Das Caricatura Museum Frankfurt präsentiert Hauck & Bauer: Cartoons – vom 2. Oktober 2020 bis zum 7. März 2021

Hauck-Bauer-Cartoons-scaled-wSie sind seriös, anarchistisch und komisch zugleich: Elias Hauck und Dominik Bauer sind das Cartoon-Duo Hauck & Bauer. Die einen bezeichnen sie als die „Geburtshelfer des extrovertierten Humors“ (Deutscher Karikaturenpreis), die anderen als „Lithographen des gezeichneten Humors“ (Main-Echo). Das Caricatura Museum Frankfurt würdigt den groben Strich und feinen Witz der beiden Wunderkinder des zeitgenössischen Cartoons in einer großen Ausstellung vom 2. Oktober 2020 bis 7. März 2021.

Zur Ausstellung

Ausstellung „Hauck & Bauer: Cartoons“  im Caricatura Frankfurt vom 2. Oktober 2020 bis 7. März 2021© Hauck & Bauer
Ausstellung „Hauck & Bauer: Cartoons“ im Caricatura Frankfurt vom 2. Oktober 2020 bis 7. März 2021© Hauck & Bauer

Die Sonderausstellung zeigt die lustigsten Cartoons und besten Strips von Hauck & Bauer. Dabei führt sie durch das Spektrum der sozialen Schauplätze, in denen sich der unnachahmliche Witz der beiden entfaltet und zeichnet chronologisch die Evolutionsstufen der gemeinsamen Arbeit nach. Präsentiert wird zudem eine Auswahl der Filme, die Hauck & Bauer für Anke Engelkes Sendung „Anke hat Zeit“ entwickelten. Die Schau wird ergänzt durch Skulpturen des Kasseler Bildhauers Sigi Böttcher, der Cartoons von Hauck & Bauer in die dritte Dimension überführt. Ausgestellt werden überdies ein Gemälde von Michael Sowa, das einen Cartoon des Duos adaptiert, sowie etliche andere Objekte und Erinnerungsstücke aus dem Besitz der Künstler.

Das Künstler-Duo
Kennengelernt haben sich Elias Hauck und Dominik Bauer im Altgriechisch-Kurs ihrer Schule im unterfränkischen Alzenau. Beide, Jahrgang 1978, machten ihr Abitur am dortigen SpessartGymnasium und schätzten gleich wechselseitig ihren Sinn für Komik. In den Folgejahren probierten sie unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit aus, bis die ersten gemeinsamen Cartoons 2002 in der Berliner Kneipe „Zwiebelfisch“ nach dem bis heute gültigen Prinzip entstanden: Dominik Bauer textet einen Witz, Elias Hauck testet und zeichnet ihn, anschließend werden Details wie Bildaufbau oder Mimik der Figuren gemeinsam besprochen. Kommuniziert wird via E-Mail und am Telefon, denn inzwischen lebt Hauck in Berlin und Bauer in Frankfurt am Main.

In diesem Prozess entstehen minimalistische Cartoons und luftige Strips in Schwarz-Weiß, die meist Alltagsmenschen in Alltagssituationen zeigen. Während der reduzierte Strich die Figuren eher als Typen erscheinen lässt, verleihen mimische Details und lebensnahe Dialoge ihnen Individualität und Charakter. In den knappen Wortwechseln, die von der Sportleidenschaft über die
Zwischenmenschlichkeit bis zur Politik eine Vielzahl möglicher Themen behandeln, offenbaren die Protagonisten fast immer irgendetwas, das üblicherweise unausgesprochen bleibt, und geben so pointiert Auskunft über ihre Ambitionen und Selbsttäuschungen. Damit gelingt es Hauck & Bauer, die deutsche Alltagswirklichkeit an jenen Stätten abzubilden, wo sich ihre Bewohner zu flüchtigen Alltagsbegegnungen treffen: im Wirtshaus, auf der Straße, beim Abendbrot. Bundesweite Bekanntheit erlangten Hauck & Bauer mit ihren (meist aus einer Abfolge von vier Bildern bestehenden) Comicstrips unter dem Titel „Am Rande der Gesellschaft“, die sie seit März 2003 wöchentlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichen. Im Satiremagazin TITANIC tragen sie seit Juli 2008 allmonatlich zur Rubrik „Hier lacht der Betrachter“ bei, es folgten Cartoons in zahlreichen anderen Publikationsforen, zum Beispiel im Cicero und auf Spiegel Online. Ihre Fernsehtauglichkeit haben sie schließlich mit Cartoonfilmen in Anke Engelkes TV-Show „Anke hat Zeit“ (WDR) unter Beweis gestellt.

Ausstellung „Hauck & Bauer: Cartoons“  im Caricatura Frankfurt vom 2. Oktober 2020 bis 7. März 2021© Hauck & Bauer
Ausstellung „Hauck & Bauer: Cartoons“ im Caricatura Frankfurt vom 2. Oktober 2020 bis 7. März 2021© Hauck & Bauer

Zu den Besonderheiten im Werk von Hauck & Bauer zählt die eigentümliche Spannung zwischen roher, skizzenhafter Zeichentechnik und präzise gesetztem Text und Thema, die sich im Regelfall in einer herausragenden Pointe auflöst. Der karge Filzstrich lässt viel Raum für großnasige Figuren und Einfühlungsvermögen der Schauenden. Dabei helfen die subtile Mimik und der minimalistische, deutungsoffene Gestus der Figuren ebenso wie ihre soziale Verortung in einer Welt der Klein- und Vorstädte, in der man den Fortschritt weder umarmt noch ablehnt, sondern ihm abwartend gegenübersteht. Wer sich davon angesprochen fühlt, lacht immer auch ein bisschen über sich selbst. Die Komik im Werk von Hauck & Bauer verdankt sich nicht zuletzt ihrer reduktionistischen Methode: Sie lassen das Unkomische einfach weg.
Hauck & Bauer haben mittlerweile sieben Buchpublikationen vorgelegt und wurden für ihre Werke mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Deutschen Karikaturenpreis zweimal in Silber und zuletzt 2018 mit dem Geflügelten Bleistift für eine besondere Leistung.

Zur Ausstellung erscheint das Buch „Hauck & Bauer: Cartoons“
Hauck-Bauer-Cartoon-Begleitkatalog-250Das große Hauck & Bauer-Buch im kleinen Format versammelt Witze, Karikaturen, Cartoons und Comicstrips aus den letzten 17 Jahren. Als prachtvolles „Best-of“ ermöglicht es einen tiefen Einblick in das Werk der Ausnahmekünstler und passt zudem in jede Rock- oder Westentasche. Das komische Kompendium ist viel mehr als ein Ausstellungskatalog zur umfassenden Werkschau im Caricatura Museum – es ist ein eigenständiges Werk, in dem uns die Künstler sowohl ihre uralten Skizzen als auch ihre brandneue
Schöpfungen zeigen. Verlag Antje Kunstmann 280 Seiten, vollfarbig, 18 EUR, ISBN 978-3-95614-399-1

Weitere Publikationen

  • Am Rande der Gesellschaft. Carlsen, Hamburg 2007.
  • Hier entsteht für Sie eine neue Sackgasse. Verlag Antje Kunstmann, München 2010.
  • Bin ich Jesus? Die Kunst, nicht zu antworten. Dominik Bauer, Elias Hauck, Michael Tetzlaff,
  • Verlag Antje Kunstmann, München 2011.
  • Man tut, was man kann: Nix. Verlag Antje Kunstmann, München 2013.
  • Ich kann einfach nicht Wein sagen. Verlag Antje Kunstmann, München 2016.
  • Ist das noch Entspannung oder schon Langeweile? Verlag Antje Kunstmann, München 2018.
  • Cartoons. Verlag Antje Kunstmann, München 2020.

Caricatura Museum Frankfurt
Museum für Komische Kunst
Weckmarkt 17
60311 Frankfurt am Main
Tel +49 (0) 69 212 30161
caricatura.museum@stadt-frankfurt.de
https://caricatura-museum.de/

31. Hessischer Film- und Kinopreis 2020 im Online-Format – mehr Hilfe für die Branche Zusätzliche Kreativprämie für Filmschaffende hinter den Kulissen / Newcomerpreis für Brenda Lien, Ehrenpreis für Uwe Kockisch

30. Hessischer Film- und Kino-Preis 2019. Coronabedingt wird  in diesem Jahr keine große Verleihungs-Gala in der Alten Oper gefeiert werden. © Foto: Diether v. Goddenthow
30. Hessischer Film- und Kino-Preis 2019. Coronabedingt wird in diesem Jahr keine große Verleihungs-Gala in der Alten Oper gefeiert werden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Frankfurt/Wiesbaden. Der 31. Hessische Film- und Kinopreis wird wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt bei einer großen Gala in der Alten Oper, sondern in der Frankfurter Naxoshalle vergeben; die Veranstaltung wird online veröffentlicht. Die dadurch eingesparten Kosten fließen in eine einmalige Unterstützung für Kreative, die hinter der Kamera und meist im Verborgenen arbeiten. Das gab Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt. Dabei wurden auch die Nominierten in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm sowie für den Hessischen Fernsehpreis in den Kategorien Beste Schauspielerin und Bester Schauspieler veröffentlicht. Auch einige Gewinnerinnen und Gewinner stehen schon fest: Den Newcomer-Preis erhält die Filmemacherin Brenda Lien, der Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten geht an Uwe Kockisch. Den Preis in der Kategorie Hochschulabschluss bekommt Jennifer Kolbe, den Drehbuch-Preis Nicolas von Passavant.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Wir haben uns sehr schnell entschieden, dass es in Corona-Zeiten keine üppige Feier mit hunderten Gästen geben kann. Auch abgesehen von den Schwierigkeiten des Infektionsschutzes wäre Business-as-usual nicht angemessen in einem Jahr, das der Film- und Kinobranche so schwer zu schaffen macht. Weil ohne Gala weniger Kosten anfallen, kommen die geplanten, nun nicht anfallenden Ausgaben auf anderem Wege der Branche zu Gute. Dazu legen wir in diesem Jahr einmalig eine Kreativprämie auf, die in den nächsten Monaten vergeben werden wird. Wir wollen damit zum einen erfahrene, zum anderen junge Gestalterinnen und Gestalter aus den Filmgewerken würdigen. Damit unterstützen wir hessische Kreative dabei, trotz der Pandemie weiterzuarbeiten, und machen sichtbar, welches Know-How es auch hinter der Kamera am Standort gibt.“

Vergeben werden Kreativprämien in acht Kategorien von Szenenbild bis Sounddesign je eine mit 7500 Euro dotierter Würdigung für erfahrene Filmschaffende und ein mit 5000 Euro dotierter Preis für Nachwuchstalente. Hinzu kommen drei Würdigungen von je 5000 Euro für drei besondere Formate: ein Webserienformat, ein Format, das den Nachwuchs am Standort vorbildlich einbindet und ein Format, das sich durch internationale Koproduktion auszeichnet. Insgesamt werden somit 19 Preise vergeben, die mit insgesamt 115.000 Euro dotiert sind.

Die Verleihung des Film- und Kinopreises wird am 21. Oktober in einem kleinen Rahmen in der Frankfurter Naxoshalle stattfinden. Die Moderation übernehmen die Journalistin, ZDF-Moderatorin und Trägerin des Walter-Lübcke-Demokratiepreises, Dunja Hayali, und die Film- und Literaturkritikerin der FAZ, Verena Lueken. „Wir setzen – wie viele Kulturschaffende auch – auf digitale Formate“, erläutert Kunstministerin Dorn. „Die Preisverleihung wird am 22. Oktober 2020 ab 19 Uhr auf der Website hessischerfilmpreis.de zu sehen sein und über Social Media ausgespielt. Außerdem widmet der Hessische Rundfunk der Preisverleihung eine Sondersendung im Anschluss an ,Hauptsache Kultur‘ am 22. Oktober ab 23 Uhr.“

Einige Preisträgerinnen und Preisträger sowie Nominierte wurden – wie in jedem Jahr – bereits bei der Pressekonferenz bekannt gegeben:

Den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten erhält Uwe Kockisch. Seine Entscheidung begründet Ministerpräsident Volker Bouffier wie folgt: „Uwe Kockisch ist einem breiten Publikum nicht zuletzt in seiner Rolle als Commissario Brunetti bestens bekannt, hat sich aber auch als Charakterdarsteller etabliert, wie er eindrucksvoll in der Hauptrolle in der Fernsehserie ,Weissensee‘ bewiesen hat. Wenn man auf seine Vita schaut, ist seine Verkörperung des Stasi-Offiziers Hans Kupfer besonders wertzuschätzen, denn Uwe Kockisch hat im wahren Leben als junger Mensch Anfang der 1960er Jahre nach einem gescheiterten Fluchtversuch die Brutalität und Schonungslosigkeit der Stasi und des DDR-Systems am eigenen Leib erfahren. Somit schlägt er gerade im 30. Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit mit seinem Lebenslauf und seiner jahrzehntelangen Schauspielkarriere in Ost und West eine wertvolle Brücke: Als ,gesamtdeutscher‘ Star mit einer Karriere, die aller Ehren wert ist und somit auch des Ehrenpreises des Ministerpräsidenten.“ Die Auszeichnung ist undotiert.

Der mit 7.500 Euro dotierte Newcomerpreis, über dessen Vergabe die Kunst- und Kulturministerin entscheidet, geht in diesem Jahr an Brenda Lien. „Sie ist in ihrem jungen Alter – sie ist Jahrgang 1995 – ein außergewöhnliches Talent und ein profilierter Teil der Kurzfilm-Szene in ganz Deutschland“, begründete Ministerin Dorn ihre Auswahl. „Sie hat schon viele wichtige Auszeichnungen bekommen – und das noch während ihres Studiums in ihrer Geburtsstadt Offenbach. Aktuell entsteht ihr Abschlussfilmprojekt an der Hochschule für Gestaltung. Wir dürfen darauf sehr gespannt sein. Brenda Lien setzt sich in ihren Filmen, aber auch in Debatten und Initiativen für die Sichtbarkeit von non-binären Protagonist*innen und ihren Geschichten ein. Sie steht für ein feministisches, innovatives und diverses Kino, vor und hinter der Kamera.“

Bekanntgegeben wurden zudem die Preise in zwei weiteren Kategorien: Den Drehbuchpreis erhält Nicolas von Passavant für sein Drehbuch „Vor dem Dunkel“. Darin geht es um den Skandal um E.T.A. Hoffmanns letzte Erzählung „Meister Floh“: Der Schriftsteller und Richter Hoffmann deckt in seiner Erzählung unrechtmäßige Verfahren auf, worauf er seinerseits wegen Geheimnisverrats angeklagt wird. Die Jury erklärt: „,Vor dem Dunkel‘ ist stilistisch und dramaturgisch ein großer Wurf, dem eine fundierte und intensive Recherche zugrunde liegt. Die Komposition aus realen Bezügen und fiktiven Elementen gelingt Nicolas von Passavant ganz hervorragend. Aufgrund der Verschachtelung unterschiedlicher Erzählebenen entsteht eine atmosphärische Dichte, die den historischen Kontext und die Dilemmata der Figuren schon beim Lesen vermittelt.“ Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert.

Der Preis für den besten Hochschulfilm geht an Jennifer Kolbe für „MILK“, ihre Bachelorarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain. Die Jury urteilt, der vierminütige Film bringe radikal auf den Punkt, „wie gnadenlos Menschen aus Profitinteresse mit Tieren umgehen“. Es sei, so die Begründung weiter, „ein Animationsfilm, der emotional unter die Haut geht. Und das, obwohl er mit einer sehr reduzierten Figürlichkeit und Farbigkeit arbeitet. Kolbes Film beeindruckt durch die klare ästhetische Entscheidung und den erzählerischen Trick, den Lebenslauf von Nutztieren wie Milchkühen am Beispiel von Menschen zu verdeutlichen. Rhythmisch eingängig komponiert, kommt dieser Film ganz ohne Worte aus – dank des kongenialen Sounddesigns von Henrik Kristen“. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert.

In weiteren Kategorien wurden folgende Nominierungen bekanntgegeben:

Kurzfilm
„Sonntagmorgen“ von Franziska Wank
„We Will Survive“ von Nele Dehnenkamp
„Your Future“ von Maren Wiese & Petra Stipetić
Die Nominierung ist mit einem Nominierungsgeld von 1000 Euro verbunden, der Preis mit 5000 Euro dotiert.

Dokumentarfilm
„At the Margin“ von Sita Scherer und Sara Hüther
„Oeconomia“ von Carmen Losmann
„Wer wir waren“ von Marc Bauder
Die Nominierung ist mit einem Nominierungsgeld von 4000 Euro verbunden, der Preis mit 20.000 Euro dotiert.

Spielfilm
„Die Wolf-Gäng“ von Tim Trageser
„Toubab“ von Florian Dietrich
„Coup“ von Sven O. Hill
Die Nominierung ist mit einem Nominierungsgeld von 4000 Euro verbunden, der Preis mit 23.000 Euro dotiert.

Nominiert für den undotierten Hessischen Fernsehpreis des Hessischen Rundfunks, der ebenfalls bei der Verleihung in der Naxoshalle vergeben wird, sind:

Beste Schauspielerin
Steffi Kühnert in „Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“
Vanessa Loibl in „Unsere wunderbaren Jahre“
Lilith Häßle in „Ein Schritt zuviel“

Bester Schauspieler
Godehard Giese in „Unschuldig“
David Schütter in „Unsere wunderbaren Jahre“
Niki von Tempelhoff in „Ein Schritt zuviel“

Wer von den Nominierten die Preise sowie die ebenfalls zu vergebenden Kinokulturpreise erhält, wird am Tag der Preisverleihung bekannt gegeben.

Aktuelle Informationen unter www.hessischerfilmpreis.de

Deutscher Buchpreis 2020 – Die Autoren der Shortlist stellten in einer Livesendung im Literaturhaus Frankfurt ihre Werke vor

 (v.l.): Anne Weber, Deniz Ohde, Bov Bjerg, Dorothee Elmiger.© Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.): Anne Weber, Deniz Ohde, Bov Bjerg, Dorothee Elmiger.© Foto: Diether v. Goddenthow

Wegen Corona ein wenig in abgespeckter Version, aber dafür als Live-Stream produziert, präsentierten am27. September 2020 das Kulturamt der Stadt Frankfurt und das Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit der Stiftung Buchkultur und Leseförderung
des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels traditionell die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020. Der stets am Montag vor Eröffnung der Buchmesse verliehene Deutsche Buchpreis sei „die wirkungsmächtigste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur seit 15 Jahren“, begrüßte Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses, die über 700 Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie die rund 50 Gäste des Auditoriums, unter ihnen die vier angereisten Shortlist-Nominierten: Dorothee Elmiger, Deniz Ohde, Bov Bjerg und Anne Weber und die Kritiker Miriam Zeh und Christoph Schröder. Christine Wunnicke („Die Dame mit der bemalten Hand“) und Thomas Hettche („Herzfaden“) fehlten wegen der Pandemie.

Vom Glück im Zuckerland

Dorothee Elmiger © Foto: Diether v. Goddenthow
Dorothee Elmiger © Foto: Diether v. Goddenthow

Zum Auftakt des Literaturnachmittags stellte Christoph Schröder, Freier Autor und Kritiker sowie Dozent für Literaturkritik an den Universitäten Frankfurt am Main und Köln, die Schweizer Schriftstellerin Dorothee Elmiger mit ihrem Buch „Aus der Zuckerfabrik“ (Hanser) vor. Elmiger ist gleich zweimal nominiert. Sie steht auch auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises. Zuckerfabrik ist das dritte Buch von ihr. Es trüge keine Gattungsbezeichnung und habe auch keinen ganz so leicht nachvollziehbaren stringenten Plot, eröffnete Schröder das Gespräch. Sehr vereinfacht gesagt, so Schröder, sei die „Zuckerfabrik“ (Hanser) eine hochspannende Mischung aus Essay und erzählenden Text „Das ist der Versuch, Kolonialismus, Kapitalismus. Literaturgeschichte, Lektüre und das eigene Leben, Denken und Erleben der Erzählerin immer wieder in neuen Konstellationen zueinander zu bringen, um daraus selbst wiederum Text zu generieren“. Ausgangspunkt zur ihrer Geschichte, so Elmiger, war eine Reportage über den ersten Schweizer Lottomillionär Werner Bruni 1979, der relativ schnell das Geld wieder verloren hat. In seinen Memoiren, die er zusammen mit einem Ghostwriter verfasst hat, erzählt er, dass die glücklichste Zeit seines Lebens, die er verbracht hat, eine Reise in die Karibik nach Haiti war, nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um für eine Bekannte aus der Schweiz in deren Ferienhaus die Duschen und Toiletten zu installieren. Bruni‘s Lebensgeschichte nachzuspüren, und das Aufeinandertreffen seiner glücklichsten Zeit auf Haiti als eine historisch sehr wichtige Insel, der Geschichte von Kolonialismus und des Zuckeranbaus, haben mich interessiert. Hier greifen Kolonialismus, Kapitalismus und Literaturgeschichte unerwartet ineinander.

Die verinnerlichte Abwertung und der erfolgreiche Versuch von Selbstbefreiung

Deniz Ohde  © Foto: Diether v. Goddenthow
Deniz Ohde © Foto: Diether v. Goddenthow

Deniz Ohde, die vor einem Jahr noch am Rande eines feministischen Literaturfestivals ein Buch signierte, hat ihren ersten Roman als erzählerische Bildungsbiografie eines Frankfurter Mädchen mit Migrationshintergrund verfasst. Ihre Gesprächspartnerin ist Miriam Zeh, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungskolleg „Schreibszene Frankfurt“ der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und freie Redakteurin und Moderatorin in der Buchredaktion des Deutschlandfunks, hat Ohde zuvor schon begleitet.

Ohde zeigt am Beispiel ihres eigenen Erfolgs, dass sie, die Tochter eines deutschen Industriearbeiters und einer türkischen Einwanderin, die einst am Identitätsabgrund stand und schmerzhaft das Ausgeschlossensein des „abgehängten Prekariats“ durchlitt, dennoch nicht Opfer wurde. Vielmehr avancierte sie zur Akteurin ihres Schicksals, ihres eigenen Erfolges inmitten  und trotz all der vorhandenen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft.

In ihrem Werk geht die Autorin weit zurück in ihre Kindheit, und während sie die alten Wege geht, so beschreibt es der Klappentext, „erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, bis sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch im Gymnasium und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst – zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden. Deniz Ohde erkundet in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.“
„Keiner ist nur depressiv“

Bov Bjerg © Foto: Diether v. Goddenthow
Bov Bjerg © Foto: Diether v. Goddenthow

Bov Bjerg, insbesondere durch seinen früheren Bestseller „Auerhaus“ bekannt, las zunächst aus seinem Roman „Serpentinen“ (Claassen-Verlag) der – nach dem Leipziger Buchpreis – in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal für einen Buchpreis nominiert ist. In seiner Geschichte, in der ein Vater von Berlin aus mit seinem kleinen Sohn seine Heimat, die schwäbische Alb bereisen, geht es vor dem Hintergrund einer vom Fluch der Depression verfolgten Familie, um die Bodenlosigkeit dieser Krankheit, auch als Metapher für die Serpentinen gesellschaftlicher Abgründe deutscher Vergangenheit. Urgroßvater, Großvater, Vater des Erzählers haben sich allesamt das Leben genommen: „ertränkt, erschossen, erhängt“, und dennoch, so Christoph Schröder, habe dieser Roman immer wieder auch heitere Passagen.– „Es gibt keinen Menschen, der nur depressiv und suizidgefährdet ist – ich wollte keinen Roman schreiben, der nur aus Düsterkeit besteht“, betonte Bjerg, der es mit seiner Erzählweise sehr gut versteht,“ finster-komische Momente“ so zu setzen, dass er es schafft  vom eigentlich Unaussprechlichen zu erzählen.

Über die Wichtigkeit des Ungehorsams

Anne Weber  © Foto: Diether v. Goddenthow
Anne Weber © Foto: Diether v. Goddenthow

Den Abschluss im Reigen der Buchvorstellungen bestritten Miriam Zeh und Annette Weber mit „Annette, ein Heldinnenepos“ (Matthes & Seitz), worin sie die Lebensgeschichte der 96-jährigen französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir als Epos erzählt und in ein grandioses Stück Literatur verwandelt. . „Das Buch ist mein Blick auf ihr Leben, es ist nicht ihr Leben“ betont sie. Die Protagonistin war Weber durch ein Zuhörer-Redebeitrag bei einem NS-Gedenksymposium in Südfrankreich aufgefallen, als sie merkte, dass diese alte Frau viel mehr über all das wusste, als sie selbst. Und sie bemühte sich, später beim Dinner den Platz neben ihr zu bekommen. Aus diesem Gespräch entstand die Idee zu diesem Buch. Unzählige Male besuchte sie Anne Beaumanoir zu Interviews und setzte ihr mit „Annette, ein Heldinnenepos“ ein literarisches Denkmal. Obgleich ein Roman, verzichtete Weber darauf, ihrer Protagonistin irgendwelche erfundenen Wörter oder Sätze in den Mund zu legen. „Ziel war es, fiktiv zu bleiben und nur zu erzählen, was ich von ihr weiß“, unterstrich die Autorin.
Anne Beaumanoir wurde 1923 in der Bretagne geboren, wuchs auf in einfachen Verhältnissen und wurde schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance. Sie rettete zwei jüdische Jugendliche, wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ erhält. Sie arbeitete nach dem Krieg als Neurophysiologin in Marseille. 1959 wurde Beaumanoir zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung. Sie ist noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. In „Annette, ein Heldinnenepos“ erzählt Anne Weber das turbulente Leben der Anne Beaumanoir in einem biografischen Heldinnenepos, wobei die geschilderten Szenen viele Fragen aufwerfen, unter anderem: „Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen?“

Informationen Deutscher Buchpreis

Literaturhaus Frankfurt – Seit 30. September wieder geöffnet

Rheingau Literatur Preis 2020 an Annette Pehnt – 11.111 Euro und 111 Flaschen Rheingauer Riesling an Annette Pehnt

Oestrich-Winkel, 27.09.2020 – Heute Vormittag wurde die deutsche Schriftstellerin Annette Pehnt für ihren Roman „Alles was sie sehen ist neu“ auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg mit dem Rheingau Literatur Preis 2020 ausgezeichnet. Die durch das Rheingau Literatur Festival initiierte Ehrung wurde in diesem Jahr zum siebenundzwanzigsten Mal vergeben. Der Preis ist mit 11.111 Euro und 111 Flaschen besten Rheingau Rieslings dotiert. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Rheingau Musik Festival e.V. stiften je 5.000 Euro des Preises, der vom Relais & Châteaux Hotel Burg Schwarzenstein um 1.111 Euro ergänzt wird. Die erlesenen Weine stammen aus den herausragenden Kellern des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter Rheingau. Die Laudatio auf Annette Pehnt hielt Andreas Platthaus, Leiter das Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der F.A.Z. und Mitglied der Jury des Rheingau Literatur Preises.

Die Jury begründete die Wahl folgendermaßen: „In ‚Alles was sie sehen ist neu‘ erzählt Annette Pehnt von der Reise einer Gruppe deutscher Kulturbürger in ein fernöstliches Land namens Kirthan. Sie kommen mit festen Erwartungen, doch sie finden einen Staat in tiefer Ambivalenz zwischen Tradition und Vormarsch in die Moderne. Alle westlichen Wahr- und Weisheiten kommen dort an ein Ende, und bald droht auch dem Reiseprogramm der Abbruch. In diesem Moment verlässt Annette Pehnts Roman die Deutschen und begibt sich auf den Spuren des kirthanischen Reiseleiters zu dessen Lebensstationen über drei Jahrzehnte hinweg. Die europäische Perspektive wird neu fokussiert, ehe das Buch in einem furiosen Finale die Hybris eines angelesenen Verständnisses der Kraft des Zuhörens und Weitererzählens gegenüberstellt. ‚Alles was wir sehen ist neu‘ sucht die Balance zwischen Orient und Okzident, Kollektivismus und Individualismus, Allegorie und Beobachtung. Das Buch ist ein Schlüsselroman, denn es öffnet die Welt.“

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Annette Pehnt hat uns mit ,Alles was sie sehen ist neu‘ einen eindrucksvollen Roman geschenkt, der die europäische Perspektive neu fokussiert und uns auf eine unterhaltsame Reise mitnimmt. Ich gratuliere herzlich zum Rheingau Literatur Preis und freue mich, dass wir diese Auszeichnung als Teil unserer Literaturförderung tatkräftig unterstützen. Mein Dank geht an das Gremium, das jedes Jahr aufs Neue mit feinem Gespür Autorinnen und Autoren prämiert, die sich mit Themen unserer Zeit in herausragender Prosa auf künstlerisch hohem Niveau auseinandersetzen.“

Aus der Laudatio von Andreas Platthaus: „Annette Pehnt ist genau die richtige Autorin für den Rheingau Literatur Preis. Das Buch, für das sie ausgezeichnet wird, heißt ‚Alles was Sie sehen ist neu“. Was wir darin lesen, ist auch neu – ein einfühlsamer Blick in die Strukturen einer Diktatur. Sie trägt den Namen ‚Kirthan‘, doch dahinter ist unschwer China zu entdecken. Dort findet eine Begegnung von Orient und Okzident, bei der ein einheimischer Reiseleiter eine deutsche Besuchergruppe führt. Aus der Kraft seiner Geschichten soll das Bild des modernen Kirthan erstehen, doch er kennt auch die andere Seite des Landes. Die große Erzählerin Annette Pehnt hat das gleiche Ideal wie ihre Hauptfigur: Gegenwärtigkeit, zeitlich verstanden und geistig. Dazu braucht es Neugier: ‚Den Blick, der alles festhalten will, habe ich mir nie abgewöhnt‘, hat Annette Pehnt festgestellt. Neugier aber umfasst auch den Prozess des Schreibens selbst, und so können wir den Titel ‚Alles was Sie sehen ist neu‘ programmatisch lesen: Keines der vielen Bücher dieser Schriftstellerin gleicht diesem.“

Annette Pehnt, geboren 1967 in Köln, ist freie Schriftstellerin seit 2001. Seitdem hat sie zahlreiche Romane publiziert, darunter „Haus der Schildkröten“, „Mobbing“, „Chronik der Nähe“ und „Briefe an Charley“, sowie Kinderbücher wie „Der Barbeiß“. Sie lebt mit ihrer Familie in Freiburg und leitet das Studio für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim.

Die Jury des Rheingau Literatur Preises setzt sich unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Boehncke zusammen aus Dr. Viola Bolduan (ehemalige Feuilletonchefin des Wiesbadener Kuriers), Dr. Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Andreas Platthaus (Leiter das Ressorts „Literatur und literarisches Leben“ der F.A.Z. und Mitglied der Jury des Rheingau Literatur Preises) und Dr. Insa Wilke (freie Literaturkritikerin aus Berlin).

Die bisherigen Preisträger waren Stefanie Menzinger, Ulla Berkéwicz, Herbert Maurer, Thomas Meinecke, Hella Eckert, Thomas Lehr, Peter Stamm, Bodo Kirchhoff, Robert Gernhardt, Reinhard Jirgl, Ralf Rothmann, Gert Loschütz, Clemens Meyer, Antje Rávic Strubel, Ursula Krechel, Christoph Peters, Jochen Schimmang, Josef Haslinger, Sten Nadolny, Ralph Dutli, Stephanie Bart, Klaus Modick, Saša Stanišić, Ingo Schulze, Robert Seethaler und Dörte Hansen.

Weitere Informationen:
https://www.rheingau-literatur-festival.de
https://www.rheingau-musik-festival.de/festival/rheingau-literatur-preis/

ARTe – Messe für zeitgenössische Kunst in Wiesbadener RheinMain-CongressCenter eröffnet – noch bis 27.09.2020

Farben, Formen, junge Kunst zum Sehen, Fühlen und Erleben für jedermann gibt es ab heute zu sehen auf der Kunstmesse ARTe im RheinMain CongressCenter Wiesbaden © Foto: Diether v. Goddenthow
Farben, Formen, junge Kunst zum Sehen, Fühlen und Erleben für jedermann gibt es ab heute zu sehen auf der Kunstmesse ARTe im RheinMain CongressCenter Wiesbaden © Foto: Diether v. Goddenthow

Unter regem Zuspruch öffnete heute die „ARTe – Messe für zeitgenössische Kunst“ (25.-27.09.2020) im Wiesbadener RheinMain CongressCenter ihre Tore.
Noch bis Sonntag 27.09.2020 präsentieren auf 5000 Quadratmetern 104 nationale und internationale ausgewählte Aussteller mit insgesamt 170 Künstlern ihre zeitgenössischen Werke. ARTe ist die erste Kunstmesse nach der Corona-Pause im RheinMain-Gebiet. Entsprechend groß war bereits der Andrang bei der Eröffnung. SWR-Fernsehmoderator Markus Brock,  Ralph-Michael Hohenstein, Geschäftsführer der Messe Sindelfingen und Projektleiter  Andreas Kerstan begrüßten die Gäste, unter ihnen Prominente wie Familienministerin a.D.  Dr. Kristina Schröder.

Messeimpression ARTe vom 25. bis 27.09.2020 © Foto: Diether v. Goddenthow
Messeimpression ARTe vom 25. bis 27.09.2020 © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Darbietungsambiente ist luftig und unverkrampft, ein „Boulevard“ mit echten Bäumen bildet eine großzügige Sichtlinie durch den Raum. In dieser inspirierend konzipierten Architektur entführen die Kunstmacher ihre Besucher gedanklich wie auch sinnlich in die Welt ihrer Ateliers, die gleich um die Ecke, aber auch sehr weit weg von Wiesbaden sein können: „Auf der
ARTe präsentieren sowohl Aussteller aus der Region – sie machen etwa die Hälfte aus – als auch aus dem restlichen Bundesgebiet ihre Werke“, erläutert Projektleiter Andreas Kerstan. „Überdies haben wir auch – soweit Corona das zugelassen hat – internationale Kunstschaffende zu Gast.“

Beethoven im Foyer

Stand des Musikers und bildenden Künstlers Professor Enno-Ilka Uhde mit seinem Werk   „FEUERTRUNKEN GÖTTERFUNKEN – 250 Jahre Ludwig van Beethoven“. Sein Motto: "Nur die Kunst kann uns retten". Seit seinem 6. Lebensjahr hat er vor allem auch als Musiker mit Beethoven zu tun, der unserer Gesellschaft das Klangbild der Freiheit, die wir leben geschenkt habe, ohne, dass es wir es wüssten, so der Künstler heute bei der Eröffnung der ARTe. © Foto: Diether v. Goddenthow.
Stand des Musikers und bildenden Künstlers Professor Enno-Ilka Uhde mit seinem Werk „FEUERTRUNKEN GÖTTERFUNKEN – 250 Jahre Ludwig van Beethoven“. Sein Motto: „Nur die Kunst kann uns retten“. Seit seinem 6. Lebensjahr hat er vor allem auch als Musiker mit Beethoven zu tun, der unserer Gesellschaft das Klangbild der Freiheit, die wir leben geschenkt habe, ohne, dass es wir es wüssten, so der Künstler heute bei der Eröffnung der ARTe. © Foto: Diether v. Goddenthow.

Als gattungsübergreifendes, exklusives Highlight begrüßt gleich am Eingang das Werk „FEUERTRUNKEN GÖTTERFUNKEN – 250 Jahre Ludwig van Beethoven“ die Besucher: 250 individuell gestaltete Kunstwerke des Wiesbadener Polykünstlers Enno-Ilka Uhde, die dieser zum 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven geschaffen hat. Zur Eröffnung der ARTe wird Uhde sein neues Werk persönlich und exklusiv der Öffentlichkeit vorstellen. Kerstan: „Die künstlerische Innovationskraft von Beethoven hat viele nachfolgende Generationen an Künstlern inspiriert und fasziniert – wir freuen uns sehr, dass Enno-Ilka Uhde hier im Kontext bildender Kunst mit seinem eindrucksvollen Werk auf der ARTe eine bildliche Kommemoration des grandiosen, monumentalen Musikschaffens dieses Komponisten liefert und damit vor den Toren der ARTe einen Kunstraum schaffen wird, der die Trennung der Kunstgattungen auf inspirierende Weise überschreitet.“

Kunst aus der Region und darüber hinaus

Die vor allem auch in Mainz bekannte Holzbildhauerin Karin Waldmann im Gespräch mit einer Interessentin. www.karinwaldmann.de © Foto: Diether v. Goddenthow.
Die vor allem auch in Mainz bekannte Holzbildhauerin Karin Waldmann im Gespräch mit einer Interessentin. www.karinwaldmann.de © Foto: Diether v. Goddenthow.

Neben Enno-Ilka Uhde haben sich zahlreiche weitere „Lokalmatadoren“ aus Wiesbaden angesagt: Die renommierte Galerie Kunst-Schaefer wird ihre Offerte auf der ARTe präsentieren, ebenfalls aus der Landeshauptstadt kommen z.B. die Künstler Bernd Brach, Katja Grandpierre, Leah Rudolph und Ernest Bisaev. Birgit Horn, die sich der gegenständlichen Malerei und dem kunstvollen Designen von UpcyclingUnikaten widmet, kommt wie die Künstlerin Gunda Jastorff aus Norddeutschland. Aus dem Süden der Republik kommen z.B. Ruth Schleeh, Stefanie von Quast und Gabriele Rothweiler.

Reinhold Mehlings berühmte Holzskulpturen faszinieren. Sein Atelier hat er in Hanau www.uferkunst.de © Foto: Diether v. Goddenthow
Reinhold Mehlings berühmte Holzskulpturen faszinieren. Sein Atelier hat er in Hanau www.uferkunst.de © Foto: Diether v. Goddenthow

Coronakonform durch die Kunstlandschaft flanieren …
Eine Kunstmesse coronakonform organisieren und gleichzeitig den Kunstgenuss und das damit verbundene Socialising so unbeschwert wie möglich gestalten – in dieses anspruchsvolle Zusammenspiel haben die Messemacher viel Zeit und Energie investiert. „Wir haben ein Konzept entwickelt, in das die geltenden Abstands- und Hygieneregeln sowie weitere Vorschriften rund um Messeeintritt und Registrierung professionell eingearbeitet wurden“, versichern Andreas Kerstan und Ralph Hohenstein, Geschäftsführer der Messe Sindelfingen, die die ARTe in Wiesbaden wie auch an ihrem Heimatort Sindelfingen bei Stuttgart organisiert. Eine MundNasenbedeckung ist auf der ARTe Pflicht, darüber hinaus werden die Besucher registriert. Wer Wartezeiten vermeiden will, kann bereits vorab das Registrierungs-pdf auf arte-messe.de herunterladen und ausgefüllt abgeben, auch Visitenkarten werden zum Beispiel akzeptiert. Zusätzlich zu den Ausstellern dürfen maximal 250 Besucher gleichzeitig in der Ausstellungshalle sein. Ein ausgeklügelter Besucher-Parcours, der an jedem Stand vorbeiführt, soll die Besucher durch die Kunstlandschaft leiten, wer will, kann auch abseits dieses Pfads durch die Halle flanieren … Kerstan: „Alle aktuellen notwendigen Infos zu unseren Corona-Regeln sind auf unserer Website www.arte-messe.de zu finden.“

Ausstellerkatalog

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden muss Spielbetrieb vorübergehend bis 27.09. einstellen

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden muss kurzfristig den Spielbetrieb einstellen, weil das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Durchführung der Vorstellungen nach Maßgabe des durch das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden genehmigten Hygienekonzepts für das Hessische Staatstheater Wiesbaden untersagt hat.

Betroffen davon sind alle Aufführungen vom 25. bis einschließlich 27. September: »Die Hochzeit des Figaro«, »Frankenstein Junior« (25. & 26.9.), das Kammerkonzert »Die Prinzessin auf der Erbse«, »Der Barbier von Sevilla« und »Szenen einer Ehe«. Auch der Vorverkaufsstart für das diesjährige Weihnachtsstück »Kleiner König Kalle Wirsch«, der eigentlich für Samstag, den 26. September, um 10 Uhr vorgesehen war, muss ausgesetzt werden.

Das Hessische Staatstheater Wiesbaden arbeitet zeitnah an einer Lösung, um auch die anstehende Opern-Premiere von Dmitri Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk« am 2. Oktober 2020 durchführen zu können.

Umgang mit bereits gekauften oder reservierten Karten

Alle Karten der abgesagten Vorstellungen werden automatisch storniert, wenn Zuschauer*innen ihre Kontodaten hinterlegt haben. Der Betrag wird auf die hinterlegte Bankverbindung erstattet. Für die Stornierung müssen Karteninhaber*innen nicht eigens an die Theaterkasse kommen.

Alle Besucher*innen, deren Kontodaten nicht hinterlegt sind, oder die per Kreditkarte bzw. PayPal gekauft haben, wenden sich bitte an die Theaterkasse. Das geht vor Ort oder telefonisch unter Vorlage des Tickets bzw. Nennung der Auftragsnummer, damit die Eintrittskarten rückerstattet werden können. Karteninhaber*innen müssen sich auch nicht sofort melden und werden gebeten, sich immer an die Verkaufsstelle zu wenden, bei der die Karten erworben wurden.

Wenn als Gruppe gebucht wurde, ist das Gruppenbüro zuständig und telefonisch unter 0611.132 300 oder per E-Mail an gruppenticket@staatstheater-wiesbaden.de zu erreichen.

Abonnent*innen erhalten automatisch eine Rücküberweisung der ausgefallenen Vorstellung, wenn die Kontodaten hinterlegt sind. Wenn stattdessen ein Umtauschschein gewünscht ist, wird gebeten, sich an das Abonnementbüro zu wenden. Abonnent*innen erreichen bei Fragen das Abonnementbüro telefonisch unter 0611.132 340 oder per E-Mail an abonnement@staatstheater-wiesbaden.de.

Überreichung der Goetheplakette an die Schriftstellerin Silke Scheuermann

Bürgermeister Uwe Becker überreicht die Goetheplakette der Stadt Frankfurt an die Schriftstellerin  Silke Scheuermann  © Stadt Frankfurt Foto Maik Reuss
Bürgermeister Uwe Becker überreicht die Goetheplakette der Stadt Frankfurt an die Schriftstellerin Silke Scheuermann © Stadt Frankfurt Foto Maik Reuss

(ffm) Die Autorin wurde am Donnerstag, 24. September, für ihre herausragenden Leistungen auf kulturellem Gebiet mit der Goetheplakette im Kaisersaal geehrt.

„Wer mit Worten feingliedrige Mosaike gestalten, mit Sprache Bilder zeichnen und Gefühle spürbar machen kann, muss besondere Talente besitzen. Die Goetheplakette ist eine der renomiertesten Auszeichnungen der Stadt Frankfurt am Main, die bedeutenden Persönlichkeiten des Geistes verliehen wird. Silke Scheuermann ist es als Schriftstellerin auf einzigartige Weise gelungen, sowohl als Lyrikerin als auch als Romanschreiberin außergewöhnliche Werke zu schaffen und viele Leserinnen und Leser zu begeistern“, gratulierte Bürgermeister Uwe Becker. „Wenn man die Rezensionen und Kritiken zu Ihren Werken liest, findet man dort im mildesten Fall Lob, zumeist jedoch Begeisterung, die so einhellig ist, dass sie zutreffen muss.“

Silke Scheuermann studierte nach dem Abitur Theater- und Literarurwisschenschaften in Frankfurt am Main, Leipzig und Paris. Bereits in jungen Jahren im Alter von 22 oder 23 Jahren veröffentlichte sie unter ihrem Künstlernamen Sofie Peria in der Heidelberger Zeitschrift Van Goghs Ohr Kurzprosa und Gedichte. Für ihre Leistungen erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, unter anderem das Stipendium der Villa Massimo in Rom sowie den Hölty-Preis für Lyrik, den Bertolt-Brecht- und den Robert-Gernhardt-Preis sowie den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis.

„Preiswürdig vom ersten Tage an: Vom Debutwerk 2001, dem Lyrikband ,Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen‘ über den ersten Roman ,Die Stunde zwischen Hund und Wolf‘ über das Gedichtbuch ,Skizze vom Gras‘ bis zum Roman ,Wovon wir lebten‘ beeindruckt Silke Scheuermann als Lyrikerin und Romanautorin“, schwärmte Becker in seiner Begrüßung. „Und wenn Frankfurt als Ort der Betrachtung einmal nicht ausreicht, reicht der Blick bis nach Shanghai, wo mit ,Shanghai Performance‘ die Weit- und Weltsicht Ihrer Betrachtungen den Leser fasziniert. Die Stadt Frankfurt am Main gratuliert der außergewöhnlichen Schriftstellerin auf das Herzlichste. Goethe wäre heute stolz! Alle anderen dürfen noch auf viele Werke aus Ihrer Feder hoffen.“

1947 wurde die Auszeichnung vom Magistrat der Stadt Frankfurt am Main nach ihrer ursprünglichen Einrichtung 1932 neu begründet. Die von Georg Krämer gestaltete Goetheplakette wird seither an „Dichter, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens […], die durch ihr schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig sind“, vergeben.

Bekannte Preisträger sind der Philosoph Theodor W. Adorno und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, die Architekten Oswald Mathias Ungers und Albert Speer. Genauso erhielten die Auszeichnung der israelische Komponist Eliahu Inbal als auch der Theater- und Kunstkritiker Peter Iden und der in Frankfurt Thomas Bayrle.

Maßnahmen zum Wind-, Kälte- und Regenschutz nun in der gesamten Außengastronomie möglich

Mit Acrylglas-Hygieneschutz-Wänden, Zeltdächern und Heizpilzen können zahlreiche Gastronomen auch in den kälteren Jahreszeiten im Außenbereich bewirten und so durch den Winter kommen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mit Acrylglas-Hygieneschutz-Wänden, Zeltdächern und Heizpilzen können zahlreiche Gastronomen auch in den kälteren Jahreszeiten im Außenbereich bewirten und so durch den Winter kommen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der DEHOGA Hessen, Kreisverband Frankfurt, und die IHK Frankfurt am Main zeigen sich erleichtert, dass die Stadt Frankfurt geeignete Maßnahmen zum Wind-, Kälte- und Regenschutz auch in den Sommergärten, d.h. in der Außengastronomie auf öffentlichem Grund, ermöglicht hat. Bereits letzte Woche war seitens der Stadt angekündigt worden, dass die Erweiterung der Außengastronomie bis zum 30. April 2021 verlängert wird und die Schutzmaßnahmen in der kalten Jahreszeit zumindest in privaten Wirtschaftsgärten geduldet werden. Anlass für die Verlängerung ist der Wunsch der Gäste, während der Corona-Pandemie vermehrt Angebote im Freien wahrzunehmen.

„Die Möglichkeit des Betreibens der Außengastronomie in der kalten Jahreszeit ist für unsere Betriebe wichtig, da das Platzangebot innen durch die Abstandsregeln deutlich reduziert ist und sich viele Gäste zudem außen wohler fühlen. Wir sind froh, dass die Stadt Frankfurt mit dieser Maßnahme für die Gastronomie dazu beiträgt, die touristische Infrastruktur der Mainmetropole aufrecht zu erhalten und somit Existenzen und Arbeitsplätze zu sichern“, sagte Eduard M. Singer, Vorsitzender des DEHOGA Kreisverbands Frankfurt.

Ermöglicht werden sollen geeignete Maßnahmen zum Wind-, Kälte- und Regenschutz wie Windschutzelemente, Schirme, Markisen sowie Blumenkübel in aufgelockerter Form zum Schutz der Gäste im Freien. Wie das Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung in einem Merkblatt (zu finden unter: https://frankfurt.de/aktuelle-meldung/amt-fuer-strassenbau-und-erschliessung/corona-sonderregelung-aussengastronomie) veröffentlicht hat, sind brandschutztechnische Voraussetzungen für einen gesicherten Betrieb von Beheizungsvorrichtungen, zum Beispiel mit Heizpilzen, eigenverantwortlich zu gewährleisten.

„Die Ermöglichung der Verlängerung der Außengastronomie im Herbst, Winter und Frühjahr ist der absolut richtige Schritt in der Corona-Pandemie. Hierbei geht es nicht nur um die berechtigten Interessen der Gastronomen und deren Kunden. Für die gesamte Wirtschaft ist es wichtig, Corona-Infizierungen möglichst zu vermeiden. Das Ansteckungsrisiko ist im Außenbereich erheblich niedriger als in geschlossenen Räumen, auch deswegen bin ich froh, dass sich die Stadt Frankfurt dem Vorschlag von IHK und DEHOGA angeschlossen hat“, betont IHK-Präsident Ulrich Caspar.

Anträge auf Verlängerung und Erweiterung können ab sofort online gestellt werden und sind unter http://www.frankfurt.de/sommergaerten im Internet zu finden.

Ausstellung Gedenkstätte KZ Osthofen Renato Mordo – Eine Geschichte von Verfolgung und Widerstand

Noch bis zum 31. Januar 2021 ist in der Gedenkstätte KZ Osthofen die Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ zu sehen. Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig
Noch bis zum 31. Januar 2021 ist in der Gedenkstätte KZ Osthofen die Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ zu sehen. Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig

Noch bis zum 31. Januar 2021 ist in der Gedenkstätte KZ Osthofen (Ziegelhüttenweg 38) die Ausstellung „Renato Mordo: jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme“ zu sehen. Eröffnet wurde diese gestern Abend durch Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Landtagspräsident Hendrik Hering als Schirmherr der Ausstellung. Kulturminister Professor Dr. Konrad Wolf als Mitglied des Vorstands der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, welche die Ausstellung fördert, sprach ein Grußwort. Ausstellungskurator Torsten Israel führte in die Ausstellung ein.

Die Ausstellung zeigt Stationen im Leben des Theater- und Opernregisseurs Renato Mordo, der Ende 1932 Deutschland auch wegen antisemitischer Anfeindungen verließ. Erste Station war Prag. 1939 floh er nach Griechenland. Dort war er Mitgründer der Griechischen Nationaloper in Athen und förderte die junge Opernsängerin Maria Callas. Er überlebte das griechische KZ Chaidari bei Athen und verfasste dazu ein Theaterstück. Bevor er von 1952 bis 1955 Leiter der Mainzer Oper war, arbeitete er nach dem Krieg an Theatern in der Türkei und in Israel. Einen besonderen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Darstellung der deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg, deren katastrophalen Auswirkungen auf das Land und die individuellen Folgen für Renato Mordo.

Gegen das Verschweigen und Verdrängen

Eröffnet wurde diese gestern Abend durch Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Landtagspräsident Hendrik Hering als Schirmherr der Ausstellung. Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig
Eröffnet wurde diese gestern Abend durch Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Landtagspräsident Hendrik Hering als Schirmherr der Ausstellung. Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig

Landtagspräsident Hendrik Hering bezeichnete die Lebensgeschichte von Renato Mordo als eine Geschichte, die einerseits geprägt war von Verfolgung, Flucht, Folter und Exil. „Andererseits ist es aber auch eine Geschichte von außergewöhnlicher Kraft, von Durchhaltewillen und künstlerischer Berufung“, sagte Hendrik Hering. Renato Mordo sei gelungen, auch im Exil und unter widrigsten Umständen weiterzumachen und an seine künstlerischen Erfolge anzuknüpfen. Ungeachtet dessen teile dieser große Theaterkünstler heute weitgehend das Schicksal von zigtausenden jüdischen Kunstschaffenden, die von der NS-Diktatur verfolgt wurden: Er sei weitgehend vergessen. Es gehöre zum Selbstverständnis aller Demokraten in Deutschland, sich mit den Abgründen unserer Geschichte auseinanderzusetzen. „Wir dürfen und wir wollen nicht zurückfallen in das alte Verschweigen und Verdrängen“, betonte der Landtagspräsident.

Hilfe für Flüchtlingslager Moria

Aus der historischen Schuld erwachse für uns Deutsche eine besondere Verantwortung für die Gegenwart und für die Zukunft Europas. Dies betreffe auch die Geschichten von Verfolgung, Flucht und Exil, die sich auf griechischem Boden gegenwärtig abspielten. „Die deutsch-griechische Freundschaft und diese Verantwortung verpflichten uns gleichermaßen dazu, jetzt in Moria zu helfen!“, sagte Hendrik Hering. Die menschenunwürdigen Zustände dort dürften nicht hingenommen werden.

Auch der Landtag habe das Schicksal von verfolgten Künstlerinnen und Künstlern in seinen Veranstaltungen zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar bereits mehrmals in den Mittelpunkt seines Gedenkens gerückt. „Im kommenden Jahr werden wir daran anknüpfen und den Gedenktag erneut an einem besonderen Ort begehen, nämlich im Möller-Bau, dem heutigen Mainzer Staatstheater, und somit genau auf der Bühne, auf der Renato Mordo seine letzte Wirkungsstätte gefunden hat“, sagte Landtagspräsident Hendrik Hering.

Leben im Exil

Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung stellte in seiner Begrüßung fest: „Unsere Ausstellung ist ein Projekt mit einer besonders deutsch-griechischen Ausprägung. Wir rücken bewusst die lange Zeit in Deutschland verschwiegene, in der Politik oft nicht beachtete und von der Forschung nur wenig beachtete NS-Besatzung Griechenlands der Jahre 1941 bis 1944 in den Focus. Die Lebensumstände für Renato Mordo, die allgemeinen Verhältnisse in Athen, die Geschehnisse im deutschen KZ Chaidari – sie machen deutlich, welche fürchterlichen Auswirkungen die Besatzung für die griechische Bevölkerung hatte. Das Fazit des Forschungsprojekts ‚Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland‘ an der Freien Universität Berlin lautet ‚Die deutsche Okkupation Griechenlands von April 1941 bis Oktober 1944 forderte mehr Opfer als in allen anderen nicht-slawischen Ländern‘ (Zitat aus www.occupation-memories.org).“

Gedenk- und Erinnerungskultur

Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig
Foto: Landeszentrale für politische Bildung/Rudolf Uhrig

Staatsminister Konrad Wolf betonte: „Der Ort der Ausstellung ist mit Bedacht gewählt, denn der Lebensweg Renato Mordos führte ihn auch in jene Lager des Schreckens und der Verfolgung, für die die Gedenkstätte KZ Osthofen als Erinnerungs- und Gedenkort symbolisch steht. Die Gedenkstätte KZ Osthofen wie auch der Lebensweg des Künstlers Renato Mordo in einem Zeitalter der Extreme erinnern uns daher mahnend an den perfiden Plan der Nationalsozialisten zur systematischen Auslöschung der jüdischen Kultur in Deutschland und Europa. Gerade vor dem Hintergrund des enormen Verlustes ist die aktive Aufarbeitung der historischen Details, der Geschichte eines jeden Opfers ein zentraler Baustein einer ernsthaften Erinnerungskultur. Zugleich weckt sie in uns auch die Verpflichtung für die Zukunft, durch aktive Erinnerung und Vermittlung immer auch einen Beitrag gegen das Vergessen leisten zu müssen.“

„In einer Gegenwart, in der der Protektionismus und Nationalismus aktuell wieder sehr präsent sind, gewinnt die Erinnerungskultur zunehmend an gesellschaftlicher Relevanz. Dieses Ausstellungsprojekt der individuellen Flucht- und Leidensgeschichte Renato Mordos, begreife ich auch als Mahnung: die schrecklichen Geschehnisse im Dritten Reich dürfen sich niemals wiederholen. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind niemals, nirgendwo auf der Welt zu irgendeiner Zeit zu tolerieren! Es war uns daher ein großes Anliegen dieses Ausstellungsprojekt durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur zu fördern“, ergänzte Wolf.

Marco Sussmann

Weitere Infos zur Ausstellung und Gedenkstätte KZ-Osthofen
Landtag Rheinland-Pfalz

Kubach und Kropp zeigen in der Sonderausstellung „Spannungsfelder“ mystisch anmutende Steinskulpturen – bis 31.01.2021 im Schlossparkmuseum Bad Kreuznach

Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ vom 20.09.2020 bis 31.01.2021. – hier: Gegenüberstellung einer  minimalistischen Kubach-Kropp-Skulptur und  verschiedener  Statuen der berühmten Bad Kreuznacher Bildhauer-Dynastie "Cauer“  © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ vom 20.09.2020 bis 31.01.2021. – hier: Gegenüberstellung einer minimalistischen Kubach-Kropp-Skulptur und verschiedener Statuen der berühmten Bad Kreuznacher Bildhauer-Dynastie „Cauer“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei herrlichem Spätsommerwetter begrüßten Oberbürgermeisterin  Dr. Heike Kaster-Meurer und Museumsleiter und Kurator Marco van Bel sowie das Künstlerpaar Livia Kubach und Michael Kropp  am  20. September 2020 zahlreiche Gäste zur Vernissage  der Sonderausstellung „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ im  Bad Kreuzbacher Schloßparkmuseum zu  einer Werkauswahl von über 30 stein-skulpturalen Kleinplastiken.

Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ - hier sehr gut gelungen die Steinkugel im Spannungsfeld mit Mamorskulptur von Cauer. © Foto: Heike v. Goddenthow
Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ – hier sehr gut gelungen die Steinkugel im Spannungsfeld mit Mamorskulptur von Cauer. © Foto: Heike v. Goddenthow

Die Werke zeigen einen repräsentativen Querschnitt des umfangreichen Schaffens von  Livia Kubach und Michael Kropp, die zum letzten Mal vor 22 Jahren im Schlossparkmuseum ihre Werke präsentiert hatten, und seither europaweit zu Ausstellungen eingeladen werden. Ihr Werkstatt-Domizil haben die beiden Künstler in unmittelbarer Nachbarschaft zum berühmten Steinskulpturen-Museum in Bad Münster am Stein. Die Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie sowie Meisterschülerin und der Künstler-Autodidakt bearbeiten dort die verschiedensten Gesteinsarten aus der ganzen Welt in den unterschiedlichsten Farben. Zu den präsentierten Werkgruppen gehören die sogenannten Steine für die Begegnung sowie die Klanghäuser, die das Thema des „Paares“ bildhauerisch umsetzen.

Michael Kropp erläutert die spezielle Herstellweise und Funktion eines Klangsteins. © Foto: Heike v. Goddenthow
Michael Kropp erläutert die spezielle Herstellweise und Funktion eines Klangsteins. © Foto: Heike v. Goddenthow

Das Werk von Kubach & Kropp nimmt innerhalb der Bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts eine eigene Position ein. Ihre Materialien bestehen hauptsächlich aus Granit und Marmor, woraus das Künstlerpaar mit einem unverwechselbaren, einzigartigen Charakter  seine modernen  edlen Skulpturen und Steinklangkörper erschaffen.  Mit ihrer Struktur sowie Form- und Oberflächen-Symbolik weisen die Werke über die Materie und Form hinaus. Sie wirken mitunter archetypisch und verströmen ein wenig mystische Präsenz und alles, was ihre Betrachter in ihnen  sehen und erspüren wollen.

Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ vom 20.09.2020 bis 31.01.2021.© Foto: Heike v. Goddenthow
Ausstellungsimpression „Spannungsfelder– Kubach& Kropp“ vom 20.09.2020 bis 31.01.2021.© Foto: Heike v. Goddenthow

Der Stein als Synonym für Dichte und Schwere sowie Beständigkeit würde zur geöffneten, fast zeitlos und entrückt wirkenden Steinskulptur, so Michael Kropp bei der Eröffnung. Er gebe Zeugnis der Erdgeschichte und des künstlerisch gestaltenden Menschen, was ergänzt würde durch nicht inhärente – da flüchtig und immateriell – aber künstlerisch wesentliche, gestalterische Elemente wie Licht, Klang und Kinetik, so der Künstler.

Museumsdirektor Marco van Bel begrüßte auch  seine Vorgängerin Frau Dr. Angela Nestler-Zapp, die 2015 feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde. © Foto: Heike v. Goddenthow
Museumsdirektor Marco van Bel begrüßte auch seine Vorgängerin Frau Dr. Angela Nestler-Zapp, die 2015 feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde. © Foto: Heike v. Goddenthow

Wer mehr erfahren und vor allem sehen möchte, dem sei ein Besuch der Sonder-Ausstellung „Spannungsfelder“, die noch bis zum 31. Januar 2021  auf allen drei Ebenen des Schloßparkmuseums  gezeigt wird, wärmstens empfohlen.

 

Ort:
Schlossparkmuseum Bad Kreuznach
Dessauer Str. 49, 55545 Bad Kreuznach
Tel. 0671 920 77 82
Fax 0671 920 77 92

ÖFFNUNGSZEITEN
Mittwoch – Freitag, 10 – 16 Uhr,
Samstag – Sonntag, 11 – 17 Uhr.
Montag Ruhetag. Februar und am 24.12., 25.12., 31.12. und 1.1. geschlossen.

 

Idyllisch gelegen: Schlossparkmuseum Bad Kreuznach.© Foto: Heike v. Goddenthow
Idyllisch gelegen: Schlossparkmuseum Bad Kreuznach.© Foto: Heike v. Goddenthow

Rahmenprogramm

Rahmenprogramm zur Sonderausstellung im Schlossparkmuseum:

Sonntag, 25. Oktober, und Sonntag, 17. Januar, je 11 Uhr: Spannungsfelder, „Making-of“ zur Ausstellung
Museumsleiter und Kurator Marco van Bel wird während des Rundgangs von der Entstehung der Ausstellung berichten – von der ersten Idee bis zum Bau und der Finanzierung der Ausstellungsarchitektur.

Sonntag, 15. November, und Sonntag, 20. Dezember, je 14.30 Uhr: Der Klang der Steine – ein musikalischer Rundgang
Der Künstler und Musiker Michael Kropp führt durch die Ausstellung der Klangskulpturen und bespielt diese. Je nach Form und Gesteinsart klingt jede Skulptur anders und eigen.

Mittwoch, 14. Oktober, und Mittwoch, 9. Dezember, je 18.30 Uhr: Abend-Führung durch die „Spannungsfelder“
Philomena Kubach-Kropp stellt in einer Abend-Führung die Skulpturen-Gruppen der Sonderausstellung vor und ergänzt diese mit Hintergrund-Details zum Werkprozess und der Entstehungs- und Ausstellungsgeschichte. Mit Umtrunk

Samstag, 7. November, 16 Uhr: Stein und Wein aus geologischer Sicht: vom Gabbro der Steinskulpturen bis zum Porphyr des Rotenfelsens
Im diesem Rundgang durch die Sonderausstellung mit dem Künstlerpaar liegt der Fokus auf den verschiedenfarbigen Gesteinsarten aus aller Welt, die Kubach & Kropp verwenden. Bei einer kleinen Weinprobe im Anschluss stellt Winzer Walter Rapp die geologischen Besonderheiten der Weinregion an der Nahe vor. Teilnahme 12 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Freitag, 29. Januar, 17 Uhr: Bildhauerinnen!?
Während eines Rundgangs durch das Museum und die Sonderausstellung spricht Livia Kubach mit Kunsthistorikerin und Museumsmitarbeiterin Caroline Heise zu Frauen in der (Stein-)Bildhauerei. Sie gehen fragend auf die Suche nach dem ‚weiblichen Blick‘ in den Skulpturen – von Hanna Cauer bis heute. Mit Umtrunk.

Rahmenprogramm zum Download

Alle Führungen/Rundgänge dauern zirka 45 Minuten. Interaktive Rundgänge für Kita-Gruppen und Schulklassen auf Anfrage. Bei allen Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl begrenzt und eine Anmeldung bis einen Tag im Voraus per Telefon 0671-920-777 oder E-Mail an museum-schlosspark-kasse@bad-kreuznach.de erforderlich. Die Teilnahme kostet für Erwachsene 7 Euro und für Kinder beziehungsweise ermäßigt 5 Euro. Familien (maximal zwei Erwachsene mit Kind/ern) zahlen 15 Euro. In den Museen gilt Maskenpflicht sowie das Gebot zur Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 m zwischen Personen, die nicht aus einem Haushalt stammen.