Kategorie-Archiv: Buchkultur

Junges Literaturforum Hessen-Thüringen ehrt 29 Nachwuchstalente am 20. Mai 2017

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden/Erfurt. Über 600 junge Autoren hatten sich beworben, nun stehen die Sieger fest: Insgesamt 29 Preisträgerinnen und Preisträger hat die Jury des 34. Schreibwettbewerbs „Junges Literaturforum Hessen-Thüringen“ ausgewählt. Ihre Fähigkeiten, gute Geschichten kreativ in Texte umzusetzen, mit Sprache ernst, spielerisch und tiefsinnig umzugehen, haben die Wertungsrichter überzeugt. Mitmachen konnten Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein gratuliert den Preisträgern aus Hessen und Thüringen: „Ich freue mich, dass auch in diesem Jahr wieder so viele junge Leute an dem literarischen Schreibwettbewerb teilgenommen haben. Der Wettbewerb eröffnet talentierten Autoren die Möglichkeit, ihre Texte der Öffentlichkeit vorzustellen und auf sich aufmerksam zu machen. Die prämierten Texte zeigen, dass die Nachwuchsschreibtalente mit Worten gekonnt umgehen können, es verstehen, das Leben aus neuen Perspektiven und ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten, und dass sie an gesellschaftlich relevanten Themen interessiert sind.“
Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Thüringer Staatskanzlei veranstalten das Literaturforum gemeinsam. Alle ausgezeichneten Texte werden in der Anthologie „Nagelprobe“ veröffentlicht. Darüber hinaus bekommen 16 Preisträger die Möglichkeit, an einem Schreibworkshop teilzunehmen und zehn Preisträger erhalten einen Förderpreis in Höhe von 800 Euro.

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten: „Die ungebrochene Beliebtheit des Wettbewerbs bestätigt sich erneut in der hohen Teilnehmerzahl. Sie ist gleichzeitig Beleg für den Bedarf junger Menschen, sich schreibend, kreativ und vielfältig mit ihrer Erfahrungswelt auseinanderzusetzen. Ich freue mich, dass hier das Engagement beider Länder für die Nachwuchsförderung auf fruchtbaren Boden trifft, und gratuliere den diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern zu ihrem Erfolg.“

Die Texte der zehn Hauptgewinner sind am 23. und 30. Mai und am 6. Juni 2017, jeweils um 22.00 Uhr im Programm von hr2-kultur zu hören. Im Online-Voting können die hr2-Hörer dann über den besten Text abstimmen. Die Siegerin oder der Sieger erhält die Chance, eine längere honorierte Arbeit im Radio zu veröffentlichen.

Am 20. Mai 2017 findet in der Spielstätte Wartburg des Staatstheaters Wiesbaden die Preisverleihung statt.

Preisträgerinnen und Preisträger:

1. Preis: (Veröffentlichung in der Anthologie „Nagelprobe“, Teilnahme an einem Schreibworkshop, 800 Euro Förderpreis)

Silva Bieler, Bad Nauheim (Hessen)
Jelin Katz, Frankfurt a. M. (Hessen)
Eva Kissel, Bensheim (Hessen)
Katharina Korbach, Wiesbaden (Hessen)
Lennardt Loß, Frankfurt a. M. (Hessen)
Julia Pfeifer, Gießen (Hessen)
Michael Riedel, Jena (Thüringen)
Joshua Schößler, Jena (Thüringen)
Kerstin Uebele, Bad Nauheim (Hessen)
Marit Zickermann, Darmstadt (Hessen)

2. Preis: (Veröffentlichung in der Anthologie „Nagelprobe“, Teilnahme an einem Schreibworkshop)

Lisa Goldschmidt, Frankfurt a. M. (Hessen)
Nathalie Obermeier, Gera (Thüringen)
Titus Offhaus, Gotha (Thüringen)
Jan Seibert, Gießen (Hessen)
Dominik Christopher Storck, Ober-Ramstadt (Hessen)
Mara Stuhlmann, Lich (Hessen)

3. Preis: (Veröffentlichung in der Anthologie „Nagelprobe“)

Bianca Bellchambers, Frankfurt a.M. (Hessen)
Maria Bergmann, Rastenberg (Thüringen)
Fenja Gretje Brumshagen, Weimar (Thüringen)
Annika Bubholz, Wiesbaden (Hessen)
Katharina Elshorst, Frankfurt a. M. ( Hessen)
Til Horna, Jena (Thüringen)
Marcella Melien, Wiesbaden (Hessen)
Simone Schießer, Jena (Thüringen)
Lina Karin Thiede, Gießen (Hessen)
Patricia Vogel, Hainburg (Hessen)
Elisa Wächtershäuser, Butzbach (Hessen)
Julia Weber, Wiesbaden (Hessen)
Anja Wegel, Gladenbach (Hessen)

 

Lies in den Mai! Literaturprogramm im Literaturhaus Frankfurt umfangreich spannend!

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Das Mai-Programm im Literaturhaus Frankfurt ist mit 13 Veranstaltungen wieder überaus gut gefüllt, ausreichend für das Abendprogramm des halben Monats und das  bei Abenden mit: Natascha Wodin (9.5.), Fatma Aydemir (10.), Rafik Schami (18.), Karl Ove Knausgard (23.) oder David Foenkinos (29.).

Auch wenn „Frankfurt liest ein Buch“ auf die „Nacht der Museen“ trifft (6.) oder Marcel Reif die „Nachspielzeit“ anpfeift, lohnt sich ein Weg ins Literaturhaus.

Sonntag 30.04.17 / 21.00 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Tanz in den Mai mit Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange, Antje Keil & Katharina Schmidt, Matthias Pees & Hauke Hückstädt, Richard Kämmerlings & Fishinmotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel

Maidemonstration im Literaturhaus
Mutabor: Das Literaturhaus wird zur pummeligsten Hüpfburg seit es Neoklassizismus gibt. Und die Luft riecht schon nach Klee, wenn es wieder heißt: Tanzen bis der Mai kommt. Vier DJ-Teams legen auf. Erlesene Laien, begnadete Dilettanten. Irre. Kontrolliert. Es wird in den Schuhsohlen jucken, durch die Kleider flattern, bis in die Haarspitzen flitzen. Avantgarde der Herzen, Mainstream der Hüften. Meister und Margaritas. Honig für den König. Über den Winter hinweg. Die Sonne auf halbem Weg. Mit Masse und Macht in die hellen Tage. Es geht uns gut. Du stirbst nicht. Komm wie du willst in das große Haus. Basswumms für alle. Keine Ahnung wie Sie das sehen. Wir sehen uns.

Line-up:
20.15 h Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange (Literaturhaus)
22.00 h Antje Keil (S. Fischer) & Katharina Schmidt (Illustratorin)
23.30 h Matthias Pees (Mousonturm) & Hauke Hückstädt (Literaturhaus)
01.00 h Richard Kämmerlings (Die Welt) & FishinMotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel (S. Fischer)

Mittwoch 03.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Franzobel: Das Floß der Medusa
Moderation: Jan Wilm

Ein sprachmächtiger Dichter und ein riesiger Stoff
Der Autor Franzobel recherchiert mit Leib und Seele und schreibt dann einen Epochenroman. Eine wahre Begebenheit, die schon Anlass zu vielen Vergegenwärtigungen gab, ist der Auslöser: Am 18. Juli 1816 entdeckte man vor der Westküste Afrikas ein etwa 15 Meter langes Floß. Darauf Grauen und Schrecken: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen, Kannibalismus. Die ausgemergelten, nackten Gestalten waren die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt hatten. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese Geschichte bildet die Folie für Franzobels Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. „Das ist“, sagt der Autor, „ein Stoff für Hollywood, aber da ich nicht Paramount oder Warner Bros. bin, kann ich das nur mit meinen Mitteln erzählen, denen des Romans.“ „Das Floß der Medusa“ erscheint im Zsolnay Verlag. Es moderiert der Literaturwissenschaftler Jan Wilm.

Freitag 05.05.17 / 10.00 h / Eintritt 3 Euro
Bilderbuchkino für Vorschulkinder ab 5 Jahren
Doro Göbel und Peter Knorr: Was machen die da?

Eine kunterbunte Wimmel-Geschichte über Berufe in einer Veranstaltung für Kindergartengruppen
„Was machen die da?“ Postbote, Feuerwehrfrau, Musiker, Tierärztin und Architekt – in diesem Wimmelbuch können Kinder über 60 verschiedene Berufe und noch viel mehr entdecken. Doro Göbel und Peter Knorr sind mit ihren Wimmelbilder-Geschichten im Verlag Beltz & Gelberg zu einer Instanz geworden. Nach Ali Mitgutsch und Rotraut Susanne Berner bilden sie Alltagswelten und Alltagsgeschichten so fantastisch und dicht ab, dass Kinder sie herrlich nachvollziehen und Eindrücke sammeln können. Und sie begeistern auch Eltern und Erzieher. Die Veranstaltung richtet sich an Kindergartenkinder ab 5 Jahren.

Gefördert von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Samstag 06.05.17 / 19.00 h / Eintrittskarte (ab 06.04.) zur Nacht der Museen 14 Euro
Frankfurt liest ein Buch zur Nacht der Museen
Herbert Heckmann: Benjamin und seine Väter
Ein Abend mit Elsemarie Maletzke, Pete Smith und Frank Witzel
Moderation: Anna Engel (hr2-kultur)
Führungen durch die Ausstellung „Schönste deutsche Bücher“ mit Katharina Hesse

Bühne frei, Mikro an: Autoren und Besucher lesen aus „Benjamin und seine Väter“
Die Nacht der Museen, Frankfurt liest ein Buch und das Literaturhaus gehen zusammen. Jeweils zur vollen Stunde lesen die Robert Gernhardt-Preisträger Elsemarie Maletzke, Pete Smith und Frank Witzel ab 20 Uhr ihren Wunschtext aus Herbert Heckmanns „Benjamin und seine Väter“ (Schöffling & Co.). Dazwischen ist die Bühne frei für Fans und Freunde des Lesefestes, die einen kurzen Text aus dem Buch vorlesen möchten. Die Autorengespräche leitet Anna Engel von hr2-kultur. Außerdem führt Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst durch die weltweit kleinste Dauerausstellung der Schönsten deutschen Bücher (20.15, 21.15 und 22.15 Uhr). Eintritt nur mit Karte der Nacht der Museen. Karten erhältlich an allen bekannten VVK-Stellen, bei allen teilnehmenden Institutionen sowie über www.nacht-der-museen.de.

Eine Veranstaltung von Frankfurt liest ein Buch e.V. in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt und der WI Bank im Rahmen der Nacht der Museen.

Dienstag 09.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Preis der Leipziger Buchmesse 2017
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol
Moderation: Rose-Maria Gropp (F.A.Z.)

„Sie kam aus Mariupol“ – ein Buch, das dem Begriff Migrationshintergrund die Schablone entreißt. Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler vergleicht das literarische Verfahren der Autorin Natascha Wodin mit der Gedächtniskunst W.G. Sebalds. Die SWR-Bestenliste führt den aktuellen Roman auf den ersten Plätzen. Aus Leipzig folgte der Preis der Buchmesse. „Nachtgeschwister“, ihr Roman über ihre obsessive Dichterehe mit Wolfgang Hilbig, zog vor acht Jahren alle in den Bann. Und schon ihr Debüt „Die gläserne Stadt“ (1983) war ein dichtes Bohème- und Moskau-Porträt. „Sie kam aus Mariupol“, im Rowohlt Verlag erschienen, nähert sich ungebremst der Geschichte der Mutter der Autorin. Verschleppung, Zwangsarbeit, Holocaust, Lager für Displaced Persons. Eine Geschichte von 30 Millionen sowjetischen nichtjüdischen Zwangsarbeitern. Es öffnet sich die Blackbox einer Familie in Deutschland. Das Gespräch führt Rose-Maria Gropp von der F.A.Z.

Der Abend wird unterstützt vom Journal Frankfurt.

Mittwoch 10.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Fatma Aydemir: Ellbogen
Moderation: Shirin Sojitrawalla

Ein Roman über Wut und Dinge, die sich ändern müssen
Eine deutsch-türkische Geschichte kann auch oder erst recht 2017 noch kein Happy End haben. Hazal ist im Berliner Wedding groß geworden. Sie schreibt aussichtslose Bewerbungen und arbeitet schwarz in der Bäckerei ihres Onkels. Zu Hause hat sie nichts zu melden. Die lang ersehnte Partynacht ihres 18. Geburtstages endet in einer Katastrophe: Die angestaute Wut bricht heraus und ein junger Mann stirbt. Und endlich kann, muss Hazal ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen. Sie flieht nach Istanbul und entdeckt, dass sie nur hier leben will. Ohne ihre Familie, ohne eine Gesellschaft, die sich nur dann für sie interessiert, wenn sie Mist baut. Im Sommer 2016, als Panzer rollen und Kampfflugzeuge und Hubschrauber über die Stadt fliegen, versucht sie sich eine neue Existenz aufzubauen. Fatma Aydemir ist Redakteurin der taz und schreibt für die Spex. Ihr Debütroman „Ellbogen“, erschienen im Hanser Verlag, ist ein Ausrufezeichen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Gespräch und Lesung moderiert die freie Kritikerin Shirin Sojitrawalla.

Donnerstag 11.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene
Moderation: Ruth Fühner (hr2-kultur)

Acht Erzählungen von Bezauberung und Täuschung
Die in Wien geborene und in Berlin lebende Autorin Eva Menasse zitiert zu Beginn ihres Erzählungsbandes „Tiere für Fortgeschrittene“ aus dem Audio-Guide des Natural History Museum in London. Da heißt es etwa: „Um eine Spezies zu verstehen, benötigt man mehrere Exemplare. Eines von ihnen reicht nicht aus.“ Eva Menasse schaut in ihren Büchern den Menschen zu. So auch in diesem Band, der bei Kiepenheuer & Witsch in Köln erschienen ist. Wenig bekannt war bislang, dass die Autorin seit Jahren kuriose Tiermeldungen sammelt. Diese sind nun Auslöser für acht Erzählungen. Sie heißen „Raupen“, „Igel“, „Opossum“ oder „Haie“ und berichten mit Ernst, Witz und nicht ohne Traurigkeit vom Menschen. Das Verhaktsein der Erzählungen mit den vorangestellten Meldungen wird dabei nie vordergründig. Meldung und Erzählung sind sich gegenseitig Profit. Das Gespräch mit Eva Menasse führt die hr2-kultur-Redakteurin Ruth Fühner.

Donnerstag 18.05.17 / 19.30 h / Eintritt 15 Euro
Rafik Schami: Mein Großvater und ich. Eine Reise durch meine Kindheit

Ein poetischer Abend für Syrien und ein Kochbuch, das helfen kann
Suppen stärken gemeinhin. „Suppen für Syrien“ ist ein starkes Kochbuch, weil es wirklich hilft. Initiiert hat es die Fotografin Barbara Abdeni Massaad. Doch nicht ihr oder dem DuMont Verlag, der sämtliche Erlöse spendet, helfen die Rezepte von internationalen Starköchen. Die Rezepte helfen Schams e.V., sie helfen den syrischen Kindern und Jugendlichen, die Schams fördert. Für den heutigen Abend finden auf Initiative des Autors Rafik Schami die Besucher, der DuMont Verlag, das Restaurant Goldmund und das Literaturhaus zusammen. Gemeinsam helfen sie. Das Restaurant serviert zwei Suppen für alle. Wir lernen von der arabischen Welt. Denn Gastfreundschaft ist ein zentraler Bestandteil der arabischen Kultur, weil die Wüste, in der diese Kultur ihre Anfänge hatte, lebensfeindlich war und ist. Nichts auf der Welt war für Araber verhasster als Geiz, weil er in der Wüste für den Hilfsbedürftigen lebensgefährlich ist. Und geizen wird auch Rafik Schami nicht, der für sein Auditorium erstmals „Mein Großvater und ich“ erzählen wird – eine Reise durch seine Kindheit.

Die Erlöse des Abends gehen an Schams e.V.

Sonntag 21.05.17 / 15.00 h / Eintritt 5 Euro
Kinderbuch-Sonntag ab 5 Jahren
Kristina Andres: Nun schlaft mal schön!

Elfeinhalb wundervolle Gutenachtgeschichten von Fuchs und Hase
Ein zeitloses Buch mit Gutenachtgeschichten für Kurz- und Langschläfer. Die Illustratorin und Autorin Kristina Andres erschafft mit „Nun schlaft mal schön!“ eine ganz eigene und doch auf Janosch verweisende Szenerie. Fuchs und Hase sind zwei liebenswerte Freunde voller Vertrauen und Zuneigung. Genau die richtigen Helden, um glücklich einzuschlafen. Und natürlich dreht sich bei ihnen sowieso fast alles ums Einschlafen. Da probieren sie alles aus. Sie versuchen, wie die Fledermäuse zu schlafen, sie fahren Schlitten auf Kirschblütenblättern, sie zählen gute Nächte statt Schafe und einmal bringen sie sogar den Sturm zur Ruhe. Kristina Andres erzählt und zeichnet wunderbar unvorhersehbar und wohldosiert. Und sie lässt uns wunschlos zurück, denn der nächste Band erscheint bereits im Herbst im Frankfurter Moritz Verlag.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Montag 22.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Daniel Schreiber: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen
Moderation: Nils Husmann (chrismon)

Früher war Zuhause der Ort, von dem man kam – und heute? Über die Suche unseres Lebens
Daniel Schreiber hinterließ Eindruck bei seinem Publikum im Literaturhaus vor zweieinhalb Jahren. Damals ging das Gespräch mit Florian Balke (F.A.Z.) über seinen gewinnend persönlich gehaltenen Essay „Nüchtern“. In einem ähnlichen Verfahren nähert sich Schreiber nun Fragen wie denen nach unserem Zuhause. Wo gehören wir hin? Was ist unser Zuhause, wenn sich immer weniger Menschen mit dem Ort verbunden fühlen, an dem sie geboren wurden? Der Autor, Susan Sontag-Biograf und Kunstkritiker beschreibt den Umschwung eines kollektiven Gefühls: Zuhause ist nichts Gegebenes mehr, sondern ein Ort, nach dem wir uns sehnen, zu dem wir suchend aufbrechen. Schreiber blickt auf Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse, und zugleich erzählt er seine eigene Geschichte: von Vor fahren, die ihr Leben auf der Flucht verbrachten. Von der Kindheit eines schwulen Jungen in einem mecklenburgischen Dorf. Von der Suche nach dem Platz, an dem wir bleiben können. „Zuhause“ erscheint im Hanser Berlin Verlag. Den Lese- und Gesprächsabend leitet Nils Husmann, Redakteur des Magazins chrismon.

Im Schauspiel Frankfurt
Dienstag 23.05.17 / 19.30 h / Eintritt 20 / 12 Euro
Karl Ove Knausgård: Kämpfen
Moderation (dt./engl.): Alf Mentzer (hr2-kultur)
Dt. Text: Isaak Dentler (Schauspiel Frankfurt)

Das faszinierende autobiografische Projekt am Beginn des 21. Jahrhunderts
Rücksichtslosigkeit ist ein Teil von Literatur. Kritiker mahnen sie gerne an. Literaturwissenschaftler belegen sie. Leser erstaunen vor ihr. Für Schriftsteller aber ist sie kein Upgrade, keine freiwillige Leistung. Sie ist unausweichlich, wenn alles zum Kern drängt. Wohl kein Werk hat derzeit so viele Leser in Begeisterung auf sich vereint wie das des Norwegers Karl Ove Knausgård. Der Romanzyklus „Min Kamp“ ist Selbstüberwachung, Erinnerungsmahlwerk, Autobiografie und auch Autopsie – Untersuchung der Stillstände, Hemmungen, Krusten. Die Radikalität des Ansatzes, die schwindelerregenden Wechsel zwischen kleinsten Details und großen Gedanken, die essayistischen Passagen zu Themen der Kunst- und Literaturgeschichte und in „Kämpfen“, dem sechsten und vorerst letzten Band, nun auch die berührende Schilderung einer Krankheit und Ehekrise, zeichnen Knausgård aus. Die deutsche Übersetzung liest das Schauspiel-Ensemble-Mitglied Isaak Dentler. Das Gespräch in deutscher und englischer Sprache führt der hr2-kultur-Redakteur Alf Mentzer.

Karten-VVK ab 10.04. unter www.schauspielfrankfurt.de
Mitglieder des Literaturhausvereins haben ab 07.04. ein Vorkaufsrecht an der Theaterkasse im Schauspiel Frankfurt u. über das Kartentelefon der Städtischen Bühnen unter 069 / 212 49 49 4

In Kooperation mit dem Luchterhand Verlag und dem Schauspiel Frankfurt

Montag 29.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick
Moderation: Lena Bopp (F.A.Z.)
Dt. Text: Stéphane Bittoun

Eine furiose Komödie über das Geschäft mit der Literatur
Bücher können Leben verändern. Das der Leser, vor allem aber das der an ihrer Entstehung und an ihrem Erfolg Beteiligten. Der französische Bestsellerautor und Regisseur David Foenkinos hat diese Kräfte selbst erlebt und erzählt davon. Sein soeben in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienener Roman „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ macht lebende und tote Autoren, eine Lektorin, einen Kritiker, Verlage, Leser und die Angehörigen eines verstorbenen Pizzabäckers aus der Bretagne zu Protagonisten. Eine kluge, mitreißend-vielschichtige Satire auf das geliebte Geschäft mit den Büchern. Und das in dem Jahr, in dem Frankreich im Zentrum der Aufmerksamkeit steht – literarisch wie politisch, als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und zur Präsidentschaftswahl. Das Gespräch auf Deutsch und Französisch führt Lena Bopp von der F.A.Z. Aus der Übersetzung liest der Frankfurter Schauspieler, Regisseur und Sprecher Stéphane Bittoun.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e.V. und mit freundlicher Unterstützung des Institut Français. Im Rahmen von „Frankfurt auf Französisch – Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2017“.

Dienstag 30.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Marcel Reif: Nachspielzeit
Moderation: Christoph Schröder

Vom Leben und Reden – über Fußball, Flauten und Finals
Der Ball, der nur zu gut weiß, wer ihn trat, fliegt davon, dichtete der Wahl-Brite Michael Hofmann. Ein starkes Bild ist das womöglich auch für die kometenhafte Kommerzialisierung eines einfachen Sports. Ein Sport, der viele Kommentatoren hat, viele Meinungsträger, Millionen. Aber bald mehr die sogenannten ausgewiesenen Kenner und Kommentatoren nerven uns. Wenn man eine Sache liebt, ist es schwer zu ertragen, wenn jemand nur halbwegs gut über sie zu sprechen weiß. Der Fußballkommentar offenbart Anfälligkeiten – für Unschärfe, Differenzierungsmangel, Opportunität. Davon ausgenommen ist Marcel Reif. Er sagt selbst: „Ich erinnere mich gar nicht so sehr an große Spiele, sondern an große Momente in manchmal auch kleinen Spielen…“ In „Nachspielzeit“, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, blickt er zurück und nach vorne, erzählt kleine und große Geschichten vor und hinter den Kulissen des Fußballs, dem panem et circenses unserer Zeit. Ihm zur Seite sitzt für die 90 Minuten dieses Abends der Kritiker, Schiedsrichter und Autor Christoph Schröder.

Mittwoch 31.05.17 / 19.30 h / Eintritt 12 / 8 Euro
Remo H. Largo: Das passende Leben
Moderation: Cécile Schortmann

Die „Babyjahre“ sind vorbei – wie leben wir nun?
Über 1 Million Exemplare „Babyjahre“ fanden ihre Leser. Ganzen Generationen war das die Hand an der Wiege. Nun erscheint im S. Fischer Verlag das Lebenswerk des bekannten Entwicklungsforschers Remo H. Largo: „Das passende Leben“. Es ist das Buch zur Stunde, ein Befreiungsversuch. Loseisung von Leistungsdruck, Selbstoptimierung und Wachstumswahn. Jeder wünscht sich ein erfülltes Leben, das rundum passt. Doch so simpel es scheint, so schwer ist es, im Einklang mit sich und anderen zu leben. Fremdbestimmung allerorten. Largo aber schreibt: „Wir können unsere Stärken und Begabungen leben. Zufriedenheit ist machbar.“ Welche besondere Rolle unsere Individualität dabei spielt, was sie ausmacht und welche Grundbedürfnisse uns formen, hat Remo H. Largo jahrzehntelang erforscht. Das Gespräch mit ihm führt die Journalistin und Fernsehmoderatorin Cécile Schortmann.

Ort:
Literaturhaus Frankfurt / Schöne Aussicht 2 / 60311 Frankfurt am Main, Tel.: 069 – 75 61 84 0 / Fax: 069 – 75 61 84 20 / www.literaturhaus-frankfurt.de

UNESCO-Welttag des Buches und des Urheberrechts am 23. April 2017

welttag.d.buches17Am 23. April feiern Lesebegeisterte in über 100 Ländern den UNESCO-Welttags des Buches und des Urheberrechts. Deutschlandweit veranstalten Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen zahlreiche Aktionen, darunter rund 100 Lesungen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen koordinieren den Welttag in Deutschland. Informationen zu den Aktionen sind auf der Seite www.welttag-des-buches.de abrufbar.

„Bücher sind ein Tor zur Welt. Sie schlagen Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen unterschiedlichen Generationen und Kulturen. Mit dem Lesen oder Hören eines Buches trainieren wir unsere Fähigkeit, andere Menschen über kulturelle und geographische Grenzen hinweg zu verstehen. Diese Fähigkeit ist ein unschätzbares Gut für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung“, sagt Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission.

„Der Welttag des Buches macht seit über zwanzig Jahren auf die Bedeutung von Büchern und des Lesens für unsere Gesellschaft aufmerksam. Dies ist umso wichtiger in einer Zeit, in der das Urheberrecht vom Gesetzgeber immer weiter eingeschränkt werden soll. Damit Qualität und Vielfalt auf dem Buchmarkt erhalten bleiben, müssen Autoren und Verlage für ihre Leistung angemessen entlohnt werden. Nur so können sie Bücher und Ideen zu den Menschen bringen, Debatten anstoßen und zu einer vielfältigen und offenen Gesellschaft beitragen“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

„Am Welttag des Buches feiern wir das Lesen und rufen ganz Deutschland dazu auf, Bücher und Geschichten zu verschenken. Machen Sie am 23. April besonders Kindern und Jugendlichen eine Freude. Denn jeder sechste Schüler hat Probleme beim Lesen und Schreiben. Gute Geschichten und gemeinsame Lektüre sind die beste Unterstützung, am Welttag des Buches und an jedem anderen Tag des Jahres“, so Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen.

Über eine Million Kinder bekommen zum Welttag den Abenteuerroman „Das geheimnisvolle Spukhaus“ von Henriette Wich mit Illustrationen von Timo Grubing geschenkt. Im Rahmen der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ können sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 4 und 5 sowie von Integrations-, Förder- und Willkommensklassen ihr persönliches Exemplar gegen Vorlage eines Gutscheins in einer der 3.500 teilnehmenden Buchhandlungen abholen. „Ich schenk dir eine Geschichte“ ist eine gemeinsame Aktion von Stiftung Lesen, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Deutsche Post, cbj Verlag und ZDF und steht unter der Schirmherrschaft der Kultusminister der Länder.

Auch zahlreiche Zusteller der Deutschen Post überreichen Menschen in ganz Deutschland kostenlos Bücher. Mit dem Geschenk erhalten die Empfänger den Aufruf, sich ebenfalls am Welttag des Buches zu beteiligen.

Bundesweit laden rund 100 Verlage zu ihrer Aktion zum Welttag des Buches ein: Unter dem Motto #verlagebesuchen öffnen Verlage ihre Türen und bieten Lesungen, Werkstattgespräche oder Führungen an. Das Programm der Aktion, die von den Landesverbänden des Börsenvereins initiiert wurde, ist abrufbar unter www.verlagebesuchen.de.

In 100 Buchhandlungen lesen Kinder- und Jugendbuchautoren im Rahmen der Aktion „Lese-Reise“. Sie wird bereits zum zehnten Mal von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) und dem Sortimenter-Ausschuss im Börsenverein organisiert.

Die UNESCO-Generalkonferenz hat 1995 den 23. April zum „Welttag des Buches und des Urheberrechts“ ausgerufen. Das Datum geht auf eine Tradition in Katalonien zurück: Zum Namenstag des Schutzheiligen St. Georg werden dort Rosen und Bücher verschenkt. Der 23. April ist zugleich der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

Weitere Informationen sind unter www.welttag-des-buches.de abrufbar.

Börsenverein: „Urheberrechtsänderungen im Eiltempo gefährden Bildung und Wissenschaft und kommen einer Enteignung von Autoren und Verlagen gleich“

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Das Bundeskabinett hat gestern den Entwurf für ein Urheberrechts-Wissensgesellschaftsgesetz verabschiedet. Kurz vor Ende der Legislaturperiode soll damit die umfangreichste Einschränkung des Urheberrechts im Bereich Bildung und Wissenschaft umgesetzt werden.

„Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung ist unverantwortlich und verfassungsmäßig bedenklich“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Im Eiltempo will der Gesetzgeber ein Gesetz durchpeitschen, obwohl dem Bundestag gerade einmal vier Sitzungswochen bleiben, um das Gesetz zu beraten, bei dem in zentralen Punkten Uneinigkeit zwischen den betroffenen Gruppen und den politisch Verantwortlichen herrscht und ein sehr hoher Beratungsbedarf besteht.“

Der Börsenverein sieht in dem Gesetzesentwurf eine große Gefahr für Bildung und Wissenschaft in Deutschland. „Die geplanten Regelungen sind kurzsichtig und bieten keine nachhaltigen Lösungen für ein modernes, zukunftsfähiges Urheberrecht. Sie gefährden die Qualität von Bildung und damit die Basis unserer Wissensgesellschaft, weil die Tiefe des Eingriffs in das Urheberrecht ausschließlich zu Lasten von Autoren und Verlagen einer Enteignung gleichkommt. Qualitativ hochwertige und vielfältige Schul- und Lehrbücher sowie wissenschaftliche Publikationen kann es nur geben, wenn Autoren und Verlage angemessen für ihre Leistung entlohnt werden.“

Für verfassungsrechtlich problematisch hält der Börsenverein die Regelungen zur Vergütung der Rechteinhaber. Nach geltender Rechtslage werden Verlage nicht vergütet, wenn ihre Werke unter den jetzt vorgesehenen Regelungen an Schulen und Hochschulen digitalisiert, verbreitet und ausgedruckt werden dürfen. „Der Gesetzentwurf sieht zwar eine völlig unzulängliche Entschädigung für Autoren und Verlage über Verwertungsgesellschaften vor. In Bezug auf die Verlage kann dieses Versprechen jedoch derzeit gar nicht eingelöst werden, weil aufgrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofs zur Beteiligung von Verlagen an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften die dafür notwendige Rechtsgrundlage auf europäischer Ebene fehlt. Die erforderliche Neuregelung ist frühestens im nächsten, eher im übernächsten Jahr zu erwarten – vorausgesetzt, der politische Wille ist da.“

6.000 Autoren und Verlage fordern Reformen mit Weitblick

Individuelle, marktgerechte Lizenzangebote der Verlage bei der Beschaffung von Fach- und Wissenschaftsliteratur durch Bildungseinrichtungen und Hochschulen sollen nach dem Willen des Gesetzgebers nicht mehr vorrangig zu berücksichtigen sein. Zudem soll die Vergütung der Urheber künftig ausschließlich pauschal und nicht werkbezogen erfolgen. Dadurch erhielten auch wissenschaftliche Urheber ebenso wie Verlage künftig keine angemessene Vergütung mehr für ihre Leistungen.

Die Vorbehalte gegenüber dem Gesetzesvorhaben sind in weiten Teilen des Bildungs- und Wissenschaftssektors hoch. Das belegt der Appell „Publikationsfreiheit für eine starke Bildungsrepublik“, den rund 6.000 Autoren, Verlage, Filmemacher und andere Verantwortliche aus dem Bildungs- und Medienbereich unter www.publikationsfreiheit.de unterzeichnet haben.

Shared Reading: Ab Mai mit 3. Gruppe im Literaturhaus Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Shared Reading wurde in Liverpool entwickelt und ist eine neue Art, Literatur gemeinschaftlich zu erleben. Eine kleine Gruppe von Menschen kommt unter Anleitung eines ausgebildeten Facilitators (Moderators) zusammen. Sie lesen gemeinsam, laut und langsam einen vorher unbekannten Text oder hören einfach nur zu und beginnen, sich darüber auszutauschen: Es entsteht ein Raum für Begegnungen, neue Lesarten, spontane Gefühle, ausgelöst durch die Kraft der Literatur. Seit März gibt es dieses Angebot im Literaturhaus für zwei Gruppen – Gesundheit und Community. Erstere trifft sich in Zusammenarbeit mit dem Hospital zum Heiligen Geist. Die zweite Gruppe steht allen Interessierten offen. Sie trifft sich jeden Donnerstag um 17.00 Uhr. Ab 17.5. leitet Lisa Schumacher jeweils mittwochs (12 – 13.30 Uhr) eine dritte Gruppe. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter schumacher@literaturhaus-frankfurt.de
Shared Reading im Literaturhaus Frankfurt wird gefördert von der Dr. Marschner Stiftung. In Kooperation mit Böhm & Sommerfeldt, Literarische Unternehmungen.

Welttag des Buches: Über 100 Verlage öffnen ihre Türen und lassen hinter die Kulissen blicken

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Was macht eigentlich ein Hörbuchverlag und wie entsteht eine Graphic Novel? Rund 100 Verlage aus ganz Deutschland öffnen zum Welttag des Buches im Rahmen der Aktion #verlagebesuchen ihre Türen. Vom 21. bis 23. April geben sie Einblick in ihre Arbeit. Welche Verlage bei der Aktion dabei sind und welche Veranstaltungen in ihrer Nähe stattfinden, erfahren Interessierte unter www.verlagebesuchen.de. Die Landesverbände des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und die Regionalgeschäftsstelle NRW koordinieren die Aktion in ihren Regionen, Initiator ist der Landesverband Berlin-Brandenburg.

Die Verlage bieten ein vielfältiges Programm an: Bücherfans können an Führungen durch die Häuser teilnehmen, mit Autoren und Lektoren sprechen oder sich erklären lassen, wie ein Werk entsteht. Die teilnehmenden Verlage veröffentlichen ihre Termine laufend auf der Projekt-Website. Beim Pilotprojekt 2016 in Berlin und Brandenburg beteiligten sich knapp 30 Verlage.

Mehr Informationen zu #verlagebesuchen:  www.verlagebesuchen.de

Deutscher Buchpreis 2017: Mit 174 Romanen mehr Einreichungen als je zuvor – Jury tagt!

v.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker. Foto:  ©  Christina Weiß
v.l.n.r.: Tobias Lehmkuhl, Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder , Silke Behl, Mara Delius, Christian Dunker. Foto:
© Christina Weiß

Mehr Einreichungen als jemals zuvor / 106 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt / Katja Gasser ist Sprecherin der Jury

Neuer Rekord bei den Einreichungen zum Deutschen Buchpreis: 174 Romane haben deutschsprachige Verlage in diesem Jahr eingereicht. Das sind 18 Titel mehr als im Vorjahr und ein Roman mehr als im bisherigen Spitzenreiter-Jahrgang 2011. 106 Verlage schicken ihre Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen für den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ 2017: 69 Verlage sitzen in Deutschland, 20 in Österreich und 17 in der Schweiz.

Von den vorgeschlagenen Titeln stammen 81 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, 82 weitere werden im Herbst auf den Markt kommen. 11 Titel sind bereits im vergangenen Herbst erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einreichen, die zwischen Oktober 2016 und dem 12. September 2017 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnten bis zu fünf weitere Titel empfohlen werden. Die Empfehlungsliste umfasst dieses Jahr 118 Romane. Aus dieser können die Juroren weitere Titel beim Auswahlprozess anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung haben die Jury-Mitglieder Katja Gasser (Österreichischer Rundfunk) als ihre Sprecherin benannt. Der Jury gehören außerdem an: Silke Behl (Radio Bremen), Mara Delius (Die Welt), Christian Dunker (autorenbuchhandlung berlin), Maria Gazzetti (Casa di Goethe), Tobias Lehmkuhl (freier Kritiker) und Lothar Schröder (Rheinische Post).

Die Jury entscheidet über den Siegertitel in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 15. August 2017 erscheint die 20 Titel umfassende Longlist. Daraus wählen die Juroren sechs Titel für die Shortlist, die am 12. September 2017 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autorinnen und Autoren, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind zudem die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Bücherliebe zum Beruf machen – Kulturberuf mit Zukunft

zukunftsberuf-buchBerlin und Frankfurt am Main, 3. April 2017.– Stellen Sie sich vor, Sie könnten noch einmal von vorn anfangen, welchen Beruf würden Sie ergreifen? Für 26,3 Prozent der Frauen lautet die Antwort: „Buchhändlerin“. Damit rangiert der Beruf noch vor Lehrerin (23,4 Prozent) und Krankenschwester (22,2 Prozent).

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels veröffentlichte jetzt die Ergebnisse seiner: Umfrage zum Glück im Beruf: Jede vierte Frau wäre gerne Buchhändlerin

Noch bis Ende März für den Robert Gernhardt Preis bewerben! Autorinnen und Autoren winken 24.000 Euro Preisgeld

© caricatura - Museum für komische Kunst Frankfurt
© caricatura – Museum für komische Kunst Frankfurt

Wiesbaden. Die Bewerbungsfrist für den Robert Gernhardt Preis 2017 rückt näher: Noch bis zum 31. März 2017 können sich Autorinnen und Autoren mit einem Prosa- oder Lyrikprojekt beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bewerben. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 24.000 Euro dotiert. Damit sollen auch in diesem Jahr zwei Autoren bei der Umsetzung eines größeren literarischen Vorhabens unterstützt werden.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „In vielen Schubläden literarischer Talente schlummern Konzepte für Romane oder lyrische Texte. Doch oft fehlt das nötige Kapital, um daraus ein fertiges Kunstwerk entstehen zu lassen. Der Robert Gernhardt Preis bietet da eine große Chance. Und die Vergangenheit zeigt: Sie trägt Früchte. Für viele ehemaligen Preisträgerinnen und Preisträger war der Robert Gernhardt Preis ein wichtiger Meilenstein in ihrer Schriftsteller-Karriere.“

Ein gutes Beispiel dafür ist der Autor Frank Witzel: 2012 erhielt er den Robert Gernhardt Preis für ein Werk, das damals noch im Entstehen war. Drei Jahre später räumte er mit dem fertigen Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ den Deutschen Buchpreis ab.

Das Preisgeld für den Robert Gernhardt Preis stiftet die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank). Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung, betont: „Mit dem Preisgeld leisten wir unseren Beitrag zur kulturellen Vielfalt Hessens. Damit ist unserer Aufgabe als Förderbank in bester Weise entsprochen.“

Bewerben kann man sich mit einem bis zu drei Seiten umfassenden Exposé und einer sechsseitigen Textprobe eines noch nicht vollendeten Prosa- oder Lyrik-Projekts. Nachzuweisen sind außerdem mindestens zwei selbständige literarische Veröffentlichungen in Printmedien und ein Bezug zu Hessen im Lebenslauf oder im literarischen Projekt.

Einsendeschluss ist der 31. März 2017. Es gilt der Poststempel.

Über die Vergabe entscheidet eine Jury, der die Frankfurter Autorin Eva Demski, der Literaturwissenschaftler Karl-Heinz Götze (Professor für deutsche Literatur und Landeskunde an der Universität Aix-en-Provence), und der Frankfurter Literaturkritiker Christoph Schröder angehören. Daneben wirken je ein Vertreter der WIBank und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst beratend mit.

Weitere Informationen zur Ausschreibung des Robert Gernhardt Preises finden Sie unter www.kunst.hessen.de/robert-gernhardt-preis

Ausflug Leipziger Buchmesse: Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2017: Vater, Mutter, Kind: Brauchen wir mehr Vielfalt in Kinder- und Jugendbüchern?

Familien- und Rollenbilder verändern sich / Wie reagieren Verlage auf die neuen Lebensrealitäten, was sagen Buchhandlungen, Autoren, Eltern? / Podiumsdiskussion auf Leipziger Buchmesse am 24. März 2017, Forum Kinder-Jugend-Bildung (Halle 2)

Alleinerziehende, Patchwork-Konstellationen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit und ohne Kinder – das Familienbild Vater-Mutter-Kind steht heute einer Vielfalt von Lebensentwürfen gegenüber. Gleichzeitig öffnen sich traditionelle Geschlechter- und Rollenvorstellungen. Kinder nehmen diese Bandbreite in ihrer Lebenswelt wahr. Wie reagieren Verlage auf die gesellschaftlichen Entwicklungen? Bilden Kinder- und Jugendbücher die zunehmende Offenheit gegenüber unterschiedlichen Familien- und Rollenmodellen ab? Was denken Verlage und Buchhändler, was wollen Eltern und Kinder? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen im Rahmen des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch 2017 zur Leipziger Buchmesse.

„Familie, Schule, Freunde – das soziale Miteinander ist in fast allen Kinder- und Jugendbüchern relevantes Thema“, sagt Dr. Susanne Helene Becker, Vorstandsvorsitzende des AKJ. „Schließlich geht es in Geschichten für junge Leser stets auch um die je aktuellen Rahmenbedingungen des Aufwachsens – hier und woanders.“ Deshalb sei es umso wichtiger, dass sich Verlage mit den gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzten.

Bücher, die die heute vielfältigen Familien- und Rollenkonstellationen aufgreifen, schaffen Identifikationsangebote und setzen damit Leseanreize. „Das Spektrum des familiären Zusammenlebens und die Definitionen von Geschlechterrollen sind vielfältig. Dieser Vielfalt wollen wir mit einer Leseförderung gerecht werden, die sich an den Lebenswelten der Kinder orientiert“, sagt Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Wichtiger Bestandteil einer solchen Förderung seien Kinder- und Jugendbücher, die die Lebensumstände aller Kinder ernst nehmen und abbilden.

Ein Blick in die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur zeigt: Neben Trends wie Fantasy, Dystopie und Romantasy zählt die Abbildung von Lebensrealitäten in den verschiedensten Ausprägungen zu den großen Themen in Büchern für junge Leser. „Verlage nehmen den gesellschaftlichen Wandel auf und begleiten ihn auf vielfältige Weise in Publikationen für alle Altersgruppen: vom Bilderbuch bis zum Jugendroman. Neben Patchwork-Familien sind es zunehmend die Mutter-Mutter- oder Vater-Vater-Familien, die in Büchern für alle Altersgruppen thematisiert werden“, so Renate Reichstein, Vorsitzende der avj.

Verlage und Buchhandlungen übernehmen eine entscheidende Rolle dabei, Offenheit und Akzeptanz für unterschiedliche Lebensentwürfe zu fördern, so Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Bücher haben die Fähigkeit, Kindern und Jugendlichen neue Blickwinkel auf das Leben zu eröffnen. Durch sie können Mädchen und Jungen von Beginn an lernen, offen zu sein für die eigene Lebenssituation und die anderer. In Buchhandlungen können Kinder und Eltern Vielfalt entdecken und durch die fachkundige Beratung auf Werke jenseits der klassischen Jungen- und Mädchen-Titel aufmerksam gemacht werden.“

Auf der Leipziger Buchmesse widmen der Börsenverein, die avj, der AKJ und die Stiftung Lesen dem Thema eine Podiumsdiskussion:

Vater, Mutter, Kind: Brauchen wir mehr Vielfalt in Kinder- und Jugendbüchern?
Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
• Birgit Schollmeyer (Bücherwurm Kinder- und Jugendbuchladen, Braunschweig)
• Ralf Schweikart (Journalist für Kinder- und Jugendliteratur)
• Monika von der Lippe (Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg)
• Anne C. Voorhoeve (Autorin)

Moderation: Christine Knödler (freie Journalistin, Dozentin LMU München)
Zeit: Freitag, 24. März 2017, 10.30-11.30 Uhr
Ort: Leipziger Buchmesse, Forum Kinder-Jugend-Bildung, Halle 2 (Stand A501 / B502)