28. Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2019 zur Vernissage „Odyssee“ in der Mainzer Volksbank verliehen

„ODYSSEE“ – Ausstellungseröffnung im MVB-Forum - anlässlich der 28. Verleihung des Eisentumpreises 2019.© Archivbild: Diether v Goddenthow
„ODYSSEE“ – Ausstellungseröffnung im MVB-Forum – anlässlich der 28. Verleihung des Eisentumpreises 2019.© Archivbild: Diether v Goddenthow

Am 7. November 2019 haben der Kunstverein Eisenturm Mainz e.V. und die Mainzer Volksbank zur Eröffnung der Vernissage „Odyssee“ im MVB-Forum den „28. Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2019 – Hans Jürgen Imiela Gedächtnispreis“ in der Gesamthöhe von 10 000 Euro verliehen: Tanja Lebski erhielt für ihr Triptychon „Post Mortem“ den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis. Den mit 3000 Euro ausgestatteten zweiten Platz holte Regina Geißler für ihr Werk „Abenteurer“. Clemens Tremmels Ölgemälde „Die Heimkehr“ erhielt den dritten Preis mit 2000 Euro.

Das Ausstellungs-Motto „Odyssee“ war als Vorgabe für die einzureichenden Arbeiten im bundesweiten Ausschreibungstext bewusst offen gehalten. Wie es dort heißt, sind „Menschen seit Jahrtausenden unfreiwillig unterwegs und begeben sich auf eine Reise ins Ungewisse. Sie verlassen ihre gewohnte Umgebung, ihre Heimat, und werden zu Fremden in einem neuen Land. Getriebene. Wie die Figur aus der griechischen Mythologie irren sie durch das Meer, durch die Welt und suchen Wege  eine sichere menschenwürdige Existenz. Dabei werden sie oft Opfer von Missgunst und Gewalt und geraten zwischen kulturelle und politische Fronten. Und wünschen sich doch nur eins: Ankommen.“

Ume Abel, Vorstandsvorsitzender der MVB, begrüßt die Gäste. © Foto: Diether v Goddenthow
Ume Abel, Vorstandsvorsitzender der MVB, begrüßt die Gäste. © Foto: Diether v Goddenthow

In seinen Begrüßungsworten ging der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank, Uwe Abel, auf die Bedeutung des Mottos „Odyssee“ ein und hob die Bedeutung der Kunst als wichtiges gesellschaftliches Korrektiv hervor. Ganz besonders begrüßte er Marianne Grosse in ihrer Eigenschaft als Kulturdezernentin der Stadt Mainz sowie Dietmar Gross, den Vorsitzenden des Kunstvereins Eisenturm. „Ohne ihn und den Kunstverein Eisenturm würde es diese Veranstaltung nicht geben“, hob Abel hervor und dankte „dem Kunstverein Eisenturm für diese, wie auch die vielen bisherigen großartigen Ausstellungen in unseren Räumen.“ Der Vorstandsvorsitzende freute sich, dass die Kunsthistorikerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke zum wiederholten Male die Einführung halten werde. Er fügte ein wenig nachdenklich und stolz zugleich hinzu, dass es wohl nur noch eine Regionalbank in Mainz und vielleicht überhaupt gäbe, „die sich dem Thema Kunst und Kultur seit vielen Jahren widme“ und „wir wollen es auch in Zukunft tun“, so Abel.

Marianne Grosse betonte in ihrem Grußwort ausdrücklich, dass die Mainzer Volksbank verlässlicher Teil der Stadtgesellschaft sei, und ein wichtiger Begleiter der Kultur über viele, viele Jahre hinweg. Ohne die Mainzer Volksbank „wären wir in Mainz nicht so, wie wir sind“, so die Kulturdezernentin, die solch ein Engagement insbesondere in einer Gesellschaft wichtig findet, „die immer mehr auseinander zu driften scheint.“ Und ganz persönlich fügte sie hinzu: Was nütze da eine anonyme Internet-Bank, die praktisch keinen Kunden kenne.

Kulturdezernentin Marianne Grosse dankt der MVB, dem Eisenturm und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow
Kulturdezernentin Marianne Grosse dankt der MVB, dem Eisenturm und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow

Kunstwerke seien Erzeugnisse künstlerischen Schaffens und seien immer auch Eigensinn, Widersinn, Dekonstruktion, Formenbruch und Wirklichkeitsverzerrung, so Grosse. Die so in der Kunst stets entfachte Lebendigkeit und Dynamik wäre ohne Freiheit und Offenheit undenkbar. Auch der Kunstverein Eisenturm arbeite überaus offen. „Denn der Kunstpreis Eisenturm, den sie seit 2005 verleihen, wendet sich eben nicht nur an bildende Künstlerinnen und Künstler in unserer Region, sondern auch an Künstlerinnen und Künstler in ganz Deutschland, von denen bei der Preisvergabe drei Personen für ihre Arbeit geehrt werden“, vertiefte die Kulturdezernentin, die sehr glücklich darüber sei, „dass wir in einer Stadt leben, die so bereichert ist von zahlreichen Vereinen und Einrichtungen wie dem Kunstverein Eisenturm“.

„380 Bewerbungen für den Kunstpreis Eisenturm sind eingegangen. Ich finde, das ist eine unheimlich beeindruckende Zahl.“ Allein das Begutachten der 380 eingegangenen Bewerbungen für den Kunstpreis Eisenturm und das Herausfiltern der interessantesten Motive mache vor allen Dingen auch einmal mehr deutlich, „mit welch einem organisatorischen Aufwand sie es dann tatsächlich zu tun haben. Wenn wir uns vor Augen halten, lieber Herr Gross, dass Sie und Ihr Team das alles ehrenamtlich machen, müssen wir ihnen allerhöchste Hochachtung zollen, auch dieses Jahr wieder eine unglaubliche Leistung. Vielen Dank!“, lobte die Kulturdezernentin.

Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, dankte der Mainzer Volksbank, seinem Team und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow
Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, dankte der Mainzer Volksbank, seinem Team und den Künstlern. © Foto: Diether v Goddenthow

Dietmar Gross, Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, freute sich über den Erfolg des Kunstpreises. „Über 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland zeugen vom hohen Renommee, das der Preis bundesweit erreicht hat. Dass wir einen Kunstpreis über 28 Jahre vergeben können, verdanken wir dem Stifter des Preises, der Mainzer Volksbank.“ Anschließend übergab er gemeinsam mit Uwe Abel Preise und Blumen an die Preistäger.

Preisverleihung und Einführung 

(v.li.): Der Vorsitzende des Kunstverein Eisenturm Dietmar Gross, die Zweitplatzierte Regina Geißler, der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank Uwe Abel, die Siegerin Tanja Lebskis, der Drittplatzierte Clemens Tremmel sowie die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v Goddenthow
(v.li.): Der Vorsitzende des Kunstverein Eisenturm Dietmar Gross, die Zweitplatzierte Regina Geißler, der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Volksbank Uwe Abel, die Siegerin Tanja Lebskis, der Drittplatzierte Clemens Tremmel sowie die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse. © Foto: Diether v Goddenthow

Die  Kunsthistorikerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke führte in die Ausstellung und preisgekrönten Werke ein.
Bereits Johann Wolfgang von Goethe sah vor 220 Jahren im tragisch griechischen Epos einen idealen Nährstoff für Künstler, von denen jedoch niemand vor des Dichterfürsten gestrengen akademischen Auges zu bestehen vermochte. Die Odyssee  zähle  noch immer zu den einflussreichsten Werken der Kulturgeschichte, so Dr. Nieraad-Schalke.

Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke  befasste sich in ihrer Einführung mit jedem einzelnen Werk der Ausstellung.© Foto: Diether v Goddenthow
Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Nieraad-Schalke befasste sich in ihrer Einführung mit jedem einzelnen Werk der Ausstellung.© Foto: Diether v Goddenthow

Nachdem Troja erobert war, „muss der griechische König Odysseus auf der Rückfahrt in seine Heimat Ithaka unzählige Abenteuer bestehen. Während der 10 Jahre dauernden Reise (mit  Trojanischen Krieg 18 Jahre) erleidet der Held und Stratege von Troja mehrfach Schiffbruch, wird von Insel zu Insel getrieben, kämpft mit menschenfressenden Zyklopen, Meeresungeheuern, liebt betörende Nymphen und widersteht verführerischen Sirenen, steigt in die Unterwelt hinab und verhandelt mit Wind, Sonne und Meeresgöttern.“ Dieser Prototyp der spannungsgeladenen Action-Geschichte diene bis heute bildenden Künstlern als reiche Quelle der Inspiration, so auch den Schöpfern der zur Ausstellung eingereichten und nominierten Arbeiten.

Dritter Platz „Die Heimkehr“ von Clemens Tremmel

Dritter Platz "Die Heimkehr" von Clemens Tremmel
Dritter Platz „Die Heimkehr“ von Clemens Tremmel

Clemens Tremmels Bild „Die Heimkehr“ sei beispielhaft dafür, „wie in der Auseinandersetzung mit anderen Figuren und Zeiten eine solch hervorragende Schöpfungsleistung entstehen kann“. Das meisterhafte Ölbild „Die Heimkehr“, ein im trüben Dämmerlicht schwimmendes und zurückkehrendes kleines Boot des jungen Leipziger Künstlers, erinnere in seiner Technik und stimmungsvollen Atmosphäre zunächst an die romantische Malerei des 19. Jahrhunderts. Die mutwillige Zerstörung der malerischen Einheit durch aggressive Abkratzspuren transportiere jedoch Tremmels Arbeit auf einzigartige Weise ins 21. Jahrhundert. „Metallisch glänzend tritt das moderne Trägermaterial aus Aluminium hervor, und wir Betrachtenden reagieren fast körperlich auf dieses offenkundige Symbol von roher Gewalt. Wie lebenslang zeichnende Narben erinnern sie den Heimkehrer an innere und äußere Kämpfe“, so die Kunsthistorikerin.

Zweiter Platz  „Abenteurer“ von Regina Geißler

Zweiter Platz  „Abenteurer“ von Regina Geißler
Zweiter Platz „Abenteurer“ von Regina Geißler

Auch das den zweiten Platz belegende Acrylbild „Abenteurer“ von Regina Geißler lasse die Grenzen zwischen innerer und äußerer Welt verschwimmen, so Dr. Nieraad-Schalke. Die Mainzer Künstlerin entfache in gewaltiger Atmosphäre ein Spannungsfeld von körperlich minimaler und virtuell maximaler Dynamik in Gestalt des computerspielenden Jugendlichen. Dieser sei umhüllt von digitalen Spielständen, gegnerischen Figuren und feuerfegenden Monstern, wobei manche der Elemente gar an Galaxien oder mythologische Sagengestalten erinnerten. Unverkennbar spiegele sich hier der kulturelle Einfluss von Homers antiken Epos bis in die digitale Computerspielewelt wider, wobei jeder heutzutage mit Action-Adventure-Spielen wie „Assassin’s Creed: Odyssey“ selbst virtueller Abenteurer sein und in die Rolle des furchtlosen Helden schlüpfen könne. „Doch, obwohl die Kämpfe in der Illusion ausgetragen werden, finden sie einen körperlichen Widerhall“. Regina Geißler geschickte Farbgebung fange vor allem die sehr reale Aufregung in Herz und Bauch ein.

Erster Platz „Post Mortem“ von Tanja Lebski

Erster Platz "Post Mortem" von Tanja Lebski
Erster Platz „Post Mortem“ von Tanja Lebski

Tanja Lebski aus Altleinigen wählte für ihre außergewöhnliche Arbeit „Post mortem“, welches den ersten Preis erhielt, die sakrale Form eines Triptychons, ein Bild-Format, welches bereits im Mittelalter eine zentrale Bedeutung bei Altar- oder Andacht-Bilder spielte und auf welches noch heute Kunstschaffende gerne zurückgreifen, „wenn es um existentielle Grenzsituationen um Leben und Tod geht“, so Dr. Nieraad-Schalke. Auf der Mitteltafel habe die Preisträgerin in Acrylmalerei eine rührende Szenerie von Krieg und Zerstörung entwickelt, im Zentrum der medialen Erinnerungssplitter die Verwüstung der bosnisch-herzegowina’schen UNESCO-Weltkulturerbe-Brücke „Kriva Ćuprija“, die Jahrhundertelang als Symbol für das friedliche Miteinander unterschiedlicher religiöser, kultureller und ethnischer Traditionen stand. Auf den stoffbespannten Seitenflügeln, die quasi eine Kommentarfunktion einnähmen, spanne die Preisträgerin diesen thematischen Bogen noch weiter. Die aufgebrachten Strickfragmente und verdreckten Stoffreste symbolisierten eine zurückgelassene Vergangenheit, eine übliche Folge, wenn Menschen durch Krieg, Verfolgung und Diskriminierung ihre Heimat verlassen müssten. Letztlich stünde die Frage im Raum, was nach dem Heimatverlust noch bliebe, wobei Religiosität als Form der Trauerbewältigung zumindest angedeutet würde, so das Fazit der Kunsthistorikerin.
Ort und Dauer

Ausstellung Odyssee bis 17. Januar 2019 © Foto: Diether v Goddenthow
Ausstellung Odyssee bis 17. Januar 2019 © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung „Odyssee“ im MVB-Forum, Neubrunnenstr. 2 in Mainz, zeigt  bis Freitag, 17.01.2020, die besten 25 Bilder aus 380 Einreichungen. Es lohnt sich.

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 9:00 bis 18:00 Uhr sowie freitags von 9:00 bis 13:00 Uhr.

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Jahresfeier und Jubiläum zum 70jährigen Bestehen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

(v.li.:) Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film-, und Medienwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schröder, Fakultät für Ingenieurwissenschaften Abteilung Bauwissenschaften, Institut für Mechanik der Universität Duisburg-Essen; Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz; Festredner Jan Wagner, Schriftsteller und Übersetzer; Dr. Daniela Danz, Leiterin des Schillerhaus Rudolstadt; Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, Präsident Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz; Dr. Julia Borst, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen; Dr. Thomas Grosse-Wilde, Akademischer Rat a.Z. am Strafrechtlichen Institut der Universität Bonn; Professor Patrick Finglass DPhil (Oxon.), Professor für Griechische Philologie an der Universität Bristol; Dr. Giuseppe Zarra, Istituto Opera del Vocabolario Italiano del Consiglio Nazionale delle Ricerche (Florenz) © Archivbild: Diether v Goddenthow
(v.li.:) Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film-, und Medienwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schröder, Fakultät für Ingenieurwissenschaften Abteilung Bauwissenschaften, Institut für Mechanik der Universität Duisburg-Essen; Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz; Festredner Jan Wagner, Schriftsteller und Übersetzer; Dr. Daniela Danz, Leiterin des Schillerhaus Rudolstadt; Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl, Präsident Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz; Dr. Julia Borst, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen; Dr. Thomas Grosse-Wilde, Akademischer Rat a.Z. am Strafrechtlichen Institut der Universität Bonn; Professor Patrick Finglass DPhil (Oxon.), Professor für Griechische Philologie an der Universität Bristol; Dr. Giuseppe Zarra, Istituto Opera del Vocabolario Italiano del Consiglio Nazionale delle Ricerche (Florenz) © Archivbild: Diether v Goddenthow

Am 8.November 2019 beging die Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz (ADW) in dem Plenarsaal des Akademiegebäudes ihre Jahresfeier und zugleich ihr Jubiläum zum 70jährigen Bestehen. Präsident Prof. Dr.-Ing. Reiner Anderl begrüßte die zirka 300 Gäste und gab einen Rückblick auf das vergangene Berichtsjahr und einen Ausblick auf 2020. Anlässlich des Jubiläums hatte man im Sommer eine Gedenktafel zur Ehren des Akademie-Mitbegründers Alfred Döblin anbringen lassen.
Für das Land Rheinland-Pfalz gratulierte Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz, mit einem Grußwort zum 70jährigen Bestehen der Akademie.

Den Festvortrag „Der glückliche Augenblick. Lyrik und Fotografie“ hielt der vielfach, zuletzt mit dem Georg-Büchner-Preis, ausgezeichnete Schriftsteller und Übersetzer Jan Wagner. Er ist seit 2010 ADW-Mitglied der Klasse der Literatur und der Musik.

Mit der höchsten ADW-Auszeichnung, der Leibniz-Medaille, wurde Rechtsanwalt Dr. jur. Joachim Erler für seine langjährige Tätigkeit im Beirat der Kurt-Ringger-Stiftung und sein Engagement im Bereich der Nachwuchsförderung der Akademie, insbesondere der Jungen Akademie Mainz ausgezeichnet. Da Dr. Erler wegen einer Erkrankung die Ehrung nicht persönlich entgegennehmen konnte, verlas ADW-Präsident Rainer Anderl nur die Jurybegründung. Er wird dem Geehrten die Leibniz-Medaille nachträglich persönlich überreichen.

Ihre Antrittsreden als neue Mitglieder der ADW hielten:•

Dr. Daniela Danz, Mitglied der Klasse der Literatur und der Musik. Sie ist freie Autorin und leitet das Schillerhaus Rudolstadt.

Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schröder, Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, ist Professor für Mechanik an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften Abteilung Bauwissenschaften, Institut für Mechanik der Universität Duisburg-Essen sowie Autor/Mitautor von über 200 Zeitschriftenbeiträgen und mehrerer Bücher usw.

Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Mitglied der Geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Professor für Filmwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Theater-, Film-, und Medienwissenschaften.

Verleihung der Akademiepreise

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung der Akademiepreise, darunter: der Sibylle Kalkhof-Rose-Akademie-Preis für Geisteswissenschaften, der Kurt-Ringger-Preis und der Rudolf-Meimberg-Preis. Diese dienen vorrangig der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses:

Die Romanistin Dr. Julia Borst, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen, erhielt den Sibylle Kalkhof-Rose-Akademie-Preis für Geisteswissenschaften 2019 für ihre innovativen Arbeiten über Literaturen der Diaspora, insbesondere im afro-spanischen Sprachraum.

Der Sprachwissenschaftler Dr. Giuseppe Zarra, Istituto Opera del Vocabolario Italiano del Consiglio Nazionale delle Ricerche (Florenz), wurde mit dem Kurt-Ringger-Preis ausgezeichnet für seine Dissertation, in der er die Übertragung des ›Thesaurum pauperum‹ in die pisanische Vernakularsprache untersucht hat.

Professor Patrick Finglass DPhil (Oxon.), Professor für Griechische Philologie an der Universität Bristol, wurde mit dem Rudolf-Meimberg-Preis geehrt für seine zahlreichen Monographien und Aufsätze, die wesentlich zum Verständnis der frühgriechischen Lyrik und der attischen Tragödie beigetragen haben. Vor allem sein monumentaler Kommentar zu ›Ödipus‹ von Sophokles erschließt das Werk in noch nie erreichter Detailgenauigkeit auch für fachfremde Leser.

Die neue „Joachim Vogel-Gedächtnismedaille“
Zum Andenken an das Akademiemitglied, den Strafrechtler Prof. Dr. Joachim Vogel (1963-2013), einen der führenden und engagiertesten Vertreter seines Faches, hat seine Familie die mit einem Preisgeld verbundene Medaille gestiftet. Zum ersten Mal geehrt mit der Joachim Vogel-Gedächtnismedaille wurde Dr. Thomas Grosse-Wilde, Akademischer Rat a.Z. am Strafrechtlichen Institut der Universität Bonn, für seine wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiet des Strafrechts, insbesondere für seine Dissertation über ›Erfolgszurechnungen in der Strafzumessung‹, mit der er summa cum laude promoviert wurde.

Für eine ausgezeichnete musikalische Umrahmung sorgte die Pianistin Yona Sophia Jutzi.

Standort Gutenberg-Museum – Mitdiskutieren am 28.11. über die „Modernisierung Gutenberg-Museum“

Archivbild: © Foto: Diether v Goddenthow
Archivbild: © Foto: Diether v Goddenthow

(rap) Eine weitere öffentliche Veranstaltung zum Thema „Modernisierung Gutenberg-Museum“ soll sich schwerpunktmäßig mit der Standortfrage beschäftigen. Hierbei werden die drei Standorte vorgestellt. Interessierte haben die Möglichkeit, sich über die Standortalternativen auszutauschen und die eigenen Meinungen einzubringen.

Zu dieser Veranstaltung lädt die Landeshauptstadt Mainz am Donnerstag, 28. November 2019 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr
ein. Die Veranstaltung findet auf der Zitadelle im Drusussaal (Gebäude E) statt.

Das Gutenberg-Museum gilt als eine der zentralsten kulturellen Institutionen der Landeshauptstadt Mainz. Es zählt zu den ältesten Druckmuseen der Welt und gehört zu den meistbesuchten Museen in Deutschland. Jedoch bedarf das Gutenberg-Museum nach den vielen Jahrzehnten seines Bestehens einer baulichen sowie szenografischen Erneuerung.

Dazu beauftragte der Stadtrat die Verwaltung am 9. Mai 2018, eine „Arbeitswerkstatt Modernisierung Gutenberg-Museum“ einzurichten, um die weitere Entwicklung des Hauses unter Beteiligung der Bürgerschaft voranzutreiben.
Am 26. September fand die erste öffentliche Sitzung der Arbeitswerkstatt Modernisierung Gutenberg-Museum mit interessierten Menschen aus Mainz im Museum statt. Themenschwerpunkt war hierbei die derzeitige Situation im Gutenberg-Museum. Aufbauend auf dieser Veranstaltung konnte die Bürgerschaft am 19. Oktober an einer öffentlichen Exkursion nach Frankfurt a. M. teilnehmen. Dort besuchte sie das Historische Museum, das eine vergleichbare Entwicklung zur baulichen und inhaltlichen Erweiterung durchlaufen hat.

Zeit und Ort der Veranstaltung:
Donnerstag, 28. November 2019 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Zitadelle im Drusussaal (Gebäude E)
Am 87er Denkmal, Mainz

Landesmuseum Mainz: Termine im November 2019

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

 

SA 09.11. | 14.00 – 16.00
Offenes Atelier – Die Mitmachwerkstatt für Groß und Klein ab 6 Jahren
› bauhaus für uns

SA 09.11. | 15.00 – 16.00
Wochenende der Graphik 2019: Dialog-Führung: „Entdeckungen im Atelier“
› Madlon Gunia

SO 10.11. | 11.00 – 12.00
Wochenende der Graphik 2019: Öffentliche Führung „Neue Europäische Grafik – Die Bauhaus-Mappen“
› Gernot Frankhäuser

DI 12.11. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 12.11. | 18.00
Vortrag zur Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“. von der reformbewegung des kunstgewerbes zum wohnen mit ikonen“
› Carl Fieger – vom Absolventen der Mainzer Kunstgewerbeschule zum bauhaus-Architekten
› Dr. Uta Schmitt

DO 14.11. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

SA 16.11. | 14.00 – 16.00
Führung mit den Mainzer Gästeführern
› Unser Landesmuseum – Hervorragende Werke mit Mainz-Bezug

SO 17.11. | 15.00
Kunst gucken – Kinderführung
› Ich möchte Maler werden!

DI 19.11. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 19.11. | 18.00
Vortrag zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab Herbst 2020)
› Niedergang des Kaisertums? Barbarossas Konflikte in Italien und das Mainzer Hoffest 1184
› Prof. Dr. Knut Görich

DO 21.11. | 18.00
Vortrag zur Sonderausstellung „Egon Hartmann und der Wiederaufbau von Mainz“
› Egon Hartmann in Mainz und München
› Dr.-Ing. Rainer Metzendorf

SA 23.11. | 14.00 – 16.00
Publikumsberatung mit dem Mainzer Altertumsverein
› Alles, was Mainz ist

SO 24.11. | 15.00
Kuratorenführung durch die Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“. von der reformbewegung des kunstgewerbes zum wohnen mit ikonen“
› Dr. Eva Brachert

DO 26.11. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 26.11. | 18.00
Führung durch die Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“. von der reformbewegung des kunstgewerbes zum wohnen mit ikonen“

DO 28.11. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

FR 29.11. | 17.00 – 20.00
Blicke hinter die Kulissen
› Making of „bauhaus – form und reform“
› Filmemacher Utz Kastenholz und Kuratorin Dr. Eva Brachert

SA 30.11. | 15.00
Führung „bauhaus begreifen“
› Mit dem Sammler Sebastian Jacobi

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.

Am 11.11. wird in Mainz wieder das Närrische Grundgesetz verkündet – Ganztägiges Bühnenprogramm auf dem Schillerplatz

Der Contdown läuft zur Verkündung des Närrischen Grundgesetzes am 11.11.2019 vom Balkon des Osteiner Hofs. © Archivbild: Diether v Goddenthow
Der Countdown läuft zur Verkündung des Närrischen Grundgesetzes am 11.11.2019 vom Balkon des Osteiner Hofs. © Archivbild: Diether v Goddenthow

Der närrische Mainzer Countdown läuft: Am 11.11. um 11 Uhr 11 ist es wieder soweit: Dann verkündet der älteste Mainzer Carneval-Verein, der MCV, in Beisein des Mainzer Oberbürgermeisters dem Narrenvolk vom Balkon des Osteiner Hofes aus das Närrische Grundgesetz.

Bereits gegen 10.00 Uhr werden allmählich närrische „Horden“ aus allen Himmelsrichtungen in bunter, unverkennbarer verrückter Kluft mit Fahnen, Trommeln und Trompeten zum Schillerplatz ziehen, gemeinsam mit den MCV-Moderatorinnen Tina Dockhorn und Anne Sartoris schunkeln, während die Schwellköpp weithin sichtbar einen dezenten Sternmarsch vor der MCV-Bühne vollführen. Unterstützt werden sie von den Moderatoren Andreas Kunze (RPR.1) und Andreas Heck (Rockland Radio).

Impression vom 11.11. am Osteiner Hof. © Archivbild: Diether v Goddenthow
Impression vom 11.11. am Osteiner Hof. © Archivbild: Diether v Goddenthow

Wenn dann schließlich auch die Fahnen am Fastnachtsbrunnen gehisst sind, wird MCV-Präsident Reinhard Urban die Gäste samt Publikum begrüßen. Mit Jacqueline Seuthe und Heinrich Diefenbach wird das erste Prinzenpaar in der Geschichte des Mainzer Carneval-Clubs vorgestellt. Der MCC feiert in der kommenden Kampagne sein 11×11. Jubiläum. Pünktlich um 11.11 Uhr wird die Narrencharta verlesen. Bevor ein kunterbuntes Bühnenprogramm – zusammengestellt von Aline Leber – das närrische Publikum zum Mittanzen und Mitsingen animieren wird, stimmt auch Oberbürgermeister Michael Ebling, bekennender Fastnachter und selbst jahrelang als Protokoller aktiv, die Narrenschar auf das besondere Ereignis ein.

Programm ELFTER ELFTER 2019
Angeleitet von den Moderatorinnen Tina Dockhorn und Anne Sartoris (präsentiert von RPR und Rockland Radio) werden zahlreiche Stimmungssänger und Fastnachtsgruppen bis in die Abendstunden aufspielen und für beste Stimmung sorgen. Darunter unter anderem Oliver Mager, die Spaßmacher Company, Pizzabäcker Ciro Visone, Pit Rösch, Oliver Wiesmann, die Bockiusbrüder, die Meenzer Meedcher und natürlich Thomas Neger und Die HUMBAs.

Im Detail:

  • Warm up – Eintreffen der Narren und Närrinnen auf dem Schillerplatz
  • Countdown MCV-Präsident Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban -Narrencharta – Vorstellung Prinzenpaar MCC – Ansprache OB – Schlussworte Präsident Balkon Osteiner Hof

Bühnenprogramm 

© Archivbild: Diether v Goddenthow
© Archivbild: Diether v Goddenthow
  • Pit Rösch
  • Die Mainzer Hofsänger (Christoph Clemens)
  • Die Spassmacher (Achim Blees-Wallich)
  • Rheinmainzer Harald Kauth
  • Oliver Mager
  • Thomas Neger und die HUMBA´s
  • Dance Emotion Saulheim (Kayee Dechent)
  • Kevin Wagner
  • Kira Resch
  • Altrheingarde aus Ginsheim (Benno Hochhaus)
  • Laura Stumpf
  • Jeremy D. Frei Cheerleader „dieChaote“
  • Ciro Visone Pizzabäcker
  • Bockiusbrüder Andreas und Matthias
  • Rotrockrappers (Andreas Bockius)
  • Meenzer Meedcher (Sandra Günther)
  • Die Moritze (Moritz Thielen)

Meenzer Herz wird Zugplakette

Die Zug-Plakettchen helfen bei der Finanzierung des Rosenmontagszugs Am besten beide kaufen!!! © Foto: Diether v Goddenthow
Die Zug-Plakettchen helfen bei der Finanzierung des Rosenmontagszugs Am besten beide kaufen!!! © Foto: Diether v Goddenthow

Passend zum diesjährigen Motto „Humor ist Meenzer Lebensart – mit Herz und Toleranz gepaart“, unterstützt von der Mainzer Volksbank, wurde auch das Zugplakettchen ausgewählt. Der Verkauf der Zugplaketten, die für 5 Euro das Stück angeboten werden, ist eine wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung des Rosenmontagszuges. In diesem Jahr gibt es gleich drei Varianten, gezeichnet übrigens von Michael Apitz: das rote Meenzer Herz, in zwei verschiedenen Ausführungen, sowie als Sonderedition in Gold für 7,50 Euro. „Das Zugplakettchen ist nicht nur ein schönes Sammelobjekt“, erklärt MCV-Präsident Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban, „vielmehr ist es für jeden Narren, der am Zug teilnimmt, sozusagen das Eintrittsgeld für den Rosenmontag“.

Sammelband für Zugplakettchen
Das einmalige Sammelwerk der Mainzer Zugplaketten ist auch in der neuen Kampagne erhältlich. Beginnend mit dem ersten Zugplakettchen von 1950, zeigt der Sammelband alle Zugplaketten des Mainzer Rosenmontagszugs. Mitgeliefert werden Infos über Stückzahlen, Varianten und vieles mehr. Der besondere Clou – damit das Mainzer Plakettenbuch auch zeitlos aktuell bleibt, sind leere Seiten eingeplant. Hier können künftige Zugplakettchen als Sammelbilder eingeklebt werden. Damit schreibt der Sammelband die Geschichte der Mainzer Zugplaketten bequem weiter…bis 2025! Der Sammelband kostet 7,50 Euro und der Einkleber der Jahresplakettchen 1,00 Euro.

Für mehr Sicherheit: Mainzer Festbecher

Impression vom 11.11. am Schillerplatz. © Archivbild: Diether v Goddenthow
Impression vom 11.11. am Schillerplatz. © Archivbild: Diether v Goddenthow

Da Glasscherben in der Mainzer Straßenfastnacht und auf dem Rosenmontagszug immer wieder zu gefährlichen Schnittverletzungen führen, soll auf die Mitnahme von Gläsern und Glasflaschen ganz verzichtet werden – auch am 11.11. auf dem Schillerplatz. Als ausschließliches Trinkgefäß hat der MCV einen Festbecher aus Kunststoff aufgelegt, der auch in der neuen Kampagne als Kaufbecher für 2 Euro angeboten wird. Man erwirbt ihn einmalig, tauscht ihn bei der nächsten Bestellung, erhält aber am Ende des Tages kein Pfand mehr zurück. „Auch hier kommen die Erlöse aus dem Verkauf zu 100 Prozent der Finanzierung des Rosenmontagszugs zugute“, so Reinhard Urban. Viele werden dieses System zum Beispiel von Weinfesten kennen.

Die Veranstalter bitten auch, möglichst auf größere Taschen und Rucksäcke aus Sicherheitsgründen zu verzichten. Wie schon in den letzten Jahren wird der Schillerplatz wieder eingezäunt und nur durch die Sicherheitsschleusen zu betreten sein. Um pünktlich dabei zu sein, sollte man also ein wenig Zeit mitbringen und frühzeitig kommen.

Älteste Mainzer Garde, die Mainzer Ranzengarde. © Foto: Diether v Goddenthow
Älteste Mainzer Garde: Mainzer Ranzengarde. © Foto: Diether v Goddenthow

Wie jedes Jahr weist der MCV-Präsident vorsorglich daraufhin: „Der 11.11. ist nicht der Anfang der Fastnachtskampagne, an diesem Tag wollen wir lediglich der Narrenzahl Elf huldigen.“ Gefeiert wird rund um den Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz. Nach getaner Narretei werden die närrischen Fahnen erstmal wieder eingepackt und die vierfarbbunte Narrenschar verabschiedet sich in die winterliche Adventszeit, bis dann am 1. Januar 2019 mit dem Neujahrsumzug der Mainzer Garden die Kampagne so richtig losgehen wird.

Bedeutung des 11.11.

Impression vom 11.11. am Osteiner Hof. © Archivbild: Diether v Goddenthow
Impression vom 11.11. am Osteiner Hof. © Archivbild: Diether v Goddenthow

Für die zentrale Bedeutung der Zahl 11 scheint es mehrere Gründe zu geben: Ähnlich wie die Figur des Narren steht die 11 außerhalb der Normen, theologisch gesehen ist die Zahl um eins höher als bei den Zehn Geboten, unterschreitet aber um eins die Zahl der Jünger Jesu. Mit eins über zehn entzieht sich die Zahl elf der kirchlichen Ordnung. Die Elf galt als Zahl der Maßlosigkeit, als teuflische Zahl; sie kennzeichnete alle Menschen, die sich außerhalb der festgelegten Sittengesetze begeben hatten. Dr. Dieter Degreif, Schriftführer der Mainzer Prinzengarde, hat über den Ursprung der närrischen Zahl geforscht. Da man im Mittelalter in jedem Menschen einen Narren sah, der die Zehn Gebote übertrat, „war die Zahl Elf geradezu das Kennzeichen der Narren.“
Die Fastnachtszahl „11“ trat erstmalig 1842 in Erscheinung. Zu der ihr zugrunde liegenden Symbolik gibt es wie gesagt mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Die närrische Zahl 11 tragen einige Garden noch heute auf ihren Mützen. Eine weitere Deutungsmöglichkeit ist der närrische Charakter der Zahl 11, die rückwärts gelesen, die gleiche Zahl ergibt und damit an die verkehrte Narrenwelt erinnern soll. Die Verbindung zum Patronatstag (Dom und Stadt) des St. Martin am 11.11. mit den wichtigen und volkshaften Märkten an diesem Tag (Ende des Wirtschaftsjahres, Pachttag, Stellenwechsel) könnte durchaus ebenfalls eine Rolle für die Narrenzahl spielen, ist jedoch unbewiesen.
Letztlich ist ein eindeutiger Herkunftsnachweis für die „Elf“ – jedenfalls derzeit – nicht möglich. Im Kölner Karneval war und ist die „11“ ebenfalls häufig anzutreffen. Nach einem Bericht von 1826 konnten die Kölner aber schon seinerzeit weder Herkunft noch Bedeutung dieser Zahl erklären. (Text MCV).

Alle Mainzer Fastnachtsveranstaltungen im Überblick!

Hessen-Champions: Vier Unternehmen erhalten Innovations- und Wachstumspreis des Landes Hessen auf dem 28. Hessischen Unternehmertag – Motto „Digital gesund?“

Leitthema des diesjährigen 28. Hessischen Unternehmertags lautete: "Digital Gesund?" © Foto: Diether v Goddenthow
Leitthema des diesjährigen 28. Hessischen Unternehmertags lautete: „Digital Gesund?“ © Foto: Diether v Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und VhU-Präsident Wolf Matthias Mang zeichneten gestern Abend im Wiesbadener Kurhaus auf dem 28. Hessischen Unternehmertag die Hessen Champions Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg, Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen, Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH) aus Frankfurt am Main sowie Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar mit dem Innovations- und Wachstumspreis des Landes Hessen aus. Durch den Abend moderierte  Corinna T. Egerer. 

Begrüßt hatte die über 1000 Gäste VhU-Präsident Wolf Matthias Mang mit seiner Einführung „Zwischen Verlockungen digitaler Gesundheitswirtschaft und steigenden demografischen Kosten der Krankenversicherung“, worin er augenzwinkernd des Menschen  Wunsch auf Unsterblichkeit aufgriff und die Chancen von Digitalisierung im Gesundheitswesen nannte.

VhU-Präsident Wolf Matthias Mang. © Foto: Diether v Goddenthow
VhU-Präsident Wolf Matthias Mang. © Foto: Diether v Goddenthow

„Digital gesund heißt: 1. bessere persönliche Vorsorge, 2. bessere ärztliche Vorsorge und 3. mehr geteiltes Wissen über Krankheiten.“  Immer mehr Menschen würden durch besseres Monitoring und eine  bessere Diagnostik digital gesünder“, so Mang. Digitale Gesundheitspolitik hieße auch, „dass für die bestmögliche Behandlung alle relevanten Informationen vorliegen müssen“, womit der VhU-Präsident auf den Nutzen einer funktionierenden elektronischen Gesundheitskarte wie es sie in den skandinavischen Ländern bereits gäbe, plädierte. Außerdem müsse digitale Gesundheitspolitik generationengerecht, transparent und demokratisch legitimiert sein. Es gäbe natürlich eine große Bandbreite der Angebote zwischen dem gesundheitlich Notwendigen und der wünschenswerten Selbstvervollkommnung, so Mang.

Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier unterstrich, dass Hessen mit seinem starken Mittelstand, einer exportkräftigen Industrie und seiner Innovationskraft zu den Top-Wirtschaftsstandorten Europas zähle. „Wie leistungsfähig Hessens Wirtschaft ist, belegen die Fakten: eine historisch niedrige Arbeitslosenzahl und das höchste Bruttoinlandprodukt gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen“, so Bouffier. Motor seien innovative und wettbewerbsstarke Unternehmen, die mit herausragenden Leistungen dafür sorgten, dass Hessen in der ersten Liga spiele. „Wir haben viele Champions und es ist gut, einige von ihnen heute ins Rampenlicht zu stellen“, so der Ministerpräsident.

Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v Goddenthow
Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir. © Foto: Diether v Goddenthow

Schirmherr der Hessen Champion, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hob hervor, dass Hessen auch in Zeiten weltweiter Handelskonflikte und wirtschaftlicher Spannungen ein stabiler Standort mit innovativen Unternehmen sei. Laut Glückstalas der Post habe die Zufriedenheit in Deutschland einen Höchststand erreicht und Hessen belege darin erstmals Platz zwei. Die Lebenszufriedenheit sei im Vergleich zu 2018 nochmals um 0,04 Punkte auf aktuell 7,31 Punkte angestiegen, so der Wirtschaftsminister. Beigetragen dazu habe vor allem die gute Beschäftigungslage. Und so unterschiedlich die Branchen der einzelnen Wettbewerbs-Teilnehmer seien, so vielfältig seien auch ihre Lösungen. „Auch im 20. Jahr unseres Innovations- und Wachstumspreises zeigt sich die wirtschaftliche Stärke Hessens in ihrer gesamten Breite“, so Al-Wazir.

Den Weg in die digitale Medizin-Zukunft bahnen

Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Vorstandsmitglied der B.Braun Fam-Holding. © Foto: Diether v Goddenthow
Prof. Dr. Heinz-Walter Große, Vorstandsmitglied der B.Braun Fam-Holding. © Foto: Diether v Goddenthow

Gastredner Professor Dr. Heinz Walter Große, Vorstandsmitglied der B. Braun Familienholding, gab in seinem brillanten  Festvortrag einen fiktiven, pointierten Rückblick aus dem Jahr 2039 auf das bis dahin etablierte digitale Gesundheitswesen und entfachte  einmal mehr die Diskussion darüber, ob wirklich segensreich wäre, alles was in der Medizin digital machbar ist, auch umzusetzen, etwa dass Chirurgen ihre Patienten gar nicht mehr berühren müssen, sondern aus dem Nebenraum des OPs mit Joystick OP-Roboter bedienen und von intelligenten Systemen die wahrscheinlich beste „Schnittstelle“ vorschlagen erhalten. Oder wenn Pflege-Roboter Tabletten und das Frühstück ans Bett bringen. Wie sähe also eine menschenwürdige Medizin der Zukunft aus, die derzeit, wie VhU-Präsident Mang eingangs sagte, mit der Digitalisierung die größte Revolution seit der Erfindung des Penicillins erlebe, mit großem Potential zur präventionsorientierten, personalisierten Medizin.

© Foto aus Prof. Dr. Heinz-Walter Großes  Festvortrag.
© Foto aus Prof. Dr. Heinz-Walter Großes Festvortrag.

Die vier Gewinner in den drei Kategorien:

Aus insgesamt 49 Bewerbern wurden die vier Gewinner Ende September 2019 in den Kategorien Innovation, Jobmotor und Weltmarktführer ermittelt. Die Fachjury überzeugte in diesem Jahr besonders: 1. ein innovatives Ladesystem für Elektro-Fahrzeuge der Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg sowie smarte Einband-Etiketten für klinische Studien der Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen. 2. das erst vier Jahre alte Start-up Bettzeit GmbH als Jobmotor mit bereits 300 Mitarbeitern für ihren Matratzen-Internetversand, sowie 3. der Weltmarktführer Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar mit der genauesten Messmaschine der Welt und Weltmarktanteil von 90 Prozent. Sie sind die Gewinner der 17. „Hessen-Champions 2019“ und zeigen zugleich stellvertretend für andere Unternehmen die enorme Bandbreite der hessischen Wirtschaft. Sie belegen, wie Unternehmen die Herausforderungen des Strukturwandels auf ganz unterschiedliche Art und Weise bewältigen. Dies unterstrichen das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW), die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen (MBG H) in Wiesbaden. Die Gewinner wurden von einer hochkarätigen Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien ermittelt. Für die Koordination des Wettbewerbs war die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) verantwortlich.

Kategorie Weltmarktführer:
Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar

Hessen Champion Kategorie Weltmarktführer : Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar.  © Foto: Diether v Goddenthow
Hessen Champion Kategorie Weltmarktführer : Hexagon Manufacturing Intelligence, Wetzlar. © Foto: Diether v Goddenthow

Diese Messmaschine ist weltweit einmalig: Mit der „Leitz Infinity“ kann Hexagon Manufacturing Intelligence aus Wetzlar sämtliche Konkurrenz auf Abstand halten. Das 3D-Koordinaten-Messgerät wird in der Präzisions-, Automobil-, Luftfahrt- und Maschinenbauindustrie weltweit mit einem Marktanteil von 90 Prozent eingesetzt. Bereits 1920 wurden durch das Familienunternehmen Leitz in Mittelhessen Messmaschinen produziert, heute steht Hexagon in dieser langen Tradition und fertigt in einem der größten und genauesten Klimaräume Deutschlands. Eingebunden ist diese Hochleistungs-Messtechnik-Fabrik in eine Firmengruppe des strategischen Investors Hexagon, die mit weiteren Software-Unternehmen und Qualitätsmanagement-Systemen Betriebe rund um die digitale Transformation der Produktion unterstützt. Am Standort in Wetzlar sind 460 Mitarbeiter beschäftigt.

Kategorie Innovation:
Bender GmbH & Co. KG, Grünberg

Die beiden  Hessen Champions der Kategorie "Innovation" : Bender GmbH & Co. KG, Grünberg, und Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen.  © Foto: Diether v Goddenthow
Die beiden Hessen Champions der Kategorie „Innovation“ : Bender GmbH & Co. KG, Grünberg, und Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Bender GmbH & Co. KG aus Grünberg im Landkreis Gießen hat sich bei den „Hessen-Champions“ mit einem innovativen Ladesystem für Elektrofahrzeuge beworben: Dabei handelt es sich um eine ganze Gerätefamilie, deren einzelne Geräte – von der Ladesteckdose bis zum Elektrofahrzeug – kompakt, sicher, fernwartungsfähig und energiesparend sind. Dadurch können E-Autos an praktisch jeder Steckdose gefahrlos geladen werden. Anstatt also aufwendig eigene Ladesäulen aufstellen zu müssen, wird die Technologie in die bereits bestehende Infrastruktur integriert. Eine innovative Idee mit enormen Vorteilen für Verbraucher und ein Wegbereiter für den Wandel zur Mobilität der Zukunft. Als weltweit agierendes mittelständisches Familienunternehmen beschäftigt Bender mehr als 800 Mitarbeiter in über 70 Vertretungen und 15 eigenen Gesellschaften.

Faubel & Co. Nachfolger GmbH, Melsungen

Den digitalen Wandel hat sich die Faubel & Co. Nachfolger GmbH aus Melsungen zunutze gemacht. Wiederverschließbare und smarte Einband-Etiketten für fast alle Gebinde in der Pharmaindustrie: Das Faubel-MED Label ermöglicht eine Rückverfolgbarkeit in Echtzeit, automatische Chargendokumentation sowie vereinfachte und verkürzte Aktualisierungen des Verfallsdatums, weil Update-Informationen direkt angezeigt werden können. Die innovative Entwicklung revolutioniert insbesondere den Markt für klinische Studien. Die Faubel-Gruppe ist ein global agierendes Unternehmen der Druck, Papier und Folien verarbeitenden Industrie, mit Standorten in Europa, den USA und Asien. Über 260 Mitarbeiter gehören der Unternehmensgruppe an, die 2018 einen Umsatz von 35 Mio. Euro erwirtschaftete, davon 60 Prozent im Export.

Kategorie Jobmotor:
Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main

Hessen Champion Kategorie "Jogmotor". Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main. © Foto: Diether v Goddenthow
Hessen Champion Kategorie „Jogmotor“. Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH), Frankfurt am Main. © Foto: Diether v Goddenthow

Erst 2015 gegründet und inzwischen schon knapp 260 Mitarbeiter aus mehr als 40 Nationen: Emma – The Sleep Company (Bettzeit GmbH) aus Frankfurt am Main setzt auf Matratzen- und Schlafsysteme, die über das Internet vertrieben werden. Die im Vergleich zu anderen Waren eher sperrigen Produkte werden dank ausgeklügelter Technik für den Paket-Versand optimiert: So kann Emma den digitalen Wandel in seiner Branche bestens bewältigen. Gleichzeitig ist das junge Unternehmen ein außergewöhnlicher Jobmotor: Die Mitarbeiterzahl wächst um 10 bis 20 Personen – pro Monat. Jeder Freitag ist „Recruiting Friday“, an dem die Verantwortlichen rund 80 Interviews mit Bewerbern führen. Die Suche nach Talenten und Mitarbeitern, die das Unternehmen weiter voranbringen, ist ein elementarer Bestandteil des Firmenkonzepts.

„Vom innovativen Ladesystem für Elektro-Fahrzeuge über den Matratzen-Internetversand mit vorbildlicher Personalpolitik bis hin zur genauesten Messmaschine der Welt – die Gewinnerinnen und Gewinner der ‚Hessen-Champions 2019‘ belegen eindrucksvoll die enorme Bandbreite der hessischen Wirtschaft. Die Innovations- und Schaffenskraft unserer Unternehmerinnen und Unternehmer zeigt sich besonders im Umgang mit neuen Herausforderungen. So bietet uns die Digitalisierung große Chancen. Tagtäglich arbeiten in unserem Land Menschen daran, dass diese auch genutzt werden. Hessen ist ein wirtschaftsstarkes Land und soll es auch weiterhin bleiben. Dazu brauchen wir auch weiterhin innovative Ideen kluger Köpfe made in Hessen“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Veranstaltungs-Impression aus dem Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Er gilt als einer  der schönsten Konzertsäle und Eventräume Deutschlands. © Foto: Diether v Goddenthow
Veranstaltungs-Impression aus dem Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses. Er gilt als einer der schönsten Konzertsäle und Eventräume Deutschlands. © Foto: Diether v Goddenthow

„Unsere vier diesjährigen ‚Hessen-Champions‘ begreifen Veränderungen als Chancen und bewältigen damit Herausforderungen, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind. So können sie ihre Position im Wettbewerb ausbauen“, sagte Wirtschaftsminister und Schirmherr Tarek Al-Wazir.

„Hessen ist ein Land unternehmerischer Champions, die das Leben der Menschen besser machen. Sie investieren klug in menschlichen Nutzen, schaffen Arbeitsplätze und wachsen schneller mit modernen Arbeitsformen und selbst organisierten Teams“, zeigte sich VhU-Präsident Wolf Matthias Mang beeindruckt von den diesjährigen Siegern „Unsere Hessen-Champions 2019 sorgen dafür, dass Menschen besser schlafen können und fördern Gesundheit durch digitale Etikett-Aktualisierungen auf Arzneimitteln. Sie verhelfen Produkten durch bessere Messungen zu mehr Qualität oder ermöglichen sicherere und erschwinglichere Elektromobile.“

Jürgen Zabel, Geschäftsführer der MBG H, hebt hervor, dass die mittelständischen Unternehmen in Hessen durch ihre Innovationen und ihre Kreativität ganz entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg Hessens beitragen. „Der Wettbewerb Hessen-Champions zeigt einmal mehr, wie hessische Unternehmen durch ihre herausragende Innovationskraft sowie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit die Beschäftigung sichern und immer wieder neue Arbeitsplätze in Hessen schaffen.“

„Innovationen sind in Zeiten des immer schnelleren Strukturwandels von entscheidender Bedeutung. Nur durch immer neue Anpassungen an diese Herausforderungen können Firmen ihren Wachstumskurs beibehalten. Darin unterstützen wir die hessischen Unternehmen und stehen ihnen mit viel Know-how und Expertise zur Seite – nicht zuletzt mit der öffentlichkeitswirksamen Auszeichnung als ‚Hessen-Champions‘“, betonte Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der HTAI.

Kultursommer Rheinland-Pfalz 2020 startet mit dem Motto „Kompass Europa: Nordlichter“

Logo-ZukunftKuso-highAls Kulturminister Konrad Wolf das Motto „heimat/en“ für den Kultursommer 2019 ankündigte, haben viele über den ungewohnten Plural des Begriffs geschmunzelt – inzwischen ist er in aller Munde. Das Thema ist in Rheinland-Pfalz gut angekommen: „Der diesjährige Kultursommer, war sicher einer der anregendsten und erfolgreichsten seit langem“, freute sich der Minister bei der heutigen Pressekonferenz. Neben der Bilanz der Saison 2019 wurde auch ein erster Ausblick auf 2020 gewagt. Dann heißt das Motto „Kompass Europa: Nordlichter“.

„Heimat/en“ war das Schlagwort, hinter der die Frage nach Identität und Zugehörigkeit steckt – und die Frage, ob das immer eindeutig und unveränderlich zu beantworten ist. Die Kulturmacherinnen und Kulturmacher in Rheinland-Pfalz haben sich darauf eingelassen: „Schon die Tatsache, dass von der Kulturszene für das Jahr 2019 rund 100 Anträge zur Förderung mehr eingereicht wurden als im Vorjahr, zeigte das große Interesse an diesem Thema, das immer wieder unterschiedlich aufgefasst und gestaltet wurde“, so Wolf.

Viele größere Projekte im Rahmen des Kultursommers konnten in ihren Veranstaltungen mehrere Aspekte des Mottos betrachten, wie z.B. die Westerwälder Literaturtage, das Festival „Gegen den Strom“ an der Lahn oder das Mosel Musikfestival. Auch der Begleitband zum Kultursommer mit unterschiedlichen Beiträgen zu „Heimat Europa?“ wurde u.a. von Bundestagspräsident Schäuble und der Presse sehr gelobt. Andere Projekte setzten Schwerpunkte: Heimat als etwas Regionaltypisches wurde mit dem „Heimatkrimi“ bei „Tatort Eifel“ oder beim ersten „Heimatfilmfestival“ in Simmern erlebbar. Um den Verlust von Heimat durch Arbeitsmigration oder Vertreibung ging es mit Musik („Wandermusikanten“) oder Schauspiel („Heimwärts in die Fremde“). Einen ganz persönlichen Blickwinkel zeigte die Ausstellung „Kleinstadt“ der Ostberliner Fotografie-Legenden Ute und Werner Mahler. Das Festival „An den Ufern der Poesie“ im Mittelrheintal hat den Heimatbegriff der Romantik wieder lebendig werden lassen. Dass auch das eigene Handeln „Heimat“ ist, konnte man bei dem Dorfsaalvarieté „Saalü!“ oder dem erste Landes-Chorfest „Rheinland-Pfalz singt!“ erkennen.

„Heimat“ wird auch zukünftig ein wichtiges Thema bleiben. Zur weiteren Entwicklung der Kulturregionen versprach der Minister „Wir werden den ländlichen Räumen besondere Aufmerksamkeit schenken, damit diese kulturell lebendig bleiben und die Menschen sich weiterhin persönlich engagieren können, wie es von Anfang an zur Philosophie des Kultursommers gehört.

Kultursommer-Eröffnung 2020 in Zweibrücken am 8-Mai.
Kultursommer-Eröffnung 2020 in Zweibrücken am 8-Mai.

Für die nächsten Jahre wurde ein oftmals vorgetragener Wunsch der Kulturszene nach längerfristiger Planung erfüllt: Für vier Jahre wird das Kultursommer-Motto den Obertitel „Kompass Europa“ tragen. Nach „Kompass Europa: Nordlichter“ in 2020 soll die Kompassnadel zunächst 2021 weiter nach Osteuropa wandern (Arbeitstitel: „Kompass Europa: Ostwind“), 2022 nach
Südeuropa und 2023, wenn Rheinland-Pfalz erneut die Präsidentschaft in der Großregion innehaben wird, nach Westeuropa. Der Brückenschlag zwischen den Jahren 2019 und 2020 gelang mit einer Tournee des schwedischen Spitzenchors Orphei Drängar Mitte Oktober, bei der alle Konzerte von Standing Ovations begleitet wurden.

Bis zum 31. Oktober konnte die Kulturszene des Landes ihre Anträge stellen, um eine Förderung zu erhalten und damit Teil des Kultursommers 2020 zu werden.

Einige der bekannten Partnerinnen und Partner des Kultursommers RheinlandPfalz, die durch Ihre Kontinuität auch Publikumsmagnete sind, haben schon angekündigt, wie sie das Motto interpretieren: In Kooperation mit dem Frankfurter Hof wird es eine Nordlichter-Veranstaltungs-Reihe geben, die mit der schwedischen Sängerin Viktoria Tolstoy beginnt und mit norwegischen Sängerin Kari Bremnes enden wird. Das „Horizonte“ Weltmusikfestival in Koblenz wird einen finnischen Schwerpunkt haben. Auch die Jazzfestivals „Palatia Jazz“ und „Bingen Swingt“ werden ganz mit nordischem Programm aufwarten und in Landau zeigt die Villa Streccius Keramikkunst aus den nordischen Ländern.

Die offizielle Eröffnung des Kultursommers 2020 wird in Zweibrücken stattfinden. Vom 8. bis 10. Mai werden dort Mitwirkende aus allen acht Ländern Nordeuropas – also Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland, Island, Lettland, Estland und Litauen – erwartet. Das Team aus Stadt und Kultursommer arbeitet bereits intensiv an einem wunderbaren Kulturfest für die ganze Familie mit Musik, Straßentheater und vielem mehr.

Mehr zum Kultursommer Rheinland-Pfalz unter www.kultursommer.de und www.facebook.com/kultursommer.rlp .

»My Fair Lady« wieder im Großen Haus Wiederaufnahme am 16. November 2019

My Fair Lady - Mira Benser, Uwe Kraus. Foto: Karl Monika Forster
My Fair Lady – Mira Benser, Uwe Kraus. Foto: Karl Monika Forster

Ab Samstag, den 16. November 2019 um 19.30 Uhr, ist das Musical »My Fair Lady« von Frederick Loewe, unter der Musikalischen Leitung von Christoph Stiller und in der Inszenierung von Beka Savić, wieder im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zu sehen.

Der Broadway-Klassiker »My Fair Lady« bringt George Bernard Shaws Satire »Pygmalion« zum Singen und Tanzen. Die Grundlage ist ein alter Mythos: Ein Mann schafft sich ein weibliches Idealbild nach seinen Vorstellungen – doch was, wenn sich dieses Wesen selbständig machen will? Sprachforscher Henry Higgins sieht im Straßenslang der jungen, ungebildeten Eliza zunächst nur eine wissenschaftliche Herausforderung und macht sie zum Objekt einer Wette unter Freunden. Kaum kann Eliza »Es grünt so grün …« tadellos aussprechen und geht damit auf dem Ball als feine Dame durch, so hat sie ihren Nutzen für ihn verloren. Oder sind die Grenzen zwischen oben und unten, Macht und Ohnmacht, Mann und Frau doch endgültig verschoben?

In der Inszenierung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden werden – wie in der »My Fair Lady« -Uraufführung in New York (1954) – die Hauptrollen von Schauspieler*innen verkörpert.

Musikalische Leitung Christoph Stiller Inszenierung Beka Savić Bühne Bettina Neuhaus

Kostüme Claudia Jenatsch Choreografie Myriam Lifka Licht Andreas Frank Chor Albert Horne Dramaturgie Katja Leclerc, Laura Weber

Professor Henry Higgins Uwe Eric Laufenberg Eliza Doolittle Mira Benser Alfred P. Doolittle Michael Birnbaum Oberst Pickering Uwe Kraus Freddy Eynsford-Hill Björn Breckheimer Mrs. Higgins Margit Schulte-Tigges Mrs. Pearce Evelyn M. Faber, Mrs. Eynsford-Hill Petra Urban Zoltan Karpathy Klaus Krückemeyer.

Karten erhältlich unter: Telefon 0611.132 325 | E-Mail: vorverkauf@staatstheater-wiesbaden.de | www.staatstheater-wiesbaden.de

„Grundeinkommen für alle“ – R. David Precht entwirft Modell zur Wohlstandsicherung im digitalen Zeitalter auf dem 3. Hessischen Innovationskongress im Wiesbadener RMCC

3. Innovationskongress am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow
3. Innovationskongress am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow

Einen Besucherrekord von mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnete der 3. Hessische Innovationskongress „Zukunft denkt anders“ im Wiesbadener RheinMain CongressCenter am 30. Oktober 2019 als Forum für Vernetzung und Innovationsförderung mit Hauptredner Richard David Precht, der ein neues Konzept zur eines Realisierung eines Grundeinkommens aufzeigte. In Wiesbaden trafen kleine, mittlere und große Technologie-Unternehmen aus Hessen auf kreative Köpfe aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. In 93 Vorträgen auf 3 Bühnen entwarfen Visionäre, Querdenker, Macher und Mutige Zukunftsszenarien und gaben anregende Innovations-Impluse. 43 Berater boten im Coaching Café ihre mental oder wirtschaftstechnologische Schützenhilfe an. Einen Schwerpunkt bildete die Ausstellung mit 64 überwiegend hessischen, aber auch internationalen Ausstellern, die ihre technologischen Ideen, Produkte und Dienstleistungen zeigten, unter ihnen auch der Stand des Hessischen Gründerpreises. Dieser wird am 1. November 2019 in Wetzlar vergeben.

Impression in der Geming Area und Ausstellung des 3. Innovationskongresses am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow
Impression in der Geming Area und Ausstellung des 3. Innovationskongresses am 30.10.2019 im RMCC Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow

An 9 Stationen im Creative Parcours konnten Teilnehmer ihre eigene Kreativität und ihr Innovations-Potential entdecken oder wiederentdecken. 8 Technical Innovations Poetry Slammer sorgten zwischendrin für unterhaltende Auflockerung.
„Wir befinden uns mitten in einem Strukturwandel, der durch die Digitalisierung und die Klimaveränderungen vor große Herausforderungen stellt. Er ist aber zugleich eine Chance: Innovationen sind der Schlüssel, denn wir müssen neue und auch unbekannte Wege gehen. Wir tragen die Verantwortung dafür, Ressourcen zu schonen, das Klima zu schützen und trotzdem technologisch und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das Prinzip der Nachhaltigkeit und eine dynamische Innovationskultur sind daher untrennbar miteinander verbunden“, sagte Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Philipp Nimmermann bei der Kongress-Eröffnung und verwies auch auf die Förderangebote, mit denen das Land Hessen innovative Unternehmen unterstützt.

Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo bei der Eröffnungsveranstaltung im Plenum © Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen im Gespräch mit Moderatorin Andrea Thilo bei der Eröffnungsveranstaltung im Plenum © Foto: Diether v Goddenthow

Beispielsweise können kleine und mittlere Unternehmen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Kosten erhalten. Voraussetzung ist, dass die Vorhaben auf technologische Innovationen zielen, zur Vermeidung von Treibhausgasen beitragen oder Potenziale der Digitalisierung erschließen. „Damit reduzieren wir das finanzielle Risiko. Es ist wichtig, dass auch kleine und mittlere Unternehmen innovativ bleiben“, erläuterte der Staatssekretär.
„Als Marktplatz der Inspirationen ist der Kongress in Hessen zu einer festen Größe geworden“, sagte Nimmermann. Besonders beeindruckt zeigte sich Wirtschaftsstaatssekretär vom Start-up SprayPatternator aus der TU Darmstadt: Die Spray-Revolutionäre präsentierten eine effiziente und ressourcenschonende Sprühtechnologie, die sowohl in der Industrie wie auch in der Landwirtschaft einsetzbar ist. Der Automobilzulieferer EDAG aus Fulda zeigte, wie die Anwendung von Virtual Reality schon in der Berufsausbildung erfolgreich eingesetzt wird.

„Nicht ohne Grund lautet das diesjährige Motto ‚Zukunft denkt anders‘: Ich wünsche mir, dass der Innovationskongress ein Impulsgeber für neue Ideen ist. Denn wir wollen noch sichtbarer werden als innovationsstarkes Bundesland und Start-up-Region.“

Grundeinkommen vs. digitalisierungsbedingter Massenarmut 

Philosoph Richard David Precht warf aus der Vogelperspektive einen interessanten  Blick auf die derzeitigen umwälzenden  Entwicklungen und begeisterte das Publikum mit zahlreichen neuen Denkansätzen. © Foto: Diether v Goddenthow
Philosoph Richard David Precht warf aus der Vogelperspektive einen interessanten Blick auf die derzeitigen umwälzenden Entwicklungen und begeisterte das Publikum mit zahlreichen neuen Denkansätzen. © Foto: Diether v Goddenthow

Wie Zukunft anders gedacht werden könnte, entwickelte Keynote-Speaker Professor Richard David Precht in seinem spannenden Einführungsvortag „Jäger, Hirten, Kritiker“, in dem er – gestützt auf die Oxford-Studie 2017 – vor dem Hintergrund einschneidender digitaler Arbeitsplatzvernichtung und dem damit zwangsläufigen, wirtschaftssystemgefährdenden Kaufkraftverlust breiter arbeitslos gewordener Bevölkerungsschichten für ein bedingungsloses Grundeinkommen von monatlich 1.500 Euro eintrat. Diese Idee stamme nicht etwa aus der linken Szene oder esotherisch-anthroposophischer Ecke, sondern von konservativen Investoren á la Peter Thiel und Nationalökonomen des Silicon Valley aus der Erkenntnis heraus, dass „die Daten eines Armen“ nichts wert seien! „Was nützt es ihnen, personalisierte Werbung auf Ihr Smartphone zu erhalten, wenn Sie sich die Sache nicht kaufen können?“, so Precht. Er zeigte auf, dass die US-Digitalwirtschaft nicht das geringste Interesse an einer kollektiven Verelendung habe und dies in Europa gleichermaßen gelte.

Laut Oxfordstudie, deren Aktualität ihre Autoren vor fünf Wochen in der Süddeutschen Zeitung noch einmal bestätigten, entfielen in zahlreichen Berufsgruppen nicht nur bis zu 50 Prozent der Jobs. Vielmehr könnten die Leute, die ihre Arbeit verlören, nicht ohne weiteres dort arbeiten, wo neue Jobs entstünden, etwa im IT-Bereich: Denn, so Precht, werde IT immer anspruchsvoller, so dass einfache Umschulungen oder Weiterbildungen kaum hinreichten, wie sie einst die arbeitslos gewordenen Schriftsetzer und Drucker absolvieren konnten. „Sie kriegen die Leute nicht auf das Niveau gehoben, in der rasanten Entwicklung, die die IT-Entwicklung nimmt“, so Precht. Neben der IT-Branche sieht er allenfalls noch Job_Potentiale in den Bereichen der „Empathie-Berufe“ (Jobs, mit unverzichtbarer zwischenmenschlicher Komponente), im quartären Sektor (gehobene, komplexe Dienstleistungsberufe, etwa Projektmanagement, Event-Organisation) sowie im Handwerk. Die Roboter seien sehr, sehr schlecht mit den Händen, „und werden auch noch sehr lange sehr schlecht mit den Händen sein“. Vor allem kriege kein Roboter die im Handwerk geforderte Mischung aus kompliziertem Hand-Einsatz und sozialem Schach hin.
Diese vier Bereiche, in denen Jobs entstünden, reichten aber bei weitem nicht aus, den digitalisierungsbedingten massenhaften Wegfall von Tätigkeiten zu kompensieren.

Sinn sei wichtiger im Leben als Glück. Philosoph Richard David Precht. © Foto: Diether v Goddenthow
Sinn sei wichtiger im Leben als Glück. Philosoph Richard David Precht. © Foto: Diether v Goddenthow

Massenarmut könne nur mit einem bedingungslosen Grundeinkommen verhindert werden. Wenn jeder diese 1500 Euro monatlich erhielte, bedeutete dies zugleich auch eine Ent-Stigmatisierung heutiger Hartz-IV-Empfänger. Prechts Modell sieht vor, dass die ersten dazuverdienten 1000 Euro monatlich steuerfrei seien, weil das Grundeinkommen als Null gerechnet würde. Man könne so mit einem Halbtags-Job 2.500 netto erwirtschaften. Das Interessante daran sei, dass Branchen mit derzeitigem Fachkräftemangel, etwa in der Pflege oder beim Großbäcker, wieder Fachkräfte bekämen. Denn es wären viel mehr Leute bereit, in der Pflege zu arbeiten oder andere, auch schwerere Jobs zu machen, wenn sie dies nur an 3 Tagen in der Woche täten.

Aus welchen Quellen ein Grundeinkommen zu finanzieren wäre, hat auch der Philosoph Precht noch nicht gelöst, jedoch könnte man etwa an eine Finanztransaktionssteuer denken. Würde man von den jährlich von deutschen Banken und Börsen im Volumen von 250 Billionen Euro 0,3 Prozent Finanztransaktionssteuer abzweigen können, wäre das bedingungslose Grundeinkommen finanziert. Nur das Blöde sei, dass damit der „Hochfrequenzhandel „ in Europa wegbräche, was einen beträchtlichen Teil der Finanztransaktionen ausmache.Man könne vielleicht zunächst mit 0,1 Prozent Finanztransaktionssteuer starten. Das Wichtigste sei jedoch,  überhaupt jetzt damit anzufangen, sich zu überlegen, wie ein Grundeinkommen finanzierbar wäre. „Wir müssen diese Dinge jetzt vorbereiten, um auf die Umbruchssituation vorbereitet zu sein, so Precht.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Verleihung des Georg-Büchner-Preises 2019 an Lukas Bärfuss

Archivbild: Der Autor Lukas Bärfuss (links) im Gespräch mit Moderator Ernst Osterkamp von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auf dem Literaturstand Hessen während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. © Foto: Diether v Goddenthow
Archivbild: Der Autor Lukas Bärfuss (links) im Gespräch mit Moderator
Ernst Osterkamp von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auf dem Literaturstand Hessen während der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. © Foto: Diether v Goddenthow

Mit dem Georg-Büchner-Preis ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Darmstadt. In diesem Jahr geht der Preis an den Züricher Autoren Lukas Bärfuss.

Lukas Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 im schweizerischen Thun geboren. Sein erster Roman „Hundert Tage“ über den Völkermord in Ruanda erschien 2008 – und stieß wie „Koala“ aus dem Jahr 2014 auf begeistertes Echo. 2017 erschien sein jüngster Roman „Hagard“, in der er die Geschichte eines erfolgreichen Geschäftsmannes erzählt, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst. Auch mit pointierten Essays und Debattenbeiträgen zum politischen Geschehen machte sich Bärfuss einen Namen.

Die Jury des Georg-Büchner-Preises nennt Bärfuss einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In der Begründung heißt es: „In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.“

Am selben Abend vergibt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung noch zwei weitere Preise: Der Johann-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay geht 2019 an die österreichische Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl. Der österreichische Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

In ihrem Grußwort hob Staatssekretärin Ayse Asar hervor: „Die Verleihung der Preise der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist ein Höhepunkt im literarischen Veranstaltungskalender und zeigt uns, zu welchen Höhen sich Sprache aufschwingen kann. Ich gratuliere der heutigen Preisträgerin und den Preisträgern herzlich zu ihrem Erfolg. Auch der Hessischen Landesregierung liegt die Förderung des Literatur- und Leselands Hessen am Herzen. Autoren- und Nachwuchsförderung bilden einen Schwerpunkt, wir unterstützen aber auch literarische Institutionen, Veranstaltungen, Lesungen und Festivals.“

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