Kategorie-Archiv: Landesmuseum Mainz

Die Metamorphose vom Bauhaus-Schüler Theodor Bogler – vom Töpfer, Kaufmann zum Mönch – – Vortrag im Landesmuseum Mainz

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Vom Bauhaus-Schüler zum Kaufmann, vom Leiter der Keramikwerkstatt zum Mönch samt Priesterweihe: Die Biografie von Theodor Bogler hat zweifellos spannende Wendungen zu bieten. Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) befassen sich Katharina Brellochs und Bruder Stephan Oppermann OSB am 15. Oktober 2019 ausführlich mit dem Wirken des ausgebildeten Töpfers. Brellochs stellt die Wiesbadener Architektenfamilie Bogler vor und beleuchtet insbesondere das Leben von Theodor. Stephan Oppermann, Nachfolger Boglers in der Leitung der Keramikwerkstatt in Maria Laach, erläutert vor originalen Exponaten den Zusammenhang von Boglers Formensprache und der von ihm eingesetzten Produktionstechnologie, dem damals neuartigen Gießverfahren für Keramik. Zudem stellt er seine Erfahrungen aus der Auseinandersetzung mit den Boglerschen Vorbildern dar und schildert, wie jene heute umgesetzt oder neu interpretiert werden können.
Theodor Bogler gehörte zu den ersten Schülern am Staatlichen Bauhaus Weimar. Bald schon übernahm er Verantwortung im kaufmännischen Bereich und stellte Kontakte zur freien Wirtschaft her, für die er Entwürfe für Alltagsgegenstände lieferte. Auch nachdem er 1927 in das Benediktinerkloster Maria Laach in der Eifel eingetreten war und die Priesterweihe erhalten hatte (1932), wirkte er weiterhin als Keramiker. In der Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ sind Kannen, Vorratsbehälter und Vasen von ihm zu sehen.

Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 15. Oktober, 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Termine des Landesmuseums Mainz im Oktober 2019

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

FR 04.10. | 11.00 – 13.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Hedi Schon, Glasgestalterin

FR 04.10. | 15.00 – 17.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Thomas Heinz, Goldschmiedemeister

SA 05.10. | 10.00 – 18.00
Kunsthandwerkermarkt „Vom Feinsten“

SA 05.10. | 12.00 – 14.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Susanne Bartram, Keramikmeisterin

SA 05.10. | 13.00 – 15.30
Fahrradtour zu den bauten der moderne in mainz
› Dr. Frithjof Schwartz
› Tickets unter: gaestefuehrung@mainzplus.com

SO 06.10. | 10.00 – 18.00
Kunsthandwerkermarkt „Vom Feinsten“

SO 06.10. | 12.00 – 14.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Susanne Bartram, Keramikmeisterin

SO 06.10. | 14.00 – 16.00
Familiensonntag
› Familienführung um 14.30 Uhr
› bauhaus Mobile

DI 08.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 08.10. | 18.00
Vortrag zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab Herbst 2020)
› St. Johannis – Zum Stand der archäologischen Forschungen in einer der ältesten Mainzer Kirchen
› Dr. Guido Faccani

DO 10.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

SA 12.10. | 13.00 – 15.30
Fahrradtour zu den bauten der moderne in mainz
› Dr. Frithjof Schwartz
› Tickets unter: gaestefuehrung@mainzplus.com

SA 12.10. | 19.00
Konzert der Villa Musica: Mozart und Italien
› Karten unter: www.villamusica.de

SO 13.10. | 10.00 – 17.00
Infostand des Landesmuseums Mainz auf dem Mainzer Wissenschaftsmarkt „Mensch und Mobilität“

SO 13.10. | 15.00
Kunst gucken – Kinderführung
› Blau!

DI 15.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 15.10. | 15.00 – 17.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Dorothee Wenz, Keramikerin

DI 15.10. | 18.00
Vortrag zur Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“
› Theodor Bogler, bauhaus-Schüler und Prior von Maria Laach
› Katharina Brellochs und Br. Stephan Oppermann OSB

DO 17.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DO 17.10. | 15.00 – 17.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Keramikgestaltung
› Arthur Mueller, Keramikmeister

SA 19.10. | 14.00 – 16.00
Offenes Atelier – Die Mitmachwerkstatt für Groß und Klein ab 6 Jahren
› Eine Blume für die Kunst

SA 19.10. | 15.00
Führung „bauhaus begreifen“ mit dem Sammler Sebastian Jacobi

SA 19.10. | 17.00 – 18.00
gnä‘ frau haben geläutet?
› 3 x klingeln zu Gast im Landesmuseum – eine Führung zum (bildungs)bürgerlichen bauhaus

SO 20.10. | 16.00
Ausstellungseröffnung: „Egon Hartmann und der Wiederaufbau von Mainz“

DI 22.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 22.10. | 18.00
Vortrag zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab Herbst 2020)
› Die Judenverfolgungen des Mittelalters und die SchUM-Gemeinden: Aufstieg aus Ruinen?
› Dr. Christoph Cluse

DO 24.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DO 24.10. | 15.00 – 17.00
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Keramikgestaltung
› Arthur Mueller, Keramikmeister

SO 27.10. | 15.00
Kuratorenführung durch die Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“
› Dr. Eva Brachert

DI 29.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

DI 29.10. | 16.00 – 17.30
Führung durch die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Bernd Roeter, Diplom-Designer

DI 29.10. | 18.00
Talkrunde zur Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“
› Lebenswert? – Gute Gestaltung im Alltag

DO 31.10. | 12.30 – 13.00
KiM – Kunst in der Mittagspause

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.

Im Landesmuseum Mainz: Vortrag zu Baugeschichte und Forschungsstand der mittelalterlichen Kirche St. Johannis am 8.10.

Das Kircheninnere von St. Johannis mit Blick auf den freigelegten Sarkophag ©  EKHN, Dekanat Mainz / IBD Marburg
Das Kircheninnere von St. Johannis mit Blick auf den freigelegten Sarkophag © EKHN, Dekanat Mainz / IBD Marburg

Kaum eine archäologische Entdeckung hat die Mainzer Bevölkerung und die wissenschaftliche Fachwelt in ganz Deutschland in den letzten Jahren so in Atem gehalten wie jene in der Johanniskirche. Inzwischen geht man davon aus, dass der Bau tatsächlich der Alte Dom von Mainz ist. Über den aktuellen Stand der archäologischen Forschungen in der mittelalterlichen Kirche referiert Dr. Guido Faccani, der die wissenschaftliche Forschungsleitung in St. Johannis innehat, bei einem Vortrag am 8. Oktober im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). St. Johannis spielt als Originalschauplatz auch eine wichtige Rolle bei der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“, die im September 2020 im Landesmuseum Mainz startet.

Als Experte für Kunstgeschichte und sakrale Bauten der Spätantike und des frühen Mittelalters skizziert Faccani bei seinem Vortrag die archäologischen und bauforscherischen Untersuchungen, die 2013 mit dem überraschenden Fund von Resten eines historischen Fußbodens aus dem 7./8. Jahrhundert ihren Anfang nahmen. Während die Frühgeschichte des Bauplatzes noch kaum erforscht ist, darf man davon ausgehen, dass die zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert errichtete Großarchitektur Grundlage der weiteren Entwicklung ist. Mehrere ihrer Räume legte man frühestens im 5. oder 6. Jahrhundert zu einem dreischiffigen Pfeilerbau zusammen, der vermutlich als Kirche genutzt wurde. Für großes Aufsehen sorgte erst kürzlich die Öffnung eines 1.000 Jahre alten Sarkophags.

St. Johannis ist eine der ältesten Mainzer Kirchen und die nach dem Trierer Dom wohl zweitälteste erhaltenen Bischofskirche auf deutschem Boden. Der „Alte Dom“ diente als Krönungsort für die Könige Heinrich II. (1002) und Konrad II. (1024).

Der Vortrag „St. Johannis – Zum Stand der archäologischen Forschungen in einer der ältesten Mainzer Kirchen“ ist Teil der breit angelegten Vortragsreihe zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ und beginnt am Dienstag, 8. Oktober, um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Als das Industrie-Design zur Massenproduktion erfunden wurde – Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ ab 15.09.2019 im Landesmuseum Mainz

Landesmuseum Mainz feiert 100 Jahre Bauhaus. ©  Foto: Diether  v Goddenthow Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ startet am 15. September.
Landesmuseum Mainz feiert 100 Jahre Bauhaus. © Foto: Diether v Goddenthow
Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ startet am 15. September.

Die Ausstellung „bauhaus – form und reform“, die am 15.09.2019 bis zum 19. Januar 2020 im Landesmuseum Mainz ihre Pforten öffnet, schließt eine wichtig Lücke: Denn erstmals wird anhand ausgewählter Gebrauchsgüter „Dinge des Alltags“ die Entwicklung von kunsthandwerklicher und handwerklicher Herstellung hin zur bauhaus-intendierten industriellen Fertigung und Massenproduktion gezeigt.

Wer „Bauhaus“ verstehen möchte, kommt an der Mainzer Ausstellung „bauhaus – form und reform – von der reformbewegung des kunstgewerbes zum wohnen mit ikonen“ nicht vorbei. Denn selten wird vor dem Hintergrund der vielfältigen handwerklichen Wurzeln so unideologisch dargestellt, was Bauhaus im Kern war und bewirkt hat, nämlich eine kollektiv angelegte Lebensstil- und Geschmacksumschulung zum schnörkellosen, effizienten Nützlichkeits-Design (Industrie-Design) mit Auswirkungen in alle Bereiche des Lebens, Wohnens und der Kunst. Erst diese extreme  Vereinfachung (Kreis, Quadrat und Pyramide), Normung und Standardisierung von Produkten und die Möglichkeit ihrer Zerlegung in Einzelteile erlaubte eine preiswertere Industrie- und Retorten-Produktion von Alltagsgegenständen bis hin zum Hausbau (Plattenbau). Die  handwerkliche und kunsthandwerkliche Herstellung von Produkten wurde zusehends abgelöst, der Prozess dauert an bis heute, wo wir gleichzeitig das Aussterben alter Handwerke beklagen. Ob diese Walter Gropius letztlich wirklich so gewollt hatte und ob es ihm tatsächlich gelungen war, „die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wiederzubeleben“ muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden.

Die Ausstellung beleuchtet, worauf Bauhaus aufgebaut hat und zeigt so auch ausgesuchte Objekte nach Entwürfen von Henry van de Velde, „Sezessions-Schreibtisch“, 1899. Heinrich Ludwig Rohde (1683–1755), Schreibsekretär; sowie andere Highlights der Handwerkskunst, bevor Besucher die allmähliche Vereinfachung der "Dinge des Alltags" erleben können. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Die Ausstellung beleuchtet, worauf Bauhaus aufgebaut hat und zeigt so auch ausgesuchte Objekte nach Entwürfen von Henry van de Velde, „Sezessions-Schreibtisch“, 1899. Heinrich Ludwig Rohde (1683–1755), Schreibsekretär; sowie andere Highlights der Handwerkskunst, bevor Besucher die allmähliche Vereinfachung der „Dinge des Alltags“ erleben können. © Foto: Diether v Goddenthow

Unabhängig dieser Frage entwickelte sich die 1919 von Walter Gropius als Kunstschule in Weimar gegründete Bildungsstätte zu einer der einflussreichsten Gestaltungs- und Umdenkungs-Schmieden des 20. Jahrhunderts weltweit. „Ohne das Bauhaus wäre unser Verständnis von moderner Architektur und modernem Design heute ein  anderes“, ist sich Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, sicher, „zugleich steht das Bauhaus als Bewegung auch im Zeichen des Weimarer Reformgedankens. Die Ausstellung berücksichtigt sowohl den handwerklich-künstlerischen Aspekt als auch die gesellschaftlichen Hintergründe gleichermaßen“.

Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, ergänzt: „Wir zeigen, dass das Bauhaus weitaus mehr ist als geradlinige Formen und zeitloses Design. Die Ausstellung nähert sich dem Phänomen und der Wirkung des Bauhauses unter kultur-, zeit- und sozialgeschichtlichen Gesichtspunkten – und betritt damit zugleich Neuland in der Vermittlung der Thematik“, so Heide.

Ziel der Ausstellung im Landesmuseum Mainz ist es, die Bauhaus-Idee anhand von Alltagsgegenständen nach Entwürfen von Bauhaus-Meistern und -Schülern vorzustellen. In nur 14 Jahren – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste sie sich 1933 zur Wahrung ihrer Ideale selbst auf – erlangte die legendäre Kunstgewerbeschule mit ihrer stilbildenden und reduzierten Formensprache eine solch enorme Bedeutung, dass der Begriff Bauhaus bis heute häufig mit der Moderne in Architektur, Design und Alltagsdingen gleichgesetzt wird. Klare Linien, rechte Winkel, Verzicht auf Ornamente, Funktionalität und serielle Fertigung sind die wesentlichen Merkmale, die mit der Marke Bauhaus verbunden sind. Vor allem die Massenproduktion von Alltagsgegenständen, die mit der Anpassung der Formen an die industrielle Fertigung möglich wurde, greift einen wichtigen Reformgedanken der Weimarer Zeit auf: die Lebensumstände von Menschen in der Industriegesellschaft zu verbessern.

Ein Herzstück des Bauhauses war die Herstellung von prototypischen Gebrauchsgegenständen für die serienmäßige industrielle Massenproduktion, hier symbolisch zu betrachten an entwickelten Gießformen für Ton- und Prozellanwaren für die Geschirrerstellung. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ein Herzstück des Bauhauses war die Herstellung von prototypischen Gebrauchsgegenständen für die serienmäßige industrielle Massenproduktion, hier symbolisch zu betrachten an entwickelten Gießformen für Ton- und Porzellanwaren für die Geschirrerstellung. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung „bauhaus – form und reform“ präsentiert rund 150 Exponate aus verschiedenen Bauhauswerkstätten, darunter Hausrat, Möbel, Lampen sowie theoretische Schriften und Werbung aus der Zeit von 1900 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Sonderschau zeigt zunächst die Entwicklung zur Bauhaus-Idee ausgehend vom Gedankengut des Deutschen Werkbundes und stellt diverse Handwerksbetriebe aus dem Mainzer Raum und dem heutigen Rheinland-Pfalz vor, die bereits im späten 18. Jahrhundert begannen, auf Manufakturarbeit umzusteigen und zu Vorreitern der industriellen Massenproduktion wurden. In der Ausstellung lässt sich die Entwicklung der Bauhaus-Idee von den Vorläufern bis zu ihrer Realisierung und ihrer Nachwirkung bis in die Gegenwart nachvollziehen. Die Besucherinnen und Besucher können den Wandel vom Handwerk bis zum Industriedesign miterleben und mehr über die Reformbewegung des Kunstgewerbes erfahren, die seit 1900 auch zu einer Reform des gesellschaftlichen Zusammenlebens wurde. „Die Ausstellung bietet darüber hinaus zum ersten Mal Gelegenheit, nicht nur das führende Mainzer Handwerk zu thematisieren, sondern auch die Position der Mainzer Kunstgewerbeschule in der Reformbewegung darzustellen“, erläutert Dr. Eva Brachert, die die Ausstellung gemeinsam mit Gernot Frankhäuser und dem Privatsammler Sebastian Jacobi kuratiert hat.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werkstätten und Ateliers des Bauhauses – dort, wo sich alle Reformgedanken bündelten und Entwürfe für konkrete Massenprodukte entstanden sind. Die funktionale Gestaltung von Alltagsgegenständen aus Bereichen wie Tischlerei, Metallverarbeitung oder Keramikwerkstatt steht sinnbildlich für ein modernes, neues Leben nach dem Ersten Weltkrieg. Verschiedene prototypische Entwürfe aus den Bauhaus-Werkstätten wurden von unterschiedlichen industriellen Produzenten hergestellt und vermarktet. So zeigt die Ausstellung, dass sich die Bauhaus-Idee in einem zeitlosen Design ausdrückt, das alle Entwürfe miteinander verbindet. Dieses Design wird zum Ausdruck eines modernen Lebensstils, der in den 1920er-Jahren entsteht und sich heute als ein liberaler und weltoffener Stil fest in der modernen Gesellschaft etabliert hat.

Wunderbares zeitloses Bauhaus-Design. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Wunderbares zeitloses Bauhaus-Design. © Foto: Diether v Goddenthow

Rheinland-Pfälzische Privatsammlungen mit dem Schwerpunkt Bauhaus und zahlreiche Museen stellen Leihgaben zur Verfügung, ohne die eine Realisierung der Ausstellungsidee nicht möglich gewesen wäre. Hauptleihgeber der Ausstellung ist die Sammlung Sebastian Jacobi aus Bad Ems, der 36 Objekte aus dem Bauhaus-Umfeld beisteuert.
„bauhaus – form und reform. Von der Reformbewegung zum Wohnen mit Ikonen“ ist vom 15. September 2019 bis 19. Januar 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen.
Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Wir machen Geschichte lebendig

 

Rahmenprogramm

Die Sonderausstellung „bauhaus – form und reform. von der reformbewegung zum wohnen mit ikonen“ wird begleitet von einem vielfältigen Rahmenprogramm – bestehend aus Führungen, Vorträgen, Fahrradtouren zu modernen Bauten in Mainz, Familienangeboten sowie After Work-Events wie einer Bauhaus-Filmnacht und Workshops mit Designern, Handwerkern und Künstlern.

führungen

Den Auftakt des Rahmenprogramms bildet eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung am 17. September um 18 Uhr, die nochmals am 5. und 26. November sowie am 10. und 17. Dezember und im neuen Jahr am 7. Januar angeboten wird (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro). Zudem vertiefen weitere Führungen einzelne Aspekte des Bauhauses: Am 19. Oktober steht um 17 Uhr das Thema „Dreimal klingeln zu Gast im Landesmuseum – eine Führung zum (bildungs)bürgerlichen bauhaus“ auf dem Programm (Eintritt frei; nähere Infos zu dem Format unter www.dreimalklingeln.de); Gernot Frankhäuser referiert am 10. November um 11 Uhr über „Neue Europäische Grafik – Die Bauhaus-Mappen“ und führt am 3. Dezember durch die Kabinettausstellung „Köpfe der 20er Jahre“. Darüber hinaus bietet das Landesmuseum Mainz Sammlerführungen für Familien und Erwachsene mit Sebastian Jacobi an (Die Termine: 19. Oktober, 30. November, 14. Dezember, 11. Januar 2020, jeweils um 15 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro; Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de). Spannende Einblicke versprechen zudem die Kuratorenführungen mit Dr. Eva Brachert am 27. Oktober und 24. November,

jeweils um 15 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro; Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de). Bei der Finissage am 19. Januar stehen ab 11 Uhr stündlich nochmals fünf Kurzführungen auf dem Programm (Eintritt frei).

vorträge

Das Rahmenprogramm hält auch drei spannende Vorträge bereit. Am 24. September spricht Dr. Benjamin Rux vom Lindenau-Museum um 18 Uhr über „Neue Europäische Grafik – Die bauhaus-Mappen“. Katharina Brellochs und Br. Stephan Oppermann OSB widmen sich am 15. Oktober um 18 Uhr dem bauhaus-Keramiker Theodor Bogler. Am 12. November ebenfalls um 18 Uhr beschäftigt sich Dr. Uta Schmitt aus Heidelberg mit dem Thema „Carl Flieger – vom Absolventen der Mainzer Kunstgewerbeschule zum bauhaus-Architekten“. Der Eintritt zu den drei Vorträgen ist frei.

fahrradtouren

Ein bisschen Bewegung gepaart mit kultureller Bildung versprechen die „fahrradtouren zu den bauten der moderne in mainz“ mit Dr. Frithjof Schwartz. Die Radler treffen sich am 21. September, 5. und 12. Oktober jeweils um 13 Uhr am Landesmuseum. Tickets gibt es über gaestefuehrung@mainzplus.com, telefonisch unter 06131-242827 oder im Landesmuseum. Alle Teilnehmer müssen ihr eigenen Fahrrad und einen Helm mitbringen. Der Besuch der Ausstellung ist im Preis inbegriffen.

familienprogramme

Selber gucken und selber machen lautet die Devise bei den drei Angeboten für Kinder und Familien. Am 22. September steht das beliebte Format „Kunst gucken – Die Kinderführung“ unter dem Motto „bauhaus für dich“ (Beginn: 15 Uhr). „bauhaus für alle“ heißt es am 6. Oktober beim Familiensonntag. Los geht es um 14.30 Uhr (Kosten: 1 Euro pro Person). Zudem hält das Familienprogramm noch die Veranstaltung „bauhaus für uns“ im Rahmen der Reihe „Offenes Atelier – die Mitmachwerkstatt“ am 9. November um 14 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 1 Euro) bereit.

after work – am ende der arbeitswoche ins museum

Abgerundet wird das Rahmenprogramm durch verschiedene Events am Ende einer Woche. Den Auftakt bildet die „film.ab.bauhaus“-Filmnacht am 20. September von 17 bis 22 Uhr. Bei Workshops mit Designern, Handwerkern und Künstlern können die Teilnehmer entdecken, wo das bauhaus in unserem Alltag auftaucht. Die Veranstaltung „mein bauhaus“ beginnt am 2. November um 17 Uhr. Spannende „blicke hinter die kulissen“ verspricht Filmemacher Utz Kastenholz, der am 29. November erläutert, wie er dem Phänomen Bauhaus in Rheinland-Pfalz auf die Spur kam. Im Rahmen der Veranstaltung wird es anschließend weihnachtlich, wenn der bauhaus-adventskalender-weihnachtsbaum mit Poesie und Prosa begrüßt wird. Beginn ist um 17 Uhr. Unter dem Motto „was bauhaus isst“ demonstriert Dr. Frithjof Schwartz am 10. Januar 2020 ab 17 Uhr an Toastern und anderen Haushaltsgeräten die Entwicklung des deutschen Ingenieurdesigns zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Beginn ist um 17 Uhr. An allen Abenden werden Kurzführungen durch die bauhaus-Ausstellung angeboten. Munkepunkes Bowlen- und Sektbar hat zu allen Terminen geöffnet. Es gilt der normale Museumseintritt, Getränke müssen extra bezahlt werden.

Anmeldung zu allen after work-Veranstaltungen unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de

 

Katalog zur Ausstellung
unbedingt empfehlenswert zur Begleitung, Nacharbeit, aber auch zum Verschenken:

bauhaus – form und reform
von der reformbewegung zum wohnen mit ikonen
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.)
bearbeitet von Eva Brachert
192 Seiten, 154 Abbildungen
20 x 21 cm, gebunden
Erschienen im E.A. Seemann Henschel Verlag Leipzig
Museumsausgabe 25,00 Euro
ISBN: 978-3-86502-426-8

Walter Gropius gründete 1919 in Weimar die Hochschule für Kunst und Architektur, an der das Bauhaus-Design entstand. Der Katalog zur Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ zeigt, welche Vorläufer es gab und wie die Entwicklung der legendären Kunstgewerbeschule verlief. In der Publikation werden sowohl Alltagsgegenstände der bekannten deutschen Produktdesigner Wilhelm Wagenfeld und Marianne Brandt, als auch Objekte von Architekten und Designern wie dem Belgier Henry van de Velde oder dem Deutschen Egon Eiermann präsentiert.
Der Katalog enthält darüber hinaus Essays, die den Ursprung der Bauhaus-Idee skizzieren und weiterverfolgen bis zu den Wohn-Ikonen der Gegenwart. So werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gestaltungsideen der vergangenen 100 Jahre in dem Bildband dargestellt, der auch als Begleitbuch in der Ausstellung gedacht ist.
Mit Objekten u. a. von: Alvar Aalto, Peter Behrens, Theodor Bogler, Marianne Brandt, Christian Dell, Erich Dieckmann, Egon Eiermann, Marguerite Friedlaender, Walter Gropius, Otto Lindig, Gerhard Marcks, Ludwig Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer, Henry van de Velde, Wilhelm Wagenfeld.

„viele wege – ein ziel“ 50 Jahre Berufsverband Kunsthandwerk: Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz

„viele wege – ein ziel“ 50 Jahre Berufsverband Kunsthandwerk: Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz - Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
„viele wege – ein ziel“ 50 Jahre Berufsverband Kunsthandwerk: Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz – Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Der Berufsverband Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen und zeigt aus diesem Anlass vom 10. September bis 3. November im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) die Sonderausstellung „viele wege – ein ziel“. Präsentiert wird zeitgenössisches Kunsthandwerk aus Rheinland-Pfalz mit ausgewählten Exponaten von 68 Gestaltern, von denen eine Vielzahl mit wichtigen Preisen des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden sind. „Wir wollen mit unserer Ausstellung visualisieren, was war, was ist und was die Zukunft bringt“, so der Vorsitzende des Berufsverbandes, Bernd Roeter.

Mit Kunsthandwerk den Alltag erleichtern, verschönern und beflügeln
Bei der Eröffnung am 8.September betonte Daniela Schmitt, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz, dass sich seit Gründung des Berufsverband Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz e.V. (Bkrlp) vor 50 Jahren, im Jahr 1969 als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat und die 68er Bewegung auf dem Höhepunkt war, auch im Handwerk sehr viel verändert habe. Die Jubiläums-Ausstellung „Viele Wege – ein Ziel“ zeige dies, auch neue Materialien und Materialmixe.
Es seien unsere Kunsthandwerker, die sowohl damals als auch heute auf beeindruckende Art und Weise ihre handwerklichen Fähigkeiten mit Design kombinieren und somit das tägliche Leben manchmal vereinfachten, gestalteten, aber auch schmückten und unseren Alltag in vielfacher Hinsicht erleichtern, verschönern und beflügeln, so die Staatssekretärin.

Landesmuseum guter Ort für Kunsthandwerk-Ausstellungen

Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, betonte, dass das Jubiläum des Berufsverband Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz e.V. ja nicht die erste Zusammenarbeit sei. Diese kunsthandwerklichen Ausstellungen seien im Landesmuseum gut aufgehoben, da sie, so Dr. Heide, viele verschiedene Anbindungen mit den Exponaten in praktisch allen Abteilungen und Sammlungsbereichen des Landesmuseums aufzeigten, nämlich: von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert hinein, mit historischen Techniken und Anwendungen, „die teilweise auch heute immer noch genauso angewendet werden wie vor vielen Jahrhunderten“, so die Museumsdirektorin. Besucher fänden im Landesmuseum Mainz ebenso kunsthandwerkliche Beispiele, wie etwa, dass Mainz ein Zentrum des Möbelbaus im 18. Und 19. Jahrhundert gewesen sei, sowie Sammlungen zum Jugendstil, Höchster Porzellan und die Keramiksammlung des Landes Rheinland-Pfalz. Sie alle zeigten, so Dr. Heide, die vielfältigen Aspekte und Parallelen des alten und des modernen Kunsthandwerks. Und parallel zur Ausstellung „viele wege – ein ziel“ würde ab dem 15. September bis zum 19. Januar 2019 die Ausstellung „bauhaus – form und reform“ zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus präsentiert, „die die Entwicklung vom individuellen Handwerk zum Industrie-Design nachvollzieht“, und damit ähnliche Themen anspräche, wie die aktuelle „viele wege – ein ziel“.

Das Deutsche Kunsthandwerk zu einer echten Marke machen

Bettina Franz, Präsidentin des Bundesverband Kunsthandwerk e.V. (BK), zeigte auf, dass die einfache Gleichung „Handwerk plus Kunst gleich Kunsthandwerk“ heute wohl nicht mehr aufginge. Bei der Frage aber, was denn Kunsthandwerk sei, müsse man mindestens bis ins deutsche Mittelalter zurückblicken. In dieser Zeit fände man „Handwerker, die die Luxusbedürfnisse weltlicher und geistlicher Herren befriedigten“ und die „sich noch ganz unbestraft als Künstler fühlen konnten“. Die Künstler seien stolz gewesen auf ihre handwerklichen Fähigkeiten und ihr handwerkliches Wissen, “dessen Geheimnisse sie eifersüchtig hüteten, damit sie nicht von anderen gestohlen wurden. Das Problem der Werksspionage gab es damals schon.“

Begriff aus der Zeit des Mittelalters?

Aus dieser Zeit des Mittelalters würde der Begriff des Kunsthandwerks wohl herrühren, „den die deutsche Handwerksordnung überhaupt nicht kennt.“ „Auch ansonsten weiß ihn so recht niemand zu schätzen oder einzuschätzen, weder die Museumsleute noch die Galeristen, weder die Wissenschaftler, und am allerwenigsten die Kunsthandwerker selbst“. Die BK-Präsidentin bedauerte, dass es in Deutschland nicht wirklich gelungen sei, „das deutsche Kunsthandwerk zu einer echten Marke auszubauen“.
So müsse „der Begriff des Kunsthandwerks immer wieder neu erläutert und definiert und die Auseinandersetzung um die Qualität der kunsthandwerklichen Produkte immer wieder geführt werden“, so Franz, die unterstrich, dass dies kaum besser geschehen könne, als mit kunsthandwerklichen Ausstellungen „wie die, die heute eröffnet wird“.
Die Jubiläumsausstellung „Viele Wege – ein Ziel“ zeige „das funktionale Schöne in all seinen Facetten und mache einmal mehr deutlich, dass Kunsthandwerk aus wahrer Könnerschaft resultiert, einer Könnerschaft, die aus der Meisterschaft meisterhafter Beherrschung des Materials resultiert, in Kombination in der perfekten Anwendung der handwerklichen Techniken sowie der herausragenden Gestaltungs- und Innovations-Kraft des Kunsthandwerks“, so die BK-Präsidentin. Sie wies darauf hin, dass diese hohe Könnerschaft heutzutage in der Regel durch eine umfassende handwerkliche Ausbildung und ein anschließendes Designstudium und immer wieder und vor allem auch durch eine langjährige Praxis erworben werde.

Die unerträgliche Arroganz  „der“ Mainstream-Kunstszene gegenüber Kunsthandwerk

Umso empörter zeigte sich die langjährige ehemalige Leiterin des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen, Monika Gass, über die Arroganz so mancher Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene gegenüber dem Kunsthandwerk. Als aktuelles Beispiel spießte sie den abschätzigen Mainstream-Beitrag zur Ausstellung der im Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAKK) auf. Dieser hatte am 2.9.2019 die mit dem „Manufactum Staatspreis NRW 2019“ ausgezeichneten Kundhandwerker-Arbeiten im Kölner Stadtanzeiger nicht nur mit der abschätzigen Überschrift: „Ausstellung im Kölner MAKK – Unvermeidlicher Kitsch und Tinnef im Großformat“ abgewertet, sondern darüber hinaus den Kunsthandwerkern generell die Berechtigung abgesprochen, im Museum Angewandte Kunst Köln auszustellen.

Die Gefahr  zunehmenden Wegfalls manueller Fertigkeiten im Vereinfachungswahn der Digitalisierung

Tanja Corbach mit ihrem "Thron für Lauscher", Beton und Keramik. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Tanja Corbach mit ihrem „Thron für Lauscher“, Beton und Keramik. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Kunsthandwerkerin Tanja Corbach, warnte in ihren hervorragenden Beitrag eindringlich vor einem weiteren Wegfall von Handarbeit. „Die dramatischen Folgen und Auswirkungen dieser Verarmung von Handlungen“ seien „noch gar nicht erfasst“. Höchstwahrscheinlich befänden „wir uns kollektiv noch in der Rauschphase mit dieser jungen Droge“, und zusehends drohe „das Begreifen, jene vielschichtige, entwicklungsfördernde Handlung, unserem Lerninstrumentarium und unserem Leben verloren zu gehen“. Es ginge nicht allein dabei um das Kunsthandwerk, denn „die Fähigkeit, mit den jeweiligen Materialien durch Wissen und Handwerk mit einem ästhetischen Anspruch zu arbeiten, eröffnet Räume, die weit über das Werkstück hinausgehen“, erläuterte Corbach und sprach darüber, wie „in der Auseinandersetzung mit handwerklichen Arbeitsprozessen Haltungen vom eigenen Körper zur Arbeit geschult und Aufmerksamkeit, wie Motorik ausgebildet“ werden. Mit der Verarmung der Handgriffe in der Welt der Erwachsenen, so Corbach weiter, verkümmere „die Fähigkeit, sich Handlungen und Handlungsweisen abzuschauen und dadurch einfach und auf organische Weise zu lernen“. „Auch die stetige Wiederholung von Handgriffen“ sei „eine unterschätzte Kraft“, so die Kunsthandwerkerin. In der Verstetigung verlangsame sich die Zeit, in der Wiederholung ernähre sich die Vertrauensbildung in die eigenen Fähigkeiten, so Corbach, die in diesem Zusammenhang dem Satz „ In der Ruhe liegt die Kraft“ nochmal eine ganz andere Bedeutung zuspricht. Denn diese Ruhe, die handgemachten Werken zu finden ist, „ist eine Qualität, die aussendet und Raum gibt.“ Das Kunsthandwerk böte „ein Refugium an altem Wissen, das dringend erkannt, gestärkt und bewahrt werden muss“, forderte die Kunsthandwerkerin.

Die kunsthandwerklichen Werte um das schöpferische und manuelle Tuen müssten stärker wieder in den Alltag verankert werden. So erzählten Kunsthandwerker*innen „von dem Wissen um geschulte Handgriffe, Materialien und den Prozessen, die Zeit brauchen, um reifen zu können. Sie erzählen von einer Ästhetik, die den Alltag durchdringt, und mitten im Leben der Schönheit Zeit und Raum schenkt. In diesem Sinne erzählt das Kunsthandwerk Geschichten mit Antworten auf die Fragen, was für ein aufrichtiges und in lebensbejahenden Werten verankertes Sein und Wirken, wirklich wichtig ist.“, so Corbach, die einer kunsthandwerklichen Auseinandersetzung mit Recht einen bewusstseinsschulenden Gehalt zuschreibt.

Zur Ausstellung:

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Gerade in Zeiten der Digitalisierung nimmt die Wertschätzung von Kunsthandwerk wieder zu. Mehr und mehr wird erkannt, dass zur Veredelung einfacher Materialien wie Holz, Metall oder Keramik zu gebrauchstauglichen Gegenständen ein hohes Maß an gestalterischer Erfahrung erforderlich ist. Wichtig sind dafür die besondere Herangehensweise, der sehr materialbezogene Herstellungsprozess und der individuelle Denkansatz, die bei Werken der Angewandten Kunst zu der spezifischen Gestaltungsqualität führen.

Verschiedene Teilbereiche grenzen sich ab: „einst“ zeigt einige Exponate verstorbener Gestalter*innen, die für das Land bedeutend waren; „jetzt“ präsentiert einen Querschnitt des aktuellen kunsthandwerklichen Schaffens im Lande; „mixed media“ beleuchtet die spannenden Möglichkeiten von Materialkombinationen in Objekten der Angewandten Kunst; unter „ausgezeichnet“ sind 29 Preisträger*innen aus Rheinland-Pfalz versammelt, die mit wichtigen Preisen des Landes ausgezeichnet wurden; im Bereich „öffentlich“ sind beispielhafte Arbeiten des Sektors Kunst am Bau vereinigt; schließlich zeigt „studien“ noch nicht realisierte, aber denkbare Projekte zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. Zur Ausstellung „viele wege – ein ziel“ erscheint ein bebilderter Katalog mit 140 Seiten spannender Information, der im Museumsshop des Landesmuseums zum Preis von 20,- Euro erhältlich ist.

Die Ausstellung wird von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitet.

Ein besonderes Highlight ist der Kunsthandwerkermarkt „vom Feinsten!“. Am Wochenende des 5. und 6. Oktober, jeweils von 10 bis 18 Uhr, wird hochwertiges Kunsthandwerk und Design präsentiert. Zahlreiche Gastaussteller*innen aus anderen Bundesländern runden das Bild ab.

Darüber hinaus steht am Dienstag, 29. Oktober, eine Podiumsdiskussion in Zusammenarbeit mit dem Werkbund Rheinland-Pfalz zum Thema „LebensWert? Gute Gestaltung im Alltag“ auf dem Programm. Während der Ausstellungsdauer wird eine große Zahl von Führungen durch Mitglieder des Berufsverbandes angeboten. Eine spannende Möglichkeit mit Kunsthandwerker*innen ins Gespräch zu kommen.

Das Rahmenprogramm in der Übersicht: Kunsthandwerkermarkt „vom Feinsten!“, 5. + 6. Oktober 2019 Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51, 55116 Mainz Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr / Eintritt frei Podiumsdiskussion „LebensWert?- Gute Gestaltung im Alltag“, 29. Oktober 2019, Zusammen mit dem Werkbund Rheinland-Pfalz Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51, 55116 Mainz
Beginn: 18 Uhr / Eintritt frei

In der Ausstellung finden Führungen mit verschiedenen Schwerpunkten durch Mitglieder des Berufsverbandes Kunsthandwerk statt.

Museumseintritt
Eine Terminübersicht in der Anlage.

Tag der Musik im Landesmuseum Mainz beim großen Sommerfest der Klassik am 1. September

DownloadEin ganzer Tag im Zeichen der Musik: Die Landesstiftung Villa Musica lädt am kommenden Sonntag, 1. September, zum „Tag der Musik“ im Landesmuseum Mainz ein. Sieben Stunden Klassik non stop mit dem fantastischen Nachwuchs der Stiftung und renommierten Gästen bei freiem Eintritt. Das Programm beginnt um 11 Uhr auf der Außenbühne. Um 11:30 Uhr eröffnet Staatssekretär Dr. Denis Alt als Vorstandsvorsitzender der Villa Musica die neue Saison. Danach wird überall musiziert: im idyllischen Innenhof, vor den Römersteinen in der Steinhalle und vor den Kunstwerken in den Sammlungen. Im Forum spielt die Freie Bühne Neuwied ein Kindermusical. Im Museumscafé kann man sich stärken und ganz entspannt der Musik lauschen. Auf dem Innenhof geben Werke von Ludwig van Beethoven den Ton an. Die Gurfinkel Brüder aus Israel spielen Auszüge aus Anatevka. Das Notos Quartett aus Berlin ist mit Klavierquartetten von Mozart, Schumann und Dvořák zu hören. Prof. Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter der Villa Musica, spielt in der Steinhalle Beethoven und eine Uraufführung des israelischen Komponisten Eliav Kohl. Das Programm endet gegen 18 Uhr mit Beethovens Septett.

Landesmuseum Mainz: Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste – ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts am Beispiel Ingelheims

© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)
© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)

Mobilität gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit, aber auch schon im Früh- und Hochmittelalter waren Kaiser und Könige erstaunlich mobil. Sie reisten viel, richteten Hoftage aus, veranstalteten Reichsversammlungen sowie Synoden und wählten sich dafür Orte der Macht aus, die dem politischen Geschäft eine oft beeindruckende Bühne gaben. So entstanden in ihrem Herrschaftsraum – der gerade im heutigen Rheinland-Pfalz sein Zentrum hatte – Pfalzen und Königshöfe, auf denen sich die Herrscher samt Hof und Entourage bevorzugt aufhielten.

Der Mittelalter-Archäologe Holger Grewe beleuchtet in einem Vortrag „Der charismatische Ort. Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste“ am 27. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts und zeichnet am Beispiel Ingelheims nach, wie diese Paläste genutzt wurden: von den Reichsversammlungen Ludwigs des Frommen über die Festtags-Pfalz der Ottonen bis zum Gefängnis für den entmachteten Kaiser Heinrich IV.

Seit der Karolingerzeit wurden speziell für das Reisekönigtum überall im Land prachtvoll ausgestattete Paläste gebaut, die sich durch kostbaren Bauschmuck oder durch technische Innovationen zu gewaltigen Herrschaftszeichen entwickelten. Gerade die Kaiserpfalz in Ingelheim, die – dank Überlieferungsglück – eine lange Forschungsgeschichte hat, gewährt aufgrund neuer archäologischer Entdeckungen in den letzten 15 Jahren besonders anschaulich einen Blick ins Mittelalter.

Mit diesem hochinteressanten Thema setzt die GDKE – rund ein Jahr vor Beginn der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ – ihre breit angelegte Vortragsreihe fort.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 27. August, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Die nächsten Vorträge dieser Reihe:
Dienstag, 10.9.19, 18 Uhr: „Auf den Schultern von Riesen“
Dienstag, 22.10.19, 18 Uhr: Aufstieg aus Ruinen?
Mo/Di, 4./5.11.19: Tagung „Frauen in den mittelalterlichen Städten am Rhein“
Montag, 4.11.19, 18 Uhr: Rollen und Handlungsspielräume
Dienstag, 19.11.19, 18 Uhr: Niedergang des Kaisertums?

Capella Antiqua Bambergensis mit den Solisten: Jule Bauer und David Mayoral

Capella Antiqua Bambergensis Foto: © by CAB-Artis-2019, Foto: Ellen Schmaus
Capella Antiqua Bambergensis Foto: © by CAB-Artis-2019, Foto: Ellen Schmaus

Im kommenden Jahr bieten das „Kaiserjahr 2020“ und die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ im Landesmuseum überraschende Einblicke ins Mittelalter am Rhein. Ein Jahr vor der Eröffnung präsentiert die Capella Antiqua Bambergensis zusammen mit ihren Solisten Jule Bauer (Schlüsselfiedel und Gesang) und David Mayoral (Percussion) am 22. September 2019 um 17 Uhr in der historischen Karmeliterkirche in Mainz ein außergewöhnliches Konzerterlebnis unter dem Titel „Löwenherz, Vogelweide und Frauenlob – eine musikalische Reise ins Mittelalter“.

Er war der charismatische König, wagemutige Ritter und ist einer der berühmtesten Gefangenen der Weltgeschichte: Richard Löwenherz. Gefangen genommen in der Nähe von Wien und auf der Reichsburg Trifels festgehalten, forderte Kaiser Heinrich VI. das höchste Lösegeld der europäischen Geschichte.

Walter von der Vogelweide lobten Kaiser und Könige wiederum für seine Dichtungen und Kompositionen. Er war der hervorragendste Lyriker des deutschen Mittelalters, sein „Palästinalied“ machte ihn vor nahezu 1000 Jahren weltberühmt und unsterblich.

Und schließlich der Mainzer Minnesänger Frauenlob, der sich für den besten Sänger seiner Zeit hielt und unzähligen Frauen das Herz brach.

800 Jahre später spannt die Capella Antiqua Bambergensis einen klangreichen musikalischen Bogen zwischen Orient und Okzident. Die Zeit der Kreuzfahrer, der sagenhaften Geschichte(n) von Richard Löwenherz und Walter von der Vogelweide öffnen den Konzertbesuchern faszinierende Einblicke in längst vergangene Tage. Sowohl das „Palästinalied“ von Walter von der Vogelweide, als auch das Lied „Ja nus hons pris“, das Richard Löwenherz in seiner Gefangenschaft auf der Reichsburg Trifels komponiert haben soll, zählen zu den bekanntesten Musikwerken des Mittelalters. Natürlich ist auch dem berühmten Mainzer Minnesänger Frauenlob eine Geschichte gewidmet.

Die Capella Antiqua Bambergensis (Andreas, Anke, Wolfgang und Thomas Spindler) lässt auf ihren Konzerten über 50 mittelalterliche Instrumente erklingen. Dabei wird auf größtmögliche Authentizität der Instrumente Wert gelegt, die zu einem guten Teil aus der Werkstatt des Capella-Mitglieds und Instrumentenbaumeisters Andreas Spindler stammen.

Das Ensemble aus Schloß Wernsdorf wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem deutschen Medienpreis Leopold ausgezeichnet.

David Mayoral (Percussionist bei Jordi Savall, Hesperion XXI und dem Ensemble „l’arpeggiata“) ist einer der weltweit meist beschäftigten Instrumentalisten. Mehrere Monate im Jahr ist er auf allen Kontinenten dieser Erde unterwegs und verleiht den verschiedenen Ensembles und Musikprojekten die er begleitet seine ganz besondere Note. Gerade seine Vorliebe für die arabische Percussion und indische Rhythmen schafft seinen unverwechselbaren Groove und seine Klangvielfalt

Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe/Schlüsselfiedel) ist eine Virtuosin auf der Schlüsselfiedel und verzaubert mit ihrer wundervollen Stimme. Sie lässt die andalusischen Cantigas ebenso virtuos erklingen, wie arabische Weisen aus dem Morgenland. Ihr großer Verdienst ist es, dass die mittelalterliche Schlüsselfiedel in Deutschland wieder als historisches Musikinstrument bekannt und geliebt wird.

Sonntag 22. September – 17 Uhr
Mainz – Historische Karmeliter Klosterkirche,  Karmeliterstr .7

Karten und Informationen unter: www.igl.uni-mainz.de
und Tourist Service Center Mainz

Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste – Mittelalter-Archäologe hält Vortrag im Landesmuseum Mainz

reisekoenigtum250Mobilität gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit, aber auch schon im Früh- und Hochmittelalter waren Kaiser und Könige erstaunlich mobil. Sie reisten viel, richteten Hoftage aus, veranstalteten Reichsversammlungen sowie Synoden und wählten sich dafür Orte der Macht aus, die dem politischen Geschäft eine oft beeindruckende Bühne gaben. So entstanden in ihrem Herrschaftsraum – der gerade im heutigen Rheinland-Pfalz sein Zentrum hatte – Pfalzen und Königshöfe, auf denen sich die Herrscher samt Hof und Entourage bevorzugt aufhielten.

Der Mittelalter-Archäologe Holger Grewe beleuchtet in einem Vortrag „Der charismatische Ort. Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste“ am 27. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts und zeichnet am Beispiel Ingelheims nach, wie diese Paläste genutzt wurden: von den Reichsversammlungen Ludwigs des Frommen über die Festtags-Pfalz der Ottonen bis zum Gefängnis für den entmachteten Kaiser Heinrich IV.

Seit der Karolingerzeit wurden speziell für das Reisekönigtum überall im Land prachtvoll ausgestattete Paläste gebaut, die sich durch kostbaren Bauschmuck oder durch technische Innovationen zu gewaltigen Herrschaftszeichen entwickelten. Gerade die Kaiserpfalz in Ingelheim, die – dank Überlieferungsglück – eine lange Forschungsgeschichte hat, gewährt aufgrund neuer archäologischer Entdeckungen in den letzten 15 Jahren besonders anschaulich einen Blick ins Mittelalter.

Mit diesem hochinteressanten Thema setzt die GDKE – rund ein Jahr vor Beginn der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ – ihre breit angelegte Vortragsreihe fort.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 27. August, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Emy Roeder-Ausstellung um eine Woche verlängert Die große Retrospektive der Bildhauerin läuft noch bis 11. August / Freier Eintritt bei Finissage

Emy Roeder „Wasservögel“ © Agentur Bonewitz
Emy Roeder „Wasservögel“ © Agentur Bonewitz

Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) hat die Laufzeit der aktuellen Sonderausstellung „Emy Roeder. Das Kosmische allen Seins“ um eine Woche verlängert. Alle Besucherinnen und Besucher haben somit noch bis 11. August Gelegenheit, die eindrucksvollen Skulpturen und Zeichnungen der Bildhauerin, die in Mainz ihr Spätwerk schuf, zu begutachten. Zum Abschluss der beliebten Sonderausstellung steht am 11. August von 11 bis 17 Uhr eine Finissage auf dem Programm. Der Eintritt in das Museum ist an diesem Tag kostenfrei.

Emy Roeder gilt als eine der profiliertesten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts und war eng mit der Stadt Mainz verbunden. Sie schuf überwiegend kleine Tierskulpturen und umrissbetonte Zeichnungen von Porträts, weiblichen Akten sowie Gewandfiguren. Ihre Kunst zeichnet sich vor allem durch eine figürliche Bildsprache aus, die sie anhand nur weniger Themen in bemerkenswerter Konsequenz entwickelte.

Neben den Skulpturen legt die Sonderschau ein besonderes Gewicht auf die Zeichnungen Emy Roeders, welche die Künstlerin nicht nur zur Annäherung an das in der Plastik umzusetzende Motiv nutzte, sondern als eigenständige Kunstwerke auffasste. Die Ausstellung stellt gleiche Motive in Plastik und Grafik gegenüber und verdeutlicht so eindrucksvoll Roeders akribische Analyse des Verhältnisses von plastischem Volumen, Fläche und Linie. Gleichzeitig wird so ihre stilistische Entwicklung hin zu einer immer stärker grafisch geprägten Skulptur nachvollziehbar, an deren Ende Figuren stehen, die wie Linien in den Raum gezeichnet scheinen.

Emy Roeders Lebensweg, der in der Ausstellung zusammen mit ihrem Werk chronologisch dargestellt wird, ist eng mit der Stadt Mainz verbunden. Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, weilte sie in Florenz. Nachdem das NS-Regime ihre Skulptur „Die Schwangere“, mit der sie 1920 den Preis der Preußischen Akademie der Künste erhalten hatte und die 1921 von der Kunsthalle Karlsruhe erworben worden war, als „entartet“ brandmarkten, blieb Roeder zunächst in Italien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte sie 1949 nach Deutschland zurück und begann an der Landeskunstschule in Mainz zu arbeiten, an der sie bis 1953 lehrte. Eine erste Einzelausstellung, die in mehreren deutschen Städten gezeigt wurde, machte das Werk der vergessenen Künstlerin in ihrer Heimat wieder bekannt. So wurden Plastiken von ihr auch auf der 1. documenta 1955 dem Publikum präsentiert. Öffentliche Ankäufe und Aufträge zeugen von ihrem beträchtlichen Renommee und ermöglichten ihr ein unabhängiges Dasein. Emy Roeder nutzte ihre Unabhängigkeit: Noch im hohen Alter von über siebzig Jahren unternahm sie Reisen nach Tripolis, Kairo und Marokko, wo sie die Vorbilder für die schlanken, überirdisch wirkenden Frauengestalten ihres Spätwerks fand. Emy Roeder starb 1971 in Mainz.

Die Sonderausstellung „Emy Roeder. Das Kosmische allen Seins“ läuft noch bis 11. August. Sie umfasst etwa 70 Skulpturen und ebenso viele Zeichnungen. Der größte Teil der Objekte stammt aus dem Nachlass der Künstlerin aus dem Museum im Kulturspeicher Würzburg, das zugleich Kooperationspartner der Ausstellung ist. Komplettiert wird die Schau von Leihgaben bedeutender Frühwerke sowie einigen Arbeiten aus der Graphischen Sammlung des Landesmuseums.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51
55116 Mainz