Kategorie-Archiv: Denkmäler – Kulturerbestätten

Wiedereröffnung der Landesmuseen sowie Burgen und Schlösser der GDKE Rheinland-Pfalz

Burg Sooneck  © GDKE
Burg Sooneck © GDKE

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz kann am 16. März 2021 ihre Landesmuseen und Teile der landeseigenen Burgen und Schlösser wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Weitere Öffnungen sind für den 27. März 2021 geplant. Der Besuch ist nur mit Voranmeldung und ab der kommenden Woche per Online-Buchung möglich.

Am 16. März eröffnen die Landesmuseen in Koblenz, Mainz und Trier sowie das Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein Koblenz und die Trierer Römerbauten (außer den Viehmarktthermen, die bis auf Weiteres geschlossen bleiben).

Am 27. März 2021 folgen Schloss Stolzenfels / Koblenz, Schloss Bürresheim / Mayen, Burg Trifels / Annweiler, die Schloss- und Festungsruine Hardenburg / Bad Dürkheim sowie die Burg Pfalzgrafenstein / Kaub.

Für den Besuch ist jeweils eine vorherige Anmeldung / vorheriger Ticketkauf mit festem Termin notwendig. Die Kontaktinformationen hierfür können auf den Websites der einzelnen Häuser oder zentral unter www.gdke.rlp.de abgerufen werden. Dort finden Sie auch ab der kommenden Woche die Online-Tickets.

Die GDKE hat für alle ihre Häuser individuelle Hygienekonzepte entwickelt, die sich an den behördlichen Vorgaben im Zuge der Corona-Thematik orientieren. Dadurch kommt es teilweise zu Veränderungen bei Besuchen der Häuser und eventuell anderen Öffnungszeiten. So sind bis auf Weiteres keine Gruppenführungen und Workshops möglich. Auch hauseigene Veranstaltungen finden vorerst nicht statt (Fremdveranstalter informieren eigenständig). Zum Schutz von Gästen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GDKE sind die an den jeweiligen Standorten aushängenden Sicherheitshinweise zu beachten.

Museen, Schlösser und Gärten in Hessen beginnen am 12. März mit Öffnungen – Leitungen und Ministerium legen einheitliches Startdatum fest

Impression aus dem neugestalteten Bad Homburger Schlosspark © Foto Diether v. Goddenthow
Impression aus dem neugestalteten Bad Homburger Schlosspark © Foto Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt, das Museum Wiesbaden, die Museumslandschaft Hessen-Kassel, die Staatlichen Schlösser und Gärten und das beim Landesamt für Denkmalpflege angesiedelte Archäologische Landesmuseum (Saalburg und Keltenwelt am Glauberg) beginnen am 12. März mit Öffnungen. Das haben die Leitungen der Einrichtungen des Landes gemeinsam mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn vereinbart. Es gelten hierbei die Vorgaben der Corona-Verordnungen. Voraussetzung ist, dass der hessenweite Sieben-Tage-Inzidenzwert dann weiterhin stabil unter 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt.

„Viele Menschen sehnen sich danach, wieder Kultur zu erleben – in den häufig großzügigen Räumlichkeiten unserer Museen und Schlösser wird das früher wieder möglich sein als an vielen anderen Orten“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Die Erfolge beim Impfen und die hoffentlich bald breit verfügbaren Tests ermöglichen vorsichtige Schritte zurück zur Normalität. Ich bin froh, dass die Einrichtungen mit klugen Hygienekonzepten gut vorbereitet sind, und danke den Leiterinnen und Leitern der Einrichtungen des Mandanten Historisches Erbe dafür, dass sie umsichtig die große Verantwortung wahrnehmen, die sie sowohl für das Publikum als auch als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in öffentlichen Einrichtungen tragen.“

Möglich sind Öffnungen von Museen, Schlösser, Gedenkstätten, Tierparks, Zoos und botanischen Gärten mit umfassendem Hygienekonzept nach Beschluss der hessischen Landesregierung bereits ab 8. März. Dabei ist eine Terminvereinbarung nötig, und Kontaktdaten müssen hinterlegt werden, um Kontakte nachverfolgen zu können. Weil die Museen und Liegenschaften des Landes einige Tage Vorlauf brauchen, werden sie ab dem 12. März sukzessive öffnen.

Die folgende Liste ist alphabetisch nach dem Ort oder der Stadt sortiert, in dem sich die Liegenschaft befindet.

Auswahl hessischer Schlösser und Gärten

Altweilnau, Burgruine Altweilnau

Bad Hersfeld, Stiftsruine Bad Hersfeld

Bad Homburg v.d. Höhe, Schloss und Schlosspark Bad Homburg v.d. Höhe

Bad Karlshafen, Hafenbecken Bad Karlshafen

Bensheim-Auerbach, Schloss Auerbach

Bensheim-Auerbach, Staatspark Fürstenlager

Breuberg, Burg Breuberg

Butzbach, Fürstengruft Butzbach

Cornberg, Kloster Cornberg

Darmstadt, Prinz-Georg-Garten Darmstadt

Eiterfeld, Burg Fürsteneck

Erbach im Odenwald, Schloss Erbach

Felsberg, Burgruine Felsberg

Fischbachtal, Schloss Lichtenberg

Friedberg (Hessen), Adolfsturm, St. Georgsbrunnen

Fulda, Propstei Johannesberg

Geinsheim, Gemeinde Trebur, Zeppelindenkmal

Gelnhausen, Kaiserpfalz Gelnhausen

Glashütten, Römerkastell Kleiner Feldberg, UNESCO-Weltkulturerbe

Hanau, Staatspark Hanau-Wilhelmsbad

Heidenrod-Geroldstein, Burgruine Geroldstein

Hirschhorn, Burg Hirschhorn

Hohenstein, Taunus, Burgruine Hohenstein

Hopfmannsfeld, Galgen von Hopfmannsfeld

Kaichen, Römerbrunnen

Konradsdorf, Kloster Konradsdorf

Lorsch, Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Merenberg, Burgruine Merenberg

Michelstadt-Steinbach, Einhardsbasilika Michelstadt-Steinbach

Mühltal, Burg Frankenstein

Münzenberg, Burgruine Münzenberg

Neustadt (Hessen), Junker-Hansen-Turm

Oberreifenberg, Burgruine Oberreifenberg

Oestrich-Winkel, Brentano-Haus

Otzberg, Veste Otzberg

Rosbach v.d. Höhe, Römerkastell Kapersburg, UNESCO Weltkulturerbe

Rüdesheim am Rhein, Burgruine Ehrenfels, Weltkulturerbe Mittelrhein

Rüdesheim am Rhein, Niederwalddenkmal, Weltkulturerbe Mittelrhein

Rüdesheim am Rhein, Osteinscher Niederwald, Weltkulturerbe Mittelrhein

Schröck, Elisabethbrunnen Schröck

Seligenstadt, Ehemalige Benediktinerabtei Seligenstadt

Sinntal-Schwarzenfels, Burg- und Schlossruine Schwarzenfels

Spangenberg, Schloss Spangenberg

Steinau a.d. Straße, Schloss Steinau

Walsdorf, Hutturm Walsdorf

Weilburg, Schloss und Schlossgarten Weilburg

Bewerbungen für Bundespreis „Handwerk im Denkmalschutz“ bis zum 16. Mai 2021 einreichen

Wiesbaden. Denkmalschutz ist auch eine Frage guten Handwerks. Deswegen vergeben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Zentralverband des Deutschen Handwerks jährlich in zwei Ländern den mit 15.000 Euro dotierten Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege. In diesem Jahr sind Hessen und Schleswig-Holstein an der Reihe. Bewerben können sich Handwerksbetriebe, Architektinnen und Architekten, Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger sowie private Bauherren noch bis zum 16. Mai 2021.

„Um Baudenkmäler zu erhalten und zu pflegen, brauchen wir Menschen, die alten Gemäuern mit viel Leidenschaft und vor allem handwerklichen Können wieder Leben einhauchen. Das unterstreicht der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Historische Gebäude aufzuarbeiten und neu zu nutzen, ist nicht nur ein Statement für das ressourcenschonende Wieder- und Weiterverwenden historischer Baumaterialien. Der Erhalt von bestehender Bausubstanz ist ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften und ein wesentlicher Beitrag zum verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt. Damit das gut gelingt, brauchen wir die Zusammenarbeit zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern und sachkundigen Handwerkerinnen und Handwerkern. Ich freue mich auf viele spannende Bewerbungen aus Hessen.“

Der Bundespreis wurde in Hessen im Jahr 2014 das letzte Mal vergeben. Er zeichnet private Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer aus, die gemeinsam mit qualifizierten Handwerksbetrieben bei der Erhaltung ihrer Denkmale seit 2014 Vorbildliches geleistet haben. Auch die ausführenden Betriebe unterschiedlichster Gewerke werden für ihre Leistungen geehrt. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Staatskanzlei und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen unterstützen neben weiteren Partnern die Ausschreibung in Hessen. Die Preisverleihung mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist für Dezember geplant.

Weitere Details zur Bewerbung gibt es auf hessenlink.de/handwerk

‚Eng verbunden mit der Geschichte Frankfurts‘ – Karl der Große hält sein Schwert wieder in der Hand – Neuer Brückenbauverein beteiligt sich an Kosten

Vorstand Christoph Mäckler vom Brückenbauverein erläutert Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig Details des Denkmals . ©   Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel
Vorstand Christoph Mäckler vom Brückenbauverein erläutert Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig Details des Denkmals . ©
Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel

(ffm) Die Denkmalkopie des Standbildes „Karls des Großen“ auf der Alten Brücke in Frankfurt hat ihr Schwert wieder. Am Tag des Karlsamtes am Samstag, 30. Januar, das jedes Jahr zum Gedenken des Todestages Karls des Großen stattfindet, dankten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig dem Neuen Brückenbauverein für sein Engagement. Als Sponsor des 2016 errichteten Replik Karls des Großen hat der Neue Brückenbauverein die Kosten für das gestohlene Schwert übernommen. Zudem wird in den nächsten Wochen, sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, eine erklärende Inschrift an der Vorderseite des Standbildes eingraviert, an deren Kosten sich der Brückenbauverein ebenfalls beteiligt. Zum Dank an den Neuen Brückenbauverein wurde seitlich des Denkmals eine Edelstahltafel befestigt.

Oberbürgermeister Feldmann sagt: „Karl der Große ist eng verbunden mit der Geschichte Frankfurts und der Geschichte Europas. Dass er nun – am Tag des Karlsamts – wieder komplett, mit dem Schwert in der Hand, von der Alten Brücke die Stadt überblickt, zeigt: Frankfurt liegt im Herzen Europas, und trägt Europa im Herzen.“

Im Sommer 2020 wurde die Klinge des Schwerts von Karl dem Großen auf der Alten Brücken von Unbekannten abgetrennt und entwendet. Mit Unterstützung des Kulturamtes und des Neuen Brückenbauvereins wurde die ursprünglich aus Bronze hergestellte Klinge des Schwertes nun durch eine Holzreplik ersetzt.

Kulturdezernentin Ina Hartwig fügt hinzu: „Jeden Tag begrüßt Karl der Große Passantinnen und Passanten der Alten Brücke und ist damit eines der bekanntesten Denkmale und Teil des Alltags vieler Menschen dieser Stadt. Der Diebstahl des Schwertes war ein beschämender Fall von Vandalismus, absolut inakzeptabel. Es steht für Frankfurt und die Tradition seiner Stifterinnen und Stifter, dass der Neue Brückenbauverein sich bereit erklärt hat, die Kosten für den Ersatz gemeinsam mit dem Kulturamt zu tragen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.“

„Der Neue Brückenbauverein ist entsetzt über den Diebstahl des Schwertes, das mit Hilfe der Spenden von engagierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern bezahlt wurde. Um auch weiterhin dazu beizutragen, die Frankfurter Geschichte lebendig zu machen, hat sich der Verein bereit erklärt, das Schwert Karls des Großen zu ersetzen“, sagte der Architekt und Vorsitzende des Brückenbauvereins, Christoph Mäckler.

Karl der Große jetzt wieder mit Schwert. ©   Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel
Karl der Große jetzt wieder mit Schwert. ©
Stadt Frankfurt Foto Holger Menzel

Als Termin für die Anbringung des Schwertes wurde bewusst der 30. Januar gewählt, da seit 1332 am letzten Samstag im Januar die Feier des Karlsamtes zum Gedenken an den Todestag Karls des Großen stattfindet. Die einzigartige Liturgie mit mittelalterlichen Gesängen wird seit alters her nur in der Karlsstadt Aachen und in Frankfurt gefeiert, wo im Mittelalter die deutschen Kaiser gewählt wurden. Hauptzelebrant und Prediger ist jedes Jahr ein anderer europäischer Bischof. In diesem Jahr wird Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg erwartet.

2016 wurde die Rückkehr der drei Meter hohen Replik des Kaisers auf die Alte Brücke vom Neuen Brückenbauverein Frankfurt für rund 110.000 Euro finanziert und die Kosten des Sockels übernahm damals die Stadt. Das Original des Standbildes stammt von Karl Eduard Wendelstadt und wurde von Johann Nepomuk Zwerger, Professor am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, vollendet. Dieses Standbild stand von 1843 bis 1914 auf der Alten Brücke und als diese umgebaut wurde, kam der Herrscher aus Stein in das Historische Museum. Nachdem das Denkmal dort während des Zweiten Weltkrieges starke Schäden erlitt, geriet es lange Zeit in Vergessenheit. Erst 1986 erinnerte man sich seiner, ließ es rekonstruieren und nutzte es als Blickfang vor dem Historischen Museum am Römerberg. Da die Rekonstruktion des Kopfes von 1986 in wesentlichen Punkten, wie der Krone und dem Bart, vom Original abweicht, ließ der Neue Brückenbauverein den Kopf Karls des Großen nach einer eingehenden Recherche in verschiedensten Archiven fertigen. Die originalgetreue Sandsteinfigur Karls des Großen wurde auf der Alten Brücke in der Nische – in der zwischen 1967 und 2013 das Brückenkreuz mit Briggegickel stand – mit Blickrichtung nach Westen, nach Frankreich, und damit in Richtung des historischen Kerns Frankfurts aufgestellt.

Karl der Große hat der Sage nach auf seiner Flucht vor den Sachsen mit den Franken den Main über eine Furt durchquert, und so der Stadt ihren Namen gegeben. Karl der Große (vermutlich 748-814) und König der Franken galt schon bei seinen Zeitgenossen als „Vater Europas“. Viele europäische Völker haben ihre Wurzeln in der Zeit des großen Frankenkaisers. Karl der Große hat wichtige Voraussetzungen späterer Entwicklungen auf deutschem Boden geschaffen. Sein Imperium reichte von der Nordsee bis nach Mittelitalien, von Ungarn bis nach Spanien. Der Frankenherrscher schuf nicht nur ein Imperium, er gab ihm auch eine Ordnung, setzte Ankerpunkte für eine gemeinsame religiöse und kulturelle Identität. Er wollte nicht nur Herrscher der Franken sein, sondern der gesamten römischen Christenheit. Wo er regierte, sollte auch ein Glaube die Teile seines europäischen Reiches miteinander verbinden. Am Weihnachtstag im Jahr 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt.

Neuer Brückenbauverein Frankfurt
Der Neue Brückenbauverein Frankfurt setzt sich für die Belange der Baukultur der Stadt Frankfurt am Main ein, indem er die gebaute Stadt zum Thema des öffentlichen Interesses macht. Mit ganz konkreten Projekten, aber auch mit Veranstaltungen und Publikationen, möchte der Neue Brückenbauverein die Frankfurter Bevölkerung für die Baukultur sensibilisieren. Ziel des Neuen Brückenbauvereins ist die ideelle und finanzielle Förderung der Stadtbaukunst in Frankfurt am Main.

Mit dem Beschluss der Stadt 2015, die Alte Brücke zu sanieren, entschied sie sich auch, das Bauwerk – in Anlehnung an die historische Situation – wiederherzustellen und den Geburtsort der Stadt Frankfurt im Stadtbild wieder sichtbar zu machen. Um Frankfurt am Main mit der Alten Brücke ein sichtbares Stück seiner Geschichte zurückzugeben, hat der Neue Brückenbauverein entschieden, das Standbild Karls des Großen von 1843 auf der Alten Brücke 2016 neu zu errichten und die Sanierung samt Wiederaufstellung des Brückenkreuzes zu finanzieren.

Seit Herbst 2018 sammelt der Neue Brückenbauverein Spenden für den Langen Franz, den Frankfurter Rathausturm. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, der Stadt ein sichtbares Stück Skyline in unmittelbarer Nähe zur Paulskirche zurückgeben – die Turmspitze des Rathauses. Der gemeinnützige Verein hat mit mehr als 350 Einzelspenden mittlerweile über 186.000 Euro an Spenden eingesammelt. Auf dem Weg zu dem Ziel von insgesamt einer Millionen Euro ist damit mehr als ein Viertel des Betrags erreicht, da mit Hilfe der großzügigen Spendenverdoppelungs-Aktion von Konrad von Bethmann von insgesamt 120.000 Euro bereits ein gutes Stück geschafft ist. Alle Informationen über die Spendenkampagne und die Geschichte des Langen Franz finden sich unter http://www.LangerFranz.de und unter http://www.brueckenbauverein-frankfurt.de im Internet.

Online zum kulturellen Erbe: Neue Web-App der GDKE bringt mittelalterliche Stätten auf Smartphone und Computer

© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Das Kulturelle Erbe in Rheinland-Pfalz ist ab sofort auch online via Web-App unter dem Namen „kulturerbeunterwegs“ auf jedem Smartphone, Tablet, Computer oder Laptop erreichbar. „Wir wollen auch in Corona-Zeiten unser kulturelles Erbe den Menschen nahebringen. Die neue App bietet viele multimediale Möglichkeiten, unsere reichhaltige Geschichte zu erfahren“, erklärt Kulturminister Konrad Wolf. „Entwickelt wurde das Digitalangebot anlässlich der Landesausstellung, Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht‘ im Landesmuseum Mainz und dem begleitenden Kaiserjahr. Dabei haben wir von Anfang an viele Originalschauplätze der mittelalterlichen Geschichte in Rheinland-Pfalz und der anliegenden Regionen ganz gezielt in das Ausstellungskonzept mit eingebunden.“

Die Web-App, die derzeit 25 Orte mit 39 mittelalterlichen Objekten umfasst, ist unkompliziert über den Browser aufrufbar. Sie bietet kurze Lesetexte, kleine Erzählungen zum Hören oder auch Filmsequenzen und ist damit quasi ein Multimediaguide im Internet, der Geschichten zu kulturellen Stätten des Mittelalters erzählt. Wer sich dafür entscheidet, dass die Web-App den eigenen Standort erkennt, kann sich anzeigen lassen, welche Orte sich gerade in der Nähe befinden. Alternativ ist es möglich, die Orte über eine Karte oder ein Register aufzurufen.

Die Web-App hat auch einen thematischen Einstieg. So kann zwischen den Kategorien Burgen, Pfalzen, Klöstern, Dome & Kirchen, Kaiserinnen und Kaiser & Königinnen und Könige, Jüdisches Leben, Bauern & Bürger, Frauengeschichten, Städten und Ritter & Adel gewählt werden.

„Einerseits wollen wir mit unserer Web-App neue Zielgruppen ansprechen“, so Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, „am Schönsten ist es natürlich, wenn dann aus digitalen Nutzerinnen und Nutzern sobald es die Corona-Auflagen erlauben auch Besucherinnen und Besucher der authentischen Orte werden.“

Die Basisversion der Web App „Kulturerbe unterwegs“ wird nach und nach um neue Funktionen und Inhalte erweitert und soll künftig auch auf andere Themenfelder der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) übertragen werden. So lässt sich das vielfältige kulturelle Erbe aus unterschiedlichen Epochen kinderleicht erkunden. „Kulturerbe unterwegs“ kann über den Browser aufgerufen werden und zwar über kulturerbeunterwegs.kaiser2020.de. Mit Smartphone und Tablet gibt es die Möglichkeit, ein Lesezeichen zu setzen (Favicon), das den Zugang so bequem wie bei jeder anderen App macht. Dadurch muss weder eine Datei aus einem App-Store heruntergeladen, noch Passwörter oder Kontaktdaten eingegeben werden. Einmal aufgerufen, sind die Inhalte größtenteils offline abrufbar, viele davon sind in Deutsch und Englisch verfügbar.

„Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ 2020 an Zimmerermeister Ralf Birk verliehen

Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden
Kammerpräsident Stefan Füll (rechts) und Ehrenpräsident Klaus Repp (links) zeichneten Ralf Birk (Mitte), Meister im Zimmererhandwerk, mit dem diesjährigen „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ aus. © Handwerkskammer Wiesbaden

Ralf Birk, Meister im Zimmererhandwerk und Inhaber der Zimmerei Birk in Calbach-Büdingen, ist Preisträger des “Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk”, der im Jahr 2020 erstmals von der Handwerkskammer Wiesbaden ausgeschrieben wurde. Die Zimmerei Birk wurde aus einer Vielzahl qualifizierter Bewerbungen von Handwerksbetrieben, die sich in der Denkmalpflege engagieren, durch eine Fachjury ausgewählt. In der Jury waren Ehrenpräsident Klaus Repp, Dr. Katrin Bek vom Landesamt für Denkmalpflege, Gerwin Stein von der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege in der Propstei Johannesberg und Peter Domaschka von der Handwerkskammer Wiesbaden. Diese war sich darin einig, dass die von Birk durchgeführten Arbeiten und Vorgehensweisen unter Verwendung geeigneter Materialien und Handwerkstechniken auf hohem Niveau durchgeführt werden und in allen Details überzeugen. So konnte sich Birk gegen neun Mitbewerber durchsetzen. Seine Arbeit im Bereich der Denkmalpflege ist vor allem Fachwerkhäusern und -scheunen gewidmet und von Idealismus und Leidenschaft geprägt. Diesen Geist gebe er auch an seine Lehrlinge weiter, so Präsident Stefan Füll bei der Überreichung der Urkunde und des Geldpreises in Höhe von 2.500 Euro. Klaus Repp, der Namensgeber des Preises, betonte, dass durch die Erhaltung, Instandsetzung und Sanierung von historischen Gebäuden ein nachhaltiger Wert für die Zukunft geschaffen werde.

Überreichung zweier Anerkennungsurkunden
Darüber hinaus sprach sich die Jury dafür aus, zwei weiteren Bewerben eine Anerkennungsurkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz zu verleihen. So erhielt Tischler Johannes Mosler aus Hadamar und Holger Aßmus, Meister im Dachdeckerhandwerk aus Nidda, eine Urkunde für ihren denkmalpflegerischen Einsatz. Mosler hat sich der Erhaltung von alten Holzfenstern verschrieben. Für die Fortführung alter Handwerkstechniken und die Erneuerung von Dachreitern, die insbesondere in Oberhessen ein historischer Brauch sind, setzt sich Aßmus ein.

Ursprung des Preises
Klaus Repp war von 2009 bis 2019 Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden. Der jetzige Ehrenpräsident und Meister im Metallbauerhandwerk hat in seinem ehrenamtlichen Wirken einen Schwerpunkt in der Denkmalpflege gesetzt. Handwerksbetriebe, die sich in der Denkmalpflege engagieren, tragen durch den Erhalt des kulturellen Erbes auch zur Stärkung des historischen Gedächtnisses unserer Gesellschaft bei. Diese Botschaft zu transportieren ist das Ziel des „Klaus-Repp-Preises für Denkmalpflege im Handwerk“. Mit dem Preis werden Handwerkerinnen und Handwerker ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Denkmalpflege einsetzen. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgelobt.

Handwerkskammer Wiesbaden
Bierstadter Straße 45,
65189 Wiesbaden
www.hwk-wiesbaden.de

UNESCO zeichnet Bauhüttenwesen aus

Experimentelle Archäologie: Im Wald  von  Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35   Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow
Experimentelle Archäologie: Im Wald von Guédelon (Frankreich) errichten seit über 20 Jahren zirka 35 Steinbrecher, Steinmetze, Maurer, Holzarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Ziegelmacher, Fuhrleute, Korbflechter, Seiler und Helfer mit mittelalterlichen Werkzeugen eine Burg im 13. Jahrhundert. Seit dem frühmittelalterlichen Burgen- und Kirchenbaus entstanden die ersten Bauhütten. © Foto Diether v. Goddenthow

 

Die UNESCO hat heute das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit würdigt die UN-Kulturorganisation den internationalen Modellcharakter der Bauhütten, die als fest eingerichtete Werkstätten seit Jahrhunderten für den Erhalt von Großbauten sorgen und dabei traditionelles Handwerk mit neuester Technik verbinden.

An der Nominierung waren 18 Bauhütten aus fünf Ländern beteiligt. Gemeinsam mit Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz hatte Deutschland die Aufnahme in das UNESCO-Register beantragt. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 19. Dezember online.

Europäisches Erfolgsmodell
Zur Auszeichnung des Bauhüttenwesens sagt Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt: „Die auf das Mittelalter zurückgehende Tradition der Bauhütten dokumentiert, wie wichtig der grenzüberschreitende Kulturaustausch und die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern für gesellschaftliche und baukünstlerische Entwicklungen in Europa waren und sind. Ich freue mich sehr über die Anerkennung der UNESCO für das gemeinsam von Frankreich, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Deutschland vorgeschlagene Bauhüttenwesen. Die Aufnahme in das Register guter Praxisbeispiele unterstreicht die Zukunftsfähigkeit traditioneller Handwerkstechniken, ihre Weitergabe trägt zur Erhaltung des europäischen Kulturerbes bei.“

In den Bauhütten werden traditionelle Techniken, Bräuche und Rituale verschiedenster Gewerke bis heute gepflegt. Unter der Leitung einer Dombaumeisterin oder eines Dombaumeisters arbeiten dort vor allem Steinmetze und Bildhauerinnern, aber auch Dachdecker, Tischlerinnen, Gerüstbauer, Malerinnen, Elektriker, Schlosserinnen, Schmiede und Glasmalerinnen für den Erhalt historischer Bauwerke.

Wissensspeicher des Handwerks
Die Bauhütten zeugen von der Effizienz und Qualität traditioneller handwerklicher Arbeit. Sie bewahren Wissen und tragen so zu einem umfassenden Verständnis komplexer Großbauwerke bei: Historische Pläne, Hüttentagebücher, Wetteraufzeichnungen, persönliche Notizen, Fotografien, Gutachten und Rechnungsbücher helfen den Fachleuten heute dabei, Restaurierungsmaßnahmen vorausschauend und denkmalgerecht zu planen.

Dazu erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Das Bauhüttenwesen ist vielen vor allem durch die europäischen Dombauhütten ein Begriff. UNESCO-Welterbestätten wie der Kölner, der Aachener oder der Naumburger Dom zeugen von der großen Bedeutung der Bauhütten: Als international vernetzte Orte der Forschung und Ausbildung bringen sie großes Fachwissen mit außergewöhnlichen Handwerksfertigkeiten zusammen. Ohne das Bauhüttenwesen wäre die Restaurierung der großen europäischen Kirchenbauten gar nicht denkbar. Dies wirkt weit über den kirchlichen Raum hinaus und hat etwa bei der Rekonstruktion der barocken Fassade des Humboldt Forums im Berliner Schloss eine wichtige Rolle gespielt. Umso verdienter ist die heutige Auszeichnung durch die UNESCO.“

Historisch eng vernetzt
Bauhütten gelten seit dem Mittelalter als Innovationsbetriebe, deren Wissen und Fertigkeiten durch die hohe Mobilität der Bauleute im gesamten europäischen Raum Verbreitung fanden. Bis heute sind sie eng miteinander vernetzt. So beteiligten sich an der UNESCO-Nominierung Bauhütten aus Basel, Linz, Straßburg, Trondheim und Wien sowie aus Aachen, Bamberg, Dresden, Freiburg, Köln, Lübeck, Mainz, Passau, Regensburg, Schwäbisch Gmünd, Soest, Ulm und Xanten.

Bernd Sibler, Vorsitzender der Kulturministerkonferenz und Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, betont: „Die erfolgreiche Einschreibung der Bauhütten würdigt deren Vorbildfunktion bei der Weitergabe traditioneller Gewerke. Besonders beeindruckend ist die sehr fruchtbare Vernetzung und der fachliche Austausch zwischen den deutschen Bauhütten – 13 von ihnen beteiligen sich am Modellprogramm. Dom- und Münsterbauhütten in ganz Deutschland bewahren einmalige Sakralbauten wie den Kölner und Regensburger Dom, die Kirchen des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und das Freiburger Münster. Aber auch der Dresdner Zwinger als Profanbau unterhält eine eigene Bauhütte. Hier zeigt sich nicht nur die Vielfalt der Bauhüttenlandschaft in Deutschland, sondern auch ihre große Bedeutung für den Erhalt unseres kulturellen Erbes.“

Gelebte Tradition
Der Erfolg der Bauhütten beruht auf ihrer Fähigkeit, alte Handwerkstechniken systematisch von Generation zu Generation weiterzugeben und sie mit neuen Erkenntnissen aus Forschung und Technik innovativ zu kombinieren. Zugleich fördern die Werkstätten den kollegialen Austausch von Wissen und Können. Davon zeugt etwa die bis heute in vielen Gewerken lebendige Walz, die im Bauhüttenwesen ihren Ursprung hat.

Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission und Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe in Deutschland, macht deutlich: „Das Bauhüttenwesen zeigt uns, wie wir traditionelle Handwerkstechniken erfolgreich bewahren, fördern und weitergeben können. Die enge Verzahnung der unterschiedlichen Berufe in den Werkstätten ist historisch faszinierend und ein Modell für die Zukunft des Bauens. Dass so viele Bauhütten von Trondheim über Dresden bis Wien gemeinsam auf die Aufnahme ins UNESCO-Register hingearbeitet haben, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was das Immaterielle Kulturerbe leistet: Es bringt Menschen zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, allen sprachlichen und gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. So geht Europa!“

Hintergrund
Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen. Bis heute sind 180 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland gehört dem Vertrag seit 2013 an.

Einzelne Elemente aus den nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten können für eine von drei UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden. Dazu gehören bereits der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin, Reggae aus Jamaika und der Blaudruck in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen auf die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes.

Naturverträgliche Sanierung der Zitadellenmauern-Sanierung der Contrescarpe und Bastionsspitze der Bastion Drusus durch Mitarbeiter der Zitadellen-Bauhütte

Die naturverträgliche Sanierung des Zitadellenmauerwerks geht es kontinuierlich weiter und in großen Schritten voran.© Foto Diether v. Goddenthow
Die naturverträgliche Sanierung des Zitadellenmauerwerks geht es kontinuierlich weiter und in großen Schritten voran.© Foto Diether v. Goddenthow

(rap) Auch bei der naturverträglichen Sanierung des Zitadellenmauerwerks geht es kontinuierlich weiter und in großen Schritten voran, wie die beiden Dezernentinnen Marianne Grosse und Katrin Eder mitteilen. Neben dem Mauerabschnitt entlang der Windmühlenstraße wurde in diesem Jahr auch erstmals ein Abschnitt im Graben saniert. „Dabei haben wir uns aufgrund fehlender Erkenntnisse über die Materialität und Geometrie der Contrescarpe dafür entschieden, die Instandsetzungsarbeiten in Eigenregie durch die eigene Bauhütte ausführen lassen“, erläutert Grosse. „Nach Abschluss der Arbeiten wissen wir, dass dies der richtige Weg war, da es aufgrund erforderlicher Untersuchungen mehrere und anhaltende Unterbrechungen gab, die bei einer Vergabe an Firmen zu Behinderungsanzeigen und dadurch zu Mehrkosten geführt hätte. Außerdem konnten die Mitarbeiter unserer Bauhütte hier ihr großes Können zeigen.“

„Mit der Sanierung der Mauern betreten wir nicht nur denkmalpflegerisch, sondern weitgehend auch ökologisch Neuland. Wir bemühen uns sehr, den einmaligen Bestand an Insekten und seltensten Pflanzen vor Ort entsprechend unserer Planungen auch zu erhalten“, so Katrin Eder, Umweltdezernentin der Stadt Mainz. „Durch den trockenheitsbedingten Rußrindenbefall der Bäume auf den Zitadellenmauern und die notwendig gewordenen Fällungen ist dort in diesem Jahr zusätzlich sehr viel Grün verloren gegangen. Wir stehen hier alle gemeinsam in der Verantwortung, nicht nur ein nacktes Festungswerk, sondern auch ein ökologisch wie mikro-klimatisch enorm wichtiges Gebiet für die Innenstadt in diesem Sinne zu erhalten.“

Die Idee einer eigenen Bauhütte war eine zentrale Empfehlung aus dem Gutachten, das die Grundlage für die bereits durchgeführten und noch anstehenden Maßnahmen zur naturverträglichen Sanierung des Zitadellenmauerwerks bildet. „Es ist ein wirklich großer Erfolg, dass es uns gelungen ist, diese Bauhütte tatsächlich zu schaffen. Durch sie können kontinuierlich und zugleich flexibel kleinere Instandsetzungs- und Instandhaltungsarbeiten am Mauerwerk erfolgen, aber sie können auch große Maßnahmen wie die jetzt erfolgte Instandsetzung der Contrescarpe und der Bastionsspitze Drusus erfolgen. Auch im Jahr 2020 ist viel passiert an den Zitadellenmauern. Nicht nur an der Windmühlenstraße. Im Bereich der Bastion Drusus im Zitadellengraben haben die qualifizierten Mitarbeiter der Zitadellen-Bauhütte gezeigt, welch wichtige Aufgaben sie bei der Instandhaltung der Mauern leisten“, freut sich der Vorsitzende der Initiative Zitadelle Mainz, Kay-Uwe Schreiber.

„Mit der Fertigstellung dieses Abschnitts der Contrescarpe hat das Projekt einen sehr wichtigen Meilenstein erreicht. Denn damit wurde nun erstmals ein Abschnitt im geschützten Landschaftsbestandteil der Zitadelle ökologisch saniert. Die Erkenntnisse werden sowohl aus naturschutzfachlicher als auch bautechnischer Sicht für die kommenden Abschnitte in den nächsten Jahren eine wesentliche Rolle spielen. Nun gilt es zu schauen, wie sich die Natur in diesem Grabenstück wieder neu entwickelt“, so Christian Henkes, Vorsitzender NABU Mainz und Umgebung e.V.

Die Contrescarpe gehört zur Festung Zitadelle und dient im Wesentlichen nur der Abstützung des Geländes jenseits des Zitadellengrabens. Sie hat keine Verteidigungsfunktion und ist deshalb baulich nicht besonders massiv hergestellt. Die Mauer hat eine Mächtigkeit von etwa 1 Meter (zum Vergleich: Zitadellenmauer 4 Meter) und ist aus kleinteiligen Steinen gebaut, die bei der Festung nicht verwendet werden konnten. Das ist die Ursache für den schlechten baulichen Zustand der Contrescarpe.

Die Bauhütte, die sich aus zwei Steinmetzen und zwei Aushilfskräften zusammensetzt, hat das Projekt in 3000 Arbeitsstunden umgesetzt. Im Sommer 2018 wurden die naturschutzrechtliche und denkmalschutzrechtliche Genehmigung eingeholt. Ab Oktober 2018 erfolgte die Baufeldfreimachung und Gerüststellung und im Winter 2018/19 die Freilegung der Mauerkrone und der Abtrag von 150 m³ Boden.

Im Frühjahr 2019 wurden in Zusammenarbeit mit der Landesarchäologie drei Schürfe (ca. 1 m breit, 2,5 m hoch und 3 m lang) am anstehenden Boden im Bereich der Mauerkrone angelegt, um das Bodenprofil kennenzulernen und eine Aussage zur Historie der Aufschüttung zu erhalten. Bis Februar 2020 erfolgten Vermessung, Digitalisierung und weitere Untersuchung der Archäologie, ab März 2020 wurden die Mauerkrone und der lockern Teile des Mauerwerks rückgebaut. Von April bis September 2020 erfolgten der Wiederaufbau und die Verfugung des Mauerwerks.

Die Contrescarpe hat durch die neue Ausbildung der Mauerkrone einen einheitlichen Abschluss mit plattigen Steinen erhalten, die durch ein leichtes Gefälle zum Graben das Niederschlagswasser ableitet. Oberhalb der Mauerkrone ist eine gleichmäßige Böschung ausgebildet worden, um an die Rasenflächen der Wallanlagen anzuschließen. Die Böschung wird mit Gehölzen bepflanzt werden, um den Lebensraum Graben zu den Wallanlagen hin abzugrenzen und zu schützen. Grundsätzlich bleiben im Verlauf der gesamten Contrescarpe einzelne Sichtfenster in den Graben erhalten.

Da der Zaun an der Mauerkrone zur Absturzsicherung noch nicht errichtet ist, kann das Gerüst an der Mauer noch nicht abgebaut werden. Es entstanden rund 10.000€ Materialkosten sowie 30.000€ an Fremdleistungen (Gerüst, Bodenentsorgung, Bodeneinbau) und Personalkosten durch die Bauhütte.
Die gegenüberliegende Bastionsspitze Drusus wird ebenfalls von der Bauhütte saniert. Die beiden Bauabschnitte waren im Wechsel je nach Bedarf besetzt, oberste Priorität hatte allerdings die Contrescarpe. Der Erker auf der Bastionsspitze musste rückgebaut werden, da drei der vier Auflager nicht mehr die notwendige Tragfähigkeit besitzen und ausgetauscht werden müssen.
In den nächsten Monaten werden die Mauerkronensteine und die neuen Auflager behauen, sodass ab April/Mai 2021 der Wiederaufbau beginnt und im September 2021die Maßnahme an der Bastionsspitze ebenfalls abgeschlossen werden kann.

Das Ingenieurbüro Kayser+Böttges, Barthel+Maus hat die Maßnahme baubegleitend betreut.
Das Büro Twelbeck überwacht zugleich die biologische Bauleitung und alle Arbeitsschritte im Zitadellengraben und sorgt für die Einhaltung der Auflagen aus der naturschutzrechtlichen Genehmigung.

Ergänzte Neuausgabe des Buches „Eberhard Philipp Wolf (1773-1843) – Baumeister des Klassizismus in Nassau“

eberhard-philipp-wolf-klassizismusbaumeister-wAnlässlich der Neuerscheinung des Buches „Eberhard Philipp Wolff (1773-1843) – Baumeister des Klassizismus in Nassau““ hat Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende am Freitag, 11. Dezember, den Autor Hans-Joachim Häbel und Vertreter der Historischen Kommission für Nassau im Rathaus empfangen.
„Es ist ein wunderbar konzipiertes und gestaltetes Buch. Für unsere Stadtgeschichte im 19. Jahrhundert birgt es eine Fülle interessanter, vielfach unbekannter Details und Abbildungen von Eberhard Philipp Wolff“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.

Der neu erschienene Text- und Bildband ist einem Baumeister gewidmet, der zwischen 1800 und 1840 in Wiesbaden und im Herzogtum Nassau gewirkt hat, aber bisher weitgehend unerforscht geblieben ist. Archivoberrat a.D. Dr. Hans-Joachim Häbel präsentiert das Leben und das umfangreiche Werk von Eberhard Philipp Wolff erstmals anhand eingehender Forschungen. Viele teils unbekannte Pläne und Bauzeichnungen hat der Autor in den Beständen des Hessischen Hauptstaatsarchivs in Wiesbaden zutage gefördert.

Wolff hat in Wiesbaden, seinem Dienstsitz als Herzoglich Nassauischer Landbaumeister, markante öffentliche Gebäude errichtet. So war er für die klassizistische Bebauung an der Ostseite des Luisenplatzes verantwortlich. Auch stadtplanerisch betätigte er sich im „Historischen Fünfeck“. Zu seinen Hauptwerken zählt das 1825 bis 1827 errichtete Herzogliche Hoftheater an der Wilhelmstraße, das um die Jahrhundertwende dem Hotelkomplex des Nassauer Hofs weichen musste. Nicht zuletzt sind die heutigen Wiesbadener Vororte mit zahlreichen Bauprojekten in dem Buch vertreten.

Das Buch hat 484 Seiten mit 163 Farbabbildungen, ISBN 978-3-930221-40-0, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 93, Einführungspreis bis zum 31. Januar 35 Euro, danach 42 Euro.

Zum Buch:
Als Landbaumeister hat Eberhard Philipp Wolff im Gebiet des früheren Herzogtums Nassau zahlreiche Spuren hinterlassen. Während das Werk anderer Baumeister des Klassizismus in Nassau bereits weitgehend erforscht ist, blieb Wolff bisher weniger beachtet. Diesem Mangel will das vorliegende Buch abhelfen. Mit seinem Wirken in Nassau hat Wolff das bauliche Erscheinungsbild vieler Städte und Dörfer geprägt. Seine Kirchen sind zwar keine monumentalen Prachtbauten, waren aber dank ihrer eher schlichten Formen im klassizistischen Baustil für kleinere Landgemeinden bezahlbar. Wolff errichtete Amts- und Rathäuser, Schulen und Pfarrhäuser – teilweise nach Musterplänen – und war auch für deren Bauunterhaltung zuständig. Als Uferbaumeister trug Wolff Verantwortung für den Wasser- und Uferbau an den schiffbaren Flüssen Rhein, Lahn und Main. Für Orte, die nach Großbränden wieder aufzubauen waren oder in denen neue Baulinien erschlossen werden sollten, legte er Planungen vor, die bis heute im Ortsbild erkennbar sind. In der Haupt- und Residenzstadt Wiesbaden zählen das 1827 errichtete Hoftheater vor dem Sonnenberger Tor und die klassizistische Bebauung an der Ostseite des Luisenplatzes zu seinen Hauptwerken. Auch stadtplanerisch betätigte er sich im Wiesbadener „Historischen Fünfeck“. Nach dem Einsturz der unter Leitung von Hofbaumeister Friedrich Ludwig Schrumpf gebauten katholischen Kirche Sankt Bonifatius 1831 wirkte Wolff als Gutachter für die Erforschung des Unglücks. Der Verfasser hat Bauakten und Pläne des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden ausgewertet, um das vielseitige Werk Wolffs zu rekonstruieren. Die großzügig bebilderte Darstellung – darunter zahlreiche bisher nie gezeigte Pläne – dokumentiert die Lebensleistung eines Baumeisters im Landesdienst zwischen 1800 und 1840. Für die regional- und lokalhistorische Forschung im Nassauer Land enthält das Buch neue Erkenntnisse und viele Detailinformationen, die durch ein Personen- und Ortsregister erschlossen sind.

In allen Wiesbadener Buchhandlungen sofort erhältlich!

Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung

Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung Beschreibung: Foto  © Stadt Mainz
Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung Beschreibung: Foto © Stadt Mainz

(rap) Die Arbeiten am Römischen Bühnentheater schreiten voran. Die nächsten Schritte zur baulichen Verbesserung werden in den kommenden Tagen umgesetzt.
„Wir arbeiten seit zwei Jahren intensiv an einem dauerhaften und nachhaltigen Konservierungskonzept für das Römische Bühnentheater“, erläutert Bau- und Denkmalpflegedezernentin Marianne Grosse. „Dazu gehört neben der eigentlichen Konservierung der wertvollen römischen Bausubstanz vor allem auch ein Präsentations- und Nutzungskonzept für das Theater. Der im letzten Jahr verstorbene ehemalige Vorsitzende der Initiative Römisches Mainz, Dr. Hans Marg, war hierfür ein entscheidender Motor.“

„Deshalb freue ich mich umso mehr“, so die Dezernentin weiter, „dass wir jetzt mit der Erstellung eines stilisierten Ausschnitts der ehemaligen Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung nach einiger Zeit wieder etwas zeigen können, dass für alle sichtbar und erlebbar sein wird. Ich bin der Initiative Römisches Mainz und dem Rotary Club und damit insbesondere Professor Vahl sehr dankbar für ihre Unterstützung und die Möglichkeit, mit einer Beleuchtung einen Teil des Theaters ins richtige Licht zu rücken.“

Freigelegte Ruinen des Römischen Theater in Mainz Süd. © Foto Diether v. Goddenthow
Freigelegte Ruinen des Römischen Theater in Mainz Süd. © Foto Diether v. Goddenthow

Die Initiative Römisches Mainz hält die adäquate Illumination und eine bürgernahe Möglichkeit einer Sitzplatznutzung für unerlässlich, um das Römische Bühnentheater noch mehr in den Herzen der Mainzerinnen und Mainzer zu verankern, denn „nur wer das Theater im Herzen hat, wird etwas für das Theater tun,“ so der neue Vorsitzende der Initiative Römisches Mainz e.V., Professor Christian-Friedrich Vahl. „Das Römische Bühnentheater bietet eine große Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten und ich bin überzeugt, es wird als einziges Freilufttheater in Mainz gerade in der Zeit nach der Corona-Epidemie eine ganz besondere Rolle spielen“, so Professor Vahl weiter.

„Nachdem die in die Jahre gekommenen und nicht mehr schön anzuschauenden Sitzreihen weggenommen wurden, wird jetzt durch eine ganz moderne Präsentationsform das Rund der ehemaligen Sitzreihen in einem Ausschnitt durch Drahtkörbe optisch wieder hervorgehoben. Dazu wird die künftige abendliche Beleuchtung ein Highlight sein, auch für alle, die mit dem Zug am Theater vorbeifahren. Das wird sicherlich ein weiterer Grund sein, in Mainz Station zu machen und die römischen Denkmäler zu besuchen“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der der Landesarchäologie Mainz.

Auf dem Jakobsberg, unterhalb der Zitadelle in Mainz, befindet sich das größte römische Theater nördlich der Alpen. Die heute sichtbaren baulichen Überreste sind auf einen Steinbau aus dem 4. Jahrhundert nach Christus zurück zu führen.
In den Jahren 1997 und 1999 erfolgte unter der Leitung der Landesarchäologie mit der Hilfe von zahlreichen Archäologen, Studenten, Schulklassen und anderen Freiwilligen die Freilegung des Theaters bis zu den möglichen Grenzen der Umgebungsbebauung.

2005 wurden unter der Leitung des damaligen Landesarchäologen Dr. Gerd Rupprecht die ersten fünf Sitzreihen als Holzkonstruktion in Form von halbkreisförmigen, ansteigenden Sitzstufen errichtet. Witterungseinflüsse setzten der Konstruktion stark zu, so dass sie zunehmend marode und morsch wurde. Aufgrund der akuten Einsturzgefahr konnte die Ausgrabungsstätte über Monate nicht mehr begangenen werden, da dieser Bereich nicht abtrennbar war. Im Sommer 2017 wurden die Brüstungselemente, welche die Sitzreihen zur Orchestra hin abgrenzten, abgebrochen, erneuert und mit einer vorgelagerten Sitzstufe versehen. Seit diesem Zeitpunkt können wieder Führungen und kleinere Veranstaltungen in der Ausgrabungsstätte stattfinden.

Aufgrund des großen didaktischen Wertes in der Denkmalvermittlung bestand auf allen Seiten der Wunsch, im Falle der Entfernung der maroden Sitzreihenkonstruktion die Anmutung der Sitzreihen wieder aufzunehmen, bis das Gesamtareal überplant wird und klar ist, wie die zukünftige Gestaltung, Präsentation und Konservierung des Römischen Bühnentheaters aussehen soll.
In enger Abstimmung mit der Archäologie, der Landesdenkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Stadtrat entschied man sich für eine temporäre, nicht begehbare Installation in Form eines Drahtgitters, welche einen Teilbereich der alten hölzernen Zuschauerränge visualisieren wird.

In der Dämmerung wird die Installation zeitweise zurückhaltend illuminiert. Hierbei wird darauf geachtet, artenschutzverträgliche Leuchtmittel einzusetzen. Die Beleuchtung der stilisierten Sitzkulisse wird finanziell unterstützt durch eine Spende des Rotary Clubs Mainz in Höhe von 20 000 Euro. Seine Zeit als Präsident und Vize-Präsident des Rotary Clubs Mainz in den Jahren 2018 und 2019 hatte Professor Christian-Friedrich Vahl ganz in das Zeichen des römischen Bühnentheaters gestellt und mit dem Rotary Club diese große Spendensumme für das Theater eingeworben.

Da es sich um kein herkömmliches Produkt und um einen sehr sensiblen Aufstellungsort handelt, wird vorerst ein Muster gebaut. Die vorbereitenden Landschaftsbauarbeiten dazu haben nun begonnen. Zunächst wurde der Befund mehrlagig geschützt und mit Lavakies überdeckt. Auch die Metallbauarbeiten sind in vollem Gang und werden in den nächsten Wochen, je nach Witterung, auf dem Gelände installiert.
Parallel laufen weitere Konservierungsmaßnahmen an den Pfeileresten im Theater kontinuierlich weiter.