Kategorie-Archiv: DZ Bank Kunstsammlung – ART FOYERFrankfurt

[AN-]SICHTEN Vom Umgang mit der Wirklichkeit ab 29.09.17 in der DZ-Bank Frankfurt

© Michael Schäfer ohne Titel, aus der Serie: Invasive Links, 2016
© Michael Schäfer
ohne Titel, aus der Serie: Invasive Links, 2016

Die von Thomas Rietschel kuratierte Ausstellung aus Werken der DZ BANK Kunstsammlung zeigt das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und scheinbarer Realität

28 Arbeiten von dreizehn internationalen Künstlern, welche die Wahrnehmung gleich in mehrfacher Hinsicht infrage stellen, sind in der Ausstellung „[AN-]SICHTEN: Vom Umgang mit der Wirklichkeit“ vom 29. September 2017 bis 6. Januar 2018 im ART FOYER zu sehen.

Das Ausstellungsformat [AN-]SICHTEN wird von einem Gastkurator aus einem anderen Kulturbereich gestaltet. In diesem Jahr wurde Thomas Rietschel, ehemaliger Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, eingeladen, eine Ausstellung aus der DZ BANK Kunstsammlung zu kuratieren. Thomas Rietschel hat Fotografien der Sammlung ausgewählt, die auf unterschiedliche Weise das Spannungsfeld aufzeigen zwischen einer vermeintlich objektiven Wirklichkeit und dem, was sie als scheinbare Realität darstellen. Ein Thema, das durch die gesellschaftspolitische Diskussion um „Fake News“ gerade einen aktuellen Bezug erhält.

Vertreten sind Fotoarbeiten aus der Sammlung von Gregory Crewdson, Thomas Demand, Valie Export, Joan Fontcuberta, Anton Henning, David Hockney, Barbara Klemm, Rosemary Laing, Louise Lawler, Ville Lenkkeri und Helen Sear sowie Neuerwerbungen von Barbara Probst und Michael Schäfer.

Thomas Rietschel empfiehlt, die Ausstellung als kleine Übung im vielfältigen Umgang mit der Wirklichkeit zu sehen und stellt die Arbeit „Exposure #56, NYC, 428 Broome Street, 06.05.08,1:42 p.m.“ von Barbara Probst (*1964 in München) ins Zentrum. Darin zeigt die Künstlerin eine Szene, die zur selben Zeit von zehn im Raum verteilten Kameras aus zehn Perspektiven fiktiverZeugen fotografiert wurde. Alle nehmen einen anderen Ausschnitt derselben Szene auf. Doch statt einen umfassenden Eindruck der Realität zu erhalten, entfernt sich damit der Betrachter von der einen Wirklichkeit.

Pressefotografien sind der Versuch, eine größtmögliche Annäherung an die Realität zu schaffen und sollen Zeitgeschehen dokumentarisch abbilden. Barbara Klemm (*1939 in Münster) war von 1970 bis 2005 Redaktionsfotografin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ihr gelingt es, Bilder entstehen zu lassen, die als Schlüsselmomente der Geschichte gelten und sich ins kollektive
Bildgedächtnis einprägen.

Auch Thomas Demand (*1964 in München), der 1997/98 Stipendiat der DZ BANK Kunstsammlung war, hat einen Bezug zur Pressefotografie: Er baut berühmte Tatort- und Pressefotografien detailgetreu aus Papier nach, um sie dann zu fotografieren. Die Arbeit „Büro“ bezieht sich auf ein Zeitungfoto vom 15. Januar 1990, als Bürger der liquidierten DDR dasHauptquartier der Staatssicherheit in Berlin stürmen. Überall im Büro liegen durchwühlte Akten und Blätter, die im Nachbau bei Demand jedoch unbeschrieben sind.

Das Bildmaterial aus dem Internet, das Michael Schäfer (*1964 in Sigmaringen) als Ausgangsbasis dient, stammt oft vom Portal „LiveLeak – Redefining the Media“, das Videos von Betroffenen und Zeugen eines Geschehens zeigt. Die zumeist aus Kriegsregionen stammenden Bilder bearbeitet er nach und überschneidet sie mit subjektiven Alltagssituationen. Als derart umdefinierte Vorlagen schleust er sie erneut in die Bilderflut ein.

Ville Lenkkeri (*1972 in Oulu, Finnland) beschäftigt sich mit der Tatsache, dass der Mensch Gefallen daran hat, sich auf unterschiedliche Weise selbst Realität vorzuspielen. In den simulierten Wirklichkeiten, die er beispielsweise in Dioramen in Naturkundemuseen oder Wachsfigurenkabinetten fotografiert, verstärkt die Anwesenheit einer Person das raffinierte Spiel zwischen Realität und Fiktion.

Die großformatigen Fotoarbeiten des amerikanischen Künstlers Gregory Crewdson (*1962 in Brooklyn, USA) werden oft als unheimlich, mysteriös und fantastisch beschrieben. Der Künstler betont immer wieder, dass seine Bilder von einer Psychologie beeinflusst sind, die auf Sigmund Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ (1919) zurückgeht. In seinen aufwendigen Inszenierungen, die
wie Filmstandbilder wirken, ist kein Detail zufällig, keine Pose und Geste unbeabsichtigt. Louise Lawler (* 1947 in Bronxville, New York, USA) zeichnet in ihrer Arbeit „Add To It (E)“ die Entwicklungen und Wechselwirkungen zwischen Fotografie und Malerei nach. Durch das Ablichten von Kunstwerken unter Einbeziehung des Ortes thematisiert Lawler die Wahrnehmung von Kunstwerken. Auf der ersten Ebene fotografierte sie die Hängung einer eigenen Arbeit in einer Ausstellung 2003 im Portikus Frankfurt. Auf dieser Fotografie ist Gerhard Richters „Ema – Akt auf einer Treppe“ von 1966 auf dem Boden gegen die Wand gelehnt im New Yorker MoMA zu sehen.

Richter wiederum wurde zu seinem Bild durch Marcel Duchamps Malerei „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr.2“ aus dem Jahre 1912 inspiriert. Und Duchamp bezieht sich auf Eadweard Muybridges Serienfotografie „Woman Walking Downstairs“ von 1887. Ähnlich wie Lawler stellt auch David Hockney (*1937 in Bradford, England) Malerei und Fotografie einander gegenüber. Er präsentiert auf seiner Fotografie eine Vase mit Blumen neben einem Gemälde, welches nahezu exakt dasselbe Motiv wiedergibt.

[AN-]SICHTEN
Vom Umgang mit der Wirklichkeit
29. September 2017 – 6. Januar 2018
ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung,
Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main.
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus 1.

Neuer Glanz für die „Krawatte“ – Skulptur „Inverted Collar and Tie“ vor dem DZ-Tower in Frankfurt

© DZ-Bank
© DZ-Bank

Die Skulptur „Inverted Collar and Tie“ – besser bekannt als „Krawatte“ – auf dem Vorplatz des Westend-Gebäudes der DZ BANK wird derzeit restauriert. Das Team um Restaurator Ulrich Lang befreit das 7,5 Tonnen schwere und 12 Meter hohe Kunstwerk von Schmutzpartikeln und trägt im Anschluss eine neue Schutzbeschichtung auf.

Sie ist Kunst, Wahrzeichen und Treffpunkt: Die „Krawatte“ kennt in Frankfurt fast jeder. Doch Feinstaub und Witterung setzen der Skulptur zu. Restaurator Ulrich Lang erklärt im Interview, worauf es bei der Restaurierung ankommt und was die größten Herausforderungen sind.

Seit 24 Jahren steht die Skulptur „Inverted Collar and Tie“ des Künstlerehepaars Claes Oldenburg und Coosje Van Bruggen auf dem Vorplatz der DZ BANK in Frankfurt. 1993 wurde das Werk in Auftrag gegeben und in den USA gefertigt, bevor es auf dem Platz vor der DZ BANK installiert wurde. Der überdimensionale Kragen mit der, wie von einem Windstoß erfasste Krawatte, spielt auf die „Berufsuniform“ der Banker an, die tagtäglich an der Skulptur vorbeikommen.

2013 wurde schon einmal der obere Teil der Krawatte restauriert. Auch damals waren Restaurator Ulrich Lang und sein Team mit der Aufgabe betraut. Erstmals seit ihrer Entstehung wird die Skulptur in diesem Jahr in ihrer Gänze restauriert. Die Arbeiten an der Skulptur dauern voraussichtlich noch bis Ende dieser Woche.

Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen
Inverted Collar and Tie, 1994
1189 x 385 x 385 cm

Claes Oldenburg (*28. Januar 1929 in Stockholm) gehört neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop Art. Bekannt wurde er vor allem durch Skulpturen, die aus einfachen Werkstoffen hergestellt sind oder Alltagsgegenstände darstellen. Oldenburg arbeitete seit 1976 mit der niederländischen Künstlerin Coosje van Bruggen (1942-2009) zusammen.

JOHANNES BRUS – DAS UNSICHTBARE IM SICHTBAREN – DZ BANK Kunstsammlung vom 1. März bis 17. Juni 2017

Die fotografischen Arbeiten des 1942 in Gelsenkirchen geborenen Künstlers Johannes Brus entführen den Betrachter in eine andere Sphäre, die teilweise exotisch-mystisch, manchmal aber auch komisch-skurril anmutet. Durch chemische und physikalische Veränderungen im Entwicklungsverfahren, durch Nachkolorierung, Überblendung und Montage verfremdet Brus Bilder der realen Welt und eröffnet dadurch einen neuen Kosmos.

Unter dem Titel JOHANNES BRUS – DAS UNSICHTBARE IM SICHTBARENzeigt die DZ BANK Kunstsammlung vom 1. März bis 17. Juni 2017 im ART FOYER dreizehn mehrteilige Werke des Künstlers. Die Arbeiten datieren von „Blaues Pferd“ von 1979/85 bis hin zur kleinen Skulptur „Elefant“ von 2012 als jüngstes Werk.

im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung,
Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main.
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus 1.

Eröffnung: Dienstag, 28. Februar 2017 um 19 Uhr
Begrüßung: Dr. Christian Brauckmann, Vorstandsmitglied der DZ BANK AG
Einführung: Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

Am Freitag, 24. März 2017 um 18 Uhr findet im ART FOYER ein Künstlergespräch mit Johannes Brus und Peter Friese, Direktor Weserburg Museum Bremen, statt.

DZ BANK Kunstsammlung
Im ART FOYER zeigt die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main auf rund 300 qm Ausstellungsfläche drei bis vier wechselnde Ausstellungen im Jahr. Die Sammlung des Spitzeninstituts der Volksbanken Raiffeisenbanken umfasst mehr als 7500 Werke von rund 800 Künstlern und widmet sich dem fotografischen Bild in der internationalen, zeitgenössischen Kunst.
Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de

DZ BANK Kunstsammlung – ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten:
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr
Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten. Telefon: +49 69 7447-99144 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

DZ BANK Kunstsammlung DZ BANK Kunstsammlung präsentiert LOREDANA NEMES: NADELSTREIFEN

LOREDANA NEMES: NADELSTREIFEN
Die DZ BANK Kunstsammlung präsentiert das
Mitarbeiter-Kunstprojekt von Loredana Nemes

„Eine Befragung mit der Kamera“ liegt den 27 Arbeiten der Ausstellung „LOREDANA NEMES: NADELSTREIFEN“ zugrunde, die ab dem 27. Januar 2017 im SCHAUFENSTER der DZ BANK Kunstsammlung präsentiert wird. Die Berliner Fotografin  Loredana Nemes, die 1972 in Sibiu in Rumänien geboren wurde und als 14-Jährige nach Deutschland kam, hat aus eigener Initiative gemeinsam mit 70 Mitarbeitern der DZ BANK ein fast zwei Jahre dauerndes Kunstprojekt realisiert.
In der dabei entstandenen Porträtserie „Nadelstreifen“ fotografiert die Künstlerin mit einer analogen Mittelformatkamera Bankmitarbeiter in ihrer Berufsuniform, dem Anzug. Doch spontan entstand die Idee, ihre Anzugsjacken von innen nach außen zu kehren, so dass der Futterstoff sichtbar wird. So wird das, was normalerweise versteckt ist, an die Oberfläche befördert.

Das lässt sich analog auf die abgelichteten Personen beziehen: Durch das Umkehren der Sakkos und der ihnen zumeist instinktiv zugeordneten Attribute werden verborgenen Seiten sichtbar und ins Bild gerückt. Loredana Nemes zeigte dabei ein tiefes Interesse am Menschlichen  und befragte die Personen vor der Kamera nach ihrem Sein, ihren Interessen, ihren Erfahrungen, ihren Gefühlen.

Gleichzeitig fühlt sich der Betrachter an die Malerei der Niederländer oder der italienischen Renaissance erinnert, denn die Künstlerin lässt mit den Jacken an historische Bildformen denken.

70 Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen der Bank haben an dem Kunstprojekt teilgenommen. Die Serie „Nadelstreifen“ ist das mittlerweile siebte Projekt, an dem Mitarbeiter der DZ BANK unmittelbar beteiligt waren. Als Mitwirkende konnten sie einen Einblick in die Entstehung eines Kunstprojektes gewinnen, erlebten die Gedanken und Verwerfungen der Künstler mit und wurden selbst Teil dieses Prozesses.

„Diese Porträts vermitteln ein Erlebnis von tiefer Lebendigkeit. Ich freue mich, dass die Mitarbeiter in diesem beruflichen Umfeld, wo es gilt, die Form zu wahren, solch persönliche Haltungen zeigen. Das beeindruckende Projekt entwickelte sich mit der Bereitschaft beider Seiten, aufeinander zuzugehen und ist damit auch ein Sinnbild unserer Unternehmenskultur“, so Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung.

Die Künstlerin Loredana Nemes ist bereits mit drei Serien, die 37 Bilder umfassen, in der DZ BANK Kunstsammlung vertreten. Aus der 30-teiligen Serie „Nadelstreifen“ wurden für die Sammlung nun weitere 27 Arbeiten erworben.

LOREDANA NEMES: NADELSTREIFEN
Ab 27. Januar 2017 (Dauer bis Sommer 2017)

im SCHAUFENSTER, DZ BANK Kunstsammlung
Cityhaus II
Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt die Ergebnisse der Projektstipendien von Laura Bielau und Bruno Zhu

Die Ausstellung f/12.2 präsentiert alle zwei Jahre zwei Preisträger des Projektstipendiums der DZ BANK Kunstsammlung, die von einer wechselnden siebenköpfigen Jury ausgewählt werden.
Vom 13. Dezember 2016 bis 18. Februar 2017 sind die Arbeiten der beiden Stipendiaten 2016, Laura Bielau und Bruno Zhu, im ART FOYER in Frankfurt zu sehen.

Darüber hinaus werden auch die Arbeiten der Künstler der Stipendiaten-Shortlist Jana Müller, Andrzej Steinbach und Oriol Vilanova gezeigt, die zudem für die Sammlung erworben wurden.
Für das Projektstipendium 2016 wurden rund 40 Arbeitsproben und Projektideen eingereicht, die im weitesten Sinne mit fotografischen Bildern zu tun haben. Die Jury hatte Ende 2015 eine einvernehmliche Entscheidung für Laura Bielau und Bruno Zhu getroffen, die mit ihren Projektideen am überzeugendsten waren. Das Preisgeld von jeweils 1.000 Euro pro Monat über den Zeitraum eines Jahres ermöglichte ihnen die intensive Arbeit an ihren Projekten. Eine Auswahl der entstanden Werke wird zudem für die DZ BANK Kunstsammlung erworben – somit eine Förderung im doppelten Sinne.

Laura Bielau (*1981, Halle/Saale) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Timm Rautert und Peter Piller und ist darüber hinaus ausgebildete Fotografin. Oft hinterfragt Bielau in ihren Arbeiten die Entstehungsprozesse von Fotografie.

In ihrer Serie „Arbeit“ thematisiert sie eine Dreiecksbeziehung: die Arbeit mit dem Objekt der Darstellung, die Arbeit am Bild und seiner Herstellung und die Arbeit am Porträt derjenigen Menschen, die für die Arbeit wichtig sind.

Im Zentrum ihrer schwarzweißen Bilder stehen verschiedene Objekte, die sie vor einem neutralen Hintergrund flach vor dem Objektiv der Kamera platziert und neutral-sachlich aufgenommen hat. Es sind lapidare Gegenstände des Alltags, die sich auf einem Schreibtisch oder auch in einem Studio wiederfinden. Ein Gummiring, ein liniertes Blatt Papier in einem aufgeschlagenen Heft, die grafische Darstellung einer Uhr, ein Briefumschlag aus Karton, ein Kochfeld, ein Kleidungsstück auf dem Boden, die flachen Sohlen eines Paars Schuhe, ein Knopf, ein Geldschein, eine Zahnbürste etc. – also elementare Dinge wie Material, Lebensmittel, Kleidung, Pflege, Zeit

Alle Bilder sind in der jeweils gleichen Höhe ausgearbeitet, wodurch sich in der Breite die unterschiedlichsten Formate ergeben und sich die Größenverhältnisse komplett verschieben. Damit hat diese Serie auch einen konzeptuellen formalen Rahmen, dem sich alle Bilder unterordnen. Der Preisträger Bruno Zhu (*1991, Portugal) lebt und arbeitet in Amsterdam, wo er 2016 seinen MA in Fine Arts am Sandberg Institute machte, nachdem er bereits am Central Saint Martins in London ausgebildet wurde.

Zhu untersucht die Atmosphären und Ideen von Schein und Sein in fiktiver und realer Welt, mit denen Jugendliche ihre Identität errichten: Modefotos und Fotos von Models, Schauspielern, Popikonen, von Marken, Namen, Songs, Kleidern. Sein Projekt beschäftigt sich mit Illusionen von Lifestyle, wie sie Modemagazine und Einkaufskataloge schaffen. Der Konsument kauft nicht nur einen abgebildeten Tisch oder eine Lampe, sondern hofft, das Leben, das durch die Inszenierung der Dinge suggeriert wird, auf sich selbst zu übertragen. In seiner Arbeit dekonstruiert Zhu diese Vorstellungen, indem er beispielsweise Möbelstücke aus dem Katalog in Originalgröße printet und sie dann mit Hasendraht zu dreidimensionalen Skulpturen formt und präsentiert.

Künstler aus der Shortlist

Jana Müller (*1977, Halle/Saale) machte eine Fotografenausbildung in Leipzig und studierte Künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Timm Rautert in Leipzig. Für ihre Serie „Never Ending Story“ verwendet sie vorgefundene Schwarz-Weiß-Fotografien von Gerichtsreportern aus den 1950er Jahren. Auf den fast lebensgroß präsentierten Bildern versuchen Angeklagte mit Mänteln, Zeitungen oder Armbeugen ihr Gesicht und somit ihre Privatsphäre zu schützen. Ergänzend sind den Fotografien Bodenobjekte mit Kleidungsstücken beigeordnet, die aus der Zeit der Aufnahmen zu stammen scheinen. Herkunft und Kontext der Bilder sind nicht bekannt, so dass der Titel „Never Ending Story“ das Kreisen der möglichen Interpretationen adressiert.

Andrzej Steinbach (*1983, Czarnków, Polen) lebt in Leipzig, wo er 2013 seine künstlerische Ausbildung bei Heidi Specker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) abgeschlossen hat. Seine künstlerische Praxis lässt sich als Suche nach einer widerständigen Ästhetik begreifen. Fünfzehn Aufnahmen in ausgewaschenem Schwarz-Weiß zeigen eine androgyne, kahlrasierte Frau in verschiedenen Posen und Outfits in einem schmucklosen Interieur, die sich jeder Inszenierung verweigert.

Oriol Vilanova (*1980, Barcelona, Spanien) arbeitet ausschließlich mit gefundenen Postkarten. Er thematisiert damit in zweifacher Hinsicht das Klischee: einerseits in seinen Bildmotiven und andererseits verweist die Verdopplung der Motive auf die Verwendung einer Druckplatte – „cliché“ im Französischen. In dem Nebeneinander zweier Postkarten mit identischen Motiven gewinnen die Multiples durch Farbunterschiede, Gebrauchs- und Alterungserscheinungen Originalität.

Die Jury
Zum letztjährigen Fachgremium, das von Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, benannt wurde, gehörten neben den beiden letztmaligen Stipendiaten Ulrich Gebert (Künstler, München) und Andrej Krementschouk (Künstler, Leipzig) sowie Dr. Johannes Janssen (Direktor am Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg), Thomas Seelig (Direktion/Kurator am Fotomuseum Winterthur, Zürich, Schweiz), Thomas D. Trummer (Direktor am Kunsthaus Bregenz, Österreich) und Thomas Weski (Kurator der Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt, Berlin)

DZ BANK Kunstsammlung
Im ART FOYER zeigt die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main auf rund 300 qm Ausstellungsfläche vier wechselnde Ausstellungen im Jahr. Die Sammlung des Spitzeninstituts der Volksbanken Raiffeisenbanken umfasst mehr als 7500 Werke von rund 800 Künstlern und widmet sich dem fotografischen Bild in der internationalen, zeitgenössischen Kunst.
Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de
DZ BANK Kunstsammlung – ART FOYER
Platz der Republik
60325 Frankfurt/Main

Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten:
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr
Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-99144 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

Die DZ BANK Kunstsammlung stellt in ihrer aktuellen Ausstellung analoge Techniken in den Mittelpunkt

Die aktuelle Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung „ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT DER FOTOGRAFIE“ zeigt im ART FOYER vom 8. Juni bis 27. August 2016 rund 60 Arbeiten von 15 internationalen Künstlern, die mit analogen Techniken und chemischen Prozessen in der Fotografie experimentieren und deren Ergebnisse nicht selten Unikate sind.

Vertreten sind Arbeiten von Darren Almond, Dieter Appelt, Jeff Cowen, Alexander Endrullat, Torben Eskerod, Raphael Hefti, Karl Martin Holzhäuser, Timo Kahlen, Jürgen Klauke, Astrid Klein, Maix Mayer, Floris M. Neusüss, Helena Petersen, Barbara Probst, Thomas Ruff, Katharina Sieverding und Susa Templin.

Die ausgestellten Werke zeigen eine enorme Vielfalt an technischen Herangehensweisen, die zur Weiterentwicklung der künstlerischen Fotografie beigetragen haben. Die Experimente reichen von kameraloser Fotografie über die Ausreizung des Farbspektrums mit Hilfe von Filtern bis hin zur Unterbrechung des Entwicklungsprozesses oder zum Auftrag der Entwicklerflüssigkeit mit dem Pinsel in der Dunkelkammer. Auffallend dabei ist, dass sich vermehrt wieder Künstler der Generation nach der Einführung der digitalen Fotografie den handwerklichen Techniken zuwenden.

Die Vielfältigkeit der Techniken stellt die Schau in unterschiedlichen kunsthistorischen Genres und vier Themenbereichen vor: „Abstraktion“, „Landschaft“, „Porträt“ und „Die Kamera als Raum“.

Bereits der von Dieter Appelt (*1935, Niemegk) gewählte Titel „Die Schatten erinnern an nichts“ deutet darauf hin, dass seine abstrakten Bilder auf nichts außer sich selbst verweisen wollen. Sogenannte objets trouvés, also gefundene Gegenstände, hat er auf Drehscheiben gelegt, um sie in Bewegung mit einer hohen Belichtungszeit aufzunehmen.

Künstler wie Gottfried Jäger (*1937, Burg) und Karl Martin Holzhäuser (*1944, Gardelegen) vertreten die „Generative Fotografie“ als weiteren Aspekt der abstrakten Fotografie. Ihre Arbeiten beziehen sich nicht mehr auf eine Referenz in der Wirklichkeit, sondern generieren sich aus Lichtzeichnungen auf Fotopapier in der Dunkelkammer.

So verdanken sich die Lichtmalereien – Luminogramme – von Karl Martin Holzhäuser einer von ihm selbst konstruierten Apparatur, einem sogenannten „Lichtpinsel“. Dabei entstehen komplexe Zeichenstrukturen, die mit Zeitdaten betitelt sind.

Ohne Kamera ist auch die serielle Arbeit „Pyrographie“ von Helena Petersen (*1987, München) entstanden. Die Mündungsfeuer einer Schusswaffe haben in einem abgedunkelten Schießstand die Fotopapiere belichtet und darauf zugleich Abriss- und Schmauchspuren hinterlassen.

Bei den Bildern von Raphael Hefti (*1978, Biel, Schweiz) dienen die leicht entzündlichen Sporen des Schlangenmooses Lycopodium als Lichtquelle zur Belichtung des Fotopapiers in der Dunkelkammer. Bei der Entzündung der Sporen kommt es zusätzlich zu kleinen Explosionen, die ihrerseits Licht ausstrahlen und ebenso wie bei Helena Petersen Licht- und Brandspuren hinterlassen.

Jeff Cowen (*1966, New York, USA) bevorzugt Schwarz-Weiß-Aufnahmen und wurde durch seine Fotocollagen bekannt, in denen er fotografische, zeichnerische und malerische Ausdrucksformen experimentell miteinander verknüpft. So verstreicht er beispielsweise die Entwicklerflüssigkeit mit dem Pinsel auf seine Silbergelatineabzüge anstatt sie darin einzutauchen.

Die Werkgruppe „andere Portraits“ 1993/94 von Thomas Ruff (*1958, Zell am Harmersbach) ist mithilfe eines Fotomontagegeräts entstanden, das früher auch zur Herstellung von Phantombildern benutzt wurde. Damit lässt der Künstler jeweils zwei Porträts junger Menschen zu einem Bild verschmelzen, das er abfotografiert und als Vorlage für einen Siebdruck verwendet. Mit seiner Bildmanipulation fordert Ruff den Betrachter dazu auf, fotografische Eingriffe jeglicher Art zu hinterfragen.

Jürgen Klauke (*1943, Cochem) greift für seine Fotoarbeiten „The Big Sleep“ auf die Durchleuchtungsgeräte der Sicherheitskontrolle an Flughäfen zurück. Die vom Monitor abfotografierten Bilder werden im Fotolabor auf Ilfochrome-Papier entwickelt. Die Farbgebung der bildnerischen Resultate wird durch Solarisationen, Überlagerungen, Negativ-Schichtungen und ein abschließendes Siebdruckverfahren generiert.

Auch bei einem Fotogramm handelt es sich um eine Direktbelichtung ohne Kamera. Floris M. Neusüss (*1937, Remscheid) gilt als der erste Künstler, der zweieinhalb Meter große Ganzkörperfotogramme hergestellt hat. Die Personen liegen während der Belichtung so auf dem Fotopapier, dass sie auf dem Fotogramm „Tanz“ aus dem Jahr 1965 zu tanzen scheinen

Zurück in die Zukunft der Fotografie
8. Juni – 27. August 2016
ART FOYER der DZ BANK

Eröffnung: Dienstag, 1. Juni 2016 um 19 Uhr

Begrüßung: Dr. Cornelius Riese, Mitglied des Vorstands der DZ BANK AG
Einführung: Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

DZ BANK Kunstsammlung – ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten:
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-99144 oder E-Mail: kunst@dzbank.de