Kategorie-Archiv: Wirtschaftskultur

Kreativszene trifft sich zum 1. Kreativwirtschaftstag Hessens in IHK Frankfurt

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir eröffnet im Plenar-Saal der IHK Frankfurt den 1. Hessischen Kreativitätswirtschaftstag Foto: Diether v. Goddenthow
Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir eröffnet im Plenar-Saal der IHK Frankfurt den 1. Hessischen Kreativitätswirtschaftstag Foto: Diether v. Goddenthow

Das Land verdoppelt in diesem Jahr seine Fördermittel für die Kreativwirtschaft und stellt für die Branche 400.000 Euro zur Verfügung. Das teilte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir heute beim 1. Kreativwirtschaftstag in Frankfurt mit. Rund 600 Teilnehmer diskutierten dort aktuelle Entwicklungen und Trends der Kreativszene. „Diese große Nachfrage hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, freute sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bei der Eröffnung. „Hessen hat eine starke Kreativwirtschaft, die jährlich rund 11,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Mit dieser Veranstaltung wollen wir die Branche weiter stärken, denn wir brauchen kreative Köpfe und kluge Ideen. Unser Ziel ist es auch, dass Hessen noch mehr als Kreativstandort wahrgenommen wird.“

Professorin Dr. Gesa Birnkraut, die durch das Programm führte, interviewt Reinhard Fröhlich, Leiter der Unternehmenskommunikation, der das Plenum im "Herz der Demokratie" herzlich willkommen heißt. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Dr. Gesa Birnkraut, die durch das Programm führte, interviewt Reinhard Fröhlich, Leiter der
Unternehmenskommunikation, der das Plenum im „Herz der Demokratie“ herzlich willkommen heißt. Foto: Diether v. Goddenthow

Hessen sei ein gut funktionierender Kreativstandort, besonders im RheinMain-Gebiet, aber auch in und um Kassel und in Mittelhessen. „Dass das nicht allen in Deutschland und leider auch wenigen Briten bewusst ist, könnte man Imageproblem nennen. Wahr ist aber eben auch, dass Hessen sich erst selbst als Kreativstandort begreifen muss, um auch von anderen als Kreativstandort anerkannt zu werden. Dieser Kreativwirtschaftstag soll dazu beitragen.“

Wirschaftsminister Tarek Al-Wazir rief zu gemeinsamer Haltung und Verantwortung auf. Foto: Diether v. Goddenthow
Wirschaftsminister Tarek Al-Wazir rief zu gemeinsamer Haltung und Verantwortung auf. Foto: Diether v. Goddenthow

Al-Wazir rief die Kreativen außerdem dazu auf, in einer Welt, die zunehmend in Unruhe gerät, Verantwortung zu zeigen. „An unser Handeln müssen wir ethische Maßstäbe anlegen und über die Auswirkungen nachdenken –  ich als Politiker, aber auch Sie als Verleger, Designerin, Architekt, Filmschaffende oder Games-Entwickler. Der Austausch mit Kollegen – wie hier beim Kreativwirtschaftstag – hilft dabei.“

Prominente Sprecher, aktuelle Entwicklungen
Architekt van Bo Le-Mentzel, ein Spitzen-Speaker, wirbt - basierend auf der Hessischen Verfassung -für "Demokratisierung des Designs".  Foto: Diether v. Goddenthow
Architekt van Bo Le-Mentzel, ein Spitzen-Speaker, wirbt – basierend auf der Hessischen Verfassung -für „Demokratisierung des Designs“.
Foto: Diether v. Goddenthow

Das Programm des 1. Kreativwirtschaftstages wurde im Wesentlichen von den hessischen Festivals see-Conference, NODE Forum for Digital Arts, die FRAVR Conference aufgestellt. Prominente Sprecher wie der Ästhetik-Professor Bazon Brock, die Gründerin des DesignFestivals „Salone Satellite“ in Mailand, Marva Griffin Wilshire, der Designer Van Bo Le-Mentzel und der New- Media-Künstler Jeremy Bailey referierten zu aktuellen Fragen der Branche. Schwerpunkte waren neue Trends in den Bereichen Virtual Reality und Design sowie Informationen zum Urheberrecht.

Podium "Bridging The Value Gap" oder: Ein Gespräch über Innovation UND faire Vergütungsmodelle im digitalen Musikmarkt mit: Thorsten Schliesche - Executive Vice President & General Manager Europe bei Napster (Rhapsody Int. GmbH) Anne Haffmans, Head of Domino Recording Deutschland GmbH Jörg Heidemann, Geschäftsführer des VUT, Rechtsanwalt Götz Schneider-Rothhaar (IAEL - International Association of Entertainment Lawyers) Moderation: Christian Riethmüller, Kulturredakteur FAZ Foto: Diether v. Goddenthow
Podiumsgespräch im Ludwig-Erhard-Saal „Bridging The Value Gap“ oder: Ein Gespräch über Innovation UND faire Vergütungsmodelle im digitalen Musikmarkt mit: vl.Jörg Heidemann, Geschäftsführer des VUT, Rechtsanwalt Götz Schneider-Rothhaar (IAEL – International Association of Entertainment Lawyers), Anne Haffmans, Head of Domino Recording Deutschland GmbH, Thorsten Schliesche – Executive Vice President & General Manager Europe bei Napster (Rhapsody Int. GmbH) und Moderator Christian Riethmüller, Kulturredakteur FAZ. Foto: Diether v. Goddenthow
Veranstaltung bindet alle Teilmärkte der Branche ein

„Bei vorangegangenen Foren des Landes für die einzelnen Teilmärkte der Kreativwirtschaft hatten die Teilnehmer den Wunsch nach Veranstaltungen formuliert, die die gesamte Branche zusammenbringt. Genau deshalb haben wir den Kreativwirtschaftstag Hessen ins Leben gerufen“, so Al-Wazir. Der deutschlandweit erste Kreativwirtschaftstag bindet alle elf Teilmärkte ein und bietet den Akteuren der wachsenden Branche eine Plattform für Networking und neue Ideen. Über eine digitale Plattform konnten sich die Teilnehmer passende Gesprächspartner suchen, was von gut 200 Besuchern genutzt wurde.

Veranstalter des 1. Kreativwirtschaftstages waren das Hessische Wirtschaftsministerium, die Geschäftsstelle Kreativwirtschaft bei der Hessen Agentur und die IHK Frankfurt.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen

Die Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt in Hessen rund 70.000 Menschen und ist einer der bedeutendsten Wachstumsmärkte. Sie reicht von der Werbung über Design und Architektur bis zur Buch- und Filmbranche. „Um den umsatz- und wachstumsstärksten Teilmarkt, die Software- und Games-Industrie, weiter zu stärken, prüfen wir derzeit, wie wir die Entwicklung von serious games, also Spielen die etwa zum Lernen eingesetzt werden, und von Computerspiel-Software, die auch in anderen Wirtschaftsbereichen wie der Gesundheits- oder Automobilbranche zum Einsatz kommt, weiter unterstützen können“, so Al-Wazir.

Die Geschäftsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft bei der HA Hessen Agentur GmbH informiert im Auftrag des Landes über Beratungs- und Förderangebote und unterstützt den Austausch innerhalb der Branche sowie die Zusammenarbeit mit Kommunen, Verbänden, Hochschulen und anderen Wirtschaftszweigen.

Siehe auch: Kreative Berufe boomen

Unternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften aufgefordert – IHK Frankfurt am Main hat Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit eingerichtet

Nachhaltiges Wirtschaften ersetzt die Kurzfristigkeitsperspektive durch solides langfristiges ressourcenschonendes, sozial- und umweltverantwortliches Planen und Agieren. ( v.r.) Marlene Haas, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt,Jens Scheller, Geschäftsführer des Freilichtmuseum Hessenpark GmbH,Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt, Eva Marie Bergauer, Leiterin Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit, IHK Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Nachhaltiges Wirtschaften ersetzt die Kurzfristigkeitsperspektive durch solides langfristiges ressourcenschonendes, sozial- und umweltverantwortliches Planen und Agieren. ( v.r.) Marlene Haas, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt,Jens Scheller, Geschäftsführer des Freilichtmuseum Hessenpark GmbH,Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt und Eva Marie Bergauer, Leiterin Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit, IHK Frankfurt am Main stellten heute Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Nachhaltiges Wirtschaften“ vor und präsentierten das Positionspapier der IHK Frankfurt „Nachhaltiges Wirtschaften“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die IHK Frankfurt am Main hat die Mitgliedsunternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften aufgefordert. „Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern ein Konzept, unsere Art zu leben und zu wirtschaften zukunftsfähig zu machen,“ heißt es in einem Positionspapier, das die IHK-Vollversammlung verabschiedet hat.

Der Klimawandel, ein verändertes Verständnis von Wohlstand und dem Umgang mit natürlichen Ressourcen stellen neue Herausforderungen. Auch die Europäische Union verlangt von Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2017 eine Berichterstattung zur Nachhaltigkeit. Große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind direkt, kleine und mittlere Unternehmen über die Zulieferketten indirekt davon betroffen. Beispielsweise können Unternehmen darüber berichten, ob und wie sie sicherstellen, dass die Zulieferer grundlegend Menschenrechte einhalten oder inwieweit bereits Leistungsindikatoren wie etwa Umweltkennzahlen bestimmt wurden.

„Vor diesem Hintergrund haben wir in der IHK Frankfurt einen Prozess angestoßen, um die Aufgabenstellung des nachhaltigen Wirtschaftens für die Unternehmen in unserer Region zu übersetzen“, so Marlene Haas, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt. In einer Arbeitsgruppe, in der Vertreter aller relevanten Branchen beteiligt waren, wurde ein Positionspapier „Nachhaltiges Wirtschaften“ entwickelt. Am 14. Dezember 2016 hat die IHK-Vollversammlung das Papier einstimmig angenommen. Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck. „Unter nachhaltigem Wirtschaften versteht die IHK Frankfurt am Main einen Prozess, in dem Unternehmen ihr Kerngeschäft wirtschaftlich erfolgreich, aber auch sozial und ökologisch verantwortlich, betreiben und dabei ihre gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben“, ergänzt Haas.

In welcher Art und Weise Unternehmen ihre Aktivitäten nachhaltig ausrichten, hängt auch von der Größe sowie den Branchen und Märkten ab, in denen sie agieren. Die Leitfragen, die sich Unternehmen auf dem Weg des nachhaltigen Wirtschaftens zu stellen haben, sind: Was sind die wesentlichen Handlungsfelder, in denen ein Unternehmen Verantwortung übernehmen kann und will? Welche Anspruchsgruppen beeinflussen das unternehmerische Handeln? Warum ist das Unternehmen erfolgreich am Markt und welchen Beitrag wird mit dem Unternehmen am Markt für das Gemeinwohl getan.

„Es ist uns wichtig, Unternehmen Mut zu machen, sich auf den Weg des nachhaltigen Wirtschaftens einzulassen. Dabei ist es ratsam, nicht alles gleichzeitig anzupacken, sondern Wesentliches zu identifizieren und damit anzufangen“, sagt Jens Scheller, Geschäftsführer des Freilichtmuseum Hessenpark GmbH, als Teilnehmer der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Wirtschaften. „Nachhaltigkeit ist nicht nur eine abstrakte Sache, sondern muss auf jede spezifische unternehmerische Situation angepasst werden.“

Jens Scheller fasste  einige mögliche betriebliche „nachhaltige“ Handlungsfelder  unter den Begriffen Markt, Arbeit, Umwelt und Gemeinwesen beispielhaft aus dem Positionspapier „Nachhaltiges Wirtschaften“zusammen:
Im Handlungsfeld Markt könne nachhaltiges Wirtschaften beispielsweise bedeuten, verantwortlich und langfristig eine Lieferkette zu gestalten, beispielsweise „durch Selbstverpflichtungen im Umgang mit Lieferanten und Beachtung der Menschenrechte auch bei Zulieferern“, so Scheller. Weitere Punkte könnten sein: „Beachtung ausformulierter Umwelt- und Sozialstandards und Forderung der Beachtung gleicher Standards bei Zulieferern. Fortwährendes Hinterfragen und Anpassen des eigenen Geschäftsmodels gemessen am Beitrag, den das Unternehmen am Markt für das Gemeinwohl leistet“, sagte der Chef des Hessenparks. Im Handlungsfeld Arbeit könne sich nachhaltiges Wirtschaften darin zeigen, arbeitsrechtliche Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen einzuhalten und vor allem auf Chancengleichheit, Gesundheit, Weiterbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Inklusion zu achten, erörterte Scheller weiter. Ein großes Handlungsfeld sei der ganze Umweltsektor: Zentrale Fragen könnten hier sein, wie stark die Unternehmensaktivitäten für die Umwelt relevant seien, welche Reduktionsziele sich Unternehmen vornehmen könnten und welche Maßnahmen zur Energie- und Ressourcen-Effizienz umgesetzt werden könnten, so Scheller.
Ein weites Feld nachhaltigen Handels eröffnete sich Unternehmen auch im Bereich „Gemeinwesen“. Der Fokus liege in diesem Fall hierauf, Unternehmen in das lokale Umfeld einzubinden. „Idealerweise“, so Scheller, „ist das lokale Engagement mit dem Kerngeschäft verbunden. Ein Beispiel dafür wäre ein Getränkehersteller, der sich für die Bildung der Kinder zum Thema Wasser engagiert oder sich an Standorten im Ausland für den Zugang der Menschen zu sauberem Wasser einsetzt“, sagte Jens Scheller.
Natürlich würden  Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen die Fragen, wo sie Verantwortung übernehmen könnten, unterschiedlich beantworten. „Beispielsweise wird ein Finanzdienstleister andere Handlungsfelder identifizieren als ein Bauunternehmen. Das Finanzinstitut befasst sich insbesondere damit, in welche Projekte und Unternehmen die Anlagegelder investiert werden. Beim Bauunternehmer geht es vorrangig um Themen der Beschaffung und Verarbeitung von Materialien.“, so der Geschäftsführer des Hessenparks. Er untermauerte einige genannte Ansätze des Positionspapiers mit gelungenen Beispielen und weiteren Nachhaltigkeits-Vorhaben des Freilichtmuseums Hessenpark.  

 

„Die Impulse aus dem Positionspapier werden wir breit in die Unternehmerschaft tragen“, sagt Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt. Auch die IHK selbst werde sich in die Pflicht nehmen. Zur Bündelung der Aktivitäten rund um das Thema Nachhaltigkeit ist seit Beginn des Jahres in der IHK ein Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit eingerichtet worden.

Das Positionspapier steht unter folgendem Link zum Download bereit:  www.frankfurt-main.ihk.de/NH

„Götterdämmerung“ beim Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2017

Gastgeber des Jahresempfangs der Wirtschaft 2017 in der Rheingoldhalle Mainz am 7.Februar waren: Industrie und Handelskammer Rheinhessen, Handwerkskammer Rheinhessen, Architektenkammer Rheinland-Pfalz Handwerkskammer Rheinhessen Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz, Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Gastgeber des Jahresempfangs der Wirtschaft 2017 in der Rheingoldhalle Mainz am 7.Februar waren: Industrie und Handelskammer Rheinhessen, Handwerkskammer Rheinhessen, Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Handwerkskammer Rheinhessen, Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz,Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Auch beim diesjährigen Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft am 7. Februar 2017 in der Rheingold-Halle zu Mainz gab die Publikumskulisse von mehreren tausend mittelständischen Unternehmen der 13 gastgebenden Institutionen wieder ein eindrucksvolles Bild international ausgerichteter, prosperierender Wirtschaftskultur.

Retrospektiv und prospektiv gibt es viel Positives über die – vor allen vom Export geprägte – Wirtschaftsentwicklung zu berichten. Die Auftragsbücher seien (noch) gut gefüllt. Nie ging und geht es der Region wirtschaftlich so gut wie heute, wenn auch die Lage in einzelnen Branchen unterschiedlich zu bewerten sei. Selbst die große Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung habe in einigen Branchen für steigende Umsatzzahlen und somit für einen zusätzlichen Wachstumsschub gesorgt. Doch trotz aller  Zuversicht und guten Gründe zum Feiern, gibt es auch Wermutstropfen und zahlreiche Sorgen, insbesondere im Hinblick auf die extrem lockere Geldpolitik der EZB und in Anbetracht von  Brexit, Trump, Infrastrukturdefiziten, demografischem Wandel und, wie ein Gast sagte, einem Götterdämmerung ähnlichen, erstarkenden Populismus, inbesondere mit Blick auf US-Amerika.

Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen , begrüßte die Gäste im Namen aller gastgebenden Institutionen. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen , begrüßte die Gäste im Namen aller gastgebenden Institutionen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

„Das Jahr 2017 ist wieder eines, das viele Veränderungen bringen wird (…) zumindest die absehbaren Veränderungen bergen eine große Gefahr, dass es sich nicht zum Besseren entwickelt.“ warnte Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, bei seiner Eröffnungsrede im Namen von  IHK, der Freien Berufe und seiner Kammer. Laut Ankündigung des neuen US Präsidenten, würden sich wohl die USA von vielen etablierten Verfahrensabläufen der internationalen Politik verabschieden. Und es wäre noch nicht absehbar, was“ dies für den weltweiten Klimaschutz, die internationale Zusammenarbeit und auch für die Weltwirtschaft bedeutet“, so Friese. Als weitere Sorgenknackpunkte mahnte der Handwerkspräsident intakte Verkehrswege an. Das Verkehswegenetz sei in desolatem Zustand, wobei entsprechende Investitionen nicht an der mittelständischen Bauwirtschaft vorbeifließend dürften. Deutschland brauche endlich auch ein Glasfasernetz, ansonsten verlöre die Wirtschaft – im wahrsten Wortsinne – den Anschluss an die europäischen und weltweit agierenden Spitzenländer.

Sorgen bereite der Wirtschaft auch die demografische Entwicklung. Das Erwerbspersonenpotenzial sinke, so der HWK-Präsident, während die Ausgaben der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung weiter wüchsen. Daher sei kein Spielraum für weitere Leistungsausweitungen gegeben. Es gelte stattdessen, die Sozialversicherungsbeiträge bei unter 40 Prozent zu halten und bei Reformen sich am Grundsatz der Beitragssatzstabilität zu orientieren.

Friese warnte zudem, die Europäische Währungsunion zu einer Haftungs- und Transferunion werden zu lassen und teilte einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung oder der Schaffung einer europäischen Arbeitslosenversicherung eine klare Absage. Denn Handlung und Haftung gehörten zusammen: Hierzu müsse ein Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt werden, so Friese.

Die vollständige Rede von Hans-Jörg Friese

Dr.Andrea Benecke, der Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Dr.Andrea Benecke, der Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, ging nach ihrem Dank, im Namen der 13 Veranstalter des Jahresempfangs sprechen zu dürfen, in ihren Grußwort auf die Bedeutung der Arbeit der rund 1800 von ihrer Kammer vertretenden approbierten Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ein: „Wir werden vor allem dann gebraucht, wenn es im Leben mal nicht so rund läuft, wenn chronische Überlastung depressiv macht, wenn Menschen sich aufgrund des Verlustes ihres Arbeitsplatzes wertlos fühlen oder wenn schwere Traumata bewältigt werden müssen – um nur einige Beispiele zu nennen.“ Eine starke Gesellschaft ließe auch Menschen, die zeitweise schwach seien, nicht fallen, so Dr. Benecke weiter. In einer starken Gesellschaft müssten Menschen eine psychische Erkrankung vor ihrem Arbeitgeber nicht verheimlichen, sie könnten offen darüber mit ihren Kollegen und mit ihrem Chef sprechen. Eine starke Gesellschaft unterstütze, wo es dringend notwendig sei und ziehe sich dann wieder zurück, wenn die Hilfe nicht mehr gebraucht würde, sagte Dr. Benecke.

Besorgt äußerte sich die Vizepräsidentin jedoch über die niedrigzins bedingte schwierige Lange der berufsständischen Versorgungswerke. Diese gehörten neben der Beamtenversorgung und gesetzlichen Rentenversicherung zur ersten Säule der Altersabsicherung von Freiberuflern in einem kammerfähigen Beruf wie: Ärzte, Rechtsanwälte, Psychotherapeuten, Apotheker, Ingenieure, Architekten u. Steuerberater. Die Versorgungswerke der genannten Freiberufler-Gruppen funktionierten nach dem Kapitalbildungsprinzip: Jeden Monat würde ein einkommensabhängiger Betrag an das Versorgungswerk gezahlt. Dieses Geld werde fest angelegt und nach Eintritt in den Ruhestand samt Zinsen zurückgezahlt. Der Rechnungszins bezeichnete dabei den Ertrag, der aus dem bereits angesammelten Vermögen, aus den zukünftigen Beiträgen und den wiederangelegten Vermögenserträgen nachhaltig erwirtschaftet werden müsse, um die Alters-, Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsrenten erfüllen zu können. Der garantierte Rechnungszins lag in den letzten Jahren bei vielen Versorgungswerken zwischen 3,5 und 4 %. Doch die Auswirkungen der Finanzkrise und das Niedrigzinsumfeld stellten die Versorgungswerke vor große Herausforderungen. Immer mehr Versorgungswerke könnten ihr selbst gesetztes Zins-Ziel nicht halten. Das könne gravierende Folgen haben: Die Landesärztekammer und die Rechtsanwaltskammer für den OLG-Bezirk Koblenz wiesen deswegen mit Sorge bereits darauf hin, dass Versorgungseinrichtungen künftig nur mit höheren Risiken eine auskömmliche Rendite im Bereich des Rechnungszinses erreichen könnten, so Dr. Benecke.

Eine weitere Sorge neben den Folgen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus für die Mitglieder der Versorgungswerk sei, dass einige Kammern um ihre Selbstverwaltung und Freiberuflichkeit fürchteten, wobei sie auf eine Urteil des Europäischen Gerichtshofes hinwies, welches ausländische Arzneimittelversender von der Preisbindung auf Medikamente befreite und für die örtlichen Apotheken existenzgefährdend sei.

Aber nicht nur  im Bereich der Finanzen, Stichwort Negativzinsen, scheine die Welt Kopf Kopf zu stehen. Auch in vielen anderen Bereichen, sei das, was uns über viele Jahre verlässlich schien, nun nicht mehr so. Die Weltordnung sei aus den Fugen und viele Menschen häben Angst vor der Unsicherheit, die eine zusammenwachsende Welt mit sich bringe. „Um Angst zu reduzieren“, so Dr. Benecke, „wäre es wichtig, dass man sich zumindest auf Tatsachen und Fakten noch verlassen kann – aber auch diese sind ist nicht mehr eindeutig. Da gibt es Politiker, die postfaktisch die jeweilige Gefühlslage als Wahrheit verkaufen und andere, die flugs sogenannte alternative Fakten in die Welt setzen. Dabei gibt es dafür ein klares deutsches Wort: Lügen. Was kann noch geglaubt werden? Mein Appell an uns alle lautet: Mühen wir uns um die Wahrheit, gerade wenn sie kompliziert ist. Sagen wir sie laut und werden wir dabei nicht müde. So kann man Unsicherheit begegnen.“, empfahl die Psychologische Psychotherapeutin abschließend.

Die vollständige Rede von Dr. Andrea Benecke

Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann, Hauptredners des Abends, erteilt der Niedrigzinspolitik der EZB eine klare Absage. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann, Hauptredners des Abends, erteilt der Niedrigzinspolitik der EZB eine klare Absage. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bereits zu Beginn ließ der Hauptredner des Abends Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, keinen Zweifel daran, den Anwesenden  nicht  ihre Zukunftsungewissheit ein wenig nehmen zu können. Im Gegenteil: Mervyn King, den früheren Gouverneur der Bank of England, zitierend, stellte Weidmann fest, dass nur wenige Menschen tapferer seien als jene, die sich die Rede eines Notenbankers anhörten. Umso mehr freue er sich, dass es in Mainz und Umgebung so viele tapfere Seelen gäbe. Starke Nerven waren denn auch beim mittelfristigen Ausblick des Bundesbankpräsidenten auf die wirtschaftlichen Entwicklungen Deutschlands gefragt. Nach Darlegung des bislang soliden Aufschwungs, der wachsenden Exporte und  der hohen Exportüberschüsse usw. entwarf Weidmann angesichts des bevorstehenden harten Brexits mit noch nicht absehbaren Folgen, die unsichere Lage in den USA und der unverantwortlichen extremen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, ein gar nicht so rosiges Zukunfts-Szenario.

Wörtlich sagte der Bundesbanker: „Bei allem Konjunkturoptimismus sollte nämlich eines nicht vergessen werden: So rosig sind die langfristigen Wirtschaftsaussichten für Deutschland nicht, Deutschland bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Einer Langzeitvorausschätzung der OECD zufolge wächst bis zum Jahr 2060 kein bedeutendes Industrieland so langsam wie Deutschland.
Das liegt nicht zuletzt am demografischen Wandel. Der trifft Deutschland besonders hart. Bereits heute erreichen jedes Jahr 200.000 mehr Erwerbstätige das Rentenalter als Junge in den Arbeitsmarkt eintreten.
Wenn auch der starke Zustrom von Flüchtlingen den Arbeitsmarkt momentan von den Auswirkungen der Demografie abschirmt, wird sich der negative Einfluss des demographischen Wandels in Zukunft noch verstärken. Der altersbedingte Rückgang der Erwerbspersonen kann nur kompensiert werden, wenn mehr Menschen eine Beschäftigung aufnehmen und wir bei steigender Lebenserwartung auch länger arbeiten.
Doch selbst pro Kopf gerechnet wachsen die meisten OECD-Länder und Schwellenländer schneller als Deutschland. Die Politik ist also in der Verantwortung, durch die richtigen Weichenstellungen in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik für ein höheres, nachhaltiges Wachstum zu sorgen.
Neben dem demografischen Wandel, der Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und dem schwachen Wachstumstrend stehen wir jedoch noch vor weiteren wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Hier denke ich insbesondere an die Digitalisierung, die ganze Branchen umwälzen wird, und die Energiewende, deren Ausgestaltung darüber bestimmt, ob Energie bezahlbar bleibt.“

Die vollständige Rede von Dr. Jens Weidmann

"Losin' Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
„Losin‘ Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Nach einer kleinen musikalischen Erfrischung durch „Losin‘ Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, sprach der Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Engelbert Günster in seinem Schlusswort zur „Wettbewerbsfähigkeit durch Strukturreformen sichern“.

Engelbert Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen übte in seinem Schlusswort ebenfalls heftige Kritik an der Politik des lockeren Geldes der EZB. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Engelbert Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen übte in seinem Schlusswort ebenfalls heftige Kritik an der Politik des lockeren Geldes der EZB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

In eine ähnliche Kerbe verfehlter, lockerer Geldpolitik der EZB, die ja nicht zu mehr Kreditvergaben und Investitionen er Unternehmen, sondern nur zur Pflege der Staatshaushalte führte, stieß auch Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen, in seinem Schlusswort: Unter anderem sagte der Präsident: „Unlängst weist auch der IWF in seinem Bericht darauf hin, dass eine kurzfristige Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage – sprich: durch billiges Geld – in Deutschland nicht nötig ist. Gefordert sei stattdessen eine Politik, die dazu beitrage, langfristig die Produktionskapazität und -effizienz durch Investitionen in Infrastruktur und in die Ausbildung der Beschäftigten sowie durch eine gerechte Steuerreform zu erhöhen. Sorge bereitet in diesem Kontext die Tatsache, dass die Steuerquote auf neue Rekordwerte klettert und damit natürlich die Belastung der Bürger erheblich steigt. Wenn in Zeiten niedriger Zinsen und sprudelnder Steuereinnahmen eine Entlastung nicht möglich ist, wann dann? Nur wenn die Politik substanzielle Strukturreformen auf den Weg bringt, kann die Wirtschaft dazu beitragen, die Phase niedriger Zinsen und Renditen zu überwinden und die Länder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzuführen. Dann kommt die Investitionsdynamik in Gang, so dass sich die Finanzmärkte aufgrund solider Ertragslagen und unternehmerischer Investitionen von selbst stabilisieren. Das haben auch Sie, Herr Dr. Weidmann, anschaulich erläutert. Dafür danken wir RheinlandPfälzer Ihnen und möchten Sie heute Abend mit dem Eindruck zurück in die Rhein-Main-Metropole verabschieden, dass Rheinland-Pfalz nicht nur geografisch im Herzen Europas ruht. Hier schlägt das Herz unserer Wirtschaft europäisch und global, und die Industrie, der Mittelstand und die Freien Berufe haben die Zukunft fest im Blick. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist robust unterwegs, gerne sage ich das auch in Anwesenheit des Stellvertretenden Ministerpräsidenten und der Landespolitiker(inn)en. Doch wir brauchen gerade jetzt den vertrauensvollen Schulterschluss, um gemeinsam an der Stärkung unseres Landes und einer positiven Investitionsdynamik zu Medieninformation „Wettbewerbsfähigkeit durch Strukturreformen sichern“

Die vollständige Rede von Dr. J. Engelbert Günster

Während im Saal noch die letzten Statements abgegeben wurde, netzwerkten zahlreiche Gäste bereits eifrig in der großen Lobby. Hier zeigten auch zahlreiche Firmen ihre Leistungsspektrum. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Noch während im Saal  die letzten Statements liefen, netzwerkten zahlreiche Gäste bereits eifrig in der großen Lobby. Hier zeigten auch zahlreiche Firmen ihr Leistungsspektrum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Hessische Landesregierung ruft 2017 zum „Jahr des Respekts“ aus – mehr als „nur“ ein Appell an das „Gute“ im Menschen!

(v.li.) RMV-Geschäftsführer Professor Knut Ringat, LPR-Direktor Joachim Becker, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes, die Schriftstellerin Nele Neuhaus, der Vorsitzende des ADAC Hessen-Thüringen, Matthias Feltz, Ministerpräsident Volker Bouffier, VRM-Geschäftsführer Hans Georg Schnücker und FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
(v.li.) RMV-Geschäftsführer Professor Knut Ringat, LPR-Direktor Joachim Becker, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes, die Schriftstellerin Nele Neuhaus, der Vorsitzende des ADAC Hessen-Thüringen, Matthias Feltz, Ministerpräsident Volker Bouffier, VRM-Geschäftsführer Hans Georg Schnücker und FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir: „Respekt und Zusammenhalt in der Gesellschaft sind
untrennbar miteinander verbunden – beides wollen wir stärken“

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, haben heute das Jahr 2017 zum „Jahr des Respekts“ ausgerufen. „Respekt und der Zusammenhalt in der Gesellschaft sind untrennbar miteinander verbunden – beides wollen wir stärken“, sagten sie bei der Vorstellung der Kampagne „Hessen lebt Respekt“ in Wiesbaden. Diese ist thematisch breit angelegt und wird über konkrete Projekte, die in den kommenden Wochen beginnen werden, alle gesellschaftlichen Bereiche abdecken. Damit wirbt die Landesregierung für Toleranz und Hilfsbereitschaft im Alltag, Rücksichtnahme im Verkehr, Fairness im Sport, Respekt in den sozialen Medien, vor Polizei, Rettungskräften und Ehrenamtlichen und bei der Integration von Flüchtlingen. Die vor allem durch ihre Taunus-Krimis bundesweit bekannte Schriftstellerin Nele Neuhaus unterstützt „Hessen lebt Respekt“ als prominente Patin mit ihrer Nele-Neuhaus-Stiftung.

Als Kooperationspartner der Projekte sind bisher die Verkehrsverbünde RMV, VRN und NVV, die Initiative „Sicher unterwegs in Hessen“, der Landessportbund und die Sportjugend Hessen sowie die Landesanstalt für den privaten Rundfunk und neue Medien beteiligt. Weitere sollen folgen. Medienpartner sind die Verlagsgruppe Rhein Main und Hit Radio FFH. 800.000 Euro stehen aus dem „Aktionsplan zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts“ für Veranstaltungen, Projekte, Plakat- und Anzeigenwerbung bereit.

Ministerpräsident Volker Bouffier. "Wir wollen auch Personen und Institutionen, wo beispielhaft Respekt gelebt wird, auszeichnen".Foto: Diether v. Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. „Wir wollen auch Personen und Institutionen, wo beispielhaft Respekt gelebt wird, auszeichnen“.Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir sind eine heterogene Gesellschaft. Unsere Kampagne soll helfen, die Grundregeln eines guten Zusammenlebens wieder sichtbar zu machen, die Gesellschaft zusammenzuhalten und in eine gute Zukunft zu führen. Respekt ist für mich die Grundlage eines erfolgreichen und friedlichen Zusammenlebens“, sagte Ministerpräsident Bouffier. „Wir beobachten eine zunehmende Rücksichtslosigkeit im Alltag, ein rauer werdendes Klima in der öffentlichen Debatte bis hin zu Enthemmung und Hass, extreme Einstellungen und eine wachsende Gewaltbereitschaft. Respektlosigkeit ist der Anfang dieses Übels, dem wir uns entschieden mit unserer Haltung, mit unserer Politik und mit dieser Kampagne entgegenstellen wollen. Unser Ziel  muss sein, eine Heimat zu haben in Hessen, in der die Menschen gerne leben, gemeinsam friedlich und erfolgreich für alle“.

Stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir "Man braucht gemeinsame Grundregeln wie wir miteinander umgehen. Und dazu gehört eben erstmal wechselseitiger Respekt." Foto: Diether v. Goddenthow
Stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir „Man braucht gemeinsame Grundregeln wie wir miteinander umgehen. Und dazu gehört eben erstmal wechselseitiger Respekt.“ Foto: Diether v. Goddenthow

Für Wirtschaftsminister Al-Wazir bedeutet Respekt, die Würde, die Rechte und die Gleichheit anderer anzuerkennen – auch, wenn sie anderer Meinung oder Herkunft sind. „Das gilt für alle“, sagte er. „Ohne einen solchen respektvollen Umgang kann es keine freie, offene und friedliche Gesellschaft geben. Respekt ist die Grundlage, auf der die Gesellschaft funktioniert. Wechselseitiger Respekt ist nötig, egal, ob wir uns fortbewegen, also im Verkehr, ob es um die Frage geht, ob Nachbarschaften oder Hausgemeinschaften funktionieren, ob in der Schule, ob in den Medien, ob auch in den sozialen Netzwerken: Man braucht gemeinsame Grundregeln wie wir miteinander umgehen. Und dazu gehört eben erstmal wechselseitiger Respekt.“, so der Wirtschaftsminister. Die Kampagne soll mehr sein, als „nur“ ein Appell an das „Gute“ im Menschen. Vielmehr sollen Menschen gefunden werden, die  sich respektvoll verhalten. Und die man als positive Vorbilder auch hervorheben kann, um auch zu zeigen dass respektvolles Zusammenleben funktioniert, dass es bereits beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement und positive Initiativen gibt.

Bestsellerautorin und Schriftstellerin Nele Neuhaus: Ich bin sehr, sehr gerne dabei. Ich versuche mich einzubringen, wo ich das eben kann. Foto: Diether v. Goddenthow
Bestsellerautorin und Schriftstellerin Nele Neuhaus: Ich bin sehr, sehr gerne dabei. Ich versuche mich einzubringen, wo ich das eben kann. Foto: Diether v. Goddenthow

Nele Neuhaus, die als Patin stellvertretend für weitere Unterstützer der Kampagne steht, will mit ihrer Stiftung ein gemeinsames Projekt zur Werte- und Respektvermittlung einbringen. „In unserer schnelllebigen und immer egoistischer werdenden Gesellschaft, in der das Individuum längst mehr zählt als die Gemeinschaft, in der Werte wie Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Toleranz zu leeren Phrasen werden, ist es unglaublich wichtig, die Bedeutung des Begriffs ,Respekt‘ wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken“, sagte die Autorin. „Gerade letzte Woche“, erzählte Nele Neuhaus bei der Pressevorstellung der Aktion,  „war ich in einer 8. Klasse, und bekam viele Fragen gestellt. Im Gegenzug dazu, habe ich auch Fragen gestellt, unter anderem nach dem Begriff Respekt. Kein einziger der jungen Leute konnte mir eine gute Definition oder überhaupt eine Definition für diesen Begriff geben. Aus diesem Grund glaube ich einfach, dass es dringend notwendig ist, dass von einer Landesregierung ein solches Projekt ins Leben gerufen wird.“, so die Patin der Aktion „Hessen lebt Respekt“.

Die Projekte

© Hessische Staatskanzlei.
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Im Laufe des Jahres werden von der Landesregierung regelmäßig „Orte des Respekts“ gefördert und „Menschen des Respekts“ ausgezeichnet, damit das Werben um Fairness, Rücksichtnahme und Gemeinsinn in der Gesellschaft in die Breite getragen wird.

Für die „Orte des Respekts“ stehen insgesamt 150.000 Euro bereit, um geeignete Projekte von gemeinnützigen Vereinen und Institutionen zu unterstützen. „Wir sind uns bewusst, dass gerade auf dem Feld des bürgerschaftlichen Engagements eine Vielzahl positiver Initiativen bestehen und Respekt in Hessen gelebt wird“, betonte Wirtschaftsminister Al-Wazir. „Mit dem Förderprogramm wollen wir Initiativen zur Stärkung friedlichen Zusammenlebens, kultureller Vielfalt und demokratischer Wertvermittlung noch einmal einen besonderen Nachdruck geben.“

Die Medienpartner Hit Radio FFH und die Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) werden Geschichten eines guten Miteinanders erzählen. „Unsere Gesellschaft ist voller Menschen, die jeden Tag vorleben, wie wichtig Achtsamkeit und Rücksichtnahme sind. Wir möchten diese Menschen in unserem Verbreitungsgebiet finden und die Gesichter zeigen, die in unserem Land Respekt auf vielfältige Art und Weise leben“, sagte VRM-Geschäftsführer Hans Georg Schnücker. Einige dieser Bürgerinnen und Bürger wird die Landesregierung mit der Auszeichnung „Menschen des Respekts“ würdigen. „Respekt, Fairness, Hilfsbereitschaft, Anerkennung – das geht uns alle an. Im Straßenverkehr, auf dem Fußballplatz, in der Nachbarschaft, in der Politik. Deshalb machen wir uns als meistgehörter Radiosender in Hessen stark für respektvollen Umgang, werden Vorbilder und vorbildliches Handeln vorstellen und unterstützen ‚Hessen lebt Respekt‘ sehr gerne“, sagte FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth.

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Ein wichtiger Gesellschaftsbereich, der auf ein funktionierendes Miteinander, Regeln und Fairness angewiesen ist, ist der Sport. Gemeinsam mit dem Landessportbund und der Sportjugend Hessen wird „Respekt im Sport“ als ein Baustein in die Aus- und Fortbildung von Trainern, Übungsleitern und Aktiven einbezogen. „,Hessen lebt Respekt‘ stellt für den Landessportbund und die Sportjugend Hessen eine wunderbare Grundregel des sportlichen Miteinanders dar. Im Sport lernen alle, vor allem Kinder und Jugendliche, fair miteinander umzugehen. Sport schafft Respekt und Anerkennung“, betonte Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes.

Eine Kultur des Respekts und der Vielfalt soll auch in den Schulungen der Sportcoaches im Rahmen des Landesprogramms „Sport und Flüchtlinge“ besonders herausgestellt werden. „Kaum ein Bereich eignet sich so wie das sportliche Miteinander, um Werte wie Fairness und Rücksichtnahme gegenüber anderen, die Anerkennung unterschiedlicher Herkunft und Kulturen sowie Teamgeist auf dem Platz und im alltäglichen Zusammenleben zu vermitteln“, unterstrich Ministerpräsident Bouffier. Der Sportbereich startet Ende Februar mit ersten Schulungsmaßnahmen für Multiplikatoren, die sich in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Regierungspräsidiums Gießen bei Sportangeboten für Flüchtlinge engagieren.

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Ein weiterer Schwerpunkt ist der Verkehr. „Das Drängeln und Hupen auf der Autobahn, das Überfahren von Zebrastreifen oder die Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern – jeder erlebt das auf unseren Straßen. Aber auch in Bus und Bahn sind Respektlosigkeit und Aggressivität an der Tagesordnung“, erinnerte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Deshalb wollen wir Respekt und Rücksichtnahme im Straßen- und öffentlichen Nahverkehr zu einem weiteren Schwerpunkt unserer Kampagne machen.“

Mit dem Bündnis „Sicher unterwegs in Hessen“ wird auf 150 Plakatwänden entlang hessischer Bundes- und Landstraßen über einen Zeitraum von mehreren Monaten für eine achtsamere Fahrweise geworben. In dem Bündnis engagieren sich das Hessische Verkehrsministerium, der ADAC Hessen-Thüringen, der TÜV Hessen, die Deutsche Verkehrswacht Hessen und der Radiosender HR3. „Trotz hervorragender technischer Entwicklungen im Straßenverkehr bleibt der Mensch der entscheidende Faktor beim Thema Sicherheit“, unterstrich der Vorsitzende des ADAC Hessen-Thüringen, Matthias Feltz, für das Bündnis. „Deshalb unterstützen wir alles, was dem Ziel dient, dass Autofahrer, Motorradfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger sich nicht als Gegner, sondern mit Respekt als Partner im öffentlichen Verkehr begegnen“, so Feltz.

Die Verkehrsverbünde RMV, NVV und VRN bringen geeignete Werbeflächen in Bahnen und Bussen für ein gemeinsames Motiv zur Rücksicht im ÖPNV ein. „Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, ist Rücksichtnahme besonders wichtig. Millionen Fahrgäste nutzen täglich die Busse und Bahnen von Frankfurt bis Kassel, vom Odenwald bis nach Waldeck-Frankenberg. Nur mit Rücksichtnahme kommen wir sicher und pünktlich ans Ziel“, sagte RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat.

© Hessische Staatskanzlei
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Einen weiteren Themenschwerpunkt setzt die Respekt-Kampagne beim Thema Integration. Als Fortsetzung der Kampagne „Löwen im Herz – Hessen integriert“ des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration ist eine Dialogreihe mit regionalen Veranstaltungen geplant. Diese sollen sichtbar machen, dass es überall im Land Menschen gibt, die sich für andere engagieren oder sich selbst erfolgreich integriert haben. Sie stehen nicht nur sinnbildlich für Menschen mit „Löwen im Herz“, sondern verdeutlichen auch eine positive Haltung zur Vielfalt in Hessen. Ziel ist es, diese Integrationsvorbilder mit vielen Bürgerinnen und Bürgern darüber ins Gespräch zu bringen, wie das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen gelingen und das Miteinander in Hessen gestärkt werden kann.

Zu den Projekten für Schülerinnen und Schüler zählt das Medienprojekt „Respekt heißt für mich…“. Unterstützt vom Kultusministerium, dem Justizministerium und dem Landespräventionsrat sollen 15 Schulklassen der Sekundarstufe I ihre Vorstellung von Respekt und einem guten Zusammenleben in Videos erarbeiten. Die Vorstellung und Auslobung des Projektes startet nach den Osterferien. Auf die Zielgruppe junger Menschen der Sekundarstufe II ist das Projekt „Respekt digital“ im Bereich „Soziale Medien“ ausgerichtet. Gemeinsam mit der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR) wird mit Jugendlichen in fünf regionalen Workshops das Thema Hass in den sozialen Netzwerken thematisiert und eine Online-Kampagne erarbeitet. „Jugendliche bewegen sich in sozialen Netzwerken, sie wollen sich informieren, kommunizieren und amüsieren. Dort begegnen sie auch den Schattenseiten der modernen Kommunikation, wie Cybermobbing, Hatespeech und Fakenews. Mit unserem Projekt ‚Respekt digital‘ wollen wir diesen Phänomenen entgegenwirken und gemeinsam mit Jugendlichen für ein rücksichtsvolles Miteinander im Netz werben“, sagte LPR-Direktor Joachim Becker.

© Hessische Staatskanzlei
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Die Projekte von „Hessen lebt Respekt“ werden bei ihrem Start gemeinsam mit den Kooperationspartnern vorgestellt. „Mehr Respekt in der Gesellschaft gibt es nicht allein durch Appelle und Werbemaßnahmen“, hob der Ministerpräsident hervor. „Respekt ist kein Selbstläufer und im Alltag nicht selbstverständlich. Es braucht uns alle, es braucht gesellschaftliche Initiativen und das alltägliche Verhalten eines jeden. Und es braucht Kooperationspartner, für deren Engagement ich mich herzlich bedanke. Wir wollen zeigen, wie eine Kultur des Miteinanders und des Zusammenhalts in Hessen aussehen kann. Seien Sie dabei. Wir laden alle Menschen ein, sich daran zu beteiligen – egal, von woher sie kommen“, sagte der Ministerpräsident.

„Hessen lebt Respekt“ im Internet: www.hessen-lebt-respekt.de

Jahresempfang der IHK Frankfurt am Main 2017: Chancen für die Metropolregion FrankfurtRheinMain

Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der traditionelle Jahresempfang der IHK Frankfurt am Main stand im Zeichen neuer Herausforderungen für die Wirtschaft, aber auch der Chancen für die Metropolregion FrankfurtRheinMain. IHK-Präsident Prof. Dr. Mathias Müller nannte in seiner Begrüßung vor rund 1800 Gästen die Schlagworte USA und Brexit, die das politische Weltbild im vergangenen Jahr markant verändert haben.

Prof. Dr. Müller ging auf die Amtseinführung Donald Trumps ein und stellte fest, dass im Regierungsstab große unternehmerische Erfahrung zu finden ist. „Es sieht so aus, als wollte Trump die USA wie ein Vorstandsvorsitzender sein Unternehmen führen“, sagte Prof. Dr. Müller. Mit diesem Programm verfolge er ebenso wie die Wirtschaft Wachstum für Amerika. Vor dem Hintergrund, dass die USA der wichtigste Handelspartner für Hessen sei, müsse ein Augenmerk darauf gelegt werden, dass sich die transatlantischen Handelsbeziehungen weiter stabil entwickeln.

Mit Blick auf Europa betonte Prof. Dr. Müller, dass dem Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich Einbußen drohten. „Die Europäische Union muss mit den Folgen des Brexits zurechtkommen“, sagte er und betonte, dass es wichtig sei, den Blick nach vorne zu richten und zu schauen, welche Chancen sich für den Wirtschaftsstandort FrankfurtRheinMain. Denn viele Unternehmen insbesondere aus Asien und der arabischen Welt würden wegen des Brexit Standorte in der Europäischen Union prüfen. „FrankfurtRheinMain zählt dabei für viele zum Kreis der Favoriten“, sagte Prof. Dr. Müller. „Das freut uns, denn es bestätigt die Einschätzung, dass FrankfurtRheinMain in den vergangenen Jahren zunehmend attraktiver im internationalen Wettbewerb der Metropolregionen geworden ist.“

Die geplante Fusion der Frankfurter und der Londoner Börse betrachtete der IHK-Präsident ebenfalls im Hinblick auf den Standort Frankfurt. „Wir sind davon überzeugt, dass wesentliche Funktionen der Börse in Frankfurt bleiben müssen, damit dies auf den Finanzplatz insgesamt abstrahlt und dieser seine volkswirtschaftliche Funktion dauerhaft erfüllen kann“, betonte Prof. Dr. Müller. Die IHK Frankfurt setze ihr Vertrauen in den Hessischen Wirtschaftsminister als Träger der Hessischen Börsenaufsicht, dass er bei seiner abschließenden Entscheidung sowohl die Frage der Aufsicht als auch die Sicherung der Weiterentwicklung  des Finanzplatzes im Auge haben werde.

Fredi Bobic, Sportvorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG und Gastredner des Abends, blickte zu Beginn seiner Rede auf seine Anfangszeit in Frankfurt zurück, als ihm größte Skepsis entgegenschlug. „Mir ist natürlich bewusst, dass ich zu liefern habe, dass ich Erfolg haben muss, um die Chance zu bekommen, mich langfristig hier niederzulassen“, fasste er seine ersten Eindrücke zusammen. Er habe allerdings inzwischen das Gefühl, angekommen zu sein: „Ich weiß, was ein Bembel und ein Ebbelwoi aus dem Gerippten ist.“ Bobic betonte die Bedeutung des Jobmotors Fußball für eine Stadt und eine Region: „Eintracht Frankfurt ist der bekannteste Werbeträger der Stadt und der größte Multiplikator des Namens Frankfurt.“

Ministerpräsident Volker Bouffier zog in seinem Grußwort eine Bilanz des vergangenen Jahres. Es sei trotz zahlreicher Herausforderungen für die Wirtschaft erfolgreich gewesen. „Die höchste Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und die niedrigste Arbeitslosenzahl seit Anfang der 90er Jahre sind ein deutlicher Beleg für eine pulsierende Wirtschaft in Deutschland“, sagte er. Hessen und das Rhein-Main-Gebiet seien Impulsgeber des anhaltenden Aufschwungs. Das Land stehe wirtschaftlich so stark da wie noch nie in seiner 70-jährigen Geschichte. Die Aussichten für die Unternehmen seien auch für 2017 und die kommenden Jahre weiterhin erfreulich. Dabei gelte es, sich auf die kommenden wirtschaftlichen Veränderungen einzustellen. Dazu zählen beispielsweise der Brexit, den es für die Region klug zu nutzen gelte oder auch die Integration von Flüchtlingen in den hiesigen Arbeitsmarkt. „Auch wenn die Herausforderungen nicht kleiner werden, haben wir allen Grund, sie mit Zuversicht anzugehen. Damit Hessen mit Frankfurt als Herzstück eines prosperierenden Rhein-Main-Gebiets auch zukünftig eines der wirtschaftsstärksten Länder und attraktivster Standort in Europa bleibt“, sagte der Ministerpräsident.

Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, betonte in seinem Grußwort, dass Frankfurt weit mehr als Finanzmetropole und Logistikdrehscheibe ist. „Frankfurt ist Industriestandort mit Tradition, bietet attraktive Arbeitsplätze und weist eine hohe Leistungsfähigkeit und Produktivität auf. Für die großen Herausforderungen wie Brexit und Digitalisierung ist Frankfurt strategisch gut gerüstet“, so der Oberbürgermeister. Ein großes Plus der Wirtschaftsregion FrankfurtRheinMain sei die Internationalität der Bevölkerung und der Wirtschaftsbeziehungen. „Für die Wirtschaft und für die Freizeitgestaltung sind schnelle Verbindungen und kurze Wege hilfreich, auch in dieser Hinsicht ist Frankfurt top“, fügt Oberbürgermeister Feldmann an. „Frankfurt ist und bleibt ein Ort der Toleranz und Freiheit und ein sicherer Ort für die Menschen, die hier leben wie auch für die, die hier gewohnt sind, faire Geschäfte zu machen.“

Nach umfangreicher Neugestaltung und Erweiterung eröffnete die Bundesbank in Frankfurt das Geldmuseum

Das neue Geldmuseum der Deutschen Bumdesbank. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Das neue Geldmuseum der Deutschen Bumdesbank. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Als Brutus  am 15. März 44 vor Christi Geburt Caesar getötet hatte, ließ er zum Gedenken an seine Tat Gold- und Silber-Münzen mit markantem Münzbild prägen, auf der Vorderseite mit seinem Porträt,  rückseitig mit zwei Dolchen und der Freiheitskappe, gleichsam die Tatwaffen und das Motiv als Symbol des Tyrannenmordes.

Vorderseite der "Brutus-Aureus" . Foto: Diether v. Goddenthow
Vorderseite der „Brutus-Aureus“ . Foto: Diether v. Goddenthow

Zu betrachten ist das weltweit noch einzige erhaltene Exemplar der „Brutus-Aureus“ jetzt im umfassend neu gestalteten Geldmuseum der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Es wurde am 17. Dezember 2016 für das Publikum wiedereröffnet. Nach einem aufwändigen Bau- und Erneuerungsprozess präsentiert es sich der Öffentlichkeit als moderner Lern- und Erlebnisort. „Wir wollen anschaulich über Geld, seine Geschichte und die Aufgaben moderner Zentralbanken informieren“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann zur Eröffnung des neuen Geldmuseums. Die Ausstellung hole die Besucher in ihrer Lebenswirklichkeit ab, damit abstrakte Begriffe wie Preisstabilität oder Finanzstabilität verständlicher werden. „Im Museum werden die Themen der Geldpolitik anhand von Alltagserfahrungen direkt erfahrbar“, erläuterte Weidmann. Es gehe darum, den Nutzen stabilen Geldes zu vermitteln, denn eine stabilitätsorientierte Bevölkerung sei eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldpolitik.

Eingangsbereich – Facetten des Geldes

Ein originell gestalteter Pleitegeier symbolisiert das Thema Insolvenz, eine der zahlreichen Geld-Facetten.   Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Ein originell gestalteter Pleitegeier symbolisiert das Thema Insolvenz, eine der zahlreichen Geld-Facetten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Bereits im Eingangsbereich zur Ausstellung werden Besucher mit kleinen Dioramen ähnlichen Miniguckfach-Szenen empfangen, die mit Geld, Reichtum, Macht, Insolvenz usw. assoziiert sind. Sie reichen von „Anschreiben lassen“, „Habgier“, „Jackpot“ und „Klingelbeutel“ über „Lotto“, „Monopoly“, „Notgroschen“ und „Obolus“, bis hin zu „Pleitegeier“, „Sparen“, „Verschwendung“, einem Model des TV-Studios von  „Wer wird Millionär?“ und zahlreichen weiteren Themen. Kurz beschrieben, sind sie dann im Museum selbst kein Thema mehr: Da geht es um harte Fakten.

Auftakt – Info- und Sammlungsraum

Im "Auftakt" werden die Besucher auf das Thema Geld eingestimmt.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Im „Auftakt“ werden die Besucher auf das Thema Geld eingestimmt. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Der Rundgang beginnt im „Auftakt“. Es ist der Raum 1, der Besucher empfängt, sie in museale Stimmung bringen und ihnen einen ersten Überblick über die grundlegenden Funktionen von Geld verschaffen soll, die in jedem späteren Themenbereich des Geldmuseums relevant sind.

Der Rundgang führt durch die vier zentralen Themenbereiche „Bargeld“, „Buchgeld“, „Geldpolitik“ und „Geld Global“. In allen Themenbereichen werden links auf der Außenwand des Rundgangs die aktuellen und grundlegenden Zusammenhänge erläutert und die jeweiligen Aufgaben der Zentralbank dargestellt. Die Innenwand des Rundgangs informiert über historische Aspekte.

  1. Bereich: Bargeld
Der Bereich "Bargeld". Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Der Bereich „Bargeld“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Im Bereich „Bargeld“, Raum 2, geht es um Banknoten und Münzen. Die aktuellen Euro-Banknoten und Euro-Münzen aller Euro-Länder werden gezeigt, wobei den Fragen nach Bargeld-Versorgung, Bargeld-Transporten, Sicherheit ( insbesondere der Fälschungssicherheit), Umtausch beschädigter und Wiederherstellung zerstörter Euroscheine breiten Raum gegeben wird. In einem Labor können die Besucher beispielsweise lernen, Fälschungen zu entdecken und Banknoten auf ihre Echtheit hin zu prüfen. Im historischen Bereich, der linken Außenwand entlang, geht es um die Entwicklung des Münz- und Geldwesens vom Prägen bis zum Drucken.

Das Geldkabinett

Im Geldkabnitt wird das Münz-Thema von der Antike bis zur Gegenwart aufgearbeitet. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Im Geldkabnitt wird das Münz-Thema von der Antike bis zur Gegenwart aufgearbeitet. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Das von hieraus zugängliche Geldkabinett, Raum 3, zugleich der abgedunkelte Präsentationsort des „Brutus Aureus“, lädt besonders dazu ein, das Münz-Thema von der Antike bis zur Gegenwart und – kulturanthropologisch – bis zum Federgeld der Raggiparadiesvögel Papua-Neuguineas zu vertiefen. Hier können Besucher auch den ältesten Geldschein der Welt, 1 Kuan der Ming-Dynastie von 1368 – 1399, und die wohl berühmteste Papiergeldfälschung, die 10-Pounds-Fälschung des Deutschen Reiches von 1942 bis 1945, bewundern. Münzliebhaber können von hier aus zudem digital durchs Münzarchiv der Deutschen Bundesbank stöbern.

  1. Bereich: Buchgeld
Bereich "Buchgeld". Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Bereich „Buchgeld“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Im Bereich Buchgeld, Raum 4, der als Bankfiliale inszeniert ist, geht es um das unbare Geld, den Zahlungsverkehr und die Banken. Es werden die Geldschöpfung der Banken  und die Grundzüge der Bankenaufsicht erläutert. Der Begriff Buchgeld spielt auf die Entstehungszeit des Bankwesens an, als Geldwechsler die Guthaben ihrer Kunden mit der Hand in Kontenbücher schrieben.

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Dieses stofflose Geld ist die Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und der Geldschöpfung, kurzum: des modernen Geld- und Bankenwesens schlechthin. Ob Buchgeld mal gänzlich das Bargeld ablösen wird, wie es etliche Banker fordern und in Schweden bereits versucht wird, bleibt abzuwarten und dem mündigen Bürger hoffentlich erspart. So beruhigte auch der Präsident der Deutschen Bundesbank Dr. Jens Weidmann bei der Eröffnungsfeier des Geldmuseums mit dem Hinweis: „Solange Sie Bargeld verwenden möchten, soll auch die Geschichte des Bargelds weitergeschrieben werden.“

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Vom Bankomat über die Sichtbarmachung des unsichtbaren Geldtransports von Konto zu Konto und des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrs ohne Grenzen bis hin zum Thema Kreditvergabe, stabile Banken, Bankenaufsicht und Geldmenge wird an Informationen nichts ausgelassen.

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Auf der historischen Info-Wand erfahren Besucher, dass Händler und Geschäftsleute bereits in den frühen mesopotamischen Hochkulturen ihre Warenbestände und Forderungen aufschrieben und auch die Römer ihre Geldgeschäfte schriftlich festhielten. Ein wichtiger Schritt zum bargeldlosen Zahlungsverkehr war das Clearingverfahren auf den Champagne-Messen des 11. bis 13. Jahrhunderts in der französischen Provinz Champagne. Die aus ganz Europa hier zusammentreffenden Kaufleute zahlten die Waren nicht sofort bar, sondern schrieben den geschuldeten Betrag auf. Am Ende der Messe, so erfahren wir, verrechneten sie die gegenseitigen Geldforderungen miteinander. So mussten sie nur geringe Beträge tatsächlich mit Bargeld bezahlen.
Das Buchgeld im heutigen Sinn, also das Geld in Kontobüchern zu verzeichnen, entwickelte sich in Europa erst im Hochmittelalter, etwa, als in Venedig, Florenz, Genua und Barcelona erste Giro- und Dispositionsbanken entstanden. Weitere Stichworte sind: die Erfindung der Buchführung, des Wechsels und die Organisation der Finanzämter usw.

Buchgeld-Kabinett

Kabinett "Die Sprache des Geldes" Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow
Kabinett „Die Sprache des Geldes“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Im Kabinett „Die Sprache des Geldes“, Raum 5, kann die Entstehung des Bankwesens ab dem  Venedig der Renaissance vertieft werden, als Händler zu ersten Kaufmann-Bankiers mutierten, neue Begriffe von Agio bis Valuta einführten und der Franziskanermönch und Mathematiker Luca Pacioli 1494 die doppelte Buchführung erfand. Weitere Stichworte sind: „Kredite aus Florenz“ und Adam Riese mit seinem Werk „Rechenung auff den Linihen und Federn (1522). Mit diesem Grundlagenwerk hatte der geniale Mathematiker den deutschen Kaufleuten und Handwerkern das Ziffernrechnen beigebracht.

Die Medici

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Einen besonderen Platz finden im Kabinett auch die mit Tuchhandel und Bankgeschäften aufgestiegene und über 300 Jahre  mächtige Dynastie der Medicis. Sie wurden später Herzöge der Stadtrepublik Florenz und Großherzöge der Toskana. Im 16. Jahrhundert brachte die Familie zwei Päpste hervor. Die Medicis  stellten unter anderem der Kirche ihr weitgespanntes Filialnetz zur Verfügung, um Abgaben der Gläubigen aus ganz Europa einsammeln zu lassen. Das war besonders profitabel und nachhaltig zugleich. Neben ihrem merkantilen und politischen Wirken waren die Medicis bedeutende Förderer des Humanismus und der Kunst ihrer Zeit, der Renaissance.

Die Fugger

Kaufmanns-Kontor der Fuggers. Foto: Diether v. Goddenthow
Kaufmanns-Kontor der Fuggers. Foto: Diether v. Goddenthow

Zu  Europas zeitweise bedeutendsten Kaufmann-Bankiers waren im Hochmittelalter die Augsburger Fugger aufgestiegen. Sie waren im 14. Jahrhundert aus Italien eingewandert. Unter Jakob Fugger „dem Reichen“ (1459 bis 1525) entwickelten sie ihre Geschäfte von einem konventionellen Handelsunternehmen mittlererer Reichweite zu einem europaweit agierenden Konzern mit ausgeprägten Schwerpunkten im Montan- und Banksektor in der ganzen damals bekannten Welt. Die Fuggers finanzierten die Habsburger Kaiser und betätigten sich neben dem Fernhandel auch im Silber- und Kupferbergbau. Zeitweilig nahmen die Fugger fast eine monopolartige Stellung auf dem europäischen Kupfermarkt ein. Die Fuggers waren die reichste Familie ihrer Zeit. Auf heutige Verhältnisse hochgerechnet, betrug Jacob Fuggers Vermögen rund 400 Milliarden Dollar. Mit diesem Vermögen wäre Jacob Fugger auf der „Forbes-Reichen-Liste 2016″ reicher als die 7 Reichsten unserer Zeit zusammen.

Zinswucher
Ein abschließendes Kapitel widmet sich im „Buchgeld-Kabinett“ dem Zinswesen, wobei besonders auf den  Aspekt des Wucherzinses im 16. Jahrhundert eingegangen wird: Die kaiserliche Reichspolizeiordnung aus dem Jahr 1530, die in ganz Deutschland bis 1806 gültig war, bestimmte einen Zinssatz von fünf Prozent pro Jahr als zulässigen Höchstzins. Zinsen darüber hinaus galten als Wucherzinsen. Wucherer verstießen in der damaligen Zeit nicht nur gegen das kaiserliche Gesetz. Ihr Verhalten galt Gott gegenüber als schwere Sünde und auf sie wartete Höllenfeuer.

  1. Bereich: Geldpolitik
Bereich "Geldpolitik" im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow
Bereich „Geldpolitik“ im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Ausstellungs-Bereich Geldpolitik, Raum 6,  ist in einem ersten Abschnitt als Supermarkt inszeniert, in dem Preise, ihre Entwicklung anhand eines nachgestellten Warenkorbes, und die Bedeutung der Preisstabilität vermittelt werden.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

In einem zweiten Abschnitt, der an einem Kontrollraum erinnert, lernt der Besucher die Aufgaben, Ziele und Instrumente der Geldpolitik des Eurosystems kennen.
„Für den geschichtlichen Zugang zum Thema Preisstabilität informiert das Geldmuseum über vergangene Inflations-Episoden. Die Geschichte des Geldes ist eine Geschichte von Inflation, Deflation und Bankenkrisen,“ betonte Dr. Jens Weidmann Präsident der Deutschen Bundesbank und machte deutlich, dass sich die modernen Notenbanken im  Laufe der Zeit als Antwort auf diese Preisstabilitäts-Probleme herausgebildet hätten. „Und erst am Ende dieser Entwicklung“, so Weidmann, „steht die unabhängige, vornehmlich der Preisstabilität verpflichtete Notenbank, wie man sie heute in sehr vielen Ländern findet. Die Lehren aus den 1970er Jahren haben auf diesem Weg eine wichtige Rolle gespielt. Zu der Zeit war man in vielen Ländern überzeugt, eine steigende Arbeitslosigkeit ließe sich mit billigem Geld bekämpfen“. Von der Geschichte des Kampfes gegen Inflation, Deflation und Stagflation erzählt die Seite und das Kabinett „Inflation 1913″.

Kabinett Inflation 1923

Das Kabinett der Inflation im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow
Das Kabinett der Inflation im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow

Die gekonnte Aufbereitung und Darstellung des Themas der Geldentwertung lässt in diesem Raum Besucher beinahe körperlich die wirtschaftlichen Abgründe einer außer Kontrolle geratenen Inflation am Beispiel der 1923er Jahr nacherleben. Während dieser Hyperinflation stiegen die Preise so schnell, dass die Reichsbank mit dem Drucken neuer Banknoten nicht nachkam. Die Bevölkerung verarmte. Zuletzt kostete ein Ei 3 Billionen Mark und 1 Kg Brot 580 Milliarden. Der Wochenlohn eines Eisenbahn-Arbeiters lag bei 10,886 Billionen. Städte, Gemeinden und Unternehmen begannen Notgeld herauszustellen, teils mit Genehmigung und teils schwarz. Münzen spielten gar keine Rolle mehr.

Kabinett der Deutschen Zentralbank

Kabinett Deutsche Bundesbank im neuen Geldmuseum. Foto: Diether v. Goddenthow
Kabinett Deutsche Bundesbank im neuen Geldmuseum. Foto: Diether v. Goddenthow

In diesem besonderem Kabinett, Raum 7, wird die Geschichte der Deutschen Zentralbank von der Gründung der Reichsbank mit Wirkung zum 1.Januar 1876 bis heute – vor den Wirren wechselvoller Geschichte – mit zwei Weltkriegen etappenweise erzählt.

Kabinett Wirtschafts- und Währungsunion

Die Geschichte der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion kann in diesem, gleich neben dem Zentralbank-Kabinett gelegenen Raum 9 interaktiv nach verschiedenen zentralen Themenbereichen erforscht werden.

  1. Bereich: Geld Global
Bereich 4 "Geld global" im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Kabinett Deutsche Bundesbank im neuen Geldmuseum. Foto: Diether v. Goddenthow
Bereich 4 „Geld global“ im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank.  Im Bild vorne: der Goldbarren zum Anfassen. Foto: Diether v. Goddenthow

Der vierte Bereich „Geld Global“, Raum 10, präsentiert und betrachtet die  Währungsvielfalt  rund um den Globus, sowie Wechselkurse, Währungsreserven und staatliche Schätze wie Goldbestände. Der Besucher erhält interessante Einblicke in das internationale Finanzsystem und erfährt, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit für die Finanzstabilität ist.

Neben einer nachempfundenen Wechselstube werden großflächig die vernetzten globalen Handels- und Finanzströme dargestellt und aufgezeigt, wie Störungen im Finanzsystem rasch auf viele Länder übergreifen und großen wirtschaftlichen Schaden anrichten können. Von besonderem Interesse sind gleich zwei besondere „Highlights“ des neuen Geldmuseums: der Banknotenschwarm und der Goldbaren zum Anfassen.

Highlight Banknotenschwarm

Der "Banknotenschwarm" zeigt die Geldscheine der gesamten Welt. Foto: Diether v. Goddenthow
Der „Banknotenschwarm“ zeigt die Geldscheine der gesamten Welt. Foto: Diether v. Goddenthow

Beim Banknotenschwarm handelt es sich um eine Glaswand mit 229 Geldscheinen aus allen 195 Ländern der Welt mit 174 verschiedenen Währungen. Durch das Aufbringen auf die große Glasscheibe sind sie jeweils ihre Vorder- und Rückseite   anzuschauen. Auf einem überdimensionierten Tablett können Besucher gezielt über Währungs- oder Länderabfrage nach einzelnen Banknoten suchen und sich die Fund-Stelle auf der Scheibe anzeigen lassen. Das erleichtert das Auffinden der Original-Banknote im Banknotenschwarem.

Highlight Goldbaren zum Anfassen

Es ist gar nicht so einfach, den Goldbarren mit einer Hand hoch zu heben. Foto: Diether v. Goddenthow
Es ist gar nicht so einfach, den Goldbarren mit einer Hand hoch zu heben. Foto: Diether v. Goddenthow

Besonderer Beliebtheit erfreut sich bei Alt und Jung ein „Original-Goldbarren zum Anfassen“. Dieser ist in einer schicken Panzerglas-Vitrine mitten im Raum mit einer Handöffnung zum Berühren und Anheben des Goldbarrens untergebracht. Er wiegt 12,5 kg (402 Unzen) und hat einen Wert von derzeit etwa 440.000 Euro.

Die „historische“ Informationswand informiert über die Geschichte der Einführung des internationalen Goldstandards, erstmals 1844 durch Großbritannien eingeführt, wonach neue Geldscheine nur noch ausgegeben werden durften, wenn ihr Wert entsprechend mit Gold hinterlegt wurde. Später folgten alle wichtigen Industrieländer diesem Beispiel wie USA, Deutschland, Frankreich und Japan, wodurch der internationale Goldstandard entstand. Dieser wurde jedoch mit dem ersten Weltkrieg zum ersten Mal ausgesetzt und hatte ein recht wechselvolles Schicksal.

Probiernadelsatz für Silber des Münzbeamten José Caballero Spanien, nach 1715 im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow
Probiernadelsatz für Silber des Münzbeamten José Caballero Spanien, nach 1715 im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow

Weitere Themen sind: Handelsmünzen, Rheingold, „Goethes Chaos im Geldbeutel“ und die Silbergehaltsbestimmung von Münzen.
Seit dem 17. Jahrhundert schufen einige Staaten Münzen eigens für den Außenhandel, sogenannte Handelsmünzen wie den preußischen Handelspiaster, französischen Piastre de commerce oder amerikanischen Trade Dollar. Diese orientierten sich an den beliebtesten Großsilbermünzen der Zeit, dem spanischen Piaster. Manche Münzen wie der Dukat oder der Maria-Theresien-Taler waren so verbreitet, dass sie im internationalen Handel als Zahlungsmittel anerkannt waren.

Aktuelles Fenster

Abschluss im Geldmuseum bildet das „aktuelle Fenster“ mit der Behandlung von Themen wie der „globalen Finanzkrise ab 2008“.

360-Grad-Kino

Das 360-Grad-Kino bildet das multimedial ausgestattete Zentrum des neuen Geldmuseums der Deutschen Bundesbank.  Foto: Diether v. Goddenthow
Das 360-Grad-Kino bildet das multimedial ausgestattete Zentrum des neuen Geldmuseums der Deutschen Bundesbank. Foto: Diether v. Goddenthow

Im Zentrum des Geldmuseums, Raum 12, befindet sich ein von allen zentralen Themenbereichen zugängliches 360 Grad-Kino. Besucher können hier selbst wählen, zu welchen ungewöhnlichen Orten des Geldes sie in die Welt reisen möchten. Darüber hinaus soll das 360-Grad-Kino zusammen mit den beiden modernen Seminarräumen im ersten OG  für Vorträge, Weiterbildung und Seminare genutzt werden.

Die Bibliothek des neuen Geldmuseums liegt mit den beiden Seminarräumen im 1. OG. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Bibliothek des neuen Geldmuseums liegt mit den beiden Seminarräumen im 1. OG. Foto: Diether v. Goddenthow

Themenführungen, Workshops und Museumsrallyes für Kinder und Jugendliche sowie Lehrerseminare ergänzen das Programm. Ergänzt durch eine öffentlich zugänglicheBibliothek machen sie das Geldmuseum zu einem zentralen Ort der ökonomischen Bildungsaktivitäten der Deutschen Bundesbank. „Die Bundesbank will mit ihrem Bildungsangebot grundlegende Kenntnisse aus den Bereichen Geld, Währung und Zentralbank als Teil der wirtschaftlichen Allgemeinbildung vermitteln. Dadurch sollen vor allem junge Menschen, aber auch die breite Öffentlichkeit, die zentrale Bedeutung stabilen Geldes und die nachhaltige Stabilitätsorientierung der Bundesbank kennen und schätzen lernen.“, betonte Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, bei der Eröffnung.

 Ort und Öffnungszeiten

Ausführliche Informationen zu den Themen, Zeiten und zur Anmeldung finden Sie unter www.geldmuseum.de.

Das Museum befindet sich am Standort der Zentrale der Bundesbank in der Wilhelm-Epstein-Straße 14, 60431 Frankfurt am Main.

Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung ist Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr sowie Mittwoch von 9:00 bis 20:00 Uhr geöffnet.

70 Jahre Hessische Landeshauptstadt Wiesbaden: Zerstörung und Wiederaufbau – Vortrag in der IHK am 2.11.2016

70jahrehessen-displayIm Rahmen der Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Landes Hessen lädt die IHK Wiesbaden ein zur Veranstaltung

 

70 Jahre Hessische Landeshauptstadt Wiesbaden: Zerstörung und Wiederaufbau
Mittwoch, 2. November 2016, 18 bis 20 Uhr
IHK Wiesbaden, Wilhelmstraße 24, 65183 Wiesbaden, Großer Saal.

 

Nach der Begrüßung durch IHK-Präsident Dr. Christian Gastl und Grußworten von Oberbürgermeister Sven Gerich sowie Staatssekretär Ingmar Jung folgt der Vortrag „Wiesbaden und der Wiederaufbau einer teilzerstörten Kurstadt nach 1945“ von Dr. Thomas Weichel, Historiker und Autor des Buches „Wiesbaden im Bombenkrieg“.

Der Eintritt ist frei. Anmeldung per Mail an u.neuefeind@wiesbaden.ihk.de 

Gründerpreis-Auftakt der IHK-Region Wiesbaden mit Fest für den Unternehmensstart

Gordon Bonnet, Leiter Unternehmenskommunikation IHK Wiesbaden begrüßt die rund 250 Gäste des IHK Sommerfestes für Gründer und Kleinunternehmer. Foto: © massow-picture
Gordon Bonnet, Leiter Unternehmenskommunikation IHK Wiesbaden begrüßt die rund 250 Gäste des IHK Sommerfestes für Gründer und Kleinunternehmer. Foto: © massow-picture

Gründerkultur Rhein-Main:
Ein Fest für den Unternehmensstart

Sommerfest für Gründer und kleine Unternehmen feiert 10-jähriges Bestehen – Startschuss für Gründerpreis der Region Wiesbaden 2016

Wie vielfältig und lebendig die Gründerlandschaft in der Region ist, zeigte sich einmal mehr beim Sommerfest für Gründer und kleine Unternehmen in Wiesbaden: Mehr als 200 Gründer, Jungunternehmer und Inhaber kleiner Betriebe waren am Donnerstag, 14. Juli, in den Hof der IHK gekommen, um in lockerer Atmosphäre Kontakte knüpfen und sich mit Beratungsangeboten und Förderprogrammen vertraut zu machen. Workshops und Speed-Datings boten die Chance, sich zu Themen wie Fachkräftesuche, Netzwerke und Kundenbindung zu informieren. Bereits zum zehnten Mal hatten Industrie- und Handelskammer, Handwerkammer und EXINA zum Fest der Gründerregion Wiesbaden eingeladen.

Fortsetzung:  Gründer-News

Ausstellung PresseFoto Hessen-Thüringen 2015 vom 21. Juni bis 11. Juli 2016

André Hirtz, Bildredakteur beim „Darmstädter Echo“, erhielt den mit 2.000 Euro dotierten Preis „Foto des Jahres 2015“. Sein Bild zeigt Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Darmstadt. Ein Mann hält seine Hand schützend über ein Kind.
André Hirtz, Bildredakteur beim „Darmstädter Echo“, erhielt den mit 2.000 Euro dotierten Preis „Foto des Jahres 2015“. Sein Bild zeigt Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Darmstadt. Ein Mann hält seine Hand schützend über ein Kind.

Die Landesverbände Hessen und Thüringen des Deutschen Journalisten-Verbandes und die IHK Wiesbaden laden gemeinsam ein zur

Vernissage PresseFoto Hessen-Thüringen 2015
Dienstag, 21. Juni 2016, 18:00 Uhr
IHK Wiesbaden, Wilhelmstraße 24-26

Die Ausstellung in der IHK ist bis zum 11. Juli 2016 von Montag bis Donnerstag 8 bis 17 Uhr, Freitag 8 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Ausstellung „Baukultur in Deutschland“ der Wüstenrot Stiftung in der IHK Wiesbaden eröffnet

Foto © massow-picture
Foto © massow-picture

Zu den hervorstechendsten Merkmalen Wiesbadens zählen die vielen Villen und Prachtbauten, die imposanten Gründerzeithäuser und die wunderbar angelegten Parks. Doch es sind nicht nur die historischen Baudenkmäler, die einen Standort formen – auch in der Gegenwart gibt es Ikonen der Baukunst. Prämierte Beispiele präsentiert die Ausstellung „Baukultur in Deutschland“, die am Donnerstag, 11. Februar, im 200 Jahre alten Erbprinzenpalais der IHK Wiesbaden eröffnet wurde. Die Wanderausstellung zeigt 14 ausgezeichnete Projekte und weitere bemerkenswerte Einsendungen des Gestaltungspreises „Baukultur in Deutschland“ der Wüstenrot Stiftung.

(vl.) Dr. Christian Gastl, Präsident der IHK Wiesbaden; Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung; Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer; Joachim E. Schielke, Vorsitzender des Vorstands der Wüstenrot-Stiftung; Prof. Dipl.-Ing. Michael Schumacher. Foto © massow-picture
(vl.) Dr. Christian Gastl, Präsident der IHK Wiesbaden; Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung; Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer; Joachim E. Schielke, Vorsitzender des Vorstands der Wüstenrot-Stiftung; Prof. Dipl.-Ing. Michael Schumacher. Foto © massow-picture

„Unser Anspruch als IHK mit eigener 150-jähriger Geschichte ist es, Tradition und Moderne zu verbinden. Wir wollen das Alte nicht konservieren, sondern wir wollen in Gedenken unserer Wurzeln Raum für Neues geben“, begrüßte IHK-Präsident Dr. Christian Gastl die gut 100 Gäste. „Wenn Sie die eindrucksvollen Projekte studieren, werden Sie erkennen, dass es nicht nur die historischen Baudenkmäler sind, die einen Standort formen – auch in der Gegenwart gibt es neue Ikonen der Baukunst“. In seiner Rede zur Ausstellungseröffnung ging der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf die gute Entwicklung des Architekturmarkts in Hessen ein: „Die Architektur-Branche ist Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ihr Anteil am Gesamtumsatz dieses Wirtschaftszweiges liegt in Hessen bei etwa 8 Prozent – im Bundesdurchschnitt sind es nur 6,3 Prozent.“ Die Branche erwirtschafte jährlich einen Umsatz in Höhe von gut einer Milliarde Euro. In Hessen sitzen rund 3.500 Architekturbüros, darunter auch zahlreiche von internationaler Bekanntheit. Al-Wazir betonte, dass Baukultur ein Element von Lebensqualität sei: „Wir wollen deswegen einen dauerhaften Dialog zwischen Fachleuten, Bauherren und Bürgern über Funktionalität und Schönheit, kulturelles Erbe und moderne Gestaltung, Kosten und Nachhaltig fördern, etwa mit der Landesinitiative ‚Baukultur in Hessen‘ oder dem Tag der Architektur.“

Der alle zwei Jahre bundesweit ausgeschriebene Gestaltungspreis „Baukultur in Deutschland“ der gemeinnützig tätigen Wüstenrot Stiftung versucht, anhand besonders gelungener Beispiele einen Beitrag zur Klärung der wichtigsten Kriterien und Merkmale von Baukultur zu leisten. Stiftungsvorsitzender Joachim E. Schielke erklärt: „Die Bedeutung von Baukultur wird leider oft unterschätzt. In einer globalen Welt ist Baukultur eine Visitenkarte für Städte und Unternehmen und schafft Identität und Lebensqualität. Der Gestaltungspreis verdeutlicht, dass Baukultur aus vielen unterschiedlichen, privaten, gewerblichen und öffentlichen Bauaufgaben entsteht.“

Für den aktuellen Wettbewerb gab es 615 Einsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Die 14 Projekte wurden von einer hochkarätig besetzten Jury ausgezeichnet. Der mit 15.000 Euro dotierte Gestaltungspreis ging an die Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei (Stuttgart) für den Neubau des Hospitalhofes in Stuttgart. Damit würdigt die Jury ein vorbildhaftes Bauen im städtebaulichen Bestand sowie einen gelungenen Beitrag zur Stadtreparatur. Eine mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt die Schneider + Schumacher Planungsgesellschaft mbH aus Frankfurt am Main in Kooperation mit SPI Schüßler Plan Ingenieurgesellschaft mbH für den Neubau der Ölhafenbrücke in Raunheim. Ausgezeichnet wurde auch eine Arbeit des Wiesbadener Architekturbüros Kissler + Effgen für die Umgestaltung des Innenraums der Sankt Bartholomäus Kirche in Köln.

Weitere Informationen zu den Projekten finden sich unter: http://www.wuestenrot-stiftung.de/

Die Ausstellung im Foyer der IHK Wiesbaden, Wilhelmstraße 24-26, kann vom 12. Februar bis 10. März montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 16 Uhr besichtigt werden.