Kategorie-Archiv: Komische Literatur u. Cartoons

„Spaß muss sein. Die bonewitzige Hausapotheke“ Das neunte Buch von Herbert Bonewitz

Herbert Bonewitz greift in seinem 9. Buch „Spass muss sein“  in seine humoristische Hausapotheke, um seine wirkungsvollsten Hausmittel gegen miese Stimmung und schlechte Laune hervorzuholen: heitere Glossen, spaßige Kommentare, komische Erzählungen, ulkige Gedichte, die allesamt bedenkenlos zur „Selbstmedikation“ geeignet sind. Foto: Diether v Goddenthow
Herbert Bonewitz greift in seinem 9. Buch „Spass muss sein“ in seine humoristische Hausapotheke, um seine wirkungsvollsten Hausmittel gegen miese Stimmung und schlechte Laune hervorzuholen: heitere Glossen, spaßige Kommentare, komische Erzählungen, ulkige Gedichte, die allesamt bedenkenlos zur „Selbstmedikation“ geeignet sind. Foto: Diether v Goddenthow

Jetzt greift Dr. humoris causa, alias Herbert Bonewitz, zu seinen letzten Mitteln und will uns vergiften, warnt Professor Dr. Christian Vahl, Direktor der Herz- und Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz, vor dem „Gebrauch“ der „bonewitzigen Hausapotheke“ mit dem Titel   „Lachen ist die beste Medizin“. Hierzu greife der bekannte Mainzer Kabarettist und Publizist, Herbert Bonewitz, der seit 2004 mit seinen „närrischen Nachtvorlesungen“ an der Unimedizin Mainz bereits vor einigen Jahren erfolgreich zum Dr. humoris causa „promovierte“ zu „Lachsaft, Spasstabletten, Schmunzelcreme, Stimmungspflaster, Witz-Tröpfchen und Jux-Salbe.“, so Doktorvater Vahl. Vahl bescheinigt jetzt seinem hochbegabten närrischen Doktoranden von einst  im Vorwort zum Buch die Qualifikationen als   „Kabarett-Granate“, „der Wörter, der Sätze, der Bilder zum Explodieren bringt“, und als   „fulminanter Wortakrobat und als Meister der Akzentuierungen mit feinen Pinselstrichen.“,   Zeit seines Lebens „Kukuckseier der Heiterkeit“ in viele Nester gelegt habe. Und sein aktuelles Buch „ist wieder so ein Kukucksei: nicht bestimmt für unser Bücherregal, sondern als Hausapotheke für unser Leben.“ , so Vahl.

 

Dr. humoris causa, alias Herbert Bonewitz,beim Signieren von "Spass muss sein" bei der Buchpräsentation im Mainzer Rathaus.  Foto: Diether v Goddenthow
Dr. humoris causa, alias Herbert Bonewitz,beim Signieren von „Spass muss sein“ bei der Buchpräsentation im Mainzer Rathaus. Foto: Diether v Goddenthow

Eingebunden hat der 83-jährige gebürtige Mainzer seine bonewitzigen Texte – mit Auszügen aus den närrischen Nachtvorlesungen seit 2004 – und zahlreichen Illustrationen in sein nunmehr neuntes Buch mit dem Titel „Spaß muss sein“, das im Verlag Bonewitz erschienen ist. Auf 144 Seiten präsentiert er unter anderem „medizynische“ Erkenntnisse, ungewöhnliche Lebenshilfen, gereimte Ungereimtheiten und kuriose Alltäglichkeiten.

(v.l.) Laudator: Bürgermeister Günter Beck, Autor Herbert Bonewitz, "Doktorvater" u. Vorwortbeiträger Prof. Dr. med. Vahl, Unimedizin Mainz. Foto: Diether v Goddenthow
(v.l.) Laudator: Bürgermeister Günter Beck, Autor Herbert Bonewitz, „Doktorvater“ u. Vorwortbeiträger Prof. Dr. med. Vahl, Unimedizin Mainz. Foto: Diether v Goddenthow

Vorgestellt wurde das Buch im Mainzer Rathaus. Die Laudatio hielt Bürgermeister Günter Beck, der wie Herbert Bonewitz ein bekennender Gonsenheimer ist, dazu noch Finanz-, Beteiligungs- und Sportdezernent sowie Gründungsmitglied des alternativen Fastnachtvereins „Meenzer Drecksäck“.

Das neunte Buch Bonewitz „Spaß muss sein. Die bonewitzige Hausapotheke“ mit zahleichen witzigen farbigen Cartonns stammt aus der Feder des Mainzer Urgesteins Herbert Bonewitz und ist bei Agentur & Verlag Bonewitz, Bodenheim, erschienen. Das Buch umfasst 144 Seiten, kostet 19,90 Euro. ISBN 978-3-9816416-7-7 und ist äußerst empfehlenswert, ob zur Selbstmedikation oder als Geschenk.

Diether v. Goddenthow (Rhein-Main.Eurokunst)

 

Sternbilder Ausstellung vom 10. November 2016 – 12. März 2017 im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst

ausstellungsplakat_sternbilWie kein anderes Magazin in Deutschland kultiviert der stern Humor und Satire in jeder seiner Ausgaben. Diese Institutionalisierung begann im stern schon in den 50er Jahren, als Humor und Satire in der Zeitschriftenlandschaft nur am Rande als Witzeseite einen Platz fand – wenn überhaupt. Bis heute ist oftmals ein verhaltener Umgang mit Humor und Satire in den Medien zu konstatieren. Mit der Ausstellung „Sternbilder“ würdigt das Caricatura Museum Frankfurt das Engagement und die Haltung des sterns, Humor und Satire ein festes Forum einzuräumen. Die Ausstellung zeigt neben Klassikern vor allem die aktuell im stern vertretenen Zeichner und Künstler.

Haderer-Werke im Erdgeschoss.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Haderer-Werke im Erdgeschoss. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Im Mittelfeld stehen die drei großen Komischen Künstler Gerhard Haderer, Til Mette und Tetsche, die jeweils mit einer Seite jede Woche im Stern vertreten sind. Ihre Werke werden im Erdgeschoss des Caricatura-Museums gezeigt.

Im 1. Obergeschoss finden sich die Jungen Zeichner der Sterns, Politische Zeichnungen, Mischseiten des Stern und die Wand der Klassiker mit Loriot, Neugebauer usw.

Humor und Satire, das ist seit Jahrzehnten ein Aushängeschild des sterns. Das Magazin beschäftigt eine eigene Humor-Redaktion mit fest angestellten Zeichnern und Künstlern, die zumeist über Jahrzehnte hinweg für das Magazin tätig sind. Die Zeichnungen verstecken sich nicht im Vermischten, sie sind eine selbstbewusste Institution.

 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Diesen herausragenden Umgang mit Komischer Kunst ist dem Gründer des sterns Henri Nannen zu verdanken. Er erkannte bereits in den 50er Jahren das Potenzial und den hohen Stellenwert satirischer Zeichnungen. Nannen engagierte Künstler, die über viele Jahre hinweg dem Magazin treu blieben. Von einem Millionenpublikum geliebt waren darunter Fritz Wolf, Markus, Papan, Loriot und Peter Neugebauer.

Bis heute veröffentlichen die Künstler des sterns in ihren eigenen Rubriken, aktuell sind das die Seiten Haderer, Til Mette und Tetsche. Die jüngste Rubrik, „Ein Quantum Trost“, ist 2013 hinzugekommen.

Der langjährige Humor-Redakteur Rolf Dieckmann würdigte 2014 die bedeutende Stellung des Ressorts in „Finden Sie das etwa komisch?“ mit den Worten: „Früher kaufte man Bilderwitze bei Agenturen und irgendein Layouter stellte sie irgendwo ins Blatt. Beim stern gab es in den Fünfzigern plötzlich ein Ressort, das mit Zeichnern und Autoren Beiträge erarbeitete, die den Leser zum Lachen bringen sollten. (…) Der neue stern-Humor war ungewohnt frech und respektlos.“

Die Ausstellung

Wand der Cartoon-Klassiker.  Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Wand der Cartoon-Klassiker. Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Ausstellung „Sternbilder“ des Caricatura Museum Frankfurt zeigt neben einigen Zeichnungen der Klassiker Loriot, Fritz Wolf, Markus, Peter Neugebauer und Papan vor allem die aktuell im stern vertretenen drei großen Komischen Künstler Gerhard Haderer, Til Mette und Tetsche.

Bilderwand mit Werken von Til Mette. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Bilderwand mit Werken von Til Mette. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Tobias Schülert, jüngstes Mitglied der Humor-Redaktion und die Rubrik „Ein Quantum Trost“ erhalten einen eigenen Schwerpunkt. Hier finden neben seinen Zeichnungen eine Vielzahl von weiteren Cartoonisten ihren Platz: BeCK, Bettina Bexte, Henning Christiansen, Felmy, Katharina Greve, Kamagurka, Kittihawk, Dorthe Landschulz, Piero Masztalerz, Mock, Oliver Ottitsch, Ari Plikat, Hannes Richert, Leo Riegel, Holga Rosen, Schilling & Blum, Freimut Wössner und Miriam Wurster. Die Textbeiträge dieser Rubrik werden in der Ausstellung mittels einer Hörstation sowie einer Lesung im Rahmenprogramm mit dem Lyriker Thomas Gsella zur Geltung kommen. Nel, der wöchentlich eine politische Karikatur für die Rubrik „Kosmos“ zeichnet, ist mit einer eigenen Bilderstrecke vertreten. Schließlich werden „Luftblasen“ des früheren Humor-Redakteurs Rolf Dieckmann gezeigt.

Begleitbuch

119 Seiten mit zumeist farbigen Abbildungen, 5 Euro. Lappan Verlag, Oldenburg 2014, ISBN: 978-3830333623
119 Seiten mit zumeist farbigen Abbildungen, 5 Euro. Lappan Verlag, Oldenburg 2014, ISBN: 978-3830333623

Die Ausstellung wird begleitet von dem Buch „Finden Sie das etwa komisch? Stern-Humor von Dieckmann, Haderer, Mette, Schülert und Tetsche.“ „Humor und Satire haben im stern eine lange Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht. Und auch heute noch ist er die einzige deutsche Zeitschrift, die Woche für Woche einen eigenen Humorteil produziert. Einzigartig ist also dieser Band, der eine Sammlung der Werke aller aktuellen stern-Zeichner für Sie bereithält. Ein Muss für alle Liebhaber des feinen Humors!“ (Lappan Verlag 2014)
Caricatura Museum für Komische Kunst
Weckmarkt 17,
60311 Frankfurt am Main

Die Künstler

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Gerhard Haderer

Gerhard Haderer wurde 1951 in Leonding (Österreich) geboren. Er lebt und arbeitet bis heute in Linz. Seit 1984 ist er als Karikaturist für renommierte Zeitschriften tätig, seit 1991 wöchentlich für den stern. Bekannt wurde Haderer durch zahlreiche Buchveröffentlichungen. Mit „Das Leben des Jesus“ löste er 2002 international heftige Reaktionen, insbesondere der katholischen Kirche, aus.

Seine ursprüngliche Laufbahn als Werbegrafiker spiegelt sich in seinen Karikaturen durch die Übernahme deren Techniken wider: Ein exakter Bildaufbau, die Optimierung der Farbeffekte durch Einsatz von Kalt-Warm-Kontrasten (hier bevorzugt Haderer Acryltusche und mischt die Farben aus Primärtönen) und die gezielte Licht- und Blickführung erzeugen seine einzigartigen Hochglanzzeichnungen. Haderer setzt sich in seinen Werken mit tagesaktuellen Ereignissen, Alltagsgeschehen, Politik, Religion, Tourismus, Sport und Gesellschaft sarkastisch auseinander.

Haderer wurde mehrfach ausgezeichnet: 2016 mit dem Österreichischen Kabarettpreis für Comics und Cartoons, 2008 mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien, 2006 mit dem Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft und 2001 mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold.

Til Mette

Til Mette (eigentlich Gotthard-Tilmann Mette) wurde 1956 in Bielefeld geboren, lebte ab 1992 in New York und zog 2006 nach Hamburg. Nach seinem Kunst- und Geschichtsstudium in Bremen gründete er die „taz“-Bremen mit, in der bundesweiten Ausgabe der „taz“ waren seine Cartoons fester Bestandteil. Seit 1995 erscheinen Til Mettes Cartoons wöchentlich und exklusiv im stern.

In New York entwickelte er seinen einzigartigen Stil, geprägt von überwiegend schwarz-weißen, akkurat gezeichneten und schraffierten Figuren mit einer gehörigen Portion amerikanischen Witzes. In seinen Cartoons greift er tagesaktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik auf. Er gewinnt den täglichen Banalitäten wie auch aktuellen Schrecknissen eine komische Seite ab. Die Pointen seiner Cartoons überleben dabei das aktuelle Tagesgeschehen und kennen kein Verfallsdatum.

Til Mette wurde mehrfach ausgezeichnet, 2016 mit dem Deutschen Preis für die politische Karikatur 2015 in Bronze, 2013 mit dem Deutschen Cartoonpreis (1. Preis in der Kategorie Profis) und 2009 mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold, 2002 in Bronze.

Tetsche

Tetsche wurde 1946 in Soltau (Lüneburger Heide) geboren, heute lebt er nahe Hamburg an der Elbe. Nach seiner Lehre als Schriftsetzer arbeitete er zunächst als Layouter bei einer großen Tageszeitung in Köln und schließlich als Kreativ-Direktor in einer Hamburger Werbeagentur. Später entschloss er sich dazu, sich voll und ganz dem Cartoonzeichnen zu widmen und veröffentlichte erste Zeichnungen in der „Zeit“, „Konkret“, „Pardon“ und „Hörzu“. Für den stern erfand er Ende der 70er Jahre die Seite „Neues aus Kalau“, heute heißt seine Seite einfach „Tetsche“.

Tetsches Werke sind geprägt von seiner Leidenschaft für Kalauer, verpackt in farbigen grafischen Bildern. Unverwechselbare Zeichen seiner Bilder sind eine Saugglocke, ein Spiegelei, ein Zahn, ein Kondom oder eine aus einer Linie herausragende Säge. Beliebt ist auch seine Rätsel-Parodie, das Rebus, dessen Bilder von Gegenständen einen halbwegs sinnvollen Begriff ergeben sollen.

Tobias Schülert

Tobias Schülert, geboren 1977 in Bielefeld, lebt heute in Hamburg. Nach dem Abitur absolvierte er ein 3-monatiges Praktikum bei Til Mette in New York. Dort veröffentlichte der „New Yorker Staatsanzeiger“ wöchentlich seine Zeichnungen. Nach seinem Studium der Visuellen Kommunikation in Bielefeld wurden erste Zeichnungen im endgültigen Satiremagazin „Titanic“ veröffentlicht. Seit 2007 ist er Humor-Redakteur bei stern.de seit 2013 auch bei der Printausgabe. Seit diesem Jahr erscheint die von ihm mit Tobias Schmitz, Bernd Teichmann, Michael Streck und Til Mette erdachte Rubrik „Ein Quantum Trost“. Schülert wurde 2006 mit dem Deutschen Cartoonpreis ausgezeichnet.

Nel

Nel (eigentlich Ioan Cozacu) wurde 1953 in Klausenburg (Cluj-Napoca) in Rumänien geboren, heute lebt und arbeitet er in Erfurt. Nel studierte Innenarchitektur an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle. Seit 1984 ist er als freischaffender Cartoonist und Illustrator tätig. Nel ist Gründungsmitglied der Cartoon-Fabrik Köpenick, er veröffentlicht in verschiedenen Tageszeitungen und im „Eulenspiegel“. Seit XX zeichnet er wöchentlich politische Karikaturen für die Rubrik „Kosmos“ im stern.

Nel wurde mehrfach ausgezeichnet, mehrfach bei der Rückblende (2015: 3. Preis, 2011: 2. Preis, 2008: 1. Preis), 2011 mit dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold, 2005 mit einer Auszeichnung beim Deutschen Preis für die politische Karikatur, 2001 mit dem Deutschen Preis für die politische Karikatur in Bronze, 2001 mit dem Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen in Silber, 1999 bei der Gothaer Karikade, 1995 beim Berliner Karikaturensommer.

Rolf Dieckmann

Rolf Dieckmann wurde 1947 in Schleswig Holstein geboren und lebt als freier Autor in Hamburg und im Wendland. Seit Anfang der 70er Jahre war er als Journalist für verschiedene Zeitschriften und Tageszeitungen tätig. 1991 übernahm er für mehr als zwei Jahrzehnte das Ressort „Humor & Satire“ beim stern. Wöchentlich erschien hier seine Fotosatire „Luftblasen“.

Begleitbuch

119 Seiten mit zumeist farbigen Abbildungen, 5 Euro. Lappan Verlag, Oldenburg 2014, ISBN: 978-3830333623
119 Seiten mit zumeist farbigen Abbildungen, 5 Euro. Lappan Verlag, Oldenburg 2014, ISBN: 978-3830333623

Die Ausstellung wird begleitet von dem Buch „Finden Sie das etwa komisch? Stern-Humor von Dieckmann, Haderer, Mette, Schülert und Tetsche.“ „Humor und Satire haben im stern eine lange Tradition, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht. Und auch heute noch ist er die einzige deutsche Zeitschrift, die Woche für Woche einen eigenen Humorteil produziert. Einzigartig ist also dieser Band, der eine Sammlung der Werke aller aktuellen stern-Zeichner für Sie bereithält. Ein Muss für alle Liebhaber des feinen Humors!“ (Lappan Verlag 2014)

 

Caricatura Museum für Komische Kunst
Weckmarkt 17,
60311 Frankfurt am Main

 

Deutscher Cartoonpreis 2016 für die „Besten Bilder“ an Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis)

Die Freiluftausstellung "BESTE BILDER" vor dem großen Lesezelt auf der Frankfurter Buchmesse zeigt 50 der besten Cartoons, darunter auch die der drei diesjährigen Gewinner des Deutschen Cartoonpreises 2016.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Freiluftausstellung „BESTE BILDER“ vor dem großen Lesezelt auf der Frankfurter Buchmesse zeigt 50 der besten Cartoons, darunter auch die der drei diesjährigen Gewinner des Deutschen Cartoonpreises 2016.
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

2016 sei für Humoristen, Cartoonisten und Menschen, die irgendwie mit Satire zu tun haben, ein außerordentlich spannendes, ja  auch gewissermaßen ein trostreiches Jahr gewesen, rief Jurysprecher und Leiter der Caricatura Kassel Martin Sonntag der „Zunft der komischen Zeichner“ bei der Verleihung des  Deutschen Cartoon Preises 2016 zu. Dieser wurde gemeinsam von der Frankfurter Buchmesse und  dem  Lappan Verlag in der Carlsen Verlags GmbH  im Lesezelt auf der 68. Frankfurter Buchmesse verliehen. „All die Menschen, Cartoonisten, Satiriker“, so Sonntag ,“ die sich jemals gefragt haben, ob ihnen denn irgendjemand zuhört, und ob irgendjemand liest und sieht, was sie so machen, kann man heutzutage mindestens sagen: ‚Beruhig Dich, Erdogan liest auf jeden Fall mit!“ Endlich würde Satire mal wieder ernst genommen. Es habe im vergangen Jahr extrem viele Nachrichten gegeben. Es sei das Jahr der Scharfmacher, Zündler, der Beleidigten, der Besorgten und der Schnütchenzieher gewesen. Und  all diese Dinge hätten die Cartoonisten in diesem Jahr wieder in wunderbare Bilder umgewandelt.

Erstmals wurde beim Deutschen Cartoonpreis auf eine  Themenvorgabe verzichtet. Alle Themen waren zugelassen, so  Jürgen Boos, Jurymitglied und Direktor der Buchmesse. Und es waren erstmals nicht nur der Nachwuchs zum Deutschen Cartoonwettbewerb eingeladen. Alle Profizeichner der komischen Kunst konnten ihre besten Arbeiten seit 2015 einreichen. Zudem: Der Deutsche Cartoonpreis war erstmals dotiert. Statt „den“ Bembel  gab es „schnöden Mammon“:  für den dritten Preis 1000 Euro, für den zweiten Preis 2000 Euro und für den ersten Preis 3000 Euro. Zum Relaunch des Deutschen Cartoonpeises gehörte auch die Freiluftausstellung vor dem Lesezelt „50 BESTE BILDER“. Sie wird auch Basis sein der vom 12.11.2016 bis 19.02.2017  in der Caricatura Kassel gezeigten Ausstellung „BESTE BILDER“.

Gleich geblieben wie in den Vorjahren,  so Boos, sei wieder die Herausgabe des Buches  „BESTE BILDER 7 – Die Cartoons des Jahres“, des Jahres 2016. Hierin sind die besten 272 Cartoons von insgesamt 82 KünstlerInnen versammelt.

Groß-Taschenbuch: 168 Seiten, durchgehend farbig, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3830334316,
Groß-Taschenbuch: 168 Seiten, durchgehend farbig, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3830334316,

Das „Jahreskompendium“ der komischen Kunst erscheint zwar bereits in der 7. Ausgabe, wartet jedoch ebenfalls mit einer Neuerung auf: So ist das Werk „BESTE BILDER“  zum ersten Mal die Basis zur Vergabe des Deutschen Cartoon-Preises, so Dieter Schwalm, Programmleiter des  Lappan Verlags. Diese Idee, ein Buch zu machen, was BESTE BILDER heißt, hatten Wolfgang Kleinert und Dieter Schwalm vor sieben Jahren, wobei die  Idee dahinter war, allen  Cartoonisten die Gelegenheit zu geben, ihre besten Sachen, die sie in dem Jahr aktuell gemacht haben, einzureichen. „Das zweite Anliegen war,“ so Schwalm, „ mit diesen Werken zugleich einen satirisch gezeichneten Jahresrückblick zu schaffen, den es vorher so noch nicht gegeben hat.“ Ein Jahresrückblick, der zum einen natürlich die Ereignisse, die in diesem Jahr wichtig gewesen seien, nochmal aufzeige.  Und zum anderen wolle das Buch aber auch, wenn  die Sammlung groß genug sei, stilistische Sachen, inhaltliche Sachen dokumentieren, zeigen, wie sich Zeichenstile und die Auffassung der Cartoonisten, an diese Themen heranzugehen, veränderten. Das sei, so Schwalm,  die Idee hinter dem Buch  BESTE BILDER , welches in diesem Jahr zum ersten Mal die Basis für die Verleihung des Deutschen Preises sei.

Insgesamt folgten 100 Cartoonistinnen und Cartoonisten dem Aufruf, ihre besten Bilder seit 2015 einzureichen. Aus 3000 Arbeiten filterten die Herausgeber insgesamt  272 „BESTE BILDER“ heraus. Aus diesen wiederum ermittelte die Jury die drei Gewinner.

Der Jury gehörten an:  Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Rolf Dieckmann, ehemaliger Humorchef beim STERN, Antje Haubner, Lektorin Lappan Verlag, Wolfgang Kleinert, Chef der Berliner Cartoonfabrik, Dieter Schwalm, Programmleiter Lappan Verlag und Martin Sonntag, Leiter der Caricatura in Kassel, an.

„Flüchtlinge“, „Merkel“, „AfD“, „Erdogan“, „Trump“, „IS-Terror“, „die Angst des besorgten Bürgers“ bis hin zu den „Pokémons“ waren die zentralen Themen, die die Cartoonisten-Szene bewegte und zu ganzen Serien wunderbarster Werke  inspirierte, weswegen  Moderator Markus Barth, Standup-Comedian und Autor von zuletzt „Soja-Steak an Vollmondwasser – Das Handbuch der überschätzten Lebensmittel“ zunächst einmal die „Besten“ aus „BESTE BILDER“ auf einer Groß-Leinwand dem Zeltpublikum präsentierte. Mit dabei waren auch die noch nicht als solche geouteten Sieger-Cartoons.

Deutscher Cartoonpreis 2016 für die drei „Allerbesten" der BESTEN BILDER v.l.n.r.: Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Deutscher Cartoonpreis 2016 für die drei „Allerbesten“ der BESTEN BILDER v.l.n.r.: Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Spannung, wer denn nun von den BESTEN die ALLERBESTEN waren, erreichte ihren Höhepunkt als Jurysprecher Martin Sonntag, zwar mit ein wenig Bedauern über fehlende Fanfaren, endlich die Preisträger bekannt geben konnte. Gemeinsam mit Antje Haubner, Lektorin im Lappan Verlag und Wolfgang Kleinert, Chef der Berliner Cartoonfabrik, überreichte er die „Trophäen“ an die Sieger: Mario Lars (3.Preis),  Beck (2.Preis) und Loenhard Riegel (1.Preis.)

Die Jurybegründungen (von Martin Sonntag)  

Der Deutsche Cartoonpreis, 3.Preis, wird verliehen an Mario Lars für seine folgende Zeichnung:

mario-lars2„Dieses Zeichnung von Mario Lars greift ein wichtiges Thema unser Gesellschaft auf, wenn nicht zwei sogar, nämlich die Themen FKK und Schilder. Wir alle wissen, wenn in Deutschland irgendwo etwas auf einem Schild steht, ist irgendetwas entweder zu unterlassen oder dringend umzusetzen. Also „Nicht vom Beckenrand springen!“, oder „Den Rasen nicht betreten“ oder „Rechts stehen, links gehen!“, zwingend umsetzen.

Genau das greift Mario Lars in seiner Zeichnung auf, hier wird FKK umgesetzt, und wer, wenn nicht Mario Lars wüsste am besten, was FKK ist. In Norddeutschland geboren und aufgewachsen, aktuell in Gneven bei Schwerin lebend, hat er gelernt, dass es bei FKK darum geht, die primären Geschlechtsmerkmale zu präsentieren. Das macht in diesem Cartoon eine vollverschleierte Frau, weil sie von einem Schild dazu aufgefordert worden ist. Die Zeichnung ist somit ein Lobgesang auf eine gelungene Integration, eine Abrechnung mit dem Themen FKK und Schilderhörigkeit in Deutschland. Die Jury war einhellig der Meinung, dass die vorgelegte Arbeit alle formalen Kriterien eines guten Cartoons erfüllt. Witztechnisch führt Mario Lars hier verschiedene Themen zusammen, die überhaupt nicht zusammengehören; also: Vollverschleierung, Schilder, FKK haben nichts miteinander zu tun. Wenn man dies zusammenführt, entsteht Comic, ein bewährtes Comic-Prinzip. Mario Lars veröffentlicht im Eulenspiegel, in mehreren Tageszeitungen, beispielsweise in der Sächsischen Zeitung,  Schweriner Volkszeitung“, so Martin Sonntag.

Lars Barth merkte in seiner kurzen Dankesrede an: Zum einen hat Facebook diesen Cartoon gesperrt,  nicht aus religiösen Motiven, sondern wegen „zu vielen Titten“. „Zweitens: wir hatten ja in Ostdeutschland nichts anzuziehen und haben aus unserer Not eine Tugend gemacht und den FKK erfunden, vielen Dank!“

 

Der Deutsche Cartoonpreis, 2. Preis, wird verliehen an Beck für seine Zeichnung: „Zeit aufzustehen  und auf dein Telefon zu starre“.

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„Der Cartoon ist selbsterklärend. Diese Mutter ruht in sich. Sie kennt sich nicht aus in der Welt der Smartphones, glaubt ja sogar noch, dass ein Smartphone ein Telefon ist. Die weiß also nicht wirklich, worum es geht, was das soll, wozu das gut ist. Sie weiß aber eines, nämlich, dass ihr Kind, das den ganzen Tag macht: Aufs Telefon starren, und sie weiß, dass es langsam wieder Zeit wird. Das ist eine herrliche Studie über die Entwicklung in unserer Gesellschaft über die digitale Welt und darüber, dass die Unterschiede zwischen den Generationen vielleicht groß sein mögen, dass jedoch die Liebe einer Mutter unermesslich ist. Bei diesem Cartoon gefiel der Jury nicht nur die hervorragende Aufnahme der Themen Generationenkonflikt und Fragwürdigkeit im Umgang mit Digital Devices. Es gefiel auch die herausragende Technik des Künstlers, der mit wenigen Strichen eine Szenerie erschafft, die den Witz aufs Beste transportiert. Das liebevolle Tätscheln der Mutter der rechten Hand, über die Fingerspitzen, durch die die Bewegungslinien angedeutet sind. Dies glückselige und zufriedene Lächeln. Das in ihrer Wohnung. Da ist die Welt noch in Ordnung. Ausgeführt durch wenige Striche, ein sicherer Beweis für die große Könnerschaft, des Zeichners, nämlich des Zeichners Beck. Der Cartoonist aus Leipzig zeichnet für eine Vielzahl für Online- und Print-Medien in Deutschland, in der Schweiz …  Er zählt zu den Großmeistern der komischen Kunst (…)“, so Martin Sonntag

 

Beck: Danke der Jury für den überraschenden Preis „Auch das noch wollte ich fast sagen, „ ich habe mir natürlich schon was überlegt, was ich mit dem Preisgeld mache. Ich werde spenden an zwei Institutionen „Bürger für Leipzig“ und  an das „Wasserhahnprojekt“

 

Deutscher Cartoonpreis, 1. Preis, geht an  Leonhard Riegel für seine Zeichnung:

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Eine Zeichnung von Leonhard Riegel: Bonjour tristesse, das zwischen Nonchalance, Verbitterung, aber auch Hoffnung jongliert. Man wird den Eindruck nicht los, dass diese Zeichnung irgendwas mit den Stichworten „Pegida“ und „Lügenpresse“ zu tun haben könnte. Eine Ausdeutung des Bildes ist an dieser Stelle nicht möglich, es fehlt schlicht und ergreifend die Zeit, denn in dieser Zeichnung steckt Material für eine ganze Doktorarbeit. Als Stichworte wurden schon genannt; Pegida, Lügenpresse, aber auch Tal der Ahnungslosen, Verödung, Flüchtlinge und Angst, Sozialneid und soziale Kontrolle, neue Technik und alte Technik, und so weiter und sofort. Also es steckt sehr viel drin. Aber bei aller dargestellten Trostlosigkeit vermittelt die Zeichnung Hoffnung; denn sitzt nicht immer, genau wie bei dieser Zeichnung von Leonhard Riegel, irgendwo ein kleiner süßer Vogel auf dem Dach und pfeift drauf. Auch wenn dem nicht so wäre: Die Jury war sich überwältigend schnell einig, das mit dem vorgelegten Cartoon von Leonhard Riegel nicht nur eine Zeichnung prämiert wird, die technisch einwandfrei ist, sondern auch eine Arbeit den ersten Preis belegt, die in ihrer Vielschichtigkeit auf mehreren Ebenen Bezug findet, die oben schon genannt worden sind. Es ist schlicht der beste Cartoon des Jahres 2016.  Leonard Riegel, Redakteur beim endgültigen Satiremagazin Titanic, lebt abwechselnd in Frankfurt und Kassel, zum Glück ist er heute in Frankfurt.“, gratulierte Martin Sonntag dem Preisträger.

Leonhard Riegel: „Vielen Dank ich freue mich sehr. Ich weiß gar nicht, ob man das auf der kleinen Projektion erkennt, wo der Witz eigentlich ist: Die telefonieren über Dosentelefone, nur nochmal  zu Sicherheit. „

Veranstaltungstipps

Tipp 1: „BESTE BILDER“, Ausstellung vom 12.11.2016 bis 19.02.2017  in der Caricatura Kassel.

Tipp 2: SternBilder, Ausstellung vom 10.11.2016 bis 12.03.2017 Caricatura Frankfurt