Kategorie-Archiv: Wirtschaftskultur

Der schleichenden Wirtschaftsfeindlichkeit entgegentreten! – Deutliche Worte auf Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018

Der größte Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft in Deutschland in der Rheingoldhalle in Mainz am 7. Februar 2018.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Der größte Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft in Deutschland in der Rheingoldhalle in Mainz am 7. Februar 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Deutlich mahnende Worte vor einer besorgniserregenden Überbürokratisierung, zuletzt durch die ab 25. Mai 2018 geltende EU-Datenschutz-Verordnung, sowie gegen einen schleichenden wirtschaftsfeindlichen Zeitgeist fanden die Vertreter der gastgebenden IHK, HWK und der Kammern der Freien Berufe auf dem Jahresempfang der Rheinlandpfälzischen Wirtschaft 2018 am 7.Februar in der Rheingoldhalle zu Mainz. Festredner war Professor Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., mit einem engagierten Plädoyer für den Zusammenhalt Europas.

Bessere Verhältnisse gab es in Europa noch nie!

Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert Bundestagspräsident a.D. beim Jahresempfang der Rheinland-Pfälzischen Wirtschaft 2018 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert
Bundestagspräsident a.D. beim Jahresempfang der Rheinland-Pfälzischen Wirtschaft 2018 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Lammert, seit Januar  Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, nannte den europäischen Integrationsprozess, der mit den Römischen Verträgen vor 60 Jahren seinen Anfang nahm, die „wichtigste einzelne Innovation des 20. Jahrhunderts“. Zum ersten Mal in einer zweieinhalbtausend-jährigen gemeinsamen Geschichte sei das Risiko so gut wie beseitigt, „dass Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikte, die es zwischen diesen Staaten nach wie vor gibt, unter Einsatz von Gewalt mit militärischen Mitteln ausgetragen werden können“, so Lammert. „Bessere Verhältnisse als die, die wir gegenwärtig in Europa haben, gab es auf diesem Kontinent nie!“ Noch nie habe es auf diesem Kontinent den Zustand gegeben, dass „in ausnahmslos allen europäischen Staaten, demokratisch gewählte Parlamente, und von diesen bestellte oder kontrollierte Regierungen im Amt sind“. Diese Errungenschaft sei ihm noch wichtiger, so Lammert, als seine „zugegebenermaßen gebremste Begeisterung gegenüber dieser oder jener konkreten Regierung, die ich da in diesem oder jenen Land im Amt sehe“. Die komplette Rede kann folgend über Youtube abgerufen werden:

Dr. Engelbert J. Günster „Kernthemen couragiert anpacken“

Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie und Handelskammer für Rheinhessen, hatte zuvor seine Begrüßungsrede vor den gut 1600 Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur unter das Motto „Kernthemen couragiert anpacken“ gestellt. Obwohl die Unternehmen auch am Standort Rheinhessen derzeit Rekorde verbuchten und ein Drittel von ihnen in den nächsten zwölf Monaten die Investitionen und die Beschäftigtenzahlen erhöhen wollten, läge, so der IHK-Präsident, statt Aufbruchsstimmung „eine bleierne Schwere über unserem Land.“ In Berlin „scheinen die parteitaktischen Grundsatzstreitereien wichtiger zu sein, als die Interessen unseres Landes und seiner Bürger“, so Günster. Und während ein dringender Handlungsbedarf bei Kernthemen zur Modernisierung Deutschlands und ein Zukunftsprogramm im europäischen Kontext bestünde, zermürbe man sich bei Prinzipienreiterei und Spitzfindigkeit, „so zum Beispiel, ob der Mittelwert zwischen 180.000 und 220.000 nun bei 200.000 liegt oder nicht; und ob der Begriff „Obergrenze“ eine normative Begrenzung ist, oder nur deskriptiver Natur.“

Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen:  „Der Industriestandort Deutschland braucht eine Frischzellenkur - und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen,  die die Politik zu verantworten hat.“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen:
„Der Industriestandort
Deutschland braucht eine Frischzellenkur – und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen,
die die Politik zu verantworten hat.“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Schon in der abgelaufenen Legislaturperiode habe die Große Koalition ihre Machtfülle nicht für grundlegende Reformen im Land genutzt. Auch die soeben mühsam beendeten Koalitionsverhandlungen zeugen auch diesmal nicht davon, dass die sich abzeichnende Fortsetzung der Großen Koalition an diesem Reformmangel etwas ändern wolle. Ein mutloses Wohlfühlprogramm schaffe keine neuen Jobs – und mittelfristig auch keine Aufbruchsstimmung im Land, so der IHK-Präsident. Günster mahnte an, wesentliche Kernthemen couragiert anzupacken, beispielsweise zuvorderst:
„• Investitionen in Bildung von der Kita bis zur Hochschule und die Sicherung des Fach- und Führungskräftenachwuchses,
• Ertüchtigung und Ausbau der digitalen- und der Verkehrsinfrastruktur
• Innere Sicherheit und Schutz der Außengrenzen, • Steuerentlastung von Bürgern und Unternehmen,
• Straffung des Gesundheitswesens und Entzerrung und Verbesserung von Prophylaxe, Akutbehandlung und ganz besonders der Pflege in einer alternden Bevölkerung.“

Zudem gelte es, „einer schleichenden Wirtschaftsfeindlichkeit entgegenzuwirken“, so der IHK-Präsident und zitierte, die diesbezüglichen Beobachtungen des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, aus dessen kürzlich gehaltenen Rede: „In Deutschland hat sich ein Zeitgeist breitgemacht, der Wirtschaft und Industrie pauschal hintertriebene, arrogante Profitgier unterstellt. Anstatt mit dem Wirtschafts- und Industriestandort die Grundlage des hiesigen Wohlstands zu sichern, wird nur noch über Ausstiege, Verbote und Reglementierungen geredet, statt über Innovation, Investition und Modernisierung.“ Er stimme in diesem Punkt ausdrücklich dem erfahrenen Gewerkschaftsführer zu, so Günster, und ergänzte: „Es darf nicht sein, dass ein tüchtiger und erfolgreicher Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft in Sippenhaft genommen wird für Fehlverhalten einiger weniger Großunternehmen. Ich teile gerne auch seinen Weckruf an alle handelnden politischen Akteure: „Der Industriestandort Deutschland braucht eine Frischzellenkur – und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen, die die Politik zu verantworten hat.“, so der IHK-Präsident (Die komplette Rede hier).

Talkrunde diskutierte- Berufsausbildung und Bürokratieabbau
Talkrunde (v.l.n.r.): Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland-Pfalz e. V., Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Markus Appelmann, Moderator. Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Talkrunde (v.l.n.r.): Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland-Pfalz e. V., Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Markus Appelmann, Moderator. Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Noch deutlichere Worte gegen die wachsende Zahl unternehmensfeindlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen fand die  Talkrunde mit  Hans Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, Wilhelmina Katzschmann Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland Pfalz sowie Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland Pfalz e. V.. Moderator war Markus Appelmann, SAT1, der durch den ganzen Veranstaltungsabend führte.

Zwei Themen brannten dabei besonders auf den Nägeln: Die berufliche Bildung und der Bürokratieabbau.

Auch ein verpflichtendes Praktikum im Handwerk für alle Schultypen

Besorgniserregend sei das nachlassende Niveau der Schulabsolventen nicht nur in theoretischen Fächern, sondern auch in den praktisch-manuellen Bereichen, weswegen Handwerkspräsident Hans Jörg Friese forderte: „Was wir benötigen, sind in den Schulen handwerkliche Fähigkeiten.“ Wie solle jemand, der noch nie gehämmert habe, plötzlich am Ausbildungsplatz ein Talent für’s Hämmern entwickeln können, versuchte Friese das Problem an diesem kleinen Beispiel im Kern zu benennen. Wenn in den Schulen keine fachpraktischen Fähigkeiten vermittelt würden, könne sich das Handwerk anstrengen wie es wolle; Es gäbe dann keine Möglichkeit mehr, die Versäumnisse in der Feinmotorik nachzuholen. Deswegen forderte der Handwerkskammerpräsident  unter  viel Beifall, ab der 5. Klasse verbindlich Naturwissenschaften zu lehren. Und dass „für alle Schulformen, auch für’s Gymnasium, ein Praktikum verpflichtend ist, und mindestens ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb“, so Friese. Denn es werde nicht nur immer schwieriger, gute ausgebildete Menschen zu bekommen. Sondern mit der Digitalisierung in der Wirtschaft, auch im Handwerk, seien die Anforderungen drastisch gestiegen: „Wir haben junge Menschen, die müssen nicht nur das Fachpraktische erlernen, sondern sie müssen diesen Weg der Digitalisierung gehen.“ Da käme  zum Erlernen der nötigen handwerklichen Fertigkeiten noch der Lehrstoff aus dem „Digitalen“ hinzu. Zudem benötigte man Berufsschulen und Bildungszentren der Kammern, die gut ausgestattet seien, so der Handwerkspräsident, und forderte hierfür entsprechende Unterstützung, „um all diese Dinge auch angehen zu können“.

Von Bürokratieabbau keine Spur – Wirtschaft und Freiberufler ersticken bald an überzogenen Dokumentationspflichten 

Beim Thema Bürokratieabbau warnte Edgar Wilk vor den Folgen einer ausufernden Bürokratie für die Freien Berufe und mittelständische Unternehmen. Dabei kritisierte er unter anderem eine Reihe von aktuellen Rechtsvorschriften, die jeden noch so kleinen Arbeitsschritt bei der Berufsausübung dokumentiert sehen wollen. „Dadurch werden Unternehmen und Freiberufler unnötig behindert. Hier muss dringend auf die Bremse getreten werden. Jede neue Dokumentationspflicht lässt den Bürokratieaufwand größer werden“, erklärte Wilk und nannte die nervigsten Gesetzes-Verordnungen, wie etwa die „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff GoBD. Darin, so Wilk, werde in 184 Punkten detailliert aufgelistet, wie  die Abläufe in der Buchhaltung vonstattengehen und die Arbeitsschritte im Betrieb dokumentiert werden müssen. „Wer gedacht hat, dass die Umstellung auf elektronische Unterlagen die Arbeit vereinfacht und beschleunigt, der hat die Rechnung ohne die Bürokratie gemacht“, so Wilk

Ähnlich kritisch beurteilte der Kammerpräsident auch die Dokumentationspflichten des neuen Geldwäschegesetzes (GwG). Hier wird verlangt, erst einmal festzustellen und zu dokumentieren, ob man selbst „geldwäschegefärdet“ sei.  Besonders betroffen sind hierbei Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Sie müssen umfangreich analysieren, ob in ihren Kanzleitätigkeiten Risiken im Hinblick auf Geldwäsche vorhanden sind und diesen Vorgang genau dokumentieren. „Neben dem großen bürokratischen Aufwand droht den Betroffenen bei Nicht-Befolgen der Richtlinien eine unverhältnismäßige Strafe. Hier schießt der Gesetzgeber über das Ziel hinaus.“

Besonders ärgerlich sei auch die ab 25. Mai 2018 verpflichtend anzuwendende europäische Datenschutz Grundverordnung (EU-DS-GVO). Sie bringe zusätzliche, ganz erhebliche Dokumentationspflichten und einen damit verbundenen Bürokratieaufwand mit sich. Danach sind Unternehmen und Freiberufler angehalten, ihre Arbeitsabläufe und Prozesse so einzurichten und zu dokumentieren, dass die Verarbeitungsweise von Personendaten sowie die Erfüllung der umfangreichen Informationspflichten jederzeit gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden können. Die meisten Freiberufler sind als Berufsgeheimnisträger aber ohnehin schon durch ihren Beruf dazu verpflichtet, ihre Mandanten-, Klienten- und Patienten-Daten vertraulich zu behandeln; einer zusätzlichen Regelung hätte es da nicht bedurft. „Die neuen Pflichten nach der DS-GVO bei der Bearbeitung persönlicher Daten führen lediglich zu mehr Arbeitsaufwand und Verunsicherung der Mandanten“, kritisiert Wilk. „Diese Regelung trifft genau die Falschen, hier wäre eine Ausnahme sinnvoll gewesen.“ Auch hier drohen Betroffenen bei nicht Befolgung drastisch überzogene Strafen bis zu 20 Mio. Euro.

Netzwerken bei Wein und Bretzel auf dem Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Netzwerken bei Wein und Bretzel auf dem Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

(Dokumentation Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

 

Die Statements der Verbandsvertreter können folgend angeklickt werden:

Auch das Handwerk sieht seine Zukunft in der Digitalisierung – Momentaufnahmen vom parlamentarischen Neujahrstreffen

Impression vom Parlamentarischen Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks e.V. am 31. Januar 2018 im Kurhaus Wiesbaden mit Vertretern der Politik, unter ihnen in Vertretung von Ministerpräsident Volker Bouffier Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression vom Parlamentarischen Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks e.V. am 31. Januar 2018 im Kurhaus Wiesbaden mit Vertretern der Politik, unter ihnen in Vertretung von Ministerpräsident Volker Bouffier Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ganz oben auf der Agenda aller Neujahres- und Jahresempfänge von IHKs und HWKs, Wirtschafts-  und Branchenverbänden, von Mittelstandstreffen und Arbeitgeberverbänden  in jüngster Vergangenheit steht  die Digitalisierung: „Industrie 4.0″ bzw. „Handwerk 4.0″ als Garant für internationale Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovation schlechthin.
So wunderte es  nicht, dass das Thema Digitalisierung wiederholt auch das Schlagwort des Abends auf dem traditionellen parlamentarischen Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) in Wiesbaden war.

Präsident Jochen Honikel machte aber auch deutlich, dass der technische Fortschritt unvorhersehbare Herausforderungen bringe. © Foto: Diether v. Goddenthow
Präsident Jochen Honikel machte aber auch deutlich, dass der technische Fortschritt unvorhersehbare Herausforderungen bringe. © Foto: Diether v. Goddenthow

Präsident Jochen Honikel stellte vor knapp 250 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft die Fortschritte und Aufgaben für die Digitalisierung im Handwerk dar: „Für uns ist klar: Nur wenn das Handwerk heute die Chancen der Digitalisierung beherzt nutzt, werden unsere Geschäftsmodelle auch in Zukunft erfolgreich sein. Dafür haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen und der hessischen Politik im vergangenen Jahr ganz konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht: Beispielhaft will ich unsere Studie in Kooperation mit dem hessischen Wirtschaftsministerium und dem eBusiness-Kompetenz-Zentrum über die bestehenden Digitalisierungsangebote und Erfordernisse im Handwerk nennen. Auch in den Gremien des Hessischen Handwerkstages haben wir durch einen neu gegründeten Digitalisierungsarbeitskreis das wichtige Zukunftsthema fest in den Blick genommen. Mein Dank gilt an dieser Stelle der Landespolitik, die mit jeweils 500.000 Euro im Doppelhaushalt 2018/19 einen weiteren Beitrag leistet, um die Digitalisierung im hessischen Handwerk voranzubringen. Wir wissen die heute Abend anwesenden Politiker parteiübergreifend an unserer Seite. Dafür sind wir Ihnen allen sehr verbunden.“

Honikel machte aber auch deutlich, dass der technische Fortschritt unvorhersehbare Herausforderungen bringe: „Unsere Gesellschaft und auch unsere Arbeitswelt verändern sich rasend schnell. Die Frage ist: Können wir als Handwerk mit dieser Geschwindigkeit der Entwicklung mithalten? Welchen Beitrag können wir dazu leisten? Und schlussendlich: Wie verändert sich das Handwerk durch die Digitalisierung? Welche Fähigkeiten muss der Mitarbeiter der Zukunft haben? Wie müssen wir die Ausbildung unserer jungen Leute verändern?“

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte unter anderem Zuschüsse für Digitalisierungsberater und  für die Umstellung der Arbeitsprozesse im Handwerk zu. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sagte unter anderem Zuschüsse für Digitalisierungsberater und für die Umstellung der Arbeitsprozesse im Handwerk zu. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sicherte dem Handwerk bei diesen wichtigen Fragen die Unterstützung der Landesregierung zu: „Mit unserer Ausbildungsförderung helfen wir gerade Handwerksbetrieben beim Wettbewerb um junge Leute. In diesem Jahr führen wir die Meisterprämie ein, um junge Frauen und Männer noch mehr zu motivieren, sich beruflich weiterzuentwickeln und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Wir wollen auch, dass die hessischen Handwerksbetriebe Schritt halten können mit dem technologischen Wandel; deshalb fördern wir Stellen für Digitalisierungsberater und stellen Zuschüsse bereit für die Umstellung der Arbeitsprozesse und die Verbesserung der IT-Sicherheit.“

In kurzen Statements der Vorsitzenden der Landtagsfraktionen bestätigten Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Fraktionsvorsitzender Michael Boddenberg (CDU), Renè Rock (FDP) und Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) die Aufforderung Honikels, die anstehenden Aufgaben gemeinsam anzugehen. Die im Landtag vertretenen Fraktionen suchen gezielt den Dialog mit dem hessischen Handwerk. Bei den aktuellen Herausforderungen, wie z.B. der finanzielle Ausstattung der Kommunen, dem Nachwuchsmangel oder der Luftreinhaltung, sollen in gemeinsamen Gesprächen die Belange und Lösungsvorschläge des Handwerks diskutiert werden.

Vize-Präsident Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands  Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe,forderte u.a. Nachrüst-Fonds zur Dieselumrüstung, © Foto: Diether v. Goddenthow
Vize-Präsident Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe,forderte u.a. Nachrüst-Fonds zur Dieselumrüstung, © Foto: Diether v. Goddenthow

Vize-Präsident Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands  Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, forderte in seinem Schlusswort von der Politik endlich der massiven Verunsicherung darüber, ob, wann und wo Dieselfahrzeuge künftig noch bewegt werden dürfen ein Ende zu setzen: „Anstatt die derzeitige Angst vor Diesel zu schüren muss es gelingen, gesetzliche Rahmenbedingungen für einen Anreiz zu setzen, Euro 5 Dieselfahrzeuge technisch so nachzurüsten, dass deren Stickoxidausstoß auf Euro 6-Niveau reduziert wird.“

Die Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks sind der Zusammenschluss von 30 handwerklichen Fachverbänden, in denen rund 15.000 Betriebe freiwillig organisiert sind.

Wiesbadener IHK-Neujahrsempfang 2018 „im Konjunkturhimmel“

Neujahrsempfang der IHK Wiesbaden am 17. Januar 2018 mit rund 500 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft. IHK-Kammerpräsident Dr. Christian Gastl eröffnet die Veranstaltung. Foto: Diether  v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Neujahrsempfang der IHK Wiesbaden am 17. Januar 2018 mit rund 500 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft. IHK-Kammerpräsident Dr. Christian Gastl eröffnet die Veranstaltung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Über 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verbänden und Gesellschaft konnte IHK-Präsident Dr. Christian Gastl mit guten Nachrichten zum Neujahrsempfang der IHK Wiesbaden am 17. Januar 2018 im Erbprinzenpalais begrüßen. Das vom Statistischen Bundesamt für 2017 ermittelte Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent überträfe gar die Jahresprognose um 0,4 Prozentpunkte. Und für 2018 erwarte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nochmals ein Wirtschaftswachstum von satten 2,2 Prozent. Deutschland befände sich dann im neunten Jahr in Folge in einem der längsten und stabilsten Aufschwünge seiner jüngeren Geschichte. So wundert es nicht, dass auch im Kammerbezirk laut Umfrage der „Geschäftsklimaindex aus dem Mittelwert von Lage und Erwartungen auf das hohe Niveau von 137 Punkten angestiegen“ sei und „erneut deutlich über dem hessischen Durchschnitt“, liege, so der Kammerpräsident. (IHK-Konjunkturbericht 2018)

Wo aber viel Licht ist, gibt es bekanntlich auch  manchen Schatten: Euro-Krise, Brexit-Folgen, Flüchtlings-Zuzug und -Integration, Energiewende seien ungelöst. Im Kammerbezirk hinkten Stadt und Land immer noch beim für die Wirtschaft so wichtigen Ausbau der Breitband- und Telekommunikationsinfrastruktur hinterher. Und es fehlten das seit Jahren versprochene öffentliche W-LAN sowie ausreichend Gewerbeflächen für Betriebs-Erweiterungen und Neuansiedlungen.

Verlässliche Politik unverzichtbar für demokratische Errungenschaften
Sorge bereite zudem die oftmals nicht mehr klar erkennbare Haltung der etablierten politischen Kräfte und ein damit verschwindendes allgemeines Vertrauen. „Damit unsere demokratischen Errungenschaften nicht in eine Schieflage geraten, kommt es auf die Bewahrung von Haltung auf Basis eines soliden Wertefundamentes an“, sagte der Kammerpräsident und fragte, was denn „unser ethischer Kompass“ sei.
An die Politik gerichtet, bat er Ministerpräsident Volker Bouffier, sich „für eine kluge und verlässliche Politik im Bund stark zu machen, die nicht kurzatmig nach den nächsten Meinungsumfragen oder Followerzahlen bei Twitter schielt, sondern der es ernsthaft um die verantwortliche und nachhaltige Gestaltung der Zukunft geht. Wir brauchen eine stabile Regierung, die tatkräftig die Schlüsselthemen der Zukunft anpackt und damit verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik betreibt.“

Kammerpräsident Dr. Christian Gastl hielt eine bemerkenswerte Rede. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Kammerpräsident Dr. Christian Gastl hielt eine bemerkenswerte Rede. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

An die Unternehmer adressiert, mahnte der Kammerpräsident eine Wertehaltung des „Ehrbaren Kaufmanns“ an, denn allein Gewinn zu machen reiche für ein unternehmerisch verantwortungsvolles Handeln nicht aus. „‘Ehrbare Kaufleute sind ein Vorbild in der Sozialen Marktwirtschaft. Ihre Leitsätze beruhen auf Anstand, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortung.‘ So steht es in unserem Leitbild ‚Ehrbarer Kaufleute‘, das die Unternehmer unserer IHK-Vollversammlung – über alle Branchen und Betriebsgrößen hinweg – zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode verabschiedet haben. Als Richtschnur für das eigene Handeln, aber auch um öffentlich ein Zeichen zu setzen. Außerdem als Appell an alle Verantwortlichen in den Unternehmen, sich ebenfalls zu diesem Leitbild zu bekennen. Daran arbeitet auch unser IHK-Ausschuss ‚Gesellschaftliche Verantwortung‘, den unsere Vollversammlung 2014 ins Leben gerufen hat“, unterstrich der Kammerpräsident.

Neue schöne Datenschutzwelt 

Der Staat könne  durch kleinteilige neue Gesetze, die die Unternehmen dazu verpflichteten, Prüflisten abzuhaken, eher nicht zur Wertehaltung eines „Ehrbaren Kaufmanns“ animieren.  So müsse beispielsweise im Rahmen der Arbeitsschutz-Gesetzgebung jetzt selbst jeder Keinstbetrieb der Dokumentationspflicht nachkommen, jährlich eine Gefährdungsbeurteilung von psychischen Belastungen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz vorzunehmen. „Ich frage mich, welches Unternehmerbild der Gesetzgeber im Kopf hat, wenn er selbst Kleinstbetrieben nicht zutraut, im unternehmerischen Eigeninteresse dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter gesund und arbeitsfähig sind. Dass er noch dazu die Verpflichtung ausspricht, dies zu dokumentieren, zeugt von wenig Vertrauen.“, ärgert den Kammer-Präsidenten.

Beinahe noch absurder sei jedoch die ab dem 25. Mai 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung. Während Menschen im Facebook-Mainstream freiwillig mitunter ihr Privatestes öffentlich machten, wäre es andererseits  nicht mehr zulässig, „den Einladungsverteiler dieses Neujahrsempfangs abzuspeichern, um ihn im kommenden Jahr zum Abgleich zu nutzen. Ich sage dies schon einmal vorsorglich, falls Sie nächstes Jahr keine Einladung erhalten sollten“, klärt der Kammerpräsident die ungläubig dreinschauenden Anwesenden über die realitätsferne Absurdität der neuen schönen Datenschutzwelt auf. „Im Ernst: So nachvollziehbar die dahinterstehende Absicht ist, die Daten von Mitarbeitern und Kunden schützen zu wollen, so umfangreich sind doch für Betriebe die Löschungs- und Dokumentationspflichten – verbunden mit grotesken Haftungssummen bei Zuwiderhandlungen.“, sprach Dr. Christian Gastl den Anwesenden aus dem Herzen. Woraufhin selbst Ministerpräsident Volker Bouffier derart darüber erstaunt war, dass er gleich zu Beginn seiner Rede Dr. Christian Gastl dringend bat, ihm den entsprechenden Gesetzestext zukommen zu lassen. Das könne so doch nicht gewollt sein. Da müssten doch nochmal die Juristen drüber gucken!, versprach der Ministerpräsident Abhilfe zu schaffen, damit Sie auch im nächsten Jahr alle ihre Einladung wieder erhalten können.

„Unternehmer sind keine kleinen Kinder, denen man mit permanent neuen Vorschriften sagen muss, wie sie sich richtig zu verhalten haben!“, empört sich der Kammerpräsident unter viel Beifall. „Unternehmer sind Menschen, die den Mut aufgebracht haben, etwas zu wagen. Sie gehen jeden Tag persönlich hohe Risiken ein, arbeiten viel und verzichten vor allem in den Gründungsjahren zumeist auf ein geregeltes Privatleben – denn selbstständig heißt bekanntlich ‚selbst‘ und ‚ständig‘.“

Der Kammerpräsident geißelte zudem die Unverhältnismäßigkeit solch einer überzogenen Gesetzgebung, nämlich wegen ein paar schwarzen Schafen immer neue bürokratische Anforderungen zu schaffen, und dabei die „Unabhängigkeit“ des Unternehmerseins zu opfern. “Dann braucht sich niemand darüber wundern, dass sich immer weniger Menschen vorstellen können, einen eigenen Betrieb im Vollerwerb zu gründen“, verdeutlichte der Kammerpräsident das Dilemma.

Vielmehr sei die Politik aufgerufen, „an anderer Stelle ihrer Rolle zur Erfüllung der Sozialen Marktwirtschaft gerecht zu werden. Dazu gehört neben meinen eingangs aufgelisteten Forderungen, dass sich Leistung tatsächlich lohnen muss. Unser jetziges Steuersystem ist in dieser Hinsicht nicht dienlich, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn dann zu konjunkturellen Hochzeiten und angesichts von Milliardenüberschüssen in Bund, Ländern und Gemeinden über Steuererhöhungen diskutiert wird, dann passt für mich etwas nicht im Wertesystem dieser Politiker. Aufgabe der Politik ist es beispielsweise, Steueroasen auszutrocknen und Steuerschlupflöcher zu schließen, aber nicht, die Steuerschraube weiter anzuziehen.“, so der Kammerpräsident.
(Die komplette Neujahresrede des IHK-Präsidenten hier)

Wachsende Beliebtheit Wiesbadens schaffe wachsende Herausforderungen bei Wohnen und Verkehr

Oberbürgermeister Seven Gerich zeigt sich auch für 2018 sehr optimistisch. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Oberbürgermeister Seven Gerich zeigt sich auch für 2018 sehr optimistisch. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Oberbürgermeister Seven Gerich freute sich über die wachsende Beliebtheit der hessischen Landeshauptstadt, was auch die wachsende Bevölkerungszahl zeige. Diese habe in den letzten 10 Jahren um 14.000 Menschen auf 290.500 Einwohner zugenommen, was einem Plus von 5,3 Prozent entspräche. Und weitere 5 Prozent Einwohnerzuwachs würden für die nächsten Jahre prognostiziert. Diese positive Entwicklung stelle bei aller Freude darüber,  andererseits die Stadt Wiesbaden auch vor große Herausforderungen, etwa erschwinglichen Wohnraum zu erschließen. Es sei jedoch genauso wichtig, daneben Büro- und Gewerbeflächen zu schaffen, so der Oberbürgermeister. Er nannte beispielhaft das Stadtentwicklungsgebiet Ostfeld/Kalkofen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre würde in dem neu geschaffenen Stadtteil ein ausgewogener Mix aus Wohnen, Arbeiten, Freiflächen und Biotopflächen entstehen.

City-Bahn und E-Busse
Verkehrspolitisch zukunftsweisend sei auch das Vorhaben, die beiden Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz durch eine City-Bahn miteinander zu verbinden, „die zur umweltfreundlicheren und effizienteren Mobilität beider Städte beitragen soll“, erläuterte Sven Gerich, der sich von dem Vorhaben auch „positive Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Potentiale beider Städte“ verspricht.

Auch die Umrüstung aller Diesel- zu Elektro-Bussen solle zu einem umweltfreundlicheren Öffentlichen Nahverkehr beitragen. “Für 2022 wollen wir damit die erste deutsche Großstadt sein, die lokal emissionsfrei ihr ÖPNV anbieten kann!“, nannte der Oberbürgermeister das Ziel.

RheinMain CongressCenter 
Mit der in wenigen Wochen erfolgenden Fertigstellung des RheinMain CongressCenters würden vermehrt Gäste aus anderen Städten und auch aus dem Ausland nach Wiesbaden kommen. Im April werde das RheinMain CongressCenter komplett fertiggestellt sein und offiziell eröffnet werden. Wiesbaden läge sehr gut auf dem Zeitstrahl bis zum 13. April. „Bereits am 3. Februar wird im RheinMain CongressCenters der Ball des Sports erstmals in neuen Räumen stattfinden. „Durch die durchaus zahlreichen Möglichkeiten von Veranstaltungen wie Messen, Kongresse, Ausstellungen oder Tagungen wie auch Konzerte, auch mal die ein oder andere Fernseh-Show, wird das RheinMain CongressCenters ein modernes Gebäude sein zur vielfältigsten Nutzung“, schwärmte der Oberbürgermeister.

Neues Kunstmuseum
Auch für 2018 habe sich die Stadt viel vorgenommen, sagte der Oberbügermeister. Dabei sei für ihn ein besonderes Highlight zum Ende des vergangenen Jahres der Vertragsabschluss mit der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung zum Bau eines neuen Kunstmuseums auf „unserem wertvollsten Grundstück in der Wilhelmstrasse 1“ gewesen. Damit könne die konkrete Planung beginnen, und „ich bin überzeugt davon, dass dieses Museum eine Bereicherung nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region werden wird“, bekräftigte der Oberbürgermeister.

Hochschule Fresenius

Ein weiteres Großprojekt, nämlich der 2016 gestartete Bau der Hochschule Fresenius käme gut voran, so dass die ersten der insgesamt mal 1000 jungen Menschen bereits im Wintersemester 2018/2019 ihr Studium aufnehmen könnten. Dieser neue Hochschulstandort bereichere die Stadt und belebe und aktraktiviere das viel zu lange leerstehende ehemalige Gerichtsviertel rund um Moritz- und Oranien-Straße nachhaltig.

Die Krankenhausschließung in Bad Schwalbach bringt die Rettungsdienste in Not und schwächt ländliche Region

Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises forderte die Politik zur Stärkung des ländlichen Raums auf. Foto: Diether v. Goddenthow
Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises forderte die Politik zur Stärkung des ländlichen Raums auf. Foto: Diether v. Goddenthow

Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, ging insbesondere auf die für ihn nicht nachvollziehbare Schließung des Krankenhauses Bad Schwalbach ein. Er bedauere die Schließung des Krankenhauses, daran würde auch nichts ändern, offiziell von einer Umstrukturierung zu sprechen, da dort die Psychosomatische Klinik aus Wiesbaden untergebracht werden solle. Praktisch sei es eine Schließung des Standtortes, so der Landrat. Zudem dürfe das Krankenhaus in Bad Schwalbach nicht isoliert, sondern müsse in unmittelbarem Kontext zu den Standort Idstein betrachtet werden, „insbesondere im Hinblick auf die Notfallaufnahmen, und wir müssen auch den Bezug zum Joho-Krankenhaus in Rüdesheim am Rhein herstellen.“, so der Landrat.
Vor allem sei die Schließung des Krankenhauses als wichtiger Notfallstandort für die Rettungsdienste ein großes Problem, „die im Zweifel längere, um nicht zu sagen erheblich längere Anfahrtswege hätten.“ „Wir von der Entscheidungsgruppe des Rheingau-Taunuskreises – ich spreche hier für unsere Gesundheitsdezernentin Monika Merkert mit – können nur schwer verstehen, dass man auf der einen Seite – von Seite der Bundes- und der Landesregierung – stets von der Stärkung des ländlichen Raums spricht, hier aber billigend in Kauf nimmt, dass mit der Schließung eines Krankenhauses auch wirkliche Folgewirkungen wie Schließung von Arztpraxen, möglicher Wegfall von Apotheken und weitere Standortfaktoren ganz entscheidend verändert werden“, so der Landrat.
Frank Kilian appellierte deshalb dringend an alle Entscheidungsträger, „uns mindestens bei solchen Prozessen frühzeitig zu informieren und anzuhören und mit uns gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Das wäre wünschenswert, anstatt uns quasi vor beschlossene Entscheidungen zu setzen.“

Von wettbewerbsfähigen Unternehmen profitierten auch die Beschäftigten

Ministerpräsident Volker Bouffier setzte auf Verlässlichkeit und stabile politische Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier setzte auf Verlässlichkeit und stabile politische Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier freute sich, dass in Hessen die Wirtschaft brummt. Diese sei „kraftvoll in das neue Jahr 2018 gestartet: Erstmals gibt es in Hessen mehr als 2,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Das ist Rekord und ein Beleg für die hervorragende Wirtschaftslage unter dieser Landesregierung. Im November 2017 lag Hessen bei diesem Beschäftigungswachstum auf Platz zwei aller Bundesländer, zudem ist die Arbeitslosenquote mit 4,7 Prozent die niedrigste seit der Wiedervereinigung.“, so der Ministerpräsident. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg habe auch Wiesbaden als prosperierende Landeshauptstadt, „denn hier hält der Aufwärtstrend mit einer guten wirtschaftlichen Entwicklung und einer steigenden Zahl an freien Stellen weiter an“, so der Ministerpräsident. Besonders erfreulich sei es, dass im IHK-Bezirk Wiesbaden die Zahl der neuen Ausbildungsplätze zunähme. So hätten 1.675 junge Menschen vergangenes Jahr eine duale Berufsausbildung begonnen. Das seien rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. Es zeige, die duale Ausbildung sei – bei aller Tradition – nach wie vor modern, zukunftsorientiert und ein Erfolgsmodell, „um das uns Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit weltweit beneiden.“, bekräftigte der Ministerpräsident.

Besonders freute sich Volker Bouffier, dass „unsere hessischen Unternehmen wettbewerbsfähig“ seien wie nie, wovon am Ende auch die Beschäftigten profitierten. „Um dieses hohe Niveau zu halten, gilt es, die vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam erfolgreich zu meistern. Sei es beim Fachkräftemangel, bei der Integration oder auch bei der Erarbeitung eines neuen Landesentwicklungsplans mit ausreichenden Gewerbeflächen. Wir haben die besten Voraussetzungen, eine gute Zukunft für die Menschen in unserem Land zu gestalten und selbstbewusst die vor uns liegenden Aufgaben für Hessens gute Zukunft anzugehen.“, sagte der Ministerpräsident.

(Dokumentation: Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

(v.l.) Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Sven Gerich ,Oberbürgermeister  der Landeshauptstadt Wiesbaden, Volker Bouffier, hessischer Ministerpräsident, Dr. Christian Gastl, IHK-Präsident sowie Joachim Nolde, IHK-Hauptgeschäftsführer. Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

(v.l.) Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Sven Gerich ,Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden, Volker Bouffier, hessischer Ministerpräsident, Dr. Christian Gastl, IHK-Präsident sowie Joachim Nolde, IHK-Hauptgeschäftsführer. Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden / Sonderumfrage Auslandsinvestitionen
Glänzender Jahresstart für die Wirtschaftsregion Wiesbaden

Der Konjunkturmotor der Wirtschaftsregion Wiesbaden erhöht die Drehzahl noch weiter: Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und in Hochheim hervorragend beurteilt, die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate steigen auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Von den Betrieben geht weiterhin ein spürbarer Impuls am Arbeitsmarkt aus. Investitionspläne und Exporterwartungen erreichen einen historischen Höchststand. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden zum Jahresbeginn 2018.

Der Geschäftsklimaindex – Indikator der regionalen Wirtschaftsentwicklung – steigt um 5 auf 137 Zähler und liegt erneut deutlich über dem hessischen Durchschnitt. „Das ist der zweithöchste Wert seit 17 Jahren“, freut sich IHK-Präsident Dr. Christian Gastl. „Die Wirtschaftsregion Wiesbaden gedeiht prächtig.“ Ab einem Indikatorwert von 100 ist ein spürbares Wachstum zu erwarten. Die Konjunkturprognose FrankfurtRheinMain 2018 geht von einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent in der Metropolregion aus. „Für 2018 bleibt zu hoffen, dass die wirtschaftliche Entwicklung von stabilen politischen Verhältnissen und verantwortungsvoller Wirtschaftspolitik begleitet wird“, so der IHK-Präsident.

„Die Ergebnisse stehen im Lichte hervorragender Rahmenbedingungen. Die Binnennachfrage bleibt der wichtigste Impulsgeber für die deutsche Konjunktur. Die Zinsen verharren auf niedrigem Niveau, die Arbeitskräftenachfrage bleibt hoch, trotz gestiegener Inflationsrate verbleiben spürbare Lohn- und Rentensteigerungen für den privaten Konsum. Die Auslandsnachfrage steigt, obwohl der Euro jetzt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren liegt. Die öffentlichen Haushalte erwirtschaften die höchsten Überschüsse seit der Wiedervereinigung. Der Aufschwung steht auf einer breiten Basis“, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden.

Die Investitionspläne der Unternehmen erreichen einen historischen Höchststand. 39 Prozent der Betriebe im IHK-Bezirk wollen ihre Investitionsausgaben steigern (+3 Prozentpunkte), 9 Prozent planen eine Kürzung der Investitionsbudgets (-4 Punkte). 63 Prozent der Unterneh-men im IHK-Bezirk tätigen Investitionen im Ausland (+8 Punkte). Davon wollen 37 Prozent ihre Investitionsausgaben gegenüber dem Vorjahr steigern (+10 Punkte), 4 Prozent verringern (-4 Punkte).

Der Sonderauswertung zum Thema Auslandsinvestitionen zufolge rechnen die betreffenden Betriebe mit einer deutlichen Ausweitung: 60 Prozent planen ein Engagement in der Eurozone (-3 Prozentpunkte), 23 Prozent in China (+1 Punkt), 20 Prozent in den Asien-Pazifikraum (ohne China) (+7 Punkte), 11 Prozent in Nordamerika (-5 Punkte) und unverändert 3 Prozent im Vereinigten Königreich. Während der Asien-Pazifik-Raum für hiesige Unternehmer für Investitionen interessanter wird, geht die Bedeutung Nordamerikas zurück.

Die Exporterwartungen steigen auf einen historischen Höchststand und übertreffen nochmals die guten Erwartungen vom Frühsommer 2017. Die Hälfte der exportierenden Betriebe rechnet jetzt mit einem wachsenden Exportvolumen (+20 Prozentpunkte), die andere Hälfte geht von gleichbleibenden Exporten aus. Nach wie vor erwartet keiner sinkende Ausfuhren. „Die Exporteure profitieren von den guten wirtschaftlichen Daten im Ausland. Nachdem 2017 für den gesamtdeutschen Export ein weiteres Rekordjahr gewesen sein dürfte, zeigen die Pläne der Unternehmen, dass auch 2018 mit hohen Ausfuhren zu rechnen ist. Der teurer werdende Euro erscheint da nicht als Hindernis“, sagt Steidl. Nur noch 10 Prozent der exportierenden Betriebe sieht eine sinkende Auslandsnachfrage als Risiko für die Geschäftsentwicklung (-5 Punkte).

Die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate werden von den Unternehmen im Bezirk der IHK Wiesbaden in allen Branchen mit Ausnahme des Einzelhandels besser eingeschätzt als im Herbst 2017. 57 Prozent der Unternehmer beschreiben ihre Lage als gut (+9 Prozentpunkte), 7 Prozent (-4 Punkte) als schlecht. 31 Prozent der Betriebe haben positive Erwartungen (+3 Punkte), unverändert 6 Prozent rechnen mit schlechteren Aussichten. Die Erwartungen im Einzelhandel sind deutlich pessimistischer als noch im Herbst 2017. Die Entwicklung des Online-Handels dürfte die Erwartungen der stationären Händler stärker beeinflussen. Multikanalvertrieb ist hier das Stichwort. In der Wirtschaftsregion Wiesbaden vertreibt bereits die Hälfte der Groß- und Einzelhändler Produkte mit Hilfe digitaler Vertriebskanäle wie Online-Shops oder -Plattformen, hessenweit ist es erst ein knappes Drittel.

„Die gute Wirtschaftsentwicklung zeigt auch erste Nebenwirkungen. Regional gibt es bereits eine Überauslastung der Produktionskapazitäten. In der Wirtschaftsregion Wiesbaden sehen wir dies etwa daran, dass in einzelnen Branchen Fachkräfte fehlen und die Leerstandsquote im Markt für Büroimmobilien in Wiesbaden sehr niedrig ist. Von einer Überhitzung kann noch nicht gesprochen werden, da Löhne und Preise noch nicht übermäßig stark gestiegen sind“, sagt Steidl.

Die Betriebe in der Wirtschaftsregion Wiesbaden wollen auch in den kommenden zwölf Monaten weiter Beschäftigung aufbauen. 27 Prozent der Unternehmen planen mit einer Vergrö-ßerung ihrer Belegschaft (-3 Prozentpunkte). Nach wie vor 9 Prozent denken an einen Stellenabbau. 64 Prozent planen keine quantitative Veränderung im Personalbestand. Der Saldo aus steigender und fallender Beschäftigung bleibt deutlich positiv, so dass mit ein Impuls am Arbeitsmarkt zu erwarten ist.

Der IHK-Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2018 kann kostenfrei als pdf aus dem Internet heruntergeladen werden: www.ihk-wiesbaden.de/konjunkturbericht

(Pressestelle IHK)

Goethe-Uni diskutiert im Rahmen der Bürgeruni über „Wissenschafts- und Meinungsfreiheit im Fokus“ anlässlich des „ausgeladenen“ Polizeitgewerkschafts-Chefs Rainer Wendt

Nachdem ihn die Political-Correctness-Keule traf, fand der, von der Goethe-Uni als unliebsamer Redner wieder ausgeladene Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main Frankfurt am 15. Januar 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Nachdem ihn die Political-Correctness-Keule traf, fand der, von der Goethe-Uni als unliebsamer Redner wieder ausgeladene Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main Frankfurt am 15. Januar 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

 
Aktualisierung: UniReport | Nr. 1 | 1. Februar 2018 | Jahrgang 51 | Goethe-Universität Frankfurt am Main, zur Diskussionsveranstaltung am 19.Januar 2018 „Wer darf wann etwas sagen? Debatte über Meinungsfreiheit an der Universität“

FRANKFURT. Die Goethe-Universität veranstaltet im Rahmen der Bürgeruniversität am 19. Januar 2018 ein Forum mit dem Titel: „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“. Teilnehmende des Podiums, das vom früheren HR-Fernsehmoderator Meinhard Schmidt- Degenhard moderiert wird, sind Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, die den Abend auch eröffnet, der Philosoph Prof. Rainer Forst, die Ethnologin Prof. Susanne Schröter, der Humangeograf Prof. Bernd Belina sowie der Jurist Maximilian Pichl. Letzterer ist einer von 60 Mitunterzeichnern, die Ende Oktober 2017 in einem Offenen Brief gegen die Vortragseinladung des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Forschungszentrums Globaler Islam, protestiert hatten.

Asyl für Rainer Wendt am 15. Januar 2018 im Wirtschaftsclub Rhein-Main, Frankfurt.

Nachdem in die Political-Correctness-Keule der  60 „besorgten Bürger“ Rainer Wendt  getroffen  hatte, fand der Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft am 15. Januar 2018 Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main in Frankfurt. In seinem Vortrag „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ sprach er  „schonungslos  die Punkte an und wagte sich an Themen heran, die tagtäglich an ihn aus der Praxis der Polizeiarbeit herangetragen werden, die aber inzwischen, „weil man ja gleich in die Nazi-Ecke gestellt oder als AFDler abgestempelt würde“,  niemand mehr  offen anzusprechen wagte. Es sei aber so, dass die innere Sicherheit in Deutschland heute nur noch rudimentär vorhanden wäre, und in vielen Stadtgebieten gar nicht mehr“, so Wendt. In vielen Stadtteilen deutscher Städte herrschten Parallelgesellschaften mit eigenen Gesetzen und Verkehrsregeln, wie  bereits der SPD-Exbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky  vor der Flüchtlingswelle der offenen Grenzen 2012 in seinem Buch „Neukölln ist überall“ beschrieb. Als besonderes krasses Beispiel nannte er den Miri-Clan, bestehend aus Großfamilien mit bis zu 1000 Mitgliedern, die  in den 1980er-Jahren als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Bremen kamen. Sie lehnten das deutsche Rechtssystem ab und unterwanderten ganze Stadtteile bevorzugt in Städten in Norddeutschland.

„Der Kontrollverlust über die Menge der Migranten sowie über deren Identität und Herkunft“, ist nach Wendts Darstellung „nach wie vor nicht in den Griff zu bekommen“. Er spricht den „Rechtsbruch an, welcher es der Polizei unmöglich gemacht hat, der Situation wenigstens einigermaßen Herr zu werden“. Wendt nannte es ein Staatsversagen, nämlich, dass der Staat seit Öffnung der Grenzen und mangelhafter Identitätsprüfung von Migranten geflissentlich außer Acht lasse,  dass nach Grundgesetz Art (1) „Die Würde des Menschen“ nicht nur „unantastbar“ sei, sondern  „sie zu achten und zu schützen“ eine  „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ wäre, was eben der Staat zur Zeit nicht mehr garantieren könne.

Am 19. Januar in der Gothe-Uni findet eine Debatte zur Meinungsfreiheit statt. 

„Mit der Veranstaltung am 19. Januar greift die Goethe-Universität am Fall des im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forschungszentrums Globaler Islam kurzfristig ausgeladenen Gastredners Rainer Wendt Diskussionsstränge einer kontroversen öffentlichen Debatte auf. Ausgehend vom Einzelfall soll jedoch auch darüber diskutiert werden, welche Möglichkeiten und Grenzen für Meinungsfreiheit im Rahmen des wissenschaftsgeleiteten Diskurses einer Universität bestehen. Einen einleitenden inhaltlichen Impuls leistet Joachim Braun, Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse.

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

„Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“ 19. Januar 2018, 19.00 – 21.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Theodor-W.-Adorno-Platz 5, Hörsaal (HZ) 3.

Programm der Frankfurter Bürger-Universität: www.buerger.uni-frankfurt.de
Weitere Infos:
Frankfurter Rundschau (Fragen zum Fall Wendt weiter offen)
Frankfurter Neue Presse (Absage aus Angst vor Linken
Polizeigewerkschafter darf nicht an der Goethe-Universität sprechen)

Aktion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels „Für das Wort und die Freiheit“

Jahresempfang der IHK Frankfurt am Main 2018: Chance Brexit, Herausforderung Wohnraum, Kultur als Standortvorteil

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Chancen für den Finanzplatz aufgrund des Brexits, die Bewältigung der Wohnraum-Nachfrage und die Weiterentwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain sind nach den Worten von Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt am Main, die wesentlichen Themen für die Wirtschaft im Jahr 2018. Zur Eröffnung des Jahresempfangs der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main am 16. Januar 2018 stellte der IHK-Präsident fest: „Der Wirtschaft geht es gut, die Signale für 2018 stehen weiter auf Wachstum.“ In der Metropolregion rechne er mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent.„Die Einstellungsbereitschaft ist hoch. Wir erwarten weitere Beschäftigungsrekorde.“ 2017 stieg die Zahl der Beschäftigten um 44.000, im Jahr 2018 wird es wahrscheinlich weitere 50.000 sozialversicherungspflichtige Stellen mehr geben „FrankfurtRheinMain setzt sein Wachstum als Wirtschaftsstandort auf hohem Niveau weiter fort.“

Dabei gebe es für den Finanzplatz Frankfurt einen Sondereffekt. „So sehr wir den Brexit als politischen Vorgang der Entsolidarisierung eines Nachbarn in Europa bedauern, so deutlich sehen wir den Impuls für den Finanzplatz Frankfurt.“ Mehr als fünfzehn Banken hätten sich entschieden, Teile ihrer Geschäftseinheiten von der Themse an den Main zu verlegen. Der Finanzplatz müsse weiterhin die Chancen nutzen, die sich aus den Veränderungen des regulatorischen Umfelds durch den Brexit ergeben, forderte der IHK-Präsident.

Das wirtschaftliche Wachstum und der Zustrom von Arbeitskräften stelle die Region zugleich vor die Aufgabe, geeigneten Wohnraum für Fachkräfte zu schaffen. „Es muss gebaut werden für Fachkräfte!“ Das mangelnde Wohnungsangebot sei eine Hürde für die Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften für die Region, so Prof. Dr. Müller. „Neue Wohnviertel müssen entstehen, weil die Menschen hier leben und arbeiten wollen – und wir sind froh darüber, dass FrankfurtRheinMain so attraktiv ist! Wir sollten also auch froh darüber sein, dass viel gebaut wird.“ Prof. Dr. Müller betonte, jetzt müssten die Weichen für die Wirtschaftskraft und Wohnraumversorgung der Zukunft gestellt werden. Um das Wachstum der Wirtschaft nachhaltig zu gestalten, brauchen die Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte. Den hessischen Unternehmen fehlten rund 56.000 Fachkräfte, davon 14.000 akademisch Qualifizierte und 42.000 beruflich Qualifizierte. „Drei Viertel aller Stellen, die aktuell in hessischen Betrieben nicht besetzt werden können, richten sich also an beruflich qualifizierte Fachkräfte.“

Ein besonderes Gewicht legt die IHK seit Jahren auf die Weiterentwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Für die Verständigung unter den verantwortlichen Akteuren in Politik und Wirtschaft habe es in der Metropolregion lange Zeit kein geeignetes Format gegeben. Es sei nun endlich gelungen, ein „Strategieforum FrankfurtRheinMain“ als einen Think Tank für diejenigen zu bilden, die dem Vorwärtsdrängen der Metropolregion eine reale Gestalt geben wollen. In diesem Strategieforum, das am 18. Januar 2018 erstmals in Frankfurt zusammentreten wird, treffen Vertreter der Landesregierungen von Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit Vertretern der Kommunen und der Wirtschaft zusammen.

„Zum Jahresanfang steht die hessische Wirtschaft hervorragend da: Erstmals gibt es in unserem Land mehr als 2,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, zudem ist die Arbeitslosenquote mit 4,7 Prozent die niedrigste seit der Wiedervereinigung. Die Lage ist im Rhein-Main-Gebiet besonders gut, denn hier schlägt das wirtschaftliche Herz unseres Landes extra stark“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. „In der Metropolregion FrankfurtRheinMain fühlen sich die Menschen wohl und haben beste Perspektiven. Damit die Region weiter boomt, besteht Handlungsbedarf in den Fragen von Wohnraumversorgung, Flächenkonkurrenz oder Mobilität. Weil die Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden können, ruft die Landesregierung, zusammen auch mit der IHK Frankfurt am Main, ein länderübergreifendes Strategieforum für die Metropolregion ins Leben, um die Attraktivität der Region als Wirtschafts- und Unternehmensstandort weiter zu erhalten und auszubauen. Wir haben auch 2018 die besten Voraussetzungen, eine gute Zukunft für die Menschen in unserem Land zu gestalten und selbstbewusst die vor uns liegenden Aufgaben für Hessen anzugehen.“

„Frankfurt am Main gehört zu den attraktivsten Standorten in Europa“, stellte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann zu Beginn seiner Ausführungen fest. „Die Menschen und die Unternehmen schätzen unsere Stadt aufgrund der hohen Lebens und Standortqualitäten. Dies führt in der Konsequenz dazu, dass Frankfurt am Main eine höchst positive Bevölkerungs- als auch Arbeitsplatzbilanz aufweist. Um die aktuelle Position unserer Stadt dauerhaft zu sichern, ist es daher alternativlos, neue Flächen für Wohnen und Arbeiten auszuweisen. Dies muss sowohl auf dem Frankfurter Stadtgebiet als auch in enger Zusammenarbeit mit der Region geschehen“, führte das Frankfurter Stadtoberhaupt aus. „Preiswerter Wohnungsbau für alle Bevölkerungsschichten, also auch junge Familien, Erzieherinnen, Pflegekräfte, Polizisten, sichert unseren Wohlstand auch für die Zukunft“, so Feldmann abschließend.

„Heute rangiert Frankfurt in einer Flughöhe, die das Wort vom Frankfurter Museumswunder nicht übertrieben erscheinen lässt“, sagte Dr. Philipp Demandt, Direktor Städel Museum, Schirn Kunsthalle Frankfurt und Liebieghaus Skulpturensammlung, in seinem Gastvortrag zum IHK-Jahresempfang. „Kunst- und Kultureinrichtungen in Paris, London, Wien, New York sind allesamt Partner unserer Frankfurter Museen. Die schönsten Leihgaben aus aller Welt reisen an den Main, ganze Ausstellungen mit Heroen der Kunstgeschichte wie Botticelli, Monet, Dürer, Magritte, Matisse und Bonnard oder Rubens kommen in die Stadt, die sich wie kaum eine andere in Deutschland international positioniert hat. Und unsere Ausstellungen gehen auch den umgekehrten Weg: die Richard Gerstl-Retrospektive wurde in New York präsentiert, die Baselitz-Ausstellung in Stockholm, Bilbao und in Rom und die kommende Victor-Vasarely-Ausstellung wird im Herbst im Pariser Centre Pompidou gezeigt. Geschichte, Gegenwart und ganz besonders auch die Zukunft unserer Frankfurter Museen sind untrennbar verbunden mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, mit den Politikerinnen und Politikern dieser Stadt und dieser Region, und mehr als das: mit allen Menschen, die wir für die Kunst begeistern können. Doch kein Wachstum ohne Investition – versuchen wir also gemeinsam, die Dynamik dieser Stadt und dieser Region zu erhalten. Dabei ist und bleibt unser Anspruch, alle Schichten der Gesellschaft, unabhängig von Herkunft, Vorbildung und Wohlstand, an die Kunst heranzuführen.“

Preis der IHK für Rheinhessen 2017: Akademischer Nachwuchs und Leistungsträger der Weiterbildung in Mainz ausgezeichnet

Auszeichnung der Preisträger beim IHK-Preis 2017 (v.r.): Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Sandra Wolnitz, Marcel Hauck, Sahra Wagner, Alexa Groh, Florian Mölleken, IHK-Präsident Dr. engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow
Auszeichnung der Preisträger beim IHK-Preis 2017 (v.r.): Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Sandra Wolnitz, Marcel Hauck, Sahra Wagner, Alexa Groh, Florian Mölleken, IHK-Präsident Dr. engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow

Günster: Wissenstransfer eröffnet
rheinhessischen Unternehmen neue Chancen

Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen zeichnet eine junge Wissenschaftlerin und zwei junge Wissenschaftler mit dem IHK-Preis 2017 aus. Die mit insgesamt 5.000 EUR dotierte Förderung des akademischen Nachwuchses vergab die Jury an die Wirtschaftswissenschaftlerin Sandra Wolnitz, den Medieninformatiker Marcel Hauck, den Umweltschutzingenieur Florian Mölleken und die Internationale Betriebswirtschaftlerin Sarah Wagner. Für herausragende Leistungen in der beruflichen Weiterbildung erhielt die Personalfachkauffrau Alexa Groh den mit 2.500 EUR dotierten Sonderpreis „Beste der Besten“.

IHK-Präsident Dr. Engelbert Günster sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die Innovationsfähigkeit der rheinhessischen Unternehmen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können kein umfangreiches Detailwissen in eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen vorhalten. Deshalb ist die Kooperation mit der angewandten Forschung für sie ein praktikabler Weg, um eigenes Know-how zu generieren und zu optimieren.“ Zudem schafft der Wissenstransfer nach den Worten Günsters eine weitere Chance für die Betriebe: „In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels bietet sich die Gelegenheit, potenzielle Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.“ Vor diesem Hintergrund lobte der IHK-Präsident auch das Bestreben in der rheinland-pfälzischen Bildungspolitik, die Durchlässigkeit des Bildungssystems weiter zu erhöhen.

Den Festvortrag anlässlich der Verleihung des IHK-Preises 2017 hielt Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Sein Thema war die „enge Verzahnung von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft einerseits, verbunden mit der gesellschaftlichen Herausforderungen der Fachkräftesicherung andererseits“. Wolf sagte: „Erfolgreiche Forschung bringt Innovationen und intelligente Lösungen hervor, die helfen, Herausforderungen wie z. B. Klimawandel, demografische Entwicklung, Gesundheit und Ernährungssicherheit, Ressourcenverknappung und Energieversorgung sowie Zugang zu Informationen und Mobilität zu bewältigen. Denn Innovationen setzen aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen um und sind so entscheidende Treiber für Investitionen, Produktivität und Beschäftigung. Sie bieten wesentliche Wachstumschancen und bilden das Fundament der Wirtschaft. Eine Volkswirtschaft kann nur florieren, wenn die Wissenschaft, insbesondere die Forschung und die Akteure aus der Wirtschaft Hand in Hand agieren.“ Dazu seien natürlich Fachkräfte notwendig um einerseits durch Forschung neues Wissen und neue Erkenntnisse zu schaffen und andererseits das neue Wissen und die neuen Erkenntnisse auf den Markt zu bringen. Dabei würde der demographische Wandel und die deutlich veränderte Alterszusammensetzung der Bevölkerung sowie die Tendenz zum Zuzug in urbane Räume ein Land wie Rheinland-Pfalz vor große Herausforderungen stellen. Der Minister betonte: „Die ‚Fachkräftesicherung‘ für unsere Wissenschaft und unsere Wirtschaft hat deshalb bei der Landesregierung höchste Priorität.“

Der IHK-Preis wird zum 30. Mal verliehen. Er prämiert hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die an einer Hochschule des IHK-Dienstleistungsbereiches erstellt wurden. Sie sollen eine praktikable, möglichst direkte Umsetzung oder Anwendung in der Unternehmenspraxis erwarten lassen und im Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft liegen. Zugleich soll der akademische Nachwuchs einen Ansporn zur Leistung erhalten. Ergänzt wird der Förderpreis seit dem Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen der Kammer im Jahr 1998 durch den Sonderpreis „Beste/-r der Besten“ für herausragende Absolventen der beruflichen Fortbildung.

IHK prämiert Spitzenleistungen
an Hochschulen und in der Weiterbildung

Die Träger des „IHK-Preis 2017“

IHK-Preis 2017, dotiert mit 2.000 EUR
Preisträgerin: Sandra Wolnitz
Thema: „Augmented Reality: Eine empirische Untersuchung zu Auswirkungen erweiterter Realität auf ausgewählte Erfolgsfaktoren von Online-Stores“, Masterarbeit im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Betreuer: Prof. Dr. Frank Huber, Note: 1,0.

Die Bekleidung ist ein Absatzfeld des Online-Handels, auf dem besonders zahlreiche Anbieter eine große Vielfalt an Produkten vorhalten. Wie für viele andere Branchen auch ist dabei die räumliche Trennung zwischen Angebot und Nachfrage eine Herausforderung in der Kundenansprache. In dem hart umkämpften Segment verspricht die innovative Technologie der Augmented Reality Wettbewerbsvorteile. Denn die potenziellen Käufer können die Produkte am heimischen Bildschirm im Detail inspizieren und sich damit eine bessere Basis für ein zufriedenes Kauferlebnis verschaffen. Sandra Wolnitz betritt ein Forschungsgebiet, zu dem erst wenige Arbeiten erschienen sind. Sie untersucht das wahrgenommene Risiko eines Fehlkaufs sowie die positive Kundenerfahrung, die zur Kundenbindung führt – die sogenannte Customer Experience – als entscheidende Determinanten für den  Erfolg von Augmented Reality. Ihre Studie thematisiert diese Technologie als eine Verknüpfung von Interaktion und erweiterter Bilddarstellung, ebenso wie jede dieser beiden Komponenten für sich genommen. Es zeigt sich, dass Augmented Reality das Risiko eines Fehlkaufs stark mindert, während der Einsatz der einzelnen Komponenten bereits zu einer verbesserten Kundenbindung führen kann. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen Unternehmen Möglichkeiten für die optimale Ausgestaltung einer Produktpräsentation auf.

Sandra Wolnitz (*1991 in Ludwigshafen) war nach dem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität zunächst Erasmus-Stipendiatin an der Warsaw School of Economics und schloss daran das Masterstudium in Mainz an. Nebenher absolvierte sie Praktika, Studienprojekte oder war Werksstudentin bei MLP Finanzdienstleistungen, Unilever, BASF, Axel Springer, L´Oréal Polska oder Movento. Derzeit promoviert sie an der Johannes GutenbergUniversität im Fachbereich Marketing.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 1.500 EUR
Preisträger: Marcel Hauck
Thema: „Vergleichende Analyse der Nutzung von Augmented und Virtual Reality in ausgewählten Wirtschaftsbranchen“. Bachelorarbeit im Studiengang „Medien, IT und Management“ der Hochschule Mainz. Betreuer: Prof. Dr. Sven Pagel, Note: 1,0.

Marcel Hauck vergleicht die Nutzung von Augmented Reality und Virtual Reality in der Automobilbranche sowie in der Bankenbranche. Die Untersuchung von über 200 Apps und Veröffentlichungen zeigt, dass bis auf eine Ausnahme jeder der 20 größten Automobilhersteller in Deutschland auf Augmented Reality und Virtual Reality entlang der Wertschöpfungskette sowie im Fahrzeug selbst zurückgreift. Durch den Vergleich mit der Bankenbranche wird aber auch klar, dass die beiden Technologien nur dann effizient einsetzbar sind, wenn das zu vermarktende Produkt materiell greifbar ist. Unternehmen mit immateriellen Gütern, wie es Finanzprodukte sind, sollten dennoch individuell prüfen, inwiefern ihre Dienstleistungen innerhalb von Augmented Reality- und Virtual Reality-Welten angeboten werden können, etwa als Virtual Reality-Payment.

Marcel Hauck (*1987) ist heute Online-Marketing-Manager und Mitarbeiter der Sparkasse RheinNahe.
Nach seiner Ausbildung zum Informatikkaufmann hat er 2016 den Bachelor of Science an der Hochschule Mainz erworben. Seit 2017 studiert er den Master of Science „Medieninformatik“ am Umwelt-Campus der Hochschule Trier in Birkenfeld. Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Mainz. Nebenberuflich hat er von Juni 2012 bis November 2016 die Digitalagentur für Web und Marketing „stilbox studios“ geleitet.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 750 EUR
Preisträger: Florian Mölleken
Thema: „Validierung von Filterkonfigurationen in Verbindung mit moderner Plasmatechnik zur
Optimierung des Abscheidegrades zur Geruchsminimierung von Küchenabluft“. Bachelorarbeit am
Fachbereich Umweltschutz der Technischen Hochschule Bingen. Betreuer: Prof. Dr. Ulrich Glinka, Note: 1,0.

Aufgrund der Verdichtung unserer Städte hat die wahrgenommene Belastung durch Gerüche in der Luft deutlich zugenommen. Unter anderem ist man darum bestrebt, Küchenabluft zu minimieren, seitdem immer mehr Restaurants in Shopping-Centern oder in direkter Nachbarschaft zu Anwohnern eröffnen. Florian Mölleken untersuchte in Zusammenarbeit mit dem nordrheinwestfälischen Unternehmen BÄRO, wie sich der Abscheidegrad von Küchenabluft optimieren lässt.
Dazu nahm er olfaktorische Messungen vor und stellte in weiteren Versuchen die Effizienz verschiedener Filterkonfigurationen auf den Prüfstand. Seine Messungen zeigen auf, dass Geruchsminimierung am besten durch eine geschickte Kombination unterschiedlicher Filterstufen und Verfahren erreicht werden kann, mit der die Geruchsemissionen von Brat- und Frittierprozessen unterhalb der Erkennungsschwelle gebracht werden können.

Florian Mölleken hat nach dem freiwilligen Ökologischen Jahr bei der Heinrich-Böll-Stiftung das Studium im Fachbereich Umweltschutz an der TH Bingen aufgenommen. Daneben engagierte er sich im Hochschulrat und war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Tutor. Nach einem Praktikum im Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel absolvierte er Praxisphase und Bachelorarbeit bei der BÄRO GmbH & Co. KG und ist heute Jungbauleiter bei DIBAG Industriebau AG im Bereich Erschließung & Umwelt in München.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 750 EUR
Preisträgerin: Sarah Wagner
Thema: „Risikodiversifikation in der Beschaffung, Entwicklung eines risikoeffizienten Lieferantenportfolios unter Anwendung von finanzmathematischen Verfahren“. Bachelorarbeit im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Studienrichtung Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft, der Hochschule Worms. Betreuer: Prof. Dr. Henning Kehr, Note: 1,0.

Gerade in der Automobilindustrie waren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder einzelne Lieferanten nicht mehr lieferfähig oder willens, zu liefern. Das führte zu Produktionsausfällen mit hohen Verlusten. Auch in der chemischen Industrie gab es Lieferantenausfälle, besonders nach Fukushima. Mithin hat die Bedeutung des Risikomanagements in einer globalisierten Welt deutlich zugenommen. Sarah Wagner zeigt auf, wie sich durch die Anwendung von finanzmathematischen Instrumenten effektiv sowohl Kosten als auch Risiken senken lassen. Hierzu zog sie die „Moderne Portfoliotheorie“ nach Harry M. Markowitz als Instrument heran und wandte sie auf Basis von Daten aus Experteninterviews praktisch an. In der Untersuchung wurde letztlich nicht nur die Rentabilität des Managements von Beschaffungsrisiken bewiesen, sondern sogar erweitert.

Sarah Wagner (*1991 in Worms), hat sich während des Bachelorstudiums als Praktikantin, Werksstudentin, Trainee und Bachelorandin Einblicke verschafft in die Praxis von Einkauf, Instandhaltung oder Wirtschaftsprüfung bei Grace in Worms, Deloitte in Luxemburg oder einer Firma in Austin/Texas. Heute ist die Preisträgerin, die drei Fremdsprachen verhandlungssicher spricht, Einkaufsmanagerin bei Spaniens größter Supermarktkette „Mercadona“ in Valencia.

Sonderpreis „Beste der Besten“, dotiert mit 2.500 EUR
In die Weiterbildungsprüfungen bei der IHK für Rheinhessen sind im vorigen Jahr 309 Absolventen gegangen. Das beste Gesamtergebnis mit der Note „sehr gut“ (93,6 Punkte) hat Alexa Groh in der IHK-Weiterbildungsprüfung „Geprüfte Personalfachkauffrau“ erzielt.

Die gebürtige Merzigerin hat das Studium der Pädagogik an der Universität Trier mit dem Diplom abgeschlossen und daneben Praktika geleistet unter anderem bei der Deutschen Angestellten
Akademie, der IHK Trier, dem Bildungswerk des Landessportbundes Rheinland-Pfalz oder der Europäischen Akademie für Bildung und Dienstleistungen. Nach einem Auslandsaufenthalt in Peru arbeitete sie bei einem Personalberatungsunternehmen in Düsseldorf, der Mainzer Aareon AG und ist seit Juli dieses Jahres beim japanischen Tabakkonzern JTI in Trier. Ebenso stringent wie ihre berufliche Karriere hat Alexa Groh ihre berufliche Weiterbildung vorangetrieben. Dazu gehören die IHK-Ausbildereignungsprüfung, die IHK-Prüfung zur Personalfachkauffrau und derzeit die
Ausbildung zum Coach in der Personalentwicklung an der Universität Trier.

Gemeinsam Zukunft gestalten: Frankfurter Industrieabend: Dialog über Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts

Moderierter Industriedialog (v.li.): Moderator Dr. Klaus Winkler, Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH, Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr. Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main.Foto: Diether v. Goddenthow
Moderierter Industriedialog (v.li.): Moderator Dr. Klaus Winkler, Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH, Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr. Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main.Foto: Diether v. Goddenthow

(kus) Oberbürgermeister Peter Feldmann und IHK-Vizepräsident Stefan Messer haben am Dienstag, 28. November, 200 Gäste zum Frankfurter Industrieabend im Römer begrüßt. Feldmann hob den Stellenwert der Industrie für die Stadt hervor: „Die Industrie und das Handwerk stehen in Frankfurt und der Region für Innovation, Beschäftigung, Finanzkraft und das Wachstum der Stadt. Frankfurt ist sich bewusst, dass die Industrie nicht nur eine große Bedeutung für die Gesamtwirtschaft besitzt, sondern vor allem auch für die gesellschaftliche Stabilität und für eine integrierte Stadtentwicklung von Frankfurt. Mit dem Frankfurter Industrieabend möchten wir der Industrie unsere große Wertschätzung zeigen.“

Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main. Foto: Diether v. Goddenthow
Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main. Foto: Diether v. Goddenthow

IHK-Vizepräsident Stefan Messer ergänzte: „Frankfurt und die Region bieten der Industrie mit ihrer hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik vielseitige Perspektiven. Der heutige Industriedialog lädt ein, gemeinsam zu diskutieren, wie Industrie, Politik und Gesellschaft diese Chancen für einen nachhaltigen und erfolgreichen Industriestandort Frankfurt am Main noch stärker nutzen können. Unternehmen benötigen in der verdichteten Metropolregion FrankfurtRheinMain vor allem eins, um wachsen und gedeihen zu können: nämlich Flächen! Egal ob bei Neuansiedlungen oder Erweiterungen, Gewerbeflächen sind in Frankfurt knapp und oft nicht für den Markt zugänglich. Die Umnutzung von insbesondere zentrumsnahen Gewerbegebieten ohne eine entsprechende Bereitstellung geeigneter Alternativflächen muss deswegen unterbleiben und bedarf eines gesamtstädtischen Konzepts. Wir blicken daher gespannt auf die Fertigstellung des integrierten Stadtentwicklungskonzepts und hoffen, dass hier die Leitplanken für ein gleichberechtigtes Wachstum gesetzt werden.“

Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH. Foto: Diether v. Goddenthow
Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH. Foto: Diether v. Goddenthow

In seiner Festrede „Gemeinsam Zukunft gestalten. Frankfurt und die Region aus Sicht eines Industrieunternehmens“ forderte Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hanauer Heraeus Holding, die regionalen Stärken gemeinsam zu entwickeln. „Der Ballungsraum Frankfurt ist auf Wachstumskurs. Die europäische Konkurrenz bei Standortentscheidungen ist jedoch groß. Es ist daher von zentraler Bedeutung, dass die Stadt Frankfurt, die Umlandgemeinden sowie die angrenzenden Regionen stärker an der gemeinsamen Entwicklung des Wirtschaftsraums arbeiten. Hohe Lebensqualität und digitale Infrastruktur werden immer wichtiger, wenn es um die Rekrutierung von Topp-Talenten, Start-ups oder die Neuansiedlung von nationalen und internationalen Unternehmen geht“, sagte Rinnert.

Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow
Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow

Wirtschaftsdezernent Markus Frank betonte die weitreichende wirtschaftspolitische Bedeutung des Masterplans Industrie. „Für eine gelungene Entwicklung der Industrie in einem flächenmäßig begrenztem Stadtgebiet wie wir es in Frankfurt am Main haben, ist es besonders wichtig, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit des Wirtschaftsstandorts langfristig zu sichern. Themen wie Digitalisierung, Infrastrukturausbau, Fachkräftesicherung oder Flächenmanagement gewinnen dabei eine hohe Priorität. Dass wir diese Herausforderungen der Zukunft mit gemeinsamer Stärke angehen, das ist der Erfolg des Masterplans Industrie.“

Frankfurter Industrieabend - Kaisersaal im Römer. In der ersten Reihe unter anderem (v.r.n.li.:) Oberbürgermeister Peter Feldmann, Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main, Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH, Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow
Frankfurter Industrieabend – Kaisersaal im Römer. In der ersten Reihe unter anderem (v.r.n.li.:) Oberbürgermeister Peter Feldmann, Stefan Messer, Vizepräsident IHK Frankfurt a. Main, Festredner Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung Heraeus Holding GmbH, Stadtrat Markus Frank, Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und. Feuerwehr der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Frankfurter Industrieabend stellt die zentrale Veranstaltung in der Kommune dar, um dem Wirtschaftszweig angesichts seiner Bedeutung Wertschätzung zu demonstrieren. Jedes Jahr laden die Stadt und die IHK gemeinsam hochrangige Vertreter aus der Wirtschaft, Industrie und Politik ein. Der Frankfurter Industrieabend findet abwechselnd im Römer und in der IHK statt.

Zum 32. Mal: „Vogelpreise“ an herausragende Wirtschaftsjournalisten verliehen – Abschied von Juror Prof. Michael Hüther

Die 32. Verleihung der Friedrich-Vogel-Preise für Wirtschaftsjournalismus 2017 fand am 21. November 2017 in den Räumen der DZ Bank AG, Platz der Republik in Frankfurt am Main statt. Foto: Diether v. Goddenthow
Die 32. Verleihung der Friedrich-Vogel-Preise für Wirtschaftsjournalismus 2017 fand am 21. November 2017 in den Räumen der DZ Bank AG, Platz der Republik in Frankfurt am Main statt. Foto: Diether v. Goddenthow

Essen/Frankfurt am Main – Die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung vergab am 21. November zum 32. Mal ihre Preise für ausgezeichneten Wirtschaftsjournalismus: Vier Auszeichnungen und ein Stipendium gingen an Journalisten und Journalistinnen aus Druckmedien und Fernsehen. Die feierliche Verleihung fand mit freundlicher Unterstützung der R+V Allgemeine Versicherung AG in der Niederlassung der DZ Bank AG in Frankfurt am Main statt.

Die Keynote sprach Hermann-Josef Tenhagen,   Chefredakteur und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation gGmbH. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Keynote
sprach Hermann-Josef Tenhagen,
Chefredakteur und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation gGmbH. Foto: Diether v. Goddenthow

Gastredner Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Finanztip Verbraucherinformation gGmbH, appellierte an die Preisträger und zahlreichen Gäste der Veranstaltung , Leser und Zuschauer klüger zu machen, damit sie bessere Entscheidungen treffen können: dies sei die einzige und wahre Alternative zu journalistischem Zynismus.

Laudationes waren Michael Boll (Verleger, Solinger Tageblatt, Professor Dr. Michael Hüther (Direktor, Institut der Deutschen Wirtschaft), Dr. Michael Moerchel (Freier Journalist)
Reinhard Schlieker (ZDF) und Thomas Tuma (stv. Chefredakteur, Handelsblatt).

Reinhard Schlieker, Redakteur und Moderator im Börsenstudio des ZDF (r.) verabschiedete Professor Hüther, Direktor des IDW, Foto: Diether v. Goddenthow
Reinhard Schlieker, Redakteur und Moderator im Börsenstudio des ZDF (r.) verabschiedete Professor Hüther, Direktor des IDW, Foto: Diether v. Goddenthow

Abschied nehmen musste die Jury des Vogel-Preises von Professor Michael, Hüther, Direktor des IW Köln, der nach zwölf Jahren das Vergabekomitee der Stiftung – schweren Herzens – auf eigenen Wunsch verließ.

 

 

 

Die mit 3.000 Euro dotierten Vogel-Preise  2017 erhielten:
Nicola Meier
für ihr Dossier „Wer rettet Klara?“in der ZEIT Nr, 39/2016
Gianna Niewel für ihre Seite 3-Reportage „Der nachtblaue Orden“  in der Süddeutschen Zeitung vom 02.12.2016
Markus Koch und Matthias Praxenthaler, (Moderation und Produktion), für ihren Livestream „Auf der Couch by Markus Koch – 3 Shows und 3 wichtige Fragen“ Folge 3, Dienstag, 29.11.2016, 19:30 Uhr, (diverse Onlineplattformen und www.aufdercouch.net)
Ariane Riecker und Dirk Schneider (Autoren) mit Team für ihre dreiteilige MDR-Reportage „Wer bezahlt den Osten“, die am 13. Januar 2018 im ARD wiederholt werden.

Das mit 3.000 Euro dotierte Vogel-Stipendium 2017 ging an die feste freie Mitarbeiterin in der NDR Onlineredaktion Stefanie Nickel   für ihre Rechercheidee „Krieg und Frieden im Klassenzimmer: Nationalismus in Lehrplänen und ethnische Trennung an Schulen in Bosnien und Herzegowina“

Die Arbeiten der Preisträger im Einzelnen

Nicola Meiers  Dossier „Wer rettet Klara?“ erschien in der DIE ZEIT Nummer 39/2016 am Donnerstag, 15.09.2016 : „In dem hervorragend geschriebenen, aufwändig recherchierten und spannend aufgebauten Artikel geht es um die brisante Frage, unter welchen Bedingungen ein Pharmaunternehmen todkranken Patienten auf deren eigenes Risiko ein noch nicht zugelassenes Medikament herausgeben sollte (sog. „compassionate use“). So eindeutig, wie diese Frage auf den ersten Blick zu beantworten scheint, ist es nicht.

Laudator Michael Boll, Verleger des Solinger Tageblatts, überreicht Nicola Meier die Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator Michael Boll, Verleger des Solinger Tageblatts, überreicht Nicola Meier die Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Autorin schafft es, sehr feinfühlig anhand des Beispiels von Klara, die an der seltenen, tödlich verlaufenden Stoffwechsel-Erkrankung NCL2 leidet, die Situation der betroffenen Patienten zu schildern, ohne in das übliche Muster zu verfallen, die vermeintlich skrupellosen Pharmaunternehmen anzuprangern. Im Gegenteil: Auch der Sichtweise der Pharmaunternehmen, die oft gute (und nicht ausschließlich ökonomische) Gründe haben, die Medikamente nicht herauszugeben, wird viel Platz eingeräumt. Schließlich kommt auch die medizinethische Sichtweise und die Rolle von Journalisten und sozialen Medien zu Wort. Ein komplexes Thema im Spannungsfeld von Wirtschaft, Medizin und Ethik – journalistisch herausragend aufbereitet.“ Juror Michael Boll, Verleger des Solinger Tageblatts.

Gianna Niewels Seite 3-Reportage „Der nachtblaue Orden“ erschien am 2.12.2016  in Süddeutsche Zeitung: „Herbst 2016, die Republik bereitet sich längst auf Weihnachten vor. Die Einzigen, die die Stimmung verderben, sind die Piloten der Lufthansa. Tagelang legen sie den Flugverkehr lahm. Ihre Spartengewerkschaft Cockpit fordert eine Tariferhöhung von 22 Prozent, rückwirkend für die letzten fünf Jahre, in denen ihr Gehalt nicht erhöht wurde. Es geht um viel mehr als um das Geld und die Piloten. Es geht um die große Macht kleiner Spartengewerkschaften generell. Es geht um Tarifeinheit, aber auch um die Frage, wie weit sich unsere Gesellschaft noch fragmentiert.

Laudator Thomas Tuma, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt, überreicht Gianna Niewel die Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator Thomas Tuma, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt, überreicht Gianna Niewel die Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow

Auch wir beim Handelsblatt haben darüber vielfältig berichtet, aber leider nie so kraftvoll den großen Wurf wagend, wie es Gianna Niewel mit einer einzigen ‚Seite 3‘ in der „Süddeutschen“ gelungen ist. Ich bin wirklich neidisch auf die SZ-Kollegen und ihr neues und noch junges Top-Talent, das schon derart durchkomponierte Stücke abliefert – geschrieben mit ebenso viel Selbstvertrauen und Sicherheit, Weisheit und zugleich Demut. Ich wünsche dem Wirtschaftsjournalismus, dass unsere Preisträgerin gerade da weitermacht: Wirtschaft braucht Beobachterinnen wie sie.“ Juror Thomas Tuma, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt.

Moderator Markus Koch und Produzent Matthias Praxenthaler, erhielten den Vogelpreis für die 3. Folge ihres am 29.11.2016 um 19.30 Uhr gesendeten Online-Livestreams „Auf der Couch by Markus Koch – 3 Shows und 3 wichtige Fragen“ (www.aufdercouch.net). „Bei Markus Koch auf der Couch wird eingelöst, was vielfach als Mangel benannt: Gute Unterhaltung zum Thema „finanzielle Bildung“. Niedrigschwellig in angenehmer Atmosphäre werden auch schwierige Themen unserer Finanzwelt – wie Robo Advice und Behavioral Finance – aufbereitet und vermittelt.“ Juror Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Laudator Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (r.) überreicht Matthias Praxenthaler (li.) u. Markus Koch ihre Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (r.) überreicht Matthias Praxenthaler (li.) u. Markus Koch ihre Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow

Ariane Riecker und Dirk Schneider (Autoren), sowie Marianne Harr (Mitarbeit), Prof. Olaf Jacobs (Hoferichter & Jacobs GmbH, Produktion), Silke Heinz (MDR, Redaktion), wurden mit dem Vogelpreis ausgezeichnet für ihre dreiteilige MDR-Reportage „Wer bezahlt den Osten“. Ausgestrahlt wurden im Dritten Programm des Mitteldeutschen Rundfunks: Teil 1 – Geben & Nehmen, Dienstag,30.05.2017, 22:05 Uhr, Teil 2 – Soll & Haben, Dienstag, 06.06.2017, 22:50 Uhr, Teil 3 – Gewinn & Verlust, Dienstag, 13.06.2017, 22:05 Uhr. Ab 13. Januar 2018 soll die dreiteilige Reportage im ADR wiederholt werden.

Ariane Riecker, Dirk Schneider (Autoren), Marianne Harr (Mitarbeit), Prof. Olaf Jacobs (Hoferichter & Jacobs GmbH, Produktion) und Silke Heinz (MDR, Redaktion) mit Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow
Ariane Riecker, Dirk Schneider (Autoren), Marianne Harr (Mitarbeit), Prof. Olaf Jacobs (Hoferichter & Jacobs GmbH, Produktion) und Silke Heinz (MDR, Redaktion) mit Urkunde. Foto: Diether v. Goddenthow

„‘Wer bezahlt den Osten‘ – das ist eine dreiteilige Chronik der wilden Jahre nach der Wiedervereinigung. Mit zahlreichen Beispielen von tollkühnen Investoren, harten Bürokraten und ausufernden Kosten. Schicksale einzelner und das Wohlergehen oder Untergehen ganzer Industrien werden in Beziehung zueinander gesetzt. Auch wenn es sich vorwiegend um eine historische Betrachtung handelt, wirken die Geschehnisse von damals täglich in unsere aktuelle Gegenwart hinein: in finanzieller, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht.

Laudator Schlieker, Redakteur und Moderator im Börsenstudio des ZDF. Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator Schlieker, Redakteur und Moderator im Börsenstudio des ZDF. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Bezug zum Thema Soziale Marktwirtschaft ist geradezu Kernelement dieser hervorragenden Serie. Dabei wird durchaus problematisiert, dass viele Menschen in der ehemaligen DDR von der Geschwindigkeit des Wandels überfahren worden sind. Und dass viele im Namen der Marktwirtschaft versuchten, ihren eigenen Vorteil zu suchen – und dies auf rücksichtslose Weise. An Beispielen wagemutiger Unternehmer wird jedoch auch gezeigt, dass der unternehmerische Geist dazu angetan ist, ganze Landstriche neu zu beleben. Die Autoren haben für den MDR ein zeithistorisches Werk von bleibender Bedeutung geschaffen.“ Juror Reinhard Schlieker, Zweites Deutsches Fernsehen

Das mit 3.000 Euro dotierte Vogel-Stipendium im Jahr 2017 erhielt:

Laudator Dr. Michael Moerchel, freier Journalist, Bonn würdigt die Preisträgerin Stefanie Nickel, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator Dr. Michael Moerchel, freier Journalist, Bonn würdigt die Preisträgerin Stefanie Nickel, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Foto: Diether v. Goddenthow

Stefanie Nickel ,  feste freie Mitarbeiterin in der NDR Onlineredaktion erhielt den Vogelpreis für ihre Rechercheidee „Krieg und Frieden im Klassenzimmer: Nationalismus in Lehrplänen und ethnische Trennung an Schulen in Bosnien und Herzegowina“. „Stefanie Nickel ist Nachrichtenredakteurin und Autorin in der Onlineredaktion des Norddeutschen Rundfunks. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie Reportagen für Magazine und Zeitungen. An der Leuphana Universität Lüneburg hat sie ein berufsbegleitendes Studium zu Nachhaltigkeit und Journalismus abgeschlossen und dort zu nachhaltigem Wirtschaften, extensiver Landwirtschaft und deren Alternativen gehört. Der Zusammenhang von Bildung und wirtschaftlicher Entwicklung interessiert sie dabei besonders. In ihrer Recherchereise möchte sie die ethnisch getrennten und nationalistisch aufgeladenen Bildungssysteme in Bosnien und Herzegowina und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes analysieren. Ihre als Arbeitsprobe eingereichte Reportage „Grünau lebt“, die in der Zeitschrift Chrismon erschienen ist, schildert in einem einfühlsamen Feature die Entwicklung der Plattenbausiedlung Grünau in Leipzig und hat die Jury restlos überzeugt.“ Juror Dr. Michael Moerchel, freier Journalist, Bonn

Vergabekriterien und Juroren  des Friedrich und Isabel Vogelpreises

Über die Vergabe der Vogel-Preise entschieden 2017 die folgenden Juroren: Michael Boll (Verleger des Solinger Tageblatts), Heinrich Meyer (Herausgeber Neue Ruhr Zeitung), Hermann Neusser (Verleger des Bonner General-Anzeigers), Dr. Michael Moerchel (freier Journalist), Peter Brors und Thomas Tuma (stv. Chefredakteure Handelsblatt) Prof. Dr. Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V.) und Reinhard Schlieker (Wirtschaftsredakteur ZDF).

Leitfigur für Dr. Friedrich Vogel und seine Frau Isabel war Ludwig Erhard, dessen Idee der sozialen Marktwirtschaft der Handelsblattgründer und Journalist mit seinen Publikationen unterstützte. Darin sah er seinen Beitrag zum Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten deutschen Wirtschaft. Seine Ideale leben in der 1984 gegründeten Vogel-Stiftung weiter, die  jährlich Wirtschaftsjournalisten für ihre beispielhaften Arbeiten auszeichnet. Unterstützt wurde die Verleihung der Vogel-Preise 2017 von  R+V Allgemeine Versicherung AG. Die Verleihung fand im DZ-Hauptgebäude in Frankfurt am Main statt.

Die Bewerbungen für den Vogel-Preis 2018 können ab 1. März 2018 wieder eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2018. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.vogelstiftung.de

(Quelle: Presseinformation der Vogel-Stiftung).

Vier Jung-Unternehmer gewinnen in Mainz den mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Pioniergeist

Die Shortlist der Pioniergeist-Nominierten. im ISB-Foyer in Mainz mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing (rechts). Foto: Diether v. Goddenthow
Die Shortlist der Pioniergeist-Nominierten. im ISB-Foyer in Mainz mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing (5. von rechts). Foto: Diether v. Goddenthow

Gestern Abend wurden im Mainzer ISB-Foyer die vier innovativsten Jungunternehmer aus Rheinland-Pfalz mit dem Pioniergeist 2017 ausgezeichnet. Sie hatten sich gegen eine große Anzahl kreativer Mitbewerber durchgesetzt.   SWR-Moderator Martin Seidler stellte  zunächst die Gründer, die es auf die Pioniergeist-Shortlist der besten 10 geschafft haben, kurz mit ihren Gründungs-Ideen  vor, begrüßte die Laudatoren und zahlreichen Gäste des Abends.

„MrWissen2go“ Mirko Drotschmann, YouTube-Blogger, Journalist und Produzent. Foto: Diether v. Goddenthow
„MrWissen2go“ Mirko Drotschmann, YouTube-Blogger, Journalist und Produzent. Foto: Diether v. Goddenthow

„MrWissen2go“, alias Mirko Drotschmann, im Zweitjob YouTube-Blogger,  philosophierte pointiert über unternehmerisches Scheitern, und dokumentierte dies mit prominenten Beispiele die bereits Wirtschaftsgeschichte geworden sind wie etwa der Wankel-Motor, Sonys Mini-Disc oder dem Internetgeld Slooz.com. Denn, so die Botschaft: Der Sprung in die Selbständigkeit kann auch floppen, aus ganz verschiedenen Gründen. Nicht immer liegt es  an fehlendem Kapital, mangelndem Mut oder an der Geschäftsidee. Zur erfolgreichen Gründung gehört auch ein wenig Glück: „Man muss zur richtigen Zeit mit der passenden Idee am perfekten Ort sein – das ist eine große Herausforderung, aber die Preisträger zeigen sehr eindrucksvoll, dass das durchaus möglich ist“, so Mirko Drotschmann.

Veranstaltungs-Impression:  ISB-Foyer der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz in der Mainzer Holzhofstrasse 4. Foto: Diether v. Goddenthow
Veranstaltungs-Impression: ISB-Foyer der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz in der Mainzer Holzhofstrasse 4. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Pioniergeist 2017 hat Tradition. Er wurde gestern Abend zum 19. Mal als eine  gemeinsame Initiative der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), des Südwestrundfunks und der Volksbanken Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz verliehen:

Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing betonte einleitend, wie wichtig Gründungen für die Wirtschaft sind: „Gründungen sind eine Frischzellenkur für den Mittelstand. Gründer beleben mit neuen Produkten und Geschäftsideen den Wettbewerb und erhalten eine leistungsstarke Wirtschaft. Wir brauchen immer wieder viele neue Ideen und Impulse, damit unsere Wirtschaft nicht stagniert. Deshalb setze ich mich verstärkt für die Gründungsförderung ein.“

1. Preis InnoCow GmbH – Gesundheitsdiagnosesystem für Kühe

Das Gewinner-Team der InnoCow mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing (2.v.li.) GmbH. Foto: Diether v. Goddenthow
Das Gewinner-Team der InnoCow mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing (2.v.li.) GmbH. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit dem ersten Platz zeichneten die Initiatoren das Konzept der InnoCow GmbH aus Kaiserslautern für die Entwicklung eines automatisierten Gesundheitsdiagnosesystems für Milchkühe aus, das die Lebensbedingungen der Tiere und die wirtschaftliche Situation für die Landwirte nachhaltig verbessert. Das Diagnosesystem erfasst die Vital- und Aktivitätsdaten der Kühe in Echtzeit über ein Halsband und analysiert diese mit selbstlernenden Algorithmen. Dadurch können Krankheiten frühzeitig erkannt und den Landwirten unnötige Behandlungskosten erspart werden. Gemeinsam mit Ulrich Dexheimer, Sprecher des Vorstandes der ISB, verlieh der Wirtschaftsminister dem Firmengründer Sebastian Baumbach den mit 15.000 Euro dotierten ersten Preis. „Beeindruckt war die Jury vom hohen Marktpotenzial des Diagnosesystems, das die Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft nachhaltig unterstützt“, sagte Dexheimer. „Die Vielfalt der Ideen beeindruckt uns als Förderbank immer wieder. Die Unternehmensgründer betreiben mit viel Engagement und Pioniergeist die Umsetzung ihrer Geschäftsideen.“

2. Preis A+Composites GmbH mit Werkstoff zur endlosfaserverstärkung von Kunststoffen

v.li. Laudator: Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank eG, Markus Brzeski, Pioniergeistgewinner und Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing. Foto: Diether v. Goddenthow
v.li. Laudator: Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank eG, Markus Brzeski, Pioniergeistgewinner und Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing. Foto: Diether v. Goddenthow

Den zweiten Preis in Höhe von 10.000 Euro verlieh der Wirtschaftsminister gemeinsam mit Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank eG, an die A+Composites GmbH. Das junge Unternehmen aus Weselberg aus dem Landkreis Südwestpfalz wird mit seiner patentierten Verfahrensinnovation für die Verarbeitung endlosfaserverstärkter Kunststoffe in der Herstellung von Leichtbauteilen den steigenden Anforderungen an Kostenersparnis und Ressourceneffizienz im industriellen Umfeld gerecht. Durch das innovative Verfahren können Materialkombinationen kostengünstig auf die individuellen Kundenbedürfnisse abgestimmt hergestellt werden. Die Jury würdigte das A+Composites-Team für den hohen Automatisierungsgrad bei deutlicher Qualitätssteigerung und hohem Kostensenkungspotenzial bei der Herstellung von Produkten aus Faserverbundstoffen. „Die Innovationskraft, die aus dieser Idee spricht, steht in besonderer Weise für den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Solch ein Pioniergeist ist beispielhaft für die zahlreichen kreativen Köpfe in unserem Land, die es zu fördern gilt“, lobte Abel bei der Überreichung des Preises.

3. Preis NoLeaf GmbH – Kompressionsstrümpfe für Pferde

Laudatorin:Dr. Simone Schelberg, Landessenderdirektorin SWR Rheinland-Pfalz, Bechberger-Gaber, Gründerin der NoLeaf GmbH aus Boppard-Buchholz mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing.Foto: Diether v. Goddenthow
Laudatorin:Dr. Simone Schelberg, Landessenderdirektorin SWR Rheinland-Pfalz, Franziska Bechberger-Gaber, Gründerin der NoLeaf GmbH aus Boppard-Buchholz mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing.Foto: Diether v. Goddenthow

Mit ihrer durchdachten Unternehmensidee hat es Franziska Franziska Bechberger-Gaber, Gründerin der NoLeaf GmbH aus Boppard-Buchholz, auf Platz drei geschafft. Das junge Unternehmen entwickelt Kompressionsstrümpfe für Pferde, die negative Trainingseffekte lindern, therapeutische Ansprüche erfüllen und durch Robustheit, Beweglichkeit und Stabilität für das Wohl der Tiere sorgen. Die Jury lobte die Unternehmerpersönlichkeit der Gründerin und ihre Bereitschaft, ein hohes unternehmerisches Risiko einzugehen, um ihrer Passion zu folgen. „Es ist mir eine Freude, eine junge und engagierte Unternehmerin auszuzeichnen, die mit ihrer Entwicklung das gesundheitliche Wohl der Pferde in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig die Bedürfnisse und Wünsche der Reiterinnen und Reiter im Blick hat“, sagte Dr. Simone Schelberg, Landessenderdirektorin SWR Rheinland-Pfalz, die gemeinsam mit dem Wirtschaftsminister den Preis im Wert von 5.000 Euro übergab.

4. Sonderpreis „Beste Gründungsidee“ – Virtual-Reality-Anwendung für CAD im Produktdesign

(v.li.n.r.) Klaus Wächter, Vorsitzender der Business Angels Rheinland-Pfalz e.V., Preisträger Dr. Johannes Mattmann und Jonas Kunze von flyingshapes aus Mainz und Moderator Martin Seidler. Foto: Diether v. Goddenthow
(v.li.n.r.) Klaus Wächter, Vorsitzender der Business Angels Rheinland-Pfalz e.V., Preisträger Dr. Johannes Mattmann und Jonas Kunze von flyingshapes aus Mainz und Moderator Martin Seidler. Foto: Diether v. Goddenthow

Für die Entwicklung und den Vertrieb einer Virtual-Reality-Anwendung für CAD im Produktdesign erhielten die Gründer Dr. Johannes Mattmann und Jonas Kunze von flyingshapes aus Mainz den Sonderpreis „Beste Gründungsidee“ in Höhe von 5.000 Euro von Klaus Wächter, Vorsitzender der Business Angels Rheinland-Pfalz e.V. Das Produkt nimmt sich den Herausforderungen im Produktdesign an, indem es den kreativen Prozess der Formfindung signifikant vereinfacht, aufwändige Abstimmungsprozesse synchronisiert und die Notwendigkeit der Fertigung kostenintensiver Modelle verringert. Neben der innovativen Produktidee hat die Jury insbesondere das Potenzial überzeugt, durch den konsequenten Einsatz von Virtual Reality den Standard im industriellen Designprozess nachhaltig neu definieren zu können. Der Sonderpreis wird in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben und soll Unternehmerinnen und Unternehmer bereits in einer frühen Gründungsphase unterstützen. Prämiert werden innovative Geschäftsideen von Start-ups, die das Potenzial haben, als „Pioniergeister der Zukunft“ erfolgreich ihren Weg in die Selbstständigkeit zu meistern.

Abschluss-Foto der Gewinner des 19. Existenzgründerwettbewerbs Pioniergeist 2017 zusammen mit den Laudatoren, Wirtschaftsminister und Moderator.Foto: Diether v. Goddenthow
Abschluss-Foto der Gewinner des 19. Existenzgründerwettbewerbs Pioniergeist 2017 zusammen mit den Laudatoren, Wirtschaftsminister und Moderator.Foto: Diether v. Goddenthow

 

Teilrekonstruierte historische Frankfurter Altstadt lockt Tourismusplaner aus aller Welt – auch Wohnquartier

Hühnermarkt in der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt.  Foto: Diether v. Goddenthow
Hühnermarkt in der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt.
Foto: Diether v. Goddenthow

Er sei bekanntermaßen anfangs nicht gerade ein Befürworter der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt gewesen. Doch inzwischen fände er die  Entscheidung  richtig, dass die Altstadt, wenn auch nicht ganz stilecht, in dieser Form teilweise wieder aufgebaut wird,   verriet Oberbürgermeister Peter Feldmann schon  am 2. August 2017 beim ersten Pressegang über den historischen Krönungsweg Frankfurts teilrekonstruierter Altstadt. Und noch etwas hatte den Frankfurter Oberbürgermeister begeistert: Seit Baubeginn seien die Tourismusanfragen von Veranstaltern, insbesondere aus Fernost, nach Auskunft des städtischen Tourimus-Managers Thomas Feda ( Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congress-GmbH) um 100 Prozent in die Höhe geschnellt.

 

Der wiederhergestellte Stolzebrunnen wurde wieder an seinem angestammten Platz aufgestellt. Hier bei der Enthüllung am 29.09.2017. Foto: Diether v. Goddenthow
Der wiederhergestellte Stolzebrunnen wurde wieder an seinem angestammten Platz aufgestellt. Hier bei der Enthüllung am 29.09.2017. Foto: Diether v. Goddenthow

Seither  besichtigen  immer mehr Tourismus-Experten aus aller Welt das bald fertiggestellte  Altstadt-Quartier mit 35 rekonstruierten historischen Gebäuden, Plätzen, Stolze-Brunnen und Krönungsweg zwischen Dom und Römer, wo einst das „Technische Rathaus“ im 70-er Jahre Look  Waschbetonplatten-Charme verbreitete.

Seit Wochen veranstaltet Thomas Feda mit Kollegen aus China, USA, Japan, England, Skandinavien und Italien „Sight Inspections“ im neuen touristischen Magnet Frankfurts.  Ziel sei es, und das wäre durchaus realistisch, dass jährlich zwei Millionen Touristen aus aller Welt die neue Altstadt Frankfurts besichtigten. Allein die Zahl der chinesischen Touristen habe sich innerhalb von zehn Jahren verfünffacht. Sie seien nach den USA die die zweitstärkste Gruppe. Überall in den chinesischen Zeitungen erschienen Berichte über die Frankfurter Altstadt.

Nicht nur Tourismus-Hotspot sondern auch Wohnquartier

Frankfurts teilrekonstruierte Altstadt, der neue Hotspot auf dem internationalen Tourimusmarkt, soll jedoch auch Wohnquartier sein. Der Innenausbau läuft, nachdem die Fassaden nahezu fertiggestellt sind. Immer klarer wird, wie das neue Viertel die Innenstadt mit seinen zahlreichen architektonischen und handwerklichen Details bereichern wird.

Einen ersten Einblick in die Altstadt-Wohnungen ermöglichte am Montag, 20. November, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann während eines Pressetermins. „Die Perspektive verändert sich. Wir blicken heute nicht mehr vorrangig auf ein Bauprojekt, sondern auf ein eigenes Stadtviertel im Herzen unserer Mainmetropole, das zu den Top-Wohnstandorten in der Region zählen wird. Die Bewohner freuen sich schon auf ihr neues Zuhause.“

Peter Feldmann in einer der fertiggestellten Musterwohnungen mit Blick auf die rekonstruierte Altstadt mit Dom im Hintergrund. Foto: DomRoemer GmbH, Uwe Dettmar
Peter Feldmann in einer der fertiggestellten Musterwohnungen mit Blick auf die rekonstruierte Altstadt mit Dom im Hintergrund. Foto: DomRoemer GmbH, Uwe Dettmar

Wie sich das Leben in den 15 Rekonstruktionen und 20 Neubauten ab dem kommenden Jahr anfühlen wird, zeigte die Besichtigung von zwei Wohnungen am Montag sehr anschaulich. Am westlichen Eingang des neuen Viertels gelegen, bietet sich aus den Wohnungen des von Jordi & Keller Architekten entworfenen Neubaus Markt 40 „Zu den drei Römern“ eine wunderschöne Aussicht auf den Römer. Die Maisonettewohnung, die sich im ersten und zweiten Obergeschoss befindet, verfügt über eine Wohnfläche von 113 Quadratmetern und ist – wie alle Wohnungen des Viertels – mit Parkettfußboden und gefliesten Bädern ausgestattet. „Einige der Wohnungen wie hier im Haus Markt 40, sind nahezu vollständig fertig und warten bereits auf ihre neuen Bewohner“, sagte Feldmann. Schritt für Schritt würden die übrigen Wohnungen fertiggestellt, der geplanten Eröffnung der Altstadt im September 2018 stehe nichts im Wege.

Die zweite besichtigte Wohnung befindet sich direkt am Hühnermarkt, im Haus „Schlegel“ mit der Adresse Markt 26. Die von Hans Kollhoff entworfene und vom Büro Jourdan & Müller umgesetzte Rekonstruktion wurde als Ganzes verkauft und beherbergt neben einer Apotheke im Erdgeschoss zwei Maisonettewohnungen, die sich über das erste und zweite sowie das dritte und vierte Obergeschoss erstrecken. Feldmann führte die Teilnehmer ins Dachgeschoss des Hauses, das einen spektakulären Blick über die Dachlandschaft und auf den Dom ermöglicht.

„Die neue Frankfurter Altstadt wird mit ihrer Mischung aus Wohnungen, Geschäften, Cafés und Restaurants ein beliebter Treffpunkt für Bürger und Gäste unserer Stadt sein. Ich freue mich bereits sehr auf die Eröffnung im kommenden Herbst, wenn wir die Altstadt den Bürgerinnen und Bürgern offiziell übergeben können“, sagte der Oberbürgermeister.