Neue Erkenntnisse zu mittelalterlichen Burgen – Vortrag zur pfälzischen Burgenlandschaft im Landesmuseum Mainz

Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte. GDKE Foto: Trifels-
Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte. GDKE Foto: Trifels-

Vortrag „Die pfälzische Burgenlandschaft – Vorläufer und Herrschaftssitze rund um die Burg Trifels“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE)

Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel, ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention, die wohl bekannteste Burg der Pfalz und sie beherbergt Nachbildungen der berühmten Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches: Die Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte.

Gerade die südliche Pfalz gilt als eines der Kerngebiete der salischen und staufischen Herrschaft. Spätestens seit dem 11. Jahrhundert nutzten die Salier und Staufer Burgen, um ihre Herrschaft zu festigen. In einem gemeinsamen Vortrag, am 11. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz, beleuchten die Archäologin Bettina Hünerfauth M.A. und die Direktorin Burgen Schlösser Altertümer der GDKE, Dr. Angela Kaiser-Lahme, das abwechslungsreiche Thema „Die pfälzische Burgenlandschaft – Vorläufer und Herrschaftssitze rund um die Burg Trifels“. Zugleich wird damit die Vortragsreihe im Rahmen der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ wieder aufgenommen, die durch die Folgen der Corona-Pandemie unterbrochen werden musste.

In den letzten fünf Jahren wurden viele der in rheinland-pfälzischem Besitz befindlichen Burgruinen in der Südpfalz saniert und sowohl von der Bauforschung als auch archäologisch untersucht, dies führte zu einer Vielzahl von neuen Erkenntnissen zum Burgenbau und der Erschließung dieser Region, die nunmehr vorgestellt werden können.

Die Höhenrücken im Pfälzer Wald wurden übrigens nicht erst mit den mittelalterlichen Burganlagen besiedelt. Häufig lassen sich Vorgängerbesiedlungen und -anlagen ausmachen, die weit zurückreichen – zum Teil sogar in die Steinzeit / Neolithikum. Exemplarisch werden an diesem Vortragsabend auch einige Siedlungsstellen präsentiert.

Der Besuch des Vortrags ist nur nach vorheriger Anmeldung über anmeldung@gdke.rlp.de möglich. Es gelten die gültigen Hygienevorschriften. Der Vortrag findet im Plenarsaal im Landesmuseum statt. Der Eintritt ist frei.

Da die Teilnehmerzahl im Plenarsaal auf 75 begrenzt ist, werden die Anmeldungen in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt. Daher bittet das Landesmuseum um eine frühzeitige und verbindliche Anmeldung.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51
Mainz
www.landesmuseum-mainz.de

Frankfurter Goetheturm hat seine volle Höhe erreicht – Vormontierte Elemente wurden am 28. Juli mit Autokran zusammengesetzt – Richtfest am 30. Juli

Das dritte Segment des Frankfurter Goetheturms ist aufgesetzt. © Stadt Frankfurt am Main Michael Faust
Das dritte Segment des Frankfurter Goetheturms ist aufgesetzt. © Stadt Frankfurt am Main Michael Faust

(ffm) Um kurz nach 18 Uhr war es endlich soweit: Unter dem Beifall vieler Schaulustiger, die zum Teil seit Stunden die Arbeiten verfolgten, erreichte der neue Goetheturm mit dem Aufsetzen der Kanzel am Dienstag, 28. Juli, seine volle Höhe von 43,3 Meter. Seit dem frühen Morgen hatte die Holzbaufirma die vormontierten, mehrere Tonnen schweren Elemente mit Hilfe eines großen Autokrans zusammengesetzt. Ursprünglich war mit der Fertigstellung am frühen Nachmittag gerechnet worden. Aber unter anderem Windböen hatten der Planung mehrfach einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Aufsetzen verzögert. Mit der Aussichtsplattform ist die Konstruktion des Frankfurter Wahrzeichens fertiggestellt. „Bevor es voraussichtlich im Herbst wieder bestiegen werden kann, müssen in den kommenden Wochen unter anderem noch die Sicherheitseinrichtungen installiert und die Außenanlagen rund um den Turm neu gestaltet werden,“ berichtete Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Feldmann freute sich gemeinsam mit allen Frankfurterinnen und Frankfurter über das Erreichen dieses wichtigen Meilensteins. „Unser Goetheturm, traditionelles Frankfurter Wahrzeichen, steht in voller Höhe und wird in den nächsten Wochen fertiggestellt. Ich bedanke mich für die zahlreiche Unterstützung aus der Bevölkerung, die überwältigende Spendenbereitschaft, sowie für die professionelle und zügige Arbeit der Holzbaufirma und der städtischen Ämter vor Ort. Die Vorfreude auf das Richtfest am Donnerstag wächst derzeit mit jedem Tag.“

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig ergänzte: „Wir haben unseren Goetheturm wieder, eine schmerzliche Wunde verheilt. Er ist ein Lichtblick, ein positiver Höhepunkt in einer schwierigen Zeit, den wir alle dringend brauchen. Wie sehr die Frankfurterinnen und Frankfurter Anteil an seiner Wiedererrichtung genommen haben, das haben sie in den letzten Wochen auch in ungezählten Fotos und Posts gezeigt. Wer nicht hier oben war, war trotzdem jederzeit gut informiert, wie weit die Handwerker sind. Herzlichen Dank an alle, die jetzt und in den letzten Jahren ihre Anteilnahme gezeigt haben. Das hat alle angespornt.“

Auch Baudezernent Jan Schneider zeigte sich beeindruckt davon, in welchem Tempo die Holzbaufirma Amann den Turm fertiggestellt hat. „Vor nicht einmal vier Wochen wurden die ersten Bauteile geliefert, und schon heute steht das Werk. Es ist schön zu sehen, mit welcher Präzision und Professionalität und mit wie viel Herzblut die beteiligten Baufirmen hier am Werk sind. Dank zuverlässiger Partner und der guten Vorbereitung im Amt für Bau und Immobilien ist der Wiederaufbau des Goetheturms zu einem Erfolgsprojekt geworden, an dem die Frankfurterinnen und Frankfurter noch lange Freude haben werden.“

Der Goetheturm von 1931 wurde im Oktober 2017 durch Brandstiftung zerstört. Die Abmessungen des neuen Aussichtsturms entsprechen exakt dem historischen Vorbild. Allerdings wird der neue Turm heller wirken, da das Holz nicht mehr wie früher mit Teeröl behandelt wird. Die Haupttragkonstruktion besteht aus rund 72 Tonnen Edelkastanie. Treppenstufen und -podeste wurden aus rund 24 Tonnen Eichenholz gefertigt. Darüber hinaus wurden rund 35 Tonnen Stahl verbaut. Dadurch lässt sich das Bauwerk besser instand halten und in Zukunft leichter sanieren.

Der neue Goetheturm wird im Auftrag des Grünflächenamtes errichtet, die Projektleitung liegt beim Amt für Bau und Immobilien. Die Kosten in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro werden größtenteils von der Versicherung getragen. Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen haben zudem rund 200.000 Euro an Geldspenden sowie Sachspenden gesammelt, wodurch die Finanzierung des Wiederaufbaus erleichtert wurde.

Nach der Vollendung der Konstruktion wird am Donnerstag, 30. Juli, Richtfest gefeiert, wie es beim Bau Tradition ist. Danach wird das Grünflächenamt die Freiflächen wiederherstellen, sie waren durch den Brand und die Löscharbeiten stark beschädigt. Bäume und Pflanzen waren zerstört worden. Eine große Eröffnungsfeier ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Auflagen leider nicht möglich. Sie soll im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Umwandlung der Hagia Sophia, ein Angriff auf das christlich-muslimische Miteinander?

Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Becker richtet Schreiben an türkischen Generalkonsul
(ffm) „Die mit dem ersten Freitagsgebet am 24. Juli nun auch faktisch vollzogene Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee ist aus meiner Sicht ein Angriff auf das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen. Ich bedauere sehr, dass der Präsident der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdogan, seine frühere Auffassung geändert hat und gerade auch mit der gewählten Inszenierung die Bedeutung der Hagia Sophia zur eigenen Machtdemonstration nutzt. Dieses Vorgehen, das auch das Erbe Atatürks verletzt und von vielen Menschen in der Türkei ebenso kritisch betrachtet wird, ist leider dazu geeignet, Gräben zwischen den Religionen aufzureißen, statt Brücken zu bauen. Gerade auch, wenn aus der Führung der AKP heraus die Eroberung mit dem Schwert als historisches Sprachbild gebraucht wird, um die vermeintliche Überlegenheit des Islam gegenüber dem Christentum damit ausdrücken zu wollen. Der vergangene Freitag war ein schwarzer Tag für das Miteinander von Christen und Muslimen in der Welt und ich kann nur meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass unser Miteinander in Frankfurt davon keinen Schaden nimmt“, erklärte Becker am Montag, 27. Juli, in einem Schreiben an den türkischen Generalkonsul in Frankfurt.

„Das Miteinander von 170 Nationen und 160 Gemeinden und Gemeinschaften aller Weltreligionen in unserer Stadt Frankfurt am Main funktioniert bei allen vorhandenen Konflikten deshalb so erfolgreich, weil die übergroße Mehrheit der Menschen in unserer Stadt respektvoll dem jeweils anderen und dessen kulturellen und religiösen Vorstellungen begegnet. Diesen Respekt vermisse ich bei der von Staatspräsident Erdogan getroffenen und am Freitag vollzogenen Entscheidung, die mehr ist, als die bloße Umnutzung irgendeines Museums, sondern ein bewusst nach innen wie nach außen gerichtetes politisches Signal. Der türkischen Politik wünsche ich tatsächliche Stärke und Größe und die Rückbesinnung auf die Weisheit des Gründers der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk. Bitte leiten Sie meine Stellungnahme auch an Ihre übergeordneten Stellen weiter“, heißt es in dem Schreiben.

Zum Thema: 

Deutschlandfunk, 19.07.2020, Islamwissenschaftler Khorchide: Umwandlung der Hagia Sophia typisch für politischen Islam

Frankfurter Rundschau, 13.07.2020  Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee: Es zählt die Symbolik

Tagesspiegel, 11.07.2020 Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee – Erdoğan, der Eroberer

Die Welt, 12.07.2020, Papst äußert sich zu Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee

Der Spiegel, 10.07.2020, Kritik an Umwandlung der Hagia Sophia – „Eine Provokation für die zivilisierte Welt

zeit-online, 11.07.2020, Griechenland nennt Umwandlung der Hagia Sophia „historischen Fehler“

Der Standard, 24.07.2020, KONTROVERSE
Erstes Freitagsgebet in der Hagia Sophia nach Umwandlung in Moschee

TAZ, 13.07.2020, Umwidmung der Hagia Sophia:Ohne jede Weisheit

FAZ, 12.07.2020, UMWANDLUNG IN MOSCHEE: Papst Franziskus bedauert Entscheidung zu Hagia Sophia

Kirche + Leben, 21.07.2020, Münsteraner Mouhanad Khorchide: Religion wird instrumentalisiert Islamwissenschaftler kritisiert Umwandlung der Hagia Sophia

vorwärts, 24.07.2020, Symbolpolitik Warum Erdogan die Hagia Sophia wieder zur Moschee gemacht hat

Der Info-Point am Römischen Bühnentheater soll den Gestaltungs- und Sanierungsprozess in den nächsten Jahren begleiten

Marianne Grosse informiert als zuständige Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur über den neuen Info-Point.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Marianne Grosse informiert als zuständige Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur über den neuen Info-Point am Römischen Bühnentheater. © Foto: Diether v. Goddenthow

Im Zuge der Vorbereitungen für den Wettbewerb zur Entwicklung des Römischen Theaters ist ein temporärer Infopoint errichtet worden, um zukünftig dauerhaft und direkt vor Ort über den aktuellen Stand der weiteren Entwicklung, Planung und Umsetzung des Projektes informieren zu können. In Anwesenheit zahlreicher Mitstreiter und privater Förderer des Projektes informierte die Beigeordnete Marianne Grosse als zuständige Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur gemeinsam mit Gilbert Korte, Werkleiter der Gebäudewirtschaft Mainz GWM) die Presse über den gegenwärtigen Stand und die weiteren Schritte.

Ein stolzer Blick auf die nach Vorgaben des Denkmalamtes und Wünschen des Naturschutzes sanierte Festungsmauer der Mainzer Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ein stolzer Blick auf die nach Vorgaben des Denkmalamtes und Wünschen des Naturschutzes sanierte Festungsmauer der Mainzer Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow

Marianne Grosse gab zunächst einen kurzen Rückblick, was alles schon geschafft wurde, etwa die komplett fertig gestellte und sanierten Mauer der Zitadelle Mainz in voller Übereinstimmung mit den Vorgaben von Denkmalpflege und den Umweltbelangen. Dass dies funktionieren würde, habe man vor drei Jahren noch kaum zu glauben gehofft.

Schon immer war zudem vorgesehen hier unterhalb der Zitadellen-Mauer, ein wenig oberhalb des Römischen-Bühnentheaters einen Informations-Punkt für die Stadt zu erstellen.“Wir wollten mehr Aufmerksamkeit für zwei ganz große Projekte“ so Grosse, nämlich für die Zitadelle mit der Zitadellenmauer und gegenüberliegend, auf dieser Seite für das Römische Bühnentheater.
Das Römische Bühnentheater verdiene natürlich aufgrund seiner Größe und seiner Bedeutung hier in Mainz und weit darüber hinaus eine ganz besondere Beachtung, so die Denkmal- und Baudezernentin. „Die Landeshauptstadt will daher dieses römische Denkmal der Mainzer Bevölkerung und sowie auch natürlich den Besucherinnen und Besuchern, die von außen kommen, noch näher bringen in einem sehr umfangreichen Prozess, der schon viele Jahre dauert, den wir aber auch noch viele Jahre weiter fortsetzen werden.“, so Grosse. Aus diesem Grund erarbeitet das Baudezernant im Moment gerade ein Gesamtkonzept für dieses Areal. Da ginge es um ganz wichtige Fragen der Präsentation des Römischen Bühnentheaters und um die Nutzbarmachung für die Zukunft, etwa wo Wege entlang geführt werden können, wie es mit der Konservierung und vor allen, was kann und muss in Bezug auf die Entwässerung passieren.

Ohne private Unterstützung und Förderung könnte das Projekt gar nicht gestemmt werden. Der bekannte Mainzer Mediziner, Professor Christian-Friedrich Vahl und  Mäzen Stefan-Schmitz, der erst vor kurzem das von  Matthias Dietz-Lenssen verfasste Werk: "Willigis. Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr" herausgegeben hat, sind wichtige Förderer des Gesamtprojektes von Anfang an. .© Foto: Diether v. Goddenthow
Ohne private Unterstützung und Förderung könnte das Projekt gar nicht gestemmt werden, so Marianne Grosse. Der bekannte Mainzer Mediziner, Professor Christian-Friedrich Vahl (li.)  und Mäzen Stefan-Schmitz, der erst vor kurzem das von Matthias Dietz-Lenssen verfasste Werk: „Willigis. Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr“ herausgegeben hat, sind wichtige Förderer des Gesamtprojektes von Anfang an. .© Foto: Diether v. Goddenthow

Man habe im Rahmen dieses Prozesses bereits mehrere Bürgerbeteiligungen durchgeführt und auch eine Fachdiskussion gestartet. „Als nächster wichtiger Schritt, in dem das alles, was wir schon durchgeführt haben, mit eingeplant und eingepflegt wird, ist jetzt die Vorbereitung des Architekten- und Freiraumwettbewerbes zur Entwicklung dieses gesamten Areals des Römischen Theaters.“, so die Baudezernentin.
Parallel zum jetzt geplanten Architekten- und Freiraumwettbewerb, liefe die Sanierung der einzelnen Pfeiler unverändert im Einklang mit dem Institut für Steinkonservierung weiter.

Info-Point soll den gesamten Gestaltungs- und Sanierungsprozess begleiten.

Der Info-Point besteht aus zusammengefügten Kontainern und hat zirka 70 qm Innenraum für Info-Theke, Ausstellungsraum und Toilette. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Info-Point besteht aus zusammengefügten Kontainern und hat zirka 70 qm Innenraum für Info-Theke, Ausstellungsraum und Toilette. © Foto: Diether v. Goddenthow

Um diesen gesamten Prozess zu begleiten, und um über alle aktuellen Schritte zu informieren, habe die Stadt Mainz diesen temporären Info-Point erreichtet. Er soll darüber hinaus auf lange Sicht ein Informations-Zentrum bleiben. Schon die Außenhaut der temporären Container-Konstruktion präsentiert die Themen und die Fragestellungen, die die Bürger wie die Fachöffentlichkeit in Zusammenhang mit dem Bühnentheater in den nächsten Jahren beschäftigen werden. So soll in Kürze auch im Inneren dieses Info-Pointes diese Informationen noch näher beleuchtet werden, so die Baudezernentin..

Bereits der Außenbereich des Info-Pointes  konnte interessant gestaltet werden, wobei die „Praline“ des Ganzen wohl der Bildschirm mit wechselnden Ansichten der Zitadelle, ihrer Sanierung, des Römischen Bühnentheaters mit Planungsanimationen sowie von Mainz sind. Schon jetzt würde dem Info-Point daher von Passantinnen und Passanten sehr viel Aufmerksamkeit zuteil.
Es würden hier kurz und bündig auch die Informationen zusammengefasst, was die Sanierung angeht, was aber auch dann noch zusätzlich ergänzt werden wird durch Präsentationen und Ausstellungen. „Das sind ja Bilder! Wenn man Mainz nicht kennen würde, wir nicht ständig hier auf der Zitadelle wären, würden wir uns spätestens nach diesem Film in unsere eigene Stadt verlieben“, schwärmt die Baudezernentin.

Die Pralinie des Ganzen sei der Bildschirm mit Wiederholungsschleifen der dokumentierten Bildinformationen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Pralinie des Ganzen sei der Bildschirm mit Wiederholungsschleifen der dokumentierten Bildinformationen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit diesem Info-Point selbst werde jetzt ein Ort geschaffen, an dem die die Römische Geschichte und insbesondere, die des Theaters und auch die der Zitadelle noch einmal lebendig werden soll, und zwar für Groß und Klein. Das funktioniere bereits ohne Bildschirm-Ton. Flankiert soll das Ganze werden durch ein Zusammenspiel aus Führung und Ausstellung, um somit noch einmal mehr die Vorstellungskraft der Besucherinnen und Besucher verstärken. Die Konzeption ist in Arbeit und soll dann im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

„Brauchtum pflegen und Frohsinn spenden“ – die Mainzer Fastnacht 2020 /21 wird stattfinden

(vli.:) Horst Seitz Präsident Mainzer Carneval Club (MCC), Oberbürgermeister Michael Ebling, Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“,  Prof. Dr. Reinhard Urban Präsident Mainzer Carneval Verein (MCV), Prof. Dr. Dirk Loomans Karneval-Club Kastel (KCK), Martin Krawietz Präsident Gonsenheimer Carneval Verein (GCV), Markus Perabo Vorstandssprecher der Mainzer Fastnachts e.G. © Foto: Diether v. Goddenthow
(vli.:) Horst Seitz Präsident Mainzer Carneval Club (MCC), Oberbürgermeister Michael Ebling, Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“, Prof. Dr. Reinhard Urban Präsident Mainzer Carneval Verein (MCV), Prof. Dr. Dirk Loomans Karneval-Club Kastel (KCK), Martin Krawietz Präsident Gonsenheimer Carneval Verein (GCV), Markus Perabo Vorstandssprecher der Mainzer Fastnachts e.G. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gemeinsam mit der Stadt Mainz haben die Fastnachtsvereine ihren festen Willen bekundet: „Es wird eine Kampagne 2020/2021 geben““. Die Diskussion darüber, wie und auf welche Weise dies trotz Corona ermöglicht werden soll, hat bereits begonnen. Gestern gaben die großen Vereine einen ersten Ausblick auf ihre Umsetzungsideen zur Fastnachtskampagne 2021.

Oberbürgermeister Michael Ebling
„Wir wollen ein Signal heute senden, das uns wichtig ist, und das ist das, was uns gemeinsam umtreibt, das Signal “Die Fastnachtskampagne 2020 /2021 wird stattfinden“, eröffnet der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling das gestrige Pressegespräch im Stadthaus und begrüßt die anwesenden Vertreter der großen Fastnachtsverbände und Vereine

  • Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“
  • Prof. Dr. Reinhard Urban Präsident Mainzer Carneval Verein (MCV),
  • Horst Seitz Präsident Mainzer Carneval Club (MCC),
  • Martin Krawietz Präsident Gonsenheimer Carneval Verein (GCV),
  • Prof. Dr. Dirk Loomans Karneval-Club Kastel (KCK), und
  • Markus Perabo Vorstandssprecher der Mainzer Fastnachts e.G.

Das sei keine Mission tollkühner Männer, nein, man habe über Realisierungsmöglichkeiten im Vorfeld gesprochen und „sehen es auch als einen gemeinsamen Auftrag, der da heißt in Mainz: „Brauchtum pflegen und Frohsinn spenden“.
Wie es keinen gesellschaftlichen Bereich gäbe, der nicht von der Pandemie erfasst worden wäre, so verändere Corona ganz sicher auch die Meenzer Fastnacht in dieser Zeit. „Aber so wie die Brauchtumspflege, so wie der Spaß an der Freud zur DNA auch zu unserer Stadt gehört in Mainz, so ist es auch der Auftrag in schwierigen Zeiten Zusammenhalt und auch Zuversicht zu vermitteln“, begründete Ebling die Entscheidung, die Kampagne 2020 /2021 stattfinden zu lassen. Natürlich gäbe es auf vieles zum jetzigen Zeitpunkt noch keine detaillierte Antwort, denn niemand wisse, wie der Rechtsrahmen im November oder im Januar 2021 aussähe „in einer Zeit, in der wir regelmäßig so schnelle Wechsel erfahren und Erkenntnisse gewinnen, und reagieren müssen“. Deshalb stünde am Anfang erstmal „der gemeinsame Wille, und der ist sehr stark, der Wille, dass wir gemeinsam das möglich machen wollen, was möglich geht“, so Ebling. Man wolle dafür ein Zeichen setzen und das sichtbar machen nicht nur für die Mainzerinnen und Mainzer, die mit diesem Brauchtum verwoben seien, sondern auch weiter darüber hinaus für die Millionen Menschen die jedes Jahr auf Mainz schauen, „die zugucken, was bei uns so gedacht und gesagt und wie gefeiert wird.“
Wir alle spürten, so Ebling, dass in Zeiten von Corona Stress und Belastung zugenommen hätten und es längst nicht mehr den anfänglich oftmals beschriebenen Entschleunigungseffekt gäbe. Die Gesellschaft stünde an vielen Stellen unter erheblicher Spannung, so dass es für eine Stadt wie Mainz ein wichtiges Signal sei, in einer solchen schwierigen Phase, auch ein Zeichen von Zuversicht und Frohsinn zu setzen. Schließlich lebe der Mensch nicht nur von Rationalem alleine, Abstand halten und Nasenbedeckung zu tragen und vernünftig auf alles zu achten. Der Mensch lebe auch, so der Oberbürgermeister, „von der Zerstreuung, von der Freude und manchmal ein klein bisschen auch von seiner Unvernunft.“ Es sei die Ganzheitlichkeit dessen, was auch unser Zusammenleben ausmache.

Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“

Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“ © Foto: Diether v. Goddenthow
Andreas Schmitt Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Der vielen insbesondere als Obermessdiener weit über Mainzer Grenzen bekannte  Andreas Schmitt bringt die Entscheidung Pro-Fastnachtskampagne 2021 auf den Punkt: „In der Stadt der Lebensfreude lebt man mit Freude, aber man lebt nicht verantwortungslos.“ Man stünde stets auf dem Boden des Gesetzes, und wolle alles tun, was „im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten an Fastnacht an Lebensfreude ermöglicht werden kann, und es in der kommenden Kampagne nach draußen tragen in die Bevölkerung, in die Herzen der Menschen.“

Es habe schon immer Krisenmomente in der Geschichte und dennoch oder gerade deswegen habe man in Mainz stets Mittel und Wege gefunden, um Fastnacht zu feiern, etwa 1962 bei der Hamburger Sturmflut. Da erreichten damals das ZDF viele Hamburger Zuschriften mit der Bitte, „dass diese Sendung stattfinden soll, um ihnen in Hamburg auch etwas zur Ablenkung und Freude in all diesem Leide zu geben“, erinnerte Schmitt. Und noch tragischer sei es nach Kriegsende gewesen, als Mainz in Trümmern lag, und Major Kleinmann von der französischen Besatzungsregierung die Mainzer Fastnachtsgrößen um sich „versammelte und beauftragte die Fastnacht 1946 in Mainz laufen zu lassen, um Kraft und Frohsinn in der Bevölkerung zum Tragen zu bringen“, so Sitzungspräsident .
Das seien so kleine Geschichten, an denen „wir gerade auch in Fernsehsendungen anknüpfen können. Wir können millionenfach den Menschen die frohe Botschaft des Frohsinns des Mainzer Fastnachtsfeierns mit Herz und vor allem mit politischem Tiefgang vermitteln und die Botschaft des Mainzer Humors nach außen tragen“. Das sei auch dem SWR, den verantwortlichen Redakteuren, eine Herzensangelegenheit.

Prof. Dr. Reinhard Urban Präsident Mainzer Carneval Verein (MCV),
Auch der MCV-Präsident unterstrich, dass man in einer so schwierigen Zeit, vor allen denen, die besonders darunter litten, Freude und Frohsinn schenken wolle. Das habe nichts damit zu tun, „dass wir Hassadeure wären, sondern das hat eben auch mit der Verantwortung gegenüber den Menschen zu tun. „ Prof. Reinhard Urban denkt, „dass wir Fastnacht feiern werden können, und zwar in ganz verschiedenen Bereichen“. Aber es sei allen „natürlich bewusst, dass das sehr wahrscheinlich eine völlig andere Fastnacht werden wird, als das, was wir sonst kennen.“ Es werde mit Sicherheit keine Saale mit 1200 Leuten drin geben, sondern es werde etwas anders sein, kleinere Veranstaltungen und beim Straßenfastnacht werden auch keine 500 000 Leute auf der Straße stehen können. Das sei klar, aber man überlege sich mit Sicherheitskonzepten koordinierte neue Ansätze, womit „wir auch Straßenfastnacht gut durchführen können werden“, so Urban, der nur soviel verriet, dass man zunächst mal zum 11.11.2020 hin plane, der Verkündigung des Närrischen Grundgesetzes auf dem Schillerplatz. Die Veranstaltung fände auf alle Fälle statt, aber auf welche Weise, wie das entzerrt werden könne, sei in Planung. Ein Bühnenprogramm wie in der Vergangenheit könne es so natürlich nicht geben, aber Musik schon, vielleicht auch aus Gruppen der Garden, aber all das müsse man sehen und prüfen, so der MCV-Präsident.

Horst Seitz Präsident Mainzer Carneval Club (MCC),
MCC-Präsident Horst Seitz sieht in erster Linie den Sinn und Zweck des heutigen Pressegesprächs darin, „dass wir den Aktiven, die in den Vereinen ja ihren Jahresablauf normalerweise haben, sagen: ‚Fange an, dir ein Thema zu suchen, oder Pointen schon festzuhalten. Mach dich drauf gefasst, dass es irgendwie zum Auftritt kommt‘ In welcher Form, auf welcher Bühne, vor welcher Kamera oder Publikum“ spiele momentan gar keine Rolle. „Aber es spielt für die vielen Aktiven, die ehrenamtlich in den Vereinen arbeiten eine ganz große Rolle, dass wir von hier aus sagen: ‚Die Fastnacht wird nicht beerdigt bis zum 11.11.2022, sondern sie wird da sein‘“, so Seitz. Wie die Fastnacht aussähe, was daraus detailliert werde, werde eine volle Aufgabe der Vereine und Korporationen und der Stadt Mainz sein. „Wir werden uns damit befassen, und wir werden das Problem ganz sicher lösen“, so der MCC-Präsident, der resümierend hinzufügt: „Es rentiert sich immer, etwas anzufangen, und wenn‘s zur eigenen Freude oder für die Familie ist. Und das, meine ich, muss von hier ausgehen, diese Signal an die Aktiven, egal, wo sie in der Fastnacht aktiv sind: ‚Macht Euch auf den Weg. Wir machen das!‘“

Impression des Pressegesprächs Ausblick auf Umsetzungsideen zur Fastnachtskampagne 2021  im Stadthaus am 27. Juli 2020 © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression des Pressegesprächs Ausblick auf Umsetzungsideen zur Fastnachtskampagne 2021 im Stadthaus am 27. Juli 2020 © Foto: Diether v. Goddenthow

Martin Krawietz Präsident Gonsenheimer Carneval Verein (GCV),
Ähnlich sieht es GCV-Präsident Martin Krawietz, der unterstreicht, dass man nicht vorhabe eine Aktion nach dem Motto „Wir ziehen jetzt die Fastacht durch“, sondern dass man es mache, „weil wir das machen wollen.“ Fastnacht sei ein Brauchtumsfest, ein Fest, dass Lebensfreude bringe.
Es seit aber jetzt wieder eine Zeit, wo Innovation gefragt seien, interessante Herausforderungen, „da wir die Bedingungen noch gar nicht genau kennen. Daher wäre es falsch, sich jetzt schon festzulegen, genau zu sagen, „es wird so oder so ablaufen“. Jeder Verein habe da letztlich seine eigenen Herangehensweisen an das Geschehen. Beim GCV plante man auf alle Fälle ein Online-Angebot, so dass Online-Sitzungen abgehalten werden könnten. Es sei das Einzige, was man gegenwärtig planen können. „Denn, egal, was passiert, das ist etwas, was auf jeden Fall stattfinden dürfte.“ Und sollte doch ein Wunder geschehen und es keine größeren Einschränkungen mehr bei der Fastnacht geben, „wären wir mit über 125jähriger Erfahrung bereit, auch kurzfristig eine Saalfastnacht zu veranstalten“, das sei nicht das Problem so Krawietz, die größere Herausforderung sei, „Alternativen zu haben, auf das wir uns konzentriert haben“

Prof. Dr. Dirk Loomans Karneval-Club Kastel (KCK)
Der KCK-Vorsitzende Prof. Loomans sieht insbesondere eine Chance einer erfolgreichen Kampagne 2020 /2021 darin, vielleicht mehr „kleinere Dinge zu machen, kleinteiliger auch unser Programm gestalten, räumlich wie zeitlich. Und wenn sich dann herausstelle, „wir können doch so vorgehen, wie wir das immer gemacht haben, dann werden wir das hinkriegen“ Denn habe ja über Jahrzehnte geübt und habe es drauf. Aber es seien die neuen Dinge, so Loomanns, „die jetzt schon überall in den Vereinen hochkommen, die diskutiert werden, die das zu einer interessanten und ganz besonderen Fastnacht machen können, die hilft, den Leuten ein bisschen wieder Lebensfreude, aber auch Gemeinschaftssinn zu geben.“
Wie die Gemeinschaft aussähe, wüsste man noch nicht. „Wird die online sein, wird jeder für sich sein Gläschen heben bei einer Online-Veranstaltung. Wird man in kleineren oder größeren Gruppen zusammenkommen. Wie wir feiern werden können, müssen wir natürlich ausprobieren“, so der KCK-Präsident. Im September würde mit dem SWR diskutiert , welche Formen von Fernsehfastnacht überhaupt denkbar und machbar seien. Da sei noch gar nichts entschieden.

Markus Perabo Vorstandssprecher der Mainzer Fastnachts e.G.

Die Mainzer Fastnachtsgenossenschaft, so ihr Vorsitzender Markus Perabo, habe 25 Garden und Vereine, darunter viele kleinere und mittlere. Und von den mittelgroßen Garden kamen in der letzten Zeit einige Rückmeldungen mit dem Tenor, doch erstmal abzuwarten, wann und ob es jetzt ein Ziel gäbe, was vereinbart werde auch zusammen mit der Stadt. Das sei ganz wichtig. „Einige haben schon abgesagt. Sie haben halt den großen Faktor Kosten. Sie möchten jetzt ungern Dinge planen, wenn sie es nicht finanzieren können. Da fehlen mitunter die Sponsoren, die einspringen könnten, und deswegen wird davon einiges abgesagt, was schade ist“, so fasst Perabo die Not einiger Garden zusammen.
Die Mainzer Fastnachts e.G. wolle Hilfe anbieten, etwa Synergie-Effekte erkennen und den Vereinen nutzbar machen, insbesondere beim großen Thema Technik. „Wir haben sehr viele Vereine, die überhaupt keine Ahnung natürlich haben, wie man das einsetzen kann.“ Da gäbe es Überlegungen, Technik aufzubauen, die dann von vielen gleichermaßen genutzt werden kann, so dass die Kosten dafür reduziert werden können.
„Viele Verantwortliche möchten gerne den Oktober, sogar noch den November abwarten, um dann in ihre Planung zu gehen. Das ist aber sicherlich dann fast schon ein wenig spät“ , so Perabo zur gegenwärtigen Stimmung in der Mainzer Fastnachts e.G.

Die Ausblicke auf Umsetzungsideen zur Fastnachtskampagne 2021 geben eine bunte Momentaufnahme des gegenwärtigen Diskussionsstands. In den kommenden Monaten wird – stets vor dem Hintergrund der Entwicklungs des Corona-Infektions-Geschehens – entwickelt und entschieden werden, wie es die Mainzer Fastnachts-Kampagne 2020/2021 umgesetzt werden wird.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Siehe auch „Mainz vor der Fastnachts-Kampagne“ SWR

Führung zu verschwundenen Kirchen und Klöster in Mainz

Viele Kirchen und Klöster prägten das Erscheinungsbild von Mainz seit dem frühen Mittelalter, sind heute aber zum Teil aus dem Stadtbild verschwunden, wie etwa das Jakobsbergkloster auf dem Gelände der Zitadelle, in dem ein für die Stadt folgenreicher Mord geschah. Zu einer ungewöhnlichen Stadtführung um „verschwundene Kirchen und Klöster“ in Mainz lädt daher die Landesarchäologie Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) am 1. August um 15 Uhr herzlich ein, die sie gemeinsam mit dem Gästeführerverband Mainz e.V. durchführt. Treffpunkt ist am Schillerplatz (Fastnachtsbrunnen), eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Person, Dauer zwei Stunden. Weitere Termine sind für den 5. September und 3. Oktober geplant.

Die Führung findet während des „Kaiserjahres 2020“ als Teil des Rahmenprogramms auf dem Weg zur großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ statt, die im September im Landesmuseum Mainz eröffnet wird.

„Wir wollen in diesem und im kommenden Jahr noch eine ganze Reihe von Geschichtsspaziergängen anbieten“, erklärt Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie Mainz, „um einerseits das Bewusstsein für die Bedeutung der Stadt Mainz im Mittelalter zu stärken, aber auch um hier vor Ort auf eine Art Spurensuche zu gehen“. Die mit zahlreichen Türmen und Toren versehene Stadtmauer verlieh Mainz einen imposanten wie wehrhaften Charakter. Vor allem die rheinseitige Mauer prägte das Stadtbild für alle auf dem Fluss Reisenden.

Die Stadtführungen werden von studierten Historikern und Architekten des Mainzer Gästeführerverbandes durchgeführt. „Wir freuen uns sehr über die Kooperation“, ergänzt die Vorsitzende Dr. Judith König „und werden die Führungen mit Kartenmaterial und Bildern, aber auch mit interessanten Hintergrundgeschichten und Anekdoten anreichern“.

Auf Wunsch sind auch individuelle Führungen für pauschal 100 Euro möglich. Ab 10 Personen werden für jede*n weitere*n Teilnehmer*in 5 Euro zusätzlich berechnet. Buchungen können per E-Mail über kontakt@mainz-stadtfuehrungen.de oder telefonisch unter 0162 4025823 vereinbart werden.

Dr. Birgitta Coers übernimmt ab dem 1. Oktober 2020 die Leitung des documenta archivs.

Die Kunsthistorikerin Birgitta Coers (geb. 1970) leitet ab dem 1. Oktober 2020 das documenta archiv. Im Anschluss an ihre Universitätslaufbahn in Marburg und Tübingen spezialisierte sie sich in den letzten Jahren auf das physische und digitale Management von Künstler*innennachlässen. Nach einer ersten Station im Fachreferat Kunst der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden entwickelte sie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ein Datenmodell für künstlerische Objekt- und Schriftvorlässe und koordinierte im Landratsamt Rottweil den Aufbau des Archivs Margot Fürst / HAP Grieshaber. Zuletzt erarbeitete sie als wissenschaftliche Archivarin im Landesarchiv Baden-Württemberg Rechercheinstrumente für die Provenienzforschung.

Coers’ wissenschaftliche Schwerpunkte liegen in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, auf kulturellen und politischen Netzwerken zwischen Ost und West nach 1945, Ausstellungs- und Institutionengeschichte. Ein besonderes Interesse gilt darüber hinaus webbasierten Publikationsstrategien und digitalen Forschungsinfrastrukturen aus bibliothekarischer und archivarischer Sicht.

Unter der neuen Leitung ist das documenta archiv nach Votum der Findungs­kommission aus archivfachlicher wie kunstwissenschaftlicher Perspektive zukunftsgerichtet aufgestellt: „Als Direktorin des documenta archivs ist es mir ein Anliegen, die außergewöhnlichen Bestände mit Blick auf die digitalen Herausforderungen wissenschaftlich aufzubereiten und international sichtbar zu machen. Ich freue mich darauf, das Archiv zu einem lebendigen Wissens­ort innerhalb des geplanten documenta Instituts zu gestalten“, so Birgitta Coers.

Birgitta Coers ersetzt Nadine Oberste-Hetbleck, die die Stelle als Direktorin des documenta archivs nicht wie geplant zum 1. August 2020 antritt. Aus familiären Gründen entschied sie sich für einen Verbleib in Köln und wird dort zukünftig das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarkt­forschung ZADIK an der Universität zu Köln leiten, dem sie seit Jahren eng verbunden ist. „Ich hatte mich bereits sehr auf die Tätigkeit in Kassel für das im globalen Kreis der Kunstarchive herausragende documenta archiv gefreut, welches auch mit Blick auf das geplante documenta Institut große Potentiale besitzt. Meine zukünftige Position in Köln und die bereits bestehende fachliche Verbundenheit ermöglichen aber vielfältige Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und einen intensiven Austausch“, so Nadine Oberste-Hetbleck.

Bis zum Antritt von Birgitta Coers verbleibt die kommissarische Leitung des documenta archivs bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh.

„Nie wieder kriechen – aufrechtgehen“ – Hessisches Staatskanzlei eröffnet anlässlich 30 Jahren Wiedervereinigung die Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“

„Nie wieder kriechen - aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung  der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Nie wieder kriechen – aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 3. Oktober 2020 feiert die Bundesrepublik Deutschland 30 Jahre Wiedervereinigung. Aus diesem Anlass eröffnete der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, am 24. Juli 2020 auf dem Wiesbadener Kranzplatz die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gab den Startschuss zu einem Fotowettbewerb zur Wiedervereinigung (Einsendeschluss 28. 08. siehe unten). Die Ausstellung dokumentiert den weltweit in der Geschichte wohl einmaligen Fall einer unblutigen Revolution von Bürgern für Freiheit und Menschenrechte gegen ein Unrechts-Regime. Als Gäste begrüßte Wintermeyer  die beiden fluchterfahrenen Zeitzeugen Berthold Dücker und Jürgen May sowie die Schülerinnen Lara, Mia und Elisa der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin Sabine Weiss. Durch die Veranstaltung führte Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei. Zudem dankte der Staatskanzlei-Chef Thomas Kellner und Herrn Schellhaas vom Grenzmuseum Schifflersgrund, dass sie zur Eröffnung die Exponate, einen „Trabi Kübel“ samt Grenzsoldaten-Puppe, aus der Gedenkstätte Point Alpha mitgebracht haben, ebenso  die beiden Original-Banner von 1989 aus dem Stadt-Archiv Heilbad Heiligenstadt mit den Aufschriften: „Nie wieder kriechen! Aufrechtgehen!“ und „Das Thema Rechtssicherheit spart Staatssicherheit“.

Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei, selbst Zeitzeuge, kämpfte bereits als Jungpolitiker für die Einheit des deutschen Vaterlandes als Politgrößen wie Oskar Lafontaine diese schon längst abgeschrieben hatten.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei, selbst Zeitzeuge, kämpfte bereits als Jungpolitiker für die Einheit des deutschen Vaterlandes als Politgrößen wie Oskar Lafontaine diese schon längst abgeschrieben hatten. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir wollen in diesem Jahr in allen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland an 30 Jahre Wiedervereinigung erinnern, an den friedlichen Sieg der Bürger der ehemaligen DDR gegen die Diktatur. Es sei ein Sieg der Freiheit gewesen, sagte Staatskanzlei-Chef Wintermeyer. Vor allem aber sei in den letzten 30 Jahren in den neuen Bundesländern eine unglaubliche Aufbauleistung gelungen. „Wir haben als Bundesrepublik Deutschland durch die Wiedervereinigung in jeder Form gewonnen, auch in Europa, wenn wir sehen, welch starkes Land wir geworden sind.“, so Wintermeyer. Trotz relativ rascher politischer und rechtlicher Vereinigung, vollziehe sich der Prozess des Zusammenwachsens im weitesten Sinne immer noch: „Wir haben nach wie vor kleine Unterschiede bei Arbeitslosigkeit zwischen Ost und West“, die jedoch inzwischen relativ gering sei. Auch beim Lohnniveau habe man sich mit 98 Prozent ziemlich angeglichen. „Aber es sind natürlich viele Menschen auch noch anfällig und wieder anfälliger geworden für Populismus, für Links- aber auch für Rechts-Populismus. Und da gibt es noch einiges zu tun.“, mahnte Wintermeyer. Schon deswegen sei es umso wichtiger, „dass wir eine starke Erinnerungskultur aufrechterhalten.“ Geschichtsbücher allein reichten nicht hin, weswegen wir „ab heute diese Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer zeigen. Sie werfe auch ein Schlaglicht auf die Jahre 1989/90 und zeige den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, die Fluchtbewegung im Sommer und die Massenproteste im Herbst. und viele andere wichtige Stationen“, so Wintermeyer.

Impression der Sonderausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz.© Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz.© Foto: Diether v. Goddenthow

Freiheit sei nicht selbstverständlich und es dürften keine neuen Mauern aufgebaut werden, auch nicht in den Köpfen. Denn nur, wer Geschichte kenne, könne Zukunft gestalten, und „zu wenig Menschen kennen noch die Geschichte, bzw. wollen die Geschichte noch kennen. Und diese Gleichgültigkeit, ist eigentlich der größte Feind der Freiheit“, so der Staatskanzlei-Chef. Man wolle auch das Erinnerungs-Projekt „Meisenbornwerg“ ausbauen, „eine Erstaufnahmeeinrichtung in Hessen, wo viele, die aus der DDR geflohen sind, oder später zu uns gekommen sind, untergebracht wurden.“ Wintermeyer erinnerte auch an Point Alpha, dem einst heißesten Punkt Europas, „wo sich im Kalten Krieg die Atomwaffen quasi gegenüber gestanden haben“, und an dem eine Gedenkstätte mit Original-DDR-Wachturm entstand, oder an „Schifflersgrund, heutzutage „ein Museum, das an die vielen Mauertoten und an das erinnert, was Unfreiheit im weitesten Sinne betrifft.“ Zudem habe man in der Landeszentrale für Politische Bildung, ein Schwerpunkt „Projektaufarbeitung DDR-Diktatur“ laufen.

Talk-Runde:

Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei, moderierte den Talk mit Zeitzeugen und Schülern der Helene-Lange-Schule © Foto: Diether v. Goddenthow

Welches Unrecht und Leid mit der DDR-Diktatur für die Menschen in Ostdeutschland verbunden war, davon erzählten Berthold Dücker und Jürgen May, in einer Talkrunde mit Schülerinnen der Wiesbadener Helene-Lange-Schule und ihrer Lehrerin. Es sei so wichtig, Menschen hier vor Ort zu haben, die den Unrechtsstaat DDR wirklich auch am eigenen Leib gespürt haben, eröffnete Moderatorin Ikla Ennen das Gespräch und stellte die Gäste kurz vor: Berthold Dücker arbeitete nach der Wiedervereinigung fast 17 Jahre als Chefredakteur der Südthüringer Zeitung, initiierte die Gedenkstätte Point Alpha und setzt sich noch heute unermüdlich für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein. Er war 16 Jahre alt, als er in die Bundesrepublik floh. Er durchschnitt mit einer Kneifzange den Stacheldraht und überwand das Minenfeld an der innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Hessen. Sein erster Aufenthaltsort war das Flüchtlingslager Meisenbornwerg in Gießen. Warum er denn mit 16 auf die Fluchtidee gekommen sei und davon seiner Familie kein Sterbenswörtchen erzählte und immer wieder von dieser Zeit erzählte, fragte die Moderatorin.

Berthold Dücker überwand mit 16 Jahren per Kneifzange Grenzzaun und Todesstreifen. Später initiierte er unter anderem  die Gedenkstätte Point Alpha. © Foto: Diether v. Goddenthow
Berthold Dücker überwand mit 16 Jahren per Kneifzange Grenzzaun und Todesstreifen. Später initiierte er unter anderem die Gedenkstätte Point Alpha. © Foto: Diether v. Goddenthow

Berthold Dücker, dessen beide Großväter und Teile weiterer Verwandtschaft über Nacht dann jenseits der Grenze im Westen lebten, habe schon als Kind bedrückt, dass die Grenze ja nicht nur das Land, sondern auch ganze Familien wie die eigene zerriss. „Und als es darum ging, ‚Wo führt der Weg nach der Schule einmal hin?‘, da gab es gar keinen anderen Weg für mich, als mir den vorzunehmen, den ich dann gegangen bin. Ich wollte Journalist werden: ein Unding für jemanden, der als freier Journalist für eine freie Zeitung leben wollte! Das war ein Ding der Unmöglichkeit, also musste ich den Weg gehen, den ich dann am 24. August 1964 gegangen bin“, erinnert sich Dücker. Und „dass man den Eltern, den Angehörigen, das nicht sagen konnte, war in der DDR jedem klar, das sog man gewissermaßen schon mit der Muttermilch auf. Republikflucht galt als schwerer Straftatbestand. Man landete im Gefängnis, wenn man geschnappt wurde, und die erwiesene Mitwisserschaft der Eltern oder Geschwister, und die Stasi kriegte alles raus, wurde ganz genauso bestraft. Deswegen konnte man auch zuhause nichts davon erzählen, was man vorhatte.“

Er könne nicht aufhören, immer wieder von dieser Zeit, der DDR und seiner Flucht von dort, zu erzählen, da Deutschland innerhalb von nur 50 Jahren zwei schlimme Diktaturen erlebt habe, „die braune und die rote. Und die eine ging in die andere nahtlos über!“ Und ihn erschüttere es, „wenn ich sehe, wie viele Leute das alles schon vergessen haben und natürlich, dass dieses Thema auch in vielen Schulen kaum oder nur ganz, ganz am Rande behandelt wird. Da machen wir einen Fehler“, warnte Dücker vor einer Wiederholung der furchtbaren Geschichte und heutigen brauen wie roten Populismus.

Zeitzeuge Jürgen May, hier vor dem zweiten Protest-Banner "Rechtssicherheit statt Staatssicherheit", flüchtete 1967  unter Armaturenbrett und Kotflügel nachdem er wegen einer Lapalie lebenslang als 24jähriger Sportler gesperrt worden war. © Foto: Diether v. Goddenthow
Zeitzeuge Jürgen May, hier vor dem zweiten Protest-Banner „Rechtssicherheit spart Staatssicherheit“, flüchtete 1967 unter Armaturenbrett und Kotflügel nachdem er wegen einer Lapalie lebenslang als 24jähriger Sportler gesperrt worden war. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gleiche Anliegen wie Dücker, dass nie wieder von Deutschland aus eine Diktatur ausgehen dürfe, treiben auch Jürgen May an, immer wieder als Zeitzeuge von seien Erlebnissen aus seinem Leben der Unfreiheit in einer Diktatur zu berichten. Er war ein erfolgreicher Leichtathlet, zwischen 1962 und 1966 mehrfacher DDR-Meister, deutscher Meister, Europarekord- und Weltrekordhalter im Mittelstrecken-, Langstrecken und Hindernislauf. Als vor dem Hintergrund eines Schuh-Streits der DDR-Sport-Funktionäre herauskam, dass er, damals 24jährig, einem Kollegen geraten hatte, die aus Regime-Perspektive „falschen“ Sportschuhe zu tragen, nämlich „Puma“ statt „Adidas“, wurde er lebenslänglich gesperrt. Da blieb für ihn 1967 nur noch die Flucht. Seine sportliche Laufbahn setzte er bis nach den Olympischen Spielen 1972 fort. Zuletzt war May als Amtsleiter für Bildung, Kultur und Sport im Main-Kinzig-Kreis tätig.

Mauerfeeling auf dem Kranzplatz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mauerfeeling auf dem Kranzplatz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Eigentlich wollte May nach dem Abi sofort abhauen, aber dann kamen die sportlichen Erfolge. „Bei meinem ersten Start in die Bundesrepublik, kam mir die Stasi auf die Spur. Ich stand von Jugend an unter dem Schirm der Stasi“. Es ging ein paar mal hin und her, und eigentlich wollten sie ihn schon als Sportler sperren, als May in jenem Jahr mehrere Weltrekorde erzielte. Daran „war die DDR interessiert und ist auf das Pferd mit drauf gesprungen. Ich war natürlich auch willfähriges Momentum, die Überlegenheit des Staatssport der DDR gegenüber dem Kapitalismus zu dokumentieren“, erzählt May, für den das endgültige Aus nach der „Schuhgeschichte“ kam. „Mit meiner jetzigen Frau sind wir dann von Ungarn nach Österreich, ich mit Oberkörper hinter dem Armaturenbrett und die Beine im Kotflügel eines Cadillac versteckt, rüber gekommen. Zunächst meine Frau und ein paar Stunden später hat man mich dann geholt, von Budapest nach Österreich. Das sind Dinge, die man eben nicht vergisst, genauso wie mein Vorgänger mit der Zange am Stacheldraht. Das war noch gefährlicher.“

Insbesondere junge Menschen, die weder die Mauer noch die deutsche Teilung erlebt hätten, seien eine wichtige Zielgruppe des Gedenkens. Denn manche wüssten gar nicht, dass Deutschland mal geteilt war, so Dücker, der Schüler getroffen habe, Abiturienten, die zum ersten Mal von ihm von der deutschen Teilung, der Mauer und der Wiedervereinigung hörten.

Die Schülerinnen Elisa, Mia und Lara der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin  Sabine Weiss (am Mikro) © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Schülerinnen Elisa, Mia und Lara der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin Sabine Weiss (am Mikro) © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch Gemeinschaftskunde-Lehrerin Sabine Weiss musste erstmal lernen, „dass dieses Thema für die Schüler, die um 2003/2004 geboren sind, ein geschichtliches Thema ist wie der 2. Weltkrieg und die Französische Revolution auch.“ Wenn man die Schüller damit konfrontiere und so einstige wie es in ihrer Klasse gelungen sei, kämen dann doch ganz schnell die Oma und die Eltern mit ins Spiel, die erzählten. Auf einmal trifft man „irgendwie Bekannte, findet heraus, dass es im Lehrerkreis Fluchtgeschichten gibt, und plötzlich kommt dann eine Nähe auf, die man von Schülerseite her gar nicht für möglich gehalten hätte.“, freut sich die Gemeinschaftskunde-Lehrerin.
Schülerinnen wie Lara sehen das genauso: „Ja, das kann ich auf jeden Fall bestätigen, gerade auch weil wir soviel Kontakt mit Zeitzeugen hatten, auch an der Schule. Wir hatten zwei Lesungen und konnten Fragen stellen, und sind in direktem Kontakt gewesen. Und so etwas ist auf jeden Fall sehr wichtig, damit es eben nicht nur ein Geschichtsthema ist, sondern auch einen persönlichen Bezug bekommt, zu jedem Schüler. Und ich denke, dass ist eigentlich ziemlich gut, Geschehen an unserer Schule durch diese vielen persönlichen Gespräche, wo man dann auch offene Fragen stellen konnte. Und eben auch solche Ausstellungen wie hier“.

Mia hatte das Thema Flucht gewählt, weil sie hörte, dass „die Oma von meiner Freundin damals geflohen ist mit ihren Kindern, und das hat mich halt sehr beschäftigt, weil das ja so aktuell war, und ich mit ihr dann auch geredet habe. Und deswegen habe ich dieses Thema genommen, weil ich es so am interessantesten fand.“

Der Staatsicherheit (SASI) oblag die Überwachung ihrer Bürger, die stets auf der Hut sein mussten, im Alltag, am Arbeitsplatz oder  in der Familie nichts Falsches zu sagen, ob vorsätzlich, unüberlegt oder unterstelltermaßen. Die Überwachung und Ausgrenzung Andersdenkender sind Grundpfeiler aller Diktaturen, Sekten, Fundamentalisten und Extremisten verfahren. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Staatsicherheit (SASI) oblag die Überwachung ihrer Bürger, die stets auf der Hut sein mussten, im Alltag, am Arbeitsplatz oder in der Familie nichts Falsches zu sagen, ob vorsätzlich, unüberlegt oder unterstelltermaßen. Die Überwachung und Ausgrenzung Andersdenkender sind Grundpfeiler aller Diktaturen, Sekten, Fundamentalisten und Extremisten verfahren. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ob die Zeitzeugen jemals daran geglaubt haben , „dass die Mauer überhaupt fallen würde“, wollen die Schülerinnen wissen:
Ich hab‘ das natürlich immer gehofft, verrät Berthold Dücker, „konnte natürlich nicht wissen, ob ich das jemals erleben würde“. Sein alter Vater, Jahrgang, 1909, war da optimistischer: „Du wirst es vielleicht noch erleben“ und dann hat er mit über 80 Jahren, 1989, selbst noch erlebt, dass die Mauer fällt. Nichts sei von Dauer, und „Diktaturen haben alle nur, und das sind unserer Erkenntnisse, eine bestimmte Zeit, die sie existieren“, so Dücker. Danach fragten oft auch die Gäste, wenn sie Point Alpha besuchten, insbesondere die Südkoreaner: „Wann fällt die Mauer zwischen Nord- und Südkorea?“. Auch das wird eines Tages geschehen, stimmt dann Dücker sie optimistisch, weil er eben ganz sicher ist.
Auch Jürgen May hat immer an eine Wiedervereinigung Deutschlands geglaubt. „Was sind 50 oder 100 Jahre in der Weltgeschichte, die Wiedervereinigung wird kommen, aber dass sie so schnell kam, damit habe ich auch nicht gerechnet. Ich war genauso überrascht und deswegen war ich genauso ergriffen, als es dann mit dem Fall der Mauer so schnell ging. Ich glaube, keiner von uns hier drüben hat wirklich gewusst, in welchen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostblock gelebt hat, und dass das Land wirtschaftlich so am Ende war.“

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Der Wettbewerb zur Wiedervereinigung

Die Zeitzeugen mit einem Trabi "Kübel". Im Hintergrund links eine als Volkspolizist gekleidete Schaufensterpuppe. ( v.li.:) Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, Berthold Dücker und Jürgen May eröffneten die Sonderausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gaben den Startschuss zum Foto-Wettbewerb zur Wiedervereinigung.© Foto: Diether v. Goddenthow
Die Zeitzeugen mit einem Trabi „Kübel“. Im Hintergrund links eine als Volkspolizist gekleidete Schaufensterpuppe. ( v.li.:) Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, Berthold Dücker und Jürgen May eröffneten die Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gaben den Startschuss zum Foto-Wettbewerb zur Wiedervereinigung.© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Hessische Staatskanzlei hat sich überlegt, nicht nur eine Ausstellung zu machen mit den Bildern der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sondern auch einen Fotowettbewerb zur Deutschen Einheit veranstalten. Mit Unterstützung des Wiesbadener Kuriers werden Wiesbadener und Hessen eingeladen, ihre persönlichen Bilder vom Mauerfall und/oder Eindrücke davon, wie sie die deutsche Einheit erlebt, an die Hessische Staatskanzlei einzusenden. Aus den eingereichten Fotos (analog oder digital) sollen Collagen erstellt werden, die in einer zweiten Ausstellung, etwa mit dem Titel „Umbruch Ost – Lebenswelten im Wandel“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz gezeigt werden, die Ende September beginnt. Mit der Einsendung versichern die Einsendenden, dass die Bildrechte bei ihnen liegen und die Fotos für die Ausstellung genutzt werden dürfen. Eine unabhängige Jury wird die eindrücklichsten Fotos auswählen.

Die Postadresse für Bilder lautet: An die Hessische Staatskanzlei, z.Hd. Daniela Georgi, Referat PV 32, Georg-August-Zinn-Straße 1, 65183 Wiesbaden.

Mail-Adresse ist: veranstaltungen@stk.hessen.de. Fotos, die uns auf dem Postweg erreichen, werden den Einsendern nach Beginn der Ausstellung wieder zurückgeschickt.
Einsendeschluss ist der 28. August.

Und das gibt es zu gewinnen:

  • Für die besten fünf Einsendungen gibt es wahlweise jeweils für zwei Personen
  • eine exklusive Führung durch die Wiesbadener Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten inklusive eines Treffens mit Volker Bouffier.
  • oder Gutscheine für ein Wochenende in Wiesbaden „Wiesbaden erleben“ inkl. Übernachtung im Town-Hotel für zwei Personen, Frühstück, Wiesbaden Card, Eintritt ins Stadtmuseum etc.
  • Außerdem verschenken wir Fotobände: „Spurensuche entlang der Grenze“, hrsg. von der Hessischen Staatskanzlei, Wiesbaden 2019.
Information zur Gedenkstätte Point Alpha

Die Gedenkstätten Piont Alpha und Schüsslersgrund sollte jede Schülergeneration wenigstens einmal im Leben besuchen, um auch gefühlsmäßig die Geschichte von der Teilung Deutschlands, der sozialistischen SED-Diktatur in der DDR mit 28 Jahren Fluchtgeschichte und schließlich der friedlichen Revolution für die Freiheit aufnehmen zu können. Wem dies gelingt, dürfte gegen falsche verführerische Versprechungen und Fake-News von Populisten,  Ideologen, Predigern und Extremisten gewappnet sein.

siehe auch „Freiheit für das Wort“

Kinski-Fotograf Beat Presser zeigt Auszüge seiner viel beachteten Berlin-Ausstellung zum Neuen Deutschen Film in Simmern / Hunsrück. Live zu Gast im Werkgespräch am 10. August.

Beat Presser ist einer der berühmtesten Fotografen der Welt, die sich mit Film und Kino beschäftigen. Bekannt wurde er vor allem als Kameraassistent und Setfotograf von Werner Herzogs FITZCARRALDO, als er die extravaganten Wutausbrüche von Klaus Kinski dokumentierte und damit „Filmgeschichte fotografierte“.

Mit dem Neuen Deutschen Film – den Autorenfilmern der 1960er und 70er Jahre, zu denen Edgar Reitz maßgeblich zählt – hatte Beat Presser stets eine enge Verbindung. Zuletzt veröffentliche Beat Presser zwei Bücher („Aufbruch ins Jetzt“ und „Vor der Klappe ist Chaos“) mit Fotografien und Geschichten über die VertreterInnen des Neuen Deutschen Films und zeigte seine eindrücklichen Fotografien bei einer umfassenden und vielgelobten Werkschau im Februar 2020 im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

Auszüge aus dieser Ausstellung mit Fotos der wichtigsten WegbegleiterInnen von Edgar Reitz kommen nun in den Hunsrück und sind vom 9. August bis 6. September 2020 in den Fenstern des Erdgeschosses im Simmerner Rathaus zu sehen. Die Ausstellung ist rund um die Uhr und ganz corona-gerecht von außen zu betrachten.

Beat Presser wird bei den HEIMAT EUROPA Filmfestspielen auch persönlich zu Gast sein. Am Montag, 10. August ist er im Gespräch mit Festspielleiter Urs Spörri zu seinen Erlebnissen in der Filmgeschichte.

Die Filmfestspiele präsentieren dabei am 10. August als Vorfilm zu 800 MAL EINSAM – EIN TAG MIT DEM FILMEMACHER EDGAR REITZ den Kurzfilm BERG-e ODER DIE LEIDEN DES e-SYPHUS, das Erstlingswerk von Beat Presser aus dem Jahr 1977.
Beat Presser -„VOR DER KLAPPE IST CHAOS“ | Fotografien zum Neuen Deutschen Film | ARTHAUS AM RATHAUS Simmern | 9. August bis 6. September 2020 | Rathaus Simmern

10. August 2010, um 20.15 Uhr: Werkgespräch Beat Presser mit Festspielleiter Urs Spörri sowie Edgar Reitz zu ihren gemeinsamen Erlebnissen in der Filmgeschichte. Anschließend Kurzfilm BERG-e ODER DIE LEIDEN DES e-SYPHUS, das Erstlingswerk von Beat Presser aus dem Jahr 1977, als Vorfilm zu 800 MAL EINSAM – EIN TAG MIT DEM FILMEMACHER EDGAR REITZ von Anna Hepp. Musikalisch präsentiert sich an dem Abend die Band „New Orleans Dudes“.

Mehr Infos unter: https://www.heimat-europa.com

© Pro-Winzkino Hunsrück e.V.
© Pro-Winzkino Hunsrück e.V.

HEIMAT EUROPA Filmfestspiele finden vom 9. August bis 6. September in Simmern statt. An 29 Tagen werden 39 Filme gezeigt – im Autokino und als das erste „analoge“ Filmfestival deutschlandweit seit Corona. Tickets sind bereits im Vorverkauf erhältlich bei der Touristinfo und beim Wochenspiegel in Simmern sowie online erhältlich unter: https://www.heimat-europa.com/ und https://www.pro-winzkino.de

Die HEIMAT EUROPA Filmfestspiele werden veranstaltet von der Stadt Simmern. Ausrichter ist das Pro-Winzkino Simmern. Die Filmfestspiele werden als Teil des Kultursommer Rheinland-Pfalz vom Land Rheinland-Pfalz sowie von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptsponsoren sind DFH – Deutsche Fertighaus Holding AG, ERO-Gerätebau GmbH, innogy SE, Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, Scherer Automobil Holding GmbH & Co. KG und die Volksbank Hunsrück-Nahe eG. Weitere Förderer, Partner und Sponsoren sind: Gelobtes Land – Imagekampagne zur Fachkräftesicherung im Rhein-Hunsrück-Kreis, CulturisSIMmo – Kulturverein der Stadt Simmern/Hunsrück und der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen, Lions Club Hunsrück, Rotary Club Simmern-Hunsrück, Stadt Kirchberg, LandFrauenverband Rhein-Hunsrück, Hunsrück Classic, Pulligfilm, JWAcoustics.

Cirque Bouffon verschiebt sein Gastspiel in Wiesbaden auf 2021

Cirque Bouffon wird in Kürze die neuen Veranstaltungs-Termine in 2021 mitteilen. Es ist insbesondere die den Zirkus und seine Leute eine - vor allem finanziell - nicht einfache Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow
Cirque Bouffon wird in Kürze die neuen Veranstaltungs-Termine in 2021 mitteilen. Es ist insbesondere die den Zirkus und seine Leute eine – vor allem finanziell – nicht einfache Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow

Aufgrund der Corona-Reglungen für Kulturveranstaltungen muss der Cirque Bouffon sein Gastspiel in Wiesbaden/Mainz-Kastel im Oktober absagen.

„Wir haben in diesem Jahr noch kein einziges Gastspiel realisieren können und wir waren hoffnungsvoll, dass sich die Lage bis zum Herbst verbessern würde, so dass wir nach Wiesbaden kommen könnten. Wir sind sehr traurig, aber die strengen Corona-Auflagen verursachen für uns immense Mehrkosten, die wir als kleine Kompagnie nicht tragen können. Das finanzielle Risiko ist einfach zu groß, erklärt Frederic Zipperlin, Direktor des Cirque Bouffon.

Die Kompagnie plant nun ihr Gastspiel auf Herbst 2021 zu verschieben. Momentan laufen die Absprachen mit der Stadt und in Kürze wird das Bouffon-Team den neuen Termin für das Gastspiel 2021 bekanntgeben

Bereits erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit und können – sobald der neue Termin feststeht gegen neue Karten umgetauscht werden. Cirque Bouffon wird darüber informieren, sobald das Umtauschen der Karten möglich ist. Zudem gibt es auf www.cirque-bouffon.com sowie bei Facebook stets alle Neuigkeiten.

Bouffon-Direktor Frederic Zipperlin ist trotz der schwierigen Situation optimistisch und appelliert an sein Publikum: „Es ist für uns alle eine neue, nicht berechenbare Situation, die uns alle verunsichert und für uns auch finanziell nicht einfach ist. Doch wir setzen alles daran, euch weiter mit unseren Shows verzaubern und im Herzen berühren. Daher hoffen wir, bald wieder unser Chapiteau für euch öffnen zu dürfen. Bis dahin bleibt bitte alle gesund, mutig und guter Dinge!!!“

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