Kategorie-Archiv: Buchkultur

Deutscher Buchpreis 2018: 165 Romane aus 105 Verlagen gehen ins Rennen

dpb18_Logo105 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt / Christine Lötscher ist Sprecherin der Jury / Preisverleihung am 8. Oktober 2018 im Kaisersaal des Frankfurter Römers

Die Leseliste für die Jury steht: Mehr als einhundert deutschsprachige Verlage haben Romane für den Deutschen Buchpreis 2018 eingereicht. 105 Verlage schlugen insgesamt 165 Titel für den Roman des Jahres vor. 72 Verlage haben ihren Sitz in Deutschland, 16 in Österreich und 17 in der Schweiz.

Buchpreisträger 2017 Robert Menasse (Die Hauptstadt), hier bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer mit  Heinrich Riethmüller,Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. © Foto: Diether -Goddenthow
Buchpreisträger 2017 Robert Menasse (Die Hauptstadt), hier bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer mit Heinrich Riethmüller,Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. © Foto: Diether -Goddenthow

Von den eingereichten Titeln stammen 75 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, weitere 75 werden im Herbst auf den Markt kommen. 15 Titel sind bereits im Herbst 2017 erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einsenden, die zwischen Oktober 2017 und dem 11. September 2018 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnte jeder Verlag bis zu fünf weitere Titel aus dem eigenen Programm empfehlen. Die Empfehlungsliste umfasst dieses Jahr 94 Romane. Aus dieser können die Jurorinnen und Juroren weitere Titel anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung haben die Jury-Mitglieder Christine Lötscher (freie Kritikerin) als ihre Sprecherin benannt. Der Jury gehören außerdem an: Christoph Bartmann (Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (ZDF), Tanja Graf (Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Uwe Kalkowski (Literaturblog „Kaffeehaussitzer“), Marianne Sax (Bücherladen Marianne Sax, Frauenfeld).

Die Jury entscheidet über den Siegertitel in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 14. August 2018 erscheint die 20 Titel umfassende Longlist. Daraus wählen die Jurorinnen und Juroren sechs Titel für die Shortlist, die am 11. September 2018 veröffentlicht wird. Wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, erfahren die sechs Shortlist-Autorinnen und -Autoren erst am Abend der Preisverleihung.

V.l.n.r.: Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Marianne Sax, Luzia Braun, Uwe Kalkowski © Foto: Monique Wuestenhagen
V.l.n.r.: Christine Lötscher, Paul Jandl, Marianne Sax, Christoph Bartmann, Marianne Sax, Luzia Braun, Uwe Kalkowski © Foto: Monique Wuestenhagen

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis 2018  unter www.deutscher-buchpreis.de .

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis 2018: #dbp18

JungeMedienJury 2017/18 kürt die besten Bücher, Comics und Games

Mit dem großen Abschlussfest am 12.3. im Commerzbank-Hochhaus ging die JungeMedienJury 2017/18 zu Ende. Ein Gruppenfoto zur Erinnerung. Die Jugendlichen konnten neue Freunde finden, interessante Medieninstitutionen wie Buchmesse, eine Nacht in der Bibliothek, Design-Büros usw. erleben,  und sie hatten vor allem auch viel Spaß  beim gemeinsamen Diskutieren über die besten Games, Comics /Mangas und Jugendromane..Foto: Diether v. Goddenthow
Mit dem großen Abschlussfest am 12.3. im Commerzbank-Hochhaus ging die JungeMedienJury 2017/18 zu Ende. Ein Gruppenfoto zur Erinnerung. Die Jugendlichen konnten neue Freunde finden, interessante Medieninstitutionen wie Buchmesse, eine Nacht in der Bibliothek, Design-Büros usw. erleben, und sie hatten vor allem auch viel Spaß beim gemeinsamen Diskutieren über die besten Games, Comics /Mangas und Jugendromane..Foto: Diether v. Goddenthow

40 Frankfurter Jugendliche der „JungeMedienJury (JMJ)“ präsentierten am 12. März 2018 im 49. Stockwerk des Commerzbankhochhauses beim großen Abschlussfest des Medienprojektes ihre Roman-, Comics-/Manga- und Game-Favoriten aus 50 Neuerscheinungen.

Ein halbes Jahr lang haben sich die 13- bis 16-jährigen Medienexperten in Begleitung von ehrenamtlich nicht im Mediengeschäft professionell tätigen Moderatoren intensiv mit aktuellen Jugendromanen, Comics, Mangas, und Games auseinandergesetzt. Auf ihrer Auswahlliste standen Spiele wie Super Mario Odysee, der Comic Spider Man – der Schwur, der Manga Dragon Ball SD und der Roman „The Hate U Give“.

Musik von Fee, Singer-Songwriterin aus Frankfurt spielte Lieder aus  neuer CD. Foto: Diether v. Goddenthow
Musik von Fee, Singer-Songwriterin aus Frankfurt spielte wie über den Wolken Lieder aus neuer CD. Foto: Diether v. Goddenthow

Nach der Begrüßung, einer Musikeinlage von der Singer-Songwriterin Fee aus Frankfurt und der Vorstellung aller Partner des „JungeMedienJury-Projektes“ durch Dr. Sabine Homilius (Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt), Frau Zinkeisen (Lions Clubs), Birgit Fricke (Buchmesse), Oliver Müller-Maar (Drogenreferat), Prof. Hans-Heino Ewers (ehem. Direktor des Instituts für Jugendforschung) und den Schirmpersonen Deborah Einspieler (Oper Frankfurt und Jochen Till (Autor), gaben lüfteten die drei Jurys das Geheimnis ihre Siegertitel. Allen Werken – ob Game oder Buch – ist gemeinsam, dass eine außergewöhnliche Protagonistin im Mittelpunkt des Geschehens steht.

Der beste Manga
Gwenpool„Ein richtig guter Einsteigercomic in die Superhelden-Szene“ so das Votum der Comic- & Manga-Jury zu ihrem bevorzugten Comic „Gwenpool“.Die tollpatschige Heldin wacht plötzlich in einer Welt auf, in der all ihre Comic-Helden real sind. Bei ihrem Versuch, sich in dieser Welt zurechtzufinden, läuft so ziemlich alles schief.

 

Das beste Game
Horizon-Zero-DawnDie Games-Jury kürte Horizon Zero Dawn zum besten Spiel.
Das Action-Rollenspiel für die Playstation 4 spielt in einer fernen, düsteren Zukunft. 1000 Jahre nach Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation leben die Menschen in verschiedenen Stämmen in friedlicher Koexistenz zu den Maschinenvölkern. Durch eine Störung werden die Maschinen zu einer tödlichen Bedrohung für die Menschen.
Die Jägerin Aloy macht sich in dem Spiel auf die Suche nach Antworten, – sowohl, auf die Frage, was es mit der rätselhaften Störung auf sich hat, als auch, was ihre Herkunft angeht.
Die Games-Jury überzeugte vor allem der extrem hohe Grad an Realismus und die immer neuen Herausforderungen, vor die der Spielende gestellt ist.

Das beste Jugendbuch
WolkenschlossIm Jugendroman „Wolkenschloss“ von Kerstin Gier ist es Fanny, eine 17-jährige Angestellte im früheren Nobelhotel hoch oben in den Schweizer Bergen.
Von Neugierde getrieben steckt Fanny bald mittendrin in einem lebensgefährlichen Abenteuer, bei dem sie nicht nur ihren Job zu verlieren droht, sondern auch ihr Herz.
Für die Jugendbuch-Jury der JMJ, die zahlenmäßig größte, war Wolkenschloss klarer Favorit. Die gelungene Mischung aus Spannung, Humor und Romantik gefiel den jungen Literaturkritikerinnen und -kritikern besonders.

Das gemeinsame Projekt der Stadtbücherei und der Frankfurter Lions Clubs gibt es seit 14 Jahren. Sein Ziel ist, den kritischen Medienkonsum von Jugendlichen zu fördern. Unterstützt werden die Organisatoren vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt, von der Frankfurter Buchmesse und dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität.

Dr. Sabine Homilius (Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt), bedankte sich symbolisch mit einem Schirm bei den Schirmherrn von JungeMedienJury Klaus-Peter Müller (Vorstand Commerzbank), Deborah Einspieler (Frankfurter Oper) und Jochen Till (Autor). Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Sabine Homilius (Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt), bedankte sich symbolisch mit einem Schirm bei den Schirmherrn von JungeMedienJury Klaus-Peter Müller (Vorstand Commerzbank), Deborah Einspieler (Frankfurter Oper) und Jochen Till (Autor). Foto: Diether v. Goddenthow

Schirmherr und Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der zum großen JMJ-Finale in die 49. Etage des Hochhauses am Kaiserplatz eingeladen hatte, moderierte in gewohnter souveräner und pointierter Weise die Veranstaltung und stellte bei dieser Gelegenheit seinen designierten Nachfolger Michael Mandel vor. Mandel, demnächst als Konzernvorstand zuständig für 17,5 Millionen Kunden und eine große Affinität zu Tim & Struppi, versicherte auch nach dem Stabwechsel die „JungeMedienJury (JMJ)“ 2018/19 im nächsten Jahr wieder gerne zum großen Abschlussfest zu begrüßen.

Die obligatorische Schlacht am Buffet gehört traditionell zum Abschlussfest dazu. Foto: Diether v. Goddenthow
Die obligatorische Schlacht am Buffet gehört traditionell zum Abschlussfest dazu. Foto: Diether v. Goddenthow

Medienbegeisterte Junge Leute können bei der JungeMedienJury 2018/19 mitmachen
Junge Leute zwischen 12 und 16 Jahren mit Interesse an Games, Comics /Mangas, Jugendromanen, Film und Hörspiel können sich über die Möglichkeit einer Teilnahme an einer Jungen-Medien-Jury in der Stadtbücherei Frankfurt informieren.

Stadtbücherei Frankfurt am Main, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main,
Sekretariats-Telefon 069/212 31894 der Leiterin Frau Dr. Sabine Homilius oder
Zentrale 069/212 38080 /Telefax: 069/212 37949, E-Mail: info@stadtbuecherei.frankfurt.de; Internet: http://www.stadtbuecherei.frankfurt.de.

(Dokumentaion Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

„Nur die Imagination kennt keine Grenzen“ – Mainzer Stadtschreiber-Preis an Anna Katharina Hahn verliehen

(v.l.) Oberbürgermeister Michael  Ebling, Mainzer Statdtschreiberin und Preisträgerin Anna Katharina Hahn, Johannes Gutenberg, Kulturdezernentin Marianne Grosse und ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler bei der Verleihung des Mainzer-Stadtschreiberpreises 2018 im Ratssaal des Mainzer Rathauses. Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.) Oberbürgermeister Michael Ebling, Mainzer Statdtschreiberin und Preisträgerin Anna Katharina Hahn, Johannes Gutenberg, Kulturdezernentin Marianne Grosse und ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler bei der Verleihung des Mainzer-Stadtschreiberpreises 2018 im Ratssaal des Mainzer Rathauses. Foto: Diether v. Goddenthow

Am 13.03.2018 wurde im großen Ratssaal des Mainzer Rathauses die Stuttgarter Schriftstellerin und neue Mainzer Stadtschreiberin Anna Katharina Hahn mit dem Stadtschreiber-Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz ausgezeichnet. Den mit 12.500 Euro dotierten Preis überreichten ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler, der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling und die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse in Beisein von Johannes Gutenberg. Die Laudatio hielt Patrick Bahners, Kulturkorrespondent und Literaturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die 1970 im schwäbischen Ruit auf den Fildern, Kreis Esslingen, geborene Anna Katharina Hahn folgt als Stadtschreiberin auf den deutsch-irakischen Schriftsteller Abbas Khider. Sie wird wie ihre Vorgänger gemeinsam mit dem ZDF eine Dokumentation nach freier Themenwahl produzieren und die Stadtschreiberwohnung im Renaissance-Gebäude zum Römischen Kaiser des Mainzer Gutenberg-Museums beziehen.

Kulturdezernentin Marianne Grosse. Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturdezernentin Marianne Grosse. Foto: Diether v. Goddenthow

Kulturdezernentin Marianne Grosse hieß die Gäste, unter ihnen drei Mainzer Ehrenbürger, und Preisträgerin herzlich willkommen. Sie war sich nach einem ersten Gespräch im vergangenen Jahr bei der neu gewählten Mainzer Stadtschreiberin von Anfang sicher gewesen, „dass wir gut zusammen passen“. Grosse habe sich in einige Werke Anna Katharina Hahns, etwa in „Das Kleid meiner Mutter“ von 2016 und in „Kürzere Tage“ von 2009, beide im Suhrkamp Verlag erschienen, hineingelesen, und sei ganz begeistert davon, wie die Autorin, statt wieder so eine Betroffenheitsgeschichte zwischen Tochter und Mutter aufzurollen, völlig neue und spannende Perspektiven aufzeige.

Oberbürgermeister Michael Ebling. Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling. Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Michael Ebling beschrieb in seinem Grußwort die Vorgehensweise von Anna Katharina Hahn als jemand, der seine Protagonisten in viel subtilerer Weise als bloß äußerlich beobachte und belausche, und „das auch nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern sogar in ihren innersten Gedanken, Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten.“ Sie folge ihnen auf Schritt und Tritt, blicke ihnen über die Schulter, nehme jede ihrer Bewegungen wahr und krieche förmlich in sie hinein. Was die Autorin dabei zu Tage befördere, sei auf den ersten Blick das ganz normale Leben deutscher Mittelstandsbürger. Auf den zweiten sei es das nackte Grauen“, so Ebling.

ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler Foto: Diether v. Goddenthow
ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler Foto: Diether v. Goddenthow

ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler hob besonders hervor, dass es heute eben nicht etwa Facebook und Twitter, sondern das scheinbar so altmodische gedruckte Buch sei, das die feinen und auch die gröberen Risse in unserer Gesellschaft so früh und sensibel aufspüre und in Worte fasse, die Fühler ausstrecke und dorthin gehe, wo die sozialen Veränderungen weh täten. „Und dafür, liebe Anna Katharina Hahn, sind wir Ihnen dankbar“, so der Programmdirektor.

Anna Katharina Hahn, die große Erzählerin des Bürgertums ihrer schwäbischen Heimat mit allen seinen Irrungen und Abgründen, sei eine durch und durch heutige Autorin, urteilt die Jury. Mit dem Roman „Kürzere Tage“, der im gehobenen grün-linken Stuttgarter Milieu spielt, gelang ihr 2009 der Durchbruch bei der Kritik und den Lesern. Thematisch und stilistisch greife sie, so die Jury, von Buch zu Buch weiter aus: über den Stadtrand von Stuttgart bis nach Spanien, vom knappen Realismus über beziehungsreiche Anspielungen auf die Romantik, bis hin zum fast schon surrealen Entwurf der Verschmelzung einer Tochter mit ihrer Mutter und mit deren bewegtem Leben. Für diesen, ihren jüngsten Roman, „Das Kleid meiner Mutter“ (2016), erhielt sie viel Resonanz.

„Der SPIEGEL hat einmal konstatiert“, so Himmler, „dass Sie Geschichten vom Nicht-Klarkommen in dieser Welt schreiben. Sie stellen, liebe Frau Hahn, die große Frage, die Frage, die schon immer große Literatur befeuert hat, nämlich: Wie soll man eigentlich leben? Der psychische und soziale Innendruck Ihrer Figuren ist gewaltig. Wir Leser warten geradezu darauf, dass es hinter den wohlanständigen Kulissen irgendwann explodiert. Wie Sie das schildern, in Ihrer knappen und so präzisen Sprache, in der übrigens auch viel Platz für Humor ist, das bewundern wir an Ihnen.“, so der ZDF-Programmdirektor.
Laudatio von Patrick Bahners auf die Mainzer Stadtschreiberin 2018, Anna Katharina Hahn

Patrick Bahners, Kulturkorrespondent und Literaturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Foto: Diether v. Goddenthow
Patrick Bahners, Kulturkorrespondent und Literaturkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Foto: Diether v. Goddenthow

Laudator Patrick Bahners, dessen Aufgabe es als Laudator sei, zu demonstrieren, dass die Wahl Hahns richtig war, ging der Frage nach, was ein Stadtschreiber eigentlich zu tun habe, und stieß schon in Hahns ersten Roman „Kürzere Tage“, veröffentlich 2009, „auf eine Stadtschreiberfigur, einen Mann, der gerade dabei ist, ein Buch über seine Stadt zu schreiben, über Stuttgart, die Stadt, wo die Romanhandlung spielt. Arbeitstitel: ‚Die Stadt ohne Gesicht‘“., so der Laudator. Bahners entführte seine Zuhörer im voll besetzten Mainzer Ratssaal in Anna Katharinas moderne Stadtwelten der Gegensätze, Abgründe, Konflikte und bisweilen skurrilen Geschichten, so wie sie sich überall, auch in Mainz, abspielen könnten.
Bahners endet seinen vortrefflichen Streifzug durch Hahns Werke mit einem Georg Simmel-Zitat, wonach in der Stadt sich „eine so überwältigende Fülle kristallisierten, unpersönlich gewordenen Geistes“ bildete, „dass die Persönlichkeit sich sozusagen dagegen nicht halten kann“. „Auch Anna Katharina Hahn kann ihre Personen, die allesamt an der Stadt zu zerbrechen drohen, nicht halten oder aufhalten. Nur festhalten, mit der Kunst der Physiognomikerin. Selten dürfte eine Stadtschreiberin so gut präpariert nach Mainz gekommen sein wie Anna Katharina Hahn.“, so der Laudator.

„Nur die Imagination kennt keine Grenzen“: Anna Katharina Hahns Dankesrede  über  ihres Schreibens möglichen Kern.

Schriftstellerin Anna Katharina Hahn. Foto: Diether v. Goddenthow
Schriftstellerin Anna Katharina Hahn. Foto: Diether v. Goddenthow

Anna Katharina Hahn, dankte allen, die sie unterstützt haben, und ist sich sicher, das „Mainz mich inspirieren wird, dass ich hier auf Leute und auf Geschichten stoßen werde, die mich und meine Arbeit weiterbringen“. Eigentlich wollte sie ja wie ihr Vater den Arztberuf ergreifen, doch während Hausbesuchen ihres Vaters merkte sie bei Anus-Präter-Versorgung, offenen Beinen oder Demenzpflege durch überforderte Eheleute sehr rasch, „dass ich diesen Beruf besser doch nicht ergreife wollte“. In dieser Zeit als Alter und Gebrechen für sie auf einmal Gesichter bekamen, hätte sie so viele fremde Wohnungen wie noch nie betreten. Dabei fiel ihr ein billiger Kunstdruck in Goldrahmen auf, der bei fast allen Patienten über dem Bett hing, darauf ein am Abgrund kniend Blumen pflückendes Kind, während dicht neben ihm sein behütender Schutzengel schwebte. Ein echtes Trostbild!

Doch wessen Augen ruhten auf ihr, wer stand „an meiner Seite“, hatte sie sich gefragt, und bald darauf ihre ständige Begleiterin erkannte an der Art, wie ihr Körper auf deren vertraute Gegenwart reagierte: „mit rasendem Herzschlag, nassen Handflächen, vor Schweiß triefenden Achselhöhlen und solch einem trockenen Mund, dass es ohne Kaugummi, Pfefferminz und Wasserflasche, eigentlich gar nicht ging.“ „Meine ständige Begleiterin war die Angst“, so die Autorin, die nicht wusste, woher diese Angst kam, die „sich gierig auf mich stürzte, und sich an mir festbiss. Sie hockte auf meinen Schultern, klammerte ihre knochigen Beine um meinen Hals und trieb mich unbarmherzig an, so wie der Buckelgeist, der in der Erzählung aus 1001 Nacht Sindbad den Seefahrer überfällt.“ Die Angst habe alle Lebensbereiche in Besitz genommen, veränderte sie, machte aus einem offenen lebensfrohen Menschen eine eher permanent aggressive Person voller Wut, „immer auf der Hut vor dem nächsten Angriff, und bereit zuvor zurückzuschlagen, nur um selbst der Tortur zu entgehen“, so die Autorin, die nur deswegen erinnernd „von diesem Folterknecht“ sprach, um darüber zu sprechen, „was möglicherweise der Kern meines Schreibens sein könnte“.

Trotzdem sei die Angst als treibende Kraft ihres Schreibens immer nur der Zündfunke, und wenn man es versäume, „sich selbst immer wieder in den Hintern zu treten“, könne dieser auch erlöschen. Fast noch wichtiger erscheinen der Autorin zwei weitere Eigenschaften: „Zum einen die Empathie, die Fähigkeit, sich die Seelenzustände anderer anzueignen, sie nachzufühlen. Zum anderen die Qualifikation, die Vorstellungskraft.“ Sie halte gar nichts von den großen Glücksversprechen und der Zauberformel der westlichen Welt aller US-Traum: „Du kannst alles sein, was du willst!“. In Wirklichkeit sei dies schwer einlösbar, „und klingt für viele Menschen eher wie eine Verspottung ihrer widrigen Lebensumstände. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung stößt überall an Grenzen, an genetische, finanzielle, gesellschaftliche, moralische, seelische!“, so Hahn.

„Nur die Imagination kennt keine Grenzen! Und in der Literatur kommt die Imagination wohl am freiesten von allen Künsten zum Tragen“, so Hahn. Denn die Literatur sei ja an kein Material, an kein Instrument gebunden, sie bestünde aus nichts als Worten, was ihre Schwäche, aber mehr noch ihre Größe und ein enormer Vorteil sei: „Ich kann mir alles vorstellen: Ein Mann sein, ein Tier, ein Stein. Tausend Jahre alt, oder nur einen halben Tag. Zu den Sternen fliegen oder mich durch die Erde beamen. Schreibend bin ich zu allem fähig. Und ich glaube sicher, dass ich ohne meine Erfahrungen mit der Angst nicht die gleichen Möglichkeiten zur Einfühlung und zur Imagination hätte. Unter ihrer Fuchtel habe ich mich weggedacht, suchte mir andere Existenzen, mir so oft gewünscht, eine andere, ein anderer, etwas anders zu sein. Sie hat meine Vorstellungskraft geschärft, und vertieft. In der unfassbaren Erleichterung nach dem Ende einer Panikattacke erscheint jedes Detail kostbar. Der Umriss einer Baumkrone, scherenschnittschwarz im Abendlicht, kochend heißer Kaffee, der durch die Wand des Pappbechers in die Fingerfugen pulst, der schimmernde Grünton in den Schwanzfedern einer Elster, die futtersuchend in der Dachrinne herumhüpft.“, beschreibt Anna Katharina Hahn, wie ihre Angst sie nicht nur immer wieder in neue gedankliche Welten imaginierte, sondern vor allem auch ihre Sensibilität und Beobachtungsgabe enorm erweiterte: „Die Angst hat meine Empathie geschult, denn die bizarren Zustände, durch die sie mich geführt hat, die absurden Situationen, in die sie mich brachte, haben meinen Blickwinkel auf das, wozu ein Mensch fähig ist, im Guten wie im Schlechten, stärker erweitert als jede Weltreise. So bin ich nun, ob ich will oder nicht, außer einer Schriftstellerin auch eine Expertin der Ängste geworden.“ bekennt die Autorin, die längst mit ihrer Angstbegabung virtuell zu spielen weiß, wovon auch ihre Bücher eindrucksvoll zeugen. Und wenn einmal ihre Angst gar zu ungelegen kommt, verweist sie sie einfach an ihren Platz und sagt zu ihr: „Du bist da, ich sehe dich, ich nehme Dich auch ernst, aber ich habe jetzt gerade etwas anderes zu tun: Ich lebe!“

Biografie und Bibliografie

Anna Katharina Hahn studierte nach dem Abitur ab 1990 Germanistik, Anglistik und europäische Ethnologie in Hamburg. Seit den 1990er Jahren veröffentlichte sie zunächst kürzere literarische Arbeiten in Zeitschriften und Anthologien. Es folgten zwei Bände mit Erzählungen, „Sommerloch“ (2000) und „Kavaliersdelikt“ (2004), ehe ihr mit dem Roman „Kürzere Tage“, der von überforderten Müttern und Vätern im gehobenen Stuttgarter Bürgertum erzählt, im Jahr 2009 der Durchbruch bei der Kritik und bei den Lesern gelang. Auch ihr Roman „Am schwarzen Berg“ (2012), der den akademischen Mittelstand in Zeiten des Protestes gegen Stuttgart 21 zeigt, war ein großer Erfolg bei Publikum und Kritik. Für ihren jüngsten Roman „Das Kleid meiner Mutter“ (2016), der die junge Generation Spaniens in prekären Verhältnissen schildert, erhielt sie viel Resonanz.

Anna Katharina Hahn, die auch für das Theater gearbeitet hat, ist vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Clemens-Brentano-Preis (2005), dem Roswitha-Preis (2010), dem Heimito von Doderer-Preis (2010) und dem Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis (2012).

Bibliografie-Auswahl
Sommerloch. Erzählungen. Achilla Presse, Hamburg 2000
Kavaliersdelikt. Erzählungen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2004
Kürzere Tage. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2009
Am schwarzen Berg. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
Das Kleid meiner Mutter. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016

Kunst- und Kulturministerium schreibt neuen Hessischen Verlagspreis für unabhängige Verlage aus

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Neuer Hessischer Verlagspreis würdigt Qualität in der Buchbranche
20.000 Euro Preisgeld für unabhängige Verlage – Ausschreibung bis Ende März

Wiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein lobt 2018 erstmalig den Hessischen Verlagspreis aus. Partner der Aktion ist der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Der Preis ist insgesamt mit 20.000 EUR dotiert und wird zukünftig jedes Jahr verliehen. Dabei gibt es neben dem Hauptpreis, der mit 15.000 EUR dotiert ist, auch einen in Höhe von 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis für Gründer, die im Vorjahr der Preisverleihung einen Verlag neu gegründet oder übernommen haben.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Mit der Ausschreibung des Hessischen Verlagspreises möchte ich die Bedeutung der vielen unabhängigen Verlage des Landes und deren Arbeit würdigen. Der Preis soll ein Zeichen setzen für Qualitätsstandards in der Branche. Herausragende Verlagsarbeit, die Zusammensetzung des Verlagsprogramms, die Buchproduktion, die Betreuung der Autoren – dafür gibt es kaum Beachtung in der Öffentlichkeit. Der Hessische Verlagspreis soll diese Lücke schließen.“

Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins, ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass der Hessische Verlagspreis die professionelle und wichtige kulturelle Arbeit der Verlage auszeichnet. Das Produzieren und Verbreiten von Büchern und E-Books wird immer komplexer und kostenintensiver und gleichzeitig wird es immer schwieriger, den Erfolg eines Buches abzuschätzen – es gibt leider keine Bestsellergarantie. Außerdem haben die aktuellen Gesetzgebungen, etwa zum Urheberschutz, in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für Verlage spürbar verschlechtert.“

Bewerben können sich alle unabhängigen Verlage mit Firmensitz in Hessen, deren jährlicher Umsatz unter zwei Millionen Euro liegt. Dabei stehen die Verlagsstrategie und das Gesamtprogramm im Mittelpunkt, nicht einzelne Bucherfolge oder bekannte Autoren. Die Ausschreibung richtet sich damit bewusst an alle Verlagssparten – Belletristik genauso wie Lyrik und Sachbuch, Fachbuch und Wissenschaft sowie Kunst- und Regionalbuch.

Eine unabhängige Jury wird über die Vergabe der beiden Preise entscheiden, die im Rahmen einer feierlichen Feststunde von Kunst- und Kulturminister Boris Rhein im Juni 2018 verliehen werden. Bewerbungsschluss ist daher bereits der 29. März 2018. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren erteilt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland.

„Der Verlagspreis ist Teil einer Initiative zur Verlagsförderung des Landes Hessen und des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Wir wollen damit die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen, sie unterstützen und erhalten. Zudem wirft die Auszeichnung Licht auf eine Branche, die die Digitalisierung vor besondere Herausforderungen stellt. An unseren Lesegewohnheiten von morgen wird heute in den Verlagen getüftelt – insofern ist unser Verlagspreis auch ein Zukunftspreis“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

Börsenverein des Deutschen Buchhandels fordert Freiheit für Buchhändler und Verleger Gui Minhai

Chinesische Sicherheitskräfte haben den Buchhändler und Verleger Gui Minhai am vergangenen Samstag in der Nähe Pekings festgenommen. Der schwedische Staatsbürger Gui wurde bereits 2015 in Thailand verschleppt und fand sich in chinesischer Gefangenschaft wieder. Im letzten Jahr ließ die chinesische Justiz ihn angeblich frei, sein Aufenthaltsort blieb aber unklar. Gui steht unter konsularischem Schutz Schwedens.

„Wir verurteilen die Entführung Gui Minhais aufs Schärfste und fordern seine unverzügliche Freilassung. Die Situation der Meinungsfreiheit in China ist katastrophal und verschärft sich zunehmend. Das zeigen schon die Zensurforderungen gegenüber wissenschaftlichen Verlagen wie Cambridge University Press oder Springer Nature. Diesen Repressalien dürfen wir uns nicht beugen. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, Schweden in seinen Bemühungen um die Freilassung Gui Minhais zu unterstützen. Die Meinungsfreiheit darf nicht zum Verhandlungsgegenstand werden, auch nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Sie ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar – das muss auch China verstehen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Gui Minhai hat in Hongkong regimekritische Schriften verlegt und verkauft. Der internationale Verlegerverband International Publishers Association hatte Gui Minhai in diesem Monat für die Shortlist des Prix Voltaire, einen Preis für das Eintreten für Meinungsfreiheit, ausgewählt.

Statement der schwedischen Regierung

Dorothea Grünzweig erhält Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN

Der deutsche PEN zeichnet die Lyrikerin Dorothea Grünzweig mit dem Kurt Sigel-Lyrikpreis aus. „Es ist die Unschärfe der Wirklichkeit, von der Dorothea Grünzweig in ihrer hochpoetischen, rhythmischen Sprache berichtet. Durch die Feinheit der Sprachbilder gelingt es ihr, uns Tod, Trauer, Verlassenheit und die wuchernde Natur neu sehen zu lassen“, so die Einschätzung der Jury, der Nora Bossong, Hans Thill und Herbert Wiesner angehören.

Stifter des mit 4.000 € dotierten Preises, den der deutsche PEN alle zwei Jahre ausschreibt, ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden und von Büchern in hessischer Mundart, teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustriert, einen Namen gemacht hat. Der Preis wird am 26. April 2018 im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Göttingen verliehen. Die Laudatio hält Herbert Wiesner.

In der Begründung der Jury heißt es weiterhin: „Dorothea Grünzweigs fein komponierten Texte überzeugen gerade in den kleinen Wendungen und Umwendungen der Sprache, in ihrer Findigkeit und Originalität. In leichten Abweichungen vom Gewohnten eröffnen sich so neue Blicke, ‚Einschlupflöcher‘ in unsere Wirklichkeit. Es ist ein Singen von einer Welt, die zwischen Verschwinden und Lebendigkeit changiert und darin ihr Geheimnis offen hält.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018: Börsenverein sucht Kandidatinnen und Kandidaten

Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt mitteilt, können Bürgerinnen und Bürger bis 1. März 2018 Autoren für die Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 14. Oktober 2018 in der Frankfurter Paulskirche vorschlagen!

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Friedensstifter gesucht: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ruft dazu auf, Kandidatinnen und Kandidaten für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 vorzuschlagen. Mit dem Friedenspreis zeichnet der Börsenverein eine Persönlichkeit aus, „die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“. Die Ausschreibung ist öffentlich, jeder kann Vorschläge einreichen. Einsendeschluss ist der 1. März 2018. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2018 in der Frankfurter Paulskirche statt.

Der Stiftungsrat des Friedenspreises, eine unabhängige Jury, die sich in der Mehrzahl aus Personen des öffentlichen Lebens zusammensetzt, wählt aus den eingereichten Vorschlägen die Preisträgerin oder den Preisträger. Ihm gehören an: Philipp Blom (Schriftsteller und Historiker, Wien), Stephan Detjen (Deutschlandfunk, Berlin), Stefan Könemann (Vorstandsmitglied des Börsenvereins, Hagen), Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel (Theologe, Tübingen), Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza (Humboldt-Universität, Berlin), Janne Teller (Schriftstellerin, New York), Matthias Ulmer (Vorstandsmitglied des Börsenvereins, Stuttgart) und Heinrich Riethmüller (Tübingen), der als Vorsteher des Börsenvereins zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

Die Vorschläge sollten schriftlich begründet sein, unter Angabe von Leistungen und Veröffentlichungen, die die Vorgeschlagenen als Kandidatin oder Kandidaten für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausweisen. Selbstvorschläge sind nicht zugelassen. Die Vorschläge sind zu richten an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Geschäftsstelle Friedenspreis, z. Hd. Martin Schult, Schiffbauerdamm 5, 10117 Berlin, E-Mail: m.schult@boev.de. Weitere Informationen und ein Online-Formular gibt es unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

Bekannt gegeben wird der Friedenspreisträger oder die Friedenspreisträgerin des Jahres 2018 am 12. Juni.

Seit 1950 verleiht der Börsenverein den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Die letzten Friedenspreisträger waren die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2017), die deutsche Journalistin und Publizistin Carolin Emcke (2016) und der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani (2015).

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. – Termine Januar – Februar 2018

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Das Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. in Frankfurt startet – ein wenig verzögert – am 25.Januar mit Joshua Cohen und seinem dann gerade auf Deutsch frisch erschienenen Roman „Buch der Zahlen“ in die neue Saison 2018. Weitere Highlights sind darüber hinaus Julia Zanges Poproman „Realitätsgewitter“ und Leander Steinkopfs „Stadt der Feen und der Wünsche“ sowie die Longlist-2017-Autoren des Deutschen Buchpreises Jakob Nolte mit „Schreckliche Gewalten“ und Robert Prosser mit „Phantome“ sowie Rimini, das literarische Debüt der Filmregisseurin Sonja Heiss.

Donnerstag, 25. Januar 2018, 20 Uhr:
Joshua Cohen: Buch der Zahlen

„Verpisst euch doch einfach, wenn ihr dies am Bildschirm lest“ – so charmant eröffnet Joshua Cohen seinen Roman Buch der Zahlen, der unserer hochgradig technisierten Gesellschaft den Spiegel vorhält. Indem er Blogeinträge und Emailkorrespondenzen mit einer halb erfundenen Biografie verquickt, wirft er einen ungeschönten Blick auf die schier unbegrenzte Macht der neuen Medien und ihren Datensammelwahn. Auf einer abenteuerlich-absurden Reise von Amerika über Dubai bis zur Frankfurter Buchmesse verfolgt man die Bemühungen des Autors Joshua Cohen, der eine Biografie über den Suchmaschinenkönig Joshua Cohen zu schreiben versucht. Doch je weiter seine Recherche die dunklen Machenschaften der Mitarbeiter aufdeckt, desto gefährlicher wird auch die Arbeit des Ghostwriters.

Joshua Cohen führt mit ausschweifender Sprache und einem unwiderstehlichen Humor auf die wenig bekannte Seite der großen Medienkonzerne und ihrer Verstrickungen. Ein wichtiges, ernstes und humorvolles Buch, das nun endlich auch auf Deutsch vorliegt.

Moderation: Jan Wilm
Lesung der dt. Übersetzung: Isaak Dentler
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

In Kooperation mit Kultur & Bahn e.V.
Joshua Cohen wurde 1980 in New Jersey geboren und studierte an der ‚Manhattan School of Music‘. Er schreibt nicht nur Erzählbände und Romane, sondern auch Kritiken für renommierte Zeitungen wie die ‚New York Times Book Review‘. Zu den Auszeichnungen, die er für sein literarisches Schaffen erhalten hat, zählen der ‚Pushcart Prize‘ (2012) und der ‚Matanel Prize in Jewish Literature‘ (2013). Im Wintersemester 2017/18 ist er Samuel Fischer Gastprofessor für Literatur an der FU Berlin.

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Dienstag, 6. Februar 2018, 20 Uhr:
Berlin, mon amour?
Mit Leander Steinkopf und Julia Zange

Dieser Pop-Roman schreit nach Punkrock. Im Laufe von Julia Zanges Realitätsgewitter möchte man am liebsten mit Kraftklub „Ich will nicht nach Berlin“ anstimmen. Wo sich Kreative aller Länder vereinigen, ist Oberfläche alles. Schöne, hippe Menschen gehen in Clubs, nehmen Drogen und reden über Kunst. Mittendrin: Marla, Anfang zwanzig und ohne Plan. Um der Einsamkeit zu entgehen, lässt sie sich treiben – einer von 1675 Facebook-Freunden weiß immer, wo was los ist. Dem namenlosen jungen Mann, der durch Leander Steinkopfs Stadt der Feen und der Wünsche flaniert, würde Marla auf der Straße sicherlich auffallen. Zu genau beobachtet er sein Umfeld, die Menschen in Berlin. Seinem scharfen Urteil entgeht keiner: weder die „Unterschichtsscheuche“ im Wedding noch die „Berlin-Mitte-Existenzen“. Als Dandy auf Achse kartiert er die Stadt und sortiert ihre Bewohner, ein Sammelsurium von Sehnsüchten, die er längst aufgegeben hat. Was er wohl über Marla denken würde?

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Leander Steinkopf, geboren 1985, ist promovierter Psychologie. Wenn er nicht als freier Journalist für die FAZ oder F.A.S. schreibt, verfasst er Komödien fürs Theater oder Essays, die im „Merkur“ veröffentlicht werden. Nach Stationen in Mannheim, Berlin und Sarajevo lebt und arbeitet Leander Steinkopf heute in München. Stadt der Feen und der Wünsche ist sein literarisches Debüt.

Julia Zange wurde 1983 in Darmstadt geboren. Sie studierte Gesellschafts – und Wirtschaftskommunikation in Berlin. 2006 gewann sie den open mike, 2008 veröffentlichte sie ihren Debütroman Die Anstalt der besseren Mädchen. Es folgten eine Reihe von Kurzgeschichten sowie Auftritte in Kinofilmen und Serien (u.a. im Tatort). Julia Zange lebt und arbeitet in Berlin.

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Mittwoch, 14. Februar 2018, 20 Uhr Uhr:
Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten

„Mein Buch ist ein bisschen wie Browsen“, sagt Jakob Nolte im Interview mit dem Magazin SPEX. „Nur dass die 18 offenen Tabs direkt nebeneinander abgebildet sind“. Wie sich das liest? Schreckliche Gewalten ist ein beeindruckender Mix aus Horror, Porno und Märchen, aufgelockert durch Ironie, gespickt mit Abschweifungen. Die Geschichte fängt im Norwegen der 70er-Jahre an. Als der Vollmond am Himmel steht, zerfleischt Hilma, plötzlich zum Werwolf mutiert, ihren Mann. Auf diesen Schock reagieren ihre Kinder, die Zwillinge Iselin und Edvard, unterschiedlich. Iselin bleibt vor Ort, um zu studieren – und wird zur Terroristin. Edvard hingegen möchte weg, über die Sowjetunion nach Afghanistan. Zu diesem Zeitpunkt übt ein Parasit bereits seit einigen Jahren die Kontrolle über ein Mädchen namens Sofia aus. Er lebt vom „biochemikalischen Trubel“ in ihren Blutbahnen. Alles, was Schmerz und Aufregung bereitet, ist ihm ein Fest. Die Jagd auf den Werwolf kann beginnen.

Indem Schreckliche Gewalten ein ums andere Mal überraschende Haken schlägt, entsteht eine unheimliche Dynamik. Der Titel ist dabei Programm: Es entfaltet sich ein Panorama der Gewalt, dessen Irrwitz auf historischen Fundamenten ruht. Der Roman zieht eine Bilanz des 20. Jahrhunderts und seiner Schrecken, die Namen wie Nanking, Hiroshima und Auschwitz tragen.

Moderation: Björn Jager
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Jakob Nolte, geboren 1988, wuchs in Barsinghausen am Deister auf. Nach seinem Studium des Szenischen Schreibens an der Universität der Künste in Berlin ist er mit vielfach ausgezeichneten Theaterstücken in Erscheinung getreten. Für seinen Debütroman ALFF bekam er den Kunstpreis Literatur 2016. Schreckliche Gewalten, sein zweiter Roman, stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017.

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Montag, 19. Februar 2018, 20 Uhr:
Acting out! #5
Mit Robert Prosser

Es „klackdiklickert“ im Rucksack, „zack zack zack“ rauscht ein Zug vorbei: ein Graffiti-Sprayer auf der Suche nach dem Kick. Je tiefer er in den Wiener Untergrund hinabsteigt, desto weiter schweifen die Gedanken. Der Trip durch die Tunnel führt in die Vergangenheit, ins Schlachthaus des zerfallenden Jugoslawiens, zum „Klickdiklick“ der Kalahsnikovs. In seinem Roman Phantome, der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 stand, begibt sich Robert Prosser auf die Spur der Geflohenen, Vermissten und Toten dieses Krieges. Gegen das Vergessen erzählt Phantome von Anisa und Jovan, sie bosnische Muslima, er Serbe. Mit einer Perfomance, in der „die Worte prasseln, prickeln, funkeln“ (Tiroler Tageszeitung), bringt Prosser sie zum Sprechen.

Moderation: Björn Jager
Ort: Lokal im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf+Abendkasse)
*Der Vorverkauf läuft über den Mousonturm

Robert Prosser, geboren 1983, studierte Komparatistik sowie Kultur- und Sozialanthropologie. Als Mitbegründer des Lyrikkollektivs Babelsprech sorgt er für die internationale Förderung, als Perfomancekünstler mit Auftritten in ganz Europa für die Verbreitung junger Poesie. Auf sein Konto gehen dabei nicht nur Romane und Prosastücke, sondern auch die Mitherausgabe von Lyrik von Jetzt 3. Für all das wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Land-Niederösterreich-Literaturpreis und Publikumspreis Wartholz 2016. Robert Prosser lebt in Alpbach/Tirol und Wien.

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Donnerstag, 22. Februar 2018, 20 Uhr:
Sonja Heiss: Rimini

Achtung: Kann Spuren von Loriot, Woody Allen und Yasmina Reza enthalten (© Christine Westermann)! Hier sind die Dialoge so treffend wie die Charaktere erschreckend vertraut. Das Gefühl dabei: irgendwo zwischen irre komisch und peinlich berührt. Die Schrullen, Sorgen und Wünsche der Familie Armin, von der Sonja Heiss in Rimini erzählt, haben Wiedererkennungswert. Während Barbara sich mit ihrem frisch verrenteten Mann Alexander arrangieren muss, bekommen Hans und Masha, ihre erwachsenen Kinder, gleich mehrere Pistolen auf die Brust gesetzt. Hans, dem zumindest bis vor Kurzem sehr erfolgreichen Anwalt, drohen nicht nur die Kanzleipartner mit dem Rauswurf, sondern auch seine Frau Ellen – wenn er nicht endlich durch eine Therapie die Neigung zu Aggressionen und Alkohol unter Kontrolle bringt. Bei Masha, einer Schauspielerin auf dem absteigenden Ast, steht indes der 40. Geburtstag vor der Tür. Höchste Zeit für ein Kind, von dem sie bisher aus Karrieregründen nichts wissen wollte. Ihr langjähriger Freund sagt: „Okay“. Doch irgendwas ist plötzlich anders. Er riecht nach altem Mann und isst wie ein Kamel.

Sonja Heiss, die sich als Filmregisseurin einen Namen gemacht hat, gelingt es, durch geschickte Perspektivwechsel das morsche Gefüge einer deutschen Mittelstandsfamilie auszuleuchten. Schonungslos, aber voller Empathie zeigt sie, wie Menschen immer wieder daran scheitern, die eigenen Bedürfnisse mit anderen zu versöhnen.

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Sonja Heiss, geboren 1976, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Sie führte bei zahlreichen Filmen Regie, darunter die preisgekrönten Hotel Very Welcome und Hedi Schneider steckt fest. Sonja Heiss war Stipendiatin der Villa Aurora. 2011 erschien ihr vielbeachteter Erzählungsband Das Glück geht aus. Rimini ist ihr erster Roman.

Literaturhaus Villa Clementine – Termine im Februar 2018

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Auch im Februar bietet das Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine wieder eine Fülle spannender Veranstaltungen an:

Do 01.02. | 19.30 Uhr Lesung aus Etty Hillesum Tagebüchern „Das denkende Herz“

Im Rahmen des „27. Januar – Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes“ findet in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden eine Veranstaltung über das Leben der Jüdin Etty Hillesum im Literaturhaus statt. Die Schauspielerin Evelyn Faber vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden liest aus den Tagebüchern von 1941-1943, die unter dem Titel „Das denkende Herz“ erschienen sind. Dr. Gotthard Fuchs erschließt Biografie und Werk Hillesums.

Am 30. November 1943 wurde die kreative Niederländerin Etty Hillesum, Tochter einer liberal jüdischen Familie, mit 29 Jahren in Auschwitz ermordet. Die Tagebücher der studierten Juristin geben einen bewegenden Einblick in die Selbstfindung einer hochbegabten und vor Lebensfreude sprühenden Frau, welche die fortschreitende Knechtung durch die Nazi-Besetzung miterlebt und reflektiert hat. Politisch hellwach gehen spirituelle Entwicklung und soziales Engagement bei ihr Hand in Hand und werden eindrücklich beschrieben. Zunächst als freiwillige Sozialarbeiterin im Auffanglager Westerbork engagiert, wurde sie Mitte 1943 dort mit ihrer Familie inhaftiert bis zur Deportation am 7.9.1943. Ihre Tagebücher sind wie die der jüngeren Anne Frank und doch ganz anders. Sie stellen ein großes Dokument jüdischer Menschlichkeit dar und sind bis zuletzt ohne jeden Hass und voll Zuversicht. Entschieden und klar zeigt sich darin die Hoffnung auf ein versöhntes Leben nach dem Krieg.

€ 5 / erm. € 3 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 8 / erm. € 6
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden in Kooperation mit dem Literaturhaus
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Di 06.02. | 10.30 Uhr Autorenlesung – Stefanie Höfler aus ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“
Die Autorin Stefanie Höfler ist mit ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“ im Jungen Literaturhaus in der Themenreihe „Ich – Wer ist das?“ zu Gast.

Manchmal ist es diese eine Sekunde, die alles entscheidet: Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf, was verrückt ist und so aufregend anders, wie alles, was in den nächsten Tagen passiert. Vielleicht ist es der Beginn einer Freundschaft von zweien, die gegensätzlicher nicht sein könnten – aber im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.
Stefanie Höfler, geboren 1978, studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland. Sie arbeitet als Lehrerin und Theaterpädagogin und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Ihr Roman „Mein Sommer mit Mucks“ wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. „Tanz der Tiefseequalle“ erhielt den Monats-LUCHS (ZEIT/ Radio Bremen) im März 2017 und war zu finden auf der Mai-Liste 2017 von „Die besten 7 Bücher für junge Leser“ des Deutschlandfunks.
Moderation: Falk Ruckes (Freier Journalist)
€ 2 – Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen – Infos unter: 0611 – 31 57 46 Veranstalter: Literaturhaus und Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 07.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Jan Wagner liest u.a. aus „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ – freier Eintritt

In der letzten Veranstaltung der „Poetikdozentur: junge Autoren“ stellt Jan Wagner seinen Lyrikband „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ sowie weitere Betrachtungen aus dem Essayband „Der verschlossene Raum“ vor.

In „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ lotet Jan Wagner anhand von drei erfundenen Poeten – dem schlesischen Bauerndichter Anton Brant, dem Berliner Anagrammdichter Theodor Vischhaupt und dem in Rom lebenden Elegiker Philip Miller – mit Witz und Empathie sowohl poetische Traditionen als auch sein eigenes Schaffen aus. Jan Wagner selbst tritt als Herausgeber auf, der biografische Details, Stellenkommentare, Sekundärliteratur und Bibliografien der drei Poeten beisteuert. Ein kluges und amüsantes Spiel und zugleich die Entdeckung dreier nicht zu verachtender Lyriker. Entstanden ist dieser vor Sprachwitz sprühende Band, der auch als Selbstparodie gelesen werden kann, während Jan Wagners Jahr in der Villa Massimo und durch die dortige Erkenntnis, dass nach Goethe kein Dichter mehr in Rom unbefangen Gedichte schreiben kann.

Außerdem liest Jan Wagner an diesem Abend aus seinem Essay-Band „Der verschlossene Raum“. Darin begeistert er mit genauen Beobachtungen über Kunst und Lyrik sowie charmanten Anekdoten, etwa über die Liebe zu Buchhandlungen.

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. 2001 erschien sein erster Gedichtband „Probebohrung im Himmel“. Es folgten „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007), „Australien“ (2010), „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ (2012) und zuletzt der Sammelband „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ (2016). Zudem ist er Mitherausgeber der Minnesang-Anthologie „Unmögliche Liebe (Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen, 2017). Für seine Lyrik wurde Jan Wagner vielfach ausgezeichnet. Mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ (2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Beate Tröger (Freie Kritikerin)
Eintritt frei.
Veranstalter: Hochschule RheinMain in Kooperation mit dem Literaturhaus / Kulturamt Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Do 15.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Verena Boos liest aus Debütroman „Blutorangen“

Die Schriftstellerin Verena Boos – bekannt für ihren gelobten Debütroman „Blutorangen“ – liest im Literaturhaus aus ihrem neuen Roman „Kirchberg“.

Eine Frau kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Einst wurde sie hier von ihren Großeltern aufgezogen, nachdem sich ihre Mutter gegen sie entschieden hat, weil sie sich zu jung gefühlt hat für ein Kind und als Stewardess in die Welt hinaus ziehen wollte. Nun ist die Erzählerin zurück in dem alten Schulhaus, in dem sie aufgewachsen ist und das seit dem Tod der Großeltern leer steht. Die Rückkehr ist auch eine Flucht nach einem Schlaganfall, der Hanna ihre Sprache gekostet hat. Ein tiefer Schlag für sie, die stets eine Frau des Wortes war. Hier will sie nun zur Ruhe kommen. Doch ist dies wirklich ihre Heimat? Gibt es eine solche überhaupt? Und wie geht man mit der plötzlich wieder allzu präsenten Vergangenheit um in der Gestalt alter Jugendfreunde? Denn da sind auf einmal Patrizio, der Freund aus Jugendtagen, und ihre Nachbarin Sabrina, die Hannas selbstgewählte Einsamkeit aufbrechen.

Präzise schildert Verena Boos die Geschichte einer Krankheit und die sowohl aufwühlende als auch heilsame Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren. Sie studierte Anglistik und Soziologie und promovierte in Zeitgeschichte. Es folgten mehrjährige Aufenthalte in Italien, Großbritannien und Spanien. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit ist sie als Journalistin und Referentin tätig. Sie nahm am Klagenfurter Literaturkurs und der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung teil, wurde für die Bayerische Akademie des Schreibens ausgewählt und las beim Open Mike. Für ihren Roman „Blutorangen“ wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt, dem Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck, dem Grimmelshausen-Förderpreis sowie dem Gerhard-Beier-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Ruth Fühner (hr2-kultur)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

So 18.02. | 11 Uhr Heiner Boehncke und Hans Sakowicz in der Reihe „Gespräche in der Villa“
Im Rahmen der Reihe „Gespräche in der Villa“ sind Heiner Boehncke und Hans Sakowicz zu Gast und sprechen mit Armin Conrad über ihre Zusammenarbeit bei zahlreichen Buchprojekten.

Der Detektiv an sich ist ja Einzelkämpfer. Aber, wenn es darum geht, der Geschichte – und insbesondere der hessischen Kulturgeschichte – okkulte Fakten und Zusammenhänge zu entlocken, da ist das ‚Team‘ der Schlüssel zum Erfolg.

Prof. Heiner Boehncke (Ex-HR) und Hans Sarkowicz (HR) – haben in den letzten Jahren Hessens bewegte Geschichte im Zentrum europäischer Verstrickungen, Umwälzungen und Kultur gemeinsam und erfolgreich und sauber filetiert. Mehr als ein Dutzend hochinteressanter Bücher sind inzwischen dabei herausgekommen.

Ein Autorenteam, das an seinen Steckenpferden und auch an sich selbst nicht satt wird. Jetzt
sind sie schon wieder einschlägig unterwegs, in der Verwandtschaft des Geheimrats Johann
Wolfgang von Goethe, wie man hört.

Moderation: Armin Conrad

€ 10 – Nur Tageskasse, kein Vorverkauf
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine, Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine e.V. und Presseclub Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literaturhaus Frankfurt e.V. : Januar-Februar-Programm 2018 – Litprom-Literaturtage – WÖRTERMEER –

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Wie das Literaturhaus Frankfurt mitteilt, befindet es sich bis einschließlich 19. Januar 2018 noch in der Winterpause. Am 20.1. startet es in das neue Literatur-Jahr mit der – bereits ausverkauften – Lesung von David Constantine. Dieser Abend richtet sich exklusiv an Mitglieder des Literaturhausvereins und findet in einer Mitgliederwohnung statt.

Mit Volker Weidermann (23.1.) und Arno Geiger (29.1.) geht es dann richtig los. Sie stellen ihre neuen Bücher vor.

Am 26. und 27.1. finden bereits zum 7. Mal die Litprom-Literaturtage statt. Dieses Mal zum Thema „Ausgezeichnet. Kartographien des Weiblichen“ mit Laksmi Pamuntjak, Claudia Piñeiro, Madeleine Thien, Anna Kim u.a.

Am 31.1. sind bei der alljährlich stattfindenden Debütantenrunde „Qualitätskontrolle“ Luise Maier („Dass wir uns haben“), Juliana Kálnay („Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“) und Jovana Reisinger („Still halten“) zu Gast.

Ferdinand Lutz und Dominik Müller laden alle Schüler der 3. und 4. Klassen am 25.1. zu ihrer BildKlangLesung ein.

In den Februar startet das Literaturhaus Frankfurt mit dem Illustrator und Grafiker Christoph Niemann (2.2.), außerdem im Literaturhaus: Szczepan Twardoch (5.2.), Wilhelm Genazino (14.2.), Esther Kinsky (15.2.), Helmut Böttiger (20.2.), Peter Stamm (26.2.) und Adam Zagajewski (28.2.) mit ihren neuen Büchern.

Am 6.2. beginnt die neue Reihe „Gelebtes Leben. Denker der Freiheit im Porträt“ kuratiert und moderiert von Rainer Hank (F.A.Z.). Zum Auftakt geht es mit Christiane Dahrendorf und Robert Falkner um den deutsch-britischen Soziologen Ralf Dahrendorf.

Am 7.2. ist Silke Scheuermann zum Abschluss der Poetikdozentur zu Gast, am 8.2. stellen Heinrich Detering, Ursula Krechel und die Schauspielerin Mechthild Großmann das Werk von Irmgard Keun vor, die Jugendlichen der Schreibwerkstatt „Schreibzimmer“ präsentieren am 22.2. ihre Anthologie und wie jedes Jahr wird im Literaturhaus der Preis für das Hörspiel des Jahres verliehen (24.2.). Verschoben wurde die Premiere von „Stimmen einer Stadt“ im Schauspiel Frankfurt vom 17.2. auf den 5.5. Details dazu folgen im März.

„WÖRTERMEER – Literatur erleben“ – Schulklassen für Angebote im Bereich kultureller Bildung gesucht!

Das Projekt „WÖRTERMEER – Literatur erleben“ für Schüler aus Frankfurt und der Region geht nach zwei erfolgreichen Jahren in die dritte Runde. Rund 800 Frankfurter und Offenbacher Schüler waren 2016 und 2017 für Comic-, Übersetzer-, Poetry Slam-Workshops, Rhetorikkurse, Schreibwerkstätten und Lesungen im Literaturhaus zu Gast. Dank der Stiftung Polytechnische Gesellschaft können ab Februar 2018 wieder Schüler der Klassen 5 bis 13 mit u.a. Arne Rautenberg, Ferdinand Lutz, Lenka Wolf und Fridtjof Küchemann „Literatur erleben“. Gesucht werden hierfür interessierte Lehrer mit ihren Klassen. Bewerbungsschluss ist der 19.1.18. (PM anbei)

Auch das Junge Literaturhaus bietet wieder Veranstaltungen für Kinder zwischen 4 und 16 Jahren. Gäste in den nächsten Monaten sind u.a. Paul Maar, Philip Waechter und Jutta Richter. Siehe Flyer: Junges Literaturhaus Januar bis Juni 2018

Das Programm im Detail:
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

AUSVERKAUFT!
In einer Mitgliederwohnung in Kelkheim – Exklusiv für Mitglieder
Samstag 20.01.18 / 19.30 h / Eintritt 18 / 14 Euro
Mitglieds Heim IX mit David Constantine: Wie es ist und war

Nur für Mitglieder: ein Abend im Privaten mit dem Poeten und Mentor deutscher Dichtung
Mitglieds Heim, das sind Abende, an denen das Literaturhaus exklusiv die Mitglieder des Literaturhaus Frankfurt e.V. zum Austausch über Bücher und Autoren einlädt. Und zwar in die Wohnungen von Mitgliedern. Also in solche vier Wände, in denen Literatur gelebt wird. Zum Auftakt des Jahres erwarten wir den Poeta doctus David Constantine aus Oxford. Constantine lehrte deutsche Literatur am Queen’s College in Oxford, er übersetzte Hölderlin und Goethes Faust – beide Teile. Unter dem Titel „Etwas für die Geister“ erschien vor zehn Jahren hierzulande eine Auswahl seiner Gedichte (Wallstein Verlag). Nun bringt der Kunstmann Verlag seine hoch empfindsamen Erzählungen. Eine davon wurde mit Charlotte Rampling verfilmt: „45 Years“. Constantine lesend und redend zu erleben, ist ein hoher Gewinn für ein literarisches Leben. Dazu wie immer Wein und Käse. Begrenzte Platzzahl. Keine Abendkasse. Kartenvorverkauf und Angaben zum genauen Veranstaltungsort in Kelkheim bei Julia Ketterer unter ketterer@literaturhaus-frankfurt.de.

Dienstag 23.01.18 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Volker Weidermann: Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen

Der Gastgeber des Literarischen Quartetts über Dichter an der Macht
1919 ist München die Mitte. Revolution – und diese Männer sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Klaus Mann … Die Münchner Räterepublik, durch die die Dichter an die Macht gelangten. Ein Lidschlag in der Geschichte, ein Moment, in dem alles möglich schien. Was da war, zwischen November 1918 und April 1919, davon erzählt der Spiegel-Literaturchef, Publizist und Gastgeber des Literarischen Quartetts Volker Weidermann. Die Leser werden zu Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen, die München, Bayern und Deutschland erschütterten. Radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. Und vorneweg Toller, Landauer und Mühsam. „Träumer“ – ein historischer Thriller einerseits, wohl eher aber Science-Fiction aus gegenwärtiger Zukunftserwartung.

Donnerstag 25.01.18 / 10.30 h / Eintritt 3 Euro
Ferdinand Lutz & Dominik Müller: Rosa und Louis
BildKlangLesung für 3. und 4. Klassen

Was beim Lesen eines Comics normalerweise nur im Kopf passiert, geschieht in dieser BildKlangLesung auf der Bühne!
Ein Schloss, zwei Kinder und jede Menge Geister. In Ferdinand Lutz’ neuem Kindercomic „Rosa und Louis“ (Reprodukt) zieht ein Geschwisterpaar mit ihren Eltern in das echte Schloss ihrer Oma. Hier warten die tollsten Abenteuer – denn die ehemaligen Bewohner des altehrwürdigen Gemäuers sind allesamt noch da: als Geister! „Rosa und Louis“ erscheint seit 2016 in Dein SPIEGEL, „Geisterstunde“ ist der erste Sammelband der witzigen Serie, den auch Eltern unbedingt mal heimlich lesen sollten. Mit Stimmen und Geräuschen, mit Musik und kleinen Animationen erwecken Ferdinand Lutz und Multiinstrumentalist Dominik Müller die Comics zum Leben. Anschließend zeigen sie, wie die Figuren entstehen und gezeichnet und wie Musik und Geräusche gemacht werden.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Litprom-Literaturtage 2018

Freitag 26.01.18 ab 16.00 h & Samstag 27.01.18 ab 11.00 h
Litprom-Literaturtage 2018 – Ausgezeichnet: Kartographien des Weiblichen
Mit Raja Alem, Ken Bugul, Meena Kandasamy, Laksmi Pamuntjak, Claudia Piñeiro, Fariba Vafi u.a.

30 Jahre LiBeraturpreis: zur Neuvermessung der Weltliteratur aus weiblicher Sicht.
2018 wird der LiBeraturpreis – der ausschließlich Autorinnen aus Asien, Afrika, Lateinamerika und der arabischen Welt auszeichnet – im 30. Jahr überreicht. Der Preis hat längst internationale Strahlkraft erlangt – für Litprom ein freudiger Anlass zum Feiern, aber auch zum Nachdenken über Grundsätzliches: Ist solch ein Preis eigentlich noch opportun? Oder brauchen wir gar – wie die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fordert – „Mehr Feminismus“? Die Litprom-Literaturtage 2018 fragen deshalb ausgezeichnete sowie nominierte Preisträgerinnen: Welche Themen treiben sie um? Was bedeutet für sie weibliches Schreiben – unter Berücksichtigung aller regionalen, sprachlichen, generationsspezifischen Diversität und über die Grenzen von ‚Nord’ und ‚Süd’, ‚race’ und ‚class’ hinweg? Die Literaturtage bieten Podiumsdiskussionen, Lesungen, Werkstattgespräche und Filmvorführungen. Alle Veranstaltungen werden gedolmetscht. Das ausführliche Programm finden Sie unter http://www.litprom.de/events/literaturtage/
Zum Abschluss spielt am Samstagabend um 20.30 h das Frankfurter Kick La Luna-Trio.

Karten:
Im Vorverkauf: Kombiticket für beide Tage 28 / 19 Euro
An der Einlasskasse: Einzelticket 8 / 6 Euro & Konzertticket Kick La Luna 12 / 10 Euro
Das Kombiticket gilt auch für das Konzert.

Montag 29.01.18 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Arno Geiger: Unter der Drachenwand
Moderation: Christoph Schröder

Der erste Deutsche Buchpreisträger und Autor von „Der alte König in seinem Exil“.
Der österreichische Autor Arno Geiger wurde einem Riesenpublikum bekannt als erster Gewinner des Deutschen Buchpreises („Es geht uns gut“, 2005). Aber auch seine Romane davor und sein durchdringendes Vaterporträt „Der alte König in seinem Exil“ etablierten ihn. Nun veröffentlicht er mit „Unter der Drachenwand“ (Hanser) einen Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden: Es ist 1944, der Weltkrieg aus deutsch-österreichischer Sicht verloren, doch dauert er noch. Veit Kolbe verbringt ein paar Monate Fronturlaub am Mondsee, unter der Drachenwand eben, und trifft hier zwei junge Frauen. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist die Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Das Gespräch mit dem Autor führt der freie Literaturkritiker Christoph Schröder.

Mittwoch 31.01.18 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Qualitätskontrolle 0118 mit Juliana Kálnay, Luise Maier und Jovana Reisinger
Moderation: Nils Husmann (chrismon)
Mit den Gebärdensprachdolmetschern Anette Kumant und Yvonne Barilaro

Drei neue Autorinnen, drei Debüts
„Ich darf niemals Kinder haben“, so beginnt Luise Maiers „Dass wir uns haben“ (Wallstein Verlag), ein Satz, immer und immer wiederholt, ein ganzes Notizheft lang. Nicht vollständig beschrieben hingegen sind die Buchseiten in diesem Kammerspiel. So entsteht Raum zum Durchatmen, wenn man die häusliche Gewalt und das karge Leben auf der einen und das Ringen nach Zärtlichkeit und Nähe auf der anderen Seite kaum noch erträgt. Einen wundersamen Kosmos eröffnet Juliana Kálnays preisgekrönte „Kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ (Wagenbach). Im Haus mit der Nummer 29 geht es rätselhaft zu: Ein Mann erstarrt zum Baum, ein Obdachloser zieht in den Aufzug. Episoden einer Hausgemeinschaft mit Wesen, bei denen die Übergänge zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen fließend sind. Den Zerfall einer jungen Frau beschreibt Jovana Reisinger in „Still halten“ (Verbrecher Verlag). Diese titelgebende Untätigkeit durchzieht den ganzen Roman: Eine Frau wartet und fragt sich dabei wieder und wieder „Was für eine Frau bin ich?“ Das Porträt einer Verlorenen auf der Suche nach sich selbst. Das Gespräch führt der chrismon-Redakteur Nils Husmann.

In Kooperation mit dem Journal Frankfurt. Der Abend wird, gefördert durch die Aktion Mensch, von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.

 

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Literaturhaus Frankfurt am Main e.V.
Schöne Aussicht 2
60311 Frankfurt am Main
T +49 69 – 75 61 84 0
F +49 69 – 75 61 84 20
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