Kategorie-Archiv: Biebricher Schloss Rotunde

Bischof der Herzen, Kardinal Lehmann, ist mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille im Wiesbadener Schloss Biebrich geehrt worden

Langjähriger Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann von Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit höchster hessischer Auszeichnung, der Wilhelm-Leuschner-Medaille, geehrt. Foto: Heike v. Goddenthow
Langjähriger Mainzer Bischof Karl Kardinal  Lehmann von Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit höchster hessischer Auszeichnung, der Wilhelm-Leuschner-Medaille, geehrt. Foto: Heike v. Goddenthow

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal  Lehmann ist während eines Festaktes am 30. November 2016 mit der Wilhelm Leuschner-Medaille ausgezeichnet worden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der auch die Laudatio hielt, überreichte Lehmann die höchste Auszeichnung des Landes Hessens im Wiesbadener Biebricher Schloss.

Bouffier  würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als  einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Wörtlich sagte der Hessische Ministerpräsident: „Sie haben die Fähigkeit zu verbinden und sowohl menschlich als auch intellektuell Gegensätze zu überwinden. Ihnen ist es gelungen, ein Mittler zwischen der Wissenschaft und dem Glauben, der katholischen und der evangelischen Kirche, zwischen den christlichen und nichtchristlichen Religionen, zwischen Gesellschaft und Politik, ja sogar zwischen Kirche und Sport“, sagte der Ministerpräsident in seiner Laudatio im Wiesbadener Schloss Biebrich. „Sie sind ein Mann unserer Zeit und waren als Bischof von Mainz eine Idealbesetzung. Die Menschen in und um Hessen haben ‚ihren Karl‘ tief ins Herz geschlossen und Ihre Arbeit sehr geschätzt.“

Ministerpräsident Bouffier  würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als  einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Foto: Heike v. Goddenthow
Ministerpräsident Bouffier würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Foto: Heike v. Goddenthow

In Anspielung auf das auf Georg August Zinn  zurückgehende Zitat „Hesse ist, wer Hesse sein will“, sei auch Lehmann ein Hesse, selbst wenn er bekennender Mainzer sei, so Bouffier. Immerhin befänden sich  zwei Drittel des Mainzer Bistums auf hessischer Seite. So  war Kardinal Lehmann als Bischof von Mainz auch für den größten Teil der in Hessen lebenden Katholiken das geistliche Oberhaupt. „Karl Kardinal Lehmann war wie kein anderer in mehr als drei Jahrzehnten, fast 33 Jahren, der Repräsentant des Katholizismus in der Diözese Mainz. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. An seinem 80. Geburtstag trat er im Mai als Bischof von Mainz zurück. Durch sein fundiertes theologisches Wissen und seine mitmenschliche Ausstrahlung hat er dem Bistum und seinen Gläubigen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus eine geachtete Stimme verliehen. Kardinal Lehmann war und ist für gesellschaftliche und politische Fragen stets ein wichtiger und allseits geschätzter Ratgeber. Er war ein beliebter Verwalter und Gestalter eines jahrtausendealten Erbes. Für sein Lebenswerk bei der Erneuerung der Kirche und den gelebten Geist der Ökumene erhält Kardinal Lehmann die höchste Auszeichnung des Landes Hessen“, sagte der Ministerpräsident.

Volker Bouffier hob in seiner Laudatio Kardinal Lehmanns Standfestigkeit in Glaubensfragen hervor. Als Sprecher der deutschen Bischöfe habe Lehmann mit Entschiedenheit und großem Engagement die Interessen der deutschen Katholiken auch immer wieder vor dem Vatikan vertreten.

„Sie haben den Menschen auch außerhalb der katholischen Kirche Ihre Hand gereicht und sich mit Einfühlungsvermögen, Kraft und Beharrlichkeit für das Miteinander eingesetzt. Das Zusammenführende von katholischer und evangelischer Kirche war immer Triebfeder, um sich mit Beharrlichkeit für die Gemeinsamkeiten der Christen im Glauben einzusetzen. Ihr Wort war stets geschätzt und hat auch weiterhin für die Katholiken in Hessen, in Deutschland, und für unsere gesamte Gesellschaft Gewicht. So wurden Sie zum Gesicht einer menschenfreundlichen Kirche“, sagte Regierungschef Volker Bouffier und betonte, dass Lehmann stets zum wertschätzenden Miteinander eintreten sei, das Gemeinsame unter Menschen zu suchen, ohne das Trennende zu missachten. Lehmann sei ein „Glücksfall“ für sein Bistum und sein Land gewesen.

Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Bischof em. von Mainz: "Ich verstehe die Verleihung der Medaille als Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“  Foto: Diether v. Goddenthow
Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Bischof em. von Mainz: „Ich verstehe die Verleihung der Medaille als Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“ Foto: Diether v. Goddenthow

In seinem Dankwort sagte Kardinal Lehmann, die Verleihung als „Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“ zu verstehen. Er wolle sich für die „Art und Weise des Umgangs miteinander im politischen Geschäft und zumal mit den Kirchen und Religionen“ bedanken. „Es gibt in diesem Land klare Konturen der einzelnen Parteien und der verantwortlichen Persönlichkeiten, auch gelegentlichen Streit und – gar nicht so selten – ein erstaunliches, geradezu friedliches Miteinander. Dies ist gewiss nicht alle Tage so. Aber ich meine darin doch etwas von den bleibenden Errungenschaften der Widerstandskämpfer für uns und – wie es schon in der Gründungsurkunde des Preises heißt – vom Geist Wilhelm Leuschners‘ zu erkennen“, betonte der Kardinal.

Dem Lande Hessen sei er seit 1983 in besonderer Weise verbunden, sagte Lehmann: „Weit über zwei Drittel der katholischen Christen im Bistum Mainz, für die ich 33 Jahre Bischof sein durfte, leben in Hessen. Ich lernte Land und Leute schätzen und nicht selten lieben. Dies gilt besonders auch für die wirtschaftlichen und sozialen, die kulturellen und wissenschaftlichen Beiträge von vielen Frauen und Männern.“

Kardinal Lehrmann ist der 226. Träger der Wilhelm Leushcner-Medaille, die der  ehemalige Ministerpräsident Georg August Zinn am 29. September 1964 anlässlich des 20. Todestages Wilhelm Leuschners stiftete. Wilhelm Leuschner war von 1928 bis 1933 hessischer Innenminister. Leuschner zählte zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Leuschner zum Tode verurteilt und am 29. September 1944 hingerichtet. Die nach ihm benannte Medaille wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich beispielhaft für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Die Medaille wird seit 1965 verliehen. Zu den Trägern der Medaille gehören etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Philosoph Jürgen Habermas und der vor drei Jahren verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Die Ehrung markiert den  Auftakt der  Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Landes, der am 30. November und 1. Dezember mit vielen Programmpunkten in der Landeshauptstadt gefeiert wird.

 

 

Festakt im Wiesbadener Schloss Biebrich zum 50jährigen Bestehen 50 Jahre der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) –

50 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG)

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Die DIG hat großen Anteil an der Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland, die eine Verpflichtung für die kommenden Generationen ist“

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) im Namen des Landes Hessen bei einem gemeinsamen Festakt im Wiesbadener Schloss Biebrich zum 50jährigen Bestehen gratuliert. Dabei wurde das Land als Gründungsmitglied der seit 1966 bestehenden und mehr als 5000 Mitglieder zählenden überparteilichen Institution geehrt. „In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft auf vielfache Weise die Solidarität zum Staat Israel und seiner Bevölkerung gestärkt. Was nach den Verbrechen des Holocausts gemeinsam in Israel und Deutschland in Freundschaft erreicht wurde, ist ein großer Erfolg und ein Gewinn für unsere beiden Länder. Es ist zugleich eine Verpflichtung für die kommenden Generationen“, sagte der Ministerpräsident bei seiner Festrede.

Die DIG setzt sich mit ihren über 50 Arbeitsgemeinschaften dafür ein, die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu vertiefen und die internationale Verbundenheit, Toleranz und Verständigung der Völker im Nahen Osten zu fördern. „Dass Israel und Deutschland heute ein gutes Verhältnis zueinander haben, ist all jenen zu verdanken, die der Versöhnung eine Chance gegeben haben. Diese besondere Fügung müssen wir nutzen, und uns alle gemeinsam auch künftig entschieden gegen all diejenigen Kräfte innerhalb und außerhalb Deutschlands wenden, die Israels Lebensrecht als jüdischer Staat bestreiten – ohne Aussöhnung zwischen den Völkern gibt es keinen dauerhaften Frieden“, so Volker Bouffier.

Während des Festaktes hat der Präsident der DIG, Hellmut Königshaus, den israelischen Künstler Amnon Weinstein mit der Ernst-Cramer-Medaille für sein Wirken bei der Aussöhnung und gegen das Vergessen geehrt. Er restauriert Geigen jüdischer Opfer des Holocausts, damit auf ihnen wieder musiziert werden kann. Aus gesundheitlichen Gründen nahm der Sohn des Geehrten, Avshalom Weinstein, die Auszeichnung entgegen. „Wenn deutsche Musiker auf den Geigen von Amnon Weinstein spielen, dann vermischt sich Gegenwart und Vergangenheit und gleichzeitig verbindet sich auch das Leben von Deutschen und Israelis auf besondere Weise. Es ist ein wunderbares Symbol dafür, wie Verantwortung für die Geschichte an die kommenden Generationen weitergegeben wird. Jeder Ton, der aus diesen Geigen erklingt, ist zugleich ein Aufruf zur Toleranz und Völkerverständigung“, sagte Ministerpräsident Bouffier.

Elisabeth-Selbert-Preis 2015 an Uschi Madeisky, Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen überreicht

vlnr.: Dagmar Margotsdotter-Fricke, Autorin und Kulturforscherin, Wedel, Laudatorin, Angela Spizig, Bürgermeisterin der Stadt Köln 2000 - 2014, Laudatorin; Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, vor ihm Ruth Selbert (Tochter von Elisabeth Selbert), Juliane Thevissen, Produzentin, Preisträgerin, Prof. Erica von Moeller, Regisseurin, Preisträgerin, Uschi Madeisky, Filmemacherin und Produzentin, Preisträgerin bei der Verleihung des Elisabeth Selbert-Preises 2015 im Biebricher Schloss © massow-picture
vlnr.: Dagmar Margotsdotter-Fricke, Autorin und Kulturforscherin, Wedel, Laudatorin, Angela Spizig, Bürgermeisterin der Stadt Köln 2000 – 2014, Laudatorin; Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, vor ihm Ruth Selbert (Tochter von Elisabeth Selbert), Juliane Thevissen, Produzentin, Preisträgerin, Prof. Erica von Moeller, Regisseurin, Preisträgerin, Uschi Madeisky, Filmemacherin und Produzentin, Preisträgerin bei der Verleihung des Elisabeth Selbert-Preises 2015 im Biebricher Schloss Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

Sozialminister Stefan Grüttner zeichnete Uschi Madeisky, Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen mit dem Elisabeth-Selbert-Preis 2015 aus für „Herausragende Leistungen für die Verankerung und Weiterentwicklung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft“

Wiesbaden. Anlässlich der Verleihung des Elisabeth-Selbert-Preises sagte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, am Donnerstag: „Die Preisträgerinnen haben sich in jeweils ganz besonderer Weise, mit hervorragenden Leistungen und gestalterischer Kraft für die Verankerung und Weiterentwicklung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft eingesetzt. Ich freue mich, ihnen für diese Leistung heute den Elisabeth-Selbert-Preis überreichen zu können.“ Der Preis 2015 geht zu gleichen Teilen an die Filmemacherin und Produzentin Uschi Madeisky aus Frankfurt sowie an das Team des Elisabeth-Selbert-Films „Sternstunde ihres Lebens“ mit Ulla Ziemann als Autorin, Erica von Moeller als Regisseurin und Juliane Thevissen als Produzentin.

Grüttner überreichte den Preis der Hessischen Landesregierung im Rahmen eines Festaktes in Wiesbaden. Die Laudatio hielten die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Köln Angela Spizig und die Autorin und Kulturforscherin Dagmar Margottsdotter-Fricke aus Wedel. Der Jury des Elisabeth-Selbert-Preises gehören der Minister Grüttner (Jurypräsident), Prof. Dr. Ulrike Detmers (Professorin für Betriebswirtschaft und Unternehmerin), Prof. Dr. Gertrud Höhler (Publizistin und Unternehmensberaterin), Eva Kühne-Hörmann (Hessische Ministerin für Justiz), Brunhilde Raiser (Deutscher Frauenrat) und Maria von Welser (Journalistin, Elisabeth-Selbert-Preisträgerin 2007 und stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland) an.

Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, überreicht Uschi Madeisky die 1. Hälfte des Elisabeth Selbert Preises 2015 in Höhe von 5.000 Euro, © massow-picture
Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, überreicht Uschi Madeisky die 1. Hälfte des Elisabeth Selbert Preises 2015 in Höhe von 5.000 Euro, © massow-picture

Die Mitglieder der Jury freuten sich besonders, so Grüttner, dass mit der Produzentin Uschi Madeisky eine Frau geehrt würde, die auf ein mehr als vierzigjähriges umfangreiches Lebenswerk als Filmemacherin und Produzentin zurückblicken könne. Die im bayrischen Altmühltal geborene Preisträgerin verzog schon in frühster Jugend mit ihren Eltern nach Frankfurt. Ihr filmischer Werdegang nahm 1973 seinen Anfang mit Produktionen zu pädagogischen, kulturellen, gesundheitlichen und Jugendthemen für öffentlich rechtliche Fernsehanstalten und Bildungseinrichtungen. Eng verknüpft mit ihrer Tätigkeit ist ihr Engagement für die Belange weiblicher Kulturschaffender. Mit drei weiteren Stifterinnen gründete sie im Jahr 2000 die Stiftung „maecenia“ für Frauen in Wissenschaft und Kunst. Einzigartig ist ihr Dokumentarfilmwerk über zeitgenössische matriarchale Gesellschaften in China, Indien, Mikronesien und Eritra, das sie zugleich als Anregung für die Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft verstanden wissen möchte. Uschi Madeiskys Filme lenken den Blick nicht nur auf die in der Ferne lebenden Völker , sondern geben darüber hinaus auch eine Vielzahl von zukunftsweisenden Impulsen für ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern. Die besondere Preiswürdigkeit des künstlerischen Schaffens von Uschi Madeisky wird durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Originalität bei der filmischen Erkundung des Zusammenlebens von Frauen und Männern im Zeichen von Toleranz und Respekt unterstrichen. In einer Welt, in der Mädchen und Frauen allein wegen ihres Geschlechts Gewalt erfahren und häufig als wertlos gelten, vermitteln die mit einer starken visionären Kraft und vielen positiven Beispielen weiblicher Stärke ausgestatteten Filme der Preisträgerin Ermutigung, Selbstachtung und Identitätsstiftung.

Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, überreicht Prof. Erica von Moeller und Juliane Thevsisen die 2. Hälfte des Elisabeth Selbert Preises 2015 in Höhe von 5.000 Euro, © massow-picture
Stefan Grüttner, Hessischer Sozialminister, überreicht Prof. Erica von Moeller und Juliane Thevsisen die 2. Hälfte des Elisabeth Selbert Preises 2015 in Höhe von 5.000 Euro, © massow-picture

Die weiteren Preisträgerinnen Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen behandeln in dem Fernsehfilm „Sternstunde ihres Lebens“ den Kampf Elisabeth Selberts um die Aufnahme des nun in Art. 3 des Grundgesetzes aufgeführten Gleichheitssatzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Die 1896 geborene Selbert musste trotz guter Schulnoten allein wegen ihres Geschlechts als 16jährige die Realschule ohne Abschluss verlassen. Erst im Jahr 1926 – als 30 jährige Mutter von zwei kleinen Kindern – holte sie ihr Abitur nach und absolvierte das Jurastudium in Marburg in nur sechs Semestern. Als eine der letzten Frauen erhielt sie zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur die Zulassung als Rechtsanwältin. Hier war sie nahezu täglich mit den Nöten von Frauen, deren Ehen gescheitert waren, konfrontiert. Nach Ende des Krieges wurde sie in verschiedene Gremien zur Neuordnung der Justiz berufen. 1948 folgte dann die Berufung in den Parlamentarischen Rat nach Bonn, der die Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland erarbeitete. An dieser Stelle setzt „Sternstunde ihres Lebens“ ein. Als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin haben es die Preisträgerinnen auf vorbildliche Weise verstanden, das Wirken und die besonderen Verdienste von Elisabeth Selbert atmosphärisch dicht und spannend zu visualisieren. Der „hessischen Mutter“ des Grundgesetzes wird mit dem Film und dem namhaften Darstellerstab um Iris Berben und Anna Maria Mühe in den Hauptrollen von Elisabeth Selbert und ihrer Sekretärin Lankwitz ein würdiges Denkmal gesetzt. Mit „Sternstunde ihres Lebens“ liege eine anschauliche, prägnante und zeitlose Aufarbeitung der Geschichte der rechtlichen Gleichstellung von Frauen in Deutschland vor, die es in dieser Form für eine große Öffentlichkeit bislang noch nicht gegeben habe, unterstrich der Staatsminister. Gerade die jüngere Generation werde durch den Film wirkungsvoll angesprochen.

Wissenswertes zum Elisabeth-Selbert-Preis

© Hessisches Sozialministerium
© Hessisches Sozialministerium

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird seit 1983 von der Hessischen Landesregierung verliehen. Der Preis trägt den Namen der hessischen Juristin und Politikerin Dr. Elisabeth Selbert aus Kassel. Die Aufnahme der Gleichberechtigung in die bundesdeutsche Verfassung war zum großen Teil ihr Verdienst. Elisabeth Selbert setzte 1949 bei den Verhandlungen im Parlamentarischen Rat über das Grundgesetz den Gleichberechtigungsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durch und wird als eine der „Mütter des Grundgesetzes“ bezeichnet. Mit dem Elisabeth-Selbert-Preis werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die sich in hervorragender Weise mit gestalterischer Kraft für die Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Gesellschaft eingesetzt haben. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird in einem Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen.

Elisabeth-Selbert-Preis 2015 geht an Uschi Madeisky, Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen

In diesem Jahr geht der mit 10.000 Euro dotierte Elisabeth-Selbert-Preis des Landes Hessen zu gleichen Teilen an die Filmemacherin und Produzentin Uschi Madeisky aus Frankfurt sowie an das Team des Elisabeth-Selbert-Films „Sternstunde ihres Lebens“ mit Ulla Ziemann als Autorin, Erica von Moeller als Regisseurin und Juliane Thevissen als Produzentin.

Diese Entscheidung der Jury gab heute der Hessische Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner  in Wiesbaden bekannt. „Die Preisträgerinnen haben sich in jeweils ganz besonderer Weise, mit hervorragenden Leistungen und gestalterischer Kraft für die Verankerung und Weiterentwicklung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft eingesetzt“, erklärte der Minister.

Dokumentarfilme über matriarchale Gesellschaften

Uschi Madeisky blickt auf ein mehr als vierzigjähriges, umfangreiches Lebenswerk als Filmemacherin und Produzentin zurück. Einzigartig ist ihr Dokumentarfilmwerk über zeitgenössische matriarchale Gesellschaften in China, Indien, Mikronesien und Eritrea, das sie als Anregung für die Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft versteht.

Die Jury hebt hervor, dass Uschi Madeiskys Filme nicht allein unseren Blick auf Völker, die in der Ferne leben, erweitert, sondern darüber hinaus auch eine Vielzahl von zukunftsweisenden Impulsen für ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern geben. Stefan Grüttner: „In unserer Welt, in der viele Frauen und Mädchen Gewalt allein deshalb erleiden, weil sie weiblichen Geschlechts sind und in ihren kulturellen Zusammenhängen als wertlos gelten, vermitteln ihnen die mit einer starken visionären Kraft und vielen positiven Beispielen weiblicher Stärke ausgestatteten Filme der Preisträgerin Ermutigung, Selbstachtung und Identitätsstiftung“. Auch wird die besondere Preiswürdigkeit des künstlerischen Schaffens von Uschi Madeisky durch ihr hohes Maß an Eigenständigkeit und Originalität bei der filmischen Erkundung des Zusammenlebens von Frauen und Männern im Zeichen von Toleranz und Respekt unterstrichen.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“

Der Fernsehfilm „Sternstunde ihres Lebens“ behandelt den Kampf Elisabeth Selberts um die Aufnahme des Grundsatzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz im Jahre 1949. Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen haben es als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin auf vorbildliche Weise verstanden, das Wirken und die besonderen Verdienste von Elisabeth Selbert atmosphärisch dicht und spannend zu visualisieren. Mit einem namhaften Darstellerstab um Iris Berben und Anna Maria Mühe in den Hauptrollen von Elisabeth Selbert und ihrer Sekretärin Lankwitz wird der hessischen „Mutter des Grundgesetzes“ ein würdiges Denkmal gesetzt. Die Jury lobt „Sternstunde ihres Lebens“ als eine anschauliche, prägnante und zeitlose Aufarbeitung der Geschichte der zivilrechtlichen Gleichstellung von Frauen in Deutschland, die es in dieser Form für eine größere Öffentlichkeit bislang nicht gegeben hat und die es in besonderer Weise vermag, gerade die jüngere Generation wirkungsvoll anzusprechen.

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird am Donnerstag, 5. November 2015 im Rahmen eines Festaktes im Biebricher Schloss der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen.

Hintergrundinformationen zum Elisabeth-Selbert-Preis

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird seit 1983 von der Hessischen Landesregierung verliehen. Der Preis trägt den Namen der hessischen Juristin und Politikerin Dr. Elisabeth Selbert aus Kassel. Die Aufnahme der Gleichberechtigung in die bundesdeutsche Verfassung war zum großen Teil ihr Verdienst. Elisabeth Selbert setzte 1949 bei den Verhandlungen im Parlamentarischen Rat über das Grundgesetz den Gleichberechtigungsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durch und wird als eine der „Mütter des Grundgesetzes“ bezeichnet. Mit dem Elisabeth-Selbert-Preis werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die sich in hervorragender Weise mit gestalterischer Kraft für die Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Gesellschaft eingesetzt haben. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird in einem Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen.

Mehr Informationen zum Elisabeth-Selbert-Preis

19. Mai – Rotundenkonzert im Biebricher Schloss

DSC_250-kleinLandesamt für Denkmalpflege Hessen und Hessisches Immobilienmanagement 

öffnen erneut die Türen und Tore des Biebricher Schlosses für die Musik

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und das Hessische Immobilienmanagement laden wieder zu einem ihrer besonderen Konzerte in die Rotunde des Biebricher Schlosses, Rheingaustraße 140 ein.

Der Festsaal der Nassauischen Sommerresidenz bildet auch

am Dienstag, den 19. Mai 2015 um 19.30 Uhr

wieder den passenden Rahmen für ein ausgewähltes musikalisches Programm. Studentinnen und Studenten
der Wiesbadener Musikakademie spielen Werke zum Thema „Der musikalische Salon – europäische Kammermusik des Bürgertums.“

Der neue Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Dr. Markus Harzenetter, wird die Gäste begrüßen.