Kategorie-Archiv: HWK Wiesbaden

Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag 29. April – 11. September 2022

Die Ausstellung Mythos Handwerk vom 29. April – 11. September 2022 im MAK Frankfurt. Zwischen Ideal und Alltag legt den Fokus auf die universellen Werte und Botschaften, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit dem Handwerk verbunden werden. © Foto Diether v. Goddenthow
Die Ausstellung Mythos Handwerk vom 29. April – 11. September 2022 im MAK Frankfurt. Zwischen Ideal und Alltag legt den Fokus auf die universellen Werte und Botschaften, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit dem Handwerk verbunden werden. © Foto Diether v. Goddenthow

„Der Mythos bestimmt sich nicht durch den Gegenstand seiner Botschaft, sondern durch die Art, wie er sie äußert.“ – Roland Barthes, Mythen des Alltags

Was ist Handwerk? Wenn über „das Handwerk“ gesprochen wird, ist meistens eine Abfolge von erlernten Handlungen und Techniken gemeint, die im Idealfall mit der Hand oder dem von der Hand geführten Werkzeug ausgeführt werden; seltener kommen Maschinen zum Einsatz. Dabei orientiert sich die handwerkliche Produktion an überlieferten Handwerkstechniken und folgt meist einer festen Reihenfolge von Arbeitsschritten. Handwerker:innen entwickeln oft Einzellösungen oder produzieren nur kleine Stückzahlen. Daher gilt „Handwerk“ auch als Gütesiegel für Qualitätsarbeit. Außerdem kann der Begriff einen Beruf oder eine ökonomische Branche bezeichnen. Aber was hat es mit dem Handwerk als Mythos auf sich?

Der französische Philosoph Roland Barthes stellt in seinen Thesen über den Mythos fest, dass ein Mythos eine spezifische Weise des Bedeutens und demnach eine Form des Sprechens ist. Mythisch ist damit nicht der Gegenstand – in diesem Fall das Handwerk –, über den gesprochen wird, sondern die besondere Form, wie über ihn erzählt wird: Eine Fülle zuweilen sich zum einen gegenseitig verstärkender, zum anderen sich widersprechender Zuschreibungen, Emotionen, Interpretationen und Wunschvorstellungen werden dem Begriff unhinterfragt zugeschrieben und machen ihn so zu einem „Mythos“.

Bananenlampe Blow 2018, Kunstharz und Glas.© Foto Diether v. Goddenthow
Bananenlampe Blow 2018, Kunstharz und Glas.© Foto Diether v. Goddenthow

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Handwerk im Spannungsfeld zwischen Ideal und Alltag. Wie ein Raster zieht sich die Frage nach dem Mythos durch die gesamte Ausstellung. Tradition, Ehrlichkeit, Schlichtheit – oft wurde und wird das Handwerk mit solchen universellen Werten in Verbindung gebracht. Welche dieser Zuschreibungen sind heute noch von Bedeutung und welche entstehen gerade neu? Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag hinterfragt gängige Vorstellungen und entblößt sowohl Romantisierungen als auch Ideologien und zeigt auf, welche Gefühle und Affekte, Vorstellungen und Wünsche rund um das handwerklich hergestellte Objekt an das Individuum und die Gesellschaft transportiert werden. In ihr werden zahlreiche zeitgenössische Debatten und die gesellschaftliche Dimension von Gestaltung verdeutlicht und neu angeregt. Die Ausstellung umfasst dabei eine Fülle von Objekten, Filmen, Bildern, Fotografien und Kunstwerken.

Impression der Ausstellung Mythos Handwerk  im MAK Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow
Impression der Ausstellung Mythos Handwerk im MAK Frankfurt © Foto Diether v. Goddenthow

Mythos Handwerk gliedert sich in sechs Ausstellungs-Cluster: Einzelstück/Serie, Hand/Kopf, Lokal/Global, Luxus/Notwendigkeit, Meisterschaft/Do-it-yourself und Tradition/Fortschritt. Hier können sich Besucher:innen unter anderem mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen: Ist Handwerk immer einzigartig? Ist das Handwerk oder Design? Wie viel Kopfarbeit steckt im Handwerk? Schafft Handwerk Identität? Schafft Handwerk Heimat? Was macht Handwerk zu Luxus? Was unterscheidet Profis von Laien? Wie viel Neues steckt im Alten? Viele Fragen zum Handwerk durchziehen die Ausstellung, tauchen in den Interviews auf, die die Kuratorinnen mit Handwerker:innen unterschiedlicher Branchen und Regionen führten und werden vertieft im Katalog zur Ausstellung. Sie sind ein Leitmotiv des gesamten Projekts und entstehen aus der Intention heraus, vielfältige Antworten auf die Frage nach der Zukunft des Handwerks zu finden.

Ein weiteres Element ist der HandWERKRaum inmitten der Ausstellung, in dem Besucher:innen die Möglichkeit haben, selbst aktiv zu werden. Sechs Stationen laden ein, durch Zeichnen, Konstruieren, Flechten, Bauen, Messen und Stöbern Kernkompetenzen des Handwerks zu entdecken und auszuprobieren. Es können eigene Ideen entwickelt und mit anderen an einer Pinnwand geteilt werden.

Die Ausstellung reagiert damit entsprechend auf das gestiegene gesellschaftliche Interesse am Handwerk. Zum einen lässt sich ein neokonservatives Qualitätsbewusstsein auf der Seite der Konsument:innen festmachen, das mit dem Kauf von gehobenen handwerklichen Gütern einhergeht.
Zum anderen gibt es die DIY-Bewegungen, die in unterschiedlichen Konjunkturen schon seit den 1970er Jahren das handwerkliche Selbermachen mit einem politischen Verständnis von Selbstermächtigung und Konsumkritik verknüpft. Doch für 13 Prozent der Bundesbürger:innen ist das Handwerk Berufs- und Einkommensgrundlage. Etwa ein Drittel aller Auszubildenden ist in Deutschland im Handwerk tätig. Nicht statistisch erfasst ist die große Zahl an Hobby-Handwerker:innen, an die sich die Werbekampagnen verschiedener Baumarktketten richtet.

Original und Nachbau? © Foto Diether v. Goddenthow
Original und Nachbau? © Foto Diether v. Goddenthow

Ganz grundsätzlich zeigt das Interesse an handwerklichen Verfahren und Fertigungstechniken, an Material und Materialität, die Bedeutung und Wertschätzung des Handwerks als wesentlicher Bestandteil materieller Kultur, kultureller Identität und Gemeinschaft. Die Wertschätzung des Handwerks ist dabei eine Seite der Medaille, auf der anderen finden sich die problematischen Aspekte: politische Instrumentalisierungen von Tradition, Heimat und Volkszugehörigkeit, aber auch die teils prekären Lebensverhältnisse von Handwerker:innen, die niedrigen Ausbildungslöhne mancher Sparten, der mangelnde Nachwuchs, die erhöhte Gefahr für Arbeitsunfälle und körperliche Versehrtheit.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst ein umfangreicher Katalog. Mit dem gesammelten Wissen dreier Museen und differenzierten Beiträgen spüren Autor:innen unterschiedlicher Professionen dem handwerklichen Mythos in all seinen Facetten nach. Sie beleuchten fachkundig und abwechslungsreich Aspekte des Handwerks. Der Katalog kostet 24 Euro und ist an der Museumskasse erhältlich.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden und dem vorarlberg museum in Bregenz und wird an den beiden Standorten in den Jahren 2023/24 zu sehen sein. Neben den Gemeinsamkeiten der Institutionen und ihrer Verankerung in der europäischen Kulturgeschichte ergeben sich aus deren Standorten in unterschiedlich geprägten urbanen und ländlichen Räumen auch unterschiedliche Narrationen rund um die handwerkliche Praxis. Diese werden sichtbar gemacht und um globale Perspektiven auf das Handwerk exemplarisch erweitert.

Kuratorinnen: Grit Weber (Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main), Kerstin Stöver und Ute Thomas (Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden) sowie Theresia Anwander (vorarlberg museum, Bregenz)

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
www.museumangewandtekunst.de

Hessischer Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk verliehen

Verleihung des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk am 9. November 2021 in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Erste Reihe: Mitte: Petra Bittl, erster Preis, links Antje Dienstbir, zweite Preisträgerin, rechts Drechsler Konrad Koppold, dritter Preis. Zweite Reihe: Förderpreisträgerin Lena Kaapke. Hintere Reihe (v.l.): Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann, Stefan Füll, Hessischer Handwerkspräsident und Präsident des Hessischen Handwerkstags, Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk und Monika Monika Gass, langjährige Leiterin  der Fachschule Keramik und des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen. © Foto Diether v Goddenthow
Verleihung des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk am 9. November 2021 in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden. Erste Reihe: Mitte: Petra Bittl, erster Preis, links Antje Dienstbir, zweite Preisträgerin, rechts Drechsler Konrad Koppold, dritter Preis. Zweite Reihe: Förderpreisträgerin Lena Kaapke. Hintere Reihe (v.l.): Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann, Stefan Füll, Hessischer Handwerkspräsident und Präsident des Hessischen Handwerkstags, Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk und Monika Monika Gass, langjährige Leiterin der Fachschule Keramik und des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen. © Foto Diether v Goddenthow

Der 1921 erstmals verliehene Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk zählt zu den ältesten und renommiertesten Auszeichnungen auf seinem Gebiet und ist mit insgesamt 9000 Euro dotiert. Verliehen wird er traditionell auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Tendence“, die allerdings in diesem und im vergangenen Jahr nicht stattfinden konnte. Daher wurde der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk am 9. November 2021   in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden überreicht.

Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann  © Foto Diether v Goddenthow
Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann © Foto Diether v Goddenthow

„Diese Sonderedition war uns ein wichtiges Anliegen“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann  im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. „Wir möchten den Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern damit einen Ausgleich für abgesagte Veranstaltungen bieten. Die Werke der Preisträgerinnen und Preisträger erinnern uns daran, wie arm unser Leben ohne das Individuelle und Besondere wäre.“

Durch den Abend führte Carolin Friedländer, Referatsleiterin Handwerk, Mittelstand, Handel, Wirtschaftsrecht im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.

Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk e.V. © Foto Diether v Goddenthow
Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk e.V. © Foto Diether v Goddenthow

Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk, würdigte die Preisträger sowie deren preisgekrönten Werke. Gemeinsam mit Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Philipp Nimmermann überreichte die Präsidentin in Beisein von Stefan Füll, Hessischer Handwerkspräsident und Präsident des Hessischen Handwerkstags, die Urkunden an die Preisträger.

 

 

Förderpreis des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk 

In diesem Jahr wurden zwei Förderpreise in Höhe von je 500 Euro vergeben. Diese erhielten die Porzellan-Künstlerin Lena Kaapke und der Tischler Gabriel Tarmassi.

Gabriel Tamassi
Gabriel Tamassi

Gabriel Tamassi, 1993 in Bamberg geboren, entdeckte schon früh seine Liebe zum Werkstoff Holz, absolvierte eine Ausbildung zum Tischler mit einem sehr gutem Ergebnis, bildete sich in München zum Gestalter im Handwerk weiter, hatte dabei die Gelegenheit beim deutschen Drechsler-Papst Ernst Gamperl zu hospitieren. Das Spektrum seiner Arbeit reicht von reduzierten Möbelentwürfen bis hin zu skulpturalen Wandobjekten. „Und ein solches Wandobjekt hat er hier eingereicht. Die Oberfläche dieses Wandmöbels erinnert an eine glänzende Wasseroberfläche. Sein Ästhetik-Empfinden und seine handwerkliche Kompetenz vereinigen sich hier poetisch miteinander.“, so Dr. Wilp.

Lena Kaapke arbeitet als freie Künstlerin in Kiel und arbeitet heute vorwiegend mit Porzellan.

Lena Kaapke  © Foto Diether v Goddenthow
Lena Kaapke © Foto Diether v Goddenthow

Die reichlich ausgezeichnete Künstlerin erhielt für ihre Installation „Wasser zum Trinken“ ebenfalls den mit 500 Euro dotierten Förderpreis des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk. Die eingereichte Arbeit verweise in eindrücklicher Weise auf das zentrale Problem, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben. So habe Kaapke eine Installation aus 194 handgedrehten Krügen und 194 Trinkbehältnissen geschaffen, die jeweils einen Nationalstaat der Erde repräsentierten. Die Größe des Trinkwasserbehältnisses repräsentiere den tatsächlichen Trinkwasserbedarf eines Menschen.

Lena Kaapke
Lena Kaapke

Und auch farblich symbolisierte der Grad der Wasserfarben-Intensität, wieviel Trinkwasser in dem betreffenden Land vorhanden sei.

 

 

Hessischer Staatspreis für das deutsche Kunsthandwerk

Dritter Preis

Konrad Koppold © Foto Diether v Goddenthow
Konrad Koppold © Foto Diether v Goddenthow

Der Drechsler Konrad Kopper, geboren 1967 in Bayern, wuchs auf dem elterlichen Bauernhof, hat nach jahrelanger Tätigkeit als Tischler an der Fachoberschule für Gestaltung in Augsburg und anschließend an der Fachhochschule in Rosenheim Innenarchitektur studiert und fand nach Lektüre eines berühmten englischen Drechslers zu seiner Berufung als Drechsler. Seit 2005 lebt und arbeitet er als freiberuflicher Drechsler in Leverkusen. Mit seinen drei eingereichten Objekten hat er den mit 2000 Euro dotierten dritten Preis im Hessischen Staatspreis gemacht.

Konrad Koppold
Konrad Koppold

Die Liebe zum Holz spräche aus jedem seiner gedrechselten Objekte und ließen die Emotionen sofort auf die Betrachter überspringen. Stilistisch asymmetrisch, relativ groß mit Brüchen und offenen Stellen, zeigten sich seine Gefäße, denen etwas Archaisches anhaftet und zugleich hochmodern sei, so Dr. Wilp.

Zweiter Platz

Antje Dienstbir  © Foto Diether v Goddenthow
Antje Dienstbir © Foto Diether v Goddenthow

Silberschmiedin Antje Dienstbir lebt und arbeitet in Wiesbaden und hat den mit 2.500 Euro dotierten zweiten Platz des Hessischen Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk für die Becherserie erhalten. Unter Eingeweihten ist Antje Dienstbir vor allen Dingen als Löffelschmiedin bekannt. 1970 in Bremen geboren, erlangte sie 1989 die Fachhochschulreife für Gestaltung, es folgten eine Ausbildung zur Goldschmiedin und ein Studium an der Hochschule Pforzheim im Fachbereich Gestaltung mit dem Studienschwerpunkt „Objekt in Metall“, welches sie als Diplom-Designerin für Schmuck und Gerät beendete.

Antje Dienstbir
Antje Dienstbir

Seither ist sie freischaffend als Löffelschmiedin tätig. Ihre Objekte lassen die Spuren des Schmiedeprozesses deutlich sichtbar werden. Am besten und feinsten gelingt das, wenn sie mit ihrem Lieblingsmaterial Silber arbeitet, so Dr. Wilp. Für den Hessischen staatspreis hat Antje Dientbier eine Serie von fünf Bechern eingereicht, Becher aus aufgezogenem Feinsilber und Becher aus Kupfer, aufgezogen und thermisch gefärbt. Eine Serie, die die zugrundliegende Form geschickt variiert. Zurückhaltend und klassisch in der Formgebung, gezeichnet durch die kräftigen Hammerschläge mit den die Künstlerin den metallischen Materialien zuleibe rückt und beeindruckend durch den Farbwechsel vom eleganten kühlen Silber bis zu den ausdrucksstarken monochrom oder zweifarbigen Kupferbechern mit ihrem starken Kontrast von innen und außen, so Dr. Wilp.

Erster Platz

Petra Bittl  © Foto Diether v Goddenthow
Petra Bittl © Foto Diether v Goddenthow

Den mit 3.500 Euro dotierten ersten Platz des Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk erhielt die Bonner Keramikerin Petra Bittl für ihr zum Wettbewerb eingereichtes keramisches Gefäß „Gestalt“. –Dr. Wilp zitierte in ihrer Laudatio  Monika Gass, langjährige Leiterin der Leiterin der Fachschule Keramik und des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen. „Wenn Talent und ästhetische Empfindsamkeit zusammentreffen mit breit gefächertem Wissen, fachlich exzellenter Ausbildung, einer präzisen Materialkenntnis und technischer Verfeinerung bis ins Detail, dann entstehen Werke und Keramiken, die den Rahmen üblicher Betrachtung massiv erweitern.

Petra Bittl © Foto Diether v Goddenthow
Petra Bittl © Foto Diether v Goddenthow

Petra Bittl, eine der absolut herausragenden deutschen Künstlerinnen , die sich der Keramik, dem Material Ton, Porzellan, seit Jahrzehnten widmet, gelingt es treffsicher und anscheinend mühelos ihre Liebe zu Malerei zum Stofflichen, zur Skulptur und zum Bildhaften in ihren Werken eng zu verweben. Dicht beschichtete, so rhythmisch wie zart strukturierte komplexe Oberflächen fügen sich in Petra Bittls gebauten Formen zur Einheit, zum Unikat, zur Figur. Gebaut, geflochten, gedreht, doppelwandig, vielfältig montiert, filigran, für Wand und Sockel. Ihre Handschrift ist stark und unverwechselbar.
Bei ihrem eingereichten Objekt suggeriere die Leichtigkeit großer Keramik-Körper Textiles in Faltenwurf in Webstruktur. Variantenreich und vielfältig, immer im Experimentieren und im Verfeinern ihrer künstlerischen Sprache, nutze sie in letzter Zeit klassisch koreanische Ritztechniken mit ganz eigenen Stempel und Schabtechniken, kombiniert diese mit nuancenreich aufgetragenen farbigen experimentellen Rohstoffen (…), so Dr. Wilp zit. n. Monika-Gass.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Bilderliste der eingereichten Exponate

Wolfgang Kramwinkel als Präsident der Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks wiedergewählt

hinten v.l.n.r.: Stamatiou, Schmitt, Burger, Repp, Häßner, Hansen, vorne: Karpinski, Kramwinkel. Es fehlt: Jüngel Foto: AHH,
hinten v.l.n.r.: Stamatiou, Schmitt, Burger, Repp, Häßner, Hansen, vorne: Karpinski, Kramwinkel. Es fehlt: Jüngel Foto: AHH,

Der Tischlermeister Wolfgang Kramwinkel, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit rund 50 Mitarbeitern in Mühlheim am Main, wurde in seinem Amt als Präsident der Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks (AHH) bestätigt. Im Rahmen der AHH-Mitgliederversammlung am 25. Oktober in Oberursel wurde ihm von den Mitgliedsverbänden einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Ihm zur Seite stehen als Vizepräsident der wiedergewählte Landesinnungsmeister des Kraftfahrzeuggewerbes, Jürgen Karpinski sowie die ebenfalls in ihren Positionen bestätigten Christoph Hansen (Elektro- und Informationstechnik), Thomas Jüngel (Verband baugewerblicher Unternehmen), Andreas Schmitt (Bäckerhandwerk) und Michael Stamatiou (Gebäudereiniger). Komplettiert wird das Präsidium durch drei Neuzugänge, die sich bereits jahrelang ehrenamtlich für das Handwerk einsetzen:

Florian Häßner, gelernter Dachdecker- und Klempnermeister, ist Geschäftsführer eines Dachdeckerbetriebs in Nidda. Ehrenamtlich engagiert er sich zum einen als stellvertretender Landesinnungsmeister im Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks in Hessen, zum anderen als Vorsitzender des Berufsbildungswerks des Hessischen Dachdeckerhandwerks.

Alexander Repp, Schlossermeister und Geschäftsführer eines Unternehmens in Echzell ist Landesinnungsmeister des Fachverbands Metall Hessen. Außerdem ist er Mitglied in der Vollversammlung der Handwerkskammer Wiesbaden sowie des Berufsbildungsausschusses der Handwerkskammer Wiesbaden.
Markus Burger ist selbstständiger Schornsteinfegermeister und zudem als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Schornsteinfegerhandwerk tätig. Er ist auch Landesinnungsmeister für das Schornsteinfegerhandwerk Hessen.
Im Rahmen der AHH-Mitgliederversammlung, zu der Kramwinkel auch den Präsidenten des Hessischen Handwerkstages, Stefan Füll eingeladen hat, vermittelte Dr. Mandy Pastohr, Leiterin der Abteilung „Außenwirtschaft, Mittestand, Berufliche Bildung, Technologische Innovation“ des hessischen Wirtschaftsministeriums, den anwesenden Handwerksvertretern Einblicke in die aktuellen Förderprogramme des Ministeriums. Außerdem referierte Lars Potthof, Leiter der Organisationsdirektion West der Signal Iduna, über Herausforderungen des Versicherungswesens und ging vor allem auf das immer wichtiger werdende Thema der Altersvorsorge ein.

AHH-Infos:

Die Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks sind der Zusammenschluss von 30 handwerklichen Fachverbänden, in denen rund 15.000 Betriebe freiwillig organisiert sind.

Informationen über die Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerk

Bewerbungen für Bundespreis „Handwerk im Denkmalschutz“ bis zum 16. Mai 2021 einreichen

Wiesbaden. Denkmalschutz ist auch eine Frage guten Handwerks. Deswegen vergeben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Zentralverband des Deutschen Handwerks jährlich in zwei Ländern den mit 15.000 Euro dotierten Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege. In diesem Jahr sind Hessen und Schleswig-Holstein an der Reihe. Bewerben können sich Handwerksbetriebe, Architektinnen und Architekten, Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger sowie private Bauherren noch bis zum 16. Mai 2021.

„Um Baudenkmäler zu erhalten und zu pflegen, brauchen wir Menschen, die alten Gemäuern mit viel Leidenschaft und vor allem handwerklichen Können wieder Leben einhauchen. Das unterstreicht der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Historische Gebäude aufzuarbeiten und neu zu nutzen, ist nicht nur ein Statement für das ressourcenschonende Wieder- und Weiterverwenden historischer Baumaterialien. Der Erhalt von bestehender Bausubstanz ist ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften und ein wesentlicher Beitrag zum verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt. Damit das gut gelingt, brauchen wir die Zusammenarbeit zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern und sachkundigen Handwerkerinnen und Handwerkern. Ich freue mich auf viele spannende Bewerbungen aus Hessen.“

Der Bundespreis wurde in Hessen im Jahr 2014 das letzte Mal vergeben. Er zeichnet private Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer aus, die gemeinsam mit qualifizierten Handwerksbetrieben bei der Erhaltung ihrer Denkmale seit 2014 Vorbildliches geleistet haben. Auch die ausführenden Betriebe unterschiedlichster Gewerke werden für ihre Leistungen geehrt. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Staatskanzlei und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen unterstützen neben weiteren Partnern die Ausschreibung in Hessen. Die Preisverleihung mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist für Dezember geplant.

Weitere Details zur Bewerbung gibt es auf hessenlink.de/handwerk

„Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ 2020 an Zimmerermeister Ralf Birk verliehen

Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden
Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden

Ralf Birk, Meister im Zimmererhandwerk und Inhaber der Zimmerei Birk in Calbach-Büdingen, ist Preisträger des “Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk”, der im Jahr 2020 erstmals von der Handwerkskammer Wiesbaden ausgeschrieben wurde. Die Zimmerei Birk wurde aus einer Vielzahl qualifizierter Bewerbungen von Handwerksbetrieben, die sich in der Denkmalpflege engagieren, durch eine Fachjury ausgewählt. In der Jury waren Ehrenpräsident Klaus Repp, Dr. Katrin Bek vom Landesamt für Denkmalpflege, Gerwin Stein von der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege in der Propstei Johannesberg und Peter Domaschka von der Handwerkskammer Wiesbaden. Diese war sich darin einig, dass die von Birk durchgeführten Arbeiten und Vorgehensweisen unter Verwendung geeigneter Materialien und Handwerkstechniken auf hohem Niveau durchgeführt werden und in allen Details überzeugen. So konnte sich Birk gegen neun Mitbewerber durchsetzen. Seine Arbeit im Bereich der Denkmalpflege ist vor allem Fachwerkhäusern und -scheunen gewidmet und von Idealismus und Leidenschaft geprägt. Diesen Geist gebe er auch an seine Lehrlinge weiter, so Präsident Stefan Füll bei der Überreichung der Urkunde und des Geldpreises in Höhe von 2.500 Euro. Klaus Repp, der Namensgeber des Preises, betonte, dass durch die Erhaltung, Instandsetzung und Sanierung von historischen Gebäuden ein nachhaltiger Wert für die Zukunft geschaffen werde.

Überreichung zweier Anerkennungsurkunden
Darüber hinaus sprach sich die Jury dafür aus, zwei weiteren Bewerben eine Anerkennungsurkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz zu verleihen. So erhielt Tischler Johannes Mosler aus Hadamar und Holger Aßmus, Meister im Dachdeckerhandwerk aus Nidda, eine Urkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz. Mosler hat sich der Erhaltung von alten Holzfenstern verschrieben. Für die Fortführung alter Handwerkstechniken und die Erneuerung von Dachreitern, die insbesondere in Oberhessen ein historischer Brauch sind, setzt sich Aßmus ein.

Ursprung des Preises
Klaus Repp war von 2009 bis 2019 Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden. Der jetzige Ehrenpräsident und Meister im Metallbauerhandwerk hat in seinem ehrenamtlichen Wirken einen Schwerpunkt in der Denkmalpflege gesetzt. Handwerksbetriebe, die sich in der Denkmalpflege engagieren, tragen durch den Erhalt des kulturellen Erbes auch zur Stärkung des historischen Gedächtnisses unserer Gesellschaft bei. Diese Botschaft zu transportieren ist das Ziel des „Klaus-Repp-Preises für Denkmalpflege im Handwerk“. Mit dem Preis werden Handwerkerinnen und Handwerker ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Denkmalpflege einsetzen. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt.

Handwerkskammer Wiesbaden
Bierstadter Straße 45,
65189 Wiesbaden
www.hwk-wiesbaden.de

UNESCO zeichnet Bauhüttenwesen aus

Experimentelle Archäologie: Im Wald  von  Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35   Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow
Experimentelle Archäologie: Im Wald von Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35 Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow

 

Die UNESCO hat heute das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit würdigt die UN-Kulturorganisation den internationalen Modellcharakter der Bauhütten, die als fest eingerichtete Werkstätten seit Jahrhunderten für den Erhalt von Großbauten sorgen und dabei traditionelles Handwerk mit neuester Technik verbinden.

An der Nominierung waren 18 Bauhütten aus fünf Ländern beteiligt. Gemeinsam mit Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz hatte Deutschland die Aufnahme in das UNESCO-Register beantragt. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 19. Dezember online.

Europäisches Erfolgsmodell
Zur Auszeichnung des Bauhüttenwesens sagt Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt: „Die auf das Mittelalter zurückgehende Tradition der Bauhütten dokumentiert, wie wichtig der grenzüberschreitende Kulturaustausch und die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern für gesellschaftliche und baukünstlerische Entwicklungen in Europa waren und sind. Ich freue mich sehr über die Anerkennung der UNESCO für das gemeinsam von Frankreich, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Deutschland vorgeschlagene Bauhüttenwesen. Die Aufnahme in das Register guter Praxisbeispiele unterstreicht die Zukunftsfähigkeit traditioneller Handwerkstechniken, ihre Weitergabe trägt zur Erhaltung des europäischen Kulturerbes bei.“

In den Bauhütten werden traditionelle Techniken, Bräuche und Rituale verschiedenster Gewerke bis heute gepflegt. Unter der Leitung einer Dombaumeisterin oder eines Dombaumeisters arbeiten dort vor allem Steinmetze und Bildhauerinnern, aber auch Dachdecker, Tischlerinnen, Gerüstbauer, Malerinnen, Elektriker, Schlosserinnen, Schmiede und Glasmalerinnen für den Erhalt historischer Bauwerke.

Wissensspeicher des Handwerks
Die Bauhütten zeugen von der Effizienz und Qualität traditioneller handwerklicher Arbeit. Sie bewahren Wissen und tragen so zu einem umfassenden Verständnis komplexer Großbauwerke bei: Historische Pläne, Hüttentagebücher, Wetteraufzeichnungen, persönliche Notizen, Fotografien, Gutachten und Rechnungsbücher helfen den Fachleuten heute dabei, Restaurierungsmaßnahmen vorausschauend und denkmalgerecht zu planen.

Dazu erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Das Bauhüttenwesen ist vielen vor allem durch die europäischen Dombauhütten ein Begriff. UNESCO-Welterbestätten wie der Kölner, der Aachener oder der Naumburger Dom zeugen von der großen Bedeutung der Bauhütten: Als international vernetzte Orte der Forschung und Ausbildung bringen sie großes Fachwissen mit außergewöhnlichen Handwerksfertigkeiten zusammen. Ohne das Bauhüttenwesen wäre die Restaurierung der großen europäischen Kirchenbauten gar nicht denkbar. Dies wirkt weit über den kirchlichen Raum hinaus und hat etwa bei der Rekonstruktion der barocken Fassade des Humboldt Forums im Berliner Schloss eine wichtige Rolle gespielt. Umso verdienter ist die heutige Auszeichnung durch die UNESCO.“

Historisch eng vernetzt
Bauhütten gelten seit dem Mittelalter als Innovationsbetriebe, deren Wissen und Fertigkeiten durch die hohe Mobilität der Bauleute im gesamten europäischen Raum Verbreitung fanden. Bis heute sind sie eng miteinander vernetzt. So beteiligten sich an der UNESCO-Nominierung Bauhütten aus Basel, Linz, Straßburg, Trondheim und Wien sowie aus Aachen, Bamberg, Dresden, Freiburg, Köln, Lübeck, Mainz, Passau, Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Soest, Ulm und Xanten.

Bernd Sibler, Vorsitzender der Kulturministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, betont: „Die erfolgreiche Einschreibung der Bauhütten würdigt deren Vorbildfunktion bei der Weitergabe traditioneller Gewerke. Besonders beeindruckend ist die sehr fruchtbare Vernetzung und der fachliche Austausch zwischen den deutschen Bauhütten – 13 von ihnen beteiligen sich am Modellprogramm. Dom- und Münsterbauhütten in ganz Deutschland bewahren einmalige Sakralbauten wie den Kölner und Regensburger Dom, die Kirchen des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und das Freiburger Münster. Aber auch der Dresdner Zwinger als Profanbau unterhält eine eigene Bauhütte. Hier zeigt sich nicht nur die Vielfalt der Bauhüttenlandschaft in Deutschland, sondern auch ihre große Bedeutung für den Erhalt unseres kulturellen Erbes.“

Gelebte Tradition
Der Erfolg der Bauhütten beruht auf ihrer Fähigkeit, alte Handwerkstechniken systematisch von Generation zu Generation weiterzugeben und sie mit neuen Erkenntnissen aus Forschung und Technik innovativ zu kombinieren. Zugleich fördern die Werkstätten den kollegialen Austausch von Wissen und Können. Davon zeugt etwa die bis heute in vielen Gewerken lebendige Walz, die im Bauhüttenwesen ihren Ursprung hat.

Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission und Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe in Deutschland, macht deutlich: „Das Bauhüttenwesen zeigt uns, wie wir traditionelle Handwerkstechniken erfolgreich bewahren, fördern und weitergeben können. Die enge Verzahnung der unterschiedlichen Berufe in den Werkstätten ist historisch faszinierend und ein Modell für die Zukunft des Bauens. Dass so viele Bauhütten von Trondheim über Dresden bis Wien gemeinsam auf die Aufnahme ins UNESCO-Register hingearbeitet haben, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was das Immaterielle Kulturerbe leistet: Es bringt Menschen zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, allen sprachlichen und gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. So geht Europa!“

Hintergrund
Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Bis heute sind 180 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland gehört dem Vertrag seit 2013 an.

Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten können für eine von drei UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden. Dazu gehören bereits der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin, Reggae aus Jamaika und der Blaudruck in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen auf die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes.

Illuminierung der Handwerkskammer – Effektvolle Aktion zum Tag des Handwerks

Am Samstag, dem 19. September 2020 findet der zehnte bundesweite „Tag des Handwerks“ statt. Am Tag des Handwerks schaut ganz Deutschland auf seine Handwerker. Handwerksbetriebe und -organisationen verdeutlichen an diesem Tag bundesweit mit Aktionen und Veranstaltungen, dass Deutschland handgemacht ist. An diesem Tag wird das Verwaltungsgebäude der Handwerkskammer Wiesbaden an der Bierstadter Straße 45 ab 20 Uhr durch eine effektvolle Beleuchtung in Szene gesetzt. Technisch umgesetzt wird die Illuminierung durch die Wiesbadener Firma „Audiluma“.

Für Hauptgeschäftsführer Bernhard Mundschenk ist das im Jahr 2004 bezogene Verwaltungsgebäude aufgrund seiner architektonischen Beschaffenheit ideal für eine Illuminierung geeignet. „Das markante und repräsentativ gelegene Haus wird durch die individuelle Beleuchtung noch mehr zu einem Hingucker“, so Mundschenk. Die Handwerkskammer Wiesbaden wolle zudem mit dieser spektakulären Aktion gerade in Zeiten der Corona-Pandemie für einen „erhellenden Lichtblick“ sorgen und Hoffnungsschimmer senden.

Ins Leben gerufen wurde der bundesweite Aktionstag im Jahr 2011. Er verfolgt die Zielsetzung, gegenüber einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung und Leistung von über 1 Million Handwerksbetrieben mit ihren rund 5,5 Millionen Beschäftigten zu verdeutlichen. Der Bezirk der Handwerkskammer Wiesbaden umfasst rund 26.000 Betriebe mit knapp 120.000 Beschäftigten und 9.000 Lehrlingen und ist damit die „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Hessische Arbeitgeber fordern finanzielle Unterstützung insbesondere auch für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern

Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) © Foto: Diether v Goddenthow
Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) © Foto: Diether v Goddenthow

Die Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks e.V. (AHH) fordern die Politik auf, Mittelständler finanziell zu unterstützen, die aufgrund der Corona-Pandemie erhebliche Umsatzeinbußen haben. „Diese Betriebe fallen derzeit vollkommen aus dem Raster. Gerade im Handwerk gibt es zahlreiche Betriebe aus dem Bereich der Gebäudereinigung, Tischler oder auch Baubetriebe, die mehr als 50 Mitarbeiter haben und jetzt um ihre Existenz kämpfen. Es kann nicht sein, dass diese Familienbetriebe in der Krise entweder untergehen oder mit enormen Schulden in den nächsten Jahren weiterarbeiten müssen“, so Wolfgang Kramwinkel, Präsident der AHH.

Nach einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) sind Betriebe aus den Handwerks-Bereichen Gesundheitsgewerbe, Dienstleistungsgewerbe sowie Kraftfahrzeuggewerbe zu über 90% von Umsatzrückgang betroffen, aber auch alle anderen Sparten verzeichnen in erheblichem Umfang Umsatzrückgänge. Der Verband rechnet damit, dass sich die Situation im April zuspitzen wird und fordert deshalb eine Aufstockung der Hilfsprogramme des Landes Hessen. Vorstellbar wäre laut dem Verband z.B. eine Regelung, die Bundesmittel auch für Betriebe bis 250 Mitarbeiter aufzustocken. Auch andere Bundesländer planen derzeit Erweiterungen der Soforthilfen für mittelgroße Betriebe. „Natürlich werden Soforthilfen nicht mit einem Schlag die Probleme der Betriebe lösen. Aber in Kombination mit dem Kurzarbeitergeld, staatlich garantierten Krediten sowie Stundungsmöglichkeiten von Beiträgen und Steuern, besteht eine Chance, mittelständische Betriebe über diese Krise zu retten“, betont Kramwinkel.

„Die Handwerksbetriebe leisten im Moment Erhebliches, um neben dem eigenen Geschäftsbetrieb unsere Grundversorgung aufrecht zu erhalten und tragen damit zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stabilität unseres Landes bei. Wir müssen jetzt verhindern, dass Betriebe in großer Zahl pleitegehen und Menschen ihre Arbeit verlieren. Entscheidend wird sein, Betriebe rasch auf der Finanzierungs- und auf der Kostenseite zu entlasten und ihnen Liquidität zu verschaffen. Die hessische Politik muss mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln sicherstellen, dass Betriebe diese schwierige Phase durchhalten können. Denn sonst droht auch eine Gefährdung der Grundversorgung, an der unsere Handwerksbetriebe ganz wesentlichen Anteil haben. Nur wenn das gelingt, werden die Betriebe ihre Produktion ohne große Zeitverzögerung wieder hochfahren können, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat“, appelliert Geschäftsführer Rainer von Borstel abschließend.

Die Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks sind der Zusammenschluss von 31 handwerklichen Fachverbänden, in denen rund 15.000 Betriebe freiwillig organisiert sind.

Große Meisterfeier im Wiesbadener Kurhaus – 427 Charakterköpfe erhielten ihre Meisterbriefe

90 Frauen und 337 Männer erhielten im Kurhaus Wiesbaden ihre „Wertpapiere des Handwerks“. Unter den 16 Jahresbesten befanden sich 4 weibliche und 12 männliche Handwerksmeister. Ihnen wurde eine Urkunde von Kammerpräsident Stefan Füll (l.), VdK-Präsidentin Verena Bentele (2.v.l.) und Kammerhauptgeschäftsführer Bernhard Mundschenk (3.v.l.) verliehen. Foto: Annika List
90 Frauen und 337 Männer erhielten im Kurhaus Wiesbaden ihre „Wertpapiere des Handwerks“. Unter den 16 Jahresbesten befanden sich 4 weibliche und 12 männliche Handwerksmeister. Ihnen wurde eine Urkunde von Kammerpräsident Stefan Füll (l.), VdK-Präsidentin Verena Bentele (2.v.l.) und Kammerhauptgeschäftsführer Bernhard Mundschenk (3.v.l.) verliehen. Foto: Annika List

„Setzen Sie als Handwerksmeister Ihre eigenen Akzente. Und, das ist mein persönlicher Wunsch, geben Sie Ihr Wissen weiter.“ Das legte Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, den frisch gebackenen Jungmeisterinnen und Jungmeistern im Wiesbadener Kurhaus ans Herz. In seiner Eröffnungsrede zur traditionellen Meisterfeier der Handwerkskammer begrüßte der Kammerpräsident mit Freude „427 Charakterköpfe, jeder und jede mit einer eigenen Geschichte, mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen.“

Traditionelle Meisterfeier im Wiesbadener Kurhaus
427 Jungmeisterinnen und Jungmeister aus insgesamt 22 Berufen, darunter 90 Frauen, legten im vergangenen Jahr ihre Meisterprüfung ab und nahmen anlässlich dieser Feierstunde ihre verdienten Meisterbriefe entgegen. Die 16 Jahresbesten in der Prüfung erhielten neben dem begehrten Meisterbrief auch eine Extraauszeichnung in Form einer Urkunde. Kammerpräsident Füll würdigte es als besondere Wertschätzung des Meisterbriefes, „dass Bundestag und Bundesrat jüngst den Weg für die Wiedereinführung der Meisterpflicht in 12 bislang zulassungsfreien Handwerken freigemacht haben. Die Politik setzt mit ihrem klaren ,Ja zum Meister‘ ein starkes Zeichen für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk.“

Das Handwerk als „Rückgrat des Mittelstandes“
Die Festansprache hielt die ehemalige Spitzensportlerin und 12-fache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, Verena Bentele, die seit 2018 Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes VdK ist. In ihrer Ansprache, die begeistert aufgenommen wurde, zog sie Parallelen zwischen dem Erreichen von beruflichen Zielen und dem Hochleistungssport und ermutigte die Jungmeisterinnen und Jungmeister dazu, auch Fehler machen zu dürfen, daraus zu lernen und so zukünftig noch leistungsfähiger zu werden.

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden, Gert-Uwe Mende, gratulierte den Jungmeisterinnen und Jungmeistern zur ihren Leistungen und nannte das Handwerk das „Rückgrat des Mittelstandes“. Darüber hinaus unterstrich er die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Er sprach sich zudem für die Einführung von Werkunterricht an Schulen aus, damit junge Menschen früher den Bezug zu handwerklichen Tätigkeiten erleben könnten, und schloss sich damit einer Forderung des hessischen Handwerks an.

„Besser spät als nie“
Der Jungmeisterredner, Thorsten Meusel, erhielt als einer der Jahresbesten seinen Meisterbrief im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk. Mit bereits 43 Jahren sehe er zwar nicht mehr wie ein Jungmeister aus, doch Meusel pflege immer zu sagen „besser spät als nie“. Er appellierte an seine Handwerkskolleginnen und -kollegen: „Wir dürfen nicht vergessen, dass eine gute Handwerksleistung oft mehrere Generationen glücklich macht. Also lebt und liebt euer Handwerk! Wir sollten uns vor Augen führen, dass man später von der Handwerkskunst sprechen wird, deswegen übt euer Handwerk mit Liebe zum Detail aus.“

Der Vizepräsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Andreas Brieske, gab den Jungmeisterinnen und Jungmeistern abschließend mit auf den Weg: „Nun steht Ihnen die Welt des Handwerks offen, und ich kann Sie dazu nur ermutigen, das Beste aus sich und Ihrem Beruf zu machen.“ Durch die Meisterfeier führte die Radio-Moderatorin Evren Gezer.
(HWK Wiesbaden)

Bildergalerie der Meisterfeier 

Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) fordern kluge politische Entscheidungen – Gleichstellung akademischer und beruflicher Ausbildung – Abbau von Bürokratie u. Überregulierung

Das traditionelle parlamentarische Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) am 29. Januar 2020 im Wiesbadener Kurhaus. Links im Bild Volker Bouffier. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier betonte, dass die Hessische Landesregierung das Handwerk wertschätze. „Das hessische Handwerk ist ein starkes Stück Mittelstand und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vom Handwerk geht eine große integrative Kraft aus“. © Foto: Diether v Goddenthow
Das traditionelle parlamentarische Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) am 29. Januar 2020 im Wiesbadener Kurhaus. Links im Bild Volker Bouffier. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier betonte, dass die Hessische Landesregierung das Handwerk wertschätze. „Das hessische Handwerk ist ein starkes Stück Mittelstand und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vom Handwerk geht eine große integrative Kraft aus“. © Foto: Diether v Goddenthow

Zukunft geht nur mit dem hessischen Handwerk – das wurde erneut auf dem traditionellen parlamentarischen Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) in Wiesbaden klar. Präsident Wolfgang Kramwinkel machte vor über 200 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft deutlich, dass das Handwerk die derzeit etwas bröckelnde Konjunktur stütze. Vor allem die kleinen und mittelständischen Familienbetriebe aus dem Handwerk machten es der Politik einfach, da sie maßgeblich zur aktuellen Rekordbeschäftigung und zu dem damit in Zusammenhang stehenden hohen Steueraufkommen beitrügen. „Doch das alles ist kein Selbstläufer. Wenn wir wollen, dass dies auch in Zukunft so bleibt, müssen heute die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden“, sagte Kramwinkel.

Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung

Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) © Foto: Diether v Goddenthow
Wolfgang Kramwinkel, Präsident der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) © Foto: Diether v Goddenthow

Zu den politischen Entscheidungen gehöre unter anderem, dass die Zwei-Klassen-Behandlung von akademischer und beruflicher Ausbildung endlich beendet werden muss: „Akademische und berufliche Bildung gelten in Deutschland immer noch nicht gleich viel. Betrachtet man, wie stark beide Bildungswege finanziell gefördert werden, dann besteht ein starkes Ungleichgewicht. Deshalb fordern wir, Azubis und Studierende endlich finanziell gleichwertig zu behandeln und unsere Ausbildungsbetriebe und Azubis zu entlasten. Das wäre ein wirklich starkes Zeichen der Wertschätzung des Handwerks und der beruflichen Ausbildung.“ Kramwinkel machte deutlich, dass die Wertschätzung für die berufliche Ausbildung auch bei der Ausstattung der Berufsschule beginnen muss: „Das Schlagwort digitale Schule muss auch für Berufsschulen sowie berufliche Weiterbildungsangebote gelten. Gerade um die handwerkliche Berufsausbildung attraktiv und zukunftsfest zu machen, ist eine Modernisierung der Inhalte und Unterrichtsformen zwingend notwendig. Hier bedarf es dringend der Unterstützung des Landes Hessen.“

Abbau von Bürokratie und Überregulierung
Zudem warnte Kramwinkel vor den negativen Folgen einer ausufernden Bürokratisierung, die sich bereits auf die jüngere Generation auswirkten. Zwar habe Deutschland den Anspruch ein Gründerland zu sein. „Die Wahrheit ist aber, dass sich junge Menschen immer seltener für die Selbstständigkeit entscheiden. Selbst die Übernahme des elterlichen Betriebs lehnt die nächste Generation zunehmend ab. Es ist für junge Menschen heute anscheinend attraktiver, im Angestelltenverhältnis feste Arbeitszeiten und ein geregeltes Einkommen zu haben.“

Vor allem die Überregulierung mache dem Handwerk zunehmend zu schaffen. Immer mehr junge Meisterinnen und Meister , so Kramwinkel , seien beispielsweise darüber besorgt, „angesichts der ausufernden Bürokratie keine Zeit mehr für ihre Kunden und die eigentliche handwerkliche Tätigkeit zu haben. Sie wollen ihr Handwerk und keine Bürokratietätigkeit ausüben.“, so der AHH-Präsident.

Bürokratieabbau sei zwar seit Jahren in aller Munde, aber es fehle letztlich an entsprechendem Elan und Wille. Die seit Jahren bekannten und genügend vorliegenden Handlungsvorschläge würden einfach nicht wirklich aufgegriffen, trotz Weiterentwicklung des „One-in / One-out-Verfahrens“ und aktuellen Bürokratieentlastungsgesetz. Beispielsweise „brauchen wir eine sinnvolle Harmonisierung von Handels-und Steuervorschriften, damit Betriebe nicht immer häufiger gezwungen sind, neben der Handelsbilanz zusätzlich eine Steuerbilanz zu erstellen“, so Kramwinkel. Endlich geestrichen gehöre auch die Vorfälligkeit für Sozialversicherungsbeiträge, da es ein Ende haben müsse, dass die Wirtschaft in Vorleistung trete, um Liquiditätsengpässe bei den Sozialversicherungen vorzubeugen. „Konsequente Korrekturen brauchen wir auch bei den bürokratischen Anforderungen des Mindestlohns, der elektronischen Registrierungskassen und den zehnjährigen Aufbewahrungspflichten. Es ist ein Irrweg, die Wirtschaft unter Generalverdacht zu stellen und sämtliche Betriebe mit bürokratischen Pflichten zu belasten, nur um einzelne Missbrauchsfälle aufzudecken„, unterstrich Kramwinkel und fügte hinzu: „Aus den Betrieben höre ich, dass es immer schwerer fällt, die stetig neuen gesetzlichen Anforderungen umfassend zu erfüllen. Auch dort scheint sich immer häufiger das Gefühl der Überbelastung einzustellen. Klar ist, die Summe macht es aus –der Unmut darüber wächst.“

Bouffier: Hessen ist dank Handwerk wirtschaftlich erfolgreich

Ministerpräsident Volker Bouffier.© Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier.© Foto: Diether v Goddenthow

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier betonte, dass die Hessische Landesregierung das Handwerk wertschätze. „Das hessische Handwerk ist ein starkes Stück Mittelstand und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vom Handwerk geht eine große integrative Kraft aus“, so Bouffier. Als Beispiel dafür nannte er die bundesweit beispiellos enge Zusammenarbeit beim Landes-Programm ,Wirtschaft integriert´, das u.a. Flüchtlinge auf dem Weg ins Berufsleben begleitet. „Hessen ist dank des Handwerks ein wirtschaftlich erfolgreiches Land, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt pflegt.“ Der Ministerpräsident machte deutlich, dass die berufliche Bildung zu den Kernthemen der Hessischen Landesregierung gehöre. „Die Landesregierung engagiert sich mit voller Kraft im Bündnis Ausbildung Hessen, das vor zwei Wochen zum zweiten Mal unterzeichnet wurde. Zudem stocken wir die Haushaltsmittel für die berufliche Bildung auf. Um den Berufsschülerinnen und Berufsschülern die nötigen Kenntnisse zu vermitteln, die mit dem digitalen Wandel einhergehen und digitale Infrastrukturen zu verbessern, fördert die Landesregierung die Beruflichen Schulen durch den Digitalpakt und das Programm „Digitale Schule Hessen.“

Talkrunde – IAA-Weggang hätte verhindert werden können

Talkrunde, moderiert von Wiesbadener-Kurier-Chefredakteur Stefan Schröder, mit den Fraktionsvorsitzenden des Hessischen Landtags (v.li.) Nancy Faeser (SPD), Janine Wissler (Die Linke), Michael Boddenberg (CDU), Arno Enners (AfD), Renè Rock (FDP) und Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen). © Foto: Diether v Goddenthow
Talkrunde, moderiert von Wiesbadener-Kurier-Chefredakteur Stefan Schröder, mit den Fraktionsvorsitzenden des Hessischen Landtags (v.li.) Nancy Faeser (SPD), Janine Wissler (Die Linke), Michael Boddenberg (CDU), Arno Enners (AfD), Renè Rock (FDP) und Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen). © Foto: Diether v Goddenthow

Die Themen Digitalisierung und Ausbildung standen auch im Fokus der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Stefan Schröder, Chefredakteur des Wiesbadener Kuriers. Michael Boddenberg (CDU), Nancy Faeser (SPD), Renè Rock (FDP), Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), Janine Wissler (Die Linke) und Arno Enners (AfD) sicherten die Unterstützung des hessischen Landtages zu, Mittelstand und Handwerk zu unterstützen. Kontrovers besprochen wurde die tagesaktuelle Absage an den Standort Frankfurt der Internationalen Automobil Ausstellung IAA. Es gelte nun, einen Masterplan zu erstellen um die IAA 2023 wieder nach Frankfurt zurück zu holen. Das RheinMain-Gebiet müsse zum führenden Zentrum von Mobilität und technikoffener Erforschung klimaneutraler Antriebsmöglichkeiten und Kraftstoffe werden.
„Um beim Klimaschutz im Verkehrsbereich voranzukommen, sind neben der Elektromobilität auch andere alternative Kraftstoffe und Antriebe unverzichtbar.

Die Potentiale synthetischer Kraftstoffe und auch die Brennstoffzellentechnologie müssen in der politischen Debatte eine viel größere Rolle spielen,“ forderte Rainer von Borstel, Geschäftsführer der AHH in seinem Schlusswort.