Kategorie-Archiv: Wirtschaftskultur

Deutscher Handwerkstag endet mit Europas größtem Berufswettbewerb, dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2019, im Wiesbadener RheinMain CongressCenter

"So sehen Sieger aus!". "Die Besten der Besten" im Handwerk präsentieren sich beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2019 „Zukunft kommt von Können“ © Foto: Diether v Goddenthow
„So sehen Sieger aus!“. „Die Besten der Besten“ im Handwerk präsentieren sich beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2019 „Zukunft kommt von Können“ © Foto: Diether v Goddenthow

Unter dem Motto „Zukunft kommt von Können“ endete am 13.Dezember 2019 der Deutsche Handwerkstag mit Europas größtem Berufswettbewerb, dem Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2019,  im Wiesbadener RheinMain CongressCenter.

Als Höhepunkt und Abschluss des Wettbewerbsjahres 2019 haben der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Hans Peter Wollseifer in Beisein zahlreicher Ehrengäste, darunter Stefan Füll Präsident und Bernhard Mundschenk Geschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, die Siegerinnen und Sieger im bundesweiten Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks und im Kreativ-Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk“ ausgezeichnet. Mehr als 3.000 Wettkämpfer/innen waren 2019 angetreten und konnten im Rahmen des Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks (PLW) ihre berufliche Exzellenz, ihre Passion für ihr Handwerk und im Wettbewerb ihr Können unter Beweis stellen. Fernseh-Moderatorin Anna Planken führte pointiert durch den Abend.

standing ovation für die Sieger in Europas größtem größtem Berufswettbewerb.© Foto: Diether v Goddenthow
standing ovation für die Sieger in Europas größtem größtem Berufswettbewerb.© Foto: Diether v Goddenthow

„Die Bundessiegerinnen und Bundessieger, die wir heute ehren, zeigen auf bemerkenswerte Weise die berufliche Exzellenz und die Hingabe, die im Handwerk möglich sind und die ihnen in Zukunft buchstäblich alle Türen öffnen“, zeigte sich Handwerkspräsident Wollseifer in seiner Eröffnungsrede tief beeindruckt vom Handwerksnachwuchs.

„Es ist ein großer Tag für Sie, aber auch für unser Land“, „Sie sind Vorbilder, und Sie machen Mut!“, beglückwünschte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier die Bundessiegerinnen und Bundessieger. Mit ihrer Teilnahme an dem Leistungswettbewerb hätten alle Teilnehmer gezeigt, etwas Besonderes zu können, die Kraft, das Talent und die Ausdauer zu haben, sich ganz persönlich den großen Herausforderungen  zu stellen. Das sei eine der Grundlagen für eine gelingende Zukunft, lobte der Ministerpräsident. Bei der Überreichung der Urkunden und anschließendem Foto sprach er mit jedem einzelnen Bundessieger.

"Nicht die, die immer in Talkshows auftreten und erzählen, was andere machen, sondern diese jungen Männer und Frauen können sagen: 'Ich habe mir überlegt: Ich glaube, ich kann was, ich traue mir was zu, und ich habe eine ganz besondere Leistung erbracht'". Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
„Nicht die, die immer in Talkshows auftreten und erzählen, was andere machen, sondern diese jungen Männer und Frauen können sagen: ‚Ich habe mir überlegt: Ich glaube, ich kann was, ich traue mir was zu, und ich habe eine ganz besondere Leistung erbracht'“. Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

In seiner vielbeachteten Rede ging Bouffier auch auf die großen Veränderungen wie Globalisierung, Digitalisierung, Migration und Klimawandel ein. Er machte sehr  deutlich, dass in einem Land wie Deutschland mit  2 Prozent Anteil am weltweiten Co2-Ausstoß, statt ineffektive Verbote eher technologische Weiterentwicklungen weltweit zu mehr Klima-Neutralität bei gleichzeitigem Erhalt von Arbeitsplätzen und  Wohlstand hierzulande führen dürften. Er hielte weder etwas von den „einen, die den Untergang der Welt für morgen vorhersagen, noch von den anderen, die behaupten, es sei eigentlich gar kein Problem“, so Bouffier. Hingegen seien mehr Maß und Mitte und gelegentlich mehr Vernunft in schwierigen Fragen hilfreicher.
Der Ministerpräsident unterstrich dabei die Bedeutung und Chancen des Handwerks: „Das Handwerk war, ist und bleibt ein unverzichtbarer Teil unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist das Herz des Mittelstandes. Und der Mittelstand wiederum ist das Rückgrat unserer Wirtschaft.“ Das Handwerk legt laut Bouffier einen wesentlichen Grundstein für den Wohlstand und die Entwicklung unserer Städte und Gemeinden. „Regionales Handwerk schafft unverzichtbare Infrastruktur und Perspektiven wie Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort und trägt damit zur Wirtschaftskraft und Lebensqualität im ländlichen Raum bei“, hob der Ministerpräsident hervor.

Talk: "Zukunft kommt von Können" mit : Anna Planken (Moderatorin), Judith Krauter, Bundessiegerin 2019, Schornsteinfegerin, Hans Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Christoph Rapp, Europameister 2018, Bundessieger 2016, Maurer sowie Voker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident. © Foto: Diether v Goddenthow
Talk: „Zukunft kommt von Können“ mit : Anna Planken (Moderatorin), Judith Krauter, Bundessiegerin 2019, Schornsteinfegerin, Hans Peter Wollseifer, Präsident Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Christoph Rapp, Europameister 2018, Bundessieger 2016, Maurer sowie Voker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident. © Foto: Diether v Goddenthow

In über 100 Wettbewerbsberufen (inklusive Fachrichtungen) konnten sich im Leistungswettbewerb des Handwerks (PLW) mehr als 820 Landessieger/innen für den Bundeswettbewerb qualifizieren. 268 von ihnen freuen sich über die besondere Auszeichnung der ersten drei Plätze. Geehrt wurden 110 I. Bundessieger; 91 II. Bundessieger sowie 67 III. Bundessieger.

Moderatorin Anna Planken führte mit fast allen Siegerin Kurzinterviews, hier mit Bundessiegerin Hann Börm auf Hamburg über ihre ausgezeichnete Fotoserie über das Schuhmacherhandwerk. © Foto: Diether v Goddenthow
Moderatorin Anna Planken führte mit fast allen Siegerin Kurzinterviews, hier mit Bundessiegerin Hann Börm auf Hamburg über ihre ausgezeichnete Fotoserie über das Schuhmacherhandwerk. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei der Festveranstaltung wurden auch die Preisträger im Kreativ-Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ ausgezeichnet. Die Wettbewerber/innen kombinierten traditionelle und neue Werkstoffe, nutzten ihre schöpferische Phantasie, designten und kreierten zeitgenössische Produktlösungen. Der Wettbewerb der guten Form im Handwerk wurde in diesem Jahr in 27 Gewerken durchgeführt. In den ersten drei Siegerkategorien wurden 27 Teilnehmer als 1. Preisträger, 19 als 2. Preisträger und 15 als 3. Preisträger ermittelt.

Heribert-Späth-Preis

Wilhelm Knoll, Geschäfts-führer der malerknoll GmbH & Co. KG aus Kaufering bei München, ist mit dem „Heribert-Späth-Preis für besondere Ausbildungsleistun-gen im Handwerk“ 2019 ausgezeichnet worden. Es zeigt den Sieger mit seinem Laudator Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), © Foto: Diether v Goddenthow
Wilhelm Knoll, Geschäfts-führer der malerknoll GmbH & Co. KG aus Kaufering bei München, ist mit dem „Heribert-Späth-Preis für besondere Ausbildungsleistun-gen im Handwerk“ 2019 ausgezeichnet worden. Es zeigt den Sieger mit seinem Laudator Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), © Foto: Diether v Goddenthow

Während der Festveranstaltung wurde Wilhelm Knoll, Geschäftsführer der malerknoll GmbH & Co. KG aus Kaufering mit dem 3000 Euro dotierten „Heribert-Späth-Preis für besondere Ausbildungsleistungen im Handwerk“ als der beste Ausbilder im Handwerk 2019 geehrt. „Es sind engagierte Betriebsinhaber wie Wilhelm Knoll, die ihre Betriebe in der Region fest verwurzeln, die sich für ihre Mitarbeiter einsetzen und die auch förderbedürftigen Jugendlichen Perspektiven bieten. Sie sorgen für den hohen Stellenwert des Handwerks in der Gesellschaft“, betonte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in seiner Lauda-tio im Rahmen der PLW-Abschlussveranstaltung am Freitagabend.

Günster: Wissenstransfer eröffnet rheinhessischen Unternehmen neue Chancen

IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz, Wirtschaftswissenschaftlerin Lara Zschau, Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Wirtschaftswissenschaftler Fabian Baumann, Personalfachkauffrau Karin Stricker, Architekt Daniel Becker und IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster (v.l.). Foto: IHK Rheinhessen/Stefan Sämmer
IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz, Wirtschaftswissenschaftlerin Lara Zschau, Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Wirtschaftswissenschaftler Fabian Baumann, Personalfachkauffrau Karin Stricker, Architekt Daniel Becker und IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster (v.l.). Foto: IHK Rheinhessen/Stefan Sämmer

Preis der IHK für Rheinhessen 2019: Akademischer Nachwuchs und Leistungsträger der Weiterbildung in Mainz ausgezeichnet

Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen zeichnet eine junge Wissenschaftlerin und drei junge Wissenschaftler mit dem IHK-Preis 2019 aus. Die mit insgesamt 5.000 EUR dotierte Förderung des akademischen Nachwuchses vergab die Jury an die Wirtschaftswissenschaftlerin Lara Zschau, den Architekten Daniel Becker, den Wirtschaftswissenschaftler Fabian Baumann und den Wirtschaftsingenieur Moritz Reckert. Für herausragende Leistungen in der beruflichen Weiterbildung erhielt die Personalfachkauffrau Karin Stricker den mit 2.500 EUR dotierten Sonderpreis „Beste der Besten“.

IHK-Präsident Dr. Engelbert Günster sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die Innovationsfähigkeit der rheinhessischen Unternehmen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können kein umfangreiches Detailwissen in eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen vorhalten. Deshalb ist die Kooperation mit der angewandten Forschung für sie ein praktikabler Weg, um eigenes Know-how zu generieren und zu optimieren.“ Zudem schafft der Wissenstransfer nach den Worten Günsters eine weitere Chance für die Betriebe: „In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels bietet sich die Gelegenheit, potenzielle Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.“

Den Festvortrag anlässlich der Verleihung des IHK-Preises 2019 hielt Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz(JGU), über die Rolle der Universität in Wirtschaft und Gesellschaft. So stellt die JGU für die Landeshauptstadt Mainz einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Denn mit über 12.000 Beschäftigten (inklusive der Universitätsmedizin Mainz) ist die JGU größter Arbeitgeber der Stadt und wichtiger Auftraggeber für die Unternehmen in Mainz und der Region. Über diesen Standortfaktor hinaus erläuterte der Präsident, welche entscheidende Rolle die „Ressource Wissen“ heute als Impulsgeber für Wirtschaftswachstum und gesellschaftliche Entwicklung spielt. „Grundlagenforschung ist die Basis für die Innovationen von morgen und daher unverzichtbar für die langfristige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes“, so der Präsident.

Der IHK-Preis wird zum 32. Mal verliehen. Er prämiert hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die an einer Hochschule des IHK-Dienstleistungsbereiches Rheinhessen erstellt wurden. Sie sollen eine praktikable, möglichst direkte Umsetzung oder Anwendung in der Unternehmenspraxis erwarten lassen und im Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft liegen. Zugleich soll der akademische Nachwuchs einen Ansporn zur Leistung erhalten. Ergänzt wird der Förderpreis seit dem Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen der Kammer im Jahr 1998 durch den Sonderpreis „Beste/-r der Besten“ für herausragende Absolventen der beruflichen Fortbildung.

IHK prämiert Spitzenleistungen an Hochschulen und in der Weiterbildung

Die Träger des „IHK-Preis 2019“
IHK-Preis 2019, dotiert mit 1.750 EUR

Preisträger: Lara Zschau
Thema: „The ,New Groupthink´ and Idea Generation: An investigation of hybrid brainstorming as key to introverts´ enhanced contribution to ideation“, Master-Arbeit am Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz. Betreuer: Prof. Dr. Oliver Mauroner, Note: 1,0.
Für Unternehmen wird es immer wichtiger, sich durch Innovationen im Wettbewerb zu behaupten. Basis derartiger Innovationen sind zunächst Ideen, die häufig von den eigenen Mitarbeitern stammen. Im betrieblichen Alltag haben sich zur Ideenfindung bestimmte gruppendynamische Methoden etabliert, wie z.B. das klassische Brainstorming. Die wissenschaftliche Forschung zeigt allerdings, dass introvertierte Menschen sich in Gruppen häufig schwer tun, auf Ideen zu kommen und ihre Ideen zu äußern. Lara Zschau hat anhand eines Experiments gezeigt, dass die Methode des sogenannten „hybriden Brainstormings“ dazu führen kann, dass Introvertierte mehr Ideen erzeugen als auf die klassische Weise.
Lara Zschau (*1991) hat zunächst an der ESB Business School, Hochschule Reutlingen, ihren Bachelor abgelegt, danach an der Hochschule Mainz den Master International Business erworben. Dabei absolvierte sie Auslandssemester in Schweden und Argentinien. Dafür wurde sie auch als Baden-Württemberg-Stipendiatin gefördert. Neben ihren Studien hat die gebürtige Darmstädterin berufspraktische Erfahrung gesammelt bei der Lufthansa, der Deutschen Bahn oder der CPC Unternehmensmanagement AG. Heute ist sie Consultant für das Gebiet Human Ressources Transformation bei einer Unternehmensberatung in Frankfurt/Main.

IHK-Preis 2019, dotiert mit 1.750 EUR
Preisträger: Daniel Becker
Thema: „Die andere Expansion – Städtebauliche Reparaturmaßnahmen als Mittel der Quartiersstärkung (Band I und Band II)“, Master-Arbeit am Fachbereich Technik, Studiengang Architektur, der Hochschule Mainz. Betreuer: Prof. Dipl. Ing. Michael Spies, Note: 1,0.
In Bezug auf den Wohnungsmarkt am Mittelrhein ist der Begriff „Expansion“ ein Fremdwort. Die bauliche Enge, sowie die schlechte Infrastruktur im Tal sind ein Grund für die seit Jahren abnehmende Bevölkerungszahl und den damit einhergehenden zunehmenden Leerständen. Ein Trend, den die Hochschule Mainz schon in einer 2012 veröffentlichten Pilotstudie für Oberwesel darlegte. Entgegen den damaligen Auswertungen gibt es sechs Jahre später erste Anzeichen, dass sich die Situation in der Kernstadt von Oberwesel verändert hat. Eine Rolle spielen neue Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen oder gemeinschaftliche Wohnformen, die sowohl der älter werdenden Generation als auch jungen Familien attraktive Möglichkeiten zum Verbleib in den Ortskernen bieten. Die Notwendigkeit zur Anpassung, Stabilisierung und zum geordneten Rück- und Weiterbau wird Aufgabe der Kommunalentwicklung in den nächsten Jahren werden.
Daniel Becker (*1989) hat nach der Ausbildung zum Steinmetz auch die Meisterprüfung in diesem Beruf in Koblenz und Freiburg abgelegt, wobei er als bester Jungmeister der Handwerkskammer Freiburg abschloss. Es folgte das Studium der Architektur, erst mit Bachelor-Abschluss, dann zum Master. Berufserfahrung erwarb er sich im Steinmetz- und Bildhauerhandwerk im heimatlichen Oberwesel, wechselte dann als Angestellter in den elterlichen Straßenbau- und Sanitärtechnikbetrieb. Während des Studiums absolvierte er Praktika in Architekturbüros. Heute ist er angestellt beim Landesbetrieb Liegenschafts- Baubetreuung in Mainz.

IHK-Preis 2019, dotiert mit 1.000 EUR
Preisträger: Fabian Baumann
Thema: „Critical Analysis of Consumer Acceptance of Clean Meat – A Critical Comparison of Nutritionally Enhanced and Non-Enhanced Products“, Bachelor-Arbeit im Bereich Internationales Rechnungswesen und Controlling an der Hochschule Worms. Betreuer: Dipl.-Kfm. Gernot Keller, Note: 1,0.
Untersucht wurde die Akzeptanz der Verbraucher von „Clean Meat“. Darunter versteht man Fleisch, das in einem Nährmedium unter Verwendung tierischer Zellen gezüchtet wird. Die Methode erspart das Schlachten von Tieren. Im Zuge der Herstellung von „Clean Meat“ entstehen verbesserte Nährwerte, die gesundheitliche Vorteile beim Verzehr versprechen. Wie sich das im Urteil der Verbraucher niederschlägt, erhob Fabian Baumann in einer Umfrage unter zwei experimentelle Gruppen von Teilnehmern aus den USA. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbraucher Vorteile für die Gesundheit und für die Gesellschaft wahrnehmen. Aber sie empfinden eine Beeinträchtigung der sensorischen Eigenschaften, ganz besonders hinsichtlich des Geschmacks. Insgesamt erfährt Clean Meat eine hohe Akzeptanz unter den US-Verbrauchern.
Fabian Baumann (*1996) hat nach dem Abitur das Studium im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften – Studiengang International Management – an der Hochschule Worms aufgenommen. Dabei legte er auch ein Auslandssemester in Riga ein. Nebenher absolvierte er Praktika bei der Mannheimer Crowdsourcing-Plattform Stirvox, bei der Daimler AG in Germersheim und Stuttgart oder als Werkstudent bei Ampega Asset Management in Köln.

IHK-Preis 2019, dotiert mit 500 EUR
Preisträger: Moritz Reckert
Thema: „Energetische Betrachtung und Umbau einer raumlufttechnischen Anlage im pharmazeutischen Umfeld“, Master-Arbeit am Fachbereich Technik, Informatik und Wirtschaft der Technischen Hochschule Bingen. Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Klaus Keine; Note 1,0.
Moritz Reckert führte beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim die energetische Betrachtung einer raumlufttechnischen Anlage (Lüftungsanlage) im pharmazeutischen Umfeld durch. Er ermittelte energetische Einsparpotentiale, indem er eine bestehende Anlage mit dem aktuellen Stand der Technik abglich. Dabei betrachtete und bewertete er detailliert vor allem die Gesichtspunkte der Wirtschaftlichkeit, den Einfluss auf den qualifizierten Zustand der Anlage und zeitliche Rahmenbedingungen. Der Umbau der Anlage nach diesen Gesichtspunkten wurde auf eine Frist von drei Tagen geplant und auch erfolgreich umgesetzt. Die angestrebten energetischen CO²-Einsparungen wurden nach Abschluss der Umbauarbeiten ausgewiesen. Weitere Umbaumaßnahmen gemäß der ermittelten Einsparpozentiale werden für längere Stillstandzeiten außerhalb des Rahmens der Masterarbeit geplant und umgesetzt.
Moritz Reckert (*1993), absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Boehringer Ingelheim. Daran an schloss der gebürtige Mainzer ein Duales Studium im Fach Maschinenbau Produktionstechnik an der TH Bingen, das er mit dem Bachelor of Engineering abschloss. Es folgte das Studium im Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Maschinenbau. Seither arbeitet er als Project Ingeneer bei Boehringer Ingelheim.

Sonderpreis „Beste der Besten“, dotiert mit 2.500 EUR
In die Weiterbildungsprüfungen bei der IHK für Rheinhessen sind im vorigen Jahr 463 Absolventen gegangen. Das beste Gesamtergebnis mit 91,4 Punkten hat Karin Stricker in der
IHK-Weiterbildungsprüfung „Geprüfte Personalfachkauffrau“ erzielt.
Karin Stricker (*1988) hat nach der Ausbildung zur Steuerfachangestellten in diesem Beruf in ihrer Heimatstadt Worms, Hofheim und Alzey gearbeitet. 2015 wechselte Sie zur HDP Gesellschaft für ganzheitliche Datenverarbeitung mbH in Alzey. Hier legte sie zunächst die Ausbildereignungsprüfung ab und absolvierte die Weiterbildung zur IHK-Personalfachkauffrau als Jahrgangsbeste. Bei ihrem heutigen Arbeitgeber ist sie zwischenzeitlich von der Sachbearbeiterin zur Personalreferentin aufgestiegen und mit einem umfangreichen Aufgabengebiet betraut.

Frankfurter Industrieabend 2019: Die Industrie als Impulsgeberin für Stadtentwicklung und Digitalisierung

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Am Dienstag, den 26. November 2019, begrüßten Wirtschaftsdezernent Markus Frank und IHK-Präsident Ulrich Caspar rund 190 Gäste zum diesjährigen Frankfurter Industrieabend im Römer. In seiner Begrüßung betonte Wirtschaftsdezernent Frank die zentrale Bedeutung der Industrie für Frankfurt am Main: „Seit über 150 Jahren ist die Industrie eng mit der Stadt Frankfurt am Main verbunden und ist mehr denn je durch ihre starken Verflechtungsbeziehungen von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des gesamten Wirtschaftsstandorts. Sie schafft gute Arbeits- und Ausbildungsplätze und damit Lebenschancen. Damit trägt sie zu Wohlstand, aber auch Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe bei. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sichern den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt für Investitionen in die Infrastruktur und damit in die Zukunftsfähigkeit von Frankfurt am Main“, so der Stadtrat.

Die Stärkung des Industriestandorts durch die Umsetzung des Masterplans Industrie gehört daher zu den wichtigsten wirtschafts-und strukturpolitischen Zielsetzungen der Stadt Frankfurt am Main. Mit der Fortschreibung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms und der Umsetzung zahlreicher Projekte wie zum Beispiel das Modellprojekt Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim-Nord / Seckbach oder Frankfurt Forward zur Vernetzung von Industrie und Startups wird der Industriestandort nachhaltig gestärkt.

Die besondere Rolle von Start-ups hob auch Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, hervor: „Start-ups kommen mit innovativen und disruptiven Geschäftsmodellen auf den Markt. Für etablierte Unternehmen bedeutet dies neuen Wettbewerb, eröffnet ihnen allerdings auch Chancen. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups können auch die etablierten Unternehmen ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und in neue Märkte eintreten. Der Industriestandort ist jedoch gefährdet, wenn nicht in den nächsten Jahren erheblich höhere Stromkapazitäten bereitgestellt werden. Hierzu muss der Bund das Planungsrecht vereinfachen und erheblich beschleunigen.“

Einen Ausblick auf aktuelle Trends und Forschungsschwerpunkte im Bereich der Digitalisierung gab Agnes Heftberger, Vice President Sales IBM D-A-CH und Mitglied der Geschäftsführung IBM Deutschland, in ihrer Festrede zum Frankfurter Industrieabend. Frau Heftberger hob die Verantwortung der Unternehmen hervor: „Um auf dem Weg zur und mit der Digitalisierung alle mitzunehmen, braucht es Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verständnis: Transparenz unter anderem dafür, wie mit persönlichen Daten umgegangen wird, Nachvollziehbarkeit dahin gehend, wie Algorithmen zu bestimmten Vorschlägen und Entscheidungen kommen und tiefgehendes Verständnis für Technologie bereits im Rahmen der Schulbildung. Nur so können wir eine aufgeklärte Digitalisierung erreichen und damit die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft beispielsweise in Mobilität und Medizin bewältigen.“

In einem anschließenden Industriedialog nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, eigene Fragen einzubringen. In der Diskussion unterstrich Wirtschaftsdezernent Frank die zentrale Rolle der Industrie als Impulsgeberin im Digitalisierungsprozess – etwa in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, vernetzte Produktion oder auch bei der Entwicklung neuer „Smart City“-Konzepte. „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, weiterhin bestmögliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Technologie und Innovation am Standort Frankfurt zu schaffen. Die Digitalisierung verstehen wir als eine Chance zur Stärkung des Industriestandorts“, betonte Wirtschaftsdezernent Frank.

Der Frankfurter Industrieabend stellt die zentrale Veranstaltung in Frankfurt am Main dar, um der Industrie die Wertschätzung entgegenzubringen, die ihrer weitreichenden und vielfältigen Bedeutung entspricht. In jedem Jahr laden die Stadt Frankfurt am Main und die IHK Frankfurt am Main gemeinsam hochrangige Vertreter aus der Frankfurter Wirtschaft, Industrie und Politik ein. Der Frankfurter Industrieabend findet abwechselnd im Römer und in der IHK Frankfurt statt.

Pioniergeist 2019 in Mainz verliehen

Die Sieger des rheinland-pfälzischen Gründerpreises  Pioniergeist 2019 mit den Laudatorinnen und Laudatoren: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt, Mark Stehle, Vorstandsmitglied der Genobank Mainz, SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg, Klaus Wächter, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Business Angels, TU-Präsident Professor Dr. Helmut J. Schmidt sowie  SWR Moderator Holger Wienphal, der wieder gekonnt durch das Programm führte. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Sieger des rheinland-pfälzischen Gründerpreises Pioniergeist 2019 mit den Laudatorinnen und Laudatoren: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt, Mark Stehle, Vorstandsmitglied der Genobank Mainz, SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg, Klaus Wächter, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Business Angels, TU-Präsident Professor Dr. Helmut J. Schmidt sowie SWR Moderator Holger Wienphal, der wieder gekonnt durch das Programm führte. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit dem Gründerpreis „Pioniergeist“ zeichnen die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), die Volksbanken Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz und der Südwestrundfunk gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium seit mehr als 20 Jahren Gründerinnen und Gründer aus, die mit hervorragenden Geschäftsideen und deren gelungener Umsetzung Vorbildcharakter haben. In diesem Jahr konnten sich insgesamt fünf Unternehmen, die aus Kaiserslautern, Mainz und Speyer stammen, über einen Preis und die dazugehörige Prämie freuen. (mehr …)

Erste Content Convention Mainz über Chancen digitaler Transformation in den Medien

eMotion Xsens liefert bewährte Systeme zur Bewegungserfassung und -analyse für eine Vielzahl von Anwendern, etwa zur Erstellung und Implementierung von Originalbewegungsmustern für  Film-/Video-Animation.  © Foto: Diether v Goddenthow
eMotion Xsens liefert bewährte Systeme zur Bewegungserfassung und -analyse für eine Vielzahl von Anwendern, etwa zur Erstellung und Implementierung von Originalbewegungsmustern für Film-/Video-Animation. © Foto: Diether v Goddenthow

Mit sehr guter Resonanz fand am 22. November 2019 im Gutenberg Digital Hub am Zollhafen  die erste ganztägige  „Content Convention Mainz“ statt. Eingeladen hatte hierzu die Rheinland-pfälzische Staatskanzlei gemeinsam mit ZDF Digital, Südwestrundfunk, Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz und Spieleentwickler Ubisoft. Dabei trafen sich Innovationstreiberinnen und -treiber der Medienbranche, unter ihnen zahlreiche Studenten. Im Rahmen eines eng getakteten Programms mit Präsentationen aus allen relevanten Medien-Segmenten diskutierten die Teilnehmer über aktuelle Themen, Trends, Kanäle, Distributionswege sowie zukünftig relevante Technologie-Entwicklungen und machten diese an eigenen Info-Ständen erlebbar.

Impression von der ersten Mainzer Content Convention "ConCon".  © Foto: Diether v Goddenthow
Impression von der ersten Mainzer Content Convention „ConCon“. © Foto: Diether v Goddenthow

Agile Programmplanung, Storytelling Potenziale für virtuelle Anwendungen, aktuelle Trends in der Gaming-Branche und das Erreichen relevanter Zielgruppen in der sich rasant wandelnden Medienlandschaft waren die Themenschwerpunkte.
Dabei standen im Zentrum des Content-Diskurses Fragen zur digitalen Transformation und die damit für die Medienbranchen verbundenen Herausforderungen und Chancen: „Wie beeinflusst die wachsende Bedeutung digitaler Plattformen die Entwicklung der Spielebranche, Filmindustrie und Zeitungsmedien und was bedeutet der Wandel für Macher, User und Politik?“ Moderiert wurde die Veranstaltung von der Sportmoderatorin und ehemaligen Leichtathletin Anna Kraft.

Eröffnet wurde die Konferenz mit ihren rund 300 nationalen und internationalen Fachbesucherinnen und -besuchern von Staatssekretärin Heike Raab gegen 12.00 Uhr. „Mainz ist ein starker und bedeutender Medienstandort in Deutschland und in Europa, auf den wir sehr stolz sind. Über 630 Medienunternehmen in Mainz mit über 24.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen stehen für hochwertige und innovative Inhalte“, erklärte die Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes beim Bund und für Europa, für Medien und Digitales. ZDF, SWR, Funk, ARD Online, SAT1, der offene Kanal, Radio und Zeitungsmacher, Ubisoft, die Landeszentrale für Medien und Kommunikation, Produktionsbüros, YouTuber – alle seien hier vor Ort am Start. Aber auch die Beteiligung der großen internationalen Medienplattformen, wie Google, Facebook und Netflix, als Partner der Content Convention zunterstreiche die besondere Bedeutung von Mainz als Medienstandort: „Dass Mainz eine Medienhauptstadt ist, zeigt ein Blick auf das Programm. Die internationalen Medienplattformen, die Global Player, sind zu uns nach Rheinland-Pfalz gekommen, um mit uns über aktuelle Trends und vor allem die Chancen der Technologie-Entwicklungen zu sprechen und zu diskutieren. Die Zusammensetzung des Programms, der Veranstalter und der Partner zeige, wie klassische und neue Medienunternehmen in Rheinland-Pfalz Hand in Hand zusammenarbeiteten,“ erklärte Staatssekretärin Heike Raab.

Politik Panel über die Herausforderungen neuer Inhalte und der Digitalisierung mit (v.li.) Moderatorin Anna Kraft,  Manuel Höferlin (MdB), Staatssekretärin Heike Raab,Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, Dr. Marc Jan Eumann (Landeszentrale für Medien und Kommunikation) und Florian Hager (ZDF-Digital "Funk") © Foto: Diether v Goddenthow
Politik Panel über die Herausforderungen neuer Inhalte und der Digitalisierung mit (v.li.) Moderatorin Anna Kraft, Manuel Höferlin (MdB), Staatssekretärin Heike Raab,Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, Dr. Marc Jan Eumann (Landeszentrale für Medien und Kommunikation) und Florian Hager (ZDF-Digital „Funk“) © Foto: Diether v Goddenthow

Ein Höhepunkt der Veranstaltung bildeten gegen 16.00 Uhr das Grußwort von Ministerpräsidentin Malu Dreyer zur Gestaltung neuer Medienwelten,  das Impulsreferat „Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk von SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg und der anschließende „Politik Panel“.

Die Digitalisierung hat viele Prozesse demokratischer gemacht

Noch ein Selfie für Instagram - Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Moderatorin Anna Kraft. © Foto: Diether v Goddenthow
Noch ein Selfie für Instagram – Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Moderatorin Anna Kraft. © Foto: Diether v Goddenthow

Unsere offene Demokratie, Freiheit und Teilhabe lebten von unserer vielfältigen und freien Medienlandschaft, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Wenn Qualitätsjournalismus dieser wichtigen Rolle für Demokratie und Gesellschaft gerecht werden will, muss er durch zeitgemäße Formate relevant bleiben und die Menschen in jeder Generation über alle Kanäle erreichen“, so die Ministerpräsidentin. Die Staatskanzlei hat zusammen mit ZDF-Digital; SWR, Landeszentrale für Medien und Kommunikation und dem Spieleentwickler UBISOFT die Content Convention aus der Taufe gehoben: „Sie ist eine digitale Weiterentwicklung des ‚Mainzer Mediendisputes‘. Kritisch hinterfragen, sich vernetzen und Chancen nutzen, bleibe auch in der digitalen Medienwelt wichtig, erläuterte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Das in Deutschland und in Europa vielfältige und staatsferne Mediensystem sei derzeit durch digitale Transformation oder Plattformökonomie im Wandel, dürfe aber nicht aus der Balance geraten, so die Ministerpräsidentin. „Der Bedarf an einer freien und pluralistischen Medienlandschaft, also dem Nebeneinander von privaten und öffentlich-rechtlichen Medien, ist größer denn je. Die Rolle der Medien in der demokratischen Gesellschaft ist unverändert wichtig.“

Die Digitalisierung habe viele Prozesse demokratischer gemacht, Barrieren abgebaut, Zugänge eröffnet, die Möglichkeiten der Wissensvermittlung erweitert und die Transparenz erhöht, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Geschichte der Demokratie lehre aber auch, dass diese immer wieder verteidigt werden müsse. „Damals wie heute lebt Demokratie davon, dass wir uns gemeinsam und jeden Tag aufs Neue für Gleichberechtigung, Toleranz und Vielfalt stark machen. Wir brauchen Antworten auf digitale Propaganda, Desinformation und Hatespeech. In der analogen Welt kennen wir den Begriff Zivilcourage, ins Netz übertragen fordere ich Digitalcourage. Das bedeutet, dass wir unseren Anspruch von Demokratie und Gesellschaft auch im Netz selbstbewusst durchsetzen müssen. Die Gesetze, die offline gelten, gelten auch im Internet“, so die Ministerpräsidentin.

Das mediale Angebot sei noch nie so groß gewesen wie heute und es sei noch nie so einfach gewesen, sich am allgemeinen Diskurs zu beteiligen oder sogar selbst Inhalte zu erstellen. „Daher werden wir die Medienordnung an die neuen Kommunikationsmöglichkeiten und den neuen Content anpassen. Mit dem neuen Medienstaatsvertrag schaffen wir neuen Raum für Kreative“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Abschaffung der Rundfunkzulassungspflicht komme Youtubern und Let’s-playern entgegen. Es gehe den Ländern aber vor allem darum, kommunikative Chancengleichheit zu sichern, offline und online, für Transparenz zu sorgen und Diskriminierung zu verhindern. „Wir wollen die Auffindbarkeit von journalistisch-redaktionellen Angeboten verbessern, um jenseits der kommerziellen Dominanz der US-amerikanischen Plattformen und Suchmaschinen die Menschen zu erreichen“, so die Ministerpräsidentin.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion „Politik Panel“, moderiert von Anna Kraft, diskutierte Staatssekretärin Heike Raab mit Dr. Marc Jan Eumann (Landeszentrale für Medien und Kommunikation), Manuel Höferlin (MdB), Florian Hager (Funk) und dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling über die Herausforderungen neuer Inhalte und der Digitalisierung.

Das Öffentlich-Rechtliche Dilemma

Dr. Simone Schelberg SWR-Senderdirektorin. © Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Simone Schelberg SWR-Senderdirektorin. © Foto: Diether v Goddenthow

SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg wies in ihrem anschließenden Impuls-Vortrag darauf hin, dass die digitale Ungewissheit mit unablässig neuen, vielleicht noch kundenorientierten (App-)Angeboten für die Öffentlich- Rechtlichen Rundfunkanstalten eine Herausforderung sei wie ein Balance-Akt ohne Netz und doppelten Boden, wobei niemand wisse, „wohin das Seil führt, auf dem wir stehen“. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender hätten den rasant wachsenden Streamingportale á la Netflix & Co zurzeit nichts entgegenzusetzen. Diese werteten die Daten der sich eingeloggten Kunden aus, entwickelten Profile von deren Sehverhalten und empfählen potentiell die passendsten Filme aus.
Diesen Mehrwert könnten die Öffentlich-Rechtlichen Sender nicht anbieten, da das durch die Rundfunkgebühren finanzierte Programm frei und ohne vorheriges Einloggen zugänglich sei, was ja auch so bleiben müsse. „Aber ich bin schon dafür, dass wir unsere ARD-Mediathek mit einem echten Mehrwert ausstatten und so professionell gestalten wie nur möglich. Und hier haben wir dringenden Bedarf, den wir angehen müssen, und auch wollen“.

Als zweiten wichtigen Beleg für die Auswirkung des digitalen Wandels sei dass, „was ich mal flapsig als Plattform-Dilemma bezeichnen würde“, womit Dr. Schelberg auf die große Abhängigkeit des Senders von fremden Messenger-Diensten à la Whatsapp bei der Durchführung von Hörer-Aktionen etwa bei SWR 1, 3 oder 4 hinwies. Kürzlich habe Whatsapp die Kommunikation zwischen Hörern und den SWR-Sendern „willkürlich schlicht für uns eingestellt“. „Und schon saßen wir sozusagen digital komplett auf dem Trockenen. Wir mussten bei unserer Hitparade, unserer großen SWR1 Hitparade, mit dem Anbieter Telegram arbeiten, ein Messangerdienst, den natürlich längst nicht jeder bei sich hat, und der längst nicht an die Reichweite und Nutzerzahlen von Whatsapp herankommt. Und das ist eben genau das Dilemma, der Frage, der wir uns stellen müssen: Wie sehr nutzen wir digitale externe Plattformen, wie abhängig machen wir uns? Können wir mit eigenen digitalen Angeboten überhaupt dagegen halten?“, so die Senderdirektorin.

Die Chancen der Öffentlich-Rechtlichen lägen in der Verknüpfung ihres Know-hows mit den neuen digitalen Möglichkeiten:“Das, was uns auszeichnet, die hohe journalistische Qualität, die Zuverlässigkeit und mediale Unabhängigkeit und Ausgewogenheit sowie unser Gespür für die Belange der Menschen – all das wird künftig weiterhin ebenso wichtiger Faktor sein, wie eben auch dann auf der anderen Seite „Business Intelligence“ oder „Plattform-Strategien“. Beides muss parallel gelingen, uns gelingen, und beides muss auf dem Weg in die Zukunft dabei sein, und dabei bleiben“, so Dr. Schelberg.

Die ARD Audiothek mit mittlerweile 1 Mio Menschen, die diese App installiert haben, sei dafür sicher das beste Beispiel, dass dies möglich sei. „Wir haben mehr als 3,2 Mio. Audio-Abrufe im Monat, mit Inhalten die nah bei den Menschen sind, sie interessieren und ihnen einen echten Mehrwert bieten“.

 

Präsentation des neuen Hochschulkalenders RheinMain www – wiesbaden worldwide -im SV-Atrium der Sparkassen-Versicherung

Die Präsentation des neuen Kalenders der Hochschule RheinMain "www - worldwide wiesbaden" im SV-Atrium der Sparkassen Versicherung, Bahnhofstrasse 69, Wiesbaden. (vll.): Dr. Verena Titze-Winter Kunst-und Kulturförderung SV SparkassenVersicherung, Prof. Gregor Krisztian Hochschule RheinMain, Dipl. Des. Christian Weber, Atelier für Gestaltung Mainz, Dip. Des. Stefan Lochmann, Illustration, Design, Film Hochschuldozent; Fotomeister Stanislaw Chomicki, Sven Klinger IGEPA Group, Michael Panzer Volkhardt Caruna Medien Amorbach, Dr. Stefan Korbach Mitglied des Vorstands der SV SparkassenVersicherung. © Foto: Diether v Goddenthow
Die Präsentation des neuen Kalenders der Hochschule RheinMain „www – worldwide wiesbaden“ im SV-Atrium der Sparkassen Versicherung, Bahnhofstrasse 69, Wiesbaden. (vll.): Dr. Verena Titze-Winter Kunst-und Kulturförderung SV SparkassenVersicherung, Prof. Gregor Krisztian Hochschule RheinMain, Dipl. Des. Christian Weber, Atelier für Gestaltung Mainz, Dip. Des. Stefan Lochmann, Illustration, Design, Film Hochschuldozent; Fotomeister Stanislaw Chomicki, Sven Klinger IGEPA Group, Michael Panzer Volkhardt Caruna Medien Amorbach, Dr. Stefan Korbach Mitglied des Vorstands der SV SparkassenVersicherung. © Foto: Diether v Goddenthow

Es ist wieder Kalenderzeit! Bereits zum 22. Mal erscheint der neue Hochschulkalender RheinMain, in diesem Jahr mit dem politischen Titel „www – wiesbaden wordwide“ gegen das neue „Mauerdenken“ und für  weiterhin weltweit grenzenlose Forschung und Lehre der Wissenschaft.
Auch der 2020er Wiesbadener Hochschulkalender dürfte sich einreihen in den Reigen seiner für ihre außergewöhnlichen Konzepte und die hochwertige Umsetzung mehrfach international ausgezeichneten Vorgänger wie: „Unart“ (2016), „Mein Mai ist grün mit gelben Punkten“ (2017), „Der Hammer“ und „Wissen schafft Poesie“ (2019).
Entstanden ist der Wiesbadener Hochschulkalender wieder im Studiengang Kommunikationsdesign unter Leitung des Wiesbadener „Kalenderpapstes“ und Projektinitiators Professor Gregor Krisztian. Gestern Abend nun wurde der Hochschulkalender 2020  feierlich im SV-Atrium der Sparkassen Versicherung in der Bahnhofstrasse 69 in Wiesbaden präsentiert.

Dr. Stefan Korbach Mitglied des Vorstands der SV SparkassenVersicherung, © Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Stefan Korbach Mitglied des Vorstands der SV SparkassenVersicherung, © Foto: Diether v Goddenthow

Dr. Korbach, Mitglied des Vorstands der SV SparkassenVersicherung, begrüßte die Gäste und unterstrich, dass die Präsentation des neuen Hochschul-Kalenders 2020 der Schlusspunkt und für viele quasi der Höhepunkt des kulturellen Jahres im SV-Atrium der Sparkassen-Versicherung sei. Nach dem Krimifestival mit Werken von Harald Reiner Gratz und mit Heino Ferch sowie den Wiesbadener Fototagen, die vor wenigen Tagen den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden erhalten haben, sei die Kalenderpräsentation ein krönender Abschluss, „worauf wir uns alle freuen“.

Prof. Dr. Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain, dankte der Sparkassen-Versicherung für die Möglichkeit der Kalenderpräsentation im SV-Atrium. Dieser Ausstellungsart mitten in Wiesbaden sei für die Hochschule RheinMain auch ein Ausdruck ihres Selbstverständnisses, sich als Teil der Wiesbadener Stadtgesellschaft zu verstehen. Leider sei der diesjährige Kalender vermutlich wohl der letzte unter der Verantwortung von Professor Gregor Krisztian, der das Kalenderprojekt in den letzten Jahren für die Hochschule sehr, sehr aktiv und über das normale Maß der Lehre hinaus  im Studiengang Kommunikationsdesign vorangetrieben habe. Der Kalender hänge nicht nur mittlerweile in vielen hessischen Amtsstuben, und sei bei Sammlern sehr beliebt, sondern habe weltweit in zahlreichen Partneruniversitäten Verbreitung gefunden. Er bringe mit seiner Außenwirkung sozusagen einen Teil des Markenkerns der Hochschule RheinMain zum Ausdruck, weswegen „wir als Hochschule ein großes Interesse haben, dieses Projekt jetzt nicht sterben zu lassen, sondern das fortzuführen“, so Prof. Reymann.

Prof. Dr. Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain: "Wenn es etwas gibt, was keine Grenzen braucht, was international her vom Charakter her ist, dann ist das Wissenschaft, dann ist das Lehre, dann ist das Forschung, und des wegen bin ich so froh über diesen Kalender, weil er genau diese Botschaft transportiert".© Foto: Diether v Goddenthow
Prof. Dr. Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain: „Wenn es etwas gibt, was keine Grenzen braucht, was international her vom Charakter her ist, dann ist das Wissenschaft, dann ist das Lehre, dann ist das Forschung, und des wegen bin ich so froh über diesen Kalender, weil er genau diese Botschaft transportiert“.© Foto: Diether v Goddenthow

Der Kalender 2020 mit dem Titel „www – worldwide“ ist Programm und politische Botschaft zugleich, womit die Hochschule ihre Haltung der weltweiten Öffnung und des respektvollen Miteinanders in einer Zeit unterstreicht, in der Abgrenzung, Protektionismus und Dominanz wieder salonfähig zu sein scheinen, so der Hochschulpräsident.

Mit dem Kalender, mit dem die Hochschule RheinMain ihre Partnerhochschulen weltweit einlud, Teil des neuen Kalenders 2020 zu werden, soll einmal mehr deutlich werden, über wie viele internationale Partnerschaften die Hochschule RheinMain verfügt. Die wenigsten wüssten, so  Prof. Reymann, dass die Hochschule RheinMain von jeher den akademischen Dialog mit anderen Ländern und Kulturen mit über 170 Partnern pflege.

Von ihm vor 22 Jahren initiiert, leitet Prof. Gregor Krisztian im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule RheinMain das Kalenderprojekt-Team, in diesem Jahr wohl zum letzten Mal. Aber die Hochschule will das Projekt weiterführen. Hier bei der Präsentation Blatt für Blatt  © Foto: Diether v Goddenthow
Von ihm vor 22 Jahren initiiert, leitet Prof. Gregor Krisztian im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule RheinMain das Kalenderprojekt-Team, in diesem Jahr wohl zum letzten Mal. Aber die Hochschule will das Projekt weiterführen. Hier bei der Präsentation Blatt für Blatt © Foto: Diether v Goddenthow

Man habe Hochschulen aus allen fünf Kontinenten gebeten „uns jeweils drei Objekte zukommen zu lassen, die für deren Kulturbereich typisch sind und im Alltag eine besondere Rolle spielen“, erklärte Kalenderprojektleiter Professor Gregor Krisztian, der mit seinem Kollegen, dem Fotomeister Stanislaw Chomicki, die interessantesten der zugesandten Objekte auswählte und im Studio zur Ablichtung für die Kalenderblätter inszenierte. Gestaltet wurde der Kalender im Team mit den beiden Ehemaligen und Födervereinsmitgliedern, den Diplom-Designern Christian Weber und Stefan Lochmann.

Dipl. Des. Christian Weber (li.) und Dip. Des. Stefan Lochmann haben den Kalender maßgeblich gestaltet, hier als "Lebend-Display" bei der Blatt-für-Blatt-Präsentation mit dem Monatsblatt März, welches Masken aus Namibia zeigt. © Foto: Diether v Goddenthow
Dipl. Des. Christian Weber (li.) und Dip. Des. Stefan Lochmann haben den Kalender maßgeblich gestaltet, hier als „Lebend-Display“ bei der Blatt-für-Blatt-Präsentation mit dem Monatsblatt März, welches Masken aus Namibia zeigt. © Foto: Diether v Goddenthow

Die abgebildeten Objekte seien sozusagen Blatt für Blatt visuelle Botschafter für Australien, China, Israel, Jordanien, Mexico, Norwegen, Polen, Russland, Spanien, Thailand, Türkei und die USA.
Jedes Kalenderblatt, so Professor Krisztian bei seiner Vorstellung des Kalender-Projektes, präsentiere Kultur auf relevante Weise und liefere Hintergründe zum Objekt wie auch zur jeweiligen Hochschule.

Der Kalender kostet 30 Euro und kann direkt bei der Hochschule RheinMain bestellt werden: www.hs-rm.de/kalender.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Originelles und Stylisches bei der „Modenschau 100 Jahre Bauhaus“ in der Handwerkskammer Wiesbaden

Bei der diesjährigen Modenschau im Meistersaal der Hendwerkskammer Wiesbaden haben die Modemacherinnen und Macher ihre Kreationen unter das Motto  „100 Jahre Bauhaus“ gestellt. Das Bild zeigt Entwürfe von Lara Melanie Renner, Atelier Lara Lara Couture, Wiesbaden.© Foto: Diether v Goddenthow
Bei der diesjährigen Modenschau im Meistersaal der Hendwerkskammer Wiesbaden haben die Modemacherinnen und Macher ihre Kreationen unter das Motto „100 Jahre Bauhaus“ gestellt. Das Bild zeigt Entwürfe von Lara Melanie Renner, Atelier Lara Lara Couture, Wiesbaden.© Foto: Diether v Goddenthow

Mit Bauhaus, der aus dem Werkbund 1919 in Weimar hervorgegangenen Kunst- und Werkschule, der späteren Hochschule für Gestaltung in Dessau, verbindet man eher neue gestalterische und handwerkliche Impulse in Kunst, Kunstgewerbe, Architektur, Design, Tanz und Theater. Wenige kämen wohl auf die Idee, auch Mode mit einem „Bauhaus-Stil“ zu assoziieren, dessen reduzierte vielfältige Formensprache mit klaren Linien und farbigen Flächen natürlich großen Einfluss auf die Bekleidungsmoden hatten. Deswegen stellten in diesem Jahr die Modemacherinnen und Modemacher ihre – bereits zum zehnten Mal stattfindende – Modenschau am 9.11.2019 im Meistersaal der Handwerkskammer Wiesbaden unter das Motto „Modenschau 100 Jahre Bauhaus“. Damit zeigten sie einmal mehr, wie auch in der Oberbekleidungs-, Schuh-, Schmuck-, Brillen-, Hut- und Tuch-Mode Walter Gropius Idee von der Verknüpfung von Kunst und Handwerk funktioniert. Nach der Begrüßung durch den neuen Handwerkspräsident Stefan Füll führte Moderator Jörg Brandmeyer kenntnisreich und pointiert durch die inspirierende Veranstaltung.

Modische Brillen von Optikermeister Rick Reimann aus Niedernhausen, der auch Hausbesuche tätigt.© Foto: Diether v Goddenthow
Modische Brillen von Optikermeister Rick Reimann aus Niedernhausen, der auch Hausbesuche tätigt.© Foto: Diether v Goddenthow

Dass ein perfektes Zusammenspiel von hervorragenden Gläsern und handwerklich gefertigten stylischen Gestellen zu gutem Sehen und Aussehen führen kann, zeigten die superpräsentierten „Sehhilfen“ von Optikermeister Rick Reimann aus Niedernhausen. Der Clou: Der Optikermeister macht –auch Hausbesuche, wozu er Sehtestgeräte und anderes Optiker-Equipment mitbringt. Das kommt insbesondere vielen älteren Menschen und Leuten mit wenig Zeit zugute.

Handgefertigte Schuhe vom Wiesbadener Schuhmachermeister Andreas Baumbach, hier im Gespräch mit Moderator Jörg Brandmeyer. © Foto: Diether v Goddenthow
Handgefertigte Schuhe vom Wiesbadener Schuhmachermeister Andreas Baumbach, hier im Gespräch mit Moderator Jörg Brandmeyer. © Foto: Diether v Goddenthow

Nicht nur im Stil der 20er Jahre, erfreuen sich heutzutage Maßschuhe wieder größerer Beliebtheit. Das läge nicht nur daran, dass seine Schuhe jeweils Unikate seien, so der Wiesbadener Schuhmachermeister Andreas Baumbach. Handgefertigte Schuhe, zunächst wegen der Herstellung der Leisten (hölzernes Prototyp-Fussmodell aus Holz) und da Handarbeit etwas teurer, wären mittelfristig wegen ihrer längeren Lebensdauer pro Jahr sogar oft preiswerter als industrielle Massenware.

Kreationen von Birgit Reimann tagtraum-tragen. © Foto: Diether v Goddenthow
Kreationen von Birgit Reimann tagtraum-tragen. © Foto: Diether v Goddenthow

Für individuelle, wandelbare, zeitlose sowie ausgefallene handgefertigte Mode bekannt ist die Wiesbadener Meisterin im Damen- und Herrenschneiderhandwerk Birgit Reimann von „tagtraum“. Sie interpretierte das Thema Bauhaus mal sportlich, mal elegant oder mittells türkis-rot-blauen Etuikleid , recht formenvielfältig, vor allem auch mit dem Spiel von Schwarze und Weiß, zweier Pole, die sich anziehen und abstoßen, so die Mode-Designerin. Ebenso bekannt, wie etabliert überzeugten die bauhaus-intendierten modischen Kreationen von Lara Melanie Renner.

Lara Melanie Renner im Gespräch mit Moderator Jörg Brandmeyer. © Foto: Diether v Goddenthow
Lara Melanie Renner im Gespräch mit Moderator Jörg Brandmeyer. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Wiesbadener Meisterin im Damen- und Herren, nach zwei Jahren Laufstegpause mit dezent farbigen Kreationen dabei, feierte inzwischen mit ihrem eingeführten Label „Lara Loca Couture“ große Erfolge. Beispielsweise hatte sie für eine Werbekampagne von „Rotkäppchen“-Sekt 80 Maßkostüme anfertigen dürfen und für die Assistentin des „Goldene-Henne“-Moderators Kai Pflaume mehrmals die obligatorische goldene Robe erschaffen, dazwischen noch zwei Kinder geboren, und weiterhin ihre Stammkundschaft bedient.
Modeschneidermeisterin Carola Bartsch von „7th Heaven Brautmode“ überzeugte mit zahlreichen fantasievollen bis regenbogenfarbigen Entwürfen, darunter ein Hochzeits-Jumpsuit mit freiem Rücken sowie mit frechen weißen und blauen Latzhosen aus Tragetaschen für beide Geschlechter, hervorgegangen aus der Handwerksimage-Kampagne.

Schmuck aus Alltagsgegenständen "Made in Hanau". © Foto: Diether v Goddenthow
Schmuck aus Alltagsgegenständen „Made in Hanau“. © Foto: Diether v Goddenthow

Made in Hanau“, eine Ateliergemeinschaft von 9 Schmuckkünstlern, bei der Modenschau vertreten von Rosa Mauro und Claire Selby, präsentierten aus ihrem breiten Spektrum originellen Schmuck aus Alltagsgegenständen, vom Kreationen aus nachempfundenen Lockenwicklern bis hin zu einer Brosche aus Kaffeelöffeln.

Ausgefallene Hutmode kombiniert mit den passenden Schals dazu vom Bad Homburger Hutsalon und der Handweberei Siebörger aus Ober-Ramstadt. © Foto: Diether v Goddenthow
Ausgefallene Hutmode kombiniert mit den passenden Schals dazu vom Bad Homburger Hutsalon und der Handweberei Siebörger aus Ober-Ramstadt. © Foto: Diether v Goddenthow

Überzeugen konnten auch die der Bauhaus-Epoche angelehnten fantasievollen, extravaganten Hutkreationen von Karen Diaz-Fink des Bad Homburger Hutsalon in Kombination mit handgewebten gut abstimmten Schals von Anja Ritter der Ober-Ramstadter Handweberei Siebörger.

Bahr Krahn von Be Organic Naturkosmetik und Naturfriseure, Wiesbaden hatte die Models für ihrer Auftritt gestylt. Durch die Veranstaltung führte pointiert Jörg Brandmeyer.

Abschlussfoto mit allen beteiligten Ateliers, Models, Moderator und Präsident sowie Bernhard Mundschenk. © Foto: Diether v Goddenthow
Abschlussfoto mit allen beteiligten Ateliers, Models, Moderator und Präsident sowie HWK-Geschäftsführer Bernhard Mundschenk. © Foto: Diether v Goddenthow

Abschließend dankte Bernhard Mundschenk, Geschäftsführer der Handwerkskammer, allen Handwerkerinnen und Handwerkern für ihre hervorragenden Arbeiten und für ihr Engagement, diese Modenschau auf die Beine gestellt zu haben. Es seien sicherlich darunter auch Anregungen für Weihnachten dabei gewesen, so Mundschenk, der zugleich zur nächsten Veranstaltung, der „Weihnachtsbacken am 1. Dezember 2019 in den Meistersaal der Handwerkskammer Wiesbaden, Bierstadter Straße 45, einlud.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

28. Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2019 zur Vernissage „Odyssee“ in der Mainzer Volksbank verliehen

„ODYSSEE“ – Ausstellungseröffnung im MVB-Forum - anlässlich der 28. Verleihung des Eisentumpreises 2019.© Archivbild: Diether v Goddenthow
„ODYSSEE“ – Ausstellungseröffnung im MVB-Forum – anlässlich der 28. Verleihung des Eisentumpreises 2019.© Archivbild: Diether v Goddenthow

Am 7. November 2019 haben der Kunstverein Eisenturm Mainz e.V. und die Mainzer Volksbank zur Eröffnung der Vernissage „Odyssee“ im MVB-Forum den „28. Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2019 – Hans Jürgen Imiela Gedächtnispreis“ in der Gesamthöhe von 10 000 Euro verliehen: Tanja Lebski erhielt für ihr Triptychon „Post Mortem“ den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis. Den mit 3000 Euro ausgestatteten zweiten Platz holte Regina Geißler für ihr Werk „Abenteurer“. Clemens Tremmels Ölgemälde „Die Heimkehr“ erhielt den dritten Preis mit 2000 Euro.

Das Ausstellungs-Motto „Odyssee“ war als Vorgabe für die einzureichenden Arbeiten im bundesweiten Ausschreibungstext bewusst offen gehalten. Wie es dort heißt, sind „Menschen seit Jahrtausenden unfreiwillig unterwegs und begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung, ihre Heimat, und werden zu Fremden in einem neuen Land. Getriebene. Wie die Figur aus der griechischen Mythologie irren sie durch das Meer, durch die Welt und suchen Wege  eine sichere menschenwürdige Existenz. Dabei werden sie oft Opfer von Missgunst und Gewalt und geraten zwischen kulturelle und politische Fronten. Und wünschen sich doch nur eins: Ankommen.“

Ume Abel, Vorstandsvorsitzender der MVB, begrüßt die Gäste. © Foto: Diether v Goddenthow
Ume Abel, Vorstandsvorsitzender der MVB, begrüßt die Gäste. © Foto: Diether v Goddenthow

In seinen Begrüßungsworten ging der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank, Uwe Abel, auf die Bedeutung des Mottos „Odyssee“ ein und hob die Bedeutung der Kunst als wichtiges gesellschaftliches Korrektiv hervor. Ganz besonders begrüßte er Marianne Grosse in ihrer Eigenschaft als Kulturdezernentin der Stadt Mainz sowie Dietmar Gross, den Vorsitzenden des Kunstvereins Eisenturm. „Ohne ihn und den Kunstverein Eisenturm würde es diese Veranstaltung nicht geben“, hob Abel hervor und dankte „dem Kunstverein Eisenturm für diese, wie auch die vielen bisherigen großartigen Ausstellungen in unseren Räumen.“ Der Vorstandsvorsitzende freute sich, dass die Kunsthistorikerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke zum wiederholten Male die Einführung halten werde. Er fügte ein wenig nachdenklich und stolz zugleich hinzu, dass es wohl nur noch eine Regionalbank in Mainz und vielleicht überhaupt gäbe, „die sich dem Thema Kunst und Kultur seit vielen Jahren widme“ und „wir wollen es auch in Zukunft tun“, so Abel.

Marianne Grosse betonte in ihrem Grußwort ausdrücklich, dass die Mainzer Volksbank verlässlicher Teil der Stadtgesellschaft sei, und ein wichtiger Begleiter der Kultur über viele, viele Jahre hinweg. Ohne die Mainzer Volksbank „wären wir in Mainz nicht so, wie wir sind“, so die Kulturdezernentin, die solch ein Engagement insbesondere in einer Gesellschaft wichtig findet, „die immer mehr auseinander zu driften scheint.“ Und ganz persönlich fügte sie hinzu: Was nütze da eine anonyme Internet-Bank, die praktisch keinen Kunden kenne.

Kulturdezernentin Marianne Grosse dankt der MVB, dem Eisenturm und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow
Kulturdezernentin Marianne Grosse dankt der MVB, dem Eisenturm und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow

Kunstwerke seien Erzeugnisse künstlerischen Schaffens und seien immer auch Eigensinn, Widersinn, Dekonstruktion, Formenbruch und Wirklichkeitsverzerrung, so Grosse. Die so in der Kunst stets entfachte Lebendigkeit und Dynamik wäre ohne Freiheit und Offenheit undenkbar. Auch der Kunstverein Eisenturm arbeite überaus offen. „Denn der Kunstpreis Eisenturm, den sie seit 2005 verleihen, wendet sich eben nicht nur an bildende Künstlerinnen und Künstler in unserer Region, sondern auch an Künstlerinnen und Künstler in ganz Deutschland, von denen bei der Preisvergabe drei Personen für ihre Arbeit geehrt werden“, vertiefte die Kulturdezernentin, die sehr glücklich darüber sei, „dass wir in einer Stadt leben, die so bereichert ist von zahlreichen Vereinen und Einrichtungen wie dem Kunstverein Eisenturm“.

„380 Bewerbungen für den Kunstpreis Eisenturm sind eingegangen. Ich finde, das ist eine unheimlich beeindruckende Zahl.“ Allein das Begutachten der 380 eingegangenen Bewerbungen für den Kunstpreis Eisenturm und das Herausfiltern der interessantesten Motive mache vor allen Dingen auch einmal mehr deutlich, „mit welch einem organisatorischen Aufwand sie es dann tatsächlich zu tun haben. Wenn wir uns vor Augen halten, lieber Herr Gross, dass Sie und Ihr Team das alles ehrenamtlich machen, müssen wir ihnen allerhöchste Hochachtung zollen, auch dieses Jahr wieder eine unglaubliche Leistung. Vielen Dank!“, lobte die Kulturdezernentin.

Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, dankte der Mainzer Volksbank, seinem Team und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow
Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, dankte der Mainzer Volksbank, seinem Team und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow

Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, freute sich über den Erfolg des Kunstpreises. „Über 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland zeugen vom hohen Renommee, das der Preis bundesweit erreicht hat. Dass wir einen Kunstpreis über 28 Jahre vergeben können, verdanken wir dem Stifter des Preises, der Mainzer Volksbank.“ Anschließend übergab er gemeinsam mit Uwe Abel Preise und Blumen an die Preistäger.

Preisverleihung und Einführung 

(v.li.): Der Vorsitzende des Kunstverein Eisenturm Dietmar Gross, die Zweitplatzierte Regina Geißler, der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank Uwe Abel, die Siegerin Tanja Lebskis, der Drittplatzierte Clemens Tremmel sowie die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v Goddenthow
(v.li.): Der Vorsitzende des Kunstverein Eisenturm Dietmar Gross, die Zweitplatzierte Regina Geißler, der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank Uwe Abel, die Siegerin Tanja Lebskis, der Drittplatzierte Clemens Tremmel sowie die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v Goddenthow

Die  Kunsthistorikerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke führte in die Ausstellung und preisgekrönten Werke ein.
Bereits Johann Wolfgang von Goethe sah vor 220 Jahren im tragisch griechischen Epos einen idealen Nährstoff für Künstler, von denen jedoch niemand vor des Dichterfürsten gestrengen akademischen Auges zu bestehen vermochte. Die Odyssee  zähle  noch immer zu den einflussreichsten Werken der Kulturgeschichte, so Dr. Nieraad-Schalke.

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke  befasste sich in ihrer Einführung mit jedem einzelnen Werk der Ausstellung.© Foto: Diether v Goddenthow
Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke befasste sich in ihrer Einführung mit jedem einzelnen Werk der Ausstellung.© Foto: Diether v Goddenthow

Nachdem Troja erobert war, „muss der griechische König Odysseus auf der Rückfahrt in seine Heimat Ithaka unzählige Abenteuer bestehen. Während der 10 Jahre dauernden Reise (mit  Trojanischen Krieg 18 Jahre) erleidet der Held und Stratege von Troja mehrfach Schiffbruch, wird von Insel zu Insel getrieben, kämpft mit menschenfressenden Zyklopen, Meeresungeheuern, liebt betörende Nymphen und widersteht verführerischen Sirenen, steigt in die Unterwelt hinab und verhandelt mit Wind, Sonne und Meeresgöttern.“ Dieser Prototyp der spannungsgeladenen Action-Geschichte diene bis heute bildenden Künstlern als reiche Quelle der Inspiration, so auch den Schöpfern der zur Ausstellung eingereichten und nominierten Arbeiten.

Dritter Platz „Die Heimkehr“ von Clemens Tremmel

Dritter Platz "Die Heimkehr" von Clemens Tremmel
Dritter Platz „Die Heimkehr“ von Clemens Tremmel

Clemens Tremmels Bild „Die Heimkehr“ sei beispielhaft dafür, „wie in der Auseinandersetzung mit anderen Figuren und Zeiten eine solch hervorragende Schöpfungsleistung entstehen kann“. Das meisterhafte Ölbild „Die Heimkehr“, ein im trüben Dämmerlicht schwimmendes und zurückkehrendes kleines Boot des jungen Leipziger Künstlers, erinnere in seiner Technik und stimmungsvollen Atmosphäre zunächst an die romantische Malerei des 19. Jahrhunderts. Die mutwillige Zerstörung der malerischen Einheit durch aggressive Abkratzspuren transportiere jedoch Tremmels Arbeit auf einzigartige Weise ins 21. Jahrhundert. „Metallisch glänzend tritt das moderne Trägermaterial aus Aluminium hervor, und wir Betrachtenden reagieren fast körperlich auf dieses offenkundige Symbol von roher Gewalt. Wie lebenslang zeichnende Narben erinnern sie den Heimkehrer an innere und äußere Kämpfe“, so die Kunsthistorikerin.

Zweiter Platz  „Abenteurer“ von Regina Geißler

Zweiter Platz  „Abenteurer“ von Regina Geißler
Zweiter Platz „Abenteurer“ von Regina Geißler

Auch das den zweiten Platz belegende Acrylbild „Abenteurer“ von Regina Geißler lasse die Grenzen zwischen innerer und äußerer Welt verschwimmen, so Dr. Nieraad-Schalke. Die Mainzer Künstlerin entfache in gewaltiger Atmosphäre ein Spannungsfeld von körperlich minimaler und virtuell maximaler Dynamik in Gestalt des computerspielenden Jugendlichen. Dieser sei umhüllt von digitalen Spielständen, gegnerischen Figuren und feuerfegenden Monstern, wobei manche der Elemente gar an Galaxien oder mythologische Sagengestalten erinnerten. Unverkennbar spiegele sich hier der kulturelle Einfluss von Homers antiken Epos bis in die digitale Computerspielewelt wider, wobei jeder heutzutage mit Action-Adventure-Spielen wie „Assassin’s Creed: Odyssey“ selbst virtueller Abenteurer sein und in die Rolle des furchtlosen Helden schlüpfen könne. „Doch, obwohl die Kämpfe in der Illusion ausgetragen werden, finden sie einen körperlichen Widerhall“. Regina Geißler geschickte Farbgebung fange vor allem die sehr reale Aufregung in Herz und Bauch ein.

Erster Platz „Post Mortem“ von Tanja Lebski

Erster Platz "Post Mortem" von Tanja Lebski
Erster Platz „Post Mortem“ von Tanja Lebski

Tanja Lebski aus Altleinigen wählte für ihre außergewöhnliche Arbeit „Post mortem“, welches den ersten Preis erhielt, die sakrale Form eines Triptychons, ein Bild-Format, welches bereits im Mittelalter eine zentrale Bedeutung bei Altar- oder Andacht-Bilder spielte und auf welches noch heute Kunstschaffende gerne zurückgreifen, „wenn es um existentielle Grenzsituationen um Leben und Tod geht“, so Dr. Nieraad-Schalke. Auf der Mitteltafel habe die Preisträgerin in Acrylmalerei eine rührende Szenerie von Krieg und Zerstörung entwickelt, im Zentrum der medialen Erinnerungssplitter die Verwüstung der bosnisch-herzegowina’schen UNESCO-Weltkulturerbe-Brücke „Kriva Ćuprija“, die Jahrhundertelang als Symbol für das friedliche Miteinander unterschiedlicher religiöser, kultureller und ethnischer Traditionen stand. Auf den stoffbespannten Seitenflügeln, die quasi eine Kommentarfunktion einnähmen, spanne die Preisträgerin diesen thematischen Bogen noch weiter. Die aufgebrachten Strickfragmente und verdreckten Stoffreste symbolisierten eine zurückgelassene Vergangenheit, eine übliche Folge, wenn Menschen durch Krieg, Verfolgung und Diskriminierung ihre Heimat verlassen müssten. Letztlich stünde die Frage im Raum, was nach dem Heimatverlust noch bliebe, wobei Religiosität als Form der Trauerbewältigung zumindest angedeutet würde, so das Fazit der Kunsthistorikerin.
Ort und Dauer

Ausstellung Odyssee bis 17. Januar 2019 © Foto: Diether v Goddenthow
Ausstellung Odyssee bis 17. Januar 2019 © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung „Odyssee“ im MVB-Forum, Neubrunnenstr. 2 in Mainz, zeigt  bis Freitag, 17.01.2020, die besten 25 Bilder aus 380 Einreichungen. Es lohnt sich.

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 9:00 bis 18:00 Uhr sowie freitags von 9:00 bis 13:00 Uhr.

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Hessen-Champions: Vier Unternehmen erhalten Innovations- und Wachstumspreis des Landes Hessen auf dem 28. Hessischen Unternehmertag – Motto „Digital gesund?“

Leitthema des diesjährigen 28. Hessischen Unternehmertags lautete: "Digital Gesund?" © Foto: Diether v Goddenthow
Leitthema des diesjährigen 28. Hessischen Unternehmertags lautete: „Digital Gesund?“ © Foto: Diether v Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und VhU-Präsident Wolf Matthias Mang zeichneten gestern Abend im Wiesbadener Kurhaus auf dem 28. Hessischen Unternehmertag die Hessen Champions Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg, Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen, Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH) aus Frankfurt am Main sowie Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar mit dem Innovations- und Wachstumspreis des Landes Hessen aus. Durch den Abend moderierte  Corinna T. Egerer. 

Begrüßt hatte die über 1000 Gäste VhU-Präsident Wolf Matthias Mang mit seiner Einführung „Zwischen Verlockungen digitaler Gesundheitswirtschaft und steigenden demografischen Kosten der Krankenversicherung“, worin er augenzwinkernd des Menschen  Wunsch auf Unsterblichkeit aufgriff und die Chancen von Digitalisierung im Gesundheitswesen nannte.

VhU-Präsident Wolf Matthias Mang. © Foto: Diether v Goddenthow
VhU-Präsident Wolf Matthias Mang. © Foto: Diether v Goddenthow

„Digital gesund heißt: 1. bessere persönliche Vorsorge, 2. bessere ärztliche Vorsorge und 3. mehr geteiltes Wissen über Krankheiten.“  Immer mehr Menschen würden durch besseres Monitoring und eine  bessere Diagnostik digital gesünder“, so Mang. Digitale Gesundheitspolitik hieße auch, „dass für die bestmögliche Behandlung alle relevanten Informationen vorliegen müssen“, womit der VhU-Präsident auf den Nutzen einer funktionierenden elektronischen Gesundheitskarte wie es sie in den skandinavischen Ländern bereits gäbe, plädierte. Außerdem müsse digitale Gesundheitspolitik generationengerecht, transparent und demokratisch legitimiert sein. Es gäbe natürlich eine große Bandbreite der Angebote zwischen dem gesundheitlich Notwendigen und der wünschenswerten Selbstvervollkommnung, so Mang.

Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier unterstrich, dass Hessen mit seinem starken Mittelstand, einer exportkräftigen Industrie und seiner Innovationskraft zu den Top-Wirtschaftsstandorten Europas zähle. „Wie leistungsfähig Hessens Wirtschaft ist, belegen die Fakten: eine historisch niedrige Arbeitslosenzahl und das höchste Bruttoinlandprodukt gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen“, so Bouffier. Motor seien innovative und wettbewerbsstarke Unternehmen, die mit herausragenden Leistungen dafür sorgten, dass Hessen in der ersten Liga spiele. „Wir haben viele Champions und es ist gut, einige von ihnen heute ins Rampenlicht zu stellen“, so der Ministerpräsident.

Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v Goddenthow
Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v Goddenthow

Schirmherr der Hessen Champion, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hob hervor, dass Hessen auch in Zeiten weltweiter Handelskonflikte und wirtschaftlicher Spannungen ein stabiler Standort mit innovativen Unternehmen sei. Laut Glückstalas der Post habe die Zufriedenheit in Deutschland einen Höchststand erreicht und Hessen belege darin erstmals Platz zwei. Die Lebenszufriedenheit sei im Vergleich zu 2018 nochmals um 0,04 Punkte auf aktuell 7,31 Punkte angestiegen, so der Wirtschaftsminister. Beigetragen dazu habe vor allem die gute Beschäftigungslage. Und so unterschiedlich die Branchen der einzelnen Wettbewerbs-Teilnehmer seien, so vielfältig seien auch ihre Lösungen. „Auch im 20. Jahr unseres Innovations- und Wachstumspreises zeigt sich die wirtschaftliche Stärke Hessens in ihrer gesamten Breite“, so Al-Wazir.

Den Weg in die digitale Medizin-Zukunft bahnen

Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Vorstandsmitglied der B.Braun Fam-Holding. © Foto: Diether v Goddenthow
Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Vorstandsmitglied der B.Braun Fam-Holding. © Foto: Diether v Goddenthow

Gastredner Professor Dr. Heinz Walter Große, Vorstandsmitglied der B. Braun Familienholding, gab in seinem brillanten  Festvortrag einen fiktiven, pointierten Rückblick aus dem Jahr 2039 auf das bis dahin etablierte digitale Gesundheitswesen und entfachte  einmal mehr die Diskussion darüber, ob wirklich segensreich wäre, alles was in der Medizin digital machbar ist, auch umzusetzen, etwa dass Chirurgen ihre Patienten gar nicht mehr berühren müssen, sondern aus dem Nebenraum des OPs mit Joystick OP-Roboter bedienen und von intelligenten Systemen die wahrscheinlich beste „Schnittstelle“ vorschlagen erhalten. Oder wenn Pflege-Roboter Tabletten und das Frühstück ans Bett bringen. Wie sähe also eine menschenwürdige Medizin der Zukunft aus, die derzeit, wie VhU-Präsident Mang eingangs sagte, mit der Digitalisierung die größte Revolution seit der Erfindung des Penicillins erlebe, mit großem Potential zur präventionsorientierten, personalisierten Medizin.

© Foto aus Prof. Dr. Heinz-Walter Großes  Festvortrag.
© Foto aus Prof. Dr. Heinz-Walter Großes Festvortrag.

Die vier Gewinner in den drei Kategorien:

Aus insgesamt 49 Bewerbern wurden die vier Gewinner Ende September 2019 in den Kategorien Innovation, Jobmotor und Weltmarktführer ermittelt. Die Fachjury überzeugte in diesem Jahr besonders: 1. ein innovatives Ladesystem für Elektro-Fahrzeuge der Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg sowie smarte Einband-Etiketten für klinische Studien der Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen. 2. das erst vier Jahre alte Start-up Bettzeit GmbH als Jobmotor mit bereits 300 Mitarbeitern für ihren Matratzen-Internetversand, sowie 3. der Weltmarktführer Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar mit der genauesten Messmaschine der Welt und Weltmarktanteil von 90 Prozent. Sie sind die Gewinner der 17. „Hessen-Champions 2019“ und zeigen zugleich stellvertretend für andere Unternehmen die enorme Bandbreite der hessischen Wirtschaft. Sie belegen, wie Unternehmen die Herausforderungen des Strukturwandels auf ganz unterschiedliche Art und Weise bewältigen. Dies unterstrichen das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW), die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen (MBG H) in Wiesbaden. Die Gewinner wurden von einer hochkarätigen Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien ermittelt. Für die Koordination des Wettbewerbs war die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) verantwortlich.

Kategorie Weltmarktführer:
Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar

Hessen Champion Kategorie Weltmarktführer : Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar.  © Foto: Diether v Goddenthow
Hessen Champion Kategorie Weltmarktführer : Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar. © Foto: Diether v Goddenthow

Diese Messmaschine ist weltweit einmalig: Mit der „Leitz Infinity“ kann Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar sämtliche Konkurrenz auf Abstand halten. Das 3D-Koordinaten-Messgerät wird in der Präzisions-, Automobil-, Luftfahrt- und Maschinenbauindustrie weltweit mit einem Marktanteil von 90 Prozent eingesetzt. Bereits 1920 wurden durch das Familienunternehmen Leitz in Mittelhessen Messmaschinen produziert, heute steht Hexagon in dieser langen Tradition und fertigt in einem der größten und genauesten Klimaräume Deutschlands. Eingebunden ist diese Hochleistungs-Messtechnik-Fabrik in eine Firmengruppe des strategischen Investors Hexagon, die mit weiteren Software-Unternehmen und Qualitätsmanagement-Systemen Betriebe rund um die digitale Transformation der Produktion unterstützt. Am Standort in Wetzlar sind 460 Mitarbeiter beschäftigt.

Kategorie Innovation:
Bender GmbH & Co. KG, Grünberg

Die beiden  Hessen Champions der Kategorie "Innovation" : Bender GmbH & Co. KG, Grünberg, und Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen.  © Foto: Diether v Goddenthow
Die beiden Hessen Champions der Kategorie „Innovation“ : Bender GmbH & Co. KG, Grünberg, und Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg im Landkreis Gießen hat sich bei den „Hessen-Champions“ mit einem innovativen Ladesystem für Elektrofahrzeuge beworben: Dabei handelt es sich um eine ganze Gerätefamilie, deren einzelne Geräte – von der Ladesteckdose bis zum Elektrofahrzeug – kompakt, sicher, fernwartungsfähig und energiesparend sind. Dadurch können E-Autos an praktisch jeder Steckdose gefahrlos geladen werden. Anstatt also aufwendig eigene Ladesäulen aufstellen zu müssen, wird die Technologie in die bereits bestehende Infrastruktur integriert. Eine innovative Idee mit enormen Vorteilen für Verbraucher und ein Wegbereiter für den Wandel zur Mobilität der Zukunft. Als weltweit agierendes mittelständisches Familienunternehmen beschäftigt Bender mehr als 800 Mitarbeiter in über 70 Vertretungen und 15 eigenen Gesellschaften.

Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen

Den digitalen Wandel hat sich die Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen zunutze gemacht. Wiederverschließbare und smarte Einband-Etiketten für fast alle Gebinde in der Pharmaindustrie: Das Faubel-MED Label ermöglicht eine Rückverfolgbarkeit in Echtzeit, automatische Chargendokumentation sowie vereinfachte und verkürzte Aktualisierungen des Verfallsdatums, weil Update-Informationen direkt angezeigt werden können. Die innovative Entwicklung revolutioniert insbesondere den Markt für klinische Studien. Die Faubel-Gruppe ist ein global agierendes Unternehmen der Druck, Papier und Folien verarbeitenden Industrie, mit Standorten in Europa, den USA und Asien. Über 260 Mitarbeiter gehören der Unternehmensgruppe an, die 2018 einen Umsatz von 35 Mio. Euro erwirtschaftete, davon 60 Prozent im Export.

Kategorie Jobmotor:
Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main

Hessen Champion Kategorie "Jogmotor". Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main. © Foto: Diether v Goddenthow
Hessen Champion Kategorie „Jogmotor“. Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main. © Foto: Diether v Goddenthow

Erst 2015 gegründet und inzwischen schon knapp 260 Mitarbeiter aus mehr als 40 Nationen: Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH) aus Frankfurt am Main setzt auf Matratzen- und Schlafsysteme, die über das Internet vertrieben werden. Die im Vergleich zu anderen Waren eher sperrigen Produkte werden dank ausgeklügelter Technik für den Paket-Versand optimiert: So kann Emma den digitalen Wandel in seiner Branche bestens bewältigen. Gleichzeitig ist das junge Unternehmen ein außergewöhnlicher Jobmotor: Die Mitarbeiterzahl wächst um 10 bis 20 Personen – pro Monat. Jeder Freitag ist „Recruiting Friday“, an dem die Verantwortlichen rund 80 Interviews mit Bewerbern führen. Die Suche nach Talenten und Mitarbeitern, die das Unternehmen weiter voranbringen, ist ein elementarer Bestandteil des Firmenkonzepts.

„Vom innovativen Ladesystem für Elektro-Fahrzeuge über den Matratzen-Internetversand mit vorbildlicher Personalpolitik bis hin zur genauesten Messmaschine der Welt – die Gewinnerinnen und Gewinner der ‚Hessen-Champions 2019‘ belegen eindrucksvoll die enorme Bandbreite der hessischen Wirtschaft. Die Innovations- und Schaffenskraft unserer Unternehmerinnen und Unternehmer zeigt sich besonders im Umgang mit neuen Herausforderungen. So bietet uns die Digitalisierung große Chancen. Tagtäglich arbeiten in unserem Land Menschen daran, dass diese auch genutzt werden. Hessen ist ein wirtschaftsstarkes Land und soll es auch weiterhin bleiben. Dazu brauchen wir auch weiterhin innovative Ideen kluger Köpfe made in Hessen“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Veranstaltungs-Impression aus dem Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Er gilt als einer  der schönsten Konzertsäle und Eventräume Deutschlands. © Foto: Diether v Goddenthow
Veranstaltungs-Impression aus dem Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Er gilt als einer der schönsten Konzertsäle und Eventräume Deutschlands. © Foto: Diether v Goddenthow

„Unsere vier diesjährigen ‚Hessen-Champions‘ begreifen Veränderungen als Chancen und bewältigen damit Herausforderungen, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind. So können sie ihre Position im Wettbewerb ausbauen“, sagte Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir.

„Hessen ist ein Land unternehmerischer Champions, die das Leben der Menschen besser machen. Sie investieren klug in menschlichen Nutzen, schaffen Arbeitsplätze und wachsen schneller mit modernen Arbeitsformen und selbst organisierten Teams“, zeigte sich VhU-Präsident Wolf Matthias Mang beeindruckt von den diesjährigen Siegern „Unsere Hessen-Champions 2019 sorgen dafür, dass Menschen besser schlafen können und fördern Gesundheit durch digitale Etikett-Aktualisierungen auf Arzneimitteln. Sie verhelfen Produkten durch bessere Messungen zu mehr Qualität oder ermöglichen sicherere und erschwinglichere Elektromobile.“

Jürgen Zabel, Geschäftsführer der MBG H, hebt hervor, dass die mittelständischen Unternehmen in Hessen durch ihre Innovationen und ihre Kreativität ganz entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg Hessens beitragen. „Der Wettbewerb Hessen-Champions zeigt einmal mehr, wie hessische Unternehmen durch ihre herausragende Innovationskraft sowie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit die Beschäftigung sichern und immer wieder neue Arbeitsplätze in Hessen schaffen.“

„Innovationen sind in Zeiten des immer schnelleren Strukturwandels von entscheidender Bedeutung. Nur durch immer neue Anpassungen an diese Herausforderungen können Firmen ihren Wachstumskurs beibehalten. Darin unterstützen wir die hessischen Unternehmen und stehen ihnen mit viel Know-how und Expertise zur Seite – nicht zuletzt mit der öffentlichkeitswirksamen Auszeichnung als ‚Hessen-Champions‘“, betonte Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HTAI.

„Grundeinkommen für alle“ – R. David Precht entwirft Modell zur Wohlstandsicherung im digitalen Zeitalter auf dem 3. Hessischen Innovationskongress im Wiesbadener RMCC

3. Innovationskongress am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow
3. Innovationskongress am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow

Einen Besucherrekord von mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnete der 3. Hessische Innovationskongress „Zukunft denkt anders“ im Wiesbadener RheinMain CongressCenter am 30. Oktober 2019 als Forum für Vernetzung und Innovationsförderung mit Hauptredner Richard David Precht, der ein neues Konzept zur eines Realisierung eines Grundeinkommens aufzeigte. In Wiesbaden trafen kleine, mittlere und große Technologie-Unternehmen aus Hessen auf kreative Köpfe aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. In 93 Vorträgen auf 3 Bühnen entwarfen Visionäre, Querdenker, Macher und Mutige Zukunftsszenarien und gaben anregende Innovations-Impluse. 43 Berater boten im Coaching Café ihre mental oder wirtschaftstechnologische Schützenhilfe an. Einen Schwerpunkt bildete die Ausstellung mit 64 überwiegend hessischen, aber auch internationalen Ausstellern, die ihre technologischen Ideen, Produkte und Dienstleistungen zeigten, unter ihnen auch der Stand des Hessischen Gründerpreises. Dieser wird am 1. November 2019 in Wetzlar vergeben.

Impression in der Geming Area und Ausstellung des 3. Innovationskongresses am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow
Impression in der Geming Area und Ausstellung des 3. Innovationskongresses am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow

An 9 Stationen im Creative Parcours konnten Teilnehmer ihre eigene Kreativität und ihr Innovations-Potential entdecken oder wiederentdecken. 8 Technical Innovations Poetry Slammer sorgten zwischendrin für unterhaltende Auflockerung.
„Wir befinden uns mitten in einem Strukturwandel, der durch die Digitalisierung und die Klimaveränderungen vor große Herausforderungen stellt. Er ist aber zugleich eine Chance: Innovationen sind der Schlüssel, denn wir müssen neue und auch unbekannte Wege gehen. Wir tragen die Verantwortung dafür, Ressourcen zu schonen, das Klima zu schützen und trotzdem technologisch und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das Prinzip der Nachhaltigkeit und eine dynamische Innovationskultur sind daher untrennbar miteinander verbunden“, sagte Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Philipp Nimmermann bei der Kongress-Eröffnung und verwies auch auf die Förderangebote, mit denen das Land Hessen innovative Unternehmen unterstützt.

Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo bei der Eröffnungsveranstaltung im Plenum © Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo bei der Eröffnungsveranstaltung im Plenum © Foto: Diether v Goddenthow

Beispielsweise können kleine und mittlere Unternehmen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Kosten erhalten. Voraussetzung ist, dass die Vorhaben auf technologische Innovationen zielen, zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen oder Potenziale der Digitalisierung erschließen. „Damit reduzieren wir das finanzielle Risiko. Es ist wichtig, dass auch kleine und mittlere Unternehmen innovativ bleiben“, erläuterte der Staatssekretär.
„Als Marktplatz der Inspirationen ist der Kongress in Hessen zu einer festen Größe geworden“, sagte Nimmermann. Besonders beeindruckt zeigte sich Wirtschaftsstaatssekretär vom Start-up SprayPatternator aus der TU Darmstadt: Die Spray-Revolutionäre präsentierten eine effiziente und ressourcenschonende Sprühtechnologie, die sowohl in der Industrie wie auch in der Landwirtschaft einsetzbar ist. Der Automobilzulieferer EDAG aus Fulda zeigte, wie die Anwendung von Virtual Reality schon in der Berufsausbildung erfolgreich eingesetzt wird.

„Nicht ohne Grund lautet das diesjährige Motto ‚Zukunft denkt anders‘: Ich wünsche mir, dass der Innovationskongress ein Impulsgeber für neue Ideen ist. Denn wir wollen noch sichtbarer werden als innovationsstarkes Bundesland und Start-up-Region.“

Grundeinkommen vs. digitalisierungsbedingter Massenarmut 

Philosoph Richard David Precht warf aus der Vogelperspektive einen interessanten  Blick auf die derzeitigen umwälzenden  Entwicklungen und begeisterte das Publikum mit zahlreichen neuen Denkansätzen. © Foto: Diether v Goddenthow
Philosoph Richard David Precht warf aus der Vogelperspektive einen interessanten Blick auf die derzeitigen umwälzenden Entwicklungen und begeisterte das Publikum mit zahlreichen neuen Denkansätzen. © Foto: Diether v Goddenthow

Wie Zukunft anders gedacht werden könnte, entwickelte Keynote-Speaker Professor Richard David Precht in seinem spannenden Einführungsvortag „Jäger, Hirten, Kritiker“, in dem er – gestützt auf die Oxford-Studie 2017 – vor dem Hintergrund einschneidender digitaler Arbeitsplatzvernichtung und dem damit zwangsläufigen, wirtschaftssystemgefährdenden Kaufkraftverlust breiter arbeitslos gewordener Bevölkerungsschichten für ein bedingungsloses Grundeinkommen von monatlich 1.500 Euro eintrat. Diese Idee stamme nicht etwa aus der linken Szene oder esotherisch-anthroposophischer Ecke, sondern von konservativen Investoren á la Peter Thiel und Nationalökonomen des Silicon Valley aus der Erkenntnis heraus, dass „die Daten eines Armen“ nichts wert seien! „Was nützt es ihnen, personalisierte Werbung auf Ihr Smartphone zu erhalten, wenn Sie sich die Sache nicht kaufen können?“, so Precht. Er zeigte auf, dass die US-Digitalwirtschaft nicht das geringste Interesse an einer kollektiven Verelendung habe und dies in Europa gleichermaßen gelte.

Laut Oxfordstudie, deren Aktualität ihre Autoren vor fünf Wochen in der Süddeutschen Zeitung noch einmal bestätigten, entfielen in zahlreichen Berufsgruppen nicht nur bis zu 50 Prozent der Jobs. Vielmehr könnten die Leute, die ihre Arbeit verlören, nicht ohne weiteres dort arbeiten, wo neue Jobs entstünden, etwa im IT-Bereich: Denn, so Precht, werde IT immer anspruchsvoller, so dass einfache Umschulungen oder Weiterbildungen kaum hinreichten, wie sie einst die arbeitslos gewordenen Schriftsetzer und Drucker absolvieren konnten. „Sie kriegen die Leute nicht auf das Niveau gehoben, in der rasanten Entwicklung, die die IT-Entwicklung nimmt“, so Precht. Neben der IT-Branche sieht er allenfalls noch Job_Potentiale in den Bereichen der „Empathie-Berufe“ (Jobs, mit unverzichtbarer zwischenmenschlicher Komponente), im quartären Sektor (gehobene, komplexe Dienstleistungsberufe, etwa Projektmanagement, Event-Organisation) sowie im Handwerk. Die Roboter seien sehr, sehr schlecht mit den Händen, „und werden auch noch sehr lange sehr schlecht mit den Händen sein“. Vor allem kriege kein Roboter die im Handwerk geforderte Mischung aus kompliziertem Hand-Einsatz und sozialem Schach hin.
Diese vier Bereiche, in denen Jobs entstünden, reichten aber bei weitem nicht aus, den digitalisierungsbedingten massenhaften Wegfall von Tätigkeiten zu kompensieren.

Sinn sei wichtiger im Leben als Glück. Philosoph Richard David Precht. © Foto: Diether v Goddenthow
Sinn sei wichtiger im Leben als Glück. Philosoph Richard David Precht. © Foto: Diether v Goddenthow

Massenarmut könne nur mit einem bedingungslosen Grundeinkommen verhindert werden. Wenn jeder diese 1500 Euro monatlich erhielte, bedeutete dies zugleich auch eine Ent-Stigmatisierung heutiger Hartz-IV-Empfänger. Prechts Modell sieht vor, dass die ersten dazuverdienten 1000 Euro monatlich steuerfrei seien, weil das Grundeinkommen als Null gerechnet würde. Man könne so mit einem Halbtags-Job 2.500 netto erwirtschaften. Das Interessante daran sei, dass Branchen mit derzeitigem Fachkräftemangel, etwa in der Pflege oder beim Großbäcker, wieder Fachkräfte bekämen. Denn es wären viel mehr Leute bereit, in der Pflege zu arbeiten oder andere, auch schwerere Jobs zu machen, wenn sie dies nur an 3 Tagen in der Woche täten.

Aus welchen Quellen ein Grundeinkommen zu finanzieren wäre, hat auch der Philosoph Precht noch nicht gelöst, jedoch könnte man etwa an eine Finanztransaktionssteuer denken. Würde man von den jährlich von deutschen Banken und Börsen im Volumen von 250 Billionen Euro 0,3 Prozent Finanztransaktionssteuer abzweigen können, wäre das bedingungslose Grundeinkommen finanziert. Nur das Blöde sei, dass damit der „Hochfrequenzhandel „ in Europa wegbräche, was einen beträchtlichen Teil der Finanztransaktionen ausmache.Man könne vielleicht zunächst mit 0,1 Prozent Finanztransaktionssteuer starten. Das Wichtigste sei jedoch,  überhaupt jetzt damit anzufangen, sich zu überlegen, wie ein Grundeinkommen finanzierbar wäre. „Wir müssen diese Dinge jetzt vorbereiten, um auf die Umbruchssituation vorbereitet zu sein, so Precht.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)