Kategorie-Archiv: Senckenberg Naturmuseum

Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet am Weltwassertag die Sonderausstellung „Flüsse“

Der Rhein in der Rheinschlucht bei Sankt Goarshausen mit der Loreley (132 Meter hoher Schieferfelsen) ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal. © Foto Diether v. Goddenthow
Der Rhein in der Rheinschlucht bei Sankt Goarshausen mit der Loreley (132 Meter hoher Schieferfelsen) ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal. © Foto Diether v. Goddenthow

Frankfurt.  Am  22. März 2021, dem Weltwassertag, eröffnet Senckenberg die Ausstellung „Flüsse“, die in Kooperation mit der Mainova AG im Frankfurter Naturmuseum entstanden ist. Flüsse sind die Arterien der Landschaft: Sie verbinden das Land mit dem Meer und kontrollieren somit den globalen Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf. Naturnahe Bäche und Flüsse zählen zu den dynamischsten und vielfältigsten Lebensräumen weltweit, vergleichbar mit Korallenriffen und tropischen Regenwäldern. Zugleich sind sie stärker gefährdet als die terrestrischen und marinen Lebensräume – ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten aus Fließgewässern sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits für immer verschwunden. Die Ausstellung nimmt sowohl die hessische Nidda als auch internationale Fließgewässer in den Blick und schaut dabei auf die Artenvielfalt am Fluss, auf die Beziehung von Flüssen und Menschen sowie auf die Zusammenhänge von Geologie und Wasser. Zu den Highlights der Ausstellung zählen ein interaktiver Wasserkreislauf und ein begehbarer Wassertropfen.

Gewässerökologe Prof. Dr. Klement Tockner freut sich, dass die erste Ausstellung, die er als Senckenberg-Generaldirektor eröffnet, sich seinem Spezialgebiet, den Fließgewässern, widmet. „Wir möchten mit unserer neuen Ausstellung den immensen Wert der Bäche und Flüsse für die Natur und für uns Menschen vermitteln“, erklärt er. „Die Flüsse bilden das natürliche und kulturelle Rückgrat einer Landschaft – die Erhaltung der Natur ist dabei immer auch Schutz der Kultur und der Menschen“, fährt Tockner fort. Dabei hebt er auch die Rolle der Wissenschaft hervor. Vor dem Hintergrund, dass derzeit nur 10 Prozent der Flüsse In Deutschland einen guten ökologischen Zustand aufweisen, beschäftigen sich aktuelle Forschungsprojekte bei Senckenberg mit den Ursachen und Auswirkungen von Verbauung, Nährstoffbelastung und Erderwärmung. Die Forschung hilft zugleich Maßnahmen zu entwickeln, die zukünftig zu einer effektiven Verbesserung und Erholung der Fließgewässer beitragen können.

Die Ausstellung setzt bei der Vermittlung auf einen starken regionalen Bezug und auf multimediale Exponate. Kooperationspartner ist die Mainova AG, die die Realisierung eines begehbaren Wassertropfens und eines regionalen Wasserkreislaufs ermöglichte. Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova AG, betont: „Mainova versorgt die Stadt Frankfurt mit einwandfreiem Trinkwasser in höchster Qualität, das nachhaltig in der Region gewonnen wird. Wir setzen uns zudem für einen bewussten Umgang mit diesem wertvollen Gut ein und möchten hierfür sensibilisieren. Die Ausstellung ist dazu hervorragend geeignet, denn sie nimmt die Besuchenden mit auf eine spannende und lehrreiche Reise entlang des Wasserkreislaufs und begeistert dabei mit der außergewöhnlichen und modernen Gestaltung.“

Im begehbaren Wassertropfen können Besucher*innen eine große Vielfalt an Kleinstlebewesen entdecken. Pantoffeltierchen, Augentierchen und andere sonst winzige Organismen schwimmen stark vergrößert in der 2D-Animation umher. „Der Wassertropfen begeistert auf atmosphärische Weise – die vielfältigen Organismen erscheinen zart und durchscheinend, manchmal schillernd und von überraschender Formenvielfalt und Ästhetik“, beschreibt Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen das ungewöhnliche Exponat. „Der Wassertropfen veranschaulicht zudem eindrucksvoll Mechanismen, wie die Selbstreinigungskraft des Wassers“, fährt Franzen fort. Das Exponat ist in Zusammenarbeit mit Prof. Daniel Gilgen von der Hochschule Trier entstanden. Gemeinsam mit Studierenden des Studiengangs Intermedia-Design hat er den begehbaren Wassertropfen für die Ausstellung entwickelt.

Am zweiten multimedialen Highlight-Exponat geht es in die Vogelperspektive: Besucher*innen überblicken das Rhein-Main-Gebiet vom Vogelsberg bis zum Hessischen Ried und haben die Möglichkeit, selbst in den Kreislauf des Wassers einzugreifen. Was passiert mit dem Wasserhaushalt, wenn diese Fläche fast vollständig bebaut und damit versiegelt würde? Welche Folgen haben die Aufforstung von Wäldern oder der Ausbau der landwirtschaftlichen Nutzung für den Wasserkreislauf? Und wie wirken sich extreme Wetterereignisse wie Starkregen oder Trockenheit aus? Der Einfluss dieser einzelnen Parameter auf den Wasserkreislauf wird an diesem interaktiven Exponat, das auch mit Hilfe des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) realisiert wurde und Echtdaten verwendet, sofort sichtbar.

In einem weiteren Ausstellungsmodul wird die Geologie des Wassers betrachtet und es geht um die Frage, warum Trinkwasser so unterschiedlich schmeckt. Die für die Ausstellung vorgesehenen gelegentlichen Trinkwasserverkostungen wird es geben, sobald die pandemische Lage es wieder zulässt. Der Lebensraum Fluss wird am Beispiel der Nidda vorgestellt. Hier begegnen Besucher*innen zum Beispiel einer Nase, eine Fischart, die seit ihrer Wiederansiedlung heute wieder in der Nidda heimisch ist.

Für die globale Sicht auf das Thema Flüsse werden vier große Ströme der Erde beispielhaft vorgestellt: Amazonas, Nil, Ganges und Rhein. Neben der Vielfalt dieser Ökosysteme geht es auch um die kulturelle Bedeutung der Gewässer für die Anwohner*innen und die Bedrohung der Ökosysteme. Wie die erneuerbaren Wasserressourcen global verteilt sind, kann an einem weiteren interaktiven Exponat erkundet werden, das in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Hydrologie der Goethe-Universität Frankfurt entstanden ist. Animierte Karten zeigen, wie sich die Wassermengen dieser Flüsse im Jahresverlauf verändern und wie ungleich die Wasserressourcen weltweit verteilt sind.

Anhand der vier Beispielflüsse wird auch das Thema Wasserverbrauch thematisiert. Wieviel Wasser steht jeder Person im Einzugsgebiet der Flüsse zur Verfügung und wofür wird es genutzt? Wie können die Ausstellungsbesucher*innen durch ihr Verhalten und ihren Konsum den Wasserverbrauch in anderen Ländern beeinflussen?

Die Ausstellung „Flüsse“ ist ab dem 22. März 2021 zu sehen im Senckenberg Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main. Die Ausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 12 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre) sowie 30 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Aktuell ist der Museumsbesuch nur nach vorheriger Anmeldung und Reservierung eines Zeitfensters im Online-Ticketshop möglich. Das Senckenberg-Museum bittet die Besucher*innen, sich vorab auf der Museumswebseite über aktuelle Bestimmungen und Regelungen zu informieren: museumfrankfurt.senckenberg.de

Senckenberg-Vortragsreihe: Bauplan der Natur – Wie Genomik unseren Blick auf die biologische Vielfalt revolutioniert – Digitaler Auftakt am 17. März „Wie Genomik die biologische Vielfalt revolutioniert!“

Frankfurt, 12. März 2021. Die neue Senckenberg-Vortragsreihe „Bauplan der Natur – Wie Genomik unseren Blick auf die biologische Vielfalt revolutioniert“ widmet sich bis Anfang Juli an neun Abenden der Erforschung der genetischen Vielfalt und des genetischen Bauplans von Lebewesen. Dabei geht es auch um konkrete Anwendungsmöglichkeiten der Forschungsergebnisse, etwa im Artenschutz oder bei der Entdeckung von Naturstoffen. Forscher*innen vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG) sowie Gastredner*innen anderer Institutionen geben Einblicke in die aktuelle Forschung.
Den Anfang macht Prof. Dr. Axel Janke (LOEWE TBG / Senckenberg) mit einem Vortrag zur genomischen Variation als Grundlage für Biodiversität, in dem er die Grundlagen der genomischen Forschung sowie ihre Ziele erläutert.

Ob Flechten, Viren oder Wale – sie alle haben etwas gemeinsam: die Sprache ihres Bauplans. Genomiker*innen versuchen, die genetischen Baupläne der Natur nachzuzeichnen und zu verstehen. Mit innovativen Methoden im Labor und rechenstarken Computern gehen sie der biologischen Vielfalt auf den Grund. Die Erbinformationen von Lebewesen verraten zum Beispiel, wie unterschiedliche Arten entstanden sind, aus welchen Stoffen Tiere Gifte bilden oder warum einige Organismen für Klimaänderungen besser gewappnet sind als andere. Das hilft nicht nur dabei, biologische Vielfalt besser zu verstehen und zu schützen, sondern birgt auch großes Potenzial für neue Entwicklungen, zum Beispiel von Medikamenten aus Naturstoffen.

Die biologische Vielfalt ist das Ergebnis von 3,5 Milliarden Jahren Evolution und eines der komplexesten Phänomene der Erde. Das vom Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst geförderte LOEWE-Zentrum TBG hat es sich zur Aufgabe gemacht, die genetische Basis der biologischen Vielfalt zu erforschen, um sie für Grundlagenforschung sowie für angewandte Forschung zugänglich zu machen. Bisher hat das LOEWE Zentrum TBG über 2.000 Genome – vom Fadenwurm bis zum Blauwal – entschlüsselt, die in den eigenen Hochleistungsrechnern analysiert werden. Damit sequenzieren und untersuchen die Wissenschaftler*innen die genomischen Variationen quer durch den Baum des Lebens, um den Ursprung und die Anpassungen der Diversität von Genen bis hin zu Ökosystemen zu verstehen und nachhaltig nutzbar zu machen.

Der Biologe Axel Janke forscht und lehrt am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum sowie an der Goethe-Universität Frankfurt und ist Sprecher des LOEWE-Zentrums TBG. Er untersucht die Genome von Wirbeltieren, um so dernen Stammbäume zu rekonstruieren und die Ursprünge der biologischen Vielfalt zu verstehen.

Auftakt-Vortrag: Genomische Variation als Grundlage für Biodiversität – Das LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik stellt sich vor

Referent: Prof. Dr. Axel Janke (LOEWE TBG / Senckenberg, Frankfurt)

Datum: Mittwoch, 17. März, 19:15 Uhr

Aufgrund der Covid19-Pandemie finden die Vorträge rein digital statt.
Sie können per Livestream unter www.senckenberg.de/live (ohne Kommentarmöglichkeit) oder über den Kanal www.youtube.com/SenckenbergWorld (mit Kommentarmöglichkeit über die Chatfunktion) mitverfolgt werden. Wer virtuell mit den Referent*innen diskutieren möchte, meldet sich unter https://www.senckenberg.de/de/anmeldung-vortrag-17-3/ an und erhält dann vorab die Zugangsdaten für die Zoom-Veranstaltung.

Informationen zu allen Vorträgen, Referent*innen und Themen unter:
https://www.senckenberg.de/bauplandernatur

Senckenberg Naturmuseum Frankfurt öffnet am 10. März mit neuem Onlineshop

Senckenberg Naturmuseum  © Foto Diether v. Goddenthow
Senckenberg Naturmuseum © Foto Diether v. Goddenthow

Museumsbesuch ist mit Online-Ticketbuchung in festen Zeitfenstern und mit den üblichen Schutz- und Hygienemaßnahmen wieder möglich

Frankfurt, 08. März 2021. Am Mittwoch, den 10. März öffnet das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt wieder seine Pforten. Dann können beliebte Highlights wie Langhalsdino, Dodo und Leuchtkalmar wieder besichtigt werden. Neu ist der Online-Ticketshop, über den sich ab dem 9. März (17 Uhr) alle Besucher*innen vorab anmelden und mit einer vereinfachten Tarifstrukur feste Zeitfenster buchen. Auch Besucher*innen mit Anspruch auf ermäßigten oder kostenlosen Eintritt, etwa mit dem Kufti-Ticket der Stadt Frankfurt oder Senckenberg-Mitglieder, registrieren sich vorab im Onlineshop und buchen einen Zeitslot. Damit das Museum kurzfristig reagieren kann, umfasst der Ticketvorverkauf im Onlineshop immer nur die nächsten drei Tage. Ein Ticketverkauf vor Ort im Museum ist aktuell nicht möglich.

Um das Personal und die Besucher*innen zu schützen, gilt erneut ein umfassendes Schutz- und Hygienekonzept. Das Museum darf unter Einhaltung der behördlichen Kontaktbeschränkung besucht werden und die Anzahl der Besuchenden wird begrenzt. Im Museum gilt die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Metern und es besteht die Pflicht, durchgehend eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, die selbst mitzubringen ist. Gruppenbuchungen und Buchungen von Führungen sind leider aktuell nicht möglich und das Museumsbistro bleibt vorläufig geschlossen, der Museumsshop jedoch ist geöffnet.

Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen freut sich, dass das Museum nun unter Einhaltung der inzwischen vertrauten Regelungen wieder vorsichtig geöffnet wird: „Während des Lockdowns haben wir sehr viel im Museum gearbeitet und neue Bereiche gestaltet. Die wachsende Sonderausstellung „Zukunft gestalten – wie wollen wir leben?“ wurde um das finale Modul ergänzt, in dem die Themen „Energie“ und „Mobilität“ beleuchtet werden. Außerdem ist eine neue, barrierefreie Garderobe mit kleinem Pausenbereich entstanden, die Ausstellung „Flüsse“ wurde fertig gestellt und die Lebensraumdarstellung Korallenriff wächst täglich und nimmt Gestalt an“, so Franzen.

Am 21. April startet die zweite Grabungssaison der Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ im korallenroten Pavillon im Außenbereich des Museums. © Foto Diether v. Goddenthow
Am 21. April startet die zweite Grabungssaison der Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ im korallenroten Pavillon im Außenbereich des Museums. © Foto Diether v. Goddenthow

Als nächstes öffnet am 22. März die Ausstellung „Flüsse“, die in Kooperation mit der Mainova AG entstanden ist. Am 21. April startet die zweite Grabungssaison der Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ im korallenroten Pavillon im Außenbereich des Museums und am 15. Juli eröffnet der neue Themenraum „Korallenriff“. „Schon jetzt können die Besucher*innen bei der Wegeführung einen Blick durch den Bauzaun werfen und einen Eindruck vom Entstehen dieses Ausstellungsraums im 2. Obergeschoss gewinnen“, erklärt Franzen.

Im 1. Obergeschoss, wo bisher die „Zwerge und Riesen“ zu finden waren, entsteht in einigen Wochen der neue Ausstellungsbereich „Freiraum“, der Raum für Pop-up-Projekte des neu gegründeten Senckenberg-Jugendbeirats und der Young Scientists bieten soll. Im Erdgeschoss, im Bereich des ehemaligen Pausenraums, wird voraussichtlich im November ein Forschungslabor eröffnet. Es ist der erste Teil des geplanten Investigation Centers, das in den nächsten Jahren noch um ein Biolabor und ein Paläolabor wachsen wird. Die Arbeit am Forschungslabor hat begonnen und in den neuen experimentell und partizipativ gestalteten Räumen können Besucher*innen zukünftig aktiv in den Kontakt mit Wissenschaftler*innen treten und sich selbst mit wissenschaftlichem Arbeiten auseinander setzen.

Wer weiterhin lieber zu Hause bleibt, kann über das ständig erweiterte Online-Angebot Senckenberg@Home mit dem Museum in Kontakt bleiben. Über den virtuellen Museumsbesuch mit der Senckenberg App sowie mit Google Arts & Culture sind die beliebtesten Ausstellungsstücke online erlebbar. Alle digitalen Angebote – von der Filmclip-Reihe Museum@Kinderzimmer über die Videoserie „Senckenberg forscht!“, Online-Ausgaben des populärwissenschaftlichen Magazins „Natur Forschung Museum“, Citizen-Science-Projekten bis hin zu Aktionen auf den Senckenberg-Social-Media-Kanälen – finden Sie unter: http://www.senckenberg.de/athome

 

Aktuelle Informationen zu unseren Ausstellungen finden Sie unter: https://museumfrankfurt.senckenberg.de/ausstellung

„Jugend forscht“-Regionalsieger und „Schüler-Experimentierende“ im Senckenberg Naturmuseum für die nächste Runde gekürt

Emilie Borrmann, Katharina Endres und Jana Schlotman (v.l.n.r.) arbeiten an der Entwicklung eines Geräts zur Überwachung von Mindestabständen auf dem Schulhof. Foto: Barbara Endres
Emilie Borrmann, Katharina Endres und Jana Schlotman (v.l.n.r.) arbeiten an der Entwicklung eines Geräts zur Überwachung von Mindestabständen auf dem Schulhof. Foto: Barbara Endres

Frankfurt am Main, den 13.2.2021. „Der Rückgang der Vielfalt von Blütenpflanzen im Offenland“, „Erlenbach-Screening“, „Zukunft der Nanotechnologie“, „Bewegungsgleichung eines Teilchens im Magnetfeld als Lösung einer quaternionenwertigen DGL“, „Die Darstellung von Fraktalen im Quaternionischen Raum“, „ARA -Akustische Raum Analyse“ und „Minervα – Ionenantrieb der Zukunft“ – diese sieben „Jugend forscht“-Arbeiten von Schulen aus Bad Vilbel, Frankfurt am Main, Gießen, Königstein im Taunus, Michelstadt, Neu-Isenburg und Zagreb errangen heute den Sieg beim ersten digitalen „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb Rhein-Main West. Die Schüler*innen haben sich damit für den Landeswettbewerb Hessen am 31. März und 1. April 2021 bei Merck in Darmstadt qualifiziert. Zum elften Mal wird der „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb Rhein-Main West durch das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt organisiert. Die Wettbewerbs-Patenschaft teilt sich Senckenberg ab diesem Jahr mit Provadis – dem Fachkräfte-Entwickler der Industrie. Provadis ist Hessens größter privater Ausbildungsdienstleister mit 1.700 Auszubildenden und zweitgrößte duale Hochschule Hessens mit mehr als 1.200 jungen Frauen und Männern.

In der Nachwuchssparte „Schüler experimentieren“ (Teilnehmer*innen unter 15 Jahren) wurden sechs weitere Projekte sowie deren Regionalsieger*innen von der Jury gekürt, die am 26. und 27. März 2021 am Landeswettbewerb in Kassel teilnehmen. Die Siegerehrung des Regionalwettbewerbs wird heute, am Samstag, den 13. Februar ab 15 Uhr als Livestream aus den Provadis-Räumlichkeiten am Industriepark Höchst in Frankfurt auf www.provadis.de/jugend-forscht übertragen.

„Lass Zukunft da.“ lautet das Motto der 56. Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“. 37 Jungforscher*innen sind diesem Motto gefolgt und haben insgesamt 26 Projekte beim diesjährigen Regionalwettbewerb Rhein-Main West präsentiert. Die Begutachtung der Arbeiten durch die Jury fand diesmal aufgrund der Covid19-Pandemie komplett virtuell, in Einzel-Videokonferenzen statt – ein Novum für alle Beteiligten. Untersucht wurde in den „Jugend forscht“-Siegerprojekten zum Beispiel das Ausmaß des Rückgangs der Vielfalt von Blütenpflanzen im Offenland, die Wasserqualität des Erlenbachs von seiner Quelle im Taunus bis zur Mündung in die Nidda oder wie das Material Graphen – das aus einer einzigen Schicht von Kohlenstoffatomen in Wabengitterform besteht – in der Praxis besser hergestellt werden kann. Im Bereich Mathematik/Informatik erlangten gleich zwei Projekte einen Sieg: Die beiden Gewinner beschäftigten sich mit der visuellen Darstellung von Fraktalen – das heißt Objekten, bei denen das Ganze seinen Bestandteilen ähnelt – im vierdimensionalen Raum beziehungsweise mit der Bewegungsgleichung eines Teilchens im Magnetfeld als Lösung einer quaternionenwertigen Differenzialgleichung. Im Bereich Physik erforschten die Sieger in zwei Arbeiten, wie die Echo-Ortung zur Vermessung von Räumen genutzt werden kann sowie eine neue Art von Ionenantrieb, bei der die Lorentzkraft als Quelle der Schubkraft für Raumschiffe dient.

„Wir freuen uns, als neuer Partner junge Talente dabei zu ermutigen durch eigenes Experimentieren die Welt der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik kennen zu lernen und dabei eigene Fähigkeiten auszuprobieren und Ideen zu verfolgen. Unsere langjährigen Erfahrungen zeigen, dass die positiven Erfahrungen, die die Teilnehmer*innen dabei erleben auch das Interesse an Ausbildungsberufen und Studiengängen in diesem Bereich nachhaltig fördern“, freut sich Prof. Dr. Udo Müller-Nehler, Patenbeauftragter und Vorstand der Provadis Hochschule über die Ergebnisse des Wettbewerbs. „Auch in diesem Jahr bin ich wieder begeistert von der Neugier, der Kreativität und der Energie, mit welcher die Teilnehmer*innen ihre Projekte verfolgen. Gerade in Zeiten wie diesen zeigt sich, dass junge Nachwuchsforscher*innen ein Forum wie diesen Wettbewerb brauchen, um sich auszuprobieren und so kritisch, konstruktiv und produktiv zur Entwicklung unserer Gesellschaft und unserer Zukunft beitragen“, ergänzt Wettbewerbsleiter Dr. Sven Soff.

Vier Mädchen und zehn Jungen wetteiferten in zehn Einzel- oder Gruppenprojekten in den Kategorien Biologie, Chemie, Mathematik/Informatik und Physik um die Teilnahme am Landeswettbewerb „Jugend forscht“. In der Junior-Sparte „Schüler experimentieren“ nahmen weitere 12 Schülerinnen und 12 Schüler mit 16 Arbeiten teil. Mit dabei waren Schulen aus Bad Vilbel, Elz, Frankfurt am Main, Gießen, Großkrotzenburg, Königstein im Taunus, Michelstadt, Neu-Isenburg, Oberursel, Rodgau, Schwalbach am Taunus sowie zwei Gast-Schulen aus Buenos Aires und Zagreb.

Neben den Platzierungen wurden die Projekte mit zahlreichen Geld- und Sachpreisen bedacht, beispielsweise einem Buchpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Jahresabonnements der Zeitschriften „GEO“, „GEOlino“, „natur“ oder „bild der wissenschaft“, sowie mit Senckenberg-Schülermitgliedschaften und Freikarten des Palmengartens oder ExperiMINTa. Projektbetreuerin Judith Jeuck von der Claus von Stauffenberg Schule Rodgau erhielt den mit 100 Euro dotiertenten „Sonderpreis für Engagierte Talentförderer“, zudem erhielt Christoph Braun für seine Tätigkeit als Projektbetreuer eine Einladung zum von cts Gruppen- und Studienreisen gesponserten Workshop „Digitalisierung, Schule und außerschulische Lernorte“. Die Geschwister-Scholl-Schule Rodgau erhielt den Schulpreis des Hessischen Sponsorpools, der mit 150 Euro dotiert ist.

Weitere Information über Senckenberg und digitale Angebote

Illusionistische Schaukästen der Natur Neues Senckenberg-Buch „Senckenbergs historische Dioramen“ erschienen

© E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung oHG
© E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung oHG

Frankfurt am Main, 08.12.2020. Sie erschaffen die Illusion eines Lebensraumes, sind echte Kunstwerke mit langer Geschichte und gehören weltweit zu den Hauptattraktionen in Naturkundemuseen: Dioramen. Wie eine Art Bühnenbild stellen sie die Tier- und Pflanzenwelt eines Ökosystems dreidimensional und naturgetreu nach. Im heute erschienenen Senckenberg-Buch „Senckenbergs historische Dioramen“ gibt der langjährig bei Senckenberg beschäftigte Zoologische Präparator Udo Becker einen Einblick in die Entstehung dieser einzigartigen Naturszenen im Frankfurter Naturmuseum, die zum großen Teil bis heute zu sehen sind. Dabei rollt er neben der Geschichte der Dioramen auch die des ersten Museums am Eschenheimer Turm – dessen Gründung vor 200 Jahren 2021 gefeiert wird – und des neu erbauten Museums an der Senckenberganlage auf. Zudem stellt er Techniken beim Aufbau und der Präparation von Dioramen vor.

Ein Giraffenjunges trinkt auf weit gespreizten Beinen an einer Wasserstelle, beschützt von der Mutter und dem riesigen, fast viereinhalb Meter großen Giraffenbullen, der in einiger Entfernung wartet. Antilopen und Gazellen umringen die Gruppe, Affen klettern umher, ein Waran liegt in der Abendsonne. Am Horizont leuchten die schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Am 13. Oktober 1908 konnten die Besucher*innen das erste Diorama im neu erbauten Museum an der Senckenberganlage bestaunen und wie durch ein Fenster in eine ferne Welt blicken. Dem „Ostafrika-Diorama“ folgten 1910 das Diorama „Arktische Gruppe“, das das Tierleben im Grönländischen Eismeer zeigte, sowie 1935 die „Frankfurter Urlandschaft“ und 1936 das „Riesenelch-Diorama“. Diese eindrucksvollen Momentaufnahmen der Tier- und Pflanzenwelt, exisitieren heute leider nicht mehr – sie wurden im zweiten Weltkrieg zerstört. Die von 1936 bis 1942 nach und nach eröffneten zehn kleineren Dioramen „Tiere der Heimat“ wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut und sind heute mit fünf neu gestalteten Lebensgruppen in ähnlicher Weise im Senckenberg Naturmuseum zu sehen.

Der Entstehungsgeschichte der Senckenberg-Dioramen ist Autor Udo Becker in seinem Buch nachgegangen. Er erläutert detailliert die Entscheidungsprozesse der beteiligten Direktoren und Mitarbeiter*innen vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse, schildert die Herkunft der Exponate und die Arbeit der Präparatoren und Künstler. Anekdoten machen die Geschichte der Dioramen lebendig. So erfahren die Leser*innen, dass sich die Präparationswerkstatt für die Arbeit am Giraffenbullen des Ostafrika-Dioramas als zu niedrig erwies. Kurzerhand wurde ein Loch in die Decke geschlagen, so dass der Kopf der Giraffe vom oberen Raum präpariert werden konnte. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte des Dioramas „Frankfurter Urlandschaft“. Dieses zeigte die Umgebung am heutigen Standort des Senckenberg Naturmuseums vor mehreren tausend Jahren: Ein sumpfiger See, an dessen Uferzone Elche und Biber lebten. Im Vordergrund die Skelette eines Auerochsen und eines Wildhundes, die im Morast versanken. Die rund 11.000 Jahre alten Skelette wurden 1914 bei Ausschachtungsarbeiten neben dem heutigen Museum gefunden und sorgfältig geborgen.

Ergänzt wird die Geschichte der Dioramen durch Informationskästen zu beteiligten Persönlichkeiten wie Präparatoren, Künstlern und Museumsdirektoren. Den Rahmen setzen Kapitel zur allgemeinen Historie der Dioramen, der Entwicklung der Schausammlungsinhalte und der Ausstellungskonzeption in naturkundlichen Museen, Erläuterungen der Präparationstechniken sowie eine Zusammenfassung der Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum. Historische Fotografien, zahlreiche Skizzen, Berichte von Zeitzeug*innen und eine umfangreiche Literatur- und Quellensammlung komplettieren den Band. Annette Scheersoi, Professorin für Biologiedidaktik an der Universität Bonn, greift im Abschlusskapitel „Dioramen – Zeitzeugen oder zeitlos?!“ die Frage auf, welchen didaktischen Wert Dioramen naturkundlicher Museen in der heutigen Zeit erfahren.

Udo Becker absolvierte an der Senckenberg-Schule eine Ausbildung zum technischen Assistenten für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute und erlernte anschließend den Beruf des Zoologischen Präparators. In dieser Profession ist er seit 1985 bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung tätig. Seine Leidenschaft gilt neben diesem vielfältigen Beruf der Beschäftigung mit der Historie der zoologischen Präparation sowie der Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Frankfurter Naturmuseums und dessen historisch bedeutsamen Exponaten.

Annette Scheersoi ist Professorin für Biologiedidaktik an der Universität Bonn. Ihr Forschungsschwerpunkt ist das Biologielernen an außerschulischen Lernorten. Hierbei befasst sie sich vor allem mit Fragen der Interessenentwicklung. Mit Museen verband sie schon immer eine besondere Affinität.

cover-senckenbergs-historische-dioramen-160-2020Udo Becker (mit einem Beitrag von Annette Scheersoi) Senckenbergs historische Dioramen
2020, 132 Seiten, 106 Abbildungen
durchgehend farbig, 20 x 22,5 cm, broschiert,
ISBN 978-3-510-61417-2,
Senckenberg-Buch 85, 14,90 Euro
www.schweizerbart.de/9783510614172

Senckenberg-Vortragsreihe: „Marine Rohstoffe aus der Tiefsee: mögliche Zukunft oder Science Fiction?“ Virtueller Vortrag am 9. Dezember

Impfession aus der Ausstellung: Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit. 6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter „Bembel Frankfurt 11.000″ virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impfession aus der Ausstellung: Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit. 6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter „Bembel Frankfurt 11.000″ virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Frankfurt am Main, den 4. Dezember 2020. Der weltweite Rohstoffbedarf wird auch in den nächsten Dekaden weiter wachsen. Der nächste Vortrag der Senckenberg-Reihe „Unser blauer Planet? Fragile Meereswelten und ihre Erforschung“ beschäftigt sich damit, ob Rohstoffe aus der Tiefsee hierfür eine realistische und sinnvolle Lösung sind.

Eine mögliche Quelle für die zukünftige Rohstoffversorgung liegt in den Tiefen der Ozeane. Zu den Rohstoffen, die aus der Tiefsee gefördert werden sollen, zählen Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfide. Häufig werden diese als „nachwachsende“ Rohstoffe bezeichnet – eine irreführende Bezeichung, da ihre Entstehung mehrere Jahrtausende oder sogar Jahrmillionen dauern kann. Der mögliche Tiefseebergbau hätte erhebliche Auswirkungen auf die ozeanischen Lebensräume und Lebensgemeinschaften. Der Vortrag greift die Frage auf, ob sich dies rechtfertigen lässt und ob ein Abbau überhaupt ökonomisch lohnend oder technisch machbar ist. Um welche Mengen und Kosten geht es, und wer entscheidet, was erlaubt ist?

Der Geologe Sven Petersen erforscht u.a. die Entstehung und Entwicklung mariner Rohstoffe sowie das Potential der Rohstoffgewinnung aus dem Meer. Dabei beschäftigt er sich kritisch mit der Frage, ob sich die ökologischen Folgen des Tiefseebergbaus rechtfertigen lassen, zumal wirtschaftlicher Erfolg und ausreichende Erträge der geplanten Vorhaben nicht sicher sind.

Vortrag: Marine Rohstoffe aus der Tiefsee: mögliche Zukunft oder Science Fiction?
Referent: Dr. Sven Petersen (Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel)
Datum: Mittwoch, 9. Dezember, 19:15 Uhr

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Unser blauer Planet? Fragile Meereswelten und ihre Erforschung“, die Senckenberg in Kooperation mit dem GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel veranstaltet. Die Reihe widmet sich bis Ende Februar den Meeren und Ozeanen und ihrer Erforschung. An neun Abenden stellen Wissenschaftler*innen diesen artenreichen Lebensraum vor, beschreiben dessen Bedrohung durch Überfischung, Plastikverschmutzung und Erwärmung und geben Einblick in ihre Forschung.

Aufgrund der Covid19-Pandemie finden die Vorträge rein virtuell statt.

Sie können per Livestream unter www.senckenberg.de/live (http://www.senckenberg.de/live)(ohne Kommentarmöglichkeit) oder über den Kanal www.youtube.com/SenckenbergWorld (http://www.youtube.com/SenckenbergWorld)(mit Kommentarmöglichkeit über die Chatfunktion) mitverfolgt werden. Wer virtuell mit den Referenten diskutieren möchte, meldet sich per Mail bei julia.krohmer@senckenberg.de und erhält dann vorab die Zugangsdaten für das Zoom-Webinar.

Informationen zu allen Vorträgen, Referent*innen und Themen
unter: https://www.senckenberg.de/blauerplanet.

Eine zweite Saison für Edmond – am 9. April 2021 gehen Ausstellung und Grabung weiter

 "Edmond" in der Sonderausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ © Foto: Diether v. Goddenthow
„Edmond“ in der Sonderausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – eine Dinograbung in Frankfurt“ endet wie geplant am 25. Oktober 2020. Am 9. April 2021 geht es in die zweite Runde!

Frankfurt, 05.10.2020. Ein 20- und ein 40-Fuß-Container wurden auf dem Seeweg von den USA nach Frankfurt verschifft – an Bord: „Edmonds Urzeitreich“, ein etwa 20 Quadratmeter großer Gesteinsblock voller Dinosaurier-Knochen. Unterstützt durch die Lipoid Stiftung als Hauptförderer setzt Senckenberg ein weltweit einmaliges Projekt um. Das aus der Lance-Formation in Wyoming geborgene „Bonebed“ wurde nach Frankfurt in das Senckeberg Naturmuseum transportiert und dort seit dem 5. Juni 2020 im Rahmen einer Kooperationsausstellung mit dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis, dem Frankfurter Kunstverein und mit National Geographic präsentiert. Vor den Augen der Besucher*innen legte das Präparator*innen-Team schon rund 500 Zahn- und Knochenfunde verschiedener Dinosaurierarten wie T. rex, Triceratops, Pectinodon und Edmontosaurus aus dem Gesteinsblock frei und bereiteten sie für weitere wissenschaftliche Analysen vor. Witterungsbedingt endet die Grabung am 25. Oktober 2020. Inzwischen steht eine Verlängerung fest: Die neue Grabungssaison startet am 9. April 2021.

Das Team rund um Grabungsleiterin Zsofia Hajdu und um den geologischen Präparator Olaf Vogel hat inzwischen große Teile des Bonebeds bearbeitet und schon zahlreiche fossile Zähne und Knochen von Edmontosaurus und vielen anderen Dinosauriern entdeckt. Nicht nur die Funde selbst, sondern auch die Lage der Fossilien in dem Bonebed verraten den beteiligten Wissenschaftler*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt vieles über das Ökosystem vor knapp 70 Millionen Jahren in Wyoming. Projektleiter Philipe Havlik erläutert: „Die geregelte Ausrichtung der Fossilien und die Sortierung der Knochen nach Größe innerhalb des Bonebeds deuten auf eine Bestätigung unserer These hin: Die Tiere verstarben in einem Flusslauf und ihre Knochen wurden anschließend eine kurze Strecke transportiert. Vermutlich sind daher alle Knochen etwa gleich alt und die zugehörigen Tiere lebten zur selben Zeit im selben Ökosystem.“

Temporäres Grabungsmuseum im Hof von Senckenber: Der dreißig Tonnen schwere Sedimentblock wurde im Außenbereich des Museums wieder zusammengefügt. Darin befinden sich unzählige einzelne Knochen, vor allem des Entenschnabeldinosauriers Edmontosaurus. Um die Funde einschätzen und die Umweltverhältnisse vor rund 70 Millionen Jahren rekonstruieren zu können, haben Wissenschaftler*innen der SGN und langjährige Kooperationspartner bereits Proben und Knochen aus dem Bonebed untersucht. Auch dies wird in der Ausstellung aufgegriffen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Temporäres Grabungsmuseum im Hof von Senckenberg: Der dreißig Tonnen schwere Sedimentblock wurde im Außenbereich des Museums wieder zusammengefügt. Darin befinden sich unzählige einzelne Knochen, vor allem des Entenschnabeldinosauriers Edmontosaurus. Um die Funde einschätzen und die Umweltverhältnisse vor rund 70 Millionen Jahren rekonstruieren zu können, haben Wissenschaftler*innen der SGN und langjährige Kooperationspartner bereits Proben und Knochen aus dem Bonebed untersucht. Auch dies wird in der Ausstellung aufgegriffen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den zahlreichen Dinosaurier-Fossilien gibt es viele weitere Entdeckungen: Fossile Funde von Schildkröten, Krokodilen, Säugetieren und bislang noch unbestimmten Tieren und Pflanzen. Ein Grabungs-Highlight sind Zähne von großen Raubdinosauriern, darunter auch ein acht Zentimeter großer T. rex-Zahn. „Wir sind sehr glücklich, dass wir eine weitere Grabungssaison im nächsten Jahr starten können! Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Gesteinsblock auch nach Ende dieser Grabungssaison noch zahlreiche weitere – sicherlich auch überraschende – Funde bereit hält. Zudem wird die Ausstellung sehr gut von unseren Besucher*innen angenommen. An manchen Tagen kommt das Team kaum hinterher alle Fragen zu beantworten – besonders auffällig ist die Vielzahl von passionierten Dino-Fans, die Edmond und sein Co einen Besuch abstatten“, erzählt Havlik.

Während der Herbst- und Wintermonate werden Wissenschaftler*innen die bisherigen Funde in den Werkstätten und Laboren bearbeiten und erforschen. Einige der neuen Funde werden zudem im Museum ausgestellt.

„Edmonds Urzeitreich – Eine Dino-Grabung in Frankfurt“, 5. Juni bis 25. Oktober 2020 und ab 9. April 2021 wieder im Senckenberg Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main. Die Kooperationsausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Hauptförderer des Projekts: Lipoid Stiftung

Eine Kooperationsausstellung mit dem Frankfurter Kunstverein, National Geographic und dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis.

Weitere Info hier!

Faszinierende Unterwasserwelt – Senckenberg eröffnet die Themenräume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“

Ausstellungs-Impression. "Tiefsee und Meeresforschung" im Senckenberg-Naturmuseum. Im Vordergrund eine Langnasenchimäre (Rhinochimaera pacifica). Besonders charakteristisch ist die namensgebende lange Nase. In dieser befinden sich Sensoren zur Wahrnehmung von im Sand versteckter Beute mittels Elektrorezeption. Chimären jagen meist in Bodennähe. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression. „Tiefsee und Meeresforschung“ im Senckenberg-Naturmuseum. Im Vordergrund eine Langnasenchimäre (Rhinochimaera pacifica). Besonders charakteristisch ist die namensgebende lange Nase. In dieser befinden sich Sensoren zur Wahrnehmung von im Sand versteckter Beute mittels Elektrorezeption. Chimären jagen meist in Bodennähe. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Bereiche der Ozeane, die tiefer als 1000 Meter sind und in ewiger Dunkelheit liegen, nehmen 60 Prozent der Erdoberfläche ein und sind weniger erforscht als die Oberfläche des Mondes. Erst vor rund 150 Jahren  begann man mit ihrer systematischen Erforschung. Die wichtigsten Entdeckungen und die dazu gehörige Meerestechnik  zeigt ab dem 4. September 2020 das Senckenberg-Naturmuseum Frankfurt in Kooperation mit dem Wissenschaftspartner GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Rahmen des Umbauprojektes Neues Museum in der interaktiven Dauerausstellung:„Tiefsee und Meeresforschung“ –  unter anderen mit 90 Originalen im Raum Tiefsee, darunter ein 2,5-fach verkleinertes Modell des im Original 5,2 Mio. teuren Tauchboots JAGO,  66 Modellen von Tieren und Geräten sowie 13 zum Teil international einzigartigen Präparaten von Tiefsee-Organismen mit Leuchtorganen.

"Tiefseeforschung ist wie Weltraumforschung nur im Nassen", entsprechend sind auch meerestechnische Gerätschaften bis hin zu Tauchrobotern und ein Taucher an von der Decke herabhängenden Seilen befestigt. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Tiefseeforschung ist wie Weltraumforschung nur im Nassen“, entsprechend sind auch meerestechnische Gerätschaften bis hin zu Tauchrobotern und ein Taucher an von der Decke herabhängenden Seilen befestigt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die beiden neuen Themenräume, kuratiert von Dr. Thorolf Müller (Senckenberg) und Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR), befinden sich im 2. Obergeschoss, welches zukünftig den „Lebensräumen der Erde“ mit den Großbereichen „Mensch, Erde, Kosmos und Zukunft“  gewidmet werden soll. Durch die voranschreitende modulare Modernisierung und Erneuerung des Senckenberg-Naturmuseums entsteht auf dieser Etage nach und nach ein Rundgang „entlang eines Höhengradienten, der in der ‚Tiefsee‘ beginnt und mit dem Hochgebirge endet. Als nächster Themenraum werden wir im Sommer 2021 der Raum ‚Korallenriff‘ eröffnen“, erläutert Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger bei einem Presse-Preview durch die neue Dauerausstellung.

Die Dauerausstellung Tiefsee und Meeresforschung gibt umfangreiche Einblicke anhand von zahlreichen Originalpräparaten aus der Sammlung Senckenberg sowie Spezialanfertigungen wie den Lebensraum "Schwarzer Raucher" hier im Bild. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Dauerausstellung Tiefsee und Meeresforschung gibt umfangreiche Einblicke anhand von zahlreichen Originalpräparaten aus der Sammlung Senckenberg sowie Spezialanfertigungen wie den Lebensraum „Schwarzer Raucher“ hier im Bild. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wir möchten im Neuen Museum die Faszination einzelner Lebensräume vermitteln und für die Natur und für unsere Naturforschung begeistern “, unterstreicht Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktoriumsmitglied und zuständig für das Programm Wissenschaft und Gesellschaft. „Wir zeigen Systeme und Zusammenhänge – dazu gehört auch die Rolle des Menschen in einem Ökosystem. In der Tiefsee sprechen wir daher von Themen wie Vermüllung, Überfischung, Erwärmung und Versauerung der Meere sowie von dem Abbau von Rohstoffen“. „Bitte seien Sie ein wenig nachtsichtig, pardon, nachsichtig, denn dieser Text kommt direkt aus der Tiefsee, und da ist es ab 1000 Metern ganz dunkel“,  ähnlich  wie die Themenräume, insbesondere der Bereich „Meeresforschung“, bereitet  Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese die Presse auf das Eintauchen in die Meereswelt in den neuen Ausstellungsräumen vor. Sie selbst habe  ein  ganz besonderes Faibel für den Walfall.

Themenraum Tiefsee

Der Riesenkalmar Architeuthis dux ist einer der sagenumwobensten Tiefsee-Bewohner. Erst 1854 lieferte der Fund eines RiesenkalmarSchnabels den Beweis seiner Existenz. In der Ausstellung ist ein Modell im Maßstab 1:1 zu bestaunen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Riesenkalmar Architeuthis dux ist einer der sagenumwobensten Tiefsee-Bewohner. Erst 1854 lieferte der Fund eines RiesenkalmarSchnabels den Beweis seiner Existenz. In der Ausstellung ist ein Modell im Maßstab 1:1 zu bestaunen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wer in das Dunkel des Themenraums Tiefsee „eintaucht“ , den weichen Boden spürt und den von der Decke herabhängenden Tiefseeschwarm aus 1:1-Modellen wie den etwa 8 Meter langen Riesenkalmar oder Riemenfisch und all die zahlreichen exotisch bis gruselig anmutenden Tiefsee-Exponate aus Wand- und Standvitrinen entgegenleuchten sieht, wähnt sich fast schon selbst 1000 Meter und tiefer unterm Meeresspiegel. Besucher erwartet hier nicht nur ein ästhetisches anmutendes Erlebnis, sondern auch viele neue Einblicke und Erkenntnisse in die weitestgehend noch unbekannte Lebenswelt der Tiefsee. Erst 20 Prozent der Tiefsee-Organismen seien entdeckt und erst 7 Prozent des Meeresgrundes vermessen, so Dr. Gerd Hoffmann-Wieck. Neben zahlreichen Originalpräparaten aus den wissenschaftlichen Sammlungen Senckenbergs werden drei Lebensraumausschnitte der Tiefsee gezeigt: Black Smoker, Weichboden und Walfall. Sie stellen Hotspots der Biodiversität, bzw. temporäre Nahrungsquellen in der Tiefsee dar.

Walfall

Wenn tote Wale auf dem Meeresboden niedergehen, spricht man von „Walfällen“. In einem ansonsten nahrungsarmen Bereich stellen ihre sterblichen Überreste für eine Vielzahl dort lebender Organismen ein wahres Festmahl dar. Das international  einzigartige Walfall-Modell in der Ausstellung zeigt die vier Phasen der Zersetzung des Walkadavers. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wenn tote Wale auf dem Meeresboden niedergehen, spricht man von „Walfällen“. In einem ansonsten nahrungsarmen Bereich stellen ihre sterblichen Überreste für eine Vielzahl dort lebender Organismen ein wahres Festmahl dar. Das international einzigartige Walfall-Modell in der Ausstellung zeigt die vier Phasen der Zersetzung des Walkadavers. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein Walfall, so Dr. Thorolf Müller, sei eine Nahrungs-Oase in der Tiefsee. Sinke der große tote Meeressäuger bis auf den Grund des ansonsten nahrungsarmen Meeres, gäbe es für die unterschiedlichsten Mitbewohner der Tiefsee Nahrung über Jahre. Der Verfall des Walkadavers erfolge in vier aufeinander folgenden Phasen, so der Kurator. Zuerst fressen Aasfresser das weiche Gewebe, in der zweiten Phase fressen Muscheln und andere Tiefseebewohner weiter. Im dritten Stadium zersetzen schwefelliebende Bakterien die Lipide in den Knochen, was Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. Und im letzten Stadium – dem Riffstadium – besiedeln sesshafte Organismen die Knochenreste. Besonders spannend, um nur mal ein der zahlreich dargestellten Beispiele aus Phase 3 herauszupicken, ist die Rolle des „Knochenfresser-Wurms“.

Hier "nagt" der Zombiewurrn, ein Tier ohne Augen, Mund und Darm, sich zersetzend durch die Knochen des toten Meeressäugers. © Foto: Diether v. Goddenthow
Hier „nagt“ der Zombiewurrn, ein Tier ohne Augen, Mund und Darm, sich zersetzend durch die Knochen des toten Meeressäugers. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch „Zombie-Wurm“ genannt, zersetzt dieses Tier ohne Augen, Mund und Darm die Knochen von Wal-Kadavern. Kurios ist auch, dass aus einer Zombie-Larve, die unmittelbar auf dem Knochen siedelt, ein Weibchen wird. Landet jedoch die Larve  auf einem anderen Weibchen, erwächst hieraus ein Männchen. Es lebst im Weibchen.

 

 

Black Smoker – Chemosynthese

Auf bis zu 400 °C aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser steigt durch Risse aus dem Meeresboden empor. Die abkühlungsbedingt ausflockenden Mineralien formen diese typischen Black-Smoker-Gebilde. © Foto: Diether v. Goddenthow
Auf bis zu 400 °C aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser steigt durch Risse aus dem Meeresboden empor. Die abkühlungsbedingt ausflockenden Mineralien formen diese typischen Black-Smoker-Gebilde. © Foto: Diether v. Goddenthow

Aus einer gläsernen Großvitrine ein paar Schritte neben dem Wal-Fall schimmert im Dämmerlicht ein „Schwarze Raucher“. Diese „Black Smoker“ entstehen in Regionen mit vulkanischer Aktivität an Stellen, an denen durch das Erdinnere aufgeheiztes, mineralreiches Meerwasser mit bis zu 400 °C durch Risse aus dem Meeresboden austritt. Sobald das Wasser abkühlt, flocken die darin gelösten Mineralstoffe schnell aus und lagern sich Schicht für Schicht zu schornsteinähnlichen Strukturen ab. Schwarze Raucher sind Lebensräume, die ohne Sonnenlicht und Photosynthese funktionieren. Mikroorganismen nutzen an diesen Heißwasserquellen gelöste Schwefel- und Mineralstoffe als Energiequelle. Man nennt diesen Prozess Chemosynthese. Diese Mikroorganismen oder ihre Stoffwechselprodukte dienen wiederum Muscheln, Würmern, Krebsen und Fischen als Nahrung.

Weichböden der Tiefsee 

In den Weichböden der Tiefsee werden bis zu 10 Mio. unbekannte Arten vermutet.© Foto: Diether v. Goddenthow
In den Weichböden der Tiefsee werden bis zu 10 Mio. unbekannte Arten vermutet.© Foto: Diether v. Goddenthow

Da ein Großteil der Ozeanböden auf den ersten Blick leblosen Wüsten aus Schlick und Sedimenten gleicht, was aber weit gefehlt ist, wurde für die Ausstellung ein „Weicher Meeresboden“ nachgebaut. Weichböden sind von Borstenwürmern, Fischen, Muscheln und vielen anderen sehr kleinen bis zu mikroskopisch kleinen Lebewesen besiedelt, so Dr. Thorolf Müller. Bohrkernuntersuchungen zeigten, dass sich in den Weichböden der Tiefsee eine enorme Artenvielfalt verberge. Es werde vermutet, dass dort bis zu 10 Mio. unbekannte Arten leben könnten, wodurch die Artenvielfalt der Weichböden der in tropischen Riffen und Regenwältern in nichts nachstehe, so der Kurator.

Biolumineszieren – Eigenlichterzeugung 

Alarmqualle lebt in 1000 bis 4000 Metern Tiefe. Wird sie angegriffen sendet sie eine Reihe von kreisförmig pulisierenden Lichtblitzen aus, wodurch auch größere Raubtiere abgeschreckt werden. © Foto: Heike v. Goddenthow
Alarmqualle lebt in 1000 bis 4000 Metern Tiefe. Wird sie angegriffen sendet sie eine Reihe von kreisförmig pulisierenden Lichtblitzen aus, wodurch auch größere Raubtiere abgeschreckt werden. © Foto: Heike v. Goddenthow

Einen Neben-Raum weiter geht es um das Thema Biolumineszenz. Viele Tiefseebewohner können durch eine chemische Reaktion eigenes Licht erzeugen – sie biolumineszieren. Besucher können dies anschaulich nachvollziehen an acht Modellen von Tiefsee-Organismen wie etwa der Alarmquelle. Per Knopfdruck können diese zum Leuchten gebracht werden. Dabei sind Besucher von Geräuschen der Tiefsee umgeben, die mit Unterwasser-Mikrophonen von der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) aufgezeichnet wurden.

Themenraum Meeresforschung

Impression aus dem Themenraum "Meeresforschung", unter anderem mit einem herabhängendem Tiefsee-Schleppnetz. Erst mit diesen Spezialnetzen war es überhaupt möglich Lebewesen aus mehreren 100 oder 1000 Metern Tiefe zu bergen. Zuvor kannte man nur Tiefsee-Tiere, die beispielsweise durch einen Tsunami vom Meeresgrund hochgespült wurden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus dem Themenraum „Meeresforschung“, unter anderem mit einem herabhängendem Tiefsee-Schleppnetz. Erst mit diesen Spezialnetzen war es überhaupt möglich Lebewesen aus mehreren 100 oder 1000 Metern Tiefe zu bergen. Zuvor kannte man nur Tiefsee-Tiere, die beispielsweise durch einen Tsunami vom Meeresgrund hochgespült wurden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Besonders Technik-Fans dürften im Raum „Meeresforschung“ auf ihre Kosten kommen. Gezeigt werden hier die wichtigsten Geräte und Techniken, deren es zur Erforschung der Meere und Tiefsee bedarf wie Netze, Bohrgeräte und Schlitten sowie Hightech-Geräte, die auf Forschungsschiffen eingesetzt werden. Geforscht und gemessen wird von der Oberfläche bis hinab zum Meeresboden. Viele Geräte hängen an Stahlseilen und Kabeln, einige navigieren selbstständig – so zum Beispiel das Autonome Unterwasser-Vehikel „ABYSS“ vom GEOMAR. Die designierte GEOMAR-Direktorin Prof. Dr. Katja Matthes nennt diese Tiefsee-Geräte die „Verlängerung der Arme und Augen der Forscher in der Tiefsee“ und spricht von einer „nassen NASA“, weil die Tiefsee-Messtechnik ähnlichen Extrembedingungen standhalten muss, wie die in der Raumfahrt.

Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR) zeigt, wie die mit dem Schwerelot aus dem Meeresboden gestanzten Sedimentschichten geborgen werden und man aus ihnen lesen kann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR) zeigt, wie die mit dem Schwerelot aus dem Meeresboden gestanzten Sedimentschichten geborgen werden und man aus ihnen lesen kann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Schwereloten, so Dr. Gerd Hoffmann-Wieck (GEOMAR), die von einem Forschungsfisch herabgelassen werden und sich in den Meeresboden bohren, stanzen Meeresforscher Kerne mit Sedimentschichten heraus. Hieraus könne wie aus einem globalen Geschichtsbuch über die Zusammensetzung der einzelnen über Jahrmillionen abgelagerten Schichten anorganischen und organischen Materials gelesen werden.

Auf Tauchfahrt mit Tiefsee-Roboters „BEMBEL“ 

6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter "Bembel Frankfurt 11.000" virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow
6000 Meter können Besucher mit dem Tauchroboter „Bembel Frankfurt 11.000″ virtuell abtauchen. Am Steuer Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die hier den Journalisten das faszinierende Simulations-Abenteuer erläutert und vorführt. © Foto: Diether v. Goddenthow

In der interaktiv gestalteten Ausstellung können Besucher selbst zu Piloten des Tiefsee-Roboters „BEMBEL“ werden und sich auf eine virtuelle Tauchfahrt bis in eine Tiefe von 6000 Metern zur Unterwassererkundung begeben. Mit „BEMBEL Frankfurt 11.000“ präsentieren die Ausstellungsmacher ein interaktives U-Boot-als mögliche Zukunft einer bemannten Tiefsee-Unterwasser- Erkundung.  Da bemannte Tauchfahrten in die Tiefsee sehr teuer, aufwendig und gefährlich sind, setzen Tiefseeforscher meist unbemanntes Gerät ein.

Tiefsee ist größter Lebensraum der Erde – Begleitbuch
SB_83_Tiefsee_MIT_U1-240x270Die Tiefsee ist der größte zusammenhängende Lebensraum der Erde, jedoch gehört sie zu den am wenigstens erforschten Regionen. Über 90 Prozent der Tiefsee sind komplett unbekanntes Gebiet. Nur 0,0001 % wurden von Menschen gesehen und intensiv erforscht. Je nach Definition, beginnt die Tiefsee  bei 200 Metern Meerestiefe. Sie ist durchschnittlich 3,8 km tief, wobei die tiefste Region, der Mariannengraben,  mit 11 km tiefer ist als der Mount Everest hoch ist. Inzwischen weiß man, dass trotz der ab 1000 Metern  ewig herrschenden Finsternis, lähmenden Kälte, enormem Druck und ständigen Nahrungsknappheit vielfältiges Leben in der Tiefsee existiert. Alles darüber finden Sie im von Thorolf Müller und Gerd Hoffmann-Wieck herausgegebenen Begleitbuch zur Ausstellung: Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit“ , Frankfurt 2020)

Sponsoren
Der Raum Tiefsee wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Familie Orenstein. Der Raum Meeresforschung durch die Unterstützung der DZ BANK Stiftung und der Mitglieder der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Die DZ BANK Stiftung hat sich der Förderung von Bildung, Forschung und Lehre verschrieben. Mit der Unterstützung des Themenraums Meeresforschung würdigen wir die Verdienste der Naturwissenschaften in diesem Bereich und freuen uns, die faszinierende Diversität der Tiefsee weiter zu ergründen“, so Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK.

Besuch unter Einhaltung der Hygiene-Bedingungen
Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für den 15. Mai geplante Eröffnung der Themenräume „Tiefsee“ und „Meeresforschung“ auf den 3. September 2020 verschoben werden. Sie kann nun unter Berücksichtigung geltender Sicherheitsmaßnahmen eröffnet werden. Nach aktuell geltenden Regelungen sind zunächst maximal 20 Personen in den Räumen zugelassen. Ein Besuch der neuen Ausstellungsräume ist daher nur nach vorheriger Anmeldung unter museumfrankfurt.senckenberg.de möglich. Hier können einzelne Zeitslots für den Besuch der neuen Räume gebucht werden. In der Ausstellung gilt die Abstandsregelung von 1,5 Metern und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist Pflicht. Vor Besuch des Museums empfehlen wir, die aktuellen Regelungen auf unserer Webseite nachzulesen: museumfrankfurt.senckenberg.de

(Dokumentation Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Wissenschaftspartner GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Aufgabe des Instituts ist die Untersuchung der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Mit dieser Bandbreite deckt das GEOMAR ein in Deutschland einzigartiges Spektrum ab.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Neu im Senckenberg: Sommernacht und Streifzug durchs Museum Führungen für Familien und Kleingruppen wieder buchbar

Die Urzeitgiganten Diplodocus und Iguanodon im Sauriersaal des Senckenberg Naturmuseums. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Urzeitgiganten Diplodocus und Iguanodon im Sauriersaal des Senckenberg Naturmuseums. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das  Senckenberg Naturmuseum Frankfurt meldet, dass ab Montag, dem 15. Juni 2020, Familien und Kleingruppen  wieder Führungen buchen und Streifzüge  durchs Museum erleben können. Im kleinen Kreis von bis zu sechs beziehungsweise acht Personen erkunden die Teilnehmer*innen Dinos, Mammuts, Wale oder das eigene Lieblingsexponat auf besondere Art und Weise. Angeboten werden zwei Formate, bei denen bestimmt keine individuellen Wünsche und Fragen offenbleiben. Die Führung „Streifzug durch das Museum“ kann individuell für Termine unter der Woche per E-Mail gebucht werde. Wer die Ausstellungsstücke einmal nachts nach Museumsschluss entdecken möchte, hat mit der Führung „Sommernacht im Senckenberg“ immer freitags abends zu festen Terminen und Zeiten hierzu Gelegenheit. Alle Abend-Termine sind im Kalender auf der Museums-Homepage ersichtlich und können per E-Mail gebucht werden. Besucher*innen, die das Museum auf eigene Faust an Wochenenden und Feiertagen erkunden möchten, sind gebeten sich über den Homepage-Kalender vorab anzumelden. Dadurch sichern sich Besucher*innen trotz begrenzter Kapazitäten ihren Einlass.
(https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/kalender/)

Selbstverständlich finden alle Führungen unter Einhaltung der auch sonst im Museum geltenden Hygiene- & Abstandshinweise statt.

„Streifzug durch das Museum“
Führung für Familien und Kleingruppen während der Öffnungszeit
(Montag bis Freitag, keine Termine am Wochenende oder an Feiertagen)
Bei den geführten Streifzügen durch das Museum erfahren Kinder und Erwachsene wissenswerte, unterhaltsame, lustige und vielleicht auch überraschende Geschichten, Anekdoten und Hintergründe zu ausgewählten Exponaten. Wie entsteht ein Fossil und wie fühlen sich echte Dino-Knochen an? Warum erstickt die Anakonda nicht, wenn sie ein Wasserschwein am Stück verschlingt? Bei dieser Führung gibt es Außergewöhnliches für Groß und Klein zu entdecken. Gerne gehen unsere Museums-Guides auf individuelle Fragen und Wünsche ein.
Dauer: 50 min; Kosten: 30,- € zzgl. Eintritt, maximale Gruppengröße: 6 Personen.
Termine auf Anfrage, Mo-Fr während der Öffnungszeit, Start immer zur vollen Stunde möglich.
Terminwünsche und Rückfragen unter Angabe einer Rückrufnummer an bildung@senckenberg.de .

„Sommernacht im Senckenberg“ 

Mit der Taschenlampe nachts durch das dunkle Museum.Foto: Michael Frank
Mit der Taschenlampe nachts durch das dunkle Museum.Foto: Michael Frank

Führung für Familien und Kleingruppen nach der Öffnungszeit
Wer schon immer einmal nachts das Museum erkunden wollte, hat jetzt Gelegenheit dazu. Besucher*innen verbringen bei dieser Führung eine „Sommernacht-Stunde“ im Senckenberg nach Museumsschluss. Bei einer spannenden Tour durch die dunklen Ausstellungshallen und -räume begegnen sie gemeinsam mit einem Museums-Guide den Giganten der Urzeit, Walen und Elefanten, seltenen Vögeln und ausgestorbenen oder bedrohten Säugetieren. Taschenlampe nicht vergessen!
Dauer: 50 min; Kosten: 65,- € (pauschal für 1-4 Personen), jede weitere Person 15,-€, maximale Gruppengröße: 8 Personen.
Freitags jeweils um 19:00 Uhr, 20:15 Uhr und 21:30 Uhr. Anmeldung erforderlich.
Alle Termine im Kalender auf unserer Homepage unter: https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/kalender/
Terminwünsche und Rückfragen unter Angabe einer Rückrufnummer an bildung@senckenberg.de.

Alle Informationen zu den Angeboten finden Sie auch unter:
https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/bildungsangebote/fuehrungen-fuer-familien-kleingruppen

Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt Kooperationsausstellung im Senckenberg Naturmuseum vom 4. Juni bis 25. Oktober 2020

Edmonds Urzeitreich_Pavillon als temporäre Grabungsstätte neben dem Senckenberg-Naturmuseum. Besucher können hier den Archäologen über die Schultern schauen und live beim Freilegen von Fundstücken dabei sein. Sobald es "Corona" zulässt, ist geplant, dass Besucher in einem zweiten Pavillonbereich  auch selbst nach Fossilien graben können. © Foto: Diether v. Goddenthow
Edmonds Urzeitreich_Pavillon als temporäre Grabungsstätte neben dem Senckenberg-Naturmuseum. Besucher können hier den Archäologen über die Schultern schauen und live beim Freilegen von Fundstücken dabei sein. Sobald es „Corona“ zulässt, ist geplant, dass Besucher in einem zweiten Pavillonbereich auch selbst nach Fossilien graben können. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein 20- und ein 40-Fuß-Container wurden auf dem Seeweg von den USA nach Frankfurt verschifft – an Bord: „Edmonds Urzeitreich“, ein etwa 20 Quadratmeter großer Gesteinsblock voller Dinosaurier-Knochen. Unterstützt durch die Lipoid Stiftung als Hauptförderer setzt Senckenberg so ein weltweit einmaliges Projekt um. Das aus der Lance-Formation in Wyoming geborgene „Bonebed“, reich an Knochen von Edmontosaurus und weiteren Fossilien, wurde nach Frankfurt transportiert und wird dort ab dem 4. Juni 2020 im Rahmen einer Kooperationsausstellung mit dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis, dem Frankfurter Kunstverein und mit National Geographic im Senckenberg Naturmuseum präsentiert. Vor den Augen der Besucher*innen legen Präparator*innen die Fossilien aus dem Gesteinsblock frei und bereiten sie für weitere wissenschaftliche Analysen vor.

Philipe Havlik zeigt im externen Grabungsmuseum auf dem Senckenberggelände seinen Lieblingsfund , einen 7 mm langen Saurierzahn. © Foto: Diether v. Goddenthow
Philipe Havlik zeigt im externen Grabungsmuseum auf dem Senckenberggelände seinen Lieblingsfund , einen 7 mm langen Saurierzahn. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Unsere Idee war es nie, besonders spektakuläre Einzelobjekte zu finden und nach Frankfurt zu bringen“, erklärt Philipe Havlik die Grundidee des Projekts. „Vielmehr haben wir uns zum Ziel gemacht, erstmalig eine Fundstätte ‚am Stück’ ins Museum zu transportieren und sie erst dort freizupräparieren – um so unseren Besucher*innen die Erfahrung paläontologischer Geländearbeit näher zu bringen und gleichzeitig die modernsten Methoden geowissenschaftlicher Forschung an dem Projekt erläutern zu können“, fährt Havlik fort. Anfang des Jahres wurden daher 30 Tonnen Sediment in 16 Blöcken nach Frankfurt transportiert – auf ihrem Weg von Wyoming legten sie 2.800 Kilometer an Land und 6.200 Kilometer auf dem Wasser zurück. Insgesamt 100 Personen aus unterschiedlichsten Fachdisziplinen sind an dem einzigartigen Projekt beteiligt.

Original-Grabungsstätte in Wyoming Foto ©National-Geographic Janosch Boerckel
Original-Grabungsstätte in Wyoming Foto ©National-Geographic Janosch Boerckel

Mit der Kooperationsausstellung rückt ein wertvolles Objekt der Senckenberg-Dauerausstellung in den Fokus der Betrachtung und wird neu inszeniert: die Edmontosaurus-Mumie, genannt Edmond. Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt beheimatet seit mehr als 100 Jahren das für die Wissenschaft bedeutende Fossil, das – wie auch das Bonebed – aus der Lance-Formation in Wyoming stammt und wegen seines nahezu vollständigen Skeletts und der Hauterhaltung ein wichtiges Zeugnis für das Aussehen der Dinosaurier ist.

Mit verschiedenen Untersuchungen an den Funden sollen wissenschaftliche Fragestellungen zu der Zeit von Edmond & Co geklärt werden: Wie sah das Ökosystem der Dinosaurier von Wyoming in der späten Kreidezeit, vor knapp 70 Millionen Jahren, aus, als die CO2-Konzentration in der Atmosphäre deutlich höher war als heutzutage? Wie lebten und starben die riesigen Tiere, wer fraß wen und welche Herausforderungen mussten sie in ihrem tagtäglichen Überlebenskampf bewältigen, bis das Zeitalter der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren mit einem Schlag endete? 15 Wissenschaftler*innen aus acht Forschungsinstituten verfolgen verschiedene Methoden und Fragestellungen – von der Herkunft kleiner Bernsteine im Sediment, über die Untersuchung von Holzkohle hin zur Geochemie des Zahnschmelzes – um gemeinsam das Ökosystem vor fast 70 Millionen Jahren zu rekonstruieren, es zu verstehen und die Bildung des Bonebeds zu klären.

Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt vor Edmonds Urzeitreich_Pavillon © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt vor Edmonds Urzeitreich_Pavillon © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Präparation im Forschungsinstitut ermöglicht anders als bei der Arbeit im Gelände das Präparieren unter Laborbedingungen – mit Druckstichel und 3D-Scanner. Die Paläontologin Zsofia Hajdu wird im Laufe der Ausstellung die Funde im Dialog mit den Besucher*innen freilegen und für wissenschaftliche Untersuchungen vorbereiten. Bis zu 1.000 Fundstücke werden in den Gesteinsblöcken vermutet. Darunter auch winzige Bernsteine oder einzelne Zähne, die durch die ungewöhnliche Grabungssituation analysiert werden können. „Zähne sind oftmals ein sehr gutes Archiv für Informationen aus der Vergangenheit“, erläutert Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt. Gemeinsam mit Kolleg*innen der Goethe-Universität untersucht er die chemische Zusammensetzung des Zahnschmelzes der Edmontosauruszähne. Über Isotopenanalysen erlangen die Forschenden Informationen über Umweltbedingungen und Ernährungsgewohnheiten des Entenschnabeldinosauriers.

Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Frankfurter Kunstverein ist Kooperationspartner der Ausstellung und hat das Offenbacher Künstlerkollektiv YRD.Works eingeladen, den Präsentationsraum zu entwerfen, in dem Wissenschaft erlebbar wird. „Der temporäre Ausstellungsraum setzt ein unfertiges Exponat ins Zentrum, das seinem ursprünglichen Umfeld entnommen wurde“, erläutert Prof. Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, das künstlerische Konzept. „Entstanden ist ein Raum um Rohmaterial – um ein 30 Tonnen schweres Grabungsfeld aus Wyoming. Es ist nicht das fertige Exponat, das in einer inszenierten Form präsentiert wird, es ist der Prozess wissenschaftlicher Arbeit, es sind die Forscher*innen und deren Arbeitsweise, deren Instrumente und deren Können“, fährt sie fort.

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Mit unserem einzigartigen Edmond-Projekt möchten wir unseren Besucher*innen vermitteln, wie wissenschaftliches Arbeiten und das Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen funktioniert“, ergänzt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Programms „Wissenschaft & Gesellschaft“ bei Senckenberg. „Die letzte Zeit hat uns vor Augen geführt, wie bedeutend wissenschaftliche Expertise für das gesellschaftliche Leben und für die Bewältigung von Krisen ist“, so Böhning-Gaese. Sie dankt der Lipoid-Stiftung, die als Hauptförderer das Projekt ermöglicht hat. Bereits zum zweiten Mal unterstützt die Stiftung ein Senckenberg-Projekt und verfolgt so weiter den Ansatz, paläontologische Wissenschaft erlebbar zu machen.

Ausstellungsansichten Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansichten Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie musste die ursprünglich für den 4. April geplante Eröffnung der Kooperationsausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ auf den 4. Juni 2020 verschoben werden. Sie kann nun unter Berücksichtigung geltender Sicherheitsmaßnahmen eröffnet werden. Nach aktuell geltenden Regelungen sind zunächst maximal 18 Personen im Ausstellungs-Pavillon zugelassen. Es kann daher zu Wartezeiten kommen. In der Ausstellung gilt die Abstandsregelung von 1,5 Metern und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist – wie im gesamten Museum – Pflicht. Interaktive Ausstellungselemente wie eine Selfie-Station, ein Klopfplatz für Kinder und ein Picknick-Bereich dürfen aktuell noch nicht in Betrieb genommen werden. Sobald sich die Bestimmungen ändern, informiert das Museum auf der Webseite darüber:
museumfrankfurt.senckenberg.de

Ausstellungsimpression Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsimpression Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

„Edmonds Urzeitreich – Eine Dino-Grabung in Frankfurt“, 4. Juni bis 25. Oktober 2020 im Senckenberg Naturmuseum, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main. Die Kooperationsausstellung kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Edmond  © Foto: Diether v. Goddenthow
Edmond © Foto: Diether v. Goddenthow

National Geographic hat das Projekt seit Beginn der Grabung in Wyoming begleitet und stellt auf der Projektseite „Edmonds Urzeitreich“ mit Text, Foto und Bewegtbild die beteiligten Wissenschaftler*innen, die verschiedenen Forschungsmethoden, Details zur Grabung, zur Reise und zur Ausstellung vor: www.nationalgeographic.de/edmonds-urzeitreich

und https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellung/vorschau/edmonds-urzeitreich/