Kategorie-Archiv: Wirtschaftskultur

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis: „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“ ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres 2018

wibu-preis2Düsseldorf (ots)- Für ihr Buch „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“, erschienen im Econ-Verlag, haben Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2018 gewonnen. Die Jury wählte das Buch aus einer Shortlist von zehn Titeln zum besten Wirtschaftsbuch des Jahres. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro. Der Preis wurde am Freitagabend im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bei einer feierlichen Gala überreicht.

Die Jury, zusammengesetzt aus hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft, entschied sich für das Buch, weil es fundiert und lehrreich über Chinas Wirtschaft, Politik, Geschichte, Gesellschaft, Kultur und Philosophie aufklärt. „Ein Buch zur richtigen Zeit, das gefehlt hat, ein Crash-Kurs der globalen Situation“, urteilte die Jury, „ein Buch, das jeder Wirtschaftslenker lesen sollte, vor allem vor dem Hintergrund des heraufziehenden Handelskriegs zwischen den USA und China und der zunehmenden Verflechtung der deutschen und der chinesischen Wirtschaft“.

chinesen

Die Autoren beschreiben faktenreich das Denken und Fühlen des bevölkerungsreichsten Landes der Welt von kollektiven Vorstellungen über Familie, Hierarchie und Moral bis zu den ökonomischen und geopolitischen Ambitionen Chinas. Sie schildern das Selbstverständnis des Landes von Konfuzius über Mao bis heute und gewichten die „chinesische Herausforderung“ und die Folgen für den Westen. Die Jury lobte die klare Sprache und den hohen Gebrauchswert des Buches.

Bei allen Zukunftsfragen wird China eine Rolle spielen, deshalb sollten wir so viel wie möglich über das Land und das System wissen“, erklärt der Jury-Vorsitzende Hans-Jürgen Jakobs, Senior Editor und Autor des Handelsblatts.

Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis wird verliehen vom Handelsblatt, der Frankfurter Buchmesse und der Investmentbank Goldman Sachs, die das Preisgeld stiftet. Die Partner wollen mit der Auszeichnung die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der Gesellschaft liefern. Verständlichkeit ist ein wichtiges Kriterium. Das Motto des Preises lautet deshalb „Wirtschaft verstehen“.

Über das Handelsblatt

Das Handelsblatt ist die größte Wirtschafts- und Finanzzeitung in deutscher Sprache. Rund 200 Redakteure, Korrespondenten und ständige Mitarbeiter rund um den Globus sorgen für eine aktuelle, umfassende und fundierte Berichterstattung. Im Tageszeitungsvergleich zählt die börsentäglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung bei Entscheidern der ersten und zweiten Führungsebene zur unverzichtbaren Lektüre. Laut „Leseranalyse Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung“ (LAE) 2018 erreicht das Handelsblatt mehr als 305.000 Top-Entscheider börsentäglich. Handelsblatt Online ist mit monatlich bis zu 20 Millionen Visits und rund 80 Millionen Page Impressions das führende Wirtschaftsportal in Deutschland. www.handelsblatt.com

Über Goldman Sachs

Goldman Sachs gehört zu den führenden globalen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Die Bank bietet weltweit einem breit gefächerten Klientenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören, ein umfangreiches Dienstleistungsspektrum an. Die 1869 gegründete Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in New York und unterhält Niederlassungen in allen großen Finanzzentren auf der ganzen Welt. In Deutschland ist Goldman Sachs seit 1990 mit einer Niederlassung in Frankfurt vertreten.

Weitere Informationen und Bilder

Neun Finalisten für Hessen-Champions 2018 zur Kür auf dem Hessischen Unternehmertag

Archivbild © Foto: Diether v. Goddenthow
Archivbild © Foto: Diether v. Goddenthow

Neun hessische Unternehmen haben in diesem Jahr das Finale des Wettbewerbs „Hessen-Champions 2018“ erreicht. Dies teilten das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL), die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen (MBG H) in Wiesbaden am Freitag mit. Die Jury hatte die Finalisten aus insgesamt 61 Kandidaten ausgewählt.

„Hessens Wirtschaft entwickelt sich dynamisch und beschäftigt von Jahr zu Jahr mehr Menschen“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Das ist vor allem ein Erfolg der hessischen Unternehmen und ihrer Beschäftigten. Wir freuen uns über die vielen innovativen Unternehmerinnen und Unternehmer, die dafür sorgen, dass Hessen im internationalen Wettbewerb ganz oben mitspielt. Sie wollen wir mit der Auszeichnung würdigen.“

„Unsere hessischen Unternehmen sind ebenso sehr Zukunft erschließende Innovatoren wie wettbewerbsorientierte Mehrer von Wachstum für mehr Wohlstand aller in Hessen,“ ergänzte VhU-Präsident Wolf Matthias Mang, „aber auch wertegeführte Solidar­gemeinschaften, betriebliche Bündnisse im Interesse der Stakeholder: der Anleger sowie der Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter.“

„Alle 61 Teilnehmer haben eine Erfolgs­geschichte zu erzählen und sind damit mutig in den Wettbewerb gegangen. Die neun Finalisten sind allein deshalb schon Gewinner, weil sie sich in diesem harten Wettbewerbsumfeld hervorragender Unternehmer durchgesetzt haben“, erklärte Jürgen Zabel, Geschäftsführer der MBG H.

Der Innovations- und Wachstumspreis des Landes Hessen umfasst die Kategorien Weltmarktführer, Jobmotor und Innnovation. Die Gewinner werden von einer Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien ermittelt. Ministerpräsident Volker Bouffier, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und VhU-Präsident Wolf Matthias Mang ehren die Gewinner vor mehr als 1000 Gästen im Rahmen des Hessischen Unternehmertag am 30. Oktober im Wiesbadener Kurhaus.

Mit den „Hessen Champions“ würdigen das Wirtschaftsministerium, die VhU und die MBG H besondere unternehmerische Erfolge. Die Auszeichnung wird bereits zum 18. Mal vergeben. Für die Koordination des Wettbewerbs ist die Hessen Trade & Invest GmbH verantwortlich.

Die Finalisten in der Kategorie Weltmarktführer: 

– DEKOMTE de Temple Kompensator-Technik GmbH, Seligenstadt
DEKOMTE de Temple, 1978 gegründet, hat sich durch den Fokus auf modernste Konstruktionssysteme und ausgereifte Lösungen zum technischen Weltmarktführer für Gewebekompensatoren entwickelt. Heute besteht DEKOMTE aus weltweit acht Tochter-unternehmen, mehr als 400 Mitarbeitern und fünfzehn Vertretungen. Nicht nur als Hersteller, auch als Unternehmer und Arbeitgeber setzt die DEKOMTE ihren Schwerpunkt auf langfristige und nachhaltige Wertschöpfung: Seit über 20 Jahren bildet das Unternehmen aus, engagiert sich für Kultur, Sport und karitative Zwecke.

– HEWI Heinrich Wilke GmbH, Bad Arolsen
Beständige Innovation, ein tiefgehendes Verständnis für Formen, Farben und Materialien sowie eine Produktentwicklung, die den Nutzer fokussiert, hat HEWI zu Experten für Systemdesign werden lassen. Seit der Gründung 1929 ist ein international agierender Anbieter für übergreifende Lösungen in den Bereichen Baubeschlag, Sanitär-Accessoires sowie barrierefreie Produkte entstanden. Bei HEWI wird auch dem kleinsten Detail Bedeutung beigemessen, um perfekt aufeinander abgestimmte Systeme zu bieten.

– MedTec Medizintechnik GmbH, Wetzlar
Muskel- und Skeletterkrankungen sind weltweit die führende Ursache chronischer Schmerzen, körperlicher Einschränkungen und von Einbußen an Lebensqualität. Die Vision der MedTec Medizintechnik GmbH ist es, mit der MBST Kernspinresonanz-Therapie Patienten nahezu jeden Alters ein gesundes, aktives und vor allem schmerzfreies Leben zu ermöglichen.

Die Finalisten in der Kategorie Jobmotor:

– sauer product GmbH, Dieburg
Seit Gründung 1998 hat sich sauer product als Systemlieferant und Entwicklungspartner für Kleinserienfertigung und Nischenvarianten von Kunststoffbauteilen und -komponenten einen Namen gemacht. Bei der Entwicklung von Systemlösungen und anspruchsvollen Baugruppen unterstützt das Unternehmen namhafte Premium-Kunden. Es steht eine Vielzahl an Sondertechnologien wie z. B. 2K-Technologie, Gas- und Wasser-Innendruck-Technologie und MuCell®-Verfahren zur Verfügung. 3D-Druck ergänzt das Spektrum.

– Wagner GmbH & Co. KG, Fulda
Als Zulieferer der Automobilindustrie (LKW + PKW) produziert die Wagner GmbH & Co. KG in Fulda Einzelteile sowie Baugruppen für Motor, Getriebe und Fahrwerk. Die jährlich 60 Mio. Bauteile kommen in der Erstausstattung aller namhaften Automobil-Hersteller zum Einsatz. Aufgrund ständig steigender Nachfrage hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und viele Millionen Euro in Erweiterungsbauten und in einen modernen Maschinenpark investiert. Wagner ist ein gefragter Arbeitgeber und hat gegenwärtig rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Tendenz steigend.

Die Finalisten in der Kategorie Innovation

– Air Profile GmbH, Kassel
Das Start-up Air Profile setzt Maßstäbe in der Fernmesstechnik. LiDAR-Systeme (Light Detection And Ranging) messen den Wind mit Hilfe von Laserstrahlen. Air Profile hat ein weltweit einzigartiges Verfahren zur punktgenauen Windmessung bis in 300 Meter Höhe entwickelt und hebt sich damit deutlich von anderen Marktteilnehmern ab. Die laut eigenen Angaben präzisesten Messdaten der Welt haben eine enorme Bedeutung für den globalen Wind- und Wettermarkt. Ertragsprognosen für Windparks, regionale Wetter-vorhersagen und emissionsabhängige Verkehrsteuerung können mit Hilfe der Messdaten von Air Profile signifikant verbessert werden.

– Bosch Rexroth AG, Erbach im Odenwald
Bosch Rexroth sorgt als ein weltweit führender Anbieter von Antriebs- und Steuerungs-technologien für effiziente, leistungsstarke und sichere Bewegung in Maschinen und Anlagen jeder Art und Größenordnung. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Hydraulik, elektrische Antriebs- und Steuerungstechnik, Getriebetechnik sowie Linear- und Montagetechnik einschließlich Software und Schnittstellen ins Internet der Dinge.

– eta|opt GmbH, Kassel
Das Technologie-Startup eta|opt hat sich auf die Substitution von Druckluft in der Industrie spezialisiert. Mit Ihrer patentierten eta|vac-Technologie erzeugt die eta|opt ein dezentrales, druckluftloses Vakuum und macht das Heben und Handhaben von Werk-stücken, vom Handydisplay bis zum Kotflügel, nicht nur innovativ, sondern deutlich effizienter. So können im direkten Vergleich 66 Prozent der eingesetzten Energie einge-spart und der Lärmpegel für Mitarbeiter um 30 dB gesenkt werden.

– WIKUS-Sägenfabrik Wilhelm H. Kullmann GmbH & Co. KG, Spangenberg
Qualität und Produktivität sind zentrale Bestandteile der Strategie von WIKUS. Kunden profitieren vom kompetenten Support zur Optimierung des Sägeprozesses. Wir beraten bei Auswahl und Einsatz unserer Produkte. Mit Schnittversuchen, innovativen Softwaretools und individuellen Schulungen in unserem Sägezentrum finden wir für unsere Kunden die optimale Lösung. WIKUS treibt kontinuierlich den Ausbau seiner internationalen Präsenz voran und investiert stetig in Technologie und Entwicklung.

Frankfurter Altstadt offiziell eröffnet. Professor Mäckler plädiert für Weiterentwicklung der im Gestern verhafteten Moderne

Bürger „holen sich begeistert ihre Altstadt zurück“: Heitere, ausgelassene Stimmung, Wohlfühl-Atmosphäre. Es scheint als sei es eine Abstimmung mit den "Füßen" wie Menschen am liebsten leben würden: in Gemäuern mit liebevoll verspielten Außenfassaden und innen ausgestattet mit moderner Technik auf der Höhe der Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow © Foto: Diether v. Goddenthow
Bürger „holen sich begeistert ihre Altstadt zurück“: Heitere, ausgelassene Stimmung, Wohlfühl-Atmosphäre. Es scheint als sei es eine Abstimmung mit den „Füßen“ wie Menschen am liebsten leben würden: in Gemäuern mit liebevoll verspielten Außenfassaden und innen ausgestattet mit moderner Technik auf der Höhe der Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow © Foto: Diether v. Goddenthow

Drei Tage lang, vom 28. bis 30. September 2018, feiert Frankfurt die offizielle Eröffnung seiner bereits seit 9. Mai 2018 zugänglichen Altstadt. Gegen 9.30 Uhr durchtrennte Oberbürgermeister Peter Feldmann symbolisch das  über den Krönungsweg gespannte rote Samtband. Der Festakt mit zirka 800 geladenen Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft fand anschließend in der Paulskirche statt. Professor Dr. Christoph Mäckler, Architekt und Vorsitzender des Frankfurter Gestaltungsbeirates, hielt eine vielbeachtete Festrede.

Oberbürgermeister Feldmann: „Ein Stück Stadt realisiert, das die Menschen in ihrem Herz berührt!“
Oberbürgermeister Peter Feldmann durchtrennt in Beisein von Amtsvorgängerin Dr. Petra Roth und Planungsdezernent Mike Josef symbolisch das rote Band in der Mitte des historischen Krönungsweges zur offiziellen feierlichen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt. Links in der hinteren Reihe: Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH und Professor Dr. Joseph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt. .© Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Peter Feldmann durchtrennt in Beisein von Amtsvorgängerin Dr. Petra Roth und Planungsdezernent Mike Josef symbolisch das rote Band in der Mitte des historischen Krönungsweges zur offiziellen feierlichen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt. Links in der hinteren Reihe: Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH und Professor Dr. Joseph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt. .© Foto: Diether v. Goddenthow

Begonnen hatten die Feierlichkeiten der  Altstadt-Eröffnung gegen 9.30 Uhr mit der Durchtrennung eines über den Krönungsweg gespannten roten Samtbandes, bevor der eigentliche Festakt gegen 10 Uhr – mit einer Gedenkminute für die Opfer der Zerstörung der Altstadt im 2 Weltkrieg –  in der Paulskirche  begann. Die Eröffnung sei „das Ereignis des Jahres“, sagte Feldmann. „Mit der Altstadt haben wir ein Stück Stadt realisiert, das die Menschen in ihrem Herz berührt. Ganz Frankfurt wartet seit Jahren auf diesen Tag“, sagte Feldmann „Wir geben heute der Stadt Herz und Seele zurück“. Der Oberbürgermeister räumte ein, dass er zunächst nicht zu den Befürwortern zählte, sich aber – wie inzwischen viele andere auch – von der Richtigkeit des Projektes habe überzeugen und anrühren lassen.

Mit besonderer Hingabe hätten die Frankfurter Bürger das Projekt begleitet, dafür gekämpft. Denn es entspreche einem tief empfundenen Bedürfnis der Frankfurter nach Identität: Es sei ein Quartier geworden, das durch architektonische Harmonie und Aufenthaltsqualität besteche. Von den 35 Häusern entstanden 15 getreu ihren Vorgängern, die anderen in modernen Formen, welche sich in das Ensemble einpassen. Die ursprüngliche Frankfurter Altstadt, die zu den größten Fachwerkvierteln in Deutschland gehörte, wurde im März 1944 durch Bombenangriffe völlig zerstört. 1974 entstand auf dem Areal das Technische Rathaus, ein schmuckloser Betonbau. Dieser wurde 2010 abgerissen.
In der wiederaufgebauten Altstadt fänden die Frankfurter die Balance von Emotionalität und deren historischen Spuren. Das mache das Projekt so besonders!, beschrieb der Oberbürgermeister den einzigartigen Charakter des neuen Altstadt-Stadtteils zwischen Römer und St. Bartholomäus-Dom. Er führe zu den Wurzeln der Frankfurter Gesellschaft zurück, denn die Altstadt sei auch Ausgangspunkt der 800-jährigen Frankfurter Messegeschichte und Internationalität, an dem Händler ihre Geschäfte abgewickelt hätten.

"Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer", live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte.  © Foto: Diether v. Goddenthow
„Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer“, live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die lebenswerte Stadt“  – Festvortrag  von Prof. Christoph Mäckler anlässlich der Eröffnungsfeier in der Paulskirche

Neue Altstadt hat Vorbildfunktion 

Prof. Dr. Christoph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt© Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Christoph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt© Foto: Diether v. Goddenthow

Der Neubau des Stadtviertels DomRömer in Frankfurt am Main habe weit über die Grenzen der Stadt hinaus inzwischen Vorbildfunktion, sowohl hinsichtlich „der Idee, ein Stück Stadt, in dem Geschichte stattgefunden hat, wieder erlebbar zu machen.“,
als auch für den klugen Einsatz einer Organisationsstruktur mit klug ausgewählten unterschiedlichen, sich gegenseitig respektierenden Akteuren, durch die ein derartiges Bauvorhaben erst realisierbar würde, lobte Professor Dr.  Christoph Mäckler die inzwischen aus dem Altstadt-Projekt erwachsene positive vorbildhafte Eigendynamik in seinem Festvortrag „Die lebenswerte Stadt“ anlässlich der Eröffnung der neuen Altstadt in der Paulskirche am 28.9.2018

Die Menschen haben den ungestalteten Zeilen- und Siedlungsbau satt

Sie haben sich die neue Altstadt zu eigen gemacht. Frankfurter und Besucher, hier auf dem Hühnermarkt mit Stoltz-Denkmal, sind einfach stauend beglückt über soviel atmosphärisch angenehme Architektur. © Foto: Diether v. Goddenthow
Sie haben sich die neue Altstadt zu eigen gemacht. Frankfurter und Besucher, hier auf dem Hühnermarkt mit Stoltz-Denkmal, sind einfach stauend beglückt über soviel atmosphärisch angenehme Architektur. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am Beispiel des DomRömer-Areals werde sehr deutlich, dass es offenbar ein Bedürfnis in unserer Gesellschaft gäbe, städtischen Raum, den öffentlichen Raum unserer Straßen und Plätze, zu gestalten. „Oder wie ist es zu verstehen, dass die städtische Politik ein technisches Rathaus, kaum 40 Jahre alt, für viele Millionen abreißen lässt, ohne aus dem Römer gejagt zu werden?“, so Mäckler. Es gebe in der Bevölkerung eine positive Empfindung für den öffentlichen Raum, ohne dass der Bürger in der Lage wäre zu sagen, wie man ihn herstellen könne. Sicher sei nur, „er lebt lieber in einem wohl geordneten, gestalteten städtischen Raum, als in einem ungestalteten Zeilen- oder Siedlungsbau, wie wir ihn deutschlandweit in unseren neuen Vorstädten finden“, schrieb der bekannte  Architekturprofessor unter großem Beifall seinen Kollegen ins Stammbuch.

Die goldene Waage, eines der schönsten restaurierten Häuser in der Altstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die goldene Waage, eines der schönsten restaurierten Häuser in der Altstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Denn unsere Gesellschaft liebe, das würde im neuen Altstadtquartier deutlich, den städtischen öffentlichen Raum der europäischen Stadt, mit großer Einwohnerdichte und sozialer  und funktionaler Mischung, wie wir sie beispielsweise in Stadtteilen wie Bornheim oder Bockenheim finden“, konstatierte Mäckler und stellte die entscheidende Frage: „Warum also planen wir derartige Stadtquartiere nicht? Die vielen Bürgerbeteiligungen, die einer jeden Neubebauung vorangehen, sind nicht in erster Linie Zeichen eines besonderen demokratischen Engagements unserer Gesellschaft, sondern vor allem Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit dem, was wir an öffentlichen Räumen realisieren. Die moderne Stadt unserer Zeit hat keine von Häusern eingefassten Platz- und Straßenräume, in denen sich der Bewohner wohl fühlen würde“.

Bei allen größeren öffentlichen Ereignissen, etwa, wenn Eintracht Frankfurt Bayern München im DFB-Pokal besiege, so werde sie auf dem historischen Römerberg und nicht auf dem Riedberg empfangen. Oder in Paris habe die gewaltige Demonstration Charlie Hebdo im Januar 2015 für Freiheit und Demokratie auch nicht in den Banlieues von Paris, sondern im Herzen der Stadt, auf dem Place de la République stattgefunden, gab Mäckler Beispiele dafür, „dass der öffentliche Raum der europäischen Stadt, jene Straßen- und Platzräume, den Sozialraum unserer demokratischen Gesellschaft bilden.“

Die Fassaden machen den Flair der öffentlichen Räume

Keine Rekonstruktion, sondern neu entworfen: Das Haus Markt 14 am Hühnermarkt. Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Keine Rekonstruktion, sondern neu entworfen: Das Haus Markt 14 am Hühnermarkt. Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Außenwände der Innenwände unserer Häuser bildeten den öffentlichen Raum. Es seien „ausschließlich Fassaden, genauer gesagt: es sind die Straßen- und Platzfassanden, ihre Schönheit, Größe und Gestalt, mit denen wir unsere öffentlichen Straßen und Plätze als lebenswerte Stadträume formen“ , erklärte der Festredner und hob hervor, dass „unabhängig von der Bewertung, ob es sich bei den Hausfassaden um Rekonstruktionen oder Neubauten handelt,“ es eben diese Gestaltungselemente seien, welche „die Bedeutung der Altstadtbauten zwischen Dom und Römer“ ausmache. Es sei der städtische Raum mit Hühnermarkt und all den anderen Gassen des Altstadtquartiers, die  „neuen städtischen Räume im Herzen der Stadt Frankfurt am Main, die uns Geborgenheit und Aufenthaltsqualität vermitteln“.

Blickachse zur Hinterseite des Rebstockhofes. © Foto: Diether v. Goddenthow
Blickachse zur Hinterseite des Rebstockhofes. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei der Ausschreibung des Architektenwettbewerbes wurden Entwürfe für giebelständige Wohn- und Geschäftshäuser mit steilen Schieferdächern und Straßenfassaden unter Verwendung von farbigem Putz und rotem Mainsandstein gesucht. Vor allem die jüngeren Architekten hätten mit Bravour diese Aufgabe gelöst, erinnert sich Mäckler und verweist als Beispiele dafür auf das Eckhaus der Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann aus Köln und auf ein Haus des Berliner Architekten Ulrich von Ey. Ihre Häuser sind keine Rekonstruktionen, sondern neue, „moderne Hausentwürfe, die sich in ihrer Architektursprache dem Ort und seiner Geschichte anpassen, ohne sich dabei anzubiedern.“ Und wenn man vom Römer aus am Steinernen Haus in den Krönungsweg des neuen Stadtquartiers mit dem St. Bartholomäus Dom im Hintergrund schaue, sehe man an dessen Beginn das Giebelhaus „Zu den drei Römern“ der Architekten Jordi und Keller. Bei genauerer Betrachtung findet man „Eckfenster in der Giebelfassade, die im mittelalterlichen Fachwerksbau baukonstruktiv nicht möglich waren“.  Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stahlbeton zur Verfügung stand, „findet sich das Eckfenster in der Fassade und man kann sagen, dass dieses Eckfenster symbolisch für die frühe Moderne in der Architektur der zwanziger Jahre steht“, erklärt der Festredner ein für Laien nicht sofort identifizierbares Detail als Beispiel wie sich im Haus „Zu den Drei Römern“ „die Moderne mit dem Typus der mittelalterlichen Architektur“ verbindet, wie Neues auf Altem aufbaue und für den Betrachter zu einem gewohnten Bild und etwas Selbstverständlichem, dem Orte Angemessenen, verschmelze, so Mäckler.

Abschiednehmen vom ewigen Gestern der Moderne 

Zahlreiche der 35 Häuser des neuen Altstadt-Quartiers, wie auch das rote Haus von Mäcklers Schweizer Kollegen Meinrad Morger, seien etwas Besonderes, weil sie nicht in das vorherrschende Denken unserer Zeit passten, so der Festredner. Denn die Moderne der frühen zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland sei eine Reaktion auf das Kaiserreich und eine revolutionäre Architektur gewesen, „doch der Kaiser hat“, so Mäckler, „vor 100 Jahren abgedankt und wenn wir modern sein wollen, so müssen wir uns einer neuen Revolution widmen.“

Die neue Revolution bestehe nicht in noch mehr Altstädten. Aber „all jenen Architekten, die sich noch immer im Gestern der Moderne bewegen und sich jeder Weiterentwicklung von Architektur und Städtebau verwehren, weil sie das Denken mit der Diplomprüfung eingestellt haben“, widmete Mäckler,  augenzwinkernd, ein  Zitat  des  Architekten, Architekturkritikers und Kulturpublizisten Adolf Loos aus dem Jahre 1908:

„Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemanden zu gefallen hat.
Das Kunstwerk ist eine Privatangelegenheit des Künstlers. Das Haus ist es nicht.
Das Kunstwerk wird in die Welt gesetzt, ohne dass ein Bedürfnis vorhanden wäre.
Das Haus deckt ein Bedürfnis. Das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich, das Haus einem jeden.
Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen.
Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ.
Das Kunstwerk weißt der Menschheit neue Wege und denkt an die Zukunft. Das Haus denkt an die Gegenwart.
Der Mensch liebt alles, was seiner Bequemlichkeit dient. Er hasst alles, was ihn aus seiner gewonnenen und gesicherten Position reißen will und belästigt. Und so liebt er das Haus und hasst die Kunst.“

Quelle: Christoph Mäckler in:Festvortrag „Die lebenswerte Stadt“ 28.09.2018,  zit.n.: Loos, Adolf, Das Werk des Architekten, 1910.

Neue Frankfurter Philharmonie. © Foto: Diether v. Goddenthow
Neue Frankfurter Philharmonie. © Foto: Diether v. Goddenthow

Für die musikalische Umrahmung mit Mozart Divertimento D Dur, KV 136, und dem Nena Song „Leuchtturm“, symbolisch  für alt und modern stehend, sorgte die „Neue Philharmonie Frankfurt“.

(Diether v. Goddenthow/Rhein-Main.Eurokunst)

Programm des dreitägigen  „Altstadtfestes“

Altstadt-Impression. © Foto: Diether v. Goddenthow
Altstadt-Impression. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die neue Altstadt – Das große Begleitbuch
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Die Stadt Frankfurt hat ein wunderbares Begleitbuch in zwei Bänden über die Entstehung (Bd.1) und mit der Beschreibung jeden einzelnen Hauses des Quartiers (Bd.2) herausgegeben. Dieses von Matthias Alexander kuratierte Werk dokumentiert und kommentiert das gesamte Altstadtprojekt von der Planung, politischen Diskussion bis hin zu Baubeginn, Durchführung und Vollendung. Die großformatige Edition besticht durch aufwendiges Layout und eine Vielzahl bisher nicht veröffentlichter Abbildungen.

Leseprobe

Matthias Alexander (Hg.)
Die Neue Altstadt. Frankfurter Societäts-Medien GmbH, Frankfurt September 2018
448 Seiten, ISBN: 978-3-95542-307-0,

50,00 Euro im regionalen Buchhandel oder direkt über den Verlags-Shop: https://societaets-verlag.de/produkt/die-neue-altstadt/ 

12 Gründer qualifizieren sich für den 16. Hessischen Gründerpreis – Verleihung am 7. 11.2018 im RheinMain CongressCenter

Fotolia 77555514 XS SydaProductions
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Im Halbfinale des 16. Hessischen Gründerpreises haben sich zwölf Gründer und junge Unternehmen für das Finale qualifiziert. Alle zwölf werden am 7. November im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden als Preisträger ausgezeichnet. Zuvor wird aber noch in der Finalrunde am gleichen Tag in jeder der vier Wettbewerbskategorien eine Siegerin oder ein Sieger ermittelt. Immerhin zwei Frauen haben es im Halbfinale, das am Donnerstag in den Räumen der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden stattgefunden hat, ins Finale geschafft. „Im Wettbewerb waren Frauen eigentlich stärker vertreten, ein Drittel der 131 Bewerbungen kam von Gründerinnen. Im Vergleich zum Teilnehmerfeld 2017 hatte deren Beteiligung sich sogar verdoppelt“, berichtet Projektleiterin Elisabeth Neumann. „Das Halbfinale war sehr spannend, mit ganz vielen hochwertigen Pitches, und die Entscheidungen der 29köpfigen Jury waren wirklich oft sehr knapp“, so Neumann weiter.

Ein Drittel der Preisträger kommt aus Osthessen, darunter auch Kai Nüchter und Oliver Heil von „Velocultour“ aus Neuhof mit ihrem Onlineshop für Fahrräder und Veranstaltungen zum Thema Biking und Triathlon Camps. Gleich drei Finalisten stammen aus Fulda: Nils Wiegand, der unter seinem Label „Seemannstod“ traditionelle hochwertige Streetwear vertreibt, Malte Bürger und seine beiden Mitgründer vom „Praktikumsjahr“ sowie Heiko Reinholz von der „Kaffeerösterei Reinholz“.

Einen zweiten regionalen Schwerpunkt unter den Preisträgern gibt es in der Kategorie Innovative Geschäftsidee: Hier kommen alle drei Finalisten aus dem Rhein-Main-Gebiet. Leonard Beck entwickelt von Rüsselsheim aus Stehschreibtischaufsätze. Lukas Naab und Matthias Bay aus Frankfurt beschäftigt sich mit der Automatisierung medizinischer Kodierung und auch Katharina Reinhard, Andreas Hafner und Arend Poppner aus Wiesbaden sind im Bereich Medizintechnik aktiv.

Die 2018 erstmals ausgelobte Kategorie „Gründungen aus der Hochschule“ für Geschäftsideen oder sehr junge Unternehmen bildet den dritten geographischen Schwerpunkt, hier sind zwei der drei Preisträger aus Darmstadt. Das sind zum einen Khodabakhshi Shahrokh, Pouya Haschemi und Jörg Kreisel die einen unabhängigen Raumfahrtservice in Darmstadt gegründet haben, sowie Kizito Odhiambo, der in Kenia ein Netzwerk von intelligenten Wetterstationen aufbaut. Dritter Preisträger dieser Kategorie sind Malte Bürger, Jan Herold und Johannes Feik vom Praktikumsjahr.
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Deutsche Bank eröffnet PalaisPopulaire im ehemaligen Berliner Prinzessinnenpalais Unter den Linden

Treppenhaus im PalaisPopulaire, Unter den Linden 5 © Foto:  Jutta Ziegler
Treppenhaus im PalaisPopulaire, Unter den Linden 5 © Foto: Jutta Ziegler

Berlin boomt, entwickelt sich, ist Neuem gegenüber offen – das lässt sich vor allem an den vielen Baustellen ablesen, die in der deutschen Hauptstadt allgegenwärtig sind. Einen neuen Ort für Kunst und Begegnung hat die Deutsche Bank im umgebauten ehemaligen Prinzessinnenpalais Unter den Linden geschaffen. Unter dem Namen PalaisPopulaire soll sich das Haus als lebendiger, inspirierender und weltoffener Ort für den Dialog und die Begegnung mit Kunst, Kultur und Sport etablieren. Stichwort „Crossover“. Vorgestellt wurde das Konzept im Rahmen einer Pressekonferenz von Thorsten Strauß, Global Head of Art, Culture & Sports der Deutschen Bank, Svenja von Reichenbach, der Leiterin des PalaisPopulaire, sowie Friedhelm Hütte, der für das weltweite Kunstprogramm der Bank verantwortlich ist und als Kurator der Eröffnungsausstellung fungierte. Am 27. September, zur Berlin Art Week, wird das Haus eröffnet. Danach erwarten die Besucher neben Ausstellungen aus der Sammlung Deutsche Bank und von Partnerinstitutionen außerdem Talks, Lesungen, Kunst- und Sport-Workshops und digitale Erlebniswelten.

Die historischen Wurzeln des im Volksmund Prinzessinnenpalais genannten Gebäudes reichen bis in die Zeit um 1730 zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts diente das Palais als Residenz der drei Töchter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., worauf sich der Name gründet. Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war es in DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben und musste wegen Baufälligkeit Anfang der 1960er-Jahre komplett abgetragen werden. Die Neuerrichtung mit historisierender Rokoko-Fassade und moderner Stahlbetonkonstruktion im Inneren geht auf den DDR-Architekten Richard Paulick (1903-1979), einen Schüler von Walter Gropius am Bauhaus in Dessau, zurück. 1963 erfolgte die Eröffnung als Operncafé, die offerierten Torten galten als legendär. Nach der späteren Nutzung als Disco knüpfte man nach der Wende an die Kaffeehauszeiten an. Aufgrund der fälligen Sanierung schloss das Café 2012. Seit 2017 ist die Deutsche Bank Mieterin des Gebäudes. Sie beauftragte das renommierte Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi mit der Ertüchtigung des Hauses als Ausstellungs- und Begegnungsstätte, die den zeitgenössischen Anforderungen gerecht wird. Hinter der Rokoko-Fassade verbindet sich im Inneren die freigelegte Betonkonstruktion Paulicks mit modernem Design, Geradlinigkeit, Transparenz und Wandelbarkeit. WLAN ist kostenfrei verfügbar. Und auch die legendäre Prinzessinnentorte wird es im neuen, LePopulaire getauften Café-Restaurant, das das Unternehmen Kofler & Kompanie im Erdgeschoss des Hauses betreibt, wieder geben, wie Gastronom Klaus-Peter Kofler mit ein wenig Stolz verkündete.

Vorstellung des neuen Konzeptes und des PalaisPopulaire durch Dr. Klaus Winker, Head of Press & Media Relations; Thorsten Strauß, Global Head of Art, Culture & Sports; Josephine Ackermann, Deputy Global Head & Chief Operating Officer of Art, Culture & Sports; Svenja von Reichenbach, Leiterin des PalaisPopulaire; Friedhelm Hütte, Leiter des weltweiten Kunstprogramms der Deutschen Bank und künstlerischer Leiter des PalaisPopulaire; Architekt Wilfried Kuehn; Jörg Klambt (verdeckt), Leiter des ShopPopulaire; Gastronom Klaus Peter Kofler  © Foto:  Jutta Ziegler
Vorstellung des neuen Konzeptes und des PalaisPopulaire durch Dr. Klaus Winker, Head of Press & Media Relations; Thorsten Strauß, Global Head of Art, Culture & Sports; Josephine Ackermann, Deputy Global Head & Chief Operating Officer of Art, Culture & Sports; Svenja von Reichenbach, Leiterin des PalaisPopulaire; Friedhelm Hütte, Leiter des weltweiten Kunstprogramms der Deutschen Bank und künstlerischer Leiter des PalaisPopulaire; Architekt Wilfried Kuehn; Jörg Klambt (verdeckt), Leiter des ShopPopulaire; Gastronom Klaus Peter Kofler © Foto: Jutta Ziegler

Die Eröffnungsschau im PalaisPopulaire zeigt unter dem Titel The World on Paper rund 300 Arbeiten aus der unternehmenseigenen Sammlung der Deutschen Bank von etwa 130 Künstlerinnen und Künstlern aus über 30 Ländern. Auf den rund 750 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf drei Ebenen sind neben Zeichnungen, Aquarellen, Lithografien, Siebdrucken auch Scherenschnitte und Collagen vertreten. Drei Kapitel, benannt jeweils nach Titeln präsentierter Werke, bestimmen die Schau. Los geht es im ersten Obergeschoss mit „Höhere Wesen befehlen“ (nach Sigmar Polke), wo sich Arbeiten mit Abstraktion, Ordnung und Emotion beschäftigen. Der zweite Themenkreis steht unter dem Motto „Selbstpixel“ (nach Dieter Roth) und ist dem Körper, der Identität und dem Bereich Geschichte gewidmet. Den Abschluss bildet „Ultraworld“ (nach Doug Aitken) im Untergeschoss, wo Medien, Megacities und Utopien im Vordergrund stehen.

Bei der Auswahl der Werke konnte Friedhelm Hütte, der seit über dreißig Jahren für die Kunstsammlung der Deutschen Bank verantwortlich zeichnet, aus dem Vollen schöpfen. Umfasst die Sammlung zurzeit insgesamt ca. 50.000 Werke auf Papier, galt es, einen repräsentativen Überblick auszuwählen, der renommierte Künstlerinnen und Künstler ebenso berücksichtigte wie in Vergessenheit geratene oder jüngere experimentelle Vertreter. Wert legte Hütte auch auf die Internationalität und Globalität der präsentierten Arbeiten und unternahm zumindest den Versuch, Künstlerinnen (ca. 40) und Künstler (ca. 90) gleichermaßen einzubeziehen.

Bis 7. Januar 2019 vereint die Ausstellung The World on Paper u. a. Arbeiten von Joseph Beuys, William Copley, Hanne Darboven, Günther Förg, Ellen Gallagher, Katharina Grosse, Martin Kippenberger, Maria Lassnig, Zilla Leutenegger, Takashi Murakami, Raymond Pettibon, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Daniel Richter, Gerhard Richter, Thomas Schütte, Wael Shawky, Kara Walker und vielen anderen. Dazu ist im Kerber Verlag ein zweisprachiger (englisch/deutsch) und reich bebilderter Katalog erschienen.

Planungen für zukünftige Ausstellungen im PalaisPopulaire sind ebenfalls bereits im Gange. Wie Friedhelm Hütte verriet, ist für 2019 eine Skulpturenschau in Vorbereitung. Alljährlich wird sich auch der Gewinner oder die Gewinnerin des Deutsches Buchpreises im PalaisPopulaire mit einer Lesung präsentieren.

Um Besucherinnen und Besuchern ein möglichst umfassendes und individuell zuschneidbares Erlebnis im PalaisPopulaire zu garantieren, haben sich die Verantwortlichen auf analoger und digitaler Ebene einiges einfallen lassen. So gibt es unterschiedlich lange Führungen, die als Audioguides in die in den App Stores verfügbare App integriert sind. Persönlich geführte Touren durch das Gebäude legen verschiedene Schwerpunkte auf die Kunst oder die Architektur. Im Rahmen von Vorträgen und Workshops lassen sich unterschiedliche Themen erkunden, die vom Umgang mit dem Medium Papier über Klangkunst bis hin zum urbanen Hindernislauf Parkour reichen. Um Bewegung geht es auch im Untergeschoss, wo die ausgeklügelte Software TiltBrush menschliche Bewegungen in digitale Pinselstriche transformiert. Die TimeMachine versetzt die Besucher in die Zeit der preußischen Prinzessinnen zurück und lässt die Geschichte des Gebäudes mithilfe von Augmented Reality auf dem Smartphone lebendig werden.

Es sieht ganz danach aus, als hätten die Macher die Zeit seit der Schließung der Kunsthalle Deutsche Guggenheim sinnvoll genutzt, um ein noch umfassenderes Konzept und Programmangebot für anspruchsvolle kulturell Interessierte, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen, zu entwickeln.

(Jutta Ziegler/Rhein-Main.Eurokunst)

Öffnungszeiten
PalaisPopulaire / ShopPopulaire
Täglich außer dienstags 10–19 Uhr
Donnerstags 10–21 Uhr

LePopulaire
Café | Restaurant
Täglich außer dienstags 9–23 Uhr
Küche bis 21 Uhr

Kontakt
Unter den Linden 5
10117 Berlin
Tel. +49 (0)30 20 20 93 0
Internet: db-palaispopulaire.de

Tickets / Preise
Erwachsene: € 9, ermäßigt: € 6
Bis 18 Jahre: freier Eintritt
Montags: freier Eintritt
Gruppen ab 10 Personen: pro Person € 6
Jahreskarte Palais365: € 50

Führungen / Preise
Individuelle Führung: € 80 zzgl. Eintritt
(nach vorheriger Anmeldung)
Schulklassen mit Führungen:
Freier Eintritt (nach vorheriger Anmeldung)
Kostenlose Kurzführungen:
Montags 10–19 Uhr

Kultur trifft auf Wirtschaft – MVB-Bank Mainz eröffnet Sonderausstellung „Im Zeichen von Information und (Un)Ordnung“

Kultur trifft Wirtschaft im MVB-Forum. Utz Heinzelmann, Laudator sowie Kurator der Ausstellung (am Rednerpult), v.li.n.r. Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank, Petra Gerster, ZDF-Heute-Moderatorin u. Publizistin,  Christian Nürnberger, Publizist,  Ryo Kato, Künstler. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kultur trifft Wirtschaft im MVB-Forum. Utz Heinzelmann, Laudator sowie Kurator der Ausstellung (am Rednerpult), v.li.n.r. Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank, Petra Gerster, ZDF-Heute-Moderatorin u. Publizistin, Christian Nürnberger, Publizist, Ryo Kato, Künstler. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch in diesem Jahr, am 18. September 2018, veranstaltete die Mainzer Volksbank (MVB) einen hochspannenden Abend in ihrer Reihe „Kultur und Wirtschaft“ mit Festrednerin Petra Gerster „Von Guten- zu Zuckerberg“ und der Vernissage der Ausstellung „Im Zeichen von Information und (Un)Ordnung“ des japanischen Künstlers Ryo Kato. Über 300 geladene Gäste waren der Einladung ins MVB-Forum gefolgt, wo sie Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank herzlich begrüßte und einen Abriss über das Programm des Abends gab.

Von Gutenberg zu Zuckerberg

Festrednerin Petra Gerster, ZDF-Heute-Moderatorin .© Foto: Diether v. Goddenthow
Festrednerin Petra Gerster, ZDF-Heute-Moderatorin .© Foto: Diether v. Goddenthow

In ihrem Vortrag „Werden wir noch richtig informiert? Von der Guten- in die Zuckerberg-Galaxis“ hinterfragte die ZDF heute-Nachrichtensprecherin und Moderatorin Petra Gerster kritisch die vielfältigen Folgen rasanten digitalen gesellschaftlichen Wandels in praktisch sämtlichen Bereichen menschlicher Existenz und legte den Finger in etliche Wunden unseres widersprüchlichen Verhaltens: „Keiner,“ so die Moderatorin, „der bei amazon bestellt, möchte, dass unsere Innenstädte veröden. Aber weil er es tut, und weil es mit ihm so viele Millionen tun, geben die kleinen Läden und Geschäfte in den Innenstädten reihenweise auf. Wer mit seinem Handy eine Reise bucht oder Geld überweist, möchte die Menschen in den Reisebüros und Banken nicht arbeitslos machen, aber er tut es, weil so viele andere es auch tun. Wer sich nur noch via Google oder Facebook informiert, Netflix nutzt und Amazon Music oder Apple Music, bedroht die Existenz von Verlagen und Medienkonzernen. Auch der Autor, der sein Manuskript – unter Umgehung der Verlage – gleich zu Amazon schickt und daraus ein E-book machen lässt, das von Amazon vermarktet wird, bedroht die Existenz der klassischen Verlage.“ Und es seien ja nicht nur die Buch- und Zeitungsverlage, Buchhändler, Einzelhändler, Reisebüros und Bankfilialen betroffen, auch die Hotelbranche, Stichwort Airbnb, das Taxigewerbe usw. stünden vor enormen existentiellen Herausforderungen. „Kurz und gut: Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben.“, so Petra Gersters Fazit.
Ein weiteres Problem sei die sinkende Glaubwürdigkeit und der gigantische Vertrauensverlust in die Berichterstattung der Medien. Misstrauen, Verschwörungstheorien wie „Lügenpresse“ oder enttarnte Fake-News sowie Trumps „alternative Fakten“, wodurch immer mehr Bürger verunsichert würden, seien allgegenwärtig. In Zeiten von Fake News braucht es mehr denn je Medien, die Quellen offenlegen, immer auch die andere Seite zu Wort kommen lassen, Nachricht und Kommentar nicht vermischen und in einer gesunden Konkurrenz zu anderen Medien stehen. Deswegen seien eine verlässliche Berichterstattung wie sie etwa durch die öffentlichrechtlichen Sender garantiert würden, heutzutage nötiger denn je. (siehe auch Buchtipp unten!)

Von der Zerstörung unserer Welt

Der Künstler Ryo Kato im Gespräch mit Besucherinnen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Künstler Ryo Kato im Gespräch mit Besucherinnen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ryo Kato setzt sich mit seiner Kunst weniger mit der medialen Disruption auseinander. Vielmehr mit der Ordnung und Unordnung der Welt, denn die Menschen streben nach Harmonie und Wachstum und gleichzeitig zerstören sie Natur, Tiere und sich selbst. Diese scheinbaren Gegensätze finden Ausdruck in seiner kräftigen Bildsprache, den Figuren und den abstrakten und realistischen Elementen, die in einer präzisen und kräftigen Bildkomposition erscheinen.

Utz Heinzelmann, Laudator sowie Kurator der Ausstellung, die noch bis zum 26. Oktober im MVB-Forum zu sehen ist, bekräftigt die Sichtweise des Künstlers, mit seiner Kunst ein Spiegel für die Gesellschaft zu sein, in dem sich der Mensch reflektieren kann. „Ryo Kato setzt sich in seiner Arbeit mit einer breiten Palette an Themen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt auseinander. Seine Arbeiten sind eine Aufforderung zum Umdenken und zum bewussteren Umgang mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten“, beschreibt es Heinzelmann in seinen einführenden Worten zur Ausstellung. „Seine farbgewaltigen Bilder zeichnen sich durch ausdrucksstarke Motive und eine überbordende Fülle an Details aus. Figürliche Elemente wie Tiere oder Alltagsgegenstände wirken als Blickfang, sie sind Vertrautes und Bekanntes, das sich mit dem Unbekannten, den abstrakten Elementen mischt.“

Wichtiges Engagement für die Region

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank © Foto: Diether v. Goddenthow
Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank © Foto: Diether v. Goddenthow

Uwe Abel, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank, betonte an diesem Dienstagabend vor den anwesenden Gästen die jedes Jahr große Begeisterung für diese Veranstaltung. „Unsere Region strotzt nur so vor außergewöhnlichen Menschen mit ebenso außergewöhnlichen Talenten. Aus diesem Grund ist es jedes Jahr eine Freude hierfür eine Bühne zu bieten. Dieses Jahr zeigen Petra Gerster und Ryo Kato, was das kulturelle Leben in unserer Region zu bieten hat. Als Mainzer Volksbank sind wir sehr stolz darauf, Teil dieser Region, Teil der Entwicklung und Partner in vielen Bereichen zu sein. Banken haben sich in den letzten Jahren vermehrt aus dem regionalen Engagement zurückgezogen. Das ist schade und für die Mainzer Volksbank keine Option. Veranstaltungen wie ‚Kultur und Wirtschaft‘ zeigen das immer wieder.“

Zur Ausstellung „(Un)Ordnung der Welt“
Die Ausstellung ist vom 19. September bis 26. Oktober 2018 im MVB-Forum (Neubrunnenstraße 2, 55116 Mainz) geöffnet und kann kostenlos besucht werden. Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr.

Buchtipp:

die-meinungs-maschinePetra Gerster, Christian Nürnberger. Die Meinungsmaschine. Wie Informationen gemacht werden – und wem wir noch glauben können. Ludwig-Verlag, München 2017. Das Werk ist absolut empfehlenswert. Fundiert und gut recherchiert, zeigt es erstmals die ganze Dimension des digitalen Wandels bis hin zu der damit einhergehenden schönen neuen Bigbrother-Welt. „An dieser wird bereits gearbeitet, sowohl im Silicon Valley, als auch in China, wo solch ein digitaler Überwachungs- und Manipulations-Kapitalismus nicht als Schreckensvision, sondern als Verheißung gilt, zumindest für die Mächtigen.“

Deutschlands erster Preis „ZukunftsGut“ an Staatsschauspiel Dresden, Platz 2 an Historisches Museum Frankfurt

 Historisches Museum: Das Historische Museum Frankfurt ist der 2. Preisträger von ZukunftsGut 2018. Petra Roth, ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, übergibt gemeinsam mit Klaus-Peter Müller, Stiftungsratsvorsitzender der Commerzbank-Stiftung, die Urkunde an Dr. Jan Gerchow, Museumsdirektor, und Susanne Gessner, Leiterin Vermittlung (Mitte)
Historisches Museum: Das Historische Museum Frankfurt ist der 2. Preisträger von ZukunftsGut 2018. Petra Roth, ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, übergibt gemeinsam mit Klaus-Peter Müller, Stiftungsratsvorsitzender der Commerzbank-Stiftung, die Urkunde an Dr. Jan Gerchow, Museumsdirektor, und Susanne Gessner, Leiterin Vermittlung (Mitte)

Commerzbank-Stiftung zeichnet Staatsschauspiel Dresden mit ZukunftsGut, Deutschlands erstem Preis für institutionelle Kulturvermittlung, aus

● Historisches Museum Frankfurt und Theater Oberhausen auf Plätzen 2 und 3
● Gesamtdotierung auf 80.000 Euro erhöht
● Staatsschauspiel bietet Publikum „Höchstmaß an Beteiligung“, so Stiftungsvorständin Astrid Kießling-Taşkın
● Erstes ZukunftsGut-Symposium: Vermittlungsarbeit entscheidend für Publikumsakzeptanz

Zum ersten Mal vergibt die Commerzbank-Stiftung am 12. September dieses Jahres in Frankfurt ZukunftsGut, Deutschlands ersten Preis für institutionelle Kulturvermittlung. Erster Preisträger der mit insgesamt 80.000 Euro dotierten Auszeichnung ist das Staatsschauspiel Dresden. Es erhält 50.000 Euro, um seine Vermittlungsarbeit strategisch weiterzuentwickeln. Das Historische Museum Frankfurt und das Theater Oberhausen folgen auf den Plätzen 2 und 3. Ihre Leistungen auf dem Gebiet der Vermittlung werden mit 20.000 beziehungsweise 10.000 Euro honoriert.

„Ursprünglich wollten wir nur eine Institution auszeichnen“, sagte Astrid Kießling-Taşkın. Sie ist im Vorstand der Stiftung zuständig für den Bereich Kultur. „Wir haben uns jedoch entschieden, das Preisgeld um ins­gesamt 30.000 Euro für den Zweit- und Drittplatzierten zu erhöhen. Grund ist die Konsequenz, mit der alle drei Häuser Kulturvermittlung wagen“, so Kießling-Taşkın weiter.

Zentrale Voraussetzungen für eine Teilnahme bei ZukunftsGut waren die strukturelle Verankerung und die strategische Ausrichtung von Kulturvermittlung im eigenen Haus. Dies beinhaltet, das Publikum aktiv in die Präsentation von künstlerischem kulturellem Erbe einzubeziehen. Im Bewerbungsaufruf hieß es dazu: „Nur wenn Kultur persönlich erlebbar wird, bewegt sie Menschen.“

„Und hier liegt die Herausforderung für die Kulturinstitutionen“, sagte Birgit Mandel, Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Mitglied im Stiftungsrat der Commerzbank-Stiftung. „Insbesondere in der Zusammenarbeit mit neuen Zielgruppen zeigen sich die verschiedenen Interessen des Publikums. Deshalb sind Institutionen in ihrer ständigen Bereitschaft zur Veränderung gefordert“, sagte Mandel, in deren Händen auch die fachliche Leitung der neunköpfigen Jury von ZukunftsGut liegt.

Insgesamt 125 Kultureinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich beworben. „Dass gleich beim ersten Mal so viele Institutionen mit sehr überzeugenden Vermittlungskonzepten dabei sind, übertrifft unsere Erwartungen. Das gesamte Spektrum der institutionellen Kulturlandschaft ist vertreten. Museen, Theater, Literatur- und Konzerthäuser fühlten sich gleichermaßen angesprochen. Das zeigt, Kulturvermittlung ist genreübergreifend ein Thema mit hoher Priorität“, erläuterte Mandel.

Im Urteil der Jury bewegt sich das Staatsschauspiel Dresden mit seinen Bürgerbühnen am sichersten im Spannungsfeld von Bewahrung und zeitgemäßer Darstellung. „Die Bürgerbühnen bieten dem Publikum ein Höchstmaß an Beteiligung“, sagte Kießling-Taşkın. „Das bringt auch das Theater selbst in Bewegung. Die Impulse von außen verändern den internen Blick auf das kulturelle Erbe und die Arbeit daran. Ein Fluss kommt in Gang, in dem sich das Theater mit der Gesellschaft bewegt und weiterentwickelt“, präzisierte Kießling-Taşkın.

Mit seinem Konzept nimmt das Staatsschauspiel Dresden eine Vorreiterrolle ein. Andere Theater in Deutsch­land haben die Idee der Bürgerbühne bereits aufgegriffen. Mandel führte in ihrer Laudatio aus: „Das Staats­schauspiel ist Erfinder einer eigenen Theatersparte: der Bürgerbühne. Ihr grundlegendes Element ist die Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft . Hier verhandeln Bürgerinnen und Bürger mit theatralen Mitteln Themen, die sie bewegen, und zeigen sie auf der großen Bühne des Hauses. Und das nicht nur als ein­maliges Projekt.: Die wechselnden Produktionen sind dauerhafter Bestandteil des Spielplans.“

Auf Platz 2 wird das Historische Museum Frankfurt für seine partizipative Strategie ausgezeichnet. Pro­gramme, wie das Stadtlabor und der Sammlungs-Check, stehen für lebensnahe Kulturvermittlung: In persönlichen Erzählungen und mithilfe individueller Erinnerungsstücke aus der Familienhistorie wird Frankfurter Stadtgeschichte greifbar und in immer wieder neuen Facetten erzählt. Über die systematische Einbeziehung der Stadtgesellschaft verändert sich auch das Museum als Institution.

Dem Theater Oberhausen auf Platz 3 wiederum gelingt es, eine Vielzahl von gesellschaftlichen Gruppen in seine Produktionen und Aktionen einzubeziehen. Diskussionen zu aktuellen Themen, wie zum Beispiel Ein­wanderung oder Zukunft der Stadtgesellschaft, geben den Anstoß für die verschiedenen Projekte. Unabhängig von be­stimmten Zuständigkeiten ist Kulturvermittlung in Oberhausen eine Gemeinschaftsaufgabe: Alle Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter bringen ihre Ideen und Erfahrungen ein.

Astrid Kießling-Taşkın brachte es auf den Punkt: „Kulturvermittlung ist entscheidend für die Zukunft einer Institution, sprich ihr Zukunftsmotor. Denn sie trägt maßgeblich dazu bei, dass eine Einrichtung von einem vielfältigen Publikum angenommen wird.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass die drei Preisträger mit ihrer vorbildlichen Arbeit Impulse für die gesamte Kulturlandschaft in Deutschland setzen.

Den Beginn hierfür markierte das Symposium ZukunftsGut 2018, das unmittelbar vor der Preisverleihung in der Frankfurter Commerzbank-Zentrale stattfand. Experten, wie Stephen Langridge von der Oper Göteborg, und die Mitglieder der ZukunftsGut-Jury diskutierten gemeinsam mit Fachleuten und Kulturinteressierten über die Herausforderungen, denen sich Kulturinstitutionen heute stellen müssen.

Die Mitglieder der Jury von ZukunftsGut 2018 sind:

Inez Boogaarts, Geschäftsführerin der Zukunftsakademie Nordrhein-Westfalen
Tom Braun, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Teresa Darian, Spezialistin kulturelle Bildung in der Kulturstiftung des Bundes
Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Vorstand Deutscher Bühnenverein
Max Hollein, Generaldirektor Metropolitan Museum New York
Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin Commerzbank-Stiftung
Uwe Koch, Koordinator Europäisches Kulturerbejahr 2018 in Deutschland (Geschäftsstelle Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz)
Birgit Mandel (fachliche Leitung), Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Stiftungsratsmitglied der Commerzbank-Stiftung
Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin von „Die Zeit

Mit 131 Bewerbungen neuer Rekord beim Hessischen Gründerpreis trotz sinkender Gründungszahlen

„Mehr als ein Drittel der Bewerbungen kommt von Existenzgründerinnen, 47 Frauen haben ihre Unterlagen eingereicht, fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2017, als sich 25 Frauen beworben hatten“, erklärt Projektleiterin Elisabeth Neumann. „Außerdem haben wir viele Existenzgründerinnen und -gründer, die eine Migrationsgeschichte haben und einige Unternehmen mit internationalen Geschäftsmodellen. Das zeigt, dass auch Start-ups sich von Anfang an für neue Märkte in aller Welt interessieren und so Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen“, so Neumann weiter. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Mehr als ein Drittel der Bewerbungen kommt von Existenzgründerinnen, 47 Frauen haben ihre Unterlagen eingereicht, fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2017, als sich 25 Frauen beworben hatten“, erklärt Projektleiterin Elisabeth Neumann. „Außerdem haben wir viele Existenzgründerinnen und -gründer, die eine Migrationsgeschichte haben und einige Unternehmen mit internationalen Geschäftsmodellen. Das zeigt, dass auch Start-ups sich von Anfang an für neue Märkte in aller Welt interessieren und so Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen“, so Neumann weiter. © Foto: Diether v. Goddenthow

131 Unternehmen schaffen 1206 Arbeitsplätze – Bewerbungen von Frauen verdoppelt / Rhein-Main und Südhessen liegen vorne

Trotz sinkender Gründungszahlen wird der Hessische Gründerpreis in diesem Jahr von Bewerbungen geradezu überrannt. Bis zum Fristende am 28. August um Mitternacht sind 131 Bewerbungen eingegangen, 34 mehr als beim bisherigen Höchststand im Jahr 2013. „Wir haben am 28. August bis 21 Uhr Bewerbungen gesichtet und dann beim Stand von 117 Feierabend gemacht. Aber sogar in den letzten drei Stunden der Frist haben sich noch 14 junge Unternehmen angemeldet. Dass riesiges Interesse besteht, freut uns sehr, denn angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt sinken die Gründungszahlen bundesweit“, sagte Elisabeth Neumann, Projektleiterin der Gründertage Hessen. Die 106 jungen Unternehmen (ohne Kategorie Gründungen aus der Hochschule) haben zusammen 1206 Arbeitsplätze geschaffen, davon 389 Vollzeit- und 162 Teilzeitstellen sowie 30 Ausbildungsplätze. Der Rest sind Minijobs und freiberufliche Beschäftigung. Damit hat im Schnitt jedes Unternehmen 11,3 Arbeitsplätze geschaffen, dieser Wert liegt auf dem gleichen Niveau wie 2016 und 2017 (weiter)

Die Finalisten des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2018 stehen fest

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Die zehn Bücher der Shortlist des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2018 stehen fest. Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis steht unter dem Motto „Wirtschaft verstehen“. Er wird jährlich vom Handelsblatt, der Frankfurter Buchmesse und der Investmentbank Goldman Sachs vergeben, um die Wirtschaftsliteratur zu fördern und die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge zu unterstreichen. Laut Handelsblatt gehören deshalb zu den Auswahlkriterien „neben innovativer Themensetzung oder einem neuen Blickwinkel auch Verständlichkeit und Lesbarkeit.“ Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 12.Oktober im Rahmen der Buchmesse verliehen.

Das Handelsblatt stellt in den kommenden Wochen alle zehn Bücher der Shortlist ausführlich auf der Literaturseite in der Wochenendausgabe vor. Die Rezensionen finden Sie auch unter: www.deutscher-wirtschaftsbuchpreis.de

Die zehn Bücher der Shortlist:

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron:
Die Chinesen.
Psychogramm einer Weltmacht
Econ, Berlin 2018,
448 Seiten, 25 Euro

Scott Galloway:
The Four.
Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google
Plassen, Kulmbach 2018,
320 Seiten, 24,99 Euro

David Graeber:
Bullshit-Jobs.
Vom wahren Sinn der Arbeit
Klett-Cotta, Stuttgart 2018,
464 Seiten, 26 Euro

Michael Hüther, Matthias Diermeier, Henry Goecke:
Die erschöpfte Globalisierung.
Zwischen transatlantischer Orientierung und chinesischem Weg
Springer, Berlin 2018,
423 Seiten, 19,99 Euro

Jaron Lanier:
Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen
musst
Hoffmann und Campe, Hamburg 2018,
208 Seiten, 14 Euro

Hans-Peter Martin:
Game over.
Wohlstand für wenige, Demokratie für niemand, Nationalismus für alle  – und dann?
Penguin, München 2018,
320 Seiten, 22 Euro

Julian Nida-Rümelin, Nathalie Weidenfeld:
digitaler-humanismus2,jpgDigitaler Humanismus.
Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Piper, München 2018,
224 Seiten, 24 Euro

 

 

 

Hans-Werner Sinn:
Auf der Suche nach der Wahrheit.
Autobiografie
Herder, Freiburg 2018,
672 Seiten, 28 Euro

Nassim Nicholas Taleb:
Das Risiko und sein Preis
Penguin, München 2018,
384 Seiten, 26 Euro

Achim Wambach, Hans-Christian Müller:
Digitaler Wohlstand für alle. Ein Update der sozialen Marktwirtschaft
ist möglich
Campus, Frankfurt 2018,
222 Seiten, 28 Euro

Die Rezensionen finden Sie auch unter: www.deutscher-wirtschaftsbuchpreis.de

Über das Handelsblatt
Das Handelsblatt ist die größte Wirtschafts- und Finanzzeitung in deutscher Sprache. Rund 200 Redakteure, Korrespondenten und ständige Mitarbeiter rund um den Globus sorgen für eine aktuelle, umfassende und fundierte Berichterstattung. Im Tageszeitungsvergleich zählt die börsentäglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung bei Entscheidern der ersten und zweiten Führungsebene zur unverzichtbaren Lektüre. Laut „Leseranalyse Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung“ (LAE) 2018 erreicht das Handelsblatt mehr als 305.000 Top-Entscheider börsentäglich. Handelsblatt Online ist mit monatlich bis zu 20 Millionen Visits und rund 80 Millionen Page Impressions das führende Wirtschaftsportal in Deutschland. www.handelsblatt.com

Blind Date in den Zwillingstürmen: Deutsche Bank Stiftung präsentiert nominierten Roman für den Deutschen Buchpreis 2018

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Sich literarisch überraschen lassen: Am 27. August liest eine Kandidatin oder ein Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2018 in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Das Besondere an der Veranstaltung: Wie bei einem Blind Date erfährt das Publikum erst vor Ort, wer aus den Reihen der 20 Autorinnen und Autoren zu Gast ist, deren Romane auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018 stehen.

Veranstalter der Lesung ist die Deutsche Bank Stiftung, die seit 2014 Förderer des Deutschen Buchpreises ist. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Torsten Casimir, Chefredakteur des Fachmagazins der Buchbranche „Börsenblatt“. Der Eintritt ist kostenlos, um Anmeldung per E-Mail an die Deutsche Bank Stiftung (veranstaltungen@deutsche-bank-stiftung.de) bis zum 23. August wird gebeten. Aufgrund der begrenzten Kapazität werden die Plätze nach Eingang der Anmeldung vergeben.

Termin: Montag, 27. August 2018, 19 Uhr
Ort: Deutsche Bank, Forum 1, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt am Main
Anmeldung: Bis 23. August 2018 bitte per Mail an veranstaltungen@deutsche-bank-stiftung.de
Der Eintritt ist frei.