 2020 verschoben werden. Sie kann nun unter Berücksichtigung geltender Sicherheitsmaßnahmen eröffnet werden. Nach aktuell geltenden Regelungen sind zunächst maximal 18 Personen im Ausstellungs-Pavillon zugelassen. Es kann daher zu Wartezeiten kommen. In der Ausstellung gilt die Abstandsregelung von 1,5 Metern und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist – wie im gesamten Museum – Pflicht. Interaktive Ausstellungselemente wie eine Selfie-Station, ein Klopfplatz für Kinder und ein Picknick-Bereich dürfen aktuell noch nicht in Betrieb genommen werden. Sobald sich die Bestimmungen ändern, informiert das Museum auf der Webseite darüber:
museumfrankfurt.senckenberg.de

Ausstellungsimpression Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsimpression Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

„Edmonds Urzeitreich – Eine Dino-Grabung in Frankfurt“, 4. Juni bis 25. Oktober 2020 im Senckenberg Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main. Die Kooperationsausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

National Geographic hat das Projekt seit Beginn der Grabung in Wyoming begleitet und stellt auf der Projektseite „Edmonds Urzeitreich“ mit Text, Foto und Bewegtbild die beteiligten Wissenschaftler*innen, die verschiedenen Forschungsmethoden, Details zur Grabung, zur Reise und zur Ausstellung vor: www.nationalgeographic.de/edmonds-urzeitreich

und https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellung/vorschau/edmonds-urzeitreich/

Senckenberg Naturmuseum Frankfurt öffnet am 11. Mai – Besuch mit Schutz- und Hygienemaßnahmen möglich

Senckenberg Naturmuseum Frankfurt © Foto: Diether v Goddenthow
Senckenberg Naturmuseum Frankfurt © Foto: Diether v Goddenthow

Frankfurt am Main, den 5.5.2020. Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt freut sich ab Montag, den 11. Mai 2020 seine Türen wieder für Besucher*innen öffnen zu können. Highlights wie der Sauriersaal, der Saal der Wale und Elefanten sowie viele andere Bereiche sind wieder für Besucher*innen zu den gewohnten Öffnungszeiten erlebbar. Die Dioramen und zwei Räume der Sonderausstellung „Making Crises Visible“ im Obergeschoss sowie das Kino im ersten Stock bleiben zur Einhaltung der Abstandsregelung zunächst geschlossen. Spielbereiche, Medienstationen sowie die Virtual-Reality-Angebote sind ebenfalls derzeit nicht zugänglich.

Um das Personal und die Besucher*innen zu schützen, wurde ein Schutz- und Hygienekonzept erarbeitet. „Wir hoffen sehr, dass unsere Besucher*innen uns unterstützen und aktiv bei der Einhaltung der Vorgaben mitwirken. Wenn alle mitmachen, sind die Originale unserer Ausstellung endlich wieder zugänglich!“, appelliert Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt an die kommenden Gäste. Das Museum darf unter Einhaltung der behördlichen Kontaktbeschränkung maximal zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts besucht werden. Es besteht die Pflicht, durchgehend eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, die selbst mitzubringen ist oder im Museumsshop erworben werden kann. Für Kinder unter sechs Jahren und Personen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder einer Behinderung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können, entfällt die Maskenpflicht. Die Anzahl der Besuchenden wird begrenzt und es gilt die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Metern zwischen ihnen. Der Ticketverkauf erfolgt vor Ort an der Museumskasse unter Einhaltung der Abstandsregelungen. Gruppenbuchungen und Buchungen von Führungen sind leider aktuell nicht möglich. Das Museumsbistro bleibt vorläufig geschlossen und die Möglichkeiten mitgebrachte Speisen zu verzehren ist sehr stark eingeschränkt. Auch die Schließfächer sind bis auf Weiteres nicht nutzbar, eine unbewachte Garderobe steht zur Verfügung.

Die Eröffnungen der Sonderausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ sowie der neuen Themenräume „Meeresforschung“ und „Tiefsee“ mussten aufgrund der Coronavirus-Pandemie verschoben werden. Über neue Eröffnungstermine wird in Kürze informiert. Teile der Sonderausstellung „Making Crises Visible“ sind in den übrigen Räumen des Museums zu sehen und auch die wachsende Sonderausstellung „Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?“ mit einem neuen Modul zum Thema Ernährung und Landwirtschaft ist geöffnet.

Auch wer weiterhin lieber zu Hause bleibt, kann über das neu geschaffene und ständig erweiterte Online-Angebot Senckenberg@Home mit dem Museum in Kontakt bleiben. Über den virtuellen Museumsbesuch mit der Senckenberg App sowie mit Google Arts & Culture sind die beliebtesten Ausstellungsstücke online erlebbar. Alle digitalen Angebote – von der neuen Filmclip-Reihe Museum@Kinderzimmer für kleine Forscher*innen ab fünf Jahren über die Videoserie „Senckenberg forscht!“, Online-Ausgaben des populärwissenschaftlichen Magazins „Natur Forschung Museum“, Citizen-Science-Projekten bis hin zu Aktionen auf den Senckenberg-Social-Media-Kanälen – finden Sie unter: http://www.senckenberg.de/athome

 

Krisen sichtbarer machen – Sonderausstellung „Making Crises Visible“ ab 12. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Die chinesischen Studierenden des Shanghai Institute of Visual Art haben sich mit dem faszinierenden und verhängnisvollen Material Plastik auseinandergesetzt, um diese Ambivalenz herauszustellen. Die Mode aus weggeworfenem Plastik soll zu einem neuen Verhältnis zum Material führen. Bis China 2018 die Einfuhr stoppte, entledigte sich Europa dort seiner Tonnen an Plastikmüll, ohne ausreichend zu kontrollieren, wie China diesen entsorgte. Ein neues Bewusstsein ist sowohl in Asien als auch hier nötig. © Foto: Diether v Goddenthow
Die chinesischen Studierenden des Shanghai Institute of Visual Art haben sich mit dem faszinierenden und verhängnisvollen Material Plastik auseinandergesetzt, um diese Ambivalenz herauszustellen. Die Mode aus weggeworfenem Plastik soll zu einem neuen Verhältnis zum Material führen. Bis China 2018 die Einfuhr stoppte, entledigte sich Europa dort seiner Tonnen an Plastikmüll, ohne ausreichend zu kontrollieren, wie China diesen entsorgte. Ein neues Bewusstsein ist sowohl in Asien als auch hier nötig. © Foto: Diether v Goddenthow

Sonderausstellung „Making Crises Visible“ thematisiert Krisen, Krieg und Konflikt vom 12. Februar bis 2. Juni 2020 im Senckenberg Naturmuseum

Ob Umweltkrisen, Klimawandel,  Artensterben, Finanzkrise, Demokratie in der Krise, Migration, Radikalisierung, Kriege oder Konflikte weltweit – „Haben wir gewissermaßen eine Inflation der Krisen oder eine Inflation des Begriffs der Krise?“, so Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, bei einem Pressegespräch im Vorfeld der gestern Abend unter Schirmherrschaft von Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, eröffneten ungewöhnlichen Ausstellung „Making Crises Visible“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. Die Frage sei, was Menschen mit all den echten oder wahrgenommenen Krisen machten: „Wie gehen wir damit um? Was sollen wir tun? Sollen wir überhaupt etwas tun?“ Diese und ähnliche Fragestellungen gaben den Anstoß für das ganz ungewöhnliche Experiment: Wissenschaft, Kunst und Design zusammenzubringen, um sich dieser allgegenwärtigen „Krisen-Situation“ nicht ratlos ausgeliefert zu fühlen, sondern aktiv auf diese zu reagieren.
Dabei soll der Dreiklang „Wissenschaft, Kunst und Design“ helfen. Er will neue Perspektiven auf aktuelle Themenfelder wie Migration, Klimawandel oder Radikalisierung aufzeigen und emotionalisieren, die Krisen fühlbarer und erfahrbarer machen.

Das Senckenberg Naturmuseum verstehe sich hierfür als Plattform des Dialogs und des Austauschs. „Wir wissen als Wissenschaftler, dass die Klimakrise und das Artensterben fundamental sind und die Welt verändern werden, dass wir in 50 Jahren die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr erkennen werden“, so Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese.  Deswegen werden „wir uns mit diesen Veränderungen auseinandersetzen müssen, weil Menschen ganz persönlich betroffen sein werden. Und deshalb haben wir uns entschieden, auch neue Formen des Austausches zu entwickeln“, um eben die Wissenschaft, die Kunst und das Design und die Besucherinnen und Besucher auf Augenhöhe zusammenzubringen. Wenn diese unterschiedlichen Wissenssysteme aufeinander prallten, würde diese sich durchaus reiben und Emotionen auslösen.

Vieles sei nicht das, so Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, was Besucher in einem Naturkundemuseum erwarteten. Mit der nicht nur im 2. Obergeschosse, sondern im gesamten Naturmuseum gezeigten Ausstellung, wolle man Menschen emotional berühren:
Man wolle die Leute sozusagen auch direkt anhalten, etwa beim Bestaunen eines Elefanten-Skeletts, über dessen aktuelle Lebenssituation nachzudenken. Und in dem Prozess des Nachdenkens würden Menschen auch ein Stück selber aktiv werden.

Zur Ausstellung

Ein auf den ersten Blick schön bunt wirkendes Korallenriff (im Raum, in dem ab Oktober ein OriginalRekonstruktion präsentiert wird) entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Halde aus alltäglichem Plastikmüll, an dem zusehends unsere Meere zu ersticken drohen. Diese Installation aus zusammengetragenem Hausmüll symbolisiert zugleich auch das Absterben der Korallenriffe und überlässt es un, daraus eigene Konsequenzen zu ziehen.© Foto: Diether v Goddenthow
Ein auf den ersten Blick schön bunt wirkendes Korallenriff (im Raum, in dem ab Oktober ein OriginalRekonstruktion präsentiert wird) entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Halde aus alltäglichem Plastikmüll, an dem zusehends unsere Meere zu ersticken drohen. Diese Installation aus zusammengetragenem Hausmüll symbolisiert zugleich auch das Absterben der Korallenriffe und überlässt es un, daraus eigene Konsequenzen zu ziehen.© Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung thematisiert ganz unterschiedliche Krisen, macht menschliche Krisen, aber auch die Menschen, Tiere und Umwelt sichtbar, die von den Krisen betroffen sind. Insgesamt 50 künstlerische Arbeiten junger Studierender der Hochschule für Gestaltung in Offenbach zeigen wissenschaftliche Forschungsergebnisse des Leibniz Forschungsverbundes „Krisen einer globalisierten Welt“, die an unterschiedlichen Stationen im Senckenberg Naturmuseum zu sehen sind. Schirmherrin der Schau ist die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn.

Um den Stumpf des Mammutbaums in der Botanik-Dauerausstellung des Senckenberg Naturmuseums wachsen fiktive Reispflanzen – neue genmanipulierte Arten, die vielleicht die Ressourcenknappheit zukünftig lindern könnten? Ein 16 Quadratmeter großer Teppich zeigt den beengten Grundriss einer typischen Unterkunft für Geflüchtete und wie Menschen dort leben. Im Obergeschoss dehnt sich ein Korallenriff aus zahlreichen Plastikverpackungen in den Raum aus.
30 Menschenrechtsartikel gedruckt auf eine Rettungsfolie kleiden den Ausstellungsraum zur Menschwerdung und Urmenschendame „Lucy“ aus. Wie der sprichwörtliche rote Faden kennzeichnen rote Flächen diese und viele weitere Kunstwerke, die im ganzen Museum zu sehen sind und in den letzten zwei Semestern von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Offenbach erarbeitet wurden. Gemeinsam mit den Forscher*innen des Leibniz-Forschungsverbundes „Krisen einer globalisierten Welt“ und des Forschungsverbundes „Normative Orders“ entwickelten die jungen Künstler*innen kreative Ideen für die Visualisierung von Forschungsergebnissen. „Das Resultat sind außergewöhnliche, unbedingt sehenswerte Arbeiten“, freut sich Prof. Dr. Nicole Deitelhoff vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK).

Wissenschaft ist relevant für die Gesellschaft, aber häufig sehr komplex, abstrakt und manchmal schwer zu verstehen. Wie kann man aber die Erforschung von Krisen, Kriegen und Konflikten transportieren – wie kann man sie sichtbar machen? Das Projekt „Making Crises Visible“ hat diesen Versuch gewagt. „Die Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Gestaltung bietet ein außergewöhnliches Potential, durch das wir aktiv einen Dialog über Themen von globaler Bedeutung anregen wollen. In einer sich wandelnden Gesellschaft stellen wir unseren Besucher*innen wissenschaftliche Fakten und künstlerische Inspirationen bereit, um neue Wege der Interaktion und des Austausches im Museum anzustoßen. Das ist die Basis, um unsere Zukunft gemeinsam aktiv zu gestalten und das unterstützen wir sehr gerne!“, erklärt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Senckenberg-Programms Wissenschaft und Gesellschaft. Prof. Klaus Hesse von der Hochschule für Gestaltung Offenbach erläutert: „Zu Forschungsbereichen wie Ressourcenknappheit, Radikalisierung, Umweltkrisen, Anthropozän und seine Folgen, Krisen der liberalen Weltordnung oder Krisen internationaler Normen sind Plakate, Objekte, Filme und Installationen entstanden, die das Publikum auf ganz unterschiedliche und unerwartete Weise ansprechen.“ Im zentralen Ausstellungsraum im zweiten Obergeschoss werden darüber hinaus der Krisenbegriff und die Krisenrhetorik thematisiert und das Gesamtprojekt vorgestellt. Auch vertiefende Informationen zu den visualisierten wissenschaftlichen Projekten liegen dort zum Mitnehmen bereit.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Forschungsprojekten soll deren Verfahren und Ergebnisse einerseits exemplarisch visualisieren, andererseits auch ein Bewusstsein für die nicht nur lähmende, sondern auch aktivierende Kraft von Krisen schaffen. „Krisen sind nicht nur die reine Zuspitzung eines Problems, sondern ein Transformationsprozess mit immensem kreativen Potential, der einen Ausgangspunkt für eine Neuorientierung bilden kann“, so Deitelhoff. Ziel des Projektes ist es, dies abzubilden und die öffentliche Wahrnehmung und den Dialog zu Krisen in der Gesellschaft anzuregen. Besucher*innen sind eingeladen, Teil eines kreativen Lösungsprozesses in einem experimentellen Meinungsaustausch zu werden. Ein weiteres Anliegen des Projekts ist die Förderung des Wissenstransfers zwischen Friedens- und Konfliktforschung, Wissenschaft, Kunst und Design.

Es wird nur der reguläre Museumseintritt erhoben.
Mehr Informationen unter:https://makingcrisesvisible.com/ oder unter museumfrankfurt.senckenberg.de

Rahmenprogramm
Ein umfangreiches Rahmenprogramm aller Projektpartner*innen bietet die Möglichkeit das Thema zu vertiefen und seine verschiedenen Facetten zu beleuchten. Neben Vorträgen und Podiumsdiskussionen im Senckenberg Naturmuseum bietet die Goethe Universität Frankfurt thematische Workshops an. Das ganztägige Klimasymposium „All the world’s future“ am 25. April 2020 in Kooperation mit der EKHN Stiftung und SEEHOF thematisiert gegenwärtige Erkenntnisse, unterschiedliche Perspektiven und neue Ideen zu Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust. Als Satelliten-Ausstellung wird im Offenen Haus der Kulturen in Frankfurt die Schau „Making Crises Political“ vom 19. Februar bis 1. März 2020 gezeigt. Weitere Informationen zum gesamten Programm unter: https://makingcrisesvisible.com/

Partner
Träger des interdisziplinären Forschungs- und Ausstellungsprojekts „Making Crises Visible“ sind das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK/PRIF), die Goethe Universität Frankfurt und das Senckenberg Naturmuseum in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Forschungsverbund „Krisen einer globalisierten Welt“ und der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main.

Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten 10.10.2019–19.01.2020 Senckenberg im Frankfurter Kunstverein

©  Foto: Diether  v Goddenthow.
© Foto: Diether v Goddenthow.

Vom 10. Oktober 2019 bis zum 19. Januar 2020 präsentiert der Frankfurter Kunstverein mit „Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten“ ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt, das den Blick von einem historisch gewachsenen, anthropozentrischen Weltbild auf ein systemisches Verständnis des Menschen als Teil des evolutionären Prozesses führt.

Das ist der Auftakt einer Kooperation der eigentlich unüblich erscheint zwischen zwei Häusern, die sich der naturwissenschaftlichen Forschung und zeitgenössischer Kunstproduktion widmen.  Es ist für uns eigentlich der Beginn einer mehrjährigen geplanten Kooperation. Und dieses Mal eröffnen wir mit der Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, und in Zukunft werden wir zu Gast im Senckenberg Naturmuseum sein, erläuterte Professorin Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins und Kuratorin der Sonderausstellung beim heutigen Pressegespräch im Frankfurter Kunstverein.

v.l.: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,  Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein, Kuratorin der Ausstellung, Philipe Havlik, Wissenschaftler im Senckenberg-Naturmuseum, als wissenschaftlicher Berater.  © Foto: Diether v Goddenthow
v.l.: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für
Naturforschung, Prof. Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein, Kuratorin der Ausstellung, Philipe Havlik, Wissenschaftler im Senckenberg-Naturmuseum, als wissenschaftlicher Berater. © Foto: Diether v Goddenthow

Das langwierige Programm im Frankfurter Kunstverein habe ja auch immer wieder gezeigt, „dass wir ein besonderes Interesse für die Künstlerinnen und Künstler haben, die sich den Wissen auch von naturwissenschaftlicher Erkenntnis her ernähren und die großen Fragen auch unserer heutigen Gesellschaft in zeitlichen und historischen Moment stellen“, sagte Nori. Und das löse diese Ausstellung bestimmt auch ein. „Wir haben haben nämlich vier Künstler /innen ausgesucht, die unterschiedliche Arten der Annäherung an die heutige Frage, wie wir uns als Mensch als Teil eines Planeten, eines Großen und Ganzen sehen“, die diese Fragen diskutierten, und ihre unterschiedlichen Positionen auch entsprechend repräsentieren könnten.
Es ginge bei der Kooperation insbesondere auch darum, zu fragen, wer aus welcher Perspektive vom „beschädigten“ Planeten Erde erzählt. Das sei die Grundidee mit der Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung, die viele visuelle Metaphern zeige, erstmal willkommen geheißen würden, so die Nori. In der Ausstellung stünden die Exponate aus dem Senckenberg Naturmuseum nicht nur als wissenschaftliche Belege, sondern sie seien Fragmente von der Welt im Verlauf ihrer Evolution. „Sie ermöglichen uns, einen Bezug zu Zeiten herzustellen, die so unermesslich sind, dass man sie in Zahlen ausdrücken, aber emotional nicht zu begreifen und zu empfinden vermag“, erläuterte die Kuratorin.

Die Ausstellung habe im wesentlichen mit dem Thema „Antropozen“ zu tun, ein Thema, mit dem der Mensch sich in den nächsten 100, 200 Jahren intensiv wird auseinandersetzen. Es ginge um eine kritische Betrachtung dessen, „das es uns auf der einen Seite gelungen ist, durch unsere Intelligenz eine Welt zu schaffen, in der es uns so gut geht, wie noch nie“, aber das Ganze „erfolgte auf Kosten des Planeten, dem Planeten der Erde“, sagte Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Unserem Naturkapital Erde ginge es so schlecht wie noch nie. „Das heißt: wir haben eigentlich in den letzten paar hundert Jahren unseren Planeten ziemlich ausgebeutet zu unserem Wohl. Und wir müssen jetzt Wege finden, wie wir eigentlich zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Erde kommen, eine Herausforderung, die alle betrifft. Und gerade da denke ich, macht es Sinn, Wissenschaft und Kunst näher zusammen zu bringen. Warum?: Wissenschaft und Kunst sind beides Früherkennungssysteme. Wenn immer sich etwas verändert“ reagierten Wissenschaft aber eben auch die Kunst als empfindsame Sensoren.

Kaum ein "Zeitzeuge" verbindet "Naturwissenschaft und Kunst" augenscheinlicher als der Agathoxylon, der verkieselte Stamm eines Nadelbaums, 225 Millionen Jahre alt, Nevada, USA, Leihgabe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v Goddenthow
Kaum ein „Zeitzeuge“ verbindet „Naturwissenschaft und Kunst“ augenscheinlicher als der Agathoxylon, der verkieselte Stamm eines Nadelbaums, 225 Millionen Jahre alt, Nevada, USA, Leihgabe der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. © Foto: Diether v Goddenthow

Tatsächlich beschäftigten sich Wissenschaft und Kunst intensiv auch mit diesem Thema, wir der Mensch eigentlich mit seinem Planeten umgehe, und das aus unterschiedlichen Perspektivenm, so Mosbrugger: „Wir Naturwissenschaftler kommen sehr stark von den Daten, von den Fakten, von den Prozessen, vom analytischem Verständnis. Die Kunst hat weniger einen reduktionístischen, sondern mehr einen holistischen Zugang“. In der Kunst ginge es auch um Fragen des Selbstverständnisses des Menschen, um existentielle Fragen und auch um Ästhetik.
Durch die Sicht aus unterschiedlichen Perspektiven, das Hin- und Herspringen zwischen Kunst- und naturwissenschaftlicher Welt, zwischen reduktionistischen und holistischen Sichtweisen, zwischen Sinnfrage und Verständnis, Prozessverständnis, entstünde für Betrachter ein Mehrwert und „wir beide sind überzeugt, dass dadurch mehr entstehen kann, sowohl für Leute, die mehr an Kunst interessiert sind, wie für Leute, die jetzt mehr an Naturwissenschaften interessiert sind“, so Mosbrugger. Wissenschaftliche Ansätze könnten durch die Kunst emotional erlebbar werden und neue Zugänge zu Erfahrungs- und Denkräumen führen.

Der Ansatz:

Für die Ausstellung produzieren zeitgenössische Künstler*innen Werke und Rauminstallationen und stellen diese in einen inhaltlichen Dialog mit wissenschaftlichen Exponaten aus den Sammlungen des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt. Das Ausstellungsprojekt wird von Podiumsdiskussionen begleitet, an denen Schriftsteller*innen, Naturwissenschaftler*innen, Philosoph*innen und zeitgenössische Künstler*innen miteinander das thematische Spektrum ausloten.

Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung wird die gesamte Fläche des Frankfurter Kunstvereins bespielen. Kuratiert wird die Schau von Franziska Nori, Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, in Zusammenarbeit mit Philipe Havlik aus dem Stab Zentrale Museumsentwicklung bei Senckenberg.

Den teilnehmenden Künstler*innen ist jeweils ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. Der Fokus der Ausstellung ist auf zeitgenössische Diskurse gerichtet, die aktuell in zahlreichen Disziplinen geführt werden und die sowohl das dualistische Denken (Mensch-Natur), als auch die Idee eines Vorrangs des Menschen neu überdenken.

So spielen zum Beispiel die Thesen der Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway eine Rolle, welche die darwinistische Auffassung von Evolution als Primat des Stärkeren um die Idee der Kollaboration zwischen Arten diskutiert. Auch die mikrobiologischen Erkenntnisse von Lynn Margulis und der von ihr und James Lovelock verfochtenen Gaia-Hypothese werden aufgegriffen. Sie betrachten die Erde als ein zusammenhängendes Ganzes, in dem ein selbstregulierender Prozess alle Lebewesen miteinander in einem System vereint.

Diese Gedanken haben in der heutigen Gesellschaft, verschiedenen wissenschaftlichen Diskursen und in der zeitgenössischen Kunst einen starken Widerhall erzeugt, der in unterschiedlichen ästhetischen Formulierungen seinen Ausdruck findet. Die Ausstellung „Trees of Life“ hat mit gänzlich unterschiedlichen Ansätzen arbeitende Künstler*innen eingeladen, ihre künstlerische Recherche in Frankfurt zu präsentieren.

Das Senckenberg Naturmuseum und der Frankfurter Kunstverein wollen als komplementäre Partner in einer strategischen Kooperation die Potentiale einer neuartigen Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst ausloten, um neue Perspektiven und Narrative zu präsentieren und dabei Verstehen und Orientierung verbinden.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Die drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen.

Mit dem Verständnis von Kunst als Mittler zwischen fachspezifischem Wissen aus den zahlreichen Forschungsbereichen, theoretischen Positionen und Lebensrealitäten, arbeitet der Frankfurter Kunstverein seit vielen Jahren bevorzugt mit Künstler*innen, die Fragestellungen aus technischen Wissenschaften, Naturwissenschaften als auch Geisteswissenschaften aufgreifen. Ihre künstlerischen Auseinandersetzungen und Präsentationen ermöglichen den Besucher*innen, sich durch ästhetische Erlebnisse wissenschaftliche Kenntnisse über die Entschlüsselung von Vernunft hinaus auch mit der Kraft der Poesie anzueignen.

Das Ausstellungsprojekt wird gefördert vom Kooperationspool Frankfurt.

Der Ausstellungsparcours

Rauminstallation "Leben im Wassertropfen" 2019, von Master-Studierenden, Intermedia Design Trier u. Prof. Daniel Gilgen mit Sound Editing von Marcus Haberkorn (Hochschule Trier) © Foto: Diether v Goddenthow
Rauminstallation „Leben im Wassertropfen“ 2019, von Master-Studierenden, Intermedia Design Trier u. Prof. Daniel Gilgen mit Sound Editing von Marcus Haberkorn (Hochschule Trier) © Foto: Diether v Goddenthow

Jede Zeit und jede Kultur hat ihre eigenen Denkmodelle, ihre eigenen Erzählungen hervorgebracht, wieder verworfen, weiterentwickelt oder gar vergessen und neuentdeckt. Das Wissen ist situativ, stellt die Geschichtswissenschaftlerin Donna Haraway fest. Realitätsvorstellungen sind gebunden an den Wissensstand einer Zeit und einer Kultur, die Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig generieren sie Machtgefüge und moralische Kategorien.

Den Auftakt der Ausstellung bildet im Erdgeschoss eine Auswahl an visuellen Metaphern: von der aristotelischen Scala Naturae, einer hierarchischen Anordnung der Lebewesen, an deren Spitze sich der Mensch über alle anderen Kreaturen erhebt und die Charles Bonnet 1781 zeichnete; über die Tagebuchaufzeichnung von Charles Darwin (1837), in der er die Evolution, und nicht das göttliche Prinzip, als Ursprung der Schöpfung erstmals skizzierte; über Ernst Haeckels Stammbaum des Menschen (1884), bis zur zirkulären Visualisierung von David Hillis, die im 21. Jahrhundert tausende von Arten in ihrer phylogenetischen Verknüpfung ohne Hierarchie darstellt. Diese Lebensbäume (trees of life) fassen in Bilder wie der (westliche) Mensch sich über die Jahrhunderte als Teil des Weltgefüges sieht.

Der Ausstellungsparcours führt die BesucherInnen weiter zu einem 225 Millionen Jahre alten versteinerten Baum. Der 1,7 Tonnen schwere Stamm kommt aus dem Petrified-Forest- Nationalpark in Arizona. Er stammt aus der Sammlung des Senckenberg Naturmuseum. Durch besondere Bedingungen ist der Stamm versteinert und steht nun als über zwei Meter hohes skulpturales Fossil in prächtigen Farben im Raum. Das Exponat stellt einen physischen Bezug her zwischen uns und einer Zeitdimension, die wir in Zahlen ausdrücken, aber emotional nicht zu begreifen und zu empfinden wissen.

Sonja Bäumel ist ein eigener Ausstellungsraum im ersten Geschoss gewidmet. Ihr künstlerisches Werk setzt an einer Kritik des sogenannten „human exceptionalism“ – der Sonderstellung des Menschen – an und stellt diese in Frage. Bäumels Arbeit entsteht vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass 50% des menschlichen Körpers aus Mikroorganismen besteht, mit denen er in komplexen symbiotischen Wechselwirkungen zusammenlebt. Für die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein wurde mit der Künstlerin eine umfassende Werkschau konzipiert, in der mehrere ihrer Arbeiten präsentiert werden. Das Material ihrer künstlerischen Arbeiten sind Mikroorganismen ihrer eigenen Haut, aus denen sie lebende Exponate schafft.

Im benachbarten Ausstellungsraum präsentiert der FKV den Film „Symbiotic Earth“, der 2017 an der University of Oxford seine Weltpremiere feierte. Die Mikrobiologin Lynn Margulis trug dazu bei, James Lovelocks Gaia-Hypothese durch ihre mikrobiologischen Erkenntnisse zu untermauern. Mit einem akademischen Hintergrund als Philosophin, die über die Evolutionsgenetik zur Biologie kam und an unterschiedlichen Universitäten arbeitete, war Margulis eine Verfechterin einer anderen Deutung der Evolution, als Ergebnis der Symbiogenese: der Verschmelzung von zwei Lebewesen zu einem Organismus.

Mit dem Film über Lynn Margulis setzt die Ausstellung Stromatholithen in einen räumlichen Dialog, die aus der Sammlung des Senckenberg Naturmuseums stammen. Die Fossilien entstanden vor über 560 Millionen Jahren. Die Versteinerungen bestehen aus Lagen urzeitlicher Cyanobakterien, die Lynn Margulis in ihrem Film als Urzelle allen Lebens und gleichzeitig als Quelle freien Sauerstoffs in der Atmosphäre aufzeigt. Im Querschnitt lassen sich unzählige Bakterienmatten erkennen, die von einer jahrhundertelangen Abfolge von Werden und Vergehen
zeugen.

Die Hochschule Trier hat mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine immersive Rauminstallation entwickelt. BesucherInnen betreten eine digitale Welt, in der das Leben im Wassertropfen und der darin existierenden Strahlentierchen, Wimperntierchen, Augentierchen und Rädertierchen überdimensional erfahrbar ist. In der Ausstellung wird die Arbeit erstmalig gezeigt.

Edgar Honetschläger ist Künstler und Filmemacher. In seiner künstlerischen Praxis konzentriert er sich auf die Frage nach kulturellen Gegebenheiten und dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Honetschläger entschied sich dazu, seine Stimme nicht ausschließlich als Künstler, sondern auch als Aktivist zu erheben und nicht mehr nur im symbolischen Raum der künstlerischen Produktion zu agieren. Mit der Schaffung des gemeinnützigen Vereins „GoBugsGo“ engagiert er sich seit 2018 dafür, weltweit Mitstreiter zu finden. Vor dem Hintergrund der drastischen Entwicklung, dass in den vergangenen zwanzig Jahren die Anzahl und Vielfalt der Insekten global dramatisch zurückgegangen ist, agiert Honetschläger mit dem Anliegen Lebensraum zurückzugewinnen und diesen durch Schenkung oder Kauf dauerhaft als kollektives Eigentum zu erwerben und ihn zu einem menschenfreien Raum umzuwandeln. Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal in Deutschland „GoBugsGo“ und widmet Honetschläger einen Ausstellungsraum, in dem sein aktivistisches Projekt gemeinsam mit einer historischen Insektensammlung aus den Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung präsentiert wird. Die Sammlung stammt aus Heidelberg, wurde im 19. Jahrhundert angelegt und zeigt in 42 einzelnen Kästen aufgereihte Arten aus der gesamten Welt. Die Objekte stehen in ihrer ästhetischen Präsenz für eine menschliche Form der Annäherung an Natur.

Im oberen Geschoss befindet sich das Werk des Künstlerkollektivs Studio Drift, das Lonneke Gordijn und Ralph Nauta in Amsterdam gründeten. Ihre Arbeiten untersuchen die Beziehung des Menschen zu den von ihm geschaffenen Dingen und Technologien. Die Ausstellung präsentiert die Werkreihe „Materialism“: Alltagsobjekte, Ikonen der Konsumgesellschaft wie das iPhone oder ein Nokia-Mobiltelefon, wurden in ihre zahlreichen Einzelteile und somit in die darunter liegende Ebene, die der Rohstoffe, dekonstruiert. Zwei weitere Objekte, die in den kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit eine zentrale Rolle spielen, sind Teil der Untersuchung von Studio Drift. Die Maschinengewehre M16 (mit Patrone) und die AK 47 (mit Patrone), beide zählen zu den bekanntesten Waffen weltweit. Alle Objekte wurden in ihre einzelnen Bestandteile und dann in ihre chemischen Elemente dekonstruiert und reverse-engeneered. Wir sehen die Artefakte nicht mehr in der Form industriell gefertigter Objekte. Wir begegnen ihnen in ihrer Essenz, in der Reduziertheit auf deren wesentliche Materie. Industrielle Produkte stehen als reine Rohstoffe vor uns, die zu abstrakten Kuben synthetisiert wurden. Geometrische Formen, die auf die Formensprache der klassischer Moderne und dessen Prinzip der Dekonstruktion verweisen.

In räumlicher Nähe stellt die Ausstellung die Quelle aller Elemente, die sich auf unserem Planeten befinden: den Kosmos. Gezeigt werden Moldavite und Meteoriten aus der Sammlung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Meteoriten entstanden vor 4,56 Milliarden Jahren, in der Frühzeit unseres Sonnensystems. Meteorite enthalten chemische Elemente, aus denen das gesamte Sonnensystem besteht und letztendlich alles Lebende auf unserem Planeten hervorgegangen ist. So stammt das Wasser der Ozeane von Kometen, das Kalzium und der Phosphor in unseren Knochen aus den Explosionen von Supernovae, der Wasserstoff in unseren Zellen ist ein Urelement des Urknalls. Eine VR-Station ermöglicht die immersive Erfahrung, die Wucht eines Meteoriteneinschlags selbst zu erleben.

Video-Raum "Holobiont Society" von Dominique Koch im 2. OG © Foto: Diether v Goddenthow
Video-Raum „Holobiont Society“ von Dominique Koch im 2. OG © Foto: Diether v Goddenthow

Dominique Koch bildet den Abschluss des Parcours. Ihre Werke stehen für eine zurzeit in zahlreichen Disziplinen geführte Debatte, die die Notwendigkeit sehen, gefestigte Denkmodelle anhand neuen Wissens wieder kritisch zu hinterfragen. Der Film „Holobiont Society“ entsteht als Montage aus Found Footage mit Audioaufzeichnungen von Interviews dreier international renommierter WissenschaftlerInnen – Scott Gilbert, Maurizio Lazzarato und Donna Haraway – sowie der elektronischen Musik von Tobias Koch. Der Film beginnt mit Gedanken des Biologen Scott Gilbert über den sogenannten genetischen Determinismus und leitet dann zu Lazzaratos kritischen Ansätzen zum Kapitalismus und der Ausbeutung als dessen zentrales Merkmal über. Als dritte Position problematisiert Donna Haraway die Idee der Sonderstellung des Menschen. Koch gelingt es, eine ihr eigene ästhetische Form zu finden, in der sie Fragmente diskursiver Wissensmodelle emotional auflädt.

Die Vernissage findet am 9. Oktober um 19 Uhr statt. Zur Eröffnung spricht unter anderem auch  Ayse Asar, Staatsministerin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Ort:

FRANKFURTER KUNSTVEREIN
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44, 60311 Frankfurt Main
www.fkv.de

Im Senckenberg-Naturmuseum kann man jetzt auch nach Dinos graben – „Dino-Grabung: vom Fund ins Museum“

Senckenbergs neue Grabungsstätte im kleinen Workshop-Bereich, gleich neben Diplodocus und Iguanodon, ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“. Doris Manz-Wisser (Förderin), Kuratorin Larissa Goebel, Claus Wisser (Förderer)und Museums-Direktorin Dr. Katrin Böhning-Gaese zeigen schon mal wie es geht. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Senckenbergs neue Grabungsstätte im kleinen Workshop-Bereich, gleich neben Diplodocus und Iguanodon, ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“. Doris Manz-Wisser (Förderin), Kuratorin Larissa Goebel, Claus Wisser (Förderer)und Museums-Direktorin Dr. Katrin Böhning-Gaese zeigen schon mal wie es geht. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Senckenberg- Naturmuseum Frankfurt können Kinder ab der dritten Klasse im Rahmen gebuchter Workshops und ab 1. November auch zu Geburtstagsfeiern nicht nur Dinos gucken, sondern auch nach ihnen graben. Wie Paläontologen können sie mit Grabungswerkzeugen wie kleinen Schaufeln und Pinseln, aber auch per Hand, in einer mit kieseligem Sand gefüllten Grabungskiste nach „alten“ Tyrannosaurus-Knochen suchen und diese ausgraben. Zuvor teilen sie – wie die Profis in echt – den Grabungsbereich ein in Quadrante und können dann skizzieren, von welcher Stelle ihr Fund stammt. Haben sie die Abgüsse von Dino-Überresten gefunden, und per Skizze dokumentiert, können sie raten, um welche Knochenstücke es sich handeln könnte. Unter fachkundiger Anleitung ihrer Lehrer oder der Museumpädagogik können sie direkt im Lichthof 1 am Skelette des T-Rex vergleichen, welchen Knochen ihre Funde denen des Dions entsprechen.

In den Vitrinen kann auch der "normale" Museumsbesucher erfahren, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie die Funde aus dem Stein kriegen, welche Prägarationsmethoden es gibt, und wie Abgüsse und von Knochenfunden gemacht werden und vieles mehr, erläutert die Kuratorin Larissa Goebel.©  Foto: Diether  v Goddenthow.
In den Vitrinen kann auch der „normale“ Museumsbesucher erfahren, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie die Funde aus dem Stein kriegen, welche Präparationsmethoden es gibt, und wie Abgüsse  von Knochenfunden gemacht werden und vieles mehr, erläutert die Kuratorin Larissa Goebel.© Foto: Diether v Goddenthow.

In der nachgestellten Grabungssituation befinden sich zurzeit Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura. „Unsere Grabungskiste ist einem realen ‚Bonebed’ nachempfunden“, betont Projektleiterin Larissa Goebel beim Pressegespräch- „Darin befinden sich die Abgüsse unsortierter Einzelknochen, die zunächst freigelegt werden müssen und dann einem Dinosaurier in unserem Museum zugeordnet werden können“ so die Projektleiterin. Aber auch dem „normalen“ Besucher wird die Möglichkeit gegeben, etwas zu dem Thema zu lernen. Dafür wurde eine kleine, aber feine Ausstellung um die Grabungskiste herum aufgebaut, in der jeder sehen und nachvollziehen kann, wie der Weg vom Knochenfund über die Restaurierung und Abguss-Herstellung bis hin zur Ausstellung erfolgen kann. In den Ausstellungsvitrinen wird erläutert, mit welchen Werkzeugen Paläontologen arbeiten, wie sie den Fund aus dem Stein kriegen, restaurieren, präparieren, konservieren und duplizieren.

Seit dem ersten Fund versteinerter Knochen von Diplodocus 1877 gab es verschiedene Theorien zu dessen Körperbau und Lebensweise. Anhand der hier gezeigten Modelle werden die verschiedenen Forschungs-Stadien bis heute nachempfunden. ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Seit dem ersten Fund versteinerter Knochen von Diplodocus 1877 gab es verschiedene Theorien zu dessen Körperbau und Lebensweise. Anhand der hier gezeigten Modelle werden die verschiedenen Forschungs-Stadien bis heute nachempfunden. © Foto: Diether v Goddenthow.

„In dem neuen Ausstellungsbereich ist etwas gelungen, das uns bei Senckenberg sehr am Herzen liegt“, freut sich Direktoriumsmitglied Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese. „Wir möchten Forschung in unseren Museen sichtbar und erfahrbar machen“, fährt sie fort. Dazu gehöre auch zu zeigen, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse mit jeder Neuentdeckung stetig weiterentwickeln. Der Fortschritt der Wissenschaft werde an drei Diplodocus-Modellen in der Ausstellung verdeutlicht. Sie zeigen unterschiedliche Phasen in der wissenschaftlichen Darstellung des Langhalssauriers. Einige Theorien gingen davon aus, dass er im Wasser lebte, andere wiesen ihm einen echsenhaften Gang zu. Die Rekonstruktion des Diplodocus, so wie er heute auch im Original im Museum zu bestaunen ist, war erst durch das Zusammenspiel verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen möglich. „Wir haben festgestellt, dass unsere Dinos ein sehr gutes Vehikel sind, um auch unseren jungen Museumsbesucher*innen Prozesse der Forschung nahe zu bringen“, ergänzt Dr. Eva Roßmanith, Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung. Gemeinsam mit Katrin Böhning-Gaese dankt sie den Förderern Doris und Claus Wisser dafür, dass sie dieses Projekt ermöglicht haben.

Impression der kleinen nachgestellten Grabungssituation. In der Grabungskiste  befinden sich Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura, wonach die Kinder unter fachkundiger Anleitung suchen können.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Impression der kleinen nachgestellten Grabungssituation. In der Grabungskiste befinden sich Abgüsse unterschiedlicher fossiler Knochen des Fleischfressers T.rex und des Entenschnabeldinosauriers Maiasaura, wonach die Kinder unter fachkundiger Anleitung suchen können. © Foto: Diether v Goddenthow.

Zu Herbstferienbeginn: Kostenlose Schnupper-Workshops
Am Montag, 30. September 2019, dem ersten Tag der hessischen Herbstferien, wird die nachgestellte Grabungssituation für alle interessierten Museumsbesucher*innen von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. Es werden dann kostenfreie Workshops angeboten, die jeweils zur vollen Stunde starten. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, um Voranmeldung vor Ort wird gebeten.

Buchung und Information unter: museumfrankfurt.senckenberg.de oder telefonisch unter 069/7542-1357 (Montag – Donnerstag von 9 – 12 und 13 – 16 Uhr).

Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben? Wachsende Ausstellung zur biobasierten Wirtschaft im Senckenberg Naturmuseum

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?
Wachsende Ausstellung zur biobasierten Wirtschaft im Senckenberg Naturmuseum
28. Mai 2019 bis 30. September 2020

Frankfurt am Main, den 27.05.2019. Wir schreiben das Jahr 2040. Die Wirtschaft hat sich grundlegend gewandelt: Kohle, Erdöl und Erdgas wurden durch nachwachsende Rohstoffe und biobasierte Reststoffe vom Markt verdrängt. Für mehr Nachhaltigkeit, den Erhalt der Artenvielfalt und damit unserer Lebensgrundlage war diese Abkehr von fossilen Ressourcen unvermeidbar. Doch wie genau sieht unser Alltag nun aus? Wie leben wir, was gibt es zu essen und wie bewegen wir uns von A nach B? Viele verschiedene Zukünfte sind vorstellbar. Drei davon zeigt die Ausstellung „Zukunft gestalten – Wie wollen wir leben?“. Entwickelt wurden die Inhalte im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts BioKompass gemeinsam mit Jugendlichen und Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. In der Ausstellung sind auch Museumsbesucher*innen dazu eingeladen, ihre Ideen einzubringen.

Dieser kleine Reaktor produziert Mikroalgen, die man essen oder in Kosmetikprodukten verwenden kann. Außerdem wird daran geforscht, aus Algen Asphalt und Treibstoff herzustellen.  Foto: Senckenberg, Sven Tränkner
Dieser kleine Reaktor produziert Mikroalgen, die man essen oder in Kosmetikprodukten verwenden kann. Außerdem wird daran geforscht, aus Algen Asphalt und Treibstoff herzustellen. Foto: Senckenberg, Sven Tränkner

Angesichts von Klimawandel und Artensterben sind nachhaltige und innovative Ansätze gefragt, wenn die Welt lebenswert bleiben soll. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Problematik und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Teil einer nachhaltigen Zukunft ist die Umstellung von fossilen auf nachwachsende, biobasierte Rohstoffe. Diese Wirtschaftsweise – die Bioökonomie – setzt auf Pflanzen, Tiere und biotechnologische Verfahren, um Ressourcen einzusparen. Ihre Chancen und Risiken stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Wie kann also unsere Zukunft aussehen? Setzen sich Hightech-Ideen durch, die fossile Rohstoffe vom Markt verdrängen? Oder etabliert sich bis zum Jahr 2040 ein ökologisch bewusster Lebensstil und die Menschen konsumieren freiwillig nur soviel sie brauchen? Vielleicht sorgt auch die Politik mit Gesetzen und Anreizen für klimaschonendes Verhalten in Wirtschaft und Gesellschaft. In Zukunftsdialogen wurden gemeinsam mit Jugendlichen sowie Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft solche unterschiedlichen Bilder für das Jahr 2040 entworfen und in greifbare Geschichten übersetzt. Drei davon sind die Grundlage der Sonderausstellung, die das Thema in die breite Öffentlichkeit trägt.

Die Gesamtprojektleiterin Dr. Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erläutert die Hintergründe: „Unser Ziel ist es, auch interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Wandel hin zur Bioökonomie einzubinden, das Wissen über Bioökonomie in der Gesellschaft zu fördern und hier im Senckenberg Naturmuseum den Dialog über die Gestaltung und mögliche Auswirkungen der Bioökonomie auf den Alltag anzuregen. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Austausch darüber, welche Bioökonomie wir uns wünschen und wie wir sie nachhaltig gestalten können, auch wenn dies Veränderungen im Konsumverhalten bedeutet.“

Um diesen Ausstausch zu fördern, wurden Frankfurter Jugendliche in die Entwicklung der Ausstellung einbezogen. Sie erarbeiteten Konzepte für die Vermittlung ihrer persönlichen Schwerpunkte im Museum. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen dabei (Plastik-)Konsum, Ernährung und Energieversorgung. Damit legten sie den thematischen Rahmen der Ausstellung fest. Christina Höfling, Kuratorin der Ausstellung betont: „Für das Senckenberg Naturmuseum ist dies das erste Mal, dass eine Ausstellung auf diese partizipative Weise entsteht. Jetzt schon ist es für alle Beteiligten ein inspirierender Prozess, bei dem jede Seite sehr viel lernt.“ Auch nach der Eröffnung wird dieses partizipative Konzept fortgeführt. Die Ausstellung soll wachsen und Besucher*innen können sich einbringen: Mit dem Thema „Konsum“ starten wir in einen Morgen 2040. Zahnputzbecher aus Flüssigholz, Kleidung aus Algen- oder Hanffasern und Becher aus Kaffeesatz: spannende Innovationen sind bereits zu sehen. Ansätze für einen nachhaltigen Mittag und Abend werden auf Basis der Konzepte der Jugendlichen und mit den Ideen der Besucher*innen entwickelt.

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft bei Senckenberg ordnet die Ausstellung ein: „Forschung für die Zukunft, Schutz der biologischen Vielfalt und Beteiligung der Öffentlichkeit – hier verbinden sich Kernthemen der Senckenberg-Gesellschaft. Wir müssen Wege finden, die Biodiversität und damit unsere Lebensgrundlage zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Möglich ist dies nur in einem Prozess, in den alle eingebunden sind. Dieses Prinzip wenden wir daher auch in der Ausstellung an.“

Die Ausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Weitere Informationen unter: www.senckenberg.de/biokompass
Ort: Raum 206, 2. OG im Museum

Mit dem Deepsea-Tauchboot zur Meereserforschung in die Tiefsee – Neue Themenräume bei Senckenberg geplant

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft und Kurator Thorolf Müller mit zwei Tiefsee-Flügelschneckem  in zehnfacher Vergrößerung, die unter anderem  im neuen Raum "Tiefsee" gezeigt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft und Kurator Thorolf Müller mit zwei Tiefsee-Flügelschneckem in zehnfacher Vergrößerung, die unter anderem im neuen Raum „Tiefsee“ gezeigt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Seit Jahren expandiert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung auf dem benachbarten ehemaligen Campus der Goethe-Universität zu einem der wohl einmal spannendsten Naturmuseen Deutschlands und größten weltweit. Im vergangenen Jahr konnte Senckenberg zum 200. Jubiläum sieben Jahre nach Planungsbeginn mit 22 Millionen Sammlungsstücken und seiner Verwaltung ins benachbarte, wieder original restaurierte und mit modernster Archiv- und Forschungstechnik ausgerüstete Jügelhaus umziehen. Jetzt und in den kommenden Jahren erfolgt – bei laufenden Betrieb – die Modernisierung und Erweiterung des Senckenberg- Naturmuseum Frankfurter Naturmuseum abschnittsweise. So entstehen modular vier die neuen Bereiche: Mensch, Erde, Kosmos und Zukunft. Sie werden die Besucher mitnehmen auf eine Reise zu den Anfängen des Menschen, den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und die Zukunft unseres Planeten beleuchten.

Als eines der ersten neu gestalteten Themenräumen will das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt im Dezember 2019 den Bereich „Meeresforschung“ und „Tiefsee“ im 2. Stockwerk seines Haupthauses eröffnen. „Wir starten hier in der „Tiefsee“, gehen dann über die Riffe und die Mangroven und das Wattenmeer, anschließend in die Bereiche Savannen, Wälder und letztlich ins Hochgebirge“, erläuterte Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und Leiterin des Programms Wissenschaft und Gesellschaft, auf dem gestrigen Pressegespräch. Dabei konnten die Medienvertreter schon einmal einen Blick hinter die Kulissen des Umbaus der künftigen Räume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ werfen. „Diese Räume“, so die Direktorin, „sollen das Eintauchen in diese verschiedenen Lebensräume erlauben.“ Gleichzeitig wolle man auch von der Bausubstanz her, die „‘schönen Decken‘ der 70er Jahre herausnehmen und das Gebäude wieder in der alten neobarocken Pracht zum Leben erwecken, jedoch mit einer modernen Lüftung und neuen Böden.“ So ähnlich wolle man auch mit allen folgenden Räumen im ganzen Haus verfahren.

Der eigentliche Umbaubeginn wurde erst möglich, nach dem die Haie aus ihrem bisherigen Domizil auf gleicher Etage nebenan in den Ausstellungsraum „Faszination Vielfalt“ umgezogen waren.  Diese beiden neuen Räume „Meeresforschung“ und „Tiefsee“ entstehen, so Kurator Dr. Thorolf Müller . in enger Kooperation mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Anhand einer Visualisierung des Raums „Meeresforschung“ des Ateliers Brückner erläuterte der Projektleiter und leidenschaftliche Tiefsee- und Meeresforscher Konzept und Ausstattung. Dabei zeigte sogleich ein paar wertvolle und bizarre Meeresbewohner-Exponate wie einen Fangzahn-Fisch, die leuchtende Tiefsee-Qualle Atolla wyvillei (Alarmqualle),  zwei Tiefsee-Flügelschnecken und ähnliche Modelle, die später im Raum „Tiefsee“ präsentiert werden sollen.

Ein Modell der leuchtenden Tiefsee- Qualle Atolla wyvillei, auch „Alarmqualle“ genannt, da sie bei Gefahr damit noch größere Feinde anlockt, um sich unmittelbare Angriffe vom Leibe zu halten. Ab dem 19.12.2019 zu sehen im neuen Themenraum „Tiefsee“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Modell der leuchtenden Tiefsee- Qualle Atolla wyvillei, auch „Alarmqualle“ genannt, da sie bei Gefahr damit noch größere Feinde anlockt, um sich unmittelbare Angriffe vom Leibe zu halten. Ab dem 19.12.2019 zu sehen im neuen Themenraum „Tiefsee“ im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Da man, so Dr. Thorolf Müller ,  zum Betrieb von Meeresforschung  jede Menge Gerätschaften brauche, würden diese den Kern dieses (Eingangs)Raums „Meeresforschung“ ausmachen. „Wenn Sie jetzt von hier vorne den Raum betreten, dann werden Sie zunächst auf diese Tauchkugel gucken“, wobei einer historischen Tauchkugel aus den 60er Jahren eine moderne amerikanische Tauchkugel gegenübergestellt werden wird, mit der man bis auf die Sink-Tiefe der Titanic von zirka 4.900 Meter Tiefe hinabtauchen könnte. Dabei handelt es sich um einen Nachbau der Deepsea, dem Tauchboot von Titanic-Regisseur James Cameron, der einer von den Fünfen ist, die bislang zur Titanic hinab tauchen konnten. Tiefseetauchen sei „wahnsinnig gefährlich und aufwendig“. Bemannte Tauchfahrten mache man genauso selten wie private Raumfahrten, so der Kurator.-Es gäbe sogar „Abstimmungen zwischen Raumfahrttechnikern und Tiefseetechnikern, um diese extremen Bedingungen, die herrschen, in beiden Ecken gerecht zu werden“, so Dr. Thorolf Müller.

Wenn die Besucher eine Weile im ersten Raum „Meeresforschung“ warten, werden sie durch Wand-Großprojektionen erleben, wie sie nach und nach durch die Wassersäule abtauchen in die Tiefsee. Es werde dabei, so der Kurator, natürlich immer dunkler. Und auf dem Weg in die Tiefe „werden immer wieder einzelne Exponate gehighlightet, die eben in dieser Höhe etwas tun oder sich in dieser Höhe bewegen.“ In vollflächigen Projektion werde zudem erklärt, welche Meeresbewohner einem begegnen, wie hoch der Druck und wie tief man gerade sei, welche Organismen da leben, bis man irgendwann ganz unten am Meeresgrund sei. Kurzum: Besucher, die den Raum „Meeresforschung“ betreten, erleben hier eine visuell simulierte Tauchfahrt. Über das Abtauchen „mit dem ganzen Raum“ hinaus, können Besucher im Tauchboot Deepsea auch selbst Pilot oder  Pilotin sein. Außerdem wird dargestellt, wie aufwändig eine Schiffsexpedition ist, welche Gerätschaften zur Erkundung der Meere und zum Bergen von Organismen verwendet werden und welche bemerkenswerten Ergebnisse die Meeresforschung erzielt. Nicht zuletzt wird der Einfluss des Menschen auf die Ozeane thematisiert werden.

Von hieraus gelangt man nebenan in den Hauptraum „Tiefsee“. Da werde es, ähnlich wie eben in der Tiefsee tatsächlich sehr dunkel sein. In diesem Raum wird dann das ganze wunderbare und unbekannte, mitunter unheimlich, bizarr und magisch anmutende, faszinierende Universum der Tiefsee gezeigt werden.

Weitere Infos!

Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst

Einzigartige Lebendrekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus) fürs Senckenberg-Museum

Lebendrekonstruktion von Hildegard Enting im Senckenberg Naturmusem. © Senckenberg / Tränkner
Lebendrekonstruktion von Hildegard Enting im Senckenberg Naturmusem. © Senckenberg / Tränkner

Zoologische Präparatorin Hildegard Enting erarbeitet einzigartige Lebendrekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus) für das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Frankfurt, 20.02.2019. Der Dodo, auch Dronte genannt, war ein flugunfähiger Taubenvogel, der im Indischen Ozean auf Mauritius lebte. 1598 berichteten Seefahrer erstmalig von dem Vogel, 100 Jahre später war er bereits ausgestorben. Heute steht er ikonisch für von Menschen ausgerottete Tierarten. Seefahrer steuerten auf der Ostindienroute die Insel an und nahmen die Vögel als Proviant mit auf lange Seefahrten. Hauptgründe für das Aussterben des Dodos waren neben der Bejagung eingeschleppte Ratten und ausgewilderte Haustiere, die die Gelege der bodenbrütenden Vögel zerstörten. Bei den weltweit seltenen Museumsexemplaren des Dodos handelt es sich fast ausschließlich um Skelette. Nur ein Kopf mit mumifizierter Haut ohne Federn ist in Oxford erhalten. Ein mumifizierter Fuß gilt als verschollen. Abgesehen von diesen Relikten kann das Erscheinungsbild des Dodos nur anhand zeitgenössischer Zeichnungen und Gemälde rekonstruiert werden. Die Zoologische Präparatorin Hildegard Enting hat auf Basis dieser Quellen und unter Berücksichtigung aktueller Forschungserkenntnisse eine Lebendrekonstruktion des Dodos erstellt, die ab dem 23. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen sein wird. Unterstützt wurde Hildegard Enting vom Senckenberg-Ornithologen Dr. Gerald Mayr, von Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum bei Senckenberg, sowie von den Sponsoren des Dodos Dr. Claudia Giani-Leber und Dr. Hendrik Leber.

Angefangen hat alles mit dem Buch „Extinct Birds“ von Errol Fuller, das Hildegard Enting vor 20 Jahren als Technische Assistentin beim Senckenberg-Ornithologen Dr. Gerald Mayr entdeckte. Auf der Umschlagseite waren Zeichnungen von Dodos abgebildet, und besonders die Tuschezeichnung von Herman Saftleven ließ sie nicht mehr los. Sie begann ein intensives Studium zeitgenössischer Quellen, befasste sich mit dem aktuellen Forschungsstand und startete schließlich als zoologische Präparatorin ihr Traumprojekt der Dodo-Rekonstruktion.

Nur wenige Abbildungen und Berichte aus dem 17. Jahrhundert beschreiben das Aussehen und Verhalten des Dodos. Enting hat sich mit ihnen intensiv auseinandergesetzt und sie mit neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen zu einem aktualisierten Gesamtbild vereint. „Sich mit dem Dodo zu beschäftigen ist wie eine Zeitreise“, schwärmt Hildegard Enting. Die zoologische Präpartorin hat für verschiedene Merkmale des Vogels unterschiedliche Quellen herangezogen. Das Schwanzgefieder und die Färbung beruhen auf einer Miniatur-Darstellung des indischen Künstlers Ustad Mansur aus dem 17. Jahrhundert. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen sind die Schwanzfedern eher unauffällig und kleiner gestaltet. Die auffällig kräftigen Beine und der gebogene, spitz auslaufende Schnabel sind durch Zeichnungen und Beschreibungen in Schifflogbüchern der Gelderland (1601-1603) gut dokumentiert. Die Augen hat Enting in Anlehnung an schriftliche Berichte hell und mit einem leicht gelblichen Schein versehen. Da sich die Augen des Dodos – wie bei vielen Vögeln – seitlich am Kopf befinden, musste er seinen Kopf leicht neigen, um sein Gegenüber im Blick zu haben.

Genau dieser Blick spiegelt laut Hildegard Enting das Wesen des Taubenvogels wider, der keine natürlichen Fressfeinde besaß und frei von Fluchtinstinkten zutraulich und neugierig gewesen sein soll. Neben dem außergewöhnlichen Aussehen des Vogels und den ungewöhnlichen Proportionen gehört diese Wesensart zu den Phänomenen, welche die anhaltende Faszination des Dodos ausmachen. Vor allem die Darstellung in Lewis Carolls „Alice im Wunderland“ machte den Vogel populär.

„Es war mir wichtig, dass meine Rekonstruktion lebendig wirkt und dass der Betrachter mit ihr in Blickkontakt treten kann“, erklärt die Präparatorin. „Wir sind sehr stolz darauf, dass diese einzigartige Rekonstruktion nun unseren Vogelsaal bereichert und unseren Besucherinnen und Besuchern eine besondere Begegnung mit dem ausgestorbenen Vogel ermöglicht“, ergänzt Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum. „Wir möchten unsere Museumsgäste für den Dodo begeistern und gleichzeitig auch das Thema der vom Menschen ausgerotteten Tierarten wieder stärker ins Bewusstsein rücken“, fasst Herkner zusammen.

Kontakt
Hildegard Enting
Zoologische Präparatorin
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
Tel. 069 – 7542 1360
hildegard.enting@senckenberg.de