Deutscher Cartoonpreis 2016 für die „Besten Bilder“ an Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis)

Die Freiluftausstellung "BESTE BILDER" vor dem großen Lesezelt auf der Frankfurter Buchmesse zeigt 50 der besten Cartoons, darunter auch die der drei diesjährigen Gewinner des Deutschen Cartoonpreises 2016.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Freiluftausstellung „BESTE BILDER“ vor dem großen Lesezelt auf der Frankfurter Buchmesse zeigt 50 der besten Cartoons, darunter auch die der drei diesjährigen Gewinner des Deutschen Cartoonpreises 2016.
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

2016 sei für Humoristen, Cartoonisten und Menschen, die irgendwie mit Satire zu tun haben, ein außerordentlich spannendes, ja  auch gewissermaßen ein trostreiches Jahr gewesen, rief Jurysprecher und Leiter der Caricatura Kassel Martin Sonntag der „Zunft der komischen Zeichner“ bei der Verleihung des  Deutschen Cartoon Preises 2016 zu. Dieser wurde gemeinsam von der Frankfurter Buchmesse und  dem  Lappan Verlag in der Carlsen Verlags GmbH  im Lesezelt auf der 68. Frankfurter Buchmesse verliehen. „All die Menschen, Cartoonisten, Satiriker“, so Sonntag ,“ die sich jemals gefragt haben, ob ihnen denn irgendjemand zuhört, und ob irgendjemand liest und sieht, was sie so machen, kann man heutzutage mindestens sagen: ‚Beruhig Dich, Erdogan liest auf jeden Fall mit!“ Endlich würde Satire mal wieder ernst genommen. Es habe im vergangen Jahr extrem viele Nachrichten gegeben. Es sei das Jahr der Scharfmacher, Zündler, der Beleidigten, der Besorgten und der Schnütchenzieher gewesen. Und  all diese Dinge hätten die Cartoonisten in diesem Jahr wieder in wunderbare Bilder umgewandelt.

Erstmals wurde beim Deutschen Cartoonpreis auf eine  Themenvorgabe verzichtet. Alle Themen waren zugelassen, so  Jürgen Boos, Jurymitglied und Direktor der Buchmesse. Und es waren erstmals nicht nur der Nachwuchs zum Deutschen Cartoonwettbewerb eingeladen. Alle Profizeichner der komischen Kunst konnten ihre besten Arbeiten seit 2015 einreichen. Zudem: Der Deutsche Cartoonpreis war erstmals dotiert. Statt „den“ Bembel  gab es „schnöden Mammon“:  für den dritten Preis 1000 Euro, für den zweiten Preis 2000 Euro und für den ersten Preis 3000 Euro. Zum Relaunch des Deutschen Cartoonpeises gehörte auch die Freiluftausstellung vor dem Lesezelt „50 BESTE BILDER“. Sie wird auch Basis sein der vom 12.11.2016 bis 19.02.2017  in der Caricatura Kassel gezeigten Ausstellung „BESTE BILDER“.

Gleich geblieben wie in den Vorjahren,  so Boos, sei wieder die Herausgabe des Buches  „BESTE BILDER 7 – Die Cartoons des Jahres“, des Jahres 2016. Hierin sind die besten 272 Cartoons von insgesamt 82 KünstlerInnen versammelt.

Groß-Taschenbuch: 168 Seiten, durchgehend farbig, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3830334316,
Groß-Taschenbuch: 168 Seiten, durchgehend farbig, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3830334316,

Das „Jahreskompendium“ der komischen Kunst erscheint zwar bereits in der 7. Ausgabe, wartet jedoch ebenfalls mit einer Neuerung auf: So ist das Werk „BESTE BILDER“  zum ersten Mal die Basis zur Vergabe des Deutschen Cartoon-Preises, so Dieter Schwalm, Programmleiter des  Lappan Verlags. Diese Idee, ein Buch zu machen, was BESTE BILDER heißt, hatten Wolfgang Kleinert und Dieter Schwalm vor sieben Jahren, wobei die  Idee dahinter war, allen  Cartoonisten die Gelegenheit zu geben, ihre besten Sachen, die sie in dem Jahr aktuell gemacht haben, einzureichen. „Das zweite Anliegen war,“ so Schwalm, „ mit diesen Werken zugleich einen satirisch gezeichneten Jahresrückblick zu schaffen, den es vorher so noch nicht gegeben hat.“ Ein Jahresrückblick, der zum einen natürlich die Ereignisse, die in diesem Jahr wichtig gewesen seien, nochmal aufzeige.  Und zum anderen wolle das Buch aber auch, wenn  die Sammlung groß genug sei, stilistische Sachen, inhaltliche Sachen dokumentieren, zeigen, wie sich Zeichenstile und die Auffassung der Cartoonisten, an diese Themen heranzugehen, veränderten. Das sei, so Schwalm,  die Idee hinter dem Buch  BESTE BILDER , welches in diesem Jahr zum ersten Mal die Basis für die Verleihung des Deutschen Preises sei.

Insgesamt folgten 100 Cartoonistinnen und Cartoonisten dem Aufruf, ihre besten Bilder seit 2015 einzureichen. Aus 3000 Arbeiten filterten die Herausgeber insgesamt  272 „BESTE BILDER“ heraus. Aus diesen wiederum ermittelte die Jury die drei Gewinner.

Der Jury gehörten an:  Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Rolf Dieckmann, ehemaliger Humorchef beim STERN, Antje Haubner, Lektorin Lappan Verlag, Wolfgang Kleinert, Chef der Berliner Cartoonfabrik, Dieter Schwalm, Programmleiter Lappan Verlag und Martin Sonntag, Leiter der Caricatura in Kassel, an.

„Flüchtlinge“, „Merkel“, „AfD“, „Erdogan“, „Trump“, „IS-Terror“, „die Angst des besorgten Bürgers“ bis hin zu den „Pokémons“ waren die zentralen Themen, die die Cartoonisten-Szene bewegte und zu ganzen Serien wunderbarster Werke  inspirierte, weswegen  Moderator Markus Barth, Standup-Comedian und Autor von zuletzt „Soja-Steak an Vollmondwasser – Das Handbuch der überschätzten Lebensmittel“ zunächst einmal die „Besten“ aus „BESTE BILDER“ auf einer Groß-Leinwand dem Zeltpublikum präsentierte. Mit dabei waren auch die noch nicht als solche geouteten Sieger-Cartoons.

Deutscher Cartoonpreis 2016 für die drei „Allerbesten" der BESTEN BILDER v.l.n.r.: Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Deutscher Cartoonpreis 2016 für die drei „Allerbesten“ der BESTEN BILDER v.l.n.r.: Loenhard Riegel (1.Preis), Beck (2.Preis) und Mario Lars (3.Preis) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Spannung, wer denn nun von den BESTEN die ALLERBESTEN waren, erreichte ihren Höhepunkt als Jurysprecher Martin Sonntag, zwar mit ein wenig Bedauern über fehlende Fanfaren, endlich die Preisträger bekannt geben konnte. Gemeinsam mit Antje Haubner, Lektorin im Lappan Verlag und Wolfgang Kleinert, Chef der Berliner Cartoonfabrik, überreichte er die „Trophäen“ an die Sieger: Mario Lars (3.Preis),  Beck (2.Preis) und Loenhard Riegel (1.Preis.)

Die Jurybegründungen (von Martin Sonntag)  

Der Deutsche Cartoonpreis, 3.Preis, wird verliehen an Mario Lars für seine folgende Zeichnung:

mario-lars2„Dieses Zeichnung von Mario Lars greift ein wichtiges Thema unser Gesellschaft auf, wenn nicht zwei sogar, nämlich die Themen FKK und Schilder. Wir alle wissen, wenn in Deutschland irgendwo etwas auf einem Schild steht, ist irgendetwas entweder zu unterlassen oder dringend umzusetzen. Also „Nicht vom Beckenrand springen!“, oder „Den Rasen nicht betreten“ oder „Rechts stehen, links gehen!“, zwingend umsetzen.

Genau das greift Mario Lars in seiner Zeichnung auf, hier wird FKK umgesetzt, und wer, wenn nicht Mario Lars wüsste am besten, was FKK ist. In Norddeutschland geboren und aufgewachsen, aktuell in Gneven bei Schwerin lebend, hat er gelernt, dass es bei FKK darum geht, die primären Geschlechtsmerkmale zu präsentieren. Das macht in diesem Cartoon eine vollverschleierte Frau, weil sie von einem Schild dazu aufgefordert worden ist. Die Zeichnung ist somit ein Lobgesang auf eine gelungene Integration, eine Abrechnung mit dem Themen FKK und Schilderhörigkeit in Deutschland. Die Jury war einhellig der Meinung, dass die vorgelegte Arbeit alle formalen Kriterien eines guten Cartoons erfüllt. Witztechnisch führt Mario Lars hier verschiedene Themen zusammen, die überhaupt nicht zusammengehören; also: Vollverschleierung, Schilder, FKK haben nichts miteinander zu tun. Wenn man dies zusammenführt, entsteht Comic, ein bewährtes Comic-Prinzip. Mario Lars veröffentlicht im Eulenspiegel, in mehreren Tageszeitungen, beispielsweise in der Sächsischen Zeitung,  Schweriner Volkszeitung“, so Martin Sonntag.

Lars Barth merkte in seiner kurzen Dankesrede an: Zum einen hat Facebook diesen Cartoon gesperrt,  nicht aus religiösen Motiven, sondern wegen „zu vielen Titten“. „Zweitens: wir hatten ja in Ostdeutschland nichts anzuziehen und haben aus unserer Not eine Tugend gemacht und den FKK erfunden, vielen Dank!“

 

Der Deutsche Cartoonpreis, 2. Preis, wird verliehen an Beck für seine Zeichnung: „Zeit aufzustehen  und auf dein Telefon zu starre“.

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„Der Cartoon ist selbsterklärend. Diese Mutter ruht in sich. Sie kennt sich nicht aus in der Welt der Smartphones, glaubt ja sogar noch, dass ein Smartphone ein Telefon ist. Die weiß also nicht wirklich, worum es geht, was das soll, wozu das gut ist. Sie weiß aber eines, nämlich, dass ihr Kind, das den ganzen Tag macht: Aufs Telefon starren, und sie weiß, dass es langsam wieder Zeit wird. Das ist eine herrliche Studie über die Entwicklung in unserer Gesellschaft über die digitale Welt und darüber, dass die Unterschiede zwischen den Generationen vielleicht groß sein mögen, dass jedoch die Liebe einer Mutter unermesslich ist. Bei diesem Cartoon gefiel der Jury nicht nur die hervorragende Aufnahme der Themen Generationenkonflikt und Fragwürdigkeit im Umgang mit Digital Devices. Es gefiel auch die herausragende Technik des Künstlers, der mit wenigen Strichen eine Szenerie erschafft, die den Witz aufs Beste transportiert. Das liebevolle Tätscheln der Mutter der rechten Hand, über die Fingerspitzen, durch die die Bewegungslinien angedeutet sind. Dies glückselige und zufriedene Lächeln. Das in ihrer Wohnung. Da ist die Welt noch in Ordnung. Ausgeführt durch wenige Striche, ein sicherer Beweis für die große Könnerschaft, des Zeichners, nämlich des Zeichners Beck. Der Cartoonist aus Leipzig zeichnet für eine Vielzahl für Online- und Print-Medien in Deutschland, in der Schweiz …  Er zählt zu den Großmeistern der komischen Kunst (…)“, so Martin Sonntag

 

Beck: Danke der Jury für den überraschenden Preis „Auch das noch wollte ich fast sagen, „ ich habe mir natürlich schon was überlegt, was ich mit dem Preisgeld mache. Ich werde spenden an zwei Institutionen „Bürger für Leipzig“ und  an das „Wasserhahnprojekt“

 

Deutscher Cartoonpreis, 1. Preis, geht an  Leonhard Riegel für seine Zeichnung:

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Eine Zeichnung von Leonhard Riegel: Bonjour tristesse, das zwischen Nonchalance, Verbitterung, aber auch Hoffnung jongliert. Man wird den Eindruck nicht los, dass diese Zeichnung irgendwas mit den Stichworten „Pegida“ und „Lügenpresse“ zu tun haben könnte. Eine Ausdeutung des Bildes ist an dieser Stelle nicht möglich, es fehlt schlicht und ergreifend die Zeit, denn in dieser Zeichnung steckt Material für eine ganze Doktorarbeit. Als Stichworte wurden schon genannt; Pegida, Lügenpresse, aber auch Tal der Ahnungslosen, Verödung, Flüchtlinge und Angst, Sozialneid und soziale Kontrolle, neue Technik und alte Technik, und so weiter und sofort. Also es steckt sehr viel drin. Aber bei aller dargestellten Trostlosigkeit vermittelt die Zeichnung Hoffnung; denn sitzt nicht immer, genau wie bei dieser Zeichnung von Leonhard Riegel, irgendwo ein kleiner süßer Vogel auf dem Dach und pfeift drauf. Auch wenn dem nicht so wäre: Die Jury war sich überwältigend schnell einig, das mit dem vorgelegten Cartoon von Leonhard Riegel nicht nur eine Zeichnung prämiert wird, die technisch einwandfrei ist, sondern auch eine Arbeit den ersten Preis belegt, die in ihrer Vielschichtigkeit auf mehreren Ebenen Bezug findet, die oben schon genannt worden sind. Es ist schlicht der beste Cartoon des Jahres 2016.  Leonard Riegel, Redakteur beim endgültigen Satiremagazin Titanic, lebt abwechselnd in Frankfurt und Kassel, zum Glück ist er heute in Frankfurt.“, gratulierte Martin Sonntag dem Preisträger.

Leonhard Riegel: „Vielen Dank ich freue mich sehr. Ich weiß gar nicht, ob man das auf der kleinen Projektion erkennt, wo der Witz eigentlich ist: Die telefonieren über Dosentelefone, nur nochmal  zu Sicherheit. „

Veranstaltungstipps

Tipp 1: „BESTE BILDER“, Ausstellung vom 12.11.2016 bis 19.02.2017  in der Caricatura Kassel.

Tipp 2: SternBilder, Ausstellung vom 10.11.2016 bis 12.03.2017 Caricatura Frankfurt

 

200 Lang- und Kurzfilme mit 47 Premieren beim 29. exground Filmfest vom 11. bis 20.11.2016 in Wiesbaden

cover-exgroundRund 200 Lang- und Kurzfilme aus 32 Ländern wurden in die 29. Ausgabe von exground filmfest (11. – 20.11.16) ausgewählt. Mit acht Welt-, fünf internationalen, einer Europa- und 33 Deutschland-Premieren bringt das exground filmfest in diesem Jahr erneut eine große Auswahl an Filmen abseits des Mainstreams auf die große Leinwand. In insgesamt sechs Wettbewerben werden Geld- und Sachpreise im Wert von rund 20.000 Euro vergeben.

Neben dem Filmprogramm präsentieren die Spielstätten Caligari FilmBühne, das Murnau Filmtheater und der Kulturpalast vom 11. bis 20. November außerdem ein abwechslungsreiches Programm aus zahlreichen Sonderveranstaltungen (Programm-Timetable).

Zur heutigen Pressekonferenz begrüßte Dagny Kleber (r.stehend) von links nach rechts: Rose-Lore Scholz (Kulturdezernentin), Gerald Pucher (GP Organisationsteam), Andrea Wink, Festivalleiterin und Ex-OB Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Rhein-Main. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Zur heutigen Pressekonferenz begrüßte Dagny Kleber (r.stehend) von links nach rechts: Rose-Lore Scholz (Kulturdezernentin), Gerald Pucher (GP Organisationsteam), Andrea Wink, Festivalleiterin und Ex-OB Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Rhein-Main. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Jarmusch, Jodorowsky, Berben – Starpower im Filmprogramm
Noch vor dem offiziellen Kinostart zeigt exground filmfest in der Reihe American Independents die beiden neuesten Werke der Ikone des US-Independent-Kinos, Jim Jarmusch: Mit PATERSON, dem bewegenden Außenseiterporträt über einen Busfahrer und heimlichen Poeten, gelingt ihm buchstäblich ein Gedicht von einem Film . Wesentlich lauter lässt es der Kultregisseur in seinem Dokumentarfilm GIMME DANGER zugehen, über Iggy Pop und seine Band „The Stooges“.

Endless Poetry. © exground filmfest 29
Endless Poetry. © exground filmfest 29

Aus Chile stammen zwei weitere Ausnahmeregisseure, deren neuen Werke in der Sektion International zu sehen sein werden: Pablo Larraín (¡NO!, EL CLUB) erzählt in NERUDA die Geschichte des Nobelpreisträgers Pablo Neruda. In ENDLESS POETRY erinnert sich Regisseur Alejandro Jodorowsky (LA DANZA DE LA REALIDAD) in einer poetischen und zugleich verrückten Reise an die Avantgarde in den 1940er- und 1950er-Jahren.

Zeigen Was man liebt. © exground filmfest 29
Zeigen Was man liebt. © exground filmfest 29

Ebenfalls auf einen wilden Trip in die Vergangenheit nimmt uns Iris Berben in ZEIGEN WAS MAN LIEBT mit. Der Dokumentarfilm von Torsten Stegmann, Frank Göhre und Borwin Richter taucht ein in die Geschichte der Filmemacher der „Münchener Gruppe“ um Klaus Lemke, Rudolf Thome und Dominik Graf. Der Film geht gemeinsam mit den übrigen fünf Produktionen der Reihe Made in Germany ins Rennen um den besten Film im neuen Wettbewerb DAS BRETT. Eine Jury aus Gefangenen der JVA Wiesbaden vergibt den mit mindestens 1.000 EUR dotierten Preis, gestiftet von „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden.“

exground filmfest verbindet – Internationale Gäste in Wiesbaden
Zahlreiche Gäste erwartet das Team von exground filmfest in diesem Jahr in Wiesbaden: In der Reihe International wird die Schauspielerin Edwarda Gurrola das mexikanische Beziehungsdrama THE PLEASURE IS MINE vorstellen. Sie spielt die Akademikerin Rita, die mit Mateo, einem Automechaniker, als Aussteiger in der Einöde lebt. Einfühlsam zeigt die Regisseurin Elisa Miller Anfang und Ende einer großen Liebe.

HORTENSIA . © exground filmfest 29
HORTENSIA . © exground filmfest 29

Aus Argentinien kommt Álvaro Urtizberea, einer der beiden Regisseure der Komödie HORTENSIA. Die gleichnamige Titelheldin entsinnt sich nach einigen Schicksalsschlägen einer Anleitung zum Glücklichsein aus ihrer Jugend: „Finde einen blonden jungen Mann“ und „Entwirf die schönsten Schuhe der Welt“.

amok. © exground filmfest 29
amok. © exground filmfest 29

Ebenfalls in der Sektion International begrüßt das Festival zwei Gäste zum mazedonischen Thriller AMOK: Regisseur Vardan Tozija bringt seinen Hauptdarsteller Martin Giorgosk mit, der im Film den skrupellosen Anführer einer Gang verkörpert. Regisseur Tozija zeichnet ein düsteres Bild von einem Land zwischen Korruption und Kriminalität.

Eine interessante Podiumsdiskussion garantieren die Gäste des hessischen Dokumentarfilms EUROPA – EIN KONTINENT ALS BEUTE über die Ursachen der europäischen Finanzkrise. Neben den beiden Regisseuren Christoph Schuch und Reiner Krausz werden auch Protagonisten an dem Panel nach dem Film teilnehmen, zum Beispiel Fabio De Masi, Mitglied des Europäischen Parlaments, und der Finanzexperte „Mister Dax“ Dirk Müller.

Starless Dreams. © exground filmfest 29
Starless Dreams. © exground filmfest 29

In der 13. Auflage der exground youth days erwartet die Zuschauer spannende Geschichten aus anderen Länder und Kulturen sowie zahlreiche Gäste: darunter zum Beispiel der iranische Regisseur Mehrdad Oskouei, der seinen vielbeachteten Dokumentarfilm STARLESS DREAMS vorstellen wird. Oskouei gelingen darin seltene Einblicke in die sonst verschlossene Welt eines iranischen „Korrektur- und Rehabilitationszentrums“ für junge Frauen.

Mellow Mud. © exground filmfest 29
Mellow Mud. © exground filmfest 29

Aus Lettland wird der Regisseur Renārs Vimba erwartet, der für seinen Spielfilm MELLOW MUD den Gläsernen Bären für den besten Jugendfilm auf der diesjährigen Berlinale gewann. Die 17-jährige Raya muss die Wirren um ihre erste Liebe mit der Verantwortung für ihren kleinen Bruder unter einen Hut bringen.

exground filmfest 29 wird von folgenden Institutionen und Unternehmen unterstützt:
(v.l.n.r.) Rose-Lore Scholz Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, Gerald Pucher vom Organisationsteam exground28, Andrea Wink, Festivalleiterin, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain zeigen auf das iranische Nummernschild der Exground-Plakatierung auf einem Linienbus von Eswe, einem der Hauptsponsoren des diesjährigen Filmfestivals. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
(v.l.n.r.) Rose-Lore Scholz Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, Gerald Pucher vom Organisationsteam exground28, Andrea Wink, Festivalleiterin, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain zeigen auf das iranische Nummernschild der Exground-Plakatierung auf einem Linienbus von Eswe, einem der Hauptsponsoren des diesjährigen Filmfestivals. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Förderer
■ Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden
■ HessenFilm und Medien
■ Kulturfonds Frankfurt RheinMain
■ Medienzentrum Wiesbaden
■ Hessische Landeszentrale für politische Bildung

Sponsoren
■ ESWE Verkehrsgesellschaft
■ Magenta TV – Fernsehproduktionsgesellschaft
■ Pille Filmgeräteverleih
■ klangBezirk
■ Renault Enders – ENDERS Automobile + Service
■ SV SparkassenVersicherung Wiesbaden
■ ergo sum
■ Weingut Udo Ott
■ fritz-kulturgüter
■ Radeberger Gruppe
■ UNITED PLANETS
■ Die Hofköche
■ Blumenladen Zaubernuss Wiesbaden
■ Palast Promotion

Kooperationspartner
■ Caligari FilmBühne
■ F.W. Murnau Stiftung
■ Kulturpalast Wiesbaden
■ Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
■ „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden“
■ Wiesbaden Marketing
■ Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
■ Amt für Soziale Arbeit, Abteilung Jugendarbeit: wi&you
■ longplay promotions
■ Mr. Schilling

Medienpartner
■ Wiesbadener Kurier/Verlagsgruppe Rhein Main
■ sensor/Verlagsgruppe Rhein Main
■ Journal Frankfurt

 

Festakt im Wiesbadener Schloss Biebrich zum 50jährigen Bestehen 50 Jahre der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) –

50 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG)

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Die DIG hat großen Anteil an der Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland, die eine Verpflichtung für die kommenden Generationen ist“

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) im Namen des Landes Hessen bei einem gemeinsamen Festakt im Wiesbadener Schloss Biebrich zum 50jährigen Bestehen gratuliert. Dabei wurde das Land als Gründungsmitglied der seit 1966 bestehenden und mehr als 5000 Mitglieder zählenden überparteilichen Institution geehrt. „In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft auf vielfache Weise die Solidarität zum Staat Israel und seiner Bevölkerung gestärkt. Was nach den Verbrechen des Holocausts gemeinsam in Israel und Deutschland in Freundschaft erreicht wurde, ist ein großer Erfolg und ein Gewinn für unsere beiden Länder. Es ist zugleich eine Verpflichtung für die kommenden Generationen“, sagte der Ministerpräsident bei seiner Festrede.

Die DIG setzt sich mit ihren über 50 Arbeitsgemeinschaften dafür ein, die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu vertiefen und die internationale Verbundenheit, Toleranz und Verständigung der Völker im Nahen Osten zu fördern. „Dass Israel und Deutschland heute ein gutes Verhältnis zueinander haben, ist all jenen zu verdanken, die der Versöhnung eine Chance gegeben haben. Diese besondere Fügung müssen wir nutzen, und uns alle gemeinsam auch künftig entschieden gegen all diejenigen Kräfte innerhalb und außerhalb Deutschlands wenden, die Israels Lebensrecht als jüdischer Staat bestreiten – ohne Aussöhnung zwischen den Völkern gibt es keinen dauerhaften Frieden“, so Volker Bouffier.

Während des Festaktes hat der Präsident der DIG, Hellmut Königshaus, den israelischen Künstler Amnon Weinstein mit der Ernst-Cramer-Medaille für sein Wirken bei der Aussöhnung und gegen das Vergessen geehrt. Er restauriert Geigen jüdischer Opfer des Holocausts, damit auf ihnen wieder musiziert werden kann. Aus gesundheitlichen Gründen nahm der Sohn des Geehrten, Avshalom Weinstein, die Auszeichnung entgegen. „Wenn deutsche Musiker auf den Geigen von Amnon Weinstein spielen, dann vermischt sich Gegenwart und Vergangenheit und gleichzeitig verbindet sich auch das Leben von Deutschen und Israelis auf besondere Weise. Es ist ein wunderbares Symbol dafür, wie Verantwortung für die Geschichte an die kommenden Generationen weitergegeben wird. Jeder Ton, der aus diesen Geigen erklingt, ist zugleich ein Aufruf zur Toleranz und Völkerverständigung“, sagte Ministerpräsident Bouffier.

„Gutenberg-Bibel-Blätter“ jetzt auch über Gutenberg-Museums-Webshop erhältlich

Reproduktionen einzelner Seiten der Gutenberg-Bibel werden von den Druckern des Gutenberg-Museums auf historischen Maschinen hergestellt - im traditionellen Buchdruckverfahren, in Originalgröße, auf Büttenpapier mit dem Wasserzeichen des Museums.
Reproduktionen einzelner Seiten der Gutenberg-Bibel werden von den Druckern des Gutenberg-Museums auf historischen Maschinen hergestellt – im traditionellen Buchdruckverfahren, in Originalgröße, auf Büttenpapier mit dem Wasserzeichen des Museums. Diese können jetzt auch im Gutenberg-Webshop per Internet bestellt werden.

 

 

Der neue Gutenberg-webshop ist im Netz und wurde jetzt dem Förderverein Gutenberg e.V. von der Kreativagentur media machine offiziell als Geschenk übergeben.

Entstanden ist die Idee zu dem ungewöhnlichen Geschenk vor knapp vier Jahren, beim Benefizkonzert von Lars Reichow, Sven Hieronymus und Tobias Mann zu Gunsten des Gutenberg-Museums. In der Aufbruchstimmung des Abends – „wir sind alle Gutenberger“ lautete das Credo der Veranstaltung – beschlossen Susanne Hartmann, Andreas Vedder und Matthias Kurz, Geschäftsführer von media machine, dem Förderverein Gutenberg e.V. einen neuen Webshop zu gestalten und zu programmieren.

gutenberg-webshop-2Seit vielen Jahren schon arbeiten media machine und der Gutenberg-Shop schon sehr erfolgreich zusammen. Viele Bestseller-Produkte entstammen der media machine-Kreativschmiede. Außerdem hatten sie schon den ersten Web-Auftritt des Shops im Jahre 1998 gestaltet. Damals einer der ersten Museums-Webshops weltweit. Inzwischen war die Entwicklung von Shop-Systemen für das Internet weiter vorangeschritten und ein neuer, zeitgemäßer webshop war zum echten Wunschtraum für den Gutenberg-Shop geworden. Aber wie so oft fehlte es dem gemeinnützigen Förderverein am nötigen Geld. Kurzentschlossen machte Media machine das Projekt dem Förderverein Gutenberg zum Weihnachtsgeschenk und schenkte damit eine ganz persönliche und grundlegende Unterstützung.

Die tatsächliche Umsetzung der Geschenkidee brauchte mehr Zeit, als alle Beteiligten erwartet hatten: Das Einpflegen der rund 800 Produkte mit Text und Bild in den Shop war eine umfangreiche sowie kleinteilige Arbeit. Außerdem waren die Wünsche und Ansprüche der Beschenkten nicht gering – es sollte ein besonders schöner Shop werden, dem Museum und seiner weltweiten Bedeutung angemessen. Nun ist das Projekt online und gefällt sowohl den Machern von media machine als auch den Beschenkten vom Förderverein: Mit seinen typografischen Elementen passt er zum Druck-Museum, er wirkt zugleich modern und traditionsbewusst, ist klar strukturiert und somit anwenderfreundlich. Matthias Kurz nennt den Shop „charmant und aus der Vielzahl der Shops im Netz hervorstechend“.

Wichtig für den Förderverein ist besonders, dass es sich bei dem Shop-System um ein lizenzkostenfreies Produkt handelt und somit keine laufenden Kosten entstehen – denn die Umsätze des Shops sollen möglichst vollständig an das Gutenberg-Museum weitergegeben werden können. Das Shop-System Magento wird von einer Open-Source-Gemeinde laufend weiterentwickelt und kann von den Shop-Mitarbeitern selbst bedient werden. Außerdem bietet es Möglichkeiten für zahlreiche geplante Erweiterungen wie z.B. das Einbinden von Filmen, die Drucker, Buchmaler, Vergolder, Papierschöpfer und Tintenproduzenten bei ihrer Arbeit für den Shop zeigen. Die Zweisprachigkeit des Shops – es gibt ihn auf Deutsch und Englisch – ist wichtige Voraussetzung dafür, dass der Gutenberg-Shop seine Kunden in aller Welt erreichen kann.

Media machine hat dem Förderverein mit dem neuen Webshop ein Instrument an die Hand gegeben, mit dem regelmäßig und langfristig Geld für das Gutenberg-Museum eingenommen werden kann. Das Geschenk ist umso wichtiger als dem Museum und dem Förderverein mit der Finanzierung des neuen Gutenberg-Museums in den nächsten Jahren eine große Aufgabe bevorsteht. Mit dem Webshop gehört media machine zu einem der ersten großen Unterstützer des Gutenberg-Museums der Zukunft.

prolog-z-buch-der-sprichwoerZum Dank für die zahllosen investierten Arbeitsstunden erhielt media machine am Mittwoch symbolisch einen handkolorierten und blattvergoldeten Handpressendruck überreicht: eine Seite des Johannes-Evangeliums aus der Gutenberg-Bibel mit dem berühmten „In principio erat verbum“. Dieses sowie viele andere Produkte rund um Gutenberg und seine Bibel gibt es nun auch unter www.gutenberg-shop.de zu entdecken. Das Shop-Angebot reicht vom Bleistift bis zur handgefertigten Prachtseite aus der Gutenberg-Bibel. Es finden sich die Shop-Klassiker wie „Das kleinste Buch der Welt“ sowie Neuproduktionen: ganz aktuell ist das von Designer Stefan Matlik entworfene „memo-G“, ein ebenso lehrreiches wie stilvolles Typografie-Spiel.

Susanne Hartmann (rechts) und Matthias Kurz (links) Geschäftsführer von media machine, zusammen mit der Leiterin des Gutenberg-Shops Dana Cordier und den Vorstandsmitgliedern des Förderverein Gutenberg e.V. Rudolf Bödige (2.v.l) und Michael Bonewitz.
Susanne Hartmann (rechts) und Matthias Kurz (links) Geschäftsführer von media machine, zusammen mit der Leiterin des Gutenberg-Shops Dana Cordier und den Vorstandsmitgliedern des Förderverein Gutenberg e.V. Rudolf Bödige (2.v.l) und Michael Bonewitz.

Das Weihnachtsgeschenk von 2012 kommt gerade richtig für das Weihnachtsgeschäft 2016. Sehr weihnachtlich dabei: Die Erlöse des gemeinnützigen Shops kommen dem Gutenberg-Museum zu Gute – so kann man beim Einkaufen zugleich Gutes tun. Und nicht zuletzt hat der webshop auch eine Spenden-Funktion. Ganz bequem kann der Einkauf mit einer direkten Spende an das Museum verbunden werden. In diesem Sinne wünschen wir dem Gutenberg-Shop und dem Museum gute Geschäfte!

 

Schirn Frankfurt: „GIACOMETTI und NAUMAN “ – Skulptur und Malerei ab 28.Okt. 2016

Bruce Nauman Ten Heads Circle/ In and Out, 1990 Kunstmuseum Wolfsburg,Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Bruce Nauman
Ten Heads Circle/ In and Out, 1990
Kunstmuseum Wolfsburg,Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

GIACOMETTI–NAUMAN
28. OKTOBER 2016 – 22. JANUAR 2017
Vom 28. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt in einer großen Ausstellung Werke von Alberto Giacometti und Bruce Nauman gegenüber. Es begegnen sich zwei Künstler aus zwei Generationen mit einer denkbar unterschiedlichen Herkunft: Giacometti (1901–1966) zählt mit seinem OEuvre zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der klassischen Moderne. Nauman (*1941) steht mit seinem vielgestaltigen Werk für die radikalen Umwälzungen der Gegenwartskunst seit 1960 und für einen konzeptuell entgrenzten Begriff der Skulptur.

Kunsthalle Schirn Giacometti u. Nauman. Ausstellungsansicht, im Vordergrung: Alberto  Giacometti "La jambe" 1958. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Kunsthalle Schirn Giacometti u. Nauman. Ausstellungsansicht, im Vordergrung: Alberto Giacometti „La jambe“ 1958. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

„Obgleich die Skulptur für Giacometti und Naumann eine vorrangige Rolle spielt, sind sie weder hinsichtlich der von ihnen verwendeten Medien und Materialien noch im Sinne eines gemeinsamen ‚Stils‘ miteinander vergleichbar. Verwandt sind ihre Strategien im Einsatz künstlerischer Darstellungsmittel, ihr Hand zur Hang zur Reduktion bis an die Grenze des Verschwindens, eine ständige Annäherung an die Leere und das Nichts. Aber auch ihre Fragestellung etwa in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Figur und Raum, oder dem Körper und seinen Teilen“, so Esther Schlicht, Kuratorin der Ausstellung.
Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn findet „auf den ersten Blick diese Gegenüberstellung durchaus gewagt – bedenkt man die unterschiedlichen Kontexte, aus denen Alberto Giacometti und Bruce Nauman kommen.“ Aber: „Ausgehend von den Werken selbst“, so Demandt,  „entfaltet diese Begegnung aber einen unerwarteten und spannungsvollen Dialog: Giacometti gewinnt seine ursprüngliche Radikalität zurück und Nauman kann als herausragender Bildhauer neu entdeckt werden. Die Ausstellung in der Schirn ist vor allem auch ein Gewinn für die Besucherinnen und Besucher, denn sie eröffnet eine gänzlich frische Perspektive auf das eigentlich schon gründlich erforschte und mannigfach ausgestellte Schaffen zweier herausragender Vertreter der modernen und zeitgenössischen Kunst.“

Ausstellung zeigt zahlreiche Hauptwerke der Künstler

Kunsthalle Schirn Ausstellung:  GiacomettiNauman. Giacometti Homme qui marche 1960 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Kunsthalle Schirn Ausstellung: GiacomettiNauman.
Giacometti Homme qui marche 1960 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Beide Künstler werden mit insgesamt etwa 70 Arbeiten, darunter zahlreiche Hauptwerke, erstmals in einer Ausstellung zusammengeführt. Skulpturen und Gemälde des Schweizer Bildhauers treten mit Skulpturen, Videos, Zeichnungen, Fotografien und raumgreifenden Installationen des US-amerikanischen Multimediakünstlers in einen spannungsvollen Dialog. Dabei ist Giacometti mit Plastiken aus nahezu allen wichtigen Werkphasen vertreten, Nauman vorrangig mit seinem Frühwerk der 1960er- und beginnenden 1970er-Jahre, das zeitlich unmittelbar an Giacomettis anschließt.

 

Auf der Suche nach dem Wesen und den Bedingungen des Menschseins 

Obwohl sich die Künstler weder begegneten noch aufeinander Bezug genommen haben, sind die Berührungspunkte zwischen ihnen mannigfaltig. Sowohl Giacometti als auch Nauman haben den Begriff und die Tradition der Plastik aus ihrer Zeit heraus revolutioniert, der eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er-Jahre, der andere seit den 1960er-Jahren bis heute. Beide gelten als Einzelgänger, die stets aus einer selbstgewählten Isolation und Einsamkeit heraus gearbeitet haben, die ihr kompromissloses Schaffen durch und durch prägt. Beide vertreten überaus radikale künstlerische Positionen und schaffen Werke von erschütternder Direktheit, die den Betrachter nachhaltig fordern. Giacometti wie Nauman dringen mit ihren Arbeiten in Grenzbereiche der Kunst und der Wahrnehmung vor. Ihre Suche nach der künstlerischen Wahrheit ist eine Suche, deren Ergebnis sich oft eher im Schaffensprozess als in vollendeten Werken manifestiert. Beide erheben das Scheitern, das Abwegige, Fragmentarische und Unheroische zu wesentlichen Elementen ihrer Kunst. Im Zentrum des Schaffens beider Künstler steht der Mensch. Giacometti hat sich in seinen Skulpturen und Gemälden fast ausschließlich und unablässig mit der Darstellung des Menschen beschäftigt und insbesondere nach 1945 mit seinem unverkennbaren Figurenstil ein eigenes, originäres Menschenbild entworfen. Bruce Naumans Arbeit kreiste in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren vor allem um den (eigenen) Körper, den er zum Ausgangspunkt für grundlegende Fragen nach dem Wesen des Menschen und den Bedingungen des Menschseins machte.

Erweiterung der Perspektive  auf zwei Jahrhundert-Künstler

Ausstellungansicht "Giacometti & Nauman" in der Kunsthalle Schirn. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Ausstellungansicht „Giacometti & Nauman“ in der Kunsthalle Schirn.
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Ausstellung erweitert den Blick auf das Werk zweier herausragender Vertreter der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Giacometti wird als Wegbereiter zentraler Entwicklungen der Kunst nach 1960 erkennbar und gewinnt Aspekte seiner ursprünglichen künstlerischen Radikalität zurück, während Naumans herausragende Bedeutung als Bildhauer deutlich und auf andere Weise historisch verständlich wird. Die Ausstellung in der Schirn präsentiert Kunstwerke aus bedeutenden Museen und Sammlungen in den USA und Europa, u. a. dem Guggenheim Museum in New York, dem San Francisco Museum of Modern Art, dem Walker Art Center in Minneapolis, dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., der Tate in London, dem Centre Pompidou in Paris, der Fondation Alberto et Annette Giacometti in Paris, der Fondation Marguerite et Aimé Maeght in Saint-Paul de Vence, dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, der Fondation Beyeler in Riehen, dem Lehmbruck Museum in Duisburg, der Neuen Nationalgalerie in Berlin und der Hamburger Kunsthalle.
Die Ausstellung GIACOMETTI-NAUMAN in der Schirn Kunsthalle Frankfurt wird durch die Art Mentor Foundation Lucerne und durch den Verein der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V. gefördert.

Ein Ausstellungs-Rundgang 

Die Leere

Kunsthalle Schirn Ausstellung:  GiacomettiNauman. Giacometti L'Objet invisible 1934/35. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Kunsthalle Schirn Ausstellung: GiacomettiNauman. Giacometti L’Objet invisible 1934/35. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Den Auftakt des thematisch gegliederten Parcours in der Schirn bildet das Motiv der Leere. Giacomettis rätselhafte Bronzefigur L’objet invisible (Mains tenant le vide) (1934/35), die zwischen den Händen die Leere hält, markiert den Bruch des Künstlers mit dem Surrealismus und verweist auf den bevorstehenden künstlerischen Neubeginn, seine Rückkehr zum Naturstudium und die Hinwendung zu einer phänomenologischen Untersuchung der Wirklichkeit. Auch Naumans Installation Lighted Center Piece (1967/68) kann als eine „Allegorie der Leere“ gelesen werden: Vier Halogenlampen auf einem Aluminiumquadrat leuchten auf eine Leerstelle im Zentrum der Arbeit. Leere und Abwesenheit sowie die Frage nach der Beziehung zwischen dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren sind Leitmotive, die Naumans OEuvre von seinen Anfängen bis heute durchziehen.

Figur und Raum

Mit dem Phänomen der Leere geht auch die Beschäftigung mit dem Verhältnis von Figur und Raum einher. Dieses Thema wird in der Ausstellung etwa anhand von Naumans Studio Films der 1960er-Jahre verdeutlicht, in denen er selbst alltägliche Bewegungen und Handlungen in seinem leeren Atelier zu performativen Akten verdichtet: Mit seinem Körper erkundet Nauman einen vermeintlich unbekannten Raum immer wieder und lotet die eigenen physischen Grenzen aus.

Schirn Pressefoto Giacometti Nauman. Nauman Wall Floor Positions 1968
Schirn Pressefoto Giacometti Nauman.
Nauman Wall Floor Positions 1968

Diese viel diskutierten Film- und Videoarbeiten erscheinen wie eine radikale Weiterführung Giacomettis plastischer Errungenschaften hinsichtlich Bewegung, räumlicher Orientierung und einer grundlegenden Befragung der Figur und ihrer Voraussetzungen, die dieser seit den 1940er-Jahren vollzog. Ein Beispiel dafür ist das neuartige Verständnis von Bewegung als ein forschendes Durchmessen des Raums wie es in den Plastiken Homme qui marche (1960) und Groupe de trois hommes I (1943/1949) sichtbar wird. Gegen Ende der 1960er-Jahre begann Nauman seine Beschäftigung mit Figur und Raum zunehmend auf den Betrachter oder vielmehr den Körper des Betrachters auszudehnen etwa bei seinen schmalen, hochaufragenden Corridors. Es sind meist bedrückend enge begehbare Raumstrukturen, in denen die gewohnte Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung des Betrachters auf bedrohliche Weise außer Kraft gesetzt wird. Den dünnen Frauen- und Männerfiguren Giacomettis scheinen diese Korridore wie auf den Leib geschrieben. Die Schirn präsentiert Naumans Corridor with Mirror and White Lights (1971), in dessen Betrachtung sich der Besucher selbst als fadendünne Giacometti Skulptur imaginieren kann – auch wenn der Zugang zum Korridor ihm verwehrt bleibt.

Theater des Absurden
In dem Themenbereich Theater des Absurden wird der Schriftsteller Samuel Beckett (1906–1989) vorgestellt, der den Missing Link zwischen Giacometti und Nauman bildet. Beckett war ein enger Freund und Wegbegleiter Giacomettis; für Nauman stellte Becketts Werk eine wichtige Inspirationsquelle dar. Die Dreierkonstellation Giacometti–Beckett–Nauman wird in der Ausstellung mit Becketts Filmen Quadrat I und Quadrat II (1981) exemplarisch beleuchtet. Auf einem wie eine Bühne beleuchteten quadratischen Feld sind vier vermummte Gestalten in einer präzisen Choreografie von sich stetig wiederholenden tänzerischen Schritten gefangen. Die Szenerie weckt Assoziationen zu Naumans Studio Films, aber auch zu seiner Arbeit Slow Angle Walk (Beckett Walk) (1968), mit der er explizit auf den irischen Autor verweist. Auch zu Giacomettis mehrfigurigen Skulpturen, die er seit Ende der 1940er-Jahre schuf, lassen sich ausgehend von Becketts Filmen Verbindungen ziehen. Das zielgerichtete Umherirren der Figuren, ihr vergeblicher Versuch, zum Zentrum zu gelangen, erhebt das Scheitern zum künstlerischen Prinzip – eine Haltung, aus der auch Nauman und Giacometti ihr künstlerisches Potenzial geschöpft haben.

Objekte der Begierde

Aus dem Raum "Objekte der Begierde"  in Richtung "Malerei und Prozess"  rechts noch zu erkennen Bruce Naumans Marching Figure, 1985 Courtesy of Sperone Westwater. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Aus dem Raum „Objekte der Begierde“ in Richtung „Malerei und Prozess“
rechts noch zu erkennen Bruce Naumans Marching Figure, 1985,
Courtesy of Sperone Westwater. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Im Bereich Objekte der Begierde präsentiert die Schirn Arbeiten aus der surrealistischen Werkphase Giacomettis der ersten Hälfte der 1930er-Jahre. Zwei dieser enigmatischen Objekte werden mit Naumans Objekt Device for a Left Armpit (1967) und der filmischen „Objektstudie“ Bouncing Balls (1969) konfrontiert – beides Werke, die dem surrealistischen Konzept des Fragments nahe stehen. Giacomettis surrealistisches Werk korrespondiert mit Nauman auch hinsichtlich der Verwendung von Sprache. Der Schweizer Bildhauer bediente sich insbesondere bei den Titeln seiner surrealistischen Arbeiten narrativer Verfahren, die später auch bei Nauman eine wichtige Rolle spielten. Letzterer hat seine ausgeprägte Vorliebe für Sprachspiele und anspielungsreiche, oft mehrdeutige Titel direkt auf diese frühe Avantgarde zurückgeführt.

Malerei und Prozess

Bruce Naumann Videoinstallation zum nicht enden wollenden, stets unabgeschlossenen Prozess künstlerischen Schaffens. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Bruce Naumann Videoinstallation zum nicht enden wollenden, stets unabgeschlossenen Prozess künstlerischen Schaffens. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Sowohl Giacomettis als auch Naumans OEuvre zeichnen sich durch das Unabgeschlossene, Prozesshafte aus. In der Ausstellung widmet sich der Bereich Malerei und Prozess diesem Thema. Giacomettis Arbeiten aus der Nachkriegszeit erscheinen wie plastische Momentaufnahmen eines fortlaufenden Prozesses, in denen die Spuren des schöpferischen Vorgangs sichtbar sind. Aber insbesondere in seinen Gemälden – Figuren im Atelier und Porträtdarstellungen – wird immer auch der Werdegang ihres Entstehens und der unerschöpfliche Prozess des malerischen Arbeitens und Überarbeitens deutlich, wie etwa das Bild Tête de Diego (1961) zeigt. Nauman bekannte sich mehrfach zum Unvollendeten in seiner Kunst. Seine Arbeiten der 1960er-Jahre zeigen häufig ihren eigenen Entstehungsprozess auf. In dem Video Flesh to White to Black to Flesh (1968) etwa trägt er nacheinander wechselnde Farbschichten auf Gesicht und Oberkörper auf und stellt sich als Maler, als Modell und als ein sich stetig überarbeitendes Bild dar.

Maß der Dinge
In ihren skulpturalen Arbeiten hinterfragen Giacometti und Nauman Gegensätze wie Fülle und Leere, Nähe und Ferne, Innen und Außen, kehren sie um und formulieren sie neu. Als Maß der Dinge gilt beiden Künstlern der Mensch. Giacomettis Miniaturplastiken der späten 1930er- und 1940er-Jahre verdeutlichen, wie kompromisslos er etablierte Konzepte der traditionellen Skulptur hinter sich lässt, sei es die Analogie zwischen Größe und Bedeutung, die Annahme eines vorgefundenen, vermeintlich „realen“ Raums oder die Dimension der Lebensgröße als verbindlicher Referenz. Auch Naumans Frühwerk zeigt eine Beschäftigung mit Fragen der Größe und Skalierung in Bezug auf die menschliche Figur. Auch er stellt, wenn auch auf ganz andere Weise die Konventionen figurativer Plastik in Frage, wie seine allererste Neonarbeit, die Selbstdarstellung Neon Templates of the Left Half of My Body Taken at Ten-Inch Intervals (1966) eindrücklich belegt. Kategorien wie Körper und Skulptur, Präsenz und Absenz, Fülle und Leere, Innen und Außen werden darin aufgehoben. Obgleich er sich auf die klassische Proportionslehre bezieht, fehlt seiner Selbstdarstellung jegliches Volumen, jede Festigkeit und Dinghaftigkeit. Naumans Interesse an der Vermessung des Körpers wie auch am Körper als Instrument der Vermessung des Raums macht deutlich, wie sehr das menschliche Maß Ausgangspunkt seiner Arbeit ist.

Körper und Fragment

Alberto Giacometti Le Nez, 1947, Solomon R. Guggenheim Museum, New York.  u. La Main, 1947 Esther Grether Familiensammlung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Alberto Giacometti
Le Nez, 1947, Solomon R. Guggenheim Museum, New York. u. La Main, 1947
Esther Grether Familiensammlung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Den letzten Bereich der Ausstellung bildet das Thema Körper und Fragment, in dem Werke von Nauman den berühmten Körperfragmenten und späten Büsten Giacomettis gegenübergestellt werden. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem fragmentierten Körper ist für beide gleichsam eine Beschäftigung mit der Frage nach Leben und Tod. Die ab 1947 entstandenen Körperfragmente Giacomettis, ein im Tod erstarrter Kopf auf einem Stab, eine Nase, eine Hand und ein Bein knüpfen sichtbar an seine frühen surrealistischen Arbeiten an, in denen das Prinzip des Fragmentarischen genauso angelegt ist wie Aspekte von Aggression und Gewalt.

Bruce Nauman Ten Heads Circle/ In and Out, 1990 Kunstmuseum Wolfsburg, Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Bruce Nauman
Ten Heads Circle/ In and Out, 1990
Kunstmuseum Wolfsburg, Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

In Naumans Werk ist das Fragment als Motiv und als formales Stilmittel in Filmen, Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen allgegenwärtig. Auch er stellt den menschlichen Körper als Schauplatz von Gewalt und Schmerz dar, etwa mit seiner Videoarbeit Thighing (Blue) (1967), in der er den eigenen Oberschenkel in Nahaufnahme unter Stöhnen mit beiden Händen malträtiert, oder auch mit dem Film Poke in the Eye / Nose / Ear 3/8/94 Edit (1994). In Anlehnung an frühere Selbstversuche bohrt Nauman mit ausgestrecktem Zeigefinger unerbittlich in Auge, Nase, Ohr und suggeriert so eine gewaltsame Auslöschung der Sinne.
In den späten 1980er-Jahren begann Nauman, Wachsabgüsse vom Lebendmodell zu fertigen, und knüpfte damit an seine künstlerische Praxis des Anfertigens von Abgüssen und Abdrücken von Körperteilen aus den 1960er-Jahren an. Der an filigranen Drähten aufgehängte Männerkopf aus farbigem, oft grellbuntem Wachs entwickelte sich zu einem zentralen Motiv in zahlreichen Skulpturen und Installationen. Als einen Höhepunkt dieser Werkgruppe präsentiert die Schirn das Ensemble Ten Heads Circle / In and Out (1990), in dem zehn „abgeschlagene“ Köpfe paarweise im leeren Raum hängen, und konfrontiert dieses mit einigen der letzten, kurz vor seinem Tod entstandenen Büsten Giacomettis.

Biographisches über die Künstler

Alberto Giacometti (*1901 Borgonovo – 1966 Chur) gilt mit seinem singulären bildhauerischen Werk als einer der herausragenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer studierte an der École des Beaux-Arts und an der École des Arts Industriels (Genf) sowie an der Académie de la Grande-Chaumière (Paris). Er lebte und arbeitete hauptsächlich in Paris. Anfang der 1930er-Jahre war er Mitglied der Künstlergruppe der Surrealisten. Freundschaftliche Verbindungen pflegte er zu den Literaten Samuel Beckett und Jean-Paul Sartre. Noch zu Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Retrospektiven gewidmet, u. a. im Arts Council, London (1955), im Guggenheim Museum, New York (1955), im Museum of Modern Art, New York (1965), sowie im selben Jahr in der Tate Gallery, London, und im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk. Giacometti wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa mit dem Prize for Sculpture des Carnegie Institute, Pittsburgh (1961), dem Großen Preis für Skulptur der Biennale von Venedig (1962), dem Guggenheim International Award for Painting (1962) und dem Französischen Grand Prix National des Arts (1965). Ebenfalls 1965, ein Jahr vor seinem Tod, erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Bern.

Bruce Nauman (*1941 Fort Wayne, USA) ist einer der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler der USA. Nach seinem Studium an der University of Wisconsin, Madison, und der University of California, Davis, lehrte er am San Francisco Art Institute (1966–1968) und der University of California, Irvine (1970). Seine erste Retrospektive fand 1972 im Los Angeles County Museum of Art sowie im Whitney Museum of American Art, New York, statt und wanderte im Anschluss durch die USA und Europa. Es folgten zahlreiche weitere Einzelausstellungen, u. a. im Baltimore Museum of Art (1982), im Museum für Gegenwartskunst Basel (1990), im Walker Arts Center, Minneapolis (Wanderausstellung 1993–1995), im Kunstmuseum Wolfsburg (1997), in der Tate Modern, London (2004) und im Berkeley Art Museum (2007). Nauman erhielt die Ehrendoktorwürde des San Francisco Art Institute (1989) sowie des California Institute of the Arts (2000). Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa dem Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main (1990), dem Wolf Foundation Prize in Arts, Israel (1993), dem Wexner Prize der Ohio State University (1994). Er wurde 1997 zum Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, gewählt und erhielt zweimal den Golden Löwen der Biennale Venedig, 1999 für sein Lebenswerk und 2009 für den besten Länderbeitrag. 2004 wurde ihm der Praemium Imperiale Prize for Visual Arts, Japan, und der Beaux-Arts-Magazine Art Award als Best International Artist verliehen sowie 2014 der Friedrich Kiesler-Preis.

Begleit-Lektüre

DIGITORIAL Mit dem Digitorial bietet die Schirn ein kostenfreies digitales Vermittlungsangebot, das kunst- und kulturhistorische Hintergründe sowie wesentliche Themen der Ausstellung präsentiert. Das Digitorial ist responsiv und in deutscher und englischer Sprache erhältlich. Es ermöglicht dem Publikum, sich bereits vor dem Besuch der Ausstellung mit den Künstlern und Inhalten der Ausstellung auseinanderzusetzen – ob zu Hause, im Café oder auf dem Weg zur Schirn. Es vernetzt multimediale Inhalte in Form von Bild, Animationen, Ton und Text, stellt sie innovativ dar und erzählt sie ansprechend. Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht. Es ist online abrufbar unter www.schirn.de/digitorial

catalog-giacometti-naumanKATALOG Giacometti-Nauman. Herausgegeben von Esther Schlicht. Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Esther Schlicht, Gaby Hartel, Thierry Dufrêne und Robert Storr. Dt./engl. Ausgabe, 184 Seiten, ca. 150 Abbildungen, 30 x 23 cm (Hochformat), Softcover, Snoeck, Köln, 2016, ISBN 978-3-86442-180-8, Preis: 35 € (Schirn), 39,90 € (Buchhandel).

BEGLEITHEFT GIACOMETTI–NAUMAN. Eine Einführung in die Ausstellung. Herausgeber Schirn Kunsthalle Frankfurt, Texte von Laura Heeg und Olga Shmakova, deutsche Ausgabe, ca. 36 Seiten, farbige Abbildungen, Broschur geheftet; Gestaltung formfellows, Frankfurt; Rasch Druckerei und Verlag, Bramsche 2016, 7,50 €, im Klassensatz 1 € pro Heft (ab 15 Stück).

Technisches zur Ausstellung Giacometti-Naumann
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

ORT SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt DAUER 28. Oktober 2016 – 22. Januar 2017 INFORMATION www.schirn.de E-MAIL welcome@schirn.de TELEFON
+49.69.29 98 82-0 EINTRITT 12 €, ermäßigt 9 €, freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren
VORVERKAUF Tickets sind online unter www.schirn.de/tickets erhältlich FÜHRUNGEN BUCHEN individuelle Führungen oder Gruppenführungen buchbar unter Tel. +49.69.29 98 82-0, und E-Mail fuehrungen@schirn.de AUDIOGUIDE Zur Ausstellung ist ein Audioguide für 3 € erhältlich. Gesprochen von Eva Mattes, bietet er wesentliche Informationen zu den Kunstwerken KURATORIN Esther Schlicht KURATORISCHE ASSISTENZ Natalie Storelli DIGITORIAL Das Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation GEFÖRDERT DURCH Art Mentor Foundation Lucerne; Verein der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V. MEDIENPARTNER Interview Magazin KULTURPARTNER HR2 MOBILITÄTSPARTNER DEUTSCHE BAHN SPARPREIS KULTUR DER DEUTSCHEN BAHN mit dem Sparpreis Kultur zur Ausstellung und zurück, ab 39 € (2. Kl.) und ab 49 € (1. Kl.). Bis zu vier Mitfahrer sparen jeweils 10 Euro. Erhältlich unter www.bahn.de/kultur.

SOCIAL MEDIA Zur Ausstellung kommuniziert die Schirn im Social Web mit den HASHTAGS #GIACOMETTINAUMAN #Schirn ONLINE-MAGAZIN www.schirn-magazin.de FACEBOOK www.facebook.com/Schirn TWITTER www.twitter.com/Schirn YOUTUBE www.youtube.com/user/SCHIRNKUNSTHALLE INSTAGRAM @schirnkunsthalle PINTEREST www.pinterest.com/schirn SNAPCHAT schirnsnaps

 

18. Internationales Trickfilm-Wochenende Wiesbaden im Schloß Biebrich

trickfilmwochende29-30-10-1FBW – Deutsche Film- und Medienbewertung, Schloß Biebrich
Donnerstag, 27., bis Sonntag, 30. Oktober 2016
18. Internationales Trickfilm-Wochenende Wiesbaden

Gil Alkabetz ‒ Trickfilmkünstler und Lehrer (Sonntag, 18.15 Uhr)
Am Schlußtag des Internationalen Trickfilmfestivals im Biebricher Schloß wird dem vielfach preisgekrönten und von der FBW achtmal mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichneten Trickfilmkünstler Gil Alkabetz erstmals in Deutschland eine Werkschau gewidmet. Seinem Zeichenstil, seinen komplexen und mit schwarzem Humor gespickten Geschichten verdankt der aus Israel gebürtige, in Stuttgart lebende Filmemacher seinen Ruf als einer der in den letzten Jahren hervorragendsten Trickfilmer Deutschlands. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Swamp“ (Andreas Hykade: „Ein Animationsfilm, den man mindestens einmal im Jahr sehen sollte“), „Morir de Amor“(siehe Bild oben) und „Rubicon“ („Preis für den witzigsten Film“ beim Festival Annecy), dazu die Trickfilmsequenzen in dem Kinofilm „Lola rennt“, in denen er Franka Potente als gehetzte Trickfilmfigur verewigte (So. 18.15 Uhr), mit der Verleihung des Preises des Kulturamts). Die Alkabetz-Werkschau wird in einem separaten Programm ergänzt durch elf ausgewählte Diplomfilme von Absolventen der „Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf“, der ersten deutschen Filmhochschule mit Universitätsstatus, wo er als Professor für Trickfilm wirkt. (So. 16.00 Uhr.)

In der Schlußveranstaltung „Best of International Animation 2015/2016“ (4), in der auch die Bekanntgabe der Publikumspreise erfolgt, läuft am So. 20.30 Uhr zusätzlich in deutscher Erstaufführung der lettische Kurzfilm „Waiting for the New Year“ von Vladimir Leschiov. Die anderen zwei Best-of-Programme: Programm 3 am Fr. 19.45 Uhr und Sa. 17.30 Uhr; Programm 1 am Sa. 19.45 Uhr. In Spätvorstellungen laufen: „Extraordinary Tales“ (Fr. 22.00 Uhr) und „Belladonna of Sadness“ (Sa. 22.00 Uhr). „Tricks für Kids“ mit der Premiere der Bilderbuchverfilmung „Stockmann“ am Sa. 16.00 Uhr, und So. 11.15 Uhr.

Eintrittspreise
Einzelkarte: 7 €; Festivalkarte (für 10 Programme): 50 €;
Programm Tricks für Kids: für Erwachsene 7 €, Kinder 6 €

Kartenvorverkauf
TicketBox (Galeria Kaufhof), Kirchgasse, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 / 30 48 08; TicketBox Mainz, Kleine Langgasse 4, 55116 Mainz, Tel. 06131 / 211 500;

Gaststätte “Ludwig”, Wagemannstr. 33, 65183 Wiesbaden, Tel. 0611 / 3 60 36 71 (werktags ab 12 Uhr)

Kartenvorbestellungen
www.filme-im-schloss.de; als Antwort auf diesem Newsletter;
Telefon: 0611 / 84 07 66;

Telefon während des Festivals: Donnerstag und Freitag bis 16.00,
Tel. 0611 / 84 07 66, ab 16.30 Tel. 0611 / 96 60 04-20; Samstag und Sonntag bis 15.00, Tel. 0611 / 84 07 66, ab 15.30 Tel. 0611 / 96 60 04-20

Veranstaltungen im Gutenberg-Museum vom 31.10. bis 06.11.2016

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Veranstaltungen, die vom 31.10. bis 6.11.2016 im Gutenberg-Museum stattfinden. 

Bitte beachten Sie, dass das Museum und der Druckladen am 01.11.2016 (Allerheiligen) geschlossen bleiben. 
Montag, 31.10.2016, 9.00-17.00 Uhr 

Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen. Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de) 

Dienstag, 01.11.2016
Museum und Druckladen geschlossen (Allerheiligen). 

Mittwoch, 02.11.2016, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Mittwoch, 02.11.2016, 18.30 Uhr 
Eröffnung der Sonderausstellung „FUTURA. DIE SCHRFT.“ Die erste große Museumsausstellung, die sich der „FUTURA“ widmet, zeigt anhand desinghistorischer Originale den Siegeszug der Schrift von den 1920er Jahren einmal rund um den Globus. 
Marianne Grosse, Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Mainz, spricht ein Grußwort, als Festredner sind Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Prof. Dr. Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz und Wolfgang Bauer, Präsident Bauer Types, Barcelona eingeladen. Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums, führt in die Ausstellung ein.  Nach der Eröffnung freuen wir uns auf anregende Gespräche bei Musik, Wein und Gebäck. 

Donnerstag, 03.11.2016, 9.00-17.00 Uhr 
Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums 
für Kleingruppen. Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Donnerstag, 03.11.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Freitag, 04.11.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 


Freitag,
 04.11.2016, 13.30-17.00 Uhr 
Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen 
Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)
 

Samstag, 05.11.2016, 08.00-14.30 Uhr   
Antiquarischer Buch- und Grafikmarkt im Innenhof des Gutenberg-Museums. 

Samstag, 05.11.2016, 10.00-15.00 Uhr 
Workshop „Plakat-/Geschenkpapierdruck“. 
Wir experimentieren mit FUTURA-Plakatschriften, Farben sowie Formen und stellen ein Plakat oder Geschenkpapier her. Werkstattbeitrag 5/4/3 Euro. Anm. erwünscht, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de 

Samstag, 05.11.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Samstag, 05.11.2016, 10.30-12 Uhr         
Familienvormittag: Workshop zum Thema „Bunte Papiere“ und Führung durch das Museum mit Dr. Inge Domes. Kosten: Museumseintritt. 

Samstag, 05.11.2016 , 10.00-15.00 Uhr   
Offene Werkstatt im Druckladen des Gutenberg-Museums 
für Einzelpersonen und Kleingruppen mit max. 5 Teilnehmern. Drucken von eigenen oder vorhandenen Motiven, Setzen mit Holzlettern. Sondermaterialien auf Anfrage. Kosten: Werkstattbeitrag 

Samstag, 05.11.2016, 14.00 Uhr   
Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung mit den Gästeführern der Stadt Mainz. Führung 5 Euro/erm. 4 Euro/Kinder 2,50 Euro (zzgl. Eintritt) 

Sonntag, 06.11.2016, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse (15 Uhr im Rahmen der Kinderführung) 

Sonntag, 06.11.2016, 13.00 Uhr   

Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung mit  den Gästeführern der Stadt Mainz. Führung 5 Euro/erm. 4 Euro/Kinder 2,50 Euro (zzgl. Eintritt) 

Sonntag, 06.11.2016, 15.00-17.00 Uhr 
Familiennachmittag
 
Von tanzenden Buchstaben und bunten Blättern – Spannende Kinderführungvon A bis Z mit Druckerschwärze und zauberhaften Büchern im Reich der schwarzen Kunst.  Für Kinder ab 4 Jahre und ihre Eltern. Treffpunkt 15 Uhr an der Museumskasse | Mobile Druckwerkstatt: Drucken im Foyer des Gutenberg-Museums. Teilnahmebeitrag 4 Euro pro Kind (Führung und Drucken), erm. Eintritt 3,50 Euro für Eltern und begleitende Angehörige 

Von Montag bis Freitag zwischen 9.00-17.00 Uhr 
Einzelbetreuung und Druckaufträge im Druckladen des Gutenberg-Museums 
Erstellen privater Drucksachen unter fachkundiger Hilfe. Entgegennahme von Aufträgen nach persönlicher Absprache (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de) 

Boehringer-Ingelheim-Preis 2016 geht an zwei Mainzer Unimediziner für die Erforschung besserer Prothesenverankerung und zum Verständnis des Immunsystems.

Der Kaufmännische Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Dr. Elke Frank; der Ehrenvorsitzende des Vorstandes der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, Otto Boehringer; die Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Babette Simon; der Medizinische Direktor Deutschland der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Dr. Thor Voigt; die beiden Preisträger Dr. Andreas Baranowski und Dr. Georg Gasteiger; der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann; die Geschäftsführerin der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, Dr. Claudia Walther und der stv. Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, bei der Verleihung des Boehringer-Ingelheim-Preis 2016 (von links nach rechts) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Der Kaufmännische Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Dr. Elke Frank; der Ehrenvorsitzende des Vorstandes der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, Otto Boehringer; die Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Babette Simon; der Medizinische Direktor Deutschland der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Dr. Thor Voigt; die beiden Preisträger Dr. Andreas Baranowski und Dr. Georg Gasteiger; der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann; die Geschäftsführerin der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, Dr. Claudia Walther und der stv. Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, bei der Verleihung des Boehringer-Ingelheim-Preis 2016 (von links nach rechts) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

(Mainz, 26. Oktober 2016, ok, ka) Nicht nur Sportler und Autoren erhalten Medaillen und Preise, auch Mediziner und Wissenschaftler werden für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet.  So geschehen  gestern Abend: Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung würdigte die  Boehringer-Ingelheim-Stiftung den Unfallchirurgen und Orthopäden Dr. Andreas Baranowski und den Immunologen Dr. Georg Gasteiger für ihre Forschungen zur Verbesserung von Prothesenverankerungen sowie für ein besseres Verständnis angeborener lokaler Immunabwehrzellen mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis 2016. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis ist der prestigeträchtigste der Universitätsmedzin Mainz und geht zu gleichen Teilen an die beiden erfolgreichen Nachwuchswissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz.

Andreas Baranowski fand heraus, dass bei Prothesen aus Titan, die mit dem knocheneigenen Eiweiß „Bone Sialoprotein“ beschichtet sind, knochenspezifische Gene aktiviert werden. Daraus können eine bessere Verankerung der Prothesen im Knochen und damit ein langfristig stabilerer Sitz resultieren (siehe Einzelheiten zur Arbeit unten!).

Georg Gasteiger konnte nachweisen, dass bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystems, die sogenannten ILCs, an ihre jeweiligen Gewebe angepasste, lokale Abwehrzellen sind. Diese Erkenntnis ist ein bedeutender Schritt, um die Funktionsweise der Immunabwehr zu verstehen (siehe Einzelheiten zur Arbeit unten!).

„Beide Preisträger sind in Forschungsfeldern erfolgreich, die zu Forschungsschwerpunkten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) – Immuntherapie und Biomatics – gehören. Das lässt sich auch als Beleg dafür werten, dass Nachwuchswissenschaftler an der Universitätsmedizin Mainz hervorragende Forschungsbedingungen vorfinden, die sie zu Spitzenleistungen in ihrem jeweiligen Forschungsgebiet befähigen“, betont Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, Wissenschaftlicher Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz.

Otto Boehringer, Ehrenvorsitzender des Vorstandes der Boehringer-Ingelheim-Stiftung, ergänzt: „Es ist mir immer wieder eine Freude, hervorragenden Nachwuchswissenschaftlern im Namen der Boehringer-Ingelheim-Stiftung zu diesem Preis gratulieren zu dürfen. Es macht das, wofür wir uns als Stifter einsetzen, die Förderung exzellenter Forschung in den Lebenswissenschaften, auf eine sehr persönliche Weise sichtbar.“

In seiner Laudatio würdigte Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, stv. Wissenschaftlicher Vorstand und Prodekan Forschung der Universitätsmedizin Mainz den besonderen Wert der neuen Erkenntnisse für die medizinischen Weiterentwicklungen in der Prothetik und der Immunologie.

Gemeinsam mit dem Medizinischen Direktor Deutschland bei Boehringer Ingelheim, Dr. Thor Voigt, und Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann überreichte Otto Boehringer den Boehringer-Ingelheim-Preis 2016 an die beiden Nachwuchswissenschaftler. Anschließend präsentierten die beiden Preisträger ihre Forschungsarbeiten (siehe unten). Sie bedankten sich für die erhaltenen Auszeichnungen, die sie jeweils „für ihr gesamtes Team entgegennahmen“.

Der Direktor des Instituts für Pathologie, Univ.-Prof. Dr. Wilfried Roth, sprach in seinem Festvortrag unter dem Titel „Moderne Pathologie: Von der Obduktion zur molekularen Diagnostik“ über die Herausforderungen der modernen Pathologie. Hierbei gab Roth einen interessanten historischen Abriss über die Entwicklung der Pathologie vom anatomisch-makroskopischen, über das mikroskopische bis hin zum molekularem, dem heutigen Zeitalter der Pathologie. So sei mit der Entwicklung der Molekularpathologie die Schlüsselstellung der Pathologie in der Medizin, etwa bei der molekularen Tumorbestimmung oder Entwicklung sogenannter Biomarker (personalisierter Medizin) ständig gewachsen.

Mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis zeichnet die Boehringer-Ingelheim-Stiftung Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen und klinischen Medizin aus. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert und wird seit 1969 jährlich vergeben.

Einzelheiten zur Arbeit von Dr. Andreas Baranowski (Jahrgang 1979)
Dr. Andreas Baranowski. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dr. Andreas Baranowski. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Forschungsfokus von Dr. Andreas Baranowski vom Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie liegt auf der sogenannten bioaktiven Implantatbeschichtung.

Andreas Baranowski fand mit seiner Arbeit im Molekularen Forschungszentrum operativer Fächer heraus, dass, wenn das Prothesenmaterial Titan mit dem knocheneigenen Eiweiß „Bone Sialoprotein“ (BSP) beschichtet ist, bestimmte Gene in anhaftenden Knochenzellen aktiviert werden. Dies könnte die Verbindung zwischen Titan und Knochen stärken. So könnten künftig Titan-Prothesen entwickelt werden, die fester im Knochen verankert sind und damit länger stabil sitzen. Darüber hinaus beobachtete er bei seinen Versuchen eine tendenziell erhöhte Knochenzellwanderung hin zum Titan, und die Knochenzellen produzierten vermehrt knochenstärkende Kalksalze. „Unsere Erkenntnisse legen den Schluss nahe, dass sich eine mit dem knocheneigenen Eiweiß BSP vorbeschichtete Prothese im Knochen besser verankert und langfristig stabiler sitzt“, unterstreicht Dr. Andreas Baranowski. „Wenn sich das bewahrheitet, ließe sich möglicherweise künftig der aufwändige Austausch gelockerter Prothesen deutlich reduzieren“, ergänzt der Nachwuchswissenschaftler. Gegenwärtig müssen hierzulande jährlich bei etwa 35.000 Patienten gelockerte Prothesen gewechselt werden. Ein solcher Eingriff ist nicht ohne Risiko.

Je nach Patient werden heutzutage Prothesen verwendet, die entweder mittels Knochenzement im Knochen verankert werden oder bei denen die Verankerung durch Einwachsen des Knochens in die Oberfläche der Prothese erfolgt. Für Letztere, sogenannte zementfreie Prothesen, ist Titan als Material besonders gut geeignet: Es ist gut verträglich, ausreichend elastisch, stabil und lange haltbar. Für seine aktuelle Forschungsarbeit beschichtete Andreas Baranowski zunächst Titanscheiben mit BSP. Auf dem so beschichteten Prothesenmaterial siedelte er sodann menschliche Knochenzellen an. Unter dem Mikroskop konnte er deutlich erkennen, dass sich die Zellen vermehrten und auch mehr Kalksalz bildeten. Darüber hinaus konnte Baranowski mit molekularbiologischen Methoden zeigen, dass bestimmte knochenspezifische Gene aktiviert werden. Auch die Wanderung der Knochenzellen hin zum Titan konnte er nachverfolgen.

All diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich mittels BSP-Beschichtung eine bessere Verbindung zwischen Titan und Knochen erzielen lässt. Und so bewertet Baranowski die bisherigen Ergebnisse auf Zellebene als aussichtsvoll: „Bereits jetzt führen wir an der Universitätsmedizin Mainz Folgeversuche an mit BSP-beschichteten, mittels 3D-Druck hergestellten Knochenersatzmaterialien durch.“

Originalpublikation:

Andreas Baranowski et al. “Surface Functionalization of Orthopedic Titanium Implants with Bone Sialoprotein” in PLOSONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0153978 April 25, 2016

Einzelheiten zur Arbeit von Dr. Georg Gasteiger (Jahrgang 1976):
Dr. Georg Gasteiger. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dr. Georg Gasteiger. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Georg Gasteiger, ehemals Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz, erforscht eine erst vor Kurzem entdeckte Gruppe von Immunzellen, die sogenannten „Innate Lymphoid Cells“ (ILCs). Sie gelten als wichtige Akteure des angeborenen Immunsystems. ILCs nehmen zentrale Aufgaben bei der Abwehr von Infektionserregern im menschlichen Körper wahr – so schützen sie uns vor dem Eindringen von Krankheitserregern. Allerdings können ILCs auch Entzündungen verursachen und spielen bei Allergien und möglicherweise auch der Entstehung von Tumoren eine Rolle.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Memorial Sloan-Kettering Cancer Centers in New York, USA, fand Georg Gasteiger Folgendes heraus: Im Gegensatz zu vielen anderen Zellen des Immunsystems patrouillieren ILCs nicht ständig auf der Suche nach Eindringlingen mit dem Blut durch den Körper. Stattdessen bilden sie vielmehr eine spezialisierte, lokale Einsatztruppe, welche sich strategisch zum Beispiel an den inneren und äußeren Grenzflächen des Körpers (z. B. Lunge, Darm und Haut) ansiedelt. Sie vermehren und erneuern sich vor Ort direkt in ihrem jeweiligen Gewebe. Erst bei chronischen Prozessen erfolgt Nachschub aus den im Knochenmark ansässigen Vorläuferzellen. Dies ist nach Ansicht der Wissenschaftler ein bedeutender Schritt, um die Funktionsweise der Immunabwehr an den inneren und äußeren Grenzflächen des Körpers (z. B. Lunge, Darm und Haut) zu verstehen. Zuvor war unklar, wo sich ILCs im Körper vermehren und erneuern und wann und wie sie in die peripheren Gewebe gelangen.

„Wir konnten nachweisen, dass ILCs als ‚sesshafte‘ Zellen fest zum jeweiligen Organ gehören und sich auch vor Ort vermehren. Wir vermuten deshalb, dass ILCs sehr spezifisch an die verschiedenen Gewebe und ihre Funktion dort angepasst sind“, erklärt Dr. Georg Gasteiger. „Überraschend war für uns insbesondere, dass ILCs sogar in Lymphknoten und der Milz, also in Organen, die kontinuierlich von Immunzellen durchwandert werden, sesshaft sind“, so der Immunologe.

Im Detail konnten Dr. Gasteiger und seine Forscherkollegen zeigen, dass bei einer akuten Infektion sich zusätzlich neue ILCs zunächst lokal bilden und vermehren. Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass der Nachschub von ILCs aus den im Knochenmark ansässigen Vorläuferzellen erst erfolgt, wenn das Immunsystem länger gefordert wird. Dies ist zum Beispiel bei chronischen Entzündungen der Fall oder während einer längeren Heilungsphase einer Infektion.

„Es gibt also sowohl lokal sesshafte als auch über das Blut einwandernde ILCs in unseren Organen. Wir untersuchen, wie sich die ‚sesshaften‘ Zellen lokal regenerieren und wie sie von ihrer jeweiligen Umgebung geprägt werden. Des Weiteren wollen wir verstehen, welche Rolle der über das Blut rekrutierte Nachschub von ILCs bei Krankheitsprozessen genau spielt“, formuliert Gasteiger die nächsten Forschungsziele.

Über ILCs:

Erst vor wenigen Jahren identifizierten Wissenschaftler diese weitere Gruppe von Zellen des angeborenen Immunsystems. Die so genannten Innate Lymphoid Cells (ILCs) bilden eine vielfältige Familie und zählen zu den wichtigsten Waffen des körpereigenen Immunsystems. Über die Bekämpfung von Krankheitserregern hinaus haben ILCs wichtige Funktionen bei der Organhomöostase, also der Aufrechterhaltung des balancierten Funktionszustandes lebenswichtiger Organe. Vorstufen der ILCs, sogenannte „precursors“, befinden sich im Knochenmark.

Originalpublikation: Gasteiger et al., „Tissue residency of innate lymphoid cells in lymphoid and non-lymphoid organs“ in Science. 2015 Oct 15. pii: aac9593. http://www.sciencemag.org/content/early/2015/10/14/science.aac9593

Gestaltete Sehnsucht. Reiseplakate um 1900

Ausschnitt aus: Albert Besnard und Robert Besnard, Lac D Annecy Talloires.
Ausschnitt aus: Albert Besnard und Robert Besnard, Lac D Annecy Talloires.

Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte es der Fortschritt in der Drucktechnik der Lithographie, farbige Plakate in hohen Auflagen und im großen Format zu drucken. Seit etwa 1870 eroberten farbige Bildplakate die Straßen Europas und Amerikas. Das HLMD besitzt mit etwa 1000 Werken eine umfangreiche, hervorragende Sammlung von Plakatkunst um 1900, die im HLMD zuletzt in den 1960er Jahren präsentiert wurde.

Um 1900 stand der Massentourismus noch am Anfang, der Wettstreit um Gäste hatte aber schon begonnen. So versuchten die Werbetreibenden das Besondere der jeweiligen Region ins rechte Bild zu rücken. Großflächig, in kräftigen Farben und schwungvollen Konturen werben Reiseplakate für den Urlaub in den Bergen mit Wandern oder Skifahren. Sie zeigen Männer und Frauen in Aktion mit wehenden Schals und geröteten Wangen. Kurbäder  locken mit ihren mondänen Hotelanlagen, jodhaltigem Wasser und gesunder Luft. Städte inszenieren ihre Wahrzeichen.

Moderne Fortbewegungsmittel und die Motorisierung werden Thema, etwa bei geselligen Radtouren, bequemen Zugfahrten oder dem schnellen Automobil. Bergbahnen und Rundflüge versprechen neue Perspektiven. Reiseveranstalter bieten Weltreisen in Luftschiffen oder auf Luxusdampfern. Reizvoll sind außerdem die historischen Details auf den Reklametafeln für Mode, Reiseutensilien, Wander- oder Ski-Ausrüstungen.

In der Ausstellung, die 88 Plakate umfasst, sind Pioniere der Plakatkunst vertreten, etwa  Alphonse Mucha, Lucian Bernhard, Edmund Edel, Ludwig Hohlwein, Carl Kunst, Julius Klinger. Einen Eindruck der Vielfalt erleben Sie im Spot zur Ausstellung, folgen Sie bitte dem link: https://www.youtube.com/watch?v=QIosi4RBOec

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Ernst Wasmuth-Verlag Tübingen/Berlin. Der  Museumspreis beträgt während der Ausstellung 15 Euro, der Buchhandelspreis 24 Euro (ISBN 978 3 8030 3385 7).

Veranstaltungsort:
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1,
64283 Darmstadt

Laufzeit:
27. Oktober 2016 – 22. Januar 2017

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 – 20.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag 11.00 – 17.00 Uhr
Montag, Heilig Abend und Silvester geschlossen

Ticket
Erwachsene 6, ermäßigt 4 Euro
Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Ständigen Sammlung. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Hessischer Film- und Kinopreis verliehen – Der „Hessen-Oskar“ geht an Margarita Broich, Heino Ferch und Klaus Maria Brandauer

Die Preisträger, Laudatoren und Mitwirkenden des Hessischen Film- und Kino-Preises 2016 .Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Preisträger, Laudatoren und Mitwirkenden des Hessischen Film- und Kino-Preises 2016 .Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Am i 21.Oktober 2016 wurde im Rahmen einer glamourösen Gala in der Alten Oper Frankfurt mit viel Prominenz aus Film, Funk, Politik und Wirtschaft der mit insgesamt 185 000 Euro dotierte Hessische Film- und Kinopreis des Landes Hessen in Form von Förderpreisen und Auszeichnungen für Filmemacher und Kinobetreiber verliehen.

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Ausgezeichnet wurden RegisseurInnen und AutorInnen von hervorragenden Filmen und Drehbüchern mit Hessenbezug. Außerordentliche Leistungen und herausragendes kulturelles Engagement von gewerblichen und kommunalen Kinos wurden mit den Kino-Kulturpreisen honoriert.

Der Hessische Fernsehpreis, auch liebevoll „Hessen-Oskar“ genannt, wurde vom Hessischen Rundfunk in den Kategorien „Beste Schauspielerin“ und „Bester Schauspieler“  verliehen. Dieser Preis ist undotiert.

Klaus Maria Brandauer mit dem Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten im Arm. Im Hintergrund links Laudatorin Dunja Hayali.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Klaus Maria Brandauer mit dem Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten im Arm. Im Hintergrund links Laudatorin Dunja Hayali.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten, ebenfalls undotiert, erhielt Schauspieler Klaus Maria Brandauer für sein Lebenswerk. Der österreichische Darsteller kam    als „Mephisto“ zu Weltruhm, machte auch in Hollywood Karriere. Für seine Hauptrolle in „Jenseits von Afrika“ erhielt Brandauer den Golden Globe. Aber auch als Gegenspieler von Sean Connery in „James Bond  – Sag niemals nie“ bleibt er uns unvergessen.  Brandauer wurde mit 71 Jahren nochmals stolzer Vater.

Besonders sympathisch macht den  inzwischen 73jährigen Österreicher zudem seine authentische  Art ohne jegliche Starallüren. Geduldig gibt er Autogramme, lässt sich auf Selfies ablichten und hat, wenn’s sein muss, immer die richtigen Worte parat, fast immer: Denn dass er „Politiker hasse“, wie es gegen Ende seiner Dankesrede, einem Plädoyer für Europa, aus ihm herausplatzte, „war nicht geplant“ und „hat ihn selbst erschrocken“, so der Schauspieler später auf der Aftershow-Party.

Caterina Lermer und Simon Stadler erhielten den Preis zum besten Dokumentarfilm. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Caterina Lermer und Simon Stadler erhielten den Preis zum besten Dokumentarfilm. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Simon Stadler und Caterina Lermer erhielten großen Publikums-Applaus für ihren Preis zum besten Dokumentarfilm, dem 85-minütigen Streifen „Ghostland – The View of the Ju/’Hoansi“. Dieser zeigt auf eine einfühlsame wie urkomische Weise das mitunter kulturschockartige Erleben von vier Bewohnern der Kalahari (der Ju/’Hoansi-San, eine der ältesten Jäger- und Sammlerkulturen) bei ihrer Reise durch das für sie unvorstellbar moderne Europa.

Heino Ferch erhielt den Hessen-Oskar“  in der Kategorie bester Schauspieler. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Heino Ferch erhielt den Hessen-Oskar“ in der Kategorie bester Schauspieler. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Den „Hessen-Oskar“  in der Kategorie bester Schauspieler erhielt Heino Ferch für seine Rolle in der Krimikomödie „Allmen und die Libellen“. Hierin spielt der 53jährige den verarmten, dennoch weiterhin über seine Verhältnisse lebenden Privatier „Johann Friedrich von Allmen“, der schließlich in Verdacht gerät, den Antiquitätenhändler Tanner ermordet zu haben.
Etwas später geht  der mit 25.000 Euro dotierte Preis in der Kategorie bester Spielfilm an Regisseur Gordian Maugg für seine Produktion „Fritz Lang“, einem Schwarz-Weiß- Kinospielfilm über einen der größten Regisseure der Filmgeschichte und die Entstehung dessen Meisterwerks „Eine Stadt sucht einen Mörder“. Hierin spielt Heino Ferch auch die Hauptrolle: „Fritz Lang“. Allerdings ist er dabei mit seinen schwarzen zurückgegelten Haaren kaum wiedererkennbar.

Den Hessischen Fernsehpreis: Beste Schauspielerin erhielt Margarita Broich. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Den Hessischen Fernsehpreis: Beste Schauspielerin erhielt Margarita Broich. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Den Hessischen Fernsehpreis in der Kategorie bester Schauspielerin ging an Margarita Broich für den Tatort Wendehammer in Regie von Markus Imboden. Frankfurt wäre wohl ihre Glückstadt, so die 56jährige überschwenglich, denn hier habe sie ihren Mann kennengelernt, ihren Sohn zur Welt gebracht und wäre Tatortkommissarin geworden. Sie überlege, ob sie es  „hier“ nicht mal mit Lotto versuchen solle.

 

 

Jasmin Tabatabei, Schauspielerin und Sängerin. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Jasmin Tabatabei, Schauspielerin und Sängerin. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Musikalischer Stargast des Abends war Jasmin Tabatabei, die zwischen den „Verleihungsblöcken“ in Begleitung des David Klein-Quartetts für eine jazzige musikalische Umrahmung sorgte und besonders viel Applaus für ihr ironisches Lied über eine Mutter mit drei Kindern erhielt.

Die Preise wurden überreicht von Prominenten, unter ihnen die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali und der Schauspieler Axel Milberg.

Diether v. Goddenthow (rhein-main.eurokunst)

Überblick über die Preise nach Preiskategorien  mit den Begründungen der Jury.
HESSISCHER FILMPREIS: SPIELFILM

Preisträger: FRITZ LANG
Regie: Gordian Maugg
Preisgeld: 25.000 Euro, Nominierungsgeld: 5.000 Euro
Spielfilm, schwarz-weiß, 104 Minuten, Deutschland 2015

Eine Produktion von Belle Epoque Films GmbH in Koproduktion mit Gordian Maugg Film- und Fernsehproduktionen in Zusammenarbeit mit dem ZDF und arte
Buch: Alexander Häusser, Gordian Maugg, Produzentin: Nicole Ringhut, Kamera: Lutz Reitemeier, Moritz Anton, Ton: Peter Schumacher, Schnitt: Florentine Bruck, Olivia Retzer, Musik: Tobias Wagner
Darsteller: Heino Ferch, Thomas Thieme, Samuel Finzi, Johanna Gastdorf, Lisa Charlotte Friedrich

Jurybegründung:
Ein Spielfilm über die Regielegende Fritz Lang – das ist in Anbetracht seines sagenhaften Talents und seiner durchaus dramatischen Lebensgeschichte während politisch und sozial sich drastisch verändernder Zeiten kein leichtes Unterfangen. Es braucht Mut und Erfahrung, sich dieses zuzutrauen.
Gordian Maugg („Der Olympische Sommer“) hat es sich zugetraut. Stets auf der Suche nach der perfekten filmischen Form, sieht er diese in der Verschmelzung von Schauspielszenen und fiktionalem sowie dokumentarischem Archivmaterial.
Geschickt verbindet er Biographisches mit narrativer Adaption der „Langschen Handschrift“. So entsteht ein ergreifendes Porträt über Fritz Lang mit Focus auf die ihn zeitlebens antreibenden Fragen nach dem Guten und dem Bösen, dem inneren Dämon eines Jeden und der Schuld.
Ausgehend von realen Personen und tatsächlichen Ereignissen ist der Film ein packendes historisches Zeitdokument das Gordian Maugg mit fiktionalen Szenen und emotionaler Dichte lebendig macht.
Auf der Suche nach einem passenden Stoff für seinen ersten Tonfilm „M“ reist der Star-Regisseur der 20er und 30er Jahre, verkörpert von Heino Ferch, von Berlin nach Düsseldorf, um dort die Ermittlungsmethoden eines angesehenen Kriminalrates im Fall des brutalen Serienmörders Kürten kennenzulernen. Er erhält die einmalige Gelegenheit, sich in einem Tête-à-Tête Einblick in die Psyche des Mörders zu verschaffen und gerät dabei selbst in einen Strudel persönlich unverarbeiteter Erinnerungen. Wie einst Fritz Langs Geschichten versetzt uns der Film in zutiefst irritierende menschliche Abgründe, auch vor dem Hintergrund des beginnenden Faschismus.
Dies wird filmtechnisch auf hohem Niveau und in Anlehnung an Langs Filme in atmosphärisch passender Schwarz-Weiß-Optik umgesetzt: Das Ergebnis ist eine ästhetisch gelungene Collage von fiktionalen Schauspielszenen und historischem Archivmaterial. Letztlich ist es der bemerkenswerte Schnitt, welcher neben der historisch anmutenden darstellerischen Leistung des Schauspielensembles diesen biographischen Essay erzählt.
Gordian Mauggs Film über Fritz Lang ist ein furioses Kunstwerk über einen großen, nicht unumstrittenen Künstler.
Deswegen zeichnet die Jury in der Kategorie Spielfilm „Fritz Lang“ mit dem Hessischen Spielfilmpreis 2016 aus.

 

HESSISCHER FILMPREIS: DOKUMENTARFILM

Preisträger: GHOSTLAND – THE VIEW OF THE JU/‘HOANSI
Regie: Simon Stadler, Catenia Lermer
Preisgeld: 15.000 Euro, Nominierungsgeld: 5.000 Euro
Dokumentarfilm, Farbe, 85 Minuten, Deutschland 2016

Eine Produktion von Cameleon Film
Buch: ohne, Produzent: Simon Stadler, Kamera: Simon Stadler, Ton: Catenia Lermer, Schnitt: Andre Broecher, Markus Frohnhöfer. Musik: Matthias Raue
Mitwirkende: Ju/’Hoansi (San) aus Namibia

Jurybegründung:
Unter den Einreichungen für den Hessischen Filmpreis waren einzelne Filme, die Fragen wie „Was ist Heimat?“ und „Wo will ich leben?“ zu beantworten versuchen.
„Ghostland – the view of the Ju/‘Hoansi“ von Simon Stadler und Catenia Lermer widmet sich diesem Thema auf eine erfrischend originelle Art und Weise. Der Zuschauer wird von vier Bewohnern der Kalahari, die Ju/’Hoansi-San, eine der ältesten Jäger- und Sammlerkulturen, mit auf eine Reise nach Europa, eine für sie unbekannte, moderne Welt, genommen.
Das spürbar lebendige Wesen der Hauptdarsteller, die hier von der Touristenattraktion selbst zum Touristen werden, sowie ihre forschergleiche Neugier finden dabei schnell die Aufmerksamkeit der Zuschauer und lassen sie bis zum Ende nicht mehr los.
Sie halten ihm mit ihrer berührenden Authentizität einen Spiegel vor, ohne dass der Film belehrend sein will.
Die in Frankfurt lebenden Regisseure reisten für ihren Dokumentarfilm ohne großes Budget und als Teil eines dreiköpfigen Teams in die afrikanische Wüste. Simon Stadler, der als Regisseur auch für die Kamera verantwortlich zeichnete, liefert unverfälschte, schöne Bilder vom Leben der Ju/‘Hoansi in der Kalahari-Wüste, ihren Eindrücken und Erfahrungen in der modernen Welt und von ihren Gedanken und Gefühlen, die sie in Interviewsequenzen schildern. Die Erkenntnis der Ju/’Hoansi-San, dass das Leben in der Heimat immer noch am schönsten ist, hat auf den Zuschauer eine nachhaltige Wirkung und regt zur Reflektion an.
Deswegen zeichnet die Jury in der Kategorie Dokumentarfilm „Ghostland – the view of the Ju/‘Hoansi“ mit dem Hessischen Dokumentarfilmpreis 2016 aus.

HESSISCHER FILMPREIS: KURZFILM

Preisträger: SHIPS PASSING IN THE NIGHT
Regie: Elisabeth Zwimpfer
Preisgeld: 5.000 Euro
Kurzfilm, Animationsfilm, Farbe, 12 Minuten, Deutschland 2015

Buch, Produzentin, Animation, Schnitt: Elisabeth Zwimpfer, Ton: Tobias Böhm, Christian Wittmoser, Musik: Kanté Manfila & Balla Kalla, Julia Kotowski
Stimmen: Napo Oubo-Gbati, Maike Koller, Girmay Asefaw, Gaetano Maruccia, Edgard Sueyem, Freweini Yauhannes, Helen Alem, Habtom Gebremichal, Nadim Natour u.a.

Jurybegründung:
„Like Ships Passing in the Night“ ist eine englische Redewendung, die eine kurze, zufällige, vielleicht nie mehr wiederkehrende Begegnung zweier Menschen symbolisiert.
Der Kurz-Animationsfilm „Ships Passing in the Night“ der jungen Filmemacherin Elisabeth Zwimpfer erzählt diese Geschichte und bereichert sie um die Komponenten Angst, Flucht, Willkür und Zuneigung (Liebe): Der Fischer Pombalo flüchtet von Afrika über das Meer, als seine Netze leer bleiben und trifft an der europäischen Küste auf Maleika, die dort Strandgut sammelt. Sie sind wie Schiffe, die sich kurz begegnen und wieder in der Weite verlieren.
Grundlage für diesen poetischen Kurzfilm sind Zeichnungen afrikanischer Flüchtlinge, die die Regisseurin während ihrer Recherche befragt hatte. Diese Zeichnungen verwandelte sie in eine ausdrucksvolle und papierschnittartige Zeichentricktechnik und verzichtete dabei bewusst auf einen zeitgenössischen und gefälligen Grafikstil. Ihre Bildsprache ist roh und kantig, Flächen bestehen aus erdigen Farbtönen und Texturen, die durchgehend vereinfacht und sehr strukturiert bleiben.
Der sehr direkte Ton, das Voicing, die Hintergrundgeräusche und die melodische Musik verstärken die ästhetische Atmosphäre.
Gerade diese Ästhetik in Kombination mit dem aktuellen Thema, macht den Kurzfilm in der Wirkung so direkt und ehrlich – und einzigartig.
Deswegen zeichnet die Jury in der Kategorie Kurzfilm „Ships passing in the Night“ mit dem Hessischen Kurzfilmpreis 2016 aus.

HESSISCHER HOCHSCHULFILMPREIS

Preisträger: NÄCHSTENLIEBE
Regie: Simon Pilarski
Preisgeld: 7.500 Euro
Spielfilm, Farbe, 22 Minuten, Deutschland 2015

Buch, Produktion, Schnitt, Szenenbild: Simon Pilarski, Herstellungsleitung: Johannes Höffler, Kamera: Nico Nonne, Ton: Peter Lange, Musik: Sergios Roth
Darsteller: Rainer Wagner, Oskar Keymer, Alexander Bettendorf, Christoph Stein, Johannes Schedl, Frederic Heidorn, Christian Stotz, Michael Altmann, Ute Ehrenfels, Sana Guillera

Jurybegründung:
„An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Lev 19,18)
So wird das Gebot „Nächstenliebe“ in der Tora beschrieben, das Simon Pilarski, Absolvent des Fachbereichs Filmproduktion der Hochschule Darmstadt, zum Gegenstand seines Abschlussfilms macht. Dabei zeigt er, dass die Nächstenliebe bisweilen missverstanden und im schlimmsten Falle auch missbraucht wird.
Sein 22-minütiger Kurzfilm setzt im Jahre 1889 ein. Der junge Müllerssohn Lukas, dessen strenger Vater ihm seinen sehnlichsten Wunsch, nur einen Tag lang das Dorf zu verlassen, verbietet, vertraut sich dem Pfarrer an. Von ihm erfährt er von einem geheimen Kloster in den Bergen. Jahre später macht sich Lukas, nun ein junger Mann, mit drei Gefährten auf den Weg dorthin. Schnell erkennen sie, dass dies ein Ort voller Tücken und Gefahren ist und Lukas ist gezwungen, sich einem furchtbaren Dämon zu stellen. Selbst als erwachsener Mann wird er diesen nicht los.
Der junge Regisseur, der 1990 in Wiesbaden geboren wurde, widmet sich dem Thema Kindesmissbrauch in der Kirche mit kleinen, kurzen, zum Teil abstrakten Andeutungen, ohne den eigentlichen Akt darzustellen. Dies verleiht dem Kurzfilm spannende Momente, die durch gut gewählte Schauplätze, eine insgesamt dunkle und kalte Atmosphäre sowie durch sehr professionellen Schnitt unterstützt werden. Die Vielschichtigkeit des Themas wird in den drei Erzählebenen des Plots aufgegriffen, wobei ihm auch hier die filmtechnischen Übergänge und die inhaltliche Verknüpfung trotz Mehrfachbesetzung des Protagonisten sehr gut gelingen. Schließlich verleiht Simon Pilarski seinem Film mit auf die Szenen perfekt abgestimmter Musik die Krönung, so dass der Zuschauer bis unter die Haut ergriffen ist.
Deswegen zeichnet die Jury in der Kategorie Hochschulfilm „Nächstenliebe“ mit dem Hessischen Hochschulfilmpreis 2016 aus.

 

HESSISCHER DREHBUCHPREIS

Preisträger: HERR KLEE UND HERR FELD
Autor: Michel Bergmann
Preisgeld: 7.500 Euro

Jurybegründung:
Wenn man beim Lesen eines Drehbuchs den fertigen Film bereits vor Augen hat und sich freut die filmische Realisierung bald auf der Leinwand sehen zu können, dann ist es wohl ein sehr gelungenes Drehbuch. Dass der Autor Michel Bergmann das Schreiben beherrscht, ist unumstritten, und dass er mit seinem Drehbuch „Herr Klee und Herr Feld“ die Jury überzeugen konnte, liegt vielleicht auch daran, dass er schon mit seinem gleichnamigen Roman, der im Jahre 2013 erschien und seine Trilogie über jüdisches Leben in Deutschland beschließt, das Lesepublikum begeisterte. Was ist also das Geheimnis?
Es sind die liebenswerten Figuren und die vielen gegensätzlichen Motive, mit denen die Story gespickt ist und die der Autor mit seinem Talent für detaillierte Beobachtung schildert: Die beiden Hauptfiguren, ein emeritierter Professor der Sozialpsychologie und ein mittelloser Schauspieler, beide jenseits der Sechzig, verbringen ihren Lebensabend gemeinsam in einer Villa im Frankfurter Westend. Die unterschiedlichen Charaktere befinden sich quasi im Dauerzwist, der, als unverhofft eine junge, sympathische Frau in ihr Leben tritt, weiter angefeuert wird. Hier treffen nicht nur Jung und Alt aufeinander, sondern Araberin und Juden – das noble Frankfurter Viertel wird zum Schauplatz des Nahost-Konflikts. Die Dialoge zwischen den Protagonisten sind lebendig und unterhaltsam, wobei auch melancholische Momente, z. B. wenn den beiden Herren die Unaufhaltsamkeit des Alters bewusst wird, nicht fehlen.
Trotz aller Gegensätze verbringen die Figuren eine wundervolle Zeit, denn eines verbindet sie und lässt alle Grenzen vergessen: die Musik. Dass die konfliktbeladene Story am Ende mit einem glücklichen Ausgang aufwartet, dürfte das Arthouse-Publikum 40+ freuen, denn wer verlässt den Kinosaal nicht gerne mit einem Lächeln auf den Lippen und einem wohligen Gefühl im Bauch.
Michel Bergman, der selbst Jude ist und seine Jugend in Frankfurt verbracht hat, verarbeitet viel von seinen eigenen Erfahrungen und das merkt man der Story auch an. Mit viel Herzblut hat er ein formal wie inhaltlich hervorragendes Drehbuch abgeliefert und konnte die Jury auf ganzer Länge überzeugen. Nach dem Lesepublikum soll ihm ein begeistertes Filmpublikum beschert sein.
Deswegen zeichnet die Jury in der Kategorie Drehbuch „Herr Klee und Herr Feld“ mit dem Hessischen Drehbuchpreis 2016 aus.

HESSISCHER KINOKULTURPREIS

HESSISCHER KINOKULTURPREIS FÜR GEWERBLICHES KINO

Kino Traumstern, Lich
Preisgeld: 10.000 €

Capitol Kino Witzenhausen, Witzenhausen
Preisgeld: 10.000 €

Mal Seh’n Kino, Frankfurt
Preisgeld: 10.000 €

Lichtspielhaus Lauterbach, Lauterbach
Preisgeld: 10.000 €

Orfeo‘s Erben, Frankfurt
Preisgeld: 8.000 €

Filmladen Kassel, Kassel
Preisgeld: 6.000 €

BALI-Kinos, Kassel
Preisgeld: 6.000 €

Harmonie & Cinema Kinos, Frankfurt
Preisgeld: 3.000 €

Kult Kinobar, Bad Soden am Taunus
Preisgeld: 3.000 €

Programmkino rex, Darmstadt
Preisgeld: 3.000 €

KuKi Kino, Schlüchtern
Preisgeld: 3.000 €

Kammer-Palette-Atelier, Marburg
Preisgeld: 3.000 €

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos: Das KINO TRAUMSTERN in Lich, das CAPITOL KINO in Witzenhausen, das LICHTSPIELHAUS in Lauterbach und das MAL SEH’N in Frankfurt haben mit ihren prallen Programmen die Jury überzeugt und erhalten einen Spitzenpreis. Alle vier Kinos leisten unabhängig von ihrem Umfeld bemerkenswerte Arbeit und beweisen Mut zum Neuen. Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, die sie einfallsreich nutzen. Filme können früher disponiert werden, Originalfassungen können problemlos an »OmU«-Tagen laufen. Trotzdem halten sie analoge Projektoren für Festivals oder Klassiker vor. Das MAL SEH’N Kino in Frankfurt zeigt regelmäßig Filme in Originalsprache mit oder ohne Untertitel. Dies ist nach wie vor eine Besonderheit und unbedingt unterstützenswert. Ergänzend zeigen sie nun auch Filme mit Audiodeskription. Das KINO TRAUMSTERN versteht es sein internationales Programm mit ansprechenden Zusatzveranstaltungen und Filmgästen zu bereichern. Es gibt thematisch programmierte Vorfilme und von Kindern animierte Trickfilme, um nur einige der tollen Programmideen zu nennen. Das CAPITOL KINO in Witzenhausen hatte über 250 verschiedene Filme im Programm und platziert ebenso wie das LICHTSPIELHAUS Lauterbach ganz selbstverständlich und erfolgreich Filmkunst neben Mainstream. Beide Kinos zeichnen sich durch ein hohes persönliches Engagement der Betreiber aus und wurden im vergangenen Jahr mit einem Besucheranstieg belohnt. Die Jury ist begeistert von den vielen tollen Ideen und der liebevollen Programmgestaltung. Die Kooperationen der Kinos sind bemerkenswert und bringen neuen Austausch und Input. Dieses leidenschaftliche und beständige Engagement der Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber ist für das Publikum spürbar und wird auch in der Presse positiv wahrgenommen.

HESSISCHER KINOKULTURPREIS FÜR NICHT GEWERBLICHES KINO

Kommunales Kino Weiterstadt, Weiterstadt
Preisgeld: 4.000 €

Filmforum Höchst, Frankfurt
Preisgeld: 3.000 €

Kino des Deutschen Filmmuseums
, Frankfurt
Preisgeld: 3.000 €

Traumakino, Marburg
Preisgeld: 3.000 €

Caligari Filmbühne, Wiesbaden
Preisgeld: 2.000 €

Murnau-Filmtheater, Wiesbaden
Preisgeld: 2.000 €

Pupille – Kino in der Uni, Frankfurt
Preisgeld: 2.000 €

Kommunales Kino
, Eschborn
Preisgeld: 1.000 €

Jurybegründung Hessischer Kinokulturpreis für nicht gewerbliche Kinos und Kinoinitiativen: Seit 1974 ist das kommunale Kino Weiterstadt das einzige Kino vor Ort und schafft es seit Jahrzehnten ein breit gefächertes Publikum von jung bis alt zu erreichen und zu begeistern. Die fein abgestimmte Gestaltung des Programms erfolgt im Kollektiv. Dabei setzen die Kinomacherinnen und Kinomacher neben aktuellen Arthousefilmen auch auf Kurzfilme, Klassiker und Dokumentarfilme. Kinder und Jugendliche binden sie auf bemerkenswerte Art und Weise in die Programmgestaltung ein. Auch Filmreihen, Festivals und Sonderveranstaltungen mit Gästen stehen auf dem Programm oft in aufwendigen Programmheften präsentiert, manchmal sogar mehrsprachig. Das findet die Jury rundum ausgezeichnet, so dass es hier, neben der hervorragenden Arbeit der anderen nicht gewerblichen Kinos- und Kinoinitiativen einmal besonders herausgehoben werden soll.

Die Jury zu den Hessischen Kinokulturpreisen:
Die hessische Kinolandschaft ist geprägt von Vielfalt: In den urbanen Zentren finden sich Studenteninitiativen, kollektiv betriebene Kinoinitiativen, klassische Arthousecenter, Programmkinos, Filmmuseen oder kommunale Kinos. Insbesondere die Landeshauptstadt wartet mit zwei großartigen Playern auf, die sich wunderbar ergänzen. Auf dem Land schaffen es Kinos in Lauterbach, Lich oder Schlüchtern mit ihren Programmen ein wahrer Kulturmagnet zu sein und das Herzstück ihres Ortes. Während in den Städten die Kinos sich Herausforderungen wie der Konkurrenz durch andere Freizeit- und Kultureinrichtungen stellen, kämpfen die Landkinos erstaunlich erfolgreich mit einem vermeintlichen Standortnachteil. Sie beweisen mit großem Einfallsreichtum und Mut zu Neuem und Anderem, dass es möglich ist mit aufregenden Ideen, Besucher ins Kino zu locken. Engagierte Kinomacher und Kinomacherinnen machen sich erfolgreich Gedanken ihr Publikum zu finden und setzen dabei auch oft auf Kooperationen und die Einbindung von Gastspielen. Die Jury hatte viel Freude beim Lesen der Programme, die ein großes und interessantes Spektrum bei den gewerblichen, als auch bei den nicht gewerblichen Kinos aufzeigten. Insgesamt vergibt die Jury in diesem Jahr zwölf Kinokulturpreise für gewerbliche Kinos und acht Kinokulturpreise für nicht gewerbliche Kinos und Kinoinitiativen. Dabei zeichnet die Jury ein nicht gewerbliches Kino mit einem Spitzenpreis aus, das durch regelmäßige Neuformierung und herausragende Arbeit im Kollektiv über mehrere Generationen hinweg funktioniert. Anders als in den Vorjahren werden in der Kategorie „Gewerbliche Kinos“ vier Kinos innerhalb einer Spitzenpreisgruppe ausgezeichnet, die alle die besonderen Herausforderungen des Kinobetriebs auf bemerkenswerte Art und Weise bewältigen.

HESSISCHER FERNSEHPREIS: BESTE SCHAUSPIELERIN – Bester Schauspieler
(ohne Preisgelder)

HESSISCHER FERNSEHPREIS: BESTE SCHAUSPIELERIN

Preisträgerin: MARGARITA BROICH
Preisgeld: undotiert
Ausgezeichnet für ihre Rollen in
TATORT: WENDEHAMMER, Regie: Markus Imboden, 90 Minuten, Deutschland 2016
AUFBRUCH, Regie: Hermine Huntgeburth, 90 Minuten, Deutschland 2015

Jurybegründung:
Margarita Broich ist ein Phänomen. Eine Verwandlungskünstlerin, die keine komplizierten Frisurenkreationen braucht, um eine andere zu werden. Als verhärmt proletarisch-katholische Mutter in ‚Aufbruch‘ kriecht ihr der Mief der frühen 1960er Jahre förmlich aus allen Poren. Sie spricht mit vollem Mund und in vollem rheinischen Dialekt, den sie sich geradezu einverleibt hat.
Und dann leuchtet sie als Tatort-Kommissarin Anna Janneke, tanzt verführerisch und feminin, ist charmant und selbstbewusst und trickst selbst einen Zehnjährigen mit einem überraschenden Torschuss aus. Immer ist da diese umwerfende Körperlichkeit, mit der sie aus jeder Figur einen Solitär formt, der in keine Schublade passt.

HESSISCHER FERNSEHPREIS: BESTER SCHAUSPIELER

Preisträger: HEINO FERCH
Preisgeld: undotiert
Ausgezeichnet für seine Rolle in ALLMEN UND DIE LIBELLEN
Regie: Thomas Berger, 88 Minuten, Deutschland 2016

Jurybegründung:
Johann Friedrich von Allmen ist ein abgebrannter Lebemann, sympathischer Snob, Frauenheld, stets charmant, der selbstsicher und cool auch mit den größten Gefahren umgeht. Heino Ferch verkörpert diesen Allmen mit einer solchen stilistischen Sicherheit und erkennbaren Spielfreude, dass man ihm vom ersten Moment an gebannt und lustvoll bei jeder Schurkerei folgt und stets auf seiner Seite ist. Wartet man anfangs noch auf den Moment, in dem die Figur kippt und ihre Maske ablegt, so freut man sich im weiteren Verlauf des Filmes, dass dieser Moment ausbleibt. Heino Ferch spielt mit Grandezza und zeigt mit jeder Geste, jedem Blick, dass Stil keine Frage von Reichtum ist, sondern allein von der Haltung abhängt.
An der Seite des kongenialen Samuel Finzi gelingt es Heino Ferch, eine Figur von internationalem Format zu schaffen, die ein kleines bisschen über dem Boden zu schweben scheint und aus Haltung allerbeste Unterhaltung macht.

EHRENPREIS DES HESSISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN
(ohne Preisgeld)

Preisträger: KLAUS MARIA BRANDAUER
Preisgeld: undotiert

Ministerpräsident Volker Bouffier zu seiner Entscheidung:

„Klaus Maria Brandauer ist einer der herausragenden deutschsprachigen Theater- und Filmschauspieler der letzten 35 Jahre. Er nennt eine erstaunliche schauspielerische Vielfalt sein eigen, die er mit einer einnehmenden Präsenz verknüpft, mit der er sein internationales Publikum begeistert. Bereits ein Gigant an seiner künstlerischen Heimat, dem Wiener Burgtheater, drückt er mit „Mephisto“ über Nacht auch dem Kino seinen Stempel auf und bringt so Nicht-Theatergänger in den Genuß seiner überwältigenden Kunst. Große internationale Rollen folgen, doch Brandauer zieht es immer wieder zum Theater – als Schauspieler aber auch als Regisseur. Nicht zu vergessen seine Inszenierungen von Berthold Brechts „Dreigroschenoper“ oder Richard Wagners Oper „Lohengrin“. Klaus Maria Brandauer hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen, vor dem ich mich zutiefst verneige.