Papier ist für die Ewigkeit – Ausstellung der Stadtdruckerin im Gutenbergmuseum Mainz eröffnet

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Gestern Abend wurde bei einem Grußwort von Kulturdezernentin Marianne Grosse und mit einer furiosen Laudatio des bekannten Schauspielers Joachim Król die Ausstellung „Papier ist für die Ewigkeit“ der amtierende Stadtdruckerin Angela Glajcar im Gutenberg-Museum Mainz feierlich eröffnet.

Eigens für  das Gutenberg-Museum hatte die Künstlerin, die ursprünglich aus der Bildhauerei kommt und in Nürnberg ausgebildet wurde, eine monumentale begehbare Skulptur aus Papier geschaffen: Licht und Schatten, gerade und gerissene Kanten, geometrische oder asymmetrische Formen eröffnen faszinierende Einblicke und ermöglichen durch die akustische Relevanz der Arbeit eine neue Raumwahrnehmung. Aus Papier geformt, wirken Angela Glajcars schwebende Arbeiten trotz ihrer skulpturalen Präsenz zart und leicht. Das ist schon eine auch rein körperlich großartige Leistung, bedenkt man, dass die amtierende Stadtdruckerin immerhin 200 Meter 350er-Gramm-Papier, also halbe Pappe, per  Hand verarbeitete und gerissen hat.

Es  gibt keine zweite Chance bei der Arbeit, denn einmal gerissen, ist gerissen und manchmal eben auch zerrissen. Aber nichts dergleichen ist zu bemerken, wenn man sich den abgehenden Lawinen ähnlichen Papiergebirgen im Ausstellungsraum nähert und sich fragt: „Was soll das eigentlich alles bedeuten? War es nötig, so viel tolles Papier  ‚sinnlos‘ zu entrollen?“ Und genau das beabsichtigt die Künstlerin mit ihrer Großinstallation: nämlich den Betrachter zu verführen, sich auf das wunderbare Material Papier einzulassen. Das ist vor allem im digitalen Zeitalter einmal mehr eine Herausforderung, da Printdruck zusehends ins Hintertreffen gerät.

Museumsleiterin Dr. Annette Ludwig unterstrich in ihrer Einführung, dass das Gutenberg-Museum sehr stolz darauf sei, die international gefragte und ungemein produktive Künstlerin erstmals mit einer Sonderausstellung in Mainz präsentieren zu können. Kulturdezernentin Marianne Grosse machte darauf aufmerksam, dass der Mainzer Stadtdruckerpreis, der mit 6000 Euro dotiert ist, beim nächsten Mal bundesweit ausgeschrieben werden würde, und fügte hinzu, dass man mit Angela Glajcar bereits eine Künstlerin von internationalem Rang mit Bezug zur Gutenbergstadt Mainz gefunden habe, „beinahe wie eine Art vorauseilendes Gehorsam“, so die Kulturdezernentin.

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Joachim Król, uns aus unendlich vielen Filmen von Rossini, Polizeiruf 110, Tatort usw. bekannt, hielt eine sehr persönliche Rede über sein Faible in Galerien, Museen und Ausstellungen neu aufzutanken und über seine Begegnung mit Angela Glajcars Installation in St. Peter in Köln. Im Vorfeld der Abfassung seiner Laudatio hatte er um ein Lieblingsbuch der Künstlerin gebeten, und den Titel „Mit dem Körper sehen: Was bedeutet es, ein Kunstwerk zu betrachten?“ von Siri Hustvedt genannt bekommen. Hieraus entwickelte Joachim Król eine tiefgründige, wie auch humoristisch garnierte, furiose Rede. „Allein wegen dieser Rede hätte es sich gelohnt, zu kommen“, hörte man später an so manchem Tisch.

Di – Sa 9 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Montags und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

Gutenberg-Museum
Museum für Buch-, Druck- und Schriftgeschichte
Liebfrauenplatz 5
55116 Mainz

„Europäische Identität“ und „Asyl für die utopische Gesellschaft“ während der Wiesbadener Biennale 2016

Einer imaginären Gesellschaft, die niemals kommen darf, sollte man wenigstens mal Asyl gewähren, daher der eines Biennale-Projektes "Asyl des müden Europäers", so Kuratorin Maria Magdalena Ludewig auf der Pressekonferenz  © massow-picture
Einer imaginierten Gesellschaft, die niemals kommen darf,  weil sie ja ansonsten nicht mehr utopisch, sondern real wäre, sollte man wenigstens temporär  Asyl gewähren. Hieraus entwickelte sich das Motto der erstmalig auf der Biennale Wiesbaden  geplanten Eigenproduktionen : „Asyl des müden Europäers“, © massow-picture

Wiesbaden Biennale 25. August bis 4. September 2016: This is not Europe

Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden stellten die Kuratoren Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer die neue Konzeption der Wiesbaden Biennale 2016 unter dem Titel »This is not Europe« vor, die vom 25. August bis zum 4. September 2016 stattfinden wird.

Anknüpfend an das traditionsreiche Festival »Neue Stücke aus Europa« steht die Frage nach einer europäischen Identität als komplexe gesellschaftliche Erzählung im Zentrum ihrer Neukonzeption. Unter dem Titel »This is not Europe« versammelt die Wiesbaden Biennale 2016 die Widersprüche der neuen Identitätserzählungen, die die massiven Erschütterungen des europäischen Selbstverständnisses hervorbringen. „Wer wollen wir sein, was macht uns aus?  Wer gehört zu uns?“ Wenn wir fragten, was denn eigentlich „unsere Identität“ sei, wer wir wären, stellten wir fest, dass „wir Identität als eine Erzählung aus unserer Biographie begreifen“, steigt Martin Hammer während der Pressekonferenz ins weite Feld „Identitätsfindung“ ein und macht den gespannten Hörer klar, dass diese Erzählungen über uns selbst immer wieder variiere, nämlich „je nachdem, wem man gegenüberstünde, wann und in welchem Zusammenhang man Persönliches erzähle“. Das bedeutete, dass Antworten auf die Frage, wer man sei, immer wieder anders ausfielen, und gleichzeitig seien aber alle Erzählungen irgendwie wahr, so Hammer weiter. Identität sei daher „etwas Flüchtiges, was jeweils neu konstruiert wird“. Und was wir für eine Biographie beschrieben, gelte natürlich auch – größer gedacht – für die Fragen „was denn eine europäische Identität“ sei: „Was ist denn eine europäische Identität?. Wer, welcher Autor, erzählt denn diese Geschichte, und wie setzt sich diese Geschichte zusammen? Welche Erzählungen werden  mitunter bewusst unterdrückt oder an den Rand gedrängt und sollen in dieser Identitätserzählung von Europa nicht vorkommen?“

Diese inhaltlichen Fragestellungen werden, so die Kuratoren, die Auswahl des Gastspielprogramms der Wiesbaden Biennale 2016 prägen. Wie bisher werden  10 internationale Produktionen zu sehen sein, in denen die Künstlerinnen und Künstler den Herausforderungen unserer Zeit mit unterschiedlichen Praktiken von Autorenschaft und Performance begegnen. Als Autoren ihrer Werke, international vernetzt arbeitend, schaffen sie transnationale Identitätserzählungen, in denen die Konflikte Europas erfahrbar werden.

„Asyl des müden Europäers“

„Aber vor allem wird es erstmals in der Geschichte des Festivals Neuproduktionen geben“, so Maria Magdalena Ludewig. Diese Neu-Produktion ist das Projekt, was wir im Moment unter „Asyl des müden Europäers“ verstehen. „Was ist das ‚Asyl des müden Europäers’?“, stellt Ludewig die Frage an die Runde, und beantwortet sie sogleich selbst: „Das fragen wir uns auch die ganze Zeit, zugegebenermaßen!“ Die Antwort ändere sich auch andauernd. Wenn man an die rechte Wandseite  schaue (siehe Foto oben), sehe man, dass der Slogan auch mal anders, nämlich „Asyl der kommenden Gemeinschaft“ hieß. Diese Motto wurde dann immer wieder ein bisschen umgedichtet, weil wir uns gefragt haben, „wie kann man eigentlich jenseits von dieser Alternativlosigkeit und diesem rein zweckorientierten Pragmatismus, wo uns die ganze Zeit gesagt wird ‚Wir müssen jetzt handeln!, Wir müssen das jetzt entscheiden, Wir haben jetzt keine Zeit für neue Ideen, neue Kultur usw.‘ wie kann man diesem festgefahrenen Denken eigentlich begegnen, und vielleicht doch einen Gegenentwurf wagen?“ Es müsse doch irgendwie möglich sein! Dann sind wir auf Herrn Agamben gestoßen und haben sein Buch über ‚Die kommende Gemeinschaft‘ gelesen“, so die Kuratorin.

„Die kommende Gemeinschaft“ bei Giorgio Agamben sei eigentlich relativ einfach beschrieben: „Es ist eine Gemeinschaft, die immer als die kommende imaginiert wird, die aber auf gar keinen Fall kommen darf. Denn wenn sie kommen würde, könnte man sie nicht mehr imaginieren, weil sie ja dann da wäre.“ Das wäre eigentlich recht komisch und beschreibe schon einen Widerspruch in sich. Aber eine Utopie sei nicht dazu da, dass sie Wirklichkeit werde, sondern sie sei dazu da, dass sie einem eine Handlungsmöglichkeit oder eine Handlungsrichtung in der Gegenwart gebe, so Ludewig. „Und wir haben uns gefragt: ‚Wie könnten wir das nutzen, wie könnten wir sozusagen einen Entwurf machen?‘ Die führte zu der Idee zu sagen: ‚Naja, wenn die kommende Gemeinschaft nie kommen darf, dann kann sie doch wenigstens mal temporär Asyl erhalten.‘ Das ist der eigentliche Überlegungsweg, der hinter dem Begriff ‚Asyl‘ steht, lange bevor die ganze Asyl-Debatte losging und sich zuspitzte, so Ludewig und weiter:.“Asyl ist erstmal etwas ganz Tolles, ein Zufluchtsort, ein Übergangsort, ein Transit-Ort. Das ist der einzige Ort des Neubeginns. Das ist ja eben ein gute Ort, an dem man Asyl findet.“, so Ludewig.

Die sechs Neu-Produktionen

Sechs Neuproduktionen werden derzeit vor Ort entwickelt, mit den international bekannten Residenzkünstlern Rabih Mroué, Dries Verhoeven, Thomas Bellinck, Tiago Rodrigues, Georgia Sagri, Ingo Niermann, Margarita Tsomou, Arkadi Zaides u. a. sowie weiteren. Die Idee ist, dass die Produktionen nicht im Theaterbau stattfinden, sondern in die Stadt hineingetragen werden und an vielen Orten „Asyl“ erhalten sollen, etwa im Alten Gericht, in der Anglikanischen Kirche, im Museum. im Theaterladen als Gemeinschaftszentrum usw. Der Name Asyl habe sich schon eingebürgert als Keimzelle für etwas, was später mal größer werden soll, und sich hier über die Stadt wie so ein Netzwerk von verschiedenen Orten spannen möge, erläuterten die Kuratoren.

Sich öffnen für die Stadtgesellschaft

„Wir wollen gleichzeitig aber auch versuchen,“ so Ludewig, „hier eine wirkliche Gemeinschaft mit unserem Publikum, mit unseren Künstlern um dieses 10 Tage-Festival zu leben.“ Es ginge nicht nur darum, künstlerische Projekte in die Stadt hinaus zu tragen, sondern auch um die Frage, inwiefern nicht schon das Festivalpublikum, die Künstler und alle, die hierbei „ineinander laufen, einander begegneten“ schon so etwas wie eine utopische Gemeinschaft seien, gemeinsam die Kunst wahrzunehmen. Und ihnen soll auch der Theaterladen (zwischen Kolonnaden und ehemaligem Café Wagner) Asyl (Begegnungsort) sein.

Utopia institutionell gedacht

Was braucht man für eine kommende Gemeinschaft? Jede Gemeinschaft besteht aus Institutionen. „Und wenn man Institutionen neu denkt, kann man auch eine Gemeinschaft neu denken, führt Maria Magdalena Ludewig in die Grundüberlegungen der Produktionsplanungen ein: „Das heißt: wir haben uns mit Künstlern zusammengesetzt und überlegt. wie  wir die Institutionen einer kommenden Gemeinschaft zusammen gründen können? Wie kann ein Künstler eine Institution, einen neuen Raum, einen neuen Rahmen und eine Idee davon entwickeln?“ Ganz unterschiedliche Projekte seien dabei herausgekommen, einige, die es schon mal gegen hat, andere Projekte, die absolut neu entwickelt werden,“bei denen wir noch gar nicht wissen, wo das Fertige hingeht“. Aber es ist ja auch noch ein wenig Zeit bis Ende August nächsten Jahres.

Dem Sterben imaginärer Werte, Gedanken, Geschichte etc. einen würdigen Rahmen verleihen
Dries Verhoeven (Niederlande), geboren 1976, arbeitet gemeinsam mit dem Autor Julian Pörksen (Deutschland), geboren 1985. Er wird sich ums imaginäres Abschiednehmen von Vorteilen, Werten usw. kümmern. Dazu entwickeln Dries und Pörksen zehn groß angelegte, sogenannte Beerdigungszeremonien, die täglich während des Theaterfestivals in der anglikanischen Kirche St. Augustine stattfinden werden. Welche „Werte“ beerdigt werden, steht noch nicht fest: Ist es beispielsweise an der Zeit, „uns von der ‚multikulturellen Gesellschaft‘ zu verabschieden? oder vom ‚Wohlfahrtsstaat‘ oder von der Idee des ‚Europäischen Gedanken’? Verhoeven orientiert sich mit großer Ernsthaftigkeit an christlichen Ritualen und schafft es, ganz unironisch den Blick auf »sterbende« Konzepte unserer Zeit zu lenken. 10 Tage lang wird es  mehrmals täglich zu einem thematischen Schwerpunkt  Beerdigungen geben! Verhoeven arbeitet als Performer, Theatermacher und Bildender Künstler. Seine groß angelegten Installationen, Performances und Happenings werden auf den wichtigsten europäischen Festivals gezeigt und fordern in ihrer radikalen Zuspitzung dazu heraus, den eigenen Standpunkt in Prozess der kollektiv produzierten Narration unserer Gesellschaft zu hinterfragen.

Das fiktive Museum »Domo de Eŭropa Historio en Ekzilo«.als Parodie im Alten Gericht Wiesbaden
Spannend verspricht auch Thomas Bellinck fiktives Museum als „Parodie auf das europäische Haus der Geschichte“ in Brüssel zu werden. Der Belgier wurde 1983 geboren und ist einer der bemerkenswertesten jungen Regisseure und Künstler Belgiens. Seine Arbeiten fallen durch sehr präzise Analysen der Wirklichkeit auf, die er in unterschiedlichste künstlerische Formate umsetzt. Im Rahmen des »Asyls des müden Europäers« entwirft Bellinck im »Alten Gericht« in Wiesbaden ein fiktives Museum: das »Domo de Eŭropa Historio en Ekzilo«. Aus dem Jahr 2021 blickt es auf den Zusammenbruch Europas zurück. Mit großer Liebe zum Detail entwirft Bellinck die Erzählung vom Untergang einer politischen Idee. »Dome de Eŭropa Historio en Ekzilo« entstand ursprünglich am KVS in Brüssel und wurde bei den Wiener Festwochen 2014 gezeigt. In Kooperation mit dem Onassis Centre wird eine Neuerarbeitung entwickelt, die 2016 in Athen und Wiesbaden gezeigt werden wird.

Grandhotel im prunkvollen Foyer des Theaters

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Theater-Foyer © massow-picture

Besonders originell und auf viel Interesse dürfte das im prunkvollen Theater-Foyer improvisierte Grandhotel stoßen.
Wiesbadenerinnen und Wiesbadener sowie ihre Gäste sind eingeladen, die Stadt und ihre Gemeinschaft durch den Blick der Künstlerinnen und Künstler neu zu entdecken: als Übernachtungsgäste im temporären Grandhotel im Foyer des Theaters als aktiv Beteiligte an einem der Projekte oder als Zuschauerinnen und Zuschauer der zahlreichen Veranstaltungen an besonderen Orten in der Stadt.
Ab 1. Dezember 2015 können Interessenten das Goldene Wellness-Ticket für 80 Euro und das Goldene Wellness Ticket de lux für 100 Euro zur Übernachtung im Foyer-Grandhotel an der Kasse des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden erwerben. Darin enthalten sind neben Tickets für vier Gastspiele ein Gemeinschafts-Frühstück, jeweils ein Bettgestell mit Matratze und Bettzeug (Feldbetten seien angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsdramatik unangemessen). Delux-Bucher genießen zudem mehr Privatsphäre durch zusätzliche Sichtschutzwänden.

Zwei Formate im Campus
Darüber hinaus wird es im Rahmen der Wiesbaden Biennale wieder einen Campus mit internationalen Studierenden und mit der »Academy of Translations« eine interkulturelle Plattform für Übersetzung und Sprache geben.

Tickets

Karten sind ab den o. g. Zeitpunkten an der Theaterkasse, telefonisch unter 0611. 132 325 oder auf www.staatstheater-wiesbaden.de sowie weitere Informationen auf www.wiesbaden-biennale.de erhältlich

Vortrag „Ethik und Klimagerechtigkeit“ am 2. Dez. im Senckenberg-Forschungszentrum Frankfurt

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Beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels geht es auch um globale Gerechtigkeit: Welche Ansprüche haben die ohnehin ärmeren Länder, die unter einer ungebremsten Erderwärmung am meisten leiden würden? Eine globale Klimapolitik darf sich nicht darauf beschränken, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen. Sie muss vielmehr zugleich die Bekämpfung der Armut im Blick behalten. Der Klimawandel wirft eine Reihe zunehmend wichtiger moralischer Probleme auf, denen politisch begegnet werden muss.
Darrel Möllendorf ist einer der international einflussreichsten
politischen Philosophen, sein Forschungsschwerpunkt sind unter anderem Fragen globaler Gerechtigkeit.

Referent: Prof. Dr. Darrel Möllendorf, Goethe-Universität Frankfurt
Datum: Mittwoch, 2. Dezember, 19:00 Uhr
Ort: Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), Georg-Voigt-Straße 14, 60325 Frankfurt.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Der Klimawandel und seine Folgen –
Frankfurter Forum zur UN-Klimakonferenz 2015″, die Senckenberg gemeinsam mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), dem Fachzentrum Klimawandel des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie und der Transferstelle für Klimaschutz und Emissionshandel Hessen organisiert.

Weitere Termine:

Dienstag, 8. Dezember 2015
Auswirkungen des globalen Klimawandels auf Hessen
Dr. Heike Hübener, Hessisches Fachzentrum Klimawandel im
Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie

Dienstag, 15. Dezember 2015
Klimawandel und -politik in globaler Perspektive
Prof. Dr. Christian-D. Schönwiese, Goethe-Universität Frankfurt

1848: Auf den Spuren einer deutschen Revolution – Stadtrundgang rund um die Paulskirche am 3. Dez. 2015

Stadtgang mit Hannes Pflügner rund um die Paulskirche auf den Spuren der deutschen Revolution 1948
(pia) Stadtgänger erleben Frankfurt am Donnerstag, 3. Dezember, als wichtigen Ort im Kampf um die erste deutsche Demokratie. Die Frankfurter Paulskirche als Ort der Zusammenkunft der ersten frei gewählten Nationalversammlung gilt als „Wiege der Demokratie“. Der Stadtgang mit Hannes Pflügner macht aus geschichtlichen Daten ein erlebtes Nachspüren der deutschen Revolution in Frankfurt. Los geht es um 17 Uhr, Treffpunkt die das Foyer des Historischen Museums. Die Teilnahme kostet sechs Euro.

Überall in Frankfurt kann man dem Verlauf der Revolution und dem Wirken der ersten Nationalversammlung nachspüren. Im rekonstruierten Palais Thurn und Taxis beispielsweise tagte von 1816 bis 1866 der Bundestag des Deutschen Bundes. Das während des Zweiten Weltkrieges stark beschädigte Palais wurde im Zuge der Neukonzeption des gesamten Areals nach Originalplänen wieder aufgebaut. Auch der als Treffpunkt für die liberalen Parlamentarier geschaffene Salon der politisch interessierten Frankfurterin Clotilde Koch-Gontard kann im Zuge des Stadtgangs bewundert werden. Sie war enge Vertraute von Heinrich Freiherr von Gagern, dem ersten Präsidenten der deutschen Nationalversammlung und unterhielt ein Parlamentstagebuch mit Einsichten in die Debatten. Neben den politischen Wirkungsstätten wird im Rundgang durch die Stadt auch das literarische Frankfurt erkundet.

Weg frei für den Bau der Goethehöfe und des Romantikmuseums in Frankfurt

Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli, derzeit im Geothe-Haus Frankfurt  dürfte ins geplante Romantikmuseum umziehen.© Frankfurter Goethe-Haus
Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli, derzeit im Geothe-Haus Frankfurt, dürfte wohl ins geplante Romantikmuseum umziehen.© Frankfurter Goethe-Haus

(pia) Bürgermeister Olaf Cunitz hat am 27. November eine Magistratsvorlage unterzeichnet und in den parlamentarischen Geschäftsgang gegeben, die den Weg frei macht für den Bau der sogenannten Goethehöfe und des Romantikmuseums in der Frankfurter Innenstadt. Mit der Vorlage wird sowohl der Verkauf städtischer Grundstücke am Großen Hirschgraben 17 als auch die Vergabe eines Erbbaurechts für die Flächen am Großen Hirschgraben 19-23 in die Wege geleitet.
„Durch die Bebauung des Kauf- und des Erbbaugrundstücks kann in diesem wichtigen innerstädtischen Quartier ein bauliches Ensemble entstehen, dass sich um einen Innenhof gruppiert, an den nördlich das Goethehaus angrenzt“, beschreibt Cunitz das Konzept. „Es ist eine besondere Form der Konversion, mit der bisherige Büroflächen in einen außergewöhnlichen Ort umgewandelt werden, der durch seine Mischung aus Kultur, Wohnen und Gastronomie sowohl für Frankfurter als auch für Gäste hochattraktiv sein wird.“

Beide Areale gehen – entsprechende Beschlüsse des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung vorausgesetzt – an die ABG Frankfurt Holding, die auch die Bebauung errichtet. Am Großen Hirschgraben 17 wird eine neue Wohnbebauung realisiert. Der bestehende Cantate-Saal, ein Veranstaltungsraum für Theateraufführungen, wird dabei in diese Bebauung integriert. Das bereits zugunsten der Frankfurter Aufbau AG (FAAG) bestehende Erbbaurecht wird von der ABG übernommen und der Bestand des Cantatesaals durch eine Dienstbarkeit für die Stadt Frankfurt abgesichert. Am Großen Hirschgraben 19-23 wird das Romantikmuseum errichtet. Die Grundstücke hierfür bleiben im Eigentum der Stadt Frankfurt, die nun ein Erbbaurecht für die ABG bestellt, das nach Fertigstellung des Museums von der ABG an den Träger des Museums, das Freie Deutsche Hochstift, übertragen werden wird.

Der Kaufvertrag umfasst eine Fläche von knapp 1.500 Quadratmetern mit einem Kaufpreis von rund 3,3 Millionen Euro. Damit verbunden ist eine Bauverpflichtung zur Errichtung eines Wohngebäudes mit Gastronomienutzung im Erdgeschoss binnen vier Jahren nach Vertragsabschluss. Der Erbbauvertrag umfasst eine Fläche von rund 660 Quadratmetern, die für eine Laufzeit von 99 Jahren für einen symbolischen Erbbauzins von einem Euro im Jahr zum Zweck des Baus des Romantikmuseums vergeben wird. Auf die Erhebung eines marktüblichen Erbbauzinses wird so lange verzichtet, wie die Flächen ausschließlich im Sinne der gemeinnützigen Aufgaben des Freien Deutschen Hochstifts genutzt werden. Es gilt eine Bauverpflichtung zur Errichtung eines Museumsgebäudes binnen vier Jahren nach Vertragsabschluss. Der gemeinsame Zugang zu den beiden Liegenschaften wird durch gegenseitige Grunddienstbarkeiten beziehungsweise Baulasten gesichert.

„Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ – einzigartige Ausstellung zur wechselvollen Mainzer Baugeschichte im Landesmuseum ab 27.11.2015

Den Auftakt bildet eine große Schauwand (40 Quadratmeter) mit einem Panoramafoto der Rheinfront von Mainz. Anhand der wichtigsten historischen Stadtpläne seit 1575 können die Besucher die Veränderung des Stadtgrundrisses nachvollziehen. © massow-picture
Den Auftakt bildet eine große Schauwand (40 Quadratmeter) mit einem Panoramafoto der Rheinfront von Mainz. Anhand der wichtigsten historischen Stadtpläne seit 1575 können die Besucher die Veränderung des Stadtgrundrisses nachvollziehen. © massow-picture

Am heutigen Donnerstag, 26. November 2015, 20.00 Uhr, findet die Eröffnung der Sonderausstellung „Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ (vom 27.11.2015 bis 6.11.2016)  in der Kirche St. Peter (Petersstraße 3) mit anschließender Vernissage im Landesmuseum Mainz (Große Bleiche 49-51) in Beisein von Oberbürgermeister Michael Ebling statt. Mit dieser Ausstellung begibt sich die Landesdenkmalpflege und das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) auf stadthistorische Spurensuche. Jedem Themenschwerpunkt werden durchschnittlich fünf Exponate gewidmet.

Neu ist: Nicht sämtliche Ausstellungsstücke werden auf einmal gezeigt: Neben der Entwicklung rund um den Dom und der Liebfrauenkirche liegen die Schwerpunkte bis Mitte Mai auf: St. Peter, St. Ignaz, Gutenbergplatz mit Dompropstei und Theater, Bischofspalais, Holzturm und Löhrsches Haus, Haus zum Korb sowie Fischtorplatz bilden die weiteren Themen des ersten Halbjahrs.
Zur Halbzeit der Ausstellung, ab dem 26. Mai 2016 gibt es einen Szenenwechsel: Jetzt lösen die  Altmünsterkirche, Johanniskirche, St. Christoph, Kronberger Hof, Schönborner Hof, Ludwigstraße und Neubrunnenplatz die Themen der ersten Ausstellungshalbzeit ab.

Modell St. Martin, Dom zu Mainz, © massow-picture
Modell St. Martin, Dom zu Mainz, © massow-picture

Der Dom, das ehemalige kurfürstliche Residenzviertel mit dem Schloss, der Markt und das Landesmuseum sind die vier Kern-Themen, die  kontinuierlich während der gesamten Laufzeit bis zum 6.11.2016  präsentiert werden.

Darüber hinaus wird es während des gesamten Ausstellungs-Jahres ein breites Begleitprogramm geben, unter anderem auch Exkursionen: Beispielsweise werden ausgehend von einem Exponat der Ausstellung denkmalaufsuchende Stadtrundgänge angeboten, um die heutige Situation zu erleben und zu erörtern. Zudem können Schüler, Studenten und auch interessierte Laien mit Stift und Papier bei kreativen Stadtrundgängen am „Urban Sketching“ teilnehmen und unter fachlicher Anleitung des Fachbereichs Architektur der Hochschule Mainz (Prof. Emil Hädler) an ganz unterschiedlichen Orten Stadtansichten skizzieren .

Die Ausstellungsabschnitte

Die Ausstelltung „Mainz – ein Blick, viele Ansichten“ startet mit einer 40 Quadratmeter großen Schauwand   in der Arkade des Landesmuseums mit einem Panoramafoto der Rheinfront von Mainz. Anhand der wichtigsten historischen Stadtpläne seit 1575 können die Besucher die Veränderung des Stadtgrundrisses auf einen Blick nachvollziehen, bevor sie sich den einzelnen bauhistorischen Abschnitten, beginnend im Schellbau, zuwenden.
Dort werden „zwölf Baudenkmäler und Denkmalbereiche“ der sich in den vielen Wirren der ständige veränderendenRheinmetropole aus ganz unterschiedlichen Blick- und Zeitperspektiven gezeigt .

Erklärende Textwand © massow-picture
Erklärende Textwand © massow-picture

Der Rundgang im Schellbau beginnt mit einer erstmaligen Zusammenstellung der ältesten Stadtansichten des 16. und 17. Jahrhunderts, die sich im Original z.B. als Buchschmuck, als Wandmalerei (in Rüdesheim) oder auf einem gotischem Flügelaltar (Kirchbrombach, Odenwald) finden.

Die dann beginnende Abfolge der Themen richtet sich nach der Ausstellungsarchitektur: das zweite Kabinett etwa enthält drei Themen (Alte Dompropstei, Gutenbergplatz, Staatstheater), während dem Dom als prominentestem Baudenkmal der größte Platz eingeräumt wird. Aus allen vier Himmelsrichtungen wird der Blick auf die Kathedrale und ihre teils noch vorhandene, teils verlorene umgebende Bebauung geworfen.

Ein aktuelles Foto (Jürgen Ernst, Landesdenkmalpflege), entstanden unter Tageslichtbedingungen und ohne weitere Nachbearbeitung, bildet jeweils den Ausgangspunkt der Präsentation; mit Archivfotografien und weiteren historischen Ansichten wird dann der Wandel – oder die Konstanz – der einzelnen Baudenkmäler nachgezeichnet. Der Dom ist erwartungsgemäß bis heute das meist dargestellte Baudenkmal in Mainz; die Ausstellung versammelt hier die verschiedensten Medien: Fotografie, Malerei, Zeichnung, Druckgrafik sowie Dreidimensionales wie Korkreliefs, Architekturmodelle und Skulptur.

Die unmittelbare Nachbarschaft von Exponaten rein dokumentarischen Charakters und Kunstwerken, die zunächst auf eine ästhetische Strahlkraft abzielen, führte bei den Vorbereitungen zu interessanten Diskussionen zwischen den kuratierenden Denkmalpflegern und den Museumsmitarbeitern, in diesem Fall die einen wie die anderen fast alle Kunsthistoriker. Beim Ausstellungsaufbau hat sich erwiesen, dass diese Nachbarschaft der heterogenen Exponate gut „funktioniert“, dass sie spannungsreich ist. Die Fragen und Vorschläge der Ausstellungsgestalter formfellows (Frankfurt/M.) gaben hier noch einmal wichtige Impulse bei der Umsetzung des Konzepts in das Medium der Ausstellung.

Dr. Joachim Glatz, ehemaliger Direktor Landesdenkmalpflege, GDKE, und Kurator der Ausstellung erläutert während eines Presserundganges die Veränderung der Situation um das Löhrsche Haus.  © massow-picture
Dr. Joachim Glatz, ehemaliger Direktor Landesdenkmalpflege, GDKE, und Kurator der Ausstellung erläutert während eines Presserundganges die Veränderung der Situation um das Löhrsche Haus. © massow-picture

Der bis heute prominente Holzturm, der u.a. von William Turner gemalt wurde (Sonderpräsentation seines Aquarells von Mitte Dezember bis Ende Februar) setzt den Rundgang fort; von dem einst ihm benachbarten Löhrschen Haus konnte bei dessen Abriss eine mächtige Skulptur des barocken Fassadenschmucks geborgen werden, die erstmals ausgestellt wird.
Ein größeres Kabinett ist wiederum dem Kurfürstlichen Schloss gewidmet, das in den letzten 250 Jahren als Residenz, Warenlager, Museum, „Gute Stub‘ von Mainz“ und Tagungsort gedient hat; im Mittelpunkt steht hier das Modell von 1960 (Konzeption: Karl-Heinz Esser, Ausführung Robert Schmitz), das zwischen den noch bestehenden bzw. wiederaufgebauten Palais (Zeughaus, Deutschhaus, Schloss) die abgängigen Bauten des einstigen Residenzviertels vor Augen führt (Schlosskirche, Hofkanzlei, Martinsburg).

Es folgen die Baudenkmäler St. Ignaz, Haus zum Korb, ehemaliges Bischofspalais. Letzteres ist wie das Löhrsche Haus ein von der damaligen Denkmalpflege als erhaltenswert und -fähig eingestuftes, kriegsbeschädigtes Baudenkmal, das 1961 dem Bau eines Parkhauses wich.
Die Gebäude des heutigen Landesmuseums und der Eltzer Höfe sind u.a. wiederum mit einem Modell im Zustand um 1790 vertreten.

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Das abschließende Kabinett ist der Geschichte und der Gegenwart der Denkmalpflege gewidmet. Eine Bücherwand nimmt Schrifttum aus 200 Jahren offizieller (staatlicher und städtischer) Denkmalpflege auf, also die Ergebnisse denkmalpflegerischer Tätigkeit, soweit sie in Buchform darstellbar sind. Monatlich wechselnd wird hier zusätzlich aus der gegenwärtigen Praxis ein aktuelles Denkmal vorgestellt. Eine wandfüllende Projektion zeigt im Wechsel sämtliche Themen, die vom 27. November 2015 bis zum 6. November 2016 präsentiert und aufbereitet werden.
An geeigneten Orten im Landesmuseum finden sich während der Laufzeit der Ausstellung Werke zeitgenössischer Kunst, die sich mit der Stadtgestalt oder dem Leben in einer historischen Stadt beschäftigen.

Mainz – ein Blick, viele Ansichten versteht sich bewusst als „work in progress“, auch deshalb, weil hier das bewahrende Potential auf die tägliche Herausforderung der Denkmalpflege in der Praxis trifft.
Begleitprogramm und Vermittlungsangebote sind auf diese Spannung ausgerichtet und beziehen daraus ihre konzeptionellen Ansätze.

Einzigartige Mineraliensammlung in einer spektakulären Neupräsentation ab 29. Nov 2015 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

© Hessisches Landesmuseum Darmstadt
© Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Erstmals nach 25 Jahren ist die einzigartige Mineraliensammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt in einer spektakulären Neupräsentation wieder zu sehen. Ab Sonntag, dem 29. November 2015, 12 Uhr, ist sie für das Publikum geöffnet.

Die Mineralogische Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt geht als eine der ältesten Sammlungen aus dem großherzoglichen „Naturalien Cabinett“ hervor. Großherzog Ludewig I. begann schon als Erbprinz mit dem Aufbau einer eigenen Sammlung. Die Sammeltätigkeit seiner Mutter Karoline (1721-1774), die „Große Landgräfin“, scheint ihn dabei inspiriert zu haben, denn er baute auf ihrem Bestand auf. In der Zeit zwischen 1802 bis 1811 wurden für 4300 Gulden Mineralien-Sammlungen angekauft u.a. die des Baron von Hüpsch, des Mineralogen von Klippstein, des Bergrates Emmerling und des Münzmeisters Fehr. Nach dem Tode des Barons von Hüpsch 1805 gelangte seine restliche Mineralien-Sammlung aus Köln als Nachlass an das Großherzogliche Museum.

Die Mineraliensammlung wird bis heute ständig erweitert, derzeit umfasst sie eine beachtliche Anzahl von ca. 33.000 Objekten. Den Auftakt für die gezielte Erweiterung der Mineraliensammlung bildete 1995 der Erwerb der Sammlung Paul Ruppenthal. Vorangegangen war die sehr erfolgreiche Sonderausstellung „Faszination Edelstein“ 1993, wobei die Kontakte zur Firma Ruppenthal geknüpft wurden. Den besonderen Wert der Sammlung zeichnet die große Anzahl wissenschaftlicher Raritäten aus, die zugleich auch ästhetische Kostbarkeiten sind und somit „Juwelen der Natur“ darstellen.

Im Jahr 2002 wurde mit der Unterstützung der Freunde des Landesmuseums Darmstadt e.V. der Ankauf der Sammlung von Hans Ecker realisiert, die unter anderem viele Altfunde aus dem Odenwald enthält. Im Jahr 2004 ist dem Museum die Sammlung Theo Schmitt geschenkt worden, die hauptsächlich Mineralien aus dem europäischen Ausland enthält. 2007 konnte eine 16 kg schwere Silber-Großstufe aus dem Odenwald angekauft werden. Silberfunde in dieser Größenordnung sind absolut selten.

2010 konnte eine hochkarätige, mehr als 4000 Mineralien umfassende Sammlung aus dem Odenwald erworben werden, auch hierbei unterstützten uns die Freunde des Landesmuseums Darmstadt e.V. Diese Sammlung ergänzt unsere vorhandenen Bestände in hervorragender Weise, da wir vor allem historische Aufsammlungen aus dem Odenwald besitzen, hierbei aber die meisten Funde aus der Zeit ab ca. 1965 stammen. 2012 ist eine Mikromount-Sammlung aus Reichenbach erworben werden, Reichenbach ist neben Nieder-Beerbach, Mackenheim und Auerbach der bekannteste Fundort im Odenwald. Mit dem Erwerb dieser weiteren regionalen Sammlung von ca. 900 Spitzenstufen, bestehend aus 110 verschiedenen Mineralarten, konnte unsere Odenwald Sammlung komplettiert werden.

© Hessisches Landesmuseum Darmstadt
© Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Das HLMD ist damit im Besitz einer der wichtigsten Belegsammlungen für den Odenwald, da inzwischen sehr viele Steinbrüche in der Region stillgelegt wurden. Wir sehen uns verpflichtet, wichtiges und unersetzliches geowissenschaftliches Referenzmaterial zu erhalten, das die Grundlage heutiger geochemischer Forschung bildet. Da der Bergbau erloschen ist und durch Rekultivierung kaum noch Material zugänglich ist, sind gerade diese historischen Sammlungen unersetzlich. Der Odenwald mit seinem Areal von rund 2500 km² ist mit über 400 Mineralarten aus etwa 70 Fundorten reich an Mineralienfundstellen. Diese Anzahl entspricht etwa 10 % der weltweit vorkommenden Mineralarten.

In ungewöhnlicher Weise präsentiert die neue 16 m lange und 4 m hohe Vitrine, die einer Gesteinskluft nachempfunden ist, mehr als 850 funkelnde Mineralien aus der ganzen Welt. Im ersten Sammlungsschwerpunkt wird eine Auswahl von 12 Fundorten des Odenwaldes mit ihren typischen Mineralien gezeigt. Dazu gehören beispielsweise die Maganerz-Vorkommen von Wald-Michelbach, Barytvorkommen von Ober-Ostern, die Marmore aus Auerbach oder die Silber- und Kobalt-Vererzungen aus Nieder-Beerbach. Die klassische Systematik der Mineralien wird im zweiten Sammlungsbereich durch Mineralien der Sammlung Paul Ruppenthal veranschaulicht. Ausziehbare Schubladen an der Vitrine geben dem Besucher weiterführende Informationen über verschiedene Aspekte wie Klassifikation von Mineralien, Kristalleigenschaften sowie über Vorkommen und Verwendung von Mineralien.

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

SWRlive – Theater-Kabarett zur Erinnerung an Hanns Dieter Hüsch am 4.Dez 2015

Holk Freytag als Hüsch (auch Regie), Irmgard Haub und  Autor des Stücks, Jürgen Kessler. © SWRlive
Holk Freytag als Hüsch (auch Regie) und Autor des Stücks, Jürgen Kessler. © SWRlive Foto: Heike Rost

Freitag, 4.12., 19 Uhr
Theater-Kabarett im Foyer
„Und sie bewegt dich noch!“
Ein Bühnenstück zur Erinnerung an Hanns Dieter Hüsch

„Und sie bewegt dich noch!“ ist eine Erinnerung an den im Dezember 2005 verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, eine Hommage an den Menschenfreund vom Niederrhein, der mehr als vierzig Jahre in Mainz lebte.
Mit Originaltexten, Zitaten und eingestreuten Liedern setzt sich das Stück mit dem kritischen Menschen und Poeten Hüsch auseinander.
Ein Abend mit Holk Freytag als Hüsch (auch Regie), Irmgard Haub und dem Autor des Stücks, Jürgen Kessler. Am Flügel: Markus Schönberg

SWRlive! im Foyer des SWR Funkhauses Mainz, Am Fort Gonsenheim 139, 55122 Mainz.
Einlass: 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn; Eintritt frei;
Infotelefon: 06131/929-32244; swrlive@swr.de; www.swr.de/swrlive

Sigrid Zeevaert liest am 10. Dez 2015 im Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden

© Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden
© Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden

Im Rahmen der neuen Themenreihe „Die Sache mit der Wahrheit“ des Jungen Literaturhauses liest die Autorin Sigrid Zeevaert am Donnerstag, 10. Dezember, um 10.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, aus ihrem Roman „Gehen, immer weiter“. Die Lesung ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V. – und wird von Klaus Krückemeyer, hr3, moderiert.

In dem Roman lernen sich zwei Sechszehnjährige, Edvard und Luis, näher kennen, als sie gemeinsam ein Referatsthema bearbeiten sollen. Luis bekommt schnell mit, dass es bei Edvard, der neu in der Klasse ist, zu Hause anders ist als bei ihm. Edvard lebt total abgeschottet mit seiner Mutter in einem heruntergekommenen Haus. Er hat ein Geheimnis, das ihn sehr belastet. Luis ist sich unsicher; soll er mehr nachfragen oder gar etwas unternehmen? Zu spät erkennt er, wie sehr Edvard seine Hilfe bräuchte.

Zeevaert ist 1960 in Aachen geboren und begann während ihres Lehramtsstudiums mit dem Schreiben, dem sie sich bald ganz widmete. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher, die übersetzt und ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Friedrich-Bödecker-Preis 2006.

Die Lesung ist eine geschlossene Veranstaltung für Schulklassen und kostet zwei Euro Eintritt. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 0611 3086365 oder im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Lesungen mit Claude De Demo u. Oleg und Daniel Jurjew am 4. u. 10. Dez 2015 im Literaturforum im Mousonturm Frankfurt

Zofia Posmysz: „Die Passagierin“ Lesung mit Claude De Demo
Claude De-Demo  ©  Foto: Birgit Hupfeld
Claude De-Demo © Foto: Birgit Hupfeld

Freitag, 4. Dezember 2015, 20 Uhr:
Zofia Posmysz: „Die Passagierin“
Lesung mit Claude De Demo

15 Jahre nach Kriegsende befindet sich Lisa mit ihrem Mann Walter auf einer Überfahrt nach Südamerika, wo Walter eine Stelle als deutscher Botschafter annehmen soll. An Bord entdeckt sie eine Passagierin, die sie sofort zu erkennen glaubt: Könnte es sich bei der Frau um die totgeglaubte Martha handeln, eine KZ-Inhaftierte, die Lisa, einer Aufseherin, unterstellt war? Lange verdrängte Erinnerungen werden lebendig: In Rückblenden reflektiert sie ihr altes Leben, jenes als KZ-Wärterin, die ein perfides Spiel aus Nähe und Distanz, aus Zuneigung und Manipulation zu Martha pflegte.

Zofia Posmysz war selbst Auschwitz-Überlebende und verarbeitete die Idee, nach Kriegsende jener Wärterin zu begegnen, die sie einerseits quälte, die andererseits aber auch eine schützende Hand über sie hielt, zunächst in dem Hörspiel Die Passagierin, später auch im gleichnamigen Roman. Es folgten eine Verfilmung sowie schließlich eine Oper, die 2015 auch in Frankfurt aufgeführt wurde. An diesem Abend liest Claude De Demo, lange Zeit festes Mitglied im Ensemble des Schauspiels Frankfurt, aus Zofia Posmyszs Roman.

Organisation: Samuel Weinberger

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 15,-/12,-

Anna Radlowa: „Tatarinowa. Die Prophetin von St. Petersburg“ Lesung mit Oleg und Daniel Jurjew
Anna Radlowa, © Literaturforum  Mousonturm
Anna Radlowa, © Literaturforum Mousonturm

Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20 Uhr:
Anna Radlowa: „Tatarinowa. Die Prophetin von St. Petersburg“
Lesung mit Oleg und Daniel Jurjew

Russland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Gemeinsam mit den westlichen Alliierten hat der Zar Napoleon besiegt. Doch im Inneren des Landes droht noch Gefahr: Geheimgesellschaften wie die Skopzen werden als Bedrohungen für den Staat angesehen und verboten. Die Novelle folgt Tatarinowa, einer Vorsteherin einer dieser Gruppen, in denen religiöse Eiferer sich zusammenfinden, Enthaltsamkeit predigen, sich gar selbst kastrieren, um mit Hilfe ihres Glaubens für geistige Reinheit und gegen menschliches Leid zu kämpfen.

Es ist eine so faszinierende wie abstoßende Welt, in die die Leser der Novelle Tatrinowa. Die Prophetin von St. Petersburg der russischen Autorin Anna Radlowa eintauchen. 1931 verfasst, lag der Text der 1949 in einem Arbeitslager verstorbenen Radlowa über Jahrzehnte im Giftschrank und wurde erst Ende der 1990er wiederentdeckt. In der Übersetzung Daniel Jurjews und mit einem einordnenden Nachwort von Oleg Jurjew liegt dieses Kleinod der St. Petersburger Literatur nun auch erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,-

Ein Abend für Harry Oberländer. Abschiedsfeier

Freitag, 18. Dezember 2015, 20 Uhr:
Von Abschieden und Neuanfängen. Ein Abend für Harry Oberländer.

30 Jahre lang hat Harry Oberländer die Geschicke des Hessischen Literaturforums zunächst als Mitarbeiter und später als Geschäftsführer mitbestimmt – am Ende des Jahres fügt er seinem Leben ein neues Kapitel hinzu, nämlich das des Ruheständlers.
Zahlreiche Überraschungsgäste haben sich für den Abend angekündigt, um diesen Abschied gebührend zu feiern – Namen nennen wir nicht, sonst wären es ja keine Überraschungen mehr, aber Hinweise können wir geben: Mit dabei sind u.a. Büchner-, Bachmann- und Huchel-Preisträger, ehemalige Stadtschreiber aus Bergen und viele, viele Trägerinnen und Träger der Frankfurter Goetheplakette. Anschließend laden wir alle Gäste ein, bei Wein und den Köstlichkeiten eines opulenten Buffets mit uns zu feiern.

Ebenfalls verabschieden werden wir uns vom Literaturforum, so wie Sie es kennen – denn Anfang kommenden Jahres werden wir unsere Tore für einige Wochen schließen und für Sie renovieren. Da Renovierungen immer auch Geld kosten, würden wir uns über Unterstützung in Form großzügiger Spenden sehr freuen.

Um Reservierung bis zum 11. Dezember unter malte.kleinjung@hlfm.de oder 069 – 2444 9941 wird gebeten.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: frei

Nach Renovierung öffnet das Literaturforum Mousonturm Anfang März 2016 wieder

Im Anschluss an diese Veranstaltung schließt das Hessische Literaturforum seine Pforten bis Anfang März: Diese Zeit wird das Team nutzen, um „endlich auch unseren Veranstaltungsraum in ästhetischer Hinsicht ins 21. Jahrhundert zu überführen.“