Kategorie-Archiv: Buchkultur

Kunst- und Kulturministerium schreibt neuen Hessischen Verlagspreis für unabhängige Verlage aus

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
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Neuer Hessischer Verlagspreis würdigt Qualität in der Buchbranche
20.000 Euro Preisgeld für unabhängige Verlage – Ausschreibung bis Ende März

Wiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein lobt 2018 erstmalig den Hessischen Verlagspreis aus. Partner der Aktion ist der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Der Preis ist insgesamt mit 20.000 EUR dotiert und wird zukünftig jedes Jahr verliehen. Dabei gibt es neben dem Hauptpreis, der mit 15.000 EUR dotiert ist, auch einen in Höhe von 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis für Gründer, die im Vorjahr der Preisverleihung einen Verlag neu gegründet oder übernommen haben.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Mit der Ausschreibung des Hessischen Verlagspreises möchte ich die Bedeutung der vielen unabhängigen Verlage des Landes und deren Arbeit würdigen. Der Preis soll ein Zeichen setzen für Qualitätsstandards in der Branche. Herausragende Verlagsarbeit, die Zusammensetzung des Verlagsprogramms, die Buchproduktion, die Betreuung der Autoren – dafür gibt es kaum Beachtung in der Öffentlichkeit. Der Hessische Verlagspreis soll diese Lücke schließen.“

Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins, ergänzt: „Wir freuen uns sehr, dass der Hessische Verlagspreis die professionelle und wichtige kulturelle Arbeit der Verlage auszeichnet. Das Produzieren und Verbreiten von Büchern und E-Books wird immer komplexer und kostenintensiver und gleichzeitig wird es immer schwieriger, den Erfolg eines Buches abzuschätzen – es gibt leider keine Bestsellergarantie. Außerdem haben die aktuellen Gesetzgebungen, etwa zum Urheberschutz, in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für Verlage spürbar verschlechtert.“

Bewerben können sich alle unabhängigen Verlage mit Firmensitz in Hessen, deren jährlicher Umsatz unter zwei Millionen Euro liegt. Dabei stehen die Verlagsstrategie und das Gesamtprogramm im Mittelpunkt, nicht einzelne Bucherfolge oder bekannte Autoren. Die Ausschreibung richtet sich damit bewusst an alle Verlagssparten – Belletristik genauso wie Lyrik und Sachbuch, Fachbuch und Wissenschaft sowie Kunst- und Regionalbuch.

Eine unabhängige Jury wird über die Vergabe der beiden Preise entscheiden, die im Rahmen einer feierlichen Feststunde von Kunst- und Kulturminister Boris Rhein im Juni 2018 verliehen werden. Bewerbungsschluss ist daher bereits der 29. März 2018. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren erteilt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland.

„Der Verlagspreis ist Teil einer Initiative zur Verlagsförderung des Landes Hessen und des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Wir wollen damit die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen würdigen, sie unterstützen und erhalten. Zudem wirft die Auszeichnung Licht auf eine Branche, die die Digitalisierung vor besondere Herausforderungen stellt. An unseren Lesegewohnheiten von morgen wird heute in den Verlagen getüftelt – insofern ist unser Verlagspreis auch ein Zukunftspreis“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

Börsenverein des Deutschen Buchhandels fordert Freiheit für Buchhändler und Verleger Gui Minhai

Chinesische Sicherheitskräfte haben den Buchhändler und Verleger Gui Minhai am vergangenen Samstag in der Nähe Pekings festgenommen. Der schwedische Staatsbürger Gui wurde bereits 2015 in Thailand verschleppt und fand sich in chinesischer Gefangenschaft wieder. Im letzten Jahr ließ die chinesische Justiz ihn angeblich frei, sein Aufenthaltsort blieb aber unklar. Gui steht unter konsularischem Schutz Schwedens.

„Wir verurteilen die Entführung Gui Minhais aufs Schärfste und fordern seine unverzügliche Freilassung. Die Situation der Meinungsfreiheit in China ist katastrophal und verschärft sich zunehmend. Das zeigen schon die Zensurforderungen gegenüber wissenschaftlichen Verlagen wie Cambridge University Press oder Springer Nature. Diesen Repressalien dürfen wir uns nicht beugen. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, Schweden in seinen Bemühungen um die Freilassung Gui Minhais zu unterstützen. Die Meinungsfreiheit darf nicht zum Verhandlungsgegenstand werden, auch nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen. Sie ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar – das muss auch China verstehen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Gui Minhai hat in Hongkong regimekritische Schriften verlegt und verkauft. Der internationale Verlegerverband International Publishers Association hatte Gui Minhai in diesem Monat für die Shortlist des Prix Voltaire, einen Preis für das Eintreten für Meinungsfreiheit, ausgewählt.

Statement der schwedischen Regierung

Dorothea Grünzweig erhält Kurt Sigel-Lyrikpreis des deutschen PEN

Der deutsche PEN zeichnet die Lyrikerin Dorothea Grünzweig mit dem Kurt Sigel-Lyrikpreis aus. „Es ist die Unschärfe der Wirklichkeit, von der Dorothea Grünzweig in ihrer hochpoetischen, rhythmischen Sprache berichtet. Durch die Feinheit der Sprachbilder gelingt es ihr, uns Tod, Trauer, Verlassenheit und die wuchernde Natur neu sehen zu lassen“, so die Einschätzung der Jury, der Nora Bossong, Hans Thill und Herbert Wiesner angehören.

Stifter des mit 4.000 € dotierten Preises, den der deutsche PEN alle zwei Jahre ausschreibt, ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden und von Büchern in hessischer Mundart, teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustriert, einen Namen gemacht hat. Der Preis wird am 26. April 2018 im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Göttingen verliehen. Die Laudatio hält Herbert Wiesner.

In der Begründung der Jury heißt es weiterhin: „Dorothea Grünzweigs fein komponierten Texte überzeugen gerade in den kleinen Wendungen und Umwendungen der Sprache, in ihrer Findigkeit und Originalität. In leichten Abweichungen vom Gewohnten eröffnen sich so neue Blicke, ‚Einschlupflöcher‘ in unsere Wirklichkeit. Es ist ein Singen von einer Welt, die zwischen Verschwinden und Lebendigkeit changiert und darin ihr Geheimnis offen hält.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018: Börsenverein sucht Kandidatinnen und Kandidaten

Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt mitteilt, können Bürgerinnen und Bürger bis 1. März 2018 Autoren für die Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 14. Oktober 2018 in der Frankfurter Paulskirche vorschlagen!

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Friedensstifter gesucht: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ruft dazu auf, Kandidatinnen und Kandidaten für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 vorzuschlagen. Mit dem Friedenspreis zeichnet der Börsenverein eine Persönlichkeit aus, „die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“. Die Ausschreibung ist öffentlich, jeder kann Vorschläge einreichen. Einsendeschluss ist der 1. März 2018. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2018 in der Frankfurter Paulskirche statt.

Der Stiftungsrat des Friedenspreises, eine unabhängige Jury, die sich in der Mehrzahl aus Personen des öffentlichen Lebens zusammensetzt, wählt aus den eingereichten Vorschlägen die Preisträgerin oder den Preisträger. Ihm gehören an: Philipp Blom (Schriftsteller und Historiker, Wien), Stephan Detjen (Deutschlandfunk, Berlin), Stefan Könemann (Vorstandsmitglied des Börsenvereins, Hagen), Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel (Theologe, Tübingen), Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza (Humboldt-Universität, Berlin), Janne Teller (Schriftstellerin, New York), Matthias Ulmer (Vorstandsmitglied des Börsenvereins, Stuttgart) und Heinrich Riethmüller (Tübingen), der als Vorsteher des Börsenvereins zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

Die Vorschläge sollten schriftlich begründet sein, unter Angabe von Leistungen und Veröffentlichungen, die die Vorgeschlagenen als Kandidatin oder Kandidaten für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausweisen. Selbstvorschläge sind nicht zugelassen. Die Vorschläge sind zu richten an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Geschäftsstelle Friedenspreis, z. Hd. Martin Schult, Schiffbauerdamm 5, 10117 Berlin, E-Mail: m.schult@boev.de. Weitere Informationen und ein Online-Formular gibt es unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

Bekannt gegeben wird der Friedenspreisträger oder die Friedenspreisträgerin des Jahres 2018 am 12. Juni.

Seit 1950 verleiht der Börsenverein den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Die letzten Friedenspreisträger waren die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2017), die deutsche Journalistin und Publizistin Carolin Emcke (2016) und der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani (2015).

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. – Termine Januar – Februar 2018

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Das Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V. in Frankfurt startet – ein wenig verzögert – am 25.Januar mit Joshua Cohen und seinem dann gerade auf Deutsch frisch erschienenen Roman „Buch der Zahlen“ in die neue Saison 2018. Weitere Highlights sind darüber hinaus Julia Zanges Poproman „Realitätsgewitter“ und Leander Steinkopfs „Stadt der Feen und der Wünsche“ sowie die Longlist-2017-Autoren des Deutschen Buchpreises Jakob Nolte mit „Schreckliche Gewalten“ und Robert Prosser mit „Phantome“ sowie Rimini, das literarische Debüt der Filmregisseurin Sonja Heiss.

Donnerstag, 25. Januar 2018, 20 Uhr:
Joshua Cohen: Buch der Zahlen

„Verpisst euch doch einfach, wenn ihr dies am Bildschirm lest“ – so charmant eröffnet Joshua Cohen seinen Roman Buch der Zahlen, der unserer hochgradig technisierten Gesellschaft den Spiegel vorhält. Indem er Blogeinträge und Emailkorrespondenzen mit einer halb erfundenen Biografie verquickt, wirft er einen ungeschönten Blick auf die schier unbegrenzte Macht der neuen Medien und ihren Datensammelwahn. Auf einer abenteuerlich-absurden Reise von Amerika über Dubai bis zur Frankfurter Buchmesse verfolgt man die Bemühungen des Autors Joshua Cohen, der eine Biografie über den Suchmaschinenkönig Joshua Cohen zu schreiben versucht. Doch je weiter seine Recherche die dunklen Machenschaften der Mitarbeiter aufdeckt, desto gefährlicher wird auch die Arbeit des Ghostwriters.

Joshua Cohen führt mit ausschweifender Sprache und einem unwiderstehlichen Humor auf die wenig bekannte Seite der großen Medienkonzerne und ihrer Verstrickungen. Ein wichtiges, ernstes und humorvolles Buch, das nun endlich auch auf Deutsch vorliegt.

Moderation: Jan Wilm
Lesung der dt. Übersetzung: Isaak Dentler
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

In Kooperation mit Kultur & Bahn e.V.
Joshua Cohen wurde 1980 in New Jersey geboren und studierte an der ‚Manhattan School of Music‘. Er schreibt nicht nur Erzählbände und Romane, sondern auch Kritiken für renommierte Zeitungen wie die ‚New York Times Book Review‘. Zu den Auszeichnungen, die er für sein literarisches Schaffen erhalten hat, zählen der ‚Pushcart Prize‘ (2012) und der ‚Matanel Prize in Jewish Literature‘ (2013). Im Wintersemester 2017/18 ist er Samuel Fischer Gastprofessor für Literatur an der FU Berlin.

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Dienstag, 6. Februar 2018, 20 Uhr:
Berlin, mon amour?
Mit Leander Steinkopf und Julia Zange

Dieser Pop-Roman schreit nach Punkrock. Im Laufe von Julia Zanges Realitätsgewitter möchte man am liebsten mit Kraftklub „Ich will nicht nach Berlin“ anstimmen. Wo sich Kreative aller Länder vereinigen, ist Oberfläche alles. Schöne, hippe Menschen gehen in Clubs, nehmen Drogen und reden über Kunst. Mittendrin: Marla, Anfang zwanzig und ohne Plan. Um der Einsamkeit zu entgehen, lässt sie sich treiben – einer von 1675 Facebook-Freunden weiß immer, wo was los ist. Dem namenlosen jungen Mann, der durch Leander Steinkopfs Stadt der Feen und der Wünsche flaniert, würde Marla auf der Straße sicherlich auffallen. Zu genau beobachtet er sein Umfeld, die Menschen in Berlin. Seinem scharfen Urteil entgeht keiner: weder die „Unterschichtsscheuche“ im Wedding noch die „Berlin-Mitte-Existenzen“. Als Dandy auf Achse kartiert er die Stadt und sortiert ihre Bewohner, ein Sammelsurium von Sehnsüchten, die er längst aufgegeben hat. Was er wohl über Marla denken würde?

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Leander Steinkopf, geboren 1985, ist promovierter Psychologie. Wenn er nicht als freier Journalist für die FAZ oder F.A.S. schreibt, verfasst er Komödien fürs Theater oder Essays, die im „Merkur“ veröffentlicht werden. Nach Stationen in Mannheim, Berlin und Sarajevo lebt und arbeitet Leander Steinkopf heute in München. Stadt der Feen und der Wünsche ist sein literarisches Debüt.

Julia Zange wurde 1983 in Darmstadt geboren. Sie studierte Gesellschafts – und Wirtschaftskommunikation in Berlin. 2006 gewann sie den open mike, 2008 veröffentlichte sie ihren Debütroman Die Anstalt der besseren Mädchen. Es folgten eine Reihe von Kurzgeschichten sowie Auftritte in Kinofilmen und Serien (u.a. im Tatort). Julia Zange lebt und arbeitet in Berlin.

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Mittwoch, 14. Februar 2018, 20 Uhr Uhr:
Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten

„Mein Buch ist ein bisschen wie Browsen“, sagt Jakob Nolte im Interview mit dem Magazin SPEX. „Nur dass die 18 offenen Tabs direkt nebeneinander abgebildet sind“. Wie sich das liest? Schreckliche Gewalten ist ein beeindruckender Mix aus Horror, Porno und Märchen, aufgelockert durch Ironie, gespickt mit Abschweifungen. Die Geschichte fängt im Norwegen der 70er-Jahre an. Als der Vollmond am Himmel steht, zerfleischt Hilma, plötzlich zum Werwolf mutiert, ihren Mann. Auf diesen Schock reagieren ihre Kinder, die Zwillinge Iselin und Edvard, unterschiedlich. Iselin bleibt vor Ort, um zu studieren – und wird zur Terroristin. Edvard hingegen möchte weg, über die Sowjetunion nach Afghanistan. Zu diesem Zeitpunkt übt ein Parasit bereits seit einigen Jahren die Kontrolle über ein Mädchen namens Sofia aus. Er lebt vom „biochemikalischen Trubel“ in ihren Blutbahnen. Alles, was Schmerz und Aufregung bereitet, ist ihm ein Fest. Die Jagd auf den Werwolf kann beginnen.

Indem Schreckliche Gewalten ein ums andere Mal überraschende Haken schlägt, entsteht eine unheimliche Dynamik. Der Titel ist dabei Programm: Es entfaltet sich ein Panorama der Gewalt, dessen Irrwitz auf historischen Fundamenten ruht. Der Roman zieht eine Bilanz des 20. Jahrhunderts und seiner Schrecken, die Namen wie Nanking, Hiroshima und Auschwitz tragen.

Moderation: Björn Jager
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Jakob Nolte, geboren 1988, wuchs in Barsinghausen am Deister auf. Nach seinem Studium des Szenischen Schreibens an der Universität der Künste in Berlin ist er mit vielfach ausgezeichneten Theaterstücken in Erscheinung getreten. Für seinen Debütroman ALFF bekam er den Kunstpreis Literatur 2016. Schreckliche Gewalten, sein zweiter Roman, stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017.

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Montag, 19. Februar 2018, 20 Uhr:
Acting out! #5
Mit Robert Prosser

Es „klackdiklickert“ im Rucksack, „zack zack zack“ rauscht ein Zug vorbei: ein Graffiti-Sprayer auf der Suche nach dem Kick. Je tiefer er in den Wiener Untergrund hinabsteigt, desto weiter schweifen die Gedanken. Der Trip durch die Tunnel führt in die Vergangenheit, ins Schlachthaus des zerfallenden Jugoslawiens, zum „Klickdiklick“ der Kalahsnikovs. In seinem Roman Phantome, der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 stand, begibt sich Robert Prosser auf die Spur der Geflohenen, Vermissten und Toten dieses Krieges. Gegen das Vergessen erzählt Phantome von Anisa und Jovan, sie bosnische Muslima, er Serbe. Mit einer Perfomance, in der „die Worte prasseln, prickeln, funkeln“ (Tiroler Tageszeitung), bringt Prosser sie zum Sprechen.

Moderation: Björn Jager
Ort: Lokal im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf+Abendkasse)
*Der Vorverkauf läuft über den Mousonturm

Robert Prosser, geboren 1983, studierte Komparatistik sowie Kultur- und Sozialanthropologie. Als Mitbegründer des Lyrikkollektivs Babelsprech sorgt er für die internationale Förderung, als Perfomancekünstler mit Auftritten in ganz Europa für die Verbreitung junger Poesie. Auf sein Konto gehen dabei nicht nur Romane und Prosastücke, sondern auch die Mitherausgabe von Lyrik von Jetzt 3. Für all das wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Land-Niederösterreich-Literaturpreis und Publikumspreis Wartholz 2016. Robert Prosser lebt in Alpbach/Tirol und Wien.

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Donnerstag, 22. Februar 2018, 20 Uhr:
Sonja Heiss: Rimini

Achtung: Kann Spuren von Loriot, Woody Allen und Yasmina Reza enthalten (© Christine Westermann)! Hier sind die Dialoge so treffend wie die Charaktere erschreckend vertraut. Das Gefühl dabei: irgendwo zwischen irre komisch und peinlich berührt. Die Schrullen, Sorgen und Wünsche der Familie Armin, von der Sonja Heiss in Rimini erzählt, haben Wiedererkennungswert. Während Barbara sich mit ihrem frisch verrenteten Mann Alexander arrangieren muss, bekommen Hans und Masha, ihre erwachsenen Kinder, gleich mehrere Pistolen auf die Brust gesetzt. Hans, dem zumindest bis vor Kurzem sehr erfolgreichen Anwalt, drohen nicht nur die Kanzleipartner mit dem Rauswurf, sondern auch seine Frau Ellen – wenn er nicht endlich durch eine Therapie die Neigung zu Aggressionen und Alkohol unter Kontrolle bringt. Bei Masha, einer Schauspielerin auf dem absteigenden Ast, steht indes der 40. Geburtstag vor der Tür. Höchste Zeit für ein Kind, von dem sie bisher aus Karrieregründen nichts wissen wollte. Ihr langjähriger Freund sagt: „Okay“. Doch irgendwas ist plötzlich anders. Er riecht nach altem Mann und isst wie ein Kamel.

Sonja Heiss, die sich als Filmregisseurin einen Namen gemacht hat, gelingt es, durch geschickte Perspektivwechsel das morsche Gefüge einer deutschen Mittelstandsfamilie auszuleuchten. Schonungslos, aber voller Empathie zeigt sie, wie Menschen immer wieder daran scheitern, die eigenen Bedürfnisse mit anderen zu versöhnen.

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Sonja Heiss, geboren 1976, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Sie führte bei zahlreichen Filmen Regie, darunter die preisgekrönten Hotel Very Welcome und Hedi Schneider steckt fest. Sonja Heiss war Stipendiatin der Villa Aurora. 2011 erschien ihr vielbeachteter Erzählungsband Das Glück geht aus. Rimini ist ihr erster Roman.

Literaturhaus Villa Clementine – Termine im Februar 2018

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Auch im Februar bietet das Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine wieder eine Fülle spannender Veranstaltungen an:

Do 01.02. | 19.30 Uhr Lesung aus Etty Hillesum Tagebüchern „Das denkende Herz“

Im Rahmen des „27. Januar – Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes“ findet in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden eine Veranstaltung über das Leben der Jüdin Etty Hillesum im Literaturhaus statt. Die Schauspielerin Evelyn Faber vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden liest aus den Tagebüchern von 1941-1943, die unter dem Titel „Das denkende Herz“ erschienen sind. Dr. Gotthard Fuchs erschließt Biografie und Werk Hillesums.

Am 30. November 1943 wurde die kreative Niederländerin Etty Hillesum, Tochter einer liberal jüdischen Familie, mit 29 Jahren in Auschwitz ermordet. Die Tagebücher der studierten Juristin geben einen bewegenden Einblick in die Selbstfindung einer hochbegabten und vor Lebensfreude sprühenden Frau, welche die fortschreitende Knechtung durch die Nazi-Besetzung miterlebt und reflektiert hat. Politisch hellwach gehen spirituelle Entwicklung und soziales Engagement bei ihr Hand in Hand und werden eindrücklich beschrieben. Zunächst als freiwillige Sozialarbeiterin im Auffanglager Westerbork engagiert, wurde sie Mitte 1943 dort mit ihrer Familie inhaftiert bis zur Deportation am 7.9.1943. Ihre Tagebücher sind wie die der jüngeren Anne Frank und doch ganz anders. Sie stellen ein großes Dokument jüdischer Menschlichkeit dar und sind bis zuletzt ohne jeden Hass und voll Zuversicht. Entschieden und klar zeigt sich darin die Hoffnung auf ein versöhntes Leben nach dem Krieg.

€ 5 / erm. € 3 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 8 / erm. € 6
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden in Kooperation mit dem Literaturhaus
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Di 06.02. | 10.30 Uhr Autorenlesung – Stefanie Höfler aus ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“
Die Autorin Stefanie Höfler ist mit ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“ im Jungen Literaturhaus in der Themenreihe „Ich – Wer ist das?“ zu Gast.

Manchmal ist es diese eine Sekunde, die alles entscheidet: Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf, was verrückt ist und so aufregend anders, wie alles, was in den nächsten Tagen passiert. Vielleicht ist es der Beginn einer Freundschaft von zweien, die gegensätzlicher nicht sein könnten – aber im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.
Stefanie Höfler, geboren 1978, studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland. Sie arbeitet als Lehrerin und Theaterpädagogin und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Ihr Roman „Mein Sommer mit Mucks“ wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. „Tanz der Tiefseequalle“ erhielt den Monats-LUCHS (ZEIT/ Radio Bremen) im März 2017 und war zu finden auf der Mai-Liste 2017 von „Die besten 7 Bücher für junge Leser“ des Deutschlandfunks.
Moderation: Falk Ruckes (Freier Journalist)
€ 2 – Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen – Infos unter: 0611 – 31 57 46 Veranstalter: Literaturhaus und Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 07.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Jan Wagner liest u.a. aus „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ – freier Eintritt

In der letzten Veranstaltung der „Poetikdozentur: junge Autoren“ stellt Jan Wagner seinen Lyrikband „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ sowie weitere Betrachtungen aus dem Essayband „Der verschlossene Raum“ vor.

In „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ lotet Jan Wagner anhand von drei erfundenen Poeten – dem schlesischen Bauerndichter Anton Brant, dem Berliner Anagrammdichter Theodor Vischhaupt und dem in Rom lebenden Elegiker Philip Miller – mit Witz und Empathie sowohl poetische Traditionen als auch sein eigenes Schaffen aus. Jan Wagner selbst tritt als Herausgeber auf, der biografische Details, Stellenkommentare, Sekundärliteratur und Bibliografien der drei Poeten beisteuert. Ein kluges und amüsantes Spiel und zugleich die Entdeckung dreier nicht zu verachtender Lyriker. Entstanden ist dieser vor Sprachwitz sprühende Band, der auch als Selbstparodie gelesen werden kann, während Jan Wagners Jahr in der Villa Massimo und durch die dortige Erkenntnis, dass nach Goethe kein Dichter mehr in Rom unbefangen Gedichte schreiben kann.

Außerdem liest Jan Wagner an diesem Abend aus seinem Essay-Band „Der verschlossene Raum“. Darin begeistert er mit genauen Beobachtungen über Kunst und Lyrik sowie charmanten Anekdoten, etwa über die Liebe zu Buchhandlungen.

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. 2001 erschien sein erster Gedichtband „Probebohrung im Himmel“. Es folgten „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007), „Australien“ (2010), „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ (2012) und zuletzt der Sammelband „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ (2016). Zudem ist er Mitherausgeber der Minnesang-Anthologie „Unmögliche Liebe (Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen, 2017). Für seine Lyrik wurde Jan Wagner vielfach ausgezeichnet. Mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ (2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Beate Tröger (Freie Kritikerin)
Eintritt frei.
Veranstalter: Hochschule RheinMain in Kooperation mit dem Literaturhaus / Kulturamt Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Do 15.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Verena Boos liest aus Debütroman „Blutorangen“

Die Schriftstellerin Verena Boos – bekannt für ihren gelobten Debütroman „Blutorangen“ – liest im Literaturhaus aus ihrem neuen Roman „Kirchberg“.

Eine Frau kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Einst wurde sie hier von ihren Großeltern aufgezogen, nachdem sich ihre Mutter gegen sie entschieden hat, weil sie sich zu jung gefühlt hat für ein Kind und als Stewardess in die Welt hinaus ziehen wollte. Nun ist die Erzählerin zurück in dem alten Schulhaus, in dem sie aufgewachsen ist und das seit dem Tod der Großeltern leer steht. Die Rückkehr ist auch eine Flucht nach einem Schlaganfall, der Hanna ihre Sprache gekostet hat. Ein tiefer Schlag für sie, die stets eine Frau des Wortes war. Hier will sie nun zur Ruhe kommen. Doch ist dies wirklich ihre Heimat? Gibt es eine solche überhaupt? Und wie geht man mit der plötzlich wieder allzu präsenten Vergangenheit um in der Gestalt alter Jugendfreunde? Denn da sind auf einmal Patrizio, der Freund aus Jugendtagen, und ihre Nachbarin Sabrina, die Hannas selbstgewählte Einsamkeit aufbrechen.

Präzise schildert Verena Boos die Geschichte einer Krankheit und die sowohl aufwühlende als auch heilsame Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren. Sie studierte Anglistik und Soziologie und promovierte in Zeitgeschichte. Es folgten mehrjährige Aufenthalte in Italien, Großbritannien und Spanien. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit ist sie als Journalistin und Referentin tätig. Sie nahm am Klagenfurter Literaturkurs und der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung teil, wurde für die Bayerische Akademie des Schreibens ausgewählt und las beim Open Mike. Für ihren Roman „Blutorangen“ wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt, dem Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck, dem Grimmelshausen-Förderpreis sowie dem Gerhard-Beier-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Ruth Fühner (hr2-kultur)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

So 18.02. | 11 Uhr Heiner Boehncke und Hans Sakowicz in der Reihe „Gespräche in der Villa“
Im Rahmen der Reihe „Gespräche in der Villa“ sind Heiner Boehncke und Hans Sakowicz zu Gast und sprechen mit Armin Conrad über ihre Zusammenarbeit bei zahlreichen Buchprojekten.

Der Detektiv an sich ist ja Einzelkämpfer. Aber, wenn es darum geht, der Geschichte – und insbesondere der hessischen Kulturgeschichte – okkulte Fakten und Zusammenhänge zu entlocken, da ist das ‚Team‘ der Schlüssel zum Erfolg.

Prof. Heiner Boehncke (Ex-HR) und Hans Sarkowicz (HR) – haben in den letzten Jahren Hessens bewegte Geschichte im Zentrum europäischer Verstrickungen, Umwälzungen und Kultur gemeinsam und erfolgreich und sauber filetiert. Mehr als ein Dutzend hochinteressanter Bücher sind inzwischen dabei herausgekommen.

Ein Autorenteam, das an seinen Steckenpferden und auch an sich selbst nicht satt wird. Jetzt
sind sie schon wieder einschlägig unterwegs, in der Verwandtschaft des Geheimrats Johann
Wolfgang von Goethe, wie man hört.

Moderation: Armin Conrad

€ 10 – Nur Tageskasse, kein Vorverkauf
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine, Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine e.V. und Presseclub Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literaturhaus Frankfurt e.V. : Januar-Februar-Programm 2018 – Litprom-Literaturtage – WÖRTERMEER –

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
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Wie das Literaturhaus Frankfurt mitteilt, befindet es sich bis einschließlich 19. Januar 2018 noch in der Winterpause. Am 20.1. startet es in das neue Literatur-Jahr mit der – bereits ausverkauften – Lesung von David Constantine. Dieser Abend richtet sich exklusiv an Mitglieder des Literaturhausvereins und findet in einer Mitgliederwohnung statt.

Mit Volker Weidermann (23.1.) und Arno Geiger (29.1.) geht es dann richtig los. Sie stellen ihre neuen Bücher vor.

Am 26. und 27.1. finden bereits zum 7. Mal die Litprom-Literaturtage statt. Dieses Mal zum Thema „Ausgezeichnet. Kartographien des Weiblichen“ mit Laksmi Pamuntjak, Claudia Piñeiro, Madeleine Thien, Anna Kim u.a.

Am 31.1. sind bei der alljährlich stattfindenden Debütantenrunde „Qualitätskontrolle“ Luise Maier („Dass wir uns haben“), Juliana Kálnay („Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“) und Jovana Reisinger („Still halten“) zu Gast.

Ferdinand Lutz und Dominik Müller laden alle Schüler der 3. und 4. Klassen am 25.1. zu ihrer BildKlangLesung ein.

In den Februar startet das Literaturhaus Frankfurt mit dem Illustrator und Grafiker Christoph Niemann (2.2.), außerdem im Literaturhaus: Szczepan Twardoch (5.2.), Wilhelm Genazino (14.2.), Esther Kinsky (15.2.), Helmut Böttiger (20.2.), Peter Stamm (26.2.) und Adam Zagajewski (28.2.) mit ihren neuen Büchern.

Am 6.2. beginnt die neue Reihe „Gelebtes Leben. Denker der Freiheit im Porträt“ kuratiert und moderiert von Rainer Hank (F.A.Z.). Zum Auftakt geht es mit Christiane Dahrendorf und Robert Falkner um den deutsch-britischen Soziologen Ralf Dahrendorf.

Am 7.2. ist Silke Scheuermann zum Abschluss der Poetikdozentur zu Gast, am 8.2. stellen Heinrich Detering, Ursula Krechel und die Schauspielerin Mechthild Großmann das Werk von Irmgard Keun vor, die Jugendlichen der Schreibwerkstatt „Schreibzimmer“ präsentieren am 22.2. ihre Anthologie und wie jedes Jahr wird im Literaturhaus der Preis für das Hörspiel des Jahres verliehen (24.2.). Verschoben wurde die Premiere von „Stimmen einer Stadt“ im Schauspiel Frankfurt vom 17.2. auf den 5.5. Details dazu folgen im März.

„WÖRTERMEER – Literatur erleben“ – Schulklassen für Angebote im Bereich kultureller Bildung gesucht!

Das Projekt „WÖRTERMEER – Literatur erleben“ für Schüler aus Frankfurt und der Region geht nach zwei erfolgreichen Jahren in die dritte Runde. Rund 800 Frankfurter und Offenbacher Schüler waren 2016 und 2017 für Comic-, Übersetzer-, Poetry Slam-Workshops, Rhetorikkurse, Schreibwerkstätten und Lesungen im Literaturhaus zu Gast. Dank der Stiftung Polytechnische Gesellschaft können ab Februar 2018 wieder Schüler der Klassen 5 bis 13 mit u.a. Arne Rautenberg, Ferdinand Lutz, Lenka Wolf und Fridtjof Küchemann „Literatur erleben“. Gesucht werden hierfür interessierte Lehrer mit ihren Klassen. Bewerbungsschluss ist der 19.1.18. (PM anbei)

Auch das Junge Literaturhaus bietet wieder Veranstaltungen für Kinder zwischen 4 und 16 Jahren. Gäste in den nächsten Monaten sind u.a. Paul Maar, Philip Waechter und Jutta Richter. Siehe Flyer: Junges Literaturhaus Januar bis Juni 2018

Das Programm im Detail:
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

AUSVERKAUFT!
In einer Mitgliederwohnung in Kelkheim – Exklusiv für Mitglieder
Samstag 20.01.18 / 19.30 h / Eintritt 18 / 14 Euro
Mitglieds Heim IX mit David Constantine: Wie es ist und war

Nur für Mitglieder: ein Abend im Privaten mit dem Poeten und Mentor deutscher Dichtung
Mitglieds Heim, das sind Abende, an denen das Literaturhaus exklusiv die Mitglieder des Literaturhaus Frankfurt e.V. zum Austausch über Bücher und Autoren einlädt. Und zwar in die Wohnungen von Mitgliedern. Also in solche vier Wände, in denen Literatur gelebt wird. Zum Auftakt des Jahres erwarten wir den Poeta doctus David Constantine aus Oxford. Constantine lehrte deutsche Literatur am Queen’s College in Oxford, er übersetzte Hölderlin und Goethes Faust – beide Teile. Unter dem Titel „Etwas für die Geister“ erschien vor zehn Jahren hierzulande eine Auswahl seiner Gedichte (Wallstein Verlag). Nun bringt der Kunstmann Verlag seine hoch empfindsamen Erzählungen. Eine davon wurde mit Charlotte Rampling verfilmt: „45 Years“. Constantine lesend und redend zu erleben, ist ein hoher Gewinn für ein literarisches Leben. Dazu wie immer Wein und Käse. Begrenzte Platzzahl. Keine Abendkasse. Kartenvorverkauf und Angaben zum genauen Veranstaltungsort in Kelkheim bei Julia Ketterer unter ketterer@literaturhaus-frankfurt.de.

Dienstag 23.01.18 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Volker Weidermann: Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen

Der Gastgeber des Literarischen Quartetts über Dichter an der Macht
1919 ist München die Mitte. Revolution – und diese Männer sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Klaus Mann … Die Münchner Räterepublik, durch die die Dichter an die Macht gelangten. Ein Lidschlag in der Geschichte, ein Moment, in dem alles möglich schien. Was da war, zwischen November 1918 und April 1919, davon erzählt der Spiegel-Literaturchef, Publizist und Gastgeber des Literarischen Quartetts Volker Weidermann. Die Leser werden zu Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen, die München, Bayern und Deutschland erschütterten. Radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. Und vorneweg Toller, Landauer und Mühsam. „Träumer“ – ein historischer Thriller einerseits, wohl eher aber Science-Fiction aus gegenwärtiger Zukunftserwartung.

Donnerstag 25.01.18 / 10.30 h / Eintritt 3 Euro
Ferdinand Lutz & Dominik Müller: Rosa und Louis
BildKlangLesung für 3. und 4. Klassen

Was beim Lesen eines Comics normalerweise nur im Kopf passiert, geschieht in dieser BildKlangLesung auf der Bühne!
Ein Schloss, zwei Kinder und jede Menge Geister. In Ferdinand Lutz’ neuem Kindercomic „Rosa und Louis“ (Reprodukt) zieht ein Geschwisterpaar mit ihren Eltern in das echte Schloss ihrer Oma. Hier warten die tollsten Abenteuer – denn die ehemaligen Bewohner des altehrwürdigen Gemäuers sind allesamt noch da: als Geister! „Rosa und Louis“ erscheint seit 2016 in Dein SPIEGEL, „Geisterstunde“ ist der erste Sammelband der witzigen Serie, den auch Eltern unbedingt mal heimlich lesen sollten. Mit Stimmen und Geräuschen, mit Musik und kleinen Animationen erwecken Ferdinand Lutz und Multiinstrumentalist Dominik Müller die Comics zum Leben. Anschließend zeigen sie, wie die Figuren entstehen und gezeichnet und wie Musik und Geräusche gemacht werden.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Litprom-Literaturtage 2018

Freitag 26.01.18 ab 16.00 h & Samstag 27.01.18 ab 11.00 h
Litprom-Literaturtage 2018 – Ausgezeichnet: Kartographien des Weiblichen
Mit Raja Alem, Ken Bugul, Meena Kandasamy, Laksmi Pamuntjak, Claudia Piñeiro, Fariba Vafi u.a.

30 Jahre LiBeraturpreis: zur Neuvermessung der Weltliteratur aus weiblicher Sicht.
2018 wird der LiBeraturpreis – der ausschließlich Autorinnen aus Asien, Afrika, Lateinamerika und der arabischen Welt auszeichnet – im 30. Jahr überreicht. Der Preis hat längst internationale Strahlkraft erlangt – für Litprom ein freudiger Anlass zum Feiern, aber auch zum Nachdenken über Grundsätzliches: Ist solch ein Preis eigentlich noch opportun? Oder brauchen wir gar – wie die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fordert – „Mehr Feminismus“? Die Litprom-Literaturtage 2018 fragen deshalb ausgezeichnete sowie nominierte Preisträgerinnen: Welche Themen treiben sie um? Was bedeutet für sie weibliches Schreiben – unter Berücksichtigung aller regionalen, sprachlichen, generationsspezifischen Diversität und über die Grenzen von ‚Nord’ und ‚Süd’, ‚race’ und ‚class’ hinweg? Die Literaturtage bieten Podiumsdiskussionen, Lesungen, Werkstattgespräche und Filmvorführungen. Alle Veranstaltungen werden gedolmetscht. Das ausführliche Programm finden Sie unter http://www.litprom.de/events/literaturtage/
Zum Abschluss spielt am Samstagabend um 20.30 h das Frankfurter Kick La Luna-Trio.

Karten:
Im Vorverkauf: Kombiticket für beide Tage 28 / 19 Euro
An der Einlasskasse: Einzelticket 8 / 6 Euro & Konzertticket Kick La Luna 12 / 10 Euro
Das Kombiticket gilt auch für das Konzert.

Montag 29.01.18 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Arno Geiger: Unter der Drachenwand
Moderation: Christoph Schröder

Der erste Deutsche Buchpreisträger und Autor von „Der alte König in seinem Exil“.
Der österreichische Autor Arno Geiger wurde einem Riesenpublikum bekannt als erster Gewinner des Deutschen Buchpreises („Es geht uns gut“, 2005). Aber auch seine Romane davor und sein durchdringendes Vaterporträt „Der alte König in seinem Exil“ etablierten ihn. Nun veröffentlicht er mit „Unter der Drachenwand“ (Hanser) einen Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden: Es ist 1944, der Weltkrieg aus deutsch-österreichischer Sicht verloren, doch dauert er noch. Veit Kolbe verbringt ein paar Monate Fronturlaub am Mondsee, unter der Drachenwand eben, und trifft hier zwei junge Frauen. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist die Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Das Gespräch mit dem Autor führt der freie Literaturkritiker Christoph Schröder.

Mittwoch 31.01.18 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Qualitätskontrolle 0118 mit Juliana Kálnay, Luise Maier und Jovana Reisinger
Moderation: Nils Husmann (chrismon)
Mit den Gebärdensprachdolmetschern Anette Kumant und Yvonne Barilaro

Drei neue Autorinnen, drei Debüts
„Ich darf niemals Kinder haben“, so beginnt Luise Maiers „Dass wir uns haben“ (Wallstein Verlag), ein Satz, immer und immer wiederholt, ein ganzes Notizheft lang. Nicht vollständig beschrieben hingegen sind die Buchseiten in diesem Kammerspiel. So entsteht Raum zum Durchatmen, wenn man die häusliche Gewalt und das karge Leben auf der einen und das Ringen nach Zärtlichkeit und Nähe auf der anderen Seite kaum noch erträgt. Einen wundersamen Kosmos eröffnet Juliana Kálnays preisgekrönte „Kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ (Wagenbach). Im Haus mit der Nummer 29 geht es rätselhaft zu: Ein Mann erstarrt zum Baum, ein Obdachloser zieht in den Aufzug. Episoden einer Hausgemeinschaft mit Wesen, bei denen die Übergänge zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen fließend sind. Den Zerfall einer jungen Frau beschreibt Jovana Reisinger in „Still halten“ (Verbrecher Verlag). Diese titelgebende Untätigkeit durchzieht den ganzen Roman: Eine Frau wartet und fragt sich dabei wieder und wieder „Was für eine Frau bin ich?“ Das Porträt einer Verlorenen auf der Suche nach sich selbst. Das Gespräch führt der chrismon-Redakteur Nils Husmann.

In Kooperation mit dem Journal Frankfurt. Der Abend wird, gefördert durch die Aktion Mensch, von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.

 

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

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Meistverkaufter Roman 2017: „Die Geschichte der Bienen“ – Buchmarkt-Umsätze leicht rückläufig

die.geschichte.d.bienenJahresergebnis des Publikumsmarkts 2 Prozent unter dem Vorjahr / Wachsende Medienkonkurrenz, rückläufige Kundenfrequenz im Einzelhandel / Branchen-Monitor BUCH meldet erste Jahreszahlen

Der Buchmarkt ist in Bewegung: Nach einem Umsatzplus von 1 Prozent in 2016 kam der Umsatz mit Büchern 2017 nicht ganz an das starke Vorjahresergebnis heran. Rückläufige Kundenfrequenzen in den Innenstädten und eine zunehmende Medienkonkurrenz machten sich im Buchhandel verstärkt bemerkbar. Das Jahresergebnis des Publikumsmarkts (Sortimentsbuchhandel, E-Commerce inkl. Amazon, Bahnhofsbuchhandel, Kauf-/Warenhäuser, Elektro- und Drogeriemärkte) lag 2 Prozent unter dem Vorjahr, der Buchhandel vor Ort kam mit seinem stationären Geschäft auf minus 3 Prozent. Das zeigt der Branchen-Monitor BUCH, der heute erscheint.

„2017 war für den Buchhandel ein herausforderndes Jahr. Das Buch behauptet sich in der Medienlandschaft, sieht sich aber in einem zunehmenden Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen. Es zeichnet sich ab, dass gerade die sozialen Medien mit ihrer hohen Kommunikationsdichte die Zeitbudgets der Nutzer immer stärker beanspruchen. Rückläufige Kundenfrequenzen in den Innenstädten führten weniger Käufer in die Buchhandlungen vor Ort. Die Branche blickt dennoch optimistisch ins neue Jahr. Der Buchhandel reagiert auf die Wünsche der Kunden und betreibt inzwischen fast flächendeckend Cross-Channeling. Er kombiniert die Vorteile des Handels vor Ort mit denen des Online-Einkaufs. Buchhandlungen wie Verlage sind weiterhin gefragt, überzeugende Konzepte zur Kundenansprache und -bindung zu entwickeln, um den Stellenwert des Buches und des Lesens in der Gesellschaft zu festigen. Um die Kundenfrequenz in den Innenstädten langfristig zu verbessern, fordern die Händler von den Kommunen, dass sie sich verstärkt für vitale Innenstädte und einen starken Einzelhandel einsetzen“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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Die Umsätze waren über alle Warengruppen hinweg leicht rückläufig. Ein kleines Minus von 1 Prozent verzeichnete die weiterhin bedeutendste Warengruppe, die Belletristik. Das Kinder- und Jugendbuch hielt sich nach dem Umsatzsprung von +9 Prozent durch den Harry-Potter-Effekt in 2016 mit nur 2,3 Prozent weniger Umsatz weiter auf hohem Niveau. Einbußen gab es auch bei Reiseliteratur (-2 Prozent), Sachbüchern (-2,3 Prozent) und Ratgebern (-2,5 Prozent).

Der meistverkaufte Roman 2017 (Belletristik Hardcover) war laut Media Control „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde. Auf Rang 2 folgt „Origin“ von Dan Brown, den dritten Platz belegt Daniel Kehlmanns neuer Roman „Tyll“. Bei den Sachbüchern (Hardcover) dominierten Gesundheits- und Naturthemen: Platz 1 bei den Jahresbestellern belegt „Wunder wirken Wunder“ von Dr. Eckhart von Hirschhausen, „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben schafft es auf Platz 2 und „Heilen mit der Kraft der Natur“ von Prof. Dr. Andreas Michalsen auf Platz 3.

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Die jetzt veröffentlichten Daten für die Vertriebswege Sortimentsbuchhandel, E-Commerce inkl. Amazon, Bahnhofsbuchhandel, Kauf-/Warenhaus sowie Elektro- und Drogeriemärkte bieten eine erste Tendenzaussage für die Entwicklung des Buchmarkts 2017. Vollständige Buchmarktzahlen, die alle weiteren Vertriebswege (Verlage direkt, Versandbuchhandel, sonstige Verkaufsstellen, Buchgemeinschaften) umfassen, liegen im Juni 2018 vor.

Der Branchen-Monitor BUCH wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels monatlich herausgegeben. Er basiert auf den Daten des Handelspanels von Media Control.

18. Mainzer Büchermesse im Rathaus am 18. und 19. November 2017

mainzer-buechermesse.logo18Am 18. und 19. November 2017 öffnet die 18. Mainzer Büchermesse im Rathaus. Dabei zeigt das regionale Verlagswesen, darunter auch etliche wissenschaftliche Institutsverlage, wieder ihr interessantes Programm und Neuerscheinungen. Lesungen verschiedener – nicht nur lokal – bekannter Autoren runden die Bücherschau ab. Der Eintritt ist frei.

Detaillierte Informationen 

Die Aussteller

20. Wiesbadener Literaturtage erfolgreich im Museum Wiesbaden eröffnet

Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow
Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Bildbetrachtungen ganz besonderer Art eröffnete gestern Abend unter dem Motto „Wiesbadener Heimsuchung“ im Museum Wiesbaden der  preisgekrönte Schriftsteller Frank Witzel gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Alexander Klar, Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts und Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die 20. Wiesbadener Literaturtage. Volker Zimmermann begleitete die Veranstaltung auf seiner Gitarre.

Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts.  Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts. Foto: Diether v. Goddenthow

„Dass wir hier im Museum Wiesbaden sind“, sei kein Zufall, begrüßte Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts das Publikum, welches sich vielleicht fragte, was Bilder mit Literatur zu tun haben. Denn, so die Kulturamtsleiterin weiter: Frank Witzel, der Kurator und Gastgeber der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage, sei Wiesbadener und habe – vor allem in jungen Jahren – viele Stunden seines Lebens in den Ausstellungsräumen dieses Hauses verbracht, wo er zum ersten Mal mit Bildender Kunst in Kontakt kam. Er habe sich für die Literaturtage ein Programm erdacht, das vielfältige Verbindungen zu seiner Heimatstadt wie auch zu dem Museum Wiesbaden knüpfe.

Als Frank Witzel mit der Idee, Bilder, die ihn in der Jugend sehr bewegten, auf den Literaturtagen vorzustellen, zu Dr. Alexander Klar kam,„leuchteten bei uns alle grünen Lichter auf“, so der Museumsdirektor. Der ausschlaggebende Moment war dabei, dass wir einen Audio-Guide machen wollten“, es passte alles zusammen. Im Schriftsteller Witzel hatte das Museum einen ausgezeichneten Autor mit Kunstverstand gefunden, und Witzel konnte sein Projekt als Kurator und Gastgeber der Literaturtage voranbringen, nämlich die für ihn wichtigsten Bildwerke seiner Jugend aus subjektiver Sicht der Öffentlichkeit  vorstellen.

Alexander Klar dankte Frank Witzel herzlich dafür, seinen subjektiven Blick auf das Museum durch einen Audio-Guide erschrieben zu haben. Heraus  kam dabei ein umwerfend origineller, hintergründiger wie pointierter 90minütiger virtueller Rundgang durch eine gekonnt ausgewählte Bilderwelt des Wiesbadener Museums. Vor begeisterten Zuhörern las Frank Witzel 18 seiner Bildinterpretationen, die in ihrer anregenden, informativen und bisweilen humorvollen Art selbst Kunstkenner staunen oder auch schmunzeln ließen.

Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow
Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow

Frank Witzels virtueller Lese-Rundgang durch das Museum Wiesbaden begann mit Wilhelm Trübners Werk „Ökonomiegebäude in Amorbach“ von 1899. Das idyllische Örtchen im Odenwald wurde nicht nur durch seine Abteikirche berühmt, sondern auch legendär durch Wilhelm Adornos Liebe zu diesem Fleckchen Erde. Frank Witzel ließ uns bei dieser Bildbetrachtung nicht nur an seinen subjektiven Eindrücken teilhaben, sondern verschaffte uns auch einen Blick durch Adornos Brille. Adorno, so erfahren wir von ihm, habe den Ort Amorbach verklärt, den Ort, den der Philosoph und Mitbegründer der Frankfurter Schule als kleiner Junge mit seinem Vater, einem Frankfurter Weinhändler, regelmäßig besuchte. Auch später nach der Rückkehr aus dem Exil in den USA habe Adorno seine Ferien im geliebten Hotel Post verbracht. Anderthalb Jahre vor seinem Tod habe Adorno Amorbach zum „einzigen Ort auf diesem fragwürdigen Planeten“ erklärt,“ in dem ich mich im Grunde zuhause fühle!“

Einen starken Bezug, wenn vielleicht nicht ganz so intensiv wie Adorno zu Amorbach, empfand Frank Witzel immer auch zu Eltville, wie er uns beim Blick auf das zweite an diesem Abend an die Wand des Vortragsraums projizierte Bild „Ansicht von Eltville“ (Christian Georg Schütz, 1774) verrät. „Warum“, fragt Witzel, erscheine dieses Städtchen Eltville an sich beinahe unwillkürlich idyllisch und sei von Sentimentalität aufgeladen? Sei Idylle vielleicht das, was man aus der Distanz betrachte von der anderen Rheinseite, hier ausgelöst im gelblichen Abenddunst, der von den Weinbergen langsam nach unten in Richtung Fluss sinke? (…)

Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow
Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow

Um sie als Idylle zu erhalten, suche er unwillkürlich auf dem Bild nach Hinweisen, die diese Harmonie als Schein entlarve: “Zieht die dunkle Wolke in der Mitte des oberen Bildes bereits wieder ab, oder senkt sie sich auf das Städtchen? Liegt der Ort nicht allzu ungeschützt am Wasser? Liegt es daran, dass es für mich als Kind diesen Schatten Eltvilles tatsächlich gab?“, legt Witzel nach.

Ja, Witzels Rhein-Idyll war wohl stets bedroht. Die Schatten von Eltville lagen seiner Meinung nach „hinter dem malerischen Anblick des Rheinufers, hinter sieben Hügeln versteckt, und hieß „Eichberg“. „Dort“, so Witzel augenzwinkernd weiter, “war der unregierbare Wahnsinn untergebracht, und dort drohte auch ich selbst hinzukommen, wenn ich nicht aufpasste, vor allem mich nicht anpasste, oder es mir nicht vorher gelingen sollte, Lehrer oder Eltern durch meinen Eigensinn dorthin zu bringen. Denn die Drohung: ‚Du landest noch auf dem Eichberg‘, klingt mir noch heute in den Ohren“. Ortsunkundigen gibt der Autor den Hinweis, dass auf dem Eichberg die Psychiatrie ist. Bereits 40 Jahre nachdem Schütz seine Ansicht von Eltville im Jahre 1774 gemalt habe, sei das Irrenhaus Eberbach ins Leben gerufen worden, was Witzel ein wenig schmunzelnd zur dialektischen Frage drängt, „ob die Idylle den Wahnsinn bedinge oder diese sich allein auf dessen Ausgrenzung gründe“.

Die nächste Bildstation im virtuellen Museumsrundgang hieß „Schindelfabrik“, 1910 von Marianne von Werefkin gemalt. Diese ließ sich gemeinsam mit Alexej Jawlensky, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky im bayerischen Oberau vom – gleichfalls idyllischen – Dorf und der Landschaft inspirieren.

Das nächste Werk, Ernst Ludwig Kirchners Bild „Seehorn“, setzt Witzel in Beziehung zu den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Auf dem anscheinend harmlosen Wanderweg erblickt er die von naiver Ruhe ins eigene Verderben wandernden Menschlein. Und so weiter, ging es virtuell von „Station zur Station“, bis zum letzten Bild „Die  Wiesbadener Heimsuchung“ aus dem 16. Jahrhundert, welches der erfolgreichen  Auftakt-Veranstaltung zu den  20. Wiesbadener Literaturtagen den Namen gab.
Mit einem Gläschen Sekt und kleinen Leckereien wurde der Abend bei anregenden Gesprächen im Museums-Café fortgesetzt. Es waren durchweg nur positive Kommentare und viel Zustimmung zu hören, wie etwa: „Bei jedem Bild hatte man das Gefühl, munterer zu werden.“ oder „Bei solch interessantem Kunstunterricht, hätte ich früher weniger geschwänzt“  Eine ältere Dame stellte ganz erfreut fest: „Stellen Sie sich vor: heute ist mein Mann, der bei Konzerten immer gleich wegnickt, kein einziges Mal eingeschlafen!“

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Das weitere Programm der 20. Wiesbadener Literaturtage:

Aber auch die weiteren Veranstaltungen der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage versprechen, äußerst spannend zu werden, zumal sie nicht auf Literatur beschränkt, sondern spartenübergreifende Veranstaltungen der Kunst wie Kurzfilm, Musik an den zentralen Orte Wiesbadener Kultur anbieten: im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine, im Kleinen Haus des Staatstheaters, im Thalhaus im Nerotal und in der Filmbühne Caligari.

Montag, 6. November, um 19.30 Uhr – kann man Frank Witzel zusammen mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern im Literaturhaus unter dem Motto „Grund unter Grund“ erleben. Witzel liest im ersten Teil des Abends aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, DLF und taz. Im zweiten Teil verbindet sich Witzels Lyrik mit den Klängen von Uwe Dierksen. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben.

Ein ganz besonderes Gastspiel findet am Dienstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters statt: Zum ersten Mal bringen die Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel das ihnen von Frank Witzel gewidmete Stück „Jule, Julia, Julischka“ zu Gehör. Darin geraten drei Schauspielerinnen auf einer Probebühne derart aneinander, dass bald nicht mehr zu sagen ist, wo ihre Rollen anfangen und ihre Figuren enden. Jule Böwe ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Außerdem kann man sie in vielen Hörspielen und Filmen erleben. Julischka Eichel gehört zum Ensemble im Schauspiel Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit spielt sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Julia Riedler ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkt sie in Film- und Fernsehproduktionen sowie als Sprecherin in Hörspielen mit. Eingerichtet wurde das Stück von Thomas Martin. Er war von 2010 bis 2017 Chefdramaturg und Hausautor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Am Mittwoch, 8. November, um 20 Uhr ist das Trio „Thumbscrew“ um die bekannte amerikanische Gitarristin Mary Halvorson, den Bassisten Michael Formanek und Schlagzeuger Tomas Fujiwara im thalhaus in Wiesbaden zu Gast. Thumbscrew hat zwar keinen Chef oder Leader, doch mit der gefeierten amerikanischen Gitarristin Mary Halvorson einen Star, der in vielen Genres zu Hause ist: Jazz, Neue Musik, Folk, Rock. Die Musik der drei umfasst zahllose Texturen und Strategien, die zu einem offenen, transparenten, intensiven und kurvenreichen Sound führen.

Am Donnerstag, 9. November, kann man mit Frank Witzel und Museumsdirektor Alexander Klar in einem Literaturtage Extra ab 16 Uhr bei einem Rundgang im Museum Wiesbaden der Entstehungsgeschichte und Entwicklung des Projektes „Wiesbadener Heimsuchung“ folgen. Frank Witzel hat für den Mediaguide seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung des Museums in einem literarischen Text festgehalten. Der Guide ist ab 7. November und über die Literaturtage hinaus im Museum erhältlich. Die Teilnehmerzahl für die Führung ist begrenzt.

Am Abend des 9. November findet im Literaturhaus Villa Clementine um 19.30 Uhr eine Lecture-Performance des Philosophen Marcus Steinweg statt. In einem freien Vortrag zeigt er den performativen Akt des Philosophierens. An dem Abend geht es vor allem um die Arbeit der bekannten französischen Schriftstellerin Marguerite Duras. Diese zeige, dass zum Schreiben immer eine gewisse Selbstentmächtigung gehöre, eine Art präziser Wahnsinn.

Am Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr wendet sich Frank Witzel im Gespräch mit dem Historiker Philipp Felsch in der Caligari Filmbühne einem Thema zu, das jedem Wiesbadener, der in den 1960ern hier aufgewachsen ist, noch geläufig sein dürfte: die Entführung Timo Rinnelts. Der Abend findet in Kooperation mit der Caligari FilmBühne statt. Mit dem „Fall Timo Rinnelt“ begann beim Deutschen Fernsehfunk der DDR eine neue Sendereihe: „Kriminalfälle ohne Beispiel“. In den einzelnen Folgen sollten Fälle thematisiert werden, die in Ländern wie der BRD für großes Aufsehen sorgten und Ansatzpunkte lieferten, die kapitalistische Gesellschaft kritisch zu betrachten. An diesem Abend werden die Erstsendung aus dem Jahr 1967 und Ausschnitte aus zwei Sendungen von 1969 gezeigt.

Für Mittwoch, 8. November, 20 Uhr, im thalhaus, Nerotal 18, kostet der Eintritt 15 Euro, ermäßigt 11 Euro plus Gebühr, an der Abendkasse 19 Euro, ermäßigt 15 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Donnerstag, 9. November, 16 Uhr, Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, kostet der Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro plus 3 Euro für die Führung. Karten sind an der Kasse des Museums erhältlich.

Für Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, kostet der Eintritt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse ksotet der Eintritt 13 Euro, ermäßigt 9 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Freitag, 10. November, 19.30 Uhr, Caligari Filmbühne, Marktplatz 9, kostet der Eintritt 8 Euro. Der Kartenvorverkauf findet an der Kinokasse im Caligari täglich 17 bis 20.30 Uhr statt, reservierung-caligari@wiesbaden.de und in der Tourist-Information Wiesbaden (plus VVK-Gebühr), Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930.

Abschlussveranstaltung:
Gerhard Roth zu Gast am 11. November, um 19.30 Uhr zum Abschluss der Wiesbadener Literaturtage im Literaturhaus Villa Clementine :

Zum Abschluss der Literaturtage in Wiesbaden ist der große österreichische Schriftsteller Gerhard Roth am Samstag, 11. November, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, zu Gast. Der Abend umkreist Gerhard Roths Kosmos in Gesprächen, Selbstauskünften und Lesungen. Frank Witzel spricht mit dem Autor und seinem Lektor Jürgen Hosemann vom S. Fischer Verlag. Christian Brückner, Kurator der Wiesbadener Literaturtage 2015, liest aus Roths Büchern. Eine gute Gelegenheit, Gerhard Roth und sein umfangreiches Werk neu zu entdecken.

Gerhard Roth wurde 1942 in Graz geboren und lebt in Wien und der Südsteiermark. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, darunter den 1991 abgeschlossenen siebenbändigen Zyklus „Die Archive des Schweigens“. Anschließend erschienen die Romane des „Orkus“-Zyklus, die literarischen Essays über Wien „Die Stadt“ sowie der Erinnerungsband „Das Alphabet der Zeit“. Zuletzt veröffentlichte Roth „Grundriss eines Rätsels“ und als ersten Band einer geplanten Venedig-Trilogie „Die Irrfahrt des Michael Aldrian“. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, 2016 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis sowie den Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.

Der Eintritt kostet im Vorverkauf zwölf, ermäßigt neun Euro plus Gebühr. An der Abendkasse sind 16, ermäßigt 13 Euro zu zahlen. Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon 069 1340400; Online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Die „Wiesbadener Literaturtage“ werden jährlich veranstaltet vom Kulturamt Wiesbaden und dem Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Sie verstehen sich als spartenübergreifendes Festival und finden mit Begleitveranstaltungen auch in Darmstadt und Frankfurt statt. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung  das Jubiläum ihres 20. jährigen Bestehens.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturtage.