Rheinhessen – Eine Kulturreise durch zwei Jahrtausende – Ausstellung im Landesmuseum Mainz ab 3. Juli 2016

An Station 10 können sich Besucher auf ein ganz besonderes Highlight freuen, auf en "Fürst von Planig", besser gesagt, auf sein Grabgelege. Es gilt als eines der herausragendsten und reichsten Gräber des Frühmittelalters in Rheinhessen, aus Planig bei Bad Kreuznach. Es zeichnet sich vor allem durch seine byzantinischen Grabbeigaben aus. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
An Station 10 können sich Besucher auf ein ganz besonderes Highlight freuen, auf den „Fürst von Planig“, besser gesagt, auf seine Grablege. Diese gilt als eines der herausragendsten und reichsten Gräber des Frühmittelalters in Rheinhessen, aus Planig bei Bad Kreuznach. Es zeichnet sich vor allem durch seine byzantinischen Grabbeigaben aus. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Themeninsel-Präsentation komplettiert Rheinhessen-Trilogie im Landesmuseum Mainz

2016 ist ein besonderes Jahr für die Region „Rheinhessen“. Die Region feiert den 200sten Jahrestag der Gründung Rheinhessens. Anlässlich dieses Jubiläums präsentieren die Direktionen Landesmuseum Mainz und Burgen, Schlösser, Altertümer der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz bedeutende Kulturgüter aus Rheinhessen. Charakteristische Zeitzeugnisse aus mehreren Jahrhunderten sollen den Besucher von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart nicht nur durch die Daueraustellung des Hauses leiten. Vielmehr hat das Landesmuseum mit den beiden sehr erfolgreichen Ausstellungen „Main – Ein Blick, viele Ansichten“ (bis 6.11.2016) und Friedrich Pützer – Bauten und Projekte“ (bis 31.7.2016) bereits vielen Besuchern einen Blick aus rheinhessischer Perspektive auf die Kulturgüter ihrer Region ermöglicht.

Nun komplettiert das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) mit der Ausstellung „Rheinhessen – Eine Kulturreise durch zwei Jahrtausende“ vom 3. Juli 2016 bis 23. April 2017 die Rheinhessen-Trilogie zum 200 jährigen Jubiläum in Form von 13 Themeninseln und einem Garten als „Gartenskulptur“ mit idealtypischer „rheinhessischer“ Vegetation im Innenhof (siehe unten). Es geht insbesondere auch darum, „einen neuen, einen anderen  Blick auf die Sammlungen zu vermitteln, kulturelle Highlights der rheinhessischen Region zu zeigen“, verdeutlicht Thomas Metz Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) beim Pressegespräch.

An Station 7 erläutert Dr. Karoline Feulner, was es mit dem Partenheimer Wunder auf sich hat, weswegen diese kleine rheinhessische Stadt zum Ziel von Wallfahrten und Pilgerreisen wurde.  Foto: © massow-picture 2016
An Station 7 erläutert Dr. Karoline Feulner, was es mit dem Partenheimer Wunder auf sich hat, weswegen diese kleine rheinhessische Stadt zum Ziel von Wallfahrten und Pilgerreisen wurde. Foto: © massow-picture 2016

Gewürdigt wird dabei insbesondere das Wirken des 1844 gegründeten Mainzer Altertumsvereins, der die Erforschung archäologischer Funde in Rheinhessen vorangetrieben hat.    Zu den bekanntesten Entdeckungen in der Region zählen die altsteinzeitliche Frauenstatuette vom Mainzer Linsenberg und das Fürstengrab von Planig. In der fränkischen Grabstätte aus dem frühen 6. Jahrhundert wurde eine Reihe wertvoller Gegenstände entdeckt – darunter ein vergoldeter Spangenhelm, der in der Präsentation zu sehen ist. Darüber hinaus unterstreichen zahlreiche römische und frühgeschichtliche Funde die kulturelle Vielfalt der Region. Zwei Themeninseln sind den schönen Landschaften Rheinhessens gewidmet. Das Gebiet wird von seinen Flüssen und besonders von dem namensgebenden Rhein geprägt, es wird aber auch als „Land der tausend Hügel“ bezeichnet. Ausgesuchte Werke aus der Graphischen Sammlung und der Gemäldeabteilung zeigen, wie sich Künstler mit dieser weiträumigen, hügeligen Landschaft auseinandergesetzt haben. Anhand der Mainzer Firma Anton Bembé, dem größten Inneneinrichtungsbetrieb Deutschlands im 19. Jahrhundert, wird Rheinhessen als  Wirtschaftsstandort dargestellt. Zudem präsentiert die Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer der GDKE drei der rund 80 von ihr betreuten Liegenschaften. Die benachbarten Burgen Landskron bei Oppenheim und Schwabsburg bei Nierstein dienten der staufischen Herrschaftssicherung. Die Burg- und Templerkirche in Iben bei Fürfeld wurde im 13. Jahrhundert erbaut – sie zählt zu den ältesten gotischen Kirchenbauten in Deutschland. Die historischen Bauwerke werden anhand von Plänen, Fotos und bislang selten gezeigten Originalfunden anschaulich in Szene gesetzt.

Dr. Birgit Heide, stv. Museumsleiterin, erläutert die "rheinhessischen" Perspektiven auf die Funde, Kulturgüter und Gräberfelder der hier im 6. u. 7. Jahrhundert ansässigen Franken. In Rheinhessen wurde zum ersten Mal überhaupt weltweit in der Geschichte der Archäologie ein Gräberfeld systematisch ausgegraben und bereits von den Ausgräbern Ludwig u. Wilhelm Lindenschmit in einer Publikation mit Abbildungen der einzelnen Gräber umfassend belegt. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Dr. Birgit Heide, stv. Museumsleiterin, erläutert an Station 9 die „rheinhessischen“ Perspektiven auf die Funde, Kulturgüter und Gräberfelder der hier im 6. u. 7. Jahrhundert ansässigen Franken. In Rheinhessen wurde zum ersten Mal überhaupt weltweit in der Geschichte der Archäologie ein Gräberfeld systematisch ausgegraben und bereits von den Ausgräbern Ludwig u. Wilhelm Lindenschmit in einer Publikation mit Abbildungen der einzelnen Gräber umfassend belegt. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

„Die Präsentation bietet den Besuchern die Möglichkeit, anhand archäologischer Funde, die auf internationaler Ebene für Aufsehen sorgten, anschaulichen Gemälden, Grafiken und Skulpturen die traditionsreiche Kunst- und Kulturgeschichte Rheinhessens aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen und sich so ein umfassendes Bild von der kulturellen Vielfalt der Region zu machen, eine neue Perspektive einzunehmen“, so die stellvertretende Direktorin und kommissarische Leiterin des Landesmuseums, Dr. Birgit Heide.

Ab dem 3. Juli sind alle drei Teile der Rheinhessen-Trilogie nun gleichzeitig zu sehen. Das Landesmuseum zeigt noch bis 6. November die Ausstellung „Mainz – ein Blick, viele Ansichten“. Darin begeben sich das Landesmuseum und die Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) auf eine stadthistorische Spurensuche. Ölgemälde, Druckgrafiken, Modelle historischer Gebäude, Originalteile von niedergelegten Gebäuden und alte Fotografien vermitteln einen Eindruck davon, wie sich die Rheinhessen-Hauptstadt Mainz in den vergangenen 250 Jahren verändert hat. Die Ausstellung „Friedrich Pützer – Bauten und Projekte“ ist dem ersten Denkmalpfleger Rheinhessens gewidmet. Das Landesmuseum präsentiert noch bis 31. Juli Zeichnungen, Pläne, Fotos und Modelle von und über Pützer.

Rheinhessen-Garten im Innenhof des Landesmuseums Foto:  © massow-picture 2016
Rheinhessen-Garten im Innenhof des Landesmuseums Foto: © massow-picture 2016

Die Gartenskulptur im Innenhof

Da mit der Bepflanzung bereits ein 3/4 Jahr zuvor begonnen wurde, erinnern jetzt passend zum 200-jährigen Jubiläum der Region  Obstbäume, Kräuterpflanzen und Weinreben an die malerischen Weinberglandschaften. Das Konzept stammt von den Landschaftsarchitekten des „Atelier le balto“ aus Berlin, die bereits im vergangenen Jahr den „Garten der Impressionen“ im Innenhof gestaltet hatten. In den fünf Pflanzenbeeten wurden Obstsorten, darunter Birnen, Äpfel und Himbeeren sowie Kräuter, unter anderem Minze, Melisse und Fenchel und sogar Riesling-Reben eingepflanzt. „Alles, was wir eingesetzt haben, lässt sich auch essen beziehungsweise später einmal trinken. Der Gang durch die Beete soll alle Sinne ansprechen und an einen Spaziergang durch die rheinhessischen Weinberge erinnern“, so Véronique Faucheur vom „Atelier le balto“ bei der Eröffnung im vergangenen Herbst.

Eröffnung: Am 3. Juli 2016 um 16.30 Uhr

Ort: 
Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz 

Flyer_Rheinhessen-Präsentation

Ziemlich beste Freunde. Dritter Ausstellungsteil der Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 1. Juli bis 4. September 2016

Die Madonna  mit Kind (sog. Fuststraben-Madonna) aus dem Bischöflichen Dommuseum erhält während der Ausstellung "Besuch" der Aphrodite von Melos (sog. Venus von Milo) und von der Erlösungshelferin "Grüne Tara" (Himalaya-Region Nepal od. Tibet 19. Jh.) aus der Gutenberg-Universität. So wird einmal ganz augenfällig deutlich, dass die mystischen Freundinnen auf Zeit nicht  nur eine  äußere Ästhetik verbindet, sondern sie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten teilen  als Beschützerinnen,  Erlöserin oder was immer man ihnen zu unterschiedlichen Zeiten an Funktionen und übernatürlichen Kräften zugeschrieb. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Die Madonna mit Kind (sog. Fuststraben-Madonna) aus dem Bischöflichen Dommuseum erhält während der Ausstellung „Besuch“ der Aphrodite von Melos (sog. Venus von Milo) und von der Erlösungshelferin „Grüne Tara“ (Himalaya-Region Nepal od. Tibet 19. Jh.) aus der Gutenberg-Universität. So wird einmal ganz augenfällig deutlich, dass die mystischen Freundinnen auf Zeit nicht nur eine äußere Ästhetik verbindet, sondern sie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten teilen als Beschützerinnen, Erlöserin oder was immer man ihnen zu unterschiedlichen Zeiten an Funktionen und übernatürlichen Kräften zugeschrieb. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen
Dritter Ausstellungsteils im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 1. Juli bis 4. September 2016

Im Landesmuseum Mainz und im Naturhistorischen Museum Mainz konnten sie in den vergangenen Monaten schon besichtigt werden: die ungewöhnlichen Gäste aus den Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die sich unter die Exponate der Dauerausstellungen der beiden Museen „geschmuggelt“ hatten. Am 1. Juli 2016 eröffnet nun der dritte und vorerst letzte Teil der dezentralen Ausstellung „Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen“ im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum. Eine ganz neue Auswahl von Exponaten wurde für diese Ausstellungsstation zusammengestellt.

Dr. Winfried Wilhelmy, erzählt am Bonifatius-Stein die  Geschichte des bei seiner letzten Missionarsreise in Friesland ermordeten Erzbischofs, der, nachdem er an seinem Bischofssitz Mainz aufgebahrt worden war, seine endgültige Ruhestätte im Kloster Fulda fand. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Dr. Winfried Wilhelmy, erzählt am Bonifatius-Stein die Geschichte des bei seiner letzten Missionarsreise in Friesland ermordeten Erzbischofs, der, nachdem er an seinem Bischofssitz Mainz aufgebahrt worden war, seine endgültige Ruhestätte im Kloster Fulda fand. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Das Dommuseum zeigt in seiner hochmittelalterlichen Gewölbehalle herausragende Zeugnisse zu den Themenkreisen Jenseits, Totenkult, Begräbnisritual und Memorialkultur. Diese treten im Rahmen der Sonderausstellung in einen Dialog mit ausgewählten Objekten aus den Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Unterschiedliche Lebenswelten, Geschichten, Disziplinen, Epochen, Stile und Materialien treffen hier aufeinander. Die spielerischen Exponat-Nachbarschaften eröffnen neue Perspektiven und fordern eine erneute Auseinandersetzung mit den Objekten heraus, regen zu neuen Assoziationen und Erkenntnissen an und weisen den Weg zu überraschenden religiösen Analogien oder gleichfalls fruchtbaren Widersprüchlichkeiten. So bereichern sich die ungleichen Objektpaare gegenseitig – wie dies beste Freunde eben tun …

Zur Ausstellungseröffnung am 1. Juli werden der Diözesanadministrator des Bistums Mainz, Dietmar Giebelmann, der Vizepräsident für Forschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister, sowie der Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums, Dr. Winfried Wilhelmy, sprechen. Die Zentrale Sammlungskoordinatorin der JGU, Dr. Vera Hierholzer, zugleich Organisatorin der Ausstellungsreihe, gibt eine kurze Einführung in die Ausstellung. Im Anschluss haben die Eröffnungsgäste die Möglichkeit, die Ausstellung bei einem Rundgang gemeinsam mit den Betreuerinnen und Betreuern der universitären Sammlungen und den MitarbeiterInnen des Dommuseums zu besichtigen.

 

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen, am Freitag, 1. Juli 2016 ab 14 Uhr die Ausstellung zu besichtigen.
Zur Ausstellung im Dommuseum erscheint ein reich bebilderter Katalog. Die Schau im Dommuseum läuft bis 4. September.

Der Ausstellungsteil im Naturhistorischen Museum Mainz (Reichsklarastr. 1) ist weiterhin zu sehen – noch bis zum 20. August 2016.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.sammlungen.uni-mainz.de/1458.php und www.dommuseum-mainz.de

ziemlich-beste-Freunde

Öffnungszeiten des Dom- und Diözesanmuseums:
Di-Fr 10-17 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr

Eintritt (Sonderausstellung inkl. Schatzkammer)
Regulär     5,00 Euro
Ermäßigt 3,00 Euro

Familienkarte I
(1 Erwachsene(r) + Kinder bis einschl. 17 Jahren) 5,00 Euro
Familienkarte II
(2 Erwachsene + Kinder bis einschl. 17 Jahren) 10,00 Euro

Führungsgebühr + 2,50 Euro

GEORG BASELITZ. DIE HELDEN vom 30. JUNI BIS 23. OKTOBER 2016 im Städel Museum Frankfurt

Foto: © massow-picture
Foto: © massow-picture

Ausstellung „Die Helden“: vom 30. JUNI BIS 23. OKTOBER 2016  – Städel Museum, Ausstellungshaus

Fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung präsentiert das Städel Museum vom 30. Juni bis 23. Oktober 2016 Georg Baselitz’ berühmte „Helden“-Bilder in einer umfassenden monografischen Sonderausstellung. Es ist zugleich der letzte große Coup von Max Hollein. Der ehemalige Städel-Direktor war eigens  von New York nach Frankfurt gekommen, um die einzigartige, von ihm kuratierte Gemälde-Show mit dem Künstler und seiner Co-Kuratorin Dr. Eva Mongi-Vollmer zu präsentieren.   Georg Baselitz (*1938) zählt zweifelsohne zu den prägendsten Malern und Bildhauern unserer Zeit. Seine kraftvolle Werkgruppe der „Helden“ und „Neuen Typen“ gilt weltweit als Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 1960er-Jahre und wird erstmals in großem Umfang gezeigt.

Georg Baselitz (*1938) Ökonomie 1965 Öl auf Leinwand,  Privatbesitz  © Georg Baselitz 2016 Foto: © massow-picture
Georg Baselitz (*1938)
Ökonomie 1965
Öl auf Leinwand,
Privatbesitz
© Georg Baselitz 2016
Foto: © massow-picture

Zu sehen sind 70 Gemälde und Arbeiten auf Papier, deren monumentale Figuren, aggressiv und trotzig gemalt, bis heute ambivalent, schicksalhaft und verletzlich wirken. Es sind zerschlissene Soldaten, resignierte Maler, denen ihr latentes Scheitern ebenso eingeschrieben ist wie ihre ungewisse Zukunft. Die inhaltliche Brüchigkeit und Widersprüchlichkeit der „Helden“ findet ihr Äquivalent im Formalen. Die stets mittig frontal gegebene und klar konturierte Figur kontrastiert mit der Wildheit der Farbwahl und Heftigkeit der Malweise. Leihgaben aus bedeutenden internationalen Museums- und Privatsammlungen eröffnen dem Publikum einen umfassenden Blick auf diese Ikonen der deutschen Nachkriegskunst, die der damals erst 27-jährige Baselitz 1965/66 in explosionsartiger Produktivität entwickelte. Nach ihrem Auftakt im Frankfurter Städel Museum wandert die groß angelegte Ausstellung weiter an das Moderna Museet Stockholm, in den Palazzo delle Esposizioni Rom und an das Guggenheim Museum Bilbao.

Die Ausstellung „Georg Baselitz. Die Helden“ wird gefördert durch Goldman Sachs.

Georg Baselitz (li) kraftvolle Werkgruppe der „Helden“ und „Neuen Typen“ gilt weltweit als Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 1960er-Jahre.  und wird in der von Max Hollein kuratierten Schau erstmals in großem Umfang gezeigt. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Georg Baselitz (li) kraftvolle Werkgruppe der „Helden“ und „Neuen Typen“ gilt weltweit als Schlüsselwerk der deutschen Kunst der 1960er-Jahre. und wird in der von Max Hollein kuratierten Schau erstmals in großem Umfang gezeigt. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

„Die ‚Helden‘-Bilder sind Markstein und vehementer Dreh- und Angelpunkt im Werk von Georg Baselitz. Sie sind aus tiefster innerer Notwendigkeit entstanden, als bewusste Auseinandersetzung mit einer virulenten, inhaltlich aufgeladenen Thematik und stellen eine zeitlose Reflexion der künstlerischen Existenz an sich dar. Anhand einer eindrucksvoll veranschaulichten, selbst empfundenen Isolation, Entwurzelung und Haltlosigkeit etablieren die Arbeiten den prekären  Erfahrungszustand des Künstlers in einer gebrochenen Welt und konfrontieren mit einem paradigmatischen Künstlerbild“, so Max Hollein, Kurator der Ausstellung.

Georg Baselitz hatte 1965 eine in vielerlei Hinsicht zerstörte Ordnung vor Augen: Zwanzig Jahre nach Kriegsende standen in Deutschland Ideologien und politische Systeme sowie künstlerische Stile zur Diskussion. Dem Künstler kam dieser Mangel an Ordnungen entgegen, denn jegliche Vereinnahmung durch kategorische Einteilungen war und blieb ihm fremd. In seiner skeptischen Grundhaltung betonte er die zwiespältigen Aspekte seiner Gegenwart.
Entsprechend widersprüchlich wirken seine monumentalen „Helden“ im zerschlissenen Kampfanzug, die von Versagen und Resignation gezeichnet sind.

Georg Baselitz (*1938) Die großen Freunde, 1965 Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm Museum Ludwig, Köln © Georg Baselitz 2016 Foto:  © massow-picture 2016
Georg Baselitz (*1938). Die großen Freunde, 1965 Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm. Museum Ludwig, Köln © Georg Baselitz 2016
Foto: © massow-picture 2016

Dass Baselitz sich in dieser Zeit überhaupt dem Thema der Helden zuwandte, war per se provokant. Das (männliche) Heldentum und seine einstigen Vertreter waren durch Krieg und Nachkriegszeit fragwürdig geworden. Der Künstler lässt Gestalten aus einer bereits verschüttet geglaubten Vergangenheit wiederauferstehen und bildet damit eine Wirklichkeit ab, wie sie in der bundesrepublikanischen Erfolgsgeschichte des Wirtschaftswunders nur ungern gesehen wurde. Und das in der damals vermeintlich obsoleten Form der figurativen Malerei. Es ging in dieser Auseinandersetzung aber um weit mehr als um allgemeine Gesellschaftsfragen. In zahlreichen Rollenbildern, die vom bisher unbeanspruchten „Neuen Typ“ über den historisch-politisch konnotierten Rebell und Partisan und den geistigen Hirten bis hin zu dem des positionierenden Malers reichten, vergegenwärtigt Baselitz seine individuelle Haltung und seinen besonderen Weg als Maler. Hier reflektierte er selbst über seine eigene Position im Verhältnis zu dieser Gesellschaft – eine wuchtige Selbstbehauptung und Identitätsbestimmung entgegen allen aktuellen Strömungen der damaligen Zeit.
„Ich habe viele Experimente gemacht in 50 Jahren. Ich denke aber, dass die ‚Helden‘ keine Nachhilfe mehr benötigen“, so Georg Baselitz über die Werkgruppe der „Helden“ und „Neuen Typen“.

Georg Baselitz monumentale Figuren seien aggressiv und trotzig gemalt, sie seinen  bis heute ambivalent, schicksalhaft und wirkten verletzlich. erläutert Co-Kuratorin Dr. Eva Mongi-Vollmer auf der Pressekonferenz. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Georg Baselitz monumentale Figuren seien aggressiv und trotzig gemalt, sie seinen bis heute ambivalent, schicksalhaft und wirkten verletzlich. erläutert Co-Kuratorin Dr. Eva Mongi-Vollmer auf der Pressekonferenz. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

„Die Ausstellung im Städel Museum präsentiert die ‚Helden‘-Bilder Baselitz’ in einem Spiel aus Leere und Verdichtung über zwei Stockwerke des Ausstellungshauses“, erklärt die Co-Kuratorin Eva Mongi-Vollmer. Besonderer Wert wird auf die Wirkung der einzelnen Bilder und Zeichnungen gelegt. So wird sowohl durch die variierenden Wandfarben als auch durch eine stark rhythmisierte und immer wieder überraschende Hängung der Ausstellungsbesuch die Wahrnehmung für die Kunstwerke schärfen und den Betrachter sensibilisieren.

Foto:  © massow-picture 2016
Foto: © massow-picture 2016

Die jeweiligen „Helden“ und „Neuen Typen“ mit ihren kolossalen Körpern und extrem kleinen Köpfen sind stets in der Bildmitte zu finden. Sie taumeln, schreiten teils ungeschickt, teils souverän durch den Bildraum. Die sie umgebende trostlose Landschaft zeugt, in Analogie zu ihren geschundenen Leibern, von Verwüstung: brennende Häuser, entlaubte Bäume, aufgewühlte Erdhaufen. Die vagabundierenden „Helden“ tragen ein Repertoire an wiederkehrenden Gegenständen wie Tornister, Paletten und Malerpinsel oder Marterinstrumente mit sich. Trotz der sich wiederholenden Ausführung im gleichen Format von 162 mal 130 Zentimetern birgt jedes einzelne Werk einen eigenen Ausdruck, der stark mit der jeweiligen Malweise und Farbwahl zusammenhängt. In der losen chronologischen Abfolge der Werke in der Ausstellung zeichnet sich Baselitz’ allmähliche Loslösung vom Motiv ab. Von dort bis zur seiner späteren Umkehrung des Motivs ist es nur noch ein kurzer Weg.

Ihren Anfang nahm die Werkgruppe der „Helden“ und „Neuen Typen“ während Baselitz‘ Stipendium an der Villa Romana in Florenz. Zurück in Westberlin arbeitete er das Thema weiter aus. Die vielfach besprochene Skandalgeschichte, die mit der Ausstellung in der Galerie Werner & Katz 1963 begann, war zu diesem Zeitpunkt im Ausklang begriffen. Im Frühwerk Baselitz‘ bilden die „Helden“-Bilder einen besonderen Wendepunkt und können heute als historisches Dokument angesehen werden. Die Werke fügen sich nicht ein, in die vorherrschenden damaligen künstlerischen Tendenzen, seien es die Zukunftsvision von ZERO, die französischen und amerikanischen Abstraktionen oder die Abwandlungen des deutschen Nachkriegsinformel. Sie geben sich auch zwanzig Jahre nach Kriegsende nicht mit einem oberflächlichen Gefühl des Neuanfangs zufrieden. Kreisen die „Helden“ und „Neuen Typen“ zwar motivisch um sich wiederholende Elemente, so werden sie in ihrer malerischen Ausformulierung monströs, zerrüttet und wuchtig. Sie bilden eine wichtige Position innerhalb der deutschen Kunst nach 1945.

Foto:  © massow-picture 2016
Foto: © massow-picture 2016

 

 

Katalog zur Ausstellung

katalog-coverZur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein von Max Hollein und Eva Mongi-Vollmer herausgegebener Katalog mit einem Vorwort von Max Hollein und Beiträgen von Uwe Fleckner, Max Hollein, Alexander Kluge, Richard Shiff und Eva Mongi-Vollmer. Deutsche und englische Ausgabe, ca. 172 Seiten, 29,90 Euro (Museumsausgabe).

Herausgeber Max Hollein schreibt einleitend über die Malerei als Befreiung, während Alexander Kluges literarische Texte einen ganz eigenen eindrucksvollen Wahrnehmungsraum entstehen lassen. Uwe Fleckner wendet sich in einem Kapitel dem post-heroischen Helden zu.  Der Kunsthistoriker Richard Shiff verschafft sich einen lebendigen Eindruck von verlorenen Helden.  Städel Kuratorin Eva Mongi-Vollmer widmet sich im Katalog der Entstehungsjahre der „Helden“.

Der Audioguide zur Ausstellung (auch auf der Städel App erhältlich) wird u. a. von Georg Baselitz und Alexander Kluge gesprochen. Ein aufwendig gestaltetes Digitorial gibt ab Mittwoch, 15. Juni 2016 unter baselitz.staedelmuseum.de umfassende Einblicke in zentrale Thesen und Werke der Ausstellung.

Georg Baselitz Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Georg Baselitz Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Georg Baselitz
Der am 23. Januar 1938 in Deutschbaselitz in Sachsen geborene Georg Baselitz begann sein Kunststudium an der Hochschule für bildende Kunst in Berlin-Weißensee (Ost). Nach zwei Semestern wurde er wegen „gesellschaftspolitischer Unreife“ von der Schule verwiesen und setzte daraufhin 1957 sein Studium in Berlin Charlottenburg (West) fort. Erste Auslandsreisen führten ihn nach Amsterdam und Paris. 1961 begann seine Ausstellungsaktivität gemeinsam mit Eugen Schönebeck in einem leerstehenden Haus, anlässlich deren das später so genannte erste „Pandämonische Manifest“ erschien. Es folgten kontrovers diskutierte Galerieausstellungen. 1966 verließ er Berlin und siedelte nach Rheinhessen (nahe Worms) um. 1969 malte Baselitz sein erstes Bild mit umgekehrtem Motiv – dieser Entscheidung blieb er in der weiteren Werkentwicklung treu. Die Bekanntheit des Künstlers wuchs und damit häuften sich seine Ausstellungsteilnahmen im Ausland; 1980 vertrat er zusammen mit
Anselm Kiefer die Bundesrepublik Deutschland bei der 39. Biennale von Venedig. Es folgten vielbeachtete Ausstellungen in verschiedenen Ländern, darunter in Großbritannien und in den USA. Auch die bereits 1978 in Karlsruhe begonnene Lehrtätigkeit setzte sich zwischen 1983 und 1988, später wieder ab 1992 in Berlin fort. Zahlreiche Retrospektiven, Auszeichnungen, Preise und Ehrenprofessuren würdigen bis heute die Bedeutung seines Schaffens.

 

Foto:  © massow-picture 2016
Foto: © massow-picture 2016

Ausstellungsdauer:
30. Juni bis 23. Oktober 2016
Ort:
Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112

Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr,
Do + Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Mo 3.10., 10.00–18.00 Uhr

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Di 15.00 Uhr, Do 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr sowie
Mo 3.10., 16.00 Uhr. Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.

Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren;.
Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine
Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de

Digitorial: Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht. Es ist ab 15. Juni 2016 unter
baselitz.staedelmuseum.de abrufbar.

Städel App: Die App ist für Android- und iOS-Smartphones optimiert und bietet mit Beginn der Ausstellung die Audiotour zum Download auf das Smartphone.

Audiotour: Die Audiotour umfasst Ausschnitte eines Interviews mit Georg Baselitz sowie Essays zu einzelnen Bildern des „Helden“-Zyklus, verfasst und gelesen von Alexander Kluge.
Deutsch und englisch, 4 Euro; zwei Audioguides 7 Euro.

Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #Baselitz und #Staedel.

Weitere Informationen hier im Newsroom

 

HessenFilm fördert 23 kulturelle Filmprojekte und 14 Hochschulabschlussfilme

HessenFilm und Medien vergibt über 600.000 Euro Zuschussförderung an insgesamt 23 kulturelle Filmprojekte, darunter auch Filme von Nachwuchstalenten und zwölf Dokumentarfilme, sowie an 14 Hochschulabschlussfilme.

Unter den geförderten Projekten ist der mit 45.000 Euro geförderte Dokumentarfilm „Adelheid, Kornelius & die Töte“ von den beiden jungen hessischen Filmemacherinnen und Schwestern Kirstin Schmitt (Buch und Regie) und Maren Schmitt (Produzentin) über ein außergewöhnliches Ehepaar: Adelheid (76) und Kornelius (79) sind seit 53 Jahren verheiratet und haben immer alles zusammen gemacht. Doch ihre gemeinsame Zeit ist absehbar und so bereiten sich beide aktiv auf den künftigen Verlust des Partners vor: Sie besuchen Seniorenheime und Friedhöfe, lassen sich von Pflegediensten beraten und machen getrennte Unternehmungen.

Der Coming of Age-Film „HALT!LOS“ vom Darmstädter Regisseur und Produzenten Moritz Becherer wird mit 49.000 Euro gefördert und handelt von einer Familie, in der die Eltern ihre Existenzängste und den Leistungsdruck, den sie selbst von außen erfahren, auf ihre Kinder übertra-gen. Gefilmt wird der Spielfilm über die Hauptfigur Max, die sich zerrissen sieht zwischen Selbstverwirklichung als Musiker und den Karriereplänen des Vaters, in Frankfurt und Darmstadt.

Der hessische Filmemacher Christoph O. Strunck erzählt in seinem mit 45.000 Euro geförderten Kurzfilm „Der dritte König“ eine Geschichte über Menschlichkeit mitten in grausamen Zeiten des Krieges: Als ein verwundeter GI und ein deutscher Soldat Zuflucht in einer Jagdhütte suchen, ist es, als ob die nahe Front zwischen Wehrmacht und US-Armee direkt durch die kleine Hütte verläuft… Neben Christoph O. Strunck (Buch, Regie, Produktion) und Produzent Tonio Kellner sind auch die anderen Stabmitglieder fast ausschließlich aus Hessen und alle wichtigen Herstellungsprozesse von Entwicklung über Dreharbeiten bis Postproduktion werden in Hessen realisiert.

Verleihförderung in Höhe von 20.000 Euro erhält das Spielfilmdebüt „Jonathan“ vom Offenbacher Regisseur und Autor Piotr J. Lewandowski. „Jonathan“ erzählt in kraftvollen Bildern von einem jungen Mann (Jannis Niewöhner), der lernen muss, sich von seinem krebskranken Vater (André M. Hennicke) und dessen Vergangenheit zu lösen und seinen eigenen Weg zu finden. In weiteren Rollen sind Julia Koschitz als Pflegerin Anka und Barbara Auer als Schwester des Vaters zu sehen. Das Drehbuch zu „Jonathan“ wurde u.a. mit dem Hessischen Drehbuchpreis 2013 ausgezeichnet. Seine Weltpremiere feierte der Spielfilm dieses Jahr auf der 66. Berlinale, Kinostart in Deutschland ist der 13. Oktober 2016.

In der Jury unter Vorsitz von Hans Joachim Mendig (HessenFilm und Medien) entschieden: Mo Asumang (MA Motion Filmproduktion), Antje Boehmert (docdays Productions), Dr. Reinhard Grohnert (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst), Esther Schapira (Hessischer Rundfunk), Tidi von Tidemann (Kontrastfilm) und Dr. Susanne Wolfram (Saxonia Media Filmproduktion).

HessenFilm unterstützt außerdem 14 Hochschulabschlussfilme mit einer Förderung von rund 50.000 Euro, darunter sieben Abschlussfilme von der Hochschule Darmstadt, zwei von der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, einen von der Hochschule RheinMain und vier von der Kunsthochschule Kassel.

Mehr Informationen zu den einzelnen Förderprojekten finden Sie hier oder auf „www.hessenfilm.de“ .

Kreative Kräuterpackungen gekürt – Große Resonanz auf Schülerwettbewerb des Gutenberg-Museums

Foto: © Gutenberg Museum Mainz
Foto: © Gutenberg Museum Mainz

Eine leuchtende und glitzernde Kamillenblüte machte das Rennen um die schönste Verpackung für Kräuter aus Rheinhessen. Der erste Preis im Schülerwettbewerb des Gutenberg-Museums ging an Nina Blaschke vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium in Neustadt. Unter dem Titel „100 % Dein Rheinhessenkraut“ hatte das Gutenberg-Museum zu einem kreativen Schülerwettbewerb aufgerufen.  240 Schüler aus Mainz und dem Umland nahmen daran teil. Aufgabe war es, eine werbewirksame Verpackung für ein persönliches Rheinhessenkraut zu kreieren. Zur feierlichen Preisverleihung mit Kulturdezernentin Marianne Grosse hatte das Gutenberg-Museum dieser Tage eingeladen.

1. Preis für eine  Verpackung für Kamillentee von Nina Blaschke Foto: © Gutenberg-Museum Mainz
1. Preis für eine Verpackung für Kamillentee von Nina Blaschke Foto: © Gutenberg-Museum Mainz

Nina Blaschke, die erste Preisträgerin, überzeugte die Jury durch ihre Verpackung für Kamillentee, da sie optisch auffällt und die Gestaltungselemente einheitlich sind. Sie schuf das Gesicht einer Frau, die auf ihrem Kopf eine leuchtende und glitzernde Kamillenblüte balanciert.  Die Jury, die aus Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig, den Museumspädagogen Susanne von Hübschmann und Kurt-Martin Friedrich sowie die Papier-Restauratorin Annette Lang-Edwards bestand, entschied sich,  aufgrund der vielen kreativen Wettbewerbsbeiträge jeweils zwei Arbeiten mit zweiten, dritten und vierten Preisen zu belegen.

Die beiden zweiten Preise gingen an Sandra Ruhl (Maria-Ward-Schule Mainz) für ihren feuerroten „Teufelsabbiss“ sowie an das Gemeinschaftsprojekt „Storchschnabel“ von  Anne Husung, Luna Wiese und Lotte Duhl aus der Weibelfeldschule Dreieich.

Für ihre Zitronenbonbon-Verpackung „Yellow Nature“  erhielten  Laura Eichberger und Leandra Sinn vom Otto Hahn Gymnasium Landau einen dritten Preis, auch die Brennnessel mit den Schmetterlingen von Sarah Bruhn (Carl-Zuckmayer-Schule Nackenheim) wurde mit einem dritten Preis gewürdigt. Dazu wurden noch zwei vierte Preise, zwei Anerkennungspreise und Bücherpreise vergeben. „Wir sind begeistert von den fantasievollen Papierobjekten. Die Schüler waren sehr kreativ“, so Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig.

Der Titel des diesjährigen Wettbewerbs, „100% Dein Rheinhessen-Kraut“, bezieht sich auf die derzeit im Gutenberg-Museum gezeigte Sonderausstellung „Kräuterbücher  – Vom ‚Gart der Gesundheit‘ zu den Kräuterhexen“, die Bezug nimmt auf das Rheinhessen-Jubiläum. An dem Wettbewerb beteiligten sich Schüler aus Grundschulen, weiterführenden Schulen, Förderschulen und  Berufsbildenden Schulen.

INFO: Die eingereichten Schülerarbeiten sind noch bis 25. September  2016 im Gutenberg-Museum zu sehen.

Begleitband zur Ausstellung: GEORG BASELITZ. DIE HELDEN im Hirmer-Verlag

katalog-coverZur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein von Max Hollein und Eva Mongi-Vollmer herausgegebener Katalog mit einem Vorwort von Max Hollein und Beiträgen von Uwe Fleckner, Max Hollein, Alexander Kluge, Richard Shiff und Eva Mongi-Vollmer. Deutsche und englische Ausgabe, ca. 172 Seiten, 29,90 Euro (Museumsausgabe).

Herausgeber Max Hollein schreibt einleitend über die Malerei als Befreiung, während Alexander Kluges literarische Texte einen ganz eigenen eindrucksvollen Wahrnehmungsraum entstehen lassen. Uwe Fleckner wendet sich in einem Kapitel dem post-heroischen Helden zu.  Der Kunsthistoriker Richard Shiff verschafft sich einen lebendigen Eindruck von verlorenen Helden.  Städel Kuratorin Eva Mongi-Vollmer widmet sich im Katalog der Entstehungsjahre der „Helden“.

 

„innen/außen/räume“ Schüler der Oranienschule präsentieren mit Kulturfonds Frankfurt RheinMain am 10. Juli 2016 im Bellevue-Saal ihre Kunstwerke

 Foto: © massow-picture
Foto: © massow-picture

Kunstverein Bellevue-Saal, Oranienschule Wiesbaden und Kulturfonds Frankfurt RheinMain laden zur gemeinsamen Ausstellungseröffnung am  Sonntag, den 10. Juli, 12.00 Uhr, ein.

Unter dem Titel „innen/außen/räume“ präsentieren die Schülerinnen und  Schüler der Oranienschule Wiesbaden am Sonntag, 10. Juli 2016, ab 12 Uhr  erstmals ihre Arbeiten im Kunstverein Bellevue-Saal in Wiesbaden und  freuen sich über zahlreiche Besucher. Gezeigt werden Bilder,  Zeichnungen, Collagen und plastische Arbeiten, die im Rahmen von  KUNSTVOLL, einem vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain initiierten und  geförderten kulturellen Bildungsprojekt, und in Kooperation zwischen der Oranienschule und dem Kunstverein Bellevue-Saal entstanden sind.

Während  eines ganzen Schuljahres haben sich die Kinder und Jugendlichen intensiv  mit zeitgenössischer Kunst auseinandergesetzt: „Unsere Kooperation hat  zu neuen Sichtweisen und einem unbefangeneren Umgang mit den  vielfältigen Erscheinungsformen moderner Kunst geführt“, resümieren Anja Cherdron-Modig, Alexandra Deutsch und Uta Weil vom Kunstverein  Bellevue-Saal.

Eröffnet wird die Ausstellung „innen/außen/räume“ am Sonntag, den 10. Juli, um 12.00 Uhr mit den Grußworten von
– Frau Stadträtin Rose-Lore Scholz, Dezernentin für Schule, Kultur und Integration,
– Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain,
– Dr. Joachim Ackva, Schulleiter Oranienschule.

Bei der Eröffnung sind die Schülerinnen und Schüler anwesend und freuen sich ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Ausstellung „innen/außen/räume“ läuft von Sonntag, den 10. Juli, bis zum 14. Juli mit erweiterten Öffnungszeiten von 10.00 bis 18.00 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Kunstverein Bellevue-Saal
Wilhelmstraße 32
65183 Wiesbaden
www. kunstverein-bellevue-saal.de

Silke Scheuermann und Norbert Zähringer sind Robert Gernhardt Preisträger 2016

Wiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein hat die Jury-Entscheidung für den Robert Gernhardt Preis 2016 bekannt gegeben. Die Lyrikerin Silke Scheuermann und der Prosaautor Norbert Zähringer erhalten den gemeinsam vom Land Hessen und der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) ausgelobten Robert Gernhardt Preis 2016 und teilen sich das Preisgeld in Höhe von 24.000 Euro.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Ich gratuliere den beiden Preisträgern zu ihrem Erfolg und freue mich, dass die Auszeichnung in diesem Jahr zwei stark mit Hessen verbundenen Autoren zugutekommt. Ich hoffe, dass der Preis dazu beitragen kann, die im Entstehen begriffenen Werke von Silke Scheuermann und Norbert Zähringer zu vollenden und zu veröffentlichen. Der Robert Gernhardt Preis zeigt auch in diesem Jahr wieder, wie erfolgreich eine gute Zusammenarbeit verschiedener Institutionen sein kann.“

Zudem dankte der Minister der Fachjury sowie der WIBank für das Engagement, das eine herausragende Autorenförderung in Hessen ermögliche.

„Wenn durch den Robert Gernhardt Preis auch nur ein einziger guter Roman, ein einziger guter Gedichtband mehr erscheint als ohne ihn, dann hat sich die Stiftung durch die WIBank auf Jahre hinaus gelohnt“, so Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank. „Die Jury hat über viele Jahre bewiesen, dass sie ein gutes Händchen für Literatur hat und ich freue mich jetzt schon auf die Werke der beiden Preisträger aus 2016.“

Silke Scheuermann erhält die Auszeichnung für ihr Lyrikprojekt „Zweites Buch der Unruhe“,  das sich mit Bewegungen aller Art beschäftigt, seien es durch das Wasser gleitende Fische, sei es ein Vogelzug oder seien es Migranten auf ihrem Weg nach Europa. Silke Scheuer-mann gelingt in ihren doppelbödigen Gedichten ein schwebender, poetischer Ton, der den-noch immer wieder ironische Brechungen zulässt; das hat die Jury überzeugt. Silke Scheu-ermann wurde in Karlsruhe geboren und lebt in Offenbach am Main. Sie ist Autorin mehrerer Gedichtbände und Romane, ihr letzter Gedichtband „Ich fragte den Vogel. Lyrische Momente“ wurde im letzten Jahr veröffentlicht.

Norbert Zähringer erhält die Auszeichnung für sein Romanprojekt „Wo wir waren“, in dem ein Waisenjunge am Tag der ersten Mondlandung die Flucht aus dem von autoritären Strukturen beherrschten Heim wagt und beschließt, in Amerika sein Glück zu suchen. Die Kunst, realistisches Erzählen mit Reflexionen über die Möglichkeiten des Erzählens, zusammenzubringen beeindruckte die Jury. Norbert Zähringer wurde in Stuttgart geboren, wuchs in Wiesbaden auf und lebt heute in Berlin. Er ist Autor von vier Romanen und verschiedenen Hörspielen und Features. Sein letzter  Roman „Bis zum Ende der Welt“ erschien 2012.

Der Robert Gernhardt Preis wird am 21. September 2016 um 19.30 Uhr im Museum Ange-wandte Kunst in Frankfurt übergeben.

New-Pop-Realism-Künstler Sebastian Krüger zeigt im Caricatura Museum Frankfurt seine besten Werke ab 29. Juni 2016

Charles & Company (The Rolling Stones, 270 x 200, 2009) © Sebastian Krüger Foto: © massow-picture
Charles & Company (The Rolling Stones, 270 x 200, 2009) © Sebastian Krüger Foto: © massow-picture

Sebastian Krüger im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst
Das Caricatura Museum Frankfurt zeigt vom 30. Juni bis zum 30. Oktober 2016 Malerei, Cartoons und Illustrationen von Sebastian Krüger.

 

Sebastian Krüger im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst Foto: © massow-picture
Sebastian Krüger im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst Foto: © massow-picture

Kunsthistoriker würden sagen, dass Sebastian Krügers Kunst eine Auseinandersetzung mit der modernen Allgegenwärtigkeit des Medialen und der Abbildungs-Besessenheit als Ausdruck von Erfolg ist. Sein Schaffen ist geprägt vom Wechselspiel von Fiktion und Realität und der künstlerischen Rezeption der medialen Bilderflut. Die Portraits konterkarieren die Forderung der Musik- und Filmwelt nach gnadenloser Dauerschönheit und sind gleichzeitig eine liebevolle Darstellung der Rock- und Popkultur, vor allem des Spirits der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Krügers Malerei, die sich einerseits auszeichnet durch eine brillante Technik und eine ausgeprägte Liebe zum Detail, ist dabei immer auch Karikatur und geht über die bloße Abbildung der Wirklichkeit hinaus. Stets ist ein Moment der Ironie und der Verfremdung zu erkennen. Diesen Moment erreicht Krüger über einen Hyper-Realismus in der Darstellung: Seine Bilder zeigen jede Falte und jede Pore und schonen das Auge des Betrachters nicht, wirken manchmal roh und provozierend, lassen keine vordergründige Glättung zu.

Aus unterschiedlichsten Vorlagen komponiert Sebastian Krüger seine Porträts mit dem Ziel, den Bühnencharakter, die öffentliche Pose aber auch die Privatperson hinter den dargestellten Stars zu erfassen. Dabei betont der Künstler, dass er sich den Menschen, die er malt, mit Respekt und Ernsthaftigkeit nähert; er schafft so „Krügerisierte“ Portraits. Hinter
der scheinbaren Schonungslosigkeit wird oft eine liebevolle Zuwendung deutlich.

Sebastian Krüger wird am kreativsten, wenn er richtig wütend wird. Der Künstler vor einer seiner konterkarierten  Dauerschönen: Liz Tayler. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Sebastian Krüger wird am kreativsten, wenn er richtig wütend wird. Der Künstler vor einer seiner konterkarierten Dauerschönen: Liz Tayler. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

Sebastian Krüger (* 30. Juni 1963 in Hameln) ist Maler. Er studierte in den 1980er Jahren Freie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Prof. Dörfler. Bereits während seiner Studienzeit verdiente er sein erstes Geld mit dem Gestalten von Plattencovern. Danach erlangte er schnell Bekanntheit mit Illustrationen für Zeitschriften wie Stern, Spiegel, Rolling Stone und Playboy. Für das Satire-Magazin Kowalski (1988-1992) zeichnete er, neben Brösel und Wolfgang Sperzel, einen großen Teil der Titelblätter. In der Zeitschrift Capital veröffentlichte Krüger seine Karikaturen regelmäßig auf seinen „Schwarzen Seiten“. Diese wurden 2003 eingestellt. Krüger widmete sich wieder ganz der freien Malerei. Er schuf von nun an großformatige Bilder von modernen Ikonen aus dem Showbusiness von früher bis heute. Marilyn Monroe, Picasso, Iggy Pop und die Beatles – er malte sie alle. Seine mehr als fotorealistischen Gemälde machten ihn über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und zum Superstar des New Pop Realism. Seine Werke sind weltweit in Galerien und Kunsthäusern vertreten. Zu den Sammlern von Sebastian Krügers Kunst zählen unter anderen die Rolling Stones, mit denen er seit Jahren befreundet ist und die zu seinen Lieblingsmotiven gehören.

Seit 2005 lädt Krüger regelmäßig zu mehrtägigen Workshops ein, an denen auch zahlreiche prominente Teilnehmer wie der US amerikanische Regisseur Robert Rodriguez teilnehmen. Krüger lebt und arbeitet bei Hannover und in Kalifornien.

Sebastian Krüger im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst Foto: © massow-picture
Sebastian Krüger
im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst Foto: © massow-picture

Das Caricatura Museum Frankfurt zeigt eine Auswahl von frühen Cartoons von Sebastian Krüger, darunter Illustrationen für diverse Magazine wie dem Rolling Stone, Stern und Spiegel und einige seiner Blätter für Capital. Ebenfalls werden mehrere Titelblätter aus den 1980ern und 90ern für Kowalski nebst von Krüger gestalteten Werbeobjekten zu sehen sein. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt jedoch auf Krügers großformatiger Portraitkunst, auf
seinen überlebensgroßen und außergewöhnlichen Gemälden.

face2face-coverDie Ausstellung wird begleitet von dem Buch „Face2Face“.
„Seien wir realistisch: Die Annahme, ein kulturinteressierter und bildungsnaher Haushalt könne ohne diesen Prachtband von Sebastian Krüger auskommen, ist völlig unrealistisch. Die atemberaubendsten Arbeiten des Rolling Stones-Intimus werden hier auf 128 farbigen
Seiten präsentiert. Kurzum: Dieses Kunstbuch Deluxe ist ein Must have!“ (Lappan-Verlag, 2015)

Ein geniales Buch mit genialen Bildern von einem genialen Künstler für ein geniales Geschenk an geniale Leute!
(Rhein-Main.Eurokunst.com)

Webpräsenz Sebastian Krüger
Homepage http://www.sebastiankruger.com/
Blog: http://sebastian-kruger-news.blogspot.de/

Publikationen (Auswahl)
– Face2Face
Lappan Art, 2015
– S. Krüger – Sleepwalking / In progress
Museen der Stadt Kornwestheim, 2013
– INSIGHTS by Sebastian Krüger – Vol. 1 , 2 Workshop-Dokumentationen + Zeichnungen
Faustmann & Schönebaum GbR, 2011 (im Eigenverlag)
– FACES
Edition C / Lappan Verlag, 2008
– Sebastian Krüger – live
Museen der Stadt Kornwestheim, 2004
– Stars
Edition C / Lappan Verlag, 1997
– Sebastian Krüger backstage
Verlag Gerd Hatje, 1994
– Stones
Edition C / Lappan Verlag, 1994
– Alles wird gut!
Semmel-Verlach, 1992
– Rolling Stones
Edition Kunst der Comics, 1990
– Malzeit!
Semmel-Verlach, 1989

 

Termine
Festival der Komik VIII
Komische Bühnenkunst auf dem Weckmarkt
zum Museumsuferfest
26. bis 28. August 2016
Sebastian Krüger zu Gast
im Caricatura Museum
Sonntag, 9. Oktober 2016
Frankfurter Buchmesse: Sebastian Krüger signiert
am Caricatura-Stand K45 in Halle 3.0
19. bis 23. Oktober 2016
Ausstellungsvorschau
„Sternhumor“
10.11.2016 bis 12.3.2017