Kategorie-Archiv: Denkmäler – Kulturerbestätten

Am Tag des offenen Denkmals rückt Rheinland-Pfalz Architektur und Kunst des 20. Jahrhunderts in den Blickpunkt

Bedeutendes Kulturdenkmal der neuen Moderne Rathaus Mainz. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Bedeutendes Kulturdenkmal der neuen Moderne Rathaus Mainz. © Foto: Diether v Goddenthow

Passend zum 100-jährigen Jubiläum der legendären Kunsthochschule Bauhaus steht der Tag des offenen Denkmals am 8. September in diesem Jahr unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.  Eingebettet in diese bundesweite Veranstaltung ist der Denkmaltag Rheinland-Pfalz, zum dem die Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) und das Land Rheinland-Pfalz alle Bürger und Bürgerinnen herzlich einladen, unter dem Motto „Architektur und Kunst des 20. Jahrhunderts im Blickpunkt“ spannende Einblicke zu nehmen in ausgewählte  Denkmäler der neuen Moderne (zwischen 1919 bis 1980 etwa). Neben dem diesjährigen Schwerpunkt  werden   wie in jedem Jahr jedoch insgesamt 420 Denkmäler aus 2000 Jahren Geschichte in Rheinland-Pfalz zu besichtigen sein. Erwartet werden am 8. September gut 100 000 Besucher.

 Mit dem „Denkmaltag Rheinland-Pfalz“ steuert die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) auch diesmal ein eigenes Programm zu der bundesweiten Veranstaltung bei. „Der Tag des offenen Denkmals widmet sich 2019 den tiefgreifenden Umbrüchen, die sich im 20. Jahrhundert nicht nur in der Politik und der Kultur, sondern auch in der Architektur und der Kunst vollzogen haben“, erklärte Kulturminister Konrad Wolf, „es gibt kaum eine Epoche, in der so viele unterschiedliche Stile nebeneinander existierten und sich gegenseitig beeinflussten. Diese Vielfalt möchten wir den Besucherinnen und Besuchern anhand unserer markanten Kulturdenkmäler näherbringen. Wir wollen die Türen unserer Baudenkmäler öffnen und den Bürgerinnen und Bürgern einmalige Einblicke gewähren. Zugleich möchten wir mit dem Denkmaltag Rheinland-Pfalz ein Bewusstsein schaffen für die Herausforderungen, die mit der Erhaltung unserer vielfältigen Kultur- und Denkmallandschaft verbunden sind“, fügte Wolf hinzu, der heute zusammen mit Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, sowie der Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser das Programm zum Tag des offenen Denkmals im Erthaler Hof in Mainz vorstellte.

Der Auftakt des Denkmaltags Rheinland-Pfalz findet am Tag des offenen Denkmals im feierlichen Rahmen am 7. September in der Stadthalle Lahnstein statt, die nicht zuletzt dank der farbenprächtigen Gestaltung des Künstlers Otto Herbert Hajek  in das Verzeichnis der Kulturdenkmäler Rheinland-Pfalz aufgenommen wurde und als junges Baudenkmal ideal zum diesjährigen Motto passt.

„Der Denkmaltag Rheinland-Pfalz 2019 steht für die Landesdenkmalpflege im Zeichen der Architektur der letzten 100 Jahre, die auch in unserem Bundesland viele bemerkenswerte Bauten hervorgebracht hat. Uns liegt es dabei besonders am Herzen, die Menschen im Land an unserem kulturellen Erbe teilhaben zu lassen und sie gleichzeitig für die Belange und Aufgaben des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege zu sensibilisieren. Wir stellen aktuelle Projekte der Landesdenkmalpflege vor, geben interessante Einblicke in die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bieten gemeinsam mit ehrenamtlich Aktiven und Denkmaleigentümern eine Plattform, auf der alle Facetten unseres einzigartigen kulturellen Erbes aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden“, so Generaldirektor Thomas Metz. Und Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser ergänzt: „Im gesamten Land werden an diesem Tag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Denkmalbehörden verschiedene Führungen durch ausgewählte Kulturdenkmäler anbieten, die von der Direktion Landesdenkmalpflege fachlich betreut werden. Im Fokus stehen dabei jüngere Denkmäler, die zum Motto ´Modern(e): Umbrüche in Architektur und Kunst´ passen.“

Rund 420 Kulturdenkmäler, über 100 davon mit engem Mottobezug, beteiligen sich in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz an der bundesweiten Veranstaltung und laden dazu ein, sich mit Kunst- und Baustilen auseinanderzusetzen, die den Geist der revolutionären Bauhaus-Reformbewegung, aber auch der traditionellen Spielarten der Architektur dieser bewegten Jahre verkörpern. Die Bauten, die an diesem Tag vorgestellt werden, stammen aus der Zeit zwischen der Jahrhundertwende und den 1980er-Jahren und dokumentieren damit die architekturhistorische Entwicklung vom späten Historismus bis zur Postmoderne. Die Auswahl der Denkmäler reicht vom neoklassizistischen Museumsbau in Neuwied bis zur modern ausgebauten Burgruine in Bad Kreuznach, von der kühnen Betonkonstruktion der Wormser Nibelungenbrücke mit ihrem neoromanischen Brückenturm bis zum Kinosaal der 1950er-Jahre in Neustadt. Mit vertreten sind auch bedeutende öffentliche Nachkriegsbauten wie das Mainzer Rathaus und die Hochschule für Verwaltung in Speyer sowie die Zentralmensa der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, eines der derzeit jüngsten Kulturdenkmäler des Landes.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet auf ihrer Webseite Informationen über alle am Tag des offenen Denkmals teilnehmenden Denkmäler und über sämtliche Angebote. Begleitend zum Denkmaltag Rheinland-Pfalz hat die GDKE erstmals eine eigene Broschüre herausgebracht, die in knappen Aufsätzen ausgewählte Kulturdenkmäler zum Thema „Architektur des 20. Jahrhunderts in Rheinland-Pfalz“ vorstellt. Ein Flyer informiert zudem über die exklusiven Führungen am 8. September. Beide Publikationen liegen vor Ort bei den Denkmalbehörden im Land und den teilnehmenden Kulturdenkmälern aus und können auch direkt bei der GDKE bezogen werden.

Der Tag des offenen Denkmals findet 2019 bundesweit zum 26. Mal statt. 1993 wurde der Aktionstag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgerufen. Rheinland-Pfalz beteiligt sich bereits seit 1992 an den European Heritage Days.

Infos: Programm Tag des offenen Denkmals Rheinland-Pfalz am 8. September 2019

Das komplette Programm mit Öffnungszeiten und Führungen im Detail als PDF

Kaiser-Wilhelm-Turm und Kaisersaal öffnet am Tag des offenen Denkmals 8. 09.2019

Wufwändig sanierter Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf.
Wufwändig sanierter Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf.

Die Landeshauptstadt Wiesbaden beteiligt sich mit dem kürzlich aufwändig sanierten Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf wieder am jährlich, immer am zweiten Sonntag im September, stattfindenden Tag des offenen Denkmals.

Der Tag wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als Deutscher Beitrag zu den European Heritage Days koordiniert. Er findet in diesem Jahr zum 26-sten Mal statt und steht in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt-Thema „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Am Sonntag, 8. September, kann der Kaiser-Wilhelm-Turm bestiegen werden. Der historische Gastraum mit dem sogenannten „Kaisersaal“ ist ebenfalls in der Zeit von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

In dieser Zeit haben interessierte Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich über die Bedeutung des Kaiser-Wilhelm-Turms als einzigartiges Kulturdenkmal informieren zu lassen. Als Ansprechpartner stehen der Vorsitzende des Rhein-Taunus-Klub e.V., Herr Jörg Sobek und weitere Mitglieder des Vereins zur Verfügung. Auch der Leiter der städtischen Denkmalbehörde, Stadtkonservator Martin Horsten, wird am späten Vormittag vor Ort sein und über die Geschichte dieses nach dem Jagdschloss auf der Platte zweithöchsten Kulturdenkmals der Stadt Wiesbaden, sowie über die in den letzten Jahren von der Stadt am Turm durchgeführten Sanierungsmaßnahmen informieren.

Bereits 1883 wurde auf dem Schläferskopf ein hölzerner Aussichtsturm errichtet, der wegen Baufälligkeit im Jahre 1900 abgetragen wurde. Bei dem heutigen, insgesamt ca. 30 m hohen Turm, der aus Taunusquarzit und Basaltlava gebaut wurde, handelt es sich um den Nachfolgerbau. Er entstand in den Jahren 1905/1906 auf Betreiben des damals sehr aktiven Wiesbadener Verschönerungsvereins. Nach den Plänen des Architekten Euler wurde ein pittoresker Rundturm errichtet, der mit seinem auf der Aussichtsplattform aufsitzenden Warttürmchen einem mittelalterlichen Wachturm oder auch Bergfried nachempfunden ist. Der Turm ist – zusammen mit dem angrenzenden „Kaisersaal“ – ein wesentlicher Baustein im Rahmen des systematischen Ausbaus der Wiesbadener Kur-Landschaft, der vor allem durch die Bürger der Stadt selbst vorangetrieben wurde. Gestaltung, Namensgebung und Inschrift sind zugleich politische Manifeste mit überregionalem Anspruch.

Architekturgeschichtlich bemerkenswert ist vor allem die Treppenanlage mit zwei gegenläufig gesetzten Spiralen, die oben und unten zu separaten Ein – oder Ausgängen führen und einen getrennten Auf – oder Abstieg ermöglichen.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals können auf der Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter https://www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/tag-des-offenen-denkmalsr.html abgerufen werden.

Landtag Rheinland-Pfalz feiert Richtfest am Deutschhaus – Ein lebendiger Ort der Demokratie

Das Deutschhaus, seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags wird seit 2016 generalsaniert. Noch zieren Gerüste den barockem Profanbau. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das Deutschhaus, seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags wird seit 2016 generalsaniert. Noch zieren Gerüste den barockem Profanbau. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei herrlichem Spätsommerwetter feierte der Landtag Rheinland-Pfalz am 28. August 2019 mit allen am Bau Beteiligten, den Landtagsabgeordneten und mit zahlreichen weiteren Ehrengästen das Richtfest am Deutschhaus, welches seit 1951 Sitz des rheinland-pfälzischen Landtags ist. Seit Januar 2016 wird das Parlamentsgebäude erstmals seit 65 Jahren generalsaniert. Ende 2020  soll das Gebäude wieder genutzt werden. Das Deutschhaus, welches völlig entkernt wurde, wird hinter der barocken Fassade energieeffizient, barrierefrei und nachhaltig für einen modernen Parlamentsbetrieb generalsaniert. Das Gebäude wurde hierfür komplett entkernt, das Restaurant aus den 1950iger Jahren abgerissen und an seiner Stelle ein 300 Quadratmeter großer neuer Anbau für das neue Landtagsrestaurant sowie für Besprechungs- und Besucherräume errichtet. Landtagspräsident Hendrik Hering freute sich, dass sich das komplexe Großprojekt im Zeit- wie auch im Kostenplan befindet. Insgesamt soll die nachhaltige Sanierung des historischen Bauwerks rund 60 Millionen Euro kosten.

Gruppenfoto: die  Vorsitzenden das Landtagsfraktionen mit  Landtagspräsident und Architekten beim Richtfest. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Gruppenfoto: die Vorsitzenden das Landtagsfraktionen mit Landtagspräsident und Architekten beim Richtfest. © Foto: Diether v Goddenthow

Landtagspräsident Hendrik Hering begrüßte unter anderem Staatsministerin Doris Ahnen, Staatssekretär Clemens Hoch und für die Landeshauptstadt Mainz Oberbürgermeister Michael Ebling. Stellvertretend für alle Mitglieder des Landtags hieß er die Fraktionsvorsitzenden Alexander Schweitzer, Christian Baldauf, Uwe Junge, Cornelia Willius-Senzer und Dr. Bernhard Braun herzlich willkommen, ebenso den ehemaligen Vizepräsidenten Herrmann Schnabel. Er bedauerte, dass Joachim Mertes, der von 2006 bis 2016 Landtagspräsident war, diesen Tag nicht mehr erleben durfte.
Das Deutschlandhaus sei ein Haus mit großer Geschichte, das aktuell – wie in der Vergangenheit bereits häufiger erlebt – ein neues Innenleben erhält, so der Landtagspräsident.

Das Deutschhaus wurde als Ordensritterpalais von Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn unter Einfluss des französischen Barock bis 1737 fertiggestellt und von namhaften Künstlern wie dem Augsburger Freskomaler Christoph Thomas Scheffler, der Würzburger Stuckatoren-Familie Castelli und dem Mainzer Hofbildhauer Burkard Zamels zu einem der prächtigsten Profangebäude im Kurmainzer Raum ausgestaltet. Während der kurzlebigen Mainzer Republik, welche als erste Demokratie auf deutschem Boden gelten kann, wurde das Gebäude als Sitz des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents als Parlament bis 1793 genutzt. Hierzu mussten die Protagonisten der Mainzer Republik zum ersten Mal das Innenleben des Deutschhauses verändern. Auch wenn der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent nur kurze Zeit hier tagen konnte, war er doch das erste nach gleichem Wahlrecht gewählte Parlament in Deutschland. Auf eine solche Tradition kann kein anderes Parlamentsgebäude in Deutschland zurückblicken.

Beim Rundgang durch   das Deutschhaus lässt  sich schon erkennen, wie es einmal werden wird: Hier einen Blick in den neuen Plenarsaal.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Beim Rundgang durch das Deutschhaus lässt sich schon erkennen, wie es einmal werden wird: Hier einen Blick in den neuen Plenarsaal.© Foto: Diether v Goddenthow

Von 1798 bis 1814 hatte Napoleon hier seine Residenz, solange Mainz zum französischen Kaiserreich gehörte. Mit der Neuordnung der Machtverhältnisse in Mitteleuropa durch den Wiener Kongress kam Mainz zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt und das Deutschhaus diente als Nebenresidenz des hessischen Großherzogs.

Nach dem zweiten Weltkrieg änderten sich erneut die Macht- Verhältnisse: So residierten ab Oktober 1919  Jean-Marie Degoutte, Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee und gleichzeitig Mitglied im Conseil supérieur de guerre sowie sein Nachfolger Adolphe Guillaumat bis zum Abzug der Franzosen am 30. Juni 1930 im Deutschhaus.

1933 nahm die SA ihren Sitz im Deutschhaus ein. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zogen auch am Deutschhaus nicht spurlos vorüber. Und 1951 musste es wegen den Zerstörungen im Krieg innen von Grund auf erneuert werden. Vom alten Palais blieben nur die Außenmauern übrig. Seit diesem Wiederaufbau – in den 50er Jahren – ist das Deutschhaus nun der Sitz des Landtags Rheinland-Pfalz.

Landtagspräsident Hendrik Hering. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Landtagspräsident Hendrik Hering. © Foto: Diether v Goddenthow

„Es ist uns wichtig, die wechselvolle Geschichte des Deutschhauses im sanierten Landtag zu dokumentieren“, so der Landtagspräsident. Aber noch wichtiger sei, „das Deutschhaus zu einem lebendigen Ort der Demokratie zu machen. Mit diesem Haus ist der unerschütterliche Glaube an die parlamentarische Demokratie fest verbunden. Das Haus ist der zentrale und wichtigste Ort der Demokratie in Rheinland-Pfalz. Hier wurden und werden die Grundlagen gelegt, dass wir in einer offenen und freien Gesellschaft bei einem nie dagewesenen Wohlstand leben dürfen. Diese Bedeutung soll das Haus auch wiederspiegeln, ohne Prunk, so der Landtagspräsident (die vollständige Rede)

Mehr Raum für Besucher und Bildung

Das neue Deutschhaus werde noch bessere Möglichkeiten bieten, diese besonderen Leistungen des Parlamentes hervorzuheben und diese den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln. Der Umbau, der unter dem Motto „Bauen für die Demokratie“ stehe, werde deshalb insbesondere auch den jährlich rund 30.000 Besuchern des Landtags dienen, welche sich zukünftig in zeitgemäßer Art und Weise über Geschichte, Aufgabe, Funktion und Arbeit dieser „Herzkammer der Demokratie“ informieren könnten, betonte Hendrik Hering. Eine besondere Zielgruppe stellten dabei junge Menschen dar. „Wie wäre es, wenn jeder Schüler und jede Schülerin im Laufe der Schulzeit einmal ein Parlament oder einen Rat besuchen würde?“, regte der Landtagspräsident an. Junge Menschen könnten dadurch früh erfahren, dass die Demokratie vom Mitmachen lebt und sich Einmischen lohnt. Er freute sich, dass für die verschiedenen Bildungsangebote zudem künftig der Interimsplenarsaal in der Steinhalle des Landesmuseums weiter genutzt werden könne.

Lob für Handwerker und Ingenieure

Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin. © Foto: Diether v Goddenthow

Finanz- und Bauministern Doris Ahnen sagte: „Das Ziel bei der Sanierung des Landtags ist, einen zeitgemäßen Parlamentsbetrieb zu ermöglichen und dabei gleichzeitig die Geschichte und die Bedeutung des historischen Deutschhauses und seinen barocken Charakter zu erhalten. Bereits an den Entwürfen und am Rohbau wird sichtbar, dass es den Architektinnen und Architekten und den Bauleuten gelungen ist, umfassende Barrierefreiheit und moderne Ausstattung in gute Architektur zu integrieren. Darüber hinaus liegt ein besonderer Schwerpunkt der Sanierung auf der Nachhaltigkeit. Es entsteht ein Bau nach höchstem energetischen Standard mit einer hocheffizienten Haustechnik, der ein Aushängeschild für unser Land sein wird.“

Oberbürgermeister Michael Ebling. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling. © Foto: Diether v Goddenthow

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling betonte: „Für alle Mainzerinnen und Mainzer ist der heutige Tag, an dem wir Richtfest für das Deutschhaus feiern, ein schöner Tag. Denn dieses Haus ist für unsere Stadt ein ganz besonderes. Das Deutschhaus ist, einmal abgesehen von seiner reichen Historie und seiner immens wichtigen aktuellen politischen Bedeutung, auch eines der schönsten Häuser, die wir in Mainz haben. Es zu erhalten, zu modernisieren und auszubauen, muss uns daher Verpflichtung und Anliegen sein. Das Richtfest ist die Gelegenheit, all denen zu danken, die im ganz wörtlichen Sinne hier für die Demokratie bauen und in den vergangenen Monaten gebaut haben.“

Architekt Professor Llinus Hofrichter.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Architekt Professor Llinus Hofrichter.© Foto: Diether v Goddenthow

Auch Architekt Professor Linus Hofrichter lobte die geleistete Arbeit von Handwerkern und Ingenieuren. „Sehr sensibel und geschickt wurde unter komplettem Erhalt der historischen Hülle des Deutschhauses fast schon „endoskopisch“ im Innern ein „neuer Landtag“ geschaffen“. Äußerlich sei es das gewohnte Gebäude geblieben, im Innern würden sich künftig großartige neue Raumerlebnisse erschließen. Das Gebäude sei bautechnisch mit einem Neubau gleichzusetzen und somit fit für viele Jahre parlamentarischer Arbeit. „Dieses Projekt kann als Vorbild dienen und ist sicher aktuell eines der komplexesten und anspruchsvollsten im Land Rheinland Pfalz“, sagte Linus Hofrichter.

Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB), sagte: „Mit der Fertigstellung des Rohbaus haben alle Beteiligten eine anspruchsvolle Aufgabe erfolgreich gemeistert. Eine außerordentliche Herausforderung ist hierbei der vollständige Neubau im Inneren des denkmalgeschützten Deutschhauses. Die besondere Leistung der Architekten und Ingenieure sowie der Firmen unter der Regie des Landesbetriebs LBB besteht darin, in Auseinandersetzung mit der historischen Bausubstanz alle Innenräume und den Plenarsaal in kleinen Arbeitsschritten neu herzustellen, ohne Dach oder Außenmauern zu verändern. Auch dies soll mit dem heutigen Richtfest gewürdigt werden.“

Die  Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und der Landtagspräsident schlagen symbolisch die letzten Nägel ein.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und der Landtagspräsident schlagen symbolisch die letzten Nägel ein. © Foto: Diether v Goddenthow

Hendrik Hering dankte allen, die an dem Großprojekt beteiligt sind, für deren leidenschaftliches Engagement und für die gute Zusammenarbeit. Er freute sich, dass ein Großteil der bauausführenden Firmen aus Rheinland-Pfalz komme. Von einer dieser hier im Land ansässigen Firmen kam dann auch Zimmermann Stefan Hinrichs, der vom Dach des neuen Landtagsrestaurants den Richtspruch an die Gäste richtete. Anschließend schlug Landtagspräsident Hendrik Hering gemeinsam mit den Vorsitzenden der Landtagsfraktionen, Alexander Schweitzer (SPD), Christian Baldauf (CDU), Cornelia Willius-Senzer (FDP), Bernhard Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Michael Frisch (AfD) die letzten Zimmermannsnägel ein. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Jazz-Combo „September Second“. Anschließend konnten sich die Gäste bei Führungen über die Baustelle ein Bild von den Baufortschritten machen.

 

Rotundenkonzert am Tag des offenen Denkmals 2019 im Biebricher Schloss

Schloss Biebrich ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Schloss Biebrich © Foto: Diether v Goddenthow

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2019 präsentieren Studierende der Wiesbadener
Musikakademie am 8. September um 18:30 Uhr (Einlass ab 18.00 h) traditionell ihr Können im historischen Festsaal des Biebricher Schlosses, Rheingaustraße 140 in 65203 Wiesbaden.

Der musikalische Bogen spannt sich vom Barock über die Klassik bis in die Romantik, die mit folkloristisch (spanisch -ungarisch) angehauchten, temperamentvollen Werken einen klaren Schwerpunkt bildet. Vorgetragen werden Werke von Johannes Brahms über Cécile Chaminade, Manuel de Falla, Pablo de Saraste bis hin zu Antonio Vivaldi und einigen mehr.

Veranstalter sind der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen begrüßt die Gäste, Christoph Nielbock, Leiter der Musikakademie Wiesbaden, führt kurz in die Veranstaltung ein, Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien Hessen spricht abschließende Worte.

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Ziel der beliebten Rotundenkonzerte ist es seit vielen Jahren, den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zu geben, die historischen Räumlichkeiten des Biebricher Schlosses kostenfrei zu erleben. Für die Musiker wird um eine kleine Spende gebeten.

Mit dem Rotundenkonzert beschließt das Landesdenkmalamt den Tag des offenen Denkmals 2019.

Schloß Biebrich
65203 Wiesbaden
https://lfd.hessen.de/

Hessischer Denkmalschutzpreis im Wert von insgesamt 32 000 Euro ehrt Engagement für den Erhalt von Kulturschätzen

Der 1. Preis für Privatpersonen ging an Achim Karn für sein für 3,5 Mio. Euro restauriertes Wamboltsches Schloss in Groß Umstadt Curtigasse 6. Hier Giebel-Ansicht. Foto Achim Karn
Der 1. Preis für Privatpersonen ging an Achim Karn für sein für 3,5 Mio. Euro restauriertes Wamboltsches Schloss in Groß Umstadt Curtigasse 6. Hier Giebel-Ansicht. Foto Achim Karn

Wiesbaden. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute den Hessischen Denkmalschutzpreis 2019 überreicht. In der Rotunde des Biebricher Schlosses ehrte sie Privatpersonen und Organisationen, die eine Leidenschaft teilen: Sie haben mit individuellen Lösungen, handwerklich-technischem Geschick und besonderem Einsatz Denkmäler restauriert oder erforscht. Die Preisträgerinnen und Preisträger kommen aus den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Darmstadt-Dieburg, dem Vogelsbergkreis, dem Werra-Meißner-Kreis sowie aus Frankfurt, Offenbach am Main, Gießen und Limburg.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. © Foto: Diether v Goddenthow

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Die Jury des Hessischen Denkmalschutzpreises hat eine beneidenswerte Aufgabe: Sie reist quer durch Hessen, um sich Denkmäler anzuschauen, in die Menschen viel Arbeit, Herzblut und natürlich auch Geld gesteckt haben, um sie wieder zum Strahlen zu bringen. In diesem Jahr war die Qualität der Bewerbungen so großartig, dass es nur erste und zweite Preise gibt und die Hessen Lotto GmbH ihr Preisgeld aufgestockt hat. Das ist eine wunderbare Entwicklung und zeigt, wie der Denkmalschutz immer mehr an Bedeutung gewonnen hat – auch für die Hessinnen und Hessen. Baudenkmäler und ganze Ensembles, historische Stadtkerne und neu genutzte Bauten der Industriegeschichte tragen zur Urbanität und Lebensqualität in unserem Land bei. Das Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger erhält diese Schätze für uns alle – dafür danke ich Ihnen herzlich und wünsche weiterhin viel Schaffenskraft bei der Pflege Ihrer historischen Schätze.“

Den ersten Preis für Institutionen gewann die Kirchengemeinde Sickendorf (Vogelsbergkreis) Hier: Chorfenster in der Heidbergkapelle .
Den ersten Preis für Institutionen gewann die Kirchengemeinde Sickendorf (Vogelsbergkreis) Hier: Chorfenster in der Heidbergkapelle .

Der Hessische Denkmalschutzpreis ist in diesem Jahr mit insgesamt 32.000 Euro dotiert: Statt wie sonst 20.000 Euro stiftet die Lotto Hessen GmbH diesmal 24.500 Euro. Die hessische Lotteriegesellschaft hatte Preis gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen im Jahr 1986 begründet und stellt seitdem das Preisgeld zur Verfügung. Hinzu kommt als eigene Kategorie der Ehrenamtspreis. Das Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro stellt die Hessische Staatskanzlei.

Erster Preis für eine Privatperson

1.Preis für eine Privatperson v.li:Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Achim Karn, Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises 2019, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn und Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.©  Foto: Diether v Goddenthow
1.Preis für eine Privatperson v.li:Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Achim Karn, Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises 2019, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn und Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.© Foto: Diether v Goddenthow

Der erste Preis für eine Privatperson geht an Achim Karn. Er hat das Wambolt’sche Schloss in Groß-Umstadt vor dem Verfall bewahrt, indem er es saniert und ihm seine städtebauliche Bedeutung zurückgegeben hat. Durch eine Gastronomie ist das Wamboltsche Schloss wieder in das Alltagsleben der Stadt eingebunden.

Erster Preis für Institutionen

1. Preis für Institutionen für die Kirchengemeinde Allmenrod für ihre Sanierung der Kapelle Heidbergkapelle (vli.):Heinz-Georg Sundermann (Lotto Hessen), Laudator Dr. Burghard Preusler, Ehemalige Diözesanbaumeister u. Leider der Bauabteilung des Bistums Fulda, mit Vertretern/innen der Kirchengemeinde Allmenrod-Sickendorf, Ministerin Angela Dorn und Denkmalamts. ©  Foto: Diether v Goddenthow
1. Preis für Institutionen für die Kirchengemeinde Allmenrod für ihre Sanierung der Kapelle Heidbergkapelle (vli.):Heinz-Georg Sundermann (Lotto Hessen), Laudator Dr. Burghard Preusler, Ehemalige Diözesanbaumeister u. Leider der Bauabteilung des Bistums Fulda, mit Vertretern/innen der Kirchengemeinde Allmenrod-Sickendorf, Ministerin Angela Dorn und Denkmalamts. © Foto: Diether v Goddenthow

Den ersten Preis für Institutionen gewann die Kirchengemeinde Sickendorf (Vogelsbergkreis) für die sensible und zurückhaltende Sanierung der Heidbergkapelle. Mit Hilfe eines Spendenkomitees gelang es der Gemeinde, die idyllisch am Waldrand gelegene kleine Kirche mit ihren prächtigen bunten Glasfenstern instand zu setzen.

Viermal zweiter Preis

2. Preis unter anderem für Anton Schreibweis für die Sanierung seines historischen Fachwerkwerkhauses in  Frankfurt-Höchst Bolongarostr.166.
2. Preis unter anderem für Anton Schreibweis für die Sanierung seines historischen Fachwerkwerkhauses in Frankfurt-Höchst Bolongarostr.166.

Der zweite Preis wurde viermal vergeben: Horst und Lutz von Buttlar haben mit der Sanierung der alten Dorfschule in Herleshausen-Markershausen dazu beigetragen, den historischen Ortskern zu erhalten. Für die behutsame und liebevolle Sanierung des Weinhauses Schultes in Limburg wurde Achim Kramb ausgezeichnet. Anton Schreibweis bekam die Auszeichnung für sein gelungenes Vorhaben, ein Stück historisches Frankfurt-Höchst wieder aufleben zu lassen: Er hat sein Fachwerkhaus in der Bolongarostraße in Höchst liebevoll saniert. Und Wolfgang Lust hat den Alten Schlachthof in Gießen saniert, den Jugendstilcharakter des Industriedenkmals wieder zum Vorschein gebracht und es zum Teil für die Öffentlichkeit geöffnet.

Drei Ehrenamtspreise

Drei Ehrenamtspreise, unter anderem für Henning Hehner und Bruno Schmück sowie der Bürgerinitiative Rumpenheim für ihre  Rettung des Uhrwerks der historischen Turmuhr in der evangelischen Schlosskirche in Offenbach-Rumpenheim.
Drei Ehrenamtspreise, unter anderem für Henning Hehner und Bruno Schmück sowie der Bürgerinitiative Rumpenheim für ihre Rettung des Uhrwerks der historischen Turmuhr in der evangelischen Schlosskirche in Offenbach-Rumpenheim.

Zudem wurden drei Ehrenamtspreise verliehen. Der Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen e.V. hat das Gustav-Hüneberg-Haus in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) zu einem außerschulischen Lernort über die regionale deutsch-jüdische Geschichte ausgebaut. Für die Jugendbauhütte der Jugendburg Ludwigstein wurden Dirk Osmers und Jule Stiebing ausgezeichnet. Mit der Unterstützung vieler Helferinnen und Helfer gaben sie der Burg Ludwigstein in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) eine neue Bestimmung als Ort der Begegnung und des Lernens. Henning Hehner und Bruno Schmück sowie der Bürgerinitiative Rumpenheim ist es zu verdanken, dass das Uhrwerk der historischen Turmuhr in der evangelischen Schlosskirche in Offenbach-Rumpenheim wieder funktionstüchtig ist und besichtigt werden kann.

Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.©  Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.© Foto: Diether v Goddenthow

„In Zeiten von Globalisierung und Klimawandel ist die Auszeichnung der Preisträger mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis auch ein Statement für das ressourcenschonende Wieder- und Weiterverwenden historischer Baumaterialien“, so Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Ausgezeichnet werden Menschen, die sich leidenschaftlich für den Erhalt von Kulturdenkmälern eingesetzt und sich so mit dem Ort und seiner Geschichte verbunden haben. Dies tut nicht nur den Gebäuden, sondern auch den Orten, der Region und ihren Bewohnern gut.“

Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, ergänzte: „238 Objekte konnten im Zuge der Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises seit 1986 bereits ausgezeichnet werden, weitere kommen heute hinzu. Der Preis soll Engagement belohnen, Leuchtturmobjekte auszeichnen und zukünftige Denkmalinhaber anspornen. Neben dem Preisgeld tragen auch die Erlöse der von LOTTO Hessen angebotenen Rubbellose zum Denkmalschutz in Hessen bei.“

Musikalische Umrahmung vom Feinsten durch das Streichquartett des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen u.a. mit: 12. Adagio – Allegro vivace von Felix Mendelssohn Bartholdy u. aus der Peer-Gynt-Suite In der Halle des Bergkönigs von Edvard Grieg sowie: Libertango von Astor Piazzolla ©  Foto: Diether v Goddenthow
Musikalische Umrahmung vom Feinsten durch das Streichquartett des Landesjugendsinfonieorchesters Hessen u.a. mit: 12. Adagio – Allegro vivace von Felix Mendelssohn Bartholdy u. aus der Peer-Gynt-Suite In der Halle des Bergkönigs von Edvard Grieg sowie: Libertango von Astor Piazzolla © Foto: Diether v Goddenthow

Ausführliche Informationen zu den Objekten einschließlich Fotomaterial gibt es unter diesem Link. Eine Übersicht der preisgekrönten Projekte finden Sie auch auf www.kunst.hessen.de/Denkmalschutzpreis2019.

Projekte einzeln vorgestellt!

Diether von Isenburg-Flügel des Mainzer Schlosses erstrahlt im Neuen Glanz

Der Diether von Isenburg-Flügel des Kurfürstlichen Schlosses präsentiert sich nun in neuem Glanz.©  Foto: Diether v Goddenthow
Der Diether von Isenburg-Flügel des Kurfürstlichen Schlosses präsentiert sich nun in neuem Glanz.© Foto: Diether v Goddenthow

Mit einem Empfang und einer Weinprobe am Montag, 19. August 2019, im Gewölbesaal des Kurfürstlichen Schlosses feierten Oberbürgermeister Michael Ebling gemeinsam mit Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse und Erika Friderichs, der langjährigen Leiterin des Denk!Mal Netzwerkes (MDN), die Fertigstellung des umfänglich sanierten Diether von Isenburg-Flügels des Kurfürstlichen Schlosses. Das Mainzer Denk!Mal Netzwerk setzt sich seit 15 Jahren für den Erhalt der Mainzer Baudenkmäler ein. So konnten die Fassade des Hauses „Zum Römischen Kaiser“, sechs Rheintore und auch die gesamte Fassade des Isenburg-Flügels des Kurfürstlichen Schlosses nur dank dieser großen Unterstützung und damit weiterer gewonnener Förderungen restauriert werden. Bei diesem Anlass übergab Erika Friderichs nach nun 15 Jahren unermüdlichen und erfolgreichen denkmalpflegerischen Engagement ihre Leitungsfunktion an Peter Krawietz. Der Oberbürgermeister ehrte sie mit einer besonderen Urkunde ihrer Heimatstadt Mainz. Zu den Gratulanten zählte auch Finanzministerin Doris Ahnen unter anderem mit den Worten: „Sie haben sich im besten Sinne des Wortes um das Allgemeinwohl verdient gemacht!“.

Oberbürgermeister Michael Ebling überreicht Erika Friderichs, langjährige Leiterin des Denk!Mal Netzwerk, eine Dankesurkunde für ihr großartiges Engagement als einen Wertscheck für einen weiteren Baustein für das Kurfürstliches Schloss..  ©  Foto: Diether v Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling überreicht Erika Friderichs, langjährige Leiterin des Denk!Mal Netzwerk, eine Dankesurkunde für ihr großartiges Engagement als einen Wertscheck für einen weiteren Baustein für das Kurfürstliches Schloss.. © Foto: Diether v Goddenthow

Zuvor hatten Interessenten die Möglichkeit die Sanierungsarbeiten des Isenburg-Flügels mit fachkundiger Erläuterung des Architekten Franz Kurz in Augenschein zu nehmen. Sein Anliegen, nämlich den Mainzern das Schloss wieder so zu übergeben, wie es ursprünglich mal gebaut und gestaltet war und wie es der große Kunsthistoriker Georg Dehio (1850–1932) beschrieben hatte, ist Franz Kurz vollends gelungen. Nachdem das Mainzer Schloss 1942 im Bomenhagel bis auf die Außenmauern und ein paar wenige überwölbte Räume untergegangen und nach dem Krieg seit 1948 trotz der großen Materialknappheit, die damals geherrscht hatte, wieder aufgebaut worden war, wurde nunmehr doch eine größere Sanierung notwendig. „Man hatte damals auch nicht diese Mörtel, die wir zur Sanierung wieder haben, so dass eben die Schäden, die wir ausbessern mussten, nicht nur Schäden waren, die noch kriegsbedingt vorhanden waren, sondern auch erste Sanierungen betrafen, die eben nicht mehr brauchbar waren“, begründete Kurz den notwendigen Umfang der Maßnahmen, die insgesamt 4,3 Millionen Euro kosteten. 703 000 Euro davon kamen von der Stadt und zwar aus Bauunterhaltungsmitteln der GWM. Weitere 704 000 Euro stammten aus dem Denkmalpflege-Programm des Bundes sowie 543 000 Euro vom Land. 2,34 Millionen Euro haben das Mainzer Denkmalnetzwerk und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zugestiftet.

Architekt Franz Kurz erläutert fachkundig die zurückliegenden umfangreichen Sanierungsarbeiten. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Architekt Franz Kurz erläutert fachkundig die zurückliegenden umfangreichen Sanierungsarbeiten. © Foto: Diether v Goddenthow

Der Aufwand hat sich gelohnt, denn mit Sicherheit könne man sagen, dass das Schloss bei seiner Fertigstellung 1752 in diesem Farbton genauso ausgesehen hat wie jetzt nach den Sanierungsarbeiten, so Architekt Franz Kurz. Man habe handflächengroße Reste der Originalfarbe im Innenhofbereich gefunden und nach Vorgabe des Landesdenkmalamtes den Farbton in einer Mineralfarbe nachgemischt. Diese silikatische, nur aus Pigmenten und aus Kaliwasserglas bestehende Farbe bilde keinen Film wie eine Dispersionsfarbe, sondern verkiesele mit dem Untergrund- Sie halte eins, zwei Generationen, müsse jedoch, abhängig von Umwelteinflüssen wohl nach 30 Jahren nachgearbeitet werden, so der Architekt.

Entschieden länger, etwa 80 bis 90 Jahre, halten die Arbeiten an der Fassade, die Steinsanierungen, bevor man da wieder etwas tun müsse. Die Steinsanierung habe sich im Wesentlichen darauf bezogen, „dass wir mürbe Steine ganz ausgebaut haben, und durch Neuteile ersetzt haben. Kleinere Schäden wurden ausgearbeitet, und da wurden sogenannte Vierungen eingesetzt, also nur Teilstücke des Steines ergänzt, und kleine etwa bis handtellergroße vorhandene Schäden wurden durch Antragmörtel repariert“, erklärt Kurz. Es gebe zahlreiche Neuteile, Vierungen und Antragungen, die jedoch so perfekt eingearbeitet wurden, dass sie als solche nicht identifizierbar wären.

Probleme haben die Balkone bereitet. Da aus statischen Gründen Risse in den tragenden Konsolen nicht geklammert werden konnten, habe man in die beiden äußeren Masken eine Kernbohrung durch die Konsole und Außenwand mit einem Durchmesser von 8 cm durchgeführt. Hierdurch habe man dann einen 22 Millimeter starken Spannstahl durchgeschoben und diesen von beiden Seiten mit Hilfe von jeweiligen Konterplatten und Muttern gekontert und somit eine Konstruktion geschaffen „wie bei Spannbeton. Und dann haben wir die ausgebohrten Bohrkerne wieder aufgesetzt und das Ganze überarbeitet, und kein Mensch sieht, was wir da gemacht haben“, ist Kurz sichtlich stolz auf diese gelungene Arbeit.

Bei der Gestaltung der Fenster waren sich Kurz und das Denkmalamt sicher, dass diese einst original natursichtig waren und keine weiße Rahmen hatten wie die auf der Rheinseite. Denn zur Bauzeit des Schlosses war die aus Frankreich kommende Mode, Fenster weiß zu streichen, noch nicht bis Mainz vorgedrungen. Zudem gab es historische Schloss-Abbildungen, auf denen man keine weißen Fenster erkennen konnte.

Auf eine Besonderheit weist Kurz noch in seiner Architekturkritik hin: „als 1752 hier das Objekt fertiggestellt wurde, war ja in Mainz schon lange der Barock zuhause“, erläutert er, und nennt als Beispiele das „Deutschhaus“, welches von 1730 bis 1731 errichtet worden war, den Dalberger Hof, den Ertaler Hof, der 1743 fertig gestellt war und den Osteiner Hof, des Bauherrn eigenes Stadt-Palais, welches in einem wunderschönen Barock ebenfalls 1752 fertig gestellt worden war.
Kurz glaubt aber, dass der Architekt als Dienstleister seines Auftraggebers eher dessen Wünsche als seine eigenen Überzeugungen verwirklicht habe. Denn dass sich der Architekt wohl schwer getan hat, im Stile der Renaissance zu bauen, sähe man „an vielen Barock-Elementen, die er in seine Gestaltung eingebracht hat“, so Kurz. Es gäbe ein signifikantes Merkmal, nämlich, dass er auf den Einbau der für die deutsche Renaissance typischen Kreuzstockfenster, auf die Fenster mit dem Natursteinkreuz, verzichtet habe. Stattdessen habe er offene Fenster als ein typisches Element barocker Gestaltung verwendet. Der Architekt öffnete sich zum Licht und wollte Licht in das Gebäude holen. Weitere Hinweise auf barocke Akzente, die er gesetzt habe, seien auch die Verwendungen von Pilastern in einer für den Barock klassisch gegliederten Säulenordnung, nämlich in dorische, ionische und korinthische Ordnung.

©  Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Das Tüpfelchen auf dem „I“ für die barocken Ambitionen des Architekten seien diese schon geschwungenen Balkone, zwar etwas zurückhaltend, nicht wie bei den Barock-Palais in der Stadt, aber immer doch schon sehr lebhaft geschwungen, so Kurz. Und auch die Barock-Konsolen mit den Masken seien nicht typisch für die Renaissance, sondern reichten schon in das Barock hinüber.

Damit habe der Architekt schon gezeigt, dass er in der Mode des Barockes zuhause ist. Und er habe deutlich gemacht, „dass er eben, nennen wir es unter Zwang, sich zurückgenommen hat, um dem Ganzen das Gepräge der Renaissance noch zu geben, und ein einheitliches Bauwerk zu schaffen. Das ist eben aus meiner Sicht seine besondere Leistung“, so Kurz, der abschließend den Kunsthistoriker Georg Dehio (1850–1932) mit den Worten über das Mainzer Schloss zitiert: „Kein Bau von großem Wurf, aber einer feinen und vornehmen Kultur, wie sie in der Deutschen Renaissance nicht wieder zu finden ist“.

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

siehe auch:
Bürgerengagement unterstützt mit Millionenbetrag

800 Jahre alte Frankfurter Kirche St. Leonhard nach aufwendigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet

Frankfurts älteste erhaltene Kirche St. Leonhard kurz vor der Wiedereröffnung nach langjähriger Sanierung. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Frankfurts älteste erhaltene Kirche St. Leonhard kurz vor der Wiedereröffnung nach langjähriger Sanierung. © Foto: Diether v Goddenthow

(ffm) Mit einer Eucharistiefeier ist die Dotationskirche St. Leonhard nach aufwendigen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen wieder eröffnet und kann der Gemeinde übergeben sowie von Besuchern besichtigt werden. Bischof Georg Bätzing wird während des Gottesdienst den Altar weihen.

„Die Kirche St. Leonhard ist eines der bedeutendsten und beeindruckendsten Denkmäler der Stadt Frankfurt. Sie hat eine herausragende historische Stellung und ich freue mich, dass wir nach den langen und umfangeichen, aber notwendigen Sanierungsarbeiten die Kirche heute weitestgehend wieder öffentlich zugänglich machen können. Dies pünktlich zur 800-Jahr-Feier zu ermöglichen war mir ein großes Anliegen, auch wenn die ursprüngliche Planung eine deutlich frühere Fertigstellung vorgesehen hatte. Jedoch hatten umfangreiche Funde vergrabener kulturhistorischer Schätze, Veränderungen am Gebäude und weitere Faktoren zur Verlängerung der Bauzeit geführt. Die jetzige Eröffnung ist daher ein noch größerer Grund zur Freude. Die Kirche St. Leonhard liegt mir, wie vielen Frankfurterinnen und Frankfurten, sehr am Herzen“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker.

Die fast lebensgroße Sandsteinskulptur "Atzmann" wurde bereits 2011 ausgegraben. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Die fast lebensgroße Sandsteinskulptur „Atzmann“ wurde bereits 2011 ausgegraben u. ist im Dommuseum zu sehen. © Foto: Diether v Goddenthow

Bei den seit 2011 laufenden Sanierungsarbeiten konnte unter der nördlichen Seitenapside in zwei Metern Tiefe ein Stück des romanischen Vorgängerbaus ausgegraben werden, und es war möglich, Bauteile eines weiteren, noch älteren Gebäudes nachzuweisen. In der zum Main gelegenen Seitenapside wurde eine als Sensationsfund geltende Figurengruppe aus der Spätgotik, die drei klagende Menschen darstellt, gefunden. Beim weiteren Ausgraben des bisherigen Kirchenbodens wurde ein „Atzmann“, eine steinerne, fast mannsgroße Figur, ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert, freigelegt. Der „Atzmann“ stand vermutlich in der Nähe des Altars und trug die Bibel oder liturgische Bücher. Auch konnten Reste einer Wandmalerei gefunden werden, die auf die frühere Außenmauer der Sakristei aufgemalt waren. Auch konnten Reste einer Wandmalerei gefunden werden, die auf die frühere Außenmauer der Sakristei aufgemalt waren. St. Leonhard verbarg viele außergewöhnliche Schätze.

„Die herausragende historische Stellung von St. Leonhard ist 800 Jahre später durch die Funde im Rahmen der Arbeiten nur noch weiter unterstrichen worden“, betont Becker. „Jetzt endlich, nach den langjährigen Arbeiten, die durch unvorhersehbare Überraschungen bei den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, als auch durch die gefundenen historischen Schätze immer wieder verzögert wurden, kann die Kirche in neuem Glanz erstrahlen.“

Als spätromanische Basilika ist sie 1219 als Pilgerkirche auf dem historischen Jakobsweg und dem Weg nach Jerusalem errichtet und später gotisch umgebaut worden. Für ihren Bau schenkte der Stauferkönig Friedrich II. der Stadt das Grundstück, was aus einer Urkunde aus dem Jahr 1219 hervorgeht. St. Leonhard ist somit nach dem Dom die zweite Stiftskirche Frankfurts. Den Zweiten Weltkrieg hat die Kirche ohne größere Schäden überstanden. Trotzdem musste die Dotationskirche St. Leonhard in den vergangenen Jahren umfangreich saniert und renoviert werden.

Die Dotationsverpflichtung der Stadt Frankfurt ist in Deutschland einmalig und in den sogenannten Dotationsurkunden hat der Rat der Freien Reichsstadt Frankfurt, damals ein souveräner Staat, den Kirchen zugebilligt, die Gebäude dauerhaft in gutem Zustand zu erhalten. Aus diesem Grund befinden sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts befinden sich acht evangelischen und katholischen Innenstadtkirchen im Eigentum der Stadt Frankfurt am Main. Heute geht unser Engagement weit über die Bauunterhaltung hinaus, denn für die Stadt Frankfurt am Main ist die Dotationsverpflichtung auch ein Bekenntnis zur eigenen Kulturgeschichte.

Von 2005 bis 2008 wurde das Äußere die Kirche St. Leonhard aufwändig saniert, die Kosten lagen bei rund 3 Millionen Euro. Von 2011 bis 2019 wurde das Innere der Kirche saniert. Die Gesamtkosten für die Innensanierung liegen bei rund 11,25 Millionen Euro.

Parallel zur Wiedereröffnung der Kirche St. Leonhard zeigt das Frankfurter Dommuseum die Ausstellung „Schätze aus dem Schutt“  

Schätze aus dem Schutt – Das Frankfurter Dommuseum zeigt wiederentdeckte skulpturale Zeugen mittelalterlicher Glaubenskultur aus dem Untergrund von St. Leonhard

„Christus und den drei ersten Zeuginnen  seiner Auferstehung am Grabe“, wurde unter dem Altarbereich in St. Leonhard gefunden. Hier im Quadrum  des Kaiserdoms St. Bartholomäus ( Domplatz 1). ©  Foto: Diether v Goddenthow
„Christus und den drei ersten Zeuginnen seiner Auferstehung am Grabe“, wurde unter dem Altarbereich in St. Leonhard gefunden. Hier im Quadrum des Kaiserdoms St. Bartholomäus ( Domplatz 1). © Foto: Diether v Goddenthow

Gut 200 Jahre schlummerten sie als Füllmaterial unter dem Fußboden der 800 Jahre alten Frankfurter Sankt Leonhardskirche: Nun sind sie wieder zu sehen: Frisch restauriert und zumeist aus tausenden Scherben behutsam und kundig zusammengesetzt: „Schätze aus dem Schutt“. Entdeckt wurden die Überreste der Zeugnisse mittelalterlicher Glaubenskultur während der Innensanierung der Kirche St. Leonhard zwischen 2009 und 2017 bei Grabungen im bis zu 2,20 Meter aufgeschütteten Boden.

Denn nicht nur Erweiterungen und eine neue Einwölbung hatten im Lauf der Jahrhunderte das unmittelbar am Main gelegene Gebäude verändert. Auch mehrfache Aufschüttungen als Hochwasserschutz erhöhten den Fußboden, „so dass das zu Beginn der Innensanierung angetroffene Fußbodenniveau 2,20 Meter höher lag als das der ersten romanischen Kirche.“, so Bettina Schmitt, Leiterin des Dommuseums.

Die fast lebensgroße Sandsteinskulptur "Atzmann" wurde bereits 2011 ausgegraben. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Die fast lebensgroße Sandsteinskulptur „Atzmann“ wurde bereits 2011 ausgegraben. © Foto: Diether v Goddenthow

„Für jeden dieser Umbauten“, so die Leiterin, „wurde auch Füllmaterial aus der Kirche verwendet, so dass die Ausgrabungen der Jahre 2009–2014 nicht nur die architektonischen Strukturen – etwa die verzierten Basen der Pfeiler und Portale, die Grundmauern des romanischen Rechteckchors oder Altarfundamente – ans Licht brachten, sondern auch eine große Zahl von Grabplatten sowie zerbrochener oder zerschlagener Kunstwerke wurde gefunden, darunter der im 19. Jahrhundert im Chor gleichsam beigesetzte Atzmann, die Fragmente des steinernen Heiliggrabaltars und die Tonscherben einer um 1430/1440 entstandenen Beweinungsgruppe.“ Aufschlussreich seien natürlich auch die zahlreichen Pilgermuscheln, Fußbodenfliesen, Glasfensterscherben oder Münzen, die in der Kirche zutage kamen und nicht zuletzt die anthropologischen Funde in den zahlreichen Grabstellen im Kircheninneren.

An der Vitrine "Mittelalterliche Farbwelt" erfahren Besucher Wesentliches über die Farbherstellung, Bindemittel, Auftrag, über Vergoldung usw.  ©  Foto: Diether v Goddenthow
An der Vitrine „Mittelalterliche Farbwelt“ erfahren Besucher Wesentliches über die Farbherstellung, Bindemittel, Auftrag, über Vergoldung usw. © Foto: Diether v Goddenthow

Zusammen mit den jüngst am Gebäude erforschten baugeschichtlichen Befunden erzählen die Grabungsfunde in überaus anschaulicher Weise neue Episoden zur wechselvollen Geschichte von St. Leonhard. Anders als die an der Oberfläche verbliebenen Werke haben die wiedergefundenen Fragmente ihr mittelalterliches Aussehen, namentlich ihre Farbfassung, bewahrt. Das stellt gerade im Fall des in leuchtenden Farben bemalten Heiliggrabaltars eine große Besonderheit dar, der somit ein unschätzbares Zeugnis für die Erforschung mittelalterlicher Steinpolychromie ist.

Wer durch die zahlreich en Guckgläser der Archäologischen Wand schaut, erhält tiefe Einblicke in das Grabungsgeschehen in der St. Leonhardskirche und kann noch besser nachvollziehen, weswegen die Ausstellung "Schätze aus dem Schutt" heißt. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Wer durch die zahlreich en Guckgläser der Archäologischen Wand schaut, erhält tiefe Einblicke in das Grabungsgeschehen in der St. Leonhardskirche und kann noch besser nachvollziehen, weswegen die Ausstellung „Schätze aus dem Schutt“ heißt. © Foto: Diether v Goddenthow

Anlässlich des 800jährigen Jubiläums von Sankt Leonhard und der Wiedereröffnung zeigt nun das Dommuseum Frankfurt gemeinsam mit dem Archäologischen Museum, der Denkmalpflege der Stadt Frankfurt und dem Landesamtes für Denkmalpflege des Landes Hessen ab dem 16. August bis zum 19. Januar 2020 die Funde und Befunde erstmals im Zusammenhang und im kunstlandschaftlichen Kontext in der Sonderausstellung „Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard“.

Mit dieser Urkunde schenkte der Stauferkaiser genau vor 800 Jahren, am 15. 08..1219, den Frankfurter Bürgern das Grundstück zum Bau der St. Leonhardskirche.©  Foto: Diether v Goddenthow
Mit dieser Urkunde schenkte der Stauferkaiser genau vor 800 Jahren, am 15. 08..1219, den Frankfurter Bürgern das Grundstück zum Bau der St. Leonhardskirche.© Foto: Diether v Goddenthow

Neben der erstmaligen Präsentation dieser wertvollen Grabungsfunde und restaurierten Kunstschätze, vermittelt von Bettina Schmitt (Dommuseum Frankfurt) und Dr. Verena Smitt (Kunst- und Architekturhistorikerin) kuratierte Ausstellung insbesondere auch Methoden und Erkenntnisse der oft im Verborgenen tätigen Denkmalpflege, Archäologie und Restaurierungswissenschaften: In akribischer Spurensuche lassen sie ein neues Bild mittelalterlicher Kirche wieder erstehen. Einblicke in die Grabung, die Restaurierung und komplexen mittelalterlichen Herstellungstechniken bedeutender Kunstwerke gibt es im eigens für die „Schätze aus dem Schutt“ im leergeräumten Sakristeuum. Haus am Dom (Domplatz 3), wo Teil 1 der Ausstellung beginnt: Bedeutendstes Exponats ist die 800 Jahre alte Gründungsurkunde von Frankfurts ältester Bürgerkirche St. Leonhard. Das Besondere des von Stauferkaiser König Friedrich II. (1212 – 1250) am 15. August 1219 ausgestellten und königlich besiegelten Pergaments-ist nicht nur die darin verbriefte Grundstücksschenkung für den Kirchenbau. Vielmehr werden die Frankfurter zum ersten Mal urkundlich als Bürger bezeichnet: „Wir haben auf Ersuchen aller Unserer treuen Bürger von Frankfurt … diesen Bürgern … eine Hofstatt geschenkt …“, zitiert eine Texttafel aus der Urkunde, die komplette auf Seiten 24 und 25 im Begleitkatalog zur Ausstellung transkribiert und übersetzt abgedruckt ist. Da das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt das wertvolle Original-Exponat wegen der Lichtempfindlichkeit sechs Wochen bereitstellen kann, es anschließend gegen ein Faksimile-Druck austauscht, empfiehlt sich Fans von Originalurkunden ihren Ausstellungsbesuch bis spätestens Ende September einzuplanen.

Die Beweingruppe ist das wichtigste in Frankfurt überlieferte Zeugnis aus der Gruppe der in ganz Europa einst geschätzten  mittelrheinischen Tonplastiken des frühen 15. Jahrhunderts.©  Foto: Diether v Goddenthow
Die Beweingruppe ist das wichtigste in Frankfurt überlieferte Zeugnis aus der Gruppe der in ganz Europa einst geschätzten
mittelrheinischen Tonplastiken des frühen 15. Jahrhunderts.© Foto: Diether v Goddenthow

Zu den besonderen Highlights zählen neben den bis zum Barock hin noch für „jungfräulich Verstorbene“ wie Kinder, Ledige und Priester verwendete Totenkronen und figürlichen Votiven, kleinen Eisenmännchen, die sogenannte Beweingruppe: Dieses Relief wurde wie sämtliche Funde unter Leitung von Christine Kenner (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) und Thomas Flügen (Archäologisches Museum Frankfurt) gemeinsam mit den Restauratorenkolleginnen Sarah Hacker, Lilian Pauli, Birgit Schwahn, Birgit Schwieder und Manuele Thews aus 63 geborgenen Tonscherben und ergänzenden Rekonstruktionen, etwa des Schleiers, wieder zusammengesetzt. Bei der Beweingruppe, so Museumsleiterin Bettina Schmitt, „handelt es sich um das wichtigste in Frankfurt überlieferte Zeugnis aus der Gruppe der mittelrheinischen Tonplastiken des frühen 15. Jahrhunderts. Werke dieser Gruppe gehören zu den bedeutenden Exponaten in Museen, so z. B. im Bodemuseum, Berlin und im Louvre, Paris.

Ein grandioser Fund neuzeitlicherer Art war das hinter einer vermauerten Tür im Obergeschoss des Nordturms entdeckte Buch über die Geschichte der schon recht früh bekannten Elektrizität: „Histoire d‘ Électricité“, Paris 1771, von Joseph Priestley (1755 – 1804), einem berühmten Naturwissenschaftler seiner Zeit.

Die Geschichte der Elektrizität „Histoire d‘ Électricité“, Paris 1771, von Joseph Priestley (1755 – 1804), ein wenig von Mäusen angeknabbert, zeigt, dass Elektrizität keinesfalls nur ein modernes Thema ist. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Die Geschichte der Elektrizität „Histoire d‘ Électricité“, Paris 1771, von Joseph Priestley (1755 – 1804), ein wenig von Mäusen angeknabbert, zeigt, dass Elektrizität keinesfalls nur ein modernes Thema ist. © Foto: Diether v Goddenthow

Man nimmt an, dass das ein wenig vom Mausfraß angenagte aber ansonsten noch gut erhaltene Buch über die Geschichte der Elektrizität während der französischen Besatzung 1798 dorthin gelangte. Zu dieser Zeit der Säkularisierung wurde St. Leonhard von Militär als Lager genutzt. Es könnte aber auch sein, dass einige Buchhändler aus der Buchgasse ihre Waren in St. Leonhard deponierten, so Bettina Schmitt.

Die weiteren herausragenden Funde wie die Grabplatte mit „Christus und den drei ersten Frauen am Grab“, der imposante Heiliggrabaltar, sowie die fast lebensgroße „Atzmann“-Figur in liturgischer Kleidung aus dem 15. Jahrhunderts sowie weitere aus dem Schutt geborgene farbige Steinskulpturen der Gotik befinden sich im gegenüber gelegenen Kreuzgang, im Quadrum, des Kaiserdoms St. Bartholomäus ( Domplatz 1).

Totenkronen erhielten bis zirka zur Zeit des Barocks „jungfräulich Verstorbene“  wie Kinder, Ledige und Priester.   ©  Foto: Diether v Goddenthow
Totenkronen erhielten bis zirka zur Zeit des Barocks „jungfräulich Verstorbene“ wie Kinder, Ledige und Priester. © Foto: Diether v Goddenthow

Anhand der bedeutendsten Funde würden in der Ausstellung zwei Geschichten erzählt, so die Museumsleiterin, nämlich einmal die 800jährige Geschichte St. Leonhards und zugleich die Geschichte der Wiederentdeckung und Erforschung während der Sanierung der vergangenen zehn Jahre. „Mit den Grabungsfunden steht den überlieferten Quellen, wie etwa den Zeugnissen über Stiftungen oder den bildlichen Darstellungen der Kirche aus dem 18. Jahrhundert, nun neue bauhistorische Erkenntnisse und verloren geglaubte, bisher unbekannte Ausstattungsstücke gegenüber.“

Begleit-Publikation:
Zur Ausstellung „Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard“ erscheint im Verlag Schnell + Steiner ein Ausstellungskatalog von ca. 200 Seiten, herausgegeben von Bettina Schmitt und Verena Smit. Beiträge verschiedener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen in allgemein verständlicher Weise die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte der Kirche, ihrer Ausstattung und ihrer Erforschung dar.

Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
Ausstellung im Dommuseum Frankfurt & im Sakristeum
FR 16. August 2019 – SO 19. Januar 2020
Eröffnung DO 15. August, 17 Uhr
©  Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

ÖFFNUNGSZEITEN
DI / DO / FR 10 – 17 Uhr
MI 10 – 19 Uhr
SA & SO & Feiertage 11 – 17 Uhr
MO geschlossen
Während des MUSEUMSUFERFEST (FR 23.8. – SO 25.8.)
gelten folgende Sonderöffnungszeiten: FR & SA 10-20 Uhr, SO 10 – 18 Uhr

EINTRITT
5 € / erm. 3 €
Mit MuseumsuferCard und MuseumsuferTicket ist der Eintritt frei, ebenso am letzten
Samstag im Monat.
FÜHRUNGEN durch die Sonderausstellung „Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard“
MI 17.30 Uhr
SO 14 Uhr
Keine Anmeldung erforderlich / Teilnahme im Eintritt inbegriffen

BEGLEITPROGRAMM

1.logo-schaetze-v.schuttAUGUST 2019
DO 29. August 2019, 17.30 Uhr, St. Leonhard
Das Gebäude lesen
Spuren aus 800 Jahren Baugeschichte an St. Leonhard
Dr. Hans-Hermann Reck (Bauhistoriker)
Führung
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung) / Begrenzte Teilnehmerzahl auf max. 30 Personen
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290
Treffpunkt: Dommuseum, Kasse

Veranstaltungen des Dommuseum Frankfurt zum
MUSEUMSUFERFEST FR 23.8. – SO 25.8.2019
FR 23.8.
15 Uhr allgemeine Domführung
16 Uhr Königswahl und Kaiserkrönung im Frankfurter Dom
17 Uhr Highlights – der Frankfurter Dom in 30 Minuten
17 Uhr 800 Jahre St. Leonhard – Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem
Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
18 Uhr Königswahl und Kaiserkrönung im Frankfurter Dom
18 Uhr 800 Jahre St. Leonhard – Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem
Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
19 Uhr Highlights – der Frankfurter Dom in 30 Minuten

SA 24.8.
12 / 15 / 17 / 18 Uhr
800 Jahre St. Leonhard – Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem
Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
14 Uhr
Finderglück – Kinder-Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem Schutt.
800 Jahre St. Leonhard
16 Uhr Königswahl und Kaiserkrönung im Frankfurter Dom
SO 25.8.
12 / 15 / 17 / 18 Uhr
800 Jahre St. Leonhard – Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem
Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
14 Uhr
Finderglück – Kinder-Führung durch die Sonderausstellung Schätze aus dem Schutt.
800 Jahre St. Leonhard
16 Uhr Königswahl und Kaiserkrönung im Frankfurter Dom
17 Uhr Highlights – der Frankfurter Dom in 30 Min.

SEPTEMBER 2019
DO 5. September, 17 Uhr, Steindepot
Blick hinter die Kulissen
Führung durch die Restaurierungswerkstatt und das Depot für Steindenkmäler des
Archäologischen Museums Frankfurt
Thomas Flügen (Dipl.-Restaurator, Archäologisches Museum Frankfurt)
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung) / Begrenzte Teilnehmerzahl max. 30 Personen
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290
Treffpunkt: Borsigallee 8 HH, 60388 Frankfurt am Main
Öffentliche Verkehrsmittel U4 & U7 (Haltestelle Gwinnerstraße)

MI 25. September, 19 Uhr, Haus am Dom
St. Leonhard – Eine Frankfurter Bürgerkirche
Dr. Andreas Hansert (Historiker und Soziologe)
Vortrag
Eintritt frei

MI 16. Oktober, 17.30 Uhr, Dommuseum & Sakristeum
Wenn Archäologie, Restaurierung und Kunstgeschichte gemeinsam eine Ausstellung
machen…
Dr. Verena Smit (Kunst- und Architekturhistorikerin)
Kuratorinnenführung durch die Ausstellung Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard
Eintritt 5 €

DO 24. Oktober, 17 Uhr, Steindepot
Blick hinter die Kulissen
Führung durch die Restaurierungswerkstatt und das Depot für Steindenkmäler des
Archäologischen Museums Frankfurt
Thomas Flügen (Diplom-Restaurator, Archäologisches Museum Frankfurt)
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung) / Begrenzte Teilnehmerzahl max. 30 Personen
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290
Treffpunkt: Borsigallee 8 HH, 60388 Frankfurt am Main
Öffentliche Verkehrsmittel U4 & U7 (Haltestelle Gwinnerstraße)

NOVEMBER 2019
MI 6. November, 19 Uhr, Haus am Dom
Der heilige Leonhard und seine Verehrung in Frankfurt am Main
Dr. Gabriel Hefele (Kunsthistoriker)
Vortrag
Eintritt frei

MI 13. November, 19 Uhr, St. Leonhard
Vom Altarretabel zum Sammlerstück und wieder retour – Der Kreuzaltar und seine
wechselvolle Geschichte
Christiane Weber (M.A., Restauratorin, Landesamt für Denkmalpflege Hessen) & Gesine
Dietrich (Dipl.-Restauratorin, Landesamt für Denkmalpflege Hessen)
Führung
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung) / Begrenzte Teilnehmerzahl auf max. 30 Personen
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290
Treffpunkt: Dommuseum, Kasse

MI 20. November, 17.30 Uhr, Sakristeum
Die Geheimnisse mittelalterlicher Werkstätten
Manuela Thews ( Dipl.-Restauratorin, Landesamt für Denkmalpflege Hessen)
Führung
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung)
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290
Treffpunkt: Dommuseum, Kasse

DEZEMBER 2019
MI 4. Dezember, 19 Uhr, Haus am Dom
Goethe und der Allerheiligenaltar in St. Leonhard
Michaela Schedl (Kunsthistorikerin)
Vortrag
Eintritt frei

MI 18. Dezember, 17.30 Uhr, Dommuseum
Geschichte in Fragmenten: das Heilige Grab aus St. Leonhard
Dr. Bettina Schmitt (Kunsthistorikerin, Dommuseum Frankfurt)
Führung
Eintritt: 5 € (inkl. Ausstellung)
Anmeldung unter: info@dommuseum-frankfurt.de oder T 069.800 8718-290

JANUAR 2020
DI 7. Januar, 19 Uhr, Kreuzgang Dommuseum Frankfurt
Das Heiliggrab und seine Funktion in der Liturgie
In der Reihe DING UND Transzendenz
Prof. Dr. Günter Kruck (Akademie Rabanus Maurus), Dr. Bettina Schmitt (Dommuseum
Frankfurt), Dr. Stefan Scholz (Akademie Rabanus Maurus)
Eintritt frei

DO 16. Januar, 17.30 Uhr, Haus am Dom
Die gotische Beweinungsgruppe aus St. Leonhard und die mittelrheinische Tonplastik
Christine Kenner (Dipl. Restauratorin, Landesamt für Denkmalpflege Hessen)
Vortrag und Buchpräsentation
Eintritt frei

Frankfurter Altstadt-Wiederaufbau für internationale Auszeichnung nominiert

Hühnermarkt mit Stoltze-Brunnen der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Hühnermarkt mit Stoltze-Brunnen der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt, dem neuen Herz Frankfurts. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Frankfurter und Touristen aus aller Welt lieben die neue Frankfurter Altstadt. Das Frankfurter Presseamt teilt mit, dass die neue Frankfurter Altstadt seit ihrer Eröffnung ein echter Besucher- und Touristenmagnet ist.  Die aufwendig gestalteten Fassaden und der Mix aus Alt und Neu begeistern jedoch nicht nur die Besucher, sondern sorgen auch auf internationaler Ebene für Aufmerksamkeit: Jüngst gab die renommierte Fachjury der internationalen Immobilienfachmesse MIPIM, die vom 12. bis 15. März in Cannes stattfindet, die Nominierung der Altstadt für einen MIPIM-Award bekannt. Nominiert ist das Projekt in der Kategorie Stadterneuerung („Best Urban Regeneration Project“), gemeinsam mit drei weiteren Projekten aus China, Taiwan und Russland. Die MIPIM, kurz für „Marché International des Professionnels de l’immobilier“ zählt zu den wichtigsten europäischen Immobilienfachmessen.

„Diese Nominierung allein ist schon eine Auszeichnung. Noch schöner wäre es, den MIPIM-Award zu gewinnen“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldman. „Ich denke, unsere neue Altstadt hat beste Aussichten, den Preis zu holen – ein solches Ensemble sucht nicht nur national, sondern auch international seinesgleichen. Und wenn man erlebt, wie viele Menschen täglich durch die Gassen zwischen Dom und Römer spazieren, stehen bleiben und die Fassaden betrachten oder an einer Führung teilnehmen, weiß man – Frankfurt hat mit der Entscheidung für die neue Altstadt alles richtig gemacht.“

Bürger nehmen ihre Stadt in Besitz - Impression während der Eröffnung am 20. September 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Bürger nehmen ihre Stadt in Besitz – Impression während der Eröffnung am 20. September 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

Für Planungsdezernent Mike Josef ist die Aufnahme in die Shortlist des prestigeträchtigen MIPIM-Awards eine große Auszeichnung und Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. „In der Frankfurter Altstadt wird der urbane Nutzungsmix lebendig, der Städte auszeichnet und lebenswert macht. Wohnungen, Geschäfte, Cafés, Museen und öffentliche Plätze sorgen zusammen mit der gelungenen Mischung aus Alt und Neu für ein besonderes Lebensgefühl.“

Der Wettbewerb um die begehrten Awards ist groß: 200 Projekte aus 58 Ländern standen der Jury zur Auswahl. In elf Kategorien gibt es einen Preis zu gewinnen; verliehen werden diese am 14. März im Rahmen der Messe. Gewinnen wird am Ende das Projekt, das nicht nur die Jury überzeugt, sondern auch die Messebesucher. Diese können in den ersten Messetagen für ihre Favoriten abstimmen.

„Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer“, live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer“, live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir freuen uns sehr über die Nominierung, die zeigt, wie groß die internationale Aufmerksamkeit für den Frankfurter Altstadt-Wiederaufbau ist“, erklärt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH. „Wir werden selbst die Messe in Cannes besuchen und sind schon sehr gespannt auf die Verleihung“, ergänzt Marion Spanier-Hessenbruch, Projektleiterin bei der DomRömer GmbH. „Natürlich freuen wir uns auf tatkräftige Unterstützung der Besucher durch die Abstimmung für unser Projekt. Nun heißt es: Daumen drücken!“

Frankfurter Altstadt offiziell eröffnet. Professor Mäckler plädiert für Weiterentwicklung der im Gestern verhafteten Moderne

Bürger „holen sich begeistert ihre Altstadt zurück“: Heitere, ausgelassene Stimmung, Wohlfühl-Atmosphäre. Es scheint als sei es eine Abstimmung mit den "Füßen" wie Menschen am liebsten leben würden: in Gemäuern mit liebevoll verspielten Außenfassaden und innen ausgestattet mit moderner Technik auf der Höhe der Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow © Foto: Diether v. Goddenthow
Bürger „holen sich begeistert ihre Altstadt zurück“: Heitere, ausgelassene Stimmung, Wohlfühl-Atmosphäre. Es scheint als sei es eine Abstimmung mit den „Füßen“ wie Menschen am liebsten leben würden: in Gemäuern mit liebevoll verspielten Außenfassaden und innen ausgestattet mit moderner Technik auf der Höhe der Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow © Foto: Diether v. Goddenthow

Drei Tage lang, vom 28. bis 30. September 2018, feiert Frankfurt die offizielle Eröffnung seiner bereits seit 9. Mai 2018 zugänglichen Altstadt. Gegen 9.30 Uhr durchtrennte Oberbürgermeister Peter Feldmann symbolisch das  über den Krönungsweg gespannte rote Samtband. Der Festakt mit zirka 800 geladenen Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft fand anschließend in der Paulskirche statt. Professor Dr. Christoph Mäckler, Architekt und Vorsitzender des Frankfurter Gestaltungsbeirates, hielt eine vielbeachtete Festrede.

Oberbürgermeister Feldmann: „Ein Stück Stadt realisiert, das die Menschen in ihrem Herz berührt!“
Oberbürgermeister Peter Feldmann durchtrennt in Beisein von Amtsvorgängerin Dr. Petra Roth und Planungsdezernent Mike Josef symbolisch das rote Band in der Mitte des historischen Krönungsweges zur offiziellen feierlichen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt. Links in der hinteren Reihe: Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH und Professor Dr. Joseph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt. .© Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Peter Feldmann durchtrennt in Beisein von Amtsvorgängerin Dr. Petra Roth und Planungsdezernent Mike Josef symbolisch das rote Band in der Mitte des historischen Krönungsweges zur offiziellen feierlichen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt. Links in der hinteren Reihe: Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH und Professor Dr. Joseph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt. .© Foto: Diether v. Goddenthow

Begonnen hatten die Feierlichkeiten der  Altstadt-Eröffnung gegen 9.30 Uhr mit der Durchtrennung eines über den Krönungsweg gespannten roten Samtbandes, bevor der eigentliche Festakt gegen 10 Uhr – mit einer Gedenkminute für die Opfer der Zerstörung der Altstadt im 2 Weltkrieg –  in der Paulskirche  begann. Die Eröffnung sei „das Ereignis des Jahres“, sagte Feldmann. „Mit der Altstadt haben wir ein Stück Stadt realisiert, das die Menschen in ihrem Herz berührt. Ganz Frankfurt wartet seit Jahren auf diesen Tag“, sagte Feldmann „Wir geben heute der Stadt Herz und Seele zurück“. Der Oberbürgermeister räumte ein, dass er zunächst nicht zu den Befürwortern zählte, sich aber – wie inzwischen viele andere auch – von der Richtigkeit des Projektes habe überzeugen und anrühren lassen.

Mit besonderer Hingabe hätten die Frankfurter Bürger das Projekt begleitet, dafür gekämpft. Denn es entspreche einem tief empfundenen Bedürfnis der Frankfurter nach Identität: Es sei ein Quartier geworden, das durch architektonische Harmonie und Aufenthaltsqualität besteche. Von den 35 Häusern entstanden 15 getreu ihren Vorgängern, die anderen in modernen Formen, welche sich in das Ensemble einpassen. Die ursprüngliche Frankfurter Altstadt, die zu den größten Fachwerkvierteln in Deutschland gehörte, wurde im März 1944 durch Bombenangriffe völlig zerstört. 1974 entstand auf dem Areal das Technische Rathaus, ein schmuckloser Betonbau. Dieser wurde 2010 abgerissen.
In der wiederaufgebauten Altstadt fänden die Frankfurter die Balance von Emotionalität und deren historischen Spuren. Das mache das Projekt so besonders!, beschrieb der Oberbürgermeister den einzigartigen Charakter des neuen Altstadt-Stadtteils zwischen Römer und St. Bartholomäus-Dom. Er führe zu den Wurzeln der Frankfurter Gesellschaft zurück, denn die Altstadt sei auch Ausgangspunkt der 800-jährigen Frankfurter Messegeschichte und Internationalität, an dem Händler ihre Geschäfte abgewickelt hätten.

"Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer", live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte.  © Foto: Diether v. Goddenthow
„Der Kaiser mit Frankfurter Gefolge beschreitet den Krönungsweg vom Dom zum Römer“, live Act der Fliegenden Volksbühne Frankfurt, die drei Tage lang im neuen Altstadt-Quartier Figuren und Szenen von der Römerzeit bis in die Gegenwart in Originalkostümen inszenierte. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die lebenswerte Stadt“  – Festvortrag  von Prof. Christoph Mäckler anlässlich der Eröffnungsfeier in der Paulskirche

Neue Altstadt hat Vorbildfunktion 

Prof. Dr. Christoph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt© Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Christoph Mäckler, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates für die Altstadt© Foto: Diether v. Goddenthow

Der Neubau des Stadtviertels DomRömer in Frankfurt am Main habe weit über die Grenzen der Stadt hinaus inzwischen Vorbildfunktion, sowohl hinsichtlich „der Idee, ein Stück Stadt, in dem Geschichte stattgefunden hat, wieder erlebbar zu machen.“,
als auch für den klugen Einsatz einer Organisationsstruktur mit klug ausgewählten unterschiedlichen, sich gegenseitig respektierenden Akteuren, durch die ein derartiges Bauvorhaben erst realisierbar würde, lobte Professor Dr.  Christoph Mäckler die inzwischen aus dem Altstadt-Projekt erwachsene positive vorbildhafte Eigendynamik in seinem Festvortrag „Die lebenswerte Stadt“ anlässlich der Eröffnung der neuen Altstadt in der Paulskirche am 28.9.2018

Die Menschen haben den ungestalteten Zeilen- und Siedlungsbau satt

Sie haben sich die neue Altstadt zu eigen gemacht. Frankfurter und Besucher, hier auf dem Hühnermarkt mit Stoltz-Denkmal, sind einfach stauend beglückt über soviel atmosphärisch angenehme Architektur. © Foto: Diether v. Goddenthow
Sie haben sich die neue Altstadt zu eigen gemacht. Frankfurter und Besucher, hier auf dem Hühnermarkt mit Stoltz-Denkmal, sind einfach stauend beglückt über soviel atmosphärisch angenehme Architektur. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am Beispiel des DomRömer-Areals werde sehr deutlich, dass es offenbar ein Bedürfnis in unserer Gesellschaft gäbe, städtischen Raum, den öffentlichen Raum unserer Straßen und Plätze, zu gestalten. „Oder wie ist es zu verstehen, dass die städtische Politik ein technisches Rathaus, kaum 40 Jahre alt, für viele Millionen abreißen lässt, ohne aus dem Römer gejagt zu werden?“, so Mäckler. Es gebe in der Bevölkerung eine positive Empfindung für den öffentlichen Raum, ohne dass der Bürger in der Lage wäre zu sagen, wie man ihn herstellen könne. Sicher sei nur, „er lebt lieber in einem wohl geordneten, gestalteten städtischen Raum, als in einem ungestalteten Zeilen- oder Siedlungsbau, wie wir ihn deutschlandweit in unseren neuen Vorstädten finden“, schrieb der bekannte  Architekturprofessor unter großem Beifall seinen Kollegen ins Stammbuch.

Die goldene Waage, eines der schönsten restaurierten Häuser in der Altstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die goldene Waage, eines der schönsten restaurierten Häuser in der Altstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Denn unsere Gesellschaft liebe, das würde im neuen Altstadtquartier deutlich, den städtischen öffentlichen Raum der europäischen Stadt, mit großer Einwohnerdichte und sozialer  und funktionaler Mischung, wie wir sie beispielsweise in Stadtteilen wie Bornheim oder Bockenheim finden“, konstatierte Mäckler und stellte die entscheidende Frage: „Warum also planen wir derartige Stadtquartiere nicht? Die vielen Bürgerbeteiligungen, die einer jeden Neubebauung vorangehen, sind nicht in erster Linie Zeichen eines besonderen demokratischen Engagements unserer Gesellschaft, sondern vor allem Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit dem, was wir an öffentlichen Räumen realisieren. Die moderne Stadt unserer Zeit hat keine von Häusern eingefassten Platz- und Straßenräume, in denen sich der Bewohner wohl fühlen würde“.

Bei allen größeren öffentlichen Ereignissen, etwa, wenn Eintracht Frankfurt Bayern München im DFB-Pokal besiege, so werde sie auf dem historischen Römerberg und nicht auf dem Riedberg empfangen. Oder in Paris habe die gewaltige Demonstration Charlie Hebdo im Januar 2015 für Freiheit und Demokratie auch nicht in den Banlieues von Paris, sondern im Herzen der Stadt, auf dem Place de la République stattgefunden, gab Mäckler Beispiele dafür, „dass der öffentliche Raum der europäischen Stadt, jene Straßen- und Platzräume, den Sozialraum unserer demokratischen Gesellschaft bilden.“

Die Fassaden machen den Flair der öffentlichen Räume

Keine Rekonstruktion, sondern neu entworfen: Das Haus Markt 14 am Hühnermarkt. Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann. © Foto: Diether v. Goddenthow
Keine Rekonstruktion, sondern neu entworfen: Das Haus Markt 14 am Hühnermarkt. Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Außenwände der Innenwände unserer Häuser bildeten den öffentlichen Raum. Es seien „ausschließlich Fassaden, genauer gesagt: es sind die Straßen- und Platzfassanden, ihre Schönheit, Größe und Gestalt, mit denen wir unsere öffentlichen Straßen und Plätze als lebenswerte Stadträume formen“ , erklärte der Festredner und hob hervor, dass „unabhängig von der Bewertung, ob es sich bei den Hausfassaden um Rekonstruktionen oder Neubauten handelt,“ es eben diese Gestaltungselemente seien, welche „die Bedeutung der Altstadtbauten zwischen Dom und Römer“ ausmache. Es sei der städtische Raum mit Hühnermarkt und all den anderen Gassen des Altstadtquartiers, die  „neuen städtischen Räume im Herzen der Stadt Frankfurt am Main, die uns Geborgenheit und Aufenthaltsqualität vermitteln“.

Blickachse zur Hinterseite des Rebstockhofes. © Foto: Diether v. Goddenthow
Blickachse zur Hinterseite des Rebstockhofes. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei der Ausschreibung des Architektenwettbewerbes wurden Entwürfe für giebelständige Wohn- und Geschäftshäuser mit steilen Schieferdächern und Straßenfassaden unter Verwendung von farbigem Putz und rotem Mainsandstein gesucht. Vor allem die jüngeren Architekten hätten mit Bravour diese Aufgabe gelöst, erinnert sich Mäckler und verweist als Beispiele dafür auf das Eckhaus der Architekten Johannes Götz und Guido Lohmann aus Köln und auf ein Haus des Berliner Architekten Ulrich von Ey. Ihre Häuser sind keine Rekonstruktionen, sondern neue, „moderne Hausentwürfe, die sich in ihrer Architektursprache dem Ort und seiner Geschichte anpassen, ohne sich dabei anzubiedern.“ Und wenn man vom Römer aus am Steinernen Haus in den Krönungsweg des neuen Stadtquartiers mit dem St. Bartholomäus Dom im Hintergrund schaue, sehe man an dessen Beginn das Giebelhaus „Zu den drei Römern“ der Architekten Jordi und Keller. Bei genauerer Betrachtung findet man „Eckfenster in der Giebelfassade, die im mittelalterlichen Fachwerksbau baukonstruktiv nicht möglich waren“.  Erst als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stahlbeton zur Verfügung stand, „findet sich das Eckfenster in der Fassade und man kann sagen, dass dieses Eckfenster symbolisch für die frühe Moderne in der Architektur der zwanziger Jahre steht“, erklärt der Festredner ein für Laien nicht sofort identifizierbares Detail als Beispiel wie sich im Haus „Zu den Drei Römern“ „die Moderne mit dem Typus der mittelalterlichen Architektur“ verbindet, wie Neues auf Altem aufbaue und für den Betrachter zu einem gewohnten Bild und etwas Selbstverständlichem, dem Orte Angemessenen, verschmelze, so Mäckler.

Abschiednehmen vom ewigen Gestern der Moderne 

Zahlreiche der 35 Häuser des neuen Altstadt-Quartiers, wie auch das rote Haus von Mäcklers Schweizer Kollegen Meinrad Morger, seien etwas Besonderes, weil sie nicht in das vorherrschende Denken unserer Zeit passten, so der Festredner. Denn die Moderne der frühen zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland sei eine Reaktion auf das Kaiserreich und eine revolutionäre Architektur gewesen, „doch der Kaiser hat“, so Mäckler, „vor 100 Jahren abgedankt und wenn wir modern sein wollen, so müssen wir uns einer neuen Revolution widmen.“

Die neue Revolution bestehe nicht in noch mehr Altstädten. Aber „all jenen Architekten, die sich noch immer im Gestern der Moderne bewegen und sich jeder Weiterentwicklung von Architektur und Städtebau verwehren, weil sie das Denken mit der Diplomprüfung eingestellt haben“, widmete Mäckler,  augenzwinkernd, ein  Zitat  des  Architekten, Architekturkritikers und Kulturpublizisten Adolf Loos aus dem Jahre 1908:

„Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemanden zu gefallen hat.
Das Kunstwerk ist eine Privatangelegenheit des Künstlers. Das Haus ist es nicht.
Das Kunstwerk wird in die Welt gesetzt, ohne dass ein Bedürfnis vorhanden wäre.
Das Haus deckt ein Bedürfnis. Das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich, das Haus einem jeden.
Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen.
Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ.
Das Kunstwerk weißt der Menschheit neue Wege und denkt an die Zukunft. Das Haus denkt an die Gegenwart.
Der Mensch liebt alles, was seiner Bequemlichkeit dient. Er hasst alles, was ihn aus seiner gewonnenen und gesicherten Position reißen will und belästigt. Und so liebt er das Haus und hasst die Kunst.“

Quelle: Christoph Mäckler in:Festvortrag „Die lebenswerte Stadt“ 28.09.2018,  zit.n.: Loos, Adolf, Das Werk des Architekten, 1910.

Neue Frankfurter Philharmonie. © Foto: Diether v. Goddenthow
Neue Frankfurter Philharmonie. © Foto: Diether v. Goddenthow

Für die musikalische Umrahmung mit Mozart Divertimento D Dur, KV 136, und dem Nena Song „Leuchtturm“, symbolisch  für alt und modern stehend, sorgte die „Neue Philharmonie Frankfurt“.

(Diether v. Goddenthow/Rhein-Main.Eurokunst)

Programm des dreitägigen  „Altstadtfestes“

Altstadt-Impression. © Foto: Diether v. Goddenthow
Altstadt-Impression. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die neue Altstadt – Das große Begleitbuch
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Die Stadt Frankfurt hat ein wunderbares Begleitbuch in zwei Bänden über die Entstehung (Bd.1) und mit der Beschreibung jeden einzelnen Hauses des Quartiers (Bd.2) herausgegeben. Dieses von Matthias Alexander kuratierte Werk dokumentiert und kommentiert das gesamte Altstadtprojekt von der Planung, politischen Diskussion bis hin zu Baubeginn, Durchführung und Vollendung. Die großformatige Edition besticht durch aufwendiges Layout und eine Vielzahl bisher nicht veröffentlichter Abbildungen.

Leseprobe

Matthias Alexander (Hg.)
Die Neue Altstadt. Frankfurter Societäts-Medien GmbH, Frankfurt September 2018
448 Seiten, ISBN: 978-3-95542-307-0,

50,00 Euro im regionalen Buchhandel oder direkt über den Verlags-Shop: https://societaets-verlag.de/produkt/die-neue-altstadt/