Kategorie-Archiv: Deutsche Akademie für Sprache

Johann-Heinrich-Merk-Preis für literarische Kritik und Essay 2024 geht an Marie Luise Knott

Marie Luise Knott  © Jonny Soares
Marie Luise Knott © Jonny Soares

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet die Essayistin und Kritikerin Marie Luise Knott mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2024 aus. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird zusammen mit dem Georg-Büchner-Preis am 2. November 2024 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2024 erhält Marie Luise Knott, die in ihrem weit gespannten Werk als Essayistin, Kritikerin, Editorin, Übersetzerin und Kuratorin die Kunst der minutiösen Lektüre zur Freilegung der politischen und sozialen Energien sowie der Migrationserfahrungen nutzt, die in die Literatur wie in die theoretische Reflexion eingehen. Im Blick auf die späten Jahre der Weimarer Republik deutet sie die ästhetischen Formen als Resonanzräume intellektueller und politischer Radikalisierung. Als Herausgeberin und Interpretin von Schriften und Briefen Hannah Arendts erschließt sie deren Denkwege und Interventionen im Blick sowohl auf den europäischen Antisemitismus und die Erfahrung des Holocaust wie die Debatten über die Sklaverei und den Rassismus in den Vereinigten Staaten. Ihre zugleich anschauliche und präzise Prosa ist von ihrer Arbeit als Lektorin, Redakteurin, Übersetzerin und Übersetzungstheoretikerin geprägt. Als Literaturkritikerin agiert sie im Raum der Weltliteratur, nicht der Nationalliteratur. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt der internationalen wie der deutschsprachigen Gegenwartslyrik, mit ihrer digitalen Kolumne Tagtigall trägt sie den veränderten medialen Voraussetzungen der Kritik Rechnung. Ihr Werk steht für die Einheit von ästhetisch avancierter und politisch wacher Kritik.«

Marie Luise Knott, geboren 1953 in Köln, arbeitete nach dem Studium zunächst als Lektorin in den Verlagen Otto Maier und Rotbuch. leitete sie die von ihr gegründete deutschsprachige Ausgabe der französischen Monatszeitung »Le Monde diplomatique«. Seither ist sie als freie Essayistin, Kritikerin, Herausgeberin, Kuratorin und Übersetzerin tätig.

Zu ihren Buchveröffentlichungen gehören dieEssay-Bände »Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt« (2011), nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse sowie für den Tractatus Preis; »Dazwischenzeiten – 1930. Wege in der Erschöpfung der Moderne« (2017); »370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive. Hannah Arendt und Ralph Ellison«(2022), für den sie mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet wurde.

Marie Luise Knott ist seit 2009 im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds. Auf perlentaucher.de hat sie die monatliche Kolumne »Tagtigall« zur zeitgenössischen Lyrik. Als Kritikerin schreibt sie für Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk.

(Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung)

Marie Luise Knott

Georg-Büchner-Preis 2024 geht an Oswald Egger

Darmstadt. Oswald Egger erhält den Georg-Büchner-Preis 2024. Die Entscheidung der Jury hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung heute bekannt gegeben. Mit dem Georg-Büchner-Preis würdigt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung jedes Jahr herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Benannt nach dem Dramatiker Georg Büchner, zählt er zu den renommiertesten Literaturpreisen in Deutschland. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird zu einem Drittel vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur finanziert.

Lyrische Prosa als starkes Gegengewicht zur Verknappung und Schnelllebigkeit unserer Gegenwart
„Ich gratuliere Oswald Egger herzlich zum Georg-Büchner-Preis 2024“, so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. „Mit Oswald Egger zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen wahren Sprachakrobaten aus, der seine lyrische Prosa mit eigenen Zeichnungen ergänzt und der sogar den Prozess der Setzung der eigenen Texte eng begleitet. Nicht selten spricht man deswegen von einem `ganzheitlichen Kosmos Eggers´. Wer Egger liest, muss ihn genau lesen, muss das Buch vielleicht auch mal kurz zuklappen und den eigenen Gedanken nachhängen, bevor man sich dem Fluss der Eggerschen Sprache erneut hingibt. Ein Muss für jeden Literaturfan ist es zudem, eine Lesung Oswald Eggers zu besuchen, da seine Sprache im gesprochenen Wort nochmals einen ganz eigenen Sog entfaltet. Oswald Egger ist ein wahrer Ausnahmeschriftsteller und würdiger Büchner-Preisträger.“

Oswald Egger wurde 1963 in Lana/Südtirol geboren. Seine Prosa und Gedichte sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2019. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. 2014 erhielt er das Villa-Massimo- Stipendium, 2020 das Robert-Musil-Stipendium. 2013 übernahm er die Thomas-Kling-Poetik-Dozentur an der Universität Bonn, 2003 eine Gastprofessur an der Cornell University, Ithaca, New York. Oswald Eggers Texte wurden ins Französische, ins Amerikanische, Ungarische, Niederländische, Slowenische, Schwedische und Arabische übersetzt. Oswald Egger lebt und arbeitet auf der Raketenstation Hombroich.

Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2019 an Lukas Bärfuss

Archivbild: Der Autor Lukas Bärfuss (links) im Gespräch mit Moderator Ernst Osterkamp von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auf dem Literaturstand Hessen während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. © Foto: Diether v Goddenthow
Archivbild: Der Autor Lukas Bärfuss (links) im Gespräch mit Moderator
Ernst Osterkamp von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auf dem Literaturstand Hessen während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. © Foto: Diether v Goddenthow

Mit dem Georg-Büchner-Preis ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt. In diesem Jahr geht der Preis an den Züricher Autoren Lukas Bärfuss.

Lukas Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 im schweizerischen Thun geboren. Sein erster Roman „Hundert Tage“ über den Völkermord in Ruanda erschien 2008 – und stieß wie „Koala“ aus dem Jahr 2014 auf begeistertes Echo. 2017 erschien sein jüngster Roman „Hagard“, in der er die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes erzählt, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst. Auch mit pointierten Essays und Debattenbeiträgen zum politischen Geschehen machte sich Bärfuss einen Namen.

Die Jury des Georg-Büchner-Preises nennt Bärfuss einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In der Begründung heißt es: „In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.“

Am selben Abend vergibt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung noch zwei weitere Preise: Der Johann-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay geht 2019 an die österreichische Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl. Der österreichische Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

In ihrem Grußwort hob Staatssekretärin Ayse Asar hervor: „Die Verleihung der Preise der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist ein Höhepunkt im literarischen Veranstaltungskalender und zeigt uns, zu welchen Höhen sich Sprache aufschwingen kann. Ich gratuliere der heutigen Preisträgerin und den Preisträgern herzlich zu ihrem Erfolg. Auch der Hessischen Landesregierung liegt die Förderung des Literatur- und Leselands Hessen am Herzen. Autoren- und Nachwuchsförderung bilden einen Schwerpunkt, wir unterstützen aber auch literarische Institutionen, Veranstaltungen, Lesungen und Festivals.“

Rainald Goetz erhält am 31. Okt. den Büchner-Preis 2015

© Suhrkamp-Verlag
© Suhrkamp-Verlag

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2015 an den Schriftsteller Rainald Goetz. Der Preis wird am 31. Oktober 2015 in Darmstadt verliehen.

 

 

 

Begründung der Jury:

»Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet einen Autor aus, der sich mit einzigartiger Intensität zum Chronisten der Gegenwart und ihrer Kultur gemacht hat, als teilnehmender, denkender und moralisch urteilender Beobachter, der immer wieder neue Formen und Medien erprobt hat: Erzählung, Roman, Drama, Blog und Text-Bild-Collage. Rainald Goetz hat die deutsche Gegenwart der letzten dreißig Jahre beschrieben, zur Anschauung und zu Wort kommen lassen, er hat sie gefeiert und verdammt und immer wieder auch mit den Mitteln der Theorie analysiert. Hinter seiner nervösen, gespannten Erfahrungsbereitschaft stehen eine weite Bildung und ein empfindliches historisches Bewusstsein, die seiner Sprache eine Balance von leidenschaftlicher Expressivität, beobachtender Kühle und satirischer Deutlichkeit ermöglichen.«

Rainald Goetz, geboren am 24. Mai 1954 in München, studierte Geschichte und Medizin in München. Beide Fächer schließt er mit einer Promotion ab. Er arbeitet zunächst kurz als Arzt, gibt den Beruf aber mit Anfang 30 zugunsten der Literatur auf. Sein erster Roman „Irre“, eine Erzählung aus der Psychiatrie, erscheint 1983. In der Folge reüssiert Goetz auch als Dramatiker. In den 1990er Jahren verfasst er eine Reihe vieldiskutierter Texte über Techno und DJ Culture. 1998 schreibt Goetz das Internettagebuch „Abfall für alle“, das wohl erste literarische Blog in Deutschland mit Eintragungen zur Medien- und Konsumwelt. Es erscheint 1999 in Buchform und zählt mit den vier Publikationen „Rave“, „Jeff Koons“, „Celebration“ und „Dekonspiratione“ zu „Heute Morgen“, Goetz’ großer Geschichte der Gegenwart. Von 2007 bis 2008 schreibt er das Blog „Klage“ auf der Internetseite der Zeitschrift „Vanity Fair“, das noch 2008 als Buch erscheint. Es eröffnet das Projekt „Schlucht“, eine Analyse der Nullerjahre. Dazu gehören auch die dann folgenden Werke: „loslabern“, sein Fotoband „elfter september 2010“ und schließlich sein jüngster Roman „Johann Holtrop“, der von Aufstieg und Fall eines Managers erzählt.
Rainald Goetz wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Marieluise-Fleißer-Preis 2013, dem Schiller-Gedächtnis-Preis 2013, dem Berliner Literaturpreis 2012 und dem Wilhelm-Raabe-Preis 2000.

Werke
Veröffentlichungen (Auswahl):
Johann Holtrop, Roman. Suhrkamp 2012
elfter september 2010 – Bilder eines Jahrzehnts. Bildband. Suhrkamp 2010
loslabern. Bericht. Herbst 2008. Suhrkamp 2009
Klage. Suhrkamp 2008
Jahrzehnt der schönen Frauen. Merve 2001
Dekonspiratione. Erzählung. Suhrkamp 2000
Abfall für alle. Roman eines Jahres. Suhrkamp 1999
Celebration. Text-Bild-Collage. Suhrkamp 1999
Rave. Erzählung. Suhrkamp 1998
Mix, Cuts & Scratches. Merve 1997
Festung. 5 Bde. Suhrkamp 1993
Kontrolliert. Roman. Suhrkamp 1988
Krieg. Stücke. Suhrkamp 1988
Hirn. Schrift. Suhrkamp 1986
Irre. Roman. Suhrkamp 1983

Theaterstücke (Auswahl)
Jeff Koons (1999; UA Hamburg)
Krieg. Hamburger Fassung (1998; UA, Hamburg)
Kritik in Festung. Institut für Sozialforschung (1993; UA, Hamburg)
Festung. Frankfurter Fassung, Katarakt (1992; UA, Frankfurt)
Schlachten, Kolik (1988; UA, Bonn)
Krieg I (1987; UA, Bonn)

Zu den Veröffentlichungen siehe auch:
www.suhrkamp.de/autoren/rainald_goetz_1522.html

Auszeichnungen
Marieluise-Fleißer-Preis 2013
Schiller-Gedächtnis-Preis 2013
Berliner Literaturpreis 2012
Wilhelm-Raabe-Preis 2000
Else-Lasker-Schüler-Preis 1999
Frankfurter Poetikvorlesungen 1998
Preis der Peter-Suhrkamp-Stiftung 1995
Heinrich-Böll-Preis 1991
Fördergabe des Schillerpreises 1989
Mülheimer Dramatikerpreis 1988, 1993 und 2000
Förderpreis der Stadt München für Literatur 1984
Kranichsteiner Literaturpreis 1983
Suhrkamp Autorenstipendium 1983

 

Der Georg-Büchner-Preis
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Bisherige Preisträger siehe:
www.deutscheakademie.de/de/auszeichnungen/georg-buechner-preis