Kategorie-Archiv: Dom- und Diözesanmuseum Mainz

Rheinland-Pfalz: Öffnung von Museen, Ausstellungen, Galerien, Gedenkstätten, Bau- und Kulturdenkmälern ab 11. Mai möglich

Naturhistorische Museum Mainz. Im Foyer begrüßt der Hauerelefant. © Foto: Diether v Goddenthow
Naturhistorische Museum Mainz. Im Foyer begrüßt der Hauerelefant. © Foto: Diether v Goddenthow

Nach Bibliotheken, Archiven und zuletzt auch Musikschulen können nun auch Museen, Ausstellungen, Galerien, Gedenkstätten sowie Bau- und Kulturdenkmäler wieder öffnen. Eine Aktualisierung der fünften Coronabekämpfungsverordnung des Landes wird die Wiederaufnahme des Publikumsbetriebs ab 11. Mai 2020 unter Ein-haltung strenger Hygiene- und Schutzmaßnahmen ermöglichen. Dies hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits vergangene Woche angekündigt. Der Museumsverband Rheinland-Pfalz, Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) und die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) hatten in den vergangenen Wochen in Abstimmung mit dem Kulturministerium entsprechende Öffnungskonzepte vorbereitet.

Landesmuseum Mainz, © Foto: Diether v. Goddenthow
Landesmuseum Mainz, © Foto: Diether v. Goddenthow

„Besonders Museen und Galerien können Vorreiter bei der Wiederaufnahme des kulturellen Lebens sein. Sie besitzen oftmals die räumlichen Möglichkeiten, um anspruchsvolle Schutz- und Sicherheitskonzepte umzusetzen. Der Museumsverband koordiniert die Vorbereitungsarbeit der zahlreichen nichtstaatlichen Museen und stellt ein digitales Informationsangebot mit Handreichungen zur Öffnung der Museen zentral zur Verfügung. Eine schnelle Öffnung ist daher bei vielen Museen möglich! Die Landeszentrale für politische Bildung möchte die wichtige Bildungs- und Gedenkarbeit wiederaufnehmen. Mit viel Engagement wurden hier die notwendigen Vorbereitungen vorangetrieben“, so Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf.

Museum für Antike Schifffahrt des Römisch Germanischen Museums Mainz © Foto: Diether v. Goddenthow
Museum für Antike Schifffahrt des Römisch Germanischen Museums Mainz © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir freuen uns riesig, wieder Besucher*innen in Museen begrüßen zu dürfen, denn nichts ist trostloser als leere Ausstellungräume. Viele Häuser werden in der Lage sein, sofort ab dem 11. Mai wieder zu öffnen. Für einige Museen könnte die Umsetzung von Hygiene- und Vereinzelungsmaßnahmen jedoch problematisch oder sehr aufwändig werden. Mittelfristig hoffen wir, dass besucherstarke Vermittlungs- und Veranstaltungsangebote wieder anlaufen können, insbesondere in Hinblick auf die freiberuflichen Mitarbeiter*innen der Museen im Vermittlungsbereich“, ergänzt Dr. Elisabeth Dühr, Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz und Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift in Trier.

Gutenberg Museum (ohne Kurse /Vermittlung im Druckerladen). © Foto: Diether v. Goddenthow
Gutenberg Museum (ohne Kurse /Vermittlung im Druckerladen). © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die Landeszentrale für politische Bildung und die von ihr getragenen KZ-Gedenkstätten in Osthofen und Hinzert haben durch digitale Angebote die Zeit der Schließungen überbrücken können. So wurde in Osthofen eine üblicherweise öffentliche Führung zum Thema ,Gewerkschafter im KZ‘ letztes Wochenende gefilmt und ins Netz gestellt. Aber alle digitalen Informationen können nicht den Besuch der historischen und authentischen Orte oder das interaktive Gespräch in der politischen Bildung ersetzen, sondern sie nur ergänzen“, so LpB-Direktor Bernhard Kukatzki.“Deshalb sind wir froh, nächste Woche – zwar eingeschränkt – Besucherinnen und Besucher begrüßen zu können.“

BISCHÖFLICHES DOM- UND DIÖZESANMUSEUM MAINZ © Foto: Diether v. Goddenthow
BISCHÖFLICHES DOM- UND DIÖZESANMUSEUM MAINZ © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Gedenkstätten werden ab Dienstag, 12. Mai, wieder für Publikumsverkehr zugänglich sein. Die GDKE kündigte an, dass die Landesmuseen in Mainz, Koblenz und Trier, die Festung Ehrenbreitstein und Schloss Stolzenfels in Koblenz, die Römerbauten in Trier und in der Pfalz der Trifels und die Hardenburg ab Freitag, 15. Mai, ihre Pforten erneut öffnen.

Zu den Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, die für die Öffnung der Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten sowie Bau- und Kulturdenkmäler umzusetzen sind, zählen z. B. die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sowie die Steuerung des Zutritts durch Einlasskontrollen. Ansammlungen von Personen vor oder in den Einrichtungen gilt es zu vermeiden. Darüber hinaus ist zu gewährleisten, dass der Mindestabstand zwischen Personen 1,5 Meter beträgt und die Höchstzahl der sich in der Einrichtung befindlichen Personen begrenzt wird. Voraussetzung einer Öffnung ist, dass diese Auflagen insbesondere bei kleinen und historischen Gebäuden räumlich und personell umgesetzt werden können.

Stadthistorisches Museum sowie das Garnisonsmuseum auf der Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow
Stadthistorisches Museum sowie das Garnisonsmuseum auf der Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow

Spannende Ausstellung im Dommuseum Mainz: MIT KENNERBLICK UND ADLERAUGE: ORIGINAL, FÄLSCHUNG UND KOPIE

logo-echt-falschIst im Dommuseum wirklich alles Gold, was glänzt? Sind hier alle Kunstwerke das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen?

Das Mainzer Dommuseum besitzt, wie jede andere Sammlung auch, eine ganze Reihe von Objekten, die genau diese Fragen aufwerfen. Ist eine Goldschmiedearbeit mittelalterlich, oder ist sie später entstanden? Und handelt es sich bei einem Porträt um ein echtes Gemälde des berühmten Lucas Cranach, um eine Kopie oder gar um eine Fälschung?

Initiale „M“ mit Verkündigung an Maria, Mainzer Werkstatt, um 1431 Aus einem Antiphonar des Mainzer Karmeliterklosters. Deckfarben und Blattgold auf Pergament © Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz
Initiale „M“ mit Verkündigung an Maria, Mainzer Werkstatt, um 1431 Aus einem Antiphonar des Mainzer Karmeliterklosters. Deckfarben und Blattgold auf Pergament
© Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz

In einer Kabinettausstellung „zum Mitmachen“ widmet sich das Dommuseum diesem vielschichtigen Thema. Vorgestellt werden Werke der Schatzkunst, der Malerei, der Buchmalerei und der Plastik, bei denen es sich um Originale, um Reproduktionen oder um Kopien handelt. Darüber hinaus werden auch „echte“ Fälschungen (und ihre Geschichte) vorgestellt, also Arbeiten, die mit täuschender oder krimineller Absicht entstanden sind.

Um die Frage „echt oder falsch?“ noch spannender zu machen, schleicht sich auch das eine oder andere Original in diese bunte Reihe ein…

Dabei wird die Lösung dieser Frage zunächst nicht verraten. Alle Besucherinnen und Besucher sind vielmehr eingeladen, die Objekte eingehend zu betrachten und eigene Kriterien der Beurteilung zu entwickeln. Schritt für Schritt enthüllt – im wahrsten Sinne des Wortes – die Ausstellung dann Hintergründe und Merkmale von Original, Fälschung oder Kopie. Schärfen Sie beim Wandern von Objekt zu Objekt Ihr „Adlerauge“, entwickeln Sie Ihren eigenen „Kennerblick“ und geben Sie zu jedem Werk vor Ort Ihr Votum ab auf die Frage: „Echt oder falsch?“

Rahmenprogramm:
Im Rahmen der Sonderausstellung finden verschiedene
Veranstaltungen statt. Alle Termine auf der Homepage.
Führungen auf Anfrage, Frau Birgit Kita: 06131 253 378
oder unter birgit.kita@bistum-mainz.de.
Rahmenprogramm zum Download!

Öffnungszeiten:
DI bis FR 10–17 Uhr | SA, SO und ges. Feiertage 11–18 Uhr
Bei Veranstaltungen ggf. länger geö¬ffnet.
Geschlossen: 31.10 (Reformationstag), 1.11. (Allerheiligen),
24.12. bis 1.1. (Weihnachten/Neujahr), 10. bis 13.2. (Fastnacht), 30.3. (Karfreitag), 1.4. (Ostersonntag)

Eintritt:
Regulär: 5 € | Ermäßigt: 3 €
Familienkarte I: 5 € | Familienkarte II: 10 €.
Am persönlichen Namenstag ist der Eintritt frei.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Ort:
Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz
Domstr. 3 | 55116 Mainz
06131 253-379 (oder -344)
www.dommuseum-mainz.de

IN GOLD GESCHRIEBEN – Einzigartige ZEUGNISSE FRÜHMITTELALTERLICHER SCHRIFTKULTUR IN MAINZ

Foto:  Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Einst wurde die Mainzer Dombibliothek neben dem gotischen Kreuzgang  als eines der sieben nationalen (Welt-)Wunder gerühmt. Als sie 1793 bei der Befreiung des von den Franzosen belagerten Mainz durch österreichisch-preußische Truppen abbrannte, geriet Mainz als Zentrum der frühmittelalterlichen Buchkultur in Vergessenheit. An die 7000 wertvollste Schriften und goldene Buchdeckel dürften, ähnlich wie in Umberto Ecos Verfilmung „Name der Rose“, im Nu verbrannt oder zur Unkenntlichkeit geschmolzen sein. Die Ausstellung  „In Gold Geschrieben – Zeugnisse frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz“, vom 24. März bis 18.Juni 2017 im Dom- und Diözesanmuseum Mainz, will jetzt  an den untergegangenen Bücherschatz und die geretteten Bände und Schriftfragmente erinnern und einmal mehr die Bedeutung Mainz als eines der ehemals wichtigsten  Zentren von Gelehrsamkeit und Politik wieder ins Bewusstsein rufen.

Zierseite mit den ligierten Initialen IN aus dem Festtagsevangelistar Stiftskirche St. Stephan Mainz, um 990. Handschrift und Deckfarben sowie Gold- und Silbertinte auf Pergament. Foto: Dom- u. Diözesanmuseum
Zierseite mit den ligierten Initialen IN aus dem Festtagsevangelistar Stiftskirche St. Stephan Mainz, um 990. Handschrift und Deckfarben sowie Gold- und Silbertinte auf Pergament. Foto: Dom- u. Diözesanmuseum

Erstmals – und zur Vermeidung von Lichtschäden   nur drei Monate lang – sind in der Schatzkammer des Mainzer Doms die schönsten Werke frühmittelalterlicher Mainzer Schriftkultur zu sehen. Um die vier ottonischen Prunkhandschriften des Domschatzes gruppieren sich zahlreiche Arbeiten des 7.–10. Jhs. aus Mainzer Museen und Bibliotheken der Stadt; herausragende Leihgaben aus Trier sowie der Stiftsbibliothek Zeitz runden die Ausstellung ab.

Bei der Ausstellung geht es auch darum, “Mainz endlich einmal zu würdigen als Zentrum der deutschen, wenn nicht gar der europäischen Schriftkultur“, unterstreicht Dr. Winfried Wilhelmy, Direktor des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums bei einer Presseführung. Im frühen Mittelalter sei Mainz eines der wichtigsten Zentren von Gelehrsamkeit und Politik gewesen. Über Jahrhunderte entfaltet sich hier eine hochentwickelte Schrift-kultur, die unter Erzbischof Willigis (reg. 975–1011) eine besondere Blüte erlebte. Dennoch wurde Mainz als Zentrum frühmittelalterlicher Buchmalerei bisher kaum gewürdigt, so Wilhelmy.

Ausstellungsansicht der Sonderausstellung: "In Gold  Geschrieben - Zeugnisse frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz. vom 24.März bis 18. Juni 2017 Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht der Sonderausstellung: „In Gold Geschrieben – Zeugnisse frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz. vom 24.März bis 18. Juni 2017 Foto: Diether v. Goddenthow

Selbst Fachwissenschaftlern fiele beim Stichwort „frühmittelalterliche Schriften“ eher Fulda, Reichenau oder Lorsch ein, da die frühmittelalterlichen Mainzer Buchproduktionen letztendlich noch überhaupt nicht umfassend überblicksmäßig aufgearbeitet worden seien, so Wilhelmy. Im Mainzer Domschatz befänden sich vier ottonische Prunkhandschriften, die zuletzt im Rahmen einer Doktorarbeit Anfang der 80er Jahre wissenschaftlich von Dr. Lauer aus Köln bearbeitet worden seien, aber „ohne eine einzige Abbildung“. „Unsere ganzen Ottonischen Prunkhandschriften sind bestenfalls bislang nur mit einer einzigen Seite – meist nur in schwarz-weiß – überhaupt publiziert gewesen“, beklagt Wilhelmy, der im Rahmen der Ausstellung leider viel, aber bestens angelegtes Geld in die Hand nehmen musste, um diese Prunkhandschriften durchfotografieren zu lassen und hierdurch diese unwiederbringlichen Handschriften, zahlreiche in Gold, der Nachwelt zu erhalten. Es ist eigentlich unverständlich, warum die Sicherung des frühmittelalterlichen Mainzer Schriftenschatzes erst jetzt geschehen konnte. „Wenn unser Haus jetzt abbrennen würde, Gott behüte, doch der Dom ist schon fünf Mal abgebrannt in den letzten 1000 Jahren, dann wären diese Handschriften trotzdem für die Fachwelt und Öffentlichkeit weiter – wenigstens digital – vorhanden“, beruhigt Wilhelmy.

Erstmals werden nun in einer Sonderausstellung die herausragenden karolingischen und ottonischen Mainzer Handschriften jener Epoche zusammengetragen. Etliche Werke sind in Goldtinte auf Purpur geschrieben und geben Zeugnis von der verschwenderischen Pracht der Mainzer Buchkunst des Frühmittelalters.

katalog-coverZahlreiche Fotografien der wertvollen Hand- und Prunkschriften findet man im – auch didaktisch – wunderbar aufbereiteten Begleit-Katalog zur Ausstellung mit demselben Titel: „In Gold Geschrieben – Zeugnisse Frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz“, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2017. Im Museums-Shop 29,95 Euro, nach der Ausstellung 34,95 Euro.

 

Schrift in Stein gemeißelt – Zeugnisse des 7. und frühen 8. Jahrhunderts

Grabstein des Priesters Badegisel. Ehemals Mainz, Beneditinerkloster St. Alban Mainz, um 700. Foto: Diether v. Goddenthow
Grabstein des Priesters Badegisel. Ehemals Mainz, Beneditinerkloster St. Alban Mainz, um 700. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Mainzer Schriftkultur vom frühen Christentum bis zum 10. Jahrhundert, also am Ende der Amtszeit von Willigis im Jahre 1011 beginnt natürlich nicht mit „geschriebenen“ Schriftzeugnissen, wie man erwarten würde. Sie beginnt mit Grabsteinen, einfach aufgrund der Materialität, weil sich andere Schriftzeugnisse aus der Zeit des 7. Und frühen 8. Jahrhundert sonst nicht erhalten haben. Deswegen zeigt die Ausstellung als erstes Schriftzeugnis jener Zeit den Grabstein des Priesters Badegisel, der wohl, so der Direktor des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums, Dr. Winfried Wilhelmy, die Kommunität von ST. Alban, eben das Geistliche Amt, inne hatte. Dieses 1908 bei Ausgrabungen im Benediktinerkloster St. Alban Mainz gefundene steinerne Schriftzeugnis sei, so Wilhelmy, in einer an römische Capitalisform, einer Art frühen Buchschrift, gestaltet worden, wobei der germanische Runeneinfluss auf diese römische Buchstabenform hier besonders prägnant erkennbar sei. Wilhelmy verdeutlicht, dass bereits in dieser merowingischen Zeit, im 7. und frühen 8. Jahrhundert, es in Mainz „durchaus eine Bevölkerung gegeben haben muss, die hochgebildet war, dass sie dieses, wenn auch teilweise verderbte Latein, verstanden hat, und auch durchaus in der Lage war, gewisse metrische Formen wahrzunehmen, und auch zu verstehen“, so der Museumsdirektor.

Reliquienauthentiken – älteste Mainzer Schriftzeugnisse

Zentraler Ausgangspunkt der Ausstellung „In Gold geschrieben“ sind jedoch nicht in Stein gemeißelte Grabinnenschriften, sondern frühmittelalterliche Beschriftungen von Reliquien, ‚Importe‘ aus dem westfränkischen Reich.

Kopfreliquie des hl. Antonius, 4. Jah. in Umhüllung des 19. Jh. Foto: Diether v. Goddenthow
Kopfreliquie des hl. Antonius, 4. Jah. in Umhüllung des 19. Jh. Foto: Diether v. Goddenthow

Wie Dr. des. Anja Lempges im Begleitbuch, S. 57, ausführt, war „Der Vorstellung nach“ (…) „in jedem Teil des Leichnams der ‚ganze‘ Heilige präsent, der nicht nur wegen seiner Person, sondern wegen seines heiligmäßigen Lebens und seiner Glaubensstärke verehrt wurde, sondern auch  – so die Glaubensüberzeugung – durch Heilige und durch sie gewirkte Wunder in besonderer Weise die Christusnähe und Gnade Gottes sichtbar wird, sie also als Medien zwischen Jenseits und Diesseits wirken.“

Man Unterscheidet zwischen Berührungs- oder Sekundärreliquien, als jenen Gegenständen wie Gewändern oder Marterwerkzeugen, die mit den Heiligen zu deren Lebezeiten oder nach ihrem Tod in Berührung gekommen waren. Bei Primärreliquien handelt es sich um sterbliche Überreste, etwa einem Knöchelchen, der Heiligen selbst. Diese Reliquien mussten beschriftet, authentifiziert werden. Reliquienauthentiken seien, platt gesagt, „nichts weiteres als Beipackzettel“ , so Wilhelmy. Jedes Reliquien-Knöchelchen erhält eine Pergamentbeschriftung, die mit einem Bindfaden drum rum gebunden wird.

Die Inventarauthentik, auf der bestimmte Reliquien aufgelistet waren, ist das älteste erhaltene Mainzer Schriftdokument. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Inventarauthentik, auf der bestimmte Reliquien aufgelistet waren, ist das älteste erhaltene Mainzer Schriftdokument. Foto: Diether v. Goddenthow

Die in der Ausstellung im Mainzer Dommuseum gezeigten Reliquienauthentiken sind, so Museumsdirektor Wilhelmy, die ersten erhaltenen Schriftstücke der Stadt. Gezeigt werden die Gregorauthentik, Sulpiciusauthentik, Austregiselauthentik und eine Inventarauthentik aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts. Wenngleich es zunächst keine sinnliche Anmutung habe, sei die Inventarauthentik das älteste Schriftstück der Stadt Mainz. Es gib kein älteres Pergament-Dokument, das älteren Datums ist, als diese sogenannte Inventarauthentik, so der Museumsdirektor. Auf dieser Überblicksauthentik stehe sinngemäß: „Dies sind ihre Reliquien“, und darunter sei eben aufgeführt, was dort für Gebein-Fragmente zu sehen waren, unter anderem eben von verschiedenen westfränkischen Heiligen. Und alles spräche dafür, dass die Schriftheimat von dieser Sammel-Authentik hier in Mainz war, so Wilhelmy: „Und damit haben wir hier – wie gesagt – das älteste Mainzer Schriftstück überhaupt, das heute im Dom- und Diözesan-Archiv des Bistums aufbewahrt worden ist!“

Herrnreliquien – Christi Schweißtuch

Diese Ausstellung habe der Museumsdirektor auch als Gelegenheit begriffen,  insgesamt auf den Schriften-Reichtum hinzuweisen, den Mainz im Frühmittelalter gehabt hat. „So dass man durchaus mit Fug und Recht von einer Moguntia sacra, dem heiligen Mainz, sprechen darf“, so Wilhelmy, der mit Stolz die Herrenreliquien im Mainzer Domschatz nennt, wovon –im Unterschied zu den „Steinen vom Grabe Christi – wirklich einzigartig das „Schweißtuch Christi“ ist. Es handle sich jedoch nicht um das bekannte Schweißtuch, welches der Legende nach Veronika Christus auf dessen Kreuzweg entgegengehalten habe. In der Mainzer Ausstellung werde eine dieser im Johannes-Evangelium beschriebenem „Binden“ als Schweißtuch Christi gezeigt.

Schweißtuch Christi in einem Reliquiar aus dem Jahre 1875 (Rückseite), in dem sich das antike Textil (Berührungsreliquie) befindet.Foto: Diether v. Goddenthow
Schweißtuch Christi in einem Reliquiar aus dem Jahre 1875 (Rückseite), in dem sich das antike Textil (Berührungsreliquie) befindet.Foto: Diether v. Goddenthow

Der antiken Grabsitte nach waren solche Hauptumwickelungen Toter üblich. Sie wurden vorgenommen mit einem Stoff, einen antiken Leinengewebe, der den Fachbegriff Byssos trägt. Byssos ist aus verschiedenen Materialien hergestellt, unter anderem aus allerfeinsten Leinpflanzen, die ausschließlich im Nildelta wachsen. Aus diesen Leinpflanzen wird ein Faden gewonnen, der unter anderem auch mit dem Fachbegriff als Spinngewebe bezeichnet wird, weil dieses Gewebe so dünn und entsprechend leicht wie „Spinnenfäden“ ist. So dass man, wenn man es um das Haupt gewickelt hat, trotzdem Gesichtszüge des Toten erkennen kann, erklärt der Museumsdirektor. All diese Merkmale treffen auch auf den Stoff zu, der hier gezeigt wird. Bischof von Ketteler ließ dieses Tuch und ein Schwesternfragment des Stoffes im Kloster Kornelimünster 1869 vom führenden Textilforscher jener Zeit, Dr. Franz Bock, einem Kölner Kanoniker, untersuchen. Dieser kam zum Ergebnis, dass beide Stoffe, auch das Schwesternfragment, das auch heute noch als Schweißtuch Christi verehrt wird, vom gleichen Webstuhl stammen.
Dieser Stoff soll der Legende nach von der merowingischen Königin Imnechildis, der Gattin des merowingischen Königs Sigebert, dieser Klosterkrypta -Bilhildis geschenkt worden sein. Imnechildis lebt in der Zeit um 700, ihr Onkel Rigibert ist ein Mainzer Bischof, und sie hat das Altmüsterkloster hier in Mainz gegründet. Imnechildis ließ sich dann, nachdem sie in das Kloster eingetreten war, neben der Heiligen Bilhildis hier in Mainz auch bestatten. Und diese Stoffe, wie gesagt ein königliches Geschenk an Bilhildis, lässt sich genau wie das andere Schwesterfragment im Kornelimünster bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen.
Dr. Wilhelmy würde das Textil gern neu nach heutigen wissenschaftlichen modernen Methoden untersuchen lassen. Gesichert sei die Herkunft der Reliquie bis ins Frühmittelalter 7. bis 8. Jahrhundert, so der Museumsdirektor. Es handele sich definitiv um einen antiken Stoff.

Die Herren-Reliquie wird von hinten gezeigt, was dem Laien gar nicht auffällt. Denn nur von der Rückseite sieht man sehr schön die Stoff-Schichten. Die eigentliche Reliquie befindet sich in einer nachträglich eingefügten Stofftasche aus dem 12. Jahrhundert.
Dieser unschätzbare wertvolle Kirchenschatz ist praktisch kaum bekannt, er werde allenfalls in der „Nacht der Heiligen“ mal aus der Ost-Krypta geholt, und dann bestaunt: „Was, dass haben wir auch in Mainz!“, beklagt der Museumsdirektor, und macht unmissverständlich deutlich: „Mainz ist nicht irgendwas, Mainz ist im Frühmittelalter wirklich eines der absolut wichtigen Zentren im Heiligen Römischen Reich!“

Zu den absoluten Highlights gehören die Ottonischen Schriften

Zahlreiche Mitarbeiter der Trierer Werkstatt kamen erst nach dem Tod des Trierer Erzbischofs nach Mainz und hatten großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Mainzer Skiptoriums. Hier eines der vier gezeigten ottonischen Prunk-Schriften. Foto: Diether v. Goddenthow
Zahlreiche Mitarbeiter der Trierer Werkstatt kamen erst nach dem Tod des Trierer Erzbischofs nach Mainz und hatten großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Mainzer Skiptoriums. Hier eines der vier gezeigten ottonischen Prunk-Schriften. Foto: Diether v. Goddenthow

Vermutlich gab es im frühmittelalterlichen Mainz Schreibstuben verteilt im ganzen Stadtgebiet. Ihnen gemein ist, wie einzelne Buchstaben gestaltet sind, woran sich ein typischer „Mainzer Stil“ festmachen lasst. Erst vor zehn Jahren seien weitere Fragmente in Buchdeckeln in Köln aufgetaucht, die wegen der sogenannten Skalpelschäfte der Buchstuben eindeutig den Mainzer Skriptorien zugeordnet worden seien, so Wilhelmy. „Das sind Buchstaben, die senkrecht stehen, wie ein ‚L‘ zum Beispiel oder der Schaft des ‚D‘, die dann oben so eine Verdickung haben. Wie so’n Spargel sieht das aus. Das ist der typische Mainzer Skalpelschaft“, erläuterte Wilhelmy, woran der frühmittelalterliche Mainzer Schrift-Stil zu erkennen ist.
Aber Mainz war  nicht ein reines Zentrum der Buchkunst. Vielmehr war der frühmittelalterliche Bischofssitz ein bedeutendes Verwaltungszentrum. Denn der Mainzer Erzbischof war gleichzeitig, so Wilhelmy, auch Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Dem Amt des Mainzer Erzbischofs oblag auch das Privileg, deutsche Könige zu krönen.

Der ältestes deutsche Rechts-Text  – Verwaltungszentrum Mainz

Lex Salica - ein Pergamentfragment aus Deutschlands ältester Rechtsschrift. Foto: Diether v. Goddenthow
Lex Salica – ein Pergamentfragment aus Deutschlands ältester Rechtsschrift. Foto: Diether v. Goddenthow

Das war mit einer umfänglichen Verwaltung verbunden, weswegen hier viele Synodalakten und Rechtstexte hergestellt wurden. Dabei fiele auf, dass zahlreiche Texte bereits sehr früh in Althochdeutsch und nicht in Latein formuliert seien, was der Museumsdirektor am Beispiel Deutschlands ältesten Rechts-Text-Fragmentes plausibilisiert: „Dafür steht einmal hier die Lex Salica. In dem Fall ist beschrieben, was passiert, wenn Schweine gestohlen werden. -Wie ist es zu bewerten, und zu bestrafen? Nicht sehr hoch, bestenfalls vier Wochen Pranger, mehr war das nicht! Das andere hier ein Beichtformular, ebenfalls in althochdeutscher Sprache, das eben auch wieder zeigt, dass man auch in Mainz in religiösen Bereichen sehr früh in der Volkssprache Althochdeutsch versucht hat, sich verständlich zu machen“, erläutert Wilhelmy

Die frühmittelalterlichen Handschriften aus der Werkstatt des Erzbischofs Willigest markieren den Höhepunkt ottonischer Buchmalerei. Foto: Diether v. Goddenthow
Die frühmittelalterlichen Handschriften aus der Werkstatt des Erzbischofs Willigis markieren den Höhepunkt ottonischer Buchmalerei. Foto: Diether v. Goddenthow

Einen regelrechten Aufschwung nahm die Mainzer Buchkunst Ende des 1000. Jahrhunderts unter Erzbischof Willigis von Mainz mit großer finanzieller Unterstützung vom ottonischen Kaiserhaus. Mit diesen Mitteln konnten nunmehr ganze Pergamenthandschriften in Goldschrift durchgängig auf Purpur geschrieben und zu Büchern gebunden werden.  Die frühmittelalterlichen Handschriften aus der Werkstatt des Erzbischofs Willigis markieren den Höhepunkt ottonischer Buchmalerei. Umso erstaunlicher ist es, dass von einem Skriptorium im frühmittelalterlichen Mainz bislang kaum etwas bekannt ist. Umso notwendiger wurde es, die wenigen von der Feuersbrunst geretteten Handschriften und wiedergefundenen Fragmente nun in der ehemaligen St. Nikolauskapelle am Kreuzdomgang zu zeigen. Heute seien – neben einigen Handschriften mit Initialschmuck – nur noch acht eindeutig identifizierte, figürlich illuminierte Codices Mainzer Produktion erhalten, die in die Zeit von Erzbischof Willigis von Mainz (amt. 975 – 1011) datiert werden, nämlich:

  1. Gebetbuch Ottos III.
  2. Benediktionale
  3. Sakramentar des Mainzer Domschatzes
  4. Evangeliar
  5. Evangeliar aus St. Mauritius
  6. Augustinus: De civitate Die
  7. Augustinus: De trinitate
  8. Capitularia regum Francorum

Highlight: Festtags-Evangelistar 

Die Schrift sei zum Niederknien schön, und keine Schwein kenne sie, so - frei zitiiert - Direktor Wilhelmy über das absolute Ausstellungshiphlight: Das Festtagsevangelistar, Stiftskirche St. Stephan Mainz, mit auswärtiger Beteiligung, um 990.  Domschatz/ Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Schrift sei zum Niederknien schön, und keine Schwein kenne sie, so – frei zitiiert – Direktor Wilhelmy über das absolute Ausstellungshighlight: Das Festtagsevangelistar, Stiftskirche St. Stephan Mainz, mit auswärtiger Beteiligung, um 990. Domschatz/ Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow

Eine absolute Prunk-Handschrift ist das sogenannte Festtags-Evangelistar aus der Mainzer Stiftskirche St. Stephan um 990, „das wirklich zu den absoluten Höhepunkten der ottonischen Buchmalerei gehört, und ich kann mich nicht anders ausdrücken: „Bislang kennt es kein Schwein!“, präsentiert Wilhelmy mit Stolz diese vergessene Handschrift wie einen gehobenen Schatz. Bei der Erstellung des Festtagsevangelistar war ein eingeworbener Maler aus Tier von höchster Bedeutung. Denn dieser Mitarbeiter aus der Trierer Werkstatt des sogenannten Meisters des Registrum Gregorii prägte die zeitgleich in Mainz arbeitenden Kräfte maßgeblich. „Unter seinem Einfluss“, so heißt es auf einer Infotafel der Ausstellung, „entstehen zahlreiche vor allem liturgische Prunkhandschriften, die sich durch in Gold und Silber gerahmte Purpurseiten auszeichnen, auf denen in goldener Tinte die erhabenen Texte niedergeschrieben sind“.

Die Ausstellung zeigt erstmals die zentrale Bedeutung der Landeshauptstadt im frühen Mittelalter, als Mainz eines der wichtigsten Zentren von Gelehrsamkeit und Politik war und sich hier – lange vor Johannes Gutenberg – über Jahrhunderte eine hochentwickelte Schriftkultur entfaltete. Die Präsentation der Ausstellung „In Gold geschrieben“ ist nicht nur für Liebhaber und Fachleute mittelalterlicher Handschriften ein Muss, sondern kann für jeden eine echte Entdeckung sein, der/die sich auf die Entdeckung unterschiedlicher frühmittelalterlicher Schriften – von der Grabinschrift bis zur verschwenderischen Pracht ottonischer Prunkschriften aus der Blütezeit von Mainz – einlässt. 33 Exponate sowie die Erstellung eines aufwändigen Begleitbandes haben Direktor Wilhelmy und sein Team in der Rekordzeit von sechs Monaten auf die Beine gestellt. Seine Mitarbeiter hätten weder Weihnachten noch Silvester gehabt, damit diese Ausstellung noch rechtzeitig zur Fachtagung über Reliquienauthentiken fertig wird.

Großes Rahmenprogramm mit Kinder-Dommal-Werkstatt

"Dommalerei für Kinder" in der Kreativwerkstatt. Foto: Diether v. Goddenthow
„Dommalerei für Kinder“ in der Kreativwerkstatt. Foto: Diether v. Goddenthow

Um tiefer in die Materie des frühmittelalterlichen Schriftwesens einzutauchen, empfiehlt sich, an Führungen und Sonderveranstaltungen des Rahmenprogramms teilzunehmen. Besonders originell ist auch die Idee, in der museumspädagogisch angeleiteten Kreativ-Werkstatt Kindern spielerisch zu ermöglichen, die Materialien und Techniken frühmittelalterlicher Buchmalerei kennenzulernen und selbst auszuprobieren.

In_Gold_geschrieben_Flyer

In_Gold_geschrieben-Rahmenprogramm

Das Begleitbuch – zum ersten Mal werden hier zahlreiche Zierseiten der bislang nicht zugänglichen frühmittelalterlichen Mainzer Prunkschriften gezeigt. 

katalog-coverNeben  zahlreichen Fotografien bietet der Begleit-Katalog handfestestes Rüstzeug durch die aktuelle Ausstellung sowie tiefe Einblicke in frühmittelalterliche Kirchengeschichte vom Feinsten. Dafür garantieren  alle  hochkarätigen Autoren dieses Bandes. Auch als  wunderbares Geschenk bestens geeignet: „In Gold Geschrieben – Zeugnisse Frühmittelalterlicher Schriftkultur in Mainz“, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2017. Im Museums-Shop 29,95 Euro, nach der Ausstellung 34,95 Euro.

Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst

Ort:

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

BISCHÖFLICHES DOM- UND DIÖZESANMUSEUM
Domstraße 3
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 253 344
Fax: 06131 / 253 349
Internet: www.dommuseum-mainz.de
Mail: info@dommuseum-mainz.de

Das Ferienprogramm im Dommuseum mit ZIEMLICH BESTEN FREUNDEN

ziemlich beste FreundeDass sich in sechs langen Ferienwochen niemand langweilen muss, dafür sorgt das Mainzer Dommuseum mit seinem Sommerprogramm. Rund um die aktuelle Sonderausstellung Ziemlich beste Freunde gibt es viel zu entdecken und zu tun: Vom gemeinsamen Basteln eines Himmlischen Jerusalems im Himmel&Hölle-Workshop (19. Juli und 18. August), über das Herstellen eigener Accessoires bei den Textil- und Ketten&Co.-Kursen (28. Juli und 2. August, bzw. 22. und 26. Juli) und bis hin zur beliebten Töpferwerkstatt(26. und 27. August). Die genauen Termine, Altersempfehlungen und Kosten sind zu finden unter www.dommuseum-mainz.de.

Bitte vorher anmelden unter 06131 253 344!

Ziemlich beste Freunde. Dritter Ausstellungsteil der Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 1. Juli bis 4. September 2016

Die Madonna  mit Kind (sog. Fuststraben-Madonna) aus dem Bischöflichen Dommuseum erhält während der Ausstellung "Besuch" der Aphrodite von Melos (sog. Venus von Milo) und von der Erlösungshelferin "Grüne Tara" (Himalaya-Region Nepal od. Tibet 19. Jh.) aus der Gutenberg-Universität. So wird einmal ganz augenfällig deutlich, dass die mystischen Freundinnen auf Zeit nicht  nur eine  äußere Ästhetik verbindet, sondern sie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten teilen  als Beschützerinnen,  Erlöserin oder was immer man ihnen zu unterschiedlichen Zeiten an Funktionen und übernatürlichen Kräften zugeschrieb. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Die Madonna mit Kind (sog. Fuststraben-Madonna) aus dem Bischöflichen Dommuseum erhält während der Ausstellung „Besuch“ der Aphrodite von Melos (sog. Venus von Milo) und von der Erlösungshelferin „Grüne Tara“ (Himalaya-Region Nepal od. Tibet 19. Jh.) aus der Gutenberg-Universität. So wird einmal ganz augenfällig deutlich, dass die mystischen Freundinnen auf Zeit nicht nur eine äußere Ästhetik verbindet, sondern sie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten teilen als Beschützerinnen, Erlöserin oder was immer man ihnen zu unterschiedlichen Zeiten an Funktionen und übernatürlichen Kräften zugeschrieb. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen
Dritter Ausstellungsteils im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 1. Juli bis 4. September 2016

Im Landesmuseum Mainz und im Naturhistorischen Museum Mainz konnten sie in den vergangenen Monaten schon besichtigt werden: die ungewöhnlichen Gäste aus den Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die sich unter die Exponate der Dauerausstellungen der beiden Museen „geschmuggelt“ hatten. Am 1. Juli 2016 eröffnet nun der dritte und vorerst letzte Teil der dezentralen Ausstellung „Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen“ im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum. Eine ganz neue Auswahl von Exponaten wurde für diese Ausstellungsstation zusammengestellt.

Dr. Winfried Wilhelmy, erzählt am Bonifatius-Stein die  Geschichte des bei seiner letzten Missionarsreise in Friesland ermordeten Erzbischofs, der, nachdem er an seinem Bischofssitz Mainz aufgebahrt worden war, seine endgültige Ruhestätte im Kloster Fulda fand. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016
Dr. Winfried Wilhelmy, erzählt am Bonifatius-Stein die Geschichte des bei seiner letzten Missionarsreise in Friesland ermordeten Erzbischofs, der, nachdem er an seinem Bischofssitz Mainz aufgebahrt worden war, seine endgültige Ruhestätte im Kloster Fulda fand. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture 2016

Das Dommuseum zeigt in seiner hochmittelalterlichen Gewölbehalle herausragende Zeugnisse zu den Themenkreisen Jenseits, Totenkult, Begräbnisritual und Memorialkultur. Diese treten im Rahmen der Sonderausstellung in einen Dialog mit ausgewählten Objekten aus den Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Unterschiedliche Lebenswelten, Geschichten, Disziplinen, Epochen, Stile und Materialien treffen hier aufeinander. Die spielerischen Exponat-Nachbarschaften eröffnen neue Perspektiven und fordern eine erneute Auseinandersetzung mit den Objekten heraus, regen zu neuen Assoziationen und Erkenntnissen an und weisen den Weg zu überraschenden religiösen Analogien oder gleichfalls fruchtbaren Widersprüchlichkeiten. So bereichern sich die ungleichen Objektpaare gegenseitig – wie dies beste Freunde eben tun …

Zur Ausstellungseröffnung am 1. Juli werden der Diözesanadministrator des Bistums Mainz, Dietmar Giebelmann, der Vizepräsident für Forschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister, sowie der Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums, Dr. Winfried Wilhelmy, sprechen. Die Zentrale Sammlungskoordinatorin der JGU, Dr. Vera Hierholzer, zugleich Organisatorin der Ausstellungsreihe, gibt eine kurze Einführung in die Ausstellung. Im Anschluss haben die Eröffnungsgäste die Möglichkeit, die Ausstellung bei einem Rundgang gemeinsam mit den Betreuerinnen und Betreuern der universitären Sammlungen und den MitarbeiterInnen des Dommuseums zu besichtigen.

 

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen, am Freitag, 1. Juli 2016 ab 14 Uhr die Ausstellung zu besichtigen.
Zur Ausstellung im Dommuseum erscheint ein reich bebilderter Katalog. Die Schau im Dommuseum läuft bis 4. September.

Der Ausstellungsteil im Naturhistorischen Museum Mainz (Reichsklarastr. 1) ist weiterhin zu sehen – noch bis zum 20. August 2016.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.sammlungen.uni-mainz.de/1458.php und www.dommuseum-mainz.de

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Öffnungszeiten des Dom- und Diözesanmuseums:
Di-Fr 10-17 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr

Eintritt (Sonderausstellung inkl. Schatzkammer)
Regulär     5,00 Euro
Ermäßigt 3,00 Euro

Familienkarte I
(1 Erwachsene(r) + Kinder bis einschl. 17 Jahren) 5,00 Euro
Familienkarte II
(2 Erwachsene + Kinder bis einschl. 17 Jahren) 10,00 Euro

Führungsgebühr + 2,50 Euro

SIEBEN MUSEEN – EIN FEST – Museumspädagogen laden am 3. Juli 2016 zu großem Sommerfest

Pressebild_160616.jppKunst auf spielerische Art zu erkunden: Dazu laden die Mainzer Museen und das Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim am Sonntag, dem 3. Juli, von 14 bis 17 Uhr ein. Für das große Sommerfest vor und in der Kunsthalle Mainz haben sich die Museumspädagogen der einzelnen Häuser zusammengetan und sich für Groß und Klein ein buntes Programm ausgedacht, das alle anregt, miteinander genau zu schauen, zu basteln, zu schreiben und mitzumachen.

So kann man am Stand des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums erfahren, was sich alles aus Seife schnitzen lässt, das Gutenberg-Museum kommt mit seiner kreativen Druck- und Mitmachwerkstatt, die Schönheit mittelalterlicher Initialen vermittelt das Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim, mit dem Landesmuseum ist man bei Pendelführungen mit offenen Augen unterwegs, das Naturhistorische Museum zeigt Modelle von Lurchen, Molchen und Co. und gestaltet Frösche, am Stand des Römisch-Germanischen Zentralmuseums gibt es den ultimativen Herrschersitz und der Gastgeber, die Kunsthalle Mainz, präsentiert das Projekt „Kunst ganz nah“ mit 8- bis 11-jährigen Kunstexperten und anderes mehr. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Ort:
Vor und in der Kunsthalle Mainz

FLUCHT 2.0 Finissage zur Ausstellung am 29. Mai im Dom- und Diözesanmuseum Mainz

© massow-picture
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Zum Ausstellungsende von FLUCHT 2.0 – an odyssey to peace am Sonntag, 29. Mai, kommen im Mainzer Dommuseum nochmal alle Beteiligten zusammen, um die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Besucher sind herzlich eingeladen, an den öffentlichen Führungen um 12, 14 und 16 Uhr teilzunehmen. Kinder und Familien können von 14-17 Uhr in der Museumspädagogische Werkstatt basteln, malen und zeichnen. Ab 15 Uhr gibt es im Rahmen einer kleinen Feier Musik und internationale Köstlichkeiten.

Ort:
Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum
Domstraße 3
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 253 344
Fax: 06131 / 253 349
Internet: www.dommuseum-mainz.de
Mail: info@dommuseum-mainz.de

Ausstellung FLUCHT 2.0 im Dommuseum verlängert und für Sonderpreis nominiert

Flucht2PlakatAufgrund des großen Interesses verlängert das Mainzer Dommuseum die aktuell gezeigt Sonderausstellung FLUCHT 2.0 – an odyssey to peace bis zum 29. Mai.

Mit Handyfotos und -filmen, selbst gedrehten Interviews und interaktiven Installationen erzählen acht Geflüchtete von ihrem weiten Weg aus Afghanistan, Eritrea, Pakistan und Syrien nach Deutschland. In sechs Stationen – Aufbruch, Marsch, Lager, Mittelmeer, Europa, Ankommen – zeichnen sie ihre persönlichen Fluchterlebnisse nach und zeigen auch, wie sie ihre erste Zeit in Deutschland erlebt haben. Unter der Leitung der Kunstdozentin Dr. Doaa Elsayed und der Journalistin Jeanette Schindler entstand so ein sehr persönliches Dokument über Aufbruch und Ankommen, dass den bloßen Flüchtlingszahlen ein menschliches Gesicht verleiht.

Das Projekt wurde vor wenigen Tagen von der Kulturstaatsministerin für den „Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen“ nominiert. Der Preis würdigt Initiativen, die das Zusammenleben von geflohenen und einheimischen Menschen erleichtern sollen. Aus über 150 Vorschlägen wurden 10 Projekte ausgewählt. Die drei Preisträger werden im Mai zum Auftakt der Initiative „Kultur öffnet Welten“ in Berlin geehrt.

Familientage zum Thema Flucht – Angebote für Kinder im Dommuseum Mainz

„Flucht“, „Flüchtlingskrise“, „Flüchtlingswelle“ – Schlagwörter, die seit Monaten die Medien und öffentliche wie private Diskussionen bestimmen. Wie aber vermittelt man die Thematik mit ihren vielen, auch schwierigen, Facetten an Kinder? Im Rahmen der SonderausstellungFLUCHT 2.0 – an odyssey to peace bietet das Mainzer Dommuseum im April eine ganze Reihe von Möglichkeiten für Kinder an, sich unkompliziert mit dem Thema zu befassen, Vertrautes im Fremden zu entdecken und der Neugier auf Unbekanntes nachzugehen.

So laden die Familientage am 9. und 23. April dazu ein, mit Kindern aus aller Welt zu basteln, zu spielen, sich vorlesen zu lassen und einander von der Heimat zu erzählen. Der wichtigen Rolle von Symbolen für Kulturen, aber auch für einen selbst wird imOrnamentworkshop am 16. und 30. April nachgegangen. Dass Menschen nicht erst seit einigen Monaten aus der Heimat fliehen und wie es ist, als Kind auf der Flucht zu sein, darum geht es in der Erzählrunde „Mit dem Teddy auf der Flucht“ am 17. April. Der aus dem Libanon stammende Alexander Iskanderani erzählt im Gespräch mit der Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Nieraad- Schalke von seinen Erlebnissen als „Flüchtlingskind“ (eine Kooperation mit dem Museum bei der Kaiserpfalz, Ingelheim).

Das gesamte Rahmenprogramm zur Ausstellung mit genauen Daten und Altersempfehlungen unter www.dommuseum-mainz.de.

Alle an einen Tisch – Podiumsdiskussion im Mainzer Dommuseum zum Thema Flucht

Flucht2PlakatIm Rahmen des umfangreichen Programms zur Sonderausstellung Flucht 2.0 – an odyssey to peace lädt das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum Mainz am Mittwoch, dem 6. April, um 18 Uhr zu einer Podiumsdiskussion ein. Generalvikar Dietmar Giebelmann und Joanna Worytko (Stabstelle Migration und Integration Bistum Mainz) sprechen über die Motivation eines Bistums, sich Flüchtlingen anzunehmen. Wie können Gäste aufgenommen werden, und wie funktioniert die Unterbringung? Welche Sorgen und Nöte haben die Menschen, welche Sorgen bringt die Hilfe mit sich? Pfarrer Stipinovich aus Viernheim berichtet von seinen Ideen zur Hilfe und seinem Modellprojekt in Viernheim. Dr. Doaa Elsayed, Kuratorin, erklärt die Ausstellung und was sie bewegt hat, diese zusammen mit Flüchtlingen zu entwickeln. Rainer Stephan berichtet von seiner Arbeit, dem Umgang mit dem Erwachsenenkatechumenat, dem Taufwunsch von Flüchtlingen und den daraus resultierenden Problemen. Und Irene Alt stellt sich als Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen des Landes Rheinland- Pfalz den Fragen, die mit der „Flüchtlingswelle“ auf uns zugekommen sind.

Interessierte haben die Möglichkeit, sich bereits um 17 Uhr die Ausstellung anzuschauen.

Das gesamte Programm, auch zum Download unter www.dommuseum-mainz.de