Kategorie-Archiv: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz feiert Richtfest für das neue Archäologische Zentrum

Richtfest  für den Neubau  des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Neutorstraße 2. © atelier-goddenthow Foto: Heike v. Goddenthow
Richtfest am 17. August 2018 für den Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Neutorstraße 2. Im gesamten rechten Flügel soll auf 3000 qm über drei Etagen die ständige Ausstellung des Archäologischen Zentrums untergebracht werden.   © atelier-goddenthow Foto: Heike v. Goddenthow

Am 17. August 2018 feierten die Mitarbeiter des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) gemeinsam mit den Bauleuten und zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 15 Monate nach der Grundsteinlegung das Richtfest für den Rohbau des Archäologischen Zentrums in der Neutorstraße.

Der Standort am südlichen Stadteingang liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum RGZM-Museum für Antike Schifffahrt und nahe des Ausgrabungsortes des Römischen Theaters, wo sich auch die gleichnamige Regional- und S-Bahnstation befindet. Rund 51,4 Millionen Euro investieren das Land Rheinland- Pfalz, die Landeshauptstadt Mainz und der Bund in dieses moderne Zentrum für archäologische Spitzenforschung und Öffentlichkeit mit großzügigen Ausstellungsbereichen.

vli.) Die Grußwortredner/innen: Michael Ebling, Mainzer, Oberbürgermeister, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, (dahinter), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) und Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin mit Richtkranz. © Foto: Diether v. Goddenthow
vli.) Die Grußwortredner/innen: Michael Ebling, Mainzer, Oberbürgermeister, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, (dahinter), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) und Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin mit Richtkranz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei seiner Begrüßung sagte der Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) Holger Basten, dass „seit der Grundsteinlegung im Mai 2017 große Herausforderungen, insbesondere bei der Gründung des Gebäudes, der Umverlegung von Leitungen und der archäologischen Begleitung gemeistert“ wurden. Der heute gerichtete Rohbau gäbe „nicht nur einen Eindruck von der Kubatur des Bauwerks, sondern ist auch von hoher konstruktiver Qualität. Daher geht ein besonderes Dankeschön des Landesbetriebs LBB an alle unsere Projektpartner.“

Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen betonte in ihrer Rede beim Richtfest die Bedeutung des RGZM: „Das Römisch-Germanische Zentralmuseum genießt hohes Ansehen. Der entstehende Neubau trägt diesem guten Ruf Rechnung und schafft einen repräsentativen Ort für zukünftige Forschungen und Ausstellungen. Das neue RGZM wird für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, für unsere Landeshauptstadt Mainz, für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und für das Land Rheinland-Pfalz eine Bereicherung sein.“

Der in Stahlbeton-Bauweise errichtete viergeschossige Rohbau imponiert mit einer Länge von 95 Metern entlang der Rheinstraße. In dem zur Neutorstraße hin rechtwinklig angesetzten Ausstellungsflügel wird künftig das RGZM auf drei Etagen und 3000 Quadratmetern seine völlig neu konzipierte Dauerausstellung präsentieren.

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Die vorgehängte Ziegelfassade orientiert sich am antiken römischen Mauerbild mit seinen schmalen, aufgrund der Herstellungsweise etwas rauen Ziegeln und den im Verhältnis dazu breiten Fugen. Das ist auch eine Referenz an das Forschungsfeld Wirtschaft und Technik des RGZM.

Der Rotton wird auf die Fassade des benachbarten Museums für Antike Schiffahrt, das ebenfalls zum RGZM gehört, sowie die ehemalige Neutorschule abgestimmt. Sie soll in ihrem ursprünglichen Rotton wieder hergerichtet werden. Beide Gebäude begrenzen den künftigen „Archäologischen Platz“, dessen Gestaltung die Fußwegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Am Winterhafen und in die Oberstadt berücksichtigt. Unter den mächtigen Platanen vor der Neutorschule wird es einen ruhigeren Bereich geben, der zum Verweilen einlädt.

© Visualisierung RGZM
Lichtdurchflutet und großzügig wird der Empfang im Eingangsbereich des Archäologischen Zentrum werden mit einer zentralen Treppe, über die Besucher unter anderem in den Lesebereich der großen Fach-Bibliothek und  in die Ausstellungsbereiche gelangen können © Visualisierung RGZM

Voraussichtlich in zwei Jahren kann das Römisch-Germanische Zentral-Museum sein bisheriges Domizil im Kurfürstlichen Schloss Mainz sowie einen Ergänzungsbau aus den 1970er-Jahren verlassen und in den Neubaukomplex einziehen, was für sich genommen nochmals eine Herkulesaufgabe bedeutet, da jedes der 220 000 Objekte gereinigt, dokumentiert, verpackt, transportiert und seinem neuem (Archiv-/Ausstellungs-)Ort zugewiesen werden muss. Jedes der 220 000 Objekte in der Sammlung des RGZM müsse einzeln angefasst werden, „von der kleinsten Scherbe bis zum tonnenschweren Artefakt“, was zusätzlicher Mitarbeiter und Mittel bedürfe, sagte Professor Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Der Minister betonte, dass die Errichtung des Neubaus nicht nur ein technischer Vorgang sei, „sondern dem Römisch- Germanischen Zentralmuseum als Forschungsinstitut neue Perspektiven“ eröffne. „Genauso wichtig ist jedoch, dass er zu einer neuen Wahrnehmung der Vermittlungsarbeit des Museums in der Öffentlichkeit weit über den Standort Mainz hinaus führen wird. Der Neubau stärkt Rheinland-Pfalz als Forschungsstandort und als Ort der Wissensvermittlung.“, so der Wissenschaftsminister.

Rohbau-Impression  künftiger Restaurierungswerkstätten und Labore im EG. Die Decken werden später mit Kranträgern ausgestattet, um auch schwere Objekte bewegen zu können. Daneben liegen Fotolabore und Vortragsräume. © Foto: Diether v. Goddenthow
Rohbau-Impression künftiger Restaurierungswerkstätten und Labore im EG. Die Decken werden später mit Kranträgern ausgestattet, um auch schwere Objekte bewegen zu können. Daneben liegen Fotolabore und Vortragsräume. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Als eines der acht Leibniz-Forschungsmuseen wird das Römisch-Germanische Zentralmuseum nicht nur Schaufenster seiner archäologischen Forschung sein. Es ist vielmehr bestrebt, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung und unterschiedlichen Alters zu erreichen und den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen“, sagte Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft. „Zu sehen, wie das neue RGZM nun konkrete Formen annimmt und damit den nötigen Raum für exzellente Wissenschaft und Wissensvermittlung schafft, ist wunderbar. Ich bin sehr gespannt auf die Realisierung des zukunftsweisenden Gesamtkonzepts des RGZM, das Forschung und Wissenstransfer verbindet.“

Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM und Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur während des Rundgangs durch den Rohbau des Archäologischen Zentrums. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM und Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur während des Rundgangs durch den Rohbau des Archäologischen Zentrums. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, betonte: „Der Neubau bedeutet einen Quantensprung für unser Haus und dies gleich in zweierlei Hinsicht: Einerseits werden mit großzügigen Räumlichkeiten für unsere Forschungsbibliothek, Tagungsräumen sowie zeitgemäß ausgestatteten Laboren und Werkstätten für Restaurierung und Konservierung archäologischer Objekte optimale Bedingungen für die Forschung und die internationale Positionierung des RGZM geschaffen. Gleichzeitig bietet der Neubau völlig neue Möglichkeiten für den musealen Wissenstransfer des RGZM in Mainz. Hier werden wir den Besucherinnen und Besuchern Erfahrungsräume anbieten, die es ihnen ermöglichen, kulturelles Erbe und die daraus abgeleiteten Forschungen als Zugang zur Reflexion gesellschaftlicher Dynamiken und als Ressource für ihr Leben in der Gegenwart zu begreifen“.

Dort, wo jetzt noch der Baukran sein Fundament hat, wird ein neuer Super-Computertomograph für radiologisch-bildgebende Analyse-Verfahren aufgestellt werden. Der 1,2 Mio Euro teure Koloss  wiegt  mit seiner Beton-Bodenplatte 15 Tonnen, und könne nur dorthin, da  anderswo der Boden nachgebe, so Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore. Bild: Blick  aus dem besonders gesicherten Sonderausstellungsbereich auf das Noch-Kranfundament. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dort, wo jetzt noch der Baukran sein Fundament hat, wird ein neuer Super-Computertomograph für radiologisch-bildgebende Analyse-Verfahren aufgestellt werden. Der 1,2 Mio Euro teure Koloss wiegt mit seiner Beton-Bodenplatte 15 Tonnen, und könne nur dorthin, da anderswo der Boden nachgebe, so Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore. Bild: Blick aus dem besonders gesicherten Sonderausstellungsbereich auf das Noch-Kranfundament. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die gesamte Baugrube erhielt gegen Nachrutschen und als Schutz gegen das hoch anstehende Grundwasser einen Verbau aus dicht gesetzten Bohrpfählen. Im Schutz des Verbaus legten Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) 15 Monate lang Festungsmauern aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte frei und dokumentierten sie für die Forschung. Zu den besonderen baulichen Herausforderungen gehört es, dass unterhalb des Ausstellungsflügels die Versorgungsleitungen der Altstadt (Wasser, Gas, Strom, Kommunikation) verlaufen. Diese mussten vor dem Ausheben der Baugrube zunächst in zwei Trassen gebündelt werden. Die Bohrpfähle zur Gründung des Ausstellungsflügels wurden dann in unmittelbarer Nähe zu den Leitungstrassen eingebracht.

Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, Michael Ebling, sagte: „Das Römisch- Germanische-Zentralmuseum leuchtet weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wir können in Mainz stolz darauf sein, Heimstatt eines solchen Museums zu sein, denn mit dem neuen Haus präsentiert sich Mainz einmal mehr als einer der bedeutendsten Standorte für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Rhein-Main.“

Trotz Baustellen-Atmosphäre schon gut erkennbar ist der neue Archäologische Platz, der links begrenzt wird durch die ehemalige Neutorschule (nicht im Bild). Der von alten Platanen dominierte Platz wird einer der größten seiner Art in Mainz werden und ist orientiert  an den Wegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Winterhafen und in die Oberstadt. Foto: Heike v. Goddenthow
Trotz Baustellen-Atmosphäre schon gut erkennbar ist der neue Archäologische Platz, der links begrenzt wird durch die ehemalige Neutorschule (nicht im Bild). Der von alten Platanen dominierte Platz wird einer der größten seiner Art in Mainz werden und ist orientiert an den Wegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Winterhafen und in die Oberstadt. Foto: Heike v. Goddenthow

Bereits am Rohbau klar erkennbar ist der auf den künftigen „Archäologischen Platz“ ausgerichtete Haupteingangsbereich mit dem dahinter liegenden Foyer. Insgesamt steht künftig eine Nutzfläche von fast 10.000 Quadratmetern für moderne Forschungslabore und Restaurierungswerkstätten, die wissenschaftliche Bibliothek, die Sammlungen, die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche und den wissenschaftlichen Austausch wie auch für die Publikumsbereiche mit neuer Dauerausstellung auf 3000 Quadratmetern über drei Etagen und Raum für Sonderschauen, mit Bistro und Museumsshop zur Verfügung.

Rohbau-Impression der Ausstellungsfläche in der zweiten Etagen für die Ständige Ausstellung. Foto: Heike v. Goddenthow
Rohbau-Impression der Ausstellungsfläche in der zweiten Etagen für die Ständige Ausstellung. Foto: Heike v. Goddenthow

Der Neubau erhält großzügige Fensterflächen, die Einblicke in die Ausstellung gewähren und die optische Verbindung zwischen Innen- und Außenraum herstellen.

 

Römisch-Germanisches Zentralmuseum und Vulkanpark Eifel suchen Laienforscher für experimentelle Archäologie

du-kannst-forschenMainz. Mit dem Projekt „Du kannst forschen“ erwecken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Römerbergwerk Meurin antike „Küchenmaschinen“ zum Leben: Eine nachgebaute steinerne Handmühle wird auf ihre Lebensdauer und Innovationskraft getestet. Für das Citizen – Science – Projekt wird mithilfe von „Bürgerwissenschaftlern“ ein archäologisches Langzeitexperiment an antiken Maschinen durchgeführt und in enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Moderatoren ausgewertet. Teilnehmer/-innen werden derzeit akquiriert.

„Jeder mit Begeisterung für Archäologie und Wissenschaft, der sich zutraut, eine Handmühle aus Basalt – etwa 15kg – über 5 bis 10 Minuten lang zu bedienen, kann mitmachen“, motiviert Projektkoordinatorin Dr. Martina Sensburg zur Teilnahme. „Wir werden in kleinen Gruppen von Mai bis Oktober eine römische mit einer keltischen Handmühle im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit vergleichen. Auch möchten wir keine reine Vermittlung von archäologischen Fakten, sondern eher die Gelegenheit geben, selbst an wissenschaftlicher Arbeitsweise teilzuhaben“, erläutert Sensburg das Forschungsvorhaben weiter.

„Echte wissenschaftliche Grundsätze und Anforderungen“

Nach einer Schulung sind die Kleingruppen mit bis zu acht Personen gefordert, das Experiment selbständig durchzuführen. Dies bedeutet nicht nur die Auseinandersetzung mit antiken Maschinen, sondern auch Erhebung und Dokumentation von Daten. Julia Weidemüller, eine der beiden Projektkoordinatorinnen, wird vor Ort die Schulungen durchführen und beschreibt die Ausgangssituation: „Die Forschungsgrundlagen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Ort geben uns die besten Voraussetzungen für dieses Experiment, das echten wissenschaftlichen Grundsätzen und Anforderungen folgt. Uns interessieren die Antworten zu Herstellungstechniken und Funktionsweisen antiker Objekte, die wir in der Antiken Technikwelt am Römerbergwerk Meurin immer öfter durch Rekonstruktionen und systematisches Experimentieren analysieren – und dieses Mal sehr gerne mit Bürgerbeteiligung!“

Citizen Science in der Experimentellen Archäologie
Das Projekt wird im Rahmen eines Aktionsplans der Leibniz-Gemeinschaft gefördert: Die acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, darunter auch das RömischGermanische Zentralmuseum (RGZM), wollen mit dieser Maßnahme ihre besondere Rolle als Orte von Forschung, Bildung und Wissenstransfer stärken. Mit “Du kannst forschen“ soll im Vulkanpark ein neues wissenschaftliches Vermittlungsformat langfristig etabliert werden. Bürger/-innen beteiligen sich an Experimenteller Archäologie im Römerbergwerk Meurin und arbeiten in Gruppenarbeit mit Wissenschaftler/-innen des RGZM.

Vulkanpark GmbH | Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)
Durch seine besondere Quellenlage bietet der Vulkanpark beste Voraussetzungen zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit frühen Industrielandschaften. Aufgrund der internationalen Bedeutung der Vulkanpark-Denkmäler haben der Landkreis MayenKoblenz und das RGZM am Standort Mayen eine Forschungsstelle Vulkanpark eingerichtet. Dort sind die Kompetenzbereiche »Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte« sowie »Experimentelle Archäologie« des RGZM untergebracht, in denen Wissenschaftler/-innen aus den Bereichen Archäologie und Geowissenschaften arbeiten. Ihre Studien zu vormodernen Industrierevieren sind ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsfeldes »Wirtschaft und Technik« am RGZM.
Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Termine im Zeitraum Mai bis Oktober 2018 (jeweils ab 11 Uhr)
Mai
Mo, 21. Mai (Pfingsten)
Juni
Mi, 6. Juni; So,17. Juni; So, 24.Juni; Mo, 25. Juni; Mi, 27. Juni
Juli
So, 15. Juli; Mo, 16. Juli; So, 22. Juli; Mo, 23. Juli; So, 29. Juli; Mo, 30. Juli
August
So, 5. August; So, 12. August; Mi, 18. August; So, 26. August*
September
So, 2. September; Mi, 5. September; 14. September*
Oktober
Mi, 3. Oktober; So, 7. Oktober; 8. Oktober
* an diesen Terminen zusätzlich um 14 Uhr

Gruppengröße: 4 bis 8 Personen pro Termin
Dauer: 2 bis 2,5 Stunden pro Termin
Unkostenbeitrag: 5 € (inkl. Getränk und Eintritt ins Römerbergwerk Meurin)
Mitbringen: festes Schuhwerk, Arbeitskleidung, ggf. Verpflegung
Ort:
Römerbergwerk Meurin, Nickenicher Straße (an der B 256)
56630 Kretz
Web: www.dukannstforschen.rgzm.de

Anmelden
Per E-Mail mit ausgewähltem Termin und Ausweichdatum anmelden unter dukannstforschen@rgzm.de oder unter:
+49 (0)2651/70060-16 | Mobil: +49 (0)151/44990203
Montag bis Mittwoch von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Weitere Infos: Du kannst forschen!

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Wolf verabschiedet Prof. Dr. Falko Daim

Prof. Dr. Falko Daim (Bild) freut sich über die Weltkarte der Wissenschaft, die ihm Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf im Namen der Landesregierung  zum Abschied überreicht hatte  © Foto: Diether v. Goddenthow
Univ.-Prof. Dr. Falko Daim (Bild) freut sich über die Weltkarte der Wissenschaft, die ihm Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf im Namen der Landesregierung zum Abschied überreicht hatte © Foto: Diether v. Goddenthow

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf verabschiedete am 28. Februar 2018 feierlich Univ.-Prof. Dr. Falko Daim nach 15 Jahren an der Spitze des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM). Der Mittelalterarchäologe leitete seit 2004 die Mainzer Forschungseinrichtung.  Rund 200 Wegbegleiter  und Mitarbeiter waren zu seinem Abschied in das Museum für Antike Schiffahrt gekommen, um gemeinsam mit  dem Daim die erfolgreichen Jahre seines Wirkens Revue passieren zu lassen. Der Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) tritt Ende Mai offiziell in den Ruhestand.

Der Wissenschaftsminister dankte Falko Daim im Namen der Landesregierung für seine herausragenden Dienste. Wolf hob die weltweit anerkannten fachlichen Qualifikationen sowie die besondere Begeisterungsfähigkeit des scheidenden Generaldirektors hervor, die für die Vermittlung von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft wichtig sei. „Mit diesen besonderen Fähigkeiten haben Sie das Institut entscheidend geprägt und damit auch zu einer besonderen Sichtbarkeit von Rheinland-Pfalz in der Forschungslandschaft beigetragen. Sie waren Gesicht, Geist und Gemüt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums“, betonte Wolf.

Prof. Falko Daim, dessen Forschungsschwerpunkt die Archäologie des Frühmittelalters ist, führte das 1852 gegründete Museum und Forschungsinstitut in einer wichtigen Phase seiner Entwicklung. Seit 2003 wurden in seiner Zeit als Generaldirektor mehrere wissenschaftliche Evaluierungen erfolgreich absolviert, das Institut deutlich ausgebaut und neu ausgerichtet.

Der gebürtige Wiener Archäologe, bereits im Alter von 23 Jahren promoviert, trieb nicht nur die archäologischen Forschungen des Hauses voran, er sorgte auch für dessen Weiterentwicklung.  Über etliche Highlights seines vielfältigen Wirkens und seines Ideenreichtums berichteten unter anderem  Oberbürgermeister Michael Ebling, Prof. Dr. Irene Dingel, Direktorin am Leibniz-Institut für Europäische Gechichte (IEG), Mainz, Dr. Alexander Saftig, Landrat des Landkreises Mayen-Koblenz und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Vulkanpark GmbH in ihren Grußworten. Prof. Dr. Egon Wamers, ehemaliger Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt und langjähriger Freund hielt die Laudatio.

(vl.) Prof. Dr. Egon Wamers, ehemaliger Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt und langjähriger Freund, Prof. Dr. Konrad Wolf, Wissenschaftsminister, Prof. Dr. Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), Prof. Dr. Irene Dingel, Direktorin am Leibniz-Institut für Europäische Gechichte (IEG), Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
(vl.) Prof. Dr. Egon Wamers, ehemaliger Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt und langjähriger Freund, Prof. Dr. Konrad Wolf, Wissenschaftsminister, Prof. Dr. Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), Prof. Dr. Irene Dingel, Direktorin am Leibniz-Institut für Europäische Gechichte (IEG), Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Falko Daim erhielt die Vermittlung archäologischer Inhalte einen bedeutenden Schub: Er implementierte einen eigenen professionellen Arbeitsbereich für die Öffentlichkeitsarbeit und zeigte sich für einige hochkarätige Ausstellungen verantwortlich, in denen er die Forschungen des Hauses einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte.

Mainz ist durch Falko Daim eines der wichtigsten, weltweit tätigen Forschungszentren für byzantinische Archäologie geworden. Nachdem er schon nach zwei Jahren Amtszeit gemeinsam mit weiteren Initiatoren der Johannes Gutenberg-Universität den Kooperationsverbund „Byzantinische Archäologie Mainz“ gründete, schaffte er es die Byzanz-Forschung in Mainz mit einem eigenen WissenschaftsCampus, Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident, noch fester zu etablieren. Am 17. März dieses Jahres wird in der Schallaburg (3382 Schallaburg, Österreich) eine Ausstellung zu „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“, eröffnen, in der er noch einmal sein Schwerpunkt – die Byzanz-Forschung – ins Zentrum der Öffentlichkeit rückt.

Ein Augenmerk der Byzanzforschung liegt dabei auf der engen Zusammenarbeit von verschiedensten Disziplinen, wie Archäologie, Kunstgeschichte sowie Naturwissenschaften.

Unter Daims Führung wurde das Museum für Antike Schiffahrt saniert und neu ausgerichtet (2010), das Labor für Experimentelle Archäologie in Mayen entstand (2012) und die neue Ausstellung im Schloss Monrepos in Neuwied wurde eröffnet (2014).

Auch das Forschungsnetzwerk des RGZM konnte Daim maßgeblich ausbauen. Neue Kooperationen, auch jenseits der Fachgrenzen tragen seine Handschrift. So war das RGZM beispielsweise 2010 Gründungsmitglied des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtueller Archäologie in Wien.

Seine maßgeblichen Arbeitsbereiche spiegelt die Festschrift für Falko Daim wider.

RGZM 2020

In die Amtszeit Daims fällt vor allem die Vorbereitung des Neubaus des neuen Hauptgebäudes. Dieses wird voraussichtlich 2020 eingeweiht werden und dem RGZM als Museum sowie als Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Der derzeit entstehende Neubau in der Mainzer Südstadt liegt Daim besonders am Herzen: Soll das Gebäude doch nicht nur beste Bedingungen für archäologische Spitzenforschung bieten, sondern auch mit 3000 qm Ausstellungsfläche ( von 14.500 qm Gesamtfläche) ein attraktives Ausflugsziel sein, an dem eben Forschung vermittelt wird.

„Seit den ersten Vorgesprächen 2006 haben wir den neuen Institutssitz als große Chance wahrgenommen! Die Vision, unter besseren Bedingungen archäologische Forschung voranzutreiben, wird nun voraussichtlich 2020 umgesetzt. Und mit der neuen Dauerausstellung wird der Dialog zwischen Öffentlichkeit und Forschung weiterhin gefördert“, erläutert Daim in seiner Dankesrede bei der er allen seinen Weggefährten und Mitarbeitern und seiner Ehefrau nochmals ganz herzlich Danke: „Ohne Euch wäre das alles nicht möglich gewesen!“.

Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte, begrüßte die Festgesellchaft und führte durch das Programm. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Markus Egg,
Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte, begrüßte die Festgesellchaft und führte durch das Programm. © Foto: Diether v. Goddenthow

 

 

Siehe auch das Interview vom 27.2.2018 in der Mainzer Allgemeinen Zeitung: Römisch-Germanisches Zentralmuseum in Mainz (RGZM): Der scheidende Direktor Falko Daim über den Glanz von Byzanz und Big Data

 

Hinter den Werkstatt-Kulissen des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz

Stephan Patscher M.A., Archäologe und Archäologischer Restaurator, Kunsthistoriker und Goldschmied, sowie Lehrbeauftragter für präventive Konservierung des Studiengangs Archäologische Restaurierung an der Johann-Gutenberg-Universität Mainz, erläutert die radiologischen Untersuchungsmethoden am RGZM anhand des  Beispiels eines im Gips-Block bewahrten Schädelfundes mit Scheibenfibel , Bronzedraht und Silberohrring aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. /7. Jahrhunderts nahe Mannheim im Auftrag des Reiss EngelhornMuseums. Foto: Diether v. Goddenthow
Stephan Patscher M.A., Archäologe und Archäologischer Restaurator, Kunsthistoriker und Goldschmied, sowie Lehrbeauftragter für präventive Konservierung des Studiengangs Archäologische Restaurierung an der Johann-Gutenberg-Universität Mainz, erläutert die radiologischen Untersuchungsmethoden am RGZM anhand des Beispiels eines im Gips-Block bewahrten Schädelfundes mit Scheibenfibel , Bronzedraht und Silberohrring aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. /7. Jahrhunderts nahe Mannheim im Auftrag des Reiss EngelhornMuseums. Foto: Diether v. Goddenthow

„Ein bisschen ‚TerraX‘ live“, schwärmt eine Besucherin, noch ganz hingerissen von den Infos zu Tutanchamuns Goldblechen, dem byzantinischen Goldschatz aus Preslav und vielem mehr, bei ihrer Tour durch die Restaurierungswerkstätten und Laboratorien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz am Tage der offenen Werkstätten vom 18. bis 19. November 2017. Alle zwei Jahre öffnet das RGZM, eines der weltweit bedeutendsten Leibniz-Forschungsinstitute für Archäologie, dazu seine Pforten. Interessenten aller Altersgruppen können dann den Restauratoren und Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, sich umfassend über aktuelle Projekte, neue Entwicklungen und Vorhaben informieren und die Demonstrationen von Arbeitstechniken und herstellungstechnischen Experimenten live mitverfolgen.

Milena Temelkova-Gringorova, Studierende des Dualen Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator in der Kermanik-Konservierungswerkstatt beim Schicht-für-Schicht-Freilegen eines Fundblocks.  Foto: Diether v. Goddenthow
Milena Temelkova-Gringorova, Studierende des Dualen Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator in der Kermanik-Konservierungswerkstatt beim Schicht-für-Schicht-Freilegen eines Fundblocks. Foto: Diether v. Goddenthow

Im Mittelpunkt der Präsentationen stehen dieses Mal die Eisen- und Buntmetallrestaurierung, Edelmetall, Glas, Keramik, Abformung und Kolorierung sowie die Nassholzkonservierung. Zudem werden die zeichnerische, digitale und fotografische Dokumentation sowie die Archäometrie-Laboratorien und das Studium »Archäologische Restaurierung« (europaweit einziger dualer Bachelor-Studiengang) vorgestellt.

Das Kurfürstliches Schloss dient zur Zeit als Zwischendepot und Packstation des Umzugs 2020.  Foto: Diether v. Goddenthow
Das Kurfürstliches Schloss dient zur Zeit als Zwischendepot und Packstation des Umzugs 2020. Foto: Diether v. Goddenthow

Darüber hinaus gewährt die Museumspädagogik einen „Blick hinter die Umzugsaktivitäten“ im Kurfürstlichen Schloss, den Ort, an dem die zahlreichen Sammlungen des RGZM zwischengelagert und für den Umzug ins 2021 neu zu eröffnende Archäologische Zentrum in der Neutorstrasse neben dem Museum für Antike Schiffahrt archivfertig vorbereitet werden.

Der Werkstätten-Parcours im Detail

Archäometrie – Abteilung zerstörungsfreier Materialanalysen

Prof. Dr. Markus Egg. Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte.  Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Markus Egg. Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte. Foto: Diether v. Goddenthow

„Der Clou, den wir hier eigentlich haben, ist, dass Archäologen und Restauratoren ganz eng zusammenarbeiten. Das ist ein nicht zu trennendes Geflecht“, erläutert Professor Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte bei einem Presserundgang „den wirklich optimalen Austausch im RGZM von Restauratoren, Geologen, Biologen und Archäometern“, wodurch es möglich sei, die archäologischen Objekte nicht nur zu erhalten, sondern darüber hinaus „auf ihren Informationsgehalt hin zu hinterfragen, möglichst zerstörungsfrei“, so Markus Egg. Um beispielsweise etwas über die Materialbeschaffenheit und ihre Herkunft zu erfahren, erstellt das mit der Uni-Mainz in Personalunion genutzte stationäre Röntgenfluoreszenz-Messgerät der hauseigenen Archäometrie-Abteilung exakte Analysen. Das zu untersuchende Objekt werde in eine Kammer hineingegeben. Es werde ein Röntgenstrahl durch das Objekt gejagt. Die Brechung, die für jedes Material unterschiedlich ist, wird gemessen und auf dem Bildschirm entsprechend angezeigt. So ließen sich – zerstörungsfrei – bis in tiefere Schichten hinein Materialien messen. Neben Metallen würden auch Steineinlagen und andere Materialen analysiert. Die Analyse ergebe gewissermaßen fast so etwas wie einen chemischen Fingerabdruck, erklärt der Werkstätten-Direktor.

Phylacterium aus dem 12. Jh. zur Aufbewahrung einer kleinen Reliquie wie beispielsweise einem Fingerknöchelchen eines Heiligen. Foto: Diether v. Goddenthow
Phylacterium aus dem 12. Jh. zur Aufbewahrung einer kleinen Reliquie wie beispielsweise einem Fingerknöchelchen eines Heiligen. Foto: Diether v. Goddenthow

Zurzeit befände sich  im Röntgenfluoreszenz-Spektrometer ein aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts stammender Vierpassanhänger, ein sogenanntes Phylacterium, ein Behälter für eine Reliquie wie beispielsweise ein Fingerknöchelchen eines Heiligen, erklärt Prof. Egg. Der wertvolle Anhänger wurde im Oktober 2008 in der Mainzer Altstadt im „Jüngeren Dalberger Hof“ ausgegraben und könne mit der Röntgenfluoreszenz-Methode zerstörungsfrei genau auf Materialbeschaffenheit und Inhalte hin bestimmt werden.

Die  fragilen Goldbleche  Tutanchamuns

Fragment eines von zirka 100 Goldblechen des Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo.
Fragment eines von zirka 100 Goldblechen des Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo.

Mit Hilfe der modernen Archäometrie lassen sich heutzutage Erkenntnisse gewinnen, die früher so und vor allem so schonend nicht möglich waren, wie etwa die erneute Untersuchung der „Goldbleche des Tutanchamun zur kulturellen Kommunikation zwischen Ägypten und Vorderasien“. Seit Mai 2013 haben die Experten aus dem RGZM in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Institut für Kulturen des Alten Orients der Uni Tübingen und dem Ägyptischen Museum Kairo fast 200 Objekte aus dem Grab des Tutanchamon neu untersucht „Im Mittelpunkt des Projektes“, so Prof. Markus Egg, tags zuvor aus Kairo von der Vernissage der Ausstellung » Tutankhamun‘s Unseen Treasures: The Golden Appliqués« im Ägyptischen Museum zurückgekehrt, „stehen die archäologische, technologische und archäometrische Analyse sowie die vergleichende ikonographisch-kunstgeschichtliche Aufarbeitung der zirka 100 figürlich dekorierten Goldblechbeschläge“. Diese stammten größtenteils von einem Streitwagen. Ziel sei es, die Objektgruppe erstmals archäologisch zu verstehen, in ihren Objekt- und Sachzusammenhängen zu rekonstruieren und in den Kontext ägyptischer Streitwagen und Waffenausstattungen einzuordnen, so Professor Markus Egg.

Natürlich seien zahlreiche Teile zerbrochen gewesen, und „an den Goldflächen gab’s durchaus einiges zu machen, weil sie eben in sehr, sehr fragilen Zustand sind und zum Teil geklebt, mit Kleber-, Stoff- und Lederresten behaftet waren, und mit 0,035 Millimeter hauchdünn, fast eine Folie waren“, erläuterte Dr. Florian Ströbele, Archäologe und Archäometrie-Experte im RGZM.

Pharaonen-Dolch  aus Himmeleisen

30 Zentimeter misst Tutanchamus Dolch aus Meteorit-Eisen.
30 Zentimeter misst Tutanchamus Dolch aus Meteorit-Eisen.

Dr. Florian Ströbele führte die Floureszenz-Analysen der Metallbeigaben aus dem Pharaonen-Grab durch. Sie lagern im Ägyptischen Museum Kairo und dürfen das Land nicht verlassen. Quasi als „Nebenprodukt“ des Tutanchamun-Projektes stießen die Mainzer Archäologen auf weitere sensationelle Metall-Funde: auf eine kleine Nackenstütze aus dem innersten Sarg des Pharaos, auf einen Armreif und auf den wohl ältesten, noch so vollkommen erhaltenen Eisendolch der Menschheit, der bislang bekannt ist.

Die Sensation: Die Gegenstände waren aus Meteoriteisen, aus Metall, welches aus einem Meteoriten, und nicht von der Erde stammt. Die Ägypter waren sich durchaus bewusst, dass dieses Eisen vom Himmel kommt. Das war einfach ein göttliches Material, das wertvollste in dieser Zeit. Tutanchamun trug  einen Dolch aus Himmelseisen. Obgleich schon länger vermutet wurde, dass der Dolch aus  Meteroriteisen sei, konnten  erst Dr. Ströbele und sein RGZM-Team  2016 mit der Röntgen-Fluoreszenzmethode den exakten wissenschaftlichen Nachweis führen.

Dr. Florian Ströbele wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzbereich »Naturwissenschaftliche Archäologie« und Archäometrie-Experte demonstriert eine mobile Röntgenfluoreszenz-Anlage. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Florian Ströbele
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kompetenzbereich »Naturwissenschaftliche Archäologie« und Archäometrie-Experte demonstriert eine mobile Röntgenfluoreszenz-Anlage. Foto: Diether v. Goddenthow

Es sei „sehr viel Zähneschlottern dabei gewesen, die schon lange bestehende Vermutung, dass es sich um Meteorobjekte handelt, dann durch die entsprechenden Zahlen auf dem Gerät bestätigt zu sehen“, erinnert sich Dr. Ströbele. Der Dolch enthalte einen Nickelgehalt von 12,8 Prozent. Dieser hohe Nickelgehalt sei typisch für Meteorit-Eisen. Dies käme auf der Erde nicht vor. Als man den Dolch fand, steckte er in einer goldenen Scheide und konnte problemlos herausgezogen werden. Bei einem gewöhnlichen  Eisendolch „wäre nichts mehr zum Rausziehen gewesen“, da dieser einfach zu sehr korrodiert wäre. Tutanchamuns Dolch war hingegen, als man ihn fand, nach über 3000 Jahren fast noch blitzeblank, völlig funktionstüchtig und scharf ausgeschliffen, erklärt der Wissenschaftler. Ein zweiter Dolch, den Carter 1922 bei der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun (18. Dynastie, † 1324/1323 v. Chr.) fand, sei aus reinem Gold gewesen und steckte ebenfalls  in einer goldenen Scheide.

Mit mobiler Röntgen-Fluoreszenz-Anlage dem „Schrott“ aus der Vergangenheit auf der Spur 

Möglich wurden die Röntgenfluoreszenz-Analysen vor Ort im Ägyptischen Museum durch den Einsatz einer mobilen Röntgenfluoreszenz-Anlage. Die funktioniere genau nach dem gleichen Prinzip wie die große stationäre Anlage. „Die Maschine hat eben den Vorteil, dass ich sie mitnehmen kann. Und wenn sie nicht die Möglichkeit haben, Objektproben oder Bodenproben hierher auszuleihen, dann müssen sie einfach die Maschine zum Objekt bringen“, unterstreicht Dr. Ströbele die Vorteile der Mobil-Anlage.

Mit der "Röntgenpistole" können Materialien selbst im offenen Feld analysiert werden. Foto: Diether v. Goddenthow
Mit der „Röntgenpistole“ können Materialien selbst im offenen Feld analysiert werden. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Kern der mobilen Röntgenfluoreszenz-Anlage besteht aus einer Art „Röntgenpistole“. Damit können Röntgenstrahlen auf Fund-Objekte abgegeben und die dabei erzeugten materialabhängig unterschiedlichen Lichtbrechungen ermittelt und an einen PC-Rechner übermittelt, ausgewertet und über einen Bildschirm dargestellt werden. Dem Gerät sei es völlig egal, was analysiert werden solle. Es mache genau das, wofür es programmiert sei. Diese Geräte seien entwickelt worden, um Schrott zu analysieren. um auf dem Schrottplatz und im Schrotthandel ganz schnell zu klassifizieren: das ist beispielsweise „Stahl 2 Va, rostfrei“. Man erziele hierdurch im Schrotthandel deutlich höhere Preise. Mit einer Anlage könne man innerhalb eines Tages bis zu 1000 Metallteile analysieren.

Das RGZM müsse sich, so Prof. Markus Egg, immer ein bisschen nach solchen Erfindungen umschauen, „die wir dann auch für unsere Zwecke verwenden können“.

Bildgebende Verfahren für zerstörungsfeie Fund(block)untersuchung –  Ab 2020 neuer Super-Computertomograph

Mindestens so unverzichtbar wie die Archäometrie  zur Durchführung „zerstörungsfreier“ Fund-Untersuchungen   sind radiologisch-bildgebende Analyse-Verfahren wie  CTs. Die Archäologen neigten heutzutage zunehmend dazu, so Professor Egg, auf den Grabungen nicht mehr alles freizulegen, sondern möglichst im Block zu bergen und in den Werkstätten das dann fertig „auszugraben“. Das spare enorm viel Zeit und habe den Vorteil, statt bei Wind und Wetter, geschützt in der Werkstatt viel präziser und sauberer die Arbeit zu Ende bringen zu können.

Stephan Patscher M.A., Archäologe und Archäologischer Restaurator, zeigt, wie die CT-Aufnahmen zu deuten sind.  Foto: Diether v. Goddenthow
Stephan Patscher M.A., Archäologe und Archäologischer Restaurator, zeigt, wie die CT-Aufnahmen zu deuten sind. Foto: Diether v. Goddenthow

Leiter der Röntgenabteilung am RGZM ist Stephan Patscher M.A., Archäologe und Archäologischer Restaurator, Kunsthistoriker und Goldschmied, sowie Lehrbeauftragter für präventive Konservierung des Studiengangs Archäologische Restaurierung an der Johann-Gutenberg-Universität Mainz. Mit Hilfe eines Computer-Tomographen untersucht er zurzeit im Auftrag des Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museums einen im Gips-Block bewahrten Schädelfund mit Scheibenfibel , Bronzedraht und Silberohrring aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. /7. Jahrhunderts. Die dort im heutigen Mannheimer Ortsteil Seckenheim, Gemarkung Hermsheimer Bosfeld, bestattete Dame gehörte vermutlich einst zur oberen alemannischen Mittelschicht freier Bauern. Auf dem Bildschirm sind Schädel, Scheibenfibel und die anderen Utensilien präzise dreidimensional abgebildet. „Hier sehen Sie die Fibel, aber Sie sehen auch, wenn man hier mit einem Pinsel drübergehen würde bei einer Freigrabung im Feld, da wäre die Hälfte der Fibel schon weggepinselt“, erörtert Stephan Patscher an diesem  Beispiel den großen Vorteil von zerstörungsfreien CT-Untersuchungen archäologischer Funde.

Sehr schön sind die im Gips-Block bewahrten Schädelfunde mit Scheibenfibel, Bronzedraht und Silberohrring zu sehen, die  aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. /7. Jahrhunderts nahe Mannheims stammen, erläutert Stephan Patscher M.A. Foto: Diether v. Goddenthow
Sehr schön sind die im Gips-Block bewahrten Schädelfunde mit Scheibenfibel, Bronzedraht und Silberohrring zu sehen, die aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. /7. Jahrhunderts nahe Mannheims stammen, erläutert Stephan Patscher M.A. Foto: Diether v. Goddenthow

Die CT-Aufnahme des Mannheimer „Gipsblocks“ erfolgte auf dem hochmodernen Mikrofokus Röntgensystem – phoenix v|tome|x L 450, welches das RGZM ab 2020 in seinem neuen Domizil, im Archäologischen Zentrum neben dem Römerschiff-Museum, erhalten wird. Damit sind wir auch künftig „State of the Art“, erklärt Stephan Patscher M.A. 1,2 Millionen Euro wird der moderne Computer-Tomograph für industrielle und wissenschaftliche Zwecke kosten. Er sei inzwischen finanziert, beauftragt und bestellt, bestätigt Professor Egg. Der Super-Tomograph wiege mit seiner Beton-Bodenplatte 15 Tonnen, und würde dort aufgestellt, wo jetzt der große Baukran auf der Baustelle steht. An allen anderen Stellen würde der Boden nachgeben.

Erforschung und Restaurierung des byzantinischen Schatzfundes

Heidrun Hochgesand, Goldeschmiede-Restauratorin und Matthias Heinzel Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung geben spannende Einblicke in die Edelmetallkonservierung und in die unterschiedlichen Goldschmiedetechniken von der Antike bis in die Neuzeit. Foto: Diether v. Goddenthow
Heidrun Hochgesand, Goldschmiede-Restauratorin und Matthias Heinzel, Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung, geben spannende Einblicke in die Edelmetallkonservierung und in die unterschiedlichen Goldschmiedetechniken von der Antike bis in die Neuzeit. Foto: Diether v. Goddenthow

Spannende Einblicke in die Edelmetallkonservierung und in die unterschiedlichen Goldschmiedetechniken von der Antike bis in die Neuzeit sowie in die Herstellung galvanoplastischer Kopien, unter anderem am Beispiel des Tassilokelches aus Kremsmünster (786 n. Chr) geben Heidrun Hochgesand, Goldeschmiede-Restauratorin und Lehrbeauftragte des Studiengangs Archäologische Restaurierung der JGU-Mainz sowie Matthias Heinzel Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede sowie ebenfalls Lehrbeauftragter des Studiengangs Archäologische Restaurierung der JGU-Mainz.

Colliers aus dem byzantinischen Goldschatzes von Preslav  971 n. Chr. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Collier aus dem byzantinischen Goldschatz von Preslav 971 n. Chr. Foto: Diether v. Goddenthow

Das absolute Highlight  ist  der byzantinische Goldschatz von Preslav, ein byzantinischer Goldschmuck, der in Preslav, einstmals Hauptstadt des Bulgarenreiches, entdeckt wurde. Sehr wahrscheinlich sei er 971 n. Chr. bei der Zerstörung von Preslav durch den byzantinischen Kaiser Johannes I. Tzimiskes (969 – 976) von seinen Besitzern versteckt worden. Erst in den 1978er Jahren sei der insgesamt 180 goldene, vergoldete und silberne Objekte umfassende Schatz beim Pflügen angerissen, auf dem Feld verteilt und dabei wiederentdeckt worden. Die bulgarischen Archäologen hätten die über den Acker verstreuten Einzelteile damals nach der Schneeschmelze geborgen und zusammengeführt. Normalerweise wird der Goldschatz von Preslav , der jetzt als Leihgabe im RGZM zu Forschungsuntersuchungen zur Archäologie, Geschichte und Bedeutung gelangte, im Nationalen Geschichts- und Archäologiemuseum „Veliki Preslav“ aufbewahrt. Nach Abschluss der Untersuchungen und seiner „Runderneuerung“ soll der Goldschatz von Preslav im Pariser Louvre in seinem neuen Glanz präsentiert werden.

Wertvolle Emaille-Arbeit zeigt eine Taube - Detail aus dem Collier des Goldschatzes von Preslav. Foto: Diether v. Goddenthow
Wertvolle Emaille-Arbeit, inmitten abgebildet wahrscheinlich eine Taube – Detail aus dem Collier des Goldschatzes von Preslav. Foto: Diether v. Goddenthow

Man wolle herausfinden, so Professor Egg, was das für Steine und Gold sei und mit welchen Herstellungstechniken gearbeitet wurde. Der Schatzfund sei der bedeutendste byzantinische Schmuckfund, der nicht nur archäologisch ergraben wurde, sondern auch aufgrund historischer Umstände sicher datiert werden kann, und somit eine Datierungsgrundlage für verwandte Denkmäler liefere. Es handele sich bei den goldenen und emaillierten Schmuckstücken und Insignien um die einzigen materiellen Zeugnisse kaiserlicher Repräsentation von Goldschmiedearbeiten in Byzanz.

Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede

Teilweise seien alte Verkrustungen, Kalk- und Erdreste und noch Dreck von der Ausgrabung an den Schmuckstücken dran. Bei manchen Teilen, so Restaurator Matthias Heinzel, klebten noch, abformungsbedingt, Reste von Plastilin und Silicon. Dies müsse alle sorgfältig entfernt werden. Mitunter seien manche Schmucksegmente falsch zusammengesetzt worden, die der Restaurator wieder in die richtige Position zusammenbringen müsse. Vor allem wolle das RGZM auch die Herstellungstechnik herauszufinden,  wie etwa die Perlen, Edelsteine, die Fuchsschwanzketten mit Scharnieren, die Steineinfassungen und das Emaille verarbeitet wurden und welche Materialien tatsächlich zum Einsatz kamen.

Matthias Heinzel, Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede sowie Lehrbeauftragter des Studiengangs Archäologische Restaurierung der Johannes Gutenberg Universität-Mainz, ist mit der Reinigung und Restaurierung des   Goldschatzes von Preslav betraut. Foto: Diether v. Goddenthow
Matthias Heinzel, Restaurator und Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede sowie Lehrbeauftragter des Studiengangs Archäologische Restaurierung der Johannes Gutenberg Universität-Mainz, ist mit der Reinigung und Restaurierung des
Goldschatzes von Preslav betraut. Foto: Diether v. Goddenthow

Zur chemischen Analyse habe das RGZM extra eine Chemikerin aus Paris für ein Jahr in das interdisziplinäre Forscherteam nach Mainz geholt. Sie untersuche das Gold, das Email, und vor allem die Steine. Beispielsweise haben sich die hellen Steine, die bislang für Bergkristalle oder Ametysten gehalten wurden, nach der chemischen Analyse als Flussspat entpuppt. Mit Hilfe der Röntgenflureszenzanalyse konnte die mit 93 Prozent hohe Qualität der Goldlegierung bestimmt werden. Die Steine der Ohrringe „sind alles wirklich Smaragde, bei den Anhängern waren dann Rubine und ein Granat dabei“, erklärt der Restaurator. Insbesondere würde das Emaille ganz ausführlich untersucht, „weil aus der byzantinischen Zeit nicht so viel bekannt ist“, so Matthias Heinzel. Das absolut Besondere bei dem Schatz sei, dass er wirklich auf das Jahr 971 datiert werden und als Referenz für andere ähnliche Funde dienen könne. Es seien auch zeitlich ganz eng eingrenzbare Silbermünzen beim Schatz gefunden worden, so dass er wirklich als byzantinisch einzuordnen sei. „Und wir versuchen da, soviel wie möglich Input rauszubekommen“, freut sich Matthias Heinzel, seinen Beitrag bei der Restaurierung dieses Highlights  leisten zu können.

Hallstattzeitliche Grabfunde – Highlight: Der Kultwagen von Strettweg

Die Toten werden mit Dingen ausgestattet, die man für wichtig erachtete: Bronzegefäße, Waffen, Pferdegeschirrteile u.ä. Das sind die Statussymbole dieser Zeit. Die Toten werden sozusagen inszeniert, was sie waren. Der Tote dieses Grabes aus Strettweg 6. Jh. v. Chr. war wohl ein mächtiger Krieger. Denn er ist ein Mensch, der Pferde, damals das schnellste Fortbewegungsmittel, besitzt, und der damit umgehen kann, erläutert Professor Markus Egg die Bedeutung des im Schaukasten befindlichen Grabfundkomplexes. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Toten werden mit Dingen ausgestattet, die man für wichtig erachtete: Bronzegefäße, Waffen, Pferdegeschirrteile u.ä. Das sind die Statussymbole dieser Zeit. Die Toten werden sozusagen inszeniert, was sie waren. Der Tote dieses Grabes aus Strettweg 6. Jh. v. Chr. war wohl ein mächtiger Krieger. Denn er ist ein Mensch, der Pferde, damals das schnellste Fortbewegungsmittel, besitzt, und der damit umgehen kann, erläutert Professor Markus Egg die Bedeutung des im Schaukasten befindlichen Grabfundkomplexes. Foto: Diether v. Goddenthow

In der Metallwerkstatt 3 haben Besucher die Möglichkeit, sich zu informieren über die Bearbeitung einer Blockbergung und über wertvolle Grabbeigaben wie Lanzenspitzen, Schwerter, Bronzegefäße und ein Pferdegeschirr aus dem Fundkomplex eines hallstattzeitlichen Grabes aus Strettweg (6. Jh. v. Chr.) Österreich.

Die Kopie des Kultuwagens von Strettweg besteht aus 75 Einzelteilen, die in der Bachelorarbeit von Carina J. "Vermessung des Kultwagens von Strettweg mittels 3D-Scanning" FH Mainz digitalisiert wurde. Eine Studentin demonstriert das Ergebnis am Bildschirm. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Kopie des Kultuwagens von Strettweg besteht aus 75 Einzelteilen, die in der Bachelorarbeit von Carina J. „Vermessung des Kultwagens von Strettweg mittels 3D-Scanning“ FH Mainz digitalisiert wurde. Eine Studentin demonstriert das Ergebnis am Bildschirm. Foto: Diether v. Goddenthow

Aus selbigem Gräberfeld stammt auch ein bereits 1852 in einem Fürstengrab der Hallstattkultur in Strettweg bei Judenburg in Österreich entdecktes berühmtes einmaliges Fund-Stück: Der bronzene Kultwagen von Strettweg (7. Jh. v. Chr,)! Die Versicherungssumme des Kultwagen von Strettweg betrug 15 Millionen, als er zu Forschungszwecken ins RGZM entliehen wurde. In den Werkstätten wurde der Wagen  erforscht, restauriert, wissenschaftlich gezeichnet und kopiert.

Digitalisiert: Der Kultwagen von Strettwig.Foto: Diether v. Goddenthow
Digitalisiert: Der Kultwagen von Strettweg.Foto: Diether v. Goddenthow

Im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit „Vermessung des Kultwagens von Strettweg mittels 3D-Scanning“ an der Fachhochschule Mainz (Nov. 2010 – Jan. 2011)  digitalisierte  Carina J. nun den Kultwagen  anhand der im RGZM befindlichen Kopie.  Das war eine recht komplizierte Arbeit, galt es doch, visuelle Überschneidungen  der einzelnen bronzenen Kult-Figuren und Wagenverstrebungen beim Laser-Scan zu vermeiden. Daher wurde die Kopie  in ihre 75 Einzelteile zerlegt, jedes Einzelteil separat gescannt, und anschließend digital  zu einem Gesamtbild des Kultwagens wieder zusammengerechnet. Dabei entstand eine beeindruckende digitale Ansicht des Wagens von Strettweg, jedoch ohne die feinen Strukturen und kleinen Unebenheiten, wie sie eine exakt wissenschaftliche Zeichnung leisten kann. Dafür kann nunmehr der Kultwagen am Bildschirm in alle gewünschten Positionen gedreht, und aus allen  unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Wissenschafliches Zeichnen

Michael Ober M.A. Leiter des Arbeitsbereichs Grafik weiß: Die maßgenaue Erfassung der restaurierten archäologischen Objekte sei überaus wichtig für die Interpretation. Sie gewährleistet die Zugänglichkeit archäologischer Informationen weltweit. Foto: Diether v. Goddenthow
Michael Ober M.A. Leiter des Arbeitsbereichs Grafik weiß: Die maßgenaue Erfassung der restaurierten archäologischen Objekte sei überaus wichtig für die Interpretation. Sie gewährleistet die Zugänglichkeit archäologischer Informationen weltweit. Foto: Diether v. Goddenthow

Auch im Zeitalter moderner Technologien bildet die manuelle wissenschaftliche Zeichnung die Grundlage der Dokumentation archäologischer Objekte, erklärt Michael Ober M.A., Leiter des Arbeitsbereichs Grafik. Die maßgenaue Erfassung der hier restaurierten archäologischen Objekte sei überaus wichtig für die Interpretation, und gewährleistet die Zugänglichkeit archäologischer Informationen weltweit. Denn die standardisierte Zeichensprache gelte weltweit gleichermaßen. Beispielsweise käme der Lichteinfall stets von links oben und die Fundstücke seien durch die Wiedergabe einer bestimmten Oberflächenstruktur für Bronze, Eisen, Bein, Holz usw. gekennzeichnet. Ein großer Vorteil wissenschaftlicher Zeichnungen sei nicht nur die Messgenauigkeit, die jedem Archäologen ermöglicht, die vom publizierten Objekt benötigten Maße und Detailmaße abzunehmen. Vielmehr hebe die wissenschaftliche Objektzeichnung all die Details hervor, die in der Fotografie nicht ersichtlich, zu schwach oder auch verzerrt abgebildet sind.

Metallkonservierung

Eine Studentin des Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator demonstriert die Phasen der Behandlung frühgeschichtlicher Lederfunde. Foto: Diether v. Goddenthow
Eine Studentin des Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator demonstriert die Phasen der Behandlung frühgeschichtlicher Lederfunde. Foto: Diether v. Goddenthow

In der  Metall-Konservierungs-Werkstatt erläutern Restauratoren die Bearbeitung eines picenischen Fundkomplexes aus 7./6. Jh. v. Chr. aus Numana in Italien sowie die Behandlung diverser frühgeschichtlicher Lederobjekte und anderer Fundkomplexe. Im Kern geht es darum, den Verfallsprozess von Metallen und anderen Materialien zu stoppen, die Objekte zu stabilisieren und haltbar zu machen.

 

Nassholzkonservierung

Einen besonderen Werkstattkomplex bildet die Nassholzkonservierung, die nicht im RGZM selbst, sondern  im Museum für Antike Schiffahrt beheimatet ist. Doch zum Tag der offenen Werkstätten hat Restaurator Markus Wittköpper interessante Exponate der Nassholzkonservierung aus dem Museum für Antike Schiffahrt  ins RGZM mitgebracht, darunter: Eine keltischzeitliche Radnabe (200 v. Chr.) aus Bad Nauheim, wikingerzeitliche Holzfunde aus dem Oesbergfund in Schweden (8. – 9. Jh.) und 40 000 Jahre alte Holzspitzen aus Slowenien.

Das ist nicht Markus Wittköppers typische Dienstkleidung, aber bei Mainzer Fastnacht gelten auch im RGZM mitunter andere Regeln. Der Restaurator aus dem Museum für Antike Schiffahrt erläutert die Prozesse der Nassholzkonservierung. Foto: Diether v. Goddenthow
Das ist nicht Markus Wittköppers typische Dienstkleidung, aber während der Mainzer Fastnacht gelten auch im RGZM mitunter andere Regeln. Der Restaurator aus dem Museum für Antike Schiffahrt erläutert die Prozesse der Nassholzkonservierung. Foto: Diether v. Goddenthow

Diese Hölzer konnten die Zeiten nur  überdauern und erhalten bleiben, da sie in extrem sauerstoffarmem Milieu lagen. Solange solche Holzfunde nass gehalten und Wasser den Verlust an Holzmasse ausgleicht, bleiben die Objekte formstabil, erläutert der Restaurator. Zur Konservierung von Nasshölzern, wie dies beispielsweise auch bei den Mainzer Römerschiff-Funden durchgeführt wurde,  kommen am RGZM unterschiedliche Konservierungsverfahren zum Einsatz. Bei einem Verfahren werden beispielsweise   zur Stabilisierung die wassergesättigten Hölzer in 25prozentige Tränkbäder eingelegt. Dabei diffundieren Melaminharzmoleküle in die Holzzellen und ersetzen das Wasser im Nassholz. Nach vollständiger Durchtränkung, so Markus Wittköpper, werden die Hölzer entnommen, in Folie eingepackt und das Harz bei 60 Grad im Wärmeschrank ausgehärtet. Danach erfolgt eine langsame, kontrollierte Trocknung, die bei sehr großen Objekten (z.B. bei großen Fundteilen eines Römerschiffs) mehrere Jahre dauern kann. Dieses Verfahren führe zu hoher Formstabilität und bildet holzanatomische Details und Bearbeitungsspuren genau ab, so der Restaurator.

Keramikwerkstatt

Milena Temelkova-Gringorova, Studierende des Dualen Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator in der Kermanik-Konservierungswerkstatt beim Schicht-für-Schicht-Freilegen eines Fundblocks.  Foto: Diether v. Goddenthow
Milena Temelkova-Gringorova, Studierende des Dualen Bachelor-Studiengangs Archäologischer Restaurator in der Kermanik-Konservierungswerkstatt beim Schicht-für-Schicht-Freilegen eines Fundblocks. Foto: Diether v. Goddenthow

„Keramikkonservierung“ steht auf dem Schildchen an der nächsten offenen Tür. Durchgeführt werden hier unter anderem  „Werkstatt-Ausgrabungen“. Auf dem Feld im Block geborgene und mit Gipsbinden und Lehm gesicherte  Funde werden ganz vorsichtig freigelegt.  In Arbeit befindet sich gerade ein im ganzen Erdblock geborgener, radiologisch bereits durchleuchteter Grabfund mit Keramik-Urnen und teilweise reichen Metallbeigaben vom eisenzeitlichen Urnengräberfeld in Wörgl/Tirol. Ebene für Ebene werden der Fund-Klumpen freigelegt, die Arbeitssituationen Schicht für Schicht dokumentiert und der Block nach und nach ausgeräumt.

Mit dem Wunsch nach Fund-Kopien etablierte sich der Beruf des Restaurators

Prof. Dr. Markus Egg bei der Präsentation des 3D-Scanners. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Markus Egg bei der Präsentation des 3D-Scanners. Foto: Diether v. Goddenthow

Wenig bekannt  ist, dass eines der ursprünglichen Ziele der ersten Restauratoren war, Fund-Kopien und Replikate herzustellen. „Und wenn Sie ein Objekt kopieren wollen, wird das Objekt natürlich einem gewissen Stress ausgesetzt. Und deshalb hat man die Objekte gereinigt und stabilisiert, und daraus sind schließlich die heutigen  Restaurierungswerkstätten entstanden“, erläuterte Prof. Markus Egg die historische Entwicklung von dem anfänglichen Wunsch nach Fundkopien bis zur Etablierung moderner  Restaurierungs-Werkstätten.
Restaurierung heute bedeutet, archäologisches Kulturgut wissenschaftlich zu erschließen, zu erhalten und zu pflegen, wozu die Restauratorinnen und Restauratoren im Team mit Archäologen, Archäometern, Konservatoren usw. zusammenarbeiten und alle erforderlichen restauratorischen und und konservatorischen Maßnahmen durchführen, um beschädigte, entstellte oder fragmentierte Objekte ohne Zerstörung historisch bedeutender Substanz in allen relevanten Dimensionen zu erschließen.  Sie bestimmen Schadensbilder und treffen Vorkehrungen, um schädliche Veränderungen an Objekten zu verhindern und aufzuhalten. Sie erstellen Objektkopien zu wissenschaftlichen Zwecken, für Aus- und Weiterbildung, zur Präsentation und Ausstellung, um Rückformungen anfertigen und/oder auch um bestimmte Objekte verstreuter Fundensembles wieder zusammenführen zu können

Manche archäologischen Objekte und Artefakte können nur noch durch rechtzeitiges Abformen mit Kunststoffen wie Silicon, Latex, Kautschuk, Gips und ähnlichen Stoffen der  Nachwelt erhalten bleiben. Aus den Abformungsnegativen können,  wenn diese nicht selbst als Form taugen,  neue Gussformen zur Herstellung von Kopien gegossen oder neue Ur-Modelle als Muster für (manuelle und CAD-gestützte) Nachbildungen hergestellt werden.

Ein3D-Scanner vermisst den wertvollen einmaligen Krug. Die Messdaten werden mit entsprechender Software für den 3D-Print weiterverarbeitet.  Foto: Diether v. Goddenthow
Ein 3D-Scanner vermisst per Laser den wertvollen antiken Krug.  Foto: Diether v. Goddenthow

Am RGZM kommen ganz unterschiedliche Abform-Techniken bis hin zu 3D-Scans zum Einsatz, mit Möglichkeiten zur berührungslosen Erstellung von virtuellen Modellen und Kopien per 3D-Fräsung und/oder 3D-Prints als Ergänzung zu den etablierten Verfahren.

Kolorierung von Kopien

Ulrike Lehnert, Restauratorin, Kolorierwerkstatt und Lehrbeauftragte des Studiengangs Archäologische Restaurierung der JGU-Mainz, lässt die Besucher raten: Welcher Helm ist das Original und welcher die Kopie? Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Ulrike Lehnert, Restauratorin, Kolorierwerkstatt, und Lehrbeauftragte des Studiengangs Archäologische Restaurierung der JGU-Mainz, lässt die Besucher raten: „Welcher Helm ist das Original und welcher die Kopie?“ Foto: Diether v. Goddenthow

Ob Nachbildungen original koloriert oder verblasste Objekte farblich überarbeitet werden müssen – alles, was mit Farbreinigung, Farbgebung und Vergoldungen zu tun hat, geschieht im RGZM in der Kolorierungswerkstatt. Ein besonders anschauliches Beispiel professioneller wissenschaftlicher Kolorierung ist die Kopie des Helmes von Dolina (9. Jh. v. Chr.) aus dem Gräberfeld von Dolina Glavicice/ Kroatien: Neben das Original gestellt, ist die kolorierte Kunstharzkopie für Laien nicht vom Original zu unterscheiden.

Glaswerkstatt

Inga Vollmer B.A., Stellvertretende Leiterin der Restaurierungswerkstatt für archäologisches Glas, restauriert  „Kölner Gläser“ (1.- 4. Jh.), die bereits vor 50 Jahren bearbeitet wurden. Rechts im Bild hat sie einen typischen Restaurierungsablauf bei verscherbtem Glas präsentiert. Die Klebe-Pistole kommt aus der Dentaltechnik, eignet sich aber bestens für die Einbringung von Kleber und Ergänzungsharz. Foto: Diether v. Goddenthow
Inga Vollmer B.A., Stellvertretende Leiterin der Restaurierungswerkstatt für archäologisches Glas, restauriert „Kölner Gläser“ (1.- 4. Jh.), die bereits vor 50 Jahren bearbeitet wurden. Rechts im Bild hat sie einen typischen Restaurierungsablauf bei verscherbtem Glas präsentiert. Die Klebe-Pistole kommt aus der Dentaltechnik, eignet sich aber bestens für die Einbringung von Kleber und Ergänzungsharz. Foto: Diether v. Goddenthow

„Glaswerkstatt“ sei die hohe Schule des Restaurierens. Denn Glas, so Prof. Markus Egg, sei ein Material, das keine Fehler erlaube, durchsichtig und zudem extrem zerbrechlich sei. Restauratorin Inga Vollmer arbeitet zumeist an mehreren Objekten gleichzeitig, unter anderem ist sie zurzeit mit Alt-Restaurierungen eines „Diatretglases“ aus Bulgarien (3./4. Jh.) und von „Kölner Gläsern“ (1.- 4. Jh.) aus dem Römisch-Germanischen Museum in Köln beschäftigt.

Am römischen"Einhenkelkrug" sind noch die Omega-Klammern angebracht. Sie werden nach der Klebung entfernt. Anschließen wird die Glaslücke unten links mit beschriebener RGZM-Ergänzungs-Methode verschlossen. Foto: Diether v. Goddenthow
Am römischen“Einhenkelkrug“ sind noch die Omega-Klammern angebracht. Sie werden nach der Klebung entfernt. Anschließen wird die Glaslücke unten links mit beschriebener RGZM-Ergänzungs-Methode verschlossen. Foto: Diether v. Goddenthow

Besonders interessant ist die in den 1990er Jahren von einem RGZM-Kollegen entwickelte Glas-Ergänzungsmethode (Schließung von Glaslücken) von zerscherbtem Glas. Hierzu werden zunächst die losen Fragmente mit Klebestreifen aneinandergefügt, dann mit kleinen Omega-förmigen Messinghäkchen provisorisch zusammengehalten. Nachdem die Klebestreifen wieder entfernt werden, erfolgt eine Infiltrationsklebung mit Kunstharz. Nach Aushärtung des Klebers werden die Metall-Omega-Klammern und kleinste Klebereste entfernt sowie das Glas versäubert. Um eine Glaslücke im fast wiederhergestellten Glas zu schließen, formt die Restauratorin zur Anfertigung einer Silikonform von innen und außen ein etwa gleich großes Stück an anderer Stelle im Glas ab. Die von innen und außen an der „Lochstelle“ des Glases zu einer Formmanschette fixierten Silikonteile erhalten über zwei dünne „Strohhalme“ einen Einfülltrichter und einen Entlüfter. So kann das eingefüllte Ergänzungsharz problemlos in der Form lückenfüllend von unten nach oben aufsteigen. Nach Aushärten kann die Silikonform entfernt werden. Diese Methode führt zu besten Ergebnissen. Die ersetzten Glasstücke sind nicht vom Originalmaterial zu unterscheiden, da „alle Informationen, die ich auf der Glasoberfläche habe, durch das Silikon übertragen werden, alle Kratzer, alle Dekorationen usw.“, erklärt die Restauratorin.

Fotowerkstatt

Impression aus der Fotowerkstatt. Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus der Fotowerkstatt. Foto: Diether v. Goddenthow

Fotografisch dokumentiert werden die Objekte sowie alle während der Restaurierung am Objekt gemachten Befunde in der Fotowerkstatt. Dabei handelt es sich um eine hochspezialisierte Querschnittsabteilung, welche die Restaurierung, Forschung und den Verlag mit dem Bildarchiv verbindet. Gemeinsam mit Restauratoren und Archäologen entstehen hier hochwertige wissenschaftliche Fotografien. Dazu ist die Fotowerkstatt ausgerüstet mit hochwertiger Kameratechnik und Software. Die werde für wissenschaftlich exakte Fotografie benötig. Denn das Hauptproblem sei, so René Müller, Fotograf im Arbeitsbereich Fotografie, „dass wir das abzufotografierende Objekt mit einer einzelnen Aufnahme nicht scharf bekommen“. Pro Objekt werden deshalb im Schnitt zwischen fünf und zehn Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfen gemacht, die zu einem Bild zusammengerechnet werden.

Der „Tassilokelch“, 786 n. Chr. steht am Tag der offenen Werkstätten noch einmal Modell.Foto: Diether v. Goddenthow
Der „Tassilokelch“, 786 n. Chr. steht am Tag der offenen Werkstätten noch einmal Modell.Foto: Diether v. Goddenthow

Seit 2010 werden die Fotoaufnahmen in einer Nachbereitung grafisch freigestellt. Der Verlag hat damit keine Arbeit mehr. Er kann über die Datenbank, die die Fotowerkstatt bestückt, das Fotomaterial, welches für Publikationen benötigt wird, herunterladen, erläutert René Müller. Die Schritte von der Objekt-Positionierung über die Ausleuchtung bis hin zum optimierten freigestellten Foto können die Besucher am Beispiel des „Tassilokelchs“ (786 n. Chr.) anschaulich nachvollziehen. Der einzigartig, reich verzierte Kelch stammt aus dem Benediktinerkloster Stift Kremsmünster in Oberösterreich und befindet sich seit April 2016 zu Forschungszwecken im RGZM.

Umzugsplanung

Katharina Lippe, Restauratorin, und Dr. Jörg Drauschke, Konservator für Frühgeschichte und Byzans, beantworten alle RGZM-Umzugsfragen und demonstrieren das  auf Barcodes beruhende künfigte Archivsystem. Hinten links sind die verschiedenen Typengrößen der verwendeten Spezial-Archivkartons anschaulich aufgebaut. Foto: Diether v. Goddenthow
Katharina Lippe, Restauratorin, und Dr. Jörg Drauschke, Konservator für Frühgeschichte und Byzans, beantworten alle RGZM-Umzugsfragen und demonstrieren das auf Barcodes beruhende künftige Archivsystem. Hinten links sind die verschiedenen Typengrößen der verwendeten Spezial-Archivkartons anschaulich aufgebaut. Foto: Diether v. Goddenthow

Entweder am Beginn oder als krönenden Abschluss des Werkstätten-Rundgangs können sich Besucher im Kurfürstlichen Schloss über den Stand des bevorstehenden RGZM-Umzugs ins Archäologische Zentrum in der Neutorstrasse, dem neuen Hauptsitz des RGZM, informieren. Die Räumlichkeiten des RGZM im Kurfürstlichen Schloss sind seit Mitte Juni 2017 für Ausstellungen geschlossen. Sie dienen seither als Zwischendepot für die umfangreiche Sammlung und als „Verpackstation“ für den Umzug. Katharina Lippe, Restauratorin, und Dr. Jörg Drauschke, Konservator für Frühgeschichte und Byzans, stehen  Rede und Antwort. Der Beginn des Umzugs sei für 2020 geplant.

Ein Umzug mit bis zu 165 Jahre alten Sammlungen und mit rund 200 000 Objekten insgesamt, mit der Bibliothek, den Werkstätten und der Verwaltung bedarf einer guten Planung und ist eine konservatorische wie logistische Herausforderung. Eigens hierfür hat das RGZM eine hausinterne Umzugsgruppe zusammengestellt, die aus Kuratoren, Restauratoren, Archivaren und Fachkräften für Arbeitssicherheit besteht. „Ein Punkt unserer Vorarbeiten ist, die Objekte der Sammlungen neu zu verpacken“, erläutert Dr. Jörg Drauscheke, nämlich einmal für den Transport an sich, aber insbesondere für die neue Einlagerung in den künftigen Depots. Jedes Objekt wird mit Barcode gekennzeichnet, ins Datenbank-System eingescannt und in einen emissionsfreien Archiv-Spezialkarton nach DIN-Norm verpackt. Jeder Archivkarton erhält ein Etikett auf dem das darin befindliche Objekt mit Foto abgebildet und Barcode versehen wird. Die Kartons werden so, wie sie hier im Schloss-Zwischendepot verpackt werden, im neuen Depot des Archäologischen Zentrums eingelagert, ohne dafür  gesondert nochmals ausgepackt werden zu müssen.

Die Spedition, die den Transport durchführen wird, erhält vom RGZM eine Gesamtliste und kann für jedes Depot die Barcodes der entsprechend dafür vorgesehenen Objektgruppen /Sammlungen im „Schloss“ anfordern. „Und wenn das Ganze dann dort im Depot des Neubaus in die Regale eingeräumt wird, wird jemand dort stehen mit dem Scanner in der Hand und jedes einzelne Objekt wieder einscannen“, erläutert Dr. Jörg Drauschke. So habe man die doppelte Kontrolle, nämlich zum einen, dass unterwegs nichts verlorengegangen ist. Und später wisse man genau: „Dieses Objekt XY‘ liegt in Depot 3, Regal 12, Regalboden 1, so dass wir das nachher auch in unserer internen Datenbank alles wiederfinden können“, erläutert der Konservator.

Das neue Archäologische Zentrum

2021 soll das neue Archäologische Zentrum mit einer 3000 Quadratmeter großen Dauerausstellung und ab da mit wechselnden Sonderausstellungen auf 500 Quadratmeter Fläche in der Neutorstrasse neben dem Museum für Antike Schiffahrt eröffnet werden. Foto  © RGZ
2021 soll das neue Archäologische Zentrum mit einer 3000 Quadratmeter großen Dauerausstellung und ab da mit wechselnden Sonderausstellungen auf 500 Quadratmeter Fläche in der Neutorstrasse neben dem Museum für Antike Schiffahrt eröffnet werden. Foto © RGZM

Die Gesamtfläche des neuen Archäologischen Zentrums wird mit seinen Forschungseinrichtungen, der umfangreichen Bibliothek, den Restaurierungswerkstätten und der neuen rund 3000 m² großen Dauerausstellung insgesamt rund 14 500 m² Nutzfläche einnehmen. Zum neuen Archäologischen Zentrum wird auch das Museum für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gehören. Zudem soll in einer zweiten Ausbaustufe die vorgeschichtlichen und römischen Sammlungen des Landesmuseums sowie Ausstellungsflächen der Landesarchäologie Mainz (Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz) im Archäologischen Zentrum zusammengeführt werden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des im Bau befindlichen Archäologischen Museums bilden bedeutende römische Denkmäler einen eindrucksvollen Rahmen: die Ruinen eines der größten römischen Bühnentheater seiner Art nördlich der Alpen (dies will die Stadt Mainz für zwei Millionen sanieren), und der Drususstein als Überrest des Kenotaphs des römischen kaiserlichen Feldherren und Prinzen Drusus.

Informationen zum Neubau

Europaweit einzigartig: Duales Studium zum Archäologischen Restaurator (B.A.)

Das Römisch-Germanische-Zentralmuseum ist die einzige Fachinstitution europaweit, die in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz, Arbeitsbereich Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, den Dualen Bachelor-Studiengang Archäologische Restaurierung anbietet.

Mehr Informationen zum Studiengang »Archäologische Restaurierung« (Bachelor of Art) hier.

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

„Wintervorträge“ im Römisch Germanischen Zentralmuseum und „After Work im (Schiffahrts-) Museum“ Mainz starten im Januar

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Mainz. Wer mehr über den Alltag von Restauratoren und Archäologen erfahren will, dem ermöglicht das Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) Einblicke über zwei Veranstaltungen: Die Veranstaltungsreihen „Wintervorträge“ und „After Work im Museum“ starten jeweils im Januar 2018.

Schon seit Jahrzehnten gewähren die Wintervorträge einem Interessierten Publikum Einblick in die aktuellen Forschungen am RGZM. Die knapp 90-minütigen Vorträge finden jeweils dienstags, um 18.15 Uhr, im Vortragsaal des RGZM statt. Hier erhalten Sie eine Übersicht über die Termine im Frühjahr 2018:

Dienstag, 23. Januar 2018, 18.15 Uhr Der Feind im Innern – Von der Salzproblematik in der Eisenkonservierung Vera Garvens B.A., Sandra Kaiser M.A.

Dienstag 6. Februar 2018, 18.15 Uhr Not macht erfinderisch – Wirtschaftskrise im 7. Jahrhundert? PD Dr. habil. Dieter Quast, Alexandra Hilgner M.A.

Dienstag 6. März 2018, 18.15 Uhr Bruch mit der Tradition? Veränderungen der städtischen Lebenswelten des christlichfrühbyzantinischen Assos (Türkei) Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Dienstag 20. März 2018, 18.15 Uhr Vom Dorf zur Megacity. Wie hat Sesshaftigkeit unser Leben in den letzten 10.000 Jahren verändert? Dr. Alexandra Busch, Prof. Dr. Detlef Gronenborn, Prof. Dr. Rainer Schreg

Dienstag 10. April 2018, 18.15 Uhr An den Ufern des Nils – Eine frühbyzantinische Werkstatt für Buntmetallgefäße auf Elephantine/Assuan Dr. Jörg Drauschke

Dienstag 17. April 2018, 18. 15 Uhr Archäologie von ungeahntem Ausmaß – Die römischen Töpfereien von Speicher und Herforst (Südeifel) Dr. Angelika Hunold, Dr. Holger Schaaff

Dienstag 24. April 2018, 18. 15 Uhr Zurück zur Quelle: Die Herkunftsbestimmung von Basaltwerkzeugen in der südlichen Levante Dr. Tatjana Gluhak

Veranstaltungsort: Vortragssaal des Römisch-Germanischen Zentralmuseums im Kurfürstlichen Schloss, Ernst-Ludwig-Platz 2, 55116 Mainz, www.rgzm.de

After Work im Museum für Antike Schiffahrt des RGZM Thema: »Ein Superfrachter der Antike«
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Das von den Mainzerinnen und Mainzern liebevoll „Schifffahrtsmuseum“ genannte Museum öffnet die Türen außerhalb der regulären Öffnungszeiten und bietet kostenlose Führungen an: Nach Feierabend mit lokalem Wein in besonderer Atmosphäre: Für den leckeren Wein und Rheinhessen Tapas sorgt das Mainzer Weinhaus Michel.

Zudem werden angeboten das „AfterWorkSketching“ für Maler und Zeichner  sowie vier Termine über den Bau eines Superfrachters der Antike.

#AfterWorkSketching (Instagram) Die Termine sind auch ein Treffpunkt für Maler und Zeichner zum „Urban Sketching im Museum für Antike Schiffahrt. | Hinweis: Die Teilnahme ist kostenlos, Zeichenutensilien bitte mitbringen.

Superfrachter der Antike
1967 machten Taucher vor der Küste des französischen Fischerhafens La Madrague de Giens eine sensationelle Entdeckung: Sie fanden eines der größten römischen Handelsschiffe, die bis dahin gefunden wurden. Der Frachter maß ca. 40 Meter in der Länge und hatte ein Eigengewicht von etwa 400 Tonnen. Als er um 75-60 v. Chr. vor der südfranzösischen Küste sank, hatte er vor allem besten Wein aus Italien geladen. Nun begibt sich das RGZM-Team an vier After Work Abenden im Frühjahr 2018  auf Spurensuche im „Lebenslauf“ des römischen Super-Handelsschiffes.  Da die Termine modular (und nicht didaktisch aufeinander aufbauend) angeboten werden, kann der Einstieg beliebig erfolgen.

Ein Superfrachter der Antike: Der Bau Donnerstag, 11. Januar 2018, 18 – 21 Uhr kostenfreie Kurzführungen um 19.15 und 20.15 Uhr

Ein Superfrachter der Antike: Die Ladung Donnerstag, 1. Februar 2018, 18 – 21 Uhr kostenfreie Kurzführungen um 18.30 und 19.30 Uhr

Ein Superfrachter der Antike: Der Verlust Donnerstag, 1. März 2018, 18 – 21 Uhr kostenfreie Kurzführungen um 18.30 und 19.30 Uhr

Ein Superfrachter der Antike: Die Rekonstruktion Donnerstag, 5. April 2018, 18 – 21 Uhr kostenfreie Kurzführungen um 18.30 und 19.30 Uhr

Veranstaltungsort: Museum für Antike Schiffahrt, Neutorstr. 2b, 55116 Mainz, http://web.rgzm.de/museen/museum-fuer-antike-schiffahrt-mainz/

 

 

 

Tage der offenen Werkstätten im Römischer-Germanischen Zentralmuseum RGZM am 18. u. 19.11.2017

Restaurierung am RGZM Einblick in die Werkstatt der Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede Foto: S.Steidl / RGZM
Restaurierung am RGZM Einblick in die Werkstatt der Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede Foto: S.Steidl / RGZM

Am kommenden Wochenende 18./ 19. November 2017, jeweils von 10 bis 18 Uhr, öffnet das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) in Mainz seine Werkstätten für die Öffentlichkeit. Besucher haben an diesem „Tag der offenen Werkstätten“ Gelegenheit, den Restauratoren über die Schultern zu schauen, verschiedene Arbeitstechniken kennen zu lernen, herstellungstechnische Experimente zu erleben und Fragen zur archäologischen Restaurierung zu stellen.

Im Mittelpunkt  der Präsentation stehen Eisen- und Buntmetallrestaurierung, Edelmetall, Glas, Keramik, Abformung und Kolorierung sowie die Nassholzkonservierung. Zudem werden die zeichnerische, digitale und fotografische Dokumentation sowie die Archäometrie-Laboratorien und das Studium »Archäologische Restaurierung« (dualer Bachelor-Studiengang) vorgestellt.
Darüber hinaus gewährt die Museumspädagogik einen weiteren „Blick in die Umzugskulissen“ im Kurfürstlichen Schloss.

Die Veranstaltung findet statt am 18. und 19. November 2017, jeweils 10 bis 18.00 Uhr in den Werkstätten des RGZM (Gebäude neben dem Kurfürstlichen Schloss).

RGZM | Römisch-Germanisches Zentralmuseum
im Kurfürstlichen Schloss
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz
Eintritt frei!

9. Deutscher Archäologiekongress vom 3. bis 8. Juli 2017 in Mainz mit Exkursionen zu einzigartigen Fundstätten

v.li.Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA),Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz,Dr. Birgit Heide, GDKE, Kommissarische Direktorin Landesmuseum Mainz, Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (MOVA), Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (NWVA). Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
v.li.Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA),Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz,Dr. Birgit Heide, GDKE, Kommissarische Direktorin Landesmuseum Mainz, Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (MOVA), Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (NWVA). Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Kaum ein Deutscher Archäologiekongress verspricht so spannend zu werden, wie der derzeitige 9. Deutsche Archäologiekongress vom 3. Bis 8. Juli 2017 im Mainzer Landesmuseum. Geht es doch neben Vortragsreihen, Diskussionsrunden, Arbeitsgruppen, Poster-Ausstellungen auch um so zentrale Fragen wie „Prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, „Archäologie und Identität“ und „Migration und Mobilität in der Menschheitsgeschichte“. Darüber hinaus haben die über 650 Kongressbesucher die Chance, die wesentlichen Highlights Rheinland-Pfälzischer Archäologie aus 400 Grabungsstätten in der Jubiläumsausstellung „vorZeiten“ im Landesmuseum besichtigen zu können sowie an zahlreichen Exkursionen teilzunehmen, etwa zum: Isis-Tempel oder zur Kirche St. Johannis in Mainz sowie Exkursionen etwa zur Georgskapelle nach Heidesheim, zur Kaiserpfalz in Ingelheim, zur Römervilla in Bad Kreuznach und zur Klosterruine Disibodenberg.

Was die Sache, insbesondere für Teilnehmer von außerhalb besonders spannend mache, sei, dass es „wahrscheinlich im Bundesvergleich keine Region oder Regionen wie in Rheinland-Pfalz gibt, die eine solche Qualität an Funden haben“, unterstreicht Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz, mit ein wenig Stolz die Bedeutung von Mainz als diesjährigen Kongress-Ort beim Pressegespräch. Mainz und Tier gingen als urbane Zentren auf die Römerzeit zurück. Allein das seien Qualitäten, „die tatsächlich nicht vergleichbar sind mit anderen Grabungsstätten im Bundesgebiet.“, so der GDKE-Generaldirektor. „Rheinland-Pfalz müsse keinen Vergleich mit irgendeiner anderen Landschaft im westlichen Mitteleuropa scheuen.“Schließlich belegten die außerordentlich hohe Zahl an archäologischen Funden und Befunden nicht weniger als 4 Mio. Jahre Erd- und 800.000 Jahre wechselvolle Menschheitsgeschichte an Rhein und Mosel, deren Highlights gegenwärtig in der Landesausstellung VorZeiten im Landesmuseum Mainz gezeigt werden.“, Thomas Metz.

Das sieht auch ähnlich so der Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA) Prof. Dr. Alfried Wieczorek: Zum einen sei Mainz ein Ort für Archäologen, wo man immer gerne wieder kommt, vor allem dann, wenn es viel Neues zu sehen gäbe, nicht nur die fantastische Ausstellung VorZeiten, in der die Highlights aus 70 Jahren Rheinland-Pfälzische Landesarchäologie gezeigt würden. „Sondern hier in Mainz und Umgebung sind unglaublich wichtige, interessante Grabungen, die zur Zeit laufen, allein die Ausgrabung an der Johanniskirche, die wirkliche ein Unikat ist für die Archäologie nördlich der Alpen, so Prof. Dr. Alfried Wieczorek. Das sei ein außergewöhnlicher Standort mit fantastischen Funden, ein Ort, „den man als Archäologe unbedingt mal gesehen haben muss.“ Denn so schnell käme ein solcher Ort, an dem man so etwas Besonderes sehen kann, nicht wieder, schwärmt der WSVA- und DVA-Vorsitzende.

Der diesjährige Archäologen-Kongress wäre nicht „bloß“ ein Tagungsprogramm, „dass sich alle drei Jahre, sozusagen kulminiert in einem großen Archäologiekongress“. Vielmehr habe es der Kongress in diesem Jahr auch mit unzähligen wichtigen Dingen außerhalb dieses Kongressgebäudes zu tun, nämlich mit den Ausgrabungen, mit den archäologischen Stätten in der Umgebung von Mainz und in Mainz selbst, so Wieczorek. Diese würden in ihrer Veränderung vergangener 70 Jahre dem Teilnehmer-Kreis aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark, aus der Schweiz und den Beneluxländern die in dieser Woche präsentiert werden.

„Aktuell stehen wir angesichts vieler finanzieller Engpässe vor großen Herausforderungen“, ergänzt Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (MOVA) „das macht die Bedeutung dieses Archäologiekongresses deutlich und wir müssen uns zugleich immer wieder neu mit der Frage beschäftigen, welche Rolle die archäologische Wissenschaft für die Gesellschaft spielen kann.“

In den unterschiedlichen Arbeitsgruppen diskutieren Expertinnen und Experten um Themen wie etwa die Vielfalt der Geschlechter, Migration und aktuelle Forschungsergebnisse oder um das Schwerpunktthema des diesjährigen Kongresses: „Archäologie und Identität“. „Angesichts der Zerstörungen von kulturellem Erbe in den letzten Jahren wird der Kulturgutschutz aktuell viel diskutiert und auch die umfassenden Migrationsbewegungen stellen uns vor neue Herausforderungen“, so Prof. Dr. Alfried Wieczorek.

Ein weiteres aktuelles Thema sind „prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ in der Archäologie. Dabei geht es unter anderem um problematische Zeitverträge und unverhältnismäßige Entlohnung. „Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist diese Situation zunehmend untragbar und sie bedroht auch die Qualität der Arbeit in der Denkmalpflege“, so Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung, „wir werden die Thematik daher intensiv im Laufe des Archäologiekongresses mit allen Beteiligten diskutieren.“

„Das Herz der Archäologie schlägt in diesem Jahr in Mainz“, freut sich die kommissarische Direktorin des Landesmuseum Mainz, Dr. Birgit Heide, „mit unserer aktuellen Landesausstellung „vorZeiten“ präsentieren wir zudem eine außergewöhnliche Zeitreise durch 400 Millionen Jahre Erd- und Kulturgeschichte mit faszinierende Zeugnissen längst vergangener Epochen und einmaligen Exponaten – von den erdgeschichtlichen Anfängen bis in die Gegenwart. So gesehen ist es uns eine große Ehre, dass wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Archäologiekongresses das reichhaltige kulturelle Erbe von Rheinland-Pfalz erlebbar machen können.“

Der 9. Deutsche Archäologiekongress des Deutschen Verbandes für Archäologie und der Deutschen Altertumsverbände wird veranstaltet für den Deutschen Verband für Archäologie vom West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung in Kooperation mit dem Mittel- und Ostdeutschen Verband für Altertumsforschung. Kooperiert wird dabei in Mainz mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und seinen Direktionen Landesmuseum Mainz und Landesarchäologie, Außenstelle Mainz. Im Landesmuseum befindet sich zugleich das Tagungsbüro. Weitere Kooperationspartner und Tagungsorte sind das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Institut für Altertumswissenschaften, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Deutschen Archäologen-Verband.

Grundsteinlegung für den Neubau des Römisch Germanischen Zentralmuseums – Gebauter Raum für die Freiheit der Wissenschaft

Visualisierung des neuen Archäologischen Zentrums. Hier Blick über den geplanten Gemeinschaftsplatz Foto: LBB Architekten Bernhardt + Partner.
Visualisierung des neuen Archäologischen Zentrums. Hier Blick über den geplanten Gemeinschaftsplatz Foto: LBB Architekten Bernhardt + Partner.

Unter großer Anteilnahme der Mainzer Bevölkerung wurde am 5.Mai 2017 mit dem traditionellen Einmauern diverser symbolträchtiger Gegenstände am neu gelegten Fundament in der Mainzer Neutorstrasse der Grundstein als Startzeichen für den Rohbaubeginn des neuen Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) und Leibnizforschungsinstitut der Archäologie begonnen. Gut 51,4 Millionen Euro werden das Land Rheinland-Pfalz, die Landeshauptstadt Mainz und der Bund in das moderne Haus der archäologischen Spitzenforschung mit großzügigen Ausstellungsflächen und Begegnungsräumen nach gegenwärtiger Planung voraussichtlich investieren.

Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird: Alles, was zur Befüllung der Box, der Zeitkapsel, die in den Grundstein eingemauert wird, wird vor der Versenkung nochmals den Mainzern gezeigt: LBB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten mit einem Bauplan. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf mit der aktuellen Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 5.5.2017.  Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling wird einen 1994er Riesling des städtischen Weingutes Fleischer „opfern“.  Finanzstaatssekretär Dr. Stephan Weinberg gibt „echte Euros“. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner steuert ein aktuelles Leibnizjournal samt Digitalausgabe per Stick bei. Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie Univ.-Prof. Dr. Falko Daim wird eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhunderts beistehen. Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird: Alles, was zur Befüllung der Box, der Zeitkapsel, die in den Grundstein eingemauert wird, wird vor der Versenkung nochmals den Mainzern gezeigt: LBB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten mit einem Bauplan. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf mit der aktuellen Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 5.5.2017. Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling wird einen 1994er Riesling des städtischen Weingutes Fleischer „opfern“. Finanzstaatssekretär Dr. Stephan Weinberg gibt „echte Euros“. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner steuert ein aktuelles Leibnizjournal samt Digitalausgabe per Stick bei. Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie Univ.-Prof. Dr. Falko Daim wird eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhunderts beistehen. Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Nach intensiver Planung, Vorbereitung sowie Berücksichtigung bürgerschaftlichen Engagements beim Erhalt des denkmalgeschützten Hauptbaus der ehemaligen Neutorschule, nach sorgfältigen archäologischen Sicherungs-Grabungen mittelalterlicher Funde in der Baugrunde und aufwendigen versorgungstechnischen Leitungsarbeiten, feierten am 5.Mai 2017 Vertreter von Stadt und Land, des RGZM, des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) sowie zahlreichen Repräsentanten aus Wissenschaft und Kulturleben die Grundsteinlegung des neuen Archäologischen Zentrums in Mainz. Voraussichtlich im Jahr 2020 wird hier das Römisch-Germanische Zentralmuseum sein neues Domizil beziehen, gleich neben seinem Museum für Antike Schifffahrt.

Die umfangreichen Umzugsvorbereitungen haben bereits begonnen. Demnächst sollen Bürger in speziellen Besuchsprogrammen die Möglichkeit erhalten, den Museumsmitarbeitern beim „Einpacken“ der archäologischen Fundstücke über die Schultern zu schauen. Denn ein 165jähriges Forschungsmuseum wie das RGZM mit all seinen Spezial-Sammlungen zöge nicht alle Tage um, erläuterte Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Falko Daim.

Forschung, Begegnung und städtebauliche Entwicklung fördern

Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium, in Vertretung und mit Grüßen von Staatsministerin Doris Ahnen, versicherte, die Grundsteinlegung nicht so martialisch, wie einstmals auch üblich, mit Tieropferungen zu begehen. Er werde nachher stattdessen „echte Euros“ in die Box legen, die im Grundstein eingemauert wird, so schmerzhaft das auch für einen Finanzer wie ihn sei. Marie Curie zitierend „Man merke nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur noch, was noch zu tun sei“, betonte Weinberg, dass die Grundsteinlegung ein unmittelbar mit dem Bauwerk selbst verbundener formaler Akt, sei. Gleichzeitig bedeute dies für das RGZM das Erreichen eines letzten Etappenziels, nämlich, dass „hiernach im Kern ‚nur‘ noch der Umzug“ anstünde, worauf bereits mit den symbolisch abgebildeten Umzugskisten auf Einladung und Rednerpult hingewiesen werde. Besonders freue es ihn, dass das Ansinnen der Bürgerinitiative Erhalt der Neutorschule in die Planung des neuen Archäologischen Zentrums integriert werden könne.
Mit diesem Neubau, dem neuen Domizil des Römisch-Germanischen Zentralmuseums „wollen wir“, so der Staatsekretär „vor allem drei Dinge erreichen“: den „tandort für Forschung in der Stadt Manz“, „Ort der Begegnung und des Wissens an einem entscheidenden Punkt in der Stadt“ und eine „städtebauliche Entwicklung“ ermöglichen-
Mit dem Neubau für das RGZ würden vor allem die Arbeitsbedingungen für eine hochwertige Forschung nachhaltig verbessert. Aber auch künftige Besucher partizipierten, so Weinberger. Denn im neuen RGZM würden neuartige Einblicke durch moderne Ausstellungstechnik möglich. Zudem laden ein Bistro, verschiedene Veranstaltungsflächen und ein Museumsshop zur Begegnung ein. Der Staatssekretär wünschte mit dem Goethe-Wort „Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: Das es am rechten Fleck stehe, dass es wohl gegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei“ für den weiteren Verlauf der Bauarbeiten guten Erfolg.

Cornubläser, Hagen Pätzlod, hatte die feierliche Grundsteinlegung "angeblasen", im Hintergrund das Fundament der Großbaustelle des Archäologischen Zentrums. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Cornubläser, Hagen Pätzlod, hatte die feierliche Grundsteinlegung „angeblasen“, im Hintergrund das Fundament der Großbaustelle des Archäologischen Zentrums. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Seit dem Spatenstich im Herbst 2015 ist auf dem Gelände viel passiert. Vorab mussten im Untergrund die zentralen Versorgungsleitungen der Altstadt umgelegt werden. Die Baugrube erhielt gegen Nachrutschen und als Schutz gegen das hoch anstehende Grundwasser einen Verbau aus dicht gesetzten Bohrpfählen. Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) legten rund 15 Monate lang historische Festungsmauern frei und dokumentierten sie für die Forschung.

Der Museumsbau wird ein viergeschossiger Komplex in Stahlbeton-Bauweise mit Untergeschoss. Seine Längsseite erstreckt sich mit 95 Metern entlang der Rheinstraße. In einem Lförmig angesetzten Ausstellungsflügel wird auf drei Etagen die Dauerausstellung des RGZM präsentiert. Der Neubau erhält großzügige Fensterflächen, die Einblicke in die Ausstellung gewähren und die optische Verbindung zwischen Innen- und Außenraum herstellen. Insgesamt steht eine Nutzfläche von fast 10.000 m² für moderne Forschungslabore und archäologische Werkstätten, für Dauerausstellung und Sonderschauen, die wissenschaftliche Bibliothek sowie Publikumsbereiche mit Bistro und Museumsshop zur Verfügung.

RGZM – ein Riese der Wissenschaft

Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft und Weiterbildung Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft und Weiterbildung Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Minister für Wissenschaft und Weiterbildung, Prof. Dr. Konrad Wolf, würdigte das 1852 in Mainz gegründete RGZM als eines der acht Forschungsmuseen unter den rund 90 Mitglieds- Instituten der Leibniz-Gemeinschaft e.V. zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Professor Wolf verglich das RGZM mit einen wissenschaftlichen Riesen, mit einem Riesen, der einen festen Stand habe hier bei uns in Rheinland-Pfalz, der mit seinen Armen in ganz Deutschland agiere, und der mit seinen Kopf die ganze alte Welt überblicke. „Und solch einen wissenschaftlichen Riesen muss man natürlich hegen und pflegen“. Auf die Beine des Riesen geschaut, so Minister Wolf, habe der Riese RGZM gleich drei davon: „Das erste und wichtige Standbein steht natürlich seit 1852 hier in Mainz. Damals gründete der Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine hier sein zentrales Museum, also sinnigerweise das Zentralmuseum“. „Wo ließen sich Vergleichsmittel altertümlicher Gegenstände auch besser zusammentragen als in der Region Rheinhessen, die an Fundstätten bekanntlich aus der Römerzeit so reich ist.“, so Prof. Wolf. Ein zweites Standbein habe das RGZM in Monrepos bei Neuwied. Auch dieser Standort habe seine eigenen Wurzeln. In diesem Fall lägen sie nicht zuletzt in der Nähe zur berühmten jungstein-neolithischen Fundstätte Gönnersdorf. „Die Grabungen dort haben das Neuwieder Becken als archäologisch bedeutende Region international bekannt gemacht. Sie waren es, die den Anstoß zur Gründung der dortigen Forschungsstelle gaben.“, so der Minister. Und ein drittes Standbein habe das RGZM in der Vulkaneifel: Deutlich wie selten sonst ließen sich dort die Entstehung der Landschaften sowie die Nutzung der Rohstoffe durch den Menschen über die Zeitläufe hinweg aus vorgeschichtlicher Zeit studieren und zeigen.
„Das RGZM ist durch diese drei Standorte in der Fläche unseres gesamten Landes präsent. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das auch entsprechend auf vielfältige Weise. „Das RGZM ist in der archäologischen Welt so bekannt, dass es in schwierigen Fällen gerne
hinzugezogen wird.“ Die Restaurierung der Totenmaske des Tutanchamun in Kairo oder die
Untersuchung der Ausrüstung der Gletschermumie „Ötzi“ seien nur die prominentesten Beispiele. Mit dem Neubau am zentralen Mainzer Standort will das Land die nationale und internationale Strahlkraft des RGZM weiter stärken.

Gebauter Raum für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft

Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, griff gerne das von Minister Wolf bemühte Bild vom Riesen RGZM auf. Das RGZM sei wahrlich ein Riese, so Ebling, „nur leider einer, dessen Zuhause über die Jahrzehnte sozusagen etwas zum Zwergenstübchen mutiert ist“. Seit der Gründung vor 165 Jahren hätten Museum und Forschungseinrichtung immer mehr an Statur gewonnen, „höchste Zeit also“, so Ebling, „den Riesen, den Koloss aus seiner drangvollen Enge zu befreien und ihm auch den Spielraum zu geben, den er zur Entfaltung braucht, und der ihm auch gebührt.“

Die Grundsteinlegung sei ein Signal und Symbol zugleich. Sie sei ein Signal des Aufbruchs. „Denn ab jetzt geht’s nicht mehr nur in die Tiefe des Mainzer Bodens. Jetzt geht’s auch nach oben ans Licht hinaus ins Mainzer Leben und ins Mainzer Stadtbild.“, freute sich der Oberbürgermeister. Es sei „uns allen eine große Freude, diese Forschungseinrichtung fit zu machen für das 21. Jahrhundert.“ Der Neubau sei ein doppelter Gewinn, eine Win-Win-Situation, nämlich ein Gewinn für die Stadt Mainz, die ein „glanzvolles archäologisches Museum“ erhielte, für die Mainzer, die ihr Schloss zurückerhielten, so der OB augenzwinkernd.
Das dieses Entwicklung nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis umfangreicher Abstimmungsarbeit zwischen Land, Stadt, Institutionen und Bürgerinitiative gewesen sei, sei die Grundsteinlegung eben nicht nur ein Signal des Aufbruchs, „sondern ein Symbol vom guten und erfolgreichen Miteinander von Stadt und Land aber im Sinne der Bürgerinnen und Bürger“, so Ebling. Vor allem sei es auch ein Symbol dafür, wie aus einem „sehr kühnen Gedankengebäude ein realer Bau werden kann“.

Ebling freute sich vor allem darüber, „dass hier ein Zentrum der Archäologie entsteht“, und „in diesem Zentrum wird auch die römische Gründungsepoche unserer Stadtgeschichte ein neues Zuhause bekommen, eine Epoche, die uns, den Mainzerinnen und Mainzern bekanntlich besonders am Herzen liegt, und gerade im unmittelbaren Umfeld des künftigen Hauses deutliche Spuren hinterlassen hat.“ so der Mainzer Oberbürgermeister
Für Ebling sei der Bau auch ein Statement dafür, „dass wir die Verantwortung übernehmen für das, was uns von unseren Vorfahren überlassen und überliefert worden ist.“ Mit Blick auf die von islamistischen Terroristen zerstörte antike Oasenstadt Palmyra sei es nicht selbstverständlich, dass das Erbe der Menschheit erforscht und wieder für die Öffentlichkeit sichtbar und zugänglich gemacht würde. „Was wir bewahren wollen, wird andernorts mutwillig zerstört. Was wir als Erbe schätzen und pflegen, wird andernorts auszulöschen versucht.“, so Ebling. Deshalb sei dieses Museum auch gebauter Raum für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft.

Es sei auch ein Statement in unseren Tagen, in denen diese Grundlagen von manchen Seiten infrage gestellt werden, so der Oberbürgermeister, der guter Zuversicht sei, dass der „Riese mit den drei Beinen“ jetzt bald ausreichend Platz bekommen.
Und wenn er auch den Schmerz des Finanzstaatssekretärs verstehe, dass dieser nun echte Euros in die Box versenken müsse, mögen ihm, dem OB, es die Mainzerinnen und Mainzer nachsehen, wenn er, des würdigen Anlasses gehorchend, eine Flasche besten Mainzer Rieslings der Stadt Mainz, in die Grundsteinbox lege. Er sei gespannt, „was die in vielleicht 2000 Jahren sagen, wenn die unsere Box mit den Euros und guten Wein wiederfinden“, scherzte der OB.

Mit dem Bau auch neue Besuchererfahrungen eröffnen

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner betonte, dass der Grundstein, den wir hier für das neue Archäologische Zentrum Mainz legen, nicht nur mehr Platz für Forschung, Sammlung und Ausstellung bedeute. „Vor allem“, so Kleinert, „bietet der Neubau einmalige Möglichkeiten, neue Perspektiven zu öffnen, neue Besuchererfahrungen und Zusammenspiel von Raum und digitalen Medien zu kreieren.“ Als eines der acht Leibniz-Forschungsmuseen ist das RGZM ein ganz besonderer Ort, an dem neues Wissen entsteht, für die Gesellschaft anschaulich gemacht und der Wissenschaft für weitere Forschungen bereitgestellt wird. Im Neubau des Archäologischen Zentrums nimmt dieser dreigliedrige Auftrag nun auch in einer baulichen Einheit Gestalt an – als moderner Ort der Neugier, des Wissens, der Zusammenarbeit und des Lernens über unsere Vergangenheit für unsere Zukunft. Ich freue mich sehr darauf, zu sehen und zu besuchen, was hier entsteht.
Für die Landesgemeinschaft legte der Präsident ein aktuelles Leibnizjournal in den Grundstein legen, im Original und in Form eines Datensticks.. Natürlich könne man sagen, „die Daten halten vielleicht 10, 20, 30 Jahre, das wird richtig sein.“ Aber mit diesem digitalen Gruß der Leibnizgemeinschaft verbände er auch die Hoffnung und den Optimismus auf die Leistung und Fähigkeit von Wissenschaft und Forschung, dass diese „sagen wir in 200, 300, 500, 1000 Jahren, dann auch noch auf einen Datenstick aus dem Jahre 2017 das zu lesen, was wir dort hineingepackt haben.“ erläuterte der Präsident der Leibniz-Gesellschaft seine Gabe in die Grundstein-Box. Er wünschte, dem Umstand dass er aus dem Ruhrgebiet stamme gehorchend, dem weiteren Bauverlauf „Glück auf!“.

Ideale neue Rahmenbedingungen für die Forschungsarbeit

Univ.-Prof. Dr. Falko Daim  Generaldirektor Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Univ.-Prof. Dr. Falko Daim Generaldirektor Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Hausherr und Generaldirektor Univ.-Prof. Dr. Falko Daim, der eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhundert in die Box für den Grundstein legte, versicherte, dass, nachdem die Sektgläser geleert seien, hier gleich wieder die Baufirmen das Sagen hätten. Schon zu Weihnachten stünde hier, so der Generaldirektor, ein gewaltiges Gebäude, das dann schon besser erahnen lassen würde, war hier einmal entstünde.
„Das neue Gebäude wird uns ideale Rahmenbedingungen für unsere Forschungsarbeit geben“, so Daim, der sich freute, dass die unersetzbaren, archäologischen Spezialsammlungen und eine der europaweit größten Fachbibliotheken sowie die berühmten Restaurierungsstätten und das Archäometrielabor hier ihr neues Zuhause finden würden.
„Die archäologische Forschung wäre allerdings kein Selbstzweck. „Für die historischen Wissenschaften ist die Vergangenheit eine gewaltige Ressource, um den Menschen und ihre Gesellschaften besser kennenzulernen. Und das soll uns helfen, Zukunft zu gestalten. Unsere Forschungsergebnisse können sie also als Angebot verstehen, mit dem wir in gesellschaftlichen Dialog eintreten. Auch dafür wird das Haus optimal geeignet sein. Etwa ein Viertel oder gar etwas mehr als ein Viertel der Nutzfläche ist dafür vorgesehen: Ausstellungsräume, Vortragssaal, Platz für die Museumspädagogik, Shop und Bistro.“ erläutert der Generaldirektor.
Das Konzept für die neue Dauerausstellung sei schon sehr weit gediehen. Neben virtuellen Möglichkeiten, die die Forschungsergebnisse des Römisch-Germanischen Zentralmuseums interaktiv erlebbar werden ließen, fokussierte sich das Planungsteam gegenwärtig auch auf weitere Konzepte für eine umfassende Barrierefreiheit wie beispielsweise auf das Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte Menschen, wie dies auch schon im benachbarten Museum für Antike Schifffahrt existiere.

„Auch wenn sie von unserem neuen Haus noch nicht viel sehen: Wir sind bereits massiv mit den Vorbereitungen für den Umzug befasst. Vor allem die große Sammlung wird derzeit gesichtet, dokumentiert und verpackt,“ gab Daim ein wenig Einblick hinter die Kulissen. Das ganze Kollegium sei in diesem Prozess eingebunden. Parallel arbeitete das RGZM bereits an einem Sonderprogramm, „das den Blick hinter die Umzugskulissen quasi der breiten Öffentlichkeit gewähren soll.“, so der Generaldirektor Daim. Ein Forschungsmuseum mit einer derartig langjährigen Tradition ziehe nicht alle Tage um. Es sei einzigartig in diesem Zusammenhang archäologische Objekte in einem ganz anderem Kontext zu erleben, so Daim, der alle Interessenten herzlich einlud, diese kommenden Veranstaltungen zu besuchen.
Mit seinen gebündelten Kompetenzen, so der Generaldirektor, würde das RGZM, also voraussichtlich 2020 in den Neubau einziehen. Es entstünde in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Ruinen des größten römischen Bühnentheaters nördlich der Alpen, dem Museum für Antike Schifffahrt und nicht weit davon sei auch der Drususstein, der „auf der Zitadelle“ einst von oben über den Rhein geblickt habe. Ein besonderer Ort werde aber auch „der Platz sein, der zwischen unserem neuen Bau und der Neutorschule entstehen wird, ein Treffpunkt für die Bevölkerung mit einem reichen Kultur- und Bildungsangebot, natürlich auch mit Gastronomie. Das kann in Mainz auch gar nicht anders sein, so dass ein neues Kapitel in der Mainzer Stadtentwicklung aufgeschlagen werden wird.“, hob Generaldirektor Daim hervor.
Die Fassade des Neubaus wird in farblicher Abstimmung mit dem ebenfalls zum RGZ gehörenden Museum für Antike Schiffahrt als vorgehängte Ziegelfassade ausgeführt. Das ist auch eine Referenz an den Forschungszweig des RGZM, der sich mit Ziegelarchitektur befasst. Passend dazu soll die ehemalige Neutorschule wieder in ihrem ursprünglichen roten Farbton hergerichtet werden. Beide Gebäude begrenzen den künftigen „Archäologischen Platz“. Seine Gestaltung berücksichtigt die Fußwegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Am Winterhafen und die Oberstadt. Davon abgesetzt, wird es an den mächtigen Platanen einen ruhigeren Bereich geben, der zum Verweilen einlädt.

30 Prozent der Gewerke an heimische Firmen

Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB, der die Veranstaltung eröffnet und über den guten bisherigen Bauverlauf berichtet hatte, erklärte, dass „wir nun zeitnah nach der Grundsteinlegung in diesem Frühjahr bereits mit den Rohbauarbeiten starten können“. Bislang seien bereits ein Drittel der gesamten Bauleistungen beauftragt. Aufgrund der gewerkeweisen Ausschreibungsverfahren könnten sich auch heimische Firmen beteiligen. „So gingen von den bereits beauftragten Leistungen rund 30 Prozent an rheinland-pfälzische Unternehmen.“, so Basten. Der LBB-Geschäftsführer legte Pläne in die Grundstein-Box, und wünschte allen Beteiligten gutes Gelingen.

Die Box mit den symbolischen Utensilien für die Nachwelt liegt im Grundstein, der jetzt fest zugemauert wird von: (li.) Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten, Prof. Dr. Konrad Wolf, Michael Ebling, Dr. Stephan Weinberg, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Univ.-Prof. Dr. Falko Daim. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Box mit den symbolischen Utensilien für die Nachwelt liegt im Grundstein, der jetzt fest zugemauert wird von: (li.) Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten, Prof. Dr. Konrad Wolf, Michael Ebling, Dr. Stephan Weinberg, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Univ.-Prof. Dr. Falko Daim. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Impression us dem Museum für Antike Schifffahrt, anschließend bei Wein, Weg und Wurscht mit den Mainzern. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Impression us dem Museum für Antike Schifffahrt, anschließend bei Wein, Weg und Wurscht mit den Mainzern. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Ausstellungsräume des Römisch-Germanischen Zentralmuseums zum letzten Mal am 10. Juni 2017 (Nacht der Mainzer Museen) geöffnet

Zum letzten Mal ist die Sammlung des Römisch-Germanischen-Zentralmuseum im Mainzer Schloss am 10. Juni, der Nacht der Museen Mainz zu sehen. Foto: Diether v. Goddenthow
Zum letzten Mal ist die Sammlung des Römisch-Germanischen-Zentralmuseum im Mainzer Schloss am 10. Juni, der Nacht der Museen Mainz zu sehen. Foto: Diether v. Goddenthow

Zur Mainzer Museumsnacht, 10. Juni 2017, wird das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) zum letzten Mal die Pforten des Kurfürstlichen Schlosses für seine Besucherinnen und Besucher geöffnet halten. Danach bereitet sich das Leibniz Forschungsmuseum für Archäologie auf den Umzug in den Neubau (Archäologisches Zentrum Mainz) vor: Dieser wird, voraussichtlich 2020, direkt neben dem hauseigenen Museum für Antike Schiffahrt in der südlichen Altstadt eröffnet.

„Die Räumlichkeiten des RGZM im Kurfürstlichen Schloss müssen als Zwischendepot für die umfangreiche Sammlung dienen, der ehemalige Militärsaal beherbergt sogar schon die ersten Objekte. Wir öffnen diese jedoch für ein Sonderprogramm, das mit ausgewählten Veranstaltungen jedem Interessenten einen Einblick in unsere Umzugsarbeiten und in die Planung der neuen Ausstellung garantiert. Die erste Führung mit Kinderwerkstatt ist für Ende Mai angesetzt“, erläutert Professor Falko Daim, Generaldirektor des RGZM.

Derzeit noch als große Baustelle bekannt, werden die Arbeiten zum Rohbau in der Neutorstraße nach der Grundsteinlegung am Freitag, dem 05.Mai 2017, beginnen.

Doch wie zieht eine 165 Jahre alte Sammlung um? „Es bedarf einer sehr guten Planung, um die zahlreichen Objekte des Museums für den Umzug vorzubereiten. Dafür ist eine hausinterne Umzugsgruppe zusammengestellt worden, die aus Kuratoren, Restauratoren, Archivaren und Fachkräften für Arbeitssicherheit besteht“, erklärt Koordinator Dr. Christian Miks. Die Bedeutung der heute rund 200.000 Objekte liegt schon in der Gründung des RGZM im Jahre 1852: Damals war es ein erklärtes Ziel, in Mainz eine zentrale Referenzsammlung bedeutendster und aussagekräftigster archäologischer Fundobjekte zu etablieren.

Nach dem Umzug wird das RGZM auf einer Fläche von gesamt 14.500 Quadratmetern für die Forschungseinrichtung mit den Restaurierungswerkstätten und der stetig wachsenden Bibliothek Raum finden. Die Sammlung des Hauses wird in einer neuen Dauerausstellung und in wechselnden Sonderausstellungen für die Besucherinnen und Besucher wieder zugänglich sein.

Wer nicht warten möchte, kann bis Anfang Juni. letztmalig am 10. Juni 2017 während der Nacht der Museen,  noch die aktuelle Sonderausstellung „Codes der Macht. Mit 16 auf den Thron“ besuchen. Die Ausstellung zeigt Forschungsergebnisse zum Grab des fränkischen Königs Childerich und die darin verborgenen „Codes der Macht“

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Wurfkugeln als mögliche Fundamentsteine – Mittelaltermauern bei Bauarbeiten des Archologischen Zentrums Mainz entdeckt

Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann.  Foto: © massow-picture
Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann. Foto: © massow-picture

Mittelalterfundamente in der Baugrube des neuen Archäologischen Zentrums Mainz neben dem Römer-Schiffmuseum an der Neutorstrasse 1 in Mainz geben interessante neue Einblicke.

„Wir wussten von Anfang an, dass wir hier mitten in die Mainzer Festungsgeschichte vorstoßen werden“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie in Mainz, mitten im Grabungsfeld zwischen Neutorstraße und Rheinstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Antike Schifffahrt.

Thomas Metz, General-Direktor  Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz begrüßt Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und links Oberbürgermeister Michael Ebling. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz, General-Direktor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (m.) begrüßt bei der Ortsbesichtigung der Baustelle des AZM Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und Oberbürgermeister Michael Ebling.(li) Foto:  © massow-picture

Die rheinland-pfälzische Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen zeigte sich in jedem Fall beeindruckt, als sie sich vor Ort über die Ausgrabungsarbeiten informierte: „Wir leben in Mainz auf geschichtsträchtigem Boden und sind doch immer wieder überrascht, was wir für Schätze und damit neue Erkenntnisse bergen können.“ Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling nutzte die Gelegenheit für eine Stippvisite: „Wenn sich Geschichte wie hier bei den Ausgrabungsarbeiten buchstäblich begreifen lässt, rückt sie viele stadthistorische Ereignisse noch einmal ganz anders ins Bewusstsein. Und die Zitadelle mit ihren Bastionen und Festungsmauern ist ein bedeutendes Kapitel unserer Stadtgeschichte.“

Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

Rede und Antwort standen neben der Landesarchäologin Witteyer auch der Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), Holger Basten, und Generaldirektor Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE).

Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben  an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture
Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture

Seit November 2015 dauern nun schon die Grabungsarbeiten an. Inzwischen wurde mit einer Tiefe von rund 2,50 Meter die erste Ebene der Baugrube erreicht und damit präsentiert sich vor Ort ein spezifischer archäologischer Befund, der nur kurze Zeit sichtbar sein wird. „Wir haben Funde vom Spätmittelalter über den Barock bis in die Neuzeit“, so Witteyer. Erwartungsgemäß ist man auf die Reste der Bastion Catharina gestoßen, die später Teil der Bundesfestung war und nach der Zitadelle zum ersten Festungsring um Mainz gehörte und gemeinsam mit der Bastion Nikolaus in unmittelbarer Nähe zum Rheinufer lag. Sichtbar sind derzeit verschiedene Phasen der Festungszeit, man sieht Teile des alten und des wiederaufgebauten Neutors aus dem 17. Jahrhundert.

Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture
Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture

Ebenso die dicken Eskarpen-Mauern der alten Bastion und die neuere Mauer mit deutlich dünneren Wänden. Unmittelbar darüber sind Teile einer Wasserleitung aus dem 19. Jahrhundert zu erkennen.

 

Interessanterweise stimmen vorliegende Pläne aus den unterschiedlichen Epochen nicht immer mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort überein. „Man weiß einerseits nicht, zu welcher Zeit die Pläne entstanden sind und ob nachträglich noch Änderungen vorgenommen wurden“, so Witteyer, oder ob Pläne sogar absichtlich geändert wurden, um etwaige Feinde, denen die so gefälschten Pläne in die Finger kommen könnten, damit zu täuschen.

Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture
Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture

Rätselhaft ist bislang ein Architekturfund im Anliegerhof zum Museum für antike Schifffahrt. „Wir können derzeit weder die Architektur deuten, noch die im Umfeld herumliegenden Pflaster“, erklärt Witteyer, mysteriös erscheint auch ein Platz oder Garten mit systematisch aufgestellten Steinkugeln. Die Kugeln stammen von einer Blide, einer mittelalterlichen Steinwurfmaschine.

Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

 

Die Gesamtsituation der archäologischen Fundstelle ist allerdings nur vorübergehend. „Was wir hier machen, ist keine Grabung, die reinen Forschungszwecken dient“, erklärt dazu Generaldirektor Thomas Metz, „sondern eine normale archäologische Ausgrabung, die durch eine Baumaßnahme ausgelöst wurde.“ So gesehen, kann man auch nur in den jeweiligen Bauschritten und Bautiefen archäologisch tätig werden.

In Kürze soll nun ein circa acht Meter breiter Schotterwegstreifen angelegt werden, auf dem ein spezielles Baugerät fahren kann. Damit werden die Bohrpfähle, welche die Baugrube dicht umschließen, nach außen verankert. Die Bohrpfahlwand fungiert als Schalung, damit kein Grundwasser in die Baugrube eindringen kann.

Anschließend wird die Baustelle bis zur Baugrubensohle auf 4,50 bis sieben Meter ausgehoben. Dabei sind durchaus weitere archäologische Befunde zu erwarten. Bis in römische Schichten wird man dabei allerdings voraussichtlich nicht vorstoßen, die liegen noch einige Meter tiefer.

Hoch interessant und noch nicht einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture
Hoch interessant und noch nicht eindeutig einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture

Der Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, Holger Basten, hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „In der Baugrube und drumherum gibt es kein Nacheinander der Prozesse, es ist immer ein Miteinander“, betonte Holger Basten. „Planer, Archäologen, die beauftragten Unternehmen, die Betreiber von Leitungsnetzen, das RGZM als künftiger Nutzer und das AZM-Team der Mainzer LBB-Niederlassung, sie alle stimmen sich ständig ab und ziehen an einem Strang, damit hier auf buchstäblich historischem Grund das neue Zentrum für die Archäologie in Mainz entsteht.“ Beispielsweise werden bei weiter laufenden archäologischen Untersuchungen demnächst Entwässerungs- und Fernwärmeleitungen verlegt, um die Entwässerung des Baugrundstücks zukünftig sicherzustellen und AZM, Römerschiffmuseum und Neutorschule an das Fernwärmenetz des Heizkraftwerks Mainz anzuschließen.

Im Anschluss an die archäologischen Grabungen, die voraussichtlich Ende Februar 2017 abgeschlossen sind, beginnen die Rohbauarbeiten mit Gründungsarbeiten und der Herstellung der Betonfundamente. Im weiteren Verlauf werden sich alle Beteiligten bemühen, die Ausschreibungen und Bauabläufe so zu koordinieren, dass der bauliche Fertigstellungstermin Ende 2019 erreicht werden kann. Geplant ist die Übergabe an das RGZM Anfang 2020. Der Umzug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) wird in Eigenregie koordiniert.

Für den Neubau wurden im Mai 2015 vom Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages Gesamtbaukosten in Höhe von rund 51,4 Mio. Euro, einschließlich des neu in die Planung aufgenommenen Platzes genehmigt. Hiervon tragen die Stadt Mainz einen Anteil von 10,0 Mio. Euro, der Bund voraussichtlich einen Anteil von 14,9 Mio. Euro und das Land finanziert ca. 26,5 Mio. Euro.