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ÖKOPROFIT: 37 Wiesbadener Betriebe ausgezeichnet

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Während einer Feierstunde wurden gestern Abend  im Festsaal des Wiesbadener Rathauses acht Neueinsteiger und 29 langjährig erfolgreiche Teilnehmer am bundesweit etablierten Umweltberatungsprogramm Ökoprofik mit  „Ökoprofit-Urkunden“ ausgezeichnet von Evelyne Wickop, Projektleiterin von Ökoprofit im Umweltamt und Andreas Kowol, Umwelt- und Verkehrsdezernent .

Andreas Huebner, Geschäftsführer Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft, hielt den Festvortrag über Entscheidungsprozesse im Bereich Engergie und Nachhaltigkeit, wobei er unter anderem verdeutlichte, dass theoretisch eine gar nicht mal so große Photovoltaik-Fläche von etwa 6.400 Quadratkilometern (80 x 80 km) bereits reichte, um die Energieprobleme der Bundesrepublik Deutschland zu lösen.

Festredner Andreas Hübner begeisterte die Zuhörer mit neuen Ansätzen zur Klimadiskussion.© Foto: Diether v Goddenthow
Festredner Andreas Hübner begeisterte die Zuhörer mit neuen Ansätzen zur Klimadiskussion.© Foto: Diether v Goddenthow

Noch dringender als „Klimaneutralität“ wäre angesichts eines Bevölkerungswachstums von 2,6 Personen pro Tag und einem durchschnittlichen  Verbrauch von allein 381 Tonnen Beton pro Mensch (Schweizer Standard)   das Streben nach „Ressourcenneutralität“ bis 2050. Denn während heutzutage schon 990 Tonnen Beton pro Sekunde benötigt würden, stiege bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstumstempo bis 2050  theoretisch allein der weltweite Betonbedarf  auf 85 Milliarden Tonnen pro Tag. Dies wäre gar nicht darstellbar. Deswegen bedürfe es einer neuen Klima- und Ressourcen-Kultur, betonte Huebner.

Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow
Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende begrüßte alle Teilnehmenden und Gäste und hob anlässlich der Auszeichnung der Wiesbadener ÖKOPROFIT-Betriebe 2018/2019 hervor: „Mit Leidenschaft und Beharrlichkeit leisten Unternehmen mit vielfältigen Maßnahmen ihren konkreten Beitrag zur Erreichung lokaler und globaler Ziele für Klimaschutz und Nachhaltigkeit“. „Es freut mich zu sehen, wie im 19. Wiesbadener ÖKOPROFIT-Jahr immer mehr kleine und große Unternehmen und Institutionen diese gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen.“

Mit ÖKOPROFIT, dem Beratungsprogramm und Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften, fördert die Landeshauptstadt Wiesbaden mit großer Kontinuität und messbaren Erfolgen die Verankerung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit im konstruktiven Miteinander mit der Wirtschaft und weiteren lokalen Partnern. 37 Unternehmen und Einrichtungen aus Wiesbaden und Umgebung, acht Neueinsteiger und 29 langjährige ÖKOPROFIT-Klubmitglieder, erhielten bei der Feierstunde zum Abschluss der 13. Projektrunde am Mittwoch, 4. Dezember 2019 im Festsaal des Rathauses ihre ÖKOPROFIT-Zertifikate.

Umwelt-Dezernent Andreas Kowol. © Foto: Diether v Goddenthow
Umwelt-Dezernent Andreas Kowol. © Foto: Diether v Goddenthow

„Mit Ihrer Teilnahme haben Sie Potenziale in den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Mobilität, Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz, nachhaltige Beschaffung, Organisation und Kommunikation und Biodiversität aufgedeckt und konkrete Projekte umgesetzt,“ betonte Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol, der den erfolgreichen Teilnehmern zusammen mit dem Oberbürgermeister die Urkunden überreichte. „Sie motivieren Ihre Mitarbeitenden, sich aktiv für Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Betriebsalltag einzusetzen und positionieren sich zugleich als Unternehmen mit Ihrem Engagement nach außen.“

Der Kreis der Neueinsteiger ist vielseitig und reicht von der Schreinerei, dem Entsorger und Industriebetrieb über einen Gebäudereiniger, Versicherer, einer Eventagentur und einer Kita bis hin zu einem Naturpark. „So unterschiedlich der Teilnehmerkreis ist, es gibt auch immer wichtige übergreifende Themen, die für alle relevant sind“, erläuterte der Umweltdezernent. „In diesem Jahr waren das zum Beispiel insbesondere Mobilität und Biodiversität.“ Die aktuelle Auszeichnung mitgezählt, steigt die Anzahl der Wiesbadener ÖKOPROFIT-Zertifizierungen auf über 370.

 Evelyne Wickop, Projektleiterin von Ökoprofit im Umweltamt zog im Ökoprofit- Talk eine positive Bilanz und zeigte die weiteren Perspektiven des Ökoprofitprojektes in Wiesbaden auf. © Foto: Diether v Goddenthow
Evelyne Wickop, Projektleiterin von Ökoprofit im Umweltamt zog im Ökoprofit- Talk eine positive Bilanz und zeigte die weiteren Perspektiven des Ökoprofitprojektes in Wiesbaden auf. © Foto: Diether v Goddenthow

Mit insgesamt rund 220 Maßnahmen leisten die ÖKOPROFIT-Betriebe 2018/2019 einen eindrucksvollen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. Sie erzielen insgesamt eine Energieeinsparung von knapp drei Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit reduzieren sie die CO2-Emissionen um fast 900 Tonnen – das entspricht der CO2-Speicherung eines Mischwaldes mit der Fläche von rund 120 Fußballfeldern. Die Reduzierung von über einer halben Million Plastikmülltüten, 70.000 Quadratmetern Plastikfolie und 35.000 Stück Einweggeschirr sind Effekte, die im Bereich Ressourceneinsparung erzielt werden. „An dem großen Spektrum der Aktivitäten in allen Handlungsfeldern des betrieblichen Umweltschutzes, auch derjenigen Maßnahmen, die nicht in Zahlen messbar sind, zeigen sich die vielfältigen positiven Effekte, zu der jedes Unternehmen und jeder Einzelne beiträgt“, lobte Jutta-Maria Braun, Leiterin des Umweltamtes, die erfolgreichen Teilnehmer des Netzwerkprogramms.

Evelyne Wickop, Projektleiterin von Ökoprofit im Umweltamt führte durch den Abend und warb dafür, sich für die Jubiläumsrunde 2020 zu bewerben. © Foto: Diether v Goddenthow
Evelyne Wickop, Projektleiterin von Ökoprofit im Umweltamt führte durch den Abend und warb dafür, sich für die Jubiläumsrunde 2020 zu bewerben. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei ÖKOPROFIT werden über einen Zeitraum von gut einem Jahr gemeinsam mit der Stadt und externen Beratern Fragen rund um eine nachhaltige Unternehmensführung, Energie- und Ressourceneffizienz bearbeitet, alle betriebsrelevanten Aspekte unter die Lupe genommen und Ansatzpunkte für Verbesserungen entwickelt und umgesetzt. „Dabei bietet das Programm stets aktuelle Themen und gleichzeitig die Möglichkeit, flexibel und individuell auf die Rahmenbedingungen jedes Teilnehmers einzugehen“, so Evelyne Wickop, Projektleiterin im Umweltamt. „Der modulare Aufbau und die Praxisnähe von ÖKOPROFIT machen das Programm so attraktiv als Plattform und Kristallisationspunkt für Unternehmen und Einrichtungen aller Größen und Branchen.“

Neben dem Ausbau des betrieblichen Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements steht ÖKOPROFIT unter Trägerschaft des Umweltamtes für ein starkes lokales und regionales Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften mit einem intensiven Austausch unter Gleichgesinnten. Das Konzept beruht auf einer Kombination aus Workshops und individuellen Beratungen im Betrieb mit dem Ziel, die Unternehmen beim Ausbau ihres Umwelt- und Nachhaltigkeitsengagements zu unterstützen.

Gleichzeitig mit der Auszeichnung wird der ÖKOPROFIT-Klub zum zweiten Mal als Energieeffizienz-Netzwerk der Initiative von Bundesregierung und Wirtschaft in Wiesbaden gewürdigt. Mit einem besonderen Fokus auf Energieeffizienzthemen haben sich 22 Mitglieder auf ein gemeinsames Einsparziel verständigt und ihr Engagement auch bundesweit unterstrichen.

Das Kooperationsprojekt zwischen Kommune und Wirtschaft blickt bereits auf viele erfolgreiche Jahre zurück. Kooperationspartner von ÖKOPROFIT sind die IHK Wiesbaden, die ESWE Versorgungs AG und die Klimaschutzagentur Wiesbaden e.V.
Informationen und Anmeldungen zur Jubiläumsrunde 2020 sind ab sofort möglich beim Umweltamt, Telefon (06 11) 313741 oder per E-Mail an umweltmanagement@wiesbaden.de.

Ausgezeichnet werden als ÖKOPROFIT-Betrieb 2018/2019:
Einsteiger-Betriebe

Ausgezeichnet wurden folgende Einsteiger-Betriebe als ÖKOPROFIT-Betrieb 2018/2019 © Foto: Diether v Goddenthow
Ausgezeichnet wurden folgende Einsteiger-Betriebe als ÖKOPROFIT-Betrieb 2018/2019 © Foto: Diether v Goddenthow

• AWO Kreisverband Wiesbaden e.V., Kindertagesstätte Heßloch
• Christ und Holtmann Werkstätte für Innenausbau GmbH
• Constantia Ebert GmbH
• HEIDENREICH Gebäudedienste GmbH
• KNETTENBRECH + GURDULIC Service GmbH & Co. KG
• Naturpark Rhein-Taunus
• Palast Promotion Veranstaltungs-Consulting GmbH
• SOKA-DACH Sozialkassen des Dachdeckerhandwerks

Klub-Betriebe

Ausgezeichnet wurden folgende Klub--Betriebe als ÖKOPROFIT-Betrieb 2018/2019 © Foto: Diether v Goddenthow
Ausgezeichnet wurden folgende Klub–Betriebe als ÖKOPROFIT-Betrieb 2018/2019 © Foto: Diether v Goddenthow

• Abbott GmbH & Co. KG
• ABO Wind AG
• atrikom fulfillment Gesellschaft für Projekt-Dienstleistungen mbH
• Brillen Bouffier GmbH
• BRITA GmbH
• Dow Silicones Deutschland GmbH & Co. KG
• Eckelmann AG
• ECT ECO TAXI Deutschland GmbH
• ESWE Verkehrsgesellschaft mbH
• ESWE Versorgungs AG
• Gramenz GmbH
• GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH
• Hans Teigeler GmbH
• Henkell & Co. Sektkellerei KG
• Hoffmann Service GmbH & Co. KG
• Huhle Stahl- und Metallbau GmbH
• R+V Versicherung AG
• Rathaus der Landeshauptstadt Wiesbaden
• Schreinerei Gerd Michel e.K.
• SCHUFA Holding AG
• Smiths Heimann GmbH
• SOKA-BAU
• Sopro Bauchemie GmbH
• SV SparkassenVersicherung Holding AG
• TriWiCon – Standort Kurhaus Wiesbaden mit Kurhaus-Kolonnaden und Jagdschloss Platte
• TriWiCon – Standort RheinMain CongressCenter (RMCC)
• Umweltamt der Landeshauptstadt Wiesbaden
• WERO GmbH & Co. KG
• wfb Wiesbaden-Rheingau-Taunus (facettenwerk)

Weitere Informationen zu Ökoprofit-Wiesbaden

Museum Künstlerkolonie Darmstadt zeigt OLAF NICOLAI Ausstellung „A light vapour emanating from bound matter as spirits running, along“

Aus "All Our Suns" (2019) von Olaf Nicolai
Aus „All Our Suns“ (2019) von Olaf Nicolai

Das Institut Mathildenhöhe Darmstadt präsentiert vom 8. Dezember 2019 bis 29. März 2020 im Museum Künstlerkolonie Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Soundinstallation, Fotografien, Videos und Künstlerbücher des Wilhelm-Loth-Preisträgers 2017, Olaf Nicolai, mit dem etwas kryptisch klingenden Titel „A light vapour emanating from bound matter as spirits running, along“ (Ein leichter Dampf aus gebundenem Material ausströmend wie rennende Geister, entlang).
Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 7. Dezember 2019 um 19 Uhr, mit einer Feier im Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt, Olbrichweg 10, 64287 Darmstadt. Die Ausstellung selbst wird im Museum Künstlerkolonie, Olbrichweg 13 A, gezeigt.

In der eigens für die Mathildenhöhe entwickelten mehrteiligen Installation inszeniert Nicolai, der international als einer der anerkanntesten Künstler seiner Generation gilt, erstmals eine Übersicht seines publizistischen Œuvres von der Buchkunst-Arbeit bis hin zur ephemeren Geste. In seinen Arbeiten umkreist Nicolai verschiedene wissenschaftliche und künstlerische Felder, nutzt historische, politische und philosophische Elemente als Ausgangspunkt für vielschichtige Installationen und interdisziplinäre Projekte. In einer technisch und stilistisch neuartigen und sehr spezifischen Sprache thematisieren seine Arbeiten Verschiebungen im Verhältnis von Körper, Raum und Bewegung sowie vor allem auch die hierdurch evozierten Imaginationen. Mit dieser Arbeitsweise ist von Beginn an die Produktion von Texten und Büchern verwoben, und folglich werden Nicolais Aktivitäten von zahlreichen Künstlerbüchern und anderen Publikationsformaten begleitet. Sie weisen nicht nur vielfältige Formen auf – von Stickern, Postern über Zeitungen und Webseiten bis hin zu einem digitalen Schriftfont, Filmskripten und Radiostücken –, sondern verorten auch das Format „Publikation“ in seinen möglichen Funktionen vollkommen neu. Instruktionen, Spielanleitungen, Quellensammlungen, Reader sowie Textcollagen, Bildtableaus und Zeichenbücher für Kinder werden zu Handlungsanweisungen mit reflexivem und spielerischem Potential.

Nicolai verweist hierbei nicht nur auf die tradierten Formen des „Künstlerbuchs“ vom klassischen Notiz- und Skizzenbuch bis zum konzeptionellen Werk; Er greift auch Notations- und Präsentationsmodi wissenschaftlicher, musikalischer und experimenteller Literaturen auf, die zwischen Recherchen und fiktionalen Improvisationen oszillieren – wie Aby Warburgs Arbeiten zum Mnemosyne-Atlas, die Text-Bildverschränkungen von Oskar Negt, Alexander Kluges „Geschichte und Eigensinn“ oder Klaus Theweleits „Männerphanstasien“. Zu nennen wären hier auch die Notationen Earle Browns, die Gedichte Inger Christensen und Texte von Autor*innen der Gruppe OuLiPo oder Jeff Noons Science-Fiction Narrative.
Die Ausstellung im Museum Künstlerkolonie übersetzt dieses mehrschichtige Produktionsprinzip von Nicolai für die Besucher*innen als einen Rundgang durch eine Abfolge kleiner installativer Inszenierungen.

DAS RAHMENPROGRAMM
Olaf Nicolais Publikationspraxis ist vor allem auch eine kollaborative. Neben der intensiven Zusammenarbeit mit Gestalter*innen, anderen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, stehen auch künstlerische Strategien, die Aufträgen und Delegierungen nutzen und somit die Arbeitsteiligkeit zeitgenössischen Produzierens bewusst vorstellen. Diesen Aspekt strukturiert u.a. das Rahmenprogramm der Ausstellung, in dem ein Gespräch über Camouflage, Militär und Poesie mit dem Büchner-Preis-Träger Marcel Beyer sowie eine Veranstaltung mit Buchpräsentation des Künstlerbuchs „7 Postkarten für Innsbruck“ mit dem Verleger Jan Wenzel (Spector Books) stattfinden wird. An der Finissage wird es eine Wiederaufführung von „Escalier du Chant“ durch die Neuen Vocalsolisten Stuttgart geben, mit einer neu beauftragten Komposition von Isabel Mundry.
Im Frühjahr 2020 wird zudem ein Ausstellungskatalog mit großzügiger Unterstützung der BS Kulturstiftung Darmstadt erscheinen.

DAS MUSEUM
Die Ausstellung findet statt im 1901 erbauten Ernst Ludwig-Haus, dem heutigen Museum Künstlerkolonie. Dieses Haus markiert den Beginn der Künstlerkolonie Darmstadt, die auf Initiative von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein auf der Mathildenhöhe ein Ensemble aus Bau- und Kunstwerken sowie gestalteten Freiflächen geschaffen hat, das sich momentan auf der offiziellen Vorschlagsliste zur Anerkennung als UNESCO-Welterbestätte befindet. Im Sommer 2020 wird das Welterbekomitee über die Nominierung entscheiden. Olaf Nicolai nimmt in der aktuellen Ausstellung auf diesen besonderen Ort Bezug, indem er in der Ständigen Sammlung des Museums mittels zweier skulpturaler Interventionen mit Designikonen der Frühmoderne u. a. von Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich in Dialog tritt.

Ausstellungsort:
Museum Künstlerkolonie
Olbrichweg 13 A
64287 Darmstadt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr
Sonderöffnungszeiten:
Heiligabend, 24.12.2019: geschlossen
1. Weihnachtstag, 25.12.2019: geschlossen
2. Weihnachtstag, 26.12.2019: geöffnet
Silvester, 31.12.2019: geschlossen
Neujahr, 1.1.2020: geschlossen

Rahmenprogramm
FÜHRUNGEN
Jeden Sonntag um 15 Uhr, Museumseintritt zzgl. 3 Euro
englischsprachige Führungen jeden 1. Donnerstag im Monat um 16 Uhr, im Museumseintritt enthalten.

Vollständige Informationen zum Rahmenprogramm, Kinderführungen usw. finden Sie unter: www.mathildenhoehe.eu/olaf-nicolai

Ermordeter Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille von Ministerpräsident Volker Bouffier gewürdigt – Walter-Lübcke-Demokratie-Preis ausgerufen

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. (v.l.n.r.: Irmgard Braun-Lübcke, Christoph Lübcke, Jan-Hendrik Lübcke, Ministerpräsident Volker Bouffier) © Foto: Diether v Goddenthow
Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. (v.l.n.r.: Irmgard Braun-Lübcke, Christoph Lübcke, Jan-Hendrik Lübcke, Ministerpräsident Volker Bouffier) © Foto: Diether v Goddenthow

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. „Dr. Walter Lübcke war ein Mensch und Politiker, der sich aus voller Überzeugung für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt hat. Er war ein Mensch der klaren Worte. Für seine standhafte, aufrichtige und unerschrockene Einstellung musste er mit dem Leben bezahlen. Walter Lübcke ist ein Vorbild für alle aufrichtigen Demokratinnen und Demokraten. Sein Wirken und seine Verdienste für unser Land werden wir immer in Erinnerung behalten“, sagte der Regierungschef in seiner Rede.

Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Der politische Mord und seine Hintergründe hätten Hessen und ganz Deutschland tief erschüttert. „Diese Gewalttat hat uns nachdenklich gemacht, wie es um unsere politische Kultur und die politische Auseinandersetzung in Deutschland steht, die wir nicht extremistischen Minderheiten und Gruppen überlassen dürfen“, sagte der Ministerpräsident und langjährige Weggefährte Lübckes. Er forderte alle demokratischen Parteien zum gemeinsamen Handeln gegen Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Ordnung auf. „Wir brauchen den Zusammenhalt. Unsere Stimme für Demokratie, Menschenrechte und die Freiheit muss noch lauter werden. Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen. Das sind wir Walter Lübcke und vielen anderen, die sich für die Freiheit auf der ganzen Welt einsetzen, schuldig.“

Dank und Appell, der Unkultur von Hass und Hetze entgegenzutreten

Jan Hendrik Lübcke hielt im Namen seiner Familie eine beachtenswerte Rede. Sein Vater wäre heute stolz auf ihn gewesen! © Foto: Diether v Goddenthow
Jan Hendrik Lübcke hielt im Namen seiner Familie eine beachtenswerte Rede. Sein Vater wäre heute stolz auf ihn gewesen! © Foto: Diether v Goddenthow

Die Auszeichnung nahmen Lübckes Witwe Irmgard Braun-Lübcke und seine Söhne Christoph und Jan-Hendrik Lübcke  entgegen. Jan-Hendrik dankte namens seiner Familie ganz herzlich für die hohe Auszeichnung an seinen ermordeten Vater posthum. Mit tränenerstickter Stimme machte er einmal mehr auch die Seite der Hinterbliebenen deutlich, nämlich, dass man kaum ermessen könne, „was einem angetan wird, wenn der eigene Ehemann, der eigene Vater und Opa erschossen wird“. Aber nicht nur die Familie, auch viele Freunde und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Weggefährten schmerze der tragische Verlust sehr.

Der Vater sei ein Mann des klaren Wortes, freiheitlicher Überzeugung und demokratischer Werte gewesen. Er habe „seinen Standpunkt mit Nachdruck, charmant und auch mit Ironie vertreten“, wobei sein christliches Werteverständnis stets sein Handeln leitete, so auch im Jahr 2015, „als er sich der außerordentlichen Situation der geflüchteten Menschen stellte und der Vielfalt ihrer Probleme annahm“, so Jan Hendrick Lübcke. Es sei für seinen Vater selbstverständlich und zudem die Pflicht des Regierungspräsidiums Kassel gewesen, die geflüchteten Menschen in Nord- und Osthessen aufzunehmen, und zudem die damit verbundenen Ängste in der Bevölkerung anzuhören und ihnen diese durch Aufklärung zu nehmen.

Ebenso aber gehörte es auch „zu seinem Selbstverständnis sich hasserfüllten Äußerungen entschieden entgegen zu stellen und demokratische Werte zu verteidigen“, so auch bei der Veranstaltung in Nohfelden, im Herbst 2015, wo sein Vater energisch „provozierenden und verächtlichen Zwischenrufen zur Flüchtlingspolitik, gegen den deutschen Staat, gegen die Demokratie und gegen sein Handeln“ entgegentrat. Dabei “wurde ein Halbsatz unseres Vaters aus dem Kontext gerissen“ und „gelangte durch die Hände der späteren Mörder unmittelbar als Video ins Netz. Diese bewusst verkürzte Darstellung seiner Aussage führte nicht nur zu falschen inhaltlichen Interpretationen und Bewertungen, sondern wurde instrumentalisiert, um gegen ihn zu hetzen, ihn zu beleidigen und ihn zu denunzieren. Aus Worten wurden Taten: Die unbegreifliche Ermordung unseres Vaters!“, erinnerte Jan-Hendrik Lübcke. Er appellierte an die Gesellschaft, sich im Sinne seines Vaters der Unkultur von Hass, Brutalität, Verrohung, Demokratieverachtung und der Herabsetzung des anderen entgegenzusetzen. „Die Unkultur der Hetze und Diffamierung darf sich nicht verfestigen. Wir sind alle aufgefordert, demokratische Werte zu verteidigen, die schlimme Verrohung der Sprache zu stoppen, damit jetzige Generationen und nachfolgende in Frieden und Freiheit leben können!“

Der neue Walter-Lübcke-Demokratie-Preis

Volker Bouffier präsentiert den neuen Walter-Lübcke-Demokratie-Preis. © Foto: Diether v Goddenthow
Volker Bouffier präsentiert den neuen Walter-Lübcke-Demokratie-Preis. © Foto: Diether v Goddenthow

Um das Gedenken an den Verstorbenen zu bewahren, wird das Land Hessen in Zukunft den Walter-Lübcke-Demokratie-Preis verleihen. Der Ministerpräsident verkündete, dass damit Menschen geehrt werden, die sich in besonderer Weise für die Werte der Demokratie einsetzen. So wie Walter Lübcke dies ein Leben lang getan habe.

Mit dem vom Ministerpräsidenten verliehenen Preis können Einzelpersonen, Vereine, Projekte und Initiativen ausgezeichnet werden. Der Walter-Lübcke-Demokratie-Preis ist ein Bürgerpreis, jede und jeder kann Vorschläge einreichen. Der Preis hat, angelehnt an das Buch „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, eine Sternenform. Dort heißt es: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache“. Dazu erklärte der Hessische Ministerpräsident: „Viele, die Dr. Walter Lübcke kannten oder kennenlernten, haben in ihm einen Menschen gesehen, der überaus herzlich lachen konnte. Ich bin mir sicher, irgendwo auf einem Stern wird er sitzen, sich über jede Preisträgerin, jeden Preisträger freuen und ihnen allen sein Lachen schenken“. Auf einer Sternengala, die alle zwei Jahre stattfinden soll, werden die Preisträgerinnen und Preisträger gewürdigt.

Walter Lübcke wurde im Jahr 1953 in Bad Wildungen geboren. Er gehörte von 1999 bis 2009 dem Hessischen Landtag an und war unter anderem stellvertretender Vorsitzender im Unterausschuss für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung sowie Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr. Im Mai 2009 ernannte ihn Volker Bouffier, der damals Hessischer Innenminister war, zum Regierungspräsidenten im Regierungsbezirk Kassel.

„Auf der Bühne der Landespolitik, als Abgeordneter der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag und auch als Regierungspräsident in Kassel vertrat und verteidigte Walter Lübcke die Grundprinzipien des Grundgesetzes und der Hessischen Verfassung. Das feste Fundament seines Denkens und Handelns waren die freiheitlich demokratische Grundordnung und das christliche Menschenbild. Walter war bekannt und beliebt für seine Bodenständigkeit. Die Menschen lagen ihm am Herzen. Er hat sich für unser Land und seine Bürgerinnen und Bürger unermüdlich eingesetzt. Wir vermissen unseren Freund und Weggefährten schmerzlich. Mit dem Walter-Lübcke-Demokratie-Preis wollen wir an ihn erinnern und diejenigen, die sich tagtäglich in ihrem Ort oder darüber hinaus für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen, in besonderer Weise würdigen“, sagte Bouffier.

„Waldecker Lied“ als Verbeugung vor Lübcke

Das Blechbläserensemble des Heeresmusikkorps Kassel intonierte nicht nur das "Waldecker Lied", sondern umrahmte den Festakt musikalisch mit Simon  Garfunkels "Sound of Silence" und Udo Jürgens "Immer wieder geht die Sonne auf", Lieder die der geehrte Walter Lübcke besonders liebte.© Foto: Diether v Goddenthow
Das Blechbläserensemble des Heeresmusikkorps Kassel intonierte nicht nur das „Waldecker Lied“, sondern umrahmte den Festakt musikalisch mit Simon Garfunkels „Sound of Silence“ und Udo Jürgens „Immer wieder geht die Sonne auf“, Lieder die der geehrte Walter Lübcke besonders liebte.© Foto: Diether v Goddenthow

Abschließend stimmten die rund 350 Gäste in den Wiesbadener Kurhaus-Kolonnaden zum Gedenken und „als Verbeugung“ vor dem Ermordeten gemeinsam „Das Waldecker Lied“ an, da die „Hymne der Heimat“ für den Verstorbenen „mehr als ein Lied“ gewesen sei: „Es ist Stück Bekenntnis zur Heimat, ein Stück der Identität“, so abschließend Ministerpräsident Volker Bouffier.

Alles zur Veranstaltung mit Reden von Ministerpräsident Volker Bouffier und Jan Hendrik Lübcke hessenschau.de

Alles zum Mordfall Lübcke  hessenschau

Verleihung des Brückenpreises 2019 für soziale Integrationsprojekte in Rheinland-Pfalz

Verleihung des Brückenpreises 2019 am 30. November 2019 in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Diether v Goddenthow
Verleihung des Brückenpreises 2019 am 30. November 2019 in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Diether v Goddenthow

„Mit dem Brückenpreis möchte ich den Helden und Heldinnen des Alltags danken und ihr Engagement öffentlich machen. Die Auszeichnung stellt die Menschen in den Vordergrund, die mit ihrem Engagement Brücken bauen und zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beitragen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Verleihung des Brückenpreises im Rahmen einer Feierstunde in der Mainzer Staatskanzlei. Gesellschaftliche Integration gelinge dort, wo Menschen Mut haben, eine Idee verwirklichen, anpacken und Verantwortung übernehmen. Das hätten die sieben Preisträger und Preisträgerinnen in besonderer Weise getan.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Ihr Engagement baut Brücken zwischen Menschen. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Ihr Engagement baut Brücken zwischen Menschen. © Foto: Diether v Goddenthow

„Wir können in Rheinland-Pfalz stolz darauf sein, dass sich fast die Hälfte unserer Bevölkerung ehrenamtlich engagiert. Das Thema Ehrenamt und Bürgerbeteiligung steht auch deshalb ganz oben auf meiner politischen Agenda. Mir ist es wichtig, dass wir gemeinsam gute Rahmenbedingungen gestalten“, so die Ministerpräsidentin. Neben konkreten Unterstützungsangeboten gehe es auch darum, den engagierten Menschen die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie verdienten.

Mit dem Brückenpreis sollen Projekte, Organisationen oder Initiativen geehrt werden, die das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, den Dialog von Jung und Alt, das Zusammenleben mit unseren europäischen Nachbarn, die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Hautfarbe sowie den Kampf gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung fördern. Darüber hinaus sollen Kommunen und kommunale Projekte gewürdigt werden, die sich in besonderer Weise um die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und Bürgerbeteiligung verdient gemacht haben. Der Brückenpreis wird zum zwölften Mal vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten eine stilisierte Brücke, eine Urkunde und jeweils 1.000 Euro als finanzielle Unterstützung für ihr Engagement.

Kategorie 1 „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“

Malteser Hilfsdienst e.V. Diözese Speyer mit dem Projekt „Junior-Demenzbegleiter“

Malteser Hilfsdienst e.V. Diözese Speyer mit dem Projekt „Junior-Demenzbegleiter“. © Foto: Diether v Goddenthow
Malteser Hilfsdienst e.V. Diözese Speyer mit dem Projekt „Junior-Demenzbegleiter“. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Rahmen des Projektes werden Jugendliche in theoretischen und praktischen Einheiten im Umgang mit demenziell veränderten Menschen geschult und verbringen beim gemeinsamen Spielen, Vorlesen oder bei Gesprächen Zeit mit ihnen. Die Besuche finden in kooperierenden Betreuungseinrichtungen statt. Ziel des Projektes ist es, Verständnis und Wissen über Demenz aufzubauen und eine generationenübergreifende Bereicherung zu schaffen. Der Einsamkeit vieler Senioren und gleichzeitig der Unsicherheit junger Menschen im Umgang mit den Themen Alter, Demenz und Pflege soll entgegengewirkt werden. Beide Seiten, Alt und Jung, profitieren voneinander.

Kategorie 2 „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“

„Sportgemeinschaft DJK 1909 e.V. Andernach – Manu´s Teakwondo“

„Sportgemeinschaft DJK 1909 e.V. Andernach – Manu´s Teakwondo“, generations- und handycap-übergreifend. © Foto: Diether v Goddenthow
„Sportgemeinschaft DJK 1909 e.V. Andernach – Manu´s Teakwondo“, generations- und handycap-übergreifend. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Mitglieder der Abteilung Taekwondo der Sportgemeinschaft DJK 1909 e.V. gehören zu den erfolgreichsten Taekwondo-Sportlern im Bereich U12, U15 und U18. Neben der Qualität der sportlichen Ausbildung zeigen sie eindrucksvoll die verbindende Wirkung einer Sportart zwischen Sportlern mit und ohne Handicap und auch zu Athleten mit Migrationshintergrund. Neben dem Erlernen von Taekwondo geht es der Sportgemeinschaft um die Vermittlung ethischer und sozialer Werte. Sie unterstützen die jungen Sportler bei einer selbstbewussten und vorurteilsfreien Integration in unsere Gesellschaft.

Kategorie 3 „Bürgerschaftliches Engagement von Deutschen und Migrantinnen/Migranten“

„Rainbow Refugees Mainz“

„Rainbow Refugees Mainz“. © Foto: Diether v Goddenthow
„Rainbow Refugees Mainz“. © Foto: Diether v Goddenthow

Minderheiten innerhalb von Minderheiten haben es besonders schwer. Deshalb hilft Rainbow Refugees Mainz LSBTIQ-Geflüchteten (lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuell) in Mainz und anderen Städten in Rheinland-Pfalz. Die Organisation leistet Beratung und Krisenintervention bei Mobbing und Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften. Sie unterstützt die geflüchteten Menschen bei der Wohnungs- und Jobsuche, begleitet sie bei Gerichtsverfahren oder Behördengängen. Ein regelmäßiger Stammtisch ermöglicht Austausch und Gemeinschaft. Bisher wurden 100 geflüchtete Menschen betreut.

Kategorie 4 „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung und Diskriminierung“

„Wohnsitzlos in Mainz e.V.“

„Wohnsitzlos in Mainz e.V.“. © Foto: Diether v Goddenthow
„Wohnsitzlos in Mainz e.V.“. © Foto: Diether v Goddenthow

Der 2018 gegründete Verein, der aus der gleichnamigen Initiative hervorging, sensibilisiert für die Situation obdachloser Menschen und begleitet sie auf ihrem Weg in ein besseres Leben. Die Ehrenamtlichen leisten Hilfe im Alltag und in Notsituationen und organisieren Sachspenden über eine Facebook-Gruppe. Der Verein kooperiert mit dem Tagesaufenthalt und der Kleiderkammer der Mission Leben gGmbH in Mainz und bietet Selbstverteidigungskurse für Wohnsitzlose an. Durch Begegnungen auf Augenhöhe wirbt der Verein für Toleranz und Verständnis und baut Berührungsängste ab. In dem Verein engagieren sich Menschen mit Wohnsitz und ohne Wohnsitz, das schafft ein größeres Verständnis für die notwendige Unterstützung und baut Vorurteile ab.

SCHMIT-Z e.V. Queeres Zentrum Trier

SCHMIT-Z e.V. Queeres Zentrum Trier. © Foto: Diether v Goddenthow
SCHMIT-Z e.V. Queeres Zentrum Trier. © Foto: Diether v Goddenthow

Das 1993 gegründete „SCHMIT-Z“ versteht sich als schwul-lesbisches und queeres Zentrum in Trier. Der Verein setzt sich für die Rechte von Schwulen und Lesben sowie Transgender ein, wirbt bei zahlreichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit für mehr Akzeptanz und leistet Beratungs- und Aufklärungsarbeit. Das Zentrum bietet vielen Gruppen Heimat, wie zum Beispiel einer betreuten Jugendgruppe, einer Transgender Gruppe oder einer Gruppe queerer Familien. Mittlerweile hat der Verein viele Förderer und Mitglieder und bietet Menschen gerade in der „Outing-Phase“ Unterstützung und Offenheit. Eigene Veranstaltungen wie der „Rosa-Karneval“ haben sich fest etabliert.

Kategorie 5 „Bürgerschaftliches Engagement in grenzüberschreitender Zusammenarbeit“

„Freundschaftskreis Friedensdorf in Mayen“

„Freundschaftskreis Friedensdorf in Mayen“. © Foto: Diether v Goddenthow
„Freundschaftskreis Friedensdorf in Mayen“. © Foto: Diether v Goddenthow

Seit 30 Jahren betreut der Freundschaftskreis Friedensdorf Mayen im Elisabethkrankenhaus in Mayen kranke und verletzte Kinder, die das Friedensdorf aus dem Ausland nach Deutschland holt. Sie versuchen, ihnen für die Zeit ihrer Behandlung in Deutschland so gut es geht die fehlenden Eltern zu ersetzen. In den letzten Monaten ist es gelungen, jüngere Leute für das Projekt anzusprechen. So können die kranken Kinder täglichen Betreuungsbesuch bekommen. Außerdem gibt es eine Kreativgruppe, die Hand- und Bastelarbeiten zum Verkauf anbietet.

Kategorie 6 „Projekte kommunaler Engagement- und Beteiligungsförderung“

„Verbandsgemeinde Kaisersesch – Mehrgenerationenhaus Schieferland Kaisersesch“

„Verbandsgemeinde Kaisersesch – Mehrgenerationenhaus Schieferland Kaisersesch“. © Foto: Diether v Goddenthow
„Verbandsgemeinde Kaisersesch – Mehrgenerationenhaus Schieferland Kaisersesch“. © Foto: Diether v Goddenthow

Das 2014 installierte Projekt „der Kümmerer vor Ort“ in der VG Kaisersesch will im Zuge des demografischen Wandels Menschen ermöglichen, bis ins hohe Alter im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben und dort gut und gerne zu leben. Das Projekt ist mittlerweile in acht Ortsgemeinden angesiedelt. Ehrenamtliche bieten unterschiedlichste Hilfestellungen an und bringen sich nach ihren eigenen Wünschen, Neigungen und Möglichkeiten ein. Die Kümmerer sind vernetzt und jederzeit mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin der Verwaltung als zentrale Anlaufstelle verbunden. Es finden regelmäßige Treffen zum Austausch und zur Weiterbildung statt.

Pussy-Riots performen im Wiesbadener Staatstheater für die Freiheit –

Diskussion über die Freiheit mit Pussy-Riot-Gruppe im Theater-Foyer des Wiesbadner Staatstheaters am 29.11.2019. Die regimekritische Polit-Punk-Gruppe aus Moskau erlangte 2012 weltweite Bekanntheit mit ihrem »Punk-Gebet« in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Der Aktion folgte ein international stark kritisierter Gerichtsprozess, an dessen Ende drei der beteiligten Frauen zu jeweils zwei Jahren im Arbeitslager verurteilt wurden.© Foto: Diether v Goddenthow
Diskussion über die Freiheit mit Pussy-Riot-Gruppe im Theater-Foyer des Wiesbadner Staatstheaters am 29.11.2019. Die regimekritische Polit-Punk-Gruppe aus Moskau erlangte 2012 weltweite Bekanntheit mit ihrem »Punk-Gebet« in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Der Aktion folgte ein international stark kritisierter Gerichtsprozess, an dessen Ende drei der beteiligten Frauen zu jeweils zwei Jahren im Arbeitslager verurteilt wurden.© Foto: Diether v Goddenthow

Nach der im Kleinen Hauses des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden gefeierten Cross-Over-Performance »Riot Days« des 2011 gegründeten russischen Protestkunst-Kollektivs Pussy Riot, hatten die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Karl Hermann-Flach-Stiftung zur einer Diskussion über die Geschichte ihr 2012 erfolgten Inhaftierung wegen „Rowdytum aus religiösem Hass“  und  ins Theater-Foyer eingeladen.  Die Aufarbeitung dieser Erfahrung, das Leben in einem russischen Lager, der Kampf gegen Repression wird in diesem Stück verarbeitet und ist ein Cross-Over aus Konzert, Kundgebung und Theater. Elektrische Sounds, Sprechgesang und Live-Musik erzählen eine Geschichte von Widerstand, Repression und Revolution.

(v.li.) Deutschland-Funk Moderator Christoph Heinemann,  Pussy Riot-Producer Aleander Cheparukin, Pussy-Riot-Aktivistin und Künstlerin Marija Aljochina, Julius Freytag-Loringhoven, Leider des  Moskauer Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Boris-Nemzow-Stiftung, sowie Martin Hammer, Dramaturg, Kurator und Leiter der Biennale Wiesbaden © Foto: Diether v Goddenthow
(v.li.) Deutschland-Funk Moderator Christoph Heinemann, Pussy Riot-Producer Aleander Cheparukin, Pussy-Riot-Aktivistin und Künstlerin Marija Aljochina, Julius Freytag-Loringhoven, Leider des Moskauer Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Boris-Nemzow-Stiftung, sowie Martin Hammer, Dramaturg, Kurator und Leiter der Biennale Wiesbaden © Foto: Diether v Goddenthow

Anschließend diskutierten unter Leitung von Deutschland-Funk Moderator Christoph Heinemann  Pussy Riot-Producer Alexander Cheparukin, Pussy-Riot-Aktivistin und Künstlerin Marija Aljochina, Julius Freytag-Loringhoven, Leiter des  Moskauer Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Boris-Nemzow-Stiftung, sowie Martin Hammer, Dramaturg, Kurator und Leiter der Biennale Wiesbaden über die Freiheit und den oftmals schmalen Grat, wie weit Kunst gehen darf. Dabei standen insbesondere die Ereignisse und die Folgen ihrer, in leichtbekleideter Weise durchgeführten 41-Sekunden-Performance am Altar des zentralen Gotteshauses der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK), der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, am 21. Februar 2012 im Zentrum.

Pussy-Riot-Aktivistin und Künstlerin Marija Aljochina. © Foto: Diether v Goddenthow
Pussy-Riot-Aktivistin und Künstlerin Marija Aljochina. © Foto: Diether v Goddenthow

Obgleich sich die Pussy-Riot-Aktivistinnen nach ihrer Aktion bei den Gläubigen entschuldigten, wurden sie am 17. August 2012 wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu jeweils zwei Jahren Freiheitsentzug  verurteilt mit der Begründung, sie hätten „die soziale Ordnung grob unterwandert“. Besonders hätten sich damals die Bilder der fünf jungen Frauen in Glaskäfigen vor Gericht ins kollektive Gedächtnis eingebrannt (weiter über: https://www.freiheit.org/veranstaltung-es-gibt-keine-freiheit-wenn-man-nicht-taglich-fur-sie-kampft)

 

 

GfdS kürt »Respektrente« zum Wort des Jahres 2019

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat heute im Wiesbadener Rathaus das Wort „Respektrente“ zum Wort des Jahres 2019 gekürt. Das Wort bezeichnet die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen. Aus sprachlicher Sicht handelt es sich um die Neubildung eines Hochwertwortes in der politischen Debatte, die der Selbstaufwertung durch Fremdaufwertung dient. Es gehe bei dem Projekt nicht ausschließlich um einen Beitrag zur Bekämpfung von Altersarmut, so der Bundesarbeitsminister, sondern vor allem um Respekt, die »Anerkennung der Lebensleistung«.

Die Wörter des Jahres 2019
1. Respektrente
2. Rollerchaos
3. Fridays for Future
4. Schaulästige
5. Donut-Effekt
6. brexitmüde
7. gegengoogeln
8. Bienensterben
9. Oligarchennichte
10. Geordnete-Rückkehr-Gesetz

Weitere Informationen und Erörterungen zu den Wörtern des Jahres!

200 Jahre Hessisches Landesmuseum Darmstadt – eines der ältesten Universalmuseen der Welt – Jubiläumsprogramm 2020


Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) zählt zu den großen und ersten öffentlichen Häusern Europas und weltweit.Als vor 200 Jahren Großherzog Ludewig I. von Hessen-Darmstadt (vom 6. April 1790 an als Ludwig X. regierender Landgraf von Hessen-Darmstadt) die fürstliche Sammlung an den Staat und damit an die Öffentlichkeit übergab, tat er es zum „Nutzen und der Belehrung“ der Bevölkerung ganz im Geiste der Aufklärung.So umfasste seine Sammlung damals schon Gemälde, grafische Werke, zoologische Präparate, paläontologische Fundstücke, physikalische Instrumente, technische Apparate und vieles mehr, ein Fundus und Grundstock universalen Wissens, dessen universaler Sammlungsgedanke und der mit ihm verbundene Bildungsauftrag immer wieder entsprechend dem wissenschaftlichen Stand seiner Zeit bis heute bewahrt, aktualisiert und erweitert wurde. Mittlerweile vereinigt das Hessische Landesmuseum zahlreiche unterschiedliche Sammlungen unter einem Dach aus den Bereichen Kunst-, Kultur- und Naturgeschichte. Eine solche Breite an Ausstellungsbereichen verleiht dem HLMD einen besonderen, unverwechselbaren und einmaligen Charakter unter den bedeutenden Museen Europas.
2020 feiert das HLMD seinen 200. Geburtstag! Das Jubiläumsjahr steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Entsprechend ambitioniert und vielfältig ist das Jubiläumsprogramm 2020/21 „200 Jahre Universales Denken“ mit 8 Ausstellungen aller Sparten:

  • 14. Februar bis 24. Mai 2020
    Kraftwerk Block Beuys
  • 26. Juni bis 27. September 2020
    Carte Blanche für Tomás Saraceno
  • 9. Juli bis 4. Oktober 2020
    Rembrandt Competition. Ein fürstlicher Wettstreit
  • Sommer 2020
    25 Jahre UNSECO-Weltnaturerbe Grube Messel
  • 6. November 2020 bis 7. Februar 2021
    American Heiner. Ein Mammut, »Peale’s Mastodon«, macht Geschichte
  • Die Graphische Sammlung korrespondiert mit:
    6. November 2020 bis 7. Februar 2021
    Grünzeug. Pflanzenbilder aus sieben Jahrhunderten
  • 4. Dezember 2020 bis 7. März 2021
    Peter Lindbergh: Untold stories
  • 12. Mai bis 1. August 2021
    Joseph Beuys. Ulysses

 

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt
Fon: 06151.1657-000
info@hlmd.de

 

 

14. Februar bis 24. Mai 2020
Kraftwerk Block Beuys

Im April 1970 installierte Joseph Beuys (1921-1986) mehr als 200 seiner Werke im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. 2020 feiern wir das 50-jährige Jubiläum dieser weltweit größten erhaltenen Installation. In sieben Räumen schuf Beuys ein faszinierendes Künstlermuseum im Museum. Es ist eine einzigartige Schule des Wahrnehmens, Entdeckens und Fragens.

Die Szenerie wirkt beiläufig. Viele fühlen sich an ein Atelier, dem Zentrum künstlerischer Produktion, erinnert. Als sei Beuys eben erst gegangen. Objekte sind offensichtlich nicht museal-wissenschaftlich, sondern intuitiv abgestellt. Das kleinteilige Schaulager wird zur herausfordernden, körperlichen Erfahrung.

Im Anspruch war Beuys universell und verband Kunst, Wissenschaft und Spiritualität. Als Pionier einer politischen und umweltbewussten Kunst erscheint er aktueller denn je. Seine Werke nannte Beuys Vehikel oder auch Fahrzeug. Sie waren Transporter seiner Ideen. »Block Beuys« ist ein Lagerplatz im Sinne einer Batterie oder eines Energiespeichers. Werke tragen unter anderem Titel wie »Sender«, »Elektrode ‚(Fett-Filz)«, »Batterie«, »Aggregat« oder »Fond«. So kann man »Block Beuys« selbst als ein Kraftwerk sehen.

Block-Beuys © HLMD
Block-Beuys © HLMD

Die Ausstellung »Kraftwerk Block Beuys« beleuchtet den Zusammenhang ausgewählter Werke und Beuys’ Aktionen. Filme, Fotos und gezeichnete Partituren bis in die 1970er-Jahre zeigen, wie er mit Objekten aus »Block Beuys« hantierte und sie mit Energien auflud. 1963 veranstaltete Beuys veranstaltete als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf ein FESTUM FLUXORUM FLUXUS. 1964 geht ein Foto mit blutender Nase nach einem Tumult auf dem »Festival der neuen Kunst“ an der Technischen Hochschule in Aachen durch die Presse. 1965 führt er in der Düsseldorfer Galerie Schmela vor, »wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt«. Es folgen 1966: »Infiltration Homogen für Konzertflügel, der größte Komponist der Gegenwart ist das Contergankind«, »Filz TV« und »MANRESA«. Die Ausstellung stellt dann »Hauptstrom FLUXUS« und „EURASIENSTAB«, beide 1967 und schließlich »Titus Andronicus / Iphigenie«, 1969, vor.

Der »Block Beuys« ist gleichzeitig Paradebeispiel der Geburt des bundesdeutschen Kunstmarktes von internationalem Rang: Der Darmstädter Industrielle Karl Ströher kaufte auf Vermittlung von Franz Dahlem und Heiner Friedrich 1967 alle Werke aus Joseph Beuys‘ Ausstellung im neuen Museum Mönchengladbach. Er sicherte sich ein Vorkaufsrecht für weitere Arbeiten. Dafür verpflichtete er sich, gemäß Künstlerwunsch, alle Werke geschlossen öffentlich auszustellen. 1968 erwarb er die umfangreiche Pop Art-Sammlung des New Yorker Versicherungsmaklers Leon Kraushar. Nach einer zweijährigen Ausstellungstournee übergab Ströher seine Sammlung als Dauerleihgabe und machte Darmstadt zum vielbeachteten Ort der Avantgarde. Drei Jahre nach Beuys’ Tod sicherte die Hessische Kulturstiftung mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder durch Ankauf 1989 den Bestand in Darmstadt. Zum Jubiläum erinnern Zeitdokumente an Historie, Entstehung und Veränderungen dieses singulären Werkes.
Kuratorin: Dr. Gabriele Mackert

26. Juni bis 27. September 2020
Carte Blanche für Tomás Saraceno

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist durch den »Block Beuys« eines der wichtigsten Foren für die zeitgenössische Rauminstallation. In regelmäßiger Folge wird das Museum daher aktuelle Performance- und Installationskünstler*innen einladen, um in der Nachfolge von Joseph Beuys auf 450 qm im Großen Saal aktuelle Positionen zu präsentieren. Jedes Jahr soll der »Block Beuys« auf diese Weise neu kontextualisiert und in Diskussion gebracht werden, um so aus der Perspektive der Gegenwart Beuys mit neuen Augen zu sehen und zu fragen, was sein gesellschaftspolitischer Ansatz jüngeren Künstler*innen heute noch zu sagen hat, bzw. wie diese sich dazu verhalten.

Für das Jubiläumsjahr lädt das Museum den argentinischen Künstler Tomás Saraceno ein, der mit seinen meist raumfüllenden, dreidimensionalen Raumkapseln einem internationalen Publikum bekannt ist. Seine Installationen zeigen Lebens- und Wohnkonzepte und sind zugleich ein Symbol für Interaktion und soziale Vernetzung. Tomás Saracenos Werk kann als eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Themen verstanden werden, in denen Kunst, Architektur, Naturwissenschaft, Astrophysik und Ingenieurswissenschaften zusammenfließen. Seine schwebenden Skulpturen, seine sozialen Projekte und seine interaktiven Installationen erkunden neue, nachhaltige Konzepte für Wohnen und für den Umgang mit unserer Umwelt. Eines seiner Vorbilder ist der für seine organischen Bauten bekannte Architekt Frei Otto, der die Struktur des Münchner Olympiastadions entwarf. Saraceno hat im Anschluss an ein Architektur- und Kunststudium in Buenos Aires sein Faible für derartige Strukturen, Raster und Konzepte bei Thomas Bayrle, seinem Lehrer an der Frankfurter Städelschule, noch weiter vertieft.

Mit »Aerocene« entwickelte er 2007 ein offenes, partizipatives Gemeinschaftsprojekt, bei dem an über zwanzig Standorten internationale Teams Ballonhüllen aus gebrauchten Plastikfolien herstellten. Allein die Kraft der Sonne machte diese recycelten Hüllen zu Heißluftballons, die sich ohne andere Hitzequelle majestätisch in den Himmel erhoben und ein fliegendes Museum bildeten. Die schwebenden Ballonskulpturen sind für Saraceno das Symbol für ein neues globales Denken und eine neue Ära. Ein Zeitalter der Luft – das Aerozän – soll das vom Menschen dominierte Anthropozän ablösen. Der Künstler träumt von einem neuen Leben in Einklang mit der Natur, einer neuen Ethik, einem Leben ohne Grenzen und vor allem ohne fossile Brennstoffe, die Luft und Klima ruinieren. Anknüpfend an dieses Projekt suchte Saraceno die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom MIT in Boston oder der NASA, um die Frage zu klären, wie Fliegen allein durch Wind und Wärme möglich werden kann.

Der interdisziplinäre Ansatz prägt fast alle Projekte von Tomás Saraceno. Auf seine Initiative gehen zahlreiche Kooperationen zurück zwischen bekannten Forschungsinstituten, darunter das Max Planck Institut und die Nanyang Technological University, und Kulturinstitutionen wie dem Imperial College und dem Natural History Museum London. Er selbst unterstrich seine Forderung nach Vernetzung zwischen Kunst und Wissenschaft, als er, seines Zeichens Künstler und Architekt, von 2014-16 das »Institute of Architecture-related Art« an der Technischen Universität Braunschweig leitete.

Auf der Biennale von Venedig 2009 untersuchte er unter dem Titel »Galaxies Forming along Filaments, like Droplets along the Strands of a Spider’s Web«, mit einer aus Kristall-PVC-Skulpturen und elastische Seilen bestehenden Rauminstallation alternative Lebensstrategien. Er war damit der erste Künstler, der komplexe Naturwunder eines Spinnennetzes in eine dreidimensionale Rauminstallation übersetzte. »Ich liebe ihre Netze«, bemerkt Saraceno, »sie erinnern mich an Architekturen und Skulpturen.« Hypermoderne Stadtlandschaften entdeckt er in ihnen ebenso wie ein Sinnbild für neue soziale Strukturen.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt, das seit 200 Jahren in den Objekten seiner Sammlung Kunst und Naturkunde gleichermaßen präsentiert und dessen universellen Ansatz heute als zukunftsweisend betrachtet werden kann, ist daher ein idealer Ort für die Kunst von Tomás Saraceno.
Kurator: Dr. Martin Faass

9. Juli bis 4. Oktober 2020
Rembrandt Competition. Ein fürstlicher Wettstreit

Darmstadt braucht eine Gemäldegalerie, das stand für Landgraf Ludwig X. fest. Mit den Jagdstücken und Ahnenporträts seiner Vorfahren wollte sich der junge Regent nicht zufriedengeben. In kurzer Zeit gelang es ihm in seinem Darmstädter Residenzschloss eine auch von Goethe gelobte Sammlung aufzubauen. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Hessischen Landesmuseums Darmstadt bietet die Ausstellung »Rembrandt Competition. Ein fürstlicher Wettstreit« einen Einblick in die Anfänge des Darmstädter Museums und seine Rembrandtsammlung.

Die Werke von Rembrandt gehören in jeder Museumssammlung zu den Highlights, denn der Künstler verkörpert wie kein zweiter das Goldene Zeitalter des Barocks in der niederländischen Kunst. Das war auch im 18. Jahrhundert nicht anders, als die Hessischen Landgrafen in Kassel und Darmstadt damit begannen, Gemäldesammlungen aufzubauen. Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel legte zwischen 1730 und 1760 eine der größten Rembrandtsammlungen Europas an. In Darmstadt dagegen investierte Ludwig VIII. damals noch vor allem in die höfische Repräsentation und ließ Porträts und Jagdstücke malen. Erst sein Enkel Landgraf Ludwig X., der spätere Großherzog Ludewig I. und Gründer unseres Museums, begann – mit Blick auf die Kasseler Vettern – ab 1790 damit, eine repräsentative Gemäldegalerie aufzubauen. Aus Mangel an Gelegenheit und wegen seiner begrenzten finanziellen Mittel war ihm der Ankauf von Gemälden Rembrandts leider nur in geringem Umfang möglich. Anders in der Druckgraphik: Hier gelang es ihm 1802, über die Kunsthandlung Artaria ein bedeutendes Konvolut an Radierungen in zum Teil exzellenter Druckqualität zu erwerben. Ein Coup! Dank dieser Erwerbung gehört das Darmstädter Kabinett bis heute zu den wichtigen Rembrandtsammlungen weltweit.

Die Sonderausstellung stellt in einem ersten Teil anhand repräsentativer Werke die Rembrandt-Erwerbungen des 18. Jahrhunderts in Kassel denen in Darmstadt gegenüber und macht mit den jeweils handelnden fürstlichen Personen und deren unterschiedlichen Sammlungsstrategien vertraut. Schlüsselwerk ist das Gemälde »Selbstbildnis mit Sturmhaube« von 1634 aus Kassel, das die Darmstädter damals auch gerne für ihre Sammlung haben wollten. Tatsächlich hat sich bis heute im Darmstädter Gemäldebestand eine Kopie dieses Selbstbildnisses erhalten. Vier weitere damals Rembrandt zugeschriebene Werke wurden ab 1815 in den drei Niederländersälen des Residenzschlosses präsentiert. In welchem Kontext das Publikum u.a. dem Porträt von Rembrandts Frau Saskia begegnete, vermittelt eine Teilrekonstruktion der damaligen historischen Hängung der Darmstädter Gemäldegalerie. Thematisiert werden darüber hinaus die vom 18. Jahrhundert bis heute sich an Rembrandtwerken entzündenden Diskussionen über die Zuschreibungen und die Frage nach der Herkunft der Darmstädter Werke.

Der zweite Teil der Ausstellung gibt mit rund 110 Arbeiten einen umfassenden Einblick in Rembrandts Radierkunst und zeigt seltene, hochkarätige Werke. Wie ein Jahrhundert vor ihm Albrecht Dürer den Holzschnitt und Kupferstich, so stellte Rembrandt die Radierung künstlerisch auf eine Stufe mit seiner Malerei. Es gelang ihm, seine Dramaturgie des Lichts in das schwarz-weiße Linienspiel der Radierung zu übertragen. Mit seiner locker geführten Radiernadel konnte Rembrandt einerseits die Spontaneität einer Federzeichnung und andererseits malerische Qualitäten erzielen. Im druckgraphischen Medium ist sein Themenrepertoire weit größer und experimenteller als in seinen Gemälden. Bereits zu Lebzeiten waren Rembrandts Radierungen ein begehrtes Sammelobjekt, insbesondere ihnen verdankte er seinen Ruhm schon damals weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus.

Die Vielzahl der ausgestellten Arbeiten führt die Breite und die Qualität der Darmstädter Rembrandtsammlung vor Augen. Die Präsentation umfasst Porträts, Selbstbildnisse, biblische und historische Themen, Akte, Allegorien, Genreszenen und Landschaften. Sie künden von größtem psychologischen Feingespür des niederländischen Meisters und lassen ihn als genauen wie auch einfühlsamen Menschenbeobachter erkennen. Einige Handzeichnungen des Künstlers und seiner Schüler ergänzen die Werkschau der Radierungen. Da aus konservatorischen Gründen die Arbeiten auf Papier nur selten gezeigt werden können, bietet die Ausstellung »Rembrandt Competition« mit Gemälden, Radierungen und Zeichnungen des Meisters den Besucher*innen die einmalige Chance Rembrandts Œuvre in einem besonderen, erweiterten Blick kennen und genießen zu lernen. Gleichzeitig rückt sie die Anfänge unseres Museums vor 200 Jahren in den Fokus.
Kuratoren: Dr. Thomas Foerster, Dr. Mechthild Haas

Sommer 2020
25 Jahre UNSECO-Weltnaturerbe Grube Messel

Urpferdchen  © HLMD
Urpferdchen © HLMD

Einen traditionellen Schwerpunkt der naturgeschichtlichen Abteilung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt bilden die Fossilien aus dem UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel.
Seit 1874 entstand im Museum die älteste und eine der bedeutendsten Sammlungen von Messel-Fossilien, die aus etwa 48 Millionen Jahre alten Ölschiefern geborgen wurden. Die Messel-Sammlung ist eines der Aushängeschilder des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und ein besonderes Kulturgut des Landes Hessen. Zudem wurde die Fossilienlagerstätte Grube Messel bei Darmstadt 1995 als erstes deutsches Naturdenkmal in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen, da sie einen einzigartigen Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere erlaubt. Diese Auszeichnung der Grube Messel jährt sich 2020 zum 25. Mal. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt nimmt das zum Anlass, im Jubiläumsjahr einen Fokus auf die wohl prominentesten Beispiele, nämlich die Urpferdchen, zu werfen, von denen bislang über 70 ausgegraben werden konnten. Darunter befinden sich mehr als 30 vollständige Skelette und sogar Fohlen und schwangere Stuten. Das ist einzigartig auf der Welt!

Das mag den Eindruck vermitteln, dass derartige Funde häufig und daher nichts Besonderes sind. Doch dass bei den Grabungen in 2015 und 2016 gleich zwei komplette Urpferde nach nahezu 30 Jahren Messel-Grabungen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt zu Tage kamen, ist spektakulär, zumal der Fund aus dem Jahr 2015 einer Propalaeotherium-Art angehört, die bislang aus Messel noch nie mit kompletten Exemplaren belegt war. Mit dem neuen Fund erfährt unsere Kenntnis der Art Propalaeotherium voigti eine erhebliche Erweiterung, was auch den neuen bildgebenden Verfahren und computertomographische Untersuchungen zu verdanken ist. Sie machen es möglich, das spektakuläre Fossil im Jubiläumsjahr den Besucher*innen nicht nur in einer digitalen, sondern auch in einer realitätsnahen Rekonstruktion zeigen zu können.

Da sich das Jubiläum erst im Dezember 2020 jährt, haben das Hessische Landesmuseum Darmstadt, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und die Welterbe Grube Messel gGmbH einen gemeinsamen Aktionsplan entworfen. Dieser sieht eine Reihe unterschiedlicher, dezentraler Veranstaltungen verteilt über das Jahr 2020 vor.
Kurator: Dr. Torsten Wappler

6. November 2020 bis 7. Februar 2021
American Heiner. Ein Mammut, »Peale’s Mastodon«, macht Geschichte

Kaum einer weiß: Das Darmstädter Mammut ist Amerikaner und eine Sensation der Paläontologiegeschichte: 1801 war es das zweite museal montierte Skelett eines ausgestorbenen Großtieres weltweit und so bedeutend, dass der amerikanische Präsident Thomas Jefferson seine Ausgrabung als nationale Angelegenheit betrachtete und Alexander von Humboldt es im Rahmen seiner Amerikareise besuchte. 1854 kam das Skelett über Umwegen nach Darmstadt. Seit über 150 Jahren ist es damit Darmstädter oder, wie man hier sagt, ein echter »Heiner«.

Mammut "Heiner" im HLMD  © Foto: Diether v Goddenthow
Mammut „Heiner“ im HLMD © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung »American Heiner« geht der Geschichte dieses weltbekannten fossilen Elefantenskelettes nach, das nach seinem Entdecker auch »Peale’s Mastodon« genannt wird. Sie erzählt von der Ausgrabung des Skelettes durch den Porträtmaler Charles Willson Peale am Ufer des Hudson River, von seiner spektakulären Präsentation in Philadelphia 1801 und von seiner Bedeutung für das Selbstverständnis der jungen amerikanischen Nation. Sie berichtet von einem legendären Dinner, das 1804 zu Füßen des Mastodons für Alexander von Humboldt abgehalten wurde und beantwortet die Frage, wie das Mastodon schließlich nach Darmstadt kam. Anhand von Objekten aus der Kunst- und Naturgeschichte – Gemälden, Zeichnungen, Briefen und Fossilien – dokumentiert sie die Auswirkungen des Fundes auf Forschungs- und Geistesgeschichte und präsentiert auch kaum bekanntes Skizzenmaterial aus deutschen und amerikanischen Archiven.

Die Geschichte von »Peale’s Mastodon« ist eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden. Die Entdeckung von Mastodonknochen am Ohio River im Jahr 1739 löste im Laufe des 18. Jahrhunderts eine wissenschaftliche Diskussion in der Alten und Neuen Welt aus. Eine wichtige Rolle dabei spielte Charles W. Peale aus Philadelphia, der nicht nur ein gefragter Künstler, sondern auch ein geschätzter Naturaliensammler mit eigenem Museum war. Er wurde durch einen hessischen Militärarzt auf die Ausgrabungen am Ohio River aufmerksam. Als 1801 im Hudson River Valley fossile Knochen gefunden wurden, übernahm Peale mit seinem Sohn Rembrandt die Ausgrabungen und entdeckte die Reste von zwei Mastodonskeletten. Peale setzte aus diesen Knochen ein Skelett zusammen, ergänzte fehlende Teile durch Holzrepliken, entwickelte ein Metallgerüst, das dem Skelett Halt gab, und präsentierte das Ergebnis zur großen Begeisterung des Publikums in seinem Museum.

Die Entdeckung des Mastodons erregte damals so großes Aufsehen, weil sie das gültige Verständnis über die Entstehung der Welt grundsätzlich in Frage stellte. Die fossilen Knochen waren ein offensichtlicher Beweis dafür, dass die Welt und mit ihr die Tierwelt einmal anders ausgesehen haben könnte. Ein unerhörter Gedanke. Denn noch immer war die biblischen Überlieferung und die Lehre von der Entstehung der Welt als göttliche Schöpfung maßgeblich. Dieser entsprechend gingen die Wissenschaftler bei den ersten Knochenfunden Anfang des 18. Jahrhunderts noch davon aus, Knochen von Riesen vor sich zu haben. Das war eine durchaus naheliegende Schlussfolgerung, wenn man bedenkt, dass Riesen als real galten.

Die Erkenntnis, dass es sich bei diesen Knochen um Fossilien eines ausgestorbenen Tieres handelt, war daher ein wissenschaftlicher Wendepunkt und der Beginn eines Prozesses, der 1859 zu der von Charles Darwin formulierten Evolutionstheorie führte.

Die Entdeckung von »Peale’s Mastodon« war auch für das Selbstbewusstsein der jungen amerikanischen Nation wichtig. Sie widersprach einer kruden wissenschaftlichen Theorie des 18. Jahrhunderts, die behauptete, die amerikanische Fauna sei als degeneriert anzusehen, weil es dort nur kleine Tierarten gäbe. Ein berühmter Pariser Zoologe hatte dies im Selbstverständnis der Überlegenheit des alten Europas gegenüber der Neuen Welt behauptet. Obwohl diese scheinbar groteske Einschätzung unhaltbar war, nagte sie am Selbstwertgefühl der jungen amerikanischen Nation, die sich gerade politisch von England losgesagt hatte. In diesem Moment kam Peales Entdeckung des großen Mastodons genau richtig. Das Skelett bewies, dass es auch in Amerika große Tiere gab oder gegeben hatte. Daher waren seine Ausgrabung und seine Präsentation in Peales Museum Angelegenheiten von nationaler Bedeutung, an denen auch der amerikanische Präsident regen Anteil nahm. Thomas Jefferson war mit Peale persönlich bekannt und unterstützte das Projekt mit finanziellen Mitteln. Und wenn nicht schon Adler und Truthahn als Wappentiere der Vereinigten Staaten festgestanden hätten, wäre zu diesem Zeitpunkt sicherlich auch das Mastodon in Frage gekommen.

Nach dem Tode Peale 1827 wurde es ruhig um das berühmte Skelett. Es wurde verkauft und kam auf verschlungenen Wegen über Paris und London nach Darmstadt. Hier fand es nach dem Bau des neuen Museumsgebäudes von Alfred Messel 1906 in der Abteilung Erd- und Lebensgeschichte seinen festen Platz.

Das Ausstellungsprojekt entsteht in enger Kooperation mit dem Smithsonian American Art Museum in Washington D.C., das im März 2020 die Ausstellung »Alexander von Humboldt and the United States« eröffnet. Für diese Ausstellung wird das Darmstädter Mastodon erstmals nach über 150 Jahren als Leihgabe in die USA zurückkehren. Danach tritt es zusammen mit anderen Werken aus der Washingtoner Schau seine Rückreise an, um rechtzeitig zur Eröffnung der Ausstellung »American Heiner« in Darmstadt zu sein.
Kuratoren: Dr. Martin Faass, Dr. Oliver Sandrock

Die Graphische Sammlung korrespondiert mit:
6. November 2020 bis 7. Februar 2021
Grünzeug. Pflanzenbilder aus sieben Jahrhunderten

Alexander von Humboldt (1769 – 1859) besuchte in Vorbereitung seiner Reisen zahlreiche botanische Gärten in Europa und beschäftigte sich intensiv mit Pflanzenkunde. Parallel zur Ausstellung »American Heiner. Ein Mammut macht Geschichte« präsentiert die Graphische Sammlung einen bunten Strauß mit rund 60 Pflanzenbildern auf Papier vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Mit ihrem ewigen Zyklus von Keimen, Wachsen, Blühen und Verblühen ist die Pflanze Urbild des fortwährenden regenerationsfähigen Lebens. Grünzeug fungiert als primäre Assoziation dessen, was für den Menschen als Natur gilt. Grün ist die Farbe der Hoffnung und der erwachenden Natur. Der Sphäre des pflanzlich Vegetativen wurden von jeher Potentiale des Spirituellen zugeschrieben. Seit dem Mittelalter meint grün ausdrücklich den Anfang einer Liebe und steht in letzter Steigerung der Symbolfarbe für die Liebe selbst. Die grüne Seite spricht die Herzseite an – sie ist nicht nur der Sitz der Lebenskraft, sondern zugleich die liebenswürdigste Seite eines Menschen.

Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der abendländischen Pflanzenikonographie wurde der Topos des Paradiesgartens als umzäunter Ort (hortus conclusus): Maria weilt im Garten und kann nicht hinaus, Adam und Eva sind aus dem Garten verbannt und dürfen nicht mehr hinein. Die im Garten wachsenden Millefleurs sind das ornamentale Versprechen einer ungestörten Biodiversität. Dieses grüne Paradies ist eine Utopie, ein Nicht-Ort, der zu einer Topographie der Sehnsucht wurde.

Jenseits gegenwärtiger Bioromantik oder Natur-Wellness zeigt die Ausstellung die kulturbildenden Prozesse der Flora auf. Auch in Anbetracht der fortschreitenden Naturzerstörung durch die ungebremste Ausbeutung der Ressourcen und den Klimawandel lohnt diese Retrospektive auf Pflanzendarstellungen aus sieben Jahrhunderten. Die Arbeiten auf Papier öffnen einen Dschungel voller Geheimnisse und Überraschungen und belegen, dass Pflanzen eben keine passiven Wachstumsroboter, sondern kommunikative und sensible Organismen sind.

In der Ausstellung ist die Pflanzensymbolik des späten Mittelalters genauso vertreten wie Blattornamente der Renaissance oder Maria Sibylla Merian und die Blumenaquarelle der Nürnberger Malerinnen, insbesondere Barbara Regina Dietzsch. Ein Thema ist auch das üppige niederländische Blumenstillleben des 18. Jahrhunderts. Alexander von Humboldts Publikation zur Pflanzengeographie (Paris 1805) steht für die wissenschaftliche Disziplin der Botanik und ein neuartiges interdisziplinäres Verständnis von Natur und Kultur. Die Zeichnung der Romantik entdeckt die Schönheit der kleinen unscheinbaren Naturdinge, um sie zum Sprechen zu bringen. Der Bogen spannt sich weiter über Jugendstil, Expressionismus, die Pop Art mit Jim Dine’s »Vegetables«, frühe Wahlplakate der Grünen bis zu ausgewählten Positionen Gegenwart.
Kuratorin: Dr. Mechthild Haas

4. Dezember 2020 bis 7. März 2021
Peter Lindbergh: Untold stories

Peter Lindbergh hat Fotogeschichte geschrieben. Mit seine Porträts von Linda Evangelista, Naomi Campbell, Tatjana Patitz, Cindy Crawford und Christy Turlington etablierte er das Supermodel-Phänomen und läutete ein neues Zeitalter von Schönheit, Mode und Weiblichkeit ein. Inspiriert vom Realismus des Fotojournalismus lehnte Lindbergh die Schönheitsstandards der Modebranche ab, einschließlich der exzessiven Retusche und der zwanghaften Perfektion. Seine Aufnahmen zeigten einen ganz neuen Typus Frau: selbstbewusst, ungeschminkt und mit Zigarette, sie zelebrieren Schönheit als ganz individuelle Qualität einer Persönlichkeit. Diese außergewöhnliche Fähigkeit hielten Lindbergh während seiner gesamten Karriere an der Spitze der internationalen Mode- und Prominentenwelt.

Seine Karriere begann Lindbergh, der mit bürgerlichem Namen Brodbeck hieß, als Schaufensterdekorateur für die Kaufhäuser Karstadt und Horten. Nach Auslandsreisen und einem Kunststudium wandte er sich 1971 der Fotografie zu. Unter dem Künstlernamen Lindbergh schloss er sich zusammen mit Helmut Newton, Guy Bourdin und Hans Feurer der Stern-Verlagsgruppe an. 1978 ging er nach Paris, wo er zunächst für die Zeitschrift Vogue, später für den The New Yorker, Vanity Fair, Allure, den Rolling Stone und andere arbeitete. Die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Vogue machte ihn zur Starfotografen.

Die Ausstellung »Untold stories« ist die erste von Peter Lindbergh selbst kuratierte Werkschau. Der 1944 geborene und in Duisburg aufgewachsene Fotograf hat zwei Jahre an der Präsentation gearbeitet. Lindberghs Zusammenstellung von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis heute ermöglicht einen eingehenden Blick auf sein umfangreiches Œuvre und lädt zum Entdecken vieler bislang unerzählter Geschichten ein. Ein Großteil der Aufnahmen wurde noch nie in Ausstellungen gezeigt; andere wurden von Zeitschriften wie Vogue, Harper’s Bazaar, Interview, Rolling Stone, W Magazine oder dem Wall Street Journal in Auftrag gegeben und veröffentlicht.

Nicht die Mode, sondern der porträtierte Mensch steht in Lindberghs Bildern im Vordergrund. Mit seinen Werken ist es ihm gelungen, den unmittelbaren Kontext von Modefotografie und zeitgenössischer Kultur zu überschreiten und neu zu definieren. »Untold stories« ist eine besondere Hinterlassenschaft des im September 2019 verstorbenen Peter Lindbergh und zugleich sein persönliches Statement zur Modefotografie.
Kurator: Peter Lindbergh

12. Mai bis 1. August 2021
Joseph Beuys. Ulysses

Wenn ein Jahrhundert-Roman von einem Ausnahmekünstler fortgesetzt wird, lässt das aufhorchen: »Joseph Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den Ulysses um sechs weitere Kapitel«. Das ist der Titel einer Arbeit, die Joseph Beuys wahrscheinlich in den Jahren 1958 bis 1961 geschaffen hat. Sie umfasst sechs Schulhefte im DIN A5-Format und bildet mit insgesamt 355 Zeichnungen ein außergewöhnlich dichtes und im Werk des Künstlers herausragendes Zeichnungskonvolut. In Bleistift und teilweise in Wasserfarben finden sich differenzierteste Linien- und Formgebilde, die das ganze Spektrum der Ideenwelt und der Zeichenkunst des Künstlers aufzeigen.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Joseph Beuys am 12. Mai 2021 präsentiert die Ausstellung »Joseph Beuys. Ulysses« nun zum ersten Mal alle sechs Hefte von Joseph »Beuys verlängert im Auftrag von James Joyce den Ulysses um sechs weitere Kapitel« als Gesamtwerk. Dank der Digitalisierung und neuer Präsentationsmethoden wird es in der Ausstellung zum ersten Mal möglich, alle 355 Zeichnungen der sechs Hefte optisch zu vergegenwärtigen. Beuys‘ immenses Potential seiner künstlerischen Vorstellungen und Energien, das bislang zwischen den sechs schwarzen Kladden verschlossen und verborgen war, liegt nun endlich den Betrachtenden offen und ist zugänglich gemacht.

Die Ausstellung »Joseph Beuys. Ulysses« bietet den Besucher*innen die einzigartige Möglichkeit, dem Kosmos nachzuspüren, den Beuys in seinen sechs weiteren Kapiteln zu James Joyce’s Ulysses gespeichert hat. Der Autor James Joyce und sein Ulysses-Manuskript, das im Jahr 1922 erstmals als Buch erschien, werden in der Ausstellung ebenfalls Thema sein.

Neben der Ausstellungspräsentation ist die Herausgabe eines Bestandskataloges der sechs Hefte mit sämtlichen Abbildungen geplant, sodass das darin enthaltene Zeichnungskonvolut der Wissenschaft zugänglicher wird.
Kuratorin: Dr. Mechthild Haas

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt
Fon: 06151.1657-000
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Bundespräsident a. D. Joachim Gauck ist Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Jahr 2020

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck "Die demokratische Ordnung, einst Sehnsuchtsziel vieler Länder Europas und in der Welt, sie hat für manche ihre Attraktivität verloren. Nationalistisches, autoritäres und fundamentalistisches Denken hingegen hat an Boden gewonnen. Demokratie und Freiheit sehen sich von innen wie von außen unterschiedlich starken Gegenkräften ausgesetzt. All dies hat viele verstört und auch erschreckt und zu überraschenden Veränderungen in der politischen Landschaft einzelner Länder geführt." © Foto: Diether v Goddenthow
Bundespräsident a. D. Joachim Gauck: „Die demokratische Ordnung, einst Sehnsuchtsziel vieler Länder Europas und in der Welt, sie hat für manche ihre Attraktivität verloren. Nationalistisches, autoritäres und fundamentalistisches Denken hingegen hat an Boden gewonnen. Demokratie und Freiheit sehen sich von innen wie von außen unterschiedlich starken Gegenkräften ausgesetzt. All dies hat viele verstört und auch erschreckt und zu überraschenden Veränderungen in der politischen Landschaft einzelner Länder geführt.“ © Foto: Diether v Goddenthow

„Demokratie in Frage“: Im Mittelpunkt der 21. Johannes GutenbergStiftungsprofessur steht das Modell der westlichen liberalen Demokratie und seine Zukunft

(Mainz, 27. November 2019) Theologe, Politiker und Publizist: Bundespräsident a. D. Joachim Gauck ist der Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Jahr 2020. Als Pastor leitete er 1989 die Friedensgebete; er war führendes Mitglied der Bürgerbewegung Neues Forum und 1990 Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer; ein Jahrzehnt war er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Am 18. März 2012 wurde Joachim Gauck von der Bundesversammlung zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Seit 2017 ist er Ehrenvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“ Joachim Gauck ist eine Persönlichkeit, die durch ihre Leistungen um die Demokratie und das Eintreten für Toleranz, für Freiheit und für die Verantwortung, die Freiheit mit sich bringt, Deutschland und die gesellschaftlichen Debatten entscheidend mitgeprägt hat und mitprägt Zu den zahlreichen Ehrungen und Preisen, mit denen Joachim Gauck für sein Wirken auchinternational ausgezeichnet wurde, gehören der Leopold Lucas-Preis und der Open Society Prize (Budapest) und der Preis für Verständigung und Toleranz (2017), der Internationale Preis der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung und der Gilel-Storch-Preis (Stockholm, 2018) und in diesem Jahr der Karl IV.-Preis (Prag) und der Jan Nowak-Jeziorański-Preis (Breslau). Zu den Schriften von Joachim Gauck zählen Freiheit: Ein Plädoyer (2012) sowie Toleranz: einfach schwer (2019).

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Die Vorlesungsreihe seiner Stiftungsprofessur im Sommersemester 2020 stellt Joachim Gauck unter den Titel „Demokratie in Frage“. Es ist die Frage nach der Zukunft des westlichen Modells der liberalen Demokratie: Hatte man mit dem Ende des Kalten Krieges erwartet, die westliche Ordnung von Demokratie, Freiheit und Marktwirtschaft werde sich weltweit durchsetzen, so weisen die Entwicklungen des frühen 21. Jahrhunderts in eine andere Richtung. Das Modell der liberalen Demokratie ist in die Krise geraten und wird von populistischen Bewegungen und autoritären Staats- und Regierungsformen bedrängt. Digitalisierung und Klimawandel stellen zudem die überkommenen repräsentativen Demokratien vor ganz neue, übergreifende Probleme. Daher fragt „Demokratie in Frage“, ob das westliche Modell der liberalen Demokratie auch im 21. Jahrhundert zukunftsfähig ist und wie es sich verändern muss. Joachim Gauck und renommierte Gäste werden diese Frage dienstagabends auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität verfolgen und diskutieren.

Weiterführende Links:
https://www.joachim-gauck.de/gesellschaft-im-wandel/
http://www.bundespraesident.de/DE/DieBundespraesidenten/Joa chim-Gauck/Reden-undInterviews/reden-und-interviews-node.html
http://www.magazin.uni-mainz.de/9395_DEU_HTML.php

Biographische Daten
Joachim Gauck – Bundespräsident a. D.

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck © Foto: Diether v Goddenthow
Bundespräsident a. D. Joachim Gauck © Foto: Diether v Goddenthow

Studium der Theologie
1965–1990 Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg, Arbeit als Pastor, zeitweilig auch Jugendpastor und Leiter der Kirchentagsarbeit
1989 Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die SED-Diktatur, Mitbegründer des Neuen Forums
1990 Abgeordneter von Bündnis 90 in der ersten frei gewählten Volkskammer
1990 Sonderbeauftragter der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes
1991–2000 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
2001–2004 Deutsches Mitglied des Verwaltungsrates der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit Sitz in Wien
2003–2012 Bundesvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“
2012–2017 Elfter Präsident der Bundesrepublik Deutschland

Seit 2017 Ehrenvorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“

Joachim Gauck ist unter anderem Ehrendoktor der Universitäten Augsburg, Jena, Kiel, Münster, Rostock, der Hebrew University of Jerusalem, der National University of Ireland/Galway, der Maastricht University, der Universität Łódź sowie der Université Paris-Sorbonne. Im Jahr 2018 hat er die Gastprofessur der Heinrich-Heine-Universität sowie die Mercator Professur der Universität Duisburg-Essen übernommen. Er ist Ehrenbürger von Berlin und seiner Heimatstadt Rostock.

Publikationen
Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen. München, 2009
Freiheit: Ein Plädoyer. München, 2012
Nicht den Ängsten folgen, den Mut wählen: Denkstationen eines Bürgers. München, 2013
Toleranz: einfach schwer (in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch). Freiburg im Breisgau, 2019

Informationen zur Stiftung „Johannes Gutenberg Stiftungsprofessur“
https://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/
Die Vereinigung der Freunde der Universität Mainz hat die Stiftung „Johannes GutenbergStiftungsprofessur“ aus Anlass des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000 eingerichtet. Inhaber der Stiftungsprofessur waren der Kulturhistoriker und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Fritz Stern (2000), der führende Vertreter der Evolutionsbiologie und Pionier der Soziobiologie Bert Hölldobler (2001), der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (2002), der ehemalige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (2003), der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer (2004), der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka (2005), der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger (2006), der Immunologe Fritz Melchers (2007), der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma (2008), Karl Kardinal Lehmann (2009), die Neuropsychologin und Kognitionswissenschaftlerin Angela D. Friederici (2010), der Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Gottfried Boehm (2011), der Paläoanthropologe Friedemann Schrenk (2012), der Finanzwissenschaftler Gerold Krause-Junk (2013), der theoretische Physiker Christof Wetterich (2014), die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann (2015), der Biopsychologe Onur Güntürkün (2016), der Informatiker Wolfgang Wahlster (2017), der Politikwissenschaftler Herfried Münkler (2018) sowie der Zellphysiologe Hanns Hatt (2019).

Frankfurter Industrieabend 2019: Die Industrie als Impulsgeberin für Stadtentwicklung und Digitalisierung

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Am Dienstag, den 26. November 2019, begrüßten Wirtschaftsdezernent Markus Frank und IHK-Präsident Ulrich Caspar rund 190 Gäste zum diesjährigen Frankfurter Industrieabend im Römer. In seiner Begrüßung betonte Wirtschaftsdezernent Frank die zentrale Bedeutung der Industrie für Frankfurt am Main: „Seit über 150 Jahren ist die Industrie eng mit der Stadt Frankfurt am Main verbunden und ist mehr denn je durch ihre starken Verflechtungsbeziehungen von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des gesamten Wirtschaftsstandorts. Sie schafft gute Arbeits- und Ausbildungsplätze und damit Lebenschancen. Damit trägt sie zu Wohlstand, aber auch Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe bei. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sichern den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt für Investitionen in die Infrastruktur und damit in die Zukunftsfähigkeit von Frankfurt am Main“, so der Stadtrat.

Die Stärkung des Industriestandorts durch die Umsetzung des Masterplans Industrie gehört daher zu den wichtigsten wirtschafts-und strukturpolitischen Zielsetzungen der Stadt Frankfurt am Main. Mit der Fortschreibung des Gewerbeflächenentwicklungsprogramms und der Umsetzung zahlreicher Projekte wie zum Beispiel das Modellprojekt Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim-Nord / Seckbach oder Frankfurt Forward zur Vernetzung von Industrie und Startups wird der Industriestandort nachhaltig gestärkt.

Die besondere Rolle von Start-ups hob auch Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, hervor: „Start-ups kommen mit innovativen und disruptiven Geschäftsmodellen auf den Markt. Für etablierte Unternehmen bedeutet dies neuen Wettbewerb, eröffnet ihnen allerdings auch Chancen. Durch die Zusammenarbeit mit Start-ups können auch die etablierten Unternehmen ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und in neue Märkte eintreten. Der Industriestandort ist jedoch gefährdet, wenn nicht in den nächsten Jahren erheblich höhere Stromkapazitäten bereitgestellt werden. Hierzu muss der Bund das Planungsrecht vereinfachen und erheblich beschleunigen.“

Einen Ausblick auf aktuelle Trends und Forschungsschwerpunkte im Bereich der Digitalisierung gab Agnes Heftberger, Vice President Sales IBM D-A-CH und Mitglied der Geschäftsführung IBM Deutschland, in ihrer Festrede zum Frankfurter Industrieabend. Frau Heftberger hob die Verantwortung der Unternehmen hervor: „Um auf dem Weg zur und mit der Digitalisierung alle mitzunehmen, braucht es Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verständnis: Transparenz unter anderem dafür, wie mit persönlichen Daten umgegangen wird, Nachvollziehbarkeit dahin gehend, wie Algorithmen zu bestimmten Vorschlägen und Entscheidungen kommen und tiefgehendes Verständnis für Technologie bereits im Rahmen der Schulbildung. Nur so können wir eine aufgeklärte Digitalisierung erreichen und damit die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft beispielsweise in Mobilität und Medizin bewältigen.“

In einem anschließenden Industriedialog nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, eigene Fragen einzubringen. In der Diskussion unterstrich Wirtschaftsdezernent Frank die zentrale Rolle der Industrie als Impulsgeberin im Digitalisierungsprozess – etwa in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, vernetzte Produktion oder auch bei der Entwicklung neuer „Smart City“-Konzepte. „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, weiterhin bestmögliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Technologie und Innovation am Standort Frankfurt zu schaffen. Die Digitalisierung verstehen wir als eine Chance zur Stärkung des Industriestandorts“, betonte Wirtschaftsdezernent Frank.

Der Frankfurter Industrieabend stellt die zentrale Veranstaltung in Frankfurt am Main dar, um der Industrie die Wertschätzung entgegenzubringen, die ihrer weitreichenden und vielfältigen Bedeutung entspricht. In jedem Jahr laden die Stadt Frankfurt am Main und die IHK Frankfurt am Main gemeinsam hochrangige Vertreter aus der Frankfurter Wirtschaft, Industrie und Politik ein. Der Frankfurter Industrieabend findet abwechselnd im Römer und in der IHK Frankfurt statt.

Pioniergeist 2019 in Mainz verliehen

Die Sieger des rheinland-pfälzischen Gründerpreises  Pioniergeist 2019 mit den Laudatorinnen und Laudatoren: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt, Mark Stehle, Vorstandsmitglied der Genobank Mainz, SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg, Klaus Wächter, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Business Angels, TU-Präsident Professor Dr. Helmut J. Schmidt sowie  SWR Moderator Holger Wienphal, der wieder gekonnt durch das Programm führte. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Sieger des rheinland-pfälzischen Gründerpreises Pioniergeist 2019 mit den Laudatorinnen und Laudatoren: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt, Mark Stehle, Vorstandsmitglied der Genobank Mainz, SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg, Klaus Wächter, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Business Angels, TU-Präsident Professor Dr. Helmut J. Schmidt sowie SWR Moderator Holger Wienphal, der wieder gekonnt durch das Programm führte. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit dem Gründerpreis „Pioniergeist“ zeichnen die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), die Volksbanken Raiffeisenbanken in Rheinland-Pfalz und der Südwestrundfunk gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium seit mehr als 20 Jahren Gründerinnen und Gründer aus, die mit hervorragenden Geschäftsideen und deren gelungener Umsetzung Vorbildcharakter haben. In diesem Jahr konnten sich insgesamt fünf Unternehmen, die aus Kaiserslautern, Mainz und Speyer stammen, über einen Preis und die dazugehörige Prämie freuen. (mehr …)