Kategorie-Archiv: Rathaus Wiesbaden

Empfang für Wiesbadens Ehrenbürger Dr. Jörg Jordan zum 80. Ohne ihn gäbe es weder Bergkirchen- noch Villen-Viertel Ost

Empfang zum 80. Geburtstag von Ehrenbürger Dr. Jörg Jordan. Er war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von 1968 bis 1973 und Stadtentwicklungsdezernent von 1973 bis 1979. Unter seiner Ägide wurden viele wichtige Bauvorhaben in Wiesbaden verwirklicht, wie das Thermalbad, die Hauptkläranlage, der Komplex Palasthotel, die Restaurierung der Villa Clementine und des Hessischen Staatstheaters.© Foto: Diether v Goddenthow
Empfang zum 80. Geburtstag von Ehrenbürger Dr. Jörg Jordan. Er war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von 1968 bis 1973 und Stadtentwicklungsdezernent von 1973 bis 1979. Unter seiner Ägide wurden viele wichtige Bauvorhaben in Wiesbaden verwirklicht, wie das Thermalbad, die Hauptkläranlage, der Komplex Palasthotel, die Restaurierung der Villa Clementine und des Hessischen Staatstheaters.© Foto: Diether v Goddenthow

Die Landeshauptstadt Wiesbaden hatte anlässlich des 80. Geburtstages des Wiesbadener Ehrenbürgers Dr. Jörg Jordan zu einem Empfang in den Festsaal des Wiesbadener Rathauses eingeladen.

„Jörg Jordan startete seine berufliche Karriere nach erfolgreichem zweitem juristischem Staatsexamen 1968 als Regierungsassessor beim Finanzamt Wiesbaden. Im gleichen Jahr wurde er für die SPD in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Er zählte dort zu den ‚jungen Wilden‘ und setzte sich an die Spitze der Protestbewegung, die in den 60er- und 70er-Jahren erfolgreich die Zerstörung des Bergkirchenviertels und der City Ost verhinderten“, sagte Bürgermeister Dr. Oliver Franz in seiner Laudatio.

Damals galt es, einer bis dahin nahezu ungebremsten Abrisswut Einhalt zu gebieten. Die inzwischen abgerissene Hochbrücke von der Coulinstraße zur Schwalbacher Straße habe lange Jahre Zeugnis gegeben von diesem städtebaulichen Irrsinn. „Dieses Engagement hinterließ einen so nachhaltigen Eindruck, dass Jörg Jordan 1973 das Amt des Stadtentwicklungs- und Baudezernenten der Landeshauptstadt Wiesbaden angetragen wurde“, so Dr. Franz. In seiner Amtszeit habe Jordan viele wichtige Bauvorhaben verwirklichen können, etwa das Thermalbad, die Hauptkläranlage, den Komplex Palasthotel, auch viele Bürgerzentren, Kindertagesstätten und vieles mehr. Ebenso zu nennen seien die Restaurierung der Villa Clementine und des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Und die heutige Fußgängerzone inklusive dem autofreien Schlossplatz sei ebenfalls sein Werk. „Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass das heutige attraktive Erscheinungsbild unserer Stadt ganz entscheidend Jörg Jordans Verdienst ist“, würdigte der Bürgermeister die Verdienste des Jubilars. Und weiter: „Mich persönlich fasziniert an der Vita des Jubilars am meisten, dass sich Jörg Jordan nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben im zarten Alter von 65 Jahren entschied, ein Studium der Mittleren und Neueren Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt zu beginnen und dieses dann auch erfolgreich mit einer Dissertation und dem Titel des Doktors der Philosophie abzuschließen.“

Neben Bürgermeister Dr. Oliver Franz sprachen Stadtältester und Oberbürgermeister a.D. Achim Exner sowie Gernot Grumbach, stellvertretender Landesvorsitzender der SPD. Musikalisch umrahmt wurde der Empfang von der Musik- und Kunstschule Wiesbaden.

Dr. Jörg Jordan wurde am 30. September 1939 in Zwickau geboren. Er legte 1958 sein Abitur in Bad-Sooden-Allendorf ab und begann danach ein Jurastudium in Göttingen und Frankfurt. Neben seinem kommunalpolitischen Wirken – zunächst als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von 1968 bis 1973 und als Stadtentwicklungsdezernent in den Jahren 1973 bis 1979 – setzte Jörg Jordan von 1980 bis 1987 markante landespolitische Akzente, zunächst als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Landesentwicklung, Umwelt, Landwirtschaft und Forsten und von 1991 bis 1995 als Hessischer Minister für Landesentwicklung, Wohnen, Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz. Dr. Jörg Jordan wurde Ehrenbürger der Landeshauptstadt Wiesbaden durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom September 2006.

Hervorzuheben ist sein ehrenamtliches Engagement in vielen Naturschutzverbänden, in der Eine-Welt-Bewegung, im Förderverein des Tierparks Fasanerie und dem Verein zur Förderung des Stadtarchivs Wiesbaden

„Die Weiße Stadt“ Tel Aviv – Bauhaus-Ausstellung zum Internationalen Stil zur Eröffnung der Tarbut-Kulturtage in Wiesbadener Rathaus

Am Dienstag, 3. September, fand die Auftaktveranstaltung zur Tarbut-Reihe im Foyer des Rathauses statt. Bei dieser wurde auch die Ausstellung "Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der 'Weißen Stadt'" eröffnet, die bis zum 16. September dort zu sehen ist.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Am Dienstag, 3. September, fand die Auftaktveranstaltung zur Tarbut-Reihe im Foyer des Rathauses statt. Bei dieser wurde auch die Ausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der ‚Weißen Stadt'“ eröffnet, die bis zum 16. September dort zu sehen ist.© Foto: Diether v Goddenthow

Am 3. September 2019 eröffneten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, Dr. Jacob Gutmark, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, und Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, mit der Auftakt-Vernissage der Ausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der ‚Weißen Stadt'“ im Foyer des Wiesbadener Rathauses die Tarbut-Reihe „Zeit für jüdische Kultur“, die mit zahlreichen Veranstaltungen noch bis zum 15. Dezember 2019 geht. Die Veranstaltung wurde musikalisch vom Ensemble „diX & mit Lesungen von Christiane Nothofer“ begleitet.

Programmschwerpunkte sind u.a.:
die Ausstellung „Die Weiße Stadt“
Filmreihe im Caligari
Lesung
Tag der offenen Tür in der Synagoge
Zwischenfall in Vichy
Jewish Monkeys
Trio Cannelle
Chanson-Abend mit Youkalí
Asamblea Mediterranea – Musik der Sepharden – umfangreiche

Rathaus-Foyer: "Die Weiße Stadt" ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Rathaus-Foyer: „Die Weiße Stadt“ © Foto: Diether v Goddenthow

Weniger bekannt ist, dass in keiner Stadt der Welt so viele  Bauhaus-Bauten stehen wie in Tel Aviv,  der jungen israelischen Metropole, die, wörtlich übersetzt, „Frühlingshügel“ heißt. Das hat mit ihrer Geschichte als Zufluchts- und Sehnsuchtsort für die weltweit, insbesondere in Nazi-Deutschland, verfolgter Juden zu tun.  Nachdem die NAZIS 1933 Bauhaus geschlossen hatten und viele Bauhäusler, darunter auch zahlreiche renommierte Architekten jüdischer Abstammung, emigrieren mussten, verbreiteten sich die Bauhaus-Ideen weltweit. Allein in  Tel Aviv  errichteten sie in den 1920er- bis  1940er-Jahre  über 4000 Gebäude nach der Philosophie der Bauhaus-Bewegung: Ausgewogenheit statt Symmetrie. Form folgt Funktion. Lebensqualität statt Statusschnörkel. In Israel  verschmolzen die Einflüsse der Bauhaus-Architektur jedoch mit mediterranen Formen, was sich  vielleicht in einer  etwas größeren Leichtigkeit dortiger Wohn- und Wirtschaftsgebäude und der zum  Flanieren einladenden kleinen Boulevards in den Vierteln zeigt, ganz anders als die spätere mitteleuropäische (Nachkriegs)-Entwicklung mit gewaltigen Scheibenhochhäusern, brutalistischen Gebäudekomplexen und einfallslosen Schachtel-Bauweisen.

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Tel Aviv gilt deshalb als „Weiße Stadt am Mittelmeer“ als Unesco-Weltkulturerbe. Dabei sind die meisten der Bauhäuser längst grau statt weiß. Ihr Zustand ist oft schlecht.  Nach rund 80 Jahren sind die Häuser der „Weissen Stadt“ baufällig und es besteht ein Bedarf nach flächendeckender Sanierung. Der Putz bröckelt von den Fassaden und bei einigen wurden die ikonischen Balkone sogar mit Plastikwänden zu Wohnraum umfunktioniert.

Mittlerweile wurden etliche Gebäude der im Jahre 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten „Weißen Stadt“  saniert, mitunter aufgestockt, und so vor  Verfall bewahrt.
Die Ausstellung im Foyer des Rathauses  lädt die Besucher ein zu einem Stadtbummel durch die bereits restaurierten Tel Aviver Bauhäuser. Auf  Tafeln  wird eine Anzahl von Gebäuden farbig abgebildet in ihrem Zustand vor und nach der Sanierung. Sie werden knapp beschrieben, und wo möglich, auch etwas über ihre Nutzung heute gesagt.  Diese Ausstellung zeigt das enorme Potential welches die Hauptstadt der modernen Architektur am Mittelmeer birgt und lädt auch zur Diskussion der zum Teil gewagten Sanierungsprojekte ein.  Anhand dieser Ausstellung wird zudem einmal mehr gezeigt,  wie eng die deutsch-israelischen Bauhaus-Beziehungen bis heute sind.
Präsentiert wird sie mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern und der Kulturstiftung Leipzig.

Museum Reinhard Ernst – Erster Spatenstich für „Ein echtes Jahrhundertprojekt“ an Wiesbadens Wilhelmsstrasse

Modell des Museum Reinhard Ernst an der Wilhelmstrasse 1.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Modell des Museum Reinhard Ernst an der Wilhelmstrasse 1.© Foto: Diether v Goddenthow

Mit dem ersten Spatenstich startete am Freitag, 30.August 2019, der Bau des  Museum Reinhard Ernst für abstrakte Kunst in Wiesbaden. 

Es gelte weder Gegner abzuwehren, noch die eigenen Leute in Extase zu versetzen, da dies „einige von uns schon lange“ seien, scherzte Museumsstifter und Japanfreund Reinhard Ernst mit Blick auf den  Samurai-Trommel-Auftakt des Heidelberger Ensembles TAIKO bei seiner Begrüßung der rund 200 Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft . Bis 2022 soll an Wiesbadens bester Adresse, in der Wihelmstrasse 1,  ein Museums-Komplex von 8000 Quadratmetern für abstrakte Kunst als Alleinstellungsmerkmal entstehen, in dem der größte Teil der Sammlung, gut 800 Bilder und Skulpturen, des Stifter-Ehepaars Sonja und Reinhard Ernst eine neue Heimat finden wird.

Stifterehepaar Sonja und Reinhard Ernst vor dem Areal des künftigen Museums. .©  Foto: Diether  v Goddenthow
Stifterehepaar Sonja und Reinhard Ernst vor dem Areal des künftigen Museums. .© Foto: Diether v Goddenthow

Geplant sei zudem im oberen Bereich die moderne Interpretation eines japanischen Gartens, sozusagen als Reminiszenz ihrer Japanverbundenheit.
„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, wir wollen ein besonderes, ein schönes Museum bauen, in dem sich nicht nur die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen.“, unterstrich der Museumsstifter.

Mit Kunst Kreativität fördern
Das Museumsgebäude, aber auch die zu sehende abstrakte Kunst werde polarisieren, Zustimmung und Ablehnung finden. Aber damit „können wir sehr gut leben. Womit wir nicht leben können, ist der Gedanke oder sogar die Aussage: ‚Kein Mensch braucht Kunst!‘“, so Ernst. Denn Musik und Kunst förderten Kreativität, insbesondere bei Kindern. Er habe als „Unternehmer erlebt, wie wichtig es ist, kreative Mitarbeiter zu haben. In Deutschland werden wir in Zukunft Schwierigkeiten bekommen, wenn’s uns nicht gelingt, immer wieder neue Ideen zu finden, mit immer wieder neuen Ideen auf den Markt zu kommen. Der deutsche Mittelstand ist aus Ideen kreativer Menschen entstanden, und wir möchten dazu beitragen, dass diese Wirbelsäule unserer Wirtschaft erhalten bleibt, und hoffentlich noch weiter wächst.“, unterstricht Ernst. Kreativität könne man zwar nicht erlernen, jedoch fördern, „damit sie sich entwickelt und zutage tritt.“

Der Bau

Museumsstifter Reinhard Ernst: "„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, in dem sich die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen“.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Museumsstifter Reinhard Ernst: „„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, in dem sich die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen“.© Foto: Diether v Goddenthow

Gebaut wird ein Museumsgebäude von 60 Meter Länge entlang der Rheinstrasse und 45 Meter Länge entlang der Wilhelmstrasse auf dem insgesamt 5685 Quadratmeter großen Grundstück. Die Höhe des Museums werde etwa die Höhe der benachbarten Commerzbank ohne dessen Aufbau erreichen. Dazu käme im hinteren Bereich noch ein kleines, etwa 100 Quadratmeter großes einstöckiges Gebäude für die Versorgung.

Für die Umsetzung diese einzigartigen Vorhabens werden der japanische Architekt Fumihiko Maki und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros, unterstützt vom Team des Frankfurter Architekturbüros schneider + schumacher. Das renommierte Frankfurter Büro wurde unter anderem bekannt durch den Erweiterungsbau des Frankfurter Städelmuseums.
„Untergeschoss, Erdgeschoss sowie das erste und zweite Obergeschoss schaffen etwas über 8000 Quadratmeter Netto-Nutzfläche, so der Museumstifter, wobei die reine Ausstellungsfläche bei knapp 2000 Quadratmetern liegen dürfte. Aus heutiger Sicht betrügen die Baukosten über 50 Millionen Euro. Bei der Planung wurde dafür gesorgt, dass alle Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren im Museumsbau gemacht und gesammelt wurden, bei diesem Museumbau zu tragen kommen. Hierzu zählten auch, neue „Wege zu gehen, die so wenig wie möglich Erschütterungen und Lärm mit sich bringen“. Man wolle beispielsweise zugunsten einer etwas teureren neuen Methode zur Absicherung gegen Grundwasser-auf das erschütterungsstarke Einrammen von Spundwänden verzichten.

Die Heidelberger Gruppe Taiko sorgte für die entsprechende musikalische Umrahmung: "schon die Samurai hatten die Wirksamkeit der Taiko erkannt: Sie ließen die großen Trommeln vor ihren Angriffen schlagen. Das hat die Gegner mental eingeschüchtert, und die eigenen Mitstreiter in Extase versetzt. Beides haben wir natürlich heute nicht nötig. Gegner sehen wir keine, und in Extase sind einige von uns schon lange.", so Reinhard Ernst augenzwinkernd bei der Eröffnung.. © Foto: Diether v Goddenthow
Die Heidelberger Gruppe Taiko sorgte für die entsprechende musikalische Umrahmung: „schon die Samurai hatten die Wirksamkeit der Taiko erkannt: Sie ließen die großen Trommeln vor ihren Angriffen schlagen. Das hat die Gegner mental eingeschüchtert, und die eigenen Mitstreiter in Extase versetzt. Beides haben wir natürlich heute nicht nötig. Gegner sehen wir keine, und in Extase sind einige von uns schon lange.“, so Reinhard Ernst augenzwinkernd bei der Eröffnung.. © Foto: Diether v Goddenthow

Ziel: die Sammlung als Einheit erhalten
„Meine Sammlung“ so Ernst, „stellt in ihrer Gesamtheit eine bedeutende Zusammenstellung deutscher wie internationaler Nachkriegskunst dar“. So habe es zumindest Professor Christoph Zuschlag und seine Frau Dr. Kirsten Maria Limberg, Autoren des ersten Sammlungsbandes, Faszination Farbe, erschienen im Hirmer-Verlag, gutachterlich beschrieben. Eine Schenkung der mittlerweile über 800 zum Teil großformatigen Werke umfassende Sammlung an ein Museum, „würde unweigerlich dazu führen, dass man sie auseinander reißen muss“, so der Stifter. Denn kein Museum, speziell kein deutsches Museum, verfüge über die räumlichen Möglichkeiten, um die Sammlung zusammenzuhalten. „Man würde sich die Rosinen herauspicken, der Rest würde im Depot verschwinden. Die Zusammenhänge der nach dem Krieg entstandenen Künstlergruppen und deren Künstler zu zeigen, wäre nicht möglich. Jahrelanges Sammeln oder das Sammeln auch von Künstlern, die heute von der Bildfläche verschwunden sind, die aber unbedingt zu unserer Geschichte der abstrakten Kunst nach dem Krieg gehört, wären umsonst gewesen“, so Ernst. Deshalb werde das Museum Reinhard Ernst gebaut, in dem es neben der Dauerausstellung auch Wechselausstellungen anderer Werken und Sammlungen geben wird.

Zudem trage man dafür Sorge, „dass auch die Kosten für das Betreiben des Museums von unserer Stiftung getragen werden“, so Ernst. Denn es sei „nämlich nicht davon auszugehen, dass sich das Museum selbst trägt. Wir sehen das als unseren Beitrag als eine Investition in Bildung und damit in die Zukunft unserer Stadt und unseres Landes. Es freut uns sehr, dass wir diese Ideen in der Stadt, in der wir leben, und die wir lieben, umsetzen können.“

Ein echtes Jahrhundertprojekt

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, hob hervor, dass mit dem Bau des Museums Reinhard Ernst wirklich ein Traum wahr werde, nämlich für das Stifterpaar gleichfalls wie für die Landeshauptstadt, „dass dieses Projekt realisiert wird“. Mende lobte, dass der Stifter Reinhard Ernst kein Träumer, sondern ein Realist, ein Macher, ein Anpacker sei, also alles dessen verkörpere, was es eben bedürfe, „um einen solchen Traum zu realisieren. „Und sie schaffen es wirklich, einen Traum hier in Wiesbaden zu verwirklichen.“, sagte der Oberbürgermeister. Der Bau dieses neuen Kunstmuseums sei für die Stadt etwas, „dass es seit 100 Jahren nicht mehr gegeben hat. Es ist ein echtes Jahrhundertprojekt, wenn das Museum Reinhard Ernst hier in zweieinhalb Jahren seine Türen öffnen wird für eine breite Öffentlichkeit.“, so Mende, der sich zudem darüber freute, dass die breite Anwesenheit vieler Kulturschaffenden zeige, dass „Ihr Projekt etwas Verbindendes hat, und dass diese Kulturszene in Wiesbaden dahinter steht“. Der Bau des Museums sei insbesondere auch ein Ergebnis eines breiten Bürgerbeteiligungsprozesses gewesen, freute sich der Oberbürgermeister.

Gert Uwe Mende feiert den Museumsstifter Reinhard Ernst. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Gert Uwe Mende feiert den Museumsstifter Reinhard Ernst. © Foto: Diether v Goddenthow

Das neue Museum Reinhard Ernst werde sich in eine Kulturachse einreihen, die mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Kulturzentrum Schlachthof beginne, sich über das RheinMain CongressCenter, das Museum Wiesbaden, den Nassauischen Kunstverein und das Literaturhaus bis hin zum Hessischen Staatstheater und dem Kurhaus erstrecke.
Das Museum sei für Wiesbaden ein Glücksfall. Wir bekommen als Stadt einen wunderbaren Ort, ein hochattraktives Museum, was weit, weit über Wiesbaden hinausstrahlt.

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Sonja Ernst, Reinhard Ernst und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros Fumihiko Maki. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Sonja Ernst, Reinhard Ernst und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros Fumihiko Maki. © Foto: Diether v Goddenthow

 

 

Informationsveranstaltung am 9.September im Museum Wiesbaden

Das rotweißgestreifte Band markiert die später überbaute Fläche.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das rotweißgestreifte Band markiert die später überbaute Fläche. © Foto: Diether v Goddenthow

Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des japanischen Architekturbüros Fumihiko Maki, wird auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) am 9. September um 19.00 Uhr im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden die Planung des Museums Reinhard Ernst vorstellen. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.
Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden

( Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst )

MADE.Festival ergreift Wiesbaden vom 12.-14. September 2019

Aktionstheater Kassel. 1. Hauptstück: Aktionstheater Kassel Gegen den Fortschritt, Gegen die Liebe, Gegen die Demokratie.12.09.2019 20.00 Uhr SCHLACHTHOF WIESBADEN – HALLE
Aktionstheater Kassel. 1. Hauptstück: Aktionstheater Kassel Gegen den Fortschritt, Gegen die Liebe, Gegen die Demokratie.12.09.2019 20.00 Uhr
SCHLACHTHOF WIESBADEN – HALLE

Wiesbaden, MADE. bringt seit 2009 besonders sehenswerte Produktionen der Freien Darstellenden Künste in Hessen landesweit auf die Bühne, immer auf Augenhöhe mit der Zeit.

Im September 2019 feiert MADE. sein 10 jähriges Bestehen, seit die ersten Schritte – noch unter dem Label „Made in Hessen.100% Theater“ – unternommen wurden, um die hessische Theatergastspiel-Kultur durch ein biennales Festival zu neuen Früchten zu tragen. Wir freuen uns, dass das Festival anlässlich dieses Jubiläums erstmalig in unserer Landeshauptstadt Wiesbaden stattfinden kann.

Durch das Programm leitet wie zuletzt schon 2017 ein übergreifendes Thema: „100% Ergreifen“. ERGREIFEN nutzt die Gelegenheit, packt beim Schopfe, geht Risiken ein: um Kommunikation herzustellen, Machtverhältnisse zu verschieben – ohne sich des Ausgangs sicher zu sein.Für die aktuelle Festivalausgabe hat unsere Jury erneut aus über vierzig zeitgenössischen und vielfältigen Produktionen der hessischen Freien Szene eine Auswahl von acht herausragenden Inszenierungen getroffen, die sich – mit oftmals raumgreifenden Konzepten – dem Thema zu nähern versuchen, um uns auf sinnliche Weise »zu packen«: Aktionstheater Kassel • Eleganz aus Reflex • Ruby Behrmann/Asja Mahgoub • Mobile Albania • Cornelia Niemann • ScriptedReality • Theaterlabor INC • Vlasova/Pawlica.

Innerhalb des Festivals werden insgesamt drei Preise Verliehen. Zum einen der Publikumspreis. Hier kann das Wiesbadener Publikum nach jeder Vorstellung der Stücke im Hauptprogramm entscheiden welche dieser Gruppen es kommendes Jahr wiedersehen will. Zum anderen wird ein dotierter Preis durch die Expertenjury vergeben. Außerdem wird der LaPROF Ehrenpreis im Festsaal des Wiesbadener Rathauses, an Eva- Maria Magel, Dr. Thomas Spies und Ilona Sauer verliehen. Alle drei engagierten sich in jüngster Zeit besonders für die freien Darstellenden Künste.

Veranstaltungspartner sind dabei: Schlachthof Wiesbaden • Hessisches Staatstheater • Kreativfabrik • 60/40. Drei Produktionen bespielen zudem den öffentlichen Raum der Stadt.

Das MADE.Festival wird veranstaltet von laPROF, Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen e.V., gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Stadt Wiesbaden und der Stadt Frankfurt. Schirmherrin ist Ruth Wagner, Staatsministerin a.D.

WEITERE INFOS: www.made-festival.de und https://www.facebook.com/Festival.MADE/

Programmüberblick

Programm
Leporello zum Download

DONNERSTAG 12.09.
19:00 60/40
Sektempfang mit ergreifenden
Grüßen zur Eröffnung des
Made.Jubiläums

19:45 60/40
Ballonakt mit der Schirmherrin

20:00 Schlachthof – Halle
Gegen den Fortschritt, Gegen die Liebe, Gegen die Demokratie •
Aktionstheater Kassel
Theater, MADE in Kassel

Im
Anschluss
Made.With
Künstlernachgespräch
22:00 60/40
Made.Stammtisch

FREITAG 13.09.
15:00, 17:00,Treffpunkt Festivalzentrum

19:00, 21:00 Der Apparat • Mobile Albania
Stadtraumintervention, MADE in Gießen

16:00 bis 18:00
60 / 40
Podiumsgespräch »Zukunft ergreifen« mit Andreas Kowol,
Umweltdezernent und Dominik Lawetzky, Fridays for Future u.a.

19:30 Hessisches Staatstheater – Studiobühne
Rot oder tot. Folge 2: Der Weltfrieden hat nichts mit dir zu tun • Eleganz aus Reflex Theater, MADE in Frankfurt

21:30 Schlachthof – Halle
Residence Evil • ScriptedReality Performance, MADE in Giessen

Im
Anschluss
Made.With
Künstlernachgespräch

SAMSTAG 14.09.
10:30 Schlossplatz vorm Rathaus
Nicht-Deutsche Post •
Ruby Behrmann / Asja Magoub
Interaktive Installation, MADE in Gießen

11:00, 13:00,Treffpunkt Festivalzentrum
15:00, 17:00 Der Apparat • Mobile Albania
Stadtraumintervention, MADE in Gießen

14:00 bis 16:00
Hessisches Staatstheater – Probebühne
BFDK-Gespräch »Was wir wissen wollen
– Ausbildung im Praxischeck«
Informationsveranstaltung des Bundesverbandes
Freie Darstellende Künste

14:30 und 16:30
Treffpunkt Goethe-Statue im Park Am
Warmen Damm
Rolling over Wiesbaden •
Theaterlabor INC.
Audiowalk, MADE in Darmstadt

18:00 Rathaus – Festsaal
laPROF-Ehrenpreis-Verleihung
Eine Veranstaltung des Landesverbandes Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen e.V.

19:30 Hessisches Staatstheater – Studiobühne
Möchten Sie ihren Vater wirklich in den Papierkorb verschieben? •
Cornelia Niemann
Dokumentartheater, MADE in Frankfurt

21:30 Schlachthof – Halle
Read to me • Vlasova / Pawlica
Tanztheater, MADE in Offenbach

Im
Anschluss
Made.With
Künstlernachgespräch

23:00 60 / 40
Preisverleihung und Abschlussparty

TICKETS
HESSISCHES STAATSTHEATER · STUDIO
€ 18,00 / 12,00 erm. (zzgl. 10% Vorverkaufsgebühr)
www.staatstheater-wiesbaden.de/karten/
Kartentelefon • 0611-132 325
Öffnungszeiten Theaterkasse
Mo. – Fr. • 10.00 – 19.30 Uhr | Sa. • 10.00 – 14.00 Uhr
Abendkasse jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

SCHLACHTHOF · HALLE
€ 17,00 / 12,00 erm. • karten@made-festival.de
Karten zu allen Vorstellungen (außer fürs Hessische Staatstheater)
erhalten Sie auch während der Festivaltage
in unserem kleinen Zelt auf dem Schlachthofgelände:
Do. • ab 18.00 Uhr | Fr. • ab 15.00 Uhr | Sa. • ab 10.30 Uhr

ROLLING OVER WIESBADEN
€ 15,00 / 12,00 erm. • karten@made-festival.de

DER APPARAT
€ 10,00 • karten@made-festival.de

NICHT-DEUTSCHE POST
kostenlos

Programm
Leporello zum Download

Bestellung unter karten@made-festival.de

Weitere Infos:
info@made-festival.de
www.made-festival.de

Eröffnung der Ausstellung „Baukultur für das Quartier, Prozesskultur durch Konzeptvergabe“ am 11.09.2019

Die aktuelle Diskussion und Bedeutung von Konzeptverfahren zur Vergabe von Grundstücken aus dem Eigentum der Städte, als Instrument zum nachhaltigen Einwirken auf die Stadtentwicklung, verzeichnet im Bundesgebiet einen deutlichen Zuwachs.

So ist es selbstverständlich, dass auch in Wiesbaden ein intensiver Dialog über eine prozesshaft angelegte, konzeptabhängige Vergabe von Grundstücken stattfindet. Ziel des Stadtentwicklungsdezernates ist es, zeitnah in Wiesbaden Konzeptverfahren insbesondere innerhalb der aktuellen Entwicklungsbereiche wie zum Beispiel Bierstadt-Nord oder Kastel-Housing zu ermöglichen. Die Motivation hierzu ist insbesondere, dass mit einer konzeptgebundenen Vergabe von Grundstücken Lösungsansätze für zwei zentrale Fragestellungen gefunden werden können: Einerseits die Frage einer baukulturellen höheren Qualität für die Stadtentwicklung und andererseits die Frage zur Sicherung von bezahlbarem Wohnraum unter anderem auch für spezielle, ein Stadtquartier stärkende Nutzergruppen.

Das Forschungsprojekt „Baukultur für das Quartier, Prozesskultur durch Konzeptvergabe“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersuchte im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) die Frage, inwieweit Konzeptverfahren die Baukultur im Quartier beeinflussen. Eine hierzu zusammenfassende Ausstellung zeigt nun zehn beispielhafte Verfahren aus ganz Deutschland, die im Zeitraum vom 11. bis 25. September im Wiesbadener Stadtentwicklungsdezernat zu sehen sein wird.

Das Stadtentwicklungsdezernat der Landeshauptstadt Wiesbaden in Kooperation mit dem Wiesbadener Architekturzentrum e. V., der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie der Landesinitiative +Baukultur in Hessen lädt alle Interessierten zur Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 11. September, 18.30 Uhr, im Foyer des Stadtentwicklungsdezernates Wiesbaden, Gustav-Stresemann-Ring 15, Gebäude B, ein. Im Anschluss ist die Ausstellung bis einschließlich 25. September dort zu besichtigen. Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, Mittwoch von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Weitere Informationen unter: https://dein.wiesbaden.de; Einladungshandout zur Ausstellungseröffnung: https://dein.wiesbaden.de/wiesbaden/de/events/49537/event/195; weitergehende Informationen (Forschungsbericht des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR) zur Ausstellung „Baukultur für das Quartier. Prozesskultur durch Konzeptvergabe“ sind zu finden unter: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ReFo/Staedtebau/2017/baukultur-quartier/Endbericht.html

Wahre Helden geehrt mit dem Preis für Bürgermut u. Ludwig Beck-Preis für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden 2019

Den mit 10.000 Euro dotierte Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage, verliehen Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel (links) und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (rechts) am 22. August 2019 an Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone für ihren heldenhaften Einsatz zur Überwältigung eines islamistischen Attentäters während eines Terroranschlags in einem Thalys-Schnellzug. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Den mit 10.000 Euro dotierten Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage verliehen Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel (links) und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (rechts) am 22. August 2019 an Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone für ihren heldenhaften Einsatz zur Überwältigung eines islamistischen Attentäters während eines Terroranschlags in einem Thalys-Schnellzug. © Foto: Diether v Goddenthow

Am 22. August 2019 verliehen Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende im Festsaal des Rathauses den Wiesbadener Preis für Bürgermut 2019 sowie den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage an vier junge Männer, die ihr Leben für andere riskierten. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut 2019 ging an Schahabedin Azodifar für sein lebensrettendes Einschreiten gegen einen psychisch kranken Messerstecher in Wiesbaden. Den mit 10.000 Euro dotierten Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage erhielten Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone für ihre mutige Vereitlung eines Terrormassakers im Thalys-Schnellzug von Amsterdam nach Paris 2015. Laudator für den Preisträger des Preises für Bürgermut war Polizeipräsident Stefan Müller. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, hielt die Laudatio auf die Preisträger des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage.

Gert-Uwe Mende – mit Taperkeit über staatsbürgerlichen Mut hinaus

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende ©  Foto:  v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende © Foto: v Goddenthow

Bei den diesjährigen Preisträgern müsse der Begriff der Zivilcourage über die Bedeutung von „staatsbürgerlichem Mut“ hinaus noch weiter gefasst werden. Denn bei Schahabedin Azodifar und den drei US-Amerikanern, Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone, stehe das „Attribut ‘Tapferkeit‘ ganz oben, wenn es um die Beurteilung dessen gehe, was sie geleistet haben“, unterstrich Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende in seiner einführenden Begrüßungsrede: „Es geht heute Abend um Menschen, die sich trotz Gefahr für Leib und Leben selbstlos für andere eingesetzt haben. Für beide Preise hat das Auswahlgremium Menschen ausgewählt, die durch ihren persönlichen Einsatz eine Straftat vereitelt oder zumindest die Folgen deutlich gemildert haben“, sagt der Oberbürgermeister. Er begrüßte neben den Laudationes, Polizeipräsident Stefan Müller und Leiter des ZDF-Studios in Washington Elmar Theveßen, zahlreiche Ehrengäste. Unter ihnen waren die Generalkonsulin der Vereinigten Staaten von Amerika Patricia Lacina, der stellvertretender Kommandeur der US Army Garrison Wiesbaden, Gregory Burke, der Command Sergeant Major Christopher Truchon sowie die beiden Großnichten von Widerstandskämpfer Ludwig Beck, Marianne Tobeck und Gabriele Schreiner-Hammes.

„Männer-WG der Diltheyschule“ unter Leitung von Tilman Jerrentrup sorgten im Comedian Harmonists-Stil für die richtige Stimmung im Festsaal des Wiesbadener Rathauses. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
„Männer-WG der Diltheyschule“ unter Leitung von Tilman Jerrentrup sorgten im Comedian Harmonists-Stil für die richtige Stimmung im Festsaal des Wiesbadener Rathauses. © Foto: Diether v Goddenthow

Für einen wunderbaren und bewusst heiter gehaltenen musikalischen Rahmen sorgte die weit über Wiesbadens Grenzen hinaus bekannte Gruppe „Männer-WG der Diltheyschule“ unter Leitung von Tilman Jerrentrup mit Schlager-Songs im Comedian Harmonists-Stil á la „ Schöne Isabella von Kastilien“ oder „Bei mir bist schön“. Ludwig Beck hatte einst in der Diltheyschule Abitur gemacht- Diese Verbindung ließe es mehr als naheliegend erscheinen, so Mende, dass die Dilthey-Schule auch mit dem Ludwig-Beck-Preis thematisch verbunden sei. Neben einem von Anfang an stattfindenden Austausch mit dem Auswahlgremium habe sich auch diesmal Ulrich Guse, Lehrer an der Dilthey-Schule, mit Oberstufenschülern auf die Preisträger vorbereitet, hob der Oberbürgermeister hervor.

Die Nachfahren der Widerstandskämpfer rund um Ludwig Beck sind heute noch eng miteinander verbunden (vli.) Dieprand von Schlabrendorff, Rechtsanwalt u. Notar,  Sohn des Widerstandskämpfers Fabian von Schlabrendorff, Marianne Tobeck Großnichte von Ludwig Beck und Professor Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase, Archäologe, Sohn des Widerstandskämpfers   Generalmajor Karl Paul Immanuel von Hase, der in Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Hängen hingerichtet   ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Die Nachfahren der Widerstandskämpfer rund um Ludwig Beck sind heute noch eng miteinander verbunden (vli.) Dieprand von Schlabrendorff, Rechtsanwalt u. Notar, Sohn des Widerstandskämpfers Fabian von Schlabrendorff, Marianne Tobeck Großnichte von Ludwig Beck und Professor Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase, Archäologe, Sohn des Widerstandskämpfers Generalmajor Karl Paul Immanuel von Hase, der in Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Hängen hingerichtet wurde. © Foto: Diether v Goddenthow

Der „Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage“ trage den Namen des in Wiesbaden-Biebrich geborenen Widerstandskämpfers Generaloberst Ludwig Beck. „In seiner Berliner Wohnung liefen die Fäden für das Attentat auf Hitler zusammen, obwohl er wusste, dass er permanent von der Gestapo observiert wurde. Für den geplanten Staatsstreich nach dem missglückten Attentat auf Hitler war Beck als Staatsoberhaupt vorgesehen und er versuchte bereits im Widerstand, Kontakt mit der englischen Regierung aufzubauen, um günstige Bedingungen für eine Kapitulation Deutschlands auszuhandeln. Wie zahlreiche weitere Widerstandskämpfer bezahlte er sein couragiertes Verhalten mit seinem Leben. Aus diesem Grund gilt er auch heute noch als hervorragendes Beispiel für Zivilcourage, nicht nur bei uns in Wiesbaden“, sagte der Oberbürgermeister.

Christa Gabriel – Vorbilder gegen eine Kultur des Wegsehens

Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. © Foto: Diether v Goddenthow

Wer für aktive Zivilcourage eintrete, so Christa Gabriel , verkörpere Werte, die für eine stabile Gesellschaft unverzichtbar seien. „Denn eine Gesellschaft lebt nicht von Egoisten, sondern von Menschen, die sich mit anderen verbunden fühlen. Wer Zivilcourage und Bürgermut zeigt, der tut nicht nur Gutes, sondern der leistet Großes“, sagte die Stadtverordnetenvorsteherin und fügte hinzu, dass es solche Vorbilder gerade heutzutage brauchte, den denen entgegentreten, die  „die aggressiv gegen andere vorgehen, nur weil die ihnen fremd erscheinen, weil sie eine andere Kultur, oder einer anderen Religion angehören oder weil sie eine andere Hautfarbe haben.“
Zivilcourage und Bürgermut seien gelebter Gemeinsinn, und man freue sich, „ dass es immer wieder Vorbilder gibt, die andere dazu anregen, es ihnen gleichzutun.“ Diese Menschen zeigten, „dass es durchaus möglich ist, dort zu helfen, wo andere weg schauen.“, sagte Gabriel und unterstrich, dass die Preisträger mit ihrem Engagement ein“ ganz deutlich sichtbares Zeichen gegen die weit verbreitete Unkultur des Wegsehens, des Weghörens und des fehlenden Interesses für den Nächsten“ gesetzt hätten.

Preis für Bürgermut – Laudatio Stefan Müller

Polizeipräsident Stefan Müller. ©  Foto:   v Goddenthow
Polizeipräsident Stefan Müller. © Foto: v Goddenthow

Polizeipräsident Stefan Müller dankte Schahabedin Azodifar für sein beherztes aktives Eingreifen, und dass er eben nicht weggeschaut habe. „Sie haben das mit vorbildlichem Mut getan, mit Bürgermut. Aus diesem Grund freue ich mich außerordentlich, dass Ihnen der Preis für Bürgermut der Landeshauptstadt verliehen wird“. Zuvor hatte der Polizeipräsident den Fall, der auch vor dem Landgericht Wiesbaden verhandelt wurde, kurz aus polizeilicher Sicht nachgezeichnet: So hatte die später Gerettete, eine junge Wiesbadenerin, am 9. Juni 2019 ihre Wohnung verlassen, um ihren Freund zu besuchen. Auf dem Weg zum Auto telefonierte sie mit ihrem Partner. Es sei eine völlig belanglose Situation gewesen, wie sie hundertfach in Wiesbaden vorkäme, jeden Tag, jeden Morgen, jeden Abend. Doch die Situation sollte, so der Polizeipräsident, in der nächsten Sekunde eine dramatische Wende nehmen: „Die junge Frau war im Telefonat vertieft, als aus dem Nichts ein fremder Mann vor ihr auftauchte, und sie anstarrte. Plötzlich zog der Mann ein Messer aus der Hosentasche und stach mit diesem ruckartig in Richtung des Halses des Opfers, ohne Grund, ohne Vorwarnung, ohne einen Streit, ohne einen Anlass“. Als Motiv für seine Tat  habe der Täter bei seiner späteren psychiatrischen Begutachtung angegeben, dass er einen Mord begehen wollte, eine Frau töten wollte. Der Täter hatte einfach so zugestochen, ohne einen für die Frau ersichtlichen Grund, ohne Vorwarnung, ohne einen Streit, ohne einen Anlass, so der Polizeipräsident.

Geistesgegenwärtig habe die junge Frau eine Körperbewegung nach hinten gemacht, so dass sie „glücklicherweise“ nur leicht am Hals getroffen wurde und schreiend wegrennen konnte. Aus einiger Entfernung habe Schahabedin Azodifar, der heutige Preisträger diese Situation zwar vage wahrgenommen, aber im ersten Moment eher an einen Streit zwischen einem Pärchen gedacht, da er das Messer nicht gesehen hatte. „Doch augenblicklich änderte sich sein Blick auf die Szenerie als die Frau schrie ‘Mein Gott, der hat ein Messer!‘, berichtete der Polizeipräsident, und stellte die Frage in den Raum: „Wie reagiert man in einer solchen Situation als ein Unbeteiligter? Sie alle dürfen sich diese Frage stellen, und sich beantworten. Wegschauen? Wegrennen? Sich in Sicherheit bringen? Die Polizei anrufen?“ Es gäbe viele Optionen, so Müller, aber „unserer Preisträger hatte keine Zeit, zu überlegen oder gar, abzuwägen. Für ihn gab es keine ‚Was-wäre wenn-Frage?‘“ Azodifar ging sofort in Richtung zur verängstigten Frau. „Ich wollte der Frau das Gefühl geben: Ich bin jetzt da, beruhigen sie sich bitte!“, zitierte Müller aus dem Wiesbadener Kurier und konstatierte: „Was für ein bemerkenswerter Satz! ‚Ich bin jetzt da! Beruhigen Sie sich bitte!‘“

„Leider hielt das beruhigende Gefühl nicht lange an“, so der Polizeipräsident weiter. „Denn der Täter, welcher kurzzeitig verschwunden war, tauchte plötzlich wieder auf und ging entschlossen mit dem Messer ein zweites Mal auf die verängstigte Frau zu. Eine ganz schwierige Situation. Ich weiß das von meinen eigenen Kollegen: Eine höchst respektvolle Situation, wenn Sie einem Messerangreifer gegenüberstehen!“, so Müller, denn unterhalb von drei Metern habe man kaum noch eine Chance, sich gegen gravierende Verletzungen ausreichend zu schützen.

Den mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut 2019 erhielt Schahabedin Azodifar für sein mutiges Einschreiten bei einem Überfall in Wiesbaden. Hier mit Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Den mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut 2019 erhielt Schahabedin Azodifar für sein mutiges Einschreiten bei einem Überfall in Wiesbaden. Hier mit Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. © Foto: Diether v Goddenthow

Doch der „Mann, den wir heute auszeichnen, zögerte abermals keine Sekunde, stellte sich schützend vor die Frau und schickte sie sogar auf die andere Straßenseite. Das Signal an den Angreifer war eindeutig“. Die angegriffene Frau habe das Handeln „ihres Beschützers“, wie sie ihn später nannte, so Müller, als „wilde Entschlossenheit!“ bezeichnet. Diese Entschlossenheit habe wohl auch auf den Täter derart gewirkt, dass dieser seinen Angriff beendete und  flüchtete, so Müller, in dessen Brust allerdings zwei Seelen schlügen: Die des Polizeipräsidenten, „dessen Mitarbeiter das ganze Jahr Präventionskurse, auch in der Stadt, machen und vielen Bürgern und Bürgerinnen nahebringen, dass man sich bestenfalls nicht selbst in Gefahr bringen sollte, auch wenn man Menschen genau vor einer solchen Gefahr schützen möchte.“ „Und auf der anderen Seite meines Herzens“, so der Mensch Stefan Müller, „ bin ich zutiefst beeindruckt:‘ Mensch, das hat der Klasse gemacht!‘ Ein Lebensretter mit Bürgermut! Und da muss man den Hut ziehen!“ Das tat der  Polizeipräsident einmal mehr mit den Worten: „Lieber Herr Azodifar, Sie haben mit ihrem entschlossenen Handeln eine junge Frau vor dem Schlimmsten bewahrt und ohne den geringsten Zweifel an ihrer Entschlossenheit zuzulassen, sich einem Angreifer in den Weg gestellt. Wie sagte noch die Frau: ‚Er war wild entschlossen!'“

 

Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage –  Laudatio Elmar Theveßen 

Laudator Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Laudator Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington. © Foto: Diether v Goddenthow

Elma Theveßen begann mit einem Dank dafür, „dass ich heute hier sein darf, um mich mit Ihnen gemeinsam für etwas zu bedanken, was wir in unserer heutigen Zeit viel häufiger gebrauchen könnten: Mut, Anstand und Mitmenschlichkeit.“ Er käme, so Theveßen, „gerade aus dem Land, in dem der Begriff Held – Hero – besonders gern, ja geradezu inflationär benutzt wird: Sportheroes, Musikheroes, Showheroes, Politheroes – Helden allerorten, in den allermeisten Fällen haben sich die Genannten auch Verdienste erworben, in vielen Fällen sind sie Vorbilder im besten Sinne, aber nicht gerade selten halten sich auch manche nur selbst für Helden – das soll insbesondere in der Politik ab und an vorkommen“, kritisierte der ZDF-Auslandsstudioleiter „all das Heldengetümmel“, in dem wir schnell den Blick dafür verlieren könnten, „was denn wirklich WAHRE Helden sind“.

Drei WAHRE Helden seien heute unter uns: die beiden amerikanischen US-Soldaten Spencer Stone und Alek Skarlatos, die mit ihrem Freund Anthony Sadler auf ihrer Europatour am 21. August 2015, spätnachmittags, 17.45 Uhr, im Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris saßen, als „ein islamistischer Terrorist, der angesichts seiner feigen, menschenverachtenden Tat eine namentliche Erwähnung nicht verdient, mit einer AKM-Kalaschnikow, einer Pistole, einem Messer und einer Flasche Benzin möglichst viele Menschen töten“ wollte. Das Leben von 550 Passagieren an Bord habe auf dem Spiel gestanden, so Theveßen weiter. Da habe der junge amerikanische Soldat Alek Skarlatos „Get him“ – „Ergreift ihn!“ gerufen, und die damals 23 und 22 Jahre alten Freunde stürzen los und überwältigen den 25-jährigen Täter. „Spencer Stone wird dabei durch Messerstiche und -schnitte verletzt. Hätte das Gewehr des Terroristen keine Ladehemmung gehabt, es wäre wohl viel schlimmer ausgegangen.“,  gab der Laudator zu bedenken.

Diese drei Helden, so Theveßen, stünden in einer Reihe mit dem französischen Polizisten Ahmed Merabet, 42-jähriger Sohn algerischer Einwanderer, „der sich im Januar 2015 den Terroristen bei ihrem Anschlag auf die Mitarbeiter des Satiremagazins „‘Charlie Hebdo‘ entgegen stellte“ und erschossen wurde. Sie stünden in einer Reihe mit den Helden, „die am 11. September 2001 beim United Airlines Flug 93 den Sturm auf das Cockpit wagten, um den Terroristen ihre Waffe, das Flugzeug, zu entreißen, wohl wissend, dass sie dennoch sterben würden. Das Flugzeug stürzte in ein Feld bei Shanksville in Pennsylvania.“, so der Laudator, der noch eine Vielzahl weiterer Heldentaten aufzählte, in dessen Reihe nun die heute drei Ausgezeichneten stünden.

Das Schrecklichste daran sei aber, so Theveßen, dass der Bedarf an wahren Helden offenbar schnell wachse. „Schießereien, Mordanschläge, Terrorattacken – unsere Welt ist so angefüllt mit Hass, dass fast täglich Menschen sterben“. Der Terror an sich mache „keinen Unterschied was Religion, ethnische Herkunft oder politische Überzeugungen angeht – die Täter stammen aus allen Strömungen, die Opfer haben unterschiedlichste Hintergründe, die Helden übrigens auch“ – alle Altersgruppen, alle Geschlechter, alle Ethnien und Glaubensrichtungen seien vertreten. Ihre Gemeinsamkeit sei, dass sich keiner danach dränge, „ein Held zu sein, aber als die Umstände es erfordern, ist ihnen das Leben anderer Menschen wichtiger als ihr eigenes.“

Was befähigt Menschen zu selbstlosem Heldenmut?

Welche Grundlagen Menschen nun befähigten, in Ausnahmesituationen zu solchen Helden zu werden, könne nicht generell gesagt werden. Die drei heute Geehrten, seien Freunde aus jener Zeit, da sie noch Schüler an der Freedom Christian School in Fair Oaks, Kalifornien waren. Wer sich die Ziele dieser Schule genauer anschaue, entdecke wertvolle Anhaltspunkte:

„Die Schüler sollen sich als Teil einer lokalen und globalen Gemeinschaft verstehen. Das erfordere Wissen über und Wertschätzung für den Beitrag verschiedener Kulturen. Zu den vermittelten Werten gehören der Respekt für alle Menschen, unabhängig von ihrer Kultur und ihrem sozioökonomischen Stand, und die persönliche Verantwortung für das Wohlergehen anderer. Nun, ich bin sicher, die drei haben in ihrer Schulzeit damals – genau wie ich an meinem bischöflichen Gymnasium am Niederrhein – auch den ein oder anderen Blödsinn angestellt, aber genauso sicher bin ich, dass vieles von damals hängengeblieben ist, eine wichtige Rolle spielt in ihrem privaten und ihrem beruflichen Leben.“, so der Laudator und fragte: „Was, wenn es bei viel mehr Menschen ähnlich wäre wie bei ihnen, wenn wir uns wieder mehr besinnen auf Werte wie Respekt, Anstand, Mut und Mitmenschlichkeit? Bräuchten wir dann nicht weniger wahre Helden, die ihr Leben aufs Spiel setzen?“

Menschenverächter und Feiglinge

Islamisten, wie der Terrorist im Thalys-Zug, seien Menschenfeinde. Sie sprächen denen, die anders denken, ja anders seien, die einen anderen Glauben häben oder einer anderen politischen Überzeugung anhingen, die Legitimation ab. „Genau dasselbe machen auch Links- und Rechtsextremisten, und leider auch nicht wenige Rechtspopulisten. Politische Gegner werden als Feinde gesehen, Kritiker als Volksverräter gebrandmarkt, Journalisten als Lügner geschmäht, obwohl die eigentlichen Lügen doch von den Extremisten und Populisten verbreitet werden. Verbal treiben derzeit vor allem rechte Anführer Keile in die Gesellschaften Europa. Wenn sie beschwören „Wir wollen unsere Kultur behalten, wir wollen unser Land behalten“, Mitbürger als „Kümmeltürken“ und „Kameltreiber“ beschimpfen, „Kopftuchmädchen“ mit „Taugenichtsen“ gleichsetzen und „Afrikanern“ in völkisch-rassistischer Manier genetische Eigenschaften von Insekten oder Mikroorganismen zuordnen, dann beginnt so die Entwertung aller, die angeblich anders sind“, mahnte der Laudator.

Wie die Terroristen von Pittsburgh und Poway, die Juden ermordeten, wie der Attentäter von Christchurch, der 50 Muslime erschoss, wie der Schütze von El Paso, der Männer, Frauen und Kinder hispanischer Herkunft ausmerzen wollte, wie die islamistischen Mörder, die in London, Paris, Berlin, Barcelona und an vielen anderen Orten hunderte von Menschen töteten, sei auch der Terrorist, der Angreifer im Thalys-Zug „ein Menschenverächter und Feigling“ gewesen, der Gottseidank gestoppt wurde von mutigen Menschen wie Anthony, Alek und Spencer, so Theveßen. .

Aufstehen für Respekt, Anstand und Mitmenschlichkeit

Warum warteten wir „bis zu dem Punkt, an dem nur Menschen unter Einsatz ihres Lebens noch schlimmeres verhindern können“, statt all jenen entschlossen entgegen zu treten,“ die den fruchtbaren Boden bereiten für schreckliche Terrortaten“? Wo seien die Helden, die ohne ihr Leben riskieren zu müssen, „nur aufstehen müssten für Respekt, Anstand und Mitmenschlichkeit?“ „Menschenwürde, Religions- und Meinungsfreiheit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit – die Gemeinsamkeit dieser Werte war die Lehre aus der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Das ist kein romantischer Firlefanz, das sind existenzielle und rechtsverbindliche Verpflichtungen“, unterstrich Theveßen und zitierte den damalige US-Präsident Barack Obama aus dessen Appell an die Europäer vom Frühjahr 2016 während der Hannovermesse, sich stärker ihrer Rolle als Wahrer der Menschenrecht bewusst zu werden:

„Ich sage Ihnen, dem Volk von Europa: Vergessen Sie nicht, wer Sie sind! Sie sind die Erben des Ringens um Freiheit. Sie sind die Deutschen, Franzosen, Niederländer, Belgier, Luxemburger, Italiener und, ja, auch die Briten, die sich über alte Trennlinien erhoben und Europa auf den Weg der Einheit gebracht haben. Sie sind die Polen der Solidarność, die Tschechen und Slowaken, die eine Samtene Revolution wagten. Sie sind die Letten, Litauer und Esten, die ihre Hände für die große Menschenkette der Freiheit gereicht haben. Sie sind die Ungarn und Österreicher, die einst den Grenzzaun aus Stacheldraht durchschnitten. Und Sie sind die Berliner, die in jener Novembernacht endlich die Mauer niedergerissen haben. Sie sind die Menschen von Madrid und London, die sich angesichts der Bombenanschläge weigerten, sich der Angst zu ergeben. Und Sie sind die Pariser, die das Bataclan wiedereröffnen. Ihr seid die Menschen von Brüssel mit ihrem Platz voller Blumen und Flaggen, zwischen denen ein Belgier eine Botschaft hinterließ: ‚Wir brauchen mehr. Mehr Verständigung. Mehr Dialog. Mehr Menschlichkeit.‘ Genau das sind Sie. Vereint, zusammen. Sie sind Europa – geeint in der Vielfalt, geleitet von den Idealen, die die Welt erleuchten, und stärker, wenn Sie geeint zusammenstehen.“ (Barack Obama zit.n. Elmar Theveßen, Rede vom 22.08.2019)

Viele seien in diesem Saal, so Theveßen, „die dazu beigetragen haben, dass aus den Trümmern des Krieges, Frieden, Freiheit, Stabilität, Wohlstand, Sicherheit, Menschenwürde erstanden sind. Was für eine Leistung! Stolz und Mut sollten unsere Haltung sein, nicht Angst und Verzagtheit!“, so der Laudator, der mit den Worten schloss:„Nicht jeder wird bereit sein, soweit zu gehen wie Sie, lieber Herr Stone, lieber Herr Skarlatos und lieber Herr Sadler, wahre Helden mit ihrer mutigen Tat an jenem 21. August 2015. Vielen Dank dafür! Aber jeder kann dennoch ein Stück beitragen im Kampf gegen Krieg, gegen Terror und gegen einen drohenden Rückfall in die düsterste Zeit unserer Geschichte.“

(Mit freundlicher Genehmigung: Ausschnitte aus den Reden von Gert-Uwe Mendig, Christa Gabriel, Stefan Müller und Elmar Theveßen vom 22.8.2019– Dokumentation: Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

44. Rheingauer Weinwoche startet bei tropisch-schwülen Temperaturen – Edle Tropfen und großes Musikprogramm für jeden Geschmack noch bis zum 18.08.2019

Der neue Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz stießen am gestrigen Freitagnachmittag gemeinsam mit der Wiesbadener Weinkönigin Michelle Gönder und der Rheingauer Weinkönigin Katharina Bausch und ZDF-Moderatorin Babette von Kienlin zur Eröffnung der 44.Rheingauer Weinwoche auf der Bühne vor dem Wiesbadener Rathaus an. (v.links: Michelle Gönder, Dr. Oliver Franz, Gert-Uwe Mende, Katharina Bausch u. Babette von Kienlin. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Der neue Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz stießen am gestrigen Freitagnachmittag gemeinsam mit der Wiesbadener Weinkönigin Michelle Gönder und der Rheingauer Weinkönigin Katharina Bausch und ZDF-Moderatorin Babette von Kienlin zur Eröffnung der 44.Rheingauer Weinwoche auf der Bühne vor dem Wiesbadener Rathaus an. (v.li.) Michelle Gönder, Dr. Oliver Franz, Gert-Uwe Mende, Katharina Bausch u. Babette von Kienlin. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei tropisch-schwülen Temperaturen gaben am Freitag, 9. August, um 17 Uhr, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz auf der großen Bühne vor dem Wiesbadener Rathaus den offiziellen Startschuss zur 44. Rheingauer Weinwoche. Unterstützt wurden sie dabei von der Wiesbadener Weinkönigin Michelle Gönder und der Rheingauer Weinkönigin Katharina Bausch. Präsentiert wurde die Eröffnungszeremonie von ZDF-Moderatorin Babette von Kienlin, die zuvor die Brassband frohsinn KV Frohsinn Oberursel und die Frankfurter Weinkönigin Marilen Mau als Überraschungsgäste begrüßte und traditionell sämtliche Rheingauer Weinköniginnen vorstellte.

Die Brassband des KV Frohsinn Oberursel, hier bei ihrem Einmarsch auf die Rathausbühne, sorgte auch auf dem Dern'schen Gelände für gute Stimmung. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Die Brassband des KV Frohsinn Oberursel, hier bei ihrem Einmarsch auf die Rathausbühne, sorgte auch auf dem Dern’schen Gelände für gute Stimmung. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Rheingauer Weinwoche steht auf in diesem Jahr wieder für Fans edler Tropfen, prickelnder Sekte und guter Unterhaltung. Vielen Weinfreunden gilt sich als die schönste Zeit des Jahres. An knapp 100 Weinständen präsentieren Weingüter aus Wiesbaden und dem Rheingau auf dem Schlossplatz, vor der Marktkirche und auf dem Dern´schen Gelände ihre Erzeugnisse.
An 22 Imbiss-Ständen sorgen Gastronomen für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher. Traditionell wird auf der großen Bühne vor dem Rathaus, der Bühne vor der Marktkirche und der Bühne auf dem Dern´schen Gelände bis 22 Uhr ein abwechslungsreiches Musikprogramm präsentiert. Von der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH, Veranstalter der Rheingauer Weinwoche, wurden 46 Musikbands engagiert. Unter ihnen Klassiker wie „Krüger Rockt“ und „Los 4 del Son“, aber auch 18 Gruppen, die erstmals auf der Weinwoche unter anderem Folk-, Country-, Jazz- und Popmusik zum Besten geben.

(v.l.) Jochen Neher, Rheingauer Winzer, Stand 24. Er und seine türkischstämmige Frau haben maßgeblich den Partnerschaftsstands des türkischen Weingutes Sulva organisiert. Dr. Thilo Tilemann, Präsident Parnterschaft Wiesbaden- Istanbul/Fatih e.V., und Frau Tilemann. Davor „Alt“-Oberbürgermeister Sven Gerich mit Nedret Altintop-Nelson, Vizepräsidentin Parnterschaft Wiesbaden- Istanbul/Fatih e.V., und Bilgin Semiz .©  Foto: Diether v Goddenthow
(v.l.) Jochen Neher, Rheingauer Winzer, Stand 24. Er und seine türkischstämmige Frau haben maßgeblich den Partnerschaftsstands des türkischen Weingutes Sulva organisiert. Dr. Thilo Tilemann, Präsident Parnterschaft Wiesbaden- Istanbul/Fatih e.V., und Frau Tilemann. Davor „Alt“-Oberbürgermeister Sven Gerich mit Nedret Altintop-Nelson, Vizepräsidentin Parnterschaft Wiesbaden- Istanbul/Fatih e.V., und Bilgin Semiz .© Foto: Diether v Goddenthow

Eine Premiere wird am Partnerschafts-Weinstand gefeiert: Erstmals präsentiert hier Wiesbadens jüngste Partnerstadt Fatih edle Tropfen. Zur Verkostung erwarten die Gäste Weine des türkischen Weinguts Suvla, das in der nördlichen ägäischen Küste der Halbinsel Gallipoli liegt. In der Region, die zu einem der wichtigsten Weinanbaugebiete der Türkei gehört, werden unter anderem Weißweine wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Roussanne und Marsanne erzeugt. Für die Rotweine werden Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Cabernet Franc, Grenache Noir, Petit Verdot und Pinot Noir verwendet. Das Weingut arbeitet auch mit einheimischen Rebsorten wie Kınalı Yapıncak und Karasakız.

Anstoßen in erlauchter Runde:  Rheingauer Weinköniginnen stimmen sich ein auf ihre Aufgabe während der 44. Rheingauer Weinwoche. Rund um den Schlossplatz und dem Dern’schen Gelände erwarten Besucher an zehn Tagen über 1000 Sekte und Weine aus dem Rheingau. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Anstoßen in erlauchter Runde: Rheingauer Weinköniginnen stimmen sich ein auf ihre Aufgabe während der 44. Rheingauer Weinwoche. Rund um den Schlossplatz und dem Dern’schen Gelände erwarten Besucher an zehn Tagen über 1000 Sekte und Weine aus dem Rheingau. © Foto: Diether v Goddenthow

Diese Weine, wie auch alle anderen, können aus dem offiziellen diesjährigen Weinglas, das ein Bild des Kochbrunnens ziert, verkostet werden. Das Weinglas, das gerne gesammelt wird, ist für zwei Euro an sieben Ständen der Rheingauer Weinwoche und in der Wiesbaden Tourist Information (Marktplatz 1) erhältlich. Auch in der ESWE Mobilitätszentrale (Marktstraße 10) kann das Glas erworben werden. Hier gibt es zudem den Gutschein für ein Glas Wein oder Sekt für jene Fahrgäste von außerhalb, die ihr Weinfest-Ticket bei ESWE oder der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) gekauft haben. Besucher aus Wiesbaden und Mainz fahren mit dem Ticket für 4,70 Euro (Erwachsene) und 2,80 Euro (Kinder ab 6 bis 14 Jahren) zur Weinwoche und wieder nach Hause (Tarifgebiet 65).

Mit der „Tourist Information mobil“ löst die Wiesbaden Congress & Marketing GmbH in diesem Jahr erstmals das bisherige Infozelt ab, das man sich gemeinsam mit ESWE Verkehr in der Vergangenheit geteilt hat. In Kooperation mit e-Motion e-Bike Welt Wiesbaden wird ein Lastenrad zur mobilen Tourist Information umfunktioniert und ist auf dem gesamten Veranstaltungsgelände unterwegs. „Ausgestattet mit vielem Wissenswerten über unsere Stadt, Stadtplänen, Souvenirs und dem neuen Führungsange¬bot freuen sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf viele gute Gespräche und haben bestimmt auch den ein oder anderen Geheimtipp im Gepäck“, erklärt Geschäftsführer Oliver Heiliger.

44. Rheingauer Weinwoche hat begonnen. Schlossplatz-Impression.©  Foto: Diether v Goddenthow
44. Rheingauer Weinwoche hat begonnen. Schlossplatz-Impression.© Foto: Diether v Goddenthow

In Kooperation mit der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH hat die Evangelische Familien-Bildungsstätte ein abwechslungsreiches Spiel- und Betreuungsangebot für die kleinen Gäste zusammengestellt. Im Haus der Marktkirche (Schlossplatz 4) werden Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren samstags von 16 bis 22 Uhr und sonntags von 13 bis 20 Uhr betreut. Die Betreuung kostet samstags pro angefangener Stunde vier Euro, an den Sonntagen ist sie kostenlos. Anmeldungen nimmt die Familien-Bildungsstätte unter der Telefonnummer (0611) 524015 oder per E-Mail an info@familienbildung-wi.de entgegen.

Rheingauer Rotweinfans.©  Foto: Diether v Goddenthow
Rheingauer Rotweinfans.© Foto: Diether v Goddenthow

Für die Rheingauer Weinwoche gibt die Wiesbaden Congress & Marketing GmbH das Programmheft in gedruckter Form heraus und hat darüber hinaus im Internet unter www.wiesbaden.de/weinwoche ebenfalls alles Wissenswerte aufbereitet. Der benutzerfreundliche Auftritt enthält alle Informationen zur Weinwoche und es besteht die Möglichkeit, die Weingüter der Winzer auf deren eigener Homepage kennenzulernen. Die interaktive Standübersicht gewährleistet, dass die Gäste den Standort des gewünschten Winzers schneller auffinden. In der Internetpräsenz werden darüber hinaus viele Informationen zu speziellen Reisepaketen und Anreisemöglichkeiten zur Rheingauer Weinwoche angeboten.

Auch ist es wieder möglich, Impressionen und Lieblingsmotive mit anderen zu teilen. Unter dem Hashtag #rieslingfreunde auf Instagram können die Bilder gepostet werden. Die Fotos nehmen automatisch an einer Verlosung zum schönsten Post teil, die Gewinner werden mit Geschenken rund um die Themen Wiesbaden und Wein belohnt.

Die 44. Rheingauer Weinwoche im Überblick:
©  Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

• Die Stände der Rheingauer Weinwoche sind Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag von 11 bis 23 Uhr (Platz vor der Marktkirche sonntags ab 12 Uhr) sowie freitags und samstags von 11 bis 24 Uhr geöffnet.

• Es gibt 123 Stände (97 Weinstände, einen Wasserstand, 22 Imbiss-Stände sowie Info-Stände).

• Drei Bühnen bieten musikalische Unterhaltung: Auf dem Schlossplatz, auf dem Platz vor der Marktkirche und auf dem Dern´schen Gelände. 49 Musikbands gestalten das Unterhaltungsprogramm auf den Bühnen, das an allen zehn Veranstaltungstagen um 22 Uhr endet.

• Toilettenanlagen werden zwischen Marktkirche/Rathaus/Restaurant Lumen, zwischen Marktkirche und dem Kindergarten sowie an der Marktstraße/Ecke Friedrichstraße eingerichtet.

• Die Einsatzstelle des Deutschen Roten Kreuz (DRK) befindet sich in diesem Jahr auf dem Gelände zwischen der Marktkirche und der Kindertagesstätte. Die Sanitätsstelle ist Montag bis Donnerstag von 18 bis 1 Uhr, Freitag von 17 bis 1.30 Uhr, an den Samstagen von 14 bis 1.30 Uhr und sonntags von 14 bis 1 Uhr besetzt.

• Die regulären Taxi-Halteplätze befinden sich während der Weinwoche in der Friedrichstraße, hier stehen Taxen bis 19:00 Uhr zur Verfügung. Bereits ab 18 Uhr ist der Taxi-Halteplatz in der Wilhelmstraße (zwischen Rheinstraße und Burgstraße) besetzt.

Weitere Informationen zur 44. Rheingauer Weinwoche, zum musikalischen Programm und dem Standplan gibt es online unter www.wiesbaden.de/weinwoche.

Wiesbadener Fototage – „Grenzgang Fotokunst“ ist der Schwerpunkt des Festivals für zeitgenössische Fotografie vom 17. 08. – 1.09.

logo-wsbn.fototageAus der Pressemeldung: „Grenzgang Fotokunst“ ist das Motto der Wiesbadener Fototage, die vom 17. August bis 1. September bei freiem Eintritt dazu einladen, zeitgenössische Fotografie zu entdecken.

Das Ausloten von Grenzen ist seit jeher immanenter Bestandteil von Fotokunst.

Die 11. Wiesbadener Fototage machen dies nun selbst zum Thema wobei Finnland in diesem Jahr mit 12 vielschichtigen fotografischen Positionen den diesjährigen Länderschwerpunkt bildet.

Die grundsätzliche Fragestellung mit welchen Grenzgängen  -inhaltlichen sowie fotografischen – sich die Fotografen auseinandersetzen bildet den Ausgangspunkt und Kern der Fototage.
Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Fotoarbeiten von blinden Fotografen dar.
Zu insgesamt 5 verschiedenen Ausstellungsorten wird das Publikum eingeladen, die jeweiligen Grenzgänge von 57 Fotografen zu entdecken.

Ergebnisse aktueller Fotokunst sind immer daran zu messen, inwieweit sie die Grenzen der Fotografie neu ausloten. Reale Grenzen der Welt und Sichtweisen gehören ebenso dazu wie ästhetische, physische und psychische Grenzen. Das betrifft sowohl reale als auch fiktive Grenzen. Dabei geht es um die grundsätzliche Fragestellung des „So noch nicht Gesehenen“.

Ab 2019 werden die Wiesbadener Fototage durch die Eingliederung in eine Foto-Triennale im Rhein-Main-Gebiet in eine neue Phase eintreten. Gemeinsam mit Frankfurt und Darmstadt wird abwechselnd jedes Jahr ein Fotofestival stattfinden.

Ausstellungsorte:

  • Ministerium für Wissenschaft und Kunst – Rheinstraße 23-25
  • SV SparkassenVersicherung – Bahnhofstraße 69
  • Kunsthaus Wiesbaden – Schulberg 10 (Vernissage am 17.08. um 20.00 Uhr)
  • frauen museum wiesbaden – Wörthstraße 5
  • Rathaus Wiesbaden

Die Veranstalter freuen sich wieder auf die Zusammenarbeit mit der Filmbühne Caligari, in dem sie ihre Reihe „Fotografie im Film“ als erfolgreiche Rahmenprogrammserie der Fototage fortsetzen können.

In diesem Jahr werden bei den Wiesbadener Fototagen zwei Förderpreise von je 1.500,- Euro ausgelobt.
Die Förderpreise, gestiftet von der SV SparkassenVersicherung, werden als Publikums- und Jurypreis ausgeschrieben. Für die Jury konnte zusätzlich Andreas Trampe, jahrelanger Bildchef beim Stern, gewonnen werden.

Wiesbadener Fototage vom 17.8 bis 1.9. 2019
Öffnungszeiten jeweils am Wochenende: Fr. Sa. und So. von 13 bis 18 Uhr.
Der Eintritt ist frei!

Alle Detail-Infos finden Sie hier!

Preis für Bürgermut und Ludwig-Beck-Preis werden verliehen

 Ludwig Beck ist der Namensgeber des Wiesbadener Preises für Zivilcourage.© wiesbaden.de / Foto: Stadtarchiv

Ludwig Beck ist der Namensgeber des Wiesbadener Preises für Zivilcourage.© wiesbaden.de / Foto: Stadtarchiv

Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut 2019 wird an Schahabedin Azodifar für sein mutiges Einschreiten bei einem Überfall in Wiesbaden verliehen. Den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage, der mit 10.000 Euro dotiert ist, erhalten Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone für ihren Einsatz zur Überwältigung eines Attentäters während eines terroristischen Anschlags in einem Thalys-Schnellzug.

Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende verleihen die Preise am Donnerstag, 22. August, im Großen Festsaal des Rathauses. Laudator für den Preisträger des Preises für Bürgermut ist Polizeipräsident Stefan Müller. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, hält die Laudatio auf die Preisträger des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage.

Auf Vorschlag von Oberbürgermeister a.D. Sven Gerich in der Sitzung des Auswahlgremiums am 19. Oktober 2018 wird Schahabedin Azodifar für sein mutiges Einschreiten bei der Bedrohung einer Frau durch einen jungen Mann mit einem Messer ausgezeichnet. Er hat die Frau mit seinem mutigen Engagement vor größerem Schaden bewahrt und eigene Nachteile in Kauf genommen. Schahabedin Azodifar ist iranischer Staatsangehöriger, lebt seit 1983 in Deutschland und wohnt in Amöneburg.

Auf Vorschlag der „Stiftung 20. Juli 1944“ hat sich das Auswahlgremium in der Sitzung am 19. Oktober 2018 für Anthony Sadler, Aleksander Skarlatos und Spencer Stone als Ludwig-Beck-Preisträger entschieden. Sie werden für ihren Einsatz zur Überwältigung eines Attentäters während eines terroristischen Anschlags in einem Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris , der gerade durch Belgien fuhr, geehrt. Die Preisträger wurden bereits von dem ehemaligen US-Präsident Obama und dem ehemaligen französischen Präsidenten Hollande geehrt. Alle drei Preisträger reisen zur Preisverleihung aus den Vereinigten Staaten von Amerika an und sind von Dienstag, 20., bis Freitag 24. August Gäste der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Dem Auswahlgremium für beide Preise gehören der Oberbürgermeister, die Stadtverordnetenvorsteherin, die Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerbeteiligung und Netzpolitik sowie 16 weitere Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Kirchen, Organisationen, Vereinen und Medien an.

Ausstellung im Rathaus Wiesbaden Die Neuen im BBK – SICHT WEISE – 22.1. bis 7.2.2019

Gemeinschaftsausstellung Neu im BBK – SICHT WEISE - Vom 22. Januar bis 7. Februar 2019 © Foto: Diether v. Goddenthow
Gemeinschaftsausstellung Neu im BBK – SICHT WEISE – Vom 22. Januar bis 7. Februar 2019 © Foto: Diether v. Goddenthow

Zum dritten Mal in Folge wird den Neuen im BBK (Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Wiesbaden e.V.), die den Aufnahmeprozess positiv durchlaufen haben, auf Einladung des Kulturamtes der Stadt Wiesbaden die Möglichkeit gegeben, sich mit eigenen Arbeiten im Foyer des Rathauses zu präsentieren.
Es sind dies die vier Künstlerinnen Angela Cremer, Iris Kaczmarczyk, Renate Schwarz Kraft, Stella Tinbergen und die zwei Künstler Peter Bernhard, Titus Grab.

In einem intensiven Gespräch wurde SICHT WEISE als gemeinsames Motto gefunden.
SICHT WEISE sowohl im Sinne der verschiedenartigen Sichtweisen, Sehweisen der KünstlerInnen selbst, wie auch im Sinne des Betrachters, in seiner Sicht, Sichtweise, seiner Leseweise und letztendlich erstrebten Kommunikation mit dem Kunstwerk.

Der kommunikative Ansatz lässt sich in unterschiedlicher Ausprägung in der Bandbreite der künstlerischen Arbeiten (Malerei, Objekt, Installation, Fotografie, Film) bei aller Vielfältigkeit wieder finden.

Kommunikation von und mit
Während bei Titus Grab Projekte, Arbeiten, Installationen im direkten Dialog mit anderen, seien es Kinder oder Erwachsene, entstehen, wird bei Renate Schwarz Kraft Kommunikation zwischen Menschen aber auch zwischen Kunst und Mensch zum Thema der bildnerisch malerischen Darstellung, als Frage oder Rätsel. Innere und äußere Gefühlswelten zeigen Menschen in Beziehung zu sich und anderen, verweisen auf verborgene Geschichten. Psychische oder emotionale menschliche Extremzuständlichkeiten übertragen sich in die Erlebniswelten im Sinne von Andersartigkeit, in filmisch umgesetzten Körperskulpturen von Stella Tinbergen.

Die Tafelbilder, „Flächenstudien“ von Angela Cremer suchen in ihrer haptischen Visualität das Eindringen der Blicke des Betrachters, können zu einem meditativen Dialog führen, während die gestisch expressiven Malereien von Peter Bernhard das Potential haben, den Betrachtenden aufzuwühlen, ihn mit Emotionen aufzuladen. Die Fotoserien von Iris Kaczmarczyk verführen in die Stille der Nacht oder in den Dialog der Orte und Dinge.

Bildraum und Bilderwelten
Der Raum der Bilderwelt von Iris Kaczmarczyk öffnet sich durch Perspektive und Licht in der fotografisch reproduzierten Wirklichkeit. Eingefrorene Augenblicke der Gegenwart oder Vergangenheit werden atmosphärisch eingefangen. In filmischer Bewegung über der Zeit werden bei Stella Tinbergen in der Konfrontation von Bildern innere Räume vermittelt. Ein Moment, ein Pinselstrich wird zum Ausgangspunkt, leitet einen unvorhersehbaren Weg im existentiellen Malprozess von Peter Bernhard ein. In einem Rausch von Farbe, Struktur und Form werden Bildräume einer nicht existenten, unsichtbaren Welt im Äußeren sichtbar.

Renate Schwarz Krafts aus dem Weiß des Malgrundes skizzenhaft erscheinende Figuren nehmen den Betrachter an die Hand um ihn gleichzeitig dem Rätsel der eigenen Interpretation zu überlassen. In der Tiefe des durch poliertes Wachs geschützten, in Schichten angelegten Bildraumes von Angela Cremer kann sich der Blick des Zuschauers ausgehend von der spiegelnden Oberfläche im Inneren verlieren, in Anlehnung an Musik einen inneren Klang erzeugen, während bei Titus Grab die Objekte, Installationen alltäglicher Materialien in die konkrete Dinglichkeit zurückführen ohne weiterführende Inhaltlichkeit zu verbergen. Angela Cremers assoziierte Materialität, die in zarten rhythmischen Strukturen Welten öffnen kann, weicht dem körperlich Greifbaren bei Titus Grab. Jedoch bleibt der Raum seiner Bilderwelt nicht auf die Oberfläche der Objekte beschränkt, innewohnende Gedankenbilder, Geschichten oder Erinnerungen warten darauf vom Betrachter aus ihrer Behütung befreit zu werden.

Bei aller Unterschiedlichkeit der KünsterInnen, Ansätze und Arbeiten kann, wenn der Besucher sich darauf einlässt, eine Reise durch verschiedene Sichtweisen zu einer neuen SICHT WEISE führen oder auch einfach nur zu einem interessanten Erlebnis.

Text: Reiner Strasser

Mehr über Werk und Person erfahren Sie über die Websites der Ausstellenden:

Angela Cremer – http://www.angelacremer.de

Iris Kaczmarczyk – https://www.fotografie-kaczmarczyk.de

Renate Schwarz Kraft – https://www.schwarz-kraft-lebendig.de

Stella Tinbergen – http://www.tinbergen.de

Peter Bernhard – http://www.peter-bernhard-malerei.de

Titus Grab hat keine website