Kategorie-Archiv: Buchkultur

E-Book-Markt: 100-Millionen-Euro-Grenze im ersten Halbjahr 2018 geknackt

Umsatz von E-Books am Publikumsmarkt steigt in den ersten beiden Quartalen 2018 um 11,3 Prozent / Absatzsteigerung von 16,4 Prozent / Käuferzahl nimmt um 6,1 Prozent zu / Kaufintensität bei E-Books steigt um 9,7 Prozent / Börsenverein meldet vierteljährlich E-Book-Zahlen

Der Trend des ersten Quartals 2018 setzt sich fort und führt zu einem starken ersten Halbjahr 2018 für das E-Book: Mehr Käufer und eine erhöhte Kaufintensivität führen am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) zu deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und Absatz gegenüber den schwachen ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Käuferzahl legt um 6,1 Prozent zu und lag im ersten Halbjahr bei 2,7 Millionen Personen. Zudem kauften diese auch noch mehr Titel: Die durchschnittliche Kaufintensivität stieg um 9,7 Prozent auf 6,2 E-Books je Käufer.

Zwar sank im ersten Halbjahr 2018 wie auch in den Vorquartalen der durchschnittlich für ein E-Book bezahlte Preis, diesmal um 4,3 Prozent. Das heißt, es landen weiterhin verstärkt günstige E-Books im Warenkorb. Die enorme Steigerung des Absatzes führt aber dazu, dass der Umsatz trotzdem beträchtlich zunahm. 16,7 Millionen E-Books gingen im ersten und zweiten Quartal 2018 über die digitale Ladentheke, 16,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz knackt damit zum ersten Mal in einem Halbjahr die 100-Millionen-Euro-Grenze: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017, in dem der Umsatz sogar sank, stieg er 2018 um 11,3 Prozent auf 100,6 Millionen Euro.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels meldet in Kooperation mit GfK Entertainment vierteljährlich die Entwicklung auf dem E-Book-Markt. Die Hochrechnungen der E-Book-Absätze und -Umsätze stammen aus dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch mit insgesamt 25.000 Personen. Sie sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab zehn Jahren, für insgesamt 67,7 Mio. Menschen.

Deutscher Buchpreis 2018: Jury wählt 20 Romane für die Longlist aus

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

199 Titel waren in der Auswahl / Shortlist wird am 11. September veröffentlicht / „Buchpreisblogger“ stellen Titel auf www.deutscher-buchpreis-blog.de vor

Die nominierten Titel für den Deutschen Buchpreis 2018 stehen fest: Die Jury hat 20 Romane für die Longlist ausgewählt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 199 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2017 und dem 11. September 2018 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Jurysprecherin Christine Lötscher (freie Kritikerin): „Die Lage der Welt scheint den deutschsprachigen Autorinnen und Autoren auf den Nägeln zu brennen: Wie ist die Welt zu dem geworden, was sie heute ist? Wie hängt alles zusammen, und welche Geschichten lassen sich darüber erzählen? Ihre Romane versuchen diese Fragen in der ganzen poetischen Tiefe auszuloten, indem sie ihre Figuren als Reisende, Suchende oder Vertriebene ihre Vergangenheit und Gegenwart erkunden lassen. Die Vielfalt der literarischen Formen hat die Jury begeistert: Es gibt große historische, aber auch verspielt fantastische Weltentwürfe, ebenso wie Texte, die eine radikale Reduktion der Perspektive suchen, bis auf den Nullpunkt des Erzählens. Angesichts dieses Reichtums und vieler überraschender Entdeckungen ist die Longlist auch eine Einladung der Jury, dieses große Spektrum zu erkunden.“

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Carmen-Francesca Banciu, Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! (PalmArtPress, März 2018)
  • María Cecilia Barbetta, Nachtleuchten (S. Fischer, August 2018)
  • Maxim Biller, Sechs Koffer (Kiepenheuer & Witsch, September 2018)
    Susanne Fritz, Wie kommt der Krieg ins Kind (Wallstein, März 2018)
  • Arno Geiger, Unter der Drachenwand (Carl Hanser, Januar 2018)
  • Nino Haratischwili, Die Katze und der General (Frankfurter Verlagsanstalt, August 2018)
  • Franziska Hauser, Die Gewitterschwimmerin (Eichborn, Februar 2018)
  • Helene Hegemann, Bungalow (Hanser Berlin, August 2018)
  • Anja Kampmann, Wie hoch die Wasser steigen (Carl Hanser, Januar 2018)
  • Angelika Klüssendorf, Jahre später (Kiepenheuer & Witsch, Januar 2018)
  • Gert Loschütz, Ein schönes Paar (Schöffling & Co., Februar 2018)
  • Inger-Maria Mahlke, Archipel (Rowohlt, August 2018)
  • Gianna Molinari, Hier ist noch alles möglich (Aufbau, Juli 2018)
  • Adolf Muschg, Heimkehr nach Fukushima (C.H.Beck, Juli 2018)
  • Eckhart Nickel, Hysteria (Piper, September 2018)
  • Josef Oberhollenzer, Sültzrather (Folio, März 2018)
  • Susanne Röckel, Der Vogelgott (Jung und Jung, Februar 2018)
  • Matthias Senkel, Dunkle Zahlen (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2018)
  • Stephan Thome, Gott der Barbaren (Suhrkamp, September 2018)
  • Christina Viragh, Eine dieser Nächte (Dörlemann, Februar 2018)

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2018 gehören neben Christine Lötscher an: Christoph Bartmann (Goethe-Institut Warschau), Luzia Braun (ZDF), Tanja Graf (Literaturhaus München), Paul Jandl (freier Kritiker), Uwe Kalkowski (Literaturblog „Kaffeehaussitzer“), Marianne Sax (Bücherladen Marianne Sax, Frauenfeld).

Im nächsten Schritt wählen die Juroren aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 11. September 2018 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalistinnen und Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Preisverleihung findet am 8. Oktober 2018 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Die Longlist kennenlernen: Leseproben, Hörproben, Bloggerrezensionen

Ab kommender Woche ist das Taschenbuch „Deutscher Buchpreis 2018. Die Nominierten“ im Buchhandel erhältlich. Es enthält Leseproben und Hintergrundinformationen zu den nominierten Romanen und wird herausgegeben vom Fachmagazin Börsenblatt der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH. In welchen Buchhandlungen das Buch verfügbar ist, zeigt eine interaktive Karte, ein Angebot von JETZT EIN BUCH!, der Kampagne der deutschen Buchbranche.

Das deutschsprachige Onlineradio und Podcast-Label detektor.fm hat die Leseproben vertont. Die Hörproben der 20 Longlist-Titel sind ab sofort abrufbar unter www.detektor.fm/deutscher-buchpreis. Zudem sind sie über die detektor.fm-App und das Soundcloud-Profil von detektor.fm verfügbar. Ab dem 14. August präsentiert der Radiosender täglich von Montag bis Freitag jeweils einen Longlist-Titel um 10.15 Uhr in der Sendung „detektor.fm – am Vormittag“ und um 17.40 Uhr in der Sendung „detektor.fm – der Tag“. Die Hörproben zum Deutschen Buchpreis gibt es auch als Podcast. Auf den Plattformen Apple Podcast, Google Podcasts, Deezer und Spotify sind alle Audios direkt zu hören.

Heute starten auch „Die Buchpreisblogger“: Sechs Literaturblogger stellen in den kommenden Wochen auf www.deutscher-buchpreis-blog.de die nominierten Titel vor. Die Bloggerinnen und Blogger lesen die 20 Bücher der Longlist, setzen sich mit ihnen auseinander, bieten Hintergrundinformationen und kritische Debattenbeiträge.

Vergabe des Gutenberg-Preises 2018 an den Schutzpatron des gedruckten Buches Alberto Manguel

Vergabe des Gutenberg-Preises 2018 an Alberto Manguel durch Oberbürgermeister Michael Ebling am 23.Juni 2018 im Ratssaal des Mainzer Rathauses. © Foto: Diether v. Goddenthow
Vergabe des Gutenberg-Preises 2018 an Alberto Manguel durch Oberbürgermeister Michael Ebling am 23.Juni 2018 im Ratssaal des Mainzer Rathauses. © Foto: Diether v. Goddenthow

Manguel habe wie kein Zweiter die Beziehung von gedrucktem Buch, der Leserschaft und dem Lesen zum zentralen Punkt seines Wirkens gemacht, heißt es in der Jury-Begründung, den Schriftsteller Alberto Manguel mit dem Gutenberg-Preis 2018 auszuzeichnen. Gestern, am 23. Juni 2018, überreichten Oberbürgermeister Ebling und Kulturdezernentin Marianne Grosse Manguel während einer Feierstunde im Mainzer Rathaus die Urkunde des mit 10 000 Euro dotierten Gutenberg-Preises. Dieser Preis sei für ihn die allergrößte Ehrung, ein Nobelpreis unter den Nobelpreisen, so der weltberühmte Bestsellerautor von 50 Romanen und Direktor der argentinischen Nationalbibliothek in Buenos Aires.

Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei ihrer Begrüßung skizzierte Kulturdezernentin Marianne Grosse zu Beginn des Festaktes, dass Ende der 1990er Jahre, nach dem historischen Fall der Mauer, kulturelle, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen ihren Lauf genommen hätten, die kurz zuvor kaum denkbar gewesen seien: Das Internet habe Einzug gehalten in Privathaushalten, Mobilfunk wurde massentauglich, Laptops und E-Books revolutionierten den Alltag. Kultur und Wirtschaft florierten, Begrifflichkeiten wie Dot.com-Unternehmen, Euro-Einführung oder „Shareholder-Value“ versprachen höheren Wohlstand – und der Bau der Raumstation ISS habe den Weltraum „gefühlt“ einen Schritt näher gebracht. Grosse: „Die Welt war wieder ein Stück kleiner geworden, die Möglichkeiten schienen unbegrenzt.“

In dieser von kühnen Träumen geprägten Zeit erschien 1996 zuerst in englischer, 1998 dann in deutscher Sprache ein Buch mit dem Titel „Eine Geschichte des Lesens“. Ein Buch mithin, das so völlig im Gegensatz zum herrschenden Zeitgeist gestanden habe. Grosse: „Aber beim internationalen Publikum traf das Buch offensichtlich einen ganz besonderen Nerv, denn es wurde in Millionenhöhe aufgelegt und in alle Weltsprachen übersetzt. Das Echo auf die Publikation war enorm und dieser Weltbestseller sollte nur ein Teil eines beeindruckenden Oeuvres sein, dessen Autor wir heute hier begrüßen dürfen – den Gutenberg-Preisträger des Jahres 2018: Alberto Manguel.“

Oberbürgermeister Michael Ebling zeigte sich als Präsident der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V hocherfreut, einen solch namhaften Autoren als diesjährigen Preisträger begrüßen zu dürfen, um ihm als Vorsitzender des Kuratoriums zur Vergabe des Gutenberg-Preises die Auszeichnung persönlich zu überreichen.

Die Auszeichnung für Alberto Manguel gehe an einen renommierten Literaten, der sein ganzes Leben dem Buch und seiner Wirkung gewidmet habe. Als regelrechter „Weltbürger“ wirke er unter anderem in Buenos Aires, Paris, Mailand, London und Toronto, wo er als Lektor, Dozent und Übersetzer tätig gewesen sei. Aktuell fungiere er als Direktor der argentinischen Nationalbibliothek.
Ebling: „Alberto Manguel befasste sich nicht nur mit der Geschichte des Lesens und der Leser, sondern vermittelte auch seine ganz persönlichen Erfahrungen an Millionen von Lesern. Manguel schaffe es zum Beispiel, uns den Sinn von Buch zu beschreiben, nicht nur vom literarischen Wert her natürlich, sondern auch von seinen Eigenschaften. Das Buch, wie es Manguel beschreibe, sei mit unserer Kulturgeschichte so eng verflochten, dass es uns praktisch in in die DNA übergegangen sei. Und wer Manguels Leidenschaft für das Thema Buch spüre, „dann bin ich sicher, dann werden Menschen auch nie diese Leidenschaft verlieren.“, so der Oberbürgermeister.
„Bücher können Sinn stiften. Diese Botschaft vermittelt uns der Leser Alberto Manguel. Nun erhält er für sein umfangreiches Engagement für die Buchkultur mit dem Gutenberg-Preis den ,Nobelpreis der Nobelpreise‘, wie er ihn selbst kürzlich in einem Interview betitelte. Dazu gratulieren wir alle von Herzen.“, bekräftige Ebling

Der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Rainer Moritz , und heutige Leiter des Hamburger Literaturhauses. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Rainer Moritz , und heutige Leiter des Hamburger Literaturhauses. © Foto: Diether v. Goddenthow

In seiner furiosen Laudatio skizzierte Professor Dr. Rainzer Moritz, früherer Programm-Chef bei Reclam Leipzig und Ex-Programm-Geschäftsführer bei Hoffman und Campe, und langjähriger Leiter des Hamburger Literaturhauses den Lesefreund Alberto Manguel als eine Art Schutzpatron der Bibliotheken und Bücher, der die „ Geschichte des Lesens“ gern selbst geschrieben hätte. Und hätte er es getan, wäre es eine Methode aus vielen Abschweifungen geworden, die sich hätte von Details leiten lassen, eine Anekdote auf die andere reihend.
„Die Methode der Abschweifungen bildet gleichsam die Basis dessen, was Manguel schreibend so tut: Er lässt sich verführen von Büchern, von seinen Büchern. Er evoziert zurückliegende Leseänderungen und verknüpft all diese Fäden zu einem neuen Muster. ‚Die lebenslange Praxis wahlloser Lektüre‘, heißt es in seiner ‚Stadt aus Worten‘ (Fischer-Verlag, Frankfurt 2011), habe in ihm eine Art persönliches Universallexikon entstehen lassen, auf dessen Seiten ich jeden meiner Gedanken in den Worten anderer ausgedrückt finde. Alles Geschriebene hängt mit allem Vorgeschriebenem zusammen, so wie die Literatur selbst ein work in progress ist, so ist das Nachdenken über sie nie abgeschlossen.“, zitiert Moritz als Vorgedanken zu Manguels Bücher-Sammelleidenschaft.

Wer über Manguel spräche, müsse über seine Bibliothek sprechen, so der Laudator. Manuel habe über die ganz unterschiedlich verlaufene Geschichte seiner mittlerweile rund 40 000 Bände umfassenden Bibliothek geschrieben, für die er nach einer zur Tugend erhobenen Umzugs-Odyssee im Zweijahrestakt von Barcelona, Paris und London über Mailand, Tahiti und Toronto , endlich im südwestfranzösischen Örtchen Mondion eine dauerhafte Heimat gefunden zu haben glaubte. „Die Hoffnung auf dauerhafte Heimat währte nicht. Und in seinen, in diesem Jahr herausgekommenen Buch ‚Die verborgene Bibliothek‘ beschreibt er, so Moritz, diesen Verlust: ‚Meine letzte Bibliothek befand sich in Frankreich, in einem alten steinernen Pfarrhaus im Süden des Loire-Tals, in einem kleinen Dörfchen mit weniger als zehn Häusern. Mein Partner und ich wählten diesen Ort, weil direkt neben dem Haus eine uralte, teilweise abgetragene Scheune stand, groß genug, um meine Bibliothek zu beherbergen, welche zu dieser Zeit auf etwa 35 000 Bücher angewachsen war. Ich dachte, sobald die Bücher ihren Platz gefunden hätten, würde ich auch den meinen finden. Doch es sollte anders kommen!‘“

verborgene BibliothekDieses jüngste Buch sei, so Moritz, wie der der Untertitel besage, „eine Elegie, ein Abgesang auf die Vorstellung, irgendwo für immer ankommen zu können. So schmerzhaft dieser Verlust wohl war, so sehr scheint er zudem zu passen, was Manguel über seine Lektüren oder über das Schreiben sagt: Denn wie das Gelesene wieder und wieder dazu nötigt, neue Querverbindungen herzustellen, abzuschweifen zu anderen Lesestoffen sowie permanent unendliche Assoziationen hervorbringt, so gibt es für den Menschen offenbar keinen Ort der Ruhe. Auch nicht in Modion südlich der Loire. Bleiben wäre Stillstand, die Bibliothek nicht mehr zu erweitern, auch!“, so der Laudator.

Alberto Manguel sei ein Sammler, ein Enthusiast, der Bücher erstehe, auch weil ihn der Titel oder Einband anspräche, weil dieses oder jenes Werk eine ganz vorzügliche Ergänzung des Bestandes darstelle. Wie Manguel aufzeige, gäbe es bibliophile Sammler, die sich für die Inhalte ihrer Sammlung nicht sonderlich interessierten und für die das damit eine Art Selbstzweck darstelle. Und dann gebe es ‚diejenigen, die sammeln, anhäufen, um sich universelles Wissen anzueignen, und dabei nicht begreifen‘, wie Manguel in „Bibliothek bei Nacht“ schreibt, ‚dass die Anhäufung von Wissen, nämlich nichts mit Wissen zu tun hat.‘“

Alberto Manguel sei ein Sammler, der seinen Objekten nahe sein wolle, so Moritz weiter. „Wenn er beschreibt, wie er sie zu ordnen versucht, wie er diese Ordnungen immer wieder umstößt, wie unterschiedlich er seine Bibliothek in Tages- und Nachtstunden wahrnimmt, oder wie er sein Bett mit Büchern umgibt, dann ist schnell klar, dass es sich hier um eine komplexe Liebesbeziehung handelt. Bücher geben den Räumen, in denen sie sich befinden, nicht nur eine eigene Identität. Nein sie werden zu vertrauten Weggefährten. Sie verschmelzen letztlich mit ihrem Leser, werden für Manguel zu ‚Fortsetzungen meines Körpers‘“, analysiert der Laudator Manguels beinahe  erotische Beziehung zu Büchern, die immer auch etwas Haptisches hätten und bereits ihr Aussehen für Leser die Deutung ihres Inhalts beeinflussen könnten. Denn es sei „ein elementarer Unterschied, ob wir uns über eine Erstausgabe von sagen wir Alfred Döblin beugen, einen Nachdruck als Taschenbuch in Händen halten oder wenn wir den „Alexanderplatz“ als E-Book lesen. Diese Art physische Inhalation des Textes bleibt, wie es in der ‚Verborgenen Bibliothek‘ heißt, unverzichtbar.“, so Moritz, der wunderbar auf viele weitere zentrale Aspekte des großen Autors einging, dessen Bücher wie „Bibliothek bei Nacht“  und  insbesondere auch sein neuestes „Die verborgene Bibliothek“ wirklich wärmstens zu empfehlen sind.

Alberto Manguel. © Foto: Diether v. Goddenthow
Alberto Manguel. © Foto: Diether v. Goddenthow

In seinen Dankesworten unterstrich Alberto Manguel, dass das Buch des Menschen einzige Erfindung sei, die seinen Intellekt erweitere. Es helfe unserer Vorstellungskraft, unserem Gedächtnis, unserer Kommunikation und es helfe die Welt zu verstehen. „Bücher machen uns weniger unglücklich, und lassen uns nicht verdummen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Sängerin Julianna Townsend, begleitet am Flügel von Luis Borig mit „Don’t know why“ Nora Jones, „Right to be wrong“ Joss Stone und weiteren Titeln.

(Diether v. Goddenthow/ Rhein-Main.Eurokunst)

Erster Hessischer Verlagspreis in Wiesbaden verliehen

Verlage aus Kassel und Marburg überzeugen mit Werkstatt-Konzept und beherztem Bekenntnis zur Zukunft der Buchbranche

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Die heutige Preisverleihung ist der erste Höhepunkt eines ehrgeizigen Projekts: Mit dem Hessischen Verlagspreis wollen wir die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Die heutige Preisverleihung ist der erste Höhepunkt eines ehrgeizigen Projekts: Mit dem Hessischen Verlagspreis wollen wir die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein hat heute den Hessischen Verlagspreis im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine verliehen. Zwei Unternehmen haben mit ihren Konzepten überzeugt: Der Verlag Rotopol in Kassel gewann den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis, der Büchner-Verlag in Marburg freute sich über den Gründer-Preis und 5.000 Euro Preisgeld. Das Land Hessen hat gemeinsam mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. den Hessischen Verlagspreis in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobt.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Die heutige Preisverleihung ist der erste Höhepunkt eines ehrgeizigen Projekts: Mit dem Hessischen Verlagspreis wollen wir die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen, sie unterstützen und erhalten. Die gute Resonanz auf unsere Ausschreibung zeigte, dass vor allem kleine Unternehmen mit spannenden Ideen das Buchgeschäft bereichern. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich zu ihrem Erfolg und wünsche ihnen weiterhin viel Tatendrang. Gleichzeitig bedanke ich mich bei den Jury-Mitgliedern und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels für die hervorragende Zusammenarbeit.“

 Der mit 15.000 Euro dotierte erste Preise ging an den Verlag Rotopol in Kassel (v.l.)Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, Stefanie Brich (Börsenverein Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Rita Fürstenau (Rotopol), Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der mit 15.000 Euro dotierte erste Preise ging an den Verlag Rotopol in Kassel (v.l.)Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, Stefanie Brich (Börsenverein Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), Rita Fürstenau (Rotopol), Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Hauptpreisträger, der Verlag Rotopol aus Kassel, wurde 2007 gegründet und wird heute von den Verlegerinnen und Illustratorinnen Rita Fürstenau und Carmen José geleitet. Er ist ein Verlag für grafisches Erzählen, „der die Grenzen dessen abtastet, was Illustratoren und Comic leisten können“, so die Definition der Verlegerinnen. Der Verlag beherbergt ein eigenes Atelier, eine Siebdruck-Werkstatt, eine Galerie für wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Illustration und ein Geschäft, in dem neben dem Verlagsprogramm weitere Artikel aus der eigenen Werkstatt verkauft werden. Die Jury lobte diese ungewöhnliche Kombination aus Verlag und Handwerk.

 Dr-Sabine Manke, mit  Büchner-Verlagsteam, dankte für die "wahnsinnig tolle Idee". © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr-Sabine Manke, mit Büchner-Verlagsteam, dankte für die „wahnsinnig tolle Idee“. © Foto: Diether v. Goddenthow

Den Büchner-Verlag übernahmen vier ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tectum-Verlags und verlegten ihn von Darmstadt nach Marburg. Sie haben sich auf akademische Literatur mit dem Schwerpunkt in Kultur- und Medienwissenschaften sowie auf populäre Sachbücher spezialisiert und führen den Verlag als Genossenschaft. Mit dem Gründerpreis ehrt die Jury neben dem beherzten Bekenntnis der vier zur Zukunft der Buchbranche auch die Besinnung auf das genossenschaftliche Betriebsmodell.

Laudatorin Britta Jürgs, Verlegerin (Aviva Verlag) und Vorstandsvorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, zeichnete wunderbare Porträts der Preisträger und  lobte deren kreatives Programm. © Foto: Diether v. Goddenthow
Laudatorin Britta Jürgs, Verlegerin (Aviva Verlag) und Vorstandsvorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, zeichnete wunderbare Porträts der Preisträger und lobte deren kreatives Programm. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dass der Hessische Verlagspreis zur richtigen Zeit kommt, zeigt auch das kürzlich veröffentlichten Ergebnis der Studie des Börsenvereins „Buchkäufer – quo vadis?“. Demnach musste die Buchbranche in den vergangenen Jahren nur leichte Defizite im Umsatz hinnehmen. Gravierender hingegen ist, dass die Zahl der Käufer um 17,8 Prozent gegenüber 2017 zurückgegangen ist, das sind 6,4 Millionen weniger Käufer. Der einzelne Käufer kauft dafür mehr und auch hochwertigere, teurere Bücher.

„Ein Fazit der Studie ist, dass das Buch zum Kunden kommen muss – und dafür muss die Branche neue Strategien finden. Innovative Ideen und neue Marketingstrategien sind gefragt. Auch dafür steht der Hessische Verlagspreis“, so Kunst und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

Siehe auch Beitrag im Börsenblatt.net 

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 geht an Aleida und Jan Assmann

Aleida und   Jan Assmann. ©   Foto: Corinna Assmann
Aleida und Jan Assmann. © Foto: Corinna Assmann

Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilt, hat der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels die deutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann und den deutschen Ägyptologen und Kulturwissenschaftler Jan Assmann zu den diesjährigen Trägern des Friedenspreises gewählt. Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hatte dies bei der Eröffnung der Buchtage Berlin 2018 bekannt gegebem. Die Verleihung findet zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 14. Oktober 2018, in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt und wird live im Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2018 an Aleida und Jan Assmann und ehrt damit ein Forscherpaar, das sich in seiner Arbeit seit Jahrzehnten wechselseitig inspiriert und ergänzt. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann greift mit ihren wissenschaftlich fundierten Studien engagiert die immer wieder neu virulenten Themen von Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur auf. Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation. Ihr Werk weist darauf hin, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist. Der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann hat durch sein umfangreiches wissenschaftliches Werk internationale Debatten um Grundfragen zu den kulturellen und religiösen Konflikten unserer Zeit angestoßen. Mit seinen Schriften zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie zur Genese von Intoleranz und absolutem Wahrheitsanspruch leistet er einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedensfähigkeit der Religionen in der Weltgesellschaft von heute. Aus dieser spannungsvollen, komplementären Einheit, die Aleida und Jan Assmann bilden, ist ein zweistimmiges Werk entstanden, das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist.“

Aleida Assmann, geboren am 22. März 1947 in Bethel bei Bielefeld, beschäftigte sich in ihrem wissenschaftlichen Arbeiten neben der Anglistik und Archäologie seit den 1990er Jahren vornehmlich mit der Thematik des kulturellen Gedächtnisses, der Erinnerung und des Vergessens. 1993 folgte sie dem Ruf an den Lehrstuhl für Anglistik und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz und nahm in den folgenden Jahrzenten zahlreiche Gastprofessuren weltweit wahr.

In ihrem 2006 erschienenen Buch „Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik“ untersucht sie die Spannungen zwischen persönlicher Erfahrung und offiziellem Gedenken, gibt Ratschläge für eine angemessene Erinnerungskultur und plädiert dafür, dem Gedächtnis einen „gemeinsamen Erinnerungsraum“ zu geben, der sich auch in einem Gedenktag wiederfinden sollte. In ihrem jüngsten, 2017 erschienenen Buch „Menschenrechte und Menschenpflichten“ plädiert sie angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte für einen neuen Gesellschaftsvertrag, für den die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sind.

Ihr Ehemann Jan Assmann, geboren am 7. Juli 1938 in Langelsheim (Harz), leistete wissenschaftliche Grundlagenarbeit bei der Erschließung, Edition und Interpretation von Quellen zur ägyptischen Religion. Dabei verlegt er sich früh auf interdisziplinäre Ansätze, indem er philologische Deutungen von Texten in den Zusammenhang mit archäologischen Befunden stellt sowie den kulturellen und sozioökonomischen Hintergrund berücksichtigt. Über die Analyse des Totenkults setzt Jan Assmann sich zudem mit der Frage auseinander, welches Selbstverständnis eine Kultur späteren Generationen von sich vermitteln will.

Mit seinen ägyptologischen und kulturwissenschaftlichen Arbeiten revidiert Jan Assmann das biblische Bild des Alten Ägyptens von einer versklavten Gesellschaft unter pharaonischer Willkür und porträtiert stattdessen eine Zivilisation, die von Ordnungs- und Gerechtigkeitsvorstellungen geleitet ist. Einem erweiterten Kreis wird Jan Assmann über seine Arbeiten zur Entstehung des Monotheismus bekannt, dessen Anfänge er in dem Auszug der Israeliten aus Ägypten sieht. In dem 2016 erschienenen Buch „Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung“ schlägt Jan Assmann schließlich einen Bogen zur aktuellen Diskussion über das Gewaltpotential monotheistisch geprägter Gesellschaften.

Zusammen mit seiner Frau Aleida gründet Jan Assmann 1978 den Arbeitskreis „Archäologie der literarischen Kommunikation“, in dem beide Vertreter verschiedener Disziplinen und Kultur-Fächer in einen Dialog bringen. Im Rahmen ihrer Arbeit formulieren Aleida und Jan Assmann das Konzept des kulturellen Gedächtnisses, das sie als offiziell institutionalisierte, konstruierte Form kollektiven Erinnerns vorstellen und von den rein subjektiven individuellen Erinnerungen abgrenzen. Sie greifen auch Themen der aktuellen Gegenwart auf wie zum Beispiel die Frage der individuellen und kollektiven Erinnerung an die Shoah, und machen es sich zur Aufgabe, auch die Erforschung von Literatur in diesen weiten kulturwissenschaftlichen Rahmen zu stellen.

Aleida und Jan Assmann erhielten zahlreiche Auszeichnungen, für ihr gemeinsames Schaffen unter anderem den Balzan-Preis (2017) und den Karl-Jaspers-Preis (2017). Aleida Assmann wurde mit dem A.H.-Heineken-Preis für Geschichte (2014), dem Max-Planck-Forschungspreis: Geschichte und Gedächtnis (2009) und weiteren Ehrungen ausgezeichnet. Jan Assmann wurde für sein Schaffen unter anderem mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (2016) und dem Thomas-Mann-Preis (2011) geehrt. Er erhielt 2006 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Aleida und Jan Assmann leben in Konstanz. Das Ehepaar hat fünf Kinder.

Weitere Informationen sind abrufbar unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

Der erste Hessische Verlagspreis geht an Verlage aus Kassel und Marburg

Wie die Pressestelle des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst heute meldet, hat Kunst- und Kulturminister Boris Rhein die Sieger des Hessischen Verlagspreis 2018 bekannt gegeben. Hauptpreisträger ist der 2007 in Kassel gegründete Verlag für grafisches Erzählen ROTOPOL. Den Nachwuchspreis für Gründer erhält der Büchner-Verlag in Marburg, der im vergangenen Jahr von einem neuen Team übernommen wurde. Der Preis ist insgesamt mit 20.000 Euro dotiert: Auf den Hauptpreis entfallen 15.000 Euro, auf den Gründerpreis 5.000 Euro. Das Land Hessen hat gemeinsam mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. den Hessischen Verlagspreis in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobt.

Viele gute Bewerbungen
Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Uns haben viele Bewerbungen von Verlagen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten erreicht. ROTOPOL und der Büchner-Verlag konnten die Jury von sich überzeugen. Ich gratuliere den Preisträgern zu diesem Erfolg und bin sicher, dass der Preis dazu beiträgt, die vielversprechende Arbeit der Verlage noch weiter auszubauen.“

Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins, ergänzt: „Beide Verlage haben ihre Auszeichnung verdient, wenngleich die Jury hier keine leichte Aufgabe hatte. Die Bewerbungen haben gezeigt, wie vielfältig die hessische Verlagslandschaft ist und mit welcher Leidenschaft, aber vor allem mit welcher Profession die Verlage arbeiten. Der Verlagspreis setzt hier genau den richtigen Fokus und würdigt die kreative Verlagsarbeit in ganz Hessen. Dieses Jahr geht unser Glückwunsch also nach Kassel und Marburg“.

Ausschreibung richtet sich an kleine Verlage
Bewerben konnten sich alle unabhängigen Verlage mit Firmensitz in Hessen, deren jährlicher Umsatz unter 2 Millionen Euro liegt. Die Ausschreibung richtete sich an alle Verlagssparten (Belletristik, Lyrik & Sachbuch, Fachbuch & Wissenschaft sowie Kunst- & Regionalbuch). Die Jury bewertete Verlagsstrategie und das Gesamtprogramm, nicht einzelne Bucherfolge oder bekannte Autoren. Mitglieder sind Siv Bublitz (S. Fischer), Jutta Leimbert (Buchhandlung Vaternahm, Wiesbaden), Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst), Florian Balke (FAZ), Ute Schwens (Deutsche Nationalbibliothek), Björn Jager, (Hessisches Literaturforum) und Bärbel Schäfer (Autorin, Journalistin, Moderatorin).

Kasseler Verlag mit „bemerkenswertem Durchhaltevermögen“
In der Jurybegründung zum Hauptpreis heißt es: „Mit Rotopol aus Kassel ehrt die Jury einen Verlag mit einer ganz besonderen Ausrichtung, einer außerordentlich klaren Vorstellung vom eigenen Tun und bemerkenswertem Durchhaltevermögen. Das vor zwölf Jahren gegründete und seit elf Jahren an der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße ansässige Unternehmen setzt auf grafische Erzählformen und bringt Bücher zwischen Comic und Illustration heraus. Sein ungewöhnliches Geschäftsmodell kreist um die Werkstatt und Ladengalerie des Verlags, setzt auf eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den Autoren und sucht mit regelmäßigen Veranstaltungen die Nähe zum Kunden. Rotopol verbindet Verlegerisches, Künstlerisches und Marketing in gekonnter Weise. Die Konsequenz, mit der die beiden derzeitigen Leiterinnen des Unternehmens am einmal eingeschlagenen Weg festhalten, ist beispielhaft für den Umgang mit den Herausforderungen, denen sich die Buchbranche zurzeit gegenübersieht. Rotopol reagiert auf die Veränderungen im Geschäft mit Büchern mit einer Kombination aus Einfallsreichtum, sorgfältiger Arbeit und persönlichem Engagement, die die Branche in Zukunft immer stärker prägen wird. Dieser Verlag will neue Wege gehen und sich und seine Leser überraschen. Es gelingt ihm: Seine Titel sind eine Liebeserklärung an das, was die Künste und die Buchbranche können.“

„Mut und Tatkraft“ aus Marburg
Zur Wahl des Gründerpreises sagt die Jury: „Mit dem Marburger Büchner-Verlag zeichnet die Jury ein Verlagshaus aus, das vier abenteuerlustige Angestellte eines anderen Unternehmens im Sommer vorigen Jahres übernommen haben. Mit Mut und Tatkraft haben sie sich selbstständig gemacht und einen Verlag erworben, den sie ihren eigenen Vorstellungen gemäß umgestalten wollen. In kurzer Zeit ist es ihnen gelungen, dem Programm ein geschärftes Profil zu geben. Mit der Zuerkennung des Gründerpreises ehrt die Jury neben dem beherzten Bekenntnis der vier zur Zukunft der Buchbranche auch den Rückgriff auf das alt-ehrwürdige, von den neuen Besitzern wiederentdeckte genossenschaftliche Betriebsmodell des Verlags.“

Preis fördert Verlage
„Der Verlagspreis ist Teil einer Initiative zur Verlagsförderung des Landes Hessen und des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Wir wollen damit die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen, sie unterstützen und erhalten. Zudem wirft die Auszeichnung Licht auf eine Branche, die die Digitalisierung vor besondere Herausforderungen stellt. An unseren Lesegewohnheiten von morgen wird heute in den Verlagen getüftelt – insofern ist unser Verlagspreis auch ein Zukunftspreis“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

Die Preise werden in einer Feierstunde am 22. Juni 2018 in Wiesbaden verliehen.

Magisch …. Der Auftakt des 11. Lesesommers in der Öffentlichen Bücherei – Anna Seghers ab 16. Juni 2018

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Zauberstäbe vermehren, ein Überraschungstier in die Bibliothek zaubern oder gar eine ewige Sonnenfinsternis verhindern – das können junge Gäste in der Öffentlichen Bücherei – Anna Seghers bei einem Sommerfest der besonderen Art.

Zum Auftakt des 11. Lesesommers am Samstag, 16. Juni 2018, 15.00 Uhr,
steht in der Öffentlichen Bücherei – Anna Seghers in den Bonifaziustürmen „Zauberspaß mit Frieder“ auf dem Programm.

Dabei verspricht Zauberer Frieder Fizz eine ganz und gar ungewöhnliche Show! Denn anders als bei seinen Kollegen spielen Zauberutensilien für ihn eine untergeordnete Rolle. Ohne den tatkräftigen Einsatz seiner jungen Co-Zauberinnen und Co-Zauberer dagegen ist er verloren! Wenn es um wirkliche Magie geht, müssen sie sogar – hinter Frieders Rücken – mit unsichtbaren (!) Zaubersprüchen ganz ohne den Meister zaubern…

Die Gäste

Eingeladen zum Lesesommer-Auftaktfest sind alle Kinder ab 6 Jahren. Ganz besonders herzlich willkommen sind alle, die das Zauberspektakel zum Anlass nehmen, die magische Atmosphäre einer Bibliothek und den Zauber des Lesens erst kennen zu lernen. Denn das ist das wichtigste Ziel der Lesesommers: gerade die „(Noch-)Nicht-Leserinnen und Leser“ in die Kinderbücherei zu locken!

Die Mainzer Bibliotheksgesellschaft und der Club-Urlaub mit Sahnehäubchen

Mit dabei ist Dr. Thomas Kohl, der Zweite Vorsitzende der Mainzer Bibliotheksgesellschaft. Der rührige Förderverein sorgt seit 2007 für die großzügige Anschaffung des sommerlichen Lesestoffs – rund 400 hochattraktive Bücher -, und hat den Kindern auch den „Zauberspaß“ spendiert. Außerdem unterstützt sie das Team der Kinderbücherei beim traditionellen Lesesommer-Abschlussfest.

Kinder, die schon mehrere Sommer dabei waren, wissen: Der Club-Ausweis für den Lesesommer in der Bibliothek garantiert tatsächlich „Abenteuer im Kopf“! Dabei wissen sie natürlich auch das Sahnehäubchen der „Leselock-Aktion“ zu schätzen: die Lesesommer-Tombola.

So viel sei schon jetzt verraten: Passend zur Vielfalt des Lesestoffs winken Gewinne für Tier-freundinnen und –freunde, Schwimmerinnen und Schwimmer, junge Leute, die gerne werken oder klettern…Und passend zum Gutenberg- und Fußballjahr: noch mehr Freikarten von Sponsor Mainz 05!

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Zauberspaß mit Frieder – Auftakt des Lesesommers 2018
Für Kinder ab 6 Jahren
Öffentliche Bücherei – Anna Seghers, Bonifaziustürme
Samstag, 16. Juni 2018, 15 – 16.00 Uhr (Einlass: 14.30 Uhr, Ende: ca. 16.30 Uhr)
Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Vor und nach der Zauberveranstaltung können sich die Kinder zum Lesesommer anmelden und mit Lesestoff versorgen.

Da die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt und ein großer „Andrang“ zu erwarten ist, ist es unbedingt erforderlich, sich vorab kostenlose Eintrittskarten zu besorgen.
Erhältlich sind sie in der Öffentlichen Bücherei – Anna Seghers, Bonifaziustürme, sowie in den Stadtteilbüchereien Gonsenheim, Hechtsheim, Mombach, Weisenau und auf dem Lerchenberg.

Ansprechpartnerinnen:
Kristina Niedermüller, Tel. 12 21 48,
kristina.niedermueller@stadt.mainz.de
Janine Pohl, Tel. 12 36 17, janine.pohl@stadt.mainz.de

Ort und Öffnungszeiten:
Anna-Seghers-logoÖffnungszeiten der Öffentlichen Bücherei – Anna Seghers, Bonifaziustürme, und der Stadtteilbüchereien/ausführliche Informationen zum Lesesommer in Mainz:
www.bibliothek.mainz.de
www.facebook.com/oeffentlichebuechereimainz

Infos zur Mainzer Bibliotheksgesellschaft: www.mainzerbibliotheksgesellschaft.de
Infos zu Frieder Fizz: www.frieder-fizz.de

Weitere Informationen

Frankfurter Buchmesse Film Awards: Neuer Preis zeichnet den schönsten Bildband zum Thema Film aus

Impression der Frankfurter Buchmesse . © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der Frankfurter Buchmesse . © Foto: Diether v. Goddenthow

Opulent bebilderte Schauspielerbiografien, Making-of-Dokumentationen, Bildbände über Set-Design, nostalgische Lichtspieltempel, ausgefallene Kostüme oder atemberaubende Stunts – Bildbände halten magische Kinomomente fest und ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen einer glamourösen Branche. Um die Leistungen der Verlage auf diesem Gebiet zu würdigen, vergibt die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr gemeinsam mit der MGIP Motovun Group of International Publishers und THE ARTS+ den Preis für den besten Bildband zum Thema Film.

Die Auszeichnung wird in Anerkennung für originelle Buchkonzepte verliehen, für hervorragende gestalterische und herstellerische Qualität und die kongeniale Umsetzung eines filmrelevanten Themas in Buchform. Die eingereichten Bücher dürfen nicht vor August 2016 erschienen sein und müssen lieferbar sein. Verlage aus dem In- und Ausland können sich bewerben. Die Einreichungsfrist endet am 8. Juni 2018. Die Jurymitglieder werden aus den eingereichten Büchern eine Shortlist von fünf Titeln auswählen, diese wird Ende August bekannt gegeben.

Der Preis ist Teil der Frankfurter Buchmesse Film Awards, die 2018 erstmalig in drei Kategorien vergeben werden. Neben dem Preis für den schönsten Bildband zum Thema Film wird der 2004 ins Leben gerufene Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste internationale Literaturverfilmung in den Kategorien Adaption eines literarischen Stoffes und Adaption eines Kinder- und Jugendbuches verliehen. Die Verleihung der Frankfurter Buchmesse Film Awards findet am Donnerstag, 11. Oktober 2018, im THE ARTS+ Areal statt. Der Preis für den schönsten Bildband zum Thema Film wird von einem Jury-Mitglied der MGIP Motovun Group übergeben.

Informationen für Verlage
Bitte schicken Sie jeweils zwei Exemplare Ihres Titels sowie einschlägige Informationen (begleitende Pressemitteilung, PDF aus der Verlagsvorschau oder Waschzettel) an:
Frankfurter Buchmesse GmbH
z.Hd. Bettina Back
Braubachstraße 16
60311 Frankfurt am Main

Einsendeschluss ist der 8. Juni 2018 (Poststempel). Bitte beachten Sie, dass die Exemplare nicht zurückgesandt werden können. Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Bettina Back (back@book-fair.com)

Georgien, Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse, mit facettenreichem Literatur- u. Kulturangebot „Georgia – Made by Characters“ vertreten

v.r.n.li.:Peter Cachola Schmal (Direktor des Deutschen Architekturmuseums), George Bokhua (Künstlerischer Leiter des Ehrengastauftritts), Medea Metreveli (Direktorin des Georgian National Book Center), Mikheil Giorgadze (Minister für Kultur und Sport in Georgien), Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Ana Kordzaia-Samadashvili (Autorin),© Foto: Diether v. Goddenthow
v.r.n.li.:Peter Cachola Schmal (Direktor des Deutschen Architekturmuseums) erläutert als eine kleine Einführung über die alte Kulturnation Georgiens die Architektur in Tiflis., George Bokhua (Künstlerischer Leiter des Ehrengastauftritts), Medea Metreveli (Direktorin des Georgian National Book Center), Mikheil Giorgadze (Minister für Kultur und Sport in Georgien), Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Ana Kordzaia-Samadashvili (Autorin),© Foto: Diether v. Goddenthow

Wir haben erst Mai, und  die Frankfurter Buchmesse (10. bis  14. Oktober 2018) wirft bereits ihre Schatten voraus. Heute wurden im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt die georgischen Autorinnen und Autoren, die im Herbst am Main erwartet werden, das Konzept des Ehrengast-Pavillons auf der Frankfurter Buchmesse sowie das begleitende Kulturprogramm in der Stadt vorgestellt.  Im Herbst werden rund 70 georgische AutorInnen zur Frankfurter Buchmesse erwartet und der Ehrengast-Pavillon lädt zu einer literarischen und kulturellen Entdeckungsreise – Made by Characters ein. Darüber hinaus bieten zahlreiche Frankfurter Museen und Institutionen ein umfangreiches Programm an.

Mit Georgien präsentiert sich in diesem Jahr eine jahrtausendealte Kulturnation als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (10. bis 14. Oktober 2018). Unter dem Motto „Georgia – Made by Characters“ präsentiert Georgien nicht nur seine Literatur und die Neuerscheinungen in deutscher Sprache, sondern gibt auch mit einem umfangreichen Programm in den Frankfurter Kultureinrichtungen vielschichtige Einblicke in seine reiche Kulturlandschaft.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse unterstrich, dass Georgiens geografische Lage zwischen Europa und dem Kaukasus, seine ausgeprägte Individualität trotz – oder gerade wegen – der vielfältigen kulturellen und politischen Einflüsse, das Land zu einem der spannendsten Ehrengäste der letzten Zeit mache. Im Zuge der Vorbereitungen auf diesen Gastlandauftritt habe die georgische Buchbranche neue Strukturen eingeführt: „Die Gründung des Georgian National Book Centers (GNBC) steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Gastlandauftritt, ein Übersetzungsförderungsprogramm wurde aufgesetzt und die Verlage haben sich im Hinblick auf den Rechtehandel professionalisiert“, so Boos. Zu sehen, wie das Programm immer mehr Gestalt annehme, und wie vielfältig die Themen sein, wäre unglaublich spannend, so der Direktor der Frankfurter Buchmesse weiter. „Einen Meilenstein haben wir erreicht – aktuell liegen 80 georgische Titel in deutscher Übersetzung vor. Die engen Verbindungen, die bei der Planung eines solchen großen Auftritts entstehen, zeigen in beiden Ländern Wirkung: So richtet die Frankfurter Buchmesse 2018 auf der Buchmesse in Tiflis mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes einen großen Deutschen Gemeinschaftsstand aus. Zahlreiche deutsche Autorinnen und Autoren werden Ende Mai vor Ort sein. Von diesem Austausch profitieren beide Länder enorm und diese Nachhaltigkeit und Gegenseitigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Gastlandprogramms.“ sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Mikheil Giorgadze, Minister für Kultur und Sport in Georgien und Leiter des Ehrengast-Projekts, erläuterte, dass der Countdown laufe und das Gastland sich auf Oktober sehr freue, „denn dann werden Sie die reiche Kultur und Geschichte eines modernen Landes näher kennenlernen. Eines Landes, das mit Europa grundlegende Werte und Hoffnungen teilt und sich nun mit seiner historischen europäischen Familie wiedervereinen wird, so Giorgadze. Georgien wäre ein altes Land mit einer langen christlichen Tradition, das schon
immer zu Europa gehört habe. Das georgische Alphabet sei 2016 von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden und bilde das Herzstück des Ehrengast-Konzepts und Mottos: Georgia –Made by Characters, so der Kulturminister weiter. „Für Georgien und seine Verbundenheit mit Europa ist 2018 ein sehr symbolträchtiges Jahr, denn vor 100 Jahren wurde die Unabhängigkeit der Ersten Demokratischen Republik Georgien durch Deutschland anerkannt. Vor etwa 200 Jahren entstanden außerdem die ersten deutschen Siedlungen in Georgien. Eine Vielzahl der Kulturbauten des Landes entstand nach den Entwürfen deutscher Architekten. Die deutschen Bewohner Georgiens haben sich sehr gut in das kulturelle Gefüge von Tiflis integriert und einen gewissen europäischen Charme beigesteuert. Bis heute gibt es praktisch keine kulturellen Aktivitäten, bei denen Georgien und Deutschland nicht Hand in Hand zusammenarbeiten. Diese lebhafte Beziehung wäre natürlich nicht möglich ohne die Menschen, die aktiv dazu beitragen. Die beiden Länder verbindet also eine besondere Beziehung und eine gemeinsame Geschichte. Gerade deshalb ist es für die Menschen aus Georgien und Deutschland besonders wichtig, die Kultur des jeweils anderen Landes zu kennen.
Ab Frühling 2018 werden wir insgesamt 100 kulturelle Events in etwa acht deutschen Städten veranstalten. Georgien wird das ganze Jahr über die Gelegenheit haben, seine Kultur und seine Werte in Deutschland zu präsentieren. Wir hoffen, dass diese Aktivitäten letztlich zur Integration Georgiens in Europa beitragen und das Bewusstsein für die georgische Kultur stärken.“ sagte Mikheil Giorgadze, Minister für Kultur und Sport in Georgien und Leiter des Ehrengast-Projekts.

Georgische Autoren und Literaturprogramm
Bisher stehen 60 Autorinnen und Autoren fest, die im Oktober auf der Buchmesse ihre Werke in deutscher Sprache vorstellen. Weitere werden in den nächsten Monaten dazukommen. Einige davon sind bereits seit März auf Lesetour im deutschsprachigen Raum und haben ihre Bücher schon dem interessierten Publikum vorgestellt.

Heute bestätigte Medea Metreveli, Direktorin des Georgian National Book Center (GNBC), dass Aka Morchiladze, einer der berühmtesten Autoren der modernen georgischen Literatur, zusammen mit Nino Haratischwili, der renommierten deutschen Autorin georgischer Herkunft, die beiden Hauptredner des diesjährigen Ehrengastes Georgien bei der Eröffnungszeremonie der Frankfurter Buchmesse am 9. Oktober 2018 sein werden. Die Werke der georgischen Autorinnen und Autoren decken alle Genres der Literatur ab: von Kurzgeschichten, Romanen und Epen über Gedichtsammlungen, Krimis und Kinderbücher bis hin zu Sachbüchern und Essaysammlungen. Rund 130 deutschsprachige Neuerscheinungen und davon über 80 Übersetzungen aus dem Georgischen von mehr als 60 Verlagen wurden angekündigt oder bereits veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Zahl, die bis zur Buchmesse weiter steigen wird. Aber nicht nur die Autoren kommen nach Frankfurt, auch der wichtigste georgische Literaturpreis: der SABA-Literaturpreis. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober im Kaisersaal – dem historischen Rathaus von Frankfurt – statt.

Eine weiterer Höhepunkt ist das diesjährige Illustrations-Programm. Rund 20 georgische Illustratoren werden ihre Werke in Berlin, Frankfurt und Hamburg präsentieren. Darüber hinaus wird kulturkind e.V. die Ausstellung „My Image of Georgia“ zeigen, die als Vorpremiere zur Frankfurter Buchmesse bereits am 29. Mai in Berlin zu sehen sein wird. Im Oktober begrüßt dann das Struwwelpeter-Museum in Frankfurt georgische Illustratoren mit der Ausstellung „Tsikara – Museum im Museum“.

Seit dem Frühjahr werden bereits Buchhändler in ganz Deutschland auf den diesjährigen Ehrengast und dessen abwechslungsreiche Literatur eingestimmt.

Ehrengast-Pavillon – Made by Characters
Die Vielfalt der georgischen Kultur und Literatur wird im Ehrengast-Pavillon „Made by Characters“ erfahrbar: Das George Bokhua Studio und Multiverse Architecture aus Tiflis ließen sich bei der konzeptuellen sowie formellen Gestaltung von den 33 geschwungenen Buchstaben des einzigartigen georgischen Alphabets inspirieren: So öffnen sich 33 Türen, 33 Lieder erklingen, 33 Boote segeln und 33 Brote werden gebacken. Daneben bietet der Pavillon eine Bühne für die georgischen Neuerscheinungen. Wie jedes Jahr können Verlage aus aller Welt in der „Books on Georgia“-Ausstellung, organisiert und umgesetzt von der Frankfurter Buchmesse, ihre aktuelle Titelproduktion rund um den Ehrengast präsentieren.

Das Kulturprogramm – Made by Characters

Während auf der Buchmesse die georgische Literatur, Autoren und Verlage im Fokus stehen, können interessierte Besucher auch jenseits des Messegeländes weitere faszinierende Facetten der georgischen Kultur kennenlernen: Museen und Institutionen in Frankfurt realisieren in diesem Kontext naturhistorische, archäologische, kultur- und kunsthistorische Ausstellungen und inszenieren Vorführungen darstellender Künste und filmischer Werke. Sie illustrieren damit die Vielfalt des Landes, das über viele Jahrhunderte unter östlichen wie westlichen Einflüssen stand und heute ein eigenständiges, kulturelles Selbstverständnis pflegt. So zeigt etwa die Liebieghaus Skulpturensammlung in der Schau „Medeas Liebe und die Suche nach dem Goldenden Vlies“ archäologische Funde und antike Kunstwerke aus Georgien, die den Reichtum der beiden antiken Königreiche von Kolchis und Iberien repräsentieren. Das Senckenbergmuseum plant „Homo georgicus – der Schädel aus dem Ursprungsland der ersten Europäer“, wo 1991 mit dem Kieferknochen eines Hominiden die ältesten menschlichen Überreste jenseits von Afrika gefunden wurden. Unter dem Titel „Gold & Wein. Georgiens älteste Schätze” zeigt das Archäologische Museum Frankfurt ein umfassendes Bild der frühen kulturellen Entwicklungen Georgiens – vom Beginn der Landwirtschaft im Kaukasus ab 6000 v. Chr. bis zur Trialeti-Kultur der Mittelbronzezeit um 2100 – 1700 v. Chr. Die Deutschlandpremiere der neuen Filminstallation „Burning Palm“ (2018) des gebürtigen Georgiers und Wahlberliners Andro Wekua wird am 11. Oktober im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main gezeigt. Das Klingspor Museum in Offenbach am Main rückt zum ersten Mal das georgische Alphabet – seit 2016 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – und dessen Geschichte in den Fokus einer Ausstellung. Im Deutschen Architekturmuseum (DAM) steht die Hauptstadt Tiflis mit ihrer Architektur im Zentrum der großen Schau „Hybrid Tbilisi“. Das Museum Angewandte Kunst erzählt in der Ausstellung „Lara protects me” mithilfe von Videos, Fotos und Zeichnungen sowie Design- und Mode-Objekten Geschichten aus Georgien. Das Georgian Video Art Archive präsentiert in der Ausstellung „DESCRIPTIONS“ im ATELIERFRANKFURT e.V. georgische Videokunst. In der Schau „Picture Languages“ können sich Besucher im Fotografie Forum Frankfurt ein Bild von den aktuellen Entwicklungen der georgischen Fotokunst machen. Im PORTIKUS treten bei der ersten Einzelausstellung von Thea Djordjadze, der wohl profiliertesten georgischen Künstlerin, die Skulpturen in einen Dialog mit dem Raum. Ein weiteres Highlight des Kulturprogramms sind die Performances der Bouillon Group, die in der Frankfurter Produktions- und Ausstellungsplattform basis e.V. erstmals in Deutschland einen Überblick über ihr umfangreiches Werk bietet.

Bekannte Musiker präsentieren Georgien in den führenden Konzerthallen Deutschlands, darunter in der Elbphilharmonie in Hamburg, im Konzerthaus und in der Philharmonie in Berlin, in der Alten Oper Frankfurt sowie im Pavillon der Frankfurter Buchmesse. Zu den Künstlern zählen etwa Khatia Buniatischwili, Lisa Batiaschwili, Nino Machaidze, Beka Gochiaschwili, Nino Katamadze, das Georgische Nationalballett „Sukhishvili“, das Volkslied-Ensemble „Rustavi“, das Georgische Philharmonische Orchester, der Gori Frauen-Kammerchor und das Symphonie-Orchester Tiflis.

Zusammen mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Künstlerhaus Mousonturm Frankurt und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe präsentiert der Ehrengast Georgien aktuelle Werke der bekanntesten zeitgenössischen Autoren, Theaterstücke und Performance-Projekte von jungen unabhängigen Gruppen, darunter das Rezo Gabriadze Marionetten-Theater mit „Ramona“, das Staatstheater Rustaweli mit „Styx“, das Staatstheater Marjanishvili mit „Navigator“, das Königliche Bezirkstheater mit „Prometheus – 25 Jahre Unabhängigkeit“ sowie Musik- und Theaterprojekte unabhängiger Gruppen. Sie alle laden das Publikum ein, Georgien und sein Theater „auf dem Balkon Europas“ neu zu entdecken.

Gemeinsam mit dem Deutschen Filmmuseum zeigt das Georgian National Film Center während der Buchmesse eine Filmreihe über das georgische Kino – von der Stummfilmzeit bis zu den Produktionen, die 1991 über die Unabhängigkeit Georgiens entstanden. Der preisgekrönte Animationsfilm „The Pocket Man“ von Ana Chubinidze wird in der Stadtbücherei Frankfurt, Bibliothekszentrum Höchst, zu sehen sein.

Außerdem wird es eine Vielzahl an Vorträgen und Lesungen geben, unter anderem im Rahmen von OPEN BOOKS, dem städtischen Lesefest, sowie dem BOOKFEST, dem Festival der Frankfurter Buchmesse, oder auch im Künstlerhaus Mousonturm. Feinschmecker erhalten bei zahlreichen Anlässen Gelegenheit, authentische Speisen und Getränke aus dem ältesten Weinland der Welt zu probieren. So bringt der diesjährige Ehrengast etwa auf dem Frankfurter Museumsuferfest (24. bis 26. August 2018) mit Auftritten bekannter Musiker sowie einem breiten kulinarischen Programm die Besucher auf den Geschmack. Während der Frankfurter Buchmesse wird die Freitagsküche dann zum offiziellen kulinarischen Standort des Ehrengastes außerhalb des Messegeländes – vom Mittagstisch bis zum allabendlichen Dinner mit literarischem oder philosophischem Begleitprogramm kann man sich hier landestypisch verwöhnen lassen.

Weitere Information: www.georgia-characters.com

9. Literaturfestival FrankfurtRheinMain vom 4. bis 10. Juni 2018 unter dem Motto „Biografie“

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Programm  Literaturfestival literaTurm 2018

Alle zwei Jahre veranstaltet die Stadt Frankfurt ein großes Literaturfestival in Frankfurt und der Rhein-Main-Region. Als Konzeptfestival setzt literaTurm einen wechselnden thematischen Schwerpunkt. In diesem Jahr stehen unter dem Motto „Biografie!“ zum Buch gewordene Lebensgeschichten im Zentrum. Zwei Lesungskonzerte mit dem Ensemble Modern, mehrere Podiumsgespräche und ein Filmabend runden das Programm ab. Insgesamt finden 44 Veranstaltungen mit rund 100 Autoren, Wissenschaftlern, Journalisten und Musikern statt. Der Frankfurter OpernTurm bleibt ein zentraler Veranstaltungsort.

Vom 4. bis 10. Juni 2018 veranstaltet das Kulturamt Frankfurt zum neunten Mal das Literaturfestival literaTurm. Unter dem Motto „Biografie!“ präsentiert das Festival in diesem Jahr die verschiedenen Formen des Erzählens von Lebensgeschichten: als Sachbuch zu historischen Figuren, als Autobiografie oder autobiografisch grundierter Roman oder als Künstlerroman. Podiumsgespräche, wie zum 200. Geburtstag von Karl Marx oder dem Jubiläum von 1968, ein von literaTurm in Auftrag gegebenes Lesungskonzert mit Felicitas Hoppe und Iris ter Schiphorst, interpretiert vom Ensemble Modern und ein Abend zu georgischer Literatur begleiten das Programm. Insgesamt 81 Schriftsteller, Wissenschaftler und Journalisten diskutieren und untersuchen im Rahmen des Festivals die verschieden Spielarten biografischen Schreibens.

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig unterstreicht die Bedeutung von literaTurm als bundesweit einmaliges Konzeptfestival und betont seine Stadt und Region verbindende Kraft: „Als Festival, das sowohl in Frankfurter Türmen als auch an ausgewählten Orten der Region wie in Wiesbaden, Offenbach, Bad Soden, Hanau und Oestrich-Winkel stattfindet, festigt literaTurm das gemeinsame Selbstverständnis der Rhein-Main-Region als ein kulturelles Kraftzentrum. Mit seinem diesjährigen Motto „Biografie!“ greift das Festival Fragen im Spannungsfeld von Herkunft, individueller Lebensgeschichte und Identität auf, die gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen von großer Bedeutung sind.“

Die Festivalleiterin Dr. Sonja Vandenrath ergänzt: „Biografien erleben eine Renaissance. Sie heben ein Einzelschicksal heraus, das über das rein Individuelle hinausweist. Das kann ein Zeitalter, ein Werk oder auch ein Menschheitsverbrechen sein. Ob die Lebenswege wirklich so waren, spielt bei Biografien weniger eine Rolle als die Frage, wie gut sie erzählt sind. Das gilt umso mehr für ein Literaturfestival wie literaTurm, das im biografischen Schreiben das Literarische sucht. Imagination und Erzählfluss verbindet die in diesem Jahr vorgestellten Biografien mit autobiografisch grundierten Romane und den Künstlerromanen. Wie noch nie zuvor bewegt sich literaTurm 2018 im Zwischenreich der Fakten und Fiktionen.“

Zu den Höhepunkten des Festivals zählt die Eröffnungsveranstaltung im Dominikanerkloster mit der Uraufführung eines Lesungskonzertes, das die Schriftstellerin Felicitas Hoppe und die Komponistin Iris ter Schiphorst konzipiert haben. Die Auftragskomposition für literaTurm 2018 wird vom Ensemble Modern aufgeführt. Weitere Höhepunkte sind Veranstaltungen mit Karl Heinz Bohrer, Eva Demski, Durs Grünbein, Jakob Hein, Dominique Horwitz, Lamya Kaddor, Ijoma Mangold, Anthony McCarten, Klaus Modick, Ralf Rothmann, Barbara Stollberg-Rilinger, Linn Ullmann, Josef Winkler sowie Martin Walser zusammen mit Jakob Augstein.

Seinem Anspruch als kuratiertes Konzeptfestival wird literaTurm erneut mit einer Reihe von hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen gerecht: anlässlich des Karl Marx-Jubiläumsjahr sprechen die Biographen Jürgen Neffe, Eva Weissweiler und Uwe Wittstock über seine Person und sein Werk (6. Juni). An die 68-Bewegung, ihre Erfolge und die gemeinsamen Jahre mit dem politischen Aktivisten Rudi Dutschke erinnert der Abend mit dessen Weggefährten Gretchen Dutschke und Milan Horáček im Gespräch mit dem Politologen Wolfgang Kraushaar (10. Juni).

Zum neuen Schwerpunkt Sachbuch sind im Programm etwa neuere Biografien zu Ludwig van Beethoven, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Claude Lévi-Strauss und Kaiserin Maria Theresia vertreten. Ein Filmabend rundet das Festivalprogramm ab und zeigt den Werdegang der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson in „A Quiet Passion“ von Terence Davies (2016).

Ein Großteil der Veranstaltungen findet auch in diesem Jahr wieder in den namensgebenden Türmen statt. Dazu zählen der OpernTurm und die nahe gelegene ODDO BHF-Bank. Neu hinzugekommen ist der ebenfalls an der Bockenheimer Landstraße gelegene Büroturm WestendDuo. In Frankfurt sind darüber hinaus das Archäologische Museum, die Mensa der Städelschule, das Dominikanerkloster, das Haus der Deutschen Ensemble Akademie, das Freie Deutsche Hochstift, das Hessische Literaturforum im Mousonturm, das Literaturhaus, das Filmmuseum, das Haus am Dom, die Evangelische Akademie Frankfurt, das Diakoniezentrum WESER5 und der Kuhhirtenturm Lesungsorte. Außerhalb Frankfurts finden zudem Veranstaltungen in Bad Soden, Bad Vilbel, Darmstadt, Eppstein, Hanau, Hochheim, Oberursel, Offenbach, OestrichWinkel und Wiesbaden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern statt;

Veranstaltungsorte Frankfurt am Main
Archäologisches Museum Frankfurt, Karmelitergasse 1
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41
Diakoniezentrum WESER5, Weserstraße 5
Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23
Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9
Frankfurter Goethe-Haus / Freies Deutsches Hochstift, Großer Hirschgraben 23 – 25
Haus am Dom, Domplatz 3
Haus der Deutschen Ensemble Akademie, Schwedlerstraße 2-4
Hessisches Literaturforum im Mousonturm, Waldschmidtstraße 4
ODDO BHF, Bockenheimer Landstraße 10
OpernTurm, Bockenheimer Landstraße 2-4
Kuhhirtenturm, Große Rittergasse 118
Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2
Städelschule, Dürerstraße 10
Westend Duo, Bockenheimer Landstraße 24

Veranstaltungsorte RheinMain
Badehaus Bad Soden, Königsteiner Straße 86, 65812 Bad Soden am Taunus
Brentano-Scheune, Hauptstraße 134A, 65375 Oestrich-Winkel
Burgvilla, Rödelbergweg 1, 65917 Eppstein
Galerie Kurzweil, Bismarckstraße 133A, 64293 Darmstadt
Historisches Museum Hanau, Schloss Philippsruhe, Philippsruher Allee 45, 63454 Hanau
Hochheimer Weinbachmuseum, Wiesbadener Str. 1, 65239 Hochheim am Main
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main
kunstbühne portstraße, Hohemarkstraße 18, 61440 Oberursel
Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65183 Wiesbaden
Parkside Studios, Friedhofstraße 59, 63065 Offenbach am Main
Stadtbibliothek Bad Vilbel, Niddaplatz 2, 61118 Bad Vilbel

 

literaTurm wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie zahlreiche Raumsponsoren und Kooperationspartnern.

 

Infos zum Programm
Unter www.literaturm.de sind alle Informationen zu den Veranstaltungen und Mitwirkenden abrufbar. Das Festival wird auf in den sozialen Medien mit dem Hashtag #literaturm2018 kommuniziert.
Programm  Literaturfestival literaTurm 2018

Zum Thema

Jeder Mensch hat ein Leben, doch nicht jedes Leben wird zur Biografie. Erst der Biograf überführt den Werdegang von Kaiserinnen und Kanzlern, Komponisten und Kurtisanen aus der Chronologie in die Erzählung. Dass er um das Ende seiner Protagonisten weiß, verleiht ihm die Souveränität, einen Lebensweg neu und anders zu entfalten. Dies eröffnet einen großen Erzählraum, der an historischen Personen einlädt, ein ganzes Zeitalter zu besichtigen. Als Chronist den Fakten und als Erzähler dem Leser verpflichtet, kennt der Biograf nur zwei Todsünden: die Lüge und die Langeweile. Kluge und meisterhaft erzählte Lebensgeschichten, wie sie jüngst in einer erstaunlichen Anzahl erschienen sind, erinnern an das trompel’oeil einer jeden Biografie: „Die Suggestion der Echtheit wird zugleich vorgeführt und entlarvt“, so die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger.

Warum aber Biografien gerade jetzt eine Renaissance erleben, kann nur vermutet werden. Vielleicht liegt es an ihrer Eigenart, dem Denken und Handeln des Porträtierten das zu verleihen, was in der „Gesellschaft der Singularitäten“ (Andreas Reckwitz) als Kardinaltugend gilt: Einzigartigkeit. Der Mensch von heute, der vor allem besonders und unverwechselbar sein will, kuratiert seine eigene Geschichte. Nichts anderes als ein solcher Kurator ist der Biograf, der einen Lebensweg nicht erfindet, sondern recherchiert, arrangiert und in ein Narrativ fügt. Stets gilt dabei: ohne Archive keine Exegese und ohne Imagination kein Erzählfluss.

Auch Schriftstellern, diesen Experten der Imagination, dient das eigene Leben oder dasjenige berühmter Künstler als Stoff. Wenn sie einen Roman über die großen Meister schreiben, dann aus einer Nähe heraus, die der Text inszeniert. Ob Gerhart Hauptmanns letzte Lebensjahre, Eduard von Keyserlings Berufung zum Dichter oder der Verfall des legendären Beatpoeten Jack Kerouac – die biografischen Erzähler von heute kriechen ihren Figuren regelrecht unter die Haut. Fließen dagegen die „süßen und bitteren Tropfen“ (James Baldwin) eigener Erfahrungen und Erlebnisse in einen Roman hinein, dann verschmelzen Autor und Figur. Eine solche autofiktionale Prosa, zu der sich etwa Ulrike Edschmid, Felicitas Hoppe, Andreas Maier, Linn Ullmann und Josef Winkler bekennen, bewegt sich zwischen den Gattungen Autobiografie und Roman, ohne jemals ihren genuin literarischen Charakter einzubüßen. Wer schließlich die Deutungshoheit über das eigene Leben wahren will, der schreibt seine Memoiren. Dass auch sie zwischen Dichtung und Wahrheit changieren, ist seit Goethe unbestritten. Die Biografie als Sachbuch, die Autobiografie und autofiktionale Prosa sowie Künstlerromane stehen im Zentrum des Festivals literaTurm 2018, das sich mit diesem Thema wie nie zuvor im Zwischenreich von Fiktion und Realität bewegt.

Text: Dr. Sonja Vandenrath Festival- und Programmleiterin