Kategorie-Archiv: Historisches Museum Frankfurt

„Die Stadt und das Gün“ ab 25.3 im Historischen Museum Frankfurt

Dorothea Cuntz-Hofmann, Blick vom Frankfurter Mainufer auf das Schaumaintor, Gemälde Öl/Lw. um 1815, © HMF Foto: Horst Ziegenfusz
Dorothea Cuntz-Hofmann, Blick vom Frankfurter Mainufer auf das Schaumaintor, Gemälde Öl/Lw. um 1815, © HMF Foto: Horst Ziegenfusz

Frankfurter Gartenlust Seit über 30 Jahren widmet sich erstmals wieder eine Ausstellung ausführlich der Geschichte der öffentlichen Grünanlagen in Frankfurt. Ab dem 25. März schaut das Historische Museum in der „Frankfurter Gartenlust“ dem öffentlichen Grün beim Wachsen zu und erkundet die Entwicklung der städtischen Parkanlagen seit dem 18. Jahrhundert aus unterschiedlichen Perspektiven. Zugleich würdigt die Ausstellung zwei Stadtjubiläen: 150 Jahre Palmengarten und 30 Jahre GrünGürtel.

Coronabedingt wird das Museum  ab dem 29. März vorübergehend bis voraussichtlich zum 18. April  erneut geschlossen. Während des Lockdowns verweist das Historische Museum auf sein  digitales Angebot: https://historisches-museum-frankfurt.de/de/museumdigital

Die grüne Stadt Frankfurt

Impression der Sonderausstellung "Die Stadt und das Grün" _© HMF/Foto Uwe Dettmar
Impression der Sonderausstellung „Die Stadt und das Grün“ _© HMF/Foto Uwe Dettmar

Parks und Gärten gehören wie selbstverständlich zu Frankfurt – je nach Berechnung machen sie inklusive Sportanlagen, Friedhöfe oder Straßenbegleitgrün sogar über die Hälfte des Stadtgebietes aus. Sie werden insbesondere zur Naherholung genutzt: zum Spazierengehen, Feiern und Sporttreiben; sie sorgen in doppelter Hinsicht für ein gutes Stadtklima. In der Gegenwart wird es immer deutlicher, wie sehr Grünflächen im urbanen Raum benötigt werden, um dem Klimawandel zu trotzen und um für Biodiversität auch in der Stadt zu sorgen. Zugespitzt heißt das: ohne städtisches Grün verringert sich die Lebensqualität in Frankfurt. Ganz aktuell hat die Pandemie die wichtige Rolle des öffentlichen Grüns für die Stadtbevölkerung einmal mehr offenbart.

Mit der Niederlegung der Stadtbefestigung zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt Frankfurt den ersten öffentlichen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Seitdem sind gestaltete Grünflächen mit dem Konzept von Stadt verknüpft. In den Wallanlagen standen anfangs besonders das Spazierengehen und das Genießen im Vordergrund. Damals war viel von Lustwandeln auf Lustwegen die Rede. Wo ist diese Lust heute geblieben – oder ist es vielmehr eine Last geworden, sich mit vielen anderen einen Park zu teilen?

Nachdruck des Frankfurter Stadtplans von J. S. Walwert und J. Hochester von 1792, Original kolor. Kupferstich© HMF Foto: Horst Ziegenfusz
Nachdruck des Frankfurter Stadtplans von J. S. Walwert und J. Hochester von 1792, Original kolor. Kupferstich© HMF Foto: Horst Ziegenfusz

Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Parks und öffentlichen Gärten, die Auseinandersetzung mit Natur und Grünflächenplanung in Frankfurt von Ende des 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Bogen spannt sich in einer chronologischen Abfolge begonnen bei den bürgerlichen Gärten vor der Stadt über die Wallanlagen und den Palmengarten bis hin zum kürzlich angelegten Hafenpark am Main. Die Ausstellung diskutiert die Rolle von Grünflächen und die Grünflächenkonzepte in Zeiten von starkem Bevölkerungszuwachs, vielfältigen Freizeitbedürfnissen und des Klimawandels. Sie nimmt verschiedene Perspektiven ein und fragt, wie Frankfurter*innen, Künstler*innen oder die Stadtplanung die Grünflächen und die Flora nutzen, wahrnehmen, interpretieren und verwandeln. Die rund 300 Exponate – Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Pläne, Modelle sowie dreidimensionale Objekte werden in einer atmosphärischen Inszenierung, die von Atelier Markgraph (Frankfurt) gestaltet wurde, in sieben Themenräumen präsentiert.

Die Ausstellung ist über Frankfurt hinaus ein Beitrag zur Diskussion über Grünflächen, ihrer Nutzung und ihrer Nutzer*innen in ihrer komplexen Bedeutung für die Stadtbevölkerung. Das Verhältnis von Stadt und Natur muss stets neu definiert werden; damit sind Utopien, aber auch Dystopien verknüpft.

„Frankfurter Gartenlust“ bietet darüber hinaus Gelegenheit, besondere Objekte aus der Museumssammlung vorzustellen. Auch kostbare Leihgaben anderer Sammlungen aus Frankfurt, Heidelberg, Wiesbaden oder Bamberg werden präsentiert. Gegenwärtige künstlerische Positionen kommentieren die einzelnen Bereiche. Hands-on-Stationen sowie viele interaktive Möglichkeiten bieten einen zusätzlichen Anreiz für Familien. Diese Stationen sind über einen Multimedia-Guide in einer Rallye erfahrbar.

Zur Ausstellung erscheint das Buch: „Frankfurter Gartenlust. Ein Lesebuch zur Ausstellung“ im Frankfurter Societäts-Verlag zum Preis von 25 Euro. Es versammelt Beiträge von 38 Autor*innen aus Kultur- und Naturwissenschaft, Soziologie, Kunstgeschichte, Ökologie und Denkmalpflege. Zusammen mit Praxisbeispielen und zahlreichen Abbildungen ergibt sich ein vielschichtiges Bild der Stadt und des Grüns.

Das Rahmenprogramm bietet Lesungen, Diskussionen, Performances, Stadtgänge und Exkursionen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet an. Die Führungen werden analog und digital angeboten. Das Rahmenprogramm entstand in Kooperation mit renommierten Institutionen (Auflistung s.u.) und ist dem Musemsmagazin „Schneekugel“ zu entnehmen.

Die Ausstellungen beginnen schon auf dem Museumsplatz: Der „Museumsgarten“, in dessen Hochbeeten derzeit u.a. historische Tulpen wachsen, wird von Skulpturen aus Frankfurter Gärten des 17. und 18. Jahrhunderts eingerahmt.

„Frankfurter Gartenlust“ gliedert sich in sieben Abschnitte:

Impression der Sonderausstellung "Die Stadt und das Grün" _© HMF/Foto Uwe Dettmar
Impression der Sonderausstellung „Die Stadt und das Grün“ _© HMF/Foto Uwe Dettmar

1. Gartenkultur
Der erste Raum beginnt mit einem kursorischen Blick auf das Frankfurt des 18. Jahrhunderts. In fünf Bereiche wird nachvollzogen, welche Rolle das private und städtische Grün in der Stadt spielte. Wie verteilte sich die Flora in Frankfurt? Wo war die zeitgenössische Gartenkunst repräsentiert? Wie waren gärtnerische Leidenschaften im Alltag verankert? Wo entstand botanisches Wissen und wie verbreitete es sich? Wie versorgte sich die Stadt? Und warum galt Frankfurt als „Gartenstadt“?

Die atmosphärische Gestaltung orientiert sich an den geometrischen Gartenplanungen eines Renaissancegartens.

2. Von der Promenade zum Park
Mit den massiven Veränderungen des Stadtbildes, die die Niederlegung der Befestigungsanlagen zwischen 1804 und 1812 bewirkten, beschäftigt sich der zweite Themenraum: Frankfurt wandelte sich von einer mittelalterlich befestigten Stadt in eine offene Stadt.

Ein grüner Ring, gestaltet im Stil eines englischen Landschaftsgartens, öffnete die Stadt nach außen zum Umland. Die neue Anlage gibt mit der Bezeichnung „Promenaden“ die dazugehörige Aktivität buchstäblich vor: Das Flanieren oder Lustwandeln, wie es in zeitgenössischen Beschreibungen oft heißt, ist mit im Stile der Zeit gekleideten Figurinen in Mitten des Ausstellungsraumes inszeniert.

3. Vergnügungsorte
1871 eröffnet, wird der Palmengarten nun 150 Jahre alt. Er brachte durch die Verknüpfung von Gartenkunst mit vielen Formen der Unterhaltung einen neuen Aspekt für den Umgang und die Funktion von städtischen Grünflächen ein. Der Fokus im dritten Ausstellungsraum liegt auf der Gründung des Palmengartens und seinen ersten Jahren, als sich das Palmenhaus, die gestaltete Gartenlandschaft und das Gesellschaftshaus als perfekte Kulisse für botanische, sportliche sowie kulturelle Angebote in der Stadtgesellschaft unentbehrlich machten. Mit den tropischen Pflanzen wurde das Wissen über die außereuropäische Welt in der bürgerlichen Gesellschaft popularisiert; botanische Gärten erfüllten damit auch die Funktion, die Kolonialherrschaft zu repräsentieren und zu stützen. Einen künstlerischen Kommentar zu den kolonialen Verflechtungen liefert die Installation „Geraniums are never red“ des Schweizer Künstlers Uriel Orlow. Ein ganz besonderes Exponat ist das kleine Modelltreibhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es veranschaulicht, wie die Faszination für Gartenkunst und Gartenbau auch ins Private übertragen wurde.

4. Versorgung und Volksbildung
Im vierten Ausstellungsraum werden in acht Bereichen unterschiedliche Konzepte der Grünflächenplanung vorgestellt, mit denen die Stadt im frühen 20. Jahrhundert auf starkes Bevölkerungswachstum, Wohnungsnot und Ernährungsengpässe in Kriegs- und Krisenzeiten reagierte.

Die zeitgenössischen, städtebaulichen Ansätze, die Grünflächen als „sanitäres Grün“ und „dekoratives Grün“ zu bewerten, konnten sich auch in Frankfurt etablieren. Das „sanitäre Grün“, bezeichnet all die Flächen, die für die Gesundheit förderlich sind, wie etwa die Postkartenserie von Licht- und Luftbädern aus Frankfurt zeigt. Die Grünflächen öffneten sich für die ganze Stadtgesellschaft – sichtbar an den großen Volksparks im Osten der Stadt. Freiräume und ihre Gestaltung wurden zunehmend auch auf die Nutzer*innen abgestimmt – was sich bis in die Gegenwart als gängiges Prinzip durchgesetzt hat.

5. Beton statt Grün

Impression der Sonderausstellung "Die Stadt und das Grün" _© HMF/Foto Uwe Dettmar
Impression der Sonderausstellung „Die Stadt und das Grün“ _© HMF/Foto Uwe Dettmar

Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg wurden in Frankfurt wie in vielen Städten dazu genutzt, mit radikalen Schneisen eine autogerechte Stadt umzusetzen. Und so erzählt der fünfte Ausstellungsraum zunächst die Geschichte der Abwesenheit des Grüns, da eine zusammenhängende Grünflächenplanung in der Nachkriegszeit kaum im Fokus lag. Bestehende Parks wurden jedoch als Verkehrsstrecken für Fußgänger*innen ausgebaut und als soziale Treffpunkte gestaltet.

Schließlich wird mit dem GrünGürtel ein weiteres Stadtjubiläum gewürdigt – 2021 wird der Beschluss zum Schutz des Grünraums 30 Jahre alt! Die zusammenhängenden Flächen am Rande des Stadtgebietes dienen als großes Naherholungsgebiet für die Stadt und bieten wichtige Lebensräume für Flora und Fauna.

6. Natur in der Stadt
Die Naturwissenschaft hat den Begriff der Stadtnatur geprägt, die Grün- und Freiflächen, die stadtspezifische Lebensräume formen, aber auch intensiv genutzte Flächen sein können. Im sechsten Ausstellungsraum liegt der Fokus darauf, wie die Natur, Wiesen, Bäume, Pflanzen in der Stadt seit dem 18. Jahrhundert wahrgenommen, untersucht, und porträtiert werden und wurden. Drei Bereiche widmen sich Pflanzen, Bäumen und Streuobstwiesen: der Biotopkartierung und Künstler*innen, die die Flora erfassen, nicht nur in Frankfurt: Auch die beiden Frankfurter Malerinnen Maria Sibylla Merian und Louise von Panhuys werden präsentiert.

7. Geteilte Flächen oder umkämpfter Raum?
Der Stadtraum ist beschränkt, die freien Flächen extrem teuer, die Einwohnerzahl nimmt zu und die Wohnungsknappheit auch, die Wirkungen des Klimawandels sind auch in der Stadt immer mehr spürbar – das sind ganz pointiert die Problematiken, die Frankfurt, aber auch jede andere Großstadt in der Gegenwart bewältigen muss. Eigentlich würde das ein komplett anderes Grünflächenkonzept für die Stadt erfordern; die Besitzverhältnisse lassen das aber oft nicht zu.

Der letzte Ausstellungsraum beschäftigt sich mit dieser Gemengelage und damit, wie die Stadt mit den vielen Anforderungen umgeht, und was die Nutzer*innen eigentlich von einem Park der Gegenwart erwarten. Die städtischen Parkgestaltungskonzepte sowie die Initiativen von Einwohner*innen werden unter die Lupe genommen. Und es wird gefragt, was ein Park eigentlich alles aushalten muss. Die Behörden kämpfen mit der Mehrfachkodierung – das heißt mit den vielen unterschiedlichen Interessen der Besucher*innen, die im Park auf engstem Raum zusammentreffen. Dies wird an der Wand der Herausforderungen mit Objekten wie Slackline, Fußball oder Yogamatte sichtbar gemacht, die alle für beliebte Beschäftigungen in Parks stehen.

Parkgeschichte und Gartenlounge
In jedem Bereich steht eine Parkbank, auf der fortlaufend „Parkgeschichten“ zu hören sind: Interviews mit Protagonist*innen aus dem grünen Stadtraum. Atmosphärisch inszeniert laden die Bänke mit den Audios zum Verweilen und Vertiefen ein.

Ganz zum Schluss öffnet sich die Gartenlounge, in der diskutiert, ausgeruht oder gemeinsam an der Pinnwand Antworten auf Fragen hinterlassen werden können: Ist Frankfurt eine grüne Stadt? Wie können wir unsere Parks für die Zukunft fit machen? Was können wir tun, um die Stadtnatur vor dem Klimawandel und dem Wachstum der Stadt zu schützen?

Kooperationen
Bei den Planungen stand das HMF in engem Austausch und Kontakt mit dem Palmengarten, dem Grünflächenamt und dem Umweltamt der Stadt Frankfurt sowie mit dem Projekt GartenRheinMain bei der Kulturregion Frankfurt RheinMain, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem hr. Bei den Ausstellungen im Jungen Museum und im Stadtlabor ist die Stadtbevölkerung in einem partizipativen Prozess beteiligt.

Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm wird gemeinsam mit dem Stadtlabor Gärtnern Jetzt! organisiert und bietet zahlreiche Stadtgänge, Lesungen, Führungen und Diskussionsrunden in Frankfurt und Rhein-Main an. Es entstand in Kooperation mit: ernstmay-gesellschaft, Heussenstamm – Raum für Kunst und Stadt, Urban Shorts Magazin, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt, dem Gießkannenmuseum Gießen, Museen der Stadt Hanau, Schloss Philippsruhe, Sinclair-Haus in Bad Homburg. Die Termine sollten auf der Website überprüft werden.

Solange die Museen geschlossen sind (vom 30.3 bis voraussichtlich 18.4) wird auf das digitale Angebot verwiesen: https://historisches-museum-frankfurt.de/de/museumdigital

 

Wiedereröffnung der Frankfurter städtischenMuseen und des Instituts für Stadtgeschichte

Frankfurter Museen öffnen wieder. Impression aus dem Archäologischen Museum  © Foto Diether v. Goddenthow
Frankfurter Museen öffnen wieder. Impression aus dem Archäologischen Museum © Foto Diether v. Goddenthow

(ffm) Nach über viermonatiger Schließung aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie öffnen die städtischen Museen für Besucherinnen und Besucher wieder sukzessive ihre Türen. Möglich macht dies der aktuelle Beschluss der Landesregierung. Voraussetzung ist, dass der Inzidenzwert hessenweit zwischen 50 und 100 pro 100.000 Einwohner liegt, die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erfasst werden und Besuchstermine vereinbart werden können.

„Ich begrüße es sehr, dass die Museen und das Institut für Stadtgeschichte zu den ersten gehören, die wieder öffnen können. Wir sind mit entsprechenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen gut vorbereitet, um einen risikoarmen Besuch zu gewährleisten. Ich danke den Direktorinnen und Direktoren der Häuser, dass sie die aktuell geltenden Regeln so umsichtig umgesetzt haben, verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und eine zeitnahe Öffnung der Häuser ermöglichen. In vielen der Museen wurden im zweiten Lockdown neue Ausstellungen eröffnet, die jetzt nur darauf warten, besucht zu werden“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig. Für den Museumsbesuch gelten die bekannten Hygienebestimmungen: Tragen einer medizinischen Maske, Abstand halten und regelmäßig die Hände wasche und desinfizieren.

Archäologisches Museum Frankfurt

Archäologisches Museum Frankfurt  © Foto Diether v. Goddenthow
Archäologisches Museum Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow

Das Museum öffnet am Dienstag, 9. März, wieder seine Türen für die Besucherinnen und Besucher. Es warten zwei besondere Ausstellungen auf ihre Gäste: Die Präsentation „Der Thoraschrein der Synagoge am Börneplatz“ ist noch bis zum 18. April zu sehen, bis zum 11. April zeigt das Haus die Ausstellung „SYRIEN. Fragmente einer Reise, Fragmente einer Zeit“ mit Fotografien von Yvonne v. Schweinitz (1921-2015). Der Besuch des Archäologischen Museums ist nur unter der Voraussetzung möglich, dass die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher vor Ort erfasst werden und im Vorfeld Besuchstermine vereinbart werden. Man kann sich ab Dienstag, 9. März, unter der Telefonnummer 069/212-35896 für eine bestimmte Uhrzeit anmelden. Der Zugang sowohl zur Dauerausstellung als auch zur Sonderausstellung ist aus organisatorischen Gründen vorerst nur über den Haupteingang des Museums in der Karmelitergasse 1 möglich: https://archaeologisches-museum-frankfurt.de/de/

Caricatura Museum Frankfurt

Caricatura Museum für Komische Kunst © Foto Diether v. Goddenthow
Caricatura Museum für Komische Kunst © Foto Diether v. Goddenthow

Das Caricatura Museum öffnet am Dienstag, 16. März, wieder seine Türen für die Liebhaber der komischen Kunst. Die aktuelle Ausstellung „Grober Strich und feiner Witz“ mit Cartoons von Hauck & Bauer wurde bis zum 11. Juli verlängert. Die genauen Bedingungen für einen Besuch können zeitnah der Website des Museums entnommen werden: https://caricatura-museum.de/

 

 

Deutsches Architekturmuseum

Deutsches Architekturmuseum © Foto Diether v. Goddenthow
Deutsches Architekturmuseum © Foto Diether v. Goddenthow

Das Deutsche Architekturmuseum öffnet wieder am Freitag, 12. März, mit neuen Öffnungszeiten: dienstags von 12 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr, donnerstags von 12 bis 20 Uhr und freitags von 12 bis 20 Uhr. Am Samstag und Sonntag ist das Haus von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Haus zeigt derzeit „max40 – BDA Architekturpreis für junge Architektinnen und Architekten“ bis zum 11. April, „Best Highrises 2020/21 – Internationaler Hochhaus Preis 2020“ bis zum 16. Mai und „DAM Preis 2021 – Die 25 besten Bauten in/aus Deutschland“ bis 13. Juni, sowie „Einfach Grün – Greening the City“ bis 11. Juli. Die genauen Bedingungen für einen Besuch können zeitnah der Website des Museums entnommen werden; https://dam-online.de/

Historisches Museum Frankfurt und Junges Museum Frankfurt

Historisches Museum Frankfurt und Junges Museum Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow
Historisches Museum Frankfurt und Junges Museum Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow

Das Historische Museum Frankfurt öffnet wieder am Samstag, 13. März, mit den vor dem zweiten Lockdown geltenden Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Über den Online-Shop der Website oder den Besucherservice des Museums (per Mail an besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de oder unter Telefon 069/212-35154) kann ein Zeitslot gebucht werden (jeweils zweistündig, ab den Öffnungszeiten am Tag gerechnet). Die neue, große Ausstellung „Frankfurter Gartenlust – Die Stadt und das Grün“ ist ab Donnerstag, 25. März, zu sehen. Die Ausstellung des Jungen Museums ist ab Dienstag, 30. März, zu sehen, Spielräume und Werkstätten bleiben vorerst geschlossen. Für einen Besuch muss man sich ebenfalls ein Ticket des Historischen Museums über den Online-Shop holen, dass den Eintritt in das Junge Museum inkludiert: https://historisches-museum-frankfurt.de/

Institut für Stadtgeschichte

Institut für Stadtgeschichte © Foto Diether v. Goddenthow
Institut für Stadtgeschichte © Foto Diether v. Goddenthow

Das Institut für Stadtgeschichte öffnet am Dienstag, 9. März, seinen Lesesaal, die Sammlungen und Ausstellungen. Für den Lesesaal, die Sammlungen und den Ausstellungsbesuch ist eine Voranmeldung erforderlich, Informationen dazu sind auf der Website des Museums zu finden. Derzeit sind im Institut für Stadtgeschichte folgende Ausstellungen zu sehen: „Bewegte Zeiten: Frankfurt in den 1960er Jahren“ bis zum 18. April, „Eberhard Steneberg: Zwischen allen Stühlen“ bis zum 9. Mai und die Dauerausstellung „Jörg Ratgeb: Die Wandbilder im Karmeliterkloster“: https://www.stadtgeschichte-ffm.de/

Jüdisches Museum Frankfurt
Das Jüdische Museum präsentiert bis Mittwoch, 10. März, täglich zwischen 19 und 22 Uhr auf dem Museumsvorplatz eine interaktive Lichtinstallation rund um die Skulptur „Untitled“ von Ariel Schlesinger. Ab Donnerstag, 11. März, öffnet das Jüdische Museum am Bertha-Pappenheim-Platz den Lichtbau mit der Bibliothek und die Dauerausstellung im Rothschild-Palais. Besucherinnen und Besucher können sich ab Mittwoch, 10. März, auf der Website des Museums ein Zeitslot- und/oder Online-Ticket buchen. Sie werden vor Ort von Besucherbetreuerinnen und -betreuern empfangen, die individuelle Kurzführungen anbieten. Am Donnerstag, 18. März, öffnet das Haus zusätzlich die Wechselausstellung „Die weibliche Seite Gottes“ im Lichtbau. Die im Oktober eingeführten Öffnungszeiten bleiben bestehen: Dienstag und Donnerstag von 10 bis 21 Uhr, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr; https://www.juedischesmuseum.de/

Museum Angewandte Kunst

Museum Angewandte Kunst  © Foto Diether v. Goddenthow
Museum Angewandte Kunst © Foto Diether v. Goddenthow

Das Museum Angewandte Kunst öffnet am Dienstag, 9. März, um 12 Uhr. Beim Museum Angewandte Kunst ist eine Terminvergabe per Mail, Telefon oder an der Kasse möglich. Folgende Ausstellungen sind neben der Dauerausstellung zu sehen: „ars viva 2021, Rob Crosse, Richard Sides, Sung Tieu“ bis zum 21. März, „ANETTE LENZ. à propos“ bis zum 16. Mai und „亞歐堂 meet asian art: Schalen. Metamorphosen einer Grundform“ bis zum 7. November. Ab dem 16. April zeigt das Haus „Dieter Rams. Ein Blick zurück und voraus“. Das Haus hat dienstags von 12 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr und donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Das zugehörige Ikonenmuseum öffnet am Dienstag, 16. März, um 10 Uhr. Die genauen Bedingungen für einen Besuch befinden sich noch in der Planung und können zeitnah der Website des Hauses entnommen werden. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und mittwochs von 12 bis 20 Uhr geöffnet: https://www.museumangewandtekunst.de/

Museum Judengasse

Jüdisches Museum Judengasse  © Foto Diether v. Goddenthow
Jüdisches Museum Judengasse © Foto Diether v. Goddenthow

Am Donnerstag, 25. März, erfolgt die Öffnung des Museums Judengasse. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Besucherinnen und Besucher können sich zeitnah vor der Wiedereröffnung online ein Zeitslot- und/oder Online-Ticket buchen: https://www.juedischesmuseum.de/besuchen/museum-judengasse/

Tower MMK
Das Museum MMK für Moderne Kunst öffnet ab Dienstag, 9. März, wieder den TOWER MMK. Dort ist die Ausstellung „Sammlung“ zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr und Mittwoch von 11 bis 20 Uhr: https://www.mmk.art/de/visit/tower/

Weltkulturen Museum

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Das Weltkulturen Museum hat wegen Ausstellungsumbaus erst ab Donnerstag, 1. April, wieder geöffnet. Dann wird die neue, gerade im Aufbau befindliche Ausstellung im Haupthaus „Grüner Himmel, blaues Gras. Farben ordnen Welten“ gezeigt. Die Öffnungszeiten bleiben unverändert: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Die Möglichkeiten zur Buchung von Terminen für den Ausstellungsbesuch, auch schon im Voraus, werden nach organisatorischer Klärung über die Website des Hauses bekannt geben: https://www.weltkulturenmuseum.de/de/

Weitere Informationen sind auf den Webseiten der einzelnen Häuser sowie unter http://www.museumsufer.de zu finden. Die Informationen werden laufend aktualisiert.

MuseumsuferCard
Für Inhaberinnen und Inhaber der MuseumsuferCard geht die Wiederöffnung der Museen mit einer Verlängerung ihrer Jahreskarte einher. Die Laufzeit der MuseumsuferCard wurde bereits für den ersten Lockdown um zwei Monate verlängert, für den zweiten Lockdown ist die Gültigkeit der Karte um weitere vier Monate ausgeweitet worden. MuseumsuferCard-Inhaberinnen und -Inhaber müssen nichts tun: Die Verlängerung wurde auf dem QR-Code der Karte automatisch gespeichert: https://www.museumsufercard.de/

Städtische Museen Frankfurt, Institut für Stadtgeschichte und der Zoo öffnen wieder

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt  © Foto Diether v. Goddenthow-
Institut für Stadtgeschichte Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow-

Wie das Kulturamt der Stadt Frankfurt mitteilt, werden die beim Corona-Gipfel in Bund und Ländern geführten Beratungen über das weitere Vorgehen beim Lockdown auch Lockerungen für Frankfurt mit sich bringen. Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig erklärt: „Es ist ein gutes Zeichen, dass als Ergebnis der gestrigen Bund-Länder-Beschlüsse nun endlich auch die Wiedereröffnung der Museen, des Institutes für Stadtgeschichte und des Zoos in der nächsten Woche möglich ist. Dafür haben sich alle Vertreter von Kunst und Kultur intensiv bemüht; der gemeinsame Einsatz hat sich gelohnt.“ Voraussetzung für die Öffnungen der Institutionen ist zum einen, dass der Inzidenzwert hessenweit zwischen 50 und 100 liegt, die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erfasst werden und Besuchstermine vereinbart werden können. „Ich stehe mit den Museen, dem Institut für Stadtgeschichte und dem Zoo in engem Kontakt und wir prüfen derzeit, wie wir die zu erwartenden Vorgaben des Landes zeitnah umsetzen können. Es wird sicherlich nicht bei allen Häusern gleich schnell gelingen und auch Auswirkungen auf die verfügbaren Besucherkontingente haben, aber was zählt ist, dass die Kultur bei den Lockerungen berücksichtigt wurde. Wir haben gute und erprobte Hygienekonzepte und werden verantwortungsvoll mit der Situation umgehen.“ Wann die städtischen Museen, das Institut für Stadtgeschichte und der Zoo genau öffnen, ist in den nächsten Tagen den jeweiligen Homepages der Institutionen zu entnehmen. „Wir arbeiten mit Hockdruck an einem Eröffnungszenario und ich bin zuversichtlich, dass wir viele der Häuser in der kommenden Woche öffnen können.“

Frankfurter Museen im Überblick

Frankfurter Zoo und Palmengarten

Das Historische Museum Frankfurt (HMF) wird in das Förderprogramm „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ der Kulturstiftung des Bundes aufgenommen

Karsten Bott, Von Jedem Eins ©HMF, Wolfgang Günzel
Karsten Bott, Von Jedem Eins ©HMF, Wolfgang Günzel

Frankfurt 16.12.2020. Mit dem Programm will die Kulturstiftung des Bundes bundesweit Kulturinstitutionen darin unterstützen und motivieren, mit innovativen digitalen Dialog- und Austauschformaten auf die aktuelle pandemiebedingte Situation zu reagieren.

Das Historische Museum Frankfurt freut sich über die Förderung des Projektes „Von Jedem Eins – Digital“, das in Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Frankfurter Künstler Karsten Bott entwickelt wird. Als eines von 68 ausgewählten Projekten, konnte es sich unter 564 eingegangene, gültige Förderanträge behaupten. Die Auswahl der Projekte erfolgte durch den Vorstand der Kulturstiftung des Bundes auf Empfehlung einer unabhängigen Expert*innenjury.

Das Kunstwerk des Frankfurter Künstlers Karsten Bott „Von Jedem Eins“ ist in der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ im HMF zu sehen. Bott sammelt Dinge, oftmals ähnliche Objekte, wie sie sich auch in der HMF-Sammlung befinden, und stellt sie in einer sehr kompakten Form aus: Seine künstlerische Installation bildet ein wandfüllendes Regal mit 45 Fächern, mit 1.492 Objekten der Alltagskultur unserer Gegenwart. Diese Objektarrangements, die Bott als „Puppenstuben“ bezeichnet, bilden jeweils ein Thema ab – wie Baumarkt, Theater oder Liebe.

Die wie ein großes Wimmelbild arrangierten Ensembles vermitteln ein besonderes ästhetisches Erlebnis. Besucher*innen werden im wahrsten Sinne des Wortes in ihrer eigenen Lebenswelt abgeholt und an Umgangsweisen oder Gewohnheiten im eigenen Haushalt oder in ihrer Familie erinnert. „Mir sind die Dinge zum Anfassen sehr wichtig, diese sammle ich und damit arbeite ich. Die Verschränkung von analog und digital ist sinnvoll, weil wir damit ein anderes Publikum erreichen als bisher“, so Karsten Bott.

Ziel des Förderprojektes ist, das Kunstwerk und dessen Vermittlung in den digitalen Raum hinein zu erweitern. Für eine Interaktion mit dem Publikum werden spielerische Zugänge entwickelt. Über verschiedene digitale Formate soll es möglich sein, zu einzelnen Objekten eigene Geschichten, Erinnerungen und Assoziationen zu teilen. Dies soll über eine Web-Anwendung vom heimischen PC aus möglich sein sowie an einer

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Medienstation im Museum Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene, Menschen mit kognitiven Einschränkungen sowie Senior*innen. Mit dem Projekt werden teilhabebeschränkte Menschen dabei unterstützt, Barrieren zu überwinden und an der digitalen Welt teilzunehmen und sie, den eigenen Bedürfnissen entsprechend, mitzugestalten.

Das Museum ist seit dem 2. November geschlossen. Eine Wieder-Öffnung wird zum 12. Januar 2021 erwartet mit diesen Ausstellungen:

Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850
Bis 24. Januar 2021

Ich sehe was, was du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment
Stadtlabor-Ausstellung bis 28. Februar 2021

Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe
Ausstellung im Jungen Museum bis 21. Februar 2021

Goldene Waage
Führungen durch das schönste Fachwerkhaus in der Frankfurter Altstadt, mit Anmeldung

Führungen in der der Goldenen Waage. Impression aus dem Bereich Dauerausstellung. © Foto Diether v. Goddenthow
Führungen in der der Goldenen Waage. . © Foto Diether v. Goddenthow

 

 

Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 212-35599
info@historisches-museum-frankfurt.de
www.historisches-museum-frankfurt.de

Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850 – Große Textilschau im Historischen Museum Frankfurt bis 24.01.2021 verlängert

Impression "Kleider in Bewegung", verlängert bis 24. januar 2021 Historisches Museum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression „Kleider in Bewegung“, verlängert bis 24. januar 2021 Historisches Museum Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Historische Museum Frankfurt hat seine zentrale Sonderausstellung zum  diesjährigen Leitthema Textil: „Kleider in Bewegung“ bis zum 24. Januar 2021 verlängert.

Die Ausstellung spannt einen großen Bogen von der Beschaffenheit der Kleider hin zu grundsätzlichen Aspekten von Bewegung und Mobilität, ihren Veränderungen und Anpassungen in einer für das Geschlechterbild entscheidenden Umbruchphase von 1850 bis in die frühen 1930er Jahre. Das Museum nimmt damit die großen Jubiläumsdekaden Bauhaus und Weimarer Republik in den Fokus. In den Räumen werden die verschiedenen Alltags- und Lebensbereiche (Haushalt, Arbeit, Sport, Freizeit und Politik) präsentiert, in denen sich Frauen Bewegung eroberten oder trotz bewegungseinschränkender Kleidung zu wirken begannen.
Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag bis Freitag: 10:00 — 18:00 Uhr
NEU! Mittwoch: 10:00 — 18:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11:00 — 19:00 Uhr

Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung immer sonntags um 12 Uhr:

So, 19. Juli, 12 Uhr
Führung mit Simone Arians

So, 26. Juli, 12 Uhr
Führung mit Nathalie Angersbach

Eintritt: 10 €/5 € ermäßigt + 3 € Führung

Um Anmeldung über den Besucherservice des Museums wird gebeten: Montag bis Freitag: 10 – 16 Uhr unter Tel. +49 69 212-35154, E-Mail: besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main

Sonderausstellung „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ hat das Historische Museum Frankfurt bis zum 24.Januar 2021 verlängert

kleider-in-bewegung-wimmelbildErstmals zeigt eine Ausstellung, wie der Frauenkörper anhand sich verändernder Kleidung seit 1850 an Bewegungsfreiheit gewinnt. Das Historische Museum Frankfurt (HMF) versetzt mit dieser zentralen Sonderausstellung zum Jahresthema „Textil“  historische Kleider vom 5. Mai 2020 bis 24. Januar 2021 „Kleider in Bewegung“.  Während diese Ausstellung eine soziohistorische Perspektive einnimmt, rückt das  Projekt  „Bewegte Kleidung. Ein modisches Stadtlabor“  noch bis zum 16. 08.2020 – gegenwartsbezogen – die Entwürfe von  Schülerinnen der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode ins Betrachtungszentrum. Als dritte im Bunde lädt die Mitmachausstellung  „Werk*Stoff*Textil“  bis 21.01.2021 Kinder und Jugendliche ein,  vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt sich haptisch und manuell auf   Herstellungsweisen von Textilien einzulassen.

Kleider in Bewegung

Impression „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ . Mitte des 19. Jahrhunderts setzt in gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und philosophischen Debatten eine intensive Beschäftigung mit Begriffen wie Bewegung, Mobilität und Geschwindigkeit ein, die auch in Kleidung und deren Form, Schnitt und Stoff vestimentär Gestalt annimmt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ . Mitte des 19. Jahrhunderts setzt in gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und philosophischen Debatten eine
intensive Beschäftigung mit Begriffen wie Bewegung, Mobilität und Geschwindigkeit ein, die auch in Kleidung und deren Form, Schnitt und Stoff vestimentär Gestalt annimmt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Im 19. Jahrhundert erobern Frauen neue öffentliche Räume. Die Stadtgesellschaft gerät in Bewegung, wie der rasante Wandel weiblicher Mode zeigt: Innovationen im Schnitt der Kleider reagieren auf Veränderungen in Alltag und Sport, in Freizeit und Arbeit. Die große Ausstellung versetzt historische Kleider wieder in Bewegung und kombiniert sie mit frühem Film und Fotografie sowie interaktiven Medien. Sie veranschaulicht die vielfältigen Funktionen von Textilien: Kleidung ist bis heute nicht nur praktisch, sondern drückt auch Schönheitsideale, Normen und Tabus aus. Neben der Geschichte der Frauenmode richtet die Ausstellung ihren Blick auch auf die Gegenwart. Welche Einschnitte, Rückschritte oder Widersprüche gab es seit 1850? Und wie ist es heute?

Gesellschaftskleid um 1880, hier überladene Garnitur aus Spitzen, Schleifen und Ptissees, was durch eine quer laufende Faltenanordnung am oberen Rockteil noch gesteigert wird. © Foto: Diether v. Goddenthow
Gesellschaftskleid um 1880, hier überladene Garnitur aus Spitzen, Schleifen und Ptissees, was durch eine quer laufende Faltenanordnung am oberen Rockteil noch gesteigert wird. © Foto: Diether v. Goddenthow

Präsentiert werden rund 200 Exponate – konzentriert auf Objekte der museumseigenen Textil- und Modesammlung, ergänzt durch erlesene, internationale Leihgaben (Textilien, Gemälde, Grafiken und Fotografien). Über 50 Vollbekleidungen und zahlreiche Einzelkleidungsstücke werden in Momenten der Bewegung gezeigt, vom bürgerlichen Gesellschaftskleid über das Korsett bis zum Reform- und Arbeitskleid, Badeanzug, erster Hose und Abendmode. Die Ausstellung führt in einer anspruchsvollen Szenografie – für deren Gestaltung und Ausleuchtung Michaelis Szenografie und das atelier deLuxe gewonnen werden konnten – regionale und internationale Mode-, Kunst und Bewegungsgeschichte vor Augen, stellt Bezüge zu aktuellen Diskussionen und Medien her und stellt Fragen nach heutiger Bewegungsfreiheit und -begrenzung durch Kleidung.

Eine Thementour durch die Ausstellung

Frauenmantel um 1910. Wie auch hier beispielhaft sichtbar, wirkte die Sportmode als Innovationsmotor in die weibliche Alltagsmode hinein, wofur auch die sogenannten Autofahrermäntel ein Beispiel geben.© Foto: Diether v. Goddenthow
Frauenmantel um 1910. Wie auch hier beispielhaft sichtbar, wirkte die Sportmode als Innovationsmotor in die weibliche Alltagsmode hinein, wofur auch die sogenannten Autofahrermäntel ein Beispiel geben.© Foto: Diether v. Goddenthow

Das HMF besitzt eine einzigartige Sammlung von bürgerlichen Kleidungsstücken aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Wie Bewegung anhand von Kleidern rekonstruiert werden kann, haben Dank einer Förderung durch die VolkswagenStiftung die zwei Textilwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Kerstin Kraft und Dr. Regina Lösel der Universität Paderborn, in enger Zusammenarbeit mit der Textilkuratorin Dr. Maren Christine Härtel des HMF untersucht.

Gerade in der Zeit zwischen 1850 und 1930 wandelt sich das Frauenbild erheblich: Frauen erkämpfen sich Zugang zu Bildung, Politik und Arbeit. Sie drängen immer mehr in die Öffentlichkeit. Das zieht grundlegende Erneuerungen in der weiblichen Mode nach sich, die ihren Trägerinnen mehr Bewegungsfreiheit sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum gewährt. Die sich im Zuge der Industrialisierung etablierenden neuen Arbeitsmöglichkeiten, etwa als Fabrikantinnen, Köchinnen oder Buchhalterinnen, und die damit verbundene erhöhte Mobilität machen Neuerungen im Schnitt der Kleidung notwendig.

In diesem Zeitraum entwickeln sich Kleidungstypen wie Kostüm, Hose und Kleid. Die Ausstellung zeigt deren kleidungsspezifische Besonderheiten im Privatleben und in der Öffentlichkeit. Erst mit Beginn der Eingliederung der Frau in den Arbeitsmarkt werden praktische Aspekte neben ästhetischen bei der Kleiderwahl in Erwägung gezogen. In dieser Zeit entsteht das Bild der emanzipierten und berufstätigen Frau, die geistig und finanziell unabhängig ist.

Um 1900, Hand in Hand mit der ersten Frauenbewegung, rückt auch die Frauenkleidung ins politische, künstlerische und soziale Konfliktfeld gesellschaftlicher Debatten.

Korsett in Form gewebt, um 1900. Seit den 1820ern kam  das  Korsett in unterschiedlichen Ausführungen bis 1910 erneut wieder in Mode.© Foto: Diether v. Goddenthow
Korsett in Form gewebt, um 1900. Seit den 1820ern kam das Korsett in unterschiedlichen Ausführungen bis 1910 erneut wieder in Mode.© Foto: Diether v. Goddenthow

Ein wichtiges Thema ist die Befreiung vom Korsett. Mit der Entwicklung der Reformkleidung wird dem weiblichen Körper mehr Bewegung eingeräumt und auf das gesundheitsschädliche Korsett verzichtet. Obwohl den Akteurinnen der Frauenbewegung eine Reform weiblicher Kleidung notwendig erscheint, sind sie in der Art ihrer Durchsetzung zwiegespalten: Eine radikale Kleidungsänderung bis hin zum Tragen des männlichen Attributs schlechthin – der Hose – streben nur wenige Frauen an. Kleidung wird auf diese Weise als Schnittstelle zwischen Alltagspraxis und politischen Diskursen präsent.

Für Besucher*innen der Ausstellung besteht die Möglichkeit, Nachbildungen einengender Kleidungsstücke anzuziehen und die Bewegungseinschränkung so auch am eigenen Leib zu erfahren.

Die Schau zeigt, was die fest vorgeschriebene Kleiderordnung um 1850 vorgibt; sie zeigt aber auch, wie diese beispielsweise durch Transvestitenscheine gebrochen (sie erlaubten dem Besitzer das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts) und schließlich ab dem 20. Jahrhundert grundsätzlich reformiert wird.

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Zu diesem Reformprozess tragen auch neue Freizeitaktivitäten, wie Fahrradfahren, Tennis oder Tanzabende bei, die nach dem ersten Weltkrieg entstehen. Mit ihnen wächst auch das Bedürfnis nach neuen Kleidungsformen, die den nötigen Bewegungsspielraum für die neuen Aktivitäten ermöglichen sollen. Kleidungsstücke, wie das Charlestonkleid für Tanzabende, beginnen, beeinflusst durch die Wirkung des elektrischen Lichts mit erzeugten Farbverläufen, neuen Verarbeitungstechniken, Stoffen und Verzierungen zu spielen. Auf diese Weise inszenieren diese Kleidungsstücke Bewegungen noch dynamischer.

Für größere Teile der Gesellschaft wird auch der Sport zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens. Das Interesse daran führt zu gesellschaftlichen und technischen Veränderungen, die das Bild der „Neuen Frau“ um eine weitere Facette ergänzen. Sportlerinnen mit ihren trainierten Körpern und dem aktiven Lebenswandel verkörpern ein neues weibliches Schönheitsideal.

Weitere Informationen: www.historisches-museum frankfurt.de/kleider-in-bewegung

Begleitbuch zur Ausstellung:
Kleider-in-Bewegung-katalog©-HMFZur Ausstellung erscheint ein gleichnamiges Begleitbuch, hrsg. v. Maren Ch. Härtel, Kerstin Kraft, Dorothee Linnemann, Regina Lösel im Imhof- Verlag mit rund 250 Seiten und 280 Abbildungen, 30 €.

 

 

 

Zur Ausstellung gibt es einen Multimediaguide Ausleihgebühr 3 €, oder online: https://mmg.historisches-museum-frankfurt.de/xpedeo/

Fragen? Das Team Besucherservice beantwortet sie gerne.
Mo – Fr 10 – 16 Uhr
Tel.: 069 212-35154
besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de

Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850
Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt
5. Mai 2020 bis 24. Januar 2021
Di – Fr 10 – 18 Uhr
Mi 10 – 21 Uhr
Sa + So 11 – 19 Uhr
Eintritt Wechselausstellung 10 €/6 €
Eintritt Museum Vollpreis 12 €/6 €

Ort:
hmfHistorisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
Tel +49 69 212 35599
Fax +49 69 212 30702
E-Mail info@historisches-museum-frankfurt.de

Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe – Junges Museum öffnet am 7.06. erstmals nach Corona-Pause im Historischen Museum Frankfurt Werkstatt-Ausstellung zum Leitthema „Textilien“

In der neuen Werkausstellung "Werk*Stoff*Textil - Vom Faden zum Gewebe" können die jungen Besucher an sieben interaktiven Mitmachstationen handwerkliche Techniken selbst und mit Anleitung kennenlernen, Materialproben betrachten und erforschen sowie die Techniken selbst erproben. © Foto: Diether v. Goddenthow
In der neuen Werkausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ können die jungen Besucher an sieben interaktiven Mitmachstationen handwerkliche Techniken selbst und mit Anleitung kennenlernen, Materialproben betrachten und erforschen sowie die Techniken selbst erproben. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Historische Museum steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von Mode und dem Stoff, aus dem sie überwiegend gefertigt wird: nämlich  Textilien, so Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, beim gestrigen Pressegespräch zur Wiedereröffnung des Jungen Museums nach der Coronapause mit der Werk- und Mitmachausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ ( 7. Juni 2020 bis 21. Februar 2021. Als letzte der drei Ausstellungsformate ergänzt die neue Werkstatt-Ausstellung die große Wechselausstellung „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ (5. Mai 2020 – 24. Januar 2021) und „Bewegte Kleider. Ein modisches Stadtlabor“ (5. Mai bis 16. August 2020) im Ausstellungshaus des Historischen Museums. Entwickelt und übernommen wurde „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ vom Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim.

Dr. Ina Hartwig. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Ina Hartwig. © Foto: Diether v. Goddenthow

Frankfurts Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig ist fasziniert davon, dass das Historische Museum das Thema Stoff und Textil schwerpunktmäßig in diesem Jahr behandelt. Das Thema Mode sei ja neben soziologischen Betrachtungen nur ein Aspekt des Themas Stoff und Textil. Besonders Kinder fasziniere Mode ja besonders. Jeder, der sich an seine eigene Kindheit erinnere, denkt auch „an Verkleidungsspiele zurück, zum einen, weil es darum geht, Rollen auszuprobieren, also um Identitätsschablonen zu wechseln, aber auch, um sich als Kind gern auch als Erwachsener zu verkleiden. Und es geht auch beim Verkleiden um dieses Changieren der Rollen und der Identität“, so die Kulturdezernentin. Kinder bewiesen eben durch ihre Verkleidungsspiele, dass die Mode dabei auch an der Oberfläche eine Rolle spiele, die mit dem Inneren korrespondiere, was ja ein Leben lang so bleibe. Mode habe auch etwas Zeichenhaftes, sage etwas über Rollenbilder und soziale Klassen und über die Veränderung und Bewegungsfreiheit. „Frauen, die arbeiten konnten oder mussten, mussten sich auch bewegen. Also hat sich die Mode entsprechend verändert“, beleuchtet Dr. Ina Hartwig mit Blick auf die Hauptausstellung „Kleider in Bewegung“ den Aspekt der Mode. Sie habe jenseits reinen Konsums etwas Zeichenhaftes  und stünde für etwas.  Besonders fasziniere sie, dass die Ausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ so haptisch sei, dass sie nicht nur Kindern einen so einfachen Zugang zu diesem Thema erlaube.

Eine anregende und motivierende Lernumgebung herrscht an allen Mitmachstationen wie hier beim Stricken lernen" der Werkausstellung "Werk*Stoff*Textil - Vom Faden zum Gewebe" des Jungen Museums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Eine anregende und motivierende Lernumgebung herrscht an allen Mitmachstationen wie hier beim Stricken lernen“ der Werkausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ des Jungen Museums Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

In einer Werkstattausstellung wie der „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ kann „eine anregende und motivierende Lernumgebung geschaffen werden, erläutert die Leiterin des Jungen Museums und der Vermittlung, Susanne Gesser. So würden neben dem gestalterischen Tun ganz selbstverständlich Fachinformationen und historische Exkurse zum Thema angeboten und einfließen. „Diese Art der Ausstellung ist ausgesprochen beliebt, und kommt bei unserem Publikum sehr gut an“, skizziert Susanne Gesser einen der pädagogischen Ansätze.

Susanne Gesser (mitte) demonstriert Ina Hartwig (li) u. Dr. Jan Gerchow die Idee der Werkinseln.© Foto: Diether v. Goddenthow
Susanne Gesser (mitte) demonstriert Ina Hartwig (li) u. Dr. Jan Gerchow die Idee der Werkinseln.© Foto: Diether v. Goddenthow

Was einst schon schöpferisches Wohlbefinden förderte,  tut es auch heute noch: „Handwerkliche Geschicklichkeit, innere Erlebnisse und sinnenfrohe Wahrnehmungskraft und eine durch Einsicht beflügelte Gestaltungsfreude stellen eine dreifache Einheit menschlicher Wesensäußerung dar“. Dieser  aus einem 1970er Handarbeitsbuch zitierte, ein wenig altmodisch anmutende Text hat nicht an Aktualität verloren, und träfe „ganz gut die Idee, die hinter den Werkstattausstellungen des Jungen Museums steht“, so die Museumsleiterin. „Es geht darum, etwas Neues kennenzulernen, es auszuprobieren, möglicherweise sogar die eigene Kreativität zu entdecken. Dabei können manuelle Geschicklichkeit geschult, neue Anreize und Anregungen für Kreativität aufgenommen und Neugierde geweckt werden.“

Von Rüsselsheim nach Frankfurt – Einführung in die Ausstellung

Dr. Bärbel Maul. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Bärbel Maul. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es sei beinahe wie ein Ritterschlag, dass das Historische Museum Frankfurt, eine der wichtigsten Institutionen seiner Art bundesweit, unsere Ausstellung aus Rüsselsheim übernommen habe. „Sie fragen sich vielleicht warum und weswegen sich die Rüsselsheimer überhaupt des Themas Textilien angenommen haben?“ begrüßte Dr. Bärbel Maul, Ausstellungsmacherin und Museumsleiterin des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim.

Erst gab’s die Opel-Nähmaschine 

Man müsse wissen, so die Rüsselsheimer Museumsleiterin, dass noch bevor das 10.000ste Auto aus einer Werkhalle in Rüsselsheim rollte, Opel bereits eine Millionen Nähmaschinen produziert hatte. Die Nähmaschinenproduktion sei Beginn dieser wichtigen Geschichte Rüsselsheims gewesen. Adam Opel war,  als er 1858 auf der Pariser Weltausstellung die brandneue, von Elias Howe in Amerika (fertig-)erfundene Nähmaschine kennen lernte, so  fasziniert davon, dass er beschloss, diese in Rüsselsheim nachzubauen und zu produzieren.

Die ersten Nähmaschinen, die Adam Opel verkauft hat, hat er nicht nur an Schneidermeister verkauft, die  Kleider individuell gefertigt haben. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die ersten Nähmaschinen, die Adam Opel verkauft hat, hat er nicht nur an Schneidermeister verkauft, die Kleider individuell gefertigt haben. © Foto: Diether v. Goddenthow

Nach der Erfindung der Spinnmaschine Mitte des 18. Jahrhunderts und des mechanischen Webstuhls Ende des 18. Jahrhunderts war die mechanische Nähmaschine „die dritte Maschine, die in der Lage war, die Textilproduktion zu revolutionieren“, so Dr. Bärbel Maul.
„Plötzlich ist Kleidung kein Luxus mehr. Kleidung und später auch bunte Kleidung ist massenhaft und billig verfügbar. Und das, was wir heute erleben und sehen in Bezug auf Kleidung, bahnt sich dort bereits an. Die ersten Nähmaschinen, die Adam Opel verkauft hat, hat er nicht nur an Schneidermeister verkauft, die die  „Kleider“   ihren Kunden individuell auf den Leib schneiderten. Er verkaufte auch Nähmaschinen für den Hausgebrauch, oftmals an Frauen, die unter härtesten Arbeitsbedingungen in der Konfektionsindustrie tätig waren“, erläuterte Dr. Bärbel Maul die Rüsselsheimer „Textilmaschinen-Geschichte“, die zur Entscheidung führten, sich intensiv den unterschiedlichsten Facetten von „Textilien“ und ihrer Entstehung zu widmen.

Einführung in die Ausstellung

Eine besondere Herausforderung war, dieses Thema "Textil" in einer Werkstatt- und Mitmachausstellung so zu präsentieren,  die   auch Kinder und Jugendliche anspricht. © Foto: Diether v. Goddenthow
Eine besondere Herausforderung war, dieses Thema „Textil“ in einer Werkstatt- und Mitmachausstellung so zu präsentieren, die auch Kinder und Jugendliche anspricht. © Foto: Diether v. Goddenthow

Eine besondere Herausforderung war, dieses Thema „Textil“ in einer Werkstatt- und Mitmachausstellung zu präsentieren, „die sich besonders auch an Kinder und Jugendliche richtet und die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, was uns ganz, ganz wichtig war“, erinnert sich die Kuratorin, die Entstehung der Rüsselsheimer Ausstellung. Gemeinsam mit dem Frankfurter Museums-Team  wurde diese an die  umfangreiche Frankfurter Textil- und Farben-Geschichte für die aktuelle Ausstellung angepasst.

Die Ausstellung „Werk*Stoff*Textil“ zeige zunächst einmal „welche Schritte es denn für die Herstellung eines Textils braucht. ‚Wie kommt man denn überhaupt von einer Faser zu einer textilen Fläche? Wie kommt man dann wieder von der Fläche zu einer farbigen Fläche? Vielleicht auch mit einem bunten Muster? Und wie dann eben auch zum fertigen Kleidungsstück?’“ Die Rüsselsheimer Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen zeige: Wer sich dies einmal vergegenwärtigt habe, mal selber ausprobiert habe,  könne erst verstehen, wie viel Ideen, Mühe, Sorgfalt und Arbeit in so einer Textilie stecke. Und dann würde man auch empfänglich für die Überlegung, ob wir der Kleidung, die wir tragen, eigentlich die Wertschätzung zukommen lassen, die sie haben sollte?

Werkinsel Roh- und Ausgangsstoffe

Die Ausstellung zeigt zunächst einmal „welche Schritte es denn für die Herstellung eines Textils braucht. Wie kommt man denn überhaupt zu einer Faser und  von der Faser zu einer textilen Fläche? © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Ausstellung zeigt zunächst einmal „welche Schritte es denn für die Herstellung eines Textils braucht. Wie kommt man denn überhaupt zu einer Faser und von der Faser zu einer textilen Fläche? © Foto: Diether v. Goddenthow

Deswegen startet die Ausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“ mit einer Werkstatt-Insel, die Antworten auf die Fragen gib, welche Textilfasern es gibt, wie sie sich anfühlen, wie daraus ein Faden wird und was diese Fasern können. Gezeigt werden tierische, pflanzliche und synthetische Fasern. Präsentiert zum Anfassen werden Roh- und Ausgangsstoffe, aus denen ein Faden/Garn entsteht. Die Besucher können tierische, pflanzliche und synthetische Fasern einer Materialprobe unterziehen und die verschieden Eigenschaften der Ausgangsstoffe vergleichen (Herkunft der Stoffe, visueller und haptischer Vergleich, Elastizität, Wolle kardieren, mit der Handspindel einen langen Faden spinnen).

Werkinsel Weben

Die Museumspädagogen zeigen auch wie manuelles Weben am großen Webstuhl funktioniert. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Museumspädagogen zeigen auch wie manuelles Weben am großen Webstuhl funktioniert. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit über 30.000 Jahren ist das Weben eine der ältesten Handwerkstechniken. Als die Menschen sesshaft wurden und Faserpflanzen anbauten, konnten sie immer besser durch Spinnen und Weben textile Flächen herstellen. In diesem Bereich sind große Rahmen mit Kettfäden versehen, an denen Besucher*innen mit Hilfe eines Schiffchens eigene gewebte Werke gestalten können. Verschiedene Gewebeproben mit unterschiedlichen Bindungen (unterschiedliche Anordnung von Kett- und Schussfäden) können untersucht werden. Unter Anleitung der Publikumsbetreuung können Besucher*innen an einem großen hölzernen Webstuhl an einem großen Webstück arbeiten

Werkinsel Stricken & Knüpfen

Bevor es losgehen kann, sollte die die Wolle entsprechend gewickelt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Bevor es losgehen kann, sollte die Wolle entsprechend gewickelt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Beim Stricken entsteht aus einem Faden Masche für Masche, Reihe für Reihe, ein Gestrick. Die ältesten Gestricke, die sich erhalten haben, sind knapp über 1.000 Jahre alt. Das Verschlingen des Fadens findet sich auch in verschiedenen Knüpftechniken wieder – mit dem Unterschied, dass der Faden fest verknotet wird. In diesem Bereich können verschiedene Techniken ausprobiert werden: Stricken mit der Nadel, mit den Fingern, Stricken mit Strickrahmen; gemeinsames Knüpfen eines Teppichs an der Knüpfwand, Netze knüpfen.

Werkinsel Filzen

Die gängigsten Filztechniken auf einen Blick. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die gängigsten Filztechniken auf einen Blick. © Foto: Diether v. Goddenthow

Filzen gilt als eine der ältesten Kulturtechniken der Welt, um Stoff herzustellen. So sollen schon vor 8.000 bis 10.000 Jahren Menschen damit begonnen haben, die Wolle ihrer Hausschafe zum Filzen zu gebrauchen. Beim Filzen entsteht eine textile Fläche, deren Fasern durch verschiedene Techniken direkt miteinander verbunden sind. Dabei bedient sich die Technik der natürlichen Struktur von (Tier-) Haaren, die nicht nur unterschiedliche Oberflächen, sondern auch verschiedene stoffliche Qualitäten haben. Hier kann an Filztextilien die besondere Widerstandsfähigkeit des Materials erforscht werden.

Werkinsel Färben

Öffnet man an der "Färbestation" die  unteren Farbtafeln,  entdeckt man die  entsprechenden Roh- und Pflanzenstoffe der jeweiligen  Natur-Farbe. © Foto: Diether v. Goddenthow
Öffnet man an der „Färbestation“ die unteren Farbtafeln, entdeckt man die entsprechenden Roh- und Pflanzenstoffe der jeweiligen Natur-Farbe. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Ausstellungsbereich zum Färben stellt zwölf heimische Färberpflanzen vor, deren natürliche Inhaltsstoffe zum Färben genutzt wurden. Im Anschluss lassen sich naturfarbene Stoffstreifen aus Baumwolle oder Leinen mit verschiedenen Lösungen in unterschiedlichen Farbtönen einfärben. Besucher*innen sind eingeladen, an einer Mischstation einen neuen Farbton zu „erfinden“ und ihn in ein bereitliegendes Musterbuch einzuheften.

Werkinsel Drucken

Die wichtigsten manuellen Drucktechniken gleich zum Ausprobieren. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die wichtigsten manuellen Drucktechniken gleich zum Ausprobieren. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Stoffdruck war lange Zeit ein anspruchsvolles Handwerk. Die Formenstecher schlugen mit hoher Genauigkeit die Muster in das Holz. Die „Zeugdrucker“ beherrschten das Färben der Stoffe und setzten die Modeln so kunstvoll auf den Stoff, dass das Muster sich genau fortsetzte und unendlich schien. Die Modeln waren zunächst aus Holz, später aus Metall. Dann wurden die Druckstöcke durch Walzen ersetzt, die später von Maschinen angetrieben wurden. Seit Einführung des Digitaldrucks 1995 sind keine festen Druckvorlagen mehr nötig, das Motiv wird direkt vom Computer übertragen. An einer Computer-Station kann ein eigenes Druckmuster entworfen und auf dem imaginären Stoff beliebig vervielfältigt werden. Darüber hinaus können Besucher*innen Stoffdruck mit Stempeln und Walzen ausprobieren.

Werkinsel Nähen

Auch eine  mechanische Nähmaschine wird an der großen Nahstation gezeigt. Zuschnitt, Schnittmusterbögen und Gebrauch von Nadel, Garn und Faden können  unter Anleitung am großen Tisch nebenan gemeinsam erprobt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Auch eine mechanische Nähmaschine wird an der großen Nahstation gezeigt. Zuschnitt, Schnittmusterbögen und Gebrauch von Nadel, Garn und Faden können unter Anleitung am großen Tisch nebenan gemeinsam erprobt werden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Nähen ist eine der ältesten Kulturtechniken, die Erfindung der Nähnadel aus Knochen oder Horn ist bereits für die Steinzeit belegt. Mit Nadel und Faden wird aus dem zweidimensionalen, flächigen Stück Stoff ein z.B. als Kleidung nutzbares dreidimensionales Textil. In diesem Bereich können an einer historischen Nähmaschine Wimpel genäht werden, die als sich als wachsende Wimpelkette durch die gesamte Ausstellung ziehen. Eine Informationswand verdeutlicht, wie viel Stoff und welche einzelnen Stoffteile in einer Jeans stecken und welche Arbeitsschritte in ihrer Produktion vollzogen werden.

Mensch & Umwelt

Das unbenutzte löchrige T-Shirt wird zur Tasche oder zum Badezimmerteppich. Aus ausgedienter Kleidung werden neue Accessoires.© Foto: Diether v. Goddenthow
Das unbenutzte löchrige T-Shirt wird zur Tasche oder zum Badezimmerteppich. Aus ausgedienter Kleidung werden neue Accessoires.© Foto: Diether v. Goddenthow

Dieser Themenbereich beschäftigt sich mit den Produktionsbedingungen von Textilien. Der umfangreiche Einsatz von Pestiziden bei Anbau und Produktion der Rohfasern, der enorme Wasser- und Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung, die ungeschützt vor giftigen Chemikalien tätigen Textilarbeiterinnen in China, Bangladesch oder Indien, Niedriglöhne und Kinderarbeit: Die europäische Textilbranche beruht auf Umweltverschmutzung und Ausbeutung, die anderswo passiert. An der Informationswand „Nachhaltigkeit“ und in der Upcycling-Werkstatt können sich Besucher*innen dem Umarbeiten und Wiederverwenden aussortierter Textilien widmen: Das unbenutzte löchrige T-Shirt wird zur Tasche oder zum Badezimmerteppich, aus ausgedienter Kleidung werden neue Accessoires.

Kleiderbügel-Objekte – die  sonstige vielfältige Verwendung von Textilien

Wussten Sie, dass in Rottweil die Fassade des 246 Meter hohen Testturms für Aufzüge der Firma thyssenkrupp Elevator aus Stoff besteht, nämlich aus einem beschichteten Glasgewebe. Solche und ähnliche Beispiele werden auf den Tafeln der vier „Kleiderbügel-Objekttafeln“ präsentiert, erläutert Dr. Bärbel Maul. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wussten Sie, dass in Rottweil die Fassade des 246 Meter hohen Testturms für Aufzüge der Firma thyssenkrupp Elevator aus Stoff besteht, nämlich aus einem beschichteten Glasgewebe. Solche und ähnliche Beispiele werden auf den Tafeln der vier „Kleiderbügel-Objekttafeln“ präsentiert, erläutert Dr. Bärbel Maul. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es gibt neben den Werkstatt-Stationen noch eine Rahmung dazu, so Dr. Bärbel Maul abschließend. Denn Textilien seien natürlich sehr viel mehr als das, was wir anziehen. Es gibt in unserem Alltag unglaublich viele Bereiche, in denen Textilien eingesetzt werden, an die man zuerst mal gar nicht denkt. Von der zurzeit „berühmten“ Mundschutzmaske bis hin zum industriellen Werkstoff, kämen Textilien überall zum Einsatz. An vier Garderobenständern im Raum werden Tafeln mit entsprechenden Objektbeschreibungen an Kleiderbügeln präsentiert. Die Kleiderbügel-Objekte zeigen unterschiedliche Textilien in verschiedensten Einsatzbereichen. Sie eröffnen eine Vorstellung davon, welche Bedeutung Textilien haben und erreichen können, an welchen neuen Materialien geforscht wird und welche alten und neuen Einsatzbereiche es für Textilien gibt. Man habe sich bei der Ausstellungsvorbereitung beim Deutschen Institut für Faserforschung und Textiltechnik in Denkendorf (Baden Württemberg) beraten lassen.

Es sei nicht nur eine Ausstellung, die ausschließlich  Kinder und Jugendliche begeistere: „Wir haben auch schon Erwachsene ohne Kinderbegleitung in der Ausstellung erwischt“.

UV-Desinfektionslampen im Einsatz

Karin Berrio, Leiterin der Museumskommunikation, demonstriert an der Webstation wie mit UV-Strahlung innerhalb kürzester Zeit auch Bereiche zu 99,9 Prozent desinfiziert werden können,  die man mit  Flächendesinfektionsflüssigkeiten nicht erreicht.© Foto: Diether v. Goddenthow
Karin Berrio, Leiterin der Museumskommunikation, demonstriert an der Webstation wie mit UV-Strahlung innerhalb kürzester Zeit auch Bereiche zu 99,9 Prozent desinfiziert werden können, die man mit Flächendesinfektionsflüssigkeiten nicht erreicht.© Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den  lückenlosen Infektionsschutzmaßnahmen mit begrenzten Besucherzugangszahlen, „Einbahnstrassenverkehr“, Abstands- und Desinfektionsregeln  hat sich das Historische Museum   UV-Desinfektionslampen angeschafft. Mit deren Hilfe können die Museumsmitarbeiter sämtliche in der Werkausstellung befindlichen Materialien, ob Schafwollbürste oder Nähutensilien,  innerhalb weniger Minuten sterilisieren. Was in  OP’s für Keimfreiheit sorgt, funktioniert auch eben auch an Werktischen!

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Ort:

Immer der Wimpelkette nach.
Immer der Wimpelkette nach.

Junges Museum im
Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1
60311 Frankfurt am Main
Tel +49 69 212 35599
Fax +49 69 212 30702
E-Mail info@historisches-museum-frankfurt.de

Frankfurter Städtische Museen und das Institut für Stadtgeschichte ab heute wieder geöffnet

Endlich im Historischen Museum Frankfurt zu sehen:   „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ und  „Bewegte Kleidung – Ein modisches Stadtlabor“  Abbildung: Johann Heinrich Hasselhorst, Drei schreitende Frauen in Rückenansicht, Frankfurt um 1900 © HMF, Horst Ziegenfusz
Endlich im Historischen Museum Frankfurt zu sehen: „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ und „Bewegte Kleidung – Ein modisches Stadtlabor“
Abbildung: Johann Heinrich Hasselhorst, Drei schreitende Frauen in Rückenansicht, Frankfurt um 1900 © HMF, Horst Ziegenfusz

(ffm) Die städtischen Museen und das Institut für Stadtgeschichte öffnen ab dem heutigen Dienstag, 5. Mai, wieder ihre Türen für die Besucher. Das haben Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig während eines Pressegespräches am Montag, 4. Mai, im Historischen Museum Frankfurt bekannt gegeben, bei dem sie außerdem über die Schutz- und Hygienemaßnahmen in den Häusern informierten.

Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte im Historischen Museum: „Nicht nur die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung nehmen durch die Öffnung der Museen endlich wieder zu – es ist auch ein unschätzbares Bildungsangebot, das hiermit wieder startet. Alle haben darauf gewartet. Kunst und Kultur berühren alle Menschen unserer Stadt – und ich freue mich, dass die Museen ihre vielfältigen Programme nun wieder einer breiten Öffentlichkeit zeigen können. Natürlich gelten die Regeln – vor allem das Abstandsgebot – weiter. Ein kleiner Preis für die wiedergewonnene Freiheit.“

„Es fühlt sich gut an, dass mit der Öffnung der Museen und des Instituts für Stadtgeschichte ein Stück Normalität zurückkehrt. Der heutige Gang durch die Ausstellung im Historischen Museum hat gezeigt, dass der Museumsbesuch mit den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen wie Mundschutz und Abstandsregelung vereinbar ist. Ich danke allen Direktorinnen und Direktoren sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Häusern, die diese Maßnahmen in so kurzer Zeit umgesetzt haben und damit den Bürgerinnen und Bürgern den öffentlichen Raum wieder zugänglich machen“, sagt Kulturdezernentin Hartwig. Die Gültigkeit aller Museumsuferkarten wird um den Zeitraum der Schließung automatisch und kostenfrei über den QR-Code der Karte verlängert.

Historisches Museum Frankfurt Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850″

Institut für Stadtgeschichte „Bewegte Zeiten: Frankfurt in den 1960er Jahren“

Schließung der Standorte des Historischen Museums Frankfurt ab 14. März 2020

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

„Wir bedauern sehr, dass wir unsere Museen von Samstag 14. März bis vorerst 10. April schließen und alle Veranstaltungen und Führungen absagen müssen. Die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt hat dies für alle städtischen Museen angeordnet. Damit können auch die Museen dazu beitragen, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen und den Schutz der besonders gefährdeten Menschen in unserer Stadt und Region zu verbessern. Die Ausstellung „Kleider in Bewegung“ ist fertig aufgebaut – wir werden sie sofort nach der Beendigung der Museumsschließung eröffnen und wollen dann auch möglichst alle größeren Veranstaltungen nachholen. Die Freude darauf hilft uns allen vielleicht über die schwierigen nächsten Wochen hinweg“, so Museumsdirektor Jan Gerchow.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an den Besucherservice:
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Tel. +49 69 212-35154
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Die Eröffnung der Sonderausstellung „Kleider in Bewegung“ am 18. März wird verlegt

Aufgrund der Schließung des Historischen Museums fällt auch die Eröffnung der Sonderausstellung „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850″ aus. Nach Beendigung der Schließung wird die Ausstellung eröffnet.

Ausstellungs-Highlights 2020 im Historisches Museum Frankfurt ab 19.3. „Kleider in Bewegung – Frauenmode ab 1850″ – ab 16.09. „Rassismus – die Erfindung der Rassen“

Johann Heinrich Hasselhorst, Drei schreitende Frauen in Rückenansicht, Frankfurt um 1900 © HMF, Horst Ziegenfusz
Johann Heinrich Hasselhorst, Drei schreitende Frauen in Rückenansicht, Frankfurt um 1900 © HMF, Horst Ziegenfusz

In diesem Jahr  zeigt das Historische Museum Frankfurt wieder mehrere spannende Highlights und weitere interessante Projekte, darunter: vom 19. März bis 19. Juli 2020 die  Ausstellung „Kleider in Bewegung – Frauen seit 1850″ sowie  vom 16. September 2020 bis 24. Januar 2021 die wissenschaftlich basierte Auseinandersetzung  mit „Rassismus – die Erfindung der Menschenrassen“.

Das diesjährige Programm schließt sich an, an das überaus erfolgreiche Museums-Jahr 2019 mit den Sonderausstellungen  „Damenwahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ (40 000 Besucher), „Vergessen – warum wir nicht alles erinnern“ (21 000 Besucher)  und „Meisterstücke – Kunst kommt von Können“ (20 000 Besucher) sowie den Dauerausstellungen mit Stadtlabor, Bibliothek der Generationen  und Jungen Museum, den zentralen Standbeinen des Museums.

Impression aus der Dauerausstellung "Frankfurt Einst?" im EG des Erweiterungsbaus. Im OG die Fortsetzung: "Frankfurt Jetzt!" ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Impression aus der Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ im EG des Erweiterungsbaus. Im OG die Fortsetzung: „Frankfurt Jetzt!“ © Foto: Diether v Goddenthow

Neu ab 2020 ist das „triadische Konzept“, so Museumsdirektor Dr. Jan Gerchow. Das bedeutet, dass sich drei aufeinander bezogene Ausstellungen zu einem Themen-Ganzen ergänzen. Die großen Sonderausstellungen werden dabei zum einen durch Stadtlabor-Projekte komplettiert, die eine aktuelle Perspektive und Beiträge aus der Bevölkerung im Blick haben. Zum anderen bieten Ausstellungen im Jungen Museum neue Zugänge für die jungen Menschen, so Gerchow.

Eadweard Muybridge, Animal locomotion, Platte 483, 1887 ©Philadelphia University of Pennsylvania, Boston, Public Library.jpg
Eadweard Muybridge, Animal locomotion, Platte 483, 1887 ©Philadelphia University of Pennsylvania, Boston, Public Library.jpg

Das erste Beispiel für das triadische Konzept wird die am 19. März 2020 eröffnende Ausstellung „Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850“ sein. Diese Hauptausstellung wird in einem zweiten Projekt ab Mai (30.April) durch die Stadtlabor-Ausstellung „Bewegte Kleidung – Ein modisches Stadtlabor“ thematisch ergänzt. Sie entsteht in Kooperation mit der Frankfurter Schule für Mode und Bekleidung und wird über aktuelle Bedingungen für Modeschaffende aufklären und eine Diskussionsplattform bieten. Teile der gegenwärtigen Ausstellung „Kein Leben von der Stange“ werden in die neue Schau integriert werden.

Werk-Stoff-Textil im Jungen Museum Frankfurt © HMF
Werk-Stoff-Textil im Jungen Museum Frankfurt © HMF

Als dritte Themen-Säule  startet schließlich ab 7. Juni 2020 im Jungen Museum die interaktive Werkstatt-Ausstellung „Werk*Stoff*Textil – Vom Faden zum Gewebe“. Sie richtet sich an Kinder ab 7 Jahre, Jugendliche und Familien.
Geht es bei der großen Sonderausstellung „Kleider in Bewegung“ um die Präsentation der Frauenmoden-Entwicklung seit 1850, auch unter dem wachsenden Einfluss der weiblichen Emanzipation,  und werden hierzu rund 300 Exponate, darunter 65 Kostüme in typischen Bewegungs- und Nutzungsposen inszeniert,  so ist die Werk-Stoff-Textil-Ausstellung handwerksorientiert. Sie führt interaktiv ein in die Gewinnung, Herstellung, Bearbeitung und Verarbeitung  textiler Werkstoffe. Dabei bietet sich viel Raum für Experimente.

„Rassismus- die Erfindung von Menschenrassen“ 

Das zweite große Ausstellungsprojekt, auch wieder ein Cluster, ist die Ausstellung „Rassismus- die Erfindung von Menschenrassen“ vom 16. September 2020 bis 24. Januar 2021. Die Ausstellung argumentiert historisch, und führt sozusagen zur Gegenwart, indem sie fragt, wie eigentlich Rassismus als Konzept, Wissenschaft beziehungsweise als Rassenlehre entstanden ist im 18. Jahrhundert, in welchen wissenschaftlichen Disziplinen der Gedanke/Ansatz von unterschiedlichen Menschenrassen entwickelt wurde, wie die Lehre /Erkenntnisse dann kommuniziert, propagiert und umgesetzt wurden. Dies geschieht vor allem mit dem Focus auf das  20. Jahrhundert, etwa wie die rassistische Ideologie kulminierte und was für Folgen sie hatte für das Handeln von Gesellschaften. Dabei wird zudem in besonderer Weise auf das Thema Kolonialgeschichte, aber auch auf Aspekte wie „entartete Kunst“ und vergleichbare Dinge eingegangen.

Historisches Museum Frankfurt   ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Historisches Museum Frankfurt © Foto: Diether v Goddenthow

Die Rassismus-Ausstellung wurde schon mal von 2018 bis 2019 acht Monate lang im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden gezeigt, erläutert Gerchow. Sie beleuchtete auch stark die Geschichte des Deutschen Hygiene-Museums selbst. Das Dresdner Hygiene Museum wurde 1911 gegründet und avancierte schon vor der NS-Zeit zu einem Leitinstitut für Erbbiologie und rassistische Vorstellungen. Der Dresdner Bezug wird in der Frankfurter Ausstellung ein wenig reduziert. Dafür werden zwei Frankfurter ideologische Leit-Institutionen der NS-Zeit in den Blick genommen, nämlich das einstige „Universitätsinstitut für Erbbiologie und Rassenhygiene“ (Verschuer-Institut) und das 1941 gegründete „Institut zur Erforschung der Judenfrage“, in welchem die ganzen enteigneten jüdischen Hypotheken konzentriert waren, und welches das perfide Ziel hatte, das Judentum zu erforschen, um es von innen heraus besser zerstören zu können, so der Museumsdirektor bei einem Pressegespräch.

Das Historische Museum Frankfurt wird diesen gegenwartsbezogenen Teil der Ausstellung durch ein Stadtlabor zum Thema „Decolonize Frankfurt“ (Arbeitstitel) ergänzen. Im Modus der Partizipation wird zusammen mit Initiativen und betroffenen Menschen in der Region Frankfurt Rhein-Main eine Ausstellung über Rassismus und koloniale Spuren heute erarbeitet und präsentiert.

Ein dichtes Veranstaltungsprogramm begleitet die beiden Ausstellungen und erzeugt über die gesamte Laufzeit hinweg Diskussionen und Öffentlichkeit.

Die Vorschau auf 2020 im Überblick
Ausstellungen im Historischen Museum auf einen Blick
Führungen zum Alt-Frankfurter Bürgerhaus zur Goldenen Waage

Führungen durch die original nachempfundenen Räume des rekonstruierten prachtvollen Altstadthauses Goldene Waage aus dem 17. Jahrhunderts. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Führungen durch die original nachempfundenen Räume des rekonstruierten prachtvollen Altstadthauses Goldene Waage aus dem 17. Jahrhunderts. © Foto: Diether v Goddenthow

Historisches Museum Frankfurt
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