Kategorie-Archiv: Historisches Museum Frankfurt

Meisterstücke – Vom historisch entstandenen Handwerk der Maler bis zur Entwicklung „der“ freien Künste

Maarten van Heemskerck (1498 - 1574) Der heilige Lukas malt die Madonna, 1532.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Maarten van Heemskerck (1498 – 1574) Der heilige Lukas malt die Madonna, 1532. © Foto: Diether v Goddenthow

„Tolle Ausstellung! Endlich sieht man doch mal, dass Malen ein Handwerk ist!“, schreibt ein begeisterter Besucher am 8.Oktober den Ausstellungsmachern ins Gästebuch. Mehr noch: Das Historische Museum Frankfurt, dem mit „Meisterstücke“ eine einzigartige und didaktisch hervorragend konzipierte Sonderausstellung vom 11.09. bis 19.01.2019 im Historischen Museum Frankfurt gelungen ist, zeigt nicht nur, dass perfektes „Handwerk und gute Kunst“ viel Talent, gewissenhafter Ausbildung  und guter Übung bedürfen. Sie zeichnet auch den Entwicklungsweg „der“ Maler bis hin zur Etablierung von freier bildender Kunst nach.

Zur Einführung

Wenn von „Meisterwerk“ die Rede ist, glauben die meisten kulturell Interessierten, zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Wir danken dabei an Dürer, Rembrandt und Velázquez. Aber was ist ein Meisterstück? In Vergessenheit geraten ist, dass auch Maler einmal in Zünften organisiert waren und wie andere Handwerker zum Abschluss ihrer langen Ausbildung ihr Können mit einem Meisterstück beweisen mussten. Erst dann durften sie ihre Gemälde signieren, eine eigene Werkstatt führen und selbst ausbilden. Die Ausstellung des Historischen Museums widmet sich erstmals diesem vergessenen Thema der Künstlersozialgeschichte.

Die Schau vermittelt eine Vorstellung von der langen Ausbildung des Malers als zünftiger Handwerker bis ins 19. Jahrhundert. Als Lehrling und Geselle lernte er durch Nachahmung und ständige Wiederholung die Farben zu reiben, Leinwände zu spannen und zu grundieren und einfache malerische Aufgaben auszuführen. Erfahrungen sammelten die Gesellen außerdem auf der Wanderschaft, die sie durch Deutschland oder ins Ausland führte. Um selbst Meister zu werden, schrieb die Zunftordnung dem Maler viele Bedingungen vor, darunter die Heirat, den Erwerb des Bürgerrechts, Geldzahlungen und oft auch die Anfertigung eines Meisterstücks.

Ausstellungsimpression der Sonderausstellung Meisterstücke, hier: Bereich Zunftwesen. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungsimpression der Sonderausstellung Meisterstücke, hier: Bereich Zunftwesen. © Foto: Diether v Goddenthow

Das Historische Museum Frankfurt besitzt eine für die Erforschung der Künstlersozialgeschichte in Deutschland einzigartige Sammlung von über 45 Meister- oder Probestücken aus der Zeit von 1631 bis 1858. Die Stadt Frankfurt verlangte von den Malern die Einlieferung des vorgeschriebenen Meister- oder Probestücks für die Ausstattung des Rathauses, des Römers. Diese Frankfurter Gemälde werden anderen Malermeisterstücken aus Nürnberg, Hamburg, Lübeck und Burghausen sowie Meisterstücken anderer Handwerke bis in die Gegenwart gegenübergestellt.

Johann Heiss (1640 - 1704) Aktsaal mit fünf  weiblichen Modellen, 1687 ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Johann Heiss (1640 – 1704) Aktsaal mit fünf weiblichen Modellen, 1687 © Foto: Diether v Goddenthow.

In den europaweit gegründeten offiziellen Kunst- und Zeichenakademien wurde besonderes Gewicht auf die theoretische Ausbildung der Künstler gelegt. Die Lehre basierte auf dem Zeichnen nach dem Schönheitskanon (Antike) und nach dem Akt sowie nach den Prinzipien der Wissenschaft (Perspektive, Geometrie und Anatomie). Doch auch an der Akademie herrschten strenge Regeln: Hier ersetzte das Aufnahmestück das frühere Meisterstück der Zunft. Die Ausstellung im Historischen Museum zeichnet ein Bild dieser Entwicklung mit Thesenbildern, Gründungsallegorien, Akademieszenen und Aufnahmestücken. Lehrmaterial, das an den Akademien eingesetzt wurde, vervollständigt das Bild.

Das letzte Kapitel der Ausstellung widmet sich den Versuchen einer Akademiegründung in Frankfurt und der Städelschule als bürgerlicher Kunstakademie, die in den ersten Jahrzehnten unter dem Einfluss der nazarenischen Kunstideale stand. Hier schließt sich ein Kreis: Die ersten Zunftmaler lieferten in den 1630er Jahren die Ausstattung der Wahlstube im Römer, die Maler der Städelschule und ihre Künstlerfreunde statteten in den 1840er und 1850er Jahren den Kaisersaal des Römers mit 52 Kaiserporträts aus.

Tour durch die Kapitel der Ausstellung
I. Der Maler als Handwerker
Die Zünfte bestimmten vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Ausbildung der Handwerker. In den Zunftordnungen war der Weg vom Lehrling bis zum Meister geregelt. Auch die Maler waren in dieser Zeit in Zünften organisiert.

1. Was ist ein Meisterstück?

Meisterstücke. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Meisterstücke. © Foto: Diether v Goddenthow

Handwerker*innen fertigen bis heute am Ende ihrer Ausbildung ein Meisterstück an, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Der Meistertitel berechtigt auch dazu, im eigenen Betrieb Lehrlinge und Gesellen auszubilden. Vom Mittelalter bis zur Aufhebung der Zünfte im 19. Jahrhundert regelten städtische Zunftordnungen die Ausbildung der Handwerker. Das Bürger und Meisterrecht konnte nur erwerben, wer ehelich geboren, unbescholten und verheiratet war, dem „richtigen“ Glaubensbekenntnis angehörte und ein Meisterstück herstellte. Diese Bestimmungen galten auch für Maler und andere Künstler, die in Zünften organisiert waren.

In Frankfurt bestand seit 1630 die Malergesellschaft mit einer eigenen Ordnung. Diese verpflichtete alle Mitglieder zur Abgabe eines Kunststücks an das Rathaus. Diese Regeln galten auch für auswärtige Handwerker und Maler, die sich (zeitweise) in Frankfurt niederlassen wollten und oft nur eingeschränkte Bürgerrechte erhielten.

2. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“ – Die Malerwerkstatt als Ausbildungsort

Ein Maler musste eine Ausbildung nach der Zunftordnung – in der Regel vom Lehrling über den Gesellen zum Meister – durchlaufen, um eine eigene Werkstatt führen und selbst ausbilden zu dürfen. Zu den Aufgaben des Lehrlings gehörte die Pflege von Werkzeugen und Werkstatt, das Reiben der Farben, das Vorbereiten des Malgrunds sowie alltägliche Haushaltsarbeiten. Lehrlinge erhielten Zeichenunterricht und lernten vornehmlich über das Beobachten und Nachahmen von Gesellen und Meistern. Auch die Gesellenwanderung wurde oft gefordert. Dadurch dauerte die Ausbildung bis zum Erwerb des Meisterrechts häufig zehn Jahre und länger. Gesellen bildeten sich auch an den Vorlagensammlungen (Zeichnungen, Kupferstichen, Gipsen) ihrer Meister fort.

3. „Von der Wiege bis zur Bahre“: Handwerkszünfte im Alten Reich
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren Handwerker in der Regel in Zünften organisiert. Diese Berufsvereinigungen hatten je nach Handwerk einen sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Stand. Handwerkszünfte und zünftige Bruderschaften übernahmen für ihre Mitglieder gewerbliche, administrative, soziale, militärische oder religiöse Aufgaben. Die Zunftstuben dienten als Versammlungsort. In ihnen wurden auch die Zunftsymbole und Zunftaltertümer wie Meister- und Gesellenbücher, Truhen, Pokale und Fahnen aufbewahrt. Seit dem 17. Jahrhundert standen die Zünfte in vielen Städten – auch in Frankfurt – unter der Aufsicht eines Ratsmitglieds. Die von der Stadt für die jeweiligen Zünfte erlassenen Ordnungen regelten die Ausbildung, die Rechte und Pflichten der Mitglieder und auch die Abgabe des Meisterstücks.

4. Wie die Handwerker, so die Maler: zünftig!

Ausstellungs-Impression Malerzünfte. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression Malerzünfte. © Foto: Diether v Goddenthow

Ebenso wie Schreiner, Metzger oder Schmiede waren auch Maler meistens in einer Zunft oder Gilde organisiert. Aufgaben, Funktionen und Geselligkeitsformen dieser Zusammenschlüsse unterschieden sich nicht von denen anderer Zünfte. Das soziale Leben der Malerzunft spielte sich in der Zunftstube ab. Hier wurden neue Mitglieder in die Zunftbücher eingeschrieben, die Rechnungsbücher geführt und Festmahlzeiten gehalten. Ihre Zunftobjekte sind durch das Malerwappen gekennzeichnet: drei weiße Schilde auf rotem oder blauem Grund.
Malerbruderschaften kümmerten sich um religiöse und soziale Belange wie das Seelenheil und die Kranken- und Armenfürsorge. Die Malerzünfte besaßen häufig einen eigenen Altar, der ihren Schutzpatron, den heiligen Lukas, zeigte, wie er gerade die Maria mit dem Christuskind malte. In Hamburg erfolgt noch heute jedes Jahr ein Umzug der neuen Meister vor den mittelalterlichen Lukasaltar, wo sie gesegnet werden.

II. Meisterstücke = Meisterwerke?
Die Zunftordnungen schrieben in vielen Städten auch für die Maler die Abgabe eines Meisterstücks vor. Es diente als Nachweis des technischen, nicht des künstlerischen Könnens: Meisterstücke sind selten Meisterwerke.

Galerie der Meisterwerke.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Galerie der Meisterwerke.© Foto: Diether v Goddenthow

5. „Sonderbare Kunststücke“ – Die Gründung der Frankfurter Malergesellschaft und die Ausstattung derWahlstube im Römer (1630–1645) Der Rat der Stadt gab den Frankfurter Malern 1630 die von ihnen erbetene Malerordnung. Artikel 6 der Ordnung sah die Lieferung eines „sonderbahr kunststück(s)“ an den Frankfurter Römer vor: das Meisterstück. Thema und Größe des Gemäldes legten die Stadtväter fest. Im Gründungsjahr mussten nicht nur die neuen Meisterkandidaten, sondern auch die bereits vorher in der Stadt eingebürgerten Maler ein Gemälde abliefern. Mit diesen wurde die Wahlstube im Römer ausgestattet, die für festliche Anlässe und für die Verhandlungen bei den Kaiserwahlen genutzt wurde.

Ab 1631 erhielt die Wahlstube einen Fries von elf Gemälden mit Gerechtigkeitsszenen aus dem Alten Testament und aus der antiken Geschichte. Das für Rathäuser typische Bildprogramm mahnte Kaiser und Kurfürsten zu tugendhaftem Handeln. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden einige dieser Gemälde durch neue Meisterstücke ersetzt. Zwei dieser neuen Gemälde mit biblischen und mythologischen Szenen lösten wegen ihrer erotischen Darstellungen einen Wortwechsel zwischen den Kurfürsten von Köln und Sachsen aus.

6. Geprüft und für gut befunden: Malermeisterstücke aus deutschen Städten Nicht nur in Frankfurt, sondern in fast achtzig Städten des deutschsprachigen Alten Reichs schrieben die Malerordnungen zu unterschiedlichen Zeiten die Abgabe eines Meisterstücks vor. Die Anforderungen daran waren allerdings von Stadt zu Stadt verschieden. Die Malerordnung verlangte in manchen Städten mehrere Probearbeiten mit unterschiedlichen Techniken und Themen und legte Thema und Größe fest. Kopien nach Vorlagen (zum Beispiel Druckgrafiken) waren meist nicht zugelassen. Gelegentlich fand die Anfertigung der Arbeit unter Aufsicht statt. Bei technischen Mängeln in der Ausführung musste der Kandidat eine Strafe zahlen, künstlerische Fehler wurden nicht geahndet. Die künstlerische Qualität der Gemälde war deshalb häufig nur mittelmäßig. Das Meisterstück blieb vielfach Eigentum der Stadt, manchmal auch der Zunft oder des Malers. Oft wurden damit Rathausräume und andere öffentliche Gebäude ausgestattet. Viele Rathaussammlungen wurden im 19. Jahrhundert aufgelöst. Nur in seltenen Fällen, wie in Nürnberg, Lübeck, Hamburg, Burghausen und in Frankfurt, gelangten einzelne Gemälde oder ganze Sammlungen in die damals neu gegründeten städtischen Museen.

7. „Kunst kommt von Können“: Handwerker-Meisterstücke von gestern und heute Das Meisterstück hat im Handwerk eine lange Tradition und spielt bei der Ausbildung bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle. Seit dem Mittelalter gibt es eine stetig wachsende Vielfalt von Handwerksberufen. Noch heute gibt es 41 meisterpflichtige Berufe. Ebenso vielfältig sind die eingereichten Meisterstücke, wie die ausgestellten Objekte aus dem 16. Jahrhundert bis heute zeigen. Teils wurden Vorlagen für die Anfertigung des Meisterstücks ausgegeben oder genaue Vorgaben gemacht. Teils musste der Anwärter zunächst einen Entwurf des geplanten Meisterstücks einreichen. Einige Meisterstücke entstanden sogar direkt auf oder um (Meister)Stücke anderer Handwerker: In Frankfurt sollten die Vergolder als Meisterstück einen Rahmen für ein Meisterstück der Maler fertigen. Auch vergängliche Meisterstücke gab es, beispielsweise bei den Feuerwerksmachern.

8. „Öfters über alle Erwartung schöne Gemälde“ (Hüsgen 1790): Frankfurter Malermeisterstücke von 1760 bis 1858
Im Jahr 1757 wurde die Malerordnung in Frankfurt erneuert und die Abgabe des Meisterstücks strenger kontrolliert. Unter Carl Theodor von Dalberg, 1806 bis 1813 Fürstprimas und Großherzog von Frankfurt, wurden die Zünfte für wenige Jahre aufgehoben. In der Restaurationszeit nach 1815 wurden sie von den Stadtvätern aber wieder eingeführt und bestanden bis zu ihrer erneuten Auflösung 1864. Die Mitgliedschaft in der Zunft war für die Maler jetzt nicht mehr verbindlich. Nur die zünftigen Maler, meist Maler Lackierer,schufen noch Meisterstücke. Von 1760 bis 1806 reichten 34 Maler, von 1816 bis 1858 sogar 56 Maler ihre Meisterstücke im Römer ein. Von diesen 90 Meisterstücken, die 1878 in das Historische Museum gelangten, sind heute noch 38 erhalten, ein deutschlandweit einzigartiges Gemäldekonvolut. Es wurde eigens für die Ausstellung mit Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung restauriert.

9. Rosenkrieg: Die Konkurrenz zwischen Malern und Tünchern Hinter der Bezeichnung „Maler“ konnten sich in der Frühen Neuzeit ganz unterschiedliche Berufe verbergen: Kunstmaler, aber auch Fassmaler, Briefmaler oder Glasmaler. Weißbinder, Tüncher und Quadraturmaler weißten Fassaden und Innenräume und malten Tür- und Fensterumrahmungen sowie Deckenornamente. Alle diese Maler gehörten meistens einer gemeinsamen Zunft an. Die Kunstmaler fühlten sich dadurch in ihrer Berufsehre erniedrigt und gründeten später eigene Zünfte oder Malergesellschaften. Aber auch die Weißbinder fühlten sich in den Gruppenzünften nicht angemessen vertreten, solange dort die Kunstmaler das Sagen hatten. Immer wieder kam es über die Abgrenzung der Arbeitsgebiete, die in den Zunftordnungen festgelegt waren, zu Auseinandersetzungen und zu Klagen bei den Stadträten.

10. Verweigerung und Ausgrenzung: Maler und Malerinnen ohne Meisterstücke
Viele Maler versuchten, sich der Anfertigung eines Meisterstücks zu entziehen. Die Herstellung kostete Zeit und Geld. Vor allem aber fühlten sich die Maler seit der Renaissance nicht mehr als Handwerker, sondern als freie Künstler. In Frankfurt gelang es einigen herausragenden Malern, wie Jacob Marrel oder Matthäus Merian d. J., sich den Anforderungen des Frankfurter Rats zu widersetzen und die Ablieferung des Meisterstücks zu verweigern. Andererseits schlossen die Zünfte einige Maler von vornherein aus. Frauen durften lediglich als Witwe eines Meisters den Betrieb selbstständig weiterführen, bis sie wieder heirateten, konnten selbst aber keine Meisterinnen werden. Ehefrauen oder Töchter eines Meisters waren häufig an den verschiedenen Tätigkeiten in der Werkstatt und auch an der Herstellung von Kunstwerken beteiligt. Ihre Werke wurden aber meistens unter dem Namen des Mannes verkauft. Selten konnten Künstlerinnen sich so emanzipieren wie Maria Sibylla Merian. Eher lebten sie in prekären Verhältnissen wie Maria Eleonora Hochecker.

III. Akademie = Autonomie?

Adriaan de Lelie (1755 - 1820) Anatomie-Vorlesung in der Gesellschaft Felix Meritis, 1792. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Adriaan de Lelie (1755 – 1820) Anatomie-Vorlesung in der Gesellschaft Felix Meritis, 1792. © Foto: Diether v Goddenthow

Akademien und Zeichenschulen dienten der Professionalisierung der Künstlerausbildung. Im Vordergrund der Ausbildung stand das künstlerische, nicht das technische Können. Aber Aufnahmestücke waren auch nicht immer Meisterwerke.

11. Höfisch, zünftig, akademisch, freischaffend? Die Malerfamilie Morgenstern
Die Karriere von Künstlern hing auch im 17. und 18. Jahrhundert von vielen verschiedenen Faktoren ab: von künstlerischem Talent und finanziellem Vermögen, von sozialen und beruflichen Netzwerken, von gesellschaftlicher und räumlicher Beweglichkeit (Heirat oder Ortswechsel während der Lehre und bei Aufträgen). Diese Faktoren bestimmten die Wahl des Ausbildungsweges und auch die späteren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Höfische, zünftige, akademische oder freischaffende Künstler hatten jeweils unterschiedliche Verpflichtungen und Privilegien. Ein Blick auf die sehr unterschiedlichen Karrieren von fünf Malern der Familie Morgenstern in Rudolstadt und Frankfurt vermittelt eine Vorstellung von der Bandbreite dieser unterschiedlichen Künstlerexistenzen.
12. Herr oder Schmarotzer? – Auf nach Italien!

Unbekannter Künstler. Die Einführung eines neuen Miegliedes der Bentvueghels in Rom, um 1660. Ein in Rom angekommener Künstler aus dem Norden wird durch eine Zeremonie in die Künstlergesellschaft der Bentvueghels aufgenommen. ©  Foto: Diether  v Goddenthow.
Unbekannter Künstler. Die Einführung eines neuen Miegliedes der Bentvueghels in Rom, um 1660. Ein in Rom angekommener Künstler aus dem Norden wird durch eine Zeremonie in die Künstlergesellschaft der Bentvueghels aufgenommen. © Foto: Diether v Goddenthow.

Für die Künstler aus Mittel- und Nordeuropa war Italien das Land, in dem sie die vorbildhafte Kunst der Antike, der Renaissance und des Barock studieren und befreit von den Fesseln der Zunft arbeiten konnten. Schon im 16. Jahrhundert hatten sich italienische Künstler von den handwerklichen Zünften getrennt und gelehrte Kunstakademien gegründet. In Rom versammelten sich nicht nur die akademisch ausgerichteten Maler, die „pictores docti“, sondern auch die noch dem zünftigen Denken ihrer Heimat verhafteten Maler, die „pictores vulgari“. Diese aus den Niederlanden und Deutschland stammenden Künstler gründeten 1623 die Schildersbent. Mit scherzhaften Aufnahmezeremonien, die sich an Gesellenfeste der
Handwerkszünfte anlehnten, verspotteten sie unter dem Schutz des Weingottes Bacchus auch ihre akademischen Künstlerkollegen.
Nach seiner Rückkehr aus Italien gab der gebürtige Frankfurter Joachim von Sandrart den Anstoß für die Gründung der ersten deutschen Akademien in Nürnberg (um 1662) und Augsburg (um 1670/1673). Mit seiner dreibändigen „Teutschen Academie“ schuf er eine theoretische und historisch-biographische Grundlage für die Künstlerausbildung in Deutschland.

13. Gilde und Akademie? Das Beispiel Antwerpen

Ausbildung in der  Akademie - im Vordergrund Anatomisches Modell: Borghesischer Fechter 1926 - 1930. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausbildung in der Akademie – im Vordergrund Anatomisches Modell: Borghesischer Fechter 1926 – 1930. © Foto: Diether v Goddenthow

Kunstakademien entstanden häufig unter Protest der örtlichen Malerzünfte wie etwa in Paris.
Antwerpen war die einzige Stadt, in der die Kunstakademie aus der Malerzunft hervorging und beide Institutionen unter einem gemeinsamen Dach fortbestanden. Schon 1663 gründeten Mitglieder der Zunft die Königliche Akademie der Schönen Künste. Ziel der neuen Künstlerorganisation war es, der mit dem wirtschaftlichen Niedergang Antwerpens im 17. Jahrhundert stagnierenden Kunstproduktion durch eine bessere Ausbildung der Künstler neue Impulse zu verleihen und an das Goldene Zeitalter von Rubens, van Dyck und Jordaens anzuknüpfen. Die Doppelinstitution zog 1664 zusammen mit der Gilde der Dichter in repräsentative Räume in der Börse. Der „Grote Schilderszaal“ und die Räume des Direktors und der Dekane wurden mit Gemälden und Skulpturen bekannter Akademiemitglieder ausgestattet. Die Gemälde waren keine Meister- oder Aufnahmestücke, sondern Geschenke der Künstler an die Akademie. Der Große Malersaal wurde so zu einer von Reisenden gerne besuchten Ruhmeshalle der flämischen Kunst 14. Endlich frei? Die Akademie als Institution Akademien sind Orte des gelehrten Gedankenaustauschs und der humanistischen Bildung. Künstler fanden sich dort seit dem 16. Jahrhundert zusammen, um über die Grundlagen der Kunst, über Literatur, Geschichte, Geometrie, Perspektive und Anatomie zu diskutieren. So untermauerten sie den Anspruch, dass Malerei, Bildhauerei und Architektur zu den freien Künsten gehörten. Zugleich sollten die Akademien auch Handwerkern grundlegende
künstlerische Fähigkeiten vermitteln, um die Wirtschaftskraft des jeweiligen Staates zu fördern. Diese Aufgabe hatten auch die vielen Zeichenschulen, die von Künstlern, Bürgern und Stadtvätern ins Leben gerufen wurden. Die Grundlage der akademischen Ausbildung bildete das Zeichnen, anfangs nach zweidimensionalen Vorlagen, später nach Gipsabgüssen und schließlich nach dem lebenden Modell. Zur Förderung der Künstler fanden Wettbewerbe und Ausstellungen statt. Begabte Schüler wurden mit Preisen und Reisestipendien ausgezeichnet.
15. Das Aufnahmestück an der Akademie: Ein neues Meisterstück?
Die Kunstakademien waren genauso streng organisiert wie die städtischen Zünfte. Die Verbindung zu den Zünften drückte sich vielleicht am deutlichsten in den Aufnahmestücken aus, die von den aufzunehmenden Mitgliedern der Akademie erwartet wurden. Man kann zwei Arten von Aufnahmestücken unterscheiden: Die ältere Tradition wie in den Akademien von Florenz, Rom und Paris sah vor, dass die Aufnahme in die Akademie auf der Grundlage eines einzureichenden Werkes geschah. Wurde dieses für gut befunden, konnte der Kandidat oder in manchen Fällen auch die Kandidatin aufgenommen werden. Die jüngere Tradition, wie etwa in der Royal Academy of Arts in London, sah vor, dass der Kandidat (oder mit Einschränkung auch die Kandidatin) auf der Grundlage des bisherigen Schaffens durch den Beschluss des Gremiums aufgenommen wurde und erst danach sein (oder ihr) Aufnahmestück der Akademie präsentierte. Dies konnte wiederum zur Folge haben, dass aufgenommene Künstler irgendein Werk (und nicht zwangsläufig das beste) der Akademie vermachten und es manchmal später gegen ein besseres Werk austauschten.

16. Akademiebestrebungen am Main

Auch in Frankfurt bemühte sich eine Gruppe von Künstlern im späten 18. Jahrhundert um die Akademisierung ihrer Ausbildung. Gegen den Widerstand der Malergesellschaft gestand der Rat 1767 den Malern die Zunftfreiheit zu. Das Bürgerrecht konnten sie aber nach wie vor nur gegen Abgabe eines Probestücks erlangen. Zur Verwirklichung der Akademie kam es jedoch nicht. Erfolgreicher und eher an der Berufspraxis orientiert war die Initiative des Malers und Kupferstechers Georg Joseph Cöntgen. Er gründete 1779 eine Zeichenakademie. Sie wurde von der Stadt und von vielen Frankfurter Bürgern unterstützt. Sie richtete sich nicht nur an Künstler, sondern auch an Handwerker und bot einen ähnlichen dreistufigen Zeichenunterricht an wie in den Kunstakademien. Mit Ausnahme des Aktzeichnens stand er auch Frauen offen. In Hanau gründete Erbprinz Wilhelm IX. von Hessen-Kassel auf Initiative von Gold- und Silberschmieden 1772 die bis heute bestehende Hanauer Zeichenakademie. Sie sollte Kunsthandwerkern eine Berufsausbildung nach modernen Standards vor Ort ermöglichen.

17. Eine bürgerliche Akademie? Die Städelschule

Anatomiestunde im Garten des Städelschen Kunstinstituts, 1876. Der akademische Anatomieunterricht war nicht auf den menschlichen Körper beschränkt, sondern beeinhaltete auch die anatomische Lehre von Tieren wie von Pferden. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Anatomiestunde im Garten des Städelschen Kunstinstituts, 1876. Der akademische Anatomieunterricht war nicht auf den menschlichen Körper beschränkt, sondern beeinhaltete auch die anatomische Lehre von Tieren wie von Pferden. © Foto: Diether v Goddenthow

Der Handelsmann und Bankier Johann Friedrich Städel vermachte 1815 sein Vermögen und seine umfangreiche Kunstsammlung testamentarisch einer Stiftung: dem Städel‘schen Kunstinstitut. Frankfurt erhielt dank Städel eine bürgerliche Kunstschule mit akademischen Ausbildungsstandards. Sie blühte erst ab 1830 unter dem Direktorat des nazarenischen Historienmalers Philipp Veit auf. Die Künstlergruppe der Nazarener hatte sich in Wien und Rom in Abgrenzung zum akademischen Lehrbetrieb gebildet und vertrat das Ideal des kollektiven Arbeitens nach dem Vorbild der mittelalterlichen zünftigen Werkstätten. In Frankfurt waren die Nazarener an zwei großen Ausstattungsprojekten beteiligt, am Freskenzyklus im Dom und den Porträts für den Kaisersaal im Römer. Der Kaisersaal bildete gleichsam das Pendant zur Wahlstube im Römer, die nach der Gründung der Frankfurter Malergesellschaft mit Gemälden geschmückt wurde.

 

Begleitpublikationen
Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler
Für das Historische Museum Frankfurt herausgegeben von Wolfgang P. Cilleßen, Andreas Tacke (Schriften des Historischen Museums Frankfurt, Band 38), 304 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Societäts-Verlag Frankfurt am Main, 30 €

DieWahlstube im Frankfurter Römer
Für das Historische Museum Frankfurt herausgegeben von Wolfgang P. Cilleßen, Aude-Line Schamschula (Kunststücke des Historischen Museums Frankfurt, Band 6) 116 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Verlag Henrich Editionen Frankfurt am Main, 18 €

Ort

Meisterwerke 12. Sep 2019 ——
19. Jan 2020

Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten & Eintrittspreise
Dienstag bis Freitag: 10 – 18 Uhr
Mittwoch: 10 – 21 Uhr
Samstag und Sonntag: 11 – 19 Uhr
Eintritt Wechselausstellung 10 €/ermäßigt 5 €
Eintritt Museum Vollpreis 12 €/ermäßigt 6 €

Prof. Susanne Schröter präsentiert am 16.10.2019 im Historischen Museum ihr Buch zum politischen Islam

politischer-Islam-schroeterSusanne Schröter, Professorin an der Goethe-Universität und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen, spricht am 16. Oktober im Historischen Museum über ihre jetzt erschienene Publikation.

FRANKFURT. Die Mehrheit der Deutschen glaubt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Sie verbinden diese Religion vor allem mit dem Terror im Namen eines unbarmherzigen Gottes, der Unterdrückung von Frauen und Minderheiten sowie einer Ablehnung westlicher Werte. Für solche Assoziationen gibt es nachvollziehbare Gründe, sie resultieren aus dem Erstarken des politischen Islam. Seine Erforschung gehört zu den Schwerpunkten von Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie und Mitglied des Forschungsverbundes Normative Ordnungen an der Goethe-Universität. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen bei der Vorstellung ihres Buches

„Politischer Islam – Stresstest für Deutschland“
am Mittwoch, dem 16. Oktober 2019, um 18.30 Uhr
im Historischen Museum Frankfurt,
Saalhof 1, Römerberg, 60311 Frankfurt am Main.

Der Eintritt ist frei. Veranstaltet wird die Buchpräsentation vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Begrüßung übernimmt Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes. Moderiert wird die öffentliche Veranstaltung von Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der politische Islam stellt eine Sonderform des Islam dar und sollte nicht als charakteristisch für diese Weltreligion insgesamt gesehen werden, die auch in Deutschland eine Vielzahl von Facetten besitzt. Gleichwohl übt gerade der politische Islam durch machtbewusstes und strategisch geschicktes Agieren seiner Funktionäre großen gesellschaftlichen Einfluss aus und dominiert zunehmend die staatliche Islampolitik sowie den öffentlichen Dialog. Vielen Menschen fehlt jedoch das Wissen über die Ursprünge und die Ausprägungen des politischen Islam, um Konfliktsituationen richtig einzuschätzen sowie angemessen argumentieren und handeln zu können. Das vorliegende Buch will diese Lücke mit einem fundierten und verständlichen Überblick schließen.

Susanne Schröter, ist Professorin für Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen an der Goethe-Universität, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Gründungsdirektorin des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ (FFGI) am Exzellenzcluster. Zu ihren Forschungsgebieten gehören Islamismus und Dschihadismus, progressiver und liberaler Islam sowie Frauenbewegungen in der islamischen Welt. Sie ist Mitglied der „Hessischen Integrationskonferenz“ und des „Hessischen Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“. Zu ihren jüngsten Publikationen zählen: „Religiöse Rechtfertigungen des Dschihadismus“, in: Schellhöh, Jennifer u.a., Hg.: Großerzählungen des Extremen. Neue Rechte, Populismus, Islamismus, War on Terror (Bielefeld: Transcript 2018) und „Islamischer Fundamentalismus“, in: Zentralrat der Juden in Deutschland, Hg.: Jüdische Bildungslandschaften (Berlin: Hentrich & Hentrich 2018).

Infos

Hinweis: Bereits am Montag, 14. Oktober, 19.00 Uhr, wird Prof. Susanne Schröter ihr Buch „Politischer Islam – Stresstest für Deutschland“ im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität (Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe) im Gespräch mit dem Journalisten Meinhard Schmidt-Degenhard vorstellen. Anmeldungen unter service@freiheit.org.

Historisches Museum Frankfurt: „Wie wohnen die Leute?“ – Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen

Die Besucher können  Wohnungen der Ernst-May-Häuser in ihren nachgebauten Originalgrundrissen erkunden und erhalten in jedem "Ausstellungshaus" komprimierte Informationen zum Wohnen, Leben, politischen Entwicklungen, Nachbarschaft usw., um sich die Zeit von der Entstehung bis heute individuell zu erschließen.  Hier: EFATE (Einfamilienhaus mit Dachterrasse ), von wo aus ein Rundgang durch die Ausstellung gestartet werden kann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Besucher können Wohnungen der Ernst-May-Häuser in ihren nachgebauten Originalgrundrissen erkunden und erhalten in jedem „Ausstellungshaus“ komprimierte Informationen zum Wohnen, Leben, politischen Entwicklungen, Nachbarschaft usw., um sich die Zeit von der Entstehung bis heute individuell zu erschließen.
Hier: EFATE (Einfamilienhaus mit Dachterrasse ), von wo aus ein Rundgang durch die Ausstellung gestartet werden kann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Neue Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt
16. Mai bis 13. Oktober 2019
Frankfurt Jetzt!
Neues Ausstellungshaus, Ebene 3

„Wie wohnen die Leute?“ wurde am gestrigen Abend im Historischen Museum Frankfurt als letzte der drei großen Bauhaus-Ausstellungen 2019 eröffnet, die sich anlässlich 100 Jahre Bauhaus mit dem Frankfurter Stadtplaner Ernst May und seiner Zeit des Aufbruchs in die neue Moderne beschäftigen. Nach „Moderne am Main“ (19. Januar bis 14. April) im Museum Angewandte Kunst und „Neuer Mensch, neue Wohnung“ (23. März bis 18. August)  im  Deutsche Architekturmuseum zeigt das Historische Museum in seiner durch das hauseigene Stadtlabor partizipartiv entwickelten Ausstellung die Ergebnisse der „Umfrage“ wie die Leute heute in den in die Jahre gekommenen, zum Teil privatisierten, energetisch aufgerüsteten, teilweise sanierten oder entsprechend ihrer gewandelten Lebensbedürfnisse umgebauten (angepassten) Wohnungen leben.

Wie es in einer Pressemeldung des Hauses heißt, entstanden in Frankfurt zwischen 1925 und 1930  um die 15.000 neue Wohnungen. Dieses große Stadtplanungsprogramm war Teil des Neuen Frankfurt. Akteur*innen aus Kunst, Kultur, Politik, Architektur und Städtebau arbeiteten interdisziplinär zusammen, um eine moderne Großstadt zu gestalten.

Das Stadtlabor, die partizipative Ausstellungsreihe des Historischen Museums Frankfurt, konzentriert sich auf dieses städtebauliche Programm und fragt, wie das Leben heute in den Siedlungen des Neuen Frankfurt aussieht. Die Bewohner*innen kommen zu Wort und geben Einblicke in ihren Alltag. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines partizipativen Prozesses, der im Frühling 2018 begann. In fünf Workshops wurden die Ausstellungsbeiträge und das Rahmenprogramm gemeinsam entwickelt. Dazu war das Stadtlabor-Team im Sommer 2018 in 19 Siedlungen und Wohnhausgruppen des Neuen Frankfurt zu Gast.

Die Ausstellungsarchitektur orientiert sich an den typisierten Wohnungsgrundrissen des Neuen Frankfurt. Sie vermitteln den Besucher*innen einen räumlichen Eindruck der standardisierten Wohnungen. Ausgestattet mit den Beiträgen der Stadtlaborant*innen und ergänzt mit Objekten aus der Sammlung des HMF, bieten sie die Präsentationsfläche für vier Themen. In jedem dieser vier Themenbereiche werden die grundlegenden Ideen der damaligen Akteure des Neuen Frankfurt für den Wohnungsbau vorgestellt. Die Beiträge der Stadtlaborant*innen zeigen auf, wie diese Ideen heute noch weiterleben. Die in diesem Spannungsfeld zwischen Gestern und Heute entstehenden Fragen regen die Ausstellungsbesucher*innen zu einem Gedankenspiel an: Was sollte bei der zukünftigen Stadtentwicklung bedacht werden? Wie wollen wir wohnen?

Tour durch die Ausstellung
1. Wohnen in der Siedlung
EFATE (Einfamilienhaus mit Dachterrasse )

Licht, Luft und Sonne versprach der moderne Städtebau den Bewohner*innen der Siedlungen. Historische Luftbilder und die Aquarelle von Hermann Treuner illustrieren diese drei Versprechen. Treuners Aquarelle vermitteln ebenfalls die von den Akteuren des Neuen Frankfurt gestaltete Farbgebung der Häuser. Ansichtskarten zeugen von einem regen Interesse an den Siedlungen, sie waren sowohl im Bau als auch nach ihrer Fertigstellung beliebte Fotomotive. Die Architektur des Neuen Frankfurt wird gerne als „zeitlos“ bezeichnet, doch die Zeit ging nicht spurlos an den Siedlungen vorüber. Bewohner*innen prägen das Erscheinungsbild der Siedlungen, indem sie diese immer wieder ihren Bedürfnissen und Vorstellungen anpassen. Dabei werden die Spannungsfelder zwischen Stadt und Natur, zwischen Denkmalschutz und Eigenbau, zwischen Miete und Eigentum sowie zwischen der Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Wohnumfeld sichtbar. Am Umbau der Frankfurter Küchen wird zudem deutlich, wie sich die Bewohner*innen die serielle Architektur angeeignet und sie für ihren Gebrauch verändert haben. 1947 kam es in der Siedlung Westhausen zudem zur Umbenennung von Straßen. Die Auseinandersetzungen mit dem Gebrauch der Siedlungen werfen Fragen auf: Wer entscheidet über den Bau und die Gestaltung von Neubaugebieten? Wie sollten sie in Zukunft aussehen? Eine partizipative Station ermöglicht es den Besucher*innen, ihre Forderungen einzubringen.

2. Nachbarschaft
MEFA (Mehrfamilienhaus) und KLEINGARTENLAUBE
Die Siedlungen sollten als Lebensräume für die Bewohner*innen dienen und waren mit allen für das alltägliche Leben notwendigen Einrichtungen ausgestattet. Neben Kindergärten und Einzelhandel entstanden auch Gärten und Spielplätze, ebenso Dachterrassen und Grünanlagen. Letztere waren als erweiterter Lebensraum für Einzelne sowie für die Gemeinschaft geplant und sollten die Verbindung zwischen privaten und öffentlichen Räumen herstellen. Die Gärten dienten als Erholungsfläche und zur Versorgung.
Bewohner*innen berichten vom gesellschaftlichen Wandel in den Siedlungen: Auf einem ehemaligen Kleingartengelände entstand ein Wildgarten als selbstorganisierter und betreuter Spielplatz. Ein weiterer Beitrag setzt sich mit dem Wohnen im Alter auseinander. Bewohner*innen der Henry und Emma Budge-Stiftung geben Einblicke in das Leben in der Seniorenanlage. Eine Kleingartenlaube gewährt Einblicke in die Nutzung der Gärten: Vom Selbstversorgungs- zum Wellnessgarten in Praunheim bis hin zu einem Handsähgerät, das ein stummer Zeuge des wirtschaftlichen Wandels in der Gärtnersiedlung Teller ist. Der Familienbetrieb, aus dem es stammt, befindet sich in Auflösung. Auch der ursprüngliche Zweck der Gärtnersiedlungen, eine stadtnahe Versorgung mit frischem Obst und Gemüse zu ermöglichen, scheint zunehmend verloren zu gehen. Wofür wollen wir Grünflächen und Gärten künftig nutzen? Als Anbaufläche zur Selbstversorgung? Als Treffpunkte für die Gemeinschaft, als Orte der Erholung? Oder dienen sie dem Ausgleich von CO2 Emissionen?

3. Bezahlbares Wohnen
MEFAGANG (Mehrfamilienhaus, Außengangtyp)
Wohnung für das Existenzminimum
Ernst May plante die Siedlungen in einer Zeit großer Wohnungslosigkeit. In möglichst kurzer Zeit musste neuer, bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Die Wohnungspolitik orientierte sich an der Gemeinnützigkeit. Wohnungsunternehmen sollten nicht primär profitorientiert handeln, die Miete sollte nicht mehr als ein Viertel des monatlichen Haushaltseinkommens betragen. Fragen zu bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt am Main sind heute wieder von zentraler Bedeutung. Politik, Wissenschaft und Bürgerschaft suchen nach passenden Lösungen Ein Abstimmungskasten für den Mietentscheid und ein goldenes Haus aus Pappe – ein Negativpreis, mit dem Aktivitst*innen 2015 Mieterhöhungen kritisierten – zeigen die Forderungen nach mehr gemeinnützigem und bezahlbarem Wohnungsbau. Die Installation „Wir sind nie modern gewesen“ von Eleonora Herder und andpartnersincrime zeigt beginnende Verdrängungsprozesse auf. Dieser dritte Themenraum zeigt exemplarisch das Konzept des Wohnens auf kleinstem Raum und geht der Frage nach, wie viel Platz der Mensch zum Wohnen braucht.

4. Das neue (Um-)Bauen
ZWOFADOLEI (Zweifamilienhaus mit Doppelleitung)
Das Neue Frankfurt war ein großes Bauvorhaben, das nur mit einer äußerst rationalen und effizienten Planung umgesetzt werden konnte. Die Bautechnik wurde von handwerklicher Arbeit auf industrielle Massenproduktion umgestellt. Typisierte und standardisierte Bauelemente kamen zum Einsatz. Die Wohnungsgrundrisse wurden unter Berücksichtigung verschiedenster Ansprüche entworfen, die sich von beruflicher Schichtung, Kinderanzahl und anderen Kriterien ableiteten. Einige Siedlungen stehen heute unter Denkmalschutz, Bewohner*innen wünschten sich jedoch eine individuellere Gestaltung ihrer Wohnräume. In diesem vierten Raum ist das Spannungsfeld zwischen seriellem Wohnungsbau und dem Wunsch nach individueller Gestaltung zentral. Fotografien, Grafiken, Videos und Modelle zeigen die Nutzung und Aneignung durch ihre Bewohner*innen innerhalb der Häuser und an den Fassaden.
Eine Schlafzimmertür aus der Siedlung Römerstadt steht beispielhaft für die Aneignung der standardisierten Einrichtung. Das Originalbauteil wurde in den 1980er Jahren von den Kindern der Bewohner*innen mit Symbolen der Friedens- und Umweltbewegung beklebt. In der Ausstellung ist die Tür erst ab 18. Juni zu sehen – derzeit wird sie in einer anderen Ausstellung gezeigt.

Stadtlabor unterwegs & Stadtlaborant*innen
Das Stadtlabor unterwegs ist die partizipative Ausstellungsreihe des Historischen Museums Frankfurt seit 2010. Zentrales Anliegen dieses Formats ist die multiperspektivische Erkundung der Stadt und ihrer Lebenswelten. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen der Stadtgesellschaft entstehen Ausstellungen, die der Information, Reflexion und Diskussion von Themen dienen, die Frankfurter*innen bewegen. Die wichtigste Prämisse der Ausstellungsreihe ist die aktive Teilhabe der Stadtbevölkerung an ihrem Museum und die Integration unterschiedlicher, auch sehr individueller Perspektiven und Sichtweisen auf die Stadt, ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Das Stadtlabor-Team arbeitet direkt und intensiv mit den Partizipierenden, um auch jene einzubeziehen, für die ein Museum nicht der erste Ansprechpartner oder Referenzort ist, wenn es um die Reflexion der eigenen Lebenswirklichkeit geht.

Stadtlaborant*innen der Ausstellung „Wie wohnen die Leute?“
Roswitha Väth, Sybille Fuchs (Klimawerkstatt Ginnheim), Initiative Historischer Stadtspaziergang, Jan Jacob Hofmann, Gabriele Klieber, Ulrich Zimmermann, Jens Gerber, Dieter Church, Gertraude Friedeborn, Eleonora Herder (andpartnersincrime), Daniel Ladnar, Lars Moritz, Esther Pilkington und Jörg Thums (irreality.tv), Lilly Lulay, Cäcilia Gernand, Laura J Gerlach, Mobile Albania, Hildegard Kammer, Studierende der Buch- und Medienpraxis (Maren Fritz, Lisa Veitenhansl, Miriam Schumm, Louisa Gröger, Silvia Claus, Alexandra Dehe, Paula Hauch, Katja Schaffer, Anna Speitel, Julia Breitmoser, Laura Genenz, Nele Mascher, Sonja Stöhr, Sandra Zaitsev, Juliane Zipper, Ronja Vogel, Max Seidel, Manuela Splittdorf, Stefan Katzenbach, Kevin-Lukas Velte, Ruth Manstetten, Sophie Ritscher, Isabel Schramm, Katharina Koch und Max Aigner), University of Applied Sciences Frankfurt (Julia Ackermann, Khaled Al Sharif, Matthias Büdinger, Hazal Demirtas, Miral Diab, Philip Dzewas, Julian Glunde, Laura Herzog, Ali Kazemi, Sebastian Kiel, Samantha Martinek, Nicklas Nordquist, Carolin Riffel, Donghwi Shin, Banu Yilmaz und Maren Harnack), Melanie Herber, Wildgarten – Abenteuerspielplatz, Steffen Kleebach, Bewohner*innen Henry und Emma Budge-Stiftung (Myke Findeklee, Ernst-Dietrich Haberland, Heide Lauterbach, Sofia Mann, Renate Rauch, Ute Karen Voigt), Anna Pekala, Kulturkreis Westhausen, BDA Frankfurt (Bund Deutscher Architekten), Harald Etzemüller, Karla Dillmann, Katrin Dillmann, Judith Rosenthal und Sophia Edschmid.

Zur Partizipation im Historischen Museum Frankfurt
Partizipation ist ein Leitgedanke des Historischen Museums Frankfurt. Das HMF entwickelte sich vom Fachmuseum für Geschichte zu einem Museum für die Stadtgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Frankfurt ist eine hochgradig von Diversität geprägte Stadt. Wie können Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung und Bildung angesprochen werden? Wie kann das Museum für alle Frankfurter*innen da sein, auch für die, deren Geschichte sich nicht nur hier, sondern in vielen Teilen der Welt abspielt? In „Frankfurt Jetzt!“ werden aktive Mitgestaltung und Teilhabe durch partizipative Angebote ermöglicht. Wie lässt sich eine Stadt erfassen? Was macht Frankfurt aus? Und wer ist ein*e Stadt-Expert*in? In „Frankfurt Jetzt!“ arbeitet das Museum auf der Grundlage einer geteilten Expertise und lädt alle 750.000 Frankfurt-Expert*innen ein, die Stadt der Gegenwart zu erfassen und zu beschreiben. In den partizipativen Prozess bringt das Museumsteam die kuratorische und organisatorische Expertise ein. Das Stadtlabor-Team strukturiert und moderiert den Prozess und berät die jeweiligen Co-Kurator*innen dabei, ihre Ideen professionell und ansprechend umzusetzen. Sie wiederum sind die Expert*innen für die Stadt und bringen ihr Wissen über die Stadt bzw. ihre Lebenswelt ein.
Die „Stadtlabor unterwegs-Ausstellungen“ sind das prominenteste partizipative Format des Museums. Seit 2011 sind insgesamt zwölf Ausstellungen entstanden. Die Ausstellung „Wie wohnen die Leute? – Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen“ ist die 13. Stadtlabor-Ausstellung. Der Ausstellungsraum „Frankfurt Jetzt!“ auf Ebene 3 im neuen Ausstellungshaus bietet eine wandelbare Präsentationsfläche für die Ergebnisse und Erkenntnisse dieser partizipativen Prozesse.

Führungen durch die Ausstellung
Mi, 5.6., um 19 Uhr
Mit Pascal Heß
Mi, 19.6., um 19 Uhr
Mit Aleksandra Sajnikova
Mi, 3.7., um 19 Uhr
Mit Pascal Heß
Sa, 13.7., um 15 Uhr
Mit Roman Schumilow
Mi, 31.7., um 19 Uhr
Mit Pascal Heß
Sa, 10.8., um 15 Uhr
Mit Simone Arians
Mi, 14.8., um 19 Uhr
Mit Pascal Heß
Do, 29.8., um 14.30 Uhr

Stadtgespräch 65plus
Mit Pascal Heß
Treffpunkt: Kassenfoyer
Eintritt: 8€ / 4€ + 3€ Führungsgebühr
Dauer: 60 bis 90 Minuten
Für die Führung ist eine Anmeldung beim Besucherservice des HMF erforderlich:
Information und Anmeldung
Susanne Angetter
Mo – Fr 10.00 – 16.00 Uhr
Tel. +49 (0)69-212-35154
E-Mail: besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Kuratorinnenführungen
Sa, 15.6., um 15 Uhr
Mit Katharina Böttger und Stadtlaborant*innen
Mi, 17.7., um 19 Uhr
Mit Katharina Böttger und Stadtlaborant*innen

Treffpunkt: Kassenfoyer
Eintritt: 8€ / 4€ + 6€ Führungsgebühr
Dauer: 60 bis 90 Minuten
Für die Führung ist eine Anmeldung beim Besucherservice des HMF erforderlich:
Information und Anmeldung
Susanne Angetter
Mo – Fr 10.00 – 16.00 Uhr
Tel. +49 (0)69-212-35154
E-Mail: besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Finissage
So, 13. Oktober, 16:00 Uhr
Wie wohnen die Leute?
Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen
Neue Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt
16. Mai bis 13. Oktober 2019
Frankfurt Jetzt!
Ausstellungshaus, Ebene 3

Führungen und Rahmenprogramm
historisches-museum-frankfurt.de/stadtlabor/wie-wohnen-die-leute Besucherservice und Führungsanfragen
Mo – Fr 10 – 16 Uhr
Tel.: 069 212 35154, besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Weitere Informationen
Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main
www.historisches-museum-frankfurt.de

Vergessen, Erinnern, Nichtvergessenkönnen Tagung „Dynamiken des Erinnerns und Vergessens“ im Historischen Museum über die Hintergründe des Gedächtnisses

Phrenologische Modelle einer Lady und eines Gentlemen nach Johann Kaspar Spurzheim (1776 – 1832, O’Neil & Son, Edinburgh, 1824 Gips. Staatl. Museum für Völkerkunde Berlin. Der Anatom Franz Joseph Gall führte den Charakter eines Menschen auf die Schädelform zurück und teilte das Gehirn in verschiedene Areale der jeweils vermuteten Funktionen ein. Ausstellungs-Insel 4 „Das Vergessen erforschen“ © Foto: Diether v. Goddenthow
Phrenologische Modelle einer Lady und eines Gentlemen nach Johann Kaspar Spurzheim (1776 – 1832, O’Neil & Son, Edinburgh, 1824 Gips. Staatl. Museum für Völkerkunde Berlin. Der Anatom Franz Joseph Gall führte den Charakter eines Menschen auf die Schädelform zurück und teilte das Gehirn in verschiedene Areale der jeweils vermuteten Funktionen ein. Ausstellungs-Insel 4 „Das Vergessen erforschen“ © Foto: Diether v. Goddenthow

FRANKFURT. Vergessen: Zuweilen erwünscht, oft gefürchtet, gehört es zur Natur des menschlichen Gedächtnisses, dass nicht alles Vergangene gespeichert wird. Die Ausstellung „Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ (noch bis 14. Juli) im Historischen Museum macht die vielfältigen Dimensionen des Vergessens sichtbar und verzahnt Erkenntnisse aus ganz unterschiedlichen Disziplinen miteinander. Als Beiprogramm zur Ausstellung findet

am Donnerstag, 23., und Freitag, 24. Mai
im Historischen Museum Frankfurt
Saalhof 1 (ehemals Fahrtor 2), 60311 Frankfurt am Main

in Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Institut und Wissenschaftlern der Goethe-Universität eine öffentliche Tagung statt, die die Themenfelder Gedächtnis, Biografie, Identität, kultureller Wandel von Erinnern und Vergessen, Vergessen als Verdrängen des Vergangenen und Trauma beleuchtet. Der Titel der Tagung lautet „Dynamiken des Erinnerns und Vergessens“.

30-minütige, allgemeinverständliche Vorträge wechseln sich mit moderierten Gesprächen ab. So spricht Prof. Tilmann Habermas (Goethe-Uni) über die Veränderung von Lebensgeschichten im Laufe des Lebens. Prof. Vera King, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts und Inhaberin einer Professur für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Uni, wird sich in ihrem Vortrag mit „Vergessen und Bewahren in der digital beschleunigten Gesellschaft“ befassen. Die moderne Mediengesellschaft habe ein durchaus ambivalentes Verhältnis zum Vergessen, so King: Einerseits „vergisst“ das Internet nichts, was die Frage nach dem Recht auf Vergessen aufwerfe. Andererseits habe die mediale Beschleunigung weitreichende Folgen für das menschliche Gedächtnis, der mit Zeitaufwand verbundene Erwerb von Erfahrungswissen werde immer schwieriger.

Prof. Vera King war Mitglied im wissenschaftlichen Beratungsgremium zur Ausstellung, ebenso wie die Kulturwissenschaftlerin Prof. Astrid Erll (Goethe-Uni, Fachbereich 10 / „The Frankfurt Memory Studies Platform“), die über den Zusammenhang von Medien und Vergessen am Beispiel von „Homer“ vortragen wird. Weitere Vorträge befassen sich, u.a. aus kultur- und psychoanalytischer Sicht, mit verschiedenen Bedingungen und Funktionen des Vergessens bis hin zu Traumafolgen und kollektivem „Vergessen“.

Im Michael Imhof Verlag ist eine Begleitpublikation erschienen, die Themen von Ausstellung und Tagung vertieft. Das Buch besteht aus 20 Beiträgen u. a. von Christine Abbt, Aleida Assmann, Astrid Erll, Kurt Grünberg, Ulrike Jureit, Vera King, Jan Lohl, Sharon Macdonald, Hannah Monyer, Bettina Rudhof, Heinz Weiß.

Die Tagung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Ausgewählte Punkte aus dem Programm:

Donnerstag, 23. Mai
9:30 Uhr
Vergessen und Erinnerung. Zur Bedeutung eines Bindeworts
Key Note mit anschließender Podiumsdiskussion
Prof. Christine Abbt, Universität Luzern

10:45 Uhr
Von Mnemosyne zum NMDA-Rezeptor
Prof. Dr. Hannah Monyer, Universität Heidelberg und Deutsches Krebsforschungsinstitut Heidelberg

11:20 Uhr
Erinnern, wie es (zu) uns passt. Die Veränderung der Lebensgeschichten im Laufe des Lebens
Prof. Dr. Tilmann Habermas, Goethe-Universität
Anschließend: Hannah Monyer und Tilmann Habermas

14:10 Uhr
Immer schneller, immer mehr… Vergessen und Bewahren in der digital beschleunigten Gegenwart
Prof. Dr. Vera King, Goethe-Universität, Sigmund-Freud-Institut

14:40 Uhr
Langsam und ungewiss? Homer vergessen und bewahren von der Antike bis zur Gegenwart
Prof. Dr. Astrid Erll, Goethe-Universität
Anschließend: Vera King und Astrid Erll im Gespräch

19:00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag: Räumliche und zeitliche Bilder des Erinnerns und Vergessens
Prof. Dr. Aleida Assmann, Anglistin, Literatur- und Kulturwissenschaften

 

Freitag, 24. Mai

9:30
Erinnern, hin und zurück
Key Note mit Publikumsdiskussion
Jochen Gerz, Künstler

11 Uhr
Vergessen und Erinnern im Historischen Museum
Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt

14:40 Uhr
Langsam und ungewiss? Homer vergessen und bewahren von der Antike bis zur Gegenwart
Prof. Dr. Astrid Erll, Goethe-Universität Frankfurt
Anschließend im Gespräch: Vera King und Astrid Erll

16 Uhr
Heimat im Vergessen
Dr. Verena Boos, Autorin

16:45 Uhr
Im Gespräch: Christine Abbt und Aleida Assmann

19 Uhr
Räumliche und zeitliche Bilder des Erinnerns und
Vergessens
Öffentlicher Abendvortrag
Prof. Dr. Aleida Assmann Anglistin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin

11:40 Uhr
„Wer bin ich?“
Identitätsbrüche und die Auslöschung der eigenen
Vergangenheit infolge eines massiven Traumas
Ilany Kogan, Psychoanalytikerin

14:10 Uhr
The need to remember and the need to forget.
Verarbeitung von Trauma und Verlust bei Kindern mit Bindungsabbrüchen
Prof. Dr. Patrick Meurs, Universität Kassel u. Sigmund-Freud-Institut Frankfurt

14:40 Uhr An Abschiede erinnere ich mich
Jenny Erpenbeck, Autorin

15:45 Uhr
Vergessen und Nicht-Vergessen-Können. Eine psychoanalytische Perspektive
Prof. Dr. Heinz Weiß, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart und Sigmund-Freud-Institut Frankfurt

16.30
Im Gespräch: Jenny Erpenbeck, Jochen Gerz und Heinz Weiß

Die Moderation übernimmt die HR-Journalistin Insa Wilke. Die Tagung endet um 17:30 Uhr. Während der Tagung besteht auch Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung.

Anmeldung bis 15. Mai unter david.barth@stadt-frankfurt.de. Die Tagungsgebühr beträgt 80 bzw. 40 Euro (inklusive Lunch und Kaffeepausen) und ist an der Museumskasse zu bezahlen. Der Abendvortrag kostet für Nichttagungsteilnehmer 4 bzw. 2 Euro.

„Glücklich ist, wer vergißt …“ – Historisches Museum Frankfurt stellt vom 7.3. – 14. 07.2019 das „Vergessen und Erinnern“ in einen interdisziplinären Ausstellungs-Fokus

Phrenologische Modelle einer Lady und eines Gentlemen nach Johann Kaspar Spurzheim (1776 - 1832, O'Neil & Son, Edinburgh, 1824 Gips. Staatl. Museum für Völkerkunde Berlin. Der Anatom Franz Joseph Gall führte den Charakter eines Menschen auf die Schädelform zurück und teilte das Gehirn in verschiedene Areale der jeweils vermuteten Funktionen ein. Ausstellungs-Insel 4 "Das Vergessen erforschen"  © Foto: Diether v. Goddenthow
Phrenologische Modelle einer Lady und eines Gentlemen nach Johann Kaspar Spurzheim (1776 – 1832, O’Neil & Son, Edinburgh, 1824 Gips. Staatl. Museum für Völkerkunde Berlin. Der Anatom Franz Joseph Gall führte den Charakter eines Menschen auf die Schädelform zurück und teilte das Gehirn in verschiedene Areale der jeweils vermuteten Funktionen ein. Ausstellungs-Insel 4 „Das Vergessen erforschen“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit der von heute an bis zum 14. Juli 2019 geöffneten Wechselausstellung „Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ beschreitet das Historische Museum Frankfurt spannendes Neuland: Auf rund 900 m² und anhand von 400 Exponaten und Kunstwerken von über 50 Leihgebern aus aller Welt durchleuchtet die Ausstellung nicht nur die vielfältigen Formen individuellen und kollektiven Vergessens. Es baut dabei auch gekonnt eine Brücke zwischen Kunst und Erkenntnissen aus Sozialwissenschaft, Kulturgeschichte, Neurowissenschaft und Psychoanalyse, die sich dem hochaktuellen Thema interdisziplinär aus unterschiedlichen Perspektiven nähern und es untersuchen und zu zahlreichen Beteiligungsprojekten bis hin zur öffentlichen Tagung „Dynamiken des Erinnerns und Vergessens“ (23. U. 25.05.2019) einladen.

Erinnern über Generationsgrenzen hinweg - hier am multimedialen Bildschirm in der Themen-Insel 2 "Unser Vergessen - unsere Identität". © Foto: Diether v. Goddenthow
Erinnern über Generationsgrenzen hinweg – hier am multimedialen Bildschirm in der Themen-Insel 2 „Unser Vergessen – unsere Identität“. © Foto: Diether v. Goddenthow

Jeder kennt „Vergessen“, tut es selbst, und findet es vor allem eher lästig denn hilfreich, manchmal aber auch, befreiend. Vergessen ist, so zeigt diese Ausstellung auf wunderbare Weise, viel mehr als bloß das Versagen von Erinnerung. Vergessen funktioniert auch als notwendiger Filter des Gedächtnisses. Wir vergessen ständig, ohne es zu bemerken, und es gibt individuell und gesellschaftlich viele Gründe, weshalb wir vergessen, verdrängen, vergessen wollen, uns dazu ermahnen, nicht zu vergessen, oder nicht vergessen können. Und so beginnt unter den positiven Aspekten des von unangenehmen Gedanken bis hin zu traumatischen Ängsten erlösenden Vergessens die Ausstellung zunächst einmal mit dem Aphorismus: „Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist.“ Mit dieser eher trivial anmutenden, aber bewusst niedrigschwelligen gehaltenen Eingangsbotschaft wollen die Veranstalter deutlich machen, dass in ihrer Ausstellung das Vergessen weniger als Defekt oder gar Störung, sondern auch als etwas Positives und mitunter Heilbares vermittelt wird. Was, wann, wie, von wem, wozu und warum wird etwas vergessen oder soll vergessen werden? Und welche Rolle spielt dabei das Museum? Das sind die zentralen Fragen der Ausstellung, denen sie sich in folgenden 8 Themeninseln nähert, die neben gezeigten Exponaten und multimedialen Möglichkeiten mit zeitgenössischen Kunstwerken durchflochten sind. Diese wurden teilweise extra für die Ausstellung angefertigt.

Insel 1 Das Vergessen erinnern

Spätestens seit Johann Wolfgang v. Goethes Zettelkasten sind diese Symbol für die Sammlung wichtiger Ideen und Gedanken, um diese vor dem raschen Vergessen- und Übersehenwerden und als mögliche Mosaiksteinchen größerer Gedanken und Werke zu bewahren. Präsentiert wird in der Ausstellung der berühmte Zettelkasten des Soziologen Niklas Luhmanns.© Foto: Diether v. Goddenthow
Spätestens seit Johann Wolfgang v. Goethes Zettelkasten sind diese Symbol für die Sammlung wichtiger Ideen und Gedanken, um diese vor dem raschen Vergessen- und Übersehenwerden und als mögliche Mosaiksteinchen größerer Gedanken und Werke zu bewahren. Präsentiert wird in der Ausstellung der berühmte Zettelkasten des Soziologen Niklas Luhmanns.© Foto: Diether v. Goddenthow

Das Thema Das Vergessen erinnern setzt an unserer Alltagserfahrung an, sich darüber zu ärgern, etwas vergessen zu haben. Mit Kalendern und Notizen haben wir kulturelle Techniken des Erinnerns entwickelt, weil wir fest mit dem Vergessen rechnen.

Insel 2 Vergessen – unsere Identität
Unser Vergessen – unsere Identität nimmt unser autobiografisches Gedächtnis unter die Lupe. Es ist wählerisch. Nicht alles, was in unserem Leben passiert, bleibt haften. Selektivität und Priorisierung kommt große Bedeutung zu. Fotografien sind ein wichtiges Medium, um unsere Biografie zu entwerfen. Heute erleben wir eine Flut von digitalen Bildern. Betont werden Erfahrungen, die uns wichtig sind und Anerkennung verschaffen. Andere „vergessen“ wir, weil sie unserem derzeitigen Selbstbild oder der gesellschaftlichen Norm nicht entsprechen.

Insel 3 Vergessen im Wandel

Einen besonders raschen Wandel des Erinnerns und somit des Vergessens brachte die industrielle Revolution zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit den  zahlreichen neuen Möglichkeiten des externen Speicherns und aufgrund zahlreicher neuer Produkte, wodurch sich die Erfahrungen und Prioritäten der Menschen veränderten. Am Beispiel der Fotografie und der damit verbundenen Aufnahme und Speichermedien bis hin zur Digitalfotografie wird der Wandel des "Vergessens und Erinnerns" bildhaft aufgezeigt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Einen besonders raschen Wandel des Erinnerns und somit des Vergessens brachte die industrielle Revolution zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit den zahlreichen neuen Möglichkeiten des externen Speicherns und aufgrund zahlreicher neuer Produkte, wodurch sich die Erfahrungen und Prioritäten der Menschen veränderten. Am Beispiel der Fotografie und der damit verbundenen Aufnahme und Speichermedien bis hin zur Digitalfotografie wird der Wandel des „Vergessens und Erinnerns“ bildhaft aufgezeigt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Vergessen im Wandel beschäftigt sich mit unserer Erfahrung, dass Erinnerungen oft an Gegenständen haften. Die Industrialisierung beschleunigt seit 200 Jahren den Wandel und den massenhaften Austausch von Alltagsgegenständen, so dass sich die Art und Weise verändert, in der sie als Erinnerungsmedien fungieren. Ergänzt werden die Ausstellungsstücke u.a. durch die Kunstwerke Christian Boltanskis, Tacita Deans und Hans-Peter Feldmanns, die mit gefundenen Fotografien ihnen unbekannter Menschen neue Alben anlegten. So verschiebt sich die Bedeutung der Fotografien vom persönlichen Erinnerungs- und Kommunikationsmedium zum Medium der Reflexion: Sie werden zu Zeichen einer kollektiven Erinnerungskultur und zum Anlass für die Erinnerung an Eigenes durch die Betrachtung des Fremden.

Insel 4 Erforschung des Vergessens

Der Frankfurter deutsch-jüdische Nervenarzt Ludwig Edinger (1855 – 1918), war einer der ersten, der davon überzeugt war, dass das menschliche Bewusstein im Menschen selbst, nämlich in seinem Gehirn die Grundlage hatte. Seine neuroanatomischen, physiologischen und Verhaltensstudien begann er mit einfachsten Wirbeltieren und arbeitete sich entlang der evolutionär aufsteigenden Reihe der Tiere empor. Porträtausschnitt von 1909 (Lovis Corinth 1858 – 1925), Öl auf Leinwand HMF © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Frankfurter deutsch-jüdische Nervenarzt Ludwig Edinger (1855 – 1918), war einer der ersten, der davon überzeugt war, dass das menschliche Bewusstein im Menschen selbst, nämlich in seinem Gehirn die Grundlage hatte. Seine neuroanatomischen, physiologischen und Verhaltensstudien begann er mit einfachsten Wirbeltieren und arbeitete sich entlang der evolutionär aufsteigenden Reihe der Tiere empor. Porträtausschnitt von 1909 (Lovis Corinth 1858 – 1925), Öl auf Leinwand HMF © Foto: Diether v. Goddenthow

Wie Vergessen und Erinnern im Menschen funktionieren, wird seit dem 19. Jahrhundert intensiv erforscht. Instrumente und Modelle zeigen diese Ursprünge bis hin zur heutigen Vergessensforschung, die seit den 1980er Jahren dank bis dahin unbekannter Möglichkeiten, dem Gehirn bei der Arbeit zuzusehen, revolutioniert wurde. Der neurowissenschaftlichen und psychologischen Erforschung des Vergessens widmet sich der Bereich Das Vergessen erforschen.

Insel 5 Angst vor dem Vergessen

Man nimmt an, dass Eiweiße, sogenannte Plaques, sich außerhalb der Nervenzelle ablagern. Tau-Fibrillen, die normalerweise Nährstoffe zwischen den Nervenzellen transportieren, sind bei der Alzheimer-Demenz verändert. In der Ausstellung kann man auf dreidimensionale Entdeckungsreise gehen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Man nimmt an, dass Eiweiße, sogenannte Plaques, sich außerhalb der Nervenzelle ablagern. Tau-Fibrillen, die normalerweise Nährstoffe zwischen den Nervenzellen transportieren, sind bei der Alzheimer-Demenz verändert. In der Ausstellung kann man auf dreidimensionale Entdeckungsreise gehen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Themeninsel Angst vor dem Vergessen befasst sich mit Demenz. Der in Frankfurt praktizierende Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer beschrieb die bald nach ihm benannte Alzheimer-Demenz erstmals zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Er wies als angenommene Ursache der Hirnerkrankung Proteinablagerungen und Neurofibrillen 1906 im Gehirn von Auguste Deter (1850 – 1906), deren Krankenakte ebenfalls in der Ausstellung gezeigt wird.  Trotz intensiver Forschungen sind bis heute weder die tatsächlichen Ursachen und Entstehungsprozesse noch hinreichend wirksame medikamentöse oder anderweitige Heilungsmöglichkeiten bekannt.

Der Kuscheltier-Roboter Paro reagiert auf Berührungen, Lichteinflüsse und Ansprache und weckt Gefühle im Menschen, weswegen er für therapeutische Zwecke bei Menschen mit Demenz eingesetzt wird, da bei Betroffenen die Emotionen am längsten erhalten bleiben. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Kuscheltier-Roboter Paro reagiert auf Berührungen, Lichteinflüsse und Ansprache und weckt Gefühle im Menschen, weswegen er für therapeutische Zwecke bei Menschen mit Demenz eingesetzt wird, da bei Betroffenen die Emotionen am längsten erhalten bleiben. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung hebt psychosoziale Behandlungskonzepte hervor, die die Persönlichkeit demenziell veränderter Menschen ins Zentrum stellen. Hilfsmittel wie der Roboter Paro gehen auf diesen Ansatz zurück und können dabei helfen, die Kommunikation zwischen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen unterstützen.
Die Kurator*innen betrachten das Thema Demenz nicht losgelöst von den Betroffenen, sondern beziehen sie ein. In einem Pilotprojekt („Reminiszenzprojekt“) brachte das Historische Museum zusammen mit dem Bürgerinstitut Frankfurt e.V. in Vorbereitung auf diese Ausstellung Menschen mit leichter Demenz in kleinen Gruppen zusammen. Alltagsgegenstände des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Jungen Museums boten dabei Anknüpfungspunkte für Erinnerungen und Erzählungen der eigenen Geschichte.

Insel 6 Vergangenheit verleugnen

Dieses Porträt Adolf Hitlers von Johann Vicent Cissarz (1872 - 1942) hing bis 1945 im Frankfurter Römer und wurde nach dem Kriege zur Vertuschung übermalt. Die Ironie: Wie hätte Hitler, der die abstrakte Malerei ja so hasste, wohl reagiert, sich so "entartet" zu sehen? © Foto: Diether v. Goddenthow
Dieses Porträt Adolf Hitlers von Johann Vicent Cissarz (1872 – 1942) hing bis 1945 im Frankfurter Römer und wurde nach dem Kriege zur Vertuschung übermalt. Die Ironie: Wie hätte Hitler, der die abstrakte Malerei ja so hasste, wohl reagiert, sich so „entartet“ zu sehen? © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Themenabschnitt  „Vergangenheit verleugnen“ konzentriert sich auf das Verdrängen der Schuld an den Gräueltaten und der eigenen Beteiligung am Nationalsozialismus im Deutschland der 1950er und 1960er Jahre: Nationales Selbstmitleid, der Wiederaufbau der zerstörten Städte und das westdeutsche „Wirtschaftswunder“ förderten, so die Veranstalter, die Haltung des Verdrängens und Verleugnens bei den nichtverfolgten Deutschen.

Insel 7 Nicht-Vergessen-Können
Der Bereich Nicht-Vergessen-Können widmet sich existenzbedrohenden Erfahrungen, die sich nicht in die Persönlichkeit integrieren lassen. Extrem traumatische Erfahrungen können in anderen Zusammenhängen wieder auftauchen. Sie können sich auch auf soziale Beziehungen niederschlagen und sich auf nachfolgende Generationen übertragen, auch wenn die Betroffenen die Ereignisse nicht ansprechen. Objekte dieses Ausstellungsteils sind Zeugnisse unterschiedlichster Traumata, die unter anderem auf Verarbeitungsstrategien hinweisen.

Insel 8 Das Vergessen überwinden?
Das abschließende Kapitel der Ausstellung Das Vergessen überwinden? stellt individuelle und gesellschaftliche Formen des Vergessens und Erinnerns vor. Museen sammeln mit Blick in die Zukunft: Das, was nicht mehr benutzt wird oder als kulturelles Erbe angesehen wird, soll bewahrt werden. Dabei vergisst das Museum selbst: Für seine Sammlungen trifft es eine Auswahl und bewertet damit, was in Zukunft erhalten werden soll. Bei der Vielzahl von Objekten können selbst in den Sammlungsdepots Dinge in Vergessenheit geraten. Wie lässt sich Erinnerung an unser eigenes Leben für die Zukunft bewahren? Ein ausgestelltes Konvolut besteht aus 200 Archivkartons mit persönlichen Aufzeichnungen und Drucksachen, die auf das Geburtsjahr eines Sammlers im Jahre 1939 zurückgehen. Was wird damit festgehalten? Kann das Sammeln wirklich das Vergessen überwinden?

Die Rolle der Kunst
Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Einbeziehung zeitgenössischer Kunst. 22 Künstler-*innen untersuchen in ihren Arbeiten dynamische Prozesse, unterschiedliche Arten sowie Bedingungen und Funktionen des Vergessens und Erinnerns. Jochen Gerz weist in einer Foto-Text-Arbeit auf Widersprüche zwischen eigener Erinnerung und fotografischer Abbildung des Erlebten hin. Christian Boltanski, Tacita Dean und Hans-Peter Feldmann legen mit gefundenen Fotografien ihnen unbekannter Menschen neue Alben an. Sigrid Sigurdsson verfolgte als junge Künstlerin den Frankfurter Auschwitz-Prozess. Jahrzehnte später befasst sie sich in ihrem Kunstwerk „Redepausen im Auschwitz-Prozess“ mit dem Verschweigen der Täter.
Einige Kunstwerke wurden für die Ausstellung in Auftrag gegeben: Maya Schweizer sucht in ihrem Film über das Vergessen nach einer Bildsprache, die der Plastizität unseres Gedächtnisses entspricht. Jana Müller fand eine künstlerische Form für ein vergessenes Archiv des Edinger-Instituts für Neurologie in Frankfurt, in dem Hunderte von Porträts für eine nie erschienene Enzyklopädie der Hirnforschung gesammelt wurden. Das HMF lud Mark Dion ein, sich mit den vergessenen Objekten des Museums zu befassen. Bei der Sichtung zeigten sich unterschiedliche Formen des Vergessens im Museum: Büsten unbekannter Personen; Alltagsgegenstände, deren Funktion kaum noch jemand erinnert; Dinge, die in der langen Geschichte des Museums nie ausgestellt wurden; Objekte, deren Herkunft unbekannt ist. Viele dieser Fundstücke werden in einer großen Installation „Depository of Indeterminate Objects“ (Aufbewahrungsort unbestimmter Dinge) gezeigt. Die Klangkünstlerin Christina Kubisch schlägt mit ihren für die Ausstellung entwickelten “Electronical Walks“ eine Route vom Historischen Museum in die neue Frankfurter Altstadt vor, die wie eine Komposition zu verstehen ist. Mit Kopfhörern werden die im Stadtraum vorhandenen elektronischen Wellen hörbar. Wir wissen, dass wir von elektromagnetischen Feldern umgeben sind, da wir sie aber weder sehen noch hören, fällt es uns leicht, sie zu vergessen. Vergessen beginnt, wie wir hier feststellen können, bereits mit unserer Wahrnehmung. Was wollen wir für die Zukunft aufbewahren? Was möchten wir vergessen? Beide Fragen müssen immer wieder neu beantwortet werden, sie werden Einzelne und die Gesellschaft immer begleiten.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Kader Attia, Christian Boltanski, Jake & Dinos Chapman, Daniela Comani, Tacita Dean, Mark Dion, Sam Durant, Hans-Peter Feldmann, Robert Filliou, Jochen Gerz, Martin Honert, Ilya Kabakov, Christina Kubisch, Boris Lurie, Arwed Messmer, Jana Müller, Adrian Paci, Régis Perray, Maya Schweizer, Tino Sehgal, Sigrid Sigurdsson

Begleitpublikation
Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern Für das Historisches Museum Frankfurt herausgegeben von Jasmin Alley und Kurt Wettengl (Schriften des Historischen Museums Frankfurt, herausgegeben von Jan Gerchow, Band 37), 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Michael Imhof Verlag, Petersberg/Fula, 2019, 30,- €
Wie die große Ausstellung im HMF nähert sich die Publikation dem Vergessen. Autoren unterschiedlicher Disziplinen schreiben Beiträge aus den Bereichen Geschichte, Neurowissenschaften, Psychoanalyse und zeitgenössische Kunst.
Das Buch besteht aus 20 Beiträgen u. a. von Christine Abbt, Aleida Assmann, Astrid Erll, Kurt Grünberg, Ulrike Jureit, Vera King, Jan Lohl, Sharon Macdonald, Hannah Monyer, Bettina Rudhof, Heinz Weiß und enthält zahlreiche Abbildungen von Objekten und Werken internationaler Künstler*innen.

Veranstaltungen

Öffentliche Tagung
Dynamiken des Erinnerns und Vergessens
Historisches Museum Frankfurt in Kooperation mit dem Sigmund Freud-Institut Frankfurt 23. und 24. Mai 2019, Historisches Museum Frankfurt, Leopold Sonnemann-Saal.
Die Ausstellung „Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ macht die vielfältigen Dimensionen des Vergessens sichtbar und verzahnt Erkenntnisse aus Sozialwissenschaft, Kulturgeschichte, Neurowissenschaft, Psychoanalyse und Kunst miteinander. Die Tagung vertieft die Themenfelder Gedächtnis – Biografie – Identität, kultureller Wandel von Erinnern und Vergessen, Vergessen als Verdrängen des Vergangenen und Trauma im Dialog der Expert*innen. Vorträge von 30 Minuten und moderierte Gespräche wechseln sich ab.
Mit: Christine Abbt, Aleida Assmann, Verena Boos, Astrid Erll, Jenny Erpenbeck, Jochen Gerz, Jan Gerchow, Tilmann Habermas, Vera King, Ilany Kogan, Patrick Meurs, Hannah Monyer, Heinz Weiß
Moderation: Insa Wilke
Konzeption: Jasmin Alley, Kurt Wettengl
Anmeldungen bis zum 15. Mai unter: david.barth@stadt-frankfurt.de
Teilnahmegebühr:
80 € / 40 € inklusive Lunch und Kaffeepausen vor Ort an der Museumskasse zu bezahlen.

WEISSE FLECKEN
Jugendperformanceprojekt von Philipp Boos und Martina Droste
Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt

Vergessen ist normal. Wir alle tun es. Ständig. Es geschieht lautlos und unspektakulär. Erinnern ist dagegen die Ausnahme. Eine Auflehnung gegen den Lauf der Zeit. Gemeinsam sind sie notwendige Komponenten des Lernens, des Begreifens, der Verarbeitung von Erfahrungen. Anhand der Ausstellung »Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern« befragen Jugendliche diese Vorgänge: Wie funktioniert Erinnern? Was sind wichtige Erinnerungen? Welche Erinnerungen verbinden und welche trennen uns? Was muss vergessen werden und was fehlt? Welchen Wert haben Dokumente der Erinnerung im digitalen Zeitalter, in dem Speicherkapazitäten ins Unendliche anwachsen? Die persönlichen Perspektiven der Jugendlichen eröffnen dem Publikum einen gemeinsamen Gedankenraum und die Möglichkeit neu und anders auf die Werke der Ausstellung zu blicken. Gefördert von der Beate Heraeus Foundation.

Regie und Konzept Philipp Boos und Martina Droste,
Kostüme Joanna Paskiewicz
Mit Mitgliedern des Jugendclubs
Termine: Am 26.4. (Premiere); 30.4., 14.5 und 14.6.
Vorverkauf ab 10.3. unter: www.schauspielfrankfurt.de

Filmprogramm
Begleitend zur Ausstellung zeigt das Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums eine Filmreihe. Der Film dient in besonderem Maße als Medium der Erinnerung und als Instrument gegen das Vergessen. Zu sehen sind Filme zum Thema Gedächtnisforschung, zum Thema Gedächtnisverlust am Beispiel von Demenzerkrankungen oder Amnesie sowie Filme zum Trauma und gegen das kollektive wie individuelle Vergessen. Gezeigt werden Spiel- und Dokumentarfilme. Beginn jeweils um 18 Uhr.

Filmhighlights
Auf der Suche nach dem Gedächtnis (DE/AU 2009. R: Petra Seeger) Dokumentarfilm.
Porträt des Hirnforschers und Nobelpreisträgers Eric Kandel. Petra Seeger zeichnet die Spuren von Kandels Leben nach und besucht mit ihm die Orte seiner Kindheit. Kandel erinnert sich und seine Erinnerungen werden auf der Leinwand lebendig.

Vergiss mein nicht (DE 2012. R: David Sieveking) Dokumentarfilm. Wie meine Mutter ihr Gedächtnis verlor und meine Eltern die Liebe neu entdeckten.

The death and life of Otto Bloom (AUS 2016. R: Cris Jones) Mockumentary. Otto Bloom erlebt die Zeit rückwärts und kann sich nur an die Zukunft erinnern. Er weiß, was passieren wird, doch er vergisst es, sobald es geschehen ist.

Walz with Baschir (IL/FR/DE 2008. Ari Folmann) Animierter Dokumentarfilm. Eine Reise in eine verdrängte Vergangenheit – in die Jugendkultur der 1980er Jahre und das West Beirut während des ersten Libanonkrieges.

Weitere Informationen unter
www.dff.film

Vorträge im Leopold Sonnemann-Saal des HMF

8.5.2019, 18 Uhr, Historisches Museum Frankfurt
Sonderausstellungsbereich
Das Reminiszenz-Projekt des Historischen Museums und des Bürgerinstituts
Bürger-Institut e.V. und Historisches Museum Frankfurt
Eintritt 10€ / 5€

12.6.2019, 18 Uhr, Historisches Museum Frankfurt
„Das habe ich getan …“ Erinnern und Vergessen (machen) in der Frankfurter
Geschichte der Hirnforschung
Dr. Gerald Kreft, Neurologisches Institut (Edinger-Institut), Frankfurt
Eintritt 4€ / 2€

3.7.2019, 18 Uhr, Historisches Museum Frankfurt
Warum tun wir uns mit der Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten
so schwer?
Prof. Dr. Walter E. Müller, ehem. Direktor des Pharmakologischen Instituts für
Naturwissenschaftler am Biozentrum der Goethe-Universität Frankfurt
Eintritt 4€ / 2€

Termin wird noch bekannt gegeben!
„Ab dem 5. Februar 1980 erinnere ich mich an alles. Das war ein Dienstag.“ – Über ein
Leben ohne Vergessen, in englischer Sprache
Jill Price (Los Angeles, U.S.A.)
Eintritt 10€ / 5€

Führungen
Öffentliche Führungen
Jeden Sonntag, 12 Uhr im HMF
Weitere Termine und Kurator*innenführungen
im Veranstaltungskalender
Zur Ausstellung gibt es einen Multimediaguide
Ausleihgebühr 3 €, oder online:
https://mmg.historisches-museum-frankfurt.de/xpedeo/

Besucherservice und Führungsanfragen
Mo – Fr 10 – 16 Uhr
Tel.: 069 212 35154
besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern
Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt
7. März bis 14. Juli 2019
Di – Fr 10 – 18 Uhr
Mi 10 – 21 Uhr
Sa + So 11 – 19 Uhr
Eintritt Dauerausstellung: 8€ / 4€
Eintritt Wechselausstellung 10€ / 6€
Eintritt Museum Vollpreis 12€ / 6€

Ort:
Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
Tel ++49 (0)69-212-35599
Fax ++49 (0)69-212-30702
E-Mail info@historisches-museum-frankfurt.de

Deutschlands erster Preis „ZukunftsGut“ an Staatsschauspiel Dresden, Platz 2 an Historisches Museum Frankfurt

 Historisches Museum: Das Historische Museum Frankfurt ist der 2. Preisträger von ZukunftsGut 2018. Petra Roth, ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, übergibt gemeinsam mit Klaus-Peter Müller, Stiftungsratsvorsitzender der Commerzbank-Stiftung, die Urkunde an Dr. Jan Gerchow, Museumsdirektor, und Susanne Gessner, Leiterin Vermittlung (Mitte)
Historisches Museum: Das Historische Museum Frankfurt ist der 2. Preisträger von ZukunftsGut 2018. Petra Roth, ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, übergibt gemeinsam mit Klaus-Peter Müller, Stiftungsratsvorsitzender der Commerzbank-Stiftung, die Urkunde an Dr. Jan Gerchow, Museumsdirektor, und Susanne Gessner, Leiterin Vermittlung (Mitte)

Commerzbank-Stiftung zeichnet Staatsschauspiel Dresden mit ZukunftsGut, Deutschlands erstem Preis für institutionelle Kulturvermittlung, aus

● Historisches Museum Frankfurt und Theater Oberhausen auf Plätzen 2 und 3
● Gesamtdotierung auf 80.000 Euro erhöht
● Staatsschauspiel bietet Publikum „Höchstmaß an Beteiligung“, so Stiftungsvorständin Astrid Kießling-Taşkın
● Erstes ZukunftsGut-Symposium: Vermittlungsarbeit entscheidend für Publikumsakzeptanz

Zum ersten Mal vergibt die Commerzbank-Stiftung am 12. September dieses Jahres in Frankfurt ZukunftsGut, Deutschlands ersten Preis für institutionelle Kulturvermittlung. Erster Preisträger der mit insgesamt 80.000 Euro dotierten Auszeichnung ist das Staatsschauspiel Dresden. Es erhält 50.000 Euro, um seine Vermittlungsarbeit strategisch weiterzuentwickeln. Das Historische Museum Frankfurt und das Theater Oberhausen folgen auf den Plätzen 2 und 3. Ihre Leistungen auf dem Gebiet der Vermittlung werden mit 20.000 beziehungsweise 10.000 Euro honoriert.

„Ursprünglich wollten wir nur eine Institution auszeichnen“, sagte Astrid Kießling-Taşkın. Sie ist im Vorstand der Stiftung zuständig für den Bereich Kultur. „Wir haben uns jedoch entschieden, das Preisgeld um ins­gesamt 30.000 Euro für den Zweit- und Drittplatzierten zu erhöhen. Grund ist die Konsequenz, mit der alle drei Häuser Kulturvermittlung wagen“, so Kießling-Taşkın weiter.

Zentrale Voraussetzungen für eine Teilnahme bei ZukunftsGut waren die strukturelle Verankerung und die strategische Ausrichtung von Kulturvermittlung im eigenen Haus. Dies beinhaltet, das Publikum aktiv in die Präsentation von künstlerischem kulturellem Erbe einzubeziehen. Im Bewerbungsaufruf hieß es dazu: „Nur wenn Kultur persönlich erlebbar wird, bewegt sie Menschen.“

„Und hier liegt die Herausforderung für die Kulturinstitutionen“, sagte Birgit Mandel, Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Mitglied im Stiftungsrat der Commerzbank-Stiftung. „Insbesondere in der Zusammenarbeit mit neuen Zielgruppen zeigen sich die verschiedenen Interessen des Publikums. Deshalb sind Institutionen in ihrer ständigen Bereitschaft zur Veränderung gefordert“, sagte Mandel, in deren Händen auch die fachliche Leitung der neunköpfigen Jury von ZukunftsGut liegt.

Insgesamt 125 Kultureinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich beworben. „Dass gleich beim ersten Mal so viele Institutionen mit sehr überzeugenden Vermittlungskonzepten dabei sind, übertrifft unsere Erwartungen. Das gesamte Spektrum der institutionellen Kulturlandschaft ist vertreten. Museen, Theater, Literatur- und Konzerthäuser fühlten sich gleichermaßen angesprochen. Das zeigt, Kulturvermittlung ist genreübergreifend ein Thema mit hoher Priorität“, erläuterte Mandel.

Im Urteil der Jury bewegt sich das Staatsschauspiel Dresden mit seinen Bürgerbühnen am sichersten im Spannungsfeld von Bewahrung und zeitgemäßer Darstellung. „Die Bürgerbühnen bieten dem Publikum ein Höchstmaß an Beteiligung“, sagte Kießling-Taşkın. „Das bringt auch das Theater selbst in Bewegung. Die Impulse von außen verändern den internen Blick auf das kulturelle Erbe und die Arbeit daran. Ein Fluss kommt in Gang, in dem sich das Theater mit der Gesellschaft bewegt und weiterentwickelt“, präzisierte Kießling-Taşkın.

Mit seinem Konzept nimmt das Staatsschauspiel Dresden eine Vorreiterrolle ein. Andere Theater in Deutsch­land haben die Idee der Bürgerbühne bereits aufgegriffen. Mandel führte in ihrer Laudatio aus: „Das Staats­schauspiel ist Erfinder einer eigenen Theatersparte: der Bürgerbühne. Ihr grundlegendes Element ist die Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft . Hier verhandeln Bürgerinnen und Bürger mit theatralen Mitteln Themen, die sie bewegen, und zeigen sie auf der großen Bühne des Hauses. Und das nicht nur als ein­maliges Projekt.: Die wechselnden Produktionen sind dauerhafter Bestandteil des Spielplans.“

Auf Platz 2 wird das Historische Museum Frankfurt für seine partizipative Strategie ausgezeichnet. Pro­gramme, wie das Stadtlabor und der Sammlungs-Check, stehen für lebensnahe Kulturvermittlung: In persönlichen Erzählungen und mithilfe individueller Erinnerungsstücke aus der Familienhistorie wird Frankfurter Stadtgeschichte greifbar und in immer wieder neuen Facetten erzählt. Über die systematische Einbeziehung der Stadtgesellschaft verändert sich auch das Museum als Institution.

Dem Theater Oberhausen auf Platz 3 wiederum gelingt es, eine Vielzahl von gesellschaftlichen Gruppen in seine Produktionen und Aktionen einzubeziehen. Diskussionen zu aktuellen Themen, wie zum Beispiel Ein­wanderung oder Zukunft der Stadtgesellschaft, geben den Anstoß für die verschiedenen Projekte. Unabhängig von be­stimmten Zuständigkeiten ist Kulturvermittlung in Oberhausen eine Gemeinschaftsaufgabe: Alle Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter bringen ihre Ideen und Erfahrungen ein.

Astrid Kießling-Taşkın brachte es auf den Punkt: „Kulturvermittlung ist entscheidend für die Zukunft einer Institution, sprich ihr Zukunftsmotor. Denn sie trägt maßgeblich dazu bei, dass eine Einrichtung von einem vielfältigen Publikum angenommen wird.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass die drei Preisträger mit ihrer vorbildlichen Arbeit Impulse für die gesamte Kulturlandschaft in Deutschland setzen.

Den Beginn hierfür markierte das Symposium ZukunftsGut 2018, das unmittelbar vor der Preisverleihung in der Frankfurter Commerzbank-Zentrale stattfand. Experten, wie Stephen Langridge von der Oper Göteborg, und die Mitglieder der ZukunftsGut-Jury diskutierten gemeinsam mit Fachleuten und Kulturinteressierten über die Herausforderungen, denen sich Kulturinstitutionen heute stellen müssen.

Die Mitglieder der Jury von ZukunftsGut 2018 sind:

Inez Boogaarts, Geschäftsführerin der Zukunftsakademie Nordrhein-Westfalen
Tom Braun, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Teresa Darian, Spezialistin kulturelle Bildung in der Kulturstiftung des Bundes
Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Vorstand Deutscher Bühnenverein
Max Hollein, Generaldirektor Metropolitan Museum New York
Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin Commerzbank-Stiftung
Uwe Koch, Koordinator Europäisches Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (Geschäftsstelle Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz)
Birgit Mandel (fachliche Leitung), Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Stiftungsratsmitglied der Commerzbank-Stiftung
Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin von „Die Zeit

Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945

Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der staatlichen Enteignung der jüdischen Bevölkerung während des Nationalsozialismus. Sie stellt die Gesetze und Verordnungen vor, die ab 1933 auf die Ausplünderung der Jüdinnen und Juden zielten. Die Schirmherrschaft hat der hessische Finanzminister, Dr. Thomas Schäfer, übernommen.

Beispiel einer typischen Beamtenstube mit Hitler-Porträt (auf dem Kopf gestellt) in der Ausstellung Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow
Beispiel einer typischen Beamtenstube mit Hitler-Porträt (auf dem Kopf gestellt) in der Ausstellung Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow

Sie befasst sich mit den Beamten der Finanzbehörden, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Institutionen umsetzten und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Die Ausstellung zeigt, wie der deutsche Staat durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug an der Verfolgung und Ermordung der Juden verdiente: an den Menschen, die in die Emigration getrieben wurden und an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlichen Auktionen aus „jüdischem Besitz“: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

Geschichte der Ausstellung

Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 © Foto: Diether v. Goddenthow

Entstanden ist die Ausstellung 2001 / 2002 in einer Kooperation des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Nach der ersten Präsentation im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main gab es 28 Stationen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Deutschen Historischen Museum in Berlin.
Die Präsentation im Historischen Museum Frankfurt ist die 30. und letzte Station der Ausstellung. 15 Geschichten ausgeplünderter jüdischer Familien erzählte sie bei der Erstpräsentation in Frankfurt; heute sind es rund 140 Geschichten, die im Rahmen des Projekts erforscht wurden.

Forschung vor Ort

Für jeden Standort der Ausstellung ist – oft in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern – ein neuer, regionaler Schwerpunkt erarbeitet worden: Welche jüdischen Familien lebten vor Ort? Was haben die judenfeindliche Politik und die Ausplünderung für sie bedeutet? Sind sie geflohen? Wurden sie ermordet? Wie haben sich die Nachbarn und die Kommunalpolitik verhalten? Wie verlief die „Wiedergutmachung“ in der Nachkriegszeit?
Ausgangspunkt für die Forschungen waren die Akten der NS-Finanzverwaltung und die Akten aus den Wiedergutmachungsverfahren der Nachkriegszeit. Die Quellen geben nicht nur über die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung Auskunft. Von ihnen ausgehend lassen sich auch Biografien und Schicksale rekonstruieren. Darüber hinaus haben die Ausstellungsmacher die Einwohner an jedem Ausstellungsort über die Presse um ihre Beteiligung gebeten. In vielen Familien gibt es bis heute unterschiedliche Gegenstände, die an die jüdischen Nachbarn erinnern. In der Ausstellung erzählen diese Objekte die Geschichte ihrer ursprünglichen Besitzer.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die weitere Ausstellung Geerbt. Gekauft. Geraubt? – Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit

Geerbt. Gekauft. Geraubt? – Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit
ab 17. Mai 2018

Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 hier mit Exponaten der Ergänzungsaussstellung Geerbt. Gekauft. Geraubt? – Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit ab 17. Mai 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945 hier mit Exponaten der Ergänzungsaussstellung Geerbt. Gekauft. Geraubt? – Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit
ab 17. Mai 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung zeigt Spuren des legalisierten Raubs in der Museumssammlung und in Privathaushalten: In einem ersten Bereich wird die Erwerbspraxis des Museums im Nationalsozialismus vorgestellt. Auch die Ergebnisse der am Haus durchgeführten Provenienzforschung werden dargestellt.
In einem weiteren Bereich zeigen sechs Familiengeschichten aus der Bibliothek der Generationen die Auswirkungen des „legalisierten Raubs“ auf individuelle Biografien.
Der dritte Bereich ist dem „Stadtlabor“ gewidmet, dem partizipativen Format des Historischen Museums. Unter dem Titel „Schwierige Dinge“ zeigen Privatleute Objekte, von denen sie vermuten, dass sie aus „legalisiertem Raub“ stammen könnten.

Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 212 35599

info.historisches-museum@stadt-frankfurt.de
www.historisches-museum-frankfurt.de

Erlebnisreiche Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach an 40 Orten mit fetziger Musik, bunten Shows und spannenden Sammlungen

Über 37 000 Menschen waren in der Nacht der Museum in 40 Museen und Galerien in Frankfurt und Offenbach bis früh morgens unterwegs.© Foto: Diether v. Goddenthow
Über 37 000 Menschen waren in der Nacht der Museem an 40 Orten der Kunst in Frankfurt und Offenbach bis früh morgens unterwegs.© Foto: Diether v. Goddenthow

„Es ist schön zu sehen, wie zu später Stunde Menschen aus Frankfurt und der Region auf den Beinen sind, um Kunst an vielen verschiedenen Orten zu erleben. Ich danke allen beteiligten Institutionen, Museen, Galerien und Off-Spaces sehr herzlich für dieses wunderbare Programm, das einmal mehr die Vielfalt unserer Frankfurter Kulturlandschaft in einer Nacht erlebbar macht“, so Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig bei der Eröffnung der Nacht der Museen in Frankfurt am Main und Offenbach am 5. Mai 2018 im Museum Angewandte Kunst. Hier fand auch die Kunstauktion von EY statt, die einen Erlös von 56.000 Euro aus den versteigerten 20 Kunstwerken von jungen Künstlerinnen und Künstlern der Frankfurter Städelschule und der Offenbacher Hochschule für Gestaltung erzielte. Über dieses grandiose Ergebnis freuten sich die Veranstalter und  Empfänger der EY-Benefizveranstaltung gleichermaßen, nämlich die Fördervereine der Frankfurter und Offenbacher Kunsthochschulen.

Nächtlichen Flaneure hier am Info-Point der Nacht der Museen am Römerberg. © Foto: Diether v. Goddenthow
Nächtlichen Flaneure hier am Info-Point der Nacht der Museen am Römerberg. © Foto: Diether v. Goddenthow

Schätzungsweise waren 37.000 „Nachtgänger“ von 19 bis 2 Uhr morgens unterwegs, um  das abwechslungsreiche Musik-, Show- und Ausstellungs-Angebot der Frankfurter und Offenbacher Kunsthäuser möglichst intensiv zu nutzen, um  gut zu essen und zu trinken und  miteinander ins Gespräch zu kommen.
Selbst, wer nur jeweils einen kurzen Blick nimmt, so wie es von den Veranstaltern auch gedacht ist, schaffte das riesige Veranstaltungs-Programm nicht. Folgend werden einige Highlights des Abends gezeigt  aus einer Tour, beginnend beim Giersch-Museum, entlang des Museumsufers in  Richtung Eiserner Steg bis zu den Museeen rund um  den Römerberg.

Museum Giersch der Goethe-Universität

Frankfurt Urban Jazz Collective eröffnet im Museum Giersch der Goethe-Unisversität das Nachtprogramm um 19 Uhr bei herrlichem Sonnenschein. © Foto: Diether v. Goddenthow
Frankfurt Urban Jazz Collective eröffnet im Museum Giersch der Goethe-Unisversität das Nachtprogramm um 19 Uhr bei herrlichem Sonnenschein. © Foto: Diether v. Goddenthow

Im Museum Giersch der Goethe-Universität trafen vor dem Hintergrund der Ausstellung Freiraum der Kunst – Die Studiogalerie der Goethe-Universität Frankfurt 1964-1968 unter dem Abendmotto „50 Jahre 68er: Happenings, Jazz & Minirock“ bei Live-Musik des generationenübergreifenden Frankfurt Urban Jazz Collective Texte von Goethe, Heine und Shakespeare auf Electrobeats und lyrische Improvisationen.

Liebieg Skulpturensammlung

Allein schon die Garten-Atmosphäre lockte viele Besucher zum Liebieghaus Skulpturensammlung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Allein schon die Garten-Atmosphäre lockte viele Besucher zum Liebieghaus Skulpturensammlung. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ganz auf Bewegung eingestellt war das Liebieghaus Skulpturensammlung. Zwischen ägyptischen, antiken, klassizistischen und mittelalterlichen Skulpturen und Exponaten bespielt (noch bis 26.8.2018) der renommierte südafrikanische Gegenwartskünstler William Kentridge mit 80 seiner außergewöhnlichen Ausstellungsprojekte große Teil der Sammlung des Hauses.

Sentimental-Maschine. In Kentriges Werk verschmelzen oftmals Zeichnung, Skulpturen, Film und Ton. Er versteht es bestens gezeichnete Objekte in Bewegung zu setzen und sie Raum erobern zu lassen. Im Kern geht es um Zeit in all ihren "raumgreifenden" Facetten. © Foto: Diether v. Goddenthow
Sentimental-Maschine. In Kentriges Werk verschmelzen oftmals Zeichnung, Skulpturen, Film und Ton. Er versteht es bestens gezeichnete Objekte in Bewegung zu setzen und sie Raum erobern zu lassen. Im Kern geht es um Zeit in all ihren „raumgreifenden“ Facetten. © Foto: Diether v. Goddenthow

William Kentridge lässt dabei das Spektrum seines Werkes in Dialog treten mit der 5000 Jahre alten Skulpturensammlung des Liebieghauses. In der NACHT konnten kleine Besucher im Offenen Atelier selbst kreativ werden und Erwachsene mit Taschenlampen den Garten des Hauses neu entdecken bei rhythmischen Trommelklängen und südafrikanischen Streetfood.

Städel Museum

Lange Schlangen bildeten sich  zu einer Art Besucher-Performance des "Sich-in-geduldigen-Wartens-üben" schon vor 19 Uhr vor dem Städel-Museum.© Foto: Diether v. Goddenthow
Lange Schlangen bildeten sich zu einer Art Besucher-Performance des „Sich-in-geduldigen-Wartens-üben“ schon vor 19 Uhr vor dem Städel-Museum.© Foto: Diether v. Goddenthow

Lange Schlangen gegen 19.10 Uhr drängten ins Städel-Museum, welches gerade seine international beachtete, sensationelle Ausstellung über den flämischen Barockmaler Peter Paul Rubens (1577-1640) „Rubens. Kraft der Verwandlung“ bis zum 3. Juni 2018 verlängert hatte und viele weitere Highlights der drei großen Sammlungsbereiche präsentierte. Musikalische  Klänge der Barockzeit sorgten für eine angenehme Atmosphäre. Zudem wurden Kinder in den Offenen Ateliers mit Farbe, Pinsel und Zeichenmaterial selbst zu kleinen Meistern, während ihre Eltern durch die Ausstellungen schlenderten oder sich einer fachkundigen Führung anschlossen.

Museum für Kommunikation

Museum für Kommunikation. Im UG Live-Konzerte u. -Lesungen und Abtanzen bis zum Morgen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Museum für Kommunikation. Im UG Live-Konzerte u. -Lesungen und Abtanzen bis zum Morgen. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Alles außer Schlaf“ (Sub-Titel der Sonderausstellung „DIE NACHT“) war auch die Nacht  im Museum für Kommunikation mit Live-Musik von Backenfutter, den Madhouse Flowers und Fresh Fruits Movements, die mit den besten Club-Dances tanzfreudigen Nachtschwärmern die feinsten Früchte der Nachtkultur zeigten. Ein Live-Hörspiel der Hörtheatrale lockte in die finstere Gedankenwelt von Edgar Allan Poe. Graf Dracula lebte wieder auf in seinem Schloss und sorgte für ein wenig Schaudern.

Gothics - Die Kinder Nacht, ist aus der Punkt- und New-Wave-Szene er 1980er Jahre hervorgegangen. Sie greifen Gefühle und Dunkelängste der Nacht auf und schaffen durch passende Accessoires, Mode und Musik eine eigene Kultur der Nacht. Schwarz ist Szenefarbe. Das größte Gothics-Treffen findet jährlich in Leipzig statt. Hier ein Teilaspekt der Ausstellung "Die Nacht". © Foto: Diether v. Goddenthow
Gothics – Die Kinder Nacht, ist aus der Punk- und New-Wave-Szene er 1980er Jahre hervorgegangen. Sie greifen Gefühle und Dunkelängste der Nacht auf und schaffen durch passende Accessoires, Mode und Musik eine eigene Kultur der Nacht. Schwarz ist Szenefarbe. Das größte Gothics-Treffen findet jährlich in Leipzig statt. Hier ein Teilaspekt der Ausstellung „Die Nacht“. © Foto: Diether v. Goddenthow

Licht ins Dunkel brachten auch die traumhaften LED-Wesen von Entourage Berlin, und in der „Spark in the Dark“-Lounge kamen Freunde des Lichts und der Schattenwelt beim Light-Painting voll auf ihre Kosten, passend zur Ausstellung „Die Nacht – Alles Ausser Schlaf“. Die Ausstellung beleuchtet die zentralen Facetten der Dunkelheit: von Dunkelängsten, Träumen, Mythen und wie der Mensch allmählich seinen Tag in die Dunkelheit hinein verlängerte , mit Ausflügen zur Gothics-Szene und  Schichtarbeit eines Paket-Zentrums. 5.m.f.k.klassen.kEine Etage tiefer, im 1. OG, gibt es eine Homage an die Schulzeit der 68er Generationen: „Klassen-Kämpfe. Schülerproteste 1968 bis 1972“ beleuchtet eine Zeit in der das neu auf den Markt kommende Kofferadio Freiheit vom spießigen Musikdiktat der Eltern bedeutete, und man „seine“ „schreckliche Neger-Musik“ hören durfte. Beatles, Rollings-Stones und andere „verkommene gesellschaftlichen Subjekte“ und „langhaarigen arbeitsscheuen Faulpelze“ mit  ihren „Stromgitarren“ waren die Feindbilder einer fest in der Adenauer-Ära verankerten Eltern- und Großeltern-Generation.

Klassen-Kämpfe. Schülerproteste 1968 bis 1972 - als das Kofferadio zum Symbol der Befreiung vom spießigen Musikgeschmack der Eltern wurde.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Klassen-Kämpfe. Schülerproteste 1968 bis 1972 – als das Kofferadio zum Symbol der Befreiung vom spießigen Musikgeschmack der Eltern wurde. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es waren die Anfänge der antiautoritären Erziehungsbewegung,  einer Zeit, in der  Schüler begannen, sich gegen mit Rohrstöckchen (noch) prügelnde Lehrer zu wehren, Klassenbücher verbrannten und manch ein Mädel  Spass daran fand, ihre Pauker mit  einem superkurzen Minirock aus der Fassung zu bringen.  Sex statt Religion, Abschaffung der Noten,  Marx statt Rechtschreibung bis hin zur Besetzung von Häusern, Schulämtern und Straßenbahnen und Seit-an-Seit-Märschen mit „Anführern“ wie Rudi Dutschke gegen Notstandsgesetze und Vietnamkrieg waren für die neue Jugendbewegung oftmals wichtiger als Latein und Mathe.

Man glaubt es kaum, in der großen UG-Dauerausstellung "Medien erzählen Geschichte(n)" zeigt der "Elektrische Kraftwagen Bergmann von 1925", dass Elektroantriebe keine wirklich neue Erfindung sind. Damals erreichte das Post-Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 20 km/h. © Foto: Diether v. Goddenthow
Man glaubt es kaum, in der großen UG-Dauerausstellung „Medien erzählen Geschichte(n)“ zeigt der „Elektrische Kraftwagen Bergmann von 1925″, dass Elektroantriebe keine wirklich neue Erfindung sind. Damals erreichte das Post-Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 20 km/h. © Foto: Diether v. Goddenthow

Äußerst empfehlenswert ist auch die im UG gezeigte Daueraustellung „Medien erzählen Geschichte(n)“. Sie führt durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kommunikationsentwicklung mittels 44 Themeninseln auf 2500 qm von der Erfindung der Schrift über das Botenwesen bis hin zu Internet und Datenbrille. Hier werden alle wesentlichen bahnbrechenden Erfindungen im Bereich der Kommunikation leicht verständlich und gut visualisiert exemplarisch präsentiert, mitunter gespickt mit kuriosen Geschichten und ungewöhnlichen Schicksalen.

Deutsches Museum für Architektur

Auch das DAM war wieder Besuchermagnet. © Foto: Diether v. Goddenthow
Auch das DAM war wieder Besuchermagnet. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch im Deutschen Museum für Architektur (DAM) galt es den Besucherandrang in geregelte Bahnen zu lenken: Gleich drei Highlights gab es als Belohnung für’s Warten in der Schlange: Im 2. Obergeschoss präsentiert(e) das Haus die „Die 25 besten Bauten in/aus Deutschland“ und die hieraus ermittelten Gewinner des DAM Preises 2018“.

Passend zu Frankfurts Topthema über die Zukunft der Städtischen Bühnen die Ausstellung: Große Oper - viel Theater? Bühnenbauten im Vergleich" © Foto: Diether v. Goddenthow
Passend zu Frankfurts Topthema über die Zukunft der Städtischen Bühnen die Ausstellung: Große Oper – viel Theater? Bühnenbauten im Vergleich“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Im 1. OG zeigt(e) das DAM gemeinsam mit dem Kulturdezernat der Stadt die Schau: „Große Oper – viel Theater? Bühnenbauten im Vergleich“, was auch vor dem Hintergrund der Diskussion über die Zukunft der städtischen Bühnen interessant und spannend ist.
Im EG thematisiert(e) die große Ausstellung „Fahr Rad!“ die grüne Mobilität und Rückeroberung der Städte mit dem Bike. Zu später Stunde ging’s gleich vom Sattel auf die Tanzfläche mit den DJs Twisted & MC Markie J. und Drum ´n´ Bass-Beats.

6. Deutsches Filmmuseum

Beliebtes Ziel war wieder auch das Deutsches Filmmuseum in der Nacht der Museen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Beliebtes Ziel war wieder auch das Deutsches Filmmuseum in der Nacht der Museen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Sturm auf das Filmmuseum. Es gab spannende Einblicke in die Welt des Films, unter anderem mit der Dauerausstellung im 3. Stock, die sich dem Kultfilm „Kubricks 2001. 50 Jahre A Space Odyssey“ widmet(e), auf Wunsch auch mit kundigen Führungen. Im Kino wurde eine Trailershow zur filmischen Reise in unbekannte Science-Fiction-Welten geboten, während Space-Quizshows und Bilder aus der Bluebox die Besucher in andere Galaxien beamten. The Oh!chestra begleitete dazu Filmszenen live und lockte späters in Foyer als „The OhOhOhs“ mit Electrosounds.

Museum Angewandte Kunst

Das Museum Angewandte Kunst wurde in dieser Nacht für viele zum Fashion- Tempel praktizierter auf dem Laufsteg als selbstinszenierte Stilikone.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Museum Angewandte Kunst wurde in dieser Nacht für viele zum Fashion- Tempel selbstpraktizierter Designkunst,  mit der man sich auf dem Laufsteg als neue Stilikone inszenieren konnte. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Jil Sander – Fashion NOW“, so das Motto der Nacht im Museum Angewandte Kunst. Es war gleichzeitig auch ein Abschied von der spektakulären Schau „Jil Sander. Präsens“, einem faszinierenden Zusammenspiel von Architektur, Farbe, Licht, Film, Klang, Fotografie, Mode und Kunst.
Der Clou des Abends:  jeder Besucher konnte für kurze Zeit auf Frankfurts spontan entstandenen „schönsten“ Laufsteg zur Stilikone werden und sich live und für 24 Stunden als Instagram Story online auf dem Account des Museums posten lassen. Dabei sorgten Ata Macias und Robert Johnson-Resident Aziesch für die passenden puristischen Beats, während an der Cocktailbar das Emma Metzler-Team und die Amp Bar hauseigene Highballs kreierten, und Lamm- und Veggie-Liebhaber mit SoulFlaki vom Grill beglückten.

Bibelhaus Erlebnismuseum

"Reise in die Welt der Bibel" im Erlebnismuseum Bibelhaus. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Reise in die Welt der Bibel“ im Erlebnismuseum Bibelhaus. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei einer „Reise in die Welt der Bibel“ konnten sich Besucher im Untergeschoss über die Ursprünge, Entwicklung und Vielfalt der Heiligen Schrift anhand von Exponaten und Schrifttafeln informieren und dabei auch erfahren, wie viele Zugänge es zur Bibel gibt, etwa über Wort, Bild, Musik und Gesang. Spannend war zudem, der Frage nachzugehen, was die drei monotheistischen Weltreligionen , die drei heilige Schriften und ein Gott: Avram – Abraham – Ibrahim miteinander verbindet und was Judentum, Christentum und Islam voneinander trennt.

„Wandern“ oder sich kutschieren lassen oder beides?

Von einer Seite zur anderen. Wir nicht zu Fuß den Eisernen Steg über den Main nehmen wollte, konnte ab 20 Uhr auch auf den Schiff-Shuttle-Dienst zurückgreifen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Von einer Seite zur anderen. Wir nicht zu Fuß den Eisernen Steg über den Main nehmen wollte, konnte ab 20 Uhr auch auf den Schiff-Shuttle-Dienst zurückgreifen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Entspannt durch die NACHT kamen die Besucherinnen und Besucher zu Fuß über den Eisernen Steg zu den in günstiger Entfernung zueinander liegenden Museen des Museumsufers und Römerbergs. Desweiteren sorgten fünf Shuttle-Buslinien, eine historische Straßenbahn und ab 20 Uhr ein Schiffs-Shuttle über den Main für eine reibungslose Beförderung.  Auch konnte man selbst in die Pedale treten. Dazu stand in dieser Nacht das  „Call a bike“, das  Bike-Sharing. kostenfrei zur Verfügung.

Historisches Museum

Das Historische Museum mit seinem über eine breite Treppe frei zugänglichen Innenhof wird zum Zentrum des neuen Museums-Quartiers am Römerberg. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Historische Museum mit seinem über eine breite Treppe frei zugänglichen Innenhof wird zum Zentrum des neuen Museums-Quartiers am Römerberg. © Foto: Diether v. Goddenthow

Großer Andrang, beste Stimmung und imposante Erlebnisse bot das im vergangenen Jahr wiedereröffnete Historische Museum, welches mit seiner „Piazza“ zum Zentrum des neuen Museums-Quartiers am Römerberg und der am 9. Mai feierlich eingeweihten teilrekonstruierten historischen Altstadt mit Stoltze- und Struwwelpeter-Museum (ab Herbst 2018) werden wird.

Der Museumsplatz gegen 19 Uhr am Historischen Museum. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Museumsplatz gegen 19 Uhr am Historischen Museum. © Foto: Diether v. Goddenthow

Allein für eine der gezeigten Ausstellungen „Die Stauferzeit“, “Frankfurt Einst?“, „ Frankfurter Sammler und Stifter“ und „Von Bürgern und Bankiers“ sowie für die Etagen des „Jungen Museums“ im Rententurm hätte man jeweils schon einen halben Tag einplanen können. Deshalb steht für viele Besucher  fest: Einfach wiederkommen!

Archäologisches Museum

Das Archäologische Museum ist einfach stets ein imposantes Erlebnis. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Archäologische Museum ist einfach stets ein imposantes Erlebnis. © Foto: Diether v. Goddenthow

Im Archäologischen Museum der restaurierten Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters präsentierten die georgische Sängerin, Pianistin und Komponistin Nestan Bagration und Davitashvili mit ihrer Musik als ein offenherziges Bekenntnis zu den Ursprüngen der Menschheit ihr Land Georgien. Georgien wird  das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse sein.
Bis spät in die Nacht konnten Besucher die in verschiedenen Sammlungen präsentierten Funde aus 200.000 Jahren Menschheitsentwicklung besichtigen und Einblicke nehmen, wie Menschen einst lebten, liebten, arbeiteten, kämpften, glaubten und feierten.

Frankfurter Römer

Das Duo Wildwuchs, Tomas Zeuner und Tobias Witzlau spielten mehrmals am Abend auf, während die Besucher den Kaisersaal mit den 52 Porträts der königlichen und kaiserlichen Würdenträgern an den Wanden bestaunten. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Duo Wildwuchs, Tomas Zeuner und Tobias Witzlau spielten mehrmals am Abend auf, während die Besucher den Kaisersaal mit den 52 Porträts der königlichen und kaiserlichen Würdenträgern an den Wanden bestaunten. © Foto: Diether v. Goddenthow

Im Kaisersaal des Frankfurter Römers konnten Nachtschwärmer im Rahmen von Führungen mehr über diesen historischen Ort des Frankfurter Rathauses und die darin als Wandgemälde verewigten 52 Könige und Kaiser des Alten Reiches von Karl dem Großen bis zu Franz II erfahren. Begleitet wurde die Reise in die Vergangenheit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen durch das Spielmannduo Wildwuchs mit ihren aus der Musik des Mittelalters und der Renaissance stammenden Klängen.

Caricatura – Museum für komische Kunst

Am Caricatura - Museum für komische Kunst war die Ottifantitis ausgebrochen - Alle wollten Otto Waalkes zeichnerisches Werk sehen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Am Caricatura – Museum für komische Kunst war die Ottifantitis ausgebrochen – Alle wollten Otto Waalkes zeichnerisches Werk sehen. © Foto: Diether v. Goddenthow

In schierer Otto-Manie stürmten die Besucher das Caricatura auf der Suche nach den vielen – auch in Bildwerken – eingeschleusten kultigen Rüsseltierchen des beliebten Multitalents Otto Waalkes. Der Entertainer und studierte Grafiker, Musiker und bekannte Synchronsprecher hat eine langjährige, besondere Beziehung zu Frankfurt und der „Neuen Frankfurter Schule“. Anlässlich seines 70. Geburtstags hat das Museum für komische Kunst die Schau „Otto. Die Ausstellung“ auf die Beine gestellt, in der das bildnerische Werk des Ostfriesen von seinen Anfängen bis heute eindrucksvoll gezeigt wird. Pit Knorr, der mit Bernd Eilert und Robert Gernhardt das Autorenteam von Otto bildete, las dazu aus seinen Texten. Zugleich konnten sich Groß und Klein beim großen Ottifanten-Malwettbewerb kreativ an der künstlerischen Adaption von Ottifanten abarbeiten. Sie konnten auch Carton-Lesungen des „Titanic“-Zeichners Leonard Riegel lauschen und Konzert-Kostproben des Spardosen-Terzetts – der „größten kleinen Kapelle der Republik“ hören oder auf dem Weckmarkt eine Bratwurst essen.

Impression der Nacht: Hier  am Portal von Kaiserdom St. Bartholomäus und Dommuseum (links) und Beginn des am 9. Mai ab 14 Uhr wieder für die Öffentlichkeit freigegebenen, rekonstruierten  Krönungsweg der deutschen Kaiser (rechts), auf dem diese nach der Krönung im Dom mit ihrem Gefolge zum Festmahl in den Römer schritten..© Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der Nacht: Hier am Portal von Kaiserdom St. Bartholomäus und Dommuseum (links) und Beginn des am 9. Mai ab 14 Uhr wieder für die Öffentlichkeit freigegebenen, rekonstruierten Krönungswegs der deutschen Kaiser (rechts), auf dem diese nach der Krönung im Dom mit ihrem Gefolge zum Festmahl in den Römer schritten..© Foto: Diether v. Goddenthow

Das Dommuseum zeigt(e) im Kreuzgang des Kaiserdoms unter dem Titel „Hinter dem Pergament: Die Welt“. eine ganz besondere Ausstellung um den Verleger, Händler und Sammler Peter Ugelheimer, der 1442 in der Fahrgasse geboren wurde, und Gutenbergs Buchdruck in Venedig zur Blüte brachte. Präsentiert werden/wurden kostbare Bücher, Bibeln und auch Rechnungsbücher aus seiner kostbaren Sammlung. Zudem hatten die Besucher Gelegenheit an Vorführungen der Gutenberg-Druckpresse teilzunehmen.

Wen man auch fragte: Die Nacht der Museen kam wieder bestens an! Und selbst Leute, die sonst nicht viel mit Kunst am Hut haben, amüsierten sich köstlich auf der größten „Kunst- und Museums“-Party im Rhein-Main-Gebiet.
Aber heißt es nicht: Nach der „Nacht ist vor der Nacht“? Also dann bis zur nächsten Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach 2019!

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Mit Kulturticket freier Eintritt in 18 Frankfurter Museen für Studis der Goethe-Uni

SOS-Brutalismus - Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow
SOS-Brutalismus – Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow

ABER HALL0,-: Kulturticket für Studierende der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences
Die Goethe Card, der Studierendenausweis der Goethe-Universität Frankfurt und der STUDY-CHIP, der Studierendenausweis der Frankfurt University of Applied Sciences, werden in 18 Museen der Stadt zum Kulturticket.
Einfach die Goethe Card oder den STUDY-CHIP an der Museumskasse vorzeigen und Geschichte, Architektur, alte, moderne und angewandte Kunst studieren und genießen.

Der freie Eintritt wird in Kooperation mit dem AStA der Goethe-Universität bzw. dem AStA der Frankfurt University of Applied Sciences angeboten und gilt für rund 60 000 Studierende in folgenden Häusern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Deutsches Filmmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Giersch der Goethe-Universität
Museum Judengasse
Porzellan Museum
Weltkulturen Museum

Die Museumsparks und -cafés mit Blick auf die Skyline laden zu entspannten Pausen zwischen dem Museums-Hopping ein.

Heute eröffnet das Junge Museum (Kindermuseum) im Historischen Museum Frankfurt

Historische Drogerie unter Anleitung in Kinderhand, hier an der Apotheker-Waage, wie sie einst üblich waren. © Foto: atelier-Goddenthow
Historische Drogerie unter Anleitung in Kinderhand, hier an der Apotheker-Waage, wie sie einst üblich waren. © Foto: atelier-Goddenthow
Programm der Feierlichen Eröffnung
Samstag, 17. Februar

15 Uhr
FEIERLICHE ERÖFFNUNG mit:
– Peter Feldmann, Oberbürgermeister
– Ina Hartwig, Kulturdezernentin
– Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums
– Susanne Gesser, Leiterin des Jungen Museums
– Jörg Ehtreiber, Präsident von Hands On!
International Association of Children in Museums
Musikalischer Rahmen: HMF-Allstars

16 – 19 Uhr
– Die neue Sonderausstellung „WOW! Das Beste aus 45 Jahren Kindermuseum“
– Die Werkstätten sind geöffnet und können besichtigt und ausprobiert werden:
Kolonialwarenladen, Historische Drogerie,
Radiostudio (bis 18 Uhr), Malatelier, Druckwerkstatt,
Papierwerkstatt, Textilwerkstatt

Sonntag, 18. Februar
11 – 19 Uhr
– Die neue Sonderausstellung „WOW! Das Beste aus 45 Jahren Kindermuseum“
– Die Werkstätten sind geöffnet und können besichtigt und ausprobiert werden:
Kolonialwarenladen, Musikwerkstatt, Computerlabor,
Malatelier, Druckwerkstatt, Papierwerkstatt,
Schmuckwerkstatt, Textilwerkstatt

13:30 – 17 Uhr
– Bonbon-Machen, Vorführung in der Historischen Drogerie
15 Uhr
– Comic-Lesung „Das größte Fest der Welt“ in der Ausstellung

Mit dem Umzug des „Jungen Museums“ ist das neue Museums-Quartier komplett.
Der Kolonialladen ist einer der Magnete. Wie aus einer anderen Zeit, wirkt dieser historische Kaufmannsladen, wie er noch in den 50ern, auf dem Lande bis in die 60er Jahre durchaus noch anzutreffen war. © Foto: atelier-Goddenthow
Der Kolonialladen ist einer der Magnete. Wie aus einer anderen Zeit, wirkt dieser historische Kaufmannsladen, wie er noch in den 50ern, auf dem Lande bis in die 60er Jahre durchaus noch anzutreffen war. © Foto: atelier-Goddenthow

Frankfurt, 7.2.2018. Nach über zehn Jahren Sanierungs- und Bautätigkeit ist mit der Eröffnung des Jungen Museums das Museumsquartier Historisches Museum Frankfurt fertig gestellt. 2008 wurde das Kindermuseum für die Arbeiten im Rahmen der Neukonzeption des Historischen Museums an die Hauptwache verlegt und zieht nun, wenige Monate nach seinem 45. Geburtstag, mit anderem Namen an den Ort zurück, an dem es am 7.11.1972 eröffnet wurde. Junges Museum und Historisches Museum bilden fortan zusammen einen lebendigen und anregenden Kulturort für die ganze Familie. Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt dazu „Frankfurt ist eine Stadt, in der – im Vergleich zu anderen Großstädten  – besonders viele Kinder und Jugendliche leben. 16 % der Frankfurter/innen sind unter 18 Jahre alt. Die Hälfte der Frankfurter/innen stammt aus einem der 194 Staaten dieser Welt; bei den Grundschüler/innen sind es mehr als 80%. Das heißt, Frankfurt ist eine junge und internationale Stadt. Und wir wissen alle: Kinder sind unsere Zukunft! Für sie und ihre Eltern soll Frankfurt eine Stadt sein, in der man gut leben kann. Das Junge Museum im Museumsquartier trägt dazu entscheidend bei.“

Beispiel: Druckwerkstatt im Museumskeller.© Foto: atelier-Goddenthow
Beispiel: Druckwerkstatt im Museumskeller.© Foto: atelier-Goddenthow

Auf Ebene 0 im Gewölbe des Bernusbaus bieten Werkstätten Raum für Aktivität. In der beliebten Druckwerkstatt mit Originalen aus alten Frankfurter Druckereien wie z.B. Setzschränken mit verschiedenen Schriften und mechanischen Druckpressen kann gesetzt und gedruckt werden. In der angrenzenden Werkstatt werden Papiere geschöpft. In Zinkzubern setzen die Werkstattteilnehmer/innen selbst Papierbreie an.

Beim Papierschöpfen in den Werkstätten im Kellergewölbe.© Foto: atelier-Goddenthow
Beim Papierschöpfen in den Werkstätten im Kellergewölbe.© Foto: atelier-Goddenthow

Die dritte Werkstatt auf Ebene 0 ist das Forscherlabor, es ist neu im Programm. Hier werden Frankfurter Forscher/innen vorgestellt und man kann sich mit den Forschungsschwerpunkten von Persönlichkeiten wie Maria Sybilla Merian, Eduard Rüppell, Paul Ehrlich oder Tilly Edinger befassen.

Über dem Sonnemann-Saal hat das Junge Museum zwei weitere Ebenen zur Verfügung. Auf Ebene 2 zeigt es Sonderausstellungen, die einmal pro Jahr gewechselt werden.

Den Auftakt macht die Eröffnungsausstellung „Wow! –45 Jahre Kindermuseum Frankfurt“ (17.2.-14.9.2018). Auf Ebene 3 sind historische Spielräume versammelt. Der Kolonialwarenladen und die Urgroßelternküche laden zum Spielen und Erkunden exotischer Warenwelten und historischer Küchengeräte und Rezepte ein. Ein neues Angebot ist die originale Ladeneinrichtung einer Drogerie aus dem 19. Jahrhundert.

Dr. Ina Hartwig und Oberbürgermeister Peter Feldmann im Fachgespräch mit Kindern über Heilsalben in der Historischen Drogerie. © Foto: atelier-Goddenthow
Dr. Ina Hartwig und Oberbürgermeister Peter Feldmann im Fachgespräch mit Kindern über Heilsalben in der Historischen Drogerie. © Foto: atelier-Goddenthow

In porzellanenen Apothekergefäßen werden Heilkräuter und Pflanzen aufbewahrt. Bei Workshop-Angeboten werden ihre Wirkkräfte vermittelt, Tees und Salben hergestellt. Auch wenn die Ausstellungen und Angebote des Jungen Museums vor allem für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren ausgerichtet sind: Hier finden auch Eltern und Erwachsene viele interessante Anknüpfungspunkte und Wissenswertes.

Kulturdezernentin Ina Hartwig äußert sich begeistert über die Vielfalt der Angebote: „Kulturelle Bildung meint, dass kulturelle Erlebnisse allen, und zwar möglichst früh, ermöglicht werden. Sie bedeutet zudem Partizipation – das Sich-Beteiligen – am künstlerisch kulturellen Geschehen einer Gesellschaft. Die kulturelle Bildung gehört zur Allgemeinbildung und ist eine der Voraussetzungen für ein geglücktes Leben in persönlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Mit dem breiten Werkstatt- und Kreativprogramm des Jungen Museums werden beste Voraussetzungen und Raum für die Entwicklung von Fantasie und Gestaltungskraft geboten. Darüber bin ich sehr glücklich.“

v.li. Susanne Gessner, Leiterin des Jungen Museums, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, Museumsdirektor Dr. Jan Gerchow. © Foto: atelier-Goddenthow
v.li. Susanne Gessner, Leiterin des Jungen Museums, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, Museumsdirektor Dr. Jan Gerchow. © Foto: atelier-Goddenthow

Leuchtend orange ist das Logo-M des Jungen Museums. Es weist im Museumsquartier den Weg über das rote Treppenhaus im Bernusgewölbe zu den 3 Ebenen. „Das Junge Museum ist mehr als eine museumspädagogische Abteilung, es ist ein Museum im Museum. Hier werden speziell für Kinder und Jugendliche Ausstellungen konzipiert und realisiert“, beschreibt Museumsleiterin Susanne Gesser das Junge Museum.

Auf die Signalfarbe Orange treffen Besucherinnen und Besucher auch in den Ausstellungen des Historischen Museums. Durch die Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ und „Frankfurt Einst?“ führen Familienspuren mit insgesamt 30 interaktiven Stationen. Sie bieten die museumsuntypische Möglichkeit, Dinge anzufassen und sich spielerisch mit Themen und Objekten aus der Ausstellung zu befassen. Auch vom Jungen Museum wurden in „Frankfurt Einst?“ zwei Studierzimmer eingerichtet. Die kleinen Räume sind angefüllt mit Objekten und laden dazu ein, sich vertiefend mit einzelnen Fragestellungen zu beschäftigen. Museumsdirektor Jan Gerchow erläutert: „In knapp zehn Jahren zeigte das Kindermuseum an der Hauptwache sieben Ausstellungen und erreichte über 350.000 Besucher/innen. Die erfolgreiche Arbeit und Erfahrung zeigt sich in der Konzeption des Museumsquartiers mit den Angeboten in den Dauerausstellungen. Mit der Eröffnung des Jungen Museums auf rund 600 Quadratmetern stehen neue Ausstellungen und Angebote speziell für Kinder und Jugendliche bereit. Sie dienen der Auseinandersetzung mit der Stadt und ihrer Geschichte. Das Junge Museum verknüpft die heutige Lebenswelt mit der Geschichte und macht sie nacherlebbar.

Das Junge Museum konnte Dank der Förderung durch zehn Paten realisiert werden: Adolf Messer Stiftung  – Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung  – Ernst Max von Grunelius-Stiftung  – Evonik – FAZIT-STIFTUNG – FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH -Frankfurter Sparkasse  Mainova AG – Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen – Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main

Erste Sonderausstellung

Wow - erste Sonderausstellung . © Foto: atelier-Goddenthow
Wow – erste Sonderausstellung . © Foto: atelier-Goddenthow

WOW!
45 Jahre Kindermuseum Frankfurt und
Ausstellung zur Neueröffnung des Jungen Museums Frankfurt

  1. Februar bis 14. September 2018

Die erste Ausstellung des Jungen Museums ist eine kleine Schau, die einen Rückblick auf 45 Jahre Kindermuseum und die vergangenen Ausstellungen mit Bereichen zum Mitspielen und einem Ausblick auf die Zukunft als Junges Museum Frankfurt kombiniert.

Großelternwohnzimmer im der Ausstellung Wow! © Foto: atelier-Goddenthow
Großelternwohnzimmer im der Ausstellung Wow! © Foto: atelier-Goddenthow

In vier Zimmern werden Exponate aus der Sammlung des Museums gezeigt, aber auch Objekte, die von Kindern im Rahmen der vergangenen Ausstellungen gestaltet wurden. Außerdem besteht die  Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. In einem historischen Schulzimmer kann man in alten Schulbänken sitzen und Schule um 1900 spielen. Ein Spielzimmer lädt ein, Objekte aus der Spielzeugsammlung zu betrachten, historische Spiele zu spielen oder selbst ein Spielzeug zu gestalten. Im Schattentheater wird mit eigenen und fremden Schatten gespielt und das  Familienzimmer lädt ein zum Erzählen, Hören und Erinnern von Familiengeschichten. Verbunden werden diese Zimmer durch einen Zeitstrahl von Fotos und Plakaten aus dem Kindermuseum seit 1972. Gleichzeitig sind alle Besucher/innen eingeladen, ihre Erinnerungen an den eigenen Besuch als Kind im Kindermuseum zur Chronik hinzuzufügen.

Wie Schule früher war - original Schulraum wie Schule noch bis in die 60er Jahre üblich war.© Foto: atelier-Goddenthow
Wie Schule früher war – original Schulraum wie Schule noch bis in die 60er Jahre üblich war.© Foto: atelier-Goddenthow

Ort:
Ort:

Junges Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
T +49 (069) 212 35599
info.junges-museum@stadt-frankfurt.de
www.junges-museum-frankfurt.de

Öffnungszeiten
Dienstag –Freitag: 10:00-18:00 Uhr
Mittwoch: 10:00- 21:00 Uhr
Samstag & Sonntag: 11:00-19:00 Uhr

Eintritt
Kinder & Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt!
Erwachsene 4,00 €

Anmeldung für Gruppenbesuche
Susanne Angetter/Irma Hoog
T +49 (069) 212 25154
Besucherservice.historisches-museum@stadt-frankfurt.de

Veranstaltungstermine
TERMINE März BIS Juni 2018

Junges Museum Frankfurt im Museumsquartier des Historischen Museums
Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main
www.junges-museum-frankfurt.de

Termine im März bis Juni 2018 (chronologische Darstellung)
Sa, 03.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 04.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 10.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 11.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 17.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 18.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt
Sa, 24.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 25.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Mi, 28.03., 14-17 Uhr
Ferienwerkstatt für Einzelbesucher/innen
Schnitzwerkstatt – Filigrane Objekte aus Knochen und Tagua-Nüssen
für Kinder von 9 bis 12 Jahren
Maximal 10 Teilnehmer/innen
Gebühr: 12€ pro Person (Anmeldung: 069 212 35 154)

Sa, 31.03.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 01.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Mi, 04.04., 14-17 Uhr
Ferienwerkstatt für Einzelbesucher/innen
Druckwerkstatt – Traditionelles Handwerk und experimentelle Wort-Kreationen
für Kinder von 9 bis 12 Jahren
Maximal 10 Teilnehmer/innen
Gebühr: 12€ pro Person (Anmeldung: 069 212 35 154)

Fr, 06.04., 10-13 Uhr
Ferienwerkstatt für Einzelbesucher/innen
Papierwerkstatt – Papier schöpfen und gestalten
für Kinder von 5 bis 8 Jahren
Maximal 10 Teilnehmer/innen
Gebühr: 12€ pro Person (Anmeldung: 069 212 35 154)

Sa, 07.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 08.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 14.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 15.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 21.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 22.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 28.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 29.04.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 05.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 06.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 12.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 13.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 19.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 20.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 26.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 27.05.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 02.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 03.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 09.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 10.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 16.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 17.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Sa, 23.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

So, 24.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt

Mi, 27.06., 14-17 Uhr
Ferienwerkstatt für Einzelbesucher/innen
Digitalfotografie – Aufnahmen im Stadtraum und Bearbeitung am PC
für Kinder von 9 bis 12 Jahren
Maximal 10 Teilnehmer/innen
Gebühr: 12€ pro Person (Anmeldung: 069 212 35 154)

Fr, 29.06., 10-13 Uhr
Ferienwerkstatt für Einzelbesucher/innen
Papierwerkstatt – Papier schöpfen und gestalten
für Kinder von 5 bis 8 Jahren
Maximal 10 Teilnehmer/innen
Gebühr: 12€ pro Person (Anmeldung: 069 212 35 154)

Sa, 30.06.
Offene Werkstatt
Unternehmungslust und Tatendrang
für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Gebühr: Museumseintritt