Kategorie-Archiv: Senckenberg Naturmuseum

Moon Village: Eine neue Vision für den Aufbruch ins Universum – ESA bei Senckenberg

©atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
©atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Moon Village: Eine neue Vision für den Aufbruch ins Universum
Vortrag am 8.1.2018 von ESA-Generaldirektor bei Senckenberg

Frankfurt, 04.01.2018. Die Reise zum Mars ist eines der nächsten großen Ziele in der Weltraumforschung – eine bewohnte Basis auf dem Mond wäre hierfür ein wichtiger Schritt. Eine feste Station auf dem Mond könnte zudem ein Ort für die Forschung, aber auch zur Rohstoffgewinnung sein.
Der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner ist ein begeisterter Botschafter dieser Idee und stellt in seinem Vortrag die Vision des „Moon Village“ vor.

Wohnhäuser, eine Kirche oder ein Supermarkt auf dem Mond? Die Idee des „Moon Village“ geht in eine andere Richtung: Die permanente Station könnte die Internationale Raumstation ablösen und wäre an erster Stelle ein Ort der Forschung. Ein globales Dorf auf dem Mond, das verschiedenen Ländern und Akteuren gemeinsam als Standort für kommende Weltraum-Projekte und als räumliches und technologisches Sprungbrett in eine Zukunft im All dienen soll – mit deutlich geringerem Aufwand und Kosten als von der Erde aus. Im „Moon Village“ sollen die Fähigkeiten verschiedener Weltraumnationen zusammengeführt werden – sei es in Form von Robotik oder Astronauten. Die Teilnehmer an dieser permanenten Mondbasis können in ganz unterschiedlichen Feldern aktiv sein: Wissenschaft und Grundlagenforschung, aber auch kommerzielle Aktivitäten wie die Gewinnung von Rohstoffen, oder sogar Tourismus. Zudem würde ein solches Pionierprojekt einen gewaltigen Schub in der internationalen Zusammenarbeit in Technik und Politik bedeuten.

Vortrag: Moon Village: Eine neue Vision für den Aufbruch ins Universum
Referent: Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner
Datum: Montag, 8. Januar 2018, 19:00 Uhr
Ort: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,
Arthur-von-Weinberg-Haus | Robert-Mayer-Straße 2 | 60325 Frankfurt

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Bauingenieur Jan Wörner war Professor an und Präsident der TU Darmstadt, viele Jahre Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und ist seit 2015 Generaldirektor der ESA, wo er die Weichen für das lunare Dorf stellen möchte.

Die Vortragsreihe „Die Zukunft hat schon begonnen“ beschäftigt sich mit den künftigen Möglichkeiten und Spielräumen des Menschen auf der Erde, die nicht zuletzt durch Forschung ermöglicht werden. In dieser Reihe stellen namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus renommierten Institutionen ihre Forschung zu aktuell drängenden Fragen vor und geben einen Überblick über in der Wissenschaft entwickelte Ideen, Utopien und Lösungen, die uns heute noch futuristisch erscheinen mögen, deren Umsetzung aber vielleicht bald keine Zukunftsmusik mehr ist.

Die Vortragsreihe wird in Kooperation mit der Leopoldina –Nationale Akademie der Wissenschaften, der Leibniz-Gemeinschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet. Mehr unter: www.senckenberg.de/zukunft

In den kommenden Jahren erweitert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihr Naturmuseum in Frankfurt von 6.000 auf 10.000 Quadratmeter. Vier neue Ausstellungsbereiche (Mensch – Erde – Kosmos – Zukunft) nehmen die Besucher mit auf die Reise zu unseren Anfängen, zu den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und beleuchten die Zukunft unseres Planeten. (siehe auch http://die-welt-baut-ihr-museum.de)

Archäologische Attraktion: Das Partheonfries nach Restaurierung wieder im Jügel-Bau – Senckenberg-Forschungszentrum Frankfurt

Ausschnitt aus dem Parthenon-Fries im Jügel-Haus, Forschungs-Zentrum Senckenberg © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausschnitt aus dem Parthenon-Fries im Jügel-Haus, Forschungs-Zentrum Senckenberg © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Senckenberg-Forschungsinstitut, welches bis zum 31. Dezember 2017 in sein neues Domizil im „Jügelbau“ der ehemaligen Goethe-Uni an der Bockenheimer Warte umziehen wird, hat im Obergeschoss des Gebäudes C eine bedeutende archäologische Attraktion freilegen lassen: Abgüsse von Teilen des im Original 160 Meter langen Parthenon-Frieses der Akropolis in Athen. „Wir haben einen Abguss von fast 40 Metern“, so Gerd Mangel, Projektleiter Neugestaltung Senckenberg Forschungsinstitut. Der Parthenon zeige Ausschnitte aus den Feierlichkeiten anlässlich der Panathenäen, dem Hauptfest der Athener, das alle vier Jahre zu Ehren der Göttin Athena stattfand.

Projektleiter Gerd Mangel, beim Presserundgang durch das Gebäude C des Jügelhauses", dem neuen  Forschungszentrum der Gutenberg-Gesellschaft. © Foto: Diether v. Goddenthow
Projektleiter Gerd Mangel, beim Presserundgang durch das Gebäude C des Jügelbaus“, dem neuen Forschungszentrum der Gutenberg-Gesellschaft. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Fries sei deshalb so bedeutsam, so Gerd Mangel, Projektleiter Neugestaltung Senckenberg Forschungsinstitut, „weil dort die Götter und die Menschen erstmalig auf Augenhöhe erscheinen“, so der Projektleiter. Der Mensch sei den Göttern als ebenbürtig dargestellt. Dies sei die große Bedeutung dieses Frieses. Die hiesige Kopie, welche in den 1770/80er Jahren vom Pariser Louvre dem Städel zur Verfügung gestellt wurde, war noch am Original in Athen abgenommen worden. Die zweite Hälfte der Abgüsse des Frieses sei dann 1832 im Britischen Museum in London von deren Abgüssen abgeformt worden.

Baustellen-Impression: Sanierte Flure, Türen, Decken usw. © Foto: Diether v. Goddenthow
Baustellen-Impression: Sanierte Flure, Türen, Decken usw. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Abguss-Sammlung geht zurück auf die Stiftung des Frankfurter Kaufmannssohns, Bankiers und Kunstsammlers Johann Friedrich Städel (1728-1816). Sie diente zunächst im Zeichensaal der Städelschule Kunstschülern als Modellvorlage zum Abzeichnen. Anfang des 20. Jahrhunderts zog der Parthenon-Fries von der Städelschule um in den Erweiterungsbau des neuen neobarocken Jügelbaus, wo er ursprünglich im Skulpturensaal der Archäologen im Dachobergeschoss, der sogenannten Laterne, eingebaut wurde. Im Zuge der universitären Nutzung ist dann mehrmals Leimfarbe und später , was besonders „schön“ war, mehrfach Dispersionsfarbe drüber gestrichen worden. Irgendwann verschwanden die Konturen und damit der archäologische Schatz und die Erinnerung daran. Zuletzt wurde der Raum unterm Dach als Computerraum genutzt.

Das Treppenaus-Auge: Hier befand sich der Aufzug, der herausgenommen wurde, damit das alte Treppenhaus wieder zur Wirkung kam. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Treppenaus-Auge: Hier befand sich der Aufzug, der herausgenommen wurde, damit das alte Treppenhaus wieder zur Wirkung kam. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Übernahme des Jügelhauses durch die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wird das Gebäude kernsaniert und umgebaut. Der Jügelbau wird ab Januar 2018 das geologische Zentrallabor und die Zentralbibliothek der Gesellschaft, sowie ein Tagungszentrum beherbergen. Bei den Umbauarbeiten unter Leitung des Architekten Peter Kulka wurden die Merkmale der verschiedenen baugeschichtlichen Epochen beigehalten: Böden, Wände, Säulen und Flurinterieur aus Main-Sandstein, Stuckverzierungen und die übertünchten drei Meter hohen Türen, sowie die Fenster (jetzt mit Mehrfachverglasung)  sind ziemlich aufwändig saniert worden. Sogar ein nachträglich im Bau C durch‘s Treppenhausauge eingebauter Personenaufzug, der das wunderbare ursprüngliche Treppenhaus verschandelte, wurde entfernt und an anderer Stelle ersetzt durch einen modernen Lift seitlich der Eingangshalle, so dass Barrierefreiheit – jetzt auch für die Zwischengeschosse gewährleistet ist.

Baustellen-Impression: In 6 Metern Gerüst-Höhe werden letzte Retusche-Arbeiten am wieder eingebauten umlaufenden Parthenon-Relief durchgeführt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Baustellen-Impression: In 6 Metern Gerüst-Höhe werden letzte Retusche-Arbeiten am wieder eingebauten umlaufenden Parthenon-Relief durchgeführt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Restaurierung des Parthenon-Frieses im künftigen Parthenon-Saal mit Bibliothek und Besprechungsraum  war eine ganz besondere Herausforderung. Denn die 32 Relief-Gipsplatten, die in zirka 7 Meter Höhe unterhalb eines gut 6 x 6 Meter großen Oberlichtschachtes rundherum verlaufen, mussten 2014 zunächst sorgsam einzeln ausgebaut, jeweils in sonderangefertigte Spezialkisten verpackt und zur Restaurierungswerkstatt von Thomas Salveter ins bayerische Bachhagel-Oberbechingen (Kreis Dillingen) transportiert werden. Dort wurden die wertvollen Platten eingelagert: „Wir hatten die Hauptarbeiten im Atelier gemacht, die Platten waren alle seit 2014 im Atelier eingelagert Und letztes Jahr haben wir die in unserer Werkstatt ausgepackt, haben sie von den Farbschichten freigelegt und stabilisiert. Die waren zum Großteil kaputt, gebrochen und die Oberfläche mehrerer Platten durch Brand krakeliert.  Wir haben dann bei uns die Grundreparaturen gemacht und die Grundretusche“, erinnert sich Restaurator und Stuckbildhauer Thomas Salveter, der seit dem 3. November 2017 mit zwei weiteren Mitarbeitern, der Restauratorin Silvia Engel und dem Restaurator Thomas Flanderka in sechs Metern Gerüsthöhe den jetzt wieder eingebauten, bis zu 1,70 Meter langen Relief-Platten ihren letzten Schliff verpasst.

Restaurator Thomas Salveter erläuert die Arbeitsschritte der schwierigen Friessanierung, hier auf dem Baugerüst. © Foto: Diether v. Goddenthow
Restaurator Thomas Salveter erläuert die Arbeitsschritte der schwierigen Friessanierung, hier auf dem Baugerüst. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der längste und schwierigste Akt war, die Relief-Platten in der Werkstatt von der Dispersions- und Leinfarbe zu befreien:  Die Platten habe man, so Thomas Salveter, auf ein frei zugängliches Stativ gestellt und mit Tüchern befeuchtet, „dass die Farbe quellen kann, und dann haben wir mit einem Mikrodampfstrahlgerät und mit dem Schwamm und mit dem harten Pinsel quasi die Farbe Stück für Stück abgenommen.“, so der Restaurator.

Der Fries  sei ursprünglich nicht angestrichen, sondern in seiner Funktion als Modell für die Zeichenschule Städel  weiß gewesen. Man habe die Platten erst angestrichen, nachdem man sie 1914 hier im Jügelhaus für die Archäologen eingebaut habe. Man wollte wieder diesen Steincharakter wie im Originalabdruck in England. Deswegen habe man die Platten mit einem Grauton grundiert, der bei der Ablöse-Prozedur nicht abgegangen und  jetzt von  Vorteil sei. Das war quasi die sogenannte Leitschicht, und das war glücklicherweise auch der erste Anstrich, wie die Platten da an die Wandgekommen sind, so Thomas Salveter.

Restaurator Fabian Flanderka bei letzten Retusche-Arbeiten am Fries. © Foto: Diether v. Goddenthow
Restaurator Fabian Flanderka bei letzten Retusche-Arbeiten am Fries. © Foto: Diether v. Goddenthow

Nach der Restaurierung und dem Wiedereinbau der Platten werden nun die Fugen dazwischen und letzte Stellen retuschiert. „Heute werden wir fertig“, so der Restaurator.

Impression des Parthenon-Reliefs.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression des Parthenon-Reliefs. © Foto: Diether v. Goddenthow

Nach dieser fachmännischen Restaurierung der 200 Jahre alten Reliefplatten erstrahlt das antike Kunstwerk  wieder im neuen Glanz. „Ich denke nicht, dass wir die einzigen sein werden, die einen Blick darauf werfen wollen“, ist sich Prof. Dr. Andreas Mulch,  stellvertretender Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,  recht sicher. Man überlege bereits im Hause, wie der Parthenon-Fries  in einem gewissen Rahmen auch der Öffentlichkeit gezeigt werden könne.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Am 19.11. großer Familientag im Senckenberg-Museum – am 22.11. lädt die Senckenberg Gesellschaft zum Geburtstagskaffee ein

Die Vielfalt des Lebens steht am großen Familientag im thematischen Zentrum. Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken ist jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Vielfalt des Lebens steht am großen Familientag im thematischen Zentrum. Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken ist jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit einem feierlichen Festakt, Tagen der offenen Tür an den verschiedenen Standorten, einer Geobiodiversitäts-Fachkonferenz und mit vielem mehr feiert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit Januar 2017 ihr Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag.

Am 19. November 2017 lädt  die Senckenberg-Gesellschaft zu einem weiteren Highlight, zu einem großen Familientag im Rahmen ihrer Jubiläums-Feierlichkeiten ein. Hierzu wird es unter anderem rund um das Thema Vielfalt  Forscher-Stationen für Groß und Klein, Bastel- und Mal-Aktionen, einen großen Marktplatz im Saal der Wale, ein spannendes Forscher-Quiz und vieles mehr geben.

Gratis Geburtstagskaffee und -Kuchen am eigentlichen Geburtstags-Termin

Am 22. November ist es nun soweit – Senckenberg wird 200. Aus diesem Anlass lädt die Senckenberg Gesellschaft in ihren drei Naturmuseen Frankfurt, Dresden und Görlitz sowie an den Standorten Tübingen und Wilhelmshaven zu Kaffee und Kuchen ein.
Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt lädt seine Besucher am 22. November 2017 zwischen 15 und 18 Uhr auf ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee oder Tee in das Museumsbistro ein. Senckenberg Mitarbeiter werden anwesend sein und freuen sich auf den Austausch mit den Geburtstagsgästen.

 

„Mit künstlicher Fotosynthese gegen den Klimawandel“ – am 8. Nov. 2017, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt

zukunft-hat-schon-begVortrag „Mit künstlicher Fotosynthese gegen den Klimawandel“
am 8.11.2017 von Dr. Tobias Erb, Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg

Gerade erst hat die Weltwetterorganisation bekannt gegeben, dass die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) noch nie so schnell gestiegen ist wie im vergangenen Jahr.
Gleichzeitig warnen Ökonomen und Mediziner davor, dass der Klimawandel schon jetzt gravierende Folgen für das Wohlbefinden der Weltbevölkerung hat. Es ist daher höchste Zeit eine Lösung zu finden, das Treibhausgas aus der Atmosphäre zu entfernen. Hier kommt ein neuer Ansatz zum Tragen: Mit einem künstlichen, dabei komplett biologischen Stoffwechselweg, der nach dem Vorbild der Fotosynthese das CO2 aus der Luft bindet – und zwar mit 20 Prozent höherer Effizienz als Pflanzen das können.

Das neue System basiert auf der Wirkung siebzehn verschiedener Enzyme und wurde zunächst am Reißbrett geplant– und dann im Labor erfolgreich in die Realität umgesetzt. Für die praktische Anwendung könnten die für den Zyklus nötigen Gene in ein Bakterium oder eine Alge verfrachtet oder auch an Solarzellen gekoppelt werden – ein Meilenstein auf dem Weg zur künstlichen Fotosynthese.

Dr. Tobias Erb, Direktor der Abteilung „Biochemie und synthetischer Metabolismus“ am MPI für terrestrische Mikrobiologie, erforscht bisher unbekannte Mechanismen, mit denen Mikroorganismen CO2 umwandeln. Er will verstehen, wie diese neuen Stoffwechselprozesse funktionieren und wie wir sie künftig für eine nachhaltige Rohstoffgewinnung einsetzen können.

Vortrag: „Mit künstlicher Fotosynthese gegen den Klimawandel“
Referent: Dr. Tobias Erb, Max-Planck-Institut für terrestrische
Mikrobiologie, Marburg
Datum: Mittwoch, 8. November, 19:00 Uhr
Ort: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,
Arthur-von-Weinberg-Haus | Robert-Mayer-Straße2 | 60325 Frankfurt
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Vortragsreihe „Die Zukunft hat schon begonnen“ beschäftigt sich mit den künftigen Möglichkeiten und Spielräumen des Menschen auf der Erde, die nicht zuletzt durch Forschung ermöglicht werden. In dieser Reihe stellen namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus renommierten Institutionen ihre Forschung zu aktuell drängenden Fragen vor und geben einen Überblick über in der Wissenschaft entwickelte Ideen, Utopien und Lösungen, die uns heute noch futuristisch erscheinen mögen, deren Umsetzung aber vielleicht bald keine Zukunftsmusik mehr ist.

Die Vortragsreihe wird in Kooperation mit der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, der Leibniz-Gemeinschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet.
Mehr unter: www.senckenberg.de/zukunft

In den kommenden Jahren erweitert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihr Naturmuseum in Frankfurt von 6.000 auf 10.000 Quadratmeter. Vier neue Ausstellungsbereiche (Mensch– Erde – Kosmos– Zukunft) nehmen die Besucher mit auf die Reise zu unseren Anfängen, zu den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und beleuchten dieZukunft unseres Planeten. (siehe auch http://die-welt-baut-ihr-museum.de)

 

Weitere Vorträge der Reihe „Die Zunkunft hat schon begonnen!“

Mittwoch, 29.11.2017 | 19.00 Uhr
Prof. Anders Levermann, Ph.D (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Den Meeresspiegelanstieg einfach wegpumpen – Utopie oder Möglichkeit?
Der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels bedroht Küstenregionen weltweit. Ob er mit einem noch nie dagewesenen technischen Eingriff ins Erdsystem bewältigt werden könnte, hat ein Team des PIK durchgerechnet. Der kühne Ansatz: Große Wassermassen werden auf den antarktischen Kontinent zu pumpen, gefrieren dort und werden so den Meeren entzogen. Um die derzeitige Anstiegsrate des Meeresspiegels auszugleichen und das Wasser weit genug ins Landesinnere zu pumpen, damit es dort über lange Zeiträume gefroren gespeichert bleibt, müsste ein Zehntel der aktuellen weltweiten Energieversorgung aufgewendet werden – alternativ könnte der Strom direkt vor Ort durch Windturbinen erzeugt werden. Wäre dies tatsächlich eine machbare, nachhaltige Lösung?
Anders Levermann ist Professor für die Dynamik des Klimasystems und Leiter der Forschung zu globalen Anpassungsstrategien am PIK sowie Wissenschaftler an der Columbia Universität in New York. Er setzt sich für globale und dabei faire Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel ein.

Mittwoch, 06.12.2017 | 19.00 Uhr
Klaus Hagedorn (Thinktank 2° Investing Initiative)
Investoren im grünen Bereich? Neue Klimatransparenz im Finanzwesen
Selbst Anleger und Banken, die eine klimafreundliche Investitionsstrategie anstreben, wissen oft nicht, wie sie durch komplizierte Firmengeflechte an nicht-nachhaltigen fossilen Energien beteiligt sind. Ein frei nutzbares Modell ermöglicht es aber jetzt, die „2°C-Kompatibilität“ klimarelevanter Vermögenswerte und Investitionen zu quantifizieren. So kann künftig auch verstärkt dringend benötigtes privates Kapital für ein kosteneffizientes Erreichen des 2°C-Klimaziels mobilisiert werden. Im Vortrag wird auch diskutiert, inwieweit das Tool künftig auf weitere Sektoren erweitert werden kann und wo derzeit noch die Grenzen der Analysemöglichkeiten liegen (z.B. Auswirkungen von Investitionen auf Ökosysteme).
Die Denkfabrik 2° Investing Initiative ist weltweit führend bei der Entwicklung von Klimaindikatoren für den Finanzsektor. Die 2012 gegründete Initiative arbeitet in Paris, Berlin, London und New York mit dem Ziel, Finanzmittelflüsse mit dem im Pariser Übereinkommen definierten Klimaziel in Einklang zu bringen und betreibt entsprechende Forschungsprojekte. Klaus Hagedorn ist Physiker und Experte für erneuerbare Energien und arbeitet im Thinktank als Analyst.

Montag, 8.1.2018 | 19.00 Uhr
Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner (Generaldirektor der European Space Agency)
Moon Village: Eine neue Vision für den Aufbruch ins Universum
Ein globales Dorf auf dem Mond, das verschiedenen Ländern und Akteuren gemeinsam als Standort für kommende Weltraum-Projekte und als räumliches und technologisches Sprungbrett in eine Zukunft im All dienen soll – die Idee ist bestechend. Die permanente Station könnte die Internationale Raumstation ablösen und wäre vor allem ein Ort der Forschung. Aber auch Rohstoffe könnten gewonnen und – mit deutlich geringerem Aufwand und Kosten als von der Erde aus – Missionen in weit entfernte Regionen des Alls vorbereitet werden. Auch Touristik und weitere neuartige Konzepte sind denkbar. Zudem würde ein solches Pionierprojekt einen gewaltigen Schub in der internationalen Zusammenarbeit in Technik und Politik bedeuten – in Krisenzeiten besonders wichtig.
Der Bauingenieur Jan Wörner war Professor an und Präsident der TU Darmstadt, viele Jahre Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und ist seit 2015 Generaldirektor der ESA, wo er die Weichen für das lunare Dorf stellen möchte.

Mittwoch, 17.1.2018 | 19.00 Uhr
Prof. Dr. Jana Revedin (Architektin und Professorin, École spéciale d’Architecture, Paris; Universität Lyon)
Radikant: Architektur als kollektiver Prozess
Auf der ganzen Welt lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten, der Anteil steigt weiter. Hier liegt deshalb einer der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit. Wie können diese Menschen versorgt werden, wie wachsen die Infrastrukturen mit – und wie werden/bleiben die Städte dabei auch noch lebenswert? Die drei Grundfragen „Was ist schon da? Was wird gebraucht? Wie gestalten wir?“ an der Basis jeder Aufwertung von Lebensraum spielen heute in der nachhaltigen Architektur und Städtebau eine herausragende Rolle und können nur im Zusammenwirken aller Beteiligten nachhaltig beantwortet werden. Der Vortrag führt ein in “radikantes Gestalten” als kollektiver Programmierungs-, Entwurfs- und Produktionsprozess und erläutert die Methode anhand ausgeführter Stadterneuerungs- und Forschungsprojekte und stellt aktuellste Strömungen in nachhaltiger Architektur und Städtebau vor.
Die vielfach ausgezeichnete und international agierende Architektin Jana Revedin ist Professorin an der École spéciale d’Architecture in Paris, hat 2007 den Global Award for Sustainable Architecture ins Leben gerufen und Stadterneuerungsprojekte auf der ganzen Welt umgesetzt.

Mittwoch, 31.1.2018 | 19.00 Uhr
Dr. Carsten Nowak (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Dr. Christof Schenck (Zoologische Gesellschaft Frankfurt, ZGF), Axel Gomille (Biologe, Fotograf und Filmemacher)
(K)Ein Platz für wilde Tiere? Die Zukunft der Großtierfauna in Europa und der Welt
Große Wildtiere bereichern heute wieder vielerorts die europäische Natur und sind streng geschützt – nicht zur Freude aller. Um Wolf und Bär gibt es heftige, emotionsgeladene Diskussionen. Neue molekularbiologische Forschungsansätze, wie die SGN sie betreibt, helfen zu verstehen, wie sich Wildtiere ausbreiten und liefern wichtige Daten zu Bestandsentwicklungen und Mensch-Wildtierkonflikten, die die Grundlage für ein faktenbasiertes, wissenschaftlich fundiertes Wildtiermanagement darstellen. Dort, wo große Wildtiere noch ursprünglich vorkommen, wie z.B. in Afrika und Asien, sieht ihre Zukunft allerdings nicht rosig aus. Überall sind die Großtiere stark auf dem Rückzug, massiv bedrängt und bedroht durch den Menschen. Welche Ansätze können dort das Überleben dieser Arten sichern? Die ZGF verfügt hier über umfassende Erfahrungen in vielen Regionen der Erde. Sind diese auch für Europa hilfreich? Und wie können wir Europäer überhaupt den Schutz von Löwe und Elefant fordern, wenn es uns nicht gelingt, uns mit einzelnen Bären oder ein paar hundert Wölfen zu arrangieren? Eindrucksvoll abgerundet wird der Abend durch Fotos von Axel Gomille, der sich schon lange fotografisch mit dem Zusammenleben von Mensch und großen Tieren auseinandersetzt.
Carsten Nowak ist Leiter des Fachgebietes Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen und möchte mit seiner Forschung ein nachhaltiges Wolfsmanagement unterstützen. Für Christoph Schenck, Geschäftsführer der ZGF und Biologe, gehört ein faires Miteinander zwischen Tier und Mensch zu einer gemeinsamen nachhaltigen Zukunft. Axel Gomille beschäftigt sich als Wildlife-Fotograf, Filmemacher und Journalist mit Wildtieren. Dabei geht es ihm stets darum, Wege für ein Miteinander von Mensch und Tier aufzuzeigen.

Mittwoch, 14.2.2018 | 19.00 Uhr
Prof. Dr. Klaus Kümmerer (Leuphana Universität Lüneburg)
Nachhaltige Entwicklung – auch eine Frage der richtigen Chemie
Viele Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen können ohne Chemie nicht erreicht werden. Gleichzeitig können die Beiträge der Chemie auch ihre Schattenseiten haben. Nachhaltige Chemie ist eine neue, umfassende Sichtweise, die es ermöglicht, dass Chemie künftig zur Nachhaltigkeit beiträgt. Sie erfordert ein neues Selbstverständnis der Chemikerinnen und Chemiker und eine intensivere Zusammenarbeit aller, die an der Erforschung, Herstellung und Nutzung chemischer Produkte beteiligt sind. Damit ergeben sich jedoch auch Chancen, z.B. für neue Stoffe und Materialien, ihre Konzeption und Verwendung, aber auch neue Geschäftsmodelle. Der Vortrag zeigt anhand aktueller Beispiele, welche spannenden Möglichkeiten sich hier für eine nachhaltige Zukunft auftun.
Für Klaus Kümmerer, Professor für Nachhaltige Chemie und Stoffliche Ressourcen, darf eine zukunftsfähige Chemie nicht nur die Funktionalität von Produkten in den Fokus nehmen, sondern muss bereits bei der Entwicklung auch deren „Lebensende“ nach der Nutzung und Alternativen im Blick haben.

Mittwoch, 28.02.2018 | 19.00 Uhr
Senckenbergforum „Zukunft“
„Heilsbringer Wissenschaft – kann Forschung die Menschheit retten?“
Welche Rolle spielt die Wissenschaft tatsächlich bei der Zukunftsgestaltung, was kann sie beitragen? Hält sie tatsächlich alle Lösungen schon bereit – und warum werden diese nicht umgesetzt? Durch welche Hemmnisse wird der Input der Wissenschaft verhindert, oder gar ausgebremst? Wie kann ihr zu mehr Gehör und verstärkter Umsetzung verholfen werden? Hier sollen die Naturwissenschaft ebenso einbezogen werden wie Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Podiumsgäste:
– Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese (zuständig für den Bereich Science & Society bei Senckenberg)
– Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften
– Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
– MdB Michael Kretschmer (Forschungspolitiker)
– Emmerich Müller, Bankhaus Metzler und Mitglied des Verwaltungsrats der SGN

Moderation: Eric Mayer, TV-Moderator & Wissensjournalist

Flyer „Die Zukunft hat schon begonnen!“

Hessischer Kulturpreis 2017 für Volker Mosbrugger und Matthias Lutz-Bachmann

Wissenschaftsminister Boris Rhein verlieh Prof. Dr. Dr. Lutz-Bachmann (li.) und Prof. Dr. Dr. Mosbrugger den Hessischen Kulturpreis 2017. © kunst.hessen.de / Sabrina Feige
Wissenschaftsminister Boris Rhein verlieh Prof. Dr. Dr. Lutz-Bachmann (li.) und Prof. Dr. Dr. Mosbrugger den Hessischen Kulturpreis 2017.
© kunst.hessen.de / Sabrina Feige

Wiesbaden/Frankfurt. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hat zwei herausragende Wissenschaftler mit dem Hessischen Kulturpreis 2017 geehrt. Die Auszeichnung geht an den Naturwissenschaftler und Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger sowie den Philosophie-Professor und ehemaligen Vizepräsidenten der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt Professor Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann. Der mit 45.000 Euro höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik Deutschland wird in diesem Jahr zum 35. Mal von der Hessischen Landesregierung vergeben.

Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Mit Professor Mosbrugger und Professor Lutz-Bachmann ehren wir zwei Wissenschaftler, die in den vergangenen Jahrzehnten auf ihren Gebieten exzellente Spitzenforschung betrieben haben. Durch ihre Arbeit in der Senckenberg Gesellschaft und an der Goethe-Universität haben sie ihr Wissen geteilt und der Öffentlichkeit nähergebracht. Als wissenschaftliche Botschafter tragen sie zum guten Ruf unseres Landes als Wissenschaftsstandort bei. Ich gratuliere herzlich zu der Auszeichnung.“

Volker Mosbrugger wurde 1953 in Konstanz geboren. Nach seinem Staatsexamen in Biologie und Chemie verfasste er seine Dissertation in Geologie und Paläontologie an der Universität Freiburg, wofür er 1983 seine Promotion erhielt. Mosbrugger habilitierte 1989 an der Universität Bonn und erhielt 1998 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die höchstdotierte deutsche Wissenschaftsauszeichnung. Seit 2009 ist der Fachmann für Biodiversität und Klimawandel Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

„Mit seinen herausragenden Forschungen zu ökologischen und klimatischen Veränderungen in der Erdgeschichte gibt Prof. Volker Mosbrugger auch Aufschluss darüber, wie sich Ökosysteme heute verändern. In Zeiten des Klimawandels sind diese nicht nur Fragen der Biodiversität, sondern betreffen auch die Zukunft unseres Planeten. Als Generaldirektor hat Prof. Mosbrugger die Einrichtung des ehrwürdigen Senckenberg-Instituts in Größe und Leistung nahezu vervierfacht. Das Naturmuseum ist Aushängeschild und – auch dank ihm – ein Besuchermagnet über die Grenzen Hessens hinaus. Mit der Idee des Senckenberg-Museums der Zukunft soll es bis 2019 noch einmal erweitert werden“, so Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein.

Matthias Lutz-Bachmann wurde 1952 in Frankfurt am Main geboren. Seine wissenschaftliche Ausbildung begann er mit dem Studium der Philosophie, Katholischen Theologie, Politikwissenschaften an den Hochschulen in Frankfurt, Münster und St. Georgen. 1981 folgte die Promotion in der Philosophie, 1984 in der Theologie und schließlich 1987 die Habilitation. Seit 1994 lehrt und forscht Lutz-Bachmann unter anderem zur Praktischen Philosophie mit dem Schwerpunkt Politische Philosophie und Ethik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, deren Vizepräsident er von 2009 bis 2015 war. Mit besonderer Zuständigkeit für Forschung und Geisteswissenschaften wurden während seiner Amtszeit zahlreiche wissenschaftliche Institute an der Hochschule gegründet und aufgebaut. Lutz-Bachmann ist Mitglied der Ethikkommission der Bundesregierung zum automatisierten Fahren.

„Das rasch zunehmende Wissen und die stetige Verschiebung der Grenzen des technologisch Machbaren stellen die Gesellschaft vor neue ethische Fragen. Die Suche nach allgemeingültigen Antworten auf diese Fragen bringt oft eine besondere Herausforderung mit sich. Prof. Matthias Lutz-Bachmann bietet der Gesellschaft mit seiner Arbeit Halt und moralische Leitlinien. Als Vizepräsident der Goethe-Universität hat er die akademische Forschung und das Renommee der Hochschule enorm gesteigert. Dafür gebührt ihm unser Dank“, so Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein abschließend.

Hintergrund:
Der Kulturpreis wurde in Anerkennung besonderer Leistungen in Wissenschaft, Kunst und Kulturvermittlung das erste Mal 1982 verliehen. Dazu gehören neben der Literatur auch bildende Künste, Musik, Film, Wissenschaft und Architektur. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einem Kuratorium ausgewählt. Im Kuratorium, dessen Vorsitz der Hessische Ministerpräsident innehat, sind neben dem Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein, folgende Persönlichkeiten vertreten:

Jürgen Engel, Architekt, Frankfurt am Main
Michael Herrmann, Intendant Rheingau Musik-Festival
Bernd Leifeld, ehemaliger Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs­GmbH
Michael Quast, Schauspieler, Kabarettist, Regisseur
Hans Sarkowicz, Leiter Ressort hr2 Kultur und Bildung
Dr. Gerhard Stadelmaier, ehemaliger Redakteur und Theaterkritiker im Feuilleton der FAZ
Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Neue Senckenberg-Vortragsreihe in Frankfurt: „Die Zukunft hat schon begonnen – Wissenschaftliche Lösungen, Ideen und Utopien für einen lebenswerten Planeten“

Auftakt 25. Oktober: „Doppelte Ernte auf gleicher Fläche?!
Agrophotovoltaik: Ressourceneffiziente Landnutzung“

Frankfurt, 20.10.2017. Nach den Themen Mensch, Erde und Kosmos widmet Senckenberg nun seinem vierten Kernthema in Forschung und Neuem Museum eine Vortragsreihe – es geht um die Zukunft. Wie wird sich unser Planet entwickeln? Dank des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts zu einem guten Ort für immer mehr Menschen? Oder aufgrund unserer großen Eingriffe in die Ökosysteme zur Hölle auf Erden? Was geschieht, wenn die Eiskappen schmelzen und die Landnutzung weiter zunimmt, und wie können wir solche zukünftigen Entwicklungen überhaupt abschätzen?

Die neue Vortragsreihe „Die Zukunft hat schon begonnen“ beschäftigt sich mit den künftigen Möglichkeiten und Spielräumen des Menschen auf der Erde, die nicht zuletzt durch Forschung ermöglicht werden. In dieser Reihe stellen namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus renommierten Institutionen ihre Forschung zu aktuell drängenden Fragen vor und geben einen Überblick über in der Wissenschaft entwickelte Ideen, Utopien und Lösungen, die uns heute noch futuristisch erscheinen mögen, deren Umsetzung aber vielleicht bald keine Zukunftsmusik mehr ist.

Auftaktvortrag: Doppelte Ernte auf gleicher Fläche?! Agrophotovoltaik – Ressourceneffiziente Landnutzung
Referent: Stephan Schindele, Fraunhofer-Institut für Solare
Energiesysteme ISE, Freiburg
Datum: Mittwoch, 25. Oktober, 19:00 Uhr
Ort: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung,
Arthur-von-Weinberg-Haus | Robert-Mayer-Straße 2 |
60325 Frankfurt
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Nutzungskonflikte um Land sind heute überall auf der Erde an der Tagesordnung: Sollen Ackerflächen für den Anbau von Nahrung, Energiepflanzen (für die Kraftstofferzeugung) oder zur direkten Energiegewinnung z.B. durch Photovoltaikanlagen (PV) genutzt werden? Der neue Ansatz der Agrophotovoltaik löst dieses Dilemma: Er kombiniert eine landwirtschaftliche Nutzung mit speziell zu diesem Zweck entwickelten PV-Anlagen. Mit dieser ressourceneffizienten Doppelnutzung könnte künftig der Konflikt zwischen Energie- und Landwirtschaft entschärft und gleichzeitig die Wertschöpfung in der Region und die ländliche Entwicklung gefördert werden. Eine globale Lösung?

Stephan Schindele leitet die „Innovationsgruppe Agrophotovoltaik:
Beitrag zur ressourceneffizienten Landnutzung“ am Fraunhofer ISE und ist Dozent zu „Dezentralen Energiesystemen und Energieeffizienz“ an der technischen Fakultät der Hochschule Reutlingen. Er möchte den Ausbau der erneuerbaren Energien vereinbar machen mit der Erhaltung von Kulturlandschaften.

Die Vortragsreihe wird in Kooperation mit der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, der Leibniz-Gemeinschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) veranstaltet.

Das Beste aus 40 Mio. Sammlungsstücken – jetzt in der Sonderausstellung Faszination Vielfalt im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow
Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung „Faszination Vielfalt“ im Wolfgang-Steubing-Saal, 2. OG, des Senckenberg-Museums läuft bis zum 5. August 2018.

Steinzeitliche  Mammut-Skulptur in Talisman-Größe lässt als Besitzer auf Nomaden schließen. Die Tübinger Senckenberg-Kollegen, so Mosbrugger, seien stolz, dass diese erste menschliche 3D-Kunstwerk von der Schwäbischen Alb stamme.Foto: Diether v. Goddenthow
Steinzeitliche Mammut-Skulptur in Talisman-Größe lässt als Besitzer auf Nomaden schließen. Die Tübinger Senckenberg-Kollegen, so Mosbrugger, seien stolz, dass diese erste menschliche 3D-Kunstwerk von der Schwäbischen Alb stamme.Foto: Diether v. Goddenthow

„Das ist ein kleines Mammut. Es gehört zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit und ist zirka 35.000 Jahre alt“, ist Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger ganz fasziniert von seinem Lieblingsobjekt. Es ist eines unter den 1.138 biologischen und geologischen Objekten, die es seit gestern in der Sonderausstellung „Faszination Vielfalt“ hinter einer Glasfront mit Wunderkammer-Flair zu entdecken gilt.

Vom ausgestopftenTiger bis zum Pferdeschwamm ziehen die Objekte Betrachter in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow
Vom ausgestopftenTiger bis zum Pferdeschwamm ziehen die Objekte Betrachter in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow

Vom großen Tiger, stattlichem Okapi-Bullen und großem Mammutzahn, über präparierte Vögel, Schädelknochen und Walgebiss bis hin zu Seeigel, faszinierenden Fossilien, gepressten Sandnelken, Mineralien, Ammoniten und in Formalin eingelegten Krabben präsentiert die 15 Meter lange und 4 Meter hohe Wandvitrine dicht an dicht eine Spitzenauswahl aus 40 Millionen Sammlungsobjekten der 200jährigen Forschungsgeschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und ihrer bundesweiten Dependancen. Das erklärte Ziel, nämlich Besuchern auf einen Blick zu zeigen, „was Senckenberg eigentlich ist und macht!“, ist mit der beindruckenden, ästhetisch gelungen Wandpräsentation hervorragend gelungen: Gezeigt wird die Vielfalt der Natur, so wie Wissenschaftler die Dinge in der Natur vorfinden, und wie sehr dass alles– so verschieden es zunächst auch erscheinen mag – miteinander verbunden ist. „Es war uns ein Anliegen, im Jubiläumsjahr eine Ausstellung zu zeigen, die unsere Besucher mit der Schönheit und der Vielfalt der Natur fasziniert. Zugleich illustrieren wir damit die zentrale Herausforderung der Naturforschung, nicht nur die einzelnen Objekte zu verstehen, sondern Zusammenhänge zu erkennen und die Vielfalt in ihrer Bedeutung für den Menschen zu begreifen“, erklärt Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger. „Unser Forschungsziel ist es, die Natur in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen, um sie zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Die wissenschaftlichen Sammlungen bilden dabei die elementare Grundlage unserer Forschung.“

v.l.n.r.: Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung,Sebastian Oschatz, Geschäftsführer der Firma MESO Digital Interiors. Foto: Diether v. Goddenthow
v.l.n.r.: Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung,Sebastian Oschatz, Geschäftsführer der Firma MESO Digital Interiors. Foto: Diether v. Goddenthow

In dieser Wand seien im Prinzip alle Forschungs-Komponenten von Senckenberg aus der unbelebten und aus der belebten Natur, der so genannten Geobiodiversitätsforschung, zusammengetragen, erläutert Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums. „Wir haben jahrelang nach Möglichkeiten gesucht, um dieses Thema noch anders zu vermitteln als wissenschaftlich „trocken“ über Publikationen oder Veröffentlichungen über einzelne Forschungsergebnisse.

In der Ausstellung "Faszination Vielfalt" begegnen sich dicht an dicht Tiere, Fossilien und Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensräumen und Zeitscheiben. Foto: Diether v. Goddenthow
In der Ausstellung „Faszination Vielfalt“ begegnen sich dicht an dicht Tiere, Fossilien und Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensräumen und Zeitscheiben. Foto: Diether v. Goddenthow

Wir wollten auch die andere Gehirnhälfte anregen, nämlich einen persönlichen Zugang zur Natur, den emotionalen Zugang, den ästhetischen Zugang ermöglichen, auch für Wissenschaftler, so Böhning-Gaese. So habe sie die Wand-Vitrine jetzt auch in eine Wissenschafts-Tagung integriert unter dem Motto „Humboldt“, das für analytischen Zugang zur Natur stünde: Denn die Wand-Vitrine „bietet im Prinzip jedem Einzelnen von uns den persönlichen Zugang zur Natur“, so Böhning-Gaese.

Der Doppelhornvogel gilt in Südostasien als Gärtner des Waldes, da er im Umkreis bis zu 10 km Samen fallen lässt. Foto: Diether v. Goddenthow
Der Doppelhornvogel gilt in Südostasien als Gärtner des Waldes, da er im Umkreis bis zu 10 km Samen fallen lässt. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Biologin und leidenschaftliche Vogelkundlerin erzählt begeistert, wie ein Kollege, als er die Wand sah, sofort auf die Steine zugeschossen sei, und ihr voller Begeisterung über seine damit zusammenhängenden Forschungsobjekte erzählt habe. Sie wiederum sei auf die biologischen Objekte, vor allem auf „ihre“ Vögel zugesteuert, und habe ihm dann geschildert, „welche Rolle Vögel in meiner Forschung spielen. Das heißt: das hat erstmal uns Wissenschaftler zusammengebracht. Wir haben uns gegenseitig etwas über die Forschungsergebnisse erzählt“, so Vogelkundlerin Böhning-Gaese. Sie glaubt, dass diese zusätzliche emotionale Art des Herangehens Wissenschaftlern durchaus auch neue Perspektiven eröffne und „uns“ bei der Integration verschiedener Disziplinen helfe. Denn „die“ Biologen verstünden „die“ Geologen nicht wirklich und umgekehrt, was aber über die an der Wand-Vitrine emotional ausgelösten und sich gegenseitig mitgeteilten „Geschichten“ überbrückt werden könne. „Wir haben festgestellt, dass die Wand uns zusammenbringt!“.

Sammlungsstücke aus 200 Jahren Senckenberg-Forschung. Alles gehört mit allem zusammen. Foto: Diether v. Goddenthow
Weitere Sammlungsstücke aus 200 Jahren Senckenberg-Forschung. Alles gehört mit allem zusammen. Foto: Diether v. Goddenthow

Jedes der 1138 Objekte erzähle Geschichten, so Böhning-Gaese. Nach ihrem Lieblingsobjekt befragt, zeigt sie auf „ihren“ Doppelhornvogel und gerät gleich ins Erzählen: Der ist nicht nur schön. Er sei ein regelrechter „Samenausbreiter“, ein toller Vogel, er lebe in Südostasien. „Die Vögel fressen Früchte, verschlucken die Samen und fliegen dann durch die Landschaft und lassen die Samen irgendwo wieder fallen. Doppelhornvögel sind absolut essentielle Gärtner des Waldes: Sie tragen den Samen von einem Wald zum anderen“, verteilten ihn quer durch die Landschaft bis in einem Umkreis von 10 Kilometern, und spielten so für die Funktion des Ökosystems eine wichtige Rolle, erläutert die Vogelkundlerin und demonstriert zugleich an sich selbst, was mit „emotionalem Zugang“ gemeint ist.

Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung, hat für die Ausstattung der Wandvitrine eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Der Mammutzahn ist zentnerschwer, und so summiert sich das Gesamt-Gewicht der Wandvitrine auf rund acht Tonnen, wovon drei allein die Glasfront von 15 Metern wiegt. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung, hat für die Ausstattung der Wandvitrine eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Der Mammutzahn ist zentnerschwer, und so summiert sich das Gesamt-Gewicht der Wandvitrine auf rund acht Tonnen, wovon drei allein die Glasfront von 15 Metern wiegt. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Wand-Vitrine bringe die Leute auch sonst zusammen, so Böhning-Gaese. Jeder erkenne ein oder mehrere Objekte in der Wand wieder, staune oder rede automatisch darüber. „Die Objekte bestechen zunächst einmal durch ihren enormen Schauwert“, beschreibt Dr. Thorolf Müller, Ausstellungs-Kurator, die Ausstellung. Um die insgesamt beinahe acht Tonnen schwere Wandvitrine mit dieser exzellenten, exemplarisch für die verschiedenen Forschungs- und Sammlungsbereiche stehenden Exponate bestücken zu können, musste Müller eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Jedes Institut hat Objekte zur Ausstellung beigetragen – vom springenden Tiger aus Dresden, über die Gottesanbeterin aus Müncheberg, Manganknollen aus Wilhelmshaven, einen Faustkeil aus Tübingen bis hin zur Strandgras-Nelke aus Görlitz. „Wir haben uns entschieden, sie weder systematisch zu sortieren noch Beschriftungen einzusetzen. Stattdessen haben wir eine zweite, digitale Ebene eingerichtet, die es dem Betrachter ermöglicht, tiefer in die Thematik einzusteigen und mehr über die einzelnen Objekte, ihre Vernetzungen untereinander und über die Forschung dahinter zu erfahren“, erklärt Müller das Konzept der Ausstellung.

Sebastian Oschatz demonstriert vor der Presse die Funktionsweise der per Touchscreen bedienbaren digitalen Stationen zur Erkundung der Objekte. Foto: Diether v. Goddenthow
Sebastian Oschatz demonstriert vor der Presse die Funktionsweise der per Touchscreen bedienbaren digitalen Stationen zur Erkundung der Objekte. Foto: Diether v. Goddenthow

Entwickelt wurden die beiden digitalen Recherche-Stationen sowie eine große digitale Spielplattform von der Firma MESO Digital Interiors. Deren Geschäftsführer Sebastian Oschatz erläutert, wie Besucher über zwei Tisch-Monitore, auf denen alle Objekte der Wand-Vitrine nochmal im Schattenriss abgebildet sind, per „Touchscreen“ gezielt ansteuern und Hintergrundinformationen und Zusammenhänge abfragen können. Die Ergebnisse der Abfrage werden jeweils separat auf einem zweiten Bildschirm gezeigt. Hierfür wurden sämtliche ausgestellten Objekte durchfotografiert. Die Spielstation bietet eine Art Forscher-Quizspiel, womit Gruppen aus Familien, Kinder- und Jugendlichen sich mit Hilfe einer digitalen Landkarte bestimmte Forschungsaufträge erteilen und somit spielerisch ihr Wissen über die Exponate der Wand-Vitrine ausprobieren und erweitern können.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

„Faszination Vielfalt“ kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 – 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder).

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

U-Bahnstation: „Bockenheimer Warte (Senckenbergmuseum)“ eingeweiht

Die Senckenberg-Bahn. © Senckenberg/Jördens
Die Senckenberg-Bahn. © Senckenberg/Jördens

Frankfurt, den 14.09.2017. Heute wurde die umgetaufte Station „Bockenheimer Warte (Senckenbergmuseum)“ durch Oberbürgermeister Peter Feldmann gemeinsam mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott, Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger und Senckenberg-Präsidentin Dr. hc. Beate Heraeus eingeweiht. Die Umbenennung ist ein Geschenk der Stadt Frankfurt anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Neu vorgestellt wurde zudem eine Senckenberg-U-Bahn, die im Rahmen einer langfristigen Kooperation mit der VGF mit bunten Senckenberg-Motiven gestaltet wurde und nun mehrere Jahre durch das Frankfurter Stadtgebiet fährt.  Weiter unter „Bahn frei für Senckenberg!“

„Nie war die Zukunft besser als heute“ – Senckenberg-Festakt zum 200. Geburtstag „GRENZENLOS“ gefeiert!

0.logo-senckenberg2

Schon seit Jahresbeginn feiert die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung (SGN), im Jahr 1817 von Frankfurter Bürgern im Geiste der Aufklärung gegründet, an allen 11 Standorten und drei Museen ihr Jubiläum  zum 200jährigen Bestehen unter dem Motto „Senckenberg forscht für IHR Leben gern“ mit verschiedenen Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Ein weiterer Höhepunkt dabei war am 18. August 2017 der glanzvolle Jubiläumsfestakt „GRENZENLOS. Woher wir kommen und wohin unsere Reise geht“ im Bockenheimer Depot Frankfurt mit über 400 geladenen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur.

 

v.li.: Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. Main, Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung,Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung, Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Festredner bei der Senckenberg-Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag im Bockenheimer Depot Frankfurt am 18.08.2017. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
v.li.: Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. Main, Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung,Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung, Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Festredner bei der Senckenberg-Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag im Bockenheimer Depot Frankfurt am 18.08.2017. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Über 100 – darunter etliche prominente – Mitwirkende boten mit Musik, Film, Tanz, Science Slam, Reden und Appellen zur Bewahrung der Schöpfung in  vier Akten, „Mensch – Erde – Kosmos – Zukunft“, spannende Einblicke in die tägliche GRENZENLOSE Arbeit der Senckenberg-Forschung mit 850 Mitarbeitern in mehr als 150 Ländern: von der Tiefsee bis zur Erforschung von Meteoriten, von der Entstehung des Menschen bis zu Zukunftsszenarien für unseren Planeten. „Früher ging es bei der Naturforschung um das reine Entdecken. Heute möchten wir die Natur in ihrer ganzen Komplexität verstehen, um sie zu erhalten und nachhaltig zu nutzen – zu unser aller Wohlergehen. Um das System Erde zu erforschen, denken wir nicht in einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen, sondern betreiben eine moderne Geobiodiversitätsforschung“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Senckenberg-Generaldirektor zu den Zielen und Aufgaben der SGN bei seiner gemeinsamen Begrüßung mit Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Zu den Gratulanten zählten der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, die Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner und weitere namhafte Persönlichkeiten.

Science Slam „Von Eduard Rüppeli bis Sebastian Lotzkat – über Echsen und andere Wunder“

Dr. Sebastian Lotzkat  Senckenberg-Wissenschaftler und namhafter Reptilienforscher. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Sebastian Lotzkat Senckenberg-Wissenschaftler und namhafter Reptilienforscher. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit seinem grandiosen Science Slam „Von Eduard Rüppeli bis Sebastian Lotzkat – über Echsen und andere Wunder“  läutete der Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Sebastian Lotzkat  den Veranstaltungsreigen des Abends ein. In unglaublicher Sprechgeschwindigkeit, schaffte Lotzkat seine Reptilienforschung humorvoll und auf eine so fantastische Weise laienverständlich herunter zu brechen, dass anschließend der Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung Volker Bouffier ihm „ganz großes Kino“ zurief und bekannte: „Ich gestehe freimütig, so was wie eben habe ich noch nie erlebt“

Volker Bouffier „Es geht um eine Welt, in der die Menschen gerne und gut leben“

Volker Bouffier, Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung. Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Bouffier, Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung. Foto: Diether v. Goddenthow

Senckenberg, so der Hessische Ministerpräsident weiter, sei „ trotz seiner 200 Jahre wahrlich kein alter Verein. “Senckenberg, das ist eine Gesellschaft, die hier in Frankfurt ihre Heimat hat, und die auf der ganzen Welt forscht, die exzellent ist, und die auf ihre Leistung sehr stolz sein kann“, so der Hessische Ministerpräsident. In bester Bürgertradition dieser Stadt, haben damals 32 Bürger die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung gegründet. „Und die Satzung, die auch heute noch gilt, sieht vor, Naturforschung zu betreiben, Sammlungen anzulegen und zu betreiben und der Öffentlichkeit Erkenntnisse zu vermitteln. Das ist heute so modern wie es damals revolutionär war“, so Volker Bouffier. Und diese Kombination, die er besonders wichtig fände, „sie ist geglückt. Diese Kombination aus Forschung und Museum, das ist ein Erfolgsprodukt.“, so der Hessische Ministerpräsident. Aber im Kern ginge es eigentlich um viel mehr, immer um das Gleiche, so Volker Bouffier: nämlich, wie wir  es erreichen könnten, „dass wir in der Welt von Morgen eine Gesellschaft haben, eine Erde haben, in der wir unseren Wohlstand erhalten, in der wir in der Lage sind, viele Menschen, die heute hungern, gesund zu ernähren, in der wir in der Lage sind, die Probleme der Übervölkerung bestimmter Bereiche in den Griff zu kriegen, in der wir eine Lösung finden, dass nicht ohne Rücksicht auf Verluste Naturschätze abgebaut werden, in der wir eine Lösung finden, in der diese Welt sozusagen auch Morgen noch eine Welt ist, in der die Menschen gerne und gut leben!“

Ob es um den Klimaschutz oder um die Fragen der riesigen Mega-Cities ginge, ob es um die Frage der weltweiten Wanderungsbewegungen oder um die Überfischung der Meere ginge und um Vieles andere: All das seien Fragen,  denen wir nicht ausweichen könnten, zu deren „Lösung“ wir heute exzellente Wissenschaft betrieben, und genau da setze Senckenberg an: „Diese Kombination aus exzellenter Forschung und Relevanz! In der öffentlichen Debatte Dinge zu erkennen, zu erklären, sie manchmal erst einmal bewusst zu machen, und Anstöße zur Lösung zu geben, darum geht es!“, lobte Volker Bouffier, der versicherte, dass das Land Hessen auch in Zukunft ein treuer, fester Partner der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung sein werde und dies mit dem Geburtstagsgeschenk, einer Ehrentafel aus Höchster Porzellan mit Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke, unterstrich.

Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident überreicht Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und  Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Ehrentafel des Landes Hessens aus Höchster Porzellan mit dem Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke. Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident überreicht Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Ehrentafel des Landes Hessens aus Höchster Porzellan mit dem Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke. Foto: Diether v. Goddenthow

 

Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer

In der folgenden Zeitreise in die Vergangenheit, quasi durch die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte, rückten Klima- und Biodiversitätsforscher Professor Dr. Andreas Mulch, stellvertretender Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und ZDF-Moderator Eric Mayer die Bedeutung des Wassers in den Mittelpunkt. Das Nass der Erde sei auch ein Schatz für die Wissenschaft, da mit Hilfe von Massenspektrometern Wasser auch viel darüber verraten könne, was früher auf der Erde so los war. Verkürzt gesprochen, so Professor Mulch „wisse“ der Regentropfen, der in Frankfurt fiele oder am Amazonas oder auf dem Mount Everest, wo er herkäme. Das sei keine Esoterik, sondern folge den  ganz banalen Gesetzen der Physik, die dahinter steckten. Die Moleküle, die den Wassertropfen aufbauen, wüssten, ob sie nah oder weit weg vom Ozean gefallen seien. Da entstünden systematische Zusammenhänge,“ ob es viel oder wenig regnet, ob es warm oder kalt ist, wenn der Regentropfen sich aus der Wolke bildet. Und diese Spur können wir heute ganz gut nutzen, um zu verstehen, wie die Erde aussieht, aber viel spannender ist, zu wissen, wie die Erde vielleicht vor 50 Millionen Jahren aussah.“

vli.: Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer. Foto: Diether v. Goddenthow
vli.: Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer. Foto: Diether v. Goddenthow

„Was kann diese Forschung, wie sie da machen, für uns Menschen heute bringen? Was bedeutet das für uns jetzt und auch in der Zukunft?“, hakte Eric Mayer nach: Mulch: „Uns beschäftigt, wie verschiedene Rädchen des Systems Erde ineinander greifen. Die Biowissenschaften und die Geowissenschaften zusammen erlauben uns  Dinge zu sehen, die wir, wenn wir sehr disziplinär arbeiten würden, nicht mehr entdecken würden. Wir Menschen merken heute auch: Die ‚Bettdecke‘ wird von vielen Seiten gezogen. Es ist nicht so, wenn ich an der einen Seite ziehe, ändert sich da ein bisschen was (…) das System, geht als Ganzes in Schwingung, wenn man so will“.
Auf Mayers weitere Frage hin, wie es denn im Moment der Erde ginge, empfahl Mulch, nicht nur ihn zu fragen, sondern sich auch mal bei einer Schlange, einem Elefanten oder einem Bodenpilz zu erkundigen: Es ginge typischerweise bei uns „nur um das eine nervige Kind in der Klasse: den Menschen“, so Mulch. „Der Erde geht’s grundsätzlich gut. Das nervige Kind allerdings geht sich eigentlich selbst am meisten auf die Nerven, und macht das Leben durchaus anstrengend. Ich glaube, es ist ein wichtiger Punkt zu sehen“, so Mulch, „dass wir mit der für uns wichtigsten Ressource, mit unserer Umwelt, die uns glücklich macht,  die uns ganz, ganz viel gibt, auch eine große Verantwortung übernehmen und eigentlich die ‚einfachste‘ Aufgabe schlichthin haben: Nämlich auf uns selber aufzupassen, und komischerweise fällt uns das ganz schön schwer. Der Erde geht’s gut, und der Mensch kann eigentlich daran teilhaben, wenn er’s klug macht!“

Für die Zukunft wünsche sich Mulch, dass wir von der Natur Nachhaltigkeit  lernten, von deren zahlreichen doppelten Böden und gespannten Netzen der Nachhaltigkeit, „die die Natur eigentlich in ihrem System drin hat“. Wenn wir mehr Nachhaltigkeit hinkriegen, in dem, was wir mit dem Planet machen, dann geht’s uns auch gut!“, ist sich der Klima- und Biodiversitätsforscher relativ sicher

Prof. Dr. Johanna Wanka „Mehr Meinungsführerschaft für Senckenberg“

Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bundesministerin für Bildung und Forschung. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bundesministerin für Bildung und Forschung. Foto: Diether v. Goddenthow

Die  Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professorin Dr. Johanna Wanka, betonte, dass das komplexe System Erde nur ganzheitlich untersucht werden könne, um zu schauen, dass man nicht, was sehr oft in den letzten Jahren passiert sei, an der einen Stelle etwas repariere und verändere und damit einen großen Schaden an anderer Stelle anrichte. Daher sei vorbildlich „die ganzheitliche Betrachtungsweise und Möglichkeit, die man im Senckenberg hat, dass man einerseits Grenzen überwindet, dass man in Grenzbereichen forscht und dass man auch Grenzen setzt, auch für Beratung für Politik, für das, was wir machen können und was wir machen sollen.“ Es sei ganz selbstverständlich „für unsere Forschungslandschaft in Deutschland, die weltoffen ist, dass wir dabei nationale Grenzen überwinden.“, so die Bundesministerin.

Senckenberg habe mit 40 Millionen Sammlungsobjekten die fünftgrößte naturwissenschaftliche Sammlung, die es auf der Welt gibt, und auch das sei ein Grund, stolz zu sein, so Wanka. Besonders interessiere sie auch, dass „wir aus der guten Grundlagenforschung auch anwendungsorientierte Dinge machen“, unterstrich die Bundesministerin und lobte als ein großartiges Beispiel dafür, „dass  Senckenberg in Kombination mit anderen einen Schnelltest für das Erkennen von Schlangengiften gefunden habe, „so dass man, wenn ich mal von einer Schlange gebissen wurde, in 20 Minuten sagen kann, welche Schlangenart das ist, und die entsprechenden Gegenmittel, so vorhanden, eingesetzt werden können“.

Wichtig sei ihr auch, so Wanka, dass „man Menschen erreichen muss“, damit sie Forschung und Wissenschaft besser verstehen und ihre Bedeutung für unser alltägliches Leben erkennen können. Beeindruckt zeigte sich die Bundesministerin vor allem auch von „Besonderheit an Senckenberg“, dass „das 200 Jahre lang funktioniert hat, dass es nicht nur die ersten waren, die den Anstoß gegeben haben, sondern dass es immer Menschen waren, und das wir jetzt über 7000 haben, die sich sozusagen engagieren. Das ist großartig!“, so die Bundesministerin, die sich für Senckenberg wünschte, zukünftig vielleicht noch ein bisschen stärker in vielen Forschungsverbünden  die Meinungsführerschaft zu übernehmen.

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner „Paradebeispiel für eine Leibniz-Einrichtung“

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Foto: Diether v. Goddenthow

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft nannte die  Senckenberg-Naturforschung „ein Paradebeispiel für eine Leibniz-Einrichtung“, eine der größten überhaupt „innerhalb einer Gemeinschaft von 91 Instituten, die von Bund und Ländern zusammen zirka 1,4 Mrd. Euro bekommen, um diese so beeindruckende und wunderbare Forschung zu machen.“ Hinzu kämen noch  eine halbe Milliarde Drittmittel, Eintrittsgelder, Spenden, was das Volumen der Leibniz-Gemeinschaft ausmache. Die 40 Millionen Sammlungsstücke bei Senckenberg seien etwa ein Drittel der Sammlungen, die insgesamt in den 8 Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft vorhanden seien, „die auch, das muss ich sagen“, so der Leibniz-Präsident,“ auch ein wenig Grund zur Sorge sind. Denn es gilt natürlich, diese Sammlungen zu bewahren, zu schützen, weiterzuentwickeln und auch zukunftsfähig zu machen, zum Beispiel durch die Digitalisierung, um sie dann auch den Forscherinnen und Forschern weltweit zugänglich zu machen, und hier glaube ich, müssen wir noch zulegen, müssen wir das als nationale Aufgabe aller Akteure begreifen.“, so Kleiner. Eine weitere Komponente wäre das Vermitteln, das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Wissenschaft ganz eng zu gestalten im Sinne einer Educated Society. Hier zur Bildung mitzuhelfen, dafür stünden – neben allen anderen Instituten der Leibniz-Gemeinschaft – natürlich insbesondere die für diese Bildungsvermittlung privilegierten Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, so Kleiner, der Senckenberg und allen an dem Erfolg Beteiligten zu 200 Jahren „wunderbarer Entwicklung“ dankte, und betonte: „dass wir sehr stolz sind, Sie in unserer Gemeinschaft zu wissen, und wir alles tun werden, um Ihre Entwicklung Ihre Zukunft weiter abzusichern“.

 

Dresden Frankfurt Dance Company tanzt "Kosmos Stress Dance" nach einer packenden Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dresden Frankfurt Dance Company tanzt „Kosmos Stress Dance“ nach einer packenden Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Kosmos im „Stress Dance“, eine Verflechtung von Kunst und Kultur mit Wissenschaft, faszinierte das Publikum. Es  ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Senckenberg und der Dresden Frankfurt Dance Company. Unter künstlerischer Leitung des international renommierten Choreograf Jacopo Godani  zeigten die Tänzerinnen und Tänzer eine einzigartig packende Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo mit neoklassischer Grundsubstanz, die klassische Balletttechnik zu einem neuzeitlichen, künstlerischen Tanztheater entwickelt.

Festvortrag Prof. Dr. Harald Lesch

Prof. Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Bayerisches Klima-Ratsmitglied. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Bayerisches Klima-Ratsmitglied. Foto: Diether v. Goddenthow

„Hilft und der Kosmos aus der Klemme?“, war Thema des Festvortrages, welches ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Klima-Ratsmitglied Professor Dr. Harald Lesch in Form einer pointiert inszenierten Rede gekonnt ironisch abarbeitete, wobei es im Kern um Ernstes ging, nämlich um nichts Geringeres, als um des Menschen Ehrfurcht vor dem Planeten Erde: „dessen Herkunft alleine schon eine Predigt wäre, wenn man darüber reden würde, wenn man darüber reden dürfte, wenn man darüber so predigen dürfte, wie man es eigentlich müsste, als Wissenschaftler.“, so Lesch, der keinen Zweifel daran ließ, dass seine Geschichte der Genesis wohl ein wenig anders ausfiele. „Was glauben Sie, was alles notwendig war, um diesen Planeten, diesen kleinen Winz-Planeten, diesen kleinen grauen Planeten mit diesem Sonnensystem hinzukriegen.
Es sei ein wahres Wunder, dass es uns überhaupt gibt: „Dass wir da sind, verdanken wir einer unglaublichen Stille in der Milchstrasse“, so der Wissenschafts-Autor, denn „überall knallt‘s, donnert’s, explodiert’s, setzt‘s frei usw. Nur bei uns ist alles gut. „Man sollte meinen“, so Lesch „dass dieses Denken inzwischen ein wenig global verteilt wäre, oder zumindest in den Ländern schon so weit nicht nur im Großhirn hängengeblieben ist, sondern irgendwo im Stammhirn angesammelt ist, dass wir wissen, welchen Respekt, welche Ehrfurcht wir der Natur entgegenzubringen haben, einem Universum, das sich so viel Arbeit gemacht hat. Und stattdessen ist unser empfindlichstes Organ das Portemonnaie.“ hielt Lesch uns den Spiegel vor.

Unser Planet böte uns allen eine unglaublich lebensfreundliche Grundlage für unser tägliches und auch mächtiges Leben,  für unser Hiersein, für unser Sosein. „Für unser Hiersein können wir nichts, für unser Dasein können wir was. Und wie wir sind, dafür können wir auch etwas.“ Und all die Wissenschaft vom Kosmos erzähle uns letztlich nur, „dass dieser Platz, dieser Planet, eine ganz außerordentliche Variante eines Modells ist, das es im Universum gar nicht so oft gibt.“ Wir fänden viele Planeten-Systeme,“ aber die sehen ganz anders aus als das, was unser Heimatsystem ist“. Und dieser eine habe sogar innerhalb des Sonnensystems eine ganz besonders herausgehobene Stellung, da es über einen besonderen Stoff, nämlich Wasser, verfüge.

„Wasser, die anderen Planeten haben keins. Vielleicht hatten sie mal eins, aber die Erde hat Wasser. Er verfügt über den richtigen Abstand, es ist nicht zu warm, es ist nicht zu kalt, und seit einigen Jahrhunderttausenden verfügt dieser Planet über eine Spezies, die diesen Planeten so stark verändert hat, dass man fast von einem sozialen Meteoriteneinschlag reden kann. Ja, ja, die Schäden, die wir angerichtet haben, haben inzwischen dieses Ausmaß erreicht. Und wenn wir nicht aufpassen, dann nun ja ??? –  wie es weiter wird, das werden wir ja dann sehen“ so Lesch, der „aus dem Vogelsberg“ kommt, und sich immer wieder gern daran erinnerte, welch eine große Reise es einst „für uns war,  wenn es mit der Schule ins Senckenberg-Museum ging“.
Für ihn sei es eine Riesengeschichte gewesen, vor den Sauriern zu stehen und im Museum zu sein, welches ihn „unglaublich beeindruckt und beeinflusst“ habe. Zudem freue er sich, dass die freie Rede, wie sie einige der Vortragenden heute Abend hervorragend praktiziert haben, noch nicht ausgestorben sei.

Auch heute noch, wie zu Leschs Schulzeiten: Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Auch heute noch, wie zu Leschs Schulzeiten: Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Etwas  augenzwinkernd resümierte Festredner  Lesch: „So eine Veranstaltung wie heute Abend, das ist eine konspirative Versammlung! Ist Ihnen das klar? Hier sind lauter Menschen, die sich der Vernunft verantwortlich fühlen, dem Diskurs, dem rationalen Diskurs! In Zeiten, wo es Idioten gibt, die auch noch zum Präsidenten gewählt werden, kann man solch Veranstaltungen gar nicht hoch genug bewerten!“

Senckenberg-Chor „Earth-Song“

Senckenberg-Chor singt das Lied der Erde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Senckenberg-Chor singt das Lied der Erde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Mit Michael Jacksons „Earth Song“ untermauerte der Senckenberg-Chor unter Leitung von Malte Bechtold den Appell zu mehr Ehrfurcht vor dem wunderbaren Planeten Erde, der während des Songs im Bühnenhintergrund aufging.

Eine“ Medizin der Erde“ – „Nie war die Zukunft besser als heute!“

Vordenker Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, mit seiner Vision einer "Medizin der Erde". Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Vordenker Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, mit seiner Vision einer „Medizin der Erde“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Abschließend entwarf Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seine Vision von einer „Medizin der Erde“, mit der es vielleicht ermöglicht werde, die Zukunft unseres Planeten anders, nämlich verträglicher  zu gestalten, als das, was wir in den vergangenen 200 Jahren mit unserer Erde gemacht haben.
Bei allen fortschrittsbedingten Umweltsünden in den letzten 100 bis 200 Jahren haben wir, so Mosbrugger, aber auch „unendlich viel Positives geschaffen“, „und zwar ganz wesentlich durch Fortschritte in der Wissenschaft“.  Die „Vernunft“ habe nicht per se abgenommen, sondern „über die letzten 200 Jahre schon eher zugenommen“. Und denken Sie an die vielen Erleichterungen, die wir heute alle haben: Waschmaschinen, Autos, Smartphones –  die braucht man vielleicht nicht –  trotzdem haben wir das Gefühl, dass das Leben irgendwie angenehmer damit sei. Keiner von uns möchte eigentlich in irgendeiner früheren Zeit leben –  auch nicht zur Zeit des Neandertalers, wo ja vielleicht immer alles“ so natürlich und harmonisch“ war. Keiner von uns möchte eigentlich da zurück!, analysierte der Generaldirektor unser Dilemma: „einerseits natürlich Fortschritt haben zu wollen“, und dabei andererseits „damit unendlich viele Lebensgrundlagen für uns, die Natur, eigentlich zu zerstören“. Daher müssten wir schon fragen, „wo kann da eigentlich zukünftig die Lösung liegen“. Gibt es heute  überhaupt noch einen Ausweg. Schon Karl Valentin habe für seine Zeit konstatiert: „Auch die Zukunft war früher viel besser!“.

Zum besseren Verständnis, was unter  „Medizin der Erde“ zu verstehen sei,  entwarf der Generaldirektor das analoges Denkmodell eines kranken Menschen, dessen Arzt ihm dank der großen  Fortschritte in der Humanmedizin in den  vergangenen 200 Jahren relativ genaue Anweisungen, Informationen und Medikamente zur Genesung anbieten könne. In Abwägung „aller“ Risiken und Nebenwirkungen könne der Patient schließlich eine Therapie auswählen oder, wenn die Nebenwirkungen überwiegen, auch darauf verzichten.

Was in der Humanmedizin an profunden Erkenntnissen über die Funktionen und Behandlungsmöglichkeiten und deren mögliche positive wie negativen Folgen für den menschlichen Körper bereits vorliege, so etwas gäbe es für den „Patienten“ Erde nicht. „Tatsächlich wüssten  wir  immer noch vergleichsweise wenig, wie dieses große ‚System Erde‘ – ‚Erde Mensch‘ auch tatsächlich funktioniert, so Mosbrugger.  Wir wüssten zwar schon eine ganze Menge, aber immer noch im Vergleich zu dem, was wir eigentlich tun müssten, unendlich wenig. „Wir greifen heute mit einer unglaublichen Naivität und in ganz großem Maßstab in unser System Erde, in unsere Natur, ein und zwar, ohne zu wissen, was das letztlich für Konsequenzen hat.“, erläuterte der Generaldirektor und nannte dafür beispielhaft den Dreischluchtenstaudamm in China  und das Nicaragua-Kanalprojekt.

„Es fehlen gewissermaßen die Beipackzettel für jede große Maßnahme mit Risiken und Nebenwirkungen. Wir brauchen eine Naturforschung im Sinne einer Medizin der Erde, die also, so meine Vision, eine Gesundheitswissenschaft für die Erde darstellt“, so Mosbrugger. Wir müssten lernen, „wie die Erde funktioniert, damit wir mit der Erde genauso sorgsam umgehen können, wie wir es mit unserem eigenen Körper eigentlich tun“, so der Generaldirektor. Davon seien wir noch sehr, sehr weit entfernt. Und genau das sei die Mission von Senckenberg, das sei „unsere Zukunft für die nächsten 200 Jahre, gemeinsam mit einem Netzwerk von vielen nationalen und internationalen Partnern daran zu arbeiten, eine ‚Medizin der Erde‘ wirklich zu entwickeln. Und zwar, um umwälzende ‚Gesundheitsempfehlungen‘ zu geben ‚wie wir eigentlich gesund mit einer Erde umgehen‘ müssten und, um für ganz konkrete Maßnahmen wie beispielsweise der Elbvertiefung oder den Aufbau von Windparks in der Nordsee oder bei anderen Projekten die entsprechenden Beipackzettel über Risiken und Nebenwirkungen  entwickeln zu können.

Natürlich könnte man dagegen halten, dass die Vision einer solchen „Medizin der Erde“, eines „wissenschaftlich basierten Erdsystem-Managements“ ambitioniert, eine Utopie sei, und niemals zu schaffen wäre, weil das alles viel zu komplex sei, ist Mosbrugger völlig klar. Aber vor 300, 400 Jahren zur Zeit der Quacksalber, da war die Vision einer Humanmedizin, wie wir sie heute haben, mindestens genauso utopisch wie die Vision heute einer vernünftigen Medizin der Erde, eines Erdsystem-Managements.“, hält Mosbrugger dagegen.

Der Generaldirektor ist absolut überzeugt davon, dass  Karl Valentin, mit seiner Aussage, die Zukunft war früher besser, überhaupt nicht Recht hat. Im Gegenteil: „Ich glaube, nie war die Zukunft besser als heute“, so der Generaldirektor.
Und so wie in den vergangenen Jahren vieles in Wahrheit besser geworden ist, die Menschen immer älter werden, weniger Leute hungern, die Bildung weltweit wächst und sogar die Gewalt gegenüber früher zurückgegangen ist, hat auch bei allen Problemen, die wir durch unseren Fortschritt mitverursacht haben, die Sensibilität für die Umwelt zugenommen – etwa bei Eingriffen in die Natur stärker vorausschauend auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen zu achten.

Finale Grenzenlos

Das Finale GRENZENLOS mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids formulierten Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg".  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Das Finale GRENZENLOS mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids formulierten Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Abschließend gab der Violinist Puschan Mousavi Malvani Kostproben seines großen Könnens, bevor das Finale „Grenzenlos“ unter anderem mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids eingeläutet wurde. Dabei wurden Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg formuliert. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der sich für all die informativen und schönen Stunden, die ganze Generationen von Frankfurterinnen und Frankfurtern im Museum zubringen durften“ bedankte, betonte, dass dank Senckenberg „weltweit über die Wissenschaft am Main“ gesprochen wird. Der Oberbürgermeister überreichte zudem noch ein besonderes Geschenk der Stadt Frankfurt, nämlich die geplante Umbennung der U-Bahn Haltestelle „Bockenheimer Warte“ in „Bockenheimer Warte / Senckenbergmuseum“.

baum-f.baumNeben all den zahlreichen wunderbaren und sinnvollen Wünschen für die Zukunft, formulierte Felix Finkbeiner von der Kinder- und Jugendinitiative „Plant-for-the-Planet“ ein besonderes ambitioniertes tolles Ziel, nämlich 1.000 Milliarden neue Bäume zu pflanzen, das wären also 150 Bäume je Mensch. Denn  Bäume seien die günstigste und effektivste Art CO2 zu binden.

Der großartige Festakt war noch nicht Schlusspunkt der Senckenberg-Jubiläumsfeierlichkeiten. Welche spannenden Veranstaltungen es in der zweiten Jahreshälfte des Senckenberg-Jubiläumsjahres gibt, findet man im Überblick unter: www.200jahresenckenberg.de

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ – Jubiläumsausstellung 200 Jahre Senckenberg vom 29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018

Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 "Buch im XXL-Format" informiert über die Zeit 1960 bis 1997 "Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer". Links das Modell  des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven,  im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 „Buch im XXL-Format“ informiert über die Zeit 1960 bis 1997 „Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer“. Links das Modell des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven, im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Frankfurt ist nicht nur eine der traditionsreichsten Messe- und Finanzmetropolen weltweit, sondern auch die Heimat der ältesten Bürgergesellschaft für Naturforschung, nämlich des Stammsitzes der international renommierten Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit 11 deutschen Standorten und 850 Mitarbeitern, welche in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiert. Anlässlich dieses runden Geburtstages wurde heute die Jubiläumsausstellung „200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet. Auf drei Etagen – zwischen Diplodocus, Urelefant und Strauße – können Besucher vom 29. Juni 2017 bis zum 11. Februar 2018 an sieben Stationen in sieben aufgeschlagenen überdimensionierten Buchkapiteln auf eine Zeitreise durch die wechselvolle spannende Gründungs- und Wissenschafts-Geschichte der tief in Frankfurt verwurzelten Institution gehen. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation
mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt.

Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Kind der Aufklärung, begründet und stets getragen von der Leidenschaft und Unterstützung vieler engagierter Bürger, hat sich die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit ihrer Gründung 1817 ebenso wie Frankfurt mit ihr kontinuierlich weiterentwickelt. Sie trägt ihrerseits seither und heute mehr denn je als internationales Forschungsnetz mit zahlreichen Institutionen und Großprojekten, maßgeblich zum Ansehen der Stadt als renommierter Standort für Wissenschaft, akademische Nachwuchsförderung und Bildung bei. Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden.

„Unser Ursprung in der Frankfurter Bürgergesellschaft prägt Senckenberg bis heute“, hält Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung fest. „Es ist großartig, auf diese bemerkenswerte Geschichte zurückzublicken und zu sehen, wie aus der Begeisterung und Neugier einzelner Bürger und dem Engagement vieler inzwischen eine der weltweit größten und renommiertesten Einrichtungen der Naturforschung und Naturmuseen geworden ist“.

Kniegelenk einer Kindermumie.  Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow
Kniegelenk einer Kindermumie. Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung setzt die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft in engen Bezug zu der historischen Entwicklung der Stadt Frankfurt. „Wir freuen uns, dass wir das Historische Museum Frankfurt und das Institut für Stadtgeschichte als Kooperationspartner für diese Ausstellung gewinnen konnten“ betont Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, und dankt der Stadt Frankfurt für die Unterstützung des Projekts. „Die Senckenberg Gesellschaft hat ihren Ursprung in Frankfurt genommen und blieb stets eng verbunden mit den Frankfurter Bürgern“ beschreibt Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt das Verhältnis und fährt fort: „Neben der Forschungseinrichtung ist auch das Frankfurter Naturmuseum eine Institution der Stadt. Wir haben sofort zugesagt, als die Idee aufkam, gemeinsam diese Entwicklung auch als ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte in einer Jubiläumsausstellung darzustellen.“

Zuschauermagnet "Diplodocus longus" im Sauriersaal, dessen  Originalskelett  1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bei einem Rundgang durch das Museum stellten die Kuratorin Marie Rahn und Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, die dezentral angelegte Ausstellung vor. „Es hätte so viele Geschichten zu erzählen gegeben. Hier die Auswahl zu treffen, war nicht einfach“ berichtet Herkner. „Uns war es wichtig, den Besucherinnen und Besuchern auf einem Zeitstrahl immer auch zu veranschaulichen, welche Frankfurter und gesamthistorischen Themen und Ereignisse aktuell waren – zum Beispiel als das Originalskelett des Diplodocus longus 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde.“

Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten  Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow
Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den Büchern sind in Vitrinen Exponate aus der Forschungsgeschichte Senckenbergs zu sehen, so zum Beispiel ein mehrteiliges Mikroskop, mit dem bereits Fritz Römer als der erste hauptamtliche Kustode Senckenbergs zu Beginn des 20. Jahrhunderts Proben untersuchte. Die Ausstellung hebt zudem die historische Bedeutung einzelner Highlight-Exponate der Dauerausstellung hervor. Museumsbesucher erfahren bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung zum Beispiel von der Pflasterzahnechse, deren ausgestelltes vollständiges Skelett weltweit ein Unikat ist, oder von der Geschichte der berühmten, von Arthur von Weinberg gestifteten Edmontosaurus- Mumie.

Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ kann im Senckenberg Naturmuseum in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden.
Eintritt 9 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Kinder und Jugendliche (6
– 15 Jahre) sowie 23 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3
Kinder).

Begleitprogramm des Senckenberg Naturmuseums und des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“
29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt Ausstellungsbegleitend bieten das Senckenberg Naturmuseum, das Institut für Stadtgeschichte und das Historische Museum Veranstaltungen an.

Das Museumspädagogische Begleitprogramm im Senckenberg Naturmuseum
Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr
Öffentliche Mittwochabendführung für Erwachsene
Senckenberg – Quo vadis? mit Benjamin Weiß
Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden. In dieser Führung werden aktuelle Forschungsfragen Senckenbergs aufgegriffen und die dazu gehörigen Bereiche des Senckenberg Naturmuseums besichtigt, wie zum Beispiel die „Anatomie im Glas“ oder die Vogelausstellung im ersten Obergeschoss.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Mittwoch, 9. August 2017, 18 Uhr
Geschichten aus 200 Jahren Leidenschaft für Natur und Forschung in Frankfurt
mit Marie Rahn
Zum großen Jubiläum zeigt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Kooperation mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt eine Sonderausstellung zu ihrer Geschichte. Ein Rundgang mit der Kuratorin der Ausstellung führt zu den sieben im Museum verteilten Stationen und zu den Vitrinen mit historischen Forschungsobjekten aus 200 Jahren spannender Wissenschaftsgeschichte.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Special zum Jubiläumsjahr: Öffentliche Führung für Erwachsene 200 Jahre Senckenberg – ein Grund zu feiern, aber auch ein Grund zurückzublicken auf die Anfänge und die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Jeden dritten Samstag im Monat laden wir Sie auf eine Zeitreise durch die Geschichte unserer Gesellschaft und unseres Museums ein. Gemeinsam begeben wir uns auf Spurensuche, entdecken die häufig verborgenen Geschichten unserer Exponate und tauchen ein in die 200-jährige Forschungsgeschichte Senckenbergs. Die nächsten Termine:

Samstag, 15. Juli 2017 und Samstag, 19 August, 16 Uhr
Historische Führung zum Jubiläumsjahr

Ohne Anmeldung, ohne Teilnahmebegrenzung. Erhoben wird nur der Museumseintritt.
Treffpunkt: T. rex im Sauriersaal.

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.

Ausstellungsbegeleitende Veranstaltungen im Historischen Museum

Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main

Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Mittwoch, 13. September 2017, 19 Uhr
Eduard Rüppell – Der Humboldt Frankfurts
Führung mit Dr. Frank Berger
Der Frankfurter Forschungsreisende Eduard Rüppell sammelte auf seinen Expeditionen unzählige Objekte. So trug er im Kordofan innerhalb von 35 Tagen 65 Säugetiere, 11 Säugetier-Skelette, 160 Vögel und 12 Vogel-Skelette sowie fünf Amphibien zusammen. Seit ihrer Gründung war der unermüdliche Sammler in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft aktiv und versorgte sie mit naturkundlichen Präparaten, die er von seinen Reisen mitbrachte. Seine Schenkungen waren eine wesentliche Forschungsgrundlage für die Gesellschaft. Mit seinem Wissen trug er schon im 19. Jahrhundert zu ihrem Weltruf bei. Das Historische Museum Frankfurt stellt den großzügigen Universalgelehrten in der Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ vor.

Kinderspur zu Eduard Rüpell im Historischen Museum Frankfurt
Sonntag, 29. Oktober 2017, 15 Uhr
Auf der Kinderspur zu Eduard Rüppell – Universalgelehrter und Senckenberg-Förderer
Ausprobieren, entdecken und Sammelbildchen mitnehmen: Auf dem Weg durch die
Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ kann von den jungen Besucher/innen selbst etwas gesammelt werden. Ein deutlich erkennbares Zeichen markiert die Kinderspur.
Zur Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum gibt es ein spezielles Angebot in der Sammlung von Eduard Rüppell: Unter pädagogischer Anleitung entstehen gefaltete Schmetterlinge. Das Wissen um den bedeutenden Naturforscher und Förderer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft wird im Gespräch spielerisch vermittelt. Es gibt zudem in jedem Sammlerraum Sammelbildchen, die dann zu Hause in das Sammelalbum eingeklebt werden können, das Kindern und Familien ausgehändigt wird. Origamifalten, Sammelheft und Kinderspur für Kinder und Familien.

Ausstellungsbegeleitende Vorträge im Institut für Stadtgeschichte
(Dormitorium), Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main
Montag, 26. Juni 2017, 18.30 Uhr
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – 200 Jahre Leidenschaft für Natur
und Forschung in Frankfurt – was bisher geschah …
Referentin: Marie Rahn

Montag, 13. November 2017, 18.30 Uhr
„Alexander von Humboldt, der Eduard Rüppell Berlins. Leben, Werk und Rezeption des Frankfurter Forschungsreisenden im Vergleich“
Referent: PD Dr. Joachim Scholz, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 17.30 Uhr
„Das Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Institut für Stadtgeschichte“
Archivführung mit Stefanie Bohnensack und Dr. Joachim Kemper
Treffpunkt: Borsigallee 8 (Außenstelle des Instituts für Stadtgeschichte)
Dauer: 60 Minuten, Teilnahme: frei

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.
sowie unter: Historisches Museum Frankfurt