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16. exground youth days eröffnet mit THE ORPHANAGE (PARWARESHGAH) von Shahrbanoo Sadat

© exground filmfestival
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16 Filme aus 24 Ländern // Einreichfrist für Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb endet am 18. Oktober

Die 16. Auflage der exground youth days, der Jugendfilmsektion von exground filmfest, wird am 16. November 2019 um 17.30 Uhr mit THE ORPHANAGE (PARWARESHGAH) von Shahrbanoo Sadat in der Caligari FilmBühne eröffnet. Zwischen dem 16. und 21. November präsentieren die exground youth days ein spannendes Programm mit 16 Lang- und Kurzfilmen aus 24 Ländern (darunter internationale Koproduktionen), die Einblicke in die unterschiedlichen Lebenswelten junger Menschen gewähren. Während der Internationale Jugendfilm-Wettbewerb Lang- und Kurzfilme von renommierten und aufstrebenden Regisseur(en)/-innen aus aller Welt präsentiert, stehen beim Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb die Werke von jungen Regietalenten aus Wiesbaden und Umgebung im Mittelpunkt. Hierfür können sich Interessierte zwischen 12 und 18 Jahren noch bis zum 18. Oktober bewerben. Insgesamt werden in beiden Wettbewerben Geld- und Sachpreise im Wert von insgesamt 4.650 EUR vergeben.

Eröffnungsfilm exground youth days:

THE ORPHANAGE (PARWARESHGAH) Afghanistan/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Katar/Luxemburg 2019 I 96 Min. I farsi Omd+eU. © exground filmfestival
THE ORPHANAGE (PARWARESHGAH) Afghanistan/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Katar/Luxemburg 2019 I 96 Min. I farsi Omd+eU. © exground filmfestival

 

 

 

THE ORPHANAGE (PARWARESHGAH)
Regie: Shahrbanoo Sadat I Afghanistan/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Katar/Luxemburg 2019 I 96 Min. I farsi Omd+eU

Afghanistan 1989: Kino, das ist die große Liebe des 15-jährigen Qodrat. Nicht nur, dass er sich als Protagonist in farbenfrohe Bollywoodfilme hineinträumt. Er verdient sogar Geld damit, indem er Kinotickets billig kauft und teurer verscherbelt. Doch dann wird die Polizei auf ihn aufmerksam und steckt ihn in ein von den Sowjets geführtes Waisenhaus. Während sich für Qodrat eine neue, aufregende Welt eröffnet, rücken draußen die Mudschahedin immer näher.

Wie in ihrem preisgekrönten Debütfilm WOLF AND SHEEP (2016) stellt die Regisseurin Shahrbanoo Sadat in THE ORPHANAGE erneut Kinder in Afghanistan in den Mittelpunkt und konnte auch erneut Quodratollah Qadiri für die Hauptrolle gewinnen. Sadat gelingt ein berührender Film über die Träume im Leben eines Jugendlichen, das von einem inneren wie äußeren Umbruch geprägt ist.

Internationaler Jugendfilm-Wettbewerb: Revolution, Social-Media-Hype und der Clash von Tradition und Moderne

Um Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsensein in politisch aufregenden Zeiten geht es auch in der britischen Produktion BEATS von Brian Welsh. In Schottland im Sommer 1994 ist das politische Klima aufgeheizt: Versammlungsverbote sollen Zusammenstöße zwischen Rebellen und Polizei verhindern. Die besten Freunde Spanner und Johnno wachsen Tür an Tür in einer Arbeitersiedlung in einer Kleinstadt auf. Auf dem Weg zu einem illegalen Underground-Rave reisen die beiden Jungs in eine Unterwelt der Anarchie, bevor sie das Leben in verschiedene Richtungen führen wird. Vor dem Hintergrund der Rave-Kultur der 1990er-Jahre inszeniert Brian Welsh diese bittersüße Coming-of-Age-Geschichte in beeindruckenden Schwarzweiß-Aufnahmen.

Von den ekstatischen Beats der Rave-Bewegung geht es zu den energiegeladenen Protesten der jungen Bevölkerung Brasiliens in YOUR TURN (ESPERO TUA (RE)VOLTA) von Eliza Capai. Im Fokus des preisgekrönten Dokumentarfilms stehen die Erfahrungen, Leidenschaften und Ängste von Jugendlichen, die in ihrem Protest für das Recht auf Bildung eine mitreißende Dringlichkeit entwickeln. Eliza Capai gelingt mit YOUR TURN eine hochaktuelle Studie der Protestbewegungen und ihrer Entwicklung bis zur Wahl des rechtsextremen Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien.

Eine weiteren aufschlussreichen Blick auf ein aktuelles Phänomen wirft Liza Mandelup in ihrem Dokumentarfilm JAWLINE (USA 2019). Mandelup begleitet den 16-jährigen Austyn Tester auf der Jagd nach Likes und Followern, um endlich die engen Grenzen seines deprimierenden Heimatortes irgendwo in Tennessee hinter sich zu lassen. Großen Erfolg verspricht dabei der Manager Michael Weist, dessen Instagram-Boys zwar millionenfach geklickt werden, aber auch einen zweifelhaften Ruf genießen.

In eine ganz andere Welt taucht Michela Occhipinti in ihrem Spielfilm FLESH OUT (Italien 2019) ein. Nach einer mauretanischen Tradition sollen zukünftige Bräute zunehmen, denn nur Frauen mit wohlgerundeten Figuren entsprechen dem mauretanischen Schönheitsideal. Veridas Hochzeit findet in drei Monaten statt, und bis dahin soll sie 20 Kilo zunehmen. Verida quält sich durch eine Prozedur, die sie physisch wie psychisch extrem belastet: sechs Mahlzeiten am Tag, auch nachts Couscous mit Milch. Das Interesse eines anderen Mannes stürzt sie endgültig in einen Gewissenskonflikt zwischen Tradition und Moderne. Michela Occhipintis Spielfilmdebüt ist inspiriert von wahren Begebenheiten.

Kurzfilme bei den exground youth days

Im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb werfen acht internationale Kurzfilme, die jeweils vor einem Langfilm gezeigt werden, einen Blick auf die Lebenswelten jugendlicher Protagonisten. Zum zweiten Mal vergibt die Jugendjury einen Preis für den besten Kurzfilm, dotiert mit 500 EUR und gestiftet vom Wiesbadener Kinofestival e. V.

Zu sehen sein wird unter anderem der israelische Beitrag GIRL ON A BIKE von Thekra Mekalde, in dem ein muslimisches Mädchen ihre Leidenschaft fürs Fahrradfahren auslebt, obwohl dies für Frauen in ihrer Umgebung als „unangemessen“ gilt. Gegen gesellschaftliche Konventionen und Anpassungen verstößt auch die Gruppe Jugendlicher in Martin A. Walthers Dokumentarfilm TRAIN ROBBERS (TOGRǾVERE) aus Norwegen, die in den 1990er-Jahren regelmäßig Züge überfiel. Dem beengten Leben im ländlichen Neuseeland versucht ein junger Mann in SHADOW CUT von Lucy Suess (Neuseeland 2018) zu entrinnen – und zögert dennoch, seine Pläne seiner besten Freundin anzuvertrauen.

Im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb haben einheimische Regietalente die Chance, ihre Werke zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu präsentieren. Noch bis zum 18. Oktober können junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren ihre Werke beim exground filmfest einreichen. Alle Details zur Einreichung finden sich hier.

Programm exground Youth Days

Am 15. 11. startet exground filmfest 32 mit Schwerpunkt Brasilien – Eröffnungsfilm: THE FATHER’S SHADOW (A SOMBRA DO PAI) von Gabriela Amaral Almeida

© exground filmfestival
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Die 32. Ausgabe des exground filmfest wird am 15. November 2019 mit dem brasilianischen Mystery-Thriller THE FATHER’S SHADOW (A SOMBRA DO PAI) von Gabriela Amaral Almeida in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden feierlich eröffnet. Der Film, den das Festival als Deutschlandpremiere zeigt, bildet zugleich den Auftakt für den diesjährigen Länderfokus Brasilien. Insgesamt präsentiert exground filmfest vom 15. bis 24. November in den Spielstätten Caligari FilmBühne, Murnau-Filmtheater und in der Krypta der Marktkirche rund 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme, darunter internationale, deutsche und Weltpremieren, sowie ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, Podiumsdiskussionen, einem Filmquiz sowie dem Klassiker, der „exground Gongshow“. Mit der Eröffnungsparty kehrt exground filmfest in diesem Jahr wieder in das Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden zurück.

exground-Eröffnungsfilm: THE FATHER’S SHADOW (A SOMBRA DO PAI) Regie: Gabriela Amaral Almeida I Brasilien 2018 I 92 Min. OmdU I Deutschlandpremiere. Nach dem Tod ihrer Mutter lebt die neunjährige Dalva mit ihrer Tante und ihrem Vater zusammen. Als dieser Geister sieht und immer mehr in Depressionen versinkt, versucht Dalva, ihre Mutter zum Leben zu erwecken. Mit überzeugenden Schauspielern, allen voran Nina Medeiros als Dalva, gelingt Gabriela Amaral Almeida ein wohltemperierter Mix aus Drama, Horror und Fantasy. © exground filmfestival
exground-Eröffnungsfilm: THE FATHER’S SHADOW (A SOMBRA DO PAI)
Regie: Gabriela Amaral Almeida I Brasilien 2018 I 92 Min. OmdU I Deutschlandpremiere. Nach dem Tod ihrer Mutter lebt die neunjährige Dalva mit ihrer Tante und ihrem Vater zusammen. Als dieser Geister sieht und immer mehr in Depressionen versinkt, versucht Dalva, ihre Mutter zum Leben zu erwecken. Mit überzeugenden Schauspielern, allen voran Nina Medeiros als Dalva, gelingt Gabriela Amaral Almeida ein wohltemperierter Mix aus Drama, Horror und Fantasy. © exground filmfestival

Länderschwerpunkt Brasilien
Der Fokus umfasst neben dem Eröffnungsfilm weitere rund 20 aktuelle und historische Lang- und Kurzfilme, eine Ausstellung mit brasilianischer Videokunst, eine Ausstellung der Fotografin und Brasilienexpertin Anja Kessler sowie zwei Podiumsdiskussionen zur Situation der Filmschaffenden und zur Menschenrechtslage in Brasilien. Im Filmprogramm erwartet das Publikum viele Highlights wie der preisgekrönte BACURAU von Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles mit Udo Kier als unbarmherzigem Menschenjäger oder Karim Aïnouz’ neues Werk DIE SEHNSUCHT DER SCHWESTERN GUSMÃO (A VIDA INVISÍVEL DE EURÍDICE GUSMÃO). Das im Rio de Janeiro der 1950er-Jahre angesiedelte Drama um zwei ungleiche Schwestern geht für Brasilien ins Oscarrennen.

Oscarverdächtig: Weitere erste Filme im exground-Programm
Hoffnungen auf einen Oscar für den besten internationalen Film können sich noch weitere bereits ausgewählte Beiträge in den Festivalreihen abseits des Länderfokus machen. Im Jugendprogramm exground youth days etwa wird PAPICHA von Mounia Meddour laufen, der von Algerien für die Academy Awards eingereicht wurde. Angesiedelt im Algier von 1997, begeben sich die mutigen jungen Frauen Nedjima und Wassila regelmäßig in große Gefahr, weil sie nachts den Hijab gegen sexy Outfits tauschen, um in einem Nachtclub zu feiern.

In der Sektion „International“ wird der von Schweden eingereichte Beitrag ALS WIR TANZTEN (AND THEN WE DANCED) des georgisch-schwedischen Regisseurs Levan Akin gezeigt. Für den jungen Tänzer Merab dreht sich alles um seine Tanzkarriere im georgischen Nationalballett, bis eines Tages der sorglose Irakli zur Kompanie stößt und für Merab zugleich zum größten Rivalen und Objekt der Begierde wird. Beim Internationalen Filmfestival Odessa erhielt der Film gleich drei Auszeichnungen, darunter für den besten Film und den besten Schauspieler Levan Gelbakhiani.

THE LONGEST NIGHT (LA MALA NOCHE) © exground filmfestival
THE LONGEST NIGHT (LA MALA NOCHE) © exground filmfestival

Für Ecuador geht Gabriela Calvaches Drama THE LONGEST NIGHT (LA MALA NOCHE) ins Oscarrennen. Für die junge Mutter Dana scheint die Lage aussichtslos: Durch ihre Medikamentensucht in die Prostitution gezwungen, gibt es kein Entrinnen aus der Abhängigkeit von ihrem gewalttätigen Zuhälter. So beschließt Dana, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Gabriela Calvaches Debüt zeigt kompromisslos die Auswirkungen von sexueller Gewalt und Ausbeutung von Frauen und Kindern in Lateinamerika.

Elia Suleiman in IT MUST BE HEAVEN © exground filmfestival
Elia Suleiman in IT MUST BE HEAVEN © exground filmfestival

In der palästinensischen Oscareinreichung IT MUST BE HEAVEN von Elia Suleiman tritt der Regisseur wie so oft in seinen Filmen als sein Alter Ego selbst vor die Kamera. Hier verschlägt es ihn auf der Suche nach einem neuen Zuhause, fernab von seiner Heimat Palästina, unter anderem nach New York und Paris. Mit viel Witz schafft es der „Buster Keaton des Nahen Ostens“, das ernste Thema des Palästina-Konflikts zu bearbeiten.

Starke Dokumentarfilme, ein deutscher Provinzthriller und die Banalität der menschlichen Existenz
Matthias Brandt und Silke Bodenbender in WIR WÄREN ANDERE MENSCHEN von Jan Bonny. © exground filmfestival
Matthias Brandt und Silke Bodenbender in WIR WÄREN ANDERE MENSCHEN von Jan Bonny. © exground filmfestival

Neben den potenziellen Oscar-Nominierten hat exground filmfest weitere Beiträge ausgewählt, darunter zwei starke Dokumentarfilme: AMAZING GRACE dokumentiert die Live-Aufnahme des gleichnamigen Albums von Aretha Franklin aus dem Jahr 1972, das zur erfolgreichsten Gospel-Platte aller Zeiten avancierte. Begleitet wurden die zweitägigen Aufnahmen in einer Kirche in Los Angeles von einem Filmteam von Warner Bros. – unter der Regie von Sydney Pollack. Unter dem Vorwand technischer Probleme wurde dieser außergewöhnliche Konzertfilm jedoch erst 2018 zum ersten Mal gezeigt, nach dem Tod der Soul-Ikone.

Der zutiefst ergreifende Dokumentarfilm FOR SAMA von Waad al-Kateab und Edward Watts führt in die zerbombten Straßen von Aleppo. Mit einer Kamera begleitete die junge Filmemacherin Waad al-Kateab über fünf Jahre das Leben in der syrischen Stadt, in der sie trotz aller Warnungen ihre Tochter Sama zur Welt brachte und blieb. Der Film erhielt unter anderem in Cannes den Preis für den besten Dokumentarfilm.

In der Reihe „Made in Germany” läuft im Wettbewerb um Deutschlands einzigen Gefangenenjury-Preis, DAS BRETT, Jan Bonnys Provinzthriller WIR WÄREN ANDERE MENSCHEN: Rupert Seidlein (Matthias Brandt) kehrt in sein Heimatdorf zurück, wo er als 15-Jähriger Zeuge wurde, wie Polizisten seine Eltern und seinen besten Freund erschossen und freigesprochen wurden. Er scheint mit der Geschichte abgeschlossen zu haben, bis der Mord an einem der damals beteiligten Polizisten Zweifel daran aufkommen lassen. Seidleins Frau (Silke Bodenbender) ahnt, dass ihr Mann sein Trauma noch lange nicht überwunden hat.

Vom Schmerz, der Verletzlichkeit, aber auch Schönheit, die das Leben ausmachen, erzählt auch der schwedische Regisseur Roy Andersson in seinem neuesten Werk ÜBER DIE UNENDLICHKEIT. Andersson fügt in diversen Episoden kleine und große, ergreifende und banale Alltagsdramen zu einem tragikomischen Kaleidoskop über die menschliche Existenz zusammen. In Venedig erhielt Andersson dafür den Preis für die beste Regie.
Bis zur Bekanntgabe des finalen Programms im Oktober muss die Auswahlkommission von exground filmfest aus über 2.500 eingereichten Beiträgen und den Fundstücken aus diversen internationalen Festivalbesuchen ihre Auswahl getroffen haben.

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