Kategorie-Archiv: Buchkultur

Überreichung der Goetheplakette an die Schriftstellerin Silke Scheuermann

Bürgermeister Uwe Becker überreicht die Goetheplakette der Stadt Frankfurt an die Schriftstellerin  Silke Scheuermann  © Stadt Frankfurt Foto Maik Reuss
Bürgermeister Uwe Becker überreicht die Goetheplakette der Stadt Frankfurt an die Schriftstellerin Silke Scheuermann © Stadt Frankfurt Foto Maik Reuss

(ffm) Die Autorin wurde am Donnerstag, 24. September, für ihre herausragenden Leistungen auf kulturellem Gebiet mit der Goetheplakette im Kaisersaal geehrt.

„Wer mit Worten feingliedrige Mosaike gestalten, mit Sprache Bilder zeichnen und Gefühle spürbar machen kann, muss besondere Talente besitzen. Die Goetheplakette ist eine der renomiertesten Auszeichnungen der Stadt Frankfurt am Main, die bedeutenden Persönlichkeiten des Geistes verliehen wird. Silke Scheuermann ist es als Schriftstellerin auf einzigartige Weise gelungen, sowohl als Lyrikerin als auch als Romanschreiberin außergewöhnliche Werke zu schaffen und viele Leserinnen und Leser zu begeistern“, gratulierte Bürgermeister Uwe Becker. „Wenn man die Rezensionen und Kritiken zu Ihren Werken liest, findet man dort im mildesten Fall Lob, zumeist jedoch Begeisterung, die so einhellig ist, dass sie zutreffen muss.“

Silke Scheuermann studierte nach dem Abitur Theater- und Literarurwisschenschaften in Frankfurt am Main, Leipzig und Paris. Bereits in jungen Jahren im Alter von 22 oder 23 Jahren veröffentlichte sie unter ihrem Künstlernamen Sofie Peria in der Heidelberger Zeitschrift Van Goghs Ohr Kurzprosa und Gedichte. Für ihre Leistungen erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, unter anderem das Stipendium der Villa Massimo in Rom sowie den Hölty-Preis für Lyrik, den Bertolt-Brecht- und den Robert-Gernhardt-Preis sowie den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis.

„Preiswürdig vom ersten Tage an: Vom Debutwerk 2001, dem Lyrikband ,Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen‘ über den ersten Roman ,Die Stunde zwischen Hund und Wolf‘ über das Gedichtbuch ,Skizze vom Gras‘ bis zum Roman ,Wovon wir lebten‘ beeindruckt Silke Scheuermann als Lyrikerin und Romanautorin“, schwärmte Becker in seiner Begrüßung. „Und wenn Frankfurt als Ort der Betrachtung einmal nicht ausreicht, reicht der Blick bis nach Shanghai, wo mit ,Shanghai Performance‘ die Weit- und Weltsicht Ihrer Betrachtungen den Leser fasziniert. Die Stadt Frankfurt am Main gratuliert der außergewöhnlichen Schriftstellerin auf das Herzlichste. Goethe wäre heute stolz! Alle anderen dürfen noch auf viele Werke aus Ihrer Feder hoffen.“

1947 wurde die Auszeichnung vom Magistrat der Stadt Frankfurt am Main nach ihrer ursprünglichen Einrichtung 1932 neu begründet. Die von Georg Krämer gestaltete Goetheplakette wird seither an „Dichter, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens […], die durch ihr schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig sind“, vergeben.

Bekannte Preisträger sind der Philosoph Theodor W. Adorno und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, die Architekten Oswald Mathias Ungers und Albert Speer. Genauso erhielten die Auszeichnung der israelische Komponist Eliahu Inbal als auch der Theater- und Kunstkritiker Peter Iden und der in Frankfurt Thomas Bayrle.

Signalwirkung: Die 72. Frankfurter Buchmesse mit Teilnehmern aus 85 Ländern

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Ein Fest für Literatur in Frankfurt und digital u.a. mit Irvine Welsh, Cornelia Funke, Nell Zink und Chilly Gonzales / 70 Stunden Fachprogramm u.a. mit James Daunt, Ananth Padmanabhan und Jenny Fry.

Wie keiner anderen Branchenveranstaltung gelingt es der Frankfurter Buchmesse, globale Netzwerke zu knüpfen, Zukunftsmärkte zu erschließen und dabei sowohl fachliche als auch gesellschaftspolitische Themen auf die Agenda zu setzen. Dass sie genau dafür auch im Corona-Jahr 2020 steht, zeigen mehrere Tausend Aussteller aus rund 85 Ländern (Stand 20. September 2020). Knapp 850 digitale Aussteller kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Damit ist die Special Edition der Frankfurter Buchmesse so international wie immer, u.a. mit Teilnehmern aus allen Teilen Europas, aus China und Taiwan, Argentinien und Kolumbien, Kasachstan und der Ukraine, aus den USA, Kanada und vielen weiteren Ländern. Als digitale Aussteller werden Verlage, Buchhandlungen, Literaturagenten und Scouts, Selfpublisher und Dienstleister gezählt. Sie nehmen am digitalen Fachprogramm der Frankfurter Buchmesse teil, präsentieren ihre Neuerscheinungen auf den Themenseiten unter buchmesse.de und beteiligen sich mit eigenen Veranstaltungen am Programm.

„Für das globale Publishing ist die Frankfurter Buchmesse immer auch eine Standortbestimmung. Diese Selbstvergewisserung ist in diesem Jahr wichtiger denn je: Wir sehen, dass die internationale Verlagswelt auch in Krisenzeiten flexibel, erfinderisch und mutig handeln kann. Wir wollen an den fünf Messetagen von unseren Kolleginnen und Kollegen überall auf der Welt hören – aus Ägypten, Brasilien, Finnland oder Singapur. Wir wollen den Erfahrungsaustausch fördern, Kontakte ermöglichen, Erfolgsmomente teilen und Trends identifizieren. Gemeinsam mit deutschen und internationalen Medienpartnern und Verlagen haben wir die Frankfurter Buchmesse um eine digitale Komponente erweitert, die von überall auf der Welt zugänglich ist. In einem Jahr der Unwägbarkeiten ist dies für mich ein „Leuchtfeuer der Hoffnung“, um mit Margaret Atwood zu sprechen. Der intensive Austausch mit unterschiedlichsten Branchenteilnehmern über viele Monate hinweg und unter schwierigen Bedingungen ist einmalig – und ich danke allen Beteiligten dafür“, sagte Juergen Boos heute auf der Vorschau-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse.

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Das rund 70 Stunden umfassende Fachprogramm der Special Edition beinhaltet Konferenzen, Markteinblicke, und Matchmaking-Sessions. Es ist auf Interaktion und Partizipation angelegt. Zahlreiche internationale Branchenführer kommen zu Wort, etwa James Daunt, CEO der Filialisten Waterstones und Barnes & Noble, Ananth Padmanabhan, CEO von HarperCollins India, und Jenny Fry, Commercial Director & Board Member des schottischen Indie-Verlags Canongate.

Mit Frankfurt Rights steht Rechtehändler*innen eine digitale Rechteplattform zur Verfügung, die von Verlagen, Agenten, Scouts, Filmproduzenten, Screenwritern und Merchandisern genutzt wird. Hier werden Programmverantwortliche fündig, die auf der Suche nach neuen Titeln für ihre Programme sind. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung aus dem NEUSTART KULTUR Programm der Bundesregierung können die digitalen Angebote in diesem Jahr und bis Sommer 2021 kostenfrei genutzt werden.

Das BOOKFEST digital sendet am Samstag, 17. Oktober 2020 von 10 bis 22 Uhr auf zwei Kanälen in die ganze Welt: 22 Stunden voller Geschichten, Diskussionen und anregender Gespräche, u.a. mit Elisabeth Gilbert, Kirsten Boie, Axel Scheffler und Yvonne Adhiambo Owuor. Für Literaturliebhaber*innen bringen die ARD-Buchmessenbühne und das BOOKFEST city internationale Stars in die Stadt: Auf der großen Bühne in der Festhalle und an vielen Orten in Frankfurt können Leser*innen in der Buchmessewoche über 150 Autor*innen und deren neueste Bücher entdecken. www.buchmesse.de/bookfest, www.buchmesse.de/ard

Kanada, das seinen Ehrengastauftritt auf 2021 verschoben hat, wird in der Messewoche über 25 digitale Veranstaltungen anbieten; sie sollen die einzigartige Vielfalt der kanadischen Literatur- und Kulturszene verdeutlichen. Das Programm wird am 24. September bekannt gegeben. 246 Bücher von kanadischen Autor*innen werden bis Oktober 2020 in deutscher Übersetzung vorliegen. Eine Liste dieser Neuerscheinungen ist hier abrufbar: www.buchmesse.de/files/media/pdf/NEL%20Kanada_September_2020.pdf

Die erste digitale Ausgabe des Weltempfangs, der gesellschaftspolitischen Bühne der Frankfurter Buchmesse, steht unter dem Motto „Europa – Kulturen verbinden“, während das erste digitale Symposium von Litprom e.V., der Gesellschaft zur Förderung von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, nach der Rezeption afrikanischer Literaturen in Deutschland fragt. Das Symposium wurde aufgezeichnet und wird am 12. Oktober von 14.00-17.30 Uhr auf den YouTube-Kanälen der Veranstalterinnen, Litprom und KfW Stiftung, sowie auf www.buchmesse.de und dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse zu sehen sein.

ffm-buchmesse-kooperationspartnerDas Liveprogramm der Frankfurter Buchmesse ist unter www.buchmesse.de/live zu finden.
Informationen zur Signals of Hope Kampagne: https://signalsofhope.buchmesse.de/
Das Programm auf der ARD-Buchmessenbühne wird aufgezeichnet und per Livestream auf www.buchmesse.ARD.de übertragen.
Tickets für die Veranstaltungen in der Festhalle: https://buchmesse2020.reservix.de/events

Ausstellerverzeichnis und Veranstaltungskalender der Frankfurter Buchmesse – Special Edition können hier eingesehen werden: www.buchmesse.de/digitale-buchmesse/veranstaltungen-aussteller

Deutscher Buchpreis 2020: Die sechs Finalisten – Preisverleihung im Oktober per Livestream verfolgen

Foto: vntr.media
Foto: vntr.media

Die Jury hat die sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020 ausgewählt:

  • Bov Bjerg, Serpentinen (Claassen, Januar 2020)
  • Dorothee Elmiger, Aus der Zuckerfabrik (Carl Hanser, August 2020)
  • Thomas Hettche, Herzfaden (Kiepenheuer & Witsch, September 2020)
  • Deniz Ohde, Streulicht (Suhrkamp, August 2020)
  • Anne Weber, Annette, ein Heldinnenepos (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
  • Christine Wunnicke, Die Dame mit der bemalten Hand (Berenberg, August 2020)

Jurysprecherin Hanna Engelmeier, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) und Autorin: „Nominiert sind sechs Romane, die uns durch ihre sprachliche Ausdruckskraft und formale Innovation überzeugt haben, zugleich aber auch auf besonders kluge Weise politische Dringlichkeit dokumentieren. Einige schöpfen aus unerwarteten Quellen oder wenden sich historischen Stoffen zu, um darüber zu großen, allgemeingültigen Fragen zu gelangen. Die Shortlist trägt zugleich hervorragenden Titeln Rechnung, die sich biografischen und zeitgenössischen Themen auf überraschende Weise widmen.“

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 206 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2019 und dem 15. September 2020 erschienen sind.

Der Jury gehören neben Hanna Engelmeier an: Katharina Borchardt (Literaturredakteurin, SWR2), David Hugendick (Literaturredakteur, Zeit Online), Chris Möller (Literaturvermittlerin bei Kabeljau & Dorsch, Berlin), Maria-Christina Piwowarski (Buchhandlung ocelot, Berlin), Felix Stephan (Literaturredakteur, Süddeutsche Zeitung) und Denise Zumbrunnen (Buchhandlung Never Stop Reading, Zürich).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2020 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober 2020 um 18 Uhr zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse als Livesendung aus dem Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland. Interessierte können die Preisverleihung per Livestream unter www.deutscher-buchpreis.de verfolgen.

Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur übertragen die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Livestream auf www.deutschlandradio.de/debatten.

Ab 1. Oktober 2020 werden Auszüge aus den Shortlist-Titeln in englischer Übersetzung und ein englischsprachiges Dossier zur Shortlist auf dem Internetportal www.new-books-in-german.com präsentiert.

Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis lautet: #dbp20

Frankfurter Buchmesse 2020 – Special Edition: im Netz und in der Stadt, aber ohne klassische Hallenausstellung

Liveprogramm mit Starbesetzung, Veranstaltungen in der Stadt und Digital-Präsenz / Mit dabei: Irvine Welsh, John Niven, Karin Slaughter, Don Winslow, Elizabeth Gilbert, Bov Bjerg, Cornelia Funke, Chilly Gonzales, Joachim Meyerhoff, Harald Welzer, Francesca Melandri / Klassische Hallenausstellung aufgrund der neuerlichen Reisebeschränkungen nicht durchführbar

Die Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2020) findet in diesem Jahr statt: mit einem umfangreichen Liveprogramm auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle, rund 80 Veranstaltungen im Rahmen des BOOKFEST city in Frankfurt und einem illustren Line-up beim BOOKFEST digital. Die klassische Hallenausstellung der Frankfurter Buchmesse wird in diesem Jahr pandemiebedingt ausgesetzt: Aufgrund der aktuell geltenden Reisebeschränkungen können zahlreiche Länderstände nicht wie geplant umgesetzt werden. Auch macht die ab 1. Oktober 2020 in Kraft tretende Quarantäneverordnung die Teilnahme von europäischen Aussteller*innen und Fachbesucher*innen nahezu unmöglich.

„Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur die größte Buchmesse der Welt, sie ist auch ein sich ständig weiterentwickelndes Unternehmen. Lebendig, agil und anpassungsfähig. In der aktuellen Situation bedeutet das nun den Verzicht auf Stände in Hallen aufgrund der wieder zunehmenden Corona-Einschränkungen. Dafür machen in diesem Jahr Veranstaltungen in Frankfurt am Main und anderen Städten Buchbegeisterung sowohl live vor Ort als auch digital und jederzeit abrufbar erlebbar“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Wir danken der Bundes- und Landesregierung, insbesondere Kulturstaatsministerin Monika Grütters, dem Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und dem Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir für ihre anhaltende Unterstützung.“

„Die Frankfurter Buchmesse lebt vom internationalen Austausch. Wir danken allen Aussteller*innen für ihre Motivation und das Vertrauen, die Frankfurter Buchmesse 2020 auch physisch auf die Beine zu stellen“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Jetzt liegt der Fokus auf unserem virtuellen Angebot und den Veranstaltungen in der Festhalle und in der Stadt. In den letzten Monaten haben wir unsere zahlreichen, bereits vorhandenen Services zu einem stimmigen digitalen Gesamtkonzept ausgebaut. So treffen internationale Publishing Professionals auf bekannte und auch neue Digitalformate, mit denen sie auch in Zeiten von Corona ihr Geschäft vorantreiben können. Und das Lesepublikum hat die Möglichkeit, die Buchbegeisterung gleich doppelt auszuleben – sowohl im Internet als auch auf den Veranstaltungen vor Ort.“

Interessierte Besucher*innen können Tickets für die Veranstaltungen auf der ARD-Buchmessenbühne erwerben. Für die kostenfreien Events im Rahmen des BOOKFEST city ist eine Vorab-Registrierung erforderlich. Von 14. bis 18. Oktober können Buchfans auf www.buchmesse.de sowie bei zahlreichen Medienpartnern ein umfangreiches und vielseitiges digitales Programm mit Lesungen, Autor*innengesprächen und Diskussionen verfolgen sowie Neuerscheinungen von Verlagen entdecken.

Programmhighlights der Frankfurter Buchmesse 2020
Der Deutsche Buchpreis und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels werden wie geplant im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vergeben: der Deutsche Buchpreis am 12. Oktober 2020, 18 Uhr, als Livesendung aus dem Frankfurter Römer, der Friedenspreis am 18. Oktober in der Frankfurter Paulskirche, live übertragen ab 10.45 Uhr in der ARD.

Die zentrale Bühne der Frankfurter Buchmesse befindet sich in der Festhalle: Hier feiert die ARD-Buchmessenbühne Premiere. Vom 14. bis 18. Oktober, jeweils von 10 bis 18 Uhr, finden Veranstaltungen statt. Als Gäste erwartet werden Christian Berkel, Michel Friedman, Cornelia Funke, Andrea Petković, Alice Schwarzer, Irvine Welsh, John Niven, Harald Welzer, Judith Zander, Linda Zervakis, und viele mehr. Mit dem Gesprächsformat „Chilly Gonzales and Malakoff Kowalski: Talking about Taste“ kommt auch der kanadische Musiker und Entertainer Chilly Gonzales auf die ARD-Buchmessenbühne: Sein erstes Buch, ENYA erscheint am 14. Oktober 2020. Weiteres Programmhighlight ist die ARD-Buchmessennacht am Freitagabend, 16. Oktober, u.a. mit: Ahmad Mansour, Max Czollek, Bas Kast, Stefanie Sargnagel, Klaus Brinkbäumer, Susanne Fröhlich, Elke Heidenreich, Alexa Hennig von Lange, Richard David Precht und Jan Weiler – sowie per Zuschaltung die/der Buchpreisträger*in 2020, Jan Böhmermann und David Grossman.

BOOKFEST digital und BOOKFEST city
In diesem Jahr wird das BOOKFEST physisch als BOOKFEST city und erstmals auch virtuell als BOOKFEST digital stattfinden. Beim BOOKFEST city sind die ca. 80 geplanten Events über alle fünf Messetage hinweg auf viele Locations in ganz Frankfurt verteilt. Für ein vielfältiges Programm voller Literatur, Inspiration und spannender Begegnungen sorgen u.a. Margit Auer, Max von Thun, Gabriele Krone-Schmalz, Bov Bjerg, Kristof Magnusson, Helmut Zierl, Max Giermann, Anastasia Zampounidis, Christian Stöcker, Andreas Steinhöfel, Eric Mayer, Linda Zervakis und Ahmad Mansour.

Alle am BOOKFEST city beteiligten Locations erfüllen die Schutzverordnungen des Landes Hessen. Die Begrenzung der Teilnehmerzahlen ermöglicht die Einhaltung der Abstandsregeln. Die Vorab-Registrierungen und das finale BOOKFEST-Programm sind ab Mitte September auf www.bookfest.de verfügbar.

Das BOOKFEST digital sendet am Samstag, 17. Oktober 2020, von morgens 10 Uhr bis abends 22 Uhr ein vielfältiges Programm und präsentiert u.a. Elizabeth Gilbert, Jenny Erpenbeck, Ayad Akhtar, Eliot Weinberger, Peter Wohlleben, Kirsten Boie, Don Winslow, Karin Slaughter, Clemens Meyer, Olga Grjasnowa, Joachim Meyerhoff, Iris Wolff und Ralf König. Das BOOKFEST digital wird über zwei Kanäle ausgestrahlt, die auf www.buchmesse.de verfügbar sind.

Die Teilnahme an allen BOOKFEST-Veranstaltungen ist kostenfrei. Das gesamte Programm ist ab Mitte September unter www.bookfest.de abrufbar.

Open Books
Parallel zur Frankfurter Buchmesse finden zudem in der Stadt Frankfurt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen im Rahmen von Open Books statt. An den Plänen von OPEN BOOKS ändert sich in diesem Jahr nichts; im Gegenteil, durch neue Kooperationen wird das Programm weiter ausgebaut. Bereits zum 11. Mal findet das städtische Lesefest mit knapp 100 Live-Veranstaltungen rund um den Römer und an weiteren Orten in Frankfurt statt. Desweitern wird der traditionelle Lesemarathon „Literatur im Römer“ am Buchmessemittwoch und -donnerstag durchgeführt. OPEN BOOKS hat in diesem Jahr zu Gast „Das Blaue Sofa“ als gemeinsame Eröffnung in der Deutschen Nationalbibliothek und erstmalig mit zwei Krimiabenden, die 3-sat Buchzeit, die DFB-Kulturstiftung mit einem Fußballabend und die SWR-Bestenliste sowie die für den Schweizer Buchpreis 2020 nominierten Autorinnen und Autoren. OPEN BOOKS Kids wird in der Deutschen Nationalbibliothek stattfinden. Präsentiert werden Neuerscheinungen aller Sparten, d.h. Belletristik, Sachbuch, Lyrik und Comic. Zu den Teilnehmenden gehören unter anderem Jan Assmann, Zsuzsa Bánk, Christian Berkel, Helmut Brandstetter, Andreas Buck, Friedrich Curtius, Katja Ebstein, Zoe Beck, Roman Ehrlich, Melisa Erkurt, Veit Etzold, Iris Hanika, Oliver Hilmes, Andrea Petkovic, Ijoma Mangold, Kristof Magnusson Alfons Kaiser, Ralf König, Wladimir Klitschko, Wladmir Kaminer, Benjamin Moser, Ursula Poznanski, Rüdiger Schaper, Ronen Steinke, Tilman Spreckelsen, Andreas Winkelmann, Johannes Willms, Klaus-Peter Wolf und Nell Zink. Der Eintritt ist frei, das Programm wird ab Mitte September auf www.openbooks-frankfurt.de veröffentlicht.

Signals of Hope – ein digitales Event-Projekt für neue Zuversicht
Das Krisenjahr 2020 mit der Corona-Pandemie, dem Klimawandel und dem Kampf um Gleichberechtigung hat vielen Gewissheiten ein jähes Ende gesetzt. Inmitten einer Kultur von Verunsicherung und Verschwörungstheorien will die Frankfurter Buchmesse ein Zeichen setzen: Mit ihrem virtuellen Projekt „Signals of Hope“ zeigt sie das Potenzial des Prinzips Hoffnung und Ideen für neue Handlungsansätze auf. „Signals of Hope“ startet Mitte September mit einer Social-Media-Kampagne und ist an allen Tagen der Frankfurter Buchmesse als Event-Programm unter https://signalsofhope.buchmesse.de zu erleben.

Prominente Meinungsführer im Weltempfang
Leïla Slimani, Nora Bossong, Kirsten Boie, Nina George, Francesca Melandri, Thomas Meinecke, Yvonne Adhiambo Owuor, Matthias Lilienthal und viele weitere meinungsstarke Persönlichkeiten diskutieren im Weltempfang 2020. Die erste digitale Ausgabe des Weltempfangs – die gesellschaftspolitische Bühne der Frankfurter Buchmesse – steht unter dem Motto „Europa – Kulturen verbinden“. An jedem Buchmessetag (14.-18. Oktober 2020) finden digitale Weltempfang-Veranstaltungen statt, die auf www.buchmesse.de/digitale-buchmesse/live-programm übertragen werden. Der Weltempfang ist ein Gemeinschaftsprojekt der Frankfurter Buchmesse und des Auswärtigen Amtes.

Ehrengast Kanada
Kanada bereitet eine Reihe virtueller Programmelemente vor, welche die Vielfalt, Kreativität und Einzigartigkeit der kanadischen Literatur- und Kulturszene zeigen. Kanada wird sein Programm im September vorstellen. Der große physische Auftritt Kanadas findet 2021 statt.

Frankfurt Rights
Mit Frankfurt Rights hat die Frankfurter Buchmesse eine Plattform rund um den internationalen Rechte- und Lizenzhandel entwickelt. Hier finden alle Akteure des Rechte- und Lizenzhandels zusammen. Rechtehändler*innen knüpfen und festigen hier wichtige Businesskontakte, teilen Probekapitel oder anderes Ansichtsmaterial und versenden und erhalten Nachrichten von Kolleg*innen und Geschäftspartner*innen.

Digitales Konferenzprogramm: Frankfurt Conference
Die erste rein digitale Konferenzreihe der Frankfurter Buchmesse – Frankfurt Conference – bietet von Montag bis Donnerstag (12.-15. Oktober 2020) ein virtuelles Fachprogramm. Die Diskussionen, Q&A-Sessions und Kurzvorträge mit internationalen Expert*innen richten sich an Mitglieder der internationalen Publishing-Branche, die sich weiterbilden, im virtuellen Raum austauschen und neue Kontakte knüpfen können. An vier Tagen werden Konferenzen zu den Themenbereichen Academic & Scholarly Publishing, Rights & Licensing, Publishing Insights und Audio durchgeführt.

Für die Teilnahme an den kostenfreien Fachveranstaltungen ist eine Registrierung bei My Book Fair notwendig. Diese ist ab Mitte September auf www.buchmesse.de möglich.

Rheingau Literatur Festival 2020 – WeinLese vom 17.9. bis 27.9.2020

Oestrich-Winkel, 03.09.2020 – Zur herbstlichen WeinLese hält zwischen dem 17. und 27. September 2020 wieder ein literarischer Jahrgang Einzug in einmalige Kulturstätten des Rheingaus. Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg und die an mittelalterliche Architektur erinnernde romantische Burg Schwarzenstein laden dazu ein, mit Literatur auf Tuchfühlung zu gehen.

„Auch in diesem Corona-Jahr, in dem wir das Rheingau Musik Festival bedauerlicherweise absagen mussten, möchten wir herzlich einladen, zu den Lesungen in den Rheingau zu kommen. Die Lesungen finden im großen Tagungssaal von Burg Schwarzenstein, im Fürst-von-Metternich-Saal von Schloss Johannisberg und im Laiendormitorium von Kloster Eberbach statt, so dass das Publikum den Veranstaltungen unter Berücksichtigung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln beiwohnen kann.“ so Michael Herrmann, Intendant und Geschäftsführer des Rheingau Musik Festivals.

Das Rheingau Literatur Festival nimmt die vielgerühmten Eigenarten des Rheingaus auf und bietet eine schöne Mixtur aus Vergnügen und geistiger Anregung. Etwa mit den Weinwanderungen mit dem Senior-Winzer Franz Herke und dem überaus kundigen Kultur- und Weinbotschafter Wolfgang Blum. Beim legendären Koch und Kenner Franz Keller kann man erfahren, wie wunderbares regionales Essen mit einfachen Mitteln zu kochen ist.

Neue Literatur bildet wie immer einen Schwerpunkt des Bücherfestes. Dabei wird die Balance zwischen bewährten, beliebten Gästen und Autorinnen und Autoren gesucht, die zum ersten Mal in den Rheingau kommen. Mit Thomas Mann hat die Auftaktveranstaltung des Festivals zu tun.

Andreas Platthaus war im vorigen Jahr vier Monate Stipendiat im Haus von Thomas Mann in Pacific Palisades. Über seine Erfahrungen berichtet er in seinem Buch „Auf den Palisaden.

Amerikanisches Tagebuch“. Mit Ingrid Noll werden gleich zwei Traditionen gepflegt: Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen von Kriminalromanen und sie wird von vielen Festivalgästen verehrt. Tilman Spreckelsen bietet wieder ein doppeltes Vergnügen: Krimi-Spannung und mit Theodor Storm literarische Feinkost.

Rheingau Literatur Preisträger werden immer wieder gerne mit ihren neuen Büchern eingeladen. Ingo Schulze hat den Preis 2017 erhalten, jetzt stellt er seinen gerühmten Roman „Die rechtschaffenen Mörder“ vor. In diesem Jahr wird Annette Pehnt mit dem Rheingau Literatur Preis ausgezeichnet. „Alles was Sie sehen ist neu“ lautet der Titel ihres ausgezeichneten Romans.

Literarische Vielfalt ist das Markenzeichen der Veranstaltungsreihe. Dazu gehören auch sogenannte Sachbücher. Es kann zum Beispiel auch einmal um die wichtigste Frage unserer Existenz gehen: Wie kommt unser Selbst zustande? Dem geht der renommierte Autor Joachim Bauer in seinem Buch „Wie wir werden, wer wir sind“ nach. Zudem kann man sich auf eine Galerie bedeutender Neuerscheinungen von Nele Pollatscheck, Terézia Mora, John von Düffel und Thomas Hettche freuen. Er schreibt in seinem Roman „Herzfaden“ liebevoll und kenntnisreich über die Augsburger Puppenkiste.

Relais & Châteaux Hotel Burg Schwarzenstein unterstützt das Rheingau Literatur Festival wieder als Hauptsponsor. hr2-kultur ist der Medienpartner.

Die Veranstaltungen der WeinLese 2020 im Überblick:

17.9. Donnerstag, 20.00 Uhr, Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Andreas Platthaus: Auf den Palisaden. Amerikanisches Tagebuch
Ruth Fühner Moderation
22,- Euro

18.9. Freitag, 20.00 Uhr, Kloster Eberbach, Laiendormitorium
John von Düffel: Der brennende See
Martin Maria Schwarz Moderation
20,- Euro

19.9. Samstag, 10.30 Uhr, Parkplatz am Rheinweg/Am Lindenplatz, Oestrich-Winkel
Literarische Weinwanderung zu den Rieslingschlössern
Auf Dichters und Denkers Spuren durch den Rheingau
48,- Euro

19.9. Samstag, 20.00 Uhr, Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder
Martin Maria Schwarz Moderation
24,- Euro

20.9. Sonntag, 16.00 Uhr Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Ingrid Noll: In Liebe Dein Karl und Goldschatz
Heiner Boehncke Moderation
24,- Euro

20.9. Sonntag, 18.00 Uhr, Die Adler Wirtschaft, Eltville-Hattenheim
Franz Keller: Ab in die Küche! – Lesung mit Verkostung
Martin Maria Schwarz Moderation
60,- Euro

20.9. Sonntag, 20.00 Uhr, Kloster Eberbach, Laiendormitorium
Thomas Hettche: Herzfaden
Ruth Fühner Moderation
20,- Euro

24.9. Donnerstag, 20.00 Uhr, Schloss Johannisberg, Fürst-von-Metternich-Saal
Tilman Spreckelsen: Die Nordseefalle. Ein Theodor-Storm-Krimi
Heiner Boehncke Moderation
20,- Euro

25.9. Freitag, 20.00 Uhr, Schloss Johannisberg, Fürst-von-Metternich-Saal
Terézia Mora: Auf dem Seil
Andreas Platthaus Moderation
20,- Euro

26.9. Samstag, 10.00 Uhr, Seilbahn-Talstation, Rüdesheim
Literarische Wanderung durch Amors Garten
54,- Euro

26.9. Samstag, 20.00 Uhr, Schloss Johannisberg, Fürst-von-Metternich-Saal
Nele Pollatschek: Dear Oxbridge. Liebesbrief an England
Andreas Platthaus Moderation
20,- Euro

27.9. Sonntag, 11.00 Uhr, Burg Schwarzenstein, Geisenheim-Johannisberg
Verleihung des Rheingau Literatur Preises 2020 an Annette Pehnt

Andreas Platthaus Laudatio
Heiner Boehncke Moderation
20,- Euro

27.9. Sonntag, 18.00 Uhr, Burg Schwarzenstein, Geisenheim-Johannisberg
Joachim Bauer: Wie wir werden, wer wir sind.
Joachim Müller-Jung Moderation
24,- Euro

Informationen auf einen Blick zum Download 

Kartenverkauf

Alle Preise zzgl. Systemgebühr von 1,80 Euro pro Karte und Servicegebühr von 2,90 Euro pro Auftrag.
Karten unter 06723 / 60 21 70 und www.rheingau-literatur-festival.de

Das Festival digital erleben: Die Online-Kampagne „Trotzdem Sommer!“ findet auf allen Kanälen statt! Weitere Informationen finden Sie auf www.rheingau-musik-festival.de.

Alarmierende Zustände in Belarus: Börsenverein verurteilt Einbestellung der Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch zum Verhör

Seit den Präsidentschaftswahlen Anfang August ist Belarus geprägt von Massenprotesten gegen Amtsinhaber Alexander Lukaschenko. Die belarussische Schriftstellerin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2013 Swetlana Alexijewitsch sowie weitere Stimmen äußerten Kritik an der gewaltsamen Unterdrückung der Kundgebungen durch den Präsidenten. So hatte Alexijewitsch am 12. August 2020 im Radio den Rücktritt Lukaschenkos gefordert. Die Generalstaatsanwaltschaft hat nun die Schriftstellerin – sowie zahlreiche andere Kritiker*innen – für morgen zum Verhör einberufen. Sie wirft ihnen unter anderem den illegalen Versuch der Machtergreifung vor. Auf dieses Vergehen drohen in Belarus fünf Jahre Haft.

Alexander Skipis, Archivbild Frankfurter Buchmesse 2019: MAHNWACHE AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE FÜR DIE MEINUNGSFREIHEIT #FREEGUIMINHAI #FREEHONGKONG  #FREETHEWORDS © Foto: Diether v. Goddenthow
Alexander Skipis, Archivbild Frankfurter Buchmesse 2019: MAHNWACHE AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE FÜR DIE MEINUNGSFREIHEIT #FREEGUIMINHAI #FREEHONGKONG
#FREETHEWORDS © Foto: Diether v. Goddenthow

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:
„Die massive Verletzung von Menschen- und Freiheitsrechten in Belarus bestürzt uns zutiefst. Kritische Stimmen wie die Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sind in ernsthafter Gefahr. Wir appellieren an die Regierung in Belarus, ihren Bürger*innen konsequent Meinungsfreiheit zu gewähren und Freiheitsrechte nicht einzuschränken. All jenen, die sich in Belarus für Demokratie und Meinungsfreiheit einsetzen, gilt unsere volle Unterstützung. Swetlana Alexijewitsch und viele weitere Angeklagte verteidigen ihr Recht darauf, sich öffentlich für ein demokratisches Belarus einzusetzen. Wir dürfen jetzt nicht resignieren – es ist unsere Pflicht, uns für den Schutz dieses grundlegenden Rechtes einzusetzen!“

Als Zeichen dieses klaren Standpunktes schließt sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels der Solidaritätsbewegung des European Writers’ Councils für Belarus an.

Hölderlin zum 250. im Herbst 2020 – Festprogramm mit 30 Veranstaltungen und vier Ausstellungen in Frankfurt, Bad Homburg, Darmstadt, Hofheim und Offenbach

logo-hoelderlin250-jpgNur wenige Tage nach dem 20. März 2020, dem 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin, wurde das kulturelle Leben in Deutschland pandemiebedingt stillgelegt. Inzwischen haben die meisten Institutionen bundesweit den Spielbetrieb wiederaufgenommen. So setzt auch der Kulturfonds Frankfurt RheinMain gemeinsam mit seinen Partnerinstitutionen das spartenübergreifende Festprogramm „Hölderlin 2020“ ab Ende August fort. Der allergrößte Teil der 60 Veranstaltungen findet planmäßig statt oder konnte um einige Monate verschoben werden. Die Kuratorin und stellvertretende Geschäftsführerin des Fonds, Dr. Julia Cloot, sieht in „Hölderlin 2020“ eine einzigartige Chance, das Schaffen des Dichters einem breiten Publikum näher zu bringen: „Die Veranstaltungen erstrecken sich nicht nur über das gesamte Rhein-Main-Gebiet, wir bringen Hölderlin auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise zu den Bürgerinnen und Bürgern. Mit diesem spartenübergreifenden Programm aus Konzerten, Ausstellungen und Aufführungen erhält das Publikum tiefe Einblicke in das Leben Hölderlins, das eng mit der Region verwoben ist, und vor allem seine Wirkung auf die zeitgenössischen Künste.“

Den Anfang macht mit „Antigone. Bocksgesang von Hölderlin nach Sophokles“ eine Produktion des Frankfurter Theaters Willy Praml (Premiere am 28. August 2020), die auf Hölderlins Übersetzung in einer Bearbeitung von Martin Walser und Edgar Selge beruht. Die Wanderausstellung „Hölderlins Orte“ mit Arbeiten der langjährigen FAZ-Fotografin Barbara Klemm macht vom 7. September bis zum 23. Oktober im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg Station. Ebenfalls noch bis Ende Oktober wird die Installation mit Buchskulpturen von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries auf dem Gelände der Reimers Stiftung zu sehen sein.

Zwei Konzerte widmen sich neuer Musik nach Hölderlins Texten: Ein Konzert mit Uraufführungen von Geoffrey Alvarez, Michael Maierhof, Annette Schlünz und Andreas Sorg sowie einem Werk von Nicolaus A. Huber bestreiten die Sopranistin Carola Schlüter und das OfEnsemble im Klingspor Museum am 8. September 2020.

Erstmals vollständig und in Starbesetzung kommt am 16. September 2020 in der Alten Oper der Zyklus „Hölderlin lesen I – V“ des 2019 verstorbenen Komponisten Hans Zender zur Aufführung. Neben Salome Kammer (Stimme) und Teodoro Anzelotti (Akkordeon) treten ehemalige und aktuelle Stipendiaten der Internationalen Ensemble Modern Akademie auf. Am 19. September startet die Frankfurter Hölderlin-Festwoche der Stadt Frankfurt und des Freien Deutschen Hochstifts mit einem im Auftrag des Mousonturms konzipierten „Audiowalk“ für den Hölderlin-Pfad zwischen Bad Homburg und Frankfurt. Hierfür hat der Regisseur Akira Takayama eine Smartphone-App entwickelt, die den 22 Kilometer langen Weg zwischen Frankfurt und Bad Homburg in einen „anderen Ort“ verwandelt. An verschiedenen Stationen auf dem Weg schalten sich Audiobeiträge frei, für die 12 Autor/innen neue Texte, Erzählungen und Gedichte verfasst haben.

Auf das Jahr 2021 verschoben werden mussten die Licht- und Soundinstallation von Philipp Geist, die Ausstellung „Wie Wolken um die Zeiten legt. Werke von Anja Harms und Eberhard Müller-Fries“ (neuer Termin: 15. Januar 2021 – 14. Februar 2021) und die szenische Lesung „Ich, Hölderlin“, eine Produktion der Grimm-Festspiele in Hanau und Oestrich-Winkel, die im Sommer 2021 nachgeholt wird. Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain sieht in der Wiederaufnahme ein Zeichen des Aufbruchs: „Im Frühjahr mussten praktisch alle kulturellen Ereignisse heruntergefahren werden. So langsam sehen wir jedoch, dass Kultur wieder Einzug in den Alltag der Menschen erhält, wir so etwas wie eine Aufbruchsstimmung erleben. Die Wiederaufnahme des Festprogramms ‚Hölderlin 2020‘ ist in diesem Zuge ein wichtiger Schritt und wir laden alle Interessierten dazu ein, mit uns auf diese spannende Entdeckungsreise quer durch das Rhein-Main-Gebiet zu gehen.“

Das komplette Programm finden Sie unter www.hoelderlin2020.de und www.kulturfondsfrm.de, die Frankfurter Hölderlin-Festwoche auch unter: www.literaturstadt-frankfurt.de

Longlist – Deutscher Buchpreis 2020: Jury nominiert 20 Romane

longlist-2020Longlist veröffentlicht / 206 Titel waren in der Auswahl / Shortlist wird am 15. September bekanntgegeben / Blogger*innen-Rezensionen unter www.deutscher-buchpreis-blog.de

Die Jury des Deutschen Buchpreises 2020 hat 20 Romane für die Auszeichnung ausgewählt. Seit Ausschreibungsbeginn haben die sieben Jurymitglieder 206 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2019 und dem 15. September 2020 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Jurysprecherin Hanna Engelmeier, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) und Autorin:
„Im Gegensatz zur Lektüre der Nachrichten der vergangenen Monate bot die Beschäftigung mit den über 200 eingereichten Titeln vielfältige Lichtblicke. Der Jury eröffnete sich ein Panorama von überwiegend realistisch angelegten Romanen. Besonders viele Romane nutzen das (auto)biographische Erzählen, stark vertreten sind zudem Titel, die sich mit historischen Themen auseinandersetzen. Die Longlist spiegelt diese Schwerpunkte wider, greift aber zusätzlich Romane auf, die sich jüngeren identitätspolitischen Debatten widmen. Es freut uns, dass auch Bücher vertreten sind, die die Form des Romans aufbrechen und mit ihr experimentieren. Die Longlist repräsentiert so nicht nur eine Vielfalt von Themen, sondern auch die Vielfalt poetischer Ausdrucksformen dieser Saison.“

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Helena Adler, Die Infantin trägt den Scheitel links (Jung und Jung, Februar 2020)
  • Birgit Birnbacher, Ich an meiner Seite (Paul Zsolnay, März 2020)
  • Bov Bjerg, Serpentinen (Claassen, Januar 2020)
  • Arno Camenisch, Goldene Jahre (Engeler, Mai 2020)
  • Roman Ehrlich, Malé (S. Fischer, September 2020)
  • Dorothee Elmiger, Aus der Zuckerfabrik (Carl Hanser, August 2020)
  • Valerie Fritsch, Herzklappen von Johnson & Johnson (Suhrkamp, Februar 2020)
  • Thomas Hettche, Herzfaden (Kiepenheuer & Witsch, September 2020)
  • Charles Lewinsky, Der Halbbart (Diogenes, August 2020)
  • Deniz Ohde, Streulicht (Suhrkamp, August 2020)
  • Leif Randt, Allegro Pastell (Kiepenheuer & Witsch, März 2020)
  • Stephan Roiss, Triceratops (Kremayr & Scheriau, August 2020)
  • Robert Seethaler, Der letzte Satz (Hanser Berlin, August 2020)
  • Eva Sichelschmidt, Bis wieder einer weint (Rowohlt Hundert Augen, Januar 2020)
  • Anne Weber, Annette, ein Heldinnenepos (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
  • Olivia Wenzel, 1000 Serpentinen Angst (S. Fischer, März 2020)
  • Frank Witzel, Inniger Schiffbruch (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020)
  • Iris Wolff, Die Unschärfe der Welt (Klett-Cotta, August 2020)
  • Jens Wonneberger, Mission Pflaumenbaum (Müry Salzmann, Oktober 2019)
  • Christine Wunnicke, Die Dame mit der bemalten Hand (Berenberg, August 2020)

Der Jury gehören neben Hanna Engelmeier an: Katharina Borchardt (Literaturredakteurin, SWR2), David Hugendick (Literaturredakteur, Zeit Online), Chris Möller (Literaturvermittlerin bei Kabeljau & Dorsch, Berlin), Maria-Christina Piwowarski (Buchhandlung ocelot, Berlin), Felix Stephan (Literaturredakteur, Süddeutsche Zeitung), Denise Zumbrunnen (Buchhandlung Never Stop Reading, Zürich).

© vntr.media- V.l.n.r.: Maria-Christina Piwowarski, Chris Möller, Denise Zumbrunnen, Katharina Borchardt, Felix Stephan, David Hugendick, Hanna Engelmeier.
© vntr.media- V.l.n.r.: Maria-Christina Piwowarski, Chris Möller, Denise Zumbrunnen, Katharina Borchardt, Felix Stephan, David Hugendick, Hanna Engelmeier.

Im nächsten Schritt wählen die Jurymitglieder aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 15. September 2020 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autor*innen, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober 2020 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse als Livesendung aus dem Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Longlist kennenlernen: Leseproben, Hörproben, Videoclips, Blogger*innen-Rezensionen

Ab kommender Woche ist das Taschenbuch „Deutscher Buchpreis 2020. Die Nominierten“ im Buchhandel erhältlich. Es enthält Leseproben aus den nominierten Romanen sowie Informationen zu den Autor*innen und wird herausgegeben vom Fachmagazin Börsenblatt des Technologie- und Informationsanbieters MVB. In welchen Buchhandlungen das Buch verfügbar ist, zeigt eine interaktive Karte, ein Angebot von JETZT EIN BUCH!, der Initiative der deutschen Buchbranche.

Die Hörproben der 20 Longlist-Titel sind ab sofort abrufbar beim Podcast-Radio detektor.fm, online unter www.detektor.fm/deutscher-buchpreis und über die detektor.fm-App. Ab dem 18. August präsentiert detektor.fm von Montag bis Freitag ab 11.30 Uhr und ab 16.30 Uhr jeweils einen nominierten Titel im moderierten Livestream. Die Hörproben zum Deutschen Buchpreis gibt es auch als Podcast. Auf den Plattformen Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer und Spotify sind alle Audios direkt zu hören.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen in den kommenden Wochen 20 Literaturblogger*innen je einen nominierten Titel vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis-blog.de veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Zudem stellt der Podcast www.papierstaupodcast.de die nominierten Titel vor.

Robert-Gernhardt-Preis 2020 in Wiesbaden verliehen

Das von der WIBank gestiftete Preisgeld in Höhe von 36.000 Euro teilen sich die Preisträgerin und die beiden Preisträger. Die Vergabe an drei Personen ist möglich, weil 2019 nur eine Autorin ausgezeichnet wurde.Bild vli. Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, Autorin und Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir und Kultur- und Kunstministerin Angela Dorn bei der Preisübergabe am 12.08.2020  in der Schalterhalle des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden. Wegen Corona hatten die Preisträger Thomas Hettche und Sven Amtsberg ihre Teilnahme abgesagt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das von der WIBank gestiftete Preisgeld in Höhe von 36.000 Euro teilen sich die Preisträgerin und die beiden Preisträger. Die Vergabe an drei Personen ist möglich, weil 2019 nur eine Autorin ausgezeichnet wurde.Bild vli. Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, Autorin und Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir und Kultur- und Kunstministerin Angela Dorn bei der Preisübergabe am 12.08.2020  in der Schalterhalle des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden. Wegen Corona hatten die Preisträger Thomas Hettche und Sven Amtsberg ihre Teilnahme abgesagt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die traditionelle Feierstunde musste bereits bei Bekanntgabe der Gewinner Anfang Juli wegen Corona abgesagt werden. Doch ganz sang- und klanglos wollte man die Preisübergabe nun doch nicht untergehen lassen. Also hatte das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst am 13. August 2020 zu einem Fototermin in seine Schalterhalle nach Wiesbaden eingeladen, bei dem Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn den Preisträgern des Robert-Gernhardt-Preises 2020 die Urkunden überreichte. Das gestaltete sich jedoch  auch ein wenig schwierig, da zwei der drei Preisträger, Thomas Hettche und Sven Amtsberg,  die Minifeierstunde   Corona absagen mussten. So konnte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, die auf die besonderen Zeiten und die coronabedingte große Not der gesamten Kulturszene hinwies,  physisch nur einmal die Preisurkunde aushändigen an Fatma Bahar Aydemir.

Per Video zugeschaltet war Sven Amtsberg, der über Livestream den einführenden Worten von Angela Dorn und Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank sowie der Laudatio des Juryvorsitzenden und Literaturkritikers Dr. Christian Metz folgen konnte.

Laudator und Juryvorsitzender Dr. Christian Metz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator und Juryvorsitzender Dr. Christian Metz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Metz lobte die drei Autoren als Meistermacher des unheimlichen Reisens, des lohnenden Reisens, ganz im Geiste Robert Gernhardts.

Thomas Hettche erzähle in seinem Romanprojekt „Im Arvenschatten“ die Reiseform von Rückkehr, eine Fluchtgeschichte, bei der das Unheimliche darin bestünde, dass der vermeintliche Schritt in die Sicherheit immer schon auch ein Schritt in Panikräume sei.

Bei Sven Amtsberg Romanprojekt „Rakete Schmidt“ liege der Aspekt des Unheimlichen auf den Wegen zwischen den Hotels und Raststätten. Er erzählt davon, wie ein Vater und sein Sohn auf einer gemeinsamen Reise verzweifelt versuchen, einander endlich nahezukommen. Besonders originell sei ihm in seiner klaustrophobischen Erzählweise die absurde Romanfigur Ulf gelungen, einem Stimmungssänger auf Mallorca, der auf der Sonneninsel nebenbei ein Solarium betreibt.

Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir. © Foto: Diether v. Goddenthow
Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir. © Foto: Diether v. Goddenthow

Fatma Bahar Aydemir sei es in ihrem Romanprojekt „Dschinns“ gelungen, die menschliche Lebensweise als Umweg am Beispiel der Lebensgeschichten von Hüseyin und seiner Familie aufzuzeigen. Hüseyins Traum ist es, irgendwann im Leben einmal in Istanbul in Freiheit und in einer Eigentumswohnung leben zu können, weswegen er, aus der Nordtürkei stammend, den „unheimlichen“ Umweg als Gastarbeiter in Deutschland nimmt, um sich nach 30 Jahren den „Traum“ in Istambul erfüllen zu können, doch da kommt es dann alles anders.

Um den Robert Gernhardt Preis 2020 konnten sich Autorinnen und Autoren bewerben, die aktuell an einem größeren literarischen Projekt arbeiten und einen Bezug zu Hessen im Lebenslauf oder im geplanten literarischen Projekt aufweisen.

Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, versprach im nächsten Jahr zum Robert-Gernhardt-Preis 2021 bei einer hoffentlich dann wieder möglichen Feier im üblichen Rahmen einen „überbordenden“ Büchertisch mit den jeweils vollendeten Roman-Projekten der Gernhardt-Preisträger 2019 und 2020 anbieten zu wollen.

Weitere Informationen zum Robert-Gernhardt-Preis 2020

Offener Brief von PEN-Präsidentin Regula Venske an das Team des HarbourFront Literaturfestivals, Petra Bamberger, Nikolaus Hansen und Heinz Lehmann, sowie des Nochtspeichers Hamburg

„Die  Ausladung der Kabarettistin Lisa Eckhart vom Debütantensalon des Harbour Front Literaturfestivals „ist der literarische Skandal des Jahres“. (NDR)  Unter anderem wird der 27-jährigen Kabarettistin vorgeworfen, sich bei ihren Auftritten antisemitisch zu äußern. Zudem könne wegen Gewaltandrohungen linksextremer Gruppen gegen Lisa Eckhart die Sicherheit der Veranstaltung nicht gewährleisten werden. Erst, nachdem am 5.8.2020 Dieter Nuhr, selbst bisweilen  öffentlich zur Persona non grata erklärt, sich kompromisslos hinter seine Kollegin stellte, und FAZ-Redakteur Michael Hanfeld („Wir weichen der Gewalt, 7.8.2020“) Nuhr zustimmend zitierte, regte sich breiter öffentlicher Protest, trauten sich auch andere,   Gesicht für die Meinungsfreiheit zu zeigen.

Dieter Nuhr
„Was für ein Skandal! Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf.“, so Nuhr auf Facebook. Wir müssten „nun endlich darüber diskutieren, was Freiheit der Rede heute noch bedeutet. Wer Lisa Eckart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem.“ Der linke und der rechte Mob wünsche sich offenbar nun eine Kunst, die linientreu den eigenen Ideologien folge, so Nuhr weiter. Und wer da nicht reinpasse, werde mundtot gemacht. „Das Auftrittsverbot ist eine klare Entscheidung gegen die künstlerische Freiheit. Die fadenscheinige Begründung Antisemitismus soll das Ganze moralisch untermauern. Aber Lisa Eckart ist keine Antisemitin. Sie ist nur nicht links genug. Der Vorwurf des Antisemitismus ist lediglich der perfide Versuch, eine politisch verdächtig eigenständig denkende Person zu diskreditieren.Nun schreckt man heute selbst vor totalitären Maßnahmen wie einem Auftrittsverbot nicht mehr zurück. Dem muss entgegengesteuert werden. Die Absage macht mich fassungslos.“ https://www.facebook.com/nuhr.de/?pageid=113781618677139&ftentidentifier=3314220251966577&padding=0

Der Leiter des Festivals, Nikolaus Hansen, bedauerte gegenüber dem NDR diese Entscheidung. „Wir haben uns in den letzten Tagen sehr viele Gedanken gemacht, wie wir die Situation in ihrer Verfahrenheit retten und auflösen können. Zumal wir, und das will ich immer wieder betonen, Lisa Eckhart nicht ausgeladen haben, weil wir Bedenken hatten, sondern weil es um Sicherheitsfragen und den fairen Wettbewerb ging.“ Gleichzeitig habe das Festival, wie es „aus gegebenen Anlass“ auf seiner  Website mitteilt, „die Einladung an Lisa Eckhart zur Teilnahme am ‚Debütantensalon‘ in der gewohnten Form, aber an anderem Ort, erneuert“ und bedauert, dass die österreichische Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart und ihr Verlag die Teilnahme am diesjährigen „Debütantensalon“ ihrerseits abgesagt haben. (08.08.2020 Aus gegebenem Anlass)
Auch Autor Sascha Reh, der sich mit Lisa Eckhard solidarisch zeigte, und seine Teilnahme zurückgezogen hat, da auch sein „Text ebenfalls an der political correctness kratze und er sich von der Hasenfüßigkeit mitbetroffen fühle (NDR).

Offener Brief von PEN-Präsidentin Regula Venske an das Team des HarbourFront Literaturfestivals

Am 10.08.2020 bezog  Deutschlands prominentester Schriftsteller-Verband,  das deutsche PEN-Zentrum, in einem öffentlichen Brief seiner Präsidentin Regula Venske klare Position:

Liebe Verantwortliche von Nochtspeicher und Harbour Front Literaturfestival,

im Pressestatement des Nochtspeichers zur Ausladung der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart durch das HarbourFront Festival heißt es: „Wir begrüßen, daß die Ausladung Lisa Eckharts vom Harbour Front Literaturfestival zu einer öffentlichen Debatte führt, diese gesellschaftliche Debatte ist überaus wichtig, um der bedrohlich um sich greifenden ‚Cancel Culture‘ Einhalt zu gebieten. Es ist alarmierend, wenn Künstler unter dem Damoklesschwert der sozialen Ächtung arbeiten oder sogar eine ‚Kontaktschuld‘ durch einen gemeinsamen Auftritt mit einer unliebsamen Person befürchten müssen; wenn Auftritte gesprengt oder gewaltsam verhindert werden.“

Nikolaus Hansen hat darüber hinaus die „verflucht komplexe Gemengelage für alle“, die zu dieser Entscheidung geführt habe, auf DLF Kultur erläutert. Wir kennen und schätzen uns in Hamburg nun schon seit vielen Jahren, und ich weiß, dass Euch die Literatur und die Meinungsfreiheit am Herzen liegen. Wie viele andere aber bin ich ob der Ausladung Lisa Eckharts bestürzt. Das kann und darf nicht die Ultima Ratio in dieser Angelegenheit sein! Ob die Gewalt von rechten oder linken Extremisten, von religiösen Eiferern oder Psychopathen angedroht wird: Wir dürfen uns ihr nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen. Es mag sein, dass der Nochtspeicher unter den gegebenen Umständen nicht der geeignete Ort für diese Veranstaltung ist, es mag auch sein, dass man jetzt nicht alle geplanten Tandem-Lesungen verschieben kann. Aber wir haben, zumal in den vergangenen Monaten, gelernt, dass es auch ein Internet gibt und dass man die Kandidatin zum Beispiel per Online-Schalte einbeziehen könnte.

Übrigens geht es auch nicht an, dass sich für einen Preis Nominierte ihre Konkurrenten selbst aussuchen. Wer mit einem Kollegen, einer Kollegin nicht auftreten will, muss selbst zu Hause bleiben und kann nicht dem Veranstalter vorschreiben, mit wem er oder sie zu lesen bereit ist oder wer weiter im Rennen bleiben darf.

Die Beschwichtigung, es handle sich hier nicht um Zensur, Frau Eckhart könne ja an anderen Veranstaltungsorten oder auch im Fernsehen auftreten, greift – pardon, lieber Niko – zu kurz.
Es gibt vielfältige Formen von Zensur, klassisch durch staatliche Obrigkeit, moderner (aber vielleicht nicht einmal das) durch organisierte Kriminalität und/oder politischen Terror, verschärft in beiden Fällen durch die Duldung und Straflosigkeit seitens eines handlungsunfähigen Staates. Und, noch moderner, durch ‚Volksabstimmung‘ im Internet.

Im Dezember 1930 wurde die Premiere von „Im Westen nichts Neues“ nach dem Roman von Erich Maria Remarque derart massiv gestört, dass die Vorstellung schließlich abgebrochen werden musste. Verantwortlich waren damals nationalsozialistische Schlägertrupps. Am Ende machte sich die Oberprüfstelle die nationalsozialistische Argumentation zu eigen und verhängte ein Aufführungsverbot. Übrigens beklagte Heinrich Mann, der in den 1920er Jahren in mehreren Essays gegen Zensur Stellung bezog, dass sich das wilhelminische liberale Bürgertum viel stärker dagegen zur Wehr gesetzt hätte als es das Publikum der Weimarer Republik tat.

Wo wollen wir uns heute verorten?

Nun ist Lisa Eckhart nicht Erich Maria Remarque, aber darum geht es auch nicht. Gerade am Umgang mit ‚trivialeren‘ Kunsterzeugnissen zeigt sich, wie es um Demokratie und Meinungsfreiheit steht. Sie sind der Testfall, und das Publikum braucht auch sie, um sich in Kritik zu üben und Kategorien der Beurteilung auszubilden. Derzeit geistert das Wort ‚Figurenrede‘ durchs Internet. Das Bewusstsein dafür scheint in der Tat verloren zu gehen. Gut wäre z. B. ein Vergleich mit einem Vorgänger Lisa Eckharts, der für diese Gruppe jüngerer Comedians, zu denen sie gehört, Maßstab sein könnte: Serdar Somuncu. Wenn Somuncu den Fascho gibt und aus Hitlers ‚Mein Kampf‘ liest, so gelingt es ihm, die Bühnenfigur, die er abgibt, gleichzeitig zu dekonstruieren. Eine solche Dekonstruktion sehe ich bei Eckhart nicht. Darüber könnte man diskutieren.

Wer von den acht Nominierten am Ende mit einem Preis ausgezeichnet wird, entscheidet die Jury, nach Diskussion, so hoffe ich, und nicht im Faustkampf. Und auch das Publikum muss sich mit Argumenten, d.h. mit Worten auseinandersetzen. Gewaltandrohungen zählen nicht dazu. Im Übrigen sind für den Straftatbestand der Volksverhetzung, die manche hier vermuten, unsere Justiz und für jugendgefährdende Medien die Bundesprüfstelle zuständig. Traurig genug, dass an den Rändern unserer Gesellschaft kein Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat besteht. Wir aber sollten ihn verteidigen.

Ich begrüße daher, dass Ihr Lisa Eckhart nunmehr einen Vorschlag unterbreitet habt, wie sie weiter im Wettbewerb um den Klaus-Michael Kühne-Preis bleiben kann, und hoffe, Ihr findet eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung.

Für das PEN-Zentrum Deutschland
Herzlich, Eure
Regula Venske
Präsidentin

Informationen zum Pen-Zentrum
Das PEN-Zentrum Deutschland tritt ein für die Freiheit des Wortes. Wir sind Mitglied des PEN International, in dem über 150 Schriftstellerorganisationen aus mehr als 100 Nationen vereinigt sind.