Angela Dorn tritt Amt als neue Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst an

Foto: kunst.hessen.de
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Boris Rhein und Patrick Burghardt bei feierlicher Amtsübergabe verabschiedet

Wiesbaden. Ministerin Angela Dorn hat heute bei einer feierlichen Amtsübergabe die Geschäfte im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst aufgenommen. Bei der Veranstaltung wurden Boris Rhein und Patrick Burghardt verabschiedet und die Nachfolgerinnen Angela Dorn und Ayse Asar als neue Ministerin und Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst begrüßt.

Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn: „Ich freue mich sehr auf die Aufgabe als neue Ministerin für Wissenschaft und Kunst, denn hier können wir gemeinsam die Zukunft unseres Landes gestalten. In der Wissenschaft wie in der Kunst geht es letztlich um die elementare Frage, was unsere Welt im Innersten zusammenhält. Gerade in Zeiten, in denen Populisten und Fundamentalisten die Wissenschaftsfreiheit angreifen und kritisches Denken in der Kunst bedrohen, will ich Wissenschaft und Kunst klaren politischen Rückhalt geben. Wir brauchen starke Hochschulen und die klugen Köpfe ihrer Lehrenden, Forschenden und Studierenden, damit sie weiter Lösungen für soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen finden. Mit der Verhandlung des Hochschulpakts auf Bundesebene steht ein wichtiges und spannendes Thema gleich in den nächsten Monaten an: Ich werde mich dafür einsetzen, dass – wie dann auch im folgenden Hochschulpakt auf Landesebene – die Hochschulen personell und finanziell noch besser ausgestattet werden, denn der akademische Nachwuchs braucht eine Perspektive, und die Betreuungsrelation von Professoren und Studierenden muss sich verbessern. Und mir liegt die Förderung von Kultur in ihrer gesamten Breite und für die gesamte Gesellschaft am Herzen. Der Masterplan Kultur und die Bauoffensive für kulturelle Gebäude sind hier zwei große und wichtige Themen.“

Bei der Feier dankte Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn zudem ihren Vorgängern für den freundlichen Empfang und die kollegiale Übergabe: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen und den Amtsvorgängern – Boris Rhein und Patrick Burghardt – für ihren engagierten Einsatz für starke Hochschulen, freie Wissenschaft und eine vielfältige Kultur danken. Die deutliche Verbesserung bei der Hochschulfinanzierung, die Öffnung der Hochschulen, die Beteiligungsarbeit zum Masterplan Kultur, die Stärkung des Promotionsrecht bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die Erweiterung der hessischen Hochschulen zum Jahreswechsel um die Städelschule, die Stärkung der Kulturfinanzierung, die Förderung der kulturellen Bildung, die Stärkung der Filmförderung – vieles davon wäre ohne die Leidenschaft, die Beharrlichkeit und das Kommunikationsvermögen von Boris Rhein nicht möglich geworden. Auch bei Patrick Burghardt, dem ganzen Haus und allen Beteiligten möchte ich mich für ihren Einsatz in den vergangenen Jahren ebenso bedanken wie für die angenehme und kollegiale Übergabe des Ministeriums.“

Bei der Amtsübergabe verabschiedete sich der scheidende Minister und jetzige Landtagspräsident Boris Rhein von seinen langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Es war eine Zusammenarbeit, die geprägt war von großem Respekt und hoher Qualität. Die vielen großen aber auch kleineren Projekte hätten ohne das Engagement und die Kraftanstrengung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht umgesetzt werden können. Ich bedanke mich für das, was sie tagtäglich geleistet haben.“ Gleichzeitig gratulierte er Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn zu ihrem Amt: „Frau Ministerin Dorn erwartet ein spannendes Themenfeld und ein wirklich großartiges Ressort – ich bin sicher, dass sie sehr viel Freude an ihrer neuen Aufgabe haben wird.“

„Was soll ich armes Schwein in Mainz bloß sagen?“ Robert Menasse erhält trotz Zitatenstreit die Carl-Zuckmayer-Medaille 2019

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2019 ausgezeichnet. © Foto: Diether v. Goddenthow
Für seine Verdienste um die deutsche Sprache hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2019 ausgezeichnet. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es war wohl die spektakulärste Preisverleihung seit es den Carl-Zuckmayer-Preis gibt: Denn bis zuletzt war es gar nicht sicher, ob der österreichische Schriftsteller Robert Menasse, der wegen falscher Zitate mit Recht in die öffentliche Kritik geraten war, seinen Preis tatsächlich erhalten würde. Angegriffen wurde der Autor, weil er in seinem in Brüssel spielenden Roman „Die Hauptstadt“ und offenbar auch in Interviews dem verstorbenen Politiker und ersten Präsidenten der Europäischen Kommission Walter Hallstein frei erfundene Zitate in den Mund gelegt hatte, um noch stärker für ein vereintes Europa zu werben.
Für  Ministerpräsidentin Malu Dreyer war es deswegen eine schwierige Entscheidung.   Erst nach ausführlicher Beratung mit der Vergabe-Kommission unter Leitung von Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf   und aufgrund der glaubhaften Entschuldigung von Robert Menasse, habe man sich für die Beibehaltung der geplanten  Preisverleihung  entschieden.

So konnte dann doch noch Ministerpräsidentin Malu Dreyer termingerecht am 18.1.2019 die Carl-Zuckmayer-Medaille 2019 während einer Feierstunde an Robert Menasse   für seine Verdienste um die deutsche Sprache überreichen.  Zunächst sprach die Ministerpräsidenten die gegenwärtige Debatte um Menasses Fake-Zitate  an:   „Der heutige Preisträger hat unmissverständlich erklärt, dass es ein Fehler war, in öffentlichen Äußerungen und nicht-fiktionalen Texten einer historischen Person Zitate zuzuschreiben, die diese wörtlich so nicht gesagt hat. Robert Menasse hat eingeräumt, nicht zwischen der künstlerischen Freiheit im Roman und den Spielregeln des politischen Diskurses unterschieden zu haben. Das haben Historiker und Journalisten zu Recht kritisiert. Und dafür hat er sich entschuldigt. Wenn jemand bereit ist, einen Fehler einzusehen und diesen auch einzugestehen, so bin ich bereit, das anzuerkennen“, so die Ministerpräsidentin. Argumente, um die in der öffentlichen Arena gerungen werde, müssten selbstverständlich dem Anspruch von Überprüfbarkeit und Wahrhaftigkeit standhalten. „Selbstverständlich sei es für das Gelingen einer demokratischen Debatte unerlässlich, Gewissheiten von Annahmen und Fakten von Meinungen zu trennen, so die Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Aber auch umgekehrt gelte: „Wer einen Roman über die Gegenwart als ein politisches Enthüllungsbuch liest, schlägt die Einladung der Literatur aus, sich auf ein ‚So könnte es sein‘ oder ‚So könnte es gewesen sein‘ einzulassen. Und natürlich ist jedem Versuch zu widersprechen, der darauf zielt, die künstlerische Freiheit einzuschränken, weil die Romanwelt der eigenen Position entgegensteht. Ich würde mir wünschen, dass wir nach dem heutigen Abend wieder den Blick frei bekommen dafür, dass Robert Menasse uns wachrütteln will, in den gegenwärtigen Entwicklungen kein unabänderliches Schicksal zu sehen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Robert Menasse sei ein Meister der Sprache, einer, der mit einem ganz eigenen Ton die Gegenwart erzähle und reflektiere. Er schaue genau hin, benenne und spitze zu, pointiert und provoziert. An Hegel, Marx, Lukácz und Adorno dialektisch geschult, durchleuchte er in seinen rund dreißig Büchern mit Scharfsinn und Witz die Zustände und Abgründe menschlicher Verhältnisse und Seelen. Menasses Sprache sei poetisch verknappt, lakonisch, manchmal beißend ironisch – aber ohne dabei die Grenze zum Zynismus zu überschreiten. Denn Robert Menasse sei einer, dem die Welt nicht gleichgültig sei, der sich nicht verächtlich abwende, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer in ihrer Rede. Der Roman „Die Hauptstadt“ sei eine Liebeserklärung an Europa: ein elegant geschriebener, zum Teil scharf satirischer und pointiert reflektierender Roman.

Gut 750 Gäste aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur sowie 150 Schülerinnen und Schüler aus Mainzer Schulen waren zur Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille ins Mainzer Staatstheater gekommen. Unter ihnen konnte die Ministerpräsidentin auch die früheren Preisträger Dr. Yoko Tawada und Hans-Werner Kilz begrüßen.

„Luftikus“ bereut und verspricht Besserung

Deutscher Buchpreisträger 2017: Robert Menasse, bekennt: Beim Versuch Menschen besser zu machen, gescheitert zu sein."Es gelingt mir nicht einmal, mich selbst besser zu machen" © Foto: Diether v. Goddenthow
Deutscher Buchpreisträger 2017: Robert Menasse, bekennt: Beim Versuch Menschen besser zu machen, gescheitert zu sein.“Es gelingt mir nicht einmal, mich selbst besser zu machen“ © Foto: Heike  v. Goddenthow

In seiner Dankesrede befragt Robert Menasse Carl Zuckmayer in einem Traum: „Was soll ich armes Schwein in Mainz bloß sagen?“ Der Alte bleibt ihm eine direkte Antwort schuldig. Stattdessen hört Menasse Zuckmayer aus dessen Biografie „Als wär’s ein Stück von mir“, 2. Kapitel „Austreibung“, über den Beginn der Naziherrschaft am 12. März 1938 in Wien zitieren und findet sich schließlich in dessen Nazi-Dossiersammlung „Geheimreport“ wieder und träumte, „dass Zuckmayer auch über mich eine Akte anlegte“ mit folgendem Eintrag:
„Luftikus steht wegen unkorrekten Zitierens schwer in der Kritik. Aber mit welchen Methoden? Letzthin wurde er von einem Kritiker sogar als Psychopath bezeichnet, weil Luftikus dem Kritiker zufolge geschrieben haben soll, dass er am liebsten bei strömenden Regen schwimmen geht. Tatsächlich aber hatte Luftikus geschrieben: ‚Es regnet seit Tagen. Aber morgen wird es wieder sonnig und warm – ideal, um schwimmen zu gehen.‘ Wenn man nun den ersten und den dritten Satz zitiert, ganz korrekt, wörtlich, nachweisbar mit Gänsefüßchen, und wenn man den mittleren Satz weglässt, dann hat man durch korrektes Zitieren eine Fälschung produziert, dann heißt es: ‚Er regnet seit Tagen, ideal um schwimmen zu gehen‘.
Allerdings muss sich Luftikus auch selbst an der Nase nehmen: Er verdreht zwar den Sinn nicht, wenn er zitiert. Er verdreht niemandem das Wort im Munde, selbst, wenn er die Worte umdreht. Er beschädigt nicht den Ruf einer realen Persönlichkeit, die er zu seiner Erfindung macht. Aber wenn er zitiert, muss er doch wörtlich zitieren. Sinngemäß allein ist kein Zitat.
Es darf nicht sein, dass ihn noch einmal der Pegasus, dieses alte Ross, gar so leicht durchgeht. Er hat es mir versprochen, und deshalb will ich ihn  nun in die Kategorie ‚Guter Dichter, jetzt mit noch besserer Rezeptur‘ einreihen.“

Für den Preisträger gab es, wie  traditionell üblich, eine Medaille aus Bronze, die von dem Künstler Otto Kallenbach gestaltet wurde. Zur Auszeichnung gehört außerdem ein Fass des von Zuckmayer geschätzten Nackenheimer Weines. Die Verleihung fand, wie jedes Jahr,  am Todestag des großen rheinhessischen Dramatikers statt.

Die Menasse-Fans stehen Schlange, und für jede und jeden nimmt sich der Autor kurz Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Menasse-Fans stehen Schlange, und für jede und jeden nimmt sich der Autor kurz Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow

 
(Diether v. Goddenthow/ Rhein-Main.Eurokunst)
 
 

Die Trägerinnen und Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille seit 1979 sind:

Günther Fleckenstein (1979), Werner Hinz (1980), Georg Hensel (1982), Friedrich Dürrenmatt (1984), Ludwig Harig (1985), Dolf Sternberger (1986), Tankred Dorst (1987), Günter Strack (1988), Hanns Dieter Hüsch (1989), Martin Walser, Adolf Muschg, André Weckmann (1990), Albrecht Schöne (1991), Hilde Domin (1992), Hans Sahl (1993), Fred Oberhauser (1994), Grete Weil (1995), Mario Adorf (1996), Katharina Thalbach (1997), Harald Weinrich (1998), Eva-Maria Hagen (1999), Peter Rühmkorf (2000), Mirjam Pressler (2001), Herta Müller (2002), Monika Maron, Wolf von Lojewski (2003), Edgar Reitz (2004), Thomas Brussig (2005), Armin Mueller-Stahl (2006), Udo Lindenberg (2007), Bodo Kirchhoff (2008), Volker Schlöndorff (2009), Emine Sevgi Özdamar (2010), Hans Werner Kilz (2011), Uwe Timm (2012), Doris Dörrie (2013), Dieter Kühn (2014) und Bruno Ganz (2015), Sven Regener (2016), Joachim Meyerhoff (2017), Dr. Yoko Tawada (2018)

Der Kommission unter Leitung von Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf gehörten an:

Dr. Yoko Tawada (Preisträgerin 2018), Professor Dr. Lothar Bluhm (Universität Koblenz-Landau), Monika Böss (stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller), Eberhard Duchstein (Buchhändler), Petra Gerster (Moderatorin und Autorin), Professorin Dr. Dagmar von Hoff (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz), Reinhard Dietzen ( Carl-Zuckmayer-Gesellschaft Mainz e.V.), Melanie Mohr (Staatskanzlei), Markus Müller (Intendant des Staatstheaters Mainz), Petra Plättner (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz), Professor Dr. Ulrich Port (Universität Trier), Denis Scheck (Literaturkritiker), Susanne Schmaltz (Journalistin) und Dr. Joachim Unseld (Verleger, Frankfurter Verlagsanstalt).

 

Klima-Professor Majib Latif spricht über „Heißzeit“ auf Neujahrsempfang im Frankfurter Römer

Prof. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Kiel), Urkrainische Konsulin Doyenne Alla Polyova, Oberbürgermeister Peter Feldmann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Kiel), Urkrainische Konsulin Doyenne Alla Polyova, Oberbürgermeister Peter Feldmann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Rund 1300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft stießen am 17.1.2019 mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, der ukrainischen Generalkonsulin Doyenne Alla Polyova und Festredner Klima-Professor Dr. Mojib-Latif im Frankfurter Römer aufs neue Jahr an. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von Kaye-Ree.

Für Oberbürgermeister Feldmann war „2018 ein rundum gelungenes Jahr“. Und Krisen, ob im Wohnungsmarkt, im Nahverkehr oder in der Automobil-Industrie seien, so Feldmann „eigentlich Herausforderungen, die wir stemmen müssen, denen wir nicht ausweichen können“.

Oberbürgermeister Peter Feldmann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Peter Feldmann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Besonders freue er sich mit Blick auf 2019, „dass die Kinder und Jugendlichen ab nächster Woche kostenlosen Eintritt in die Schwimmbäder bekommen“. Die Diskussion über Kultur beantworte Frankfurt vor allem mit dem kostenlosen Eintritt in Museen und Kultureinrichtungen und in den Zoo für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Er sei überzeugt davon, so Feldmann, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung zur Teilhabe sei.

Auch mit der Eröffnung der neuen Altstadt, einem ganz besonderem Ereignis, habe man die Herzen der Menschen erreicht. „Die Menschen haben sich in diese neue Altstadt gedrängt als noch gar kein Geschäft darin war, als da noch niemand wohnte. Sie haben durch die Zäune fotografiert, sie haben versucht, hineinzukommen (…) Die Menschen haben sich in diese neue Altstadt verliebt. Sie haben sie sich angeeignet“, freute sich der Oberbürgermeister, der darin auch einen großen Respekt der Menschen vor Handwerkskunst und diesem neuen Herzen der Stadt sähe. Die Menschen „wollen diese neue Altstadt (…) „und ich bin begeistert von der Begeisterung der Menschen der Stadt“, so Feldmann, einst selbst Wiederaufbaukritiker. Auch werde dank großem bürgerschaftlichen Engagements der Goethe-Turm 2019 wieder aufgebaut.

Die Paulskirche solle anlässlich ihrer – bislang unter Wert verkauften – Bedeutung als nationales Monument der Demokratie nicht weiterhin nur ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens sowie für getragene Veranstaltungen und großen Reden sein. Vielmehr solle die Wiege der Demokratie demnächst auch wieder zu einem Ort der lebendigen demokratischen Debatte werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterstütze dieses Vorhaben. Ein Erstgespräch dazu sei in Berlin bereits anberaumt, so der Oberbürgermeister.

Desweiteren konnte Feldmann auf Erfolge beim Bemühen um mehr Klimaschutz verweisen:. So sinke der Energieverbrauch bei städtischen Neubauten stetig. Durch die flächendeckende Einführung von Ökostrom, den konsequenten Ausbau des Radwegnetzes, den Ausbau des Grüngürtel und Initiativen wie Umweltlernen wurde bereits viel erreicht, um Frankfurt in ökologischer Hinsicht fit für die Zukunft zu machen. „Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Frankfurt hat bereits viel gemacht. Aber: Es ist nie perfekt. Denn so wie die soziale Frage in den Städten entschieden wird, wird auch die Frage des Klimawandels dort entschieden“, sagte Feldmann. Deswegen müsse die Stadt ihre Anstrengungen noch verstärken. Ein sichtbares Zeichen für das Bemühen um mehr Nachhaltigkeit, ist sicherlich auch, einen Klimaforscher als Festredner gewinnen zu können.

Urkrainische Konsulin Doyenne Alla Polyova,  © Foto: Diether v. Goddenthow
Urkrainische Konsulin Doyenne Alla Polyova, © Foto: Diether v. Goddenthow

Begeistert von Frankfurts Weltoffenheit und Toleranz als einer Stadt, in der über 50 Prozent der Bevölkerung aus 170 Nationen friedlich zusammenleben, zeigte sich die ukrainische Generalkonsulin Doyenne Alla Polyova und rief unter großem Beifall den Gästen zu:. „Die Stadt Frankfurt ist für uns ein Stück Heimat geworden“.

Professor Mojib Latif warnt vor weiterer „Heißzeit“

Frankfurt habe im nicht enden wollenden Sommer 2018 hinsichtlich der Anzahl der Sommertage mit über 25 Grad bundesweit den Vogel abgeschossen, was die Messungen seit Beginn der Aufzeichnungen angeht. Bundesweit waren wir ganz oben mit 2,9 Grad über dem Durchschnitt, begann der international renommierte Professor Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel, seine Festrede „Herausforderung Klimawandel“. Nicht von ungefähr habe die Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden „Heißzeit“ zum Wort des Jahres gekürt, nicht nur, um „diesen Sommer würdigen zu wollen“, sondern, da eben die derzeitige Erderwärmung, „die wir Menschen im Begriff sind anzustoßen, vom Ausmaß her ähnlich epochal sei“ wie die Eiszeit, falls es uns nicht gelänge, die Erderwärmung durch Reduktion des Co2-Ausstoßes zu begrenzen. Insofern träfe das Wort“ Heißzeit“ wirklich den Nagel auf den Kopf, so der Klimaprofessor, unter dessen eindringlichen frei gesprochenem Vortrag der Kaisersaal 20 Minuten lang zum Hörsaal für Erstsemester der Klimaforschung wurde.

Prof. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Kiel). © Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Kiel). © Foto: Diether v. Goddenthow

Wer mitreden wolle, müsse verstehen, „worum es hier eigentlich geht.“ Es ginge zunächst einmal darum, zu verstehen, warum die Erde eigentlich lebensfreundlich sei, so Latif. Die Erde sei „der einzige Planet unseres Sonnensystems der lebensfreundlich ist. Schauen Sie mal unsere beiden Nachbarn an: Der eine Nachbar ist die Venus. Auf der Venus herrschen Temperaturen von 400 Grad. Unser anderer Nachbar, der weiter von der Sonne entfernt ist als wir, ist der Mars. Auf dem Mars herrschen extrem kalte Temperaturen.“ Es sei nur unserer ganz speziellen Atmosphäre zu verdanken, dass auf der Erde überhaupt Leben möglich sei.

Unsere Atmosphäre habe nämlich eine ganz besondere Zusammensetzung aus 78,1 Prozent Stickstoff, 20,9 Prozent Sauerstoff und dann nochmal 0,93 Prozent Edelgasen wie Argon, zusammen 99,93 Prozent. Und wenn dies alles wäre, dann herrschte auf dem Planeten Erde ein eiswüstenhaftes Klima wie auf dem Mars. Aber da wäre noch dieser verschwindend kleine Rest, „die sogenannten Spurengase (…) diese sind für das Klima relevant: Es ist der Bruchteil eines Prozents, und die machen den berühmten Treibhauseffekt“, so der Klimaprofessor. Diese sogenannten Treibhausgase Kohlendioxid, Methan, Distickstoffmonoxid (Lachgas) und Ozon wirkten wie das Glas eines Treibhauses. Sie seien transparent für Sonnenstrahlung, aber sie ließen die Wärme nicht entweichen. Im Prinzip sei der Treibhauseffekt super, auch Kohlendioxid sei super, da wir ohne das gar nicht leben könnten. Wie bei einer Medizin könne es jedoch zu Nebenwirkungen kommen, wenn man zu viel davon nehme. Es ginge darum, „dass wir einen an sich heilsamen Effekt verstärken und dass sehen wir dann in Form der Erderwärmung und diese schreitet, wie gesagt, immer weiter voran.“

Konzentrierte Stille herrschte im Kaisersaal als Mojib Latif die Basics über die Zusammensetzung der Erdatmosphäre erklärte. © Foto: Diether v. Goddenthow
Konzentrierte Stille herrschte im Kaisersaal als Mojib Latif die Basics über die Zusammensetzung der Erdatmosphäre erklärte. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Klimaproblem ist in erster Linie ein Energieproblem
Seit geraumer Zeit seien wir Menschen dabei, die Zusammensetzung der Luft zu ändern, „in dem wir immer mehr von diesen Spurengasen, insbesondere vom Kohlendioxid in die Luft blasen.“ Das geschähe vor allem durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Kohle und Erdgas zur Energiegewinnung. „Das heißt: Das Klimaproblem ist in erster Linie ein Energieproblem.“

Mittlerweile sei allein der Co2 Gehalt der Luft auf ein Maß gestiegen, „den es noch nie zuvor in der Menschheit gegeben hat. Der Co2-Gehalt der Luft sei seit mindestens 800 000 Jahren nicht mehr so hoch gewesen“. Das ergab die Auswertung von Luftbläschen an Eiskernen aus Bohrungen in der Antarktis: „so wissen wir ziemlich genau Bescheid über die Geschichte der Zusammensetzung der Atmosphäre.“, erklärte Latif das Verfahren.

Mit deutschem Klimavorbild weltweit überzeugen
Mittlerweile hat sich das Klima derart erwärmt, so dass das Eis der Erde schmilzt. „Allein in der Arktis ist im Monat September, am Ende des Sommers, das Meereis, also das Eis, das auf dem arktischen Ozean schwimmt, um 40 Prozent seit Beginn der Messungen 1979 zurückgegangen“. Ginge die Entwicklung so weiter, so der Kieler Klimaforscher, könne die Arktis bis Mitte des Jahrhunderts im Sommer eisfrei sein. Zugleich stürben auch die Korallenriffe ab. 1 Grad Erwärmung der Ozeane reiche bereits, um die sogenannte Korallenbleiche auszulösen. Korallenriffe sind auch die Brutstätten vieler Fischarten, die zur Sicherung der menschlichen Ernährung unverzichtbar sind.

Allein von 1991 bis heute habe der Co2-Ausstoß um 60 Prozent zugenommen: „Wir haben nur noch ein kleines Zeitfenster, um diese Dinge zu regeln, 10 oder 20 Jahre“, so Latif. Der Klimarat sage, wir müssten bis 2060 klimaneutral werden.

Latif träumt davon, dass im Jahr 2050 vielleicht einmal gesagt werden könnte: „damals wurde doch der Grundstein für die Lösung des Klimaproblems in Deutschland gelegt“. Denn Deutschland habe nicht nur bereits 40 Prozent erneuerbare Energien-Anteil am Stromverbrauch. Deutschland habe auch die erneuerbaren Energien bezahlbar gemacht hat. Sie boomten jetzt in vielen, vielen Ländern auch beispielsweise in China, Asien usw., so der Klimaforscher.

Deutschland spiele eine energetische Vorreiterrolle. Im Grunde beeinflusse der Co2 Ausstoß in Deutschland, global betrachtet, kaum das Klima. Aber es ginge um das gute Beispiel Deutschlands, andere Länder zu überzeugen von der Notwendigkeit und Machbarkeit, erneuerbare Energien klimaneutral einzusetzen. Nur da hapere es häufig. „Wie wollen wir denn Ländern wie Brasilien klarmachen, dass sie ihre Regenwälder schützen sollen, wenn wir im gleichen Atemzug unseren kläglichen Restwald Hambacher Forst abholzen, um Braunkohle zu fördern?“

Es sei einfach wichtig, anderen Ländern voranzugehen, und zu zeigen, dass Klimaschutz möglich ist. Auch die Industrie würde noch mehr mitgehen, wenn sie nur feste Rahmenbedingungen vorfände. Klimaschutz würde aber viel zu sehr ideologisiert, zu einer Art Glaubenssache. „Wir können aber nicht mit Physik handeln. Sie können das nicht in politische Lager aufteilen.“, so Latif. Klimaschutz gelinge nur gemeinsam. Wenn jedoch die Politik nicht rechtzeitig die Rahmenbedingungen setze, dann ginge es zu langsam, „dann haben wir keine Chancen“, so die eindringliche Warnung des Klimaforschers.

Die Herausforderung des Klimawandels war Tischgespräch. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Herausforderung des Klimawandels war Tischgespräch. © Foto: Diether v. Goddenthow

Latifs schnörkellosen Worte stießen auf offene Ohren: „Toll, hab‘ heut viel gelernt.“ oder „Ein Neujahrsempfang wie ein kleiner Klimagipfel,, super!“, solche und ähnliche Kommentare konnte man anschließend am Grüne-Soße-Lunch-Buffet und an etlichen Tischen in der Wandelhalle und den verwinkelten Fluren des Römers vernehmen.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Soll es eine Kindergrundsicherung geben? – Parlamentarischer Abend der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz

(v.r.n.l.) Andreas Zels, neuer LIGA-Vorsitzender der Freien Wohlfahrtpflege Rheinland-Pfalz, Ralph Szepanski (ZDF-Moderator) und die Fraktionsvorsitzenden im rheinland-pfälzischen Landtag: Dr. Bernhard Braun. (Bündnis 90 Die Grünen), Christian Baldauf (CDU), Alexander Schweitzer (SPD), Cornelia Willius-Senzer (FDP) und Dr. Timo Böhme (AFD) beim Talk über Kinderarmut  am 16.01.2019 anlässlich des Parlamentarischen Abends im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.r.n.l.) Andreas Zels, neuer LIGA-Vorsitzender der Freien Wohlfahrtpflege Rheinland-Pfalz, Ralph Szepanski (ZDF-Moderator) und die Fraktionsvorsitzenden im rheinland-pfälzischen Landtag: Dr. Bernhard Braun. (Bündnis 90 Die Grünen), Christian Baldauf (CDU), Alexander Schweitzer (SPD), Cornelia Willius-Senzer (FDP) und Dr. Timo Böhme (AFD) beim Talk über Kinderarmut am 16.01.2019 anlässlich des Parlamentarischen Abends im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Beim Parlamentarischen Abend der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz am 16.01.2019 im Mainzer Landesmuseums diskutierten die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien des Mainzer Landtages über „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche” und über Fragen, wie der wachsenden Kinderarmut in Deutschland wirksamer entgegengewirkt werden könnte: Sollte es beispielsweise eine Kindergrundsicherung geben? Sollten „Hartz IV-Eltern“ das ihnen zurzeit aufs Hartz-Geld angerechnete Kindergeld ohne Abzüge künftig behalten dürfen? Müssten die Hinzuverdienstgrenzen, insbesondere die von Kindern und Jugendlichen, nicht erhöht oder ganz aufgehoben werden, um die Leistungsmotivation zu steigern? Müsste nicht auch das mitunter überbürokratisierte Antragsverfahren vereinfacht werden?

Gerad Holz über ISS-Langzeitstudie zur Kinderarmut. © Foto: Diether v. Goddenthow
Gerad Holz über ISS-Langzeitstudie zur Kinderarmut. © Foto: Diether v. Goddenthow

Begrüßt hatten die Landtagsvizepräsidentin Astrid Schmitt  sowie Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Basiert auf der gleichnamigen Bertelsmannstudie 2016 „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche” führte Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit Frankfurt (ISS) in das Thema „Armut im Kindesalter“ in all seinen Facetten und Auswirkungen ein.

 

„Armut im Kindesalter beschreibt leider nicht nur eine Phase des Lebens, die schwer ist, aber vorübergeht. Kinderarmut kann den ganzen weiteren Lebensweg verbauen“, sagte Landtagsvizepräsidentin Astrid Schmitt. Politik und Sozialverbände seien deshalb aufgefordert, gemeinsam gegen Kinderarmut vorzugehen. Das Fachwissen und das praktische Engagement der in der LIGA zusammengeschlossenen Verbände seien dabei für die Landespolitik unverzichtbar. Denn bei den Sozialverbänden liege das Knowhow, wie Bedürftigen am besten geholfen werden kann. „Ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen wichtigen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft“, dankte Schmitt den Anwesenden.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Info Landtag Rheinland-Pfalz

Studie „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche”
Metastudie von Claudia Laubstein, Gerda Holz und Nadine Seddig vom „Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.“ (ISS) in Frankfurt am Main für die Bertelsmann Stiftung

Je länger Kinder in Armut leben, desto negativer sind die Folgen für ihre Entwicklung und ihre Bildungschancen. Sie haben häufig kein eigenes Zimmer, keinen Rückzugsort für Schularbeiten, essen kaum oder gar kein Obst und Gemüse. Verglichen mit Kindern in gesicherten Einkommensverhältnissen sind arme Kinder häufiger sozial isoliert, gesundheitlich beeinträchtigt und ihre gesamte Bildungsbiografie ist deutlich belasteter. Das zeigt eine Metastudie, die Claudia Laubstein, Gerda Holz und Nadine Seddig vom „Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.“ (ISS) in Frankfurt am Main für die Bertelsmann Stiftung verfasst haben.

Die Bertelsmann Stiftung entwickelt zur Bekämpfung von Kinderarmut derzeit ein Konzept mit Lösungsvorschlägen. Die Studie „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche“ des ISS-Frankfurt a. M. bildet dafür eine Grundlage und bündelt Erkenntnisse deutscher Studien der letzten 20 Jahre.

Claudia Laubstein, Gerda Holz und Nadine Seddig
Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche
Erkenntnisse aus empirischen Studien in Deutschland
© 2016 Bertelsmann Stiftung

PARTY-GALA Sektnacht Ball des Sports Henkell Freixenet gibt Party-Auftakt mit Perlen des Sports und prickelndem Sekt

Party Gala Sektnacht  Ball des Sports: Prominente Athletinnen und Athleten wie Andreas Hofmann (Leichtathletik), Max Lemke (Kanu), Felix Haase (Sportschütze), Doreen Vennekamp (Sportschützin), Dorothee Schneider (Reiten), Christian Schwarzer und Markus Bauer (Handball) oder Tamas Gecsö (Kanu), feiern mit den Gästen der Kellerei das Sekt-Event zu Ehren der Förderer deutscher Sportler.  © Archivbild:Foto: Diether v. Goddenthow
Party Gala Sektnacht Ball des Sports: Prominente Athletinnen und Athleten wie Andreas Hofmann (Leichtathletik), Max Lemke (Kanu), Felix Haase (Sportschütze), Doreen Vennekamp (Sportschützin), Dorothee Schneider (Reiten), Christian Schwarzer und Markus Bauer (Handball) oder Tamas Gecsö (Kanu), feiern mit den Gästen der Kellerei das Sekt-Event zu Ehren der Förderer deutscher Sportler. © Archivbild:Foto: Diether v. Goddenthow

Der Sport feiert seine Förderer – und Henkell Freixenet gibt am 1. Februar 2019 ab 20 Uhr den Startschuss: Erneut lädt die Sektkellerei am Vorabend des 49. Ball des Sports, den die Stiftung Deutsche Sporthilfe traditionell in Wiesbaden ausrichtet, zur „Party-Gala Ball des Sports Sektnacht“ ein. Im Marmorsaal der Kellerei sorgen auch in diesem Jahr packende Live-Musik und ein angesagter DJ für eine heiße Partynacht.

Mit prickelndem Sekt wird auf den Spitzensport angestoßen: Prominente Athletinnen und Athleten wie Andreas Hofmann (Leichtathletik), Max Lemke (Kanu), Felix Haase (Sportschütze), Doreen Vennekamp (Sportschützin), Dorothee Schneider (Reiten), Christian Schwarzer und Markus Bauer (Handball) oder Tamas Gecsö (Kanu), feiern mit den Gästen der Kellerei das Sekt-Event zu Ehren der Förderer deutscher Sportler. Vor der Fotowand am Roten Teppich wird jeder Gast von Sportstars begrüßt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein persönliches Erinnerungsfoto machen zu lassen. Weiterhin warten auf die Gäste spannende Unterhaltungen mit den anwesenden Sportlern und Sport-Aktivstationen zum Mitmachen.

Coole Rhythmen tragen durch heiße Sektnacht

Jonas Reckermann, 2012 Olympiasieger im Beachvolleyball, führt auch dieses Jahr als Moderator durch die besondere Sektnacht, die ganz im Zeichen sportlicher Höchstleistung steht. Ein vielseitiges Musikprogramm lockt im Marmorsaal und in der Degorgierhalle auf die Tanzfläche:

Im Marmorsaal garantieren Dario, Mirjam von Eigen, Faiz Mangat und Tamara Bencsik mitreißende Stimmung. Dario hat schon mit Stars wie Xavier Nidoo und Matz Mutzke zusammengearbeitet. Sein Talent für Gesang mit Klavierbegleitung ist das Highlight auf jeder Veranstaltung. Mirjam von Eigen war Mitglied der Rock Classic Band „Dirty Fingers“, der Band „B54″, die als Vorgruppe von Udo Lindenberg Erfolge feierte, und ist die Stimme des Gesangs-/Klavierduos „Duo2Much“. Faiz Mangat, bekannt aus der ehemaligen Casting-Band Brosis, ist mit seiner unverkennbaren Soulstimme das deutsche Ausnahmetalent. Bei Tamara Bencsik dürfen sich die Gäste auf eine unglaubliche Stimme freuen, mit der sie Songs von Whitney Houston, 90ies Dance oder aktuelle House Tracks performt. Eine weitere außergewöhnliche Stimme gepaart mit erstklassigem Entertainment erwartet die Gäste beim Auftritt von Daisy in der Degorgierhalle. Magisch wird es mit dem Akrobatinnen-Duo „Lollipop“. An ihren Lollipop-Ringen verbinden sie Tanz, Musik und Akrobatik zu einer glamourösen Show.

Mit DJ Alex K, einem der bekanntesten DJs in ganz NRW, geht es weiter bis zum frühen Morgen: Sein Repertoire aus Oldies, Musik der 70er, 80er und 90er, Rock, Pop, Schlager oder aktuellen Charts, House, Electro und Black Music lässt keine Musikwünsche offen.

Fahrservice für den sicheren Heimweg

Es wird wieder eine ausgelassene Partynacht werden – und damit auch die prickelnden Köstlichkeiten genossen werden können, steht der Mercedes Benz Fahrservice von Taunus-Auto (www.taunus-auto.de) bereit. Dieser bringt die Gäste auf Wunsch und nach Verfügbarkeit sicher nach Hause. Die eigenen Fahrzeuge können am Sonntag vom Henkell-Parkplatz abgeholt werden.

49. Ball des Sports

Der Ball des Sports, auf den diese sportliche Sektnacht einstimmt, ist die erfolgreichste europäische Benefiz-Veranstaltung im Sport. In diesem Jahr findet die Gala, seit vielen Jahren in Wiesbaden beheimatet, zum zweiten Mal im neuen RheinMain CongressCenter statt. Mit ihrer Benefiz-Veranstaltung dankt die Deutsche Sporthilfe für das Engagement seiner Partner und Förderer und motiviert zu weiterer Unterstützung der privaten Athletenförderung in Deutschland. Traditionell ist der Ball, der am 2. Februar mit Sport- und Showprogramm stattfindet, ein Spitzentreffen von aktuellen und ehemaligen Athleten mit Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien. Auch 2019 werden wieder rund 1.400 geladene Gäste erwartet.

Tickets für die Party-Gala Sektnacht Ball des Sports

Die Karten für die Party-Gala Sektnacht Ball des Sports am 1. Februar 2019 im Stammhaus der Henkell & Co. Sektkellerei gibt es zum Preis von 50,- Euro (inkl. 2 Gläser Sekt, zzgl. Vorverkaufsgebühr). Seit 29. Oktober 2018 sind sie online unter www.wiesbaden.de/tickets sowie an folgender Vorverkaufsstelle in Wiesbaden erhältlich: Tourist Information, Marktplatz 1 (Tel. 0611 1729-930).

Bauhaus: „Moderne am Main 1919-1933″ – Museum angewandte Kunst vom 19. Januar bis 14. April 2019

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Moderne am Main 1919-1933
19. Januar bis 14. April 2019
Eröffnung: Freitag, 18. Januar 2019, 19 Uhr

Moderne am Main 1919-1933

Zum 100. Jubiläum des Bauhauses richtet das Museum Angewandte Kunst seinen Blick auf die Geschichte Frankfurts in den Jahren zwischen 1919 und 1933: Hier konstituiert sich ein beispielloses Programm baulicher, gestalterischer und kultureller Erneuerung, das unter dem Namen Neues Frankfurt in die Kulturgeschichte eingeht. Die Stadt entwickelt sich nach dem ersten Weltkrieg zum Archetyp der modernen Großstadt, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet. Zwar gilt das Bauhaus heute vielen als die Wiege der Moderne im 20. Jahrhundert. Doch die berühmte Kunst- und Gestaltungsschule ist nicht der alleinige Brennpunkt neuartiger Gestaltung in Deutschland und Europa. Zum Ausgang der 1920er Jahre hat sich Frankfurt am Main als ein dem Bauhaus gleichwertiges, weltbekanntes Zentrum der Avantgarde etabliert.

Die Ausstellung Moderne am Main 1919–1933 möchte zeigen, dass das Neue Frankfurt sich nicht im bekannten, von Ernst May initiierten Wohnungsbauprogramm oder der beliebten Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky erschöpfte. Denn zu dieser Großstadtutopie gehörte ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre der universale Anspruch, mit neuen Gestaltungsformen alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erfassen und im Verbund mit einer forcierten Industrialisierung eine neue urbane Ges ellschaft auf den Weg zu bringen. Dieser Anspruch fand seinen Niederschlag im Produkt-, Interieur-, Industrie- und Kommunikationsdesign, in den angewandten und freien Künsten ebenso, wie auch in den (damals) neuen Medien Fotografie, Film und Rundfunk.

Aus ihrer Gegenwart – und weniger aus der Vergangenheit – leiteten die Protagonist*innen das für die Moderne am Main so Spezifische ab: die Einheit von Gestaltung und sozialem Engagement. Nicht etwas Repräsentatives, mit Bedeutung Aufgeladenes galt es zu schaffen, sondern Dinge mit einem erkennbaren Charakter der technischen Produktion und der sozialen Funktion – im Hinblick auf eine neue, bessere Gesellschaft. Und so lässt sich aus heutiger Sicht sagen, dass es in den 1920er Jahren wohl kaum eine Stadt gab, in der so sehr der Geist des Neuen wehte wie in der Großstadt am Main.

Folgende entscheidende Faktoren lassen sich für diese Entwicklung ausmachen: die wiedererstandene Messe, das städtische Hochbauamt sowie die Kunstschule Frankfurt, die unter Fritz Wichert eine bedeutende Neuausrichtung erfährt und auch Lehrkräfte des Weimarer Bauhauses nach Frankfurt bringt. Aber auch andere, der neuen Gestaltung verpflichtete Vereinigungen und Interessengemeinschaften sowie eine ansehnliche Zahl privater Unternehmen wie der Lampenproduzent Bünte & Remmler, die Bauersche Gießerei oder das Telekommunikationsunternehmen Fuld und Co. waren mit ihrer Arbeit an einer auch außerhalb der Stadt wahrgenommenen ästhetischen wie gesellschaftlichen Neugestaltung im Sinne des Neuen Frankfurt aktiv beteiligt. Die institutionellen Strukturen werden ergänzt durch ein enges Geflecht informeller Strukturen aus Verbänden, Interessengruppen und gesellschaftlichen Zusammenkünften der Innovator*innen.

Mit mehr als 500 Objekten und Entwürfen, Fotografien und Reproduktionen, Zeichnungen, Gemälden, Filmen und Tonaufnahmen von über 40 privaten Leihgeber*innen öffentlichen Archiven und Museumssammlungen erzählt das Museum Angewandte Kunst die Geschichte des Neuen Frankfurt in so noch nie gesehener Fülle und Dichte. Acht thematische Kapitel zeichnen auf 1.200 Quadratmetern ein facettenreiches Bild von einem Aufbruch in die Gestaltungsmoderne, der von Zukunftsoptimismus und Weltoffenheit geprägt war. Sie stellt bekannte und weniger bekannte Protagonist*innen der Moderne am Main vor, macht mit den kreativen Netzwerken der Metropole Frankfurt vertraut und zeigt Verbindungen und Unterschiede zum Bauhaus auf. Dabei wird klar: Wenn das Bauhaus die Akademie der Moderne war, so war das Neue Frankfurt ihre Werkstatt – hier wurde den neuen Ideen ein stadtgesellschaftlicher Diskursraum eröffnet und ein praktisches Experimentierfeld geboten.

Ausstellungs-Rundgang

Treppe zum Bierkeller (Gesellschafterhaus im Palmengarten, Frankfurt am Main) Grete Leistikow (1892-1962) ca. 1930 Vintage Print 8,6 × 11,8 cm © Galerie Berinson, Berlin
Treppe zum Bierkeller (Gesellschafterhaus im Palmengarten, Frankfurt am Main) Grete Leistikow (1892-1962) ca. 1930
Vintage Print 8,6 × 11,8 cm © Galerie Berinson, Berlin

Grundlagen des Neuen Frankfurt
Im ersten Kapitel der Ausstellung können sich die Besucher*innen mit der Situation in Frankfurt nach dem ersten Weltkrieg vertraut machen. Als wichtigster Protagonist für die gesellschaftliche und politische Umwälzung gilt hier Ludwig Landmann (1868–1945), seit 1916 Wirtschaftsdezernent und ab 1924 Oberbürgermeister Frankfurts, der schon während des Krieges an der Idee einer neuen internationalen Messe arbeitete und später den Begriff des Neuen Frankfurt prägte. Mit Unterstützung seines Teams wollte er durch die Etablierung Frankfurts als Messestandort und infrastrukturellen Knotenpunkt den Export deutscher Produkte und eine neue Internationalisierung fördern. So war die Neueröffnung der Messe Frankfurt im Jahr 1919 ein entscheidender Faktor auf dem Weg in die Moderne. Zugleich zählt zu den wichtigen historischen Faktoren auch die Fundierung des Werkbund Hauses sowie das Wirken der Ausstellungsmacherin Lilly Reich. In der von ihr initiierten Messeschau „Von der Faser zum Gewebe“ (1926), stehen erstmals keine fertigen Produkte, sondern Material, Halbfertigware und Herstellungsprozesse im Vordergrund.

Experimentieren und Forschen
Mit dem Neuen Frankfurt verband sich auch ein weitreichender Umbruch in der Kunst und die Etablierung verschiedener neuer Medien, allen voran Film und Ton. In dem Ausstellungskapitel „Experimentieren und Forschen“ werden deshalb Akteur e vorgestellt, die wichtige Jahre in Frankfurt verbrachten und durch ihre genreübergreifenden Experimente zu Pionieren auf den Gebieten der neuen Medien und der Musik avancierten. Gezeigt werden hier u. a. Experimentalfilme des in Gelnhausen geborenen Oskar Fischingers, der dem Film und seiner Ausweitung in die „visuelle Musik“ deutliche Impulse gab. Auch die
wichtigen Entwicklungen im Bereich Musik und Ton werden hier vorgestellt. So gibt es Kompositionen von Paul Hindemith zu hören, die der gebürtige Hanauer auch für ein frühes elektronisches Instrument – das Trautonium – schrieb. Ebenso wird die Rolle des Radios anhand von zwei wichtigen Protagonisten vorgestellt: Hans Flesch und Ernst Schoen präg ten mit ihrem Programm den neuen Frankfurter Sender (Südwestdeutscher Rundfunk), der zwischen 1924 und 1929 als die innovativste Radiostation in Deutschland gilt. Besucher*innen können hier das überhaupt erste Hörspiel hören, das im Oktober 1924 über den Äther ging: „Zauberei auf dem Sender“.

Neben dem Zugang zu diesem historischen Film- und Tonmaterial, steht den Besucher*innen eine Neuauflage eines Theremin-Synthesizers zum Ausprobieren und Entdecken bereit, gestiftet von Moog-Music in den USA. Der Theremin-Synthesizer wurde bereits um 1920 von Lev Termen entwickelt und gilt als erstes elektronisches Musikinstrument.

Netzwerke und Gesellschaften
Die Moderne-Bewegung im Rhein-Main-Gebiet war getragen von einem Netzwerk unterschiedlichster Personen, einer Verbindung vieler, die sich mal enger, mal weniger fest zusammenschlossen, um gemeinsam an der Realisierung verschiedener Gestaltungsprojekte zu arbeiten. Exemplarisch für den Netzwerkgedanken stehen Leben und Werk des Künstlerpaares Ella Bergmann-Michel (1895–1871) und Robert Michel (1897–1983), das in diesem Kapitel anhand ausgewählter Arbeiten vorgestellt wird. Ihr Wohnhaus und Arbeitsraum im Taunus – ein Gehöft namens Schmelzmühle – etablierten sie zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt für Gestalter*innen, Künstler*innen und Architekt*innen ihrer Zeit, den sie später liebevoll als „Heimatmuseum of Modern Art“ bezeichneten. Zu den Gästen, die hier ein- und ausgingen, gehörten Lázló Moholy-Nagy, Willi Baumeister, Jan Tschichold und nicht zuletzt Kurt Schwitters.

Das Ehepaar war zudem in wichtigen Verbänden vertreten, die ebenfalls gestalterische Umbrüche in Frankfurt anstießen: Robert Michel war Mitglied im Werkbund und Bund deutscher Architekten. Er engagierte sich im Arbeitskreis soziales Bauen der Frankfurter Oktobergruppe und realisierte ab 1928 mehrere kleinere Bauprojekte. Ella Bergmann-Michel arbeitete als Fotografin und drehte zwischen 1931 und 1933 insgesamt fünf dokumentarische Filme über den Alltag in Frankfurt am Main und Umgebung, die ebenfalls in einer Auswahl zu sehen sind. Gemeinsam mit Paul Seligmann (1903–1985) gründete sie die Liga für den unabhängigen Film, die in Frankfurt zahlreiche Veranstaltungen zum künstlerischen Film organisierte, so auch die Aufführungen der experimentellen Filme Oskar Fischingers 1932, der zu dieser Zeit schon in Berlin lebte.

Lehren und lernen
An der ästhetischen wie gesellschaftlichen Neugestaltung beteiligt war auch die Kunstschule Frankfurt (ein Zusammenschluss der Kunstgewerbeschule und der Städelschule), die Fritz Wichert ab 1924 zu einer Lehrinstitution nach dem Vorbild des Weimarer Bauhauses formte und in eine zweisemestrige Vorklasse, zehn Fachklassen und entsprechende Werkstätten gliederte. Anders als am Bauhaus stand in Frankfurt die Architektur von Anfang an auf dem Lehrplan. Die freien und angewandten Künste soll ten gleichrangig behandelt werden. Adolf Meyer, Josef Hartwig, Karl Peter Röhl und Christian Dell wechselten vom Weimarer Bauhaus nach Frankfurt und arbeiteten am Main für das moderne
Lehrkonzept. Zu den Lehrenden gehörten auch Margarethe Klimt (Modeklasse), Richard Lisker (Textilklasse), Paul Renner und Willi Baumeister (Typografie und Werbegrafik), Franz Schuster (Innenarchitektur), Richard Scheibe (Bildhauerei) und Max Beckmann (Malerei). Aus dieser Schule gingen u. a. hervor die Fotografinnen Marta Hoepffner und Elisab eth Hase
sowie der Grafiker Werner Hugo Epstein, der Maler Helmut Tamm und die Typografin und Grafikerin Liselotte Müller.

Die Kunstschule unterhielt auch regen Kontakt mit der Industrie und der Wirtschaft sowie den kommunalen Ämtern. Hans Leistikow, Leiter des grafischen Büros der Stadt Frankfurt, setzte zum Beispiel während seiner Lehrtätigkeit an der Kunstschule zwischen 1926 und 1927 Aufträge der Stadt mit Studierenden um. Dies gilt auch für Adolf Meyer, der kleine Bauaufträge an seine Studierenden weitergab und Josef Hartwig, der in seinem Unterricht Aufträge im Sinne der neu geschaffenen Friedhofsrichtlinie umsetzte.

Großstadt gestalten
Die Akteur*innen der Frankfurter Moderne stießen nicht nur Neuerungen im Wohnungsbau an, sondern ebenso in der Grünplanung und bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Die Stadt sollte durch den systematischen Einsatz wiederkehrender, durchdacht entworfener Elemente gegliedert und zu einer Einheit zusammengefasst werden. Von Ernst Mays Großraumplanung über Max Brommes Grünanlagen und Leberecht Migges Wertstoffkreisläufe bis hin zu Margarete Schütte-Lihotzkys Kleingartenlauben und Adolf Meyers Trinkbrunnen lassen sich in den gefundenen Lösungen deutlich die demokratischen und solidarischen Ideen hinter den Entwürfen ablesen.

Noch heute, fast einhundert Jahre nach dem Projekt Neues Frankfurt, weist das Stadtbild an einigen Orten Elemente dieser Gestaltungsmoderne auf. Diese Orte regen dazu an, über d ie Ideale ihrer Gestalter*innen nachzudenken und die immer noch aktuelle Frage zu stellen: Wie wirkt die gebaute Umwelt auf das Zusammenleben der Menschen in einer Stadt?

Auch Ferdinand Kramer, der mit dem Innenausbau und der Möblierung der Frankfurter Wohnungssiedlungen beauftragt war und das für das Neue Frankfurt charakteristische Möbeldesign hervorbrachte, gestaltete eine Reihe von Parkbänken und Ausstattungen für den öffentlichen Raum. Eine dieser Parkbänke, die leider heute aus dem Stadtbild verschwunden sind, wurde in Kooperation mit der tatcraft GmbH, einem MakerspaceStartup-Unternehmen aus Frankfurt, nach Plänen Kramers reproduziert und lädt in der Ausstellung zum Verweilen ein. Zwei weitere Parkbank-Reproduktionen sollen im Laufe der Ausstellung langfristig im Metzlerpark und am Mainufer installiert werden.

In Produktion gehen
Die Frankfurter Moderne wurde vor allem durch die enge Zusammenarbeit städtischer Ämter möglich gemacht. Das Frankfurter Baudezernat baute in den 1920er Jahren ca. 12.000 Wohnungen in am Stadtrand neu angelegten Siedlungen und nahm so in einem bisher nicht gekannten Ausmaß Einfluss auf die Gestaltung der Stadt: die Architektur der Gebäude, die Grünflächen und Friedhöfe, die Reklame aber auch die Inneneinrichtung der Wohnungen sollten rationaler, standardisierter und somit moderner gestaltet werden.

Im Sommer 1925 wurde Ernst May (1886–1979) von den Stadtverordneten zum Stadtrat für Hoch- und Städtebau gewählt. Martin Elsaesser (1884–1957) trat die neu geschaffene Stelle des Hochbaudirektors an. Mit der Berufung dieser beiden Architekten begann eine wirksame Umstrukturierung des Hochbauamtes, das sich nun in folgende Untereinheiten gliedert e:
„Abteilung E: Großbauten“, „Abteilung B: Bauberatung“ und „Abteilung T: Typisierung“. Unter Mays Direktion fielen zudem die Baupolizei und das Siedlungsamt mit den Abteilungen „Stadt- und Regionalplanung“ sowie „Garten- und Friedhofswesen“.

Im Ausstellungsbereich „In Produktion gehen“ können die Besucher*innen zahlreiche Designobjekte entdecken, die aus dem Neuen Frankfurt hervorgingen – zumeist in Zusammenarbeit von städtischen Akteuren mit den florierenden regionalen Privatunternehmen. Zu sehen sind u. a. Möbel von Ferdinand Kramer und Franz Schuster, eine Reihe von Leuchten von Christian Dell und Adolf Meyer, das Frankfurter Telefon der Firma Fuld sowie der Kühler der Autokarosserie des Adler Standards 8 nach den Entwürfen von Walter Gropius und seinem Berliner Büro.

Moderne veröffentlichen
In diesem Bereich der Ausstellung kann man anhand von Fotografien, Objekten, Plakaten und Faksimiles eine Auswahl von Großveranstaltungen kennenlernen, die in der demokratisch regierten Großstadt symbolisch zwischen Politik und Öffentlichkeit vermittelten. Sie geben Auskunft darüber, welche öffentlichen Themen und Interes sen verhandelt wurden und wie dieser beispiellose Modernisierungsschub forciert und bewältigt wurde. Darüber hinaus legt die Ausstellung hier einen Schwerpunkt auf die Fotografie und stellt hier die wichtigsten Protagonist*innen vor, die für dieses Medium in Frankfurt tätig waren und

Prolog und Epilog
Zu Beginn der Ausstellung können die Besucher*innen virtuell in die Welt des Neuen Frankfurts eintauchen. Noch bevor man die eigentliche Ausstellung betritt, ermöglicht die VR-Installation von Nadine Auth (Absolventin der HfG Offenbach) – entstanden in Zusammenarbeit mit Caspar Schirdewahn (Student an der HTW Berlin im Studiengang Gamedesign) – eine detaillierte Vorstellung nahezu aller an der Moderne am Main beteiligten Akteur*innen. Was sich zweidimensional nicht mehr darstellen ließ, jenes Beziehungs- und Arbeitsgeflecht, dieses weit verzweigte Netzwerk von Personen unterschiedlichster Professionen, wird hier auf äußerst sinnliche Art und Weise für die Besucher*innen erfahrbar.

Die abschließende Klammer bildet der Epilog, mit ausgesuchten Objekten und einer weiteren Multimedia-Installation. Eine Bibliothek von 360°-Panoramen der heute erhaltenen Frankfurter Küchen von Fotografin Laura J Gerlach zeigt die wohl berühmteste Erfindung des Neuen Frankfurt im Kontext ihrer jetzigen Umgebungen – private Wohnungen, Büros und Museen. Die durch die freundliche Unterstützung von Lauterbach Schaap Interiors in Frankfurt ermöglichte Installation, bildet zusammen mit zwei Kunstwerken von Olaf Metzel einen Link zur im selben Raum befindlichen originalen Frankfurter Küche aus dem Frankfurter Siedlungsbauprogramm. Als Pendant zur und inspiriert von der Frankfurter Parkbank von Ferdinand Kramer, ist im letzten Abschnitt der Ausstellung zudem eine neue Variante zu sehen, die von der tatcraft GmbH unter heutigen technischen und materiellen Gesichtspunkten entwickelt wurde. Wenn die Ausstellung mit ihren Kapiteln also ein aufschlussreiches Bild von Aufbruch, Vorbildfunktion und den gestalterischen Auseinandersetzungen in jener Zeit zwischen 1919 und 1933 zeichne t, lassen sich anhand der „Andeutungen“ an ihrem Ende drei grundlegende Fragen ableiten: Ob und in welcher Weise gesellschaftliche Veränderungen auch einen veränderten, von Nachahmung befreiten ästhetischen Niederschlag finden müssen, wie das Neue in die Welt kommt und wie viel Moderne, also Neues und damit Veränderungen der Mensch verträgt.

Kuratorisches Statement
Dem Neuen Frankfurt setzten der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg ein jähes Ende. Ernst May und seine „Brigade“ zog es in die UdSSR, wo die Gestaltungsmoderne unter Stalin schon alsbald diskreditiert wurde, während in den USA die Gruppe um Walter Gropius auf rege Resonanz traf und als International Style nach 1945 eine weitreichende Strahlkraft entwickeln konnte. In Frankfurt sind, sieht man einmal von der Frankfurter Küche oder der Schrift Futura ab, keine ikonischen oder später ikonisierten Produkte entstanden, sondern vielmehr Bauten, Möbel, Haushaltsgegenstände, Kommunikationsmittel, kurzum Gebrauchsgegenstände für den täglichen Bedarf, oder wie Mart Stam es nannte, „Dinge für das Menschenmaß“.

Es gab einen noch viel tragischeren Grund für das Ende dieser Moderne: Kaum eine andere Stadt war so sehr vom Engagement ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger für die Moderne geprägt wie Frankfurt. Unternehmer, Politiker, Intellektuelle kamen zu einem großen Teil aus dieser jahrhundertealten Tradition. 1933 zählte die jüdische Gemeinde Frankfurts etwa 30.000 Mitglieder. Nach 1945 war diese ehemalige Stadt-, Wissens-, und Handlungselite nahezu vollständig verschwunden. Mehr als 10.000 von ihnen waren in Konzentrations – und Vernichtungslagern ermordet worden, die anderen emigriert.

Mit dieser Ausstellung das Neue Frankfurt in seiner Gesamtheit wiederzuentdecken, heißt für uns, die Kurator*innen, nicht nur eine historische Rehabilitation zu betreiben, sondern auch das Ende dieser Moderne am Main zu thematisieren und darüber hinaus dazu einzuladen, Perspektiven für die Zukunft in politischer, sozialer, gesellschaftlicher und eben auch gestalterischer Hinsicht zu entwickeln.

Daher möchte das Museum Angewandte Kunst an die Worte des 1924 zum Frankfurter Oberbürgermeister gewählten Ludwig Landmanns erinnern, der nicht nur den programmatischen Begriff des Neuen Frankfurt prägte, sondern zugleich klarmachte, wofür es stehen sollte und an wen es appellierte, nämlich „an den weltoffenen, sachlichen und zukunftsfrohen Geist in Frankfurt“

Kurator*innen
Grit Weber, Annika Sellmann, Prof. Dr. Klaus Klemp, Prof. Matthias Wagner K
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
www.museumangewandtekunst.de

Die faszinierende Welt natürlich entstandener Gläser – Vortrag im Schloss Biebrich 24.1.2019

Vulkanische Gläser - hier eine Bildmontage des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.
Vulkanische Gläser – hier eine Bildmontage des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen lädt ein zu einem zu einem geologischen Vortrag von Dr. Jan Bohatý, Landespaläontologe im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, über farbenprächtige Vulkangläser
am 24. Januar 2019 um 19:00 Uhr
in den Blauen Salon des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen,
Schloss Biebrich, 65203 Wiesbaden
Begrüßung: Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen

Der Vortrag widmet sich der spannenden Frage, wie es die Natur fertig bringt solch eine Vielfalt unterschiedlicher Gläser entstehen zu lassen, die schon aufgrund ihrer Schöpfungs-Bedingungen faszinieren. So vermögen Vulkanausbrüche, Meteoriten- und Blitzeinschläge siliziumreiche Gesteine zu Glas aufzuschmelzen, oftmals zu bizarren, wunderbaren und farbenprächtigen Formen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden vulkanische Gläser auch in Hessen gefunden. Zu Ehren des Geologen Christian L. von Buch (1774 bis 1853) wurden sie als „Buchite” bezeichnet. Bei diesen Erscheinungen handelt es sich um zumeist von gräulich-schwärzlichem Glas durchzogene Gesteine. Überaus farbenprächtig zeigen sich dagegen die verglasten Sandstein-„Xenolithe”, welche innerhalb der Basalte und Schlacken der Eifel vorkommen. Sie zeigen äußere, zum Teil zu Edelsteinen schleifbare Glasschmelzkrusten.

Aufgrund ihres mitunter künstlichen Aussehens vermerkte bereits der Geologe Carl Thomae (1835): „Wer die Stücke nicht selbst an Ort und Stelle zwischen den braunen Schlacken hervorzog, möchte schwören, sie seien aus einem Porzellanofen.”

Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Ort:
Blauer Salon im Biebricher Schloss
Landesamtes für Denkmalpflege Hessen,
65203 Wiesbaden-Biebrich

Mainzer Landesmuseum: Vortrag zu Max Slevogts künstlerisch gestalteter Speisekarte am 24.1.2019

Veranstaltung  im Rahmen der Slevogt-Sonderausstellung „Ein Tag am Meer“

Max Slevogt, Menü zum 50. Geburtstag von Paul Cassirer, 1921,  Lithografie, GDKE/ Landesmuseum Mainz/ Slevogt Archiv, Grafischer Nachlass © GDKE - Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.
Max Slevogt, Menü zum 50. Geburtstag von Paul Cassirer, 1921,
Lithografie, GDKE/ Landesmuseum Mainz/ Slevogt Archiv, Grafischer Nachlass
© GDKE – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.

Sein Leibesumfang verrät es – ein Kostverächter war Max Slevogt sicher nicht. Erhalten haben sich im schriftlichen Nachlass Rechnungen von Weinhäusern, aber auch Geburtstagswünsche seines Berliner Zigarrenhändlers. Dass sich im Werk des Malers auch künstlerisch gestaltete Speisekarten für Freunde und als Auftragsarbeiten finden, mutet daher wie eine logische Konsequenz an. Dr. Armin Schlechter, der als Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke am Landesbibliothekszentrum in Speyer den dort verwahrten schriftlichen Nachlass des Künstlers betreut, wird in seinem Vortrag „Max Slevogts illustrierte Speisekarten – ein Beitrag zur Kulinaristik“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) am Dienstag, 22. Januar, diese im wahrsten Sinne des Wortes köstliche graphische Kleinform vorstellen, die zugleich auch eine außergewöhnliche kulinarische Quelle für die Festmahlkultur dieser Zeit ist. Der Vortrag beginnt um 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

1912 etwa entstanden zwei Menükarten für den portugiesischen Tenor Francisco d’Andrade, den Slevogt zehn Jahre zuvor in dem berühmten Gemälde „Das Champagnerlied“ verewigt hatte. Ein enger Bezug zur Wahlheimat Pfalz liegt bei den Speisekarten für seinen Freund Heinrich Kohl und für den Historischen Verein der Pfalz vor, deren Schmuck Elemente der mittelalterlichen Deutschen Geschichte aufgreifen. Letztere haben auch eine politische Dimension, setzte Slevogt vor dem Hintergrund der französischen Besetzung der Pfalz nach dem Ersten Weltkrieg ganz auf einheimische Gerichte und Weine.

Das Landesbibliothekszentrum/Pfälzische Landesbibliothek ist gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Institut für Kunstgeschichte, Projektpartner des Max Slevogt-Forschungszentrums, das am Landesmuseums Mainz angesiedelt ist.

50 Sternsinger bringen Ministerpräsident Bouffier und Staatsminister Wintermeyer Segen in die Hessische Staatskanzlei

(v.r.n.l.) Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, empfangen die Sternsinger aus allen drei hessischen Bistümern in der Regierungszentrale. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.r.n.l.) Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, empfangen die Sternsinger aus allen drei hessischen Bistümern in der Regierungszentrale. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Hoher Besuch in der Hessischen Staatskanzlei: Die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar brachten dem Hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier und dem Chef der Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, den traditionellen Segen. Die rund 50 Sternsinger kamen aber nicht aus dem Morgenland, sondern aus der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt und dem Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz). Bouffier und Wintermeyer dankten den Mädchen und Jungen mit einer Geldspende. Sie kommt der Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Hessen (BDKJ) zugute.

„Kinder erkennen, wenn etwas ungerecht ist. Sie sind bedrückt, dass es Mädchen und Jungen in Teilen der Welt oft schwer haben und viele eine ‚normale Kindheit‘ nicht kennen. Mit dem schönen Brauch des Dreikönigssingens helfen sie Gleichaltrigen über Kontinente hinweg. Was vor einigen Jahrzehnten hierzulande buchstäblich von Tür zu Tür in den Pfarreien begann, hat sich mittlerweile zur größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Beteiligten für diese gelebte Solidarität, die für ein intaktes Gemeinwesen enorm wichtig ist“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Es ist auch in unserer heutigen Zeit ein tolles Zeichen, dass Kinder von Haus zu Haus ziehen, um einen Segen auszusprechen. Die Aktion zeigt seit Jahren, dass Fürsorge und Nächstenliebe ihren Platz in der Mitte unserer Gesellschaft haben und von engagierten Kindern aus den Gemeinden weitergetragen werden“, so der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer.

Zum 61. Mal sind die Sternsinger rund um den Dreikönigstag bundesweit unterwegs. „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!“ heißt das Motto der diesjährigen Aktion, an der sich Kinder und Jugendliche in den Gewändern der Heiligen Drei Könige in allen deutschen Bistümern beteiligen. Mit ihrem Leitwort stellen die Sternsinger gemeinsam mit den Trägern der Aktion – dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der BDKJ – Kinder mit Behinderungen in den Mittelpunkt. Das aktuelle Beispielland ist Peru.

50 Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt, der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz) und der Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), mit Volker Bouffier (li) und Axel Wintermeyer (re. hinten). © Foto: Diether v. Goddenthow
50 Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt, der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz) und der Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), mit Volker Bouffier (li) und Axel Wintermeyer (re. hinten). © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei ihrer zurückliegenden Aktion sammelten die Mädchen und Jungen zum Jahresbeginn 2018 rund 48,8 Millionen Euro. Die rund 300.000 beteiligten Sternsinger und ihre rund 90.000 Begleiter in mehr als 10.000 Pfarrgemeinden, Schulen und weiteren Einrichtungen erzielten damit das höchste Ergebnis seit dem Start ihrer Aktion 1959. Die gesammelten Spenden kommen Kindern in Not in über 100 Ländern zu Gute. Vor allem in Bildungs- und Ausbildungsprojekten werden Mädchen und Jungen gefördert und betreut, aber auch Projekte im Gesundheits- und Ernährungsbereich und im Kindesschutz können verwirklicht werden.

SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz: „Wir sind auf der Zielgeraden!“

Informations-Abend in der Steinhalle im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Informations-Abend in der Steinhalle im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Kulturminister Wolf und Generaldirektion Kulturelles Erbe informierten heute Abend im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz.

„Nach vielen Jahren der Vorbereitung und der akribischen Detailarbeit sind wir nun auf der Zielgeraden. Im September dieses Jahres werden wir den UNESCO-Welterbeantrag für die SchUM-Stätten zur Vollständigkeitsprüfung vorlegen“, so Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf heute bei einem Vortragsabend im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Die Prüfung ist die letzte Hürde vor der offiziellen Antragstellung, die im Januar 2020 erfolgen soll. Wolf unterstrich erneut, welche große kulturhistorische Bedeutung die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz besitzen: „Sie sind nicht nur einzigartige Monumente der Bauarchitektur, sondern auch eindrückliche Zeugnisse, welche die Tradition des aschkenasischen Judentums, der Jüdinnen und Juden aus Mittel-, Nord- und Osteuropa und deren Nachfahren, fortbestehen lassen. Die vorliegenden Ergebnisse der wissenschaftlichen Expertisen bekräftigen unsere Einschätzung, mit den SchUM-Stätten ein außergewöhnliches Welterbe in Rheinland-Pfalz zu haben.“

Damit die Orte als UNESCO-Welterbe anerkannt werden, muss laut Dr. Stefanie Hahn, die den Antrag auf Seiten des Kulturministeriums betreut, vor allem der universelle Wert nachgewiesen werden. Die Bedeutung muss internationalen Rang besitzen und sowohl für gegenwärtige als auch für künftige Generationen der Menschheit von Wert sein. „Die einzigartigen Monumente in Speyer, Worms und Mainz sind zugleich materielle Überreste der Wiege des aschkenasischen Judentums – der mittelalterliche Verbund dieser Städte prägt unser Land in vielen Bereichen noch bis heute. Die wissenschaftlichen Arbeiten belegen, dass die einzigartigen Synagogen, Mikwen, Gemeindebauten und Friedhöfe der drei jüdischen Gemeinden die materielle Kultur der jüdischen Minderheit in Zentraleuropa grundlegend und nachhaltig geprägt haben. An keinem Ort in Europa gibt es ein vergleichbares Spektrum jüdischer Monumente und Stätten aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Sie lassen die kulturelle Leistung europäischer Juden in der Formationsphase des aschkenasischen Judentums in besonderer Weise anschaulich werden“, betont Hahn.

Bereits seit 2006 engagiert sich das Land Rheinland-Pfalz mit seiner Denkmalfachbehörde, der GDKE, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Mainz, dem Verein SchUM-Städte e.V. und den drei Städten Speyer, Worms und Mainz für die Anerkennung der SchUM-Stätten als UNESCO-Welterbe. „Es ist ein langer und steiler Weg, den wir hier schon seit 13 Jahren gehen. Aber dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten bin ich sehr optimistisch, dass der Antrag Erfolg haben wird“, so Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, der bei der heutigen Veranstaltung von den Tätigkeiten und Aufgaben der Denkmalpflege im Hinblick auf die jüdischen Bauwerke in Speyer, Worms und Mainz berichtete.

Neben Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Dr. Stefanie Hahn und Thomas Metz unterstrichen auch die Bau- und Kulturdezernentin der Stadt Mainz Marianne Grosse, Dr. Christoph Cluse von der Universität Trier, Prof. Dr. Matthias Untermann von der Universität Heidelberg und PD. Dr. Peter Waldmann von der Jüdischen Gemeinde Mainz die herausragende Bedeutung der SchUM-Stätten, indem sie geschichtliche, architektonische und kulturelle Aspekte der Stätten beleuchteten.

Die SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz bildeten im Mittelalter ein europaweit bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens, in dem wesentliche Grundlagen für das aschkenasische Judentum gelegt wurden. Die drei Gemeinden mit ihren bis heute verehrten Rabbinern gelten als die Wiege des aschkenasischen Judentums. Zu den einzigartigen baulichen Zeugnissen, die aus dieser Zeit erhalten sind, gehören unter anderem: in Speyer die nahezu vollständig erhaltene Mikwe sowie die Reste der 1104 eingeweihten Synagoge, in Worms die 1938 zerstörte, bis 1961 auf Ruinenmauern aufgebaute Synagoge, die Mikwe von 1185/86 sowie der in situ erhaltene und eine einzigartige Kontinuität aufweisende Friedhof „Heiliger Sand“ und in Mainz der 1926 eröffnete Denkmalfriedhof.