Kategorie-Archiv: Deutscher Buchpreis

Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis 2017 für seinen Roman „Die Hauptstadt“

Robert Menasse erhielt heute Abend im Frankfurter Römer den Deutschen Buchpreis 2017 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für sein Werk "Die Hauptstadt", Suhrkamp-Verlag, Berlni 2017, 24;00 Euro. Mit der Verleihung des Deutschen Buchpreises wird die Woche der Buchmesse eingeleitet. Foto: Diether v. Goddenthow
Robert Menasse erhielt heute Abend im Frankfurter Römer den Deutschen Buchpreis 2017 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für sein Werk „Die Hauptstadt“, Suhrkamp-Verlag, Berlni 2017, 24;00 Euro. Mit der Verleihung des Deutschen Buchpreises wird die Woche der Buchmesse eingeleitet.
Foto: Diether v. Goddenthow

Börsenverein zeichnet den deutschsprachigen Roman des Jahres aus / Preisverleihung im Frankfurter Römer vor 300 Gästen

Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017 ist Robert Menasse. Er erhält die Auszeichnung für seinen Roman „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp).

Am Shortlist-Abend im Literaturhaus Frankfurt hatte Robert Menasse noch „sein Schwein“, welches er sinnbildlich für „die“ Brüsseler Bürokratie-Verhältnisse in seinem spannenden Roman „Die Hauptstadt“ durchs Geschehen treibt, gegen Gerd Scobels „Auf-den-Hund-gekommen-Moderation“ verteidigt. Heute flossen Tränen der Rührung und Freude, als den österreichischen Autor völlig unerwartet der Deutsche Buchpreis 2017 traf.
Dem wortgewaltigen Außenseiters des Literaturbetriebs, der zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien unter anderem über Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno abhielt, hatte der Erfolgsschock zunächst ein wenig die Sprache geraubt.

Robert Menasse betont, dass jeder Shortlist-Kandidat den Deutschen Buchpreis 2017 verdient hätte. Foto: Diether v. Goddenthow
Robert Menasse betont, dass jeder Shortlist-Kandidat den Deutschen Buchpreis 2017 verdient hätte. Foto: Diether v. Goddenthow

Seine Worte fand Menasse aber rasch wieder und rief zunächst seinen Mitbewerbern zu: sie alle hätten diese Auszeichnung ebenso verdient. In der restlichen Zeit von drei Minuten, die für Dankesreden zugestanden werden, dankte der Träger des Deutschen Buchpreises 2017 der Jury, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und seinen Sponsoren, und allen, die an seinem Erfolg ihren Anteil hatten. Schließlich nutzte der Autor des preisgekrönten EU-bürokratiekritischen Romans „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp, 2017, 24,00 Euro) die Gelegenheit, auch mal ein Lob an die EU-Beamten auszusprechen, nämlich dafür, dass sie vernünftigerweise die Buchpreisbindung und damit die Vielfalt des Literaturbetriebs bewahrt hätten.

Insofern trifft die Jury-Begrünung auch auf den Menschen Robert Menasse und nicht nur auf sein

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels überreicht Robert Menasse die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2017. Foto: Diether v. Goddenthow
Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels überreicht Robert Menasse die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2017. Foto: Diether v. Goddenthow

Werk zu, wenn es darin heißt: „Das Humane ist immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben: Dass dies auch auf die Europäische Union zutrifft, das zeigt Robert Menasse mit seinem Roman ‚Die Hauptstadt‘ auf eindringliche Weise. Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen. Und macht unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können. Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns – ‚die anderen‘, das sind nicht selten wir selbst. Mit ‚Die Hauptstadt‘ ist der Anspruch verwirklicht, den Robert Menasse an sich selbst gestellt hat: Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden.“

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2017 gehören an: Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk), Maria Gazzetti (Casa di Goethe, Rom), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker, Berlin) und Lothar Schröder (Rheinische Post).

„Wie schaffen wir es in der heutigen Zeit, Menschen mit Büchern zu erreichen? Indem wir Literatur über eine Vielzahl an Kanälen ins Gespräch bringen. Den Austausch über Literatur zu fördern, Debatten und Gespräche anzuregen, das ist der Grundgedanke des Deutschen Buchpreises. Seit dreizehn Jahren macht er erfolgreich aktuelle Romane zum Thema“, sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, heute bei der Preisverleihung.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert: Gerhard Falkner (Romeo oder Julia, Berlin Verlag), Franzobel (Das Floß der Medusa, Paul Zsolnay), Thomas Lehr (Schlafende Sonne, Carl Hanser), Marion Poschmann (Die Kieferninseln, Suhrkamp) und Sasha Marianna Salzmann (Außer sich, Suhrkamp).

Robert Menasse erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Preisträger wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 200 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus haben die Jurorinnen und Juroren sechs Titel für die Shortlist gewählt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2017 zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Unter www.deutscher-buchpreis-blog.de veröffentlichen die „Buchpreisblogger“ Rezensionen zu allen Titeln der Longlist sowie Hintergrundinformationen und kritische Debattenbeiträge. Mehr ist auf der Facebook-Seite des Deutschen Buchpreises und unter dem Hashtag #dbp17 zu finden.

Exklusive englische Übersetzungen von Leseproben der sechs Shortlist-Titel sowie ein englischsprachiges Dossier stehen unter www.new-books-in-german.com bereit.

Weitere Informationen und Termine des Preisträgers rund um die Frankfurter Buchmesse können abgerufen werden unter www.deutscher-buchpreis.de.

Zum Buch:

4.die.hauptstadtIn Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; »zu den Akten legen« wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.
Suhrkamp Verlag
Gebunden, 168 Seiten
ISBN:978-3-518-42758-3
459 Seiten, 24,00 Euro

Deutscher Buchpreis 2017: Live-Übertragung der Preisverleihung #dbp17

Logo_dbp_17_RGBDabei sein, wenn der deutschsprachige Roman des Jahres gekürt wird: Literaturbegeisterte können die Verleihung des Deutschen Buchpreises am 9. Oktober im Internet und Radio live verfolgen. Unter www.deutscher-buchpreis.de wird die Veranstaltung ab 18 Uhr als Video-Livestream aus dem Frankfurter Römer übertragen. Gleichzeitig senden Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur die Preisverleihung im Rahmen von „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Livestream im Internet unter www.deutschlandfunk.de. Wer den Preis gewinnt, erfahren Interessierte auch direkt über: www.twitter.com/buchpreis, Hashtag: #dbp17.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2017 zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ aus. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Neuigkeiten sind auch über die Facebook-Seite des Deutschen Buchpreises abrufbar: www.facebook.com/DeutscherBuchpreis

Fünf Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 lasen im Literaturhaus Frankfurt aus ihren Werken

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Bereits zum zehnten Mal veranstalteten gestern Abend das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung anlässlich des 13. Deutschen Buchpreises den Shortlist-Abend, bei dem fünf der sechs potentiellen diesjährigen Buchpreisträger aus ihren Werken lasen und diese in Interviews mit Sandra Kegel, F.A.Z., Alf Mentzer, hr2-kultur und Gert Scobel, 3sat vorstellten.

Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow
Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow

Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt, freute sich bei der Begrüßung, „dass sechs Autoren auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stehen, die kürzlich oder regelmäßig oder in Kürze ohnehin unsere Gäste waren, sind oder sein werden“, unter anderem Shooting-Star Sasha Marianna Salzmann, die für ihr Debüt „Außer sich“ (Suhrkamp Verlag, 2017) demnächst im Literaturhaus Frankfurt den Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung entgegennehmen kann. Er gratulierte allen Autorinnen und Autoren für ihren großen Erfolg, es in diese hochkarätige Endrunde geschafft zu haben.

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig. Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig. Foto: Diether v. Goddenthow

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, als Autorin und gewesene Literaturkritikerin bestens im Literaturbetrieb unterwegs, weiß, dass der große Erfolg auf der Shortlist zu stehen, durchaus als Kehrseite auch eine Strapaze für die Autoren bedeute. Aber  Strapaze, Nervosität, Konkurrenz  usw. gehörten eben auch zum Prozedere des Deutschen Buchpreises dazu.  Aber etwas sei dieses Jahr anders, stellte Hartwig fest:  Zum ersten Mal, so ihr Gefühl, sei die Jury nicht kritisiert, sondern sogar von den Medien gelobt worden. Sie habe den Eindruck, dass dieses Mal die ästhetische Qualität im Vordergrund stehe und der Buchpreis in diesem Jahr seine Aufgabe im Ideal-Sinne erfülle, so die Kulturdezernentin. Eine wirkliche Krise des Buches, die schon immer vor jeder  Buchmesse ausgerufen wurde, gäbe es nicht,  allenfalls eine Krise des Lesens, da das Internet unser Verhältnis zur Zeit verändert habe, insbesondere von Frauen, den Hauptleserinnen. War die Großzeit des Romanlesens im 19. und 20.Jahrhundert, ist die Aufgabe des Romans, oder das, was die Romane können, gleichgeblieben, so Hartwig: „Sie sind  einzigartig in der Erforschung des menschlichen Innenlebens.“ Diese Introspektion  könnten weder Film noch bildende Kunst leisten. „Das können tatsächlich nur Romane leisten“,  weswegen die Neugier auf Romane – wie auch der große Andrang des Leserpublikums heute Abend zeige – ungebrochen bleibe.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Diether v. Goddenthow
Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Diether v. Goddenthow

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels , griff nicht zu hoch, als er noch ein  Schippchen drauflegte, indem er dem Publikum zurief: „Sie werden Zeugen, wie die Besten der Besten nicht nur Rede und Antwort stehen, sondern aus ihren Werken lesen werden. Das ist ein Genuss, den es so ohne Weiteres  nicht gibt!“ Skipis lobte und dankte der Jury für „die Ungeheuerlichkeit“:  sie habe über 200 Neuerscheinungen in dieser Saison nicht nur gesichtet,  sondern gelesen und daraus eine Longlist von 20 Titeln und schließlich eine Shortlist von 6 Titeln destilliert. Sie würden da heraus  am 9. Oktober 2017 auf der Veranstaltung im Kaisersaal des Römers der Stadt Frankfurt die Siegerin oder den Sieger des Deutschen Buchpreises küren.
Trotz des gewaltigen Medienumbruchs der vergangenen 10 bis 15 Jahre habe sich – auch im Umsatz der Branche – gezeigt, so Skipis, dass das Buch in der Gesellschaft fest verankert sei, weil es ganz offensichtlich die passgenaue Antwort auf  ein Bedürfnis der Menschen sei, von  anderen Menschen zu erfahren, was sie bewege, was ihre Visionen, ihre Leidenschaften  und ihre Obsessionen seien, was sie dächten. Die Rolle des Romans hatten einst, als man noch nicht publizieren konnte, Geschichtenerzähler inne, um die herum Menschen mit staunenden Augen saßen und gebannt vernahmen, was diese kundtaten. „Genau das tut Literatur. Daher ist es mir um das Buch überhaupt nicht bange. Ich weiß genau, dass wir das Buch als das, was es ist, als eine lineare Erzählung,  eigentlich alle wollen. Insofern mache ich mir keine Sorgen um das Buch“, so Skipis.

Floß der Medusa

Autor Franzobel und FAZ-Feuilleton-Redakteurin Sandra Kegel. Foto: Diether v. Goddenthow
Autor Franzobel und FAZ-Feuilleton-Redakteurin Sandra Kegel. Foto: Diether v. Goddenthow

Autor Franzobel und FAZ-Feuilleton-Redakteurin Sandra Kegel eröffnen mit dem Roman „Das Floß der Medusa“ die Shortlist-Runde. Der österreichische Autor Franzobel, Bachmann-Preisträger 1995, ist literarisch breit aufgestellt. In Anlehnung an Théodore Géricaults berühmtes Louvre-Bild „Das Floß der Medusa“ und nach gründlicher Recherchen erzählt Franzobel in seinem gleichnamigen Roman das legendäre Ende der französischen Fregatte Medusa im Jahr 1816 neu. Es ist die Geschichte eines unfähigen Kapitäns, ursprünglich Zoll-Offizier, vor Napoleon geflohen und wieder zurückgekehrt, der durch Beziehungen das Kommando über eine Flotte mir vier Schiffen nach Senegal erhielt. Schon seine  erste Fahrt endete in der Katastrophe. Der unerfahrene Kapitän war mit seiner Fregatte Medusa auf eine Sandbank aufgelaufen, da er sich über den Rat seiner Offiziere hinwegsetzt hatte.

Weil die vorhandenen sechs Rettungsboote, vier davon in schlechtem Zustand, nur einen Bruchteil der Besatzung fassen konnten, befahl der Kapitän, aus den Masten und Rahen der Medusa mit Hilfe komplizierter Seilwinden ein großes Floß zu bauen. Es maß 8 mal 15 Meter für 149 Menschen. Es versank bei Betreten so tief, dass die eng aneinander gedrängten Schiffbrüchigen sofort hüfthoch im Salzwasser standen. An Seile gekettet, sollten die Rettungsboote das völlig überladene Floss an Land ziehen. Das misslang. So kappte man nach kurzer Zeit die Seile und überließ die Schiffbrüchigen sich selbst. Franzobels Roman beginnt mit der „Rettungssituation“. Er beschreibt, was Théodore Géricaults Bild zeigt, die Situation, als der Kapitän der Argus das Elends-Floß der Medusa mit 15 eher wie lebende Toten ausschauenden Überlebenden nach 13 Tagen Irrfahrt entdeckt. An einer Leine herabhängende graue Trockenfleischstreifen, ein im Gebälk steckengebliebener, abgetrennter Fuß zeugen von Kannibalismus. Die Menschen hatten sich gegenseitig aufgegessen, um zu überleben.
2floss.der.medusa2Es ist ein ergreifender, gewaltiger Roman, der gewisse Parallelen zur Gegenwart aufzeigt und, wenn man wollte, auch als Parabel zum heutigen Flüchtlingsdrama im Mittelmeer verstanden werden könnte. Es ist ein Roman der zeigt, dass Menschen in jeder Gesellschaft unter bestimmten Bedingungen zu Barbaren werden können.

Auf das Thema gestoßen ist Franzobel „durch eine Nebenbemerkung eines Theaterintendanten“. Auch Géricaults romantisches Bild „Floß der Medusa“ habe er nicht wirklich gekannt. Er habe das Bild im Louvre studiert und viel über den Fall und Seereisen zu Anfang des 19. Jahrhunderts recherchiert. Sein ursprüngliches Vorhaben, den Roman im romantischen Stil zu verfassen, habe er jedoch wieder aufgegeben, da es  ihn zu sehr wie eine Sprachmaske erschienen wäre. Drei Jahre hat Franzobel an dem Werk gearbeitet, wobei es ihm mitunterschwer fiel, Abstand zu finden, und er mitunter „selbst nicht mehr wusste, was historisch und was erfunden war“, so der Autor.

Kieferninseln

Marion Poschmann und Alf Mentzer. Foto: Diether v. Goddenthow
Marion Poschmann und Alf Mentzer. Foto: Diether v. Goddenthow

Als zweite im Shortlist-Reigen unterhielten sich Marion Poschmann, „Kieferninseln, Suhrkamp,  und Alf Mentzer. Die Berliner Germanistin und Slawistin erhielt unter anderem den  Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik, gewann 2013 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und stand bereits mit ihrem Roman „Die Sonnenposition“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Poschmanns psychologisch hintergründiger, völlig absurder Roman erzählt von einer wahnhaften Kurzschlußhandlung: Der Privatdozent und Bartforscher Gilbert Silvester hat geträumt, dass seine Frau ihn betrügt, und da ihn dieser Traum den ganzen Tag über verfolgt, wird hieraus für ihn Realität. Er stellt seine Frau schließlich zur Rede. Als diese ihm daraufhin vorwirft, er habe sich morgens doch selbst aus dem Haus geschlichen, „geht sie zu weit, ihm dafür noch die Schuld zu geben“. Nach einem hässlichen Streit bleibt ihm keine andere Wahl, als seine Frau Hals über Kopf zu verlassen. Gilbert Silvester steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Haiku-Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den suizidalen Petrochemie-Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre, einer „Anleitung zur Selbsttötung“ unterwegs ist, dem ‚Complete Manual of Suicide‘.

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Die Geschichte wird immer absurder, wobei ein wesentlicher Reiz des Romans im hohen Neurotizismusgrad des Protagonisten liegt, der den unterschiedlichsten Illusionen, Lebenslügen und Einbildungen aufsitzt, und alles im Nachgang solange rationalisiert, bis es für ihn passt, bis sein Verhalten für ihn beinahe zwingend unvermeidbar erscheint: „Im Airbus auf dem Weg nach Tokyo trank er grünen Tee, sah zwei Samuraifilme in der Rückenlehne des Vordersitzes und überzeugte sich immer wieder davon, daß er nicht nur alles richtig gemacht hatte, sondern daß sein Handeln unausweichlich gewesen war, daß es weiterhin unausweichlich war und unausweichlich sein würde, nach seiner persönlichen Meinung und nach der Meinung der Welt.“ (Kieferninseln, Suhrkamp-Verlag 2017, Seite 8).

Die Hauptstadt

Robert Menasse mit 3-Sat-Moderator Gert Scobel. Foto: Diether v. Goddenthow
Robert Menasse mit 3-Sat-Moderator Gert Scobel. Foto: Diether v. Goddenthow

Robert Menasse, dritter Autor im Shortlistreigen mit 3-Sat-Moderator Gert Scobel, ist in seinem spannenden EU-Roman „Die Hauptstadt“, Suhrkamp-Verlag, auf’s Schwein gekommen, auf das Borstenvieh als Universal-Metapher vom Glücks- bis zum Dreckschwein für alles, was Menschen sind und sein können. „Ich wollte versuchen zu erzählen: Was machen eigentlich die Menschen in der Europäischen Kommission. Sie haben ein schlechtes Image, sie sind irgendwie so mit Klischees und Vorurteilen konfrontiert“ und jeden Tag werde die Europäische Kommission aus politischem Kalkül  wie eine Sau durch’s Dorf getrieben, so der promovierte Autor. Er studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft. Sechs Jahre lehrte er – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo.

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Auch als  „Querschnittmaterie“ eignet sich das Schwein bestens. Denn quer durch die Europa-Bürokratie sind unter Umständen ganz unterschiedliche Abteilungen für „das Schwein“ zuständig. Das hängt davon ab, „ob das Schwein noch im Stall steht, oder ob es geliefert wird für den Schlachthof, ob es im Schlachthaus ist oder ob es bereits in der Weiterverarbeitungsindustrie ist oder im Container für den Export“, so Menasse. Jeweils sei ein anderer dafür zuständig. „Das ist ein Glücksfall, wenn man erzählen will, was die Bürokratie macht.“  Und ein zweiter Grund für die Wahl des „Schweins“ sei, dass das herumlaufende Schwein die verschiedenen Hauptfiguren des Romans miteinander verbinde, die sich zufällig am selben Platz im Zentrum von Brüssel befänden, ohne voneinander zu wissen, so Menasse. Im Kern geht es jedoch nicht nur ums Schwein. Es geht auch um einen Kriminalfall vor dem Hintergrund, dass eine Beamtin der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission mit Hilfe eines Referenten das Image der EU-Kommission aufpolieren soll. Gleich zu Beginn gibt es einen Toten. Die Polizei kommt.

Es ist ein spannendes Buch mit fundiert recherchierten EU- Insiderinformationen, welches den Bogen weit spannt zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.

Außer sich

Sandra Kegel mit Sasha Marianna Salzmann. Foto: Diether v. Goddenthow
Sandra Kegel mit Sasha Marianna Salzmann. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Vierte in der Folge las und präsentierte Sasha Marianna Salzmann im Interview mit Sandra Kegel ihren autobiographisch gefärbten Debüt-Roman „Außer sich“, Suhrkamp-Verlag. Vor dem Hintergrund des Schicksals einer jüdischen Familie in Moskau, die aufgrund antisemitischer Anfeindungen in den neunziger Jahren nach Deutschland emigriert, erzählt die Autorin vom entwurzelten Schicksal des inzestuös verbandelten Zwilling-Paars Alissa und Anton. Noch in Berlin schmeißt Alissa ihr Mathematikstudium. Es hält sie vom Boxtraining ab. Anton verschwindet spurlos, bis irgendwann eine Postkarte aus Istanbul  kommt, ohne Text, ohne Absender. Alissa macht sich auf nach Istanbul, um in der zerrissenen, flirrenden  Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte nach ihrem verschollenen Bruder zu suchen, aber vor allem nach ihren eigenen Wurzeln, nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht. Dabei thematisiert die Autorin perspektivisch Zugehörigkeitsfragen, erzählt humorvoll von brüchigen Identitäten und skizziert ganze Lebensgeschichten aus vier Generationen ihrer Familie.

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Sasha Marianna Salzmann, unter anderem seit der Spielzeit 2013/2014 Hausautorin am Maxim Gorki Theater Berlin, deren Stücke international aufgeführt und ausgezeichnet wurden, studierte Literatur/Theater/Medien sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. „Außer sich“  ist ihr Debütroman, für den sie im November den Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung im Frankfurter Literaturhaus erhalten wird..

 

Schlafende Sonne

Thomas Lehr mit Alf Mentzer. Foto: Diether v. Goddenthow
Thomas Lehr mit Alf Mentzer. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Abschlussrunde des Shortlist-Abends bestritt Thomas Lehr „Schlafende Sonne“, Suhrkamp mit Alf Mentzer. Thomas Lehr stand bereits 2005 und 2010 auf der Shortlist. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2012 mit dem Marie-Luise Kaschnitz-Preis und 2015 mit dem Joseph Breitbach-Preis. „Schlafende Sonne“ ist Teil 1 einer Roman-Trilogie geworden, als Thomas Lehr beim Schreiben seiner Dreiecksgeschichte zwischen der Malerin Milena Sonntag, ihrem Mann Jonas und ihrem ehemaligen Philosophielehrer, mit dem sie ein halbamouröses und haltwahlverwandtschaftliches Verhältnis verbindet, der Stoff entglitt und der Autor anfing, über sich selbst nachzudenken. „Da wurde der Physiker Jonas plötzlich zum Solarphysiker, und dann fing ich an über die Sonne nachzudenken, und dann merkte ich: ‚Oh, jetzt willst du einen Roman eigentlich so ziemlich über alles schreiben, was dich interessiert!‘“ Da habe man nur zwei Möglichkeiten, so Lehr:– „Entweder man hört auf oder man fängt an!“. Lehr hat sich auf das „Anfangen“ eines „sehr markanten Projektes“ eingelassen, wie er sagt, „was mich selbst, an die Grenzen dessen bringt, was ich schöpferisch entscheiden kann!“ Lehrs sehr potente Zentralmetapher dabei ist die Sonne. Auf Menasses „Die Hauptstadt“ anspielend: „Die Sonne ist mein Schwein“, vielmehr die Sonne und das Licht in seinen Hauptfacetten, nicht nur als ganz konkretes physikalisches Licht, sondern auch mit dem Motiv des Lichtes im 20. Jahrhundert. Das habe ihn umgetrieben, „weil es gewissermaßen mein oder unser Jahrhundert ist“, so Lehr.

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Im 20. Jahrhundert sei mit dem Licht, auch physikalisch betrachtet, viel Neues passiert: So habe sich mit „der Entdeckung der Quanten- und der Relativitätstheorie, die sich beide mit dem Licht beschäftigen, unser Weltbild verändert“, so der Autor. Auch die Malerei habe im 20. Jahrhundert neue Schritte unternommen. Und über das Licht als Synonym für Wahrheit und Erkenntnis, „das Licht der Erkenntnis, kam mein Steckenpferd, die Philosophie auch noch dazu“, so Lehr. Zuletzt kreiste sein Interesse um das Licht der  Sonne „als solare Physik, als Physik der Sonne und aber auch als Synonym für politische Macht.“  Von Echnaton bis zum Hakenkreuz haben sich schon immer die Mächtigen des Lichtes als Symbol politischer Macht  bemächtigt. Das alles entstand während des Schreibens, und er beschloss dies auf diese Dreiecksgeschichte draufzusetzen. Er stellte fest, wenn er noch eine vierte Figur einführe, was er mit dem 106jährigen Augenzeugen Friedrich Bernsdorf tat, kann die ganze mehrbändige, insgesamt dann 1500 bis 2000 Seiten lange Geschichte in drei Bänden gelingen.

„Schlafende Sonne“ der erste Band seines „Universal-Romanprojektes“ ist ihm schon mal  geglückt. Von einem einzigen Tag, dem 19. August 2011, ausgehend, entwirft er während eines Vernissagenbesuches   im Rückblick sprialförmig  ein  ein Jahrhundert umfassendes Geschichtslabyrinth: Hierzu lässt er den Dokumentarfilmer und Philosophielehrer Rudolf Zacharias zu einer Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag nach Berlin reisen. Auf der Ausstellung bringt er seine künstlerische Lebensbilanz und die historischen Katastrophen nebst privater Verwicklungen dreier Menschen neu zur Sprache. Sie führen ihn von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Die Bücher der Shortlist 2017 für den Deutschen Buchpreis auf einen Blick

Die Werke der Shortlist-Titel für den Deutschen Buchpreis 2017 im Einzelnen:

Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)

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Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis ihm durch Zufall das Puzzle der Erinnerung zu einem Bild zusammenfällt, das ihn weit in die eigene Biographie zurückführt. Am nächsten Morgen klingelt die Polizei an der Tür seiner Berliner Wohnung, denn unter dem Fenster von Prinzhorns Zimmer in Madrid wurde eine tote Frau gefunden.
Berlin-Verlag.
ISBN:978-3-8270-1358-3
272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
22,00 Euro

 

Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)

2floss.der.medusaDas Floß der Medusa
Franzobel
Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben? Ein epochaler Roman von Franzobel.
18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels epochalen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?
Zsolnay
Fester Einband
ISBN 978-3-552-05816-3
ePUB-Format
ISBN 978-3-552-05843-9
592 Seiten, 26,00 Euro

 

Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)

3schlafende.sonne Ein Jahrhundert Deutschland – an einem Tag im Sommer 2011: Thomas Lehr hat einen großen Roman geschrieben.
Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will der Dokumentarfilmer die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. Thomas Lehrs Roman spielt an einem Sommertag des Jahres 2011 – und zugleich in einem ganzen Jahrhundert. Denn in ihrer Ausstellung zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-25647-7
ePUB-Format
ISBN: 978-3-446-25766-5, 640 Seiten,
28,00 Euro

 

Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)
4.die.hauptstadt In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; »zu den Akten legen« wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.
Suhrkamp Verlag
Gebunden, 168 Seiten
ISBN:978-3-518-42758-3
459 Seiten, 24,00 Euro

 

Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)

5.kieferninseln

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.
Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintoismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?
Suhrkamp Verlag
Gebunden, 168 Seiten
ISBN: 978-3-518-42760-6, 20,00 Euro

 

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)

6.aussersich Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.
Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.
Suhrkamp Verlag
Gebunden, 366 Seiten
ISBN: 978-3-518-42762-0, 22,00 Euro

Die Autoren der Shortlist Deutscher Buchpreis 2017 Am 23. September im Literaturhaus Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bereits im dreizehnten Jahr bringt der Deutsche Buchpreis deutschsprachige Literatur ins Gespräch und gewinnt damit die Aufmerksamkeit der Leser wie Literaturkritiker gleichermaßen. Die Shortlist-Veranstaltung knüpft an diesen Erfolg an: Zum zehnten Mal präsentieren das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung, die den Preis vergibt, die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises vor der Preisverleihung Mitte Oktober. Fünf der sechs Finalisten, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den deutschsprachigen Roman des Jahres stehen, werden am 23. September im Literaturhaus in Lesungen und Gesprächen vorgestellt. Der sechste Nominierte, Gerhard Falkner, kann an diesem Abend nicht in Frankfurt sein. Der „Shortlist-Abend“ ist für das Frankfurter Publikum die einmalige Chance, die Nominierten des Deutschen Buchpreises vorab zu erleben. Die Moderationen übernehmen Sandra Kegel, Gert Scobel und Alf Mentzer.

hr2-kultur bleibt auch im zehnten Jahr Medienpartner und sendet Ausschnitte der Veranstaltung ab 2. Oktober.

Der Abend:
18.00 h: Begrüßung: Hauke Hückstädt, Dr. Ina Hartwig, Alexander Skipis
18.15 h: Franzobel: Das Floß der Medusa; Moderation: Sandra Kegel, F.A.Z.
18.45 h: Marion Poschmann: Die Kieferninseln; Moderation: Alf Mentzer, hr2-kultur
19.15 h: Robert Menasse: Die Hauptstadt; Moderation: Gert Scobel, 3sat
19.45 h: PAUSE
20.15 h: Sasha Marianna Salzmann: Außer sich; Moderation: Sandra Kegel, F.A.Z.
20.45 h: Thomas Lehr: Schlafende Sonne; Moderation: Alf Mentzer, hr2-kultur

Karten (12/8 €) ab 15.09. (14 h) unter literaturhaus-frankfurt.de. Im Online-Kartenshop: https://literaturhaus-frankfurt.reservix.de/events, über das Kartentelefon: 069 – 40 76 62 58 0 (Ticketanbieter ADticket) und ADticket-VVK-Stellen: https://www.adticket.de/Liste-der-Vorverkaufsstellen.html?filter_city=&filter_zip=&limit=30&limitstart=0

Die Veranstaltung „Die Autoren der Shortlist – Deutscher Buchpreis 2017“ ist eine Kooperation des Kulturamtes Frankfurt am Main und des Literaturhauses Frankfurt. Partner ist die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung. Medienpartner ist hr2-kultur.
Sendung auf hr2-kultur: 02.10. bis 07.10. um 9.30 h und 15 h.

Literaturhaus-Veranstaltungskalender 

Ort:
Literaturhaus Frankfurt e.V.
Schöne Aussicht 2,
60311 Frankfurt am Main

Die 6 Finalisten für den Deutschen Buchpreis 2017 stehen fest

Shortlist2(c)Gass-BoersenveDeutscher Buchpreis 2017: Sechs Romane im Finale. Die Jury hat sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 ausgewählt:

  • Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)
  • Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)
  • Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)
  • Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)

„Angesichts unserer Endlichkeit seien wir verpflichtet, kühn zu denken, hat Imre Kertész einmal geschrieben. Kühnes Denken: das ist es, was die Texte der Shortlist miteinander verbindet – bei aller thematischen und ästhetischen Unterschiedlichkeit. Allen gemeinsam ist das Bewusstsein, dass ernsthaftes literarisches Tun immer auch ein Brechen mit herrschenden Ordnungen im Sprechen, Denken und Fühlen bedeutet. Thematisch ist es die Frage danach, wer ‚wir‘ sind und wer ‚wir‘ sein wollen, die viele der Texte zusammenhält – womit auch Europa auf den Plan kommt. Und es besteht nach der Lektüre kein Zweifel: die Idee Europa, sie steht immer, im Besonderen gegenwärtig, auf dem Spiel, und es ist an uns Zeitgenossen, verantwortlich, und das heißt auch kühn, zu handeln“, sagt Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk), Sprecherin der Jury des Deutschen Buchpreises 2017.

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 200 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 erschienen sind.

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2017 gehören neben Katja Gasser an: Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Maria Gazzetti (Casa di Goethe, Rom), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker, Berlin) und Lothar Schröder (Rheinische Post).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2017 zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalistinnen und Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 9. Oktober 2017 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Weitere Infos: Deutscher Buchpreis

Deutscher Buchpreis 2017: Jury nominiert 20 Romane für die Longlist

Die Jury des Deutschen Buchpreis 2017 V.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazzetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker Copyright: Christina Weiß
Die Jury des Deutschen Buchpreis 2017
V.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazzetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker Copyright: Christina Weiß

200 Titel waren in der Auswahl / Shortlist wird am 12. September veröffentlicht / „Buchpreisblogger“ stellen Titel auf www.deutscher-buchpreis-blog.de vor

Die nominierten Titel für den Deutschen Buchpreis 2017 stehen fest: Die Jury hat 20 Romane für die Longlist ausgewählt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 200 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Jurysprecherin Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk): „Eine der wichtigsten Fähigkeiten von Literatur ist das Weiten unserer Welt. Das ist in Zeiten, in denen sich die Blickwinkel mehr und mehr zu verengen scheinen, besonders wichtig. Die Longlist 2017 ist Ausdruck des Versuchs, die Vielfalt der aktuellen deutschsprachigen Literaturlandschaft zu spiegeln. Auf ihr finden sich mit den Büchern unterschiedliche literarische Antworten auf das Leben, den Zustand der Welt, der Menschen: Politisches wie explizit Unpolitisches, traditionell Erzähltes wie Sprachzentriertes und Risikofreudiges, lyrisch Gewobenes wie realistisch Gestricktes. Allen Büchern gemeinsam ist, dass sie die Jury auf die eine oder andere Art gestochen und gebissen haben – angerührt im besten Wortsinne. Vielleicht wird der Blick auf die Welt mit den Büchern der Longlist 2017 wieder etwas größer, weiter.“

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

• Mirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co, Juli 2017)

• Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)

• Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)

• Monika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)

• Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)

• Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)

• Jonas Lüscher: Kraft (C.H. Beck, März 2017)

• Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)

• Birgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)

• Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März 2017)

• Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)

• Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)

• Robert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)

• Sven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)

• Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)

• Ingo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)

• Michael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)

• Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)

• Christine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)

• Feridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

Im nächsten Schritt wählen die Juroren aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 12. September 2017 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Preisverleihung findet am 9. Oktober 2017 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Die Longlist kennenlernen: Leseproben, Hörproben, Bloggerrezensionen

Anlässlich der Nominierung der Longlist-Titel erscheint das Buch „Die Longlist 2017 – Leseproben“. Es wird herausgegeben vom Fachmagazin Börsenblatt im Verlag der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, einer Wirtschaftstochter des Börsenvereins. Darin werden Leseproben und Hintergrundinformationen zu den nominierten Romanen veröffentlicht. Es ist ab kommender Woche im Buchhandel erhältlich. In welchen Buchhandlungen das Buch mit den Leseproben verfügbar ist, zeigt eine interaktive Karte auf der Website www.jetzteinbuch.de.

Das deutschlandweite Onlineradio detektor.fm hat die Leseproben vertont. Ab heute sind Hörproben der 20 Longlist-Titel unter https://detektor.fm/deutscher-buchpreis abrufbar. Sie sind zudem über die detektor.fm-App, die Smart-TV-App und über das Soundcloud-Profil von detektor.fm verfügbar. Ab dem 15. August präsentiert der Radiosender täglich von Montag bis Freitag jeweils einen Longlist-Titel um 10.15 Uhr in der Sendung „detektor.fm – am Vormittag“ und um 17.40 Uhr in der Sendung „detektor.fm – der Tag“. Die Hörproben zum Deutschen Buchpreis gibt es auch als Podcast. Auf den Plattformen Apple Podcast, Spotify und Deezer sind alle Inhalte direkt zu hören.

Deutscher Buchpreis 2017: Mit 174 Romanen mehr Einreichungen als je zuvor – Jury tagt!

v.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker. Foto:  ©  Christina Weiß
v.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker. Foto:
© Christina Weiß

Mehr Einreichungen als jemals zuvor / 106 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt / Katja Gasser ist Sprecherin der Jury

Neuer Rekord bei den Einreichungen zum Deutschen Buchpreis: 174 Romane haben deutschsprachige Verlage in diesem Jahr eingereicht. Das sind 18 Titel mehr als im Vorjahr und ein Roman mehr als im bisherigen Spitzenreiter-Jahrgang 2011. 106 Verlage schicken ihre Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen für den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ 2017: 69 Verlage sitzen in Deutschland, 20 in Österreich und 17 in der Schweiz.

Von den vorgeschlagenen Titeln stammen 81 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, 82 weitere werden im Herbst auf den Markt kommen. 11 Titel sind bereits im vergangenen Herbst erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einreichen, die zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnten bis zu fünf weitere Titel empfohlen werden. Die Empfehlungsliste umfasst dieses Jahr 118 Romane. Aus dieser können die Juroren weitere Titel beim Auswahlprozess anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung haben die Jury-Mitglieder Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk) als ihre Sprecherin benannt. Der Jury gehören außerdem an: Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Maria Gazzetti (Casa di Goethe), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker) und Lothar Schröder (Rheinische Post).

Die Jury entscheidet über den Siegertitel in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 15. August 2017 erscheint die 20 Titel umfassende Longlist. Daraus wählen die Juroren sechs Titel für die Shortlist, die am 12. September 2017 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind zudem die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Deutscher Buchpreis 2017: Neue Jury, neue Akademiemitglieder

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Sieben Jurymitglieder benannt / Neue Mitglieder in der Akademie Deutscher Buchpreis / Titelmeldung für Verlage bis 29. März 2017

Diese sieben Literaturexpertinnen und -experten entscheiden, welcher Roman mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet wird: Die Akademie Deutscher Buchpreis hat Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk), Maria Gazzetti (Casa di Goethe), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker) und Lothar Schröder (Rheinische Post) in die diesjährige Jury berufen.

„Bücher fördern Verständigung in unruhigen Zeiten. Literatur bringt Menschen zusammen. Romane lehren uns, unser Gegenüber zu verstehen. Geschichten fördern Empathie. Auch in seinem dreizehnten Jahr wird der Deutsche Buchpreis eine breite Öffentlichkeit dazu anregen, sich mit neuen Romanen auseinanderzusetzen. Ich bin bereits jetzt gespannt auf die Entscheidungen der Jury“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Vorsitzender der Akademie Deutscher Buchpreis.

Neue Akademiemitglieder

Die Akademie Deutscher Buchpreis setzt sich aus Vertretern der Buch- und Kulturbranche zusammen. Neu in der Akademie sind seit diesem Jahr: Nico Bleutge (Preisträger des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik), Dr. Siv Bublitz (Stellvertretende Vorsteherin im Börsenverein des Deutschen Buchhandels), Benedikt Föger (Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels), Dr. Kristina Hasenpflug (Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung), Rudolf Müller (Geschäftsführer Müller & Böhm, Literaturhandlung im Heine Haus, Düsseldorf) und Andreas Rötzer (Mitglied des Sprecherkreises IG Belletristik und Sachbuch).

Gemeinsam mit Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Prof. Monika Grütters (MdB, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien), Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Michael Münch (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der
Deutsche Bank Stiftung) und Heinrich Riethmüller (Akademievorsitzender, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) wählen sie die Jury in jedem Jahr neu, um für die Auszeichnung größtmögliche Unabhängigkeit zu gewährleisten.

Verlage können Titel einreichen

Verlage können ihre Kandidaten ab sofort unter www.deutscher-buchpreis.de/anmeldung benennen. Bis zum 29. März 2017 können jeweils zwei deutschsprachige Romane aus dem aktuellen oder geplanten Programm eingereicht und zusätzlich bis zu fünf weitere Titel aus dem aktuellen oder geplanten Programm empfohlen werden. Voraussetzung für die Bewerbung ist die Mitgliedschaft im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, im Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband oder im Hauptverband des Österreichischen Buchhandels. Die Bücher müssen zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 (Bekanntgabe der Shortlist) erscheinen. Die Titel, Lese-Exemplare, E-Books und Fahnen können bis zum 16. Juni 2017 nachgereicht werden.

Der Roman des Jahres wird in einem mehrstufigen Verfahren ermittelt. Zunächst sichtet die Jury alle von den Verlagen eingereichten Romane und stellt eine 20 Titel umfassende Longlist zusammen. Diese wird am 15. August 2017 bekannt gegeben. Daraus wählen die Juroren sechs Titel für die Shortlist, die am 12. September 2017 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Die Verleihung findet am 9. Oktober 2017 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Die Preisträgerin oder der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind zudem die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Alle Informationen und das Online-Bewerbungsformular können abgerufen werden unter www.deutscher-buchpreis.de.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis 2017 lautet #dbp17.

Kandidaten gesucht: Öffentliche Ausschreibung für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017

Einsendeschluss 1. März 2017 / Friedenspreisverleihung am 15. Oktober 2017 in der Frankfurter Paulskirche

buchpreis.logo,jpgDie öffentliche Ausschreibung für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017 startet: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, Kandidaten für die Auszeichnung zu nennen, die am 15. Oktober 2017 in der Frankfurter Paulskirche verliehen wird. Gesucht wird eine „Persönlichkeit, die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“, so das Statut der Stiftung Friedenspreis. Jeder Bürger kann Vorschläge einreichen.

Der Stiftungsrat des Friedenspreises nimmt im April seine Beratungen auf und wählt aus den eingegangenen Vorschlägen die Preisträgerin oder den Preisträger. Der unabhängigen Jury, die sich in der Mehrzahl aus Personen des öffentlichen Lebens zusammensetzt, gehören an: Stephan Detjen (Journalist), Karl-Josef Kuschel (Theologe), Felicitas von Lovenberg (Verlegerin), Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza (Literaturwissenschaftlerin), Janne Teller (Schriftstellerin), Matthias Ulmer (Vorsitzender Verleger-Ausschuss), Stefan Könemann (Vorsitzender Ausschuss für den Zwischenbuchhandel) und Heinrich Riethmüller, der als Vorsteher des Börsenvereins zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

Die Vorschläge können bis 1. März 2017 eingereicht werden. Sie sollten schriftlich begründet sein, unter Angabe von Leistungen und Veröffentlichungen, die die Vorgeschlagenen als Kandidaten für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausweisen. Selbstvorschläge sind nicht zugelassen. Die Vorschläge sind zu richten an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Geschäftsstelle Friedenspreis, z. Hd. Martin Schult, Schiffbauerdamm 5, 10117 Berlin, E-Mail: m.schult@boev.de. Weitere Informationen und ein Online-Formular gibt es unter http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/470553/. 

Bekannt gegeben wird der Friedenspreisträger oder die Friedenspreisträgerin des Jahres 2017 am 13. Juni. Die letzten Friedenspreisträger waren die deutsche Journalistin und Philosophin Carolin Emcke (2016), der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani (2015), der US-amerikanische Informatiker Jaron Lanier (2014), die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch (2013) und der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu (2012).