Kategorie-Archiv: Literaturforum Mousonturm

Das Literaturforum im Mousonturm Frankfurt im Mai 2017

Mittwoch, 3. Mai 2017, 20 Uhr:
Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

Amal und Hammoudi gehören der syrischen Oberschicht an. Amal ist Schauspielerin und hat eine Hauptrolle in einer bekannten Serie ergattert. Hammoudi ist plastischer Chirurg in Paris und nur wegen einer Passverlängerung in seiner Heimat. Doch dann beginnt der arabische Frühling – Hammoudi darf das Land nicht mehr verlassen und sieht sich gezwungen, im Untergrund Verletzten zu helfen, Amal gerät wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen ins Visier des Geheimdienstes. Als der Bürgerkrieg ausbricht und sie Zeuge schrecklicher Gräuel werden, begeben sich die beiden auf die Flucht nach Europa und landen schließlich in Berlin.

So überstrapaziert dieser Begriff in der Literaturkritik ist: Es ist Olga Grjasnowas Schonungslosigkeit, die ihren dritten Roman Gott ist nicht schüchtern auszeichnet. Sie erzählt von Hoffnungen und ihrem gewaltsamen Ende, von Folter und Erschießungen, von den Ertrunkenen im Mittelmeer und schließlich auch vom Fremdenhass direkt vor unserer Tür.

Moderation: Björn Jager

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Olga Grjasnowa, Jahrgang 1984, wuchs in Baku, Aserbaidschan auf. 1996, im Alter von 11 Jahren, emigrierte sie mit ihre Familie nach Deutschland. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, verbrachte Studienaufenthalte in Polen, Russland und Israel und erhielt, um nur zwei Beispiele zu nennen, das Grenzgängerstipendium der Robert Bosch Stiftung sowie das Hermann-Lenz-Stipendium. Ihre Texte wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Anna Seghers-Preis und mit dem Chamisso-Förderpreis. Derzeit lebt sie in Berlin.

***************************************************************************

Sonntag, 7. Mai 2017, 11 Uhr:
Ausgeplündert – Lesung mit Dietmar Bär
Abschlussveranstaltung von ‚Frankfurt liest ein Buch‘

Er ist ein vielfach ausgezeichneter Schauspieler und einer der beliebtesten Tatort-Kommissare: Dietmar Bär liest zum Ausklang von ‚Frankfurt liest ein Buch‘ aus Benjamin und seine Väter. Unweit des Roman-Hauptschauplatzes, der Berger Straße, bringt er Heckmanns Worte mit seinem warmherzigen Humor auf einmalige Weise zum Sprechen. Dabei spricht Bär aus Erfahrung: Die Hörspiele, denen er seine Stimme geliehen hat, sind preisgekrönt. So bekommt man Heckmanns Geschichte von Schuld und Sühne jedenfalls nicht noch einmal präsentiert.

Vorhang auf zum letzten Akt!

Ort: Theatersaal im Mousonturm
Eintritt: 15,-/13,-

+++ Der Ticketverkauf erfolgt über den Mousonturm +++

Herbert Heckmann, geboren 1930 in Frankfurt, gestorben 1999 in Bad Vilbel, veröffentlichte u.a. Erzählungen, Kinderbücher und Romane. Neben seiner wissenschaftlichen Lehrtätigkeit war er Mitherausgeber der Neuen Rundschau und verfasste für den hr Kulturbeiträge für Fernsehen und Rundfunk. Darüber hinaus war er von 1984 bis 1996 der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für seinen Roman Benjamin und seine Väter (1962) erhielt er den Bremer Literaturpreis.

***************************************************************************
Samstag & Sonntag, 13.-14. Mai 2017, 10-18 Uhr:
Der Text und seine Glaubwürdigkeit
Schreibseminar mit Olga Martynova

Es gibt eine schwer zu bestimmende Dimension eines Textes: wie überzeugend er ist. Wir lesen zum Beispiel, wie Dante in die Hölle hinabsteigt und zum Purgatorium und sogar in den Himmel hinaufsteigt – und glauben ihm. Hingegen lesen wir manchmal, wie jemand in einem Park mit seinem Hund spazieren geht, und glauben der beschriebenen Szene nicht. Im Seminar werden wir im gemeinsamen Gespräch über Texte – sowohl mitgebrachte Texte der Teilnehmer als auch kleine und spielerische Schreibaufgaben – herausfinden, wann und warum sie überzeugend oder weniger überzeugend sind. Als Motto zu diesem Versuch, beim Spiel mit den Texten mehr über die Wege des Schreibens zu begreifen, nehmen wir die kühne Behauptung des russischen Dichters Daniil Charms, dass die wichtigste Eigenschaft des Schriftstellers die Macht sei. Der Schriftsteller habe die Aufgabe, die Leser vor eine so unbestreitbare Offensichtlichkeit zu stellen, dass sie nicht einmal wagen, einen Ton dagegen zu sagen.

Teilnahmegebühren: 100,-/50,-

Anmeldungen mit 2-3 Seiten Textprobe bitte an: bjoern.jager@hlfm.de

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Olga Martynova, geboren 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien, wuchs in Leningrad auf und studierte dort russische Sprache und Literatur. 1991 zog sie nach Deutschland und lebt seither in Frankfurt. Martynova schreibt Lyrik, Essays und Romane. Ihre Lyrik wurde mehrfach preisgekrönt und ihr erster Roman, Sogar Papageien überleben uns (2010), gelangte auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und auf die Shortlist des aspekte-Literaturpreises. Nach dem Chamisso-Preis und dem Roswitha-Preis (2011) gewann sie 2012 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 2015 den Berliner Literaturpreis.

 

***************************************************************************

Montag, 15. Mai 2017, 20 Uhr:
‚Frankfurter Premieren‘
Mit Oleg Jurjew: Unbekannte Briefe

Drei lange verschollene Briefe russischer und deutscher Autoren hat Oleg Jurjew ausfindig gemacht und übersetzt: Leonid Dobytschin schreibt an den Kritiker Kornei Tschukowski. Iwan Pryschow wendet sich an Dostojewski, der ihn in seinen Dämonenals Figur benutzt. Und J.M.R. Lenz bringt offenbar noch am Tag seines Todes eine Nachricht an seinen russischen Freund Karamsin auf den Weg. Doch Moment: War Dobytschin nicht schon längst tot, als er angeblich den Brief verfasste? Existierte Pryschow tatsächlich? War Lenz, dem Büchner ein Denkmal gesetzt hat, psychisch noch in der Lage, Briefe zu schreiben? Und überhaupt: Wie kommt Jurjew an die Dokumente? Die Umstände, die er jeweils schildert, gleichen jedenfalls sehr merkwürdigen Zufällen…
Die Wahrheit ist: Oleg Jurjew hat einen Roman geschrieben – und zwar zum ersten Mal auf Deutsch. Unbekannte Briefe ist ein Vexierspiel zwischen Dichtung und Wahrheit, eine Hommage an das Briefeschreiben, an den noch lange nicht toten Briefroman und nicht zuletzt an die russische Literatur.

Moderation: Björn Jager

In Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Oleg Jurjew, geboren 1959 in Leningrad, zog 1991 nach Deutschland und lebt seither in Frankfurt. Sein umfangreiches Werk umfasst Lyrik, Theaterstücke, Essays und Romane, von denen er manche auf Russisch und andere auf Deutsch geschrieben hat. Neben zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen kam Jurjew mehrfach auf die Shortlist des russischen Andrej-Bely-Preises. Ebenso wie der Prosaband Spaziergänge unter dem Hohlmond (1993) wurde auch sein Roman Halbinsel Judatin (1999) für den russischen Bookerpreis nominiert. 2010 erhielt er den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg.

***************************************************************************

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20 Uhr:
Poetische Positionen
Mit Nancy Hünger und Sascha Kokot

Nichts weniger als „Texte, die irritieren, aus der Spur werfen“, verspricht die auf Lyrik spezialisierte edition AZUR. Wie dieser Anspruch erfüllt werden kann, demonstrieren zwei Frühjahrstitel auf je eigene Weise. Zum Soundtrack von Nancy Hüngers Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett gehören Geräusche wie „das Knacken eines Schädels“. Der Band bietet Bilder von morbider Schönheit – an Kneipenabenden, im Zuge von Jugenderinnerungen oder auf Urlaubsreisen. Wo auch immer aber das Ich der Gedichte sich befinden mag: Der Einsamkeit entkommt es nicht. Bei Sascha Kokots Ferner gibt der Titel das Programm vor. Die Verse greifen ins Räumliche aus. Sie durchmessen Zimmer, Städte und Landschaften. Kokots Sprache wirkt kühl und karg, die Gegenden, die er vor Augen stellt, erscheinen unwirtlich. Umso stärkere Effekte haben die dosiert eingesetzten Metaphern. Über allem liegt dabei der Schatten eines „Nicht mehr“, von Momenten, die unwiederbringlich sind. Für das Wecken von Frühlingsgefühlen sind andere zuständig.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Nancy Hünger, geboren 1981 in Weimar, studierte dort an der Bauhaus-Universität Freie Kunst. Heute lebt sie als freie Autorin in Erfurt. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, darunter das Hermann-Lenz-Stipendium und das Stipendium des Thüringer Kultusministeriums 2008, 2012 das Förderstipendium Lyrik des Kunstfördervereins Düren. Darüber hinaus war sie 2011 Stadtschreiberin der Stadt Jena und 2013 Stipendiatin des Künstlerhauses Edenkoben. 2014 gewann sie den Publikumspreis des Menantes-Preises sowie den Förderpreis des Caroline-Schlegel-Preises der Stadt Jena. Zuletzt erhielt sie 2015 das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach. Sie veröffentlichte mehrere Bände im Verlag edition Azur.

Sascha Kokot, Jahrgang 1982, wuchs in Osterburg in der Altmark auf. Nach einer Lehre zum Informatiker in Hamburg und einem längeren Aufenthalt in Australien studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er erhielt u.a. das Sonneck-Stipendium (2007), das Literaturstipendium der Albert Koechlin Stiftung (2009) und das Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2010). Darüber hinaus nahm er mehrfach als Finalist am Leonce-und-Lena-Preis, am Münchner Lyrikpreis und am Literaturwettbewerb Wartholz teil und wurde mit dem Feldkircher Lyrikpreis (2012) und dem Georg-Kaiser-Förderpreis ausgezeichnet. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien erschien 2013 sein Debutband Rodung im Verlag edition Azur. Er lebt als freier Autor und Fotograf in Leipzig.

Das April-Programm im Literaturforum Mousonturm Frankfurt am Main

buchkultur-2Mittwoch, 5. April 2017, 20 Uhr: Feridun Zaimoglu: Evangelio. Ein Luther-Roman

4. Mai 1521 bis 1. März 1522: Martin Luther hält sich auf der Wartburg auf. Gänzlich unfreiwillig, denn er ist auf Geheiß des Kurfürsten von Sachsen in Gewahrsam genommen worden. Dort sieht er sich größten Anfechtungen ausgesetzt, vollbringt aber auch sein größtes Werk: In nur zehn Wochen übersetzt er das Neue Testament ins Deutsche.

Feridun Zaimoglu begibt sich in die Zeit, auf die Burg und in die Kämpfe, die der Verdolmetscher auszufechten hat. Dazu bedient er sich des erfundenen Ich-Erzählers Burkhard, eines ungeratenen Kaufmannssohns, der Martin Luther zum Schutze an die Seite gestellt ist. Burkhard selbst ist Katholik und sieht Luthers Wirken mit Sorge. Er will nicht abfallen und muss doch den, der dieses tut, schützen und bewahren. Ja, er muss Luther sogar begleiten, als dieser heimlich die Burg verlässt und sich bei Melanchthon in Wittenberg aufhält.

Mit klingender Sprache, erstaunlichem Kenntnisreichtum und dramatischer Zuspitzung erzählt Feridun Zaimoglu von einem großen Deutschen, einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.

Feridun Zaimoglu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren. In Kiel studierte er Kunst und Humanmedizin. Seine künstlerisches Betätigungsfeld beschränkt sich nicht nur auf literarische Texte wie etwa seinen renommierten DebütromanKanak Sprak (1995). Es umfasst auch Theaterstücke, Drehbücher, journalistische Arbeiten und Malerei. Für sein Werk wurde Feridun Zaimoglu mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Berliner Literaturpreis 2016.

Moderation: Harry Oberländer
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Dienstag,
11. April 2017, 20 Uhr:
Nora Bossong: Rotlicht

Alles beginnt mit einer rot lackierten Tür – dem Eingang zu einem Beate-Uhse-Laden. Die Tür und das Bewusstsein dafür, was sich hinter ihr verbirgt, markieren für Nora Bossong das Ende der Kindheit und den Beginn der Pubertät. Und obwohl sie den Laden bereits als Teenager zum ersten Mal betritt, wird es weitere 20 Jahre dauern, bis sie sich dazu entschließt, einen viel tieferen Blick hinter die Kulissen der Sexindustrie zu werfen. Nora Bossong besucht Stripclubs und Sexmessen, Darkrooms, Laufhäuser und den Straßenstrich. Was, fragt sie während ihrer Recherchen, ist gekaufte Erotik wert? Was treibt Menschen an, einen Swingerclub zu besuchen? Warum verharrt gerade diese Branche so sehr in tradierten Geschlechterrollen, wo Frauen fast nur als Ware und so gut wie nie als Konsumentinnen gesehen werden? Innerhalb eines Jahres trägt Nora Bossong jedoch nicht nur journalistische Erkenntnisse zusammen. Rotlicht ist auch ein Blick ins eigene Innere, in die Fragilität, die das Begehren in uns erzeugt. Nicht wenige vermeintliche Gewissheiten wird Bossong am Ende des Buches in Frage stellen.

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Von ihr sind neben mehreren Romanen auch Gedichte erschienen, zuletzt der Band Sommer vor den Mauern (2011). Sie war Writer-in-Residence an der New York University sowie an der Universität Nanjing. Ihr Werk ist mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Kunstpreis Berlin und dem Roswitha-Preis ausgezeichnet worden.

Moderation: Björn Jager
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Donnerstag, 20. April 2017, 20 Uhr:
Roman Ehrlich: Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens

„Der Normalzustand unserer Gesellschaft in dieser Zeit ist der Horror“ – die Diagnose zieht künstlerische Konsequenzen nach sich. Denn solch einer Gesellschaft kann man nur mit dem entsprechenden Genre beikommen: dem Horror-Film. Die Diagnose und die Idee zum Dreh stammen von Christoph. Moritz, einer seiner alten Studienfreunde, lässt sich zusammen mit einigen anderen zur Teilnahme an dem Projekt überreden. Das Drehbuch muss allerdings erst noch geschrieben werden, ein Substrat aus den tiefsten Ängsten aller Beteiligten. Vor versammelter Mannschaft hat jeder Rechenschaft darüber abzulegen, was er am meisten fürchtet. Zur Not auch unter Schmerzen…

Roman Ehrlichs Debütroman Das kalte Jahr und sein Erzählungsband Urwaldgäste hatten einen surrealistischen Drive, der wohliges Unbehagen auslöste. Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens drehen die Schraube weiter, indem sie eine Serie individueller Alpdrücke in eine Gruppendynamik einbetten, die erschreckend realen Maßstäben gehorcht. Und dabei erzählen sie auch eine Geschichte davon, wie Kunst an ihren eigenen Ansprüchen scheitern kann.

Roman Ehrlich, geboren 1983 in Aichach, absolvierte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin. Er war Stipendiat der Werkstatttage des Wiener Burgtheaters, nominiert für den open mike und Teilnehmer der Autorenwerkstatt Prosa am LCB. Für seinen Debütroman Das kalte Jahr erhielt er sowohl den Bremer Literaturpreis 2014 als auch den Robert Walser-Preis 2014. Am 14. März 2017 wird ihm die Alfred Döblin-Medaille verliehen.

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Samstag & Sonntag, 22.-23. April 2017, 10-16 Uhr:
Wortumdrehung – U20 Poetry Slam Workshop
Mit Dirk Hülstrunk

Ihr habt Lust am Spiel mit der Sprache? Ihr wollt eigene Texte, Gedichte, Geschichten, Rap-Texte schreiben, reimen oder lieber freestylen? Ihr würdet gerne mal auf einer Bühne stehen, ein Mikrofon in der Hand? Dann seid ihr richtig beim Poetry Slam Workshop „Wortumdrehung“. Hier könnt ihr Ideen entwickeln, lernen, spannungsreiche und originelle Texte zu schreiben und ihre Umsetzung unter realen Bühnenbedingungen proben. Unsere Themen sind: Poetry Slam Hintergründe & Regeln, Texte für den Vortrag schreiben, Stimme & Performance, Mikrofonsprechen.

Der Workshop richtet sich sowohl an Anfänger wie an Fortgeschrittene, die ein kritisches Feedback zu ihren Texten brauchen oder ihren Vortragsstil verbessern möchten. Teilnehmen können Jugendliche vom 15-20. Ältere Interessenten können in Einzelfällen teilnehmen, wenn noch Platz ist.

Dirk Hülstrunk, geboren 1964 in Frankfurt a.M., ist freier Autor, Soundpoet, Audiokünstler und Kulturaktivist. Er ist Poetry Slam-Pionier und Veranstalter des ältesten Poetry Slam in Hessen an der FH Frankfurt seit 1998. Seine Erfahrungen und Arbeitsweisen vermittelt er seit 2001 regelmäßig in Workshops und Vorlesungen

Anmeldungen unter: u20slam@kulturnetz-frankfurt.de
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Teilnahmegebühr: 25,-

***************************************************************************

Donnerstag, 27. April 2017, 20 Uhr: Acting Out! #4
Mit Dorothee Elmiger, Katharina Merten & Wolfram Lotz

Roman, Gedicht, Kurzgeschichte – das kennt man bei Lesungen. Geht da überhaupt noch mehr? Und ob! Gemeinsam mit sechs Autor*innen hat sich die Videokünstlerin Katharina Merten David Bowies LP Heroes gewidmet, jenem Jahrhundertwerk, das 1977 in Berlin entstand und wie kaum ein anderes Album die Auf- und Umbrüche der damaligen Zeit musikalisch fasste. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Schriftstellerin Dorothee Elmiger ist so eine Reaktion auf den Song „Blackout“ entstanden, eine Prosa-Videoarbeit, die in Frankfurt erstmalig gezeigt wird.

Wolfram Lotz wiederum ist fest im Theaterbereich verankert und gehört dort zweifellos zu den wichtigsten Stimmen seiner Generation – u.a. war er 2015 Dramatiker des Jahres und Nestroy-Theaterpreisträger. Dass seine dramatischen Monologe aber nicht zwingend Schauspieler benötigen, sondern durchaus auch vom Autor selbst in einer Lesung vorgetragen werden können, wird er bei uns unter Beweis stellen.

Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und Pro Helvetia.

Dorothee Elmiger, geboren 1985 in Wetzikon in der Schweiz, studierte Philosophie und Politikwissenschaft, anschließend am Schweizerischen und Deutschen Literaturinstitut in Biel und Leipzig. Ihre Romane Einladung an die Waghalsigen (2010) und Schlafgänger (2014) sind preisgekrönt.

Katharina Merten, Jahrgang 1987, arbeitet nach einem Studium der bildenden Kunst seit November 2015 als Videokünstlerin für das Schauspiel Leipzig. Über die Bereiche Installation, Audio, Video und Performance hinaus initiierte Katharina Merten verschiedene Projekte an der Schnittstelle von Literatur und bildender Kunst.

Wolfram Lotz, wurde 1981 in Hamburg geboren und studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft in Konstanz sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
E-Mail: info@hlfm.de
Fon: 069 – 24449940
Fax: 069 – 24449939

Das Literaturforum im Mousonturm Frankfurt im Januar 2017

Neues Jahr, neues Format: Am 17. Januar werden Ulrike Draesner und Johanna Maxl Acting Out! eröffnen, eine Reihe von Lesungsperfomancen, die in loser Folge im Hessischen Literatuforum aufgeführt werden. In diesem Fall kann man die Performance nicht nur hören und sehen, sondern auch schmecken.

Die zweite Veranstaltung setzt unsere Reihe über aktuelle politische Fragen fort. Mithu Sanyal hat ein Buch über Vergewaltigung geschrieben – ein Verbrechen, dessen gesellschaftliche Brisanz in den letzten Tagen wieder auf sehr bittere und traurige Weise deutlich geworden ist. Sanyals feministische Perspektive zeichnet dabei aus, dass sie Positionen, die in diesem Zusammenhang von einem starren Frontverlauf zwischen Männern und Frauen ausgehen, zu überwinden sucht. Man kann diesem klugen Buch nur möglichst viele Leser*innen wünschen.

Dienstag, 17. Januar 2017, 20.30 Uhr:
Acting Out! Mit Ulrike Draesner und Johanna Maxl
Ulrike Draesner und Johanna Maxl treffen sich im Auftakt der Reihe Acting Out! zur intermedialen Performance und zum Gespräch in einem Bühnenbild aus Projektionen, Glas und Licht – gestaltet von der Installationskünstlerin Alex Lebus. Die performative Präsentation ihrer Texte betten sie ein in den assoziativen Flow einer Unterhaltung über das selbstständige, das unermüdliche Arbeiten, Zeitoptimismus, Alter, Armut, Sinnlichkeit und Pragmatismus. Die Elemente, die sie einsetzen, fordern das ganze Sensorium: nicht nur sind sie in Wort und Bild erlebbar; die RezipientInnen bekommen sie auch zu schmecken – es wird tasty.

Denn beide Autorinnen bedienen sich insbesondere beim Verfassen von Texten für den Sprechakt mit Verve des Englischen. Im Rahmen von Acting Out! reflektieren sie darüber, wie sich von Sprache zu Sprache die Schreibfreiheiten, die Lust am Fluchen und die Pathosgrenzen verschieben.

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)
Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Ulrike Draesner, geboren 1962, ist eine der zentralen Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Das Werk der promovierten Mediävistin wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie für ihren Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ den Nicolas-Born-Preis 2016. Neben Prosa zählen auch Gedichte und Essays sowie Übersetzungen zu ihrem Arbeitsfeld. Zurzeit lebt und lehrt sie in Oxford.

Johanna Maxl, Jahrgang 1987, absolvierte ein Masterstudium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Neben Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, ist sie vor allem bekannt für ihre Leseperformances und als Regisseurin provokanter Kurzfilme, wie „Viva Violence“.

Donnerstag, 26. Januar 2017, 20 Uhr:
Mithu M. Sanyal: Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens

Eine Vergewaltigung ist immer ein Verbrechen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Darüber hinaus tun jedoch Debatten not. Die Fragen, die Mithu Sanyal aufwirft, sind unbequem. Setzt das gesellschaftliche Umfeld die Opfer nicht insofern unter Druck, als es von ihnen ganz bestimmte Reaktionen erwartet? Wird man den Ausmaßen gerecht, wenn man Vergewaltigung nur als ein Verbrechen behandelt, das Männer an Frauen begehen? Und ist mit der dauerhaften sozialen Ächtung von Täter*innen irgendwem geholfen? Dass diese Fragen ihre Berechtigung haben, belegt Sanyal durch eine historische Analyse. Wir erklären uns Vergewaltigungen mit stereotypen Vorstellungen, die sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Dementsprechend halten sich viele geschlechterbezogene Vorurteile. Gestützt auf aktuelle Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen, will Sanyal Auswege aus eingeschliffenen Deutungsmustern weisen – zum Wohl von Frauen und Männern. Das ist feministische Politik auf der Höhe der Zeit.

Moderation: Dr. Sarah Speck
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Dr. Mithu Melanie Sanyal ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin. Für ihre Arbeit als Feature- und Hörspielautorin für den Rundfunk wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Referentin für Genderfragen und Dozentin an verschiedenen Universitäten, schreibt unter anderem für WDR, Deutschlandfunk, taz, SPEX, Missy Magazine, VICE.

Die Berliner Gewinner des 24. open mike lesen im Literaturforum Mousonturm e.V. Frankfurt

Der Dezember steht im Literaturforum Mousonturm  ganz im Zeichen des wichtigsten Nachwuchswettbewerbs für deutschsprachige Literatur: Die Gewinner des 24. open mike, die am 13. November in Berlin gekürt werden, kommen am 8. Dezember zu uns in den Mousonturm. Eine bessere Gelegenheit gibt es kaum, um sich ein Bild davon zu machen, was die junge Literatur hierzulande zu bieten hat.

Wer sich beim „open mike“ durchsetzt, hat gute Aussichten für die Zukunft. Das hat sich in der Vergangenheit ein ums andere Mal bewiesen, denn für nicht wenige namhafte Autor*innen markiert der open mike den Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn. Ein paar von ihnen (u.a. Björn Kuhligk und Tilman Rammstedt) hat das Frankfurter Literaturforum Mousonturm  eingeladen, mit Kolleginnen und Kollegen, die auf einen ähnlichen Werdegang zurückblicken, über die dabei wirksamen Mechanismen und Unwägbarkeiten zu sprechen – und natürlich auch über ihre neuesten Texte, die sie mit im Gepäck haben.

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main

Termine und Autoren

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 20 Uhr:
‚open mike‘-Preisträgerlesung

Einmal beim ‚open mike’ mit von der Partie sein! – Diesen Wunsch hegen hierzulande viele junge Autor*innen. Denn der wichtigste literarische Nachwuchswettbewerb, der alljährlich in Berlin ausgetragen wird, gilt als „Türöffner“ und „Talentschuppen“. Wer hier gewinnt, bekommt einen Fuß in den Literaturbetrieb. Für so manche Karriere war der ‚open mike’ ein regelrechter Startschuss. Jedenfalls machen sich die Sieger erstmal auf den Weg: nach Wien, Frankfurt und Bern, um aus den prämierten Texten zu lesen und über sie zu sprechen. Dass die preisgekrönte Reisegruppe in diesem Jahr bei uns im Literaturforum ihren Zwischenstopp einlegt, ist eine Premiere. Wie gut, dass das Lokal im Mousonturm eine große Auswahl an Getränken zum Anstoßen hat.

Die Namen der Teilnehmenden sind ab dem 13. November auf unserer Homepage zu finden.
Moderation: Björn Jager und Malte Kleinjung
Eine Veranstaltung des Haus für Poesie und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm.
Ort: Lokal im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (VVK*+AK)

*Der Vorverkauf erfolgt über den Mousonturm

***************************************************************************
Freitag, 9. Dezember 2016, 20 Uhr:
Verena Güntner & Björn Kuhligk
Gemischtes Doppel I

‚open mike’ ist, wenn 15 Minuten über die berufliche Zukunft entscheiden können. So lange haben die Teilnehmer*innen beim wichtigsten literarischen Nachwuchswettbewerb Zeit, um ihre Text vorzutragen. Die Gewinner machen von sich reden. Nicht selten winkt danach ein Vertrag mit einem Verlag – und die Aussicht auf eine schriftstellerische Laufbahn. Aber wie geht das konkret vonstatten? Was muss passieren, damit das Debüt druckfrische Realität wird? Inwiefern kann eine Viertelstunde die künstlerische Entwicklung beeinflussen? Wer könnte solche Fragen besser beantworten als diejenigen, die all das schon selbst erlebt haben. In einer Reihe von gemischten Doppeln tauschen sich sechs Autorinnen und Autoren darüber aus, was durch den ‚open mike‘ aus ihnen wurde. Probe aufs Exempel inklusive: Denn ihre jüngsten Texte haben sie mit im Gepäck.

Den Auftakt machen Verena Güntner, geboren 1978 in Ulm, und der gebürtige Berliner Björn Kuhligk, Jahrgang 1975. Sie arbeitet nach einem Schauspielstudium in Salzburg als freischaffende Schauspielerin. Er ist im Hauptberuf Buchhändler. Während ein Auszug aus ihrem späteren Debüt Es bringen Verena Güntner 2012 in die Endrunde des ‚open mike’ brachte, gehörte Björn Kuhligk 1997 zu den Preisträgern. Seit dem sind mehrere Gedichtbände von ihm erschienen, zuletzt jener, der die Hauptrolle an diesem Abend spielen wird: Die Sprache von Gibraltar (2016).

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************

Mittwoch, 14. Dezember 2016, 20 Uhr:
Tilman Rammstedt & Saša Stanišic
Gemischtes Doppel II

Das zweite gemischte Doppel betrachtet den ‚open mike’ aus unterschiedlichen Richtungen. Tilman Rammstedt, geboren 1975 in Bielefeld, kennt die Anspannung und den Druck, der mit einer Teilnahme einhergeht – aber auch das schöne Gefühl, sich durchzusetzen. 2001 konnte er die Jury mit seinem Wettbewerbsbeitrag überzeugen. Dass das alles andere als Zufall war, belegt eine ganze Reihe von Auszeichnungen, unter anderem der Haupt- und Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Mit seinem unlängst erschienen Roman Morgen mehr, über den er mit Saša Stanišić sprechen wird, erkundet er nun die Möglichkeiten von Literatur im digitalen Zeitalter.

Saša Stanišić hingegen, der 1978 in Bosnien Herzegowina geboren wurde und 1992 nach Deutschland kam, sitzt in diesem Jahr auf der anderen Seite: Als Juror muss er über die Qualität der vorgetragenen Texte entscheiden. Was ein guter Text ist, weiß er aus eigener Erfahrung. Seine Romane Wie der Soldat das Grammofon repariert (2006) und Vor dem Fest (2014) sind dafür eindrucksvolle Beispiele. Er stellt an diesem Abend seinen Erzählband Fallensteller (2016) vor.

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20 Uhr:
Ulf Stolterfoht & Tristan Marquardt
Gemischtes Doppel III

Im dritten gemischten Doppel kommen zwei Generationen von Lyrikern miteinander ins Gespräch. Als Ulf Stolterfoht, der 1963 in Stuttgart geboren wurde, 1994 beim zweiten ‚open mike’ zum Kreis der Gewinner zählte, war der Göttinger Tristan Marquardt gerade einmal sieben Jahre alt. 2011 sowie 2012 stand er dann selbst im Finale des ‚open mike‘. Ist der Wettbewerb im Laufe der Jahre derselbe geblieben? Hat sich die Literaturszene in der Zwischenzeit gewandelt? Nur eines ist sicher: Ulf Stolterfoht, seit 2014 Mitglied der ‚Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung‘ und in diesem Jahr mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet, wird mit Tristan Marquardt, der 2013 sein Debüt das armortisiert sich nicht veröffentlichte und nun auch Veranstaltungskonzepte für junge Lyrik entwickelt, einige Fragen zu klären haben.

Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Das Literaturforum im November 2016 Mousonturm Frankfurt

Kurzüberblick

Donnerstag, 3. November 2016, 20 Uhr:
Terézia Mora
Die Liebe unter Aliens
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Donnerstag, 10. November 2016, 20 Uhr:
Reif Larsen
Die Rettung des Horizonts
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Donnerstag, 17. November 2016, 20 Uhr:
Isabelle Lehn
Binde zwei Vögel zusammen
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Samstag & Sonntag, 19.-20. November, 10-18/10-16 Uhr:
Seminar mit Rainer Weiss
Schreiben und Arbeit am Text
Teilnahmegebühr: 100,-/50,-

***************************************************************************
Dienstag, 22. November, 20 Uhr:
Joshua Cohen
Solo für Schneidermann
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

***************************************************************************
Mittwoch, 30. November, 20 Uhr:
Schimpf & Schande mit Christoph Schröder

Ort: Literaturforum im Mousonturm

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Donnerstag, 3. November 2016, 20 Uhr:
Terézia Mora
Die Liebe unter Aliens

©Peter von Felbert
©Peter von Felbert

Zurück zu den Wurzeln: Nach ihrem Debüt Seltsame Materie (1999) legt Terezia Mora mit Die Liebe unter Aliens erstmals wieder einen Band mit Erzählungen vor. Konzentrisch ordnet sie die Figuren der elf Geschichten um das an, was wir als gesellschaftliche Mitte bezeichnen. Manche sind weiter von dieser Mitte entfernt als andere, gemeinsam ist ihnen aber: Keine gehört so recht dazu. Sie alle sind durchzogen von feinen oder deutlich sichtbaren Rissen, der Marathonmann, das jugendliche Paar, die Fotografin, die viel zu selten ihr eigenes Kind sieht, die polnische Künstlerin, die sich als Putzfrau verdingt. Sie alle haben etwas verloren, im schlimmsten Fall sich selbst. Und doch gibt keiner von ihnen die Hoffnung auf das Glück auf – und sei es nur ein kleines Glück. Man reckt das Kinn. Man läuft weiter, denn: Es macht einen Unterschied, ob man überlebt oder einfach nur nicht stirbt. Sie mögen beschädigte Außenseiter sein, die „Aliens“ in Moras Geschichten. Aber sie wissen, dass man sich mit Selbstbehauptung einen Rest von Würde bewahren kann.

Moderation: Beate Tröger
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Terézia Mora, geboren 1971 in Ungarn, ist eine der prägenden Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Davon zeugen unter anderem der Ingeborg-Bachmann-Preis für ihr Debüt Seltsame Materie (1999) sowie der Deutsche Buchpreis, mit dem Das Ungeheuer ausgezeichnet wurde (2013). Ein weiteres Arbeitsfeld bilden – neben Drehbüchern – Übersetzungen aus dem Ungarischen. Seit 1990 lebt sie in Berlin.

***************************************************************************

Donnerstag, 10. November 2016, 20 Uhr:
Reif Larsen
Die Rettung des Horizonts

©Bob McDevitt
©Bob McDevitt

Die Verblüffung ist groß, als Radar Radmanovic das Licht der Welt erblickt. Denn im Gegensatz zu seinen Eltern ist die Haut des Jungen tiefschwarz. Der Fall ist nicht zu erklären, auch die medizinische Fachwelt bleibt ratlos zurück. Praktischerweise meldet sich da eine Gruppe norwegischer Physiker. Die hat zwar ein Faible für Puppentheater, verspricht dafür aber auch, Licht in die Sache zu bringen. Doch ist es ein gutes Zeichen, dass die Skandinavier bevorzugt an postapokalyptischen Katastrophenorten auftauchen? Und was bedeuten eigentlich diese obskuren Vogelroboter?
Ob dadaistische Zwillinge in New York, Miniaturelefanten in Bosnien oder Kleist-lesende Quarks-Forscher im Ewigen Eis – Reif Larsens neuer Roman nimmt uns mit auf eine skurrile Reise rund um die Welt, deren Ziel nicht weniger ist als der Ursprung von Raum und Zeit.

Moderation (engl./dt.): Hans-Jürgen Balmes
Lesung der dt. Texte: Anna Böger
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Mit freundlicher Unterstützung des S. Fischer-Verlags.

Reif Larsen, Jahrgang 1980, stammt aus Cambridge, Massachusetts. Mit seinem Debüt Die Karte meiner Träume hatte er 2009 auf Anhieb einen internationalen Erfolg gelandet. Texte zu schreiben, die unter anderem in der ‚New York Times‘ und dem ‚Guardian‘ publiziert werden, ist nur eine seiner Interessen. Er macht darüber hinaus auch Dokumentarfilme, für die er die USA, Großbritannien und Afrika bereist.

***************************************************************************

Donnerstag, 17. November 2016, 20 Uhr:
Isabelle Lehn
Binde zwei Vögel zusammen

©Sascha Kokot
©Sascha Kokot

Was wissen wir eigentlich über uns und über die Welt, in der wir leben? Heißen wir Alladin und leben als Besitzer eines Kaffeehauses in der afghanischen Provinz? Oder heißen wir Albert Jacobi und arbeiten als freier Journalist in Deutschland? Oder spielen wir für ein wenig Geld als Albert Jacobi einen Kaffeehausbesitzer namens Alladin in einem oberpfälzischen Trainingscamp für Soldaten, die sich auf ihren Kampfeinsatz am Hindukusch vorbereiten? In Isabelle Lehns Debütroman ist das alles richtig. Als Albert nach sechs Wochen diesen kafkaesken Job beendet hat, findet er nicht mehr in die Realität zurück: Er und sein gespieltes Alter Ego Alladin verschmelzen.

Binde zwei Vögel zusammen leistet weit mehr, als man von einem Debüt erwartet: Es ist ein Roman über die Zumutungen und die Fremdbestimmtheit prekären Lebens, ein Text über unsere Verstrickungen in die Kriege im mittleren Osten und nicht zuletzt eine Geschichte, die fragt, in welchem Verhältnis Realität, Narrative, Fiktionen und Wahn in unserer Gegenwart zueinander stehen.

Moderation: Björn Jager
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, wurde 2011 im Fach Rhetorik promoviert. Seit 2013 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig in einem Forschungsprojekt tätig, das sich „Literarischen Schreibprozessen“ widmet. Ihrem Debütroman sind mehrere literarische Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien vorausgegangen.

***************************************************************************

Samstag & Sonntag, 19.-20. November, 10-18 bzw. 10-16 Uhr
Seminar mit Rainer Weiss
Schreiben und Arbeit am Text

Sie haben eine Geschichte geschrieben, sind einer Erinnerung nachgegangen, einem Sie beschäftigenden Moment, haben ein Märchen erfunden, etwas ganz Besonderes, Ihnen Wichtiges erzählt – und sind damit noch immer nicht zufrieden. Wie könnte der Text anders aussehen, lebendiger sein, überzeugender, persönlicher, „eigener“? Schreiben heißt immer wieder und unablässig: Arbeit am Text.

In diesem Kurs geht es darum, Texte auf die Höhe ihrer (ihnen innewohnenden) Möglichkeiten zu heben. Darum, dem Schreibenden einen Zugang zu seinen Fertigkeiten zu eröffnen. Darum, in harter Arbeit am Text herauszudestillieren, was am Ende „gültig“ bleibt.

Anmeldungen mit den Texten, die im Seminar behandelt werden sollen, bitte an bjoern.jager@hlfm.de.
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Gebühr: 100,-/50,-

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

***************************************************************************

Dienstag, 22. November, 20 Uhr:
Joshua Cohen
Solo für Schneidermann

©Adam Gong
©Adam Gong

In der New Yorker Carnegie Hall sitzt man im falschen Film. Anstelle des Violinbogens, wie es dem Programm entspräche, ergreift der jüdische Musiker Laster das Wort – um im Konzerthaus eine Nacht lang die Erinnerungen an seinen engsten Freund widerhallen zu lassen: den verschollenen Komponisten Schneidermann. Die sprachlichen Register, die Joshua Cohen in Solo für Schneidermann zieht, haben Orgeldimensionen. Vom „masturbierenden Erfüllungsäffchen“ bis zum „Auschwitz-/Lubjanka-Tod“ reicht die Tonlage. Lasters Wort- und Satzkaskaden trotzen dem Schweigen, das dem Zeugnis der Shoa-Überlebenden droht. Im Zeichen der Katastrophe entfaltet Cohens nun endlich auch auf Deutsch erschienener Debütroman die Geschichte zweier Freunde, die die Liebe zur Kunst und Kultur miteinander verbindet – über das Verschwinden des einen hinaus. Indem Laster mit Lust am Sprachwitz erzählt, hält er, so Jan Wilm im Tagesspiegel, „den Tod immer auf einer Satzlänge Abstand“.

Moderation: Jan Wilm
Lesung der dt. Texte: Isaak Dentler
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

In Kooperation mit Kultur & Bahn e.V.

Joshua Cohen wurde 1980 in New Jersey geboren und studierte an der ‚Manhattan School of Music‘. Er schreibt nicht nur Erzählbände und Romane, sondern auch Kritiken für renommierte Zeitungen wie die ‚New York Times Book Review‘. Zu den Auszeichnungen, die er für sein literarisches Schaffen erhalten hat, zählen der ‚Pushcart Prize‘ (2012) und der ‚Matanel Prize in Jewish Literature‘ (2013).

***************************************************************************

Mittwoch, 30. November, 20 Uhr:

Schimpf & Schande mit Christoph Schröder
„Das muss man doch gelesen haben!“ – Ertappt? Kleinlaut kramt man im Allgemeinwissen nach den kläglichen Resten, die einst bei der Lektüre des Wikipedia-Artikels über diesen Klassiker der Literatur hängenblieben sind, um die öffentliche Schande vor dem gebildeten Gegenüber vielleicht doch noch irgendwie abwenden zu können…
Es wird Zeit, den Spieß umzudrehen. Bei „Schimpf & Schande“ schlägt die Stunde der Unbeleckten. In den Hauptrollen: Ein/e bekannte/r Autor/in, ein Moderierender, zwei Klassiker, die die beiden bis dato nur vom Hörensagen kannten. Dazu Fragen: Was hat das alles mit uns zu tun? Ist das jetzt eigentlich Kunst oder kann das weg? Denn wo steht denn geschrieben: einmal Kanon, immer Kanon?

In der dritten Ausgabe der Veranstaltungsreihe bekommen es Literaturkritiker Christoph Schröder, der diesjährige Sprecher der Jury für den Deutschen Buchpreis, und Malte Kleinjung mit Wolfang Koeppens Tauben in Gras zu tun. Bevor die beiden die Lektüre nachholen, müssen sie Statements formulieren: Um was geht’s ihrer Meinung nach? Was erwarten sie vom Text? Dabei gilt: kein Pranger ohne Publikumsbeteiligung! Die Zuschauer sind herzlich eingeladen, mit zu lesen und zu schimpfen.

Moderation: Malte Kleinjung
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Clemens Berger: Im Jahr des Panda – am 14.09.16 Literaturforum im Mousonturm Frankfurt

Mittwoch, 14. September 2016, 20 Uhr:
Clemens Berger: Im Jahr des Panda
Moderation: Björn Jager
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Voverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Pia und Julian sind Angestellte einer Sicherheitsfirma und befüllen nachts Geldautomaten – bis sie realisieren, dass ihnen eine Wagenladung Geld in den eigenen Taschen einen Neuanfang irgendwo in der Fremde finanzieren könnte. Kasimir Ab ist Künstler, dessen Werke Rekordpreise bei Auktionen erzielen – bis er von einem Tag auf den anderen sein altes Ich ablegt und sich für ein Leben auf der Straße entscheidet. Rita ist Tierpflegerin im Wiener Zoo und sozial vereinsamt – bis im Tierpark ein Pandababy geboren wird, das ihr Leben auf den Kopf stellt.

Anhand dieser vier zwischen Europa und Asien angesiedelten Figuren stellt Clemens Berger in seinem neuen Roman Im Jahr des Panda die wichtigen Fragen unserer Zeit: Wie gerecht ist das System, in dem wir uns bewegen? Was bedeutet uns Geld? Und was können wir tun, um unsere Existenz wirklich als ein gelungenes Leben zu erfahren?

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf) | 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Björn Jager

Clemens Berger wurde 1979 geboren. Nach einem Studium der Philosophie lebt und arbeitet er als freier Autor in Wien. Sein Werk umfasst mehrere Romane und Erzählbände.

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main

Das Literaturforum Mousonturm Frankfurt im April 2016

Am 23. März erprobt das Hessische Literaturforum mit der Reihe „Schimpf & Schande“ ein neues Format: Klassiker der Weltliteratur werden mit unbefangenen Blick (zum ersten Mal) gelesen. Zum Auftakt geht es um Kleists Michael Kohlhaas und Fontanes Effie Briest. Das Publikum ist herzlich dazu eingeladen, mitzumischen.

Mahlke_Inger-Maria © Sibylle Baier
Mahlke_Inger-Maria © Sibylle Baier

Mittwoch, 23. März 2016, 20 Uhr
Schimpf & Schande
Mit Inger-Maria Mahlke
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Moderation: Björn Jager
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf) | 8,-/5,- (Abendkasse)

Aprilprogramm

Im vergangenen Jahr war die mediale Aufregung um Ronja von Rönne groß. Es ist an der Zeit, weniger über sie, als vielmehr mit ihr zu sprechen – und zwar über ihr literarisches Debüt Wir kommen. Am 12. April ist dafür die Gelegenheit bei uns im Hessischen Literaturforum.

Zudem haben wir mit Thomas Glavinic und Etgar Keret zwei renommierte Autoren zu Gast, die ihre Neuerscheinungen vorstellen werden. Und wir feiern den Auftakt unserer Veranstaltungsreihe Poetische Positionen mit niemand Geringerem als Ann Cotten.

Glavinic Thomas ©Gaby-Gerste
Glavinic Thomas
©Gaby-Gerste

Montag, 4. April 2016, 20 Uhr:
Thomas Glavinic
Der Jonas-Komplex
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 12,-/6,-

**************************************************************************

Ronja-von Ronne  © Carolin Saage
Ronja-von Ronne
© Carolin Saage

Dienstag, 12. April 2016, 20 Uhr:
Ronja von Rönne
Wir kommen
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

**************************************************************************

Cotten_Ann ©SV
Cotten_Ann ©SV

Dienstag, 19. April 2016, 20 Uhr:
Poetische Positionen
Ann Cotten liest aus Verbannt!
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

**************************************************************************

Dienstag, 26. April 2016, 20 Uhr:
Etgar Keret
Die sieben guten Jahre
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Lesungen mit Claude De Demo u. Oleg und Daniel Jurjew am 4. u. 10. Dez 2015 im Literaturforum im Mousonturm Frankfurt

Zofia Posmysz: „Die Passagierin“ Lesung mit Claude De Demo
Claude De-Demo  ©  Foto: Birgit Hupfeld
Claude De-Demo © Foto: Birgit Hupfeld

Freitag, 4. Dezember 2015, 20 Uhr:
Zofia Posmysz: „Die Passagierin“
Lesung mit Claude De Demo

15 Jahre nach Kriegsende befindet sich Lisa mit ihrem Mann Walter auf einer Überfahrt nach Südamerika, wo Walter eine Stelle als deutscher Botschafter annehmen soll. An Bord entdeckt sie eine Passagierin, die sie sofort zu erkennen glaubt: Könnte es sich bei der Frau um die totgeglaubte Martha handeln, eine KZ-Inhaftierte, die Lisa, einer Aufseherin, unterstellt war? Lange verdrängte Erinnerungen werden lebendig: In Rückblenden reflektiert sie ihr altes Leben, jenes als KZ-Wärterin, die ein perfides Spiel aus Nähe und Distanz, aus Zuneigung und Manipulation zu Martha pflegte.

Zofia Posmysz war selbst Auschwitz-Überlebende und verarbeitete die Idee, nach Kriegsende jener Wärterin zu begegnen, die sie einerseits quälte, die andererseits aber auch eine schützende Hand über sie hielt, zunächst in dem Hörspiel Die Passagierin, später auch im gleichnamigen Roman. Es folgten eine Verfilmung sowie schließlich eine Oper, die 2015 auch in Frankfurt aufgeführt wurde. An diesem Abend liest Claude De Demo, lange Zeit festes Mitglied im Ensemble des Schauspiels Frankfurt, aus Zofia Posmyszs Roman.

Organisation: Samuel Weinberger

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 15,-/12,-

Anna Radlowa: „Tatarinowa. Die Prophetin von St. Petersburg“ Lesung mit Oleg und Daniel Jurjew
Anna Radlowa, © Literaturforum  Mousonturm
Anna Radlowa, © Literaturforum Mousonturm

Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20 Uhr:
Anna Radlowa: „Tatarinowa. Die Prophetin von St. Petersburg“
Lesung mit Oleg und Daniel Jurjew

Russland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Gemeinsam mit den westlichen Alliierten hat der Zar Napoleon besiegt. Doch im Inneren des Landes droht noch Gefahr: Geheimgesellschaften wie die Skopzen werden als Bedrohungen für den Staat angesehen und verboten. Die Novelle folgt Tatarinowa, einer Vorsteherin einer dieser Gruppen, in denen religiöse Eiferer sich zusammenfinden, Enthaltsamkeit predigen, sich gar selbst kastrieren, um mit Hilfe ihres Glaubens für geistige Reinheit und gegen menschliches Leid zu kämpfen.

Es ist eine so faszinierende wie abstoßende Welt, in die die Leser der Novelle Tatrinowa. Die Prophetin von St. Petersburg der russischen Autorin Anna Radlowa eintauchen. 1931 verfasst, lag der Text der 1949 in einem Arbeitslager verstorbenen Radlowa über Jahrzehnte im Giftschrank und wurde erst Ende der 1990er wiederentdeckt. In der Übersetzung Daniel Jurjews und mit einem einordnenden Nachwort von Oleg Jurjew liegt dieses Kleinod der St. Petersburger Literatur nun auch erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,-

Ein Abend für Harry Oberländer. Abschiedsfeier

Freitag, 18. Dezember 2015, 20 Uhr:
Von Abschieden und Neuanfängen. Ein Abend für Harry Oberländer.

30 Jahre lang hat Harry Oberländer die Geschicke des Hessischen Literaturforums zunächst als Mitarbeiter und später als Geschäftsführer mitbestimmt – am Ende des Jahres fügt er seinem Leben ein neues Kapitel hinzu, nämlich das des Ruheständlers.
Zahlreiche Überraschungsgäste haben sich für den Abend angekündigt, um diesen Abschied gebührend zu feiern – Namen nennen wir nicht, sonst wären es ja keine Überraschungen mehr, aber Hinweise können wir geben: Mit dabei sind u.a. Büchner-, Bachmann- und Huchel-Preisträger, ehemalige Stadtschreiber aus Bergen und viele, viele Trägerinnen und Träger der Frankfurter Goetheplakette. Anschließend laden wir alle Gäste ein, bei Wein und den Köstlichkeiten eines opulenten Buffets mit uns zu feiern.

Ebenfalls verabschieden werden wir uns vom Literaturforum, so wie Sie es kennen – denn Anfang kommenden Jahres werden wir unsere Tore für einige Wochen schließen und für Sie renovieren. Da Renovierungen immer auch Geld kosten, würden wir uns über Unterstützung in Form großzügiger Spenden sehr freuen.

Um Reservierung bis zum 11. Dezember unter malte.kleinjung@hlfm.de oder 069 – 2444 9941 wird gebeten.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: frei

Nach Renovierung öffnet das Literaturforum Mousonturm Anfang März 2016 wieder

Im Anschluss an diese Veranstaltung schließt das Hessische Literaturforum seine Pforten bis Anfang März: Diese Zeit wird das Team nutzen, um „endlich auch unseren Veranstaltungsraum in ästhetischer Hinsicht ins 21. Jahrhundert zu überführen.“

Noch mehr Wege zum Ruhm – Robert Gernhardt … und andere Lesungen im Mousonturm Frankfurt

Im Hessischen Literaturforum Mousonturm vom 3. bis zum 9. November 2015

Annika Scheffel, (c) Frauzimmer
Annika Scheffel, (c) Frauzimmer

Dienstag, 3. November 2015, 20 Uhr:
Noch mehr Wege zum Ruhm – Robert Gernhardt und seine Preisträger
Annika Scheffel (Berlin) liest aus „Hier ist es schön“

13 Wege zum Ruhm führte Robert Gernhardt in seinem gleichnamigen Buch von 1995 auf, um künstlerische Unsterblichkeit zu erreichen. Seit 2009 muss ein 14. hinzugefügt werden: Gewinne den Robert-Gernhardt-Preis! Genau das ist Annika Scheffel in diesem Jahr mit dem Manuskript ihres Romans Hier ist es schön gelungen.

Ausgangspunkt des Vorhabens ist das reale Projekt Mars One, bei dem Freiwillige ohne Möglichkeit auf Wiederkehr auf den Mars geschickt werden sollen, um dort eine neue Gesellschaft aufzubauen – vier Menschen sind in ihrem Roman für diese Reise ins Ungewisse ausgewählt worden. Wie schon in ihren beiden ersten Büchern – Ben und Bevor alles verschwindet – überzeugt Annika Scheffel einmal mehr mit ihrer so leichten wie gleichzeitig poetischen Sprache, so die Jury.

Mod.: Martin Lüdke

Mit freundlicher Unterstützung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 12,-/6,-

Atticus Lish, (c) Shelton-Walsm
Atticus Lish, (c) Shelton-Walsm

Freitag, 6. November 2015, 20 Uhr:
Vorbereitung auf das nächste Leben
Lesung mit Atticus Lish (USA)

Unterschiedlicher könnten die beiden Protagonisten in Atticus Lishs Roman Vorbereitung auf das nächste Leben kaum sein. In New York, dem vibrierenden Zentrum vielfältigster Kulturen, treffen die illegal eingewanderte uigurische Waise Zou Lei und der vom Irakkrieg traumatisierte Veteran Brad Skinner aufeinander. Die gemeinsame Vorstellung eines romantisierten Outlaw-Lebens, die Faszination für eine Existenz im Unsichtbaren, schafft eine tiefe Verbindung zwischen den beiden – und ist letztendlich doch auch eine Flucht vor ihren Urängsten: der möglichen Deportation zurück nach China und den psychischen Belastungen durch ein Kriegstrauma.

Atticus Lish legt mit seinem Debüt einen großen, so unsentimentalen wie berührenden Roman vor und stellt zwei Menschen am äußersten Rande einer ohnehin desillusionierten Gesellschaft in den Mittelpunkt. Völlig zu recht erhielt er für dieses Meisterwerk 2015 mit dem PEN/Faulkner Award einen der prestigeträchtigsten Literaturpreise der USA.

Mod.: Jan Wilm

Lesung der deutschen Texte: Isaak Dentler

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,-

Gila Lustiger, (c) Berlin-Verlag
Gila Lustiger, (c) Berlin-Verlag

Montag, 9. November 2015, 20 Uhr:
Noch mehr Wege zum Ruhm – Robert Gernhardt und seine Preisträger
Gila Lustiger (Paris) liest aus „Die Entronnenen“

Gemeinsam mit Annika Scheffel wurde Gila Lustiger im September mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt die Auszeichnung für das Manuskript ihres Romans Die Entronnenen, aus dem sie an diesem Abend liest und das die Geschichte des Übergangslagers Zeilsheim und der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nach dem zweiten Weltkrieg „ohne Pathos und fast ironisch“ erzählt, wie es in der Jurybegründung hieß.

Das Projekt ist jedoch weit mehr als ein reines, fiktionales Romanvorhaben. Gila Lustiger steigt tief in die Geschichte ihrer eigenen Familie hinab. Die Idee zum Roman entstand bei Recherchen zum Leben ihres Vaters, dem Frankfurter Historiker Arno Lustiger, der nach dem Krieg selbst in einem der sogenannten DP-Camps untergebracht war und anschließend Mitbegründer der jüdischen Gemeinde der Stadt wurde.

Mod.: Ruth Fühner

Mit freundlicher Unterstützung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 12,-/6,-

Ort:

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main

November-Programm 2015 im Hessischen Literaturforum Frankfurt

Das Hessische Literaturforum konnte mit Annika Scheffel und Gila Lustiger die beiden aktuellen Robert-Gernhardt-Preisträgerinnen gewinnen, im Novemner (siehe unten) aus ihren ausgezeichneten Romanmanuskripten zu lesen.
Mit Atticus Lish präsentiert das Hessische Literaturforum darüber hinaus den aktuellen PEN/Faulkner-Award-Gewinner – der Sohn des legendären Carver-Lektors Gordon Lish wird seinen Debütroman Vorbereitung auf das nächste Leben vorstellen, der in den USA für großes Aufsehen sorgte.

Der November im Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V. Frankfurt

Dienstag, 3. November 2015, 20 Uhr:
Noch mehr Wege zum Ruhm – Robert Gernhardt und seine Preisträger
Annika Scheffel (Berlin) liest aus „Hier ist es schön“

Annika Scheffel, (c) Frauzimmer
Annika Scheffel, (c) Frauzimmer

13 Wege zum Ruhm führte Robert Gernhardt in seinem gleichnamigen Buch von 1995 auf, um künstlerische Unsterblichkeit zu erreichen. Seit 2009 muss ein 14. hinzugefügt werden: Gewinne den Robert-Gernhardt-Preis! Genau das ist Annika Scheffel in diesem Jahr mit dem Manuskript ihres Romans Hier ist es schön gelungen.

Ausgangspunkt des Vorhabens ist das reale Projekt Mars One, bei dem Freiwillige ohne Möglichkeit auf Wiederkehr auf den Mars geschickt werden sollen, um dort eine neue Gesellschaft aufzubauen – vier Menschen sind für diese Reise ins Ungewisse ausgewählt worden. Wie schon in ihren beiden ersten Romanen – Ben und Bevor alles verschwindet – überzeugt Annika Scheffel einmal mehr mit ihrer so leichten wie gleichzeitig poetischen Sprache, so die Jury.

Moderation: Martin Lüdke

Mit freundlicher Unterstützung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 12,-/6,-

Freitag, 6. November 2015, 20 Uhr:
Vorbereitung auf das nächste Leben
Lesung mit Atticus Lish (USA)

Atticus Lish, (c) Shelton-Walsm
Atticus Lish, (c) Shelton-Walsm

Unterschiedlicher könnten die beiden Protagonisten in Atticus Lishs Roman Vorbereitung auf das nächste Leben kaum sein. In New York, dem vibrierenden Zentrum vielfältigster Kulturen, treffen die illegal eingewanderte uigurische Waise Zou Lei und der vom Irakkrieg traumatisierte Veteran Brad Skinner aufeinander. Die gemeinsame Vorstellung eines romantisierten Outlaw-Lebens, die Faszination für eine Existenz im Unsichtbaren, schafft eine tiefe Verbindung zwischen den beiden – und ist letztendlich doch eine Flucht vor ihren Urängsten: der möglichen Deportation zurück nach China und den psychischen Belastungen durch ein Kriegstrauma.

Atticus Lish legt mit seinem Debüt einen großen, so unsentimentalen wie berührenden Roman vor und stellt zwei Menschen am äußersten Rande einer ohnehin desillusionierten Gesellschaft in den Mittelpunkt. Völlig zu recht erhielt er für dieses Meisterwerk 2015 mit dem PEN/Faulkner Award einen der prestigeträchtigsten Literaturpreise der USA.

Mod.: Jan Wilm
Lesung der deutschen Texte: Isaak Dentler
Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,-

Montag, 9. November 2015, 20 Uhr:
Noch mehr Wege zum Ruhm – Robert Gernhardt und seine Preisträger
Gila Lustiger (Paris) liest aus „Die Entronnenen“

Gila Lustiger, (c) Berlin-Verlag
Gila Lustiger, (c) Berlin-Verlag

Gemeinsam mit Annika Scheffel wurde Gila Lustiger im September mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt die Auszeichnung für das Manuskript ihres Romans Die Entronnenen, aus dem sie an diesem Abend liest und das die Geschichte des Übergangslagers Zeilsheim und der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nach dem zweiten Weltkrieg „ohne Pathos und fast ironisch“ erzählt, wie es in der Jurybegründung hieß.

Das Projekt ist jedoch weit mehr als ein reines, fiktionales Romanvorhaben. Gila Lustiger steigt tief in die Geschichte ihrer eigenen Familie hinab. Die Idee zum Roman entstand bei Recherchen zum Leben ihres Vaters, dem Frankfurter Historiker Arno Lustiger, der nach dem Krieg selbst in einem der sogenannten DP-Camps untergebracht war und anschließend Mitbegründer der jüdischen Gemeinde der Stadt wurde.

Moderation: Ruth Fühner

Mit freundlicher Unterstützung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen.

Zeit: 20 Uhr
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 12,-/6,-

Dienstag, 24. November 2015, 20 Uhr:
Zwischen Fluss und Skyline – Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis 2015
Preisverleihung und Lesung mit Doris Lerche

Doris Lerche, (c) VS-Hessen
Doris Lerche, (c) VS-Hessen

Zum fünften Mal wird der Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis für Autorinnen in diesem Jahr vergeben. Benannt wurde der Preis nach seiner Stifterin, Renate Chotjewitz-Häfner (1937 – 2008), der langjährigen Vorsitzenden des Verbands deutscher Schriftsteller in Hessen. Besonders am Herzen lag ihr die Literatur von Frauen. Testamentarisch stellte sie einen Geldbetrag für die Förderung von Autorinnen aus Hessen zur Verfügung. Nach Anna Rheinsberg (2011), Ulrike A. Kucera (2012), Nadja Einzmann (2013) und Ursula Flacke (2014) ist in diesem Jahr Doris Lerche die fünfte Trägerin des Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreises.
Doris Lerche, Jahrgang 1945, studierte Psychologie, Kunstpädagogik und Buchillustration. Seit 1975 arbeitet sie als freie Schriftstellerin, Zeichnerin und als Gestalt-Therapeutin in Frankfurt. Sie war eine der ersten Satirikerinnen der Bundesrepublik, außerdem veröffentlichte sie satirisch-poetische Erzählungen und Romane, mit denen sie ebenso erfolgreich war wie mit ihren Zeichnungen. Doris Lerche war Initiatorin und langjährige Mitarbeiterin der Frankfurter Romanfabrik.

Laudatio: Peter Zingler

Moderation: Alexander Pfeiffer

Eine Veranstaltung des VS Hessen, gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main sowie vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Zeit: 20 Uhr
Ort: Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 7,-/4,-

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Waldschmidtstraße 4
60316 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 24 44 99 41
E-Mail: info@hlfm.de