Kategorie-Archiv: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

Wurfkugeln als mögliche Fundamentsteine – Mittelaltermauern bei Bauarbeiten des Archologischen Zentrums Mainz entdeckt

Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann.  Foto: © massow-picture
Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann. Foto: © massow-picture

Mittelalterfundamente in der Baugrube des neuen Archäologischen Zentrums Mainz neben dem Römer-Schiffmuseum an der Neutorstrasse 1 in Mainz geben interessante neue Einblicke.

„Wir wussten von Anfang an, dass wir hier mitten in die Mainzer Festungsgeschichte vorstoßen werden“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie in Mainz, mitten im Grabungsfeld zwischen Neutorstraße und Rheinstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Antike Schifffahrt.

Thomas Metz, General-Direktor  Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz begrüßt Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und links Oberbürgermeister Michael Ebling. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz, General-Direktor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (m.) begrüßt bei der Ortsbesichtigung der Baustelle des AZM Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und Oberbürgermeister Michael Ebling.(li) Foto:  © massow-picture

Die rheinland-pfälzische Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen zeigte sich in jedem Fall beeindruckt, als sie sich vor Ort über die Ausgrabungsarbeiten informierte: „Wir leben in Mainz auf geschichtsträchtigem Boden und sind doch immer wieder überrascht, was wir für Schätze und damit neue Erkenntnisse bergen können.“ Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling nutzte die Gelegenheit für eine Stippvisite: „Wenn sich Geschichte wie hier bei den Ausgrabungsarbeiten buchstäblich begreifen lässt, rückt sie viele stadthistorische Ereignisse noch einmal ganz anders ins Bewusstsein. Und die Zitadelle mit ihren Bastionen und Festungsmauern ist ein bedeutendes Kapitel unserer Stadtgeschichte.“

Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

Rede und Antwort standen neben der Landesarchäologin Witteyer auch der Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), Holger Basten, und Generaldirektor Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE).

Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben  an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture
Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture

Seit November 2015 dauern nun schon die Grabungsarbeiten an. Inzwischen wurde mit einer Tiefe von rund 2,50 Meter die erste Ebene der Baugrube erreicht und damit präsentiert sich vor Ort ein spezifischer archäologischer Befund, der nur kurze Zeit sichtbar sein wird. „Wir haben Funde vom Spätmittelalter über den Barock bis in die Neuzeit“, so Witteyer. Erwartungsgemäß ist man auf die Reste der Bastion Catharina gestoßen, die später Teil der Bundesfestung war und nach der Zitadelle zum ersten Festungsring um Mainz gehörte und gemeinsam mit der Bastion Nikolaus in unmittelbarer Nähe zum Rheinufer lag. Sichtbar sind derzeit verschiedene Phasen der Festungszeit, man sieht Teile des alten und des wiederaufgebauten Neutors aus dem 17. Jahrhundert.

Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture
Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture

Ebenso die dicken Eskarpen-Mauern der alten Bastion und die neuere Mauer mit deutlich dünneren Wänden. Unmittelbar darüber sind Teile einer Wasserleitung aus dem 19. Jahrhundert zu erkennen.

 

Interessanterweise stimmen vorliegende Pläne aus den unterschiedlichen Epochen nicht immer mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort überein. „Man weiß einerseits nicht, zu welcher Zeit die Pläne entstanden sind und ob nachträglich noch Änderungen vorgenommen wurden“, so Witteyer, oder ob Pläne sogar absichtlich geändert wurden, um etwaige Feinde, denen die so gefälschten Pläne in die Finger kommen könnten, damit zu täuschen.

Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture
Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture

Rätselhaft ist bislang ein Architekturfund im Anliegerhof zum Museum für antike Schifffahrt. „Wir können derzeit weder die Architektur deuten, noch die im Umfeld herumliegenden Pflaster“, erklärt Witteyer, mysteriös erscheint auch ein Platz oder Garten mit systematisch aufgestellten Steinkugeln. Die Kugeln stammen von einer Blide, einer mittelalterlichen Steinwurfmaschine.

Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

 

Die Gesamtsituation der archäologischen Fundstelle ist allerdings nur vorübergehend. „Was wir hier machen, ist keine Grabung, die reinen Forschungszwecken dient“, erklärt dazu Generaldirektor Thomas Metz, „sondern eine normale archäologische Ausgrabung, die durch eine Baumaßnahme ausgelöst wurde.“ So gesehen, kann man auch nur in den jeweiligen Bauschritten und Bautiefen archäologisch tätig werden.

In Kürze soll nun ein circa acht Meter breiter Schotterwegstreifen angelegt werden, auf dem ein spezielles Baugerät fahren kann. Damit werden die Bohrpfähle, welche die Baugrube dicht umschließen, nach außen verankert. Die Bohrpfahlwand fungiert als Schalung, damit kein Grundwasser in die Baugrube eindringen kann.

Anschließend wird die Baustelle bis zur Baugrubensohle auf 4,50 bis sieben Meter ausgehoben. Dabei sind durchaus weitere archäologische Befunde zu erwarten. Bis in römische Schichten wird man dabei allerdings voraussichtlich nicht vorstoßen, die liegen noch einige Meter tiefer.

Hoch interessant und noch nicht einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture
Hoch interessant und noch nicht eindeutig einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture

Der Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, Holger Basten, hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „In der Baugrube und drumherum gibt es kein Nacheinander der Prozesse, es ist immer ein Miteinander“, betonte Holger Basten. „Planer, Archäologen, die beauftragten Unternehmen, die Betreiber von Leitungsnetzen, das RGZM als künftiger Nutzer und das AZM-Team der Mainzer LBB-Niederlassung, sie alle stimmen sich ständig ab und ziehen an einem Strang, damit hier auf buchstäblich historischem Grund das neue Zentrum für die Archäologie in Mainz entsteht.“ Beispielsweise werden bei weiter laufenden archäologischen Untersuchungen demnächst Entwässerungs- und Fernwärmeleitungen verlegt, um die Entwässerung des Baugrundstücks zukünftig sicherzustellen und AZM, Römerschiffmuseum und Neutorschule an das Fernwärmenetz des Heizkraftwerks Mainz anzuschließen.

Im Anschluss an die archäologischen Grabungen, die voraussichtlich Ende Februar 2017 abgeschlossen sind, beginnen die Rohbauarbeiten mit Gründungsarbeiten und der Herstellung der Betonfundamente. Im weiteren Verlauf werden sich alle Beteiligten bemühen, die Ausschreibungen und Bauabläufe so zu koordinieren, dass der bauliche Fertigstellungstermin Ende 2019 erreicht werden kann. Geplant ist die Übergabe an das RGZM Anfang 2020. Der Umzug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) wird in Eigenregie koordiniert.

Für den Neubau wurden im Mai 2015 vom Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages Gesamtbaukosten in Höhe von rund 51,4 Mio. Euro, einschließlich des neu in die Planung aufgenommenen Platzes genehmigt. Hiervon tragen die Stadt Mainz einen Anteil von 10,0 Mio. Euro, der Bund voraussichtlich einen Anteil von 14,9 Mio. Euro und das Land finanziert ca. 26,5 Mio. Euro.

SIEBEN MUSEEN – EIN FEST – Museumspädagogen laden am 3. Juli 2016 zu großem Sommerfest

Pressebild_160616.jppKunst auf spielerische Art zu erkunden: Dazu laden die Mainzer Museen und das Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim am Sonntag, dem 3. Juli, von 14 bis 17 Uhr ein. Für das große Sommerfest vor und in der Kunsthalle Mainz haben sich die Museumspädagogen der einzelnen Häuser zusammengetan und sich für Groß und Klein ein buntes Programm ausgedacht, das alle anregt, miteinander genau zu schauen, zu basteln, zu schreiben und mitzumachen.

So kann man am Stand des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums erfahren, was sich alles aus Seife schnitzen lässt, das Gutenberg-Museum kommt mit seiner kreativen Druck- und Mitmachwerkstatt, die Schönheit mittelalterlicher Initialen vermittelt das Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim, mit dem Landesmuseum ist man bei Pendelführungen mit offenen Augen unterwegs, das Naturhistorische Museum zeigt Modelle von Lurchen, Molchen und Co. und gestaltet Frösche, am Stand des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gibt es den ultimativen Herrschersitz und der Gastgeber, die Kunsthalle Mainz, präsentiert das Projekt „Kunst ganz nah“ mit 8- bis 11-jährigen Kunstexperten und anderes mehr. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Ort:
Vor und in der Kunsthalle Mainz

„Was von uns bleibt“ – RGZM eröffnet Sonderausstellung mit Videokünstlerin Sarah Mock

Collage aus diversen S/W-Fotografien, Papier, Metall, Glas, Plastik, Zeichnungen © massow-picture
Collage aus diversen S/W-Fotografien, Papier, Metall, Glas, Plastik, Zeichnungen © massow-picture

Mainz. »PHASO. Was von uns bleibt« ist der Titel der Sonderausstellung, die ab dem 7. April im Kurfürstlichen Schloss zu sehen ist. Unter der Teilnahme des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Mainz wurde die Ausstellung am Vorabend feierlich eröffnet. Die Videokünstlerin Sarah Mock setzt ihre künstlerische Perspektive der Wissenschaft gegenüber: Ihre Arbeiten zum Thema der Archäologie sind noch bis zum 17. Juli 2016 im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) zu sehen. Mit der Ausstellung einer Gegenwartskünstlerin erprobt das RGZM, inwieweit andere als die rein wissenschaftliche Perspektive andere Zugänge zur Archäologie schaffen und neue Zielgruppen erschließen kann.

vli.:Prof. Dr.Falko Daim, Leiter des RGZM, Sarah Mock, Künstlerin und Michael Ebling, Oberbürgermeister von Mainz beim Rundgang durch die Ausstellung. © massow-picture
vli.:Prof. Dr.Falko Daim, Leiter des RGZM, Sarah Mock, Künstlerin und Michael Ebling, Oberbürgermeister von Mainz beim Rundgang durch die Ausstellung. © massow-picture

Die Idee zur Kooperation zwischen dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum und der Künstlerin Sarah Mock entstand unter dem Gesichtspunkt Perspektiven der Kunst und Wissenschaft gegenüberzustellen. „Im Grunde ist es eine Versuchsanordnung. Wir möchten testen, inwieweit sich andere Ausstellungen als rein wissenschaftliche dafür eignen, den Besuchern archäologische Methoden nahezubringen und ihnen Lust auf Archäologie zu machen. Im Idealfall sollten die Besucher anders aus der Ausstellung herauskommen, als sie reingekommen sind“, erklärt Professor Falko Daim, Generaldirektor des RGZM und gleichzeitig Ideengeber zur Kooperation der Sonderausstellung. Oberbürgermeister Michael Ebling eröffnete die Ausstellung mit den Worten: „Mit „PHASO. Was von uns bleibt“ wagt sich das RGZM auf ungewohntes Terrain: weg vom Betrachten und Interpretieren realer Dinge, weg von der reinen Vernunft, und hin zum Surrealen, Bedrohlichen und Phantastischen, hin zu einer Welt voller Rätsel und Absurditäten.“

Die Sonderausstellung »PHASO. Was von uns bleibt« basiert auf dem Gedanken der Zeit nach der menschlichen Zivilisation. In einer fernen Zeit, nachdem die Menschheit seit Jahrhunderten ausgestorben ist, werden die Forschungsergebnisse der fiktiven Post-Human Archaeological Studies Organisation (PHASO) einer intelligenten nachmenschlichen Weltbevölkerung präsentiert. PHASO definiert sich folgendermaßen: „PHASO is a non-profit association to administrate the open source collection of evidences for the former life of human beings on the planet earth“.

Eine Collage aus verschiedenen Videoarbeiten, Graphiken und Objekten enthüllt die nach und nach gewachsen Erkenntnis der PHASO Wissenschaftler, dass es auch vor ihnen schon intelligentes Leben gegeben haben muss. Kurz vor ihrem Untergang in einer Flut  entfremdete sich die Menschheit zunehmend von der Natur.

Post-Human Archaeological Studies Machine "Der Krieg" beschäftigt sich mit der kriegerischen Selbstausrottung des Menschen sowie mit dessen Wirkung auf das Individuum. Einige uralte Medienfragmente der Menschen, die Bild und Ton enthalten, wurden in der versunkenden Wüstenstadt entdeckt und konnten restauriert werden. Sie überliefern erschreckende Zeugnisse darüber, wie sich die Menschheit immer wieder selbst ihrer Lebensgrundlage beraubt und ihre eigenen Individuen vernichtet hat. © massow-picture
Post-Human Archaeological Studies Machine „Der Krieg“ beschäftigt sich mit der kriegerischen Selbstausrottung des Menschen sowie mit dessen Wirkung auf das Individuum. Einige uralte Medienfragmente der Menschen, die Bild und Ton enthalten, wurden in der versunkenden Wüstenstadt entdeckt und konnten restauriert werden. Sie überliefern erschreckende Zeugnisse darüber, wie sich die Menschheit immer wieder selbst ihrer Lebensgrundlage beraubt und ihre eigenen Individuen vernichtet hat. © massow-picture

Die „Funde“, die PHASO gemacht hat, zeigen, dass die Menschen immer mehr in organisches Leben eingriffen und dabei Natürliches durch Künstliches optimierten und ersetzten. Die Abgrenzung dieser beiden Kategorien voneinander wurde brüchig. Zentrales Ausstellungsstück der PHASO- Ausstellung ist ein „archäologischer Fund“, die „Golden Record“. Auf diesem ist ein Video (The Deluge/ 대홍수/ Die Flut) wiederzufinden. Es handelt sich um Videomaterial, das der letzte Protagonist auf der Erde zur Erinnerung an die Menschheit und die Geschichte ihres Untergangs bewahrt hat, ähnlich der Voyager Golden Record, die 1977 ins All geschossen wurde.

Sarah Mock

Sarah Mock mit dem Begleitband ihrer Ausstellung © massow-picture
Sarah Mock mit dem Begleitband ihrer Ausstellung © massow-picture

geboren 1984 in Worms, ist preisgekrönte Videokünstlerin und Bildhauerin. Sie hat in Mainz, Kassel und Berlin studiert. Für die Arbeit am PHASO-Projekt hat sie eine Künstlerresidenz in Seoul verbracht und ein DAAD-Reisestipendium erhalten sowie am Anthropozän-Projekt des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin teilgenommen. Für die Vorbereitung der Ausstellung hat sie ein Stipendium der Sparkasse Mainz erhalten.

Interventionen im RGZM

Im Hinblick auf den Museumsneubau und den Umzug in das Archäologische Zentrum (AZM) in Mainz experimentiert das RGZM mit Besucherinnen und Besuchern neue Vermittlungsformate. Probeaufbauten sollen neue Perspektiven auf Altbekanntes öffnen und werden als »Interventionen« in die bestehenden Ausstellungen integriert. Die Eröffnung zur Dauerausstellung »Codes der Macht – Mit 16 auf den Thron« im November 2015 machte den Anfang, Archäologie und die damit verbundene Arbeit des RGZM neuen Zielgruppen zugänglich zu machen. Die Besonderheit der Ausstellung ist die Einbindung in eine multimediale Kampagne, in der die Geschichte der Machtübernahme des späteren Frankenkönigs Chlodwigs in der Medienwelt der Gegenwart erzählt wird.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM)

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) richtet seine Forschung derzeit neu aus. Der Beitrag, den archäologische Forschung mit ihrem weit zurück reichenden Blick für die Bearbeitung und Bewältigung von Problemstellungen des gegenwärtigen Menschen leisten kann, wird zukünftig noch mehr im Fokus seiner wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung stehen. Die Kompetenzen des RGZM liegen u.a. im Zusammenspiel von Restaurierung, Archäometrie, experimenteller und antiquarischer Archäologie. Die Forschungen erfolgen in einem internationalen und interdisziplinären Netzwerk. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

Archäologisches Zentrum Mainz: Erster Spatenstich

(bia) Rund 2000 Jahre ist die Stadt Mainz alt, und da überrascht es fast, dass die Rückbesinnung auf die Anfänge der Stadtgeschichte erst in den vergangenen Jahren stattfand.

Die Stadt verdankt diese Rückbesinnung und damit das Wieder-erblühen des „römischen Mainz“ in nicht unerheblichem Maße der „Initiative Römisches Mainz“ und ihren vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Daran erinnerte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling heute beim Spatenstich des geplanten Archäologischen Zentrums. Das international renommierte Römisch-Germanische Zentralmuseum soll das Kurfürstliche Schloss verlassen und bekommt mit seinen bedeutenden Sammlungen eine neue, glanzvolle Heimstatt mitten in der Landeshauptstadt.

Das künftige Archäologische Zentrum in Mainz ist eine außerordentlich bedeutende Kulturinvestition in die Landeshauptstadt und in das Land Rheinland-Pfalz insgesamt. Michael Ebling: „Damit erhält auch die römische Gründungsepoche der Mainzer Geschichte ein neues Zuhause, eine Epoche, die den Mainzerinnen und Mainzern besonders am Herzen liegt und die mit Drususstein, Amphitheater und Römerschiff-Museum im unmittelbaren Umfeld des künftigen Hauses deutliche Spuren hinterlassen hat. Das Museum leistet einen wichtigen Beitrag zum Bewahren und Verstehen der Vergangenheit und diesen Beitrag wird das Archäologische Zentrum Mainz künftig noch öffentlichkeitswirksamer erbringen können, als es das Römisch-Germanische Zentralmuseum im Schatten des Schlosses schon heute tut“.

Einen Schatz bewahrt haben die engagierten Bürge¬rinnen und Bürger der „Initiative Neutorschule“, erinnert Bau-, Kultur- und Denkmalschutzdezernentin Marianne Grosse. Der Initiative sei der Erhalt der denkmalgeschützten Schule zu verdanken, die jetzt Teil des neuen Archäologischen Zentrums werden soll. Auch architektonisch verbinde sich damit Historisches und Modernes, Vergangenheit und Gegenwart an ein und demselben Standort, freut sich Marianne Grosse und fügt hinzu: „Was könnte besser zu einer geschichtsträchtigen und zugleich modernen Stadt wie Mainz passen?“

Am südlichen Ende der Altstadt entsteht ab heute ein neuer Anziehungspunkt für Mainzerinnen und Mainzer und für Touristen aus aller Welt. „Hier eröffnen sich mit dem Umzug des RGZM neue Zukunfts¬perspektiven für auch für das Kurfürstliche Schloss. Und nicht zuletzt erfährt von hier aus auch der Universitäts- und Wissenschaftsstandort Mainz eine neue, ungeahnte Schubkraft“, beschreibt der Oberbürgermeister die Chancen, die sich auf diese Weise eröffnen. „Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz stemmt mit dem Archäologischen Zentrum ein Kulturprojekt erster Güte und erhebt unsere Stadt damit einmal mehr zu einem würdigen Mitspieler im Kreise der bedeutenden Museumsstandorte in Rhein-Main und der Republik“, so der OB abschließend.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum

Römisch-Germanisches-Zentralmuseum
© massow-picture

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Forschungsinstitut für Archäologie
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) ist eine international tätige Forschungseinrichtung für Archäologie. Auf der Grundlage aller verfügbaren Quellen erforschen wir den Menschen in seinem natürlichen und kulturellen Umfeld, von Beginn der Menschheit bis in das Mittelalter.
Im Jahre 1852 gegründet, ist das RGZM seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Mainz und weiteren Standorten in Mayen und Neuwied (Rheinland-Pfalz). Träger der Stiftung sind das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz. Seit 1977 wird das RGZM von Bund und Ländern gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz finanziert, seit 2002 ist es Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Als Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft ist das RGZM zugleich ein Ort der Wissenschaft und des Dialoges mit der Öffentlichkeit: Moderne Forschung und Bildungsauftrag sind hier eng miteinander verbunden.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.
montags geschlossen
Eintritt
Der Eintritt zu allen Dauerausstellungen des RGZM in Mainz ist frei.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz
T: +49 (0) 6131 – 9124 0
F: +49 (0) 6131 – 9124 199
E-Mail: service@rgzm.de