Kategorie-Archiv: Baukultur

Frankfurts Altstadt-Juwel „Haus zur Goldenden Waage“ wurde mit Öffnung der Museumsetagen vollendet und zum „Gebäude des Jahres 2018“ ausgezeichnet

Ab 14. Dezember können Besucher im Rahmen einer Führung vom Historischen Museum aus sich jetzt die gehobene Frankfurter Wohnkultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts anschauen. Hier Blick vom Musik- ins Pelikan-Zimmer der zweiten Museumsetage über dem Kaffeehaus Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow
Ab 14. Dezember können Besucher im Rahmen einer Führung vom Historischen Museum aus sich jetzt die gehobene Frankfurter Wohnkultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts anschauen. Hier: Blick vom Musik- ins Pelikan-Zimmer der zweiten Museumsetage über dem Kaffeehaus Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow

„Es ist ein besonderer Moment für uns“. Mit der Rekonstruktion des Hauses zur Goldenen Waage im Rahmen der „neuen“ Altstadt habe Frankfurt eines der schönsten Fachwerkgebäude aus der Renaissance wiedergewonnen, sozusagen als Schlussstein der neuen Altstadt, so Museumsdirektor Jan Gerchow beim Presserundgang im Vorfeld der offiziellen Einweihung am 12. Dezember 2019. Dabei wurde die „Goldene Waage“  in Beisein von Oberbürgermeister Peter Feldmann  von „StadtBild Deutschland e.V.“ zum Gebäude des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Das Haus zur Goldenen Waage wurde von den Vorstandsmitgliedern des Denkmalschutzverbandes "Stadtbild Deutschland e.V." zum "Gebäude des Jahres 2018" ausgezeichnet. v. li.: Bastian Weikum, Dorothee Mang, Vorstandsmitlieder Stadtbild Deutschland e.V. überreichen Oberbürgermeister Peter Feldmann die Ehrentafel.Im Hintergrund das Kaffeehaus Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow
Das Haus zur Goldenen Waage wurde von den Vorstandsmitgliedern des Denkmalschutzverbandes „Stadtbild Deutschland e.V.“ zum „Gebäude des Jahres 2018″ ausgezeichnet. v. li.: Bastian Weikum, Dorothee Mang, Vorstandsmitlieder Stadtbild Deutschland e.V. überreichen Oberbürgermeister Peter Feldmann die Ehrentafel.Im Hintergrund das Kaffeehaus Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Frankfurt der Nachkriegszeit war die Goldene Waage wie auch die im März 1944 niedergebombte Altstadt gänzlich aus dem Stadtbild verschwunden, später weitestgehend mit der städtebaulich verschandelnden Anlage des im Baustil des „Brutalismus“ errichteten technischen Rathauses überbaut,  bis es auf Druck der Bürgerinitiative Pro Altstadt e. V., dem Engagement des Historischen Museums und aufgrund der Initiative des Architekten Jochem Jourdan zur detailgetreuen Rekonstruktion im Zuge des Dom-Römer-Projektes von 2007 bis 2018 kam.

Der Blick auf  das Renaissance-Gebäude die Goldene Waage vom Marktstrasse her, wenn man aus der U-Bahnstation Dom-Römer kommt. © Foto: Diether v Goddenthow
Der Blick auf das Renaissance-Gebäude die Goldene Waage vom Marktstrasse her, wenn man aus der U-Bahnstation Dom-Römer kommt. © Foto: Diether v Goddenthow

Während im Erdgeschoss seit Frühjahr 2019 das „Kaffeehaus Goldene Waage“ einzog, hat das Historische Museum die beiden Obergeschosse des Vorderhauses mit Möbeln, Gemälden und Alltagsgegenständen des 17. und 18. Jahrhunderts so eingerichtet, wie sie die wohlhabende Händlerfamilie van Hamel bewohnt haben könnte, die 1618 das Haus erbauen ließ. Ab dem 14. Dezember 2019 können nun nach Fertigstellung diese Stilräume im Rahmen von Führungen durch das Historische Museum besichtigt werden, wobei der Treffpunkt stets im Foyer des Historischen Museum ist.

Die Museums-Etagen plus Belvederchen
In der ersten Etage über dem „Kaffeehaus Goldene Waage“ mit Wendeltreppenzugang im Flurbereich des Cafès befinden sich die beiden größten Räume: „Große Stube“ und  „Hintere Stube“.

Große Stube

Die „Große Stube“ , der repräsentativste Raum mit einer - hier nicht zu sehenden - wunderbaren rekonstruierten Originalstuckdecke gehört zu den Highlights.  Museumsdirektor Jan Gerchow erläuftert die Bedeutung dieses Raumes, indem gewohnt und auch Geschäfte abgeschlossen wurden. © Foto: Diether v Goddenthow
Die „Große Stube“ , der repräsentativste Raum mit einer – hier nicht zu sehenden – wunderbaren rekonstruierten Originalstuckdecke gehört zu den Highlights. Museumsdirektor Jan Gerchow erläuftert die Bedeutung dieses Raumes, indem gewohnt und auch Geschäfte abgeschlossen wurden. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Große Stube, so Maren Christine Härtel, Kuratorin und Leiterin der Restaurierungswerkstätten des Historischen Museums, diente neben Wohnzwecken vor allem der Repräsentation der Hausherren, was sich an der teuren Ausstattung, etwa den Seidentapeten oder der aufwendig gestalteten Stuckdecke mit der Darstellung von exotischen Früchten, Vögeln, Musikinstrumenten und Putten zeige. Zwei Stuck-Szenen aus dem Alten Testament, die Opferung Isaaks durch Abraham und der Besuch der Engel im Hein Mamre, verwiesen auf den Vornamen des Erbauers. Besucher können hier auch wertvolle Möbel, etwa einen doppelgeschossigen Fassadenschrank um 1620 und andere Schmuck- wie Alltagsgegenstände betrachten.

Hintere Stube

Die „Hintere Stube“ war um 1620 die  Schlafstätte der Töchter des Hauses. © Foto: Diether v Goddenthow
Die „Hintere Stube“ war um 1620 die Schlafstätte der Töchter des Hauses. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Hintere Stube war um 1620 die Schlafstätte der Töchter des Hauses. In späterer Zeit, als man größeren Wert auf eine Privatsphäre legte, teilte man den Raum in zwei Zimmer, so der Museumsdirektor. Das Zimmer wurde als ein reines Schlafzimmer mit wertvollen Möbeln für gehobenes Wohnen des 17. Jahrhunderts nachempfunden, darunter ein Ehebett mit geschnitzten Bibelszenen am Fußteil und einem zweitürige, Schrank mit ebenfalls reicher Schnitzarbeit im Knorpelstil, einem Vorläufer, woraus sich später der Frankfurter Schrank entwickelte, so der Museumsdirektor.

Zweite Etage mit Pelikan-, Musik-, Spiele- und Wirtschafts-Zimmern

In der zweiten Museums-Etage befinden vier Räume. Hier die Presse-Führung mit Jan Gerchow im Pelikanzimmer. © Foto: Diether v Goddenthow
In der zweiten Museums-Etage befinden vier Räume. Hier die Presse-Führung mit Jan Gerchow im Pelikanzimmer. © Foto: Diether v Goddenthow

Pelikanzimmer

Der hier an der Decke in Stuck dargestellte Pelikan, der sich die Brust aufreißt, um seine Jungen zu füttern, symbolisiert den Opfertod Jesu Christi.  © Foto: Diether v Goddenthow
Der hier an der Decke in Stuck dargestellte Pelikan, der sich die Brust aufreißt, um seine Jungen zu füttern, symbolisiert den Opfertod Jesu Christi. © Foto: Diether v Goddenthow

Pelikanzimmer ist mit seiner Ecklage und beiden Fensterreihen zum Markt und Höllgasse der hellste Raum. Es diente  als Schreibstube, quasi als Büro. Es ist unter anderem  ausgestattet  mit einem Kabinettschrank aus dem Besitz Friedrich Ludwig von Gans (Flandern, 1. Drittel 17. Jh.), einer Münzwaage, einer Eisernen Truhe (Geldtruhe). Truhentisch usw. Der Name des Zimmers leitet sich ab von einem im Deckenstuckwerk verewigten christlich-symbolträchtigen Pelikan, dem Wappentier der Nachfolgerfamilie Barckhaus.

Musikzimmer

Im Musikzimmer wird neben wertvollen Möbeln auf Virginal, ein platzsparendes Cembalo, gezeigt, die im 17 Jahrhundert in großbürgerlichen Haushalten beliebt waren. © Foto: Diether v Goddenthow
Im Musikzimmer wird neben wertvollen Möbeln auf Virginal, ein platzsparendes Cembalo, gezeigt, die im 17 Jahrhundert in großbürgerlichen Haushalten beliebt waren. © Foto: Diether v Goddenthow

Ein offener Durchgang führt nebenan ins Musikzimmer, welches ursprünglich wohl als Schlafzimmer und zu geschäftlichen Zwecken diente, und erst im 18. Jahrhundert Musikzimmer wurde, als das häusliche Musizieren einen festen Platz im weiblichen Bildungskanon des Bürgertums einnahm, so Jerchow.

Spielekammer

Das Spielezimmer mit Ausbilck direkt auf den Dom.© Foto: Diether v Goddenthow
Das Spielezimmer mit Ausbilck direkt auf den Dom.© Foto: Diether v Goddenthow

Gegenüber befindet sich die Spielekammer, ausgestattet unter anderem mit dem Brettspiel Tricktrack auf einem „wandelbaren“ barocken Spieltisch, der auch zum Schreiben benutzt werden konnte. Außerdem: Zwei barocke Armlehnstühle sowie niederländische Früchte-Stillleben, die besonders beliebt waren, da sie zugleich auch Waren zeigten, mit dem gehandelt wurde. Spiele sorgten neben Musizieren für Zeitvertreib innerhalb der Familie und mit Gästen.

Wirtschaftsraum

Original Delfter Kacheln um 1618. © Foto: Diether v Goddenthow
Original Delfter Kacheln um 1618. © Foto: Diether v Goddenthow

Der seitlich benachbarte Raum ist der sogenannte Wirtschaftsraum, der im frühen 17. Jahrhundert wohl als Schlafräume für die Söhne der Familie diente. Denn die eigentlichen Wirtschaftsräume sowie die Küche befanden sich im Hinterhaus der Goldenen Waage, so Jerchow. Aber um den Eindruck von der Ausstattung eines bürgerlichen gehobenen Haushaltes im frühen 17. Jahrhundert zu geben, habe man die ehemalige Schlafkammer für die Präsentation des typischen Geschirrs genutzt, welches überwiegend aus Zinn oder Steinzeug bestand.

Belvederchen – Erholung im Dachgarten

Das Belvederchen, die Dachterrasse des Barocks, diente der Erholung.  © Foto: Diether v Goddenthow
Das Belvederchen, die Dachterrasse des Barocks, diente der Erholung. © Foto: Diether v Goddenthow

Auf dem Dach erwartet die Besucher ein weiteres Highlight, das sogenannte Belvederchen mit kleinem Dachgarten. Es diente mit seinem Zierbrunnen im Dachgärtchen, einer hölzernen, reichlich ausgemalten Laube und dem Ausblick auf den benachbarten Domturm der Erholung. Das Belvederchen der Goldenen Waage galt als die schönste Dach-Erholungs-Oase in ganz Frankfurt.

Zur Geschichte der Goldenen Waage – Religionsflüchtling van Hamel

In seiner Eckposition markierte das Haus zur Goldenen Waage den Beginn des sogenannten Krönungsweges vom Dom zum Römer. Diese günstige Lage wird wohl der ausschlaggebende Grund für Abraham van Hamel gewesen sein, als er die Immobilie im Jahre 1605 von der verwitweten Maria Margarethe Gaßmann erwarb. Während seiner Lebenszeit kam van Hamel gleich zweimal in den Genuss eines Logenplatzes im eigenen Haus: 1612 bei der Wahl und Krönung von Kaiser Matthias und am 9. September 1619 bei der Krönung Kaiser Ferdinands II.

Der Erbauer Abraham van Hamel Abraham van Hamel stammte ursprünglich aus Tournai, einer seit dem Mittelalter im Textilgewerbe bedeutenden Stadt in den Spanischen Niederlanden, die heute im französischsprachigen Teil Belgiens liegt. 1581 verließ er seine Heimat, nachdem das calvinistisch geprägte Tournai sich nach dem verlorenen Unabhängigkeitskrieg den spanischen Truppen ergeben musste: Der reformierten Bevölkerung, die nicht bereit war, zum katholischen Bekenntnis zurückzukehren, wurde eine dreimonatige Frist gesetzt, binnen deren sie ihren Besitz veräußern und auswandern mussten. Zahlreiche seiner Landsleute und Glaubensbrüder fanden den Weg in die Reichsstadt am Main. Über vierzig Kaufleute aus Tournai – meist Tuch- und Seidenhändler, die auch als Verleger fungierten – waren bis 1600 nach Frankfurt gekommen, wenngleich mancher weiterzog. Für Abraham van Hamel überwogen die wirtschaftlichen Vorteile der Handels- und Messestadt Frankfurt ganz offensichtlich gegenüber den religiösen Beschränkungen. Er blieb und bekam am 19. November 1599 das Frankfurter Bürgerrecht verliehen.

Van Hamels Entscheidung, in Frankfurt zu bleiben, erwies sich als gute Wahl: Seine Geschäfte als Zuckerbäcker, später vor allem als Gewürz- und Materialwarenhändler florierten. Diese Kombination war nicht ungewöhnlich, zumal sich mit Gewürzen und allerlei natürlichen Substanzen, die zu medizinisch-kosmetischen Zwecken oder in der Seidenfärberei gebraucht wurden (den „Materialwaren“), gutes Geld verdienen ließ.  Van Hamel zählte später zu den wohlhabendsten Frankfurter Bürgern, wie wir seinem umfangreichen Immobilienbesitz entnehmen können, der neben einer Windmühle am Main auch die Goldene Waage, die Nachbarhäuser Hölle und Miltenberg sowie das anschließende Haus Zur Wolkenburg auf dem Krautmarkt umfasste. Im Auftrag van Hamels, nach vielen Verzögerungen und Streitereien, war der Neubau der Goldenen Waage 1619 weitgehend abgeschlossen. Mit seiner großen Familie, seinem Geschäft und den zu einem solchen Haushalt selbstverständlich dazugehörenden Angestellten – von Köchin und Mägden bis zu Lehrlingen, Gesellen und Kaufmannsdienern – zog er in sein neues Heim. Entstanden war ein wahrer Prachtbau, der mit den eleganten, nachts von hölzernen Läden verschlossenen Sandsteinarkaden des Erdgeschosses, dem aufwendigen Schmuckfachwerk und weiteren reichen Verzierungen seine Umgebung überstrahlte. Die Hausherren ließen ihre Porträts sehr selbstbewusst in den Kragsteinen über dem Eingang zum Markt verewigen; direkt über der Tür prangte das Ehewappen von Abraham van Hamel und Anna de Litt. Auch das goldene Hauszeichen auf der Ecke von Markt und Höllgasse kündete gleichsam von Glanz und Reichtum des Erbauers.

Traditionelle Verbundenheit zum Historischen Museum

Seit über 100 Jahren sind das Haus zur Goldenen Waage und das Historische Museum Frankfurt eng verbunden, so Jerchow. 1913 hatte das Museum dieses prachtvolle Altstadthaus übernommen, zunächst um es als Bürofläche und Bibliothek zu nutzen. Als Ausstellungshaus nutzte das Museum die Goldene Waage von 1928 bis zur Räumung 1942. Das fünfzigjährige Jubiläum des Museums 1928 wurde Anlass zur Einrichtung der großen, alle Häuser des Museums überspannenden Ausstellung „Aus Alt-Frankfurter Bürgerhäusern“. In der Goldenen Waage waren vor allem Möbel, Gemälde und andere Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände des 17. und frühen 18. Jahrhunderts konzentriert, überwiegend aus den Museumssammlungen. Nach der weitgehenden Zerstörung des Hauses in der Bombennacht des 22. März 1944 blieb der ehemalige Standort über Jahrzehnte unbebaut, auch weil die Goldene Waage auf historischem Grund stand: Das prominente Grundstück lag direkt neben der karolingischen Pfalz – das Haus selbst ruhte mit seinem südlichen Giebel sogar direkt auf der Außenmauer der Aula Regia, der Königshalle der Pfalz. Dies ist ein Grund, warum der Nachbau 2014– 2019 nicht ganz exakt an der ursprünglichen Stelle erfolgen konnte und auch auf die Wiederherstellung der Kellergewölbe verzichtet werden musste.

Führungen zur Goldenen Waage

Der Besuch im Haus zur Goldenen Waage ist ausschließlich im Rahmen von Führungen möglich. Öffentliche Führungen finden täglich (außer am Montag) um 16 Uhr statt und starten im Foyer des Historischen Museums. Die Führungen dauern 90 Minuten. Treffpunkt ist im Foyer des Historischen Museums im Saalhof. Dort geht es zunächst zum „Altstadt-Drama“, wo Sie die bewegte Geschichte der Goldenen Waage im Kontext der Geschichte der Frankfurter Altstadt erfahren. Von dort führt der Weg in die Goldene Waage. Dort gibt es eine Garderobe für Jacken, Mäntel und kleinere Taschen. Größere Gepäckstücke müssen in den Schließfächern im Historischen Museum deponiert werden. In den kleinen Räumen werden viele wertvolle Sammlungsobjekte ungeschützt präsentiert, weshalb die Führungen von Aufsichtspersonal begleitet werden. Ständige Öffnungszeiten gibt es nicht. Es ist kein Personal vor Ort. Die Räume werden nicht vermietet. Für die Teilnahme an einer Führung ist eine Anmeldung beim Besucherservice erforderlich.

Außenbereich zum Dom hin des Kaffeehauses Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow
Außenbereich zum Dom hin des Kaffeehauses Goldene Waage. © Foto: Diether v Goddenthow

Eintritt
Der Eintritt kostet 8 €/erm. 4 € + 6 € Führungsgebühr (das Ticket schließt die Dauerausstellungen des Museums ein). Individuelle Gruppenführungen (max. 20 Personen) können ebenfalls über den Besucherservice gebucht werden und kosten 220 € pro Gruppe, am Wochenende/Feiertag 240 €, fremdsprachig + 10 €. Die Zugänge im Haus zur Goldenen Waage sind leider nicht barrierefrei

Anmeldung beim Besucherservice des Historischen Museums
historisches-museum150Den Besucherservice des Historischen Museums erreichen Sie montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr telefonisch unter +49 69 212-35154 oder per E-Mail unter besucherservice@historisches-museum-frankfurt.de.

Exklusive Event-Führungen „Spuk in der Goldenen Waage“
Erfahren Sie, was passiert, wenn ein moderner Nachfahre von Abraham van Hamel im Haus übernachtet und Nachforschungen zu seiner Familiengeschichte betreiben will. Vielleicht erfährt er mehr, als ihm lieb ist. Denn wer die Geister in der ‚alten Hölle‘ (wie das Grundstück im Mittelalter hieß) wieder erweckt, der wird sie so schnell nicht wieder los! Öffentliche Termine für „Spuk in der Goldenen Waage“: Mittwoch, 22. Januar, 16 und 18 Uhr Sonntag, 2. Februar, 14 und 16.30 Uhr Sonntag, 8. März, 14 und 16.30 Uhr Sonntag, 26. April, 14 und 16.30 Uhr Der Eintritt kostet 25 € pro Person. Für die Teilnahme an einer Event-Führung zur Goldenen Waage ist eine Anmeldung beim Besucherservice erforderlich. Sie können Ihre eigene Event-Führung buchen. Kontaktieren Sie unseren Besucherservice. Weitere Informationen: historisches-museum-frankfurt.de/goldene-waage

Deutsches Architekturmuseum: DAM Preis 2020 für Architektur in Deutschland

© DAM
© DAM

Nach einer Meldung des Deutsche Architekturmuseums (DAM), haben sich nun aus der Shortlist von 12 Architekturprojekten fünf Finalisten zum DAM Preis 2020 qualifiziert, der Ende Januar 2020 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt verliehen wird.

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland jährlich herausragende Bauten in
Deutschland ausgezeichnet. 2020 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum vierten Mal in enger Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner in einem gestaffelten Juryverfahren vergeben.

Eine Expertenjury unter Vorsitz von Stephan Schütz (gmp Architekten von Gerkan Marg und Partner, Gewinner des DAM Preis 2019) hatte nun aus dem Feld der Shortlist die fünf Projekte für die engere Wahl der Finalisten zum DAM Preis 2020 bestimmt. Informationen zu Shortlist und Finalisten sowie einen profunden Überblick zum Baugeschehen in und aus Deutschland bietet die Internetpräsenz zum DAM Preis dam-preis.de.

Die Finalisten:

James-Simon-Galerie, Berlin, Deutschland David Chipperfield Architects

James-Simon-Galerie. © Foto: Diether v Goddenthow
James-Simon-Galerie. © Foto: Diether v Goddenthow

Zwischen Kupfergraben und Neuem Museum gelegen, übernimmt die James-Simon-Galerie als neues Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel zentrale Servicefunktionen und leitet die Museumsbesucher über die Archäologische Promenade in die einzelnen Häuser. Die Architektursprache bedient sich vorgefundener Elemente wie gebauter Topografie, Kolonnade und Freitreppe. Durch die Staffelung der Gebäudemasse bleibt der Blick von der Schlossbrücke in die Tiefe der Museumsinsel und auf die Westfassade des Neuen Museums erhalten. Die Uferkante zum Kupfergraben wird durch einen steinernen Sockel ausgebildet, über dem sich die Hochkolonnade mit schlanken Stützen erhebt. Eine breite Freitreppe empfängt die Besucher. Auf der oberen Ebene gelangen sie in das großzügige Foyer mit direktem Anschluss an das Pergamonmuseum. Das Foyer, in dem auch das Café gelegen ist, öffnet sich zu einer Terrasse, die sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt und auch außerhalb der Öffnungszeiten frei zugänglich ist. Im Mezzaningeschoss unter dem Haupteingangsfoyer befinden sich der Museumsshop, eine große Garderobe und Schließfächer, im Sockelgeschoss liegen Ausstellungsbereiche und das Auditorium.

taz Neubau, Redaktions- und Verlagsgebäude, Berlin, Deutschland E2A

Der Neubau der taz vermittelt in seiner besonderen Ecklage an der Friedrichstrasse zwischen dem traditionellen Berliner Block und den Solitärbauten aus der Zeit der IBA von 1984. Aus der Kombination von Ecke und Block wurde eine einfache Lösung vorgeschlagen: Entlang der Friedrichstrasse werden die Berliner Traufhöhen übernommen und der Block weitergeführt. Ein Rücksprung in der Fassade entlang der Friedrichstrasse bildet ein klar akzentuierter Eingang. Das strukturelle System des neuen Hauses ist als Netz ausgebildet. Mit möglichst wenigen Elementen wird eine grösstmögliche Belastbarkeit erreicht. Es ist eine Struktur, in der alle Teile gleichviel leisten müssen und nur zusammen Stabilität erreichen. Es ist ein System ohne Hierarchie. Die architektonische Anmutung des neuen Hauses für die taz wird so Struktur und Sinnbild der Organisation zugleich. Die Hauptstruktur besteht aus diagonalen Verstrebungen entlang der Gebäudehülle und erfordert keine zusätzliche Unterstützung auf der Innenseite. Die dreizehn Meter tiefen Büroflächen schaffen eine Werkstattatmosphäre und ermöglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsformen. Die Treppenskulptur im Zentrum des Neubaus bildet aufgrund ihrer Dimension und Plastizität eine vertikale Fussgängerzone über die ganze Höhe des neuen Hauses. Sie ist ein Ort der Begegnung und des informellen Austauschs. Hier atmet das Gebäude und fördert die spontane Kommunikation.

Eingangsgebäude Freilichtmuseum Glentleiten, Deutschland Florian Nagler Architekten GmbH

Die Architekten begeistert an den Bauernhäusern des Oberlandes, dass einer einfachen äußeren Geometrie ein vielschichtiges Inneres, sowohl im Hinblick auf die Funktion als auch die Konstruktion, gegenübersteht. Dieses Prinzip hat sie auch beim neuen Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Glentleiten inspiriert. Die Idee war, ein großes, einfaches Dach zu bauen und darunter eine robuste Struktur, die die gewünschten Funktionen aufnehmen kann und dabei auch flexibel und damit nachhaltig ist. Das Dachvolumen orientiert sich Maßstab der umliegenden Gebäude und fügt sich dabei erstaunlich gut in den Kontext ein. Die Gestaltung der Fassaden nimmt mit zwei großen Zugangstoren zum Museum und zur Gastwirtschaft Bezug auf die Tore des benachbarten Starkerer Stadels, ist dabei jedoch fast abstrakt gehalten. Die traditionelle Dachform und die einfachen Holzfassaden erinnern auf den ersten Blick an landwirtschaftliche Funktionsbauten, deren Anblick im bayerischen Voralpenland vertraut ist. Die Ausführung im Detail weicht dann jedoch von den vertrauten Bildern etwas ab. Auf der unteren Zugangsebene liegen der Eingang zum Museum, die Sonderausstellung und alle dazu gehörigen Räume. Im Geschoss darüber ist das Wirtshaus untergebracht, das durch die geschickte Ausnutzung der Topografie einen barrierefreien externen Zugang und Austritt in den Biergarten erhält. Flächen, die kein Tageslicht benötigen, sind in den sanften Hang eingegraben, das Gebäudevolumen wird dadurch optisch reduziert.

Stylepark Neubau am Peterskirchhof, Frankfurt am Main, Deutschland NKBAK

In Frankfurts Innenstadt sollte ein Wohn- und Geschäftshaus in einen Hinterhof erweitert werden. Das Besondere an dieser Bauaufgabe war– entgegen üblicher Hinterhofsituationen – die Sichtbarkeit der neuen Bebauung vom angrenzenden Peterskirchhof aus. Diese parkähnliche Anlage mit seiner umgrenzenden Friedhofsmauer ist denkmalgeschützt. Im Konzeptgedanken steht nicht eine Abgrenzung, sondern das Weiterbauen und die Akzentuierung der Zeitschichten im Vordergrund. Der Neubau wurde daher mit einer Klinkerfassade auf die Friedhofsmauer aufgebaut. Das Sichtmauerwerk ist mit verschiedenen Steinformaten horizontal geschichtet, sodass sich das (Zeit-)Schichten auch in der Materialität manifestiert. Die Bebaubarkeit war auf Grund der Abstandsregelungen begrenzt. Die Kubatur ist im Hinblick auf die Baumasse und die Belichtungssituationen präzise abgestimmt. Im Erdgeschoss wurde eine bereits vorhandene Gewerbeeinheit erweitert. In den Obergeschossen entstanden zwei Wohneinheiten. Sie sind ein Beitrag zur Verdichtung der Frankfurter Innenstadt mit der Schaffung von Wohnraum.

„einfach gebaut“, Berlin, Deutschland orange architekten

Die Architekten kauften das als unbebaubar geltende Grundstück selber und entwickelten und realisierten das Wohnensemble komplett in Eigenregie. Durch die Aufständerung der Baukörper blieben die Fußwege als auch die Durchlüftung des Quartiers gewahrt. Ebenso konnten die meisten Bäume erhalten werden, da das gesamte Gebäude zwischen den Wurzelbereichen positioniert wurde. Das Gebäude besteht aus zwei voneinander unabhängigen Teilen. Im fünfgeschossigen, schmalen „Langhaus “ befinden sich großzügige Lofts. Die Wohnungen sind zur Südseite hin komplett verglast. Von den durchgehenden Balkons schauen die Bewohner direkt in die Baumwipfel. Auf der Nordseite befinden sich Laubengänge. Das „Atelierhaus“ besteht aus drei übereinander gestapelten Apartments von 40 Quadratmetern. Beide Gebäudeteile werden durch ein straßenseitiges, außen liegendes Treppenhaus erschlossen. Als Alternative zum WDVS entwickelten die Architekten eine Netzfassade mit gesteckter Wärmedämmung, ohne jede Verbundmaterialien, die vollständig und sortenrein demontabel und rezyklierbar ist. Am Boden wurde statt mit Estrich und Klebeparkett mit einer lose liegenden, massiven Brettschichtholzplatte in einem einzigen Bauelement die Funktionen Estrich und Fußboden vereint. Es gibt in allen Wohnungen Sichtbetondecken. Schiebeelemente ersetzen Wände aus Gipskarton und ermöglichen eine flexible Nutzung der Flächen. Zugunsten einer Deckenhöhen von drei Metern wurde auf ein mögliches weiteres Geschoss verzichtet.

PREISVERLEIHUNG UND ERÖFFNUNG: Fr, 31. Januar 2020, 19 Uhr \ DAM Auditorium

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Deutsches Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main

„Digitales Raumbuch“ Vortrag am 24.10.2019 im Zentrum für Baukultur Mainz

© Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz
© Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz

Die Voraussetzung für den Erfolg jeder Baumaßnahme und insbesondere jeder Sanierung ist eine gute Vorbereitung. Dies soll beispielhaft anhand des Mainzer Rathauses veranschaulicht werden. Im Jahr 1974 nach einem Entwurf des dänischen Architekten Arne Jacobsen errichtet, gilt es wohl unbestritten als eines der bekanntesten und kontrovers diskutiertesten Rathausbauten der Postmoderne. Im Zuge einer geplanten Sanierung konnte das Kulturdenkmal mit der von strebewerk. Architekten GmbH entwickelten digitalen Raumbuch-Datenbank mehrheitlich in kurzer Zeit erfasst und auf einer digitalen Plattform in Text, Bild und Plan dokumentiert werden. Diese wissenschaftliche Dokumentation moderner Großbauten ist ein Zukunftsfeld der Bauforschung. Das Zentrum Baukultur lädt herzlich ein zum Vortragsabend | Digitales Raumbuch– Mainzer Rathaus | Donnerstag, 24. Oktober 2019, 18.30 Uhr.

Weitere Infos

Im Landesmuseum Mainz: Vortrag zu Baugeschichte und Forschungsstand der mittelalterlichen Kirche St. Johannis am 8.10.

Das Kircheninnere von St. Johannis mit Blick auf den freigelegten Sarkophag ©  EKHN, Dekanat Mainz / IBD Marburg
Das Kircheninnere von St. Johannis mit Blick auf den freigelegten Sarkophag © EKHN, Dekanat Mainz / IBD Marburg

Kaum eine archäologische Entdeckung hat die Mainzer Bevölkerung und die wissenschaftliche Fachwelt in ganz Deutschland in den letzten Jahren so in Atem gehalten wie jene in der Johanniskirche. Inzwischen geht man davon aus, dass der Bau tatsächlich der Alte Dom von Mainz ist. Über den aktuellen Stand der archäologischen Forschungen in der mittelalterlichen Kirche referiert Dr. Guido Faccani, der die wissenschaftliche Forschungsleitung in St. Johannis innehat, bei einem Vortrag am 8. Oktober im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). St. Johannis spielt als Originalschauplatz auch eine wichtige Rolle bei der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“, die im September 2020 im Landesmuseum Mainz startet.

Als Experte für Kunstgeschichte und sakrale Bauten der Spätantike und des frühen Mittelalters skizziert Faccani bei seinem Vortrag die archäologischen und bauforscherischen Untersuchungen, die 2013 mit dem überraschenden Fund von Resten eines historischen Fußbodens aus dem 7./8. Jahrhundert ihren Anfang nahmen. Während die Frühgeschichte des Bauplatzes noch kaum erforscht ist, darf man davon ausgehen, dass die zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert errichtete Großarchitektur Grundlage der weiteren Entwicklung ist. Mehrere ihrer Räume legte man frühestens im 5. oder 6. Jahrhundert zu einem dreischiffigen Pfeilerbau zusammen, der vermutlich als Kirche genutzt wurde. Für großes Aufsehen sorgte erst kürzlich die Öffnung eines 1.000 Jahre alten Sarkophags.

St. Johannis ist eine der ältesten Mainzer Kirchen und die nach dem Trierer Dom wohl zweitälteste erhaltenen Bischofskirche auf deutschem Boden. Der „Alte Dom“ diente als Krönungsort für die Könige Heinrich II. (1002) und Konrad II. (1024).

Der Vortrag „St. Johannis – Zum Stand der archäologischen Forschungen in einer der ältesten Mainzer Kirchen“ ist Teil der breit angelegten Vortragsreihe zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ und beginnt am Dienstag, 8. Oktober, um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Zentrum für Baukultur Mainz – Mehr Mitte bitte! – ab 17.10.2019

© Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz
© Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz

Nach der erfolgreichen ersten Staffel der Wettbewerbsreihe „Mehr Mitte bitte!“ wurde zum zweiten Mal ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt. Die Wettbewerbe hatten zum Ziel, ländliche Orts- und Stadtkerne baulich aufzuwerten und zu beleben. Vor allem die Wiedernutzung von altem Gebäudebestand und von Brachflächen sollte angestoßen und damit die Innenentwicklung vorangetrieben werden. Gefragt waren innovative Ideen und Lösungen, die sich mit demografischen Aspekten auseinandersetzen und dabei architektonischen, planerischen und baukulturellen Ansprüchen gerecht werden.
Das Zentrum Baukultur und die Auslober des Wettbewerbs laden herzlich ein zur Ausstellungseröffnung | Mehr Mitte bitte! | Donnerstag, 17. Oktober 2019, 18.30 Uhr.

Weitere Infos

Hessischer Kulturpreis 2019 ehrt Architekten Andrea Wandel und Wolfgang Lorch für Ihre Gedankarchitektur

v.links: Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Prof. Wolfgang Lorch (Preisträger), Prof. Andrea Wandel (Preisträgerin), Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Tüby. Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der  Universität Stuttgart©  Foto: Diether  v Goddenthow
v.links: Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Prof. Wolfgang Lorch (Preisträger), Prof. Andrea Wandel (Preisträgerin), Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Tüby. Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart© Foto: Diether v Goddenthow

Frankfurt. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute in Frankfurt die Frankfurter Architekten Prof. Andrea Wandel und Prof. Wolfgang Lorch mit dem Hessischen Kulturpreis 2019 geehrt. Die Auszeichnung ist mit 45.000 Euro der höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik Deutschland.

Architektur sei mehr als nur ein Dach über den Kopf, ein Kirchturm im Dorf oder die kühne Form eines modernen Museums. Architektur gestalte wie keine andere Kunst unseren Lebensraum. Sie setze sich mit Geschichte auseinander, sie präge unsere Zukunft, „weil wir in ihr leben, in ihr arbeiten, eintauchen, unsere Freizeit verbringen“, sagte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, die in Vertretung und mit herzlichen Grüßen des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier am 20.9.2019 während einer Feierstunde im Casio-Saal der Goethe-Universität den Hessischen Kulturpreis für herausragende künstlerische Leistungen an das Architekturbüro von Andrea Wandel und Wolfgang Lorch überreichte.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn.© Foto: Diether v Goddenthow

Geehrt würden zwei Menschen, „die sich ganz besonders um die Gestaltung dieser umbauten Umwelt verdient gemacht haben. Die Arbeit ihres Frankfurter Büros Wandel /Lorch sind in der Tat herausragende Leistungen der Baukunst.“ Sie seien nicht nur einfach handwerklich geschaffener gebauter Raum. Sie seien“ vielmehr ästhetische Auseinandersetzungen mit dem Raum  und Gestaltung der Beziehung zwischen Mensch und Raum. In ihrer Architektur, Frau Professorin Wandel und Herr Professor Lorch, ist genau diese Menschlichkeit, die Alvar Aalto gefordert hatte, gelungen“, so die Kunst- und Kulturministerin.

Architekturbüro Wandel Lorch fühlt sich insbesondere der Gedenkarchitektur und dem Sakralbau verpflichtet. „Dazu gehören in jüngster Zeit beispielsweise das Hotel Silber in Stuttgart, das zuvor eine ehemalige Gestapo-Zentrale war, sowie die Sanierung der Synagoge am Opernhaus in Bayreuth. Die Auszeichnung an dieses Büro ist eine Aufforderung und Ermunterung an alle Architekten, uns auch in Zukunft Orte zu schaffen, die die Erinnerung an die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte manifestieren.“

Das Architekturbüro Wandel Lorch in Frankfurt und Saarbrücken wurde 1969 von Hubertus Wandel gegründet. Mit unterschiedlichen Büropartnern sowie in einigen früheren Projekten als Arbeitsgemeinschaft mit dem Frankfurter Architekten Nikolaus Hirsch führen die Tochter des Gründers, Andrea Wandel, und Wolfgang Lorch es heute gemeinsam weiter. Andrea Wandel ist Professorin im Lehrgebiet Entwerfen, Raumbildung und Darstellung an der Hochschule Trier. Wolfgang Lorch ist Professor für Entwerfen und Baugestaltung an der Technischen Universität Darmstadt.

„Die Erinnerungskultur des Büros von Professorin Wandel und Professor Lorch beschränkt sich nicht nur auf die Zeit des Nationalsozialismus, sondern es schlägt den Bogen aus der Geschichte in unsere Zeit und in die Zukunft“, so Ministerin Dorn weiter. Neben Bauten des jüdischen Lebens wie die Neue Synagoge in Dresden oder das Jüdische Zentrum in München ist die Gedenkstätte am Neuen Börneplatz in Frankfurt ein herausragendes Beispiel. Bei diesen Projekten war der frühere Rektor der Städelschule, Nikolaus Hirsch, beteiligt.

„Die Gedenkstätte am Neuen Börneplatz in Frankfurt ist ein Ort des Innehaltens, der Erinnerung, der Mahnung mitten in der Stadt, eine Insel der Stille mitten im Getöse an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen der Stadt. Die Gedenkstätte bewahrt das Andenken an mehr als 11.000 ermordete jüdische Frankfurterinnen und Frankfurter. Auch die 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordete Anne Frank hat hier eine symbolische Ruhestätte erhalten. In einer Zeit, in der rechte Populisten die Gräueltaten der Nationalsozialisten als ,Vogelschiss‘ abtun wollen, bekommen gebaute Erinnerung, lebendige Geschichte, aber auch Dialog und religiöse Vielfalt eine umso größere Bedeutung. Dafür steht die Arbeit des Büros von Prof. Wandel und Prof. Lorch. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich ihnen den Kulturpreis des Landes Hessen überreichen kann.“

Sanfte, textil anmutende Architektur – Laudatio

Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Tüby. Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der  Universität Stuttgart©  Foto: Diether  v Goddenthow
Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Tüby. Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart© Foto: Diether v Goddenthow

Univ.-Prof. Dr. phil. Stephan Tüby. Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart, hob in seiner Laudatio die Aspekte der anmutend „weichen“ und „textilen Oberflächenarchitektur“ des Büros Wandel Lorch hervor. So wirke beispielsweise die Kirchenportalwand der Überlinger Auferstehungskirche „mit versetzten abgetreppten weissgeschlämmten Backsteinen, die von gläsernen Elementen durchsetzt seien“ dadurch geradezu wie eine weiche, nachgebende Kirchenfassade. Ähnlich sei dieses dem Büro Wandel Lorch auch beim Ökumenischen Forum in der Hamburger Hafen-City gelungen, einer Mischung aus Sakralbau, Wohn- und Geschäftshaus. An der Straßenfassade seien in das Ziegelmauerwerk die „ganz klassischen Merkmale christlicher Kirchen, nämlich Kreuz und Glocke, angebracht worden“, wobei aber „ganz unklassisch Kreuz und Glocke in dellenartigen Vertiefungen an der Fassade platziert wurden“, so Tüby, der so vor den Augen der Gäste eine Vorstellung „vom textil anmutenden Oberflächenwerk von Wandel Lorch“ entstehen ließ, welches in der Architektur auch als Stoffwechselmotiv bezeichnet würde.

Der Stoffwechselbegriff in der Architektur prägte Gottfried Semper Mitte des 19. Jahrhunderts. In seinem Werk „Vier Elemente der Baukunst“ ging Semper von den vier Grundelementen der Architektur „Werden, Boden, Dach und Wand“ aus. Mit seiner Stoffwechseltheorie leitete Semper jedoch einen Paradigmenwechsel im architektonischen Denken ein: „Die Idee der Architektur wurde damit eben nicht mehr auf Konstruktion, nicht mehr auf Stabilität gegründet, sondern auf der Bekleidung, auf Wärme spendender Instabilität“.

Damit wurde die Architektur auch, wohlgemerkt mitten im 19. Jahrhundert, auf der weiblich konnotierten Urtechnik des Webens und Flechtens begründet. Und zum ersten Architekturdetail wurde der Knoten ausgerufen. „Das war nicht weniger als eine Umwertung aller Werte. Friedrich Nietzsche gehörte zum Kreise begeisterter Semper-Leser“, so der Laudator.
Sempers Theoriewerk habe insofern nichts an Aktualität auch für die Produktion von Architektur in der Gegenwart verloren, weil sie einen wunderbaren Gedanken beinhalte, „der nicht besser zum heutigen Abend passt und zur Architektur von Wandel Lorch passen würde. Denn Semper begründet die Architektur eben nicht nur im Textilen, sondern auch und vor allem im Feierlichen und Festlichen“, so Tüby.

Der Laudator unterstrich die optimistische Zukunftsgewandtheit des Büro Wandel Lorch mit einem Zitat von Daniel Libeskind: „Als Architekt muss du an die Zukunft glauben. Du kannst weder Zyniker noch Skeptiker sein, sonst wärest du kein Architekt, vielleicht ein Politiker oder Historiker oder ein Autor, aber nie ein Architekt.“ Denn die Aufgabe eines Architekten sei es, das Leben besser zu machen, und das sei Wandel und Lorch bislang hervorragend gelungen.

Der Hessische Kulturpreis wird seit 1982 jährlich für besondere Leistungen in Kunst, Wissenschaft und Kulturvermittlung vergeben. Er ist mit 45.000 Euro dotiert. Dem Kuratorium sitzt der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier vor. Neben der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, gehören ihm an:
Jürgen Engel, Architekt, Frankfurt am Main
Prof. Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt
Michael Herrmann, Intendant Rheingau Musik-Festival
Bernd Leifeld, ehem. Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs¬GmbH
Michael Quast, Schauspieler, Kabarettist, Regisseur
Hans Sarkowicz, Leiter Ressort hr2 Kultur und Bildung
Dr. Gerhard Stadelmaier, Redakteur und Theaterkritiker im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Mai

„Die Weiße Stadt“ Tel Aviv – Bauhaus-Ausstellung zum Internationalen Stil zur Eröffnung der Tarbut-Kulturtage in Wiesbadener Rathaus

Am Dienstag, 3. September, fand die Auftaktveranstaltung zur Tarbut-Reihe im Foyer des Rathauses statt. Bei dieser wurde auch die Ausstellung "Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der 'Weißen Stadt'" eröffnet, die bis zum 16. September dort zu sehen ist.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Am Dienstag, 3. September, fand die Auftaktveranstaltung zur Tarbut-Reihe im Foyer des Rathauses statt. Bei dieser wurde auch die Ausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der ‚Weißen Stadt'“ eröffnet, die bis zum 16. September dort zu sehen ist.© Foto: Diether v Goddenthow

Am 3. September 2019 eröffneten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, Dr. Jacob Gutmark, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, und Hellmut Königshaus, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, mit der Auftakt-Vernissage der Ausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv – Denkmalpflege in der ‚Weißen Stadt'“ im Foyer des Wiesbadener Rathauses die Tarbut-Reihe „Zeit für jüdische Kultur“, die mit zahlreichen Veranstaltungen noch bis zum 15. Dezember 2019 geht. Die Veranstaltung wurde musikalisch vom Ensemble „diX & mit Lesungen von Christiane Nothofer“ begleitet.

Programmschwerpunkte sind u.a.:
die Ausstellung „Die Weiße Stadt“
Filmreihe im Caligari
Lesung
Tag der offenen Tür in der Synagoge
Zwischenfall in Vichy
Jewish Monkeys
Trio Cannelle
Chanson-Abend mit Youkalí
Asamblea Mediterranea – Musik der Sepharden – umfangreiche

Rathaus-Foyer: "Die Weiße Stadt" ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Rathaus-Foyer: „Die Weiße Stadt“ © Foto: Diether v Goddenthow

Weniger bekannt ist, dass in keiner Stadt der Welt so viele  Bauhaus-Bauten stehen wie in Tel Aviv,  der jungen israelischen Metropole, die, wörtlich übersetzt, „Frühlingshügel“ heißt. Das hat mit ihrer Geschichte als Zufluchts- und Sehnsuchtsort für die weltweit, insbesondere in Nazi-Deutschland, verfolgter Juden zu tun.  Nachdem die NAZIS 1933 Bauhaus geschlossen hatten und viele Bauhäusler, darunter auch zahlreiche renommierte Architekten jüdischer Abstammung, emigrieren mussten, verbreiteten sich die Bauhaus-Ideen weltweit. Allein in  Tel Aviv  errichteten sie in den 1920er- bis  1940er-Jahre  über 4000 Gebäude nach der Philosophie der Bauhaus-Bewegung: Ausgewogenheit statt Symmetrie. Form folgt Funktion. Lebensqualität statt Statusschnörkel. In Israel  verschmolzen die Einflüsse der Bauhaus-Architektur jedoch mit mediterranen Formen, was sich  vielleicht in einer  etwas größeren Leichtigkeit dortiger Wohn- und Wirtschaftsgebäude und der zum  Flanieren einladenden kleinen Boulevards in den Vierteln zeigt, ganz anders als die spätere mitteleuropäische (Nachkriegs)-Entwicklung mit gewaltigen Scheibenhochhäusern, brutalistischen Gebäudekomplexen und einfallslosen Schachtel-Bauweisen.

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Tel Aviv gilt deshalb als „Weiße Stadt am Mittelmeer“ als Unesco-Weltkulturerbe. Dabei sind die meisten der Bauhäuser längst grau statt weiß. Ihr Zustand ist oft schlecht.  Nach rund 80 Jahren sind die Häuser der „Weissen Stadt“ baufällig und es besteht ein Bedarf nach flächendeckender Sanierung. Der Putz bröckelt von den Fassaden und bei einigen wurden die ikonischen Balkone sogar mit Plastikwänden zu Wohnraum umfunktioniert.

Mittlerweile wurden etliche Gebäude der im Jahre 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten „Weißen Stadt“  saniert, mitunter aufgestockt, und so vor  Verfall bewahrt.
Die Ausstellung im Foyer des Rathauses  lädt die Besucher ein zu einem Stadtbummel durch die bereits restaurierten Tel Aviver Bauhäuser. Auf  Tafeln  wird eine Anzahl von Gebäuden farbig abgebildet in ihrem Zustand vor und nach der Sanierung. Sie werden knapp beschrieben, und wo möglich, auch etwas über ihre Nutzung heute gesagt.  Diese Ausstellung zeigt das enorme Potential welches die Hauptstadt der modernen Architektur am Mittelmeer birgt und lädt auch zur Diskussion der zum Teil gewagten Sanierungsprojekte ein.  Anhand dieser Ausstellung wird zudem einmal mehr gezeigt,  wie eng die deutsch-israelischen Bauhaus-Beziehungen bis heute sind.
Präsentiert wird sie mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern und der Kulturstiftung Leipzig.

Museum Reinhard Ernst – Erster Spatenstich für „Ein echtes Jahrhundertprojekt“ an Wiesbadens Wilhelmsstrasse

Modell des Museum Reinhard Ernst an der Wilhelmstrasse 1.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Modell des Museum Reinhard Ernst an der Wilhelmstrasse 1.© Foto: Diether v Goddenthow

Mit dem ersten Spatenstich startete am Freitag, 30.August 2019, der Bau des  Museum Reinhard Ernst für abstrakte Kunst in Wiesbaden. 

Es gelte weder Gegner abzuwehren, noch die eigenen Leute in Extase zu versetzen, da dies „einige von uns schon lange“ seien, scherzte Museumsstifter und Japanfreund Reinhard Ernst mit Blick auf den  Samurai-Trommel-Auftakt des Heidelberger Ensembles TAIKO bei seiner Begrüßung der rund 200 Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft . Bis 2022 soll an Wiesbadens bester Adresse, in der Wihelmstrasse 1,  ein Museums-Komplex von 8000 Quadratmetern für abstrakte Kunst als Alleinstellungsmerkmal entstehen, in dem der größte Teil der Sammlung, gut 800 Bilder und Skulpturen, des Stifter-Ehepaars Sonja und Reinhard Ernst eine neue Heimat finden wird.

Stifterehepaar Sonja und Reinhard Ernst vor dem Areal des künftigen Museums. .©  Foto: Diether  v Goddenthow
Stifterehepaar Sonja und Reinhard Ernst vor dem Areal des künftigen Museums. .© Foto: Diether v Goddenthow

Geplant sei zudem im oberen Bereich die moderne Interpretation eines japanischen Gartens, sozusagen als Reminiszenz ihrer Japanverbundenheit.
„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, wir wollen ein besonderes, ein schönes Museum bauen, in dem sich nicht nur die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen.“, unterstrich der Museumsstifter.

Mit Kunst Kreativität fördern
Das Museumsgebäude, aber auch die zu sehende abstrakte Kunst werde polarisieren, Zustimmung und Ablehnung finden. Aber damit „können wir sehr gut leben. Womit wir nicht leben können, ist der Gedanke oder sogar die Aussage: ‚Kein Mensch braucht Kunst!‘“, so Ernst. Denn Musik und Kunst förderten Kreativität, insbesondere bei Kindern. Er habe als „Unternehmer erlebt, wie wichtig es ist, kreative Mitarbeiter zu haben. In Deutschland werden wir in Zukunft Schwierigkeiten bekommen, wenn’s uns nicht gelingt, immer wieder neue Ideen zu finden, mit immer wieder neuen Ideen auf den Markt zu kommen. Der deutsche Mittelstand ist aus Ideen kreativer Menschen entstanden, und wir möchten dazu beitragen, dass diese Wirbelsäule unserer Wirtschaft erhalten bleibt, und hoffentlich noch weiter wächst.“, unterstricht Ernst. Kreativität könne man zwar nicht erlernen, jedoch fördern, „damit sie sich entwickelt und zutage tritt.“

Der Bau

Museumsstifter Reinhard Ernst: "„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, in dem sich die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen“.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Museumsstifter Reinhard Ernst: „„Wir wollen nicht nur ein Museum bauen, in dem sich die abstrakte Kunst, sondern auch seine Besucher wohlfühlen“.© Foto: Diether v Goddenthow

Gebaut wird ein Museumsgebäude von 60 Meter Länge entlang der Rheinstrasse und 45 Meter Länge entlang der Wilhelmstrasse auf dem insgesamt 5685 Quadratmeter großen Grundstück. Die Höhe des Museums werde etwa die Höhe der benachbarten Commerzbank ohne dessen Aufbau erreichen. Dazu käme im hinteren Bereich noch ein kleines, etwa 100 Quadratmeter großes einstöckiges Gebäude für die Versorgung.

Für die Umsetzung diese einzigartigen Vorhabens werden der japanische Architekt Fumihiko Maki und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros, unterstützt vom Team des Frankfurter Architekturbüros schneider + schumacher. Das renommierte Frankfurter Büro wurde unter anderem bekannt durch den Erweiterungsbau des Frankfurter Städelmuseums.
„Untergeschoss, Erdgeschoss sowie das erste und zweite Obergeschoss schaffen etwas über 8000 Quadratmeter Netto-Nutzfläche, so der Museumstifter, wobei die reine Ausstellungsfläche bei knapp 2000 Quadratmetern liegen dürfte. Aus heutiger Sicht betrügen die Baukosten über 50 Millionen Euro. Bei der Planung wurde dafür gesorgt, dass alle Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren im Museumsbau gemacht und gesammelt wurden, bei diesem Museumbau zu tragen kommen. Hierzu zählten auch, neue „Wege zu gehen, die so wenig wie möglich Erschütterungen und Lärm mit sich bringen“. Man wolle beispielsweise zugunsten einer etwas teureren neuen Methode zur Absicherung gegen Grundwasser-auf das erschütterungsstarke Einrammen von Spundwänden verzichten.

Die Heidelberger Gruppe Taiko sorgte für die entsprechende musikalische Umrahmung: "schon die Samurai hatten die Wirksamkeit der Taiko erkannt: Sie ließen die großen Trommeln vor ihren Angriffen schlagen. Das hat die Gegner mental eingeschüchtert, und die eigenen Mitstreiter in Extase versetzt. Beides haben wir natürlich heute nicht nötig. Gegner sehen wir keine, und in Extase sind einige von uns schon lange.", so Reinhard Ernst augenzwinkernd bei der Eröffnung.. © Foto: Diether v Goddenthow
Die Heidelberger Gruppe Taiko sorgte für die entsprechende musikalische Umrahmung: „schon die Samurai hatten die Wirksamkeit der Taiko erkannt: Sie ließen die großen Trommeln vor ihren Angriffen schlagen. Das hat die Gegner mental eingeschüchtert, und die eigenen Mitstreiter in Extase versetzt. Beides haben wir natürlich heute nicht nötig. Gegner sehen wir keine, und in Extase sind einige von uns schon lange.“, so Reinhard Ernst augenzwinkernd bei der Eröffnung.. © Foto: Diether v Goddenthow

Ziel: die Sammlung als Einheit erhalten
„Meine Sammlung“ so Ernst, „stellt in ihrer Gesamtheit eine bedeutende Zusammenstellung deutscher wie internationaler Nachkriegskunst dar“. So habe es zumindest Professor Christoph Zuschlag und seine Frau Dr. Kirsten Maria Limberg, Autoren des ersten Sammlungsbandes, Faszination Farbe, erschienen im Hirmer-Verlag, gutachterlich beschrieben. Eine Schenkung der mittlerweile über 800 zum Teil großformatigen Werke umfassende Sammlung an ein Museum, „würde unweigerlich dazu führen, dass man sie auseinander reißen muss“, so der Stifter. Denn kein Museum, speziell kein deutsches Museum, verfüge über die räumlichen Möglichkeiten, um die Sammlung zusammenzuhalten. „Man würde sich die Rosinen herauspicken, der Rest würde im Depot verschwinden. Die Zusammenhänge der nach dem Krieg entstandenen Künstlergruppen und deren Künstler zu zeigen, wäre nicht möglich. Jahrelanges Sammeln oder das Sammeln auch von Künstlern, die heute von der Bildfläche verschwunden sind, die aber unbedingt zu unserer Geschichte der abstrakten Kunst nach dem Krieg gehört, wären umsonst gewesen“, so Ernst. Deshalb werde das Museum Reinhard Ernst gebaut, in dem es neben der Dauerausstellung auch Wechselausstellungen anderer Werken und Sammlungen geben wird.

Zudem trage man dafür Sorge, „dass auch die Kosten für das Betreiben des Museums von unserer Stiftung getragen werden“, so Ernst. Denn es sei „nämlich nicht davon auszugehen, dass sich das Museum selbst trägt. Wir sehen das als unseren Beitrag als eine Investition in Bildung und damit in die Zukunft unserer Stadt und unseres Landes. Es freut uns sehr, dass wir diese Ideen in der Stadt, in der wir leben, und die wir lieben, umsetzen können.“

Ein echtes Jahrhundertprojekt

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, hob hervor, dass mit dem Bau des Museums Reinhard Ernst wirklich ein Traum wahr werde, nämlich für das Stifterpaar gleichfalls wie für die Landeshauptstadt, „dass dieses Projekt realisiert wird“. Mende lobte, dass der Stifter Reinhard Ernst kein Träumer, sondern ein Realist, ein Macher, ein Anpacker sei, also alles dessen verkörpere, was es eben bedürfe, „um einen solchen Traum zu realisieren. „Und sie schaffen es wirklich, einen Traum hier in Wiesbaden zu verwirklichen.“, sagte der Oberbürgermeister. Der Bau dieses neuen Kunstmuseums sei für die Stadt etwas, „dass es seit 100 Jahren nicht mehr gegeben hat. Es ist ein echtes Jahrhundertprojekt, wenn das Museum Reinhard Ernst hier in zweieinhalb Jahren seine Türen öffnen wird für eine breite Öffentlichkeit.“, so Mende, der sich zudem darüber freute, dass die breite Anwesenheit vieler Kulturschaffenden zeige, dass „Ihr Projekt etwas Verbindendes hat, und dass diese Kulturszene in Wiesbaden dahinter steht“. Der Bau des Museums sei insbesondere auch ein Ergebnis eines breiten Bürgerbeteiligungsprozesses gewesen, freute sich der Oberbürgermeister.

Gert Uwe Mende feiert den Museumsstifter Reinhard Ernst. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Gert Uwe Mende feiert den Museumsstifter Reinhard Ernst. © Foto: Diether v Goddenthow

Das neue Museum Reinhard Ernst werde sich in eine Kulturachse einreihen, die mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Kulturzentrum Schlachthof beginne, sich über das RheinMain CongressCenter, das Museum Wiesbaden, den Nassauischen Kunstverein und das Literaturhaus bis hin zum Hessischen Staatstheater und dem Kurhaus erstrecke.
Das Museum sei für Wiesbaden ein Glücksfall. Wir bekommen als Stadt einen wunderbaren Ort, ein hochattraktives Museum, was weit, weit über Wiesbaden hinausstrahlt.

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Sonja Ernst, Reinhard Ernst und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros Fumihiko Maki. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, Sonja Ernst, Reinhard Ernst und Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des Architekturbüros Fumihiko Maki. © Foto: Diether v Goddenthow

 

 

Informationsveranstaltung am 9.September im Museum Wiesbaden

Das rotweißgestreifte Band markiert die später überbaute Fläche.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das rotweißgestreifte Band markiert die später überbaute Fläche. © Foto: Diether v Goddenthow

Michel van Ackere, Partner und Projektleiter des japanischen Architekturbüros Fumihiko Maki, wird auf Einladung des Bundes Deutscher Architekten (BDA) am 9. September um 19.00 Uhr im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden die Planung des Museums Reinhard Ernst vorstellen. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.
Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden

( Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst )

Politisches Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz im Mainzer Zentrum für Baukultur

Knapp 400 Gäste hatten sich für den Abend im Zentrum Baukultur im Mainzer Brückenturm angemeldet: Zahlreiche Landtagsabgeordnete, Minister und Staatssekretäre, Gäste aus Verwaltung, aus der Architekten- und Bauwirtschaft, aus Kammern und Verbänden, von den Hochschulen und den Medien. (v.li:): Architekt Dipl.-Ing. Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Dr. Elena Wiezorek Hauptgeschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. .©  Foto: Diether  v Goddenthow
Knapp 400 Gäste hatten sich für den Abend im Zentrum Baukultur im Mainzer
Brückenturm angemeldet: Zahlreiche Landtagsabgeordnete, Minister und
Staatssekretäre, Gäste aus Verwaltung, aus der Architekten- und
Bauwirtschaft, aus Kammern und Verbänden, von den Hochschulen und den
Medien. (v.li:): Architekt Dipl.-Ing. Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Dr. Elena Wiezorek Hauptgeschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. .© Foto: Diether v Goddenthow

Gut 400 Gäste waren der Einladung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz zu ihrem traditionellen „Politischen Sommerfest“ am 28. August 2019 ins Zentrum für Baukultur am Mainzer Brückenturm gefolgt, unter ihnen: zahlreiche Landtagsabgeordnete, Minister und Staatssekretäre, Gäste aus Verwaltung, aus der Architekten- und Bauwirtschaft, aus Kammern und Verbänden, von den Hochschulen und den Medien. Bei sommerlichen Klängen und in entspannter Atmosphäre führte Kammerpräsident Gerold Reker durch das Programm.

Neben zahlreichen Themen zu Zukunftsfragen – vom nachhaltigen und kostengünstigen Bauen über Gentrifizierung bis zur Quartiersentwicklung – war in diesem Jahr Kernthema das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 4.7.2019 zur Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). „Der Europäische Gerichtshof hat klar zum Ausdruck gebracht, dass Mindestsätze helfen können, die Qualität von Planungsleistungen und damit den Verbraucherschutz zu sichern und ruinöse Konkurrenzkämpfe zu vermeiden“, hob Präsident Reker in seiner Begrüßungsrede hervor. Aus Perspektive des Berufsstandes sei wichtig: „Die HOAI muss als Rechtsverordnung erhalten bleiben“.

Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. © Foto: Diether v Goddenthow

Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen nahm zu aktuellen Themen in ihrer Rede Stellung und hob die gute Zusammenarbeit mit der Architektenkammer hervor. „Mit der Architektenkammer arbeiten wir als Landesregierung gemeinsam an wichtigen Themen unserer Zeit, sei es bezahlbares Wohnen oder Nachhaltigkeit beim Bauen. Dabei ist mir die Expertise der Architektinnen und Architekten immer ein wichtiger Ratgeber, gerade auch bei Fragen zu qualitätsvoller Architektur und Baukultur.“ Beim Thema HOAI müsse die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof umgesetzt werden. Die Neuregelung müsse dabei allerdings sicherstellen, dass die Qualität der Planungsleistung von Architektinnen und Architekten auch weiterhin zwingend im Vordergrund stehe.

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand  der Austausch  mit Politikern, Vertretern der Verwaltungen und der (Bau-) Wirtschaft sowie unter Kollegen in lockerer Atmosphäre.

 Zentrum Baukultur (ZBK)
Das Zentrum Baukultur ist eine Plattform sowie ein lebendiger Veranstaltungsort und Treffpunkt für alle Themenfelder im Bereich der Baukultur und die Baukulturvermittlung. Es bietet einen geeigneten Rahmen für die bürgerschaftliche Debatte rund um baukulturelle Prozesse und Entwicklungen. Die Veranstaltungen sind öffentlich: Veranstaltungen /Termine

Landtag Rheinland-Pfalz feiert Richtfest am Deutschhaus – Ein lebendiger Ort der Demokratie

Das Deutschhaus, seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags wird seit 2016 generalsaniert. Noch zieren Gerüste den barockem Profanbau. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das Deutschhaus, seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags wird seit 2016 generalsaniert. Noch zieren Gerüste den barockem Profanbau. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei herrlichem Spätsommerwetter feierte der Landtag Rheinland-Pfalz am 28. August 2019 mit allen am Bau Beteiligten, den Landtagsabgeordneten und mit zahlreichen weiteren Ehrengästen das Richtfest am Deutschhaus, welches seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags ist. Seit Januar 2016 wird das Parlamentsgebäude erstmals seit 65 Jahren generalsaniert. Ende 2020  soll das Gebäude wieder genutzt werden. Das Deutschhaus, welches völlig entkernt wurde, wird hinter der barocken Fassade energieeffizient, barrierefrei und nachhaltig für einen modernen Parlamentsbetrieb generalsaniert. Das Gebäude wurde hierfür komplett entkernt, das Restaurant aus den 1950iger Jahren abgerissen und an seiner Stelle ein 300 Quadratmeter großer neuer Anbau für das neue Landtagsrestaurant sowie für Besprechungs- und Besucherräume errichtet. Landtagspräsident Hendrik Hering freute sich, dass sich das komplexe Großprojekt im Zeit- wie auch im Kostenplan befindet. Insgesamt soll die nachhaltige Sanierung des historischen Bauwerks rund 60 Millionen Euro kosten.

Gruppenfoto: die  Vorsitzenden das Landtagsfraktionen mit  Landtagspräsident und Architekten beim Richtfest. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Gruppenfoto: die Vorsitzenden das Landtagsfraktionen mit Landtagspräsident und Architekten beim Richtfest. © Foto: Diether v Goddenthow

Landtagspräsident Hendrik Hering begrüßte unter anderem Staatsministerin Doris Ahnen, Staatssekretär Clemens Hoch und für die Landeshauptstadt Mainz Oberbürgermeister Michael Ebling. Stellvertretend für alle Mitglieder des Landtags hieß er die Fraktionsvorsitzenden Alexander Schweitzer, Christian Baldauf, Uwe Junge, Cornelia Willius-Senzer und Dr. Bernhard Braun herzlich willkommen, ebenso den ehemaligen Vizepräsidenten Herrmann Schnabel. Er bedauerte, dass Joachim Mertes, der von 2006 bis 2016 Landtagspräsident war, diesen Tag nicht mehr erleben durfte.
Das Deutschlandhaus sei ein Haus mit großer Geschichte, das aktuell – wie in der Vergangenheit bereits häufiger erlebt – ein neues Innenleben erhält, so der Landtagspräsident.

Das Deutschhaus wurde als Ordensritterpalais von Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn unter Einfluss des französischen Barock bis 1737 fertiggestellt und von namhaften Künstlern wie dem Augsburger Freskomaler Christoph Thomas Scheffler, der Würzburger Stuckatoren-Familie Castelli und dem Mainzer Hofbildhauer Burkard Zamels zu einem der prächtigsten Profangebäude im Kurmainzer Raum ausgestaltet. Während der kurzlebigen Mainzer Republik, welche als erste Demokratie auf deutschem Boden gelten kann, wurde das Gebäude als Sitz des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents als Parlament bis 1793 genutzt. Hierzu mussten die Protagonisten der Mainzer Republik zum ersten Mal das Innenleben des Deutschhauses verändern. Auch wenn der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent nur kurze Zeit hier tagen konnte, war er doch das erste nach gleichem Wahlrecht gewählte Parlament in Deutschland. Auf eine solche Tradition kann kein anderes Parlamentsgebäude in Deutschland zurückblicken.

Beim Rundgang durch   das Deutschhaus lässt  sich schon erkennen, wie es einmal werden wird: Hier einen Blick in den neuen Plenarsaal.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Beim Rundgang durch das Deutschhaus lässt sich schon erkennen, wie es einmal werden wird: Hier einen Blick in den neuen Plenarsaal.© Foto: Diether v Goddenthow

Von 1798 bis 1814 hatte Napoleon hier seine Residenz, solange Mainz zum französischen Kaiserreich gehörte. Mit der Neuordnung der Machtverhältnisse in Mitteleuropa durch den Wiener Kongress kam Mainz zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt und das Deutschhaus diente als Nebenresidenz des hessischen Großherzogs.

Nach dem zweiten Weltkrieg änderten sich erneut die Macht- Verhältnisse: So residierten ab Oktober 1919  Jean-Marie Degoutte, Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee und gleichzeitig Mitglied im Conseil supérieur de guerre sowie sein Nachfolger Adolphe Guillaumat bis zum Abzug der Franzosen am 30. Juni 1930 im Deutschhaus.

1933 nahm die SA ihren Sitz im Deutschhaus ein. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zogen auch am Deutschhaus nicht spurlos vorüber. Und 1951 musste es wegen den Zerstörungen im Krieg innen von Grund auf erneuert werden. Vom alten Palais blieben nur die Außenmauern übrig. Seit diesem Wiederaufbau – in den 50er Jahren – ist das Deutschhaus nun der Sitz des Landtags Rheinland-Pfalz.

Landtagspräsident Hendrik Hering. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Landtagspräsident Hendrik Hering. © Foto: Diether v Goddenthow

„Es ist uns wichtig, die wechselvolle Geschichte des Deutschhauses im sanierten Landtag zu dokumentieren“, so der Landtagspräsident. Aber noch wichtiger sei, „das Deutschhaus zu einem lebendigen Ort der Demokratie zu machen. Mit diesem Haus ist der unerschütterliche Glaube an die parlamentarische Demokratie fest verbunden. Das Haus ist der zentrale und wichtigste Ort der Demokratie in Rheinland-Pfalz. Hier wurden und werden die Grundlagen gelegt, dass wir in einer offenen und freien Gesellschaft bei einem nie dagewesenen Wohlstand leben dürfen. Diese Bedeutung soll das Haus auch wiederspiegeln, ohne Prunk, so der Landtagspräsident (die vollständige Rede)

Mehr Raum für Besucher und Bildung

Das neue Deutschhaus werde noch bessere Möglichkeiten bieten, diese besonderen Leistungen des Parlamentes hervorzuheben und diese den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln. Der Umbau, der unter dem Motto „Bauen für die Demokratie“ stehe, werde deshalb insbesondere auch den jährlich rund 30.000 Besuchern des Landtags dienen, welche sich zukünftig in zeitgemäßer Art und Weise über Geschichte, Aufgabe, Funktion und Arbeit dieser „Herzkammer der Demokratie“ informieren könnten, betonte Hendrik Hering. Eine besondere Zielgruppe stellten dabei junge Menschen dar. „Wie wäre es, wenn jeder Schüler und jede Schülerin im Laufe der Schulzeit einmal ein Parlament oder einen Rat besuchen würde?“, regte der Landtagspräsident an. Junge Menschen könnten dadurch früh erfahren, dass die Demokratie vom Mitmachen lebt und sich Einmischen lohnt. Er freute sich, dass für die verschiedenen Bildungsangebote zudem künftig der Interimsplenarsaal in der Steinhalle des Landesmuseums weiter genutzt werden könne.

Lob für Handwerker und Ingenieure

Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. © Foto: Diether v Goddenthow

Finanz- und Bauministern Doris Ahnen sagte: „Das Ziel bei der Sanierung des Landtags ist, einen zeitgemäßen Parlamentsbetrieb zu ermöglichen und dabei gleichzeitig die Geschichte und die Bedeutung des historischen Deutschhauses und seinen barocken Charakter zu erhalten. Bereits an den Entwürfen und am Rohbau wird sichtbar, dass es den Architektinnen und Architekten und den Bauleuten gelungen ist, umfassende Barrierefreiheit und moderne Ausstattung in gute Architektur zu integrieren. Darüber hinaus liegt ein besonderer Schwerpunkt der Sanierung auf der Nachhaltigkeit. Es entsteht ein Bau nach höchstem energetischen Standard mit einer hocheffizienten Haustechnik, der ein Aushängeschild für unser Land sein wird.“

Oberbürgermeister Michael Ebling. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling. © Foto: Diether v Goddenthow

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling betonte: „Für alle Mainzerinnen und Mainzer ist der heutige Tag, an dem wir Richtfest für das Deutschhaus feiern, ein schöner Tag. Denn dieses Haus ist für unsere Stadt ein ganz besonderes. Das Deutschhaus ist, einmal abgesehen von seiner reichen Historie und seiner immens wichtigen aktuellen politischen Bedeutung, auch eines der schönsten Häuser, die wir in Mainz haben. Es zu erhalten, zu modernisieren und auszubauen, muss uns daher Verpflichtung und Anliegen sein. Das Richtfest ist die Gelegenheit, all denen zu danken, die im ganz wörtlichen Sinne hier für die Demokratie bauen und in den vergangenen Monaten gebaut haben.“

Architekt Professor Llinus Hofrichter.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Architekt Professor Llinus Hofrichter.© Foto: Diether v Goddenthow

Auch Architekt Professor Linus Hofrichter lobte die geleistete Arbeit von Handwerkern und Ingenieuren. „Sehr sensibel und geschickt wurde unter komplettem Erhalt der historischen Hülle des Deutschhauses fast schon „endoskopisch“ im Innern ein „neuer Landtag“ geschaffen“. Äußerlich sei es das gewohnte Gebäude geblieben, im Innern würden sich künftig großartige neue Raumerlebnisse erschließen. Das Gebäude sei bautechnisch mit einem Neubau gleichzusetzen und somit fit für viele Jahre parlamentarischer Arbeit. „Dieses Projekt kann als Vorbild dienen und ist sicher aktuell eines der komplexesten und anspruchsvollsten im Land Rheinland Pfalz“, sagte Linus Hofrichter.

Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB), sagte: „Mit der Fertigstellung des Rohbaus haben alle Beteiligten eine anspruchsvolle Aufgabe erfolgreich gemeistert. Eine außerordentliche Herausforderung ist hierbei der vollständige Neubau im Inneren des denkmalgeschützten Deutschhauses. Die besondere Leistung der Architekten und Ingenieure sowie der Firmen unter der Regie des Landesbetriebs LBB besteht darin, in Auseinandersetzung mit der historischen Bausubstanz alle Innenräume und den Plenarsaal in kleinen Arbeitsschritten neu herzustellen, ohne Dach oder Außenmauern zu verändern. Auch dies soll mit dem heutigen Richtfest gewürdigt werden.“

Die  Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und der Landtagspräsident schlagen symbolisch die letzten Nägel ein.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und der Landtagspräsident schlagen symbolisch die letzten Nägel ein. © Foto: Diether v Goddenthow

Hendrik Hering dankte allen, die an dem Großprojekt beteiligt sind, für deren leidenschaftliches Engagement und für die gute Zusammenarbeit. Er freute sich, dass ein Großteil der bauausführenden Firmen aus Rheinland-Pfalz komme. Von einer dieser hier im Land ansässigen Firmen kam dann auch Zimmermann Stefan Hinrichs, der vom Dach des neuen Landtagsrestaurants den Richtspruch an die Gäste richtete. Anschließend schlug Landtagspräsident Hendrik Hering gemeinsam mit den Vorsitzenden der Landtagsfraktionen, Alexander Schweitzer (SPD), Christian Baldauf (CDU), Cornelia Willius-Senzer (FDP), Bernhard Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Michael Frisch (AfD) die letzten Zimmermannsnägel ein. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Jazz-Combo „September Second“. Anschließend konnten sich die Gäste bei Führungen über die Baustelle ein Bild von den Baufortschritten machen.