Kategorie-Archiv: Denkmäler – Kulturerbestätten

Denkmaltag am 12. September widmet sich in Rheinland-Pfalz Tradition und Fortschritt im 19. Jahrhundert

Broschüre Tag des Denkmals RLP 2021. Motto: Tradition und Fortschritt im 19. Jahrhundert.
Broschüre Tag des Denkmals RLP 2021. Motto: Tradition und Fortschritt im 19. Jahrhundert.

Minister Roger Lewentz hat gemeinsam mit der Generaldirektorin Kulturelles Erbe, Dr. Heike Otto, und Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser das rheinland-pfälzische Programm zum Tag des offenen Denkmals am 12. September vorgestellt und eine Broschüre der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) präsentiert. Die GDKE bespielt den Aktionstag seit 2018 als Denkmaltag, in diesem Jahr unter dem Titel „Tradition und Fortschritt im 19. Jahrhundert“. So soll der Blick fokussiert auf das Bundesland gelenkt und das bundesweite Programm um regionale Aspekte ergänzt werden. Das spannende kulturelle Erbe des Landes soll zu Vor-Ort-Besichtigungen animieren.

„Nach dem rein digitalen Angebot im vergangenen Jahr nehmen wir zwar noch immer Rücksicht auf die anhaltende Corona-Pandemie, wollen aber überall da, wo es möglich ist, den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit bieten, mit unseren Kulturdenkmälern unmittelbar in Kontakt zu treten. Die Vielschichtigkeit des 19. Jahrhunderts zwischen Tradition und Innovation, die sich in den Werken der Architektur, Kunst und Technik spiegelt, lässt sich an vielen Beispielen im ganzen Land aufzeigen“, so Lewentz. Anlässlich des Denkmaltages stelle eine neue Broschüre der GDKE in 27 kurzen Aufsätzen Kulturdenkmäler aus Rheinland-Pfalz vor. Es handele sich sowohl um solche, die neu entdeckt oder erfasst wurden, als auch beispielsweise um erfolgreiche Umnutzungen.

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals widmet sich in diesem Jahr unter dem übergreifenden Motto „Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ der Illusion als Darstellungsmittel der Kunst, insbesondere vor dem Hintergrund des Verhältnisses zwischen künstlerischem Original und Rekonstruktion. Rheinland-Pfalz präsentiert in diesem Jahr 148 Denkmäler. Zu den Highlights gehören das Römische Theater in Mainz, das Fort Großfürst Constantin in Koblenz, das ehemalige Minoritenkloster in Oberwesel, die ehemalige Prämonstratenserabtei in Bendorf-Sayn, die Abtei Rommersdorf in Neuwied, St. Cyriakus in Frankenthal-Eppstein sowie die Erlöserkirche in Ludwigshafen-Gartenstadt.

„Mich begeistert dabei immer wieder das Engagement der Eigentümerinnen und Eigentümer für ihr Denkmal, die unglaublich viele planerische Ideen entwickeln und eine Vielzahl von handwerklichen und restauratorischen Leistungen möglich machen“, so die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto.

Für die Besucherinnen und Besucher ist das Programm der Denkmäler wie auch der digitalen Angebote auf der Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einsehbar (www.tag-des-offenen-denkmals.de). Über den Suchfilter kann auch das Angebot der einzelnen Bundesländer, darunter das von Rheinland-Pfalz, abgerufen werden.

„Die digitalen Angebote im vergangenen Jahr waren eine gute Alternative inmitten der Corona-Pandemie. Zugleich konnten wir dabei feststellen, dass die digitalen Angebote sogar helfen können, Schwellenängste abzubauen und neue Interessentengruppen zu erschließen – vor allem in der jungen Generation“, so die Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser, „in diesem Jahr wollen wir zeigen, dass sich beide Formate gegenseitig ergänzen. Insofern wird das Präsentationspektrum am Tag des offenen Denkmals in Zukunft ausgeweitet und aktualisiert werden“. Zu den digitalen Angeboten zählen unter anderem Fotostrecken, Videos, Instagram-Stories, virtuelle Rundgänge/Vorträge und Audio-Aufnahmen.

„Erst im Juli wurde die Stadt Bad Ems als eine der ‚Great Spas of Europe‘ in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen. Als eines der traditionsreichsten Kurbäder in Deutschland ist Bad Ems mit seinem weitgehend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Baubestand die bedeutendste unter den historischen Kurstädten in Rheinland-Pfalz. Das Motto „Tradition und Fortschritt im 19. Jahrhundert“ des diesjährigen Denkmaltages knüpft bestens an den großartigen Erfolg der Anerkennung von Bad Ems als Weltkulturerbe an und unterstreicht, wie viel Rheinland-Pfalz aus dieser Epoche kulturell zu bieten hat“, so Innenminister Roger Lewentz. Umso mehr freue er sich auf die zentrale rheinland-pfälzische Eröffnungsveranstaltung des Denkmaltages am Sonntag im Marmorsaal des Bad Emser Kursaalgebäudes.

Der Tag des offenen Denkmals bietet Eigentümern, Ehrenamtlichen, Vereinen und den Institutionen der Denkmalpflege die Möglichkeit, ihre Arbeit mit dem kulturellen Erbe und die daran geknüpften Leistungen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Der Denkmaltag Rheinland-Pfalz der GDKE versteht sich dabei als Beitrag zum Tag des offenen Denkmals.

Michael Bonewitz

Kein Steinschlag mehr am Drususstein – Noch bedeutender als ein Ehrenmal?

Die Banden-Info erläutert Besuchern auf einen Blick über die Sanierungsschritte des Drusussteins in der Zitadelle neben dem Historischen Museum Mainz. © Foto Diether v. Goddenthow
Die Banden-Info erläutert Besuchern auf einen Blick über die Sanierungsschritte des Drusussteins in der Zitadelle neben dem Historischen Museum Mainz. © Foto Diether v. Goddenthow

Am Drususstein wurden in den letzten Jahren umfangreiche Konservierungsmaßnahmen durchgeführt. Derzeit finden archäologische Grabungen statt, um den Fundamentbereich des Denkmals zu erforschen.
Zu einem Zwischenbericht über die Arbeiten am bedeutendsten Mainzer Denkmal hatten Bau- und Denkmalpflegedezernentin Marianne Grosse und Dr. Marion Witteyer, (Leiterin der Landesarchäologie Mainz) am 19. August vor Ort eingeladen.

Frisch Konserviert und ohne Steinschlaggefahr 

Bau- und Denkmalpflegedezernentin Marianne Grosse begrüßte die Runde, darunter den Vorsitzenden der „Initiative Römisches Mainz e.V.“, Prof. Christian-Friedrich Vahl.
Marianne Grosse gab zunächst einen kurzen historischen Überblick und berichtete, was bisher an Sanierungsarbeiten am Drususstein geschah: Bereits im Mittelalter hat der Drususstein seine Werksteinverkleidung verloren und ist zudem im Rahmen mehrerer früherer Instandsetzungen deutlich überformt worden. Seine Oberfläche ist in keiner Weise homogen. Das Monument wird in drei Zonen unterschieden, wobei man am kubischen Sockel am besten das freiliegende original römische Opus caementicium (römischer Zement) erkennen kann. Darüber befindet sich der fast zylindrische sogenannte Mauerwerksgürtel, der erst durch Reparaturen in seiner heutigen Form  entstanden sei, so die Denkmalpflegedezernentin.  Denn eigentlich befand sich dort, wie man auf alten  Darstellungen sieht, eine Einschnürung. Der Drususstein wurde auf diesen Stichen im 16. Jhd. auch als „Eichelstein“ bezeichnet. Diese „Einschnürung“ verschwand infolge der neuzeitlichen Ausmauerungen durch schichtweise gesetztes Mauerwerk und dichtes Fugenbild.
Der obere, der dritte Teil, wurde Anfang der 1980er Jahre mit einer Mauerschale überformt und hat daher wieder ein ganz anderes Erscheinungsbild, erläuterte Marianne Grosse.

Der Festungswall wurde teilweise abgegraben, um den Drususstein auch von Süden her freizustellen und den Feuchtigkeitseintrag des Mauerwerks von dieser Seite aus zu verhindern. © Foto Diether v. Goddenthow
Der Festungswall wurde teilweise abgegraben, um den Drususstein auch von Süden her freizustellen und den Feuchtigkeitseintrag des Mauerwerks von dieser Seite aus zu verhindern. © Foto Diether v. Goddenthow

Aufgrund der fortschreitenden Schadensverluste musste nun die Oberfläche des Monuments umfassend instand gesetzt werden. Die Schadensanalyse habe dabei ergeben, so Marianne Grosse, dass der große Teil der Mörteloberfläche in der freiliegenden Sockelzone sehr geschwächt war und damit auch natürlich schadhaft. Der Gussmörtel war teilweise bis in größere Tiefen gelockert und Kiesel und Bruchsteine waren auch lose. Auch größere Steine waren schon absturzgefährdet und mitunter auch schon heruntergestürzt, so dass vor Steinschlag am Drususstein mit Schildern gewarnt werden musste. Ein Übriges hatten Efeubewuchs und nahestehendes Gehölz, beziehungsweise deren Wurzelwerk am Mauerwerk angerichtet. Beschleunigt hatten den Verfall Ausbrüche und Fehlstellungen am Mauerwerk, was zu dauerhafter Durchfeuchtung und Frostschäden führte und für  sehr, sehr weit zurückgewitterte Fugen im Mauerwerk sorgte. An der Süd- und Südostseite war ein besonders starker Pflanzenbewuchs vorhanden.

Nach der Erstellung verschiedenster Gutachten mussten hier als erste Sanierungsmaßnahmen zum Schutz des Denkmals sechs Bäume entfernt werden, die sowohl die Lichtbeziehung aber auch über ihr Wurzelwerk das Gestein negativ beeinträchtigt haben, erläuterte die Bau- und Denkmalschutzdezernentin. Es gibt natürlich Ausgleichspflanzungen an anderer Stelle.
Zudem wurde der Festungswall teilweise abgegraben, um den Drususstein auch von Süden her freizustellen und den Feuchtigkeitseintrag des Mauerwerks von dieser Seite aus zu verhindern, veranschaulichte Marianne Grosse die weiteren, bisher erfolgten Sanierungsschritte. Dabei wurden ganz beachtliche Einschnürungen und Ausbrüche bis zu einer Tiefe von 1 bis 1,6 Meter vorgefunden, so dass zur Stabilisierung und Verstärkung ein Füllbeton eingebracht werden musste, „der in seiner Zusammensetzung sehr dem römischen Opus caementicium ähnelt“, versicherte Marianne Grosse.

Der Fundament musste freigelegt werden. © Foto Diether v. Goddenthow
Der Fundament musste freigelegt werden. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein Restaurator habe zudem eine genaue Schadenskartierung des gesamten Mauerwerks vorgenommen, die als Grundlage für die Restaurierung verwendet werde. So sei inzwischen der gesamte Drususstein von der Firma Zedler konserviert worden, und zeige wieder ein einheitliches Erscheinungsbild. „Damit konnten wir“, so die Denkmalpflegedezernentin, „ jetzt einen ganz wichtigen und entscheidenden Teil der Arbeiten abschließen. Bei den noch laufenden Maßnahmen soll jetzt untersucht werden, wie weit das Fundament in die Tiefe reicht. Dafür haben wir uns mit der Landesarchäologie genau abgestimmt“, so Marianne Grosse abschließend.

Auf der Suche nach dem wahren Alter

Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie Mainz, unterstrich noch einmal die Dringlichkeit und Bedeutung der Maßnahme: „Wenn wir in Mainz ein Monument haben, das seines Gleichen sucht, dann ist es das. Und wenn da dran ein Besucher liest: ‚Vorsicht Steinschlag!‘ klingt das irgendwie ein bisschen merkwürdig. Also deswegen mein herzlichsten Dank dafür, dass jetzt unser Sorgenkind, das – nicht einzige – Sorgenkind der Landesarchäologie, in Pflege genommen worden ist. Die Bau- und Denkmalschutzdezernentin habe den Archäologen das nötige Zeitfenster geöffnet. Denn es ginge hier nicht drum, dass ein Hochhaus innerhalb schnellster Zeit gebaut werden müsse. Beim Drususstein ginge es um ein historisches Monument einer ganz besonderen Art. Und das erfordere nun mal eine ganz spezielle Herangehensweise. Da man bislang nicht mal genau wusste, was denn am Drususstein alles Originalsubstanz aus römischer Zeit, und was jüngeren Datums sei, habe die Stadt das erste Mal  neben der Erstellung eines Schadbildes überhaupt mal kartiert, welche Bausubstanzen original römisch alt und welche neueren Datums seien, erläuterte Dr. Marion Witteyer.

Dr. Marion Witteyer, Landesarchäologin,  kann sich vorstellen, dass es sich beim Drususstein auch um ein römisches Siegesmonument handelt, welches die Bedeutung des Drusussteins gar noch erhöhen könnte. © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Marion Witteyer, Landesarchäologin, kann sich vorstellen, dass es sich beim Drususstein auch um ein römisches Siegesmonument handelt, welches die Bedeutung des Drusussteins gar noch erhöhen könnte. © Foto Diether v. Goddenthow

Mit diesem Sanierungsprojekt seien Grundlagen geschaffen worden, „die weit in die Zukunft hineinreichen, und sich auszahlen werden“, was natürlich dauere. Beispielsweise sei man dabei, Stein für Stein, Mörtelbrocken für Mörtelbrocken abzuscannen, um Holzkohlepartikel zu finden, um diese dann für einen möglichst korrekten Altersnachweis C14-datieren zu lassen, so die Landesarchäologin, und fügt hinzu: „Ich bin schon zufrieden, wenn wir ein Jahrhundert hätten“. Aber eine Probe allein sei zu wenig. Man benötige hierfür ein wenig mehr an Material.

Im Prinzip ist man sich ja sicher, dass der Drususstein aus dem Ende des 1. Jahrhundert vor Christus stammen müsse. Das kann anhand der antiken Literatur, der Bedeutung, die Drusus für Mainz hatte, und anhand von überlieferten Senatsbeschlüssen in Rom unter anderem abgeleitet werden. Die überlieferten Senatsbeschlüsse sagen nämlich, dass alljährlich hier Feierlichkeiten für Drusus und später seinen Sohn Germanicus stattfanden. Zu diesen Feierlichkeiten seien, so Dr. Marion Witteyer, aus 60 gallischen Civitates, nämlich aus Frankreich, der Schweiz und Germanien, die politischen Vertreter hierher an den Rhein angereist, um sich in Mainz zu versammeln. Dafür müssen sie einen Platz haben. Und ein Versammlungsplatz ist immer auch zugleich eine Spielstätte oder umgekehrt. Denn eine Spielstätte bietet immer auch die Möglichkeit, sich zu versammeln. Und so bot ein Theater, wie etwa das naheliegende Römische Theater am heutigen Südbahnhof aufgrund seiner Größe immer genügend Raum für alle möglichen Arten der Versammlung. Daraus können wir zwar nicht schließen, dass das hier unbedingt das Drususmonument sein muss, aber es sei sehr wahrscheinlich.

Ehrengabmal oder Sieges-Monument?

Eine  Expertendiskussion findet derzeit darüber statt, ob es sich beim Drususstein um ein Bauwerk (Monumentum), oder einen Grabhügel (Tumulus) handelt. Während die frühen Überlieferungen  von Tumulus, also einem Hügel, einer Erdbedeckung, statt von einem Bauwerk berichten, sprechen spätere Überlieferungen  aus dem 4. Jahrhundert n. Chr.  explizit von einem „Monument des Drusus in Mainz“, so die Landesarchäologin.

So gibt es eine Gruppe von Archäologen, die aus vielen guten Gründen meinen, dass es sich beim Drususstein um ein Ehrengrab (bedeckten Hügel) von Drusus handelt. Drusus selbst ist ja nach Rom überführt und dort im Mausoleum von Kaiser Augustus beigesetzt worden.

Und die anderen sagen, dass es sich beim Drususstein um etwas anderes handele, so Dr. Marion Witteyer. Der Drususstein also kein Ehrengrab? Wäre das so,  sei das aber nicht minder imperial, vielleicht im Gegenteil, so die Landesarchäologin. Zwar wäre diese Bauform, ein Quader mit einem Grund und einem Kegeldach oben drauf, ganz typisch für die spätere Römische Republik, also für die Zeit vor Christus, um aristokratische Grabbauten zu errichten. Aber, so Dr. Marion Witteyer, gebe es „noch andere Monumente, die eigentlich vom Aufbau diesen sehr ähnlich sind. Und das sind Siegesmonumente“.

Es gibt in Monaco ganz hoch oben, im heutigen La Turbie, das Tropaeum Alpium , auch Tropaeum Augusti , genannt. Anlass für die Errichtung war der Alpenfeldzug im Jahre 15 v. Chr., in dem Drusus und Tiberius insgesamt 46 Stämme unterwarfen. Im 6 bis 7 vor Chr. wurde dieses Sieges-Monument schließlich errichtet. Da dies in Plinius Schriften belegt ist, konnte die Inschrift entsprechend wieder hergestellt werden. Das Problem hier in Mainz sei, dass „wir keine Inschrift haben“, so Dr. Marion Witteyer.

Könnte der Drususstein also  ein „Siegesmonument“ wie in La Turbie sein? Wäre dies so, hieße das aber nicht automatisch, dass es das Ehrengrabmal dann nicht gäbe.-Denn es sei ja bekannt, dass Kaiser Augustus ein Grabgedicht geschrieben hat zu Ehren von Drusus. Aber ein Grabgedicht benötigt nicht zwingend ein Steinbau, um auf einer Tafel sichtbar dort angebracht werden zu können. Auch ein Grabhügel kann ja unten ein Steinsockel haben, eine Erdaufschüttung, so wie das Mausoleum von Kaiser Augustus in Rom.

„Und wenn wir sein Ehrengrab nicht kennen, dann haben wir noch für die Zukunft wichtige Entdeckungen vor uns, so Dr. Marion Witteyer. Und  wir hätten hier ein Siegesmonument“. Aber letztlich ist es hinsichtlich der Bedeutung für Mainz egal: „Wir haben auf jeden Fall ein ganz bedeutendes, das größte Monument was in Form eines Grabbaus errichtet ist, hier in Mainz, und nirgendwo sonst“, so die Landesarchäologin, der es einfach wichtig ist, in Mainz den Mut zu haben, auch mal in weitere Perspektive einzunehmen.

Das begrüßte auch Prof. Christian-Friedrich Vahl,  Vorsitzender der „Initiative Römisches Mainz e.V.“ Er sieht in dieser „behutsamen Umgangsweise mit diesem Monument einen ganz wichtigen Schritt“, in der nächsten Zeit genauso weiterzugehen, „dass wir in Richtung Freilichtmuseum ‚Römisches Mainz‘ weiterwandern“.

(Diether v. Goddenthow)

Sanierung der Erkerkonsolen auf der Bastionsspitze Drusus durch die Zitadellen-Bauhütte

Bereits sanierter Mauerbereich der Zitadelle. © Foto Diether v. Goddenthow
Bereits sanierter Mauerbereich der Zitadelle. © Foto Diether v. Goddenthow

(gl) Zitadellen-Bauhütte leistet sehr wichtigen Beitrag zum Gelingen des großen Zitadellenprojektes. Baudezernentin Marianne Grosse besuchte Bauhüttenteam.

Im Zuge der Erarbeitung der Gesamtkonzeption zur naturverträglichen Sanierung des Zitadellenmauerwerks im Jahr 2017 wurde von den drei beauftragten Gutachtern als ein zentraler Vorschlag unterbreitet, für die Sanierungsarbeiten an den Zitadellenmauern eine Bauhütte einzurichten. Aus Gründen einer konsequenten Maßnahmendurchführung und einer zeitlich flexibleren Durchführung der Sanierung, die Belange des Naturschutzes und der Denkmalpflege unter einer Oberleitung zusammenführen soll, wird in dem oben genannten Gesamtkonzept der Gutachter empfohlen, die Möglichkeit der Einrichtung einer Zitadellen-Bauhütte zu prüfen. Denn bei den durchzuführenden Sanierungsmaßnahmen handele es sich um keine übliche Baumaßnahme, die ohne Weiteres von Unternehmen aus dem Neubaubereich übernommen werden könnte, sondern gefordert sei eine handwerkliche Instandsetzung mit Fingerspitzengefühl, die auf Erfahrungen im Umgang mit naturschutzrelevanten Ansprüchen aufbaue. Bei einer jährlichen Vergabe nach Losen an unterschiedliche Anbieter drohe, so die Gutachter, ein „Auseinander-Restaurieren“ der Mauerwerksabschnitte, was nicht im Sinne des Gesamtkonzepts wäre (Gesamtkonzept der Gutachter zur naturverträglichen Instandsetzung des Mauerwerks im Zitadellengraben, S. 21).

„Unser Ziel mit der Einrichtung einer Zitadellen-Bauhütte war also, die im Zuge der einzelnen Sanierungsabschnitte gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse mit der „Sonderbaustelle Zitadellenmauern“ und ihren speziellen Anforderungen bei uns zu bewahren und für die noch folgenden Baumaßnahmen darauf aufbauen zu können. So können wir eine hohe Kontinuität bei den Arbeiten sicherstellen. Wir sind außerdem sehr viel flexibler geworden und können gerade kleinere oder spontan erforderliche Arbeiten sehr viel schneller erledigen“, zeigt sich Baudezernentin Marianne Grosse begeistert über die Erfahrungen seit der Einrichtung der Zitadellen-Bauhütte. „Meiner damaligen Kollegin Katrin Eder und mir war sofort klar, dass die Einrichtung einer Bauhütte einen sehr wichtigen Beitrag zum Gelingen unseres großen Zitadellenprojektes leisten würde“, so Baudezernentin Marianne Grosse weiter. „Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, sie in relativer kurzer Zeit einrichten zu können und wirklich außerordentlich qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter zu gewinnen, die mit großer Begeisterung und Expertise für ihre Aufgabe im Einsatz sind. Davon konnte ich mich auch gerade bei einem Besuch bei der Bauhütte überzeugen.“

Die Zitadellen-Bauhütte stellt sich vor:

Aktuell setzt sich das Stammpersonal der Bauhütte Zitadelle aus drei Mitarbeitern zusammen:

Seit Februar 2020 hat Udo Büchler die Leitung der Bauhütte übernommen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Dozent im Ausbildungszentrum für Steinmetze und Steinbildhauer verfügt er über weitreichende Kenntnisse auch in der Meisterausbildung. Als Steinmetzmeister hat er an vielen Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen und verfügt dadurch über umfassendes Fachwissen.

Unterstützt wird do Büchler durch Jürgen Kliemt. Er ist Maurermeister und Restaurator im Handwerk und verfügt über langjährige Erfahrung in diesem Bereich.

Das Team wird vervollständigt durch Ralf Gorges. Er ist Steinmetzgeselle mit ebenfalls langjähriger Erfahrung, insbesondere im Restaurierungsbereich.

Somit sind die Mitarbeiter der Bauhütte in der Lage die Anforderungen seitens der Denkmalpflege vollumfänglich zu erfüllen. Je nach Art und Umfang der durchzuführenden Arbeiten erfolgt die Hinzuziehung von Fachfirmen um die Bauhütte Zitadelle zu unterstützen.

Ihr großes Können haben die Mitarbeiter der Bauhütte gerade wieder bei der Sanierung der Erkerkonsolen der Bastion Drusus unter Beweis gestellt: Der Erker der Bastionsspitze Drusus ruht auf vier Steinkonsolen. Drei dieser Konsolen waren aus Kalkstein und eine Konsole aus Mainsandstein. Eine Prüfung durch das Büro Kayser+Böttges, Barthel+Maus im Rahmen der Untersuchungen zur Sanierung des Zitadellenmauerwerks kam zu dem Ergebnis, dass die Kalksteinkonsolen erneuert werden mussten, da sie durch den Verwitterungsprozess sehr stark geschädigt waren und dadurch ihre Tragfähigkeit nicht mehr gegeben war. Bei der Sandsteinkonsole hingegen waren die Verwitterungsschäden nicht so stark fortgeschritten, so dass sie weiterhin verwendet werden konnte.

Als Kalksteinmaterial wurde Massangis (französischer Kalkstein) ausgewählt, der dem Originalmaterial in Farbe, Struktur und den technischen Daten sehr ähnlich ist.

Von den historischen Konsolen wurden Schablonen für die neuen Werkstücke angefertigt, nach deren Vorgaben die Steinmetze der Bauhütte die neuen Konsolen gearbeitet haben. Mit Hilfe eines Kran-LKW konnten die Konsolen, die je nach Größe zwischen 600 und 900 Kilogramm wiegen, auf die Einbauhöhe von circa neun Metern gebracht werden. Hier wurden zunächst die unteren, kleineren Konsolen versetzt und ausgemauert. In einer zweiten Etappe folgten dann die oberen Konsolen. Nach dem Abbinden des Mauermörtels werden die Bodenplatten des Erkers versetzt und die Brüstung wieder aufgemauert.

Diese anspruchsvollen Arbeiten wurden alle durch die Mitarbeiter der Bauhütte Zitadelle ohne die Einbindung externer Fachfirmen ausgeführt.

Wiedereröffnung der Landesmuseen sowie Burgen und Schlösser der GDKE Rheinland-Pfalz

Burg Sooneck  © GDKE
Burg Sooneck © GDKE

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz kann am 16. März 2021 ihre Landesmuseen und Teile der landeseigenen Burgen und Schlösser wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Weitere Öffnungen sind für den 27. März 2021 geplant. Der Besuch ist nur mit Voranmeldung und ab der kommenden Woche per Online-Buchung möglich.

Am 16. März eröffnen die Landesmuseen in Koblenz, Mainz und Trier sowie das Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein Koblenz und die Trierer Römerbauten (außer den Viehmarktthermen, die bis auf Weiteres geschlossen bleiben).

Am 27. März 2021 folgen Schloss Stolzenfels / Koblenz, Schloss Bürresheim / Mayen, Burg Trifels / Annweiler, die Schloss- und Festungsruine Hardenburg / Bad Dürkheim sowie die Burg Pfalzgrafenstein / Kaub.

Für den Besuch ist jeweils eine vorherige Anmeldung / vorheriger Ticketkauf mit festem Termin notwendig. Die Kontaktinformationen hierfür können auf den Websites der einzelnen Häuser oder zentral unter www.gdke.rlp.de abgerufen werden. Dort finden Sie auch ab der kommenden Woche die Online-Tickets.

Die GDKE hat für alle ihre Häuser individuelle Hygienekonzepte entwickelt, die sich an den behördlichen Vorgaben im Zuge der Corona-Thematik orientieren. Dadurch kommt es teilweise zu Veränderungen bei Besuchen der Häuser und eventuell anderen Öffnungszeiten. So sind bis auf Weiteres keine Gruppenführungen und Workshops möglich. Auch hauseigene Veranstaltungen finden vorerst nicht statt (Fremdveranstalter informieren eigenständig). Zum Schutz von Gästen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GDKE sind die an den jeweiligen Standorten aushängenden Sicherheitshinweise zu beachten.

Museen, Schlösser und Gärten in Hessen beginnen am 12. März mit Öffnungen – Leitungen und Ministerium legen einheitliches Startdatum fest

Impression aus dem neugestalteten Bad Homburger Schlosspark © Foto Diether v. Goddenthow
Impression aus dem neugestalteten Bad Homburger Schlosspark © Foto Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt, das Museum Wiesbaden, die Museumslandschaft Hessen-Kassel, die Staatlichen Schlösser und Gärten und das beim Landesamt für Denkmalpflege angesiedelte Archäologische Landesmuseum (Saalburg und Keltenwelt am Glauberg) beginnen am 12. März mit Öffnungen. Das haben die Leitungen der Einrichtungen des Landes gemeinsam mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn vereinbart. Es gelten hierbei die Vorgaben der Corona-Verordnungen. Voraussetzung ist, dass der hessenweite Sieben-Tage-Inzidenzwert dann weiterhin stabil unter 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt.

„Viele Menschen sehnen sich danach, wieder Kultur zu erleben – in den häufig großzügigen Räumlichkeiten unserer Museen und Schlösser wird das früher wieder möglich sein als an vielen anderen Orten“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Die Erfolge beim Impfen und die hoffentlich bald breit verfügbaren Tests ermöglichen vorsichtige Schritte zurück zur Normalität. Ich bin froh, dass die Einrichtungen mit klugen Hygienekonzepten gut vorbereitet sind, und danke den Leiterinnen und Leitern der Einrichtungen des Mandanten Historisches Erbe dafür, dass sie umsichtig die große Verantwortung wahrnehmen, die sie sowohl für das Publikum als auch als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in öffentlichen Einrichtungen tragen.“

Möglich sind Öffnungen von Museen, Schlösser, Gedenkstätten, Tierparks, Zoos und botanischen Gärten mit umfassendem Hygienekonzept nach Beschluss der hessischen Landesregierung bereits ab 8. März. Dabei ist eine Terminvereinbarung nötig, und Kontaktdaten müssen hinterlegt werden, um Kontakte nachverfolgen zu können. Weil die Museen und Liegenschaften des Landes einige Tage Vorlauf brauchen, werden sie ab dem 12. März sukzessive öffnen.

Die folgende Liste ist alphabetisch nach dem Ort oder der Stadt sortiert, in dem sich die Liegenschaft befindet.

Auswahl hessischer Schlösser und Gärten

Altweilnau, Burgruine Altweilnau

Bad Hersfeld, Stiftsruine Bad Hersfeld

Bad Homburg v.d. Höhe, Schloss und Schlosspark Bad Homburg v.d. Höhe

Bad Karlshafen, Hafenbecken Bad Karlshafen

Bensheim-Auerbach, Schloss Auerbach

Bensheim-Auerbach, Staatspark Fürstenlager

Breuberg, Burg Breuberg

Butzbach, Fürstengruft Butzbach

Cornberg, Kloster Cornberg

Darmstadt, Prinz-Georg-Garten Darmstadt

Eiterfeld, Burg Fürsteneck

Erbach im Odenwald, Schloss Erbach

Felsberg, Burgruine Felsberg

Fischbachtal, Schloss Lichtenberg

Friedberg (Hessen), Adolfsturm, St. Georgsbrunnen

Fulda, Propstei Johannesberg

Geinsheim, Gemeinde Trebur, Zeppelindenkmal

Gelnhausen, Kaiserpfalz Gelnhausen

Glashütten, Römerkastell Kleiner Feldberg, UNESCO-Weltkulturerbe

Hanau, Staatspark Hanau-Wilhelmsbad

Heidenrod-Geroldstein, Burgruine Geroldstein

Hirschhorn, Burg Hirschhorn

Hohenstein, Taunus, Burgruine Hohenstein

Hopfmannsfeld, Galgen von Hopfmannsfeld

Kaichen, Römerbrunnen

Konradsdorf, Kloster Konradsdorf

Lorsch, Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Merenberg, Burgruine Merenberg

Michelstadt-Steinbach, Einhardsbasilika Michelstadt-Steinbach

Mühltal, Burg Frankenstein

Münzenberg, Burgruine Münzenberg

Neustadt (Hessen), Junker-Hansen-Turm

Oberreifenberg, Burgruine Oberreifenberg

Oestrich-Winkel, Brentano-Haus

Otzberg, Veste Otzberg

Rosbach v.d. Höhe, Römerkastell Kapersburg, UNESCO Weltkulturerbe

Rüdesheim am Rhein, Burgruine Ehrenfels, Weltkulturerbe Mittelrhein

Rüdesheim am Rhein, Niederwalddenkmal, Weltkulturerbe Mittelrhein

Rüdesheim am Rhein, Osteinscher Niederwald, Weltkulturerbe Mittelrhein

Schröck, Elisabethbrunnen Schröck

Seligenstadt, Ehemalige Benediktinerabtei Seligenstadt

Sinntal-Schwarzenfels, Burg- und Schlossruine Schwarzenfels

Spangenberg, Schloss Spangenberg

Steinau a.d. Straße, Schloss Steinau

Walsdorf, Hutturm Walsdorf

Weilburg, Schloss und Schlossgarten Weilburg

Bewerbungen für Bundespreis „Handwerk im Denkmalschutz“ bis zum 16. Mai 2021 einreichen

Wiesbaden. Denkmalschutz ist auch eine Frage guten Handwerks. Deswegen vergeben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Zentralverband des Deutschen Handwerks jährlich in zwei Ländern den mit 15.000 Euro dotierten Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege. In diesem Jahr sind Hessen und Schleswig-Holstein an der Reihe. Bewerben können sich Handwerksbetriebe, Architektinnen und Architekten, Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger sowie private Bauherren noch bis zum 16. Mai 2021.

„Um Baudenkmäler zu erhalten und zu pflegen, brauchen wir Menschen, die alten Gemäuern mit viel Leidenschaft und vor allem handwerklichen Können wieder Leben einhauchen. Das unterstreicht der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Historische Gebäude aufzuarbeiten und neu zu nutzen, ist nicht nur ein Statement für das ressourcenschonende Wieder- und Weiterverwenden historischer Baumaterialien. Der Erhalt von bestehender Bausubstanz ist ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften und ein wesentlicher Beitrag zum verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt. Damit das gut gelingt, brauchen wir die Zusammenarbeit zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern und sachkundigen Handwerkerinnen und Handwerkern. Ich freue mich auf viele spannende Bewerbungen aus Hessen.“

Der Bundespreis wurde in Hessen im Jahr 2014 das letzte Mal vergeben. Er zeichnet private Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer aus, die gemeinsam mit qualifizierten Handwerksbetrieben bei der Erhaltung ihrer Denkmale seit 2014 Vorbildliches geleistet haben. Auch die ausführenden Betriebe unterschiedlichster Gewerke werden für ihre Leistungen geehrt. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Staatskanzlei und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen unterstützen neben weiteren Partnern die Ausschreibung in Hessen. Die Preisverleihung mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist für Dezember geplant.

Weitere Details zur Bewerbung gibt es auf hessenlink.de/handwerk

‚Eng verbunden mit der Geschichte Frankfurts‘ – Karl der Große hält sein Schwert wieder in der Hand – Neuer Brückenbauverein beteiligt sich an Kosten

Vorstand Christoph Mäckler vom Brückenbauverein erläutert Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig Details des Denkmals . ©   Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel
Vorstand Christoph Mäckler vom Brückenbauverein erläutert Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig Details des Denkmals . ©
Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel

(ffm) Die Denkmalkopie des Standbildes „Karls des Großen“ auf der Alten Brücke in Frankfurt hat ihr Schwert wieder. Am Tag des Karlsamtes am Samstag, 30. Januar, das jedes Jahr zum Gedenken des Todestages Karls des Großen stattfindet, dankten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig dem Neuen Brückenbauverein für sein Engagement. Als Sponsor des 2016 errichteten Replik Karls des Großen hat der Neue Brückenbauverein die Kosten für das gestohlene Schwert übernommen. Zudem wird in den nächsten Wochen, sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, eine erklärende Inschrift an der Vorderseite des Standbildes eingraviert, an deren Kosten sich der Brückenbauverein ebenfalls beteiligt. Zum Dank an den Neuen Brückenbauverein wurde seitlich des Denkmals eine Edelstahltafel befestigt.

Oberbürgermeister Feldmann sagt: „Karl der Große ist eng verbunden mit der Geschichte Frankfurts und der Geschichte Europas. Dass er nun – am Tag des Karlsamts – wieder komplett, mit dem Schwert in der Hand, von der Alten Brücke die Stadt überblickt, zeigt: Frankfurt liegt im Herzen Europas, und trägt Europa im Herzen.“

Im Sommer 2020 wurde die Klinge des Schwerts von Karl dem Großen auf der Alten Brücken von Unbekannten abgetrennt und entwendet. Mit Unterstützung des Kulturamtes und des Neuen Brückenbauvereins wurde die ursprünglich aus Bronze hergestellte Klinge des Schwertes nun durch eine Holzreplik ersetzt.

Kulturdezernentin Ina Hartwig fügt hinzu: „Jeden Tag begrüßt Karl der Große Passantinnen und Passanten der Alten Brücke und ist damit eines der bekanntesten Denkmale und Teil des Alltags vieler Menschen dieser Stadt. Der Diebstahl des Schwertes war ein beschämender Fall von Vandalismus, absolut inakzeptabel. Es steht für Frankfurt und die Tradition seiner Stifterinnen und Stifter, dass der Neue Brückenbauverein sich bereit erklärt hat, die Kosten für den Ersatz gemeinsam mit dem Kulturamt zu tragen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.“

„Der Neue Brückenbauverein ist entsetzt über den Diebstahl des Schwertes, das mit Hilfe der Spenden von engagierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern bezahlt wurde. Um auch weiterhin dazu beizutragen, die Frankfurter Geschichte lebendig zu machen, hat sich der Verein bereit erklärt, das Schwert Karls des Großen zu ersetzen“, sagte der Architekt und Vorsitzende des Brückenbauvereins, Christoph Mäckler.

Karl der Große jetzt wieder mit Schwert. ©   Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel
Karl der Große jetzt wieder mit Schwert. ©
Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel

Als Termin für die Anbringung des Schwertes wurde bewusst der 30. Januar gewählt, da seit 1332 am letzten Samstag im Januar die Feier des Karlsamtes zum Gedenken an den Todestag Karls des Großen stattfindet. Die einzigartige Liturgie mit mittelalterlichen Gesängen wird seit alters her nur in der Karlsstadt Aachen und in Frankfurt gefeiert, wo im Mittelalter die deutschen Kaiser gewählt wurden. Hauptzelebrant und Prediger ist jedes Jahr ein anderer europäischer Bischof. In diesem Jahr wird Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg erwartet.

2016 wurde die Rückkehr der drei Meter hohen Replik des Kaisers auf die Alte Brücke vom Neuen Brückenbauverein Frankfurt für rund 110.000 Euro finanziert und die Kosten des Sockels übernahm damals die Stadt. Das Original des Standbildes stammt von Karl Eduard Wendelstadt und wurde von Johann Nepomuk Zwerger, Professor am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, vollendet. Dieses Standbild stand von 1843 bis 1914 auf der Alten Brücke und als diese umgebaut wurde, kam der Herrscher aus Stein in das Historische Museum. Nachdem das Denkmal dort während des Zweiten Weltkrieges starke Schäden erlitt, geriet es lange Zeit in Vergessenheit. Erst 1986 erinnerte man sich seiner, ließ es rekonstruieren und nutzte es als Blickfang vor dem Historischen Museum am Römerberg. Da die Rekonstruktion des Kopfes von 1986 in wesentlichen Punkten, wie der Krone und dem Bart, vom Original abweicht, ließ der Neue Brückenbauverein den Kopf Karls des Großen nach einer eingehenden Recherche in verschiedensten Archiven fertigen. Die originalgetreue Sandsteinfigur Karls des Großen wurde auf der Alten Brücke in der Nische – in der zwischen 1967 und 2013 das Brückenkreuz mit Briggegickel stand – mit Blickrichtung nach Westen, nach Frankreich, und damit in Richtung des historischen Kerns Frankfurts aufgestellt.

Karl der Große hat der Sage nach auf seiner Flucht vor den Sachsen mit den Franken den Main über eine Furt durchquert, und so der Stadt ihren Namen gegeben. Karl der Große (vermutlich 748-814) und König der Franken galt schon bei seinen Zeitgenossen als „Vater Europas“. Viele europäische Völker haben ihre Wurzeln in der Zeit des großen Frankenkaisers. Karl der Große hat wichtige Voraussetzungen späterer Entwicklungen auf deutschem Boden geschaffen. Sein Imperium reichte von der Nordsee bis nach Mittelitalien, von Ungarn bis nach Spanien. Der Frankenherrscher schuf nicht nur ein Imperium, er gab ihm auch eine Ordnung, setzte Ankerpunkte für eine gemeinsame religiöse und kulturelle Identität. Er wollte nicht nur Herrscher der Franken sein, sondern der gesamten römischen Christenheit. Wo er regierte, sollte auch ein Glaube die Teile seines europäischen Reiches miteinander verbinden. Am Weihnachtstag im Jahr 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt.

Neuer Brückenbauverein Frankfurt
Der Neue Brückenbauverein Frankfurt setzt sich für die Belange der Baukultur der Stadt Frankfurt am Main ein, indem er die gebaute Stadt zum Thema des öffentlichen Interesses macht. Mit ganz konkreten Projekten, aber auch mit Veranstaltungen und Publikationen, möchte der Neue Brückenbauverein die Frankfurter Bevölkerung für die Baukultur sensibilisieren. Ziel des Neuen Brückenbauvereins ist die ideelle und finanzielle Förderung der Stadtbaukunst in Frankfurt am Main.

Mit dem Beschluss der Stadt 2015, die Alte Brücke zu sanieren, entschied sie sich auch, das Bauwerk – in Anlehnung an die historische Situation – wiederherzustellen und den Geburtsort der Stadt Frankfurt im Stadtbild wieder sichtbar zu machen. Um Frankfurt am Main mit der Alten Brücke ein sichtbares Stück seiner Geschichte zurückzugeben, hat der Neue Brückenbauverein entschieden, das Standbild Karls des Großen von 1843 auf der Alten Brücke 2016 neu zu errichten und die Sanierung samt Wiederaufstellung des Brückenkreuzes zu finanzieren.

Seit Herbst 2018 sammelt der Neue Brückenbauverein Spenden für den Langen Franz, den Frankfurter Rathausturm. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, der Stadt ein sichtbares Stück Skyline in unmittelbarer Nähe zur Paulskirche zurückgeben – die Turmspitze des Rathauses. Der gemeinnützige Verein hat mit mehr als 350 Einzelspenden mittlerweile über 186.000 Euro an Spenden eingesammelt. Auf dem Weg zu dem Ziel von insgesamt einer Millionen Euro ist damit mehr als ein Viertel des Betrags erreicht, da mit Hilfe der großzügigen Spendenverdoppelungs-Aktion von Konrad von Bethmann von insgesamt 120.000 Euro bereits ein gutes Stück geschafft ist. Alle Informationen über die Spendenkampagne und die Geschichte des Langen Franz finden sich unter http://www.LangerFranz.de und unter http://www.brueckenbauverein-frankfurt.de im Internet.

Online zum kulturellen Erbe: Neue Web-App der GDKE bringt mittelalterliche Stätten auf Smartphone und Computer

© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Das Kulturelle Erbe in Rheinland-Pfalz ist ab sofort auch online via Web-App unter dem Namen „kulturerbeunterwegs“ auf jedem Smartphone, Tablet, Computer oder Laptop erreichbar. „Wir wollen auch in Corona-Zeiten unser kulturelles Erbe den Menschen nahebringen. Die neue App bietet viele multimediale Möglichkeiten, unsere reichhaltige Geschichte zu erfahren“, erklärt Kulturminister Konrad Wolf. „Entwickelt wurde das Digitalangebot anlässlich der Landesausstellung, Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht‘ im Landesmuseum Mainz und dem begleitenden Kaiserjahr. Dabei haben wir von Anfang an viele Originalschauplätze der mittelalterlichen Geschichte in Rheinland-Pfalz und der anliegenden Regionen ganz gezielt in das Ausstellungskonzept mit eingebunden.“

Die Web-App, die derzeit 25 Orte mit 39 mittelalterlichen Objekten umfasst, ist unkompliziert über den Browser aufrufbar. Sie bietet kurze Lesetexte, kleine Erzählungen zum Hören oder auch Filmsequenzen und ist damit quasi ein Multimediaguide im Internet, der Geschichten zu kulturellen Stätten des Mittelalters erzählt. Wer sich dafür entscheidet, dass die Web-App den eigenen Standort erkennt, kann sich anzeigen lassen, welche Orte sich gerade in der Nähe befinden. Alternativ ist es möglich, die Orte über eine Karte oder ein Register aufzurufen.

Die Web-App hat auch einen thematischen Einstieg. So kann zwischen den Kategorien Burgen, Pfalzen, Klöstern, Dome & Kirchen, Kaiserinnen und Kaiser & Königinnen und Könige, Jüdisches Leben, Bauern & Bürger, Frauengeschichten, Städten und Ritter & Adel gewählt werden.

„Einerseits wollen wir mit unserer Web-App neue Zielgruppen ansprechen“, so Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, „am Schönsten ist es natürlich, wenn dann aus digitalen Nutzerinnen und Nutzern sobald es die Corona-Auflagen erlauben auch Besucherinnen und Besucher der authentischen Orte werden.“

Die Basisversion der Web App „Kulturerbe unterwegs“ wird nach und nach um neue Funktionen und Inhalte erweitert und soll künftig auch auf andere Themenfelder der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) übertragen werden. So lässt sich das vielfältige kulturelle Erbe aus unterschiedlichen Epochen kinderleicht erkunden. „Kulturerbe unterwegs“ kann über den Browser aufgerufen werden und zwar über kulturerbeunterwegs.kaiser2020.de. Mit Smartphone und Tablet gibt es die Möglichkeit, ein Lesezeichen zu setzen (Favicon), das den Zugang so bequem wie bei jeder anderen App macht. Dadurch muss weder eine Datei aus einem App-Store heruntergeladen, noch Passwörter oder Kontaktdaten eingegeben werden. Einmal aufgerufen, sind die Inhalte größtenteils offline abrufbar, viele davon sind in Deutsch und Englisch verfügbar.

„Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ 2020 an Zimmerermeister Ralf Birk verliehen

Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden
Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden

Ralf Birk, Meister im Zimmererhandwerk und Inhaber der Zimmerei Birk in Calbach-Büdingen, ist Preisträger des “Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk”, der im Jahr 2020 erstmals von der Handwerkskammer Wiesbaden ausgeschrieben wurde. Die Zimmerei Birk wurde aus einer Vielzahl qualifizierter Bewerbungen von Handwerksbetrieben, die sich in der Denkmalpflege engagieren, durch eine Fachjury ausgewählt. In der Jury waren Ehrenpräsident Klaus Repp, Dr. Katrin Bek vom Landesamt für Denkmalpflege, Gerwin Stein von der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege in der Propstei Johannesberg und Peter Domaschka von der Handwerkskammer Wiesbaden. Diese war sich darin einig, dass die von Birk durchgeführten Arbeiten und Vorgehensweisen unter Verwendung geeigneter Materialien und Handwerkstechniken auf hohem Niveau durchgeführt werden und in allen Details überzeugen. So konnte sich Birk gegen neun Mitbewerber durchsetzen. Seine Arbeit im Bereich der Denkmalpflege ist vor allem Fachwerkhäusern und -scheunen gewidmet und von Idealismus und Leidenschaft geprägt. Diesen Geist gebe er auch an seine Lehrlinge weiter, so Präsident Stefan Füll bei der Überreichung der Urkunde und des Geldpreises in Höhe von 2.500 Euro. Klaus Repp, der Namensgeber des Preises, betonte, dass durch die Erhaltung, Instandsetzung und Sanierung von historischen Gebäuden ein nachhaltiger Wert für die Zukunft geschaffen werde.

Überreichung zweier Anerkennungsurkunden
Darüber hinaus sprach sich die Jury dafür aus, zwei weiteren Bewerben eine Anerkennungsurkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz zu verleihen. So erhielt Tischler Johannes Mosler aus Hadamar und Holger Aßmus, Meister im Dachdeckerhandwerk aus Nidda, eine Urkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz. Mosler hat sich der Erhaltung von alten Holzfenstern verschrieben. Für die Fortführung alter Handwerkstechniken und die Erneuerung von Dachreitern, die insbesondere in Oberhessen ein historischer Brauch sind, setzt sich Aßmus ein.

Ursprung des Preises
Klaus Repp war von 2009 bis 2019 Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden. Der jetzige Ehrenpräsident und Meister im Metallbauerhandwerk hat in seinem ehrenamtlichen Wirken einen Schwerpunkt in der Denkmalpflege gesetzt. Handwerksbetriebe, die sich in der Denkmalpflege engagieren, tragen durch den Erhalt des kulturellen Erbes auch zur Stärkung des historischen Gedächtnisses unserer Gesellschaft bei. Diese Botschaft zu transportieren ist das Ziel des „Klaus-Repp-Preises für Denkmalpflege im Handwerk“. Mit dem Preis werden Handwerkerinnen und Handwerker ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Denkmalpflege einsetzen. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt.

Handwerkskammer Wiesbaden
Bierstadter Straße 45,
65189 Wiesbaden
www.hwk-wiesbaden.de

UNESCO zeichnet Bauhüttenwesen aus

Experimentelle Archäologie: Im Wald  von  Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35   Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow
Experimentelle Archäologie: Im Wald von Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35 Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow

 

Die UNESCO hat heute das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit würdigt die UN-Kulturorganisation den internationalen Modellcharakter der Bauhütten, die als fest eingerichtete Werkstätten seit Jahrhunderten für den Erhalt von Großbauten sorgen und dabei traditionelles Handwerk mit neuester Technik verbinden.

An der Nominierung waren 18 Bauhütten aus fünf Ländern beteiligt. Gemeinsam mit Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz hatte Deutschland die Aufnahme in das UNESCO-Register beantragt. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 19. Dezember online.

Europäisches Erfolgsmodell
Zur Auszeichnung des Bauhüttenwesens sagt Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt: „Die auf das Mittelalter zurückgehende Tradition der Bauhütten dokumentiert, wie wichtig der grenzüberschreitende Kulturaustausch und die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern für gesellschaftliche und baukünstlerische Entwicklungen in Europa waren und sind. Ich freue mich sehr über die Anerkennung der UNESCO für das gemeinsam von Frankreich, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Deutschland vorgeschlagene Bauhüttenwesen. Die Aufnahme in das Register guter Praxisbeispiele unterstreicht die Zukunftsfähigkeit traditioneller Handwerkstechniken, ihre Weitergabe trägt zur Erhaltung des europäischen Kulturerbes bei.“

In den Bauhütten werden traditionelle Techniken, Bräuche und Rituale verschiedenster Gewerke bis heute gepflegt. Unter der Leitung einer Dombaumeisterin oder eines Dombaumeisters arbeiten dort vor allem Steinmetze und Bildhauerinnern, aber auch Dachdecker, Tischlerinnen, Gerüstbauer, Malerinnen, Elektriker, Schlosserinnen, Schmiede und Glasmalerinnen für den Erhalt historischer Bauwerke.

Wissensspeicher des Handwerks
Die Bauhütten zeugen von der Effizienz und Qualität traditioneller handwerklicher Arbeit. Sie bewahren Wissen und tragen so zu einem umfassenden Verständnis komplexer Großbauwerke bei: Historische Pläne, Hüttentagebücher, Wetteraufzeichnungen, persönliche Notizen, Fotografien, Gutachten und Rechnungsbücher helfen den Fachleuten heute dabei, Restaurierungsmaßnahmen vorausschauend und denkmalgerecht zu planen.

Dazu erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Das Bauhüttenwesen ist vielen vor allem durch die europäischen Dombauhütten ein Begriff. UNESCO-Welterbestätten wie der Kölner, der Aachener oder der Naumburger Dom zeugen von der großen Bedeutung der Bauhütten: Als international vernetzte Orte der Forschung und Ausbildung bringen sie großes Fachwissen mit außergewöhnlichen Handwerksfertigkeiten zusammen. Ohne das Bauhüttenwesen wäre die Restaurierung der großen europäischen Kirchenbauten gar nicht denkbar. Dies wirkt weit über den kirchlichen Raum hinaus und hat etwa bei der Rekonstruktion der barocken Fassade des Humboldt Forums im Berliner Schloss eine wichtige Rolle gespielt. Umso verdienter ist die heutige Auszeichnung durch die UNESCO.“

Historisch eng vernetzt
Bauhütten gelten seit dem Mittelalter als Innovationsbetriebe, deren Wissen und Fertigkeiten durch die hohe Mobilität der Bauleute im gesamten europäischen Raum Verbreitung fanden. Bis heute sind sie eng miteinander vernetzt. So beteiligten sich an der UNESCO-Nominierung Bauhütten aus Basel, Linz, Straßburg, Trondheim und Wien sowie aus Aachen, Bamberg, Dresden, Freiburg, Köln, Lübeck, Mainz, Passau, Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Soest, Ulm und Xanten.

Bernd Sibler, Vorsitzender der Kulturministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, betont: „Die erfolgreiche Einschreibung der Bauhütten würdigt deren Vorbildfunktion bei der Weitergabe traditioneller Gewerke. Besonders beeindruckend ist die sehr fruchtbare Vernetzung und der fachliche Austausch zwischen den deutschen Bauhütten – 13 von ihnen beteiligen sich am Modellprogramm. Dom- und Münsterbauhütten in ganz Deutschland bewahren einmalige Sakralbauten wie den Kölner und Regensburger Dom, die Kirchen des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und das Freiburger Münster. Aber auch der Dresdner Zwinger als Profanbau unterhält eine eigene Bauhütte. Hier zeigt sich nicht nur die Vielfalt der Bauhüttenlandschaft in Deutschland, sondern auch ihre große Bedeutung für den Erhalt unseres kulturellen Erbes.“

Gelebte Tradition
Der Erfolg der Bauhütten beruht auf ihrer Fähigkeit, alte Handwerkstechniken systematisch von Generation zu Generation weiterzugeben und sie mit neuen Erkenntnissen aus Forschung und Technik innovativ zu kombinieren. Zugleich fördern die Werkstätten den kollegialen Austausch von Wissen und Können. Davon zeugt etwa die bis heute in vielen Gewerken lebendige Walz, die im Bauhüttenwesen ihren Ursprung hat.

Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission und Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe in Deutschland, macht deutlich: „Das Bauhüttenwesen zeigt uns, wie wir traditionelle Handwerkstechniken erfolgreich bewahren, fördern und weitergeben können. Die enge Verzahnung der unterschiedlichen Berufe in den Werkstätten ist historisch faszinierend und ein Modell für die Zukunft des Bauens. Dass so viele Bauhütten von Trondheim über Dresden bis Wien gemeinsam auf die Aufnahme ins UNESCO-Register hingearbeitet haben, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was das Immaterielle Kulturerbe leistet: Es bringt Menschen zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, allen sprachlichen und gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. So geht Europa!“

Hintergrund
Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Bis heute sind 180 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland gehört dem Vertrag seit 2013 an.

Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten können für eine von drei UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden. Dazu gehören bereits der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin, Reggae aus Jamaika und der Blaudruck in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen auf die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes.