Kategorie-Archiv: Landesmuseum Darmstadt

Darmstädter Landesmuseum lädt zur „Hommage an Carl Philipp Fohr“ – einen der größten – fast vergessenen – Maler der Romantik

Carl Philipp Fohr (Heidelberg 1795 - 1818 Rom), Das Heidelberger Schloss von Osten mit der weißen Kuh, entstand 1813, relativ zu Beginn seiner Darmstädter Ausbildungszeit. Die in blaugrüner Morgenstimmung  sorglos und frei spielenden Kinder mit  Kuh und Hund im Bildvordergrund symbolisierten Aufbruch und Naturverbundenheit. Sie  verwandeln die Vedute in ein Stimmungsbild.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Carl Philipp Fohr (Heidelberg 1795 – 1818 Rom), Das Heidelberger Schloss von Osten mit der weißen Kuh, entstand 1813, relativ zu Beginn seiner Darmstädter Ausbildungszeit. Die in blaugrüner Morgenstimmung sorglos und frei spielenden Kinder mit Kuh und Hund im Bildvordergrund symbolisieren Aufbruch und Naturverbundenheit. Sie verwandeln die Vedute in ein Stimmungsbild. © Foto: Diether v. Goddenthow

Fast in Vergessenheit geraten, und doch zählt er zu den größten Malern der Romantik seiner Zeit und steht mit Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge in einer Reihe: Carl Philipp Fohr! Ihm widmet anlässlich seines 200sten Todestages die Grafische Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt die Sonderausstellung „Hommage an Carl Philipp Fohr“, die vom 29. Juni bis zum 26. August 2018 in der Karl Freund-Galerie (im 2. Obergeschoss) gezeigt wird.

Carl Philipp Fohr malte diese Naturzeichnung "Der Riesenstein bei Heidelberg mit dem zeichnenden Jungen", 1810, in einem Alter von 15 Jahren. Das Werk entstand als Fohr seinen ersten Zeichenunterricht bei dem Universitätszeichenmeister Friedrich Rottman in Heidelberg erhielt, Sein großes Talent war dem Darmstädter Maler Georg Wilhelm Issel aufgefallen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Carl Philipp Fohr malte diese Naturzeichnung „Der Riesenstein bei Heidelberg mit dem zeichnenden Jungen“, 1810, in einem Alter von 15 Jahren. Das Werk entstand als Fohr seinen ersten Zeichenunterricht bei dem Universitätszeichenmeister Friedrich Rottman in Heidelberg erhielt, Sein großes Talent war dem Darmstädter Maler Georg Wilhelm Issel aufgefallen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Fohr war ein Ausnahmekünstler und gilt heute als Inbegriff des „frühvollendeten“ Romantikers, dessen kurzes, tragisch abgebrochenes Leben Sinnbild für den begeisterten Aufbruch und die geistige Spannbreite der Generation der deutschen Romantik erschien, wie es auf einer Tafel der Ausstellung heißt. Er war gerade mal 22 Jahre alt, als er vor den Augen seiner Kameraden im Tiber ertrank. Erst drei Tage später fand man seine Leiche, angetrieben am Ufer. Fohrs früher Tod erschütterte die damalige Künstlerwelt, denn er galt als der Begabteste unter ihnen. „Wichtig“ für das Nachleben ist ja  letztendlich, dass dieser Tod so tragisch ist. Es ist ja „so romantisch“, „passt  so gut“ in diese Zeit des Jungen Künstlers, der bereits gezeigt hatte, was für ein großes Genie aus ihm hätte werden können, als er auf diese ungewöhnliche Weise aus dem vollen Leben gerissen wird.

Fohr wurde auf dem berühmten protestantischen Friedhof in Rom beigesetzt. Bei einer Nachlass-Auktion fanden seine Werke rasenden Absatz, gerade auch bei Kollegen aus dem Kreis der Nazarener, die  sich einige Werke zur eigenen Weiterverwertung (wohl auch als Mustervorlagen) sicherten. Fohr hatte sich ihnen kurzzeitig in Rom angeschlossen, wurde dann aber wieder hinausgedrängt. Der Freigeist Fohr passte wohl einfach nicht in diese Gruppierung.

Carl Philipp Fohr. Aquarell und Gouache über Bleistiftspuren: Die Wasserfälle am Steinwäldchen unweit von Baden", Blatt 1 aus dem "Skizzenbuch von Badens Umgebung" 1814/1815, welches er seiner Gönnerin Erbprinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt als Dank schenkte. © Foto: Diether v. Goddenthow
Carl Philipp Fohr. Aquarell und Gouache über Bleistiftspuren: Die Wasserfälle am Steinwäldchen unweit von Baden“, Blatt 1 aus dem „Skizzenbuch von Badens Umgebung“ 1814/1815, welches er seiner Gönnerin Erbprinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt als Dank schenkte. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Sonderausstellung „Hommage an Carl Philipp Fohr“ zeigt auf den Punkt gebracht des Künstlers Werk in seiner biographischen Entwicklung, angefangen mit seinem frühesten Blatt „Der Riesenstein bei Heidelberg …“, 1810, bis hin zum Aquarell „Götz von Berlichingen reitet ins Zigeunerlager“, 1917. Dieses fasziniert  durch seine verdichtete flächige Komposition und parzellenartige Raumbildung. Das Werk zeigt den Einfluss von Joseph Anton Koch, Fohrs wichtigstem Lehrmeister in Rom.

Carl Philipp Fohr, in Heidelberg geboren, entstammte einfachen Verhältnissen. Er erhielt Kunstunterricht bei Friedrich Rottmann. 1810 entdeckte ihn der Maler Georg Wilhelm Issel, ein illegitimer Sohn des Erbprinzen Ludwig I. von Hessen-Darmstadt. Dieser war ganz begeistert von dem vielversprechenden 15jährigen. Er holte ihn nach Darmstadt und führte ihn bei Johann Philipp Dieffenbach, dem Prinzen-Erzieher ein. Daraufhin wurde Fohr gemeinsam mit den Zöglingen des Herzogs von Lehrer Diefenbach unterrichtet in den wichtigsten Elementen der deutschen Geschichte, der Historie, der Literatur. Und er kommt hier in die Zeichenschule, hat Unterricht und kann dann auch die Blätter aus der Badischen Sammlung aus dem Kupferstich-Kabinett studieren, erläutert Dr. Mechthild Haas, Leiterin Graphische Sammlung, die die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Volontärin Dr. des Jennifer Chrost kuratierte.

Carl Philipp Fohr. "Götz von Berlichingen reitet ins Zigeunerlager", 1817. Mit diesem Blatt bezieht scih Fohr auf eine Szene aus Goethes 1774 uraufgeführtem Drama "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand". Besonders interessant zu betrachten ist hier Fohrs künstlerische Weiterentwicklung unter Einfluss seines Lehrers Joseph Anton Koch in Rom. © Foto: Diether v. Goddenthow
Carl Philipp Fohr. „Götz von Berlichingen reitet ins Zigeunerlager“, 1817. Mit diesem Blatt bezieht scih Fohr auf eine Szene aus Goethes 1774 uraufgeführtem Drama „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Besonders interessant zu betrachten ist hier Fohrs künstlerische Weiterentwicklung unter Einfluss seines Lehrers Joseph Anton Koch in Rom. © Foto: Diether v. Goddenthow

Issel sorgte zudem dafür, dass die Erb- und Großprinzessin Wilhelmine von Hessen-Darmstadt, geborene Prinzessin von Baden, seine Mäzenin wurde. Sie finanzierte sein Studium in München von Juli 1815 bis Mai 1816 und später seinen Aufenthalt in Rom, zu dem Carl Philipp Fohr am 18. Oktober 1816 zu Fuß in Begleitung seines großen Hundes Grimsel aufbrach, so Dr. Mechthild Haas.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

 

RAHMENPROGRAMM

Hommage an Carl Philipp Fohr
29. Juni bis 26. August 2018

Vortrag
Mittwoch, 4.Juli 2018, 18.30 Uhr
»Künstlerfreundschaft in Rom« von Dr. Mechthild Haas

Dr. Mechthild Haas, Leiterin der Graphischen  Sammlung während des  Presserundgangs.© Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Mechthild Haas, Leiterin der Graphischen Sammlung ist eine vorzügliche Fohr-Expertin. Hier beim Presserundgang. .© Foto: Diether v. Goddenthow

Der Vortrag zeigt auf, inwiefern Fohrs Schicksal den Lebensentwürfen der Künstler der Romantik entspricht und sein kurzes, tragisch abgebrochenes Leben geradezu sinnbildhaft erscheint. Dabei wird die Freundschaft für die Künstler der Romantik zur bestimmenden Lebensmacht mit fast religiösem Sinn. Der Freund gibt äußeren Schutz, ist Beichtvater, Ersatz für das verständnislose Publikum und tröstet über den ausbleibenden Erfolg beim Publikum hinweg. Der Freund hat also eine materielle, seelische und geistige Funktion. Anhand unterschiedlicher Beispiele solcher romantischer Künstlerfreundschaften erzählt der Vortrag von dem begeisterten Aufbruch und den idealen Sehnsuchtsbildern der Generation der deutschen Romantik.

Öffentliche Führungen
Freitag, 13. Juli 2018, 11.00 Uhr
mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

Sonntag, 22. Juli 2018, 14.00 Uhr
mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

Freitag, 27. Juli 2018, 11.00 Uhr
mit Dr. Mechthild Haas, HLMD

Mittwoch, 15. August 2018, 18.30 Uhr
mit Dr. Mechthild Haas, HLMD

Mittwoch, 22. August 2018, 18.30 Uhr
mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

Sonntag, 26. August 2018, 14.00 Uhr
mit Dr. Mechthild Haas, HLMD

jeweils Museumseintritt, max. 25 Teilnehmer, keine Vorreservierung möglich

Veranstaltungsort
lm-darmstadt3Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt

Laufzeit
29. Juni bis 26. August 2018

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 – 20.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag 11.00 – 17.00 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt
Erwachsene 6, ermäßigt 4 Euro
Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Ständigen Sammlung.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Kataloge des HLMD zu diesem Thema
„Carl Philipp Fohr. Romantik – Landschaft und Historie”, Museumspreis 24,50 Euro (im Buchhandel vergriffen), Kehrer Verlag
„Carl Philipp Fohr. 1795-1818. Monographie und Werkverzeichnis“, 98 Euro, Hirmer Verlag

Hessisches Landesmuseum Darmstadt bietet vielfältiges Programm zum 41. Internationalen Museumstag am 13.Mai

Eugen Bracht Rast in der Wüste © Landesmuseum Mainz
Eugen Bracht Rast in der Wüste © Landesmuseum Mainz

Zum 41. Mal ruft das International Council of Museums (ICOM) Museen auf der ganzen Welt dazu auf, sich am Internationalen Museumstag zu beteiligen. Das diesjährige Motto »Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher« wird im Hessischen Landesmuseum Darmstadt mit dem Thema »Sehnsucht Orient« verknüpft.

Der Eintritt ist für alle Besucher kostenfrei!

Im Rahmen der Eröffnung von »Blickfang 3. Sehnsucht Orient. Malerei um 1900« wird ein abwechslungsreiches Programm mit Führungen, Tänzen, Märchenlesungen und einem spannenden Gewinnspiel angeboten, das große und kleine Besucher mit dem Morgenland bekannt macht.

Erstmals seit der Schließung des Museums 2007 wird das neu gerahmte Gemälde »Basar in Assuan I« von Max Slevogt wieder in der Gemäldegalerie zu sehen sein und in der kleinen Ausstellung »Sehnsucht Orient« in den direkten Bezug mit der orientalischen Bilderwelt von Hans Makart, Eugen Bracht und Lovis Corinth gesetzt.

Hier zum Download das Gesamtprogramm im Überblick

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

MICROSCULPTURE Die sensationellen Insektenportraits von Levon Biss vom 4. Mai bis 5. August 2018 im Landesmuseum Darmstadt


Insekten: unheimliches Ungeziefer oder heimliche Herrscher? So artenreich Insekten sind, so mannigfaltig sind auch ihre Formen und ökologischen Leistungen. Mehr als die Hälfte aller bekannten rezenten Lebewesen sind Insekten. Weltweit sind bislang etwa 900.000 Insektenarten beschrieben, allein in Deutschland sind es 33.000. Wie hoch die Zahl der noch unbekannten Arten ist, ist schwer zu schätzen. Insekten besiedeln seit prähistorischer Zeit fast alle Lebensräume unserer Erde, sie sind allgegenwärtig und dennoch in weiten Teilen unerforscht. Eine Ursache dafür ist ihre geringe Größe.

Die in Größe und Auflösung einmaligen Fotografien des Britischen Fotografen Levon Biss rücken die Insekten aus der Sammlung des Oxford University Museum of Natural History in ein gänzlich neues Licht. Sie zeigen die atemberaubende Schönheit der Insekten und machen die oft unerwarteten, teils bizarren Oberflächenstrukturen und vielfältigen Farben sichtbar und zeigen so die Komplexität der evolutionären Anpassungen. Die Funktionen all dieser sogenannten „microsculptures“ sind bislang oft nur wenig oder gar nicht bekannt. Die sorgsam vom Entomologen Dr. James Hogan ausgewählten Objekte wurden aufwendig ausgeleuchtet und durch ein Mikroskopobjektiv von Levon Biss fotografiert. Für jede Microsculpture wurden ca. 8000 Einzelfotos aufgenommen, die übereinandergelegt und zusammengesetzt, ein durchgehend scharfes Bild ergeben. Als erstes Museum in Deutschland zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt die spektakulären Werke des Künstlers.

Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern zu überzeugen, dass Insekten schöne, farbenfrohe Kreaturen sind mit oftmals interessanter Körpergestalt sind. Die Kombination von Fotokunst und Wissenschaft bietet einen neuen und reizvollen Zugang in die Thematik der Insekten, die durch das zu beobachtende Insektensterben der letzten Jahre derzeit traurige Aufmerksamkeit erlangte. Insektenpräparate aus der Sammlung des Hessischen Landesmuseum Darmstadt ermöglichen den Größenvergleich zwischen Foto und Insekt und zeigen zudem den Aufbau einer wissenschaftlichen Sammlung.

Darüber verdeutlicht die Schau, wie wichtig Insekten für Ökosysteme z.B. als Bestäuber, Zersetzter und Nahrung für andere Tiere sind und daher auch für uns Menschen von großer Relevanz sind. Ein weiterer Baustein der Ausstellung legt den Fokus auf die erfolgreiche evolutionäre Geschichte der Insekten. Hierzu werden Fossilien der ältesten bekannten Insekten und ein Modell eines Urzeit-Insekten in Lebensgröße gezeigt. Das Konzept der „Mikroskulpturen“ von Levon Biss denken die Ausstellungsmacher weiter: Haptische Modelle stellen ausgewählte Mikrostrukturen der Insekten dreidimensional dar und sind ausdrücklich zum Anfassen gedacht. Soweit bekannt, werden zudem die Funktionen dieser Strukturen erklärt.

In einem Making-of-Film in der Ausstellung erklärt Levon Biss die Entstehungsweise der Fotografien und auf einem Touch-Screen ist es möglich in die Fotos hinein zu zoomen, um die mikroskopischen Details der Insektenkörper noch besser sehen zu können.

Erleben Sie Insekten in einer gänzlich neuen Dimension! Erforschen Sie die bizarren Oberflächenstrukturen und lassen Sie sich von ihren schillernden Farben faszinieren. Erfahren Sie mehr über ihre Evolution und die evolutionären Anpassungen und beeindruckenden Leistungen, mit denen die Insekten insgeheim unsere Welt beherrschen.

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

RAHMENPROGRAMM

MICROSCULPTURE
Die Insektenportraits von Levon Biss
Aus der Sammlung des Oxford University Museum of Natural History

4. Mai bis 5. August 2018

Öffentliche Führungen
kostenfrei, Sonderausstellungseintritt, max. 25 Teilnehmer, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse, keine Vorreservierung möglich

Sonntag 6.5.
11.15 Uhr und 15.15 Uhr
mit Dr. Ulrike Kiehne

INTERNATIONALER MUSEUMSTAG
Kostenfreier Eintritt für alle!

Sonntag 13.5.
11.15 Uhr
mit Dipl. Biol. Christiane Kern

15.15 Uhr
»Blütenpracht im Museum. Blumen und Insekten auf den Bildern alter Meister«
Dr. Stephanie Hauschild

Sonntag 20.5.
11.15 Uhr und 15.15 Uhr
mit Dr. Axel Allgaier

Mittwoch 23.5.
18.30 Uhr
»Blütenpracht im Museum. Blumen und Insekten auf den Bildern alter Meister«
mit Dr. Stephanie Hauschild

Sonntag 27.5.
11.15 Uhr und 15.15 Uhr
mit Julius Körner
Sonntag 3.6.
11.15 Uhr
mit Julius Körner

15.15 Uhr
Dipl. Biol. Christiane Kern

Aktionstag »MICROSCULPTURE – Faszinierende Insektenwelt«
Sonntag 10.6.
11.15 Uhr
mit Dr. Axel Allgaier

11.30 Uhr
»Blütenpracht im Museum. Blumen und Insekten auf den Bildern alter Meister«
mit D. Stephanie Hauschild

13.15 Uhr
mit Dr. Ulrike Kiehne

15.15 Uhr
Dipl. Biol. Christiane Kern

Mittwoch 6.6.
18.30 Uhr
mit Dr. Ulrike Kiehne

Mittwoch 13.6.
18.30 Uhr
Dipl. Biol. Christiane Kern

Sonntag 17.6.
11.15 Uhr
mit Dipl. Biol. Corinne Wacker

15.15 Uhr
Julius Körner

Sonntag 24.6.
15.15 Uhr
»Blütenpracht im Museum. Blumen und Insekten auf den Bildern alter Meister«
mit Dr. Stephanie Hauschild

Sonntag 1.7.
15.15 Uhr
mit Dr. Ulrike Kiehne

Sonntag 15.7.
15.15 Uhr
mit Dipl. Biol. Corinne Wacker

Sonntag 29.7
15.15 Uhr
mit Dr. Ulrike Kiehne

Sonntag 5.8.
15.15 Uhr
mit Dipl. Biol. Corinne Wacker

Vorträge
kostenfrei, Sonderausstellungseintritt, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse, keine Vorreservierung möglich, begrenzte Plätze

Mittwoch 16.5.
18.30 Uhr
»Insektensterben / Insektenökologie«
Vortrag von Prof. Alexandra-Maria Klein, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Mittwoch 13.6.
18.30 Uhr
»Ein bisschen Aas muss sein – Mit Schmeißfliege & Co auf Verbrecherjagd«
Vortrag von PD Dr. Jens Amendt, Institut für Rechtsmedizin, Forensische Biologie/Entomologie, Johann Wolfgang von Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Mittwoch 20.6.
18.30 Uhr
»Per Anhalter durch die dritte Dimension – Eine Reise in den Mikrokosmos«
Vortrag von Dr. Michael Heethoff, Technische Universität Darmstadt

Sonderveranstaltungen

Sommerkino im Römischen Hof
Mittwoch 4.7.
21.30 Uhr
»Das große Krabbeln« (Animationsfilm, USA, 1998, 96 Min, FSK 0)
Mittwoch 18.7.
21.30 Uhr
»Wings of Life« (Dokumentation, F/USA, 2011, 77 Min., FSK 0)

Kostenfrei, Einlass ab 21.00 Uhr nur über den Seiteneingang Museumsshop
Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung in den Vortragssaal verlegt.

Aktionstag »MICROSCULPTURE – Faszinierende Insektenwelt«
Sonntag 10.6.
11.00 – 17.00 Uhr
Das gesamte Programm wird gesondert veröffentlicht.

»Poetry Slam«
Mittwoch 1.8.
20.00 Uhr
Poetische Beiträge über die faszinierende Insektenwelt präsentiert vom Krone-Slam Team, Darmstadt, Moderation: Finn Holitzka

Eintritt: 4 Euro pro Person
Einlass ab 19.30 Uhr nur über den Seiteneingang Museumsshop
Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung in das Museum verlegt.

Kinder und Familien
Sommerferien-Workshop für Kinder ab 8 Jahren
»Faszinierende Insektenwelt«
Weitere Informationen sind auf unserer Homepage unter www.hlmd.de veröffentlicht.

Dienstag 3.7. bis Freitag 6.7.
Dienstag 24.7. bis Freitag 27.7.
Dienstag 31.7. bis Freitag 3.8.
jeweils 10.00–14.00 Uhr

Teilnehmerbeitrag: 50 Euro pro Teilnehmer, max. 20 Teilnehmern pro Woche
Anmeldung und Beratung: T 06151 16 57 – 111, vermittlung@hlmd.de

Rundgang mit »Museumsdirektor Dinkeltaler«
Samstag, 26.5, 15.00 Uhr
» Großes Insektenkrabbeln – wie viele Beine und Füße «
mit Kerstin Hebell

Samstag, 30.6., 15.00 Uhr
» Großes Insektenkrabbeln – wie viele Beine und Füße «
mit Kerstin Hebell

für Kinder von 4 bis 6 Jahren, kostenfrei, lediglich Sonderausstellungseintritt für Erwachsene, max. 25 Teilnehmer, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse

Familienausflüge
Sonntag 6.5.
14.00 Uhr
»Insekten – Die heimlichen Herrscher der Welt«
mit Dipl. Biol. Corinne Wacker

Sonntag 17.6.
14.00 Uhr
»Insekten – Die heimlichen Herrscher der Welt«
mit Dr. Ulrike Kiehne

für Kinder ab 6 Jahren, kostenfrei, lediglich Sonderausstellungseintritt für Erwachsene,
max. 25 Teilnehmer, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse, keine Vorreservierung möglich

Schulklassenangebote
Kita (5 – 6 Jahre) und Grundschule (Sachkunde)
Rundgang »Darf ich vorstellen: Das Insekt«
Themenschwerpunkte: Was macht ein Insekt aus, und wie unterscheiden sich einzelne Insektengruppen voneinander? Bauplan Insekt, Erarbeitung der Merkmale von Insektengruppen Dazu buchbares Angebot für die Grundschule:
Bau eines Insekten-Hotels (Bitte kleine Konservendosen mitbringen!)

Weiterführende Schule (Haupt- , Realschule, Gymnasium, 5. – 7. Klasse, Biologie)
Rundgang mit Übungsanteil »Eine Welt ohne Insekten? Ökosysteme und biologische Vielfalt«
Themenschwerpunkt: Ökologische Funktion und Evolution von Insekten mit Übungsanteil zur Frage: Wie verändert sich die Zahl der Insekten einer bestimmten Art, wenn sich das jeweilige Ökosystem ändert?

Dauer für alle Angebote: ca. 60 – 90 Min. mit Bau Insekten-Hotel ca. 100 Min.
Kostenbeiträge: 45 Euro, mit Bau Insekten-Hotel 70 Euro zzgl. 2,50 Euro Materialgebühren pro Teilnehmer
Anmeldung und Beratung: T 06151 16 57 – 111, vermittlung@hlmd.de

Lehrerfortbildung
Lehrkräfte und Referendare Grundschule, Weiterführende Schule, Sachkunde, Biologie
Mittwoch 9.5., 10.00 – 16.00 Uhr
Weitere Informationen sind auf unserer Homepage unter www.hlmd.de veröffentlicht.

Weitere aktuelle Ausstellungen im Landesmuseum

  • 28. März 2018 bis 24. Juni 2018 Eleganz und Poesie. Höhepunkte der französischen Zeichenkunst vom 16. bis 18. Jahrhundert
  • 24. April bis 22. Juli 2018 Beschaffenheit des Himmels. Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert
  • 4. Mai bis 5. August 2018 Microsculpture – Faszinierende Insektenwelt. Mit den Insektenportraits von Levon Biss

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Beschaffenheit des Himmels. Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert ab 24. April 2018 im Landesmuseum Darmstadt


Beschaffenheit des Himmels. Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert
24. April bis 22. Juli 2018

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie präsentiert vom 24. April bis 22. Juli 2018 14 Altaraufsätze, Retabelfragmente sowie Einzeltafeln, die beispielsweise aus Friedberg, Nieder-Erlenbach, Ortenberg, Siefersheim, Seligenstadt, Wolfskehlen und Worms in die Darmstädter Sammlung gelangten. Sie entstanden zwischen 1260 und 1505 und wurden, wie die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt, in den damaligen Kunstzentren der Mittelrheinregion Koblenz, Mainz, Frankfurt/M. und Worms gefertigt. In der Präsentation werden die Altarretabel, die somit zum kostbaren Kernbestand der Darmstädter Sammlung gehören, entsprechend ihrer Entstehungszentren neu gruppiert.

Die Besucher können sie durch spannungsreiche Blickbezüge, Rekonstruktionszeichnungen, kunsttechnische Kopien und mediale Inszenierungen wieder und neu entdecken. Leihgaben aus Basel, Boppard, Frankfurt/M., München und Oberwesel stehen im direkten Werkzusammenhang mit den Darmstädter Stücken und ergänzen die Schau.

Sammlungsbestand
Genau vor 200 Jahren erließ der Museumsgründer Großherzog Ludewig I. (1753-1830) auf Initiative des Darmstädter Architekten Georg Moller (1784-1852) im Großherzogtum Hessen-Darmstadt das erste Denkmalschutzgesetz Deutschlands. Angeregt durch diese Verordnung gelangten primär im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Ausstattungsstücke aus Kirchen und säkularisierten Klöstern Hessens und der Mittelrheinregion in die großherzogliche Galerie.

Forschungsprojekt
Der altdeutsche Tafelmalereibestand in Darmstadt ist von überragendem Niveau.
Unter dem Titel „Kunst- und Technologietransfer in Hessen und am Mittelrhein in Spätmittelalter und Früher Neuzeit auf der Grundlage des Gemäldebestandes des Hessischen Landesmuseums Darmstadt“ wurden 2013 bis 2018 die 14 Mittelrheinwerke im Kontext des gesamten altdeutschen Tafelmalereibestandes (79 Werke, ca. 177 Flächen) erstmals systematisch kunsthistorisch und kunsttechnologisch untersucht. Die VolkswagenStiftung förderte das gemeinsam mit der Städel-Kooperationsprofessur der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und der Hochschule für Bildende Künste in Dresden durchgeführte Projekt. In der zweiten Jahreshälfte werden die Ergebnisse in einem gedruckten Bestandskatalog vorgelegt.

Himmel
Die Ausstellung zeigt eine heute fremd erscheinende Bildwelt. Zugleich deckt sie auf, was die Retabel den Menschen in ihrer Entstehungszeit bedeuteten. Die musealen Kunstwerke sind fern ihrer einstigen sakralen Bestimmungsorte, besaßen jedoch im Spätmittelalter Funktionen im Gottesdienst und für die Frömmigkeit der Gläubigen. Gottesdienste führten Mensch und Gott, Erde und Himmel zusammen. Mit dem Himmel verband man das Jenseits und ewiges Leben bei Gott. Theologen wie Laien sahen das Himmelreich bevölkert von Engeln und Märtyrern die in göttlicher Ordnung um Jesus, Maria und die Apostel, versammelt waren. Die Altartafeln zeigen die göttliche Sphäre in leuchtenden Farben und Goldgrund und spiegeln bis ins Material hinein die theologischen Vorstellungen der Zeit wider. Für die Ausstellung wurden Kerzenlichtfilme produziert, die eine Ahnung davon vermitteln, wie die Menschen damals die Werke wahrnahmen. Die in leuchtenden Farben aufgemalten Darstellungen erhielten ein Eigenleben innerhalb der reliefierten und punzierten Goldgründe – Materielles wurde immateriell und transzendent.

Beschaffenheit
Die technologische Untersuchung der Bilder fasziniert ebenso wie die historische. Als Abbilder des Himmels sollten sie eine Ahnung von dessen Beschaffenheit geben. Bei Betrachtung durch das Mikroskop, der Infrarot- oder Röntgenaufnahme wird die außergewöhnlich kostbare Materialität der Tafelgemälde sichtbar. Eine wohlgeordnete Welt aus farbkräftigen Pigmenten, glänzenden oder matten Bindemitteln und kunstvoll verzierten Blattmetallen wird erkennbar. Die staunenswerte Kunstfertigkeit der Maler in den spätmittelalterlichen Werkstattbetrieben wird durch heutige Bildgebungsverfahren, fragmentarische Werke und kunsttechnologische Kopien wieder unmittelbar erlebbar.
Veranstaltungsort

Ort:

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
Karl-Freund-Galerie
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Laufzeit:
24. April bis 22. Juli 2018

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 – 20.00 Uhr

Samstag, Sonn- und Feiertag 11.00 – 17.00 Uhr
Montag geschlossen
Pfingstmontag geöffnet 11.00 – 17.00 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 6, ermäßigt 4 Euro
Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Ständigen Sammlung.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Gruppen- und Einzelführungen:
Individuelle Buchung beim Besucherservice Bildung und Vermittlung unter: Telefon: +49 (0) 6151 1657-111, Mail: vermittlung@hlmd.de
Anmeldungen auch für Gruppen ohne gebuchte Führung erforderlich! Die Führungen sind auf 25 Personen beschränkt.
Erreichbarkeit: Dienstag und Freitag 10.00 – 12.00 Uhr, Mittwoch 14.00 – 16.00 Uhr
pro Führung und Gruppe: 60 Euro zzgl. Eintritt, fremdsprachig: 70 Euro zzgl. Eintritt

 

Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert

Nieder-Erlenbacher Altar, Nikolaus Schit_1497. HMLD Foto Wolfgang Fuhrmannek
Nieder-Erlenbacher Altar, Nikolaus Schit_1497. HMLD Foto Wolfgang Fuhrmannek

Mainz

Im Herzen der Mittelrheinregion liegt die alte Bischofsstadt Mainz. Dort fertigte eine Großwerkstatt um 1260 die beidseitig bemalten Wormser Tafeln. Sie zählen zu den frühesten erhaltenen Flügeln eines wandelbaren Retabels nördlich der Alpen. Drei Studentinnen des Studiengangs Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von der Hochschule für Bildende Künste in Dresden erstellten kunsttechnische Kopien des rechten Flügels. Diese Kopien veranschaulichen den hohen Aufwand und das Know-how mit dem die Wormser Tafeln hergestellt worden sind.

Um 1370-80 war Tafelmalerei als kunst- und lehrreicher Bilderschmuck am Altar etabliert und der Hochaltar der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ in Friedberg erhielt ein monumentales Retabel. Wie Stilanalyse und Infrarotaufnahmen bestätigten, arbeiteten an diesem komplexen heilsgeschichtlichen Bildprogramm mehrere Maler und Gehilfen zusammen. Vorgestellt werden die massive Tafelkonstruktion und die Glanzleistung des größten Retabels in Darmstadt: die punzierten Goldhintergründe.

Das ästhetisch, künstlerisch und materialtechnisch herausragende Kunstwerk des Bestandes ist der um 1420 entstandene Ortenberger Altar. Beleuchtet werden die Provenienzfrage, die Fassungen der Flügelaußenseiten, der großflächige Einsatz von Blattmetallen und die Ikonographie, die Rückschlüsse auf Auftraggeber und Rezipienten erlaubt. Daneben zeigen wir eine Kopie (um 1430-40) des rechten Retabelflügels mit der Königsanbetung aus der Aschaffenburger Galerie. Der Ortenberger Altar entstammt einer produktiven Werkstatt, die neu charakterisiert werden kann.

KOBLENZ

Am nördlichen Mittelrhein schuf vermutlich eine Koblenzer Malerwerkstatt um 1400-1410 den von Köln beeinflussten Siefersheimer Altar. In Darmstadt ist nur die Mitteltafel erhalten. Im Museum Boppard machte die Forschung den rechten Retabelflügel ausfindig. Dieser rechte Flügel und die Mitteltafel sind seit Jahrhunderten erstmals wieder vereint und als ehemaliges Hochaltarretabel der Bopparder Karmeliterkirche rekonstruierbar.

FRANKFURT AM MAIN

Das Pendent zur Bischofsstadt Mainz, dem geistlichen Mittelrheinzentrum, bildete die Messestadt Frankfurt/M. Hier entstand um 1430 der Kleine Friedberger Baldachinaltar. Er führt uns ein weiteres Kunstwerk aus der Friedberger Liebfrauenkirche vor Augen, dass zudem mit einem damals überregional bedeutenden Gnadenbild, der etwa 100 Jahre früher entstandenen Muttergottes mit dem Jesuskind, ausgestattet ist. Der Baldachinaltar besaß einen Unterbau und die Madonna einen Sockel, die rekonstruiert wurden.

Die Tafel mit der Marienkrönung und Grablegung gehörte zu einem großen Marienaltar. Er wurde wohl von dem Frankfurter Meister Conrad I. Fyoll in den Jahren 1467-69 für das Prämonstratenserkloster Selbold (Main-Kinzig-Kreis) angefertigt. Die jüngere Forschung belegte dies anhand einer in der gleichen Werkstatt gemalten Grablegung Christi (Hist. Mus. Frankfurt/M.). Beide Tafeln werden erstmals nebeneinander präsentiert. Sie bezeugen eine einst bedeutende Frankfurter Malerwerkstatt im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts.

Der Nieder-Erlenbacher Altar ist auf dem Bildrahmen in das Jahr 1497 datiert. Er wurde vermutlich von dem Frankfurter Maler Nikolaus Schit für die kleine Pfarrkirche im gleichnamigen heutigen Frankfurter Stadtteil angefertigt. Das Bildprogramm zeugt nicht nur von der außergewöhnlichen Kunstfertigkeit Schits, sondern verdeutlicht, wie sehr die Druckgraphik Ende des 15. Jahrhunderts das ultimative Vorlagen-Medium in Malerwerkstätten geworden ist.

WORMS

Für die 11 km von Darmstadt entfernte Wolfskehler Pfarrkirche ließ der ortsansässige Adel dieses Schreinretabel anfertigen. Es kam 1821 als erster vollständiger Altaraufsatz in die Darmstädter Sammlung. Die Forschungen bestätigten, dass der Wolfskehler Altar in einer Wormser Werkstatt angefertigt wurde. Dieses Werk vom südlichen Mittelrhein, das durch die fast lebensgroßen Skulpturen von Maria, Petrus und Thekla eine besonders realitätsnahe Ausstrahlung besitzt, bildet den Abschluss der Ausstellung.

 

RAHMENPROGRAMM

Beschaffenheit des Himmels
Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert

24. April bis 22. Juli 2018

Öffentliche Themenführungen
Alle Führungen kostenfrei (lediglich Sonderausstellungseintritt), max. 25 Teilnehmer pro Führung, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse

Mittwoch
25.4., 18.30 Uhr
mit Almut Rüllmann, M. A.

Freitag
18.5., 11.00 Uhr
mit Dr. Thomas Foerster

Sonntag
27.5., 11.30 Uhr
mit Almut Rüllmann, M. A.

Freitag
15.6., 11.00 Uhr
mit Dr. Thomas Foerster

Mittwoch
4.7., 18.30 Uhr
mit Carien Walter

Sonntag
22.7., 11.30 Uhr
mit Carien Walter

Vorträge
Mittwoch 9.5., 18.30 Uhr
»Der Wolfskehler Altar«
von Dr. des. Hilja Droste, Johann Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt am Main

Mittwoch 11.7., 18:30 Uhr
»Der Nieder-Erlenbacher Altar und weitere Werke von Nikolaus Schit, einem Zeitgenossen Albrecht Dürers«
von Dr. Michaela Schedl, Johann Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt am Main

Museumskolleg für kunst- und kulturgeschichtliche interessierte Erwachsene
Freitag 4.5.
16.00 – 17.30 Uhr
»Altarmalerei am Mittelrhein – Formen, Funktionen, Kontexte«
mit Dr. Anna Eifert und Dr. Thomas Foerster

Freitag 18.5.
16.00 – 17.30Uhr
»Fallstudie Wormser Tafeln: Kunstgeschichte und Kunsttechnologie«
mit Dr. Anna Eifert, Dr. Thomas Foerster und Dipl. Rest. Susanne Voigt

Freitag 1.6.
16.00 – 17.30 Uhr
»Werkgruppen, Malerwerkstätten und Meister«
mit Dr. Anna Eifert und Dr. Thomas Foerster

Freitag 29.6.
16.00 – 17.30 Uhr
»Fallstudie Großer Friedberger Altar: die Erforschung des Kunst- und Technologietransfers in Hessen und am Mittelrhein«
mit Dr. Anna Eifert, Dr. Thomas Foerster und Christine Weber, M. A.

Leitung: Dr. Anna Eifert

max. 15 Teilnehmer
Kostenbeitrag für ein Kolleg mit 4 Terminen: 48 Euro pro Person
Paare und Familien: erster Teilnehmer zahlt vollen Preis, jeder weitere die Hälfte
Studierende, Arbeitsuchende gegen Nachweis zahlen die Hälfte der Kursgebühren
Weitere Informationen s. Ausstellungsfolder

Workshop
»Kleine Einführung in die Technik des Vergoldens«
Vergolden mit Blattgold
Sonntag 29.4.2018, 11.00 – 17.00 Uhr

Im Rahmen des eintägigen Kurses wird die grundlegende Technik der Ölvergoldung Schritt für Schritt erlernt. Jeder Teilnehmer nimmt als Ergebnis ein selbst vergoldetes Werkstück mit nach Hause. Es können auch eigene kleine Gegenstände, z. B. aus Holz, zum Vergolden mitgebracht werden. Die nötigen Werkzeuge werden gestellt. Das benötigte Blattgold erwirbt man vor Ort.

Leitung: Renate-Charlotte Hoffmann, M. A. (Vergoldermeisterin)
Kosten: 50 Euro zzgl. 25 Euro für das Büchlein »Blattgold«
max. 6 Teilnehmer
Anmeldung und Beratung: T06151 1657-111 oder vermittlung@hlmd.de

Ort:

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
Karl-Freund-Galerie
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Buchung von Gruppen- und Individualführungen
Kosten: eine Führung 60 Euro zzgl. Eintritt; fremdsprachig 70 Euro zzgl. Eintritt
Anmeldung mindestens zwei Wochen vor dem geplanten Museumsbesuch.
Servicetelefon: T 06151 1657-111 (Dienstag und Freitag 10.00 – 12.00 Uhr,
Mittwoch 14.00 – 16.00 Uhr) oder E-Mail: vermittlung@hlmd.de

Sensationelle Insektenportraits von Levon Biss im Landesmuseum Darmstadt – Kartenvorverkauf startet ab 10.4.2018

MICROSCULPTURE – Die Insektenportraits von Levon Biss
Aus der Sammlung des Oxford University Museum of Natural History
Ausstellungsdauer 4.5. – 5.8.2018, Großer Saal, Landesmuseum Darmstadt

Die spektakuläre Schau präsentiert vom 4. Mai bis 5. August 2018 als erstes deutsches Museum die in Auflösung und Größe einmaligen Insektenaufnahmen des Britischen Fotografen Levon Biss. Seine Fotos rücken die Insekten aus der Sammlung des Oxford University Museum of Natural History in ein gänzlich neues Licht. Sie zeigen die atemberaubende Schönheit der Insekten, machen die oft unerwarteten, teils bizarren Oberflächenstrukturen und vielfältigen Farben sichtbar und zeigen so die Komplexität der evolutionären Anpassungen.

Die Funktionen all dieser sogenannten „microsculptures“ sind bislang oft nur wenig oder gar nicht bekannt. Die sorgsam vom Entomologen Dr. James Hogan ausgewählten Objekte wurden aufwendig ausgeleuchtet und durch ein Mikroskop-Objektiv fotografiert. Für jede Microsculpture wurden ca. 8000 Einzelfotos aufgenommen, die übereinandergelegt und zusammengesetzt, ein durchgehend scharfes Bild ergeben.

Kartenvorverkauf online
am Dienstag, den 10. April 2018, beginnt der Vorverkauf für die Ausstellung „MICROSCULPTURE – Die Insektenportraits von Levon Biss“. Zu erwerben sind die Tickets an den Kassen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und online unter:
Karten für Ausstellung „MICROSCULPTURE“

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

Landesmuseum Darmstadt zeigt „Eleganz und Poesie – Höhepunkte der französischen Zeichenkunst vom 16. bis 18. Jahrhundert“


In der neuen Ausstellung „Eleganz & Poesie – Höhepunkte der französischen Zeichenkunst“ zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt vom 29. März bis 24. Juni 2018 aus 490 Blättern seines eigenen Bestandes 75 ausgewählte Kostbarkeiten der Zeichenkunst in Frankreich vom 16. bis 18. Jahrhundert.

Die Ausstellung mit 75 ausgewählten Zeichnungen unterstreicht die Qualität der Werke, indem sie diese nicht nur chronologisch, sondern auch unter ästhetischen Gesichtspunkten ordnet. Abstraktion und Reduktion von visueller Information auf die bloße Kontur ist eine beachtliche intellektuelle Leistung. Deshalb gilt die Schule der Zeichnung auch als Schule des aufmerksamen und genauen Sehens

Im 16. Jahrhundert sind die Blätter von Jean Cousin der Ältere oder Étienne Delaune deutlich vom Manierismus geprägt. Wie die Zeichnungen von Martin Fréminet und Nicolas Cordier sind sie von höchster Qualität. Vielseitig und originell ist das 17. Jahrhundert mit Zeichnungen von Pierre Brebiette oder Claude Vignon. Aus dem lothringischen Raum stammen die Künstler Jacques Bellange und Jacques Callot, die mit einzigartigen, lavierten Federzeichnungen vertreten sind. Genauso bemerkenswert sind die Arbeiten von Simon Vouet und seinen Schülern sowie von Laurent de La Hyre, die unter der Regierung Louis XIII. arbeiteten. Auch die Künstler unter Louis XIV. sind präsent, insbesondere durch Charles Le Brun, Adam Frans Van der Meulen und Charles de La Fosse. Ebenso reich ist die Kollektion des 18. Jahrhunderts. Dazu gehören die berühmten Vertreter des Stils der „fêtes galantes“, Claude Gillot und Jean-Antoine Watteau, und die führenden Vertreter des Rokoko, François Boucher, Jean-Baptiste-Marie Pierre, Pierre-Charles Trémolières und Jean-Honoré Fragonard. Schließlich sind auch Arbeiten der großen Landschaftszeichner Joseph Vernet, Hubert Robert und Jean-Jacques Boissieu Teil der Ausstellung, genauso wie die der Historienmaler Jean-Simon Berthélémy, Gabriel-François Doyen oder Jean-Baptiste Greuze, die die französische Kunst zum neoklassizistischen Stil führten. Dieser wurde schließlich durch Jean-François-Pierre Peyron, Alexandre (oder Jean-Philibert) Moitte, Antoine-Denis Chaudet und Anne-Louis Girodet-Trioson umgesetzt.
RAUMFOLGE

RAUM 1
Zeichnung als eine Stufe im Werkprozess

Jacques Callot Entwurf für eine Theaterdekoration nach italienischer Art in der Mitte eine Säule um 1618. Schwarze Kreide, Pinsel und braune Lavierung. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD
Jacques Callot Entwurf für eine Theaterdekoration nach italienischer Art in der Mitte eine Säule um 1618. Schwarze Kreide, Pinsel und braune Lavierung. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

In der Kunsttheorie der Renaissance wird Zeichnung als „Disegno“ – von lateinisch „designare“ (bezeichnen/zeichnen) – zum grundlegenden Begriff und steht sowohl für die künstlerische Idee, den Entwurf wie auch für das geistiges Konzept in einem religiösen Sinne. Die Zeichnung ist der erste Gedanke, den der Künstler zu Papier bringt. Auch im 17. Jahrhundert bleibt die Zeichnung eine Stufe im bildnerischen Entstehungsprozess und diesem untergeordnet. Häufig erfüllt sie eine akademische Pflichtaufgabe. Zeichnerisch wird das Gesamtbild in einzelnen Details erarbeitet oder es wird die Komposition durchgespielt, bevor die Einzelstudien etwa für ein Gemälde, eine Wandmalerei oder eine Skulptur übertragen werden. Im 18. Jahrhundert gilt die Zeichnung als die Grundtechnik der künstlerischen akademischen Ausbildung. Allerdings besteht die Tendenz, das Zeichnen auf den technischen Aspekt zu verkürzen und in der Zeichnung vor allem die vorbereitende Studie und Übung zu sehen. In der französischen Akademie dienen Ideen-, Entwurfsskizzen, Kompositions- und Figurenstudien sowie die genaue Vorzeichnung, gegebenenfalls in unterschiedlichen Techniken, zur Kontrolle im Herstellungsprozess eines Kunstwerkes.

RAUM 2
Zeichnung wird autonom

Horace Le Blanc Militaerszene. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD
Horace Le Blanc Militaerszene. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Die im 18. Jahrhundert übliche Akademiepraxis ordnet den Inhalt des Akademiestudiums in drei Bereiche: das Zeichnen „d‘après l’exemple“ (nach graphischen Vorlagen), „d’après la bosse“ (nach Statuen) und „d’après la nature“ (nach dem lebenden Modell). Den weichzeichnenden Stiften, das ist weiße, schwarze und rote Kreide, kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Gemeinsam ist diesen Materialien die Variabilität des Auftrags: Kreiden erlauben einerseits weich schattierend, schummernd sowie breit und flächig zu zeichnen, andererseits kann man durch Spitzen, Schneiden oder Brechen des Stiftes auch eine scharfe, präzise Linie ziehen. Kreide reagiert auf den leisesten Druck der Hand und lässt sich für lineare Gestaltungen wie für plastische Modellierungen und unterschiedliche Tondarstellungen einsetzen. Vorteilhaft für den Zeichner ist, dass die Kreidestriche korrigiert werden können, das ist ein wichtiger Aspekt für das Erarbeiten von Studien nach der Natur oder dem lebenden Modell.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts wächst das Bewusstsein einer subjektiven Empfindung. Damit einher geht das Interesse an einer individuellen zeichnerischen Handschrift und einer privaten Sicht auf die Dinge. Damals wird dem Sehen bei der Erziehung des vernünftigen Menschen eine wesentliche Bedeutung zugemessen, wobei das Auge als Instrument des Verstandes und der Emotion verstanden wird. Die Zeichnungen und das Zeichnen als private Beschäftigung erhalten hier einen neuen Sinn, insofern als sie die Trennung zwischen Auge und Hand aufheben. Während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehen neben der offiziellen Akademie in Paris mehrere private Kunstschulen und Kreise, in denen das gemeinsame Zeichnen als eine Form von Geselligkeit praktiziert wird. Allmählich entwickelt sich die Zeichnung zu einem eigenständigen Bereich. So werden in dem ab 1737 regelmäßig stattfindenden „Pariser Salon“, jener Akademie-Ausstellung, die von König Ludwig XIV. 1667 initiiert wurde, um den offiziellen höfischen Kunstgeschmack zu propagieren, Zeichnungen neben Gemälden und Skulpturen als gleichberechtigt gezeigt.

RAUM 3
Pierre Crozat (1661 oder 1665–1740) – Bankier, Sammler und Mäzen

Charles-Joseph Natoire Der Hafen Ripa Grande in Rom. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD
Charles-Joseph Natoire Der Hafen Ripa Grande in Rom. Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Es sind vor allem Liebhaber und Kenner, die der Zeichnung zum Durchbruch verhelfen, indem sie diese neben der akademischen Übung und Arbeit im Atelier zu einem Medium geistiger und geselliger Kommunikation machen. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts kommt dabei den Sammlungen des vermögenden Bankiers Pierre Crozat (1661 oder 1665–1740) eine existentielle Rolle zu. 1704 erwarb Crozat in Paris eine große, an der rue de Richelieu gelegene Parzelle, wo er sich eine luxuriöse Stadtresidenz bauen ließ. Die zur Gartenseite gelegene große Galerie schmückte Charles de La Fosse aus, für den Speisesaal schuf Crozats Schützling Jean-Antoine Watteau die „Vier Jahreszeiten“.

Bei wöchentlich stattfindenden „Réunions“ trifft sich ein Zirkel von Kennern und bildenden Künstlern, es wird musiziert und gesellschaftliche Konversation gepflegt, vor allem aber studiert man Gemälde und Zeichnungen in Crozats Sammlungen und diskutiert Fragen der Kunst. Einige der hier vertretenen Künstler gehören zum Besucherkreis. Nahezu ständig anwesende Stammgäste sind Charles de La Fosse (1640–1716), der in seinem Haus starb, und Crozats junger Schützling Jean-Antoine Watteau (1684–1721), den er von 1715 bis 1717 beherbergte, sowie der junge Maler Charles-Joseph Natoire (1700–1777) oder François Boucher (1703–1770).

Pierre Crozat stirbt im Jahr 1740 in seinem Stadtpalais. Seine Kunstsammlung ist die größte private Sammlung dieser Art im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Die Zeichnungen werden bereits 1741 versteigert. Im Jahr 1772 wird die Gemäldesammlung mit Unterstützung des Philosophen Denis Diderot von der russischen Zarin Katharina der Großen angekauft, so dass die Sammlung Crozat sich heute größtenteils in der Ermitage in Sankt Petersburg befindet.

RAUM 4
Der Markt der Sammler und Händler

Antoine Denis Chaudet Derjenige der gibt bekommt es von Gott zurueck Bleigriffel.Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD
Antoine Denis Chaudet Derjenige der gibt bekommt es von Gott zurueck Bleigriffel.Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

„Die Handzeichnungen großer Meister werden von Kennern und Künstlern sehr hoch geschätzt, und nicht selten zum Studium der Kunst, den nach diesen Zeichnungen vollendeten Werken selbst vorgezogen. Denn da sie insgeheim in dem vollen Feuer der Begeisterung verfertiget werden, dem wahren Zeitpunkt, da der Künstler mit der größten Lebhaftigkeit fühlt, und am glücklichsten arbeitet: so ist auch das größte Feuer und Leben darin.“
Johann George Sulzer, Allgemeine Theorie der schönen Künste, 1779

Neben dem akademischen Diskurs befördert eine breite Sammlerbewegung die Etablierung der Zeichnung auf dem sich entwickelnden Kunstmarkt. Der Pariser Kunsthandel reagiert, indem er zu den zahlreichen Versteigerungen des 18. Jahrhunderts nicht nur Listen, sondern ausführliche Kataloge publiziert, in denen die Zeichnungen nach Schulen geordnet und beschrieben werden. Einige der Darmstädter Blätter stammen aus der Sammlung von Pierre-Jean Mariette (1694–1774), die 1775 in Paris versteigert worden ist. Was Qualität und Kennerschaft betrifft, ist Mariettes Sammlung als die überragende ihrer Zeit anzusehen. Mariettes Auffassung, der Strich lasse die Sache erkennen und arbeite damit das Wesentliche einer bildlichen Darstellung heraus, setzt sich allgemein durch und wird wegbereitend für die Aufwertung der Zeichnung als eigenständige Kunstgattung.
Diese Entwicklungen, das dem 18. Jahrhundert eigene ausgeprägte Bewusstsein für die Zeichnung einerseits und die Liberalisierung der Akademie andererseits, haben schließlich zu einer außerordentlichen Vielfalt geführt, was die Zeichenmittel, die Zeichentechniken und die behandelten Thematiken betrifft.

Veranstaltungsort

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
Karl-Freund-Galerie

Laufzeit
29. März 2018 bis 24. Juni 2018

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 – 20.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag 11.00 – 17.00 Uhr
Montag, Karfreitag geschlossen
Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet

Eintritt
Erwachsene 6, ermäßigt 4 Euro
Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Ständigen Sammlung.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Gruppen- und Einzelführungen
Individuelle Buchung beim Besucherservice Bildung und Vermittlung
unter: Telefon: +49 (0) 6151 1657-111, Mail: vermittlung@hlmd.de
Anmeldungen auch für Gruppen ohne gebuchte Führung erforderlich!
Die Führungen sind auf 25 Personen beschränkt.
Erreichbarkeit: Dienstag und Freitag 10.00 – 12.00 Uhr, Mittwoch 14.00 – 16.00 Uhr
pro Führung und Gruppe: 60 Euro zzgl. Eintritt, fremdsprachig: 70 Euro zzgl. Eintritt

Katalog
Französische Zeichnungen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts im Hessischen Landesmuseum Darmstadt“, in deutscher oder französischer Sprache
90 Euro während der Ausstellung im Museumsshop

Publikation
Sammelmappe für Zeichnungsliebhaber mit 15 Reproduktionen ausgewählter und kommentierter französischer Zeichnungen aus dem Darmstädter Bestand.
24,90 Euro

Rahmenprogramm

Eleganz & Poesie
Höhepunkte der französischen Zeichenkunst im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

29. März 2018 bis 24. Juni 2018

Aktionstag
Sonntag der französischen Zeichenkunst
29.4.2018, 11.00 – 17.00 Uhr
Karl Freund-Galerie (2. OG)

Programm

Ganztägig
Die Kurse »Werkstatt Zeichnen« stellen sich vor und laden zum Mitzeichnen ein, unter der Leitung von Gudrun Cornford

11.15 Uhr
»Rendezvous«
Öffentliche Führung mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

12.15 Uhr
»Rendezvous«
Öffentliche Führung mit Nina Wittmann, M. A.

13.15 – 13.45 Uhr
»Harfenklänge für die Kunst«
mit Iván Gómez Cervantes

14.00 Uhr
»Rendezvous«
Öffentliche Führung mit Dr. Mechthild Haas, HLMD

15.00–15.30 Uhr
»Harfenklänge für die Kunst«
mit Iván Gómez Cervantes

15.30–16.00 Uhr
»La poésie et l´art«
Poetisches zur Ausstellung
mit Finn Holitzka und Samuel Kramer (Poetry Slamer)

16.00 Uhr
»Rendezvous« (frz./dt.)
Öffentliche Führung in deutsch-französischer Sprache mit Barbara Rubert, M. A.

Öffentliche Führungen

Sonntag, 1.4.2018
14.00 Uhr mit Dr. Susanne Lang

Sonntag, 8.4.2018
14.00 Uhr mit Nina Wittmann, M. A.

Mittwoch, 11.4.2018
18.30 Uhr mit Barbara Rubert, M. A.

Freitag, 11.5.2018
11.00 Uhr mit Dr. Susanne Lang

Sonntag, 27.5.2018
14.00 Uhr mit Dr. Susanne Lang

Freitag, 8.6.2018
11.00 Uhr mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

Mittwoch, 20.6.2018
18.30 Uhr mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD

Sonntag, 24.6.2018

Finissage
11.15 Uhr, Führung mit Dr. des. Jennifer Chrost, HLMD
14.00 Uhr, Führung mit Dr. Mechthild Haas, HLMD
15.00–17.00 Uhr,
»Macarons et Crémant«
Französische Gaumenfreuden mit Anna Reckmann
Pâtisserie & Chocolaterie im Café Rodenstein

Veranstaltungsort
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
Karl-Freund-Galerie

Laufzeit
29. März 2018 bis 24. Juni 2018

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch 10.00 – 20.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag 11.00 – 17.00 Uhr
Montag, Karfreitag geschlossen
Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet

Eintritt
Erwachsene 6, ermäßigt 4 Euro
Das Ticket berechtigt auch zum Besuch der Ständigen Sammlung.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Gruppen- und Einzelführungen
Individuelle Buchung beim Besucherservice Bildung und Vermittlung
unter: Telefon: +49 (0) 6151 1657-111, Mail: vermittlung@hlmd.de
Anmeldungen auch für Gruppen ohne gebuchte Führung erforderlich!
Die Führungen sind auf 25 Personen beschränkt.
Erreichbarkeit: Dienstag und Freitag 10.00 – 12.00 Uhr, Mittwoch 14.00 – 16.00 Uhr
pro Führung und Gruppe: 60 Euro zzgl. Eintritt, fremdsprachig: 70 Euro zzgl. Eintritt

Trauer um dem Darmstädter Landesmuseums-Direktor Dr. Theo Jülich

Dr. Theo Jülich, Direktor des Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Foto: HLMD
Dr. Theo Jülich, Direktor des Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Foto: HLMD

Wiesbaden.Kunst- und Kulturminister Boris Rhein sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Landesmuseums Darmstadt trauern um den Leitenden Direktor des Hauses, Dr. Theo Jülich. Dr. Jülich verstarb am 20. Januar 2018 nach langer, schwerer Krankheit.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Dr. Theo Jülich war ein herausragender Kunstwissenschaftler und hat das Hessische Landesmuseum Darmstadt mit Herzblut geführt. Eine seiner größten Leistungen war die Koordinierung der Sanierung des Landesmuseums, das seitdem zweifellos eines unserer kulturellen Flaggschiffe in Hessen ist. Dr. Theo Jülichs Tod reißt eine große Lücke – nicht nur an seinem Arbeitsplatz und bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch in der gesamten hessischen Museumslandschaft. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Familie und seinen Freunden.“

Dr. Theo Jülich wurde 1956 geboren. Er studierte Kunstgeschichte und Geschichte in Aachen und kam 1989 zum Hessischen Landesmuseum Darmstadt – zunächst als wissenschaftlicher Angestellter. Im Jahr 2005 wurde er stellvertretender Direktor des Hauses, seit 2013 führte er das Landesmuseum als Leitender Direktor.

Dr. Jülichs Leidenschaft galt vor allem der Mittelalterlichen Kunst. Er war national und international als herausragender Kenner bekannt. Ebenso wie das Mittelalter fesselte ihn die Geschichte des Hessischen Landesmuseums seit seinen Anfängen 1820. Er arbeitete diese Geschichte erstmals intensiv und für alle nachfolgenden Generationen gültig auf. Dass er das 200jährige Jubiläum im Jahr 2020 nicht mehr gestalten kann, ist daher besonders tragisch.

Dr. Theo Jülich schaffte es, dass das Hessische Landesmuseum Darmstadt alle Altersstufen anspricht und sich so ein breites Interesse am Haus und seinen Sammlungen sichert. Während der siebenjährigen Sanierung des Landesmuseums koordinierte Dr. Jülich mit größtem Einsatz die Auslagerung der gesamten Sammlung und arbeitete gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung daran, ein modernes Museumserlebnis zu schaffen, das 2014 der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte.

Die Früchte dieses Erfolges konnte er aufgrund seiner bald folgenden Erkrankung leider nicht mehr in vollen Zügen genießen. Er blieb bis zur letzten Minute an seinem Schreibtisch im Dienst des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und dessen Zukunft. Davon legt die noch bis zum 11. März 2018 laufende Ausstellung „Der Mainzer Goldschmuck. Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit“ Zeugnis ab, die ihm seit langen Jahren ein besonderes Forschungs- und Herzensanliegen war.

„Das Hessische Landesmuseum Darmstadt ist eines der letzten großen Universalmuseen in Europa, das Kunst, Kultur und Naturkunde unter einem Dach vereint. Dr. Theo Jülich verstand es unnachahmlich, die unterschiedlichen Sammlungen miteinander zu vernetzen und durch attraktive Dauer- und Sonderausstellungen mit anspruchsvollen Themen zu präsentieren. Wir werden Dr. Theo Jülich ein ehrendes Andenken bewahren“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein abschließend.

Das Kondolenzbuch liegt ab Dienstag, den 23. Januar 2018, in der Haupthalle des Museums aus. Während der Öffnungszeiten des Museums gibt es die Möglichkeit, sich in das Buch einzutragen.

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt

Bis 04. Februar 2018 Bildwerke des Wissens. Ein Querschnitt durch 450 Jahre Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt
Bis 11. März 2018 Der Mainzer Goldschmuck. Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit
Save the date!
28. März 2018 bis 24. Juni 2018 Eleganz und Poesie. Höhepunkte der französischen Zeichenkunst vom 16. bis 18. Jahrhundert
24. April bis 22. Juli 2018 Beschaffenheit des Himmels. Altarmalerei am Mittelrhein vom 13. bis 16. Jahrhundert
4. Mai bis 5. August 2018 Microsculpture – Faszinierende Insektenwelt. Mit den Insektenportraits von Levon Biss

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Der Mainzer Goldschmuck – Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit

Die große fränkische Adler-/Pfauenfibel, 2. Hälfte 9. Jahrhunderts, die 1880 in Mainz (Ecke Stadthausstrasse/Schustergasse" gefunden wurde, war Hauptstück des  Konvoluts, um das in den folgenden Jahren die Geschichte eines Kaiserinnenschmucks erfunden wurde. Die Fibel, jetzt in der Darmstädter Ausstellung zu bewundern, zählt zu den kostbarsten Exponaten des Landesmuseums Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow
Die große fränkische Adler-/Pfauenfibel, 2. Hälfte 9. Jahrhunderts, die 1880 in Mainz (Ecke Stadthausstrasse/Schustergasse“ gefunden wurde, war Hauptstück des Konvoluts, um das in den folgenden Jahren die Geschichte eines Kaiserinnenschmucks erfunden wurde. Die Fibel, jetzt in der Darmstädter Ausstellung „Mainzer Goldschatz“ zu bewundern, zählt zu den kostbarsten Exponaten des Landesmuseums Mainz und war auch 1992  in der großen Staufer-Ausstellung  in Speyer ein Publikumsmagnet. Foto: Diether v. Goddenthow

Die abenteuerliche Geschichte des wohl prominentesten mittelalterlichen Schmuckensembles, die Ergebnisse der Untersuchungen und seine heutige Interpretation sind die Themen dieser einmaligen Ausstellung, die zum ersten Mal alle Teile des Schatzes vereinigt. Vom 8. Dezember 2017 – 11. März 2ß18.

Sicher ist, dass 1880 im Stadtzentrum von Mainz bei Bauarbeiten eine goldene Fibel aus dem Mittelalter gefunden wurde, die einen stilisierten Pfau zeigt. Wie das Denkmalschutzgesetz es für Bodenfunde vorschrieb, gelangte das Stück in das Mainzer Altertumsmuseum. Es wurde bei der Gelegenheit an einigen Stellen restauriert, was bei Bodenfunden durchaus üblich ist, und der Fund als „Adlerfibel“ in der Fachliteratur veröffentlicht. Sechs Jahre später, 1886, tauchen mit unklarer Herkunft 6 Ringe, 5 Schmuckstücke und einige Goldketten bei einer Wiesbadener Trödlerin, Rebekka Rosenau, auf. Der Konservator für die Altertümer im Bezirk Wiesbaden, Carl August von Cohausen (1812 – 1894), vermerkt aufgrund der Art der anhaftenden Erde, dass die Stücke als Fund von einem Acker stammen müssen. Das heißt, sie haben nichts mit dem Fund von 1880 in der Mainzer Innenstadt zu tun.

Davon geht aber der Mainzer Kulturprälat Friedrich Schneider (1836 – 1907) aus, der 1887 bei einer weiteren Gruppe von Schmuckstücken vom dritten Teil des Mainzer Goldschmucks redet. Die Wiesbadener Gruppe war für ihn also der zweite Teil des Schatzfundes. Die Wiesbadener Gruppe wird von dem Frankfurter Kunsthändler Julius Goldschmidt (1858 – 1932) für 2.700 Mark erworben, durch gegenseitige Verkäufe mit David Reiling, einem Mainzer Kunsthändler, auf 5.000 Mark hochgeschaukelt und schließlich auf nachdrückliche Empfehlung von Friedrich Schneider für 10.000 Mark an den Baron Maximilian von Heyl verkauft.

Friedrich Schneider ist wie eine Art Kunstmakler für den Darmstädter Millionär Maximilian von Heyl (1844 – 1925) tätig. Er ist ihm freundschaftlich verbunden und berät ihn bei Ankäufen zum Aufbau einer großen Kunstsammlung, vornehmlich bei mittelalterlichen Objekten. Ein Jahr später, 1887, tauchen bei dem Wiesbadener Kunsthändler August Gerhard weitere Schmuckstücke auf, darunter ein Brustschmuck, der sogenannte Loros. August von Cohausen hält diesen nach einer Einschätzung von Julius Lessing (1843 – 1908), dem Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums, für zwei Gehänge, die seitlich an einer Krone befestigt gewesen wären. Friedrich Schneider schreibt an von Heyl, er hoffe, dass auch die zugehörige Krone bald auftauche. Von Heyl erwirbt diesen „dritten“ Teil des Mainzer Schmucks für 8.000 Mark.

Einige Stücke, die bei von Heyl zu dem Schmuckensemble zählten, werden sonst nicht in den Empfehlungsschreiben und Berichten erwähnt. Dazu zählen der Halsschmuck, das sogenannte Maniakon, und die Berliner Adlerfibel, die wohl mit dem „dritten“ Teil von August Gerhard 1887 nach Darmstadt kamen. Ohrringe und weitere Fibeln mögen ebenfalls darunter gewesen sein, falls sie nicht tatsächlich mit der Adlerfibel 1880 gefunden und unterschlagen wurden und auf uns nicht bekannten Wegen an Baron von Heyl gelangten.

Zwei Sternfibeln, Gold, Saphire, Amethyste, Perlen und Granateinlagen.  1. Hälfte 11. Jahrhundert, die angeblich 1896 durch den Prälaten Friedrich Schneider höchstpersönlich in einer Baugrube am Mainzer Dom gefunden worden sind. Foto: Diether v. Goddenthow
Zwei Sternfibeln, Gold, Saphire, Amethyste, Perlen und Granateinlagen. 1. Hälfte 11. Jahrhundert, die angeblich 1896 durch den Prälaten Friedrich Schneider höchstpersönlich in einer Baugrube am Mainzer Dom gefunden worden sind. Foto: Diether v. Goddenthow

1896 entdeckt Friedrich Schneider höchstpersönlich in einer Baugrube am Mainzer Dom die zwei Mainzer Tasseln (paarweise getragene Fibeln), die dann dem Dommuseum Mainz einverleibt und heute im Darmstädter Landesmuseum aufbewahrt werden. Ihr Zustand mit unversehrten Perlen und kaum verdrückten Goldfassungen spricht entweder für eine durchgreifende Restaurierung, die aber nicht in den Unterlagen des Dommuseums dokumentiert ist, oder für ganz andere Fundumstände als angegeben.1904 werden schließlich bei Bauarbeiten ein Ohrring und eine byzantinische Münze des Kaisers Romanos gefunden und dem Gesetz folgend dem Altertumsmuseum Mainz, heute Landesmuseum Mainz, übergeben.

Eine eingehende technologische und kunsthistorische Untersuchung der Stücke in den letzten Jahren ergab, dass sie weder stilistisch noch technisch in einen unmittelbaren Zusammenhang gehören. Sie entstammen unterschiedlichen Zeiten und Regionen. Ein Teil von ihnen ist durchgreifend restauriert, ein anderer Teil nur wenig. Gerade die prominenten Stücke, die die Vorstellung von einem Kaiserinnenschmuck erst begründeten, sind aber moderne Erfindungen. Das gilt für den Loros, das Maniakon und die Berliner Adlerfibel. Sie wurden unter der Verwendung weniger alter Teile neu geschaffen.

Denkbar und wahrscheinlich ist nun folgendes Szenarium: Nach dem spektakulären Fund der Mainzer Adlerfibel entsteht bei von Heyl der Wunsch, derartiges und möglichst mit einer prominenten Herkunft auch in seiner Sammlung zu haben. In enger Zusammenarbeit präsentieren Friedrich Schneider, Julius Goldschmidt, David Reiling und August Gerhard nun Stücke, die sie mit dem Mainzer Schatzfund in Verbindung bringen. Das sind Objekte, die aus unterschiedlichsten Quellen wie Raubgrabungen und dem Kunsthandel stammen. Darunter sind auch solche wie die große Buckelfibel, die Darmstädter Tasseln und die Ohrgehänge, die von großer Feinheit und Qualität sind. Die beiden Schmuckketten, Loros und Maniakon, sind dagegen grob nach dem Vorbild mittelalterlicher Bilder von Kaisern und Kaiserinnen und antiken Schmuckstücken unter Verwendung von alten Teilen wie zerbrochenen Kameen neu gestaltet worden. Friedrich Schneider preist die Stücke an, verbürgt sich sozusagen dafür, und der Baron kauft im Glauben, es handele sich um einen homogenen Fund mit fürstlichem Hintergrund.
Inwieweit Friedrich Schneider von der zweifelhaften Herkunft der Stücke wusste oder selbst mit Erfolg betrogen wurde, kann man heute nicht mehr entscheiden. Der wundersame Fund der Tasseln, die weder in ihrem Zustand noch als Pärchen im Erdboden am Mainzer Dom Sinn machen, spricht dafür, dass hier dem Prälaten und seinem Museum aus derselben zusammen gestellten Kollektion etwas zukommen sollte, aus der auch der Schmuck der Kaiserinnen stammte.

Der Öffentlichkeit wird der Schatz im Besitz des Barons von Heyl zuerst 1890 im Kunstgewerbemuseum Berlin, dann auf der Düsseldorfer Kunstausstellung 1902 als Schmuck einer Fürstin des 11. Jahrhunderts präsentiert. Wilhelm von Bode (1845 – 1929), der Generaldirektor der königlichen Museen in Berlin, wird ihn in Berlin oder Düsseldorf gesehen haben. Seit der Ausstellung 1902 wird dem Schmuck eine stets wachsende kaiserliche Aura zugebilligt, bis hin zu Otto von Falkes (1862 – 1942) Identifizierung der Trägerin als Kaiserin Gisela im Jahr 1913. In der Öffentlichkeit und in der Kunstgeschichte werden gerade die beiden Kettengehänge zum Paradebeispiel für den Schmuck einer hochmittelalterlichen Kaiserin.

Wohl auf Anregung des Generaldirektors der Königlichen Museen, Wilhelm von Bode, erwarb 1912 eine Gruppe vermögender Männer das zum Kaiserinnen-Schmuck erhobene Konvolut für 300 000 Mark vom Darmstädter Baron von Heyl für das im Bau befindliche "Deutsche Museum" in Berlin. Dies war ein Prestige-Projekt von Kaiser Wilhelm II,  Foto: Diether v. Goddenthow
Wohl auf Anregung des Generaldirektors der Königlichen Museen, Wilhelm von Bode, erwarb 1912 eine Gruppe vermögender Männer das zum Kaiserinnen-Schmuck erhobene Konvolut für 300 000 Mark vom Darmstädter Baron von Heyl für das im Bau befindliche „Deutsche Museum“ in Berlin. Dies war ein Prestige-Projekt von Kaiser Wilhelm II, Foto: Diether v. Goddenthow

Wohl auf Anregung Wilhelm von Bodes hatte sich ein Konsortium privater vermögender Stifter unter der Organisation des Bankiers Ludwig Delbrück (1860 – 1913) gebildet mit dem Ziel, den Schatz für Kaiser Wilhelm II. und das gerade entstehende „Deutsche Museum“ zu erwerben. 1912 konnte für 300.000 Mark die Besitzübertragung erfolgen. Auch für Baron von Heyl war daher der „Schmuck der Kaiserinnen“ ein gutes Geschäft. Das „Deutsche Museum“ Wilhelm von Bodes wurde durch Krieg und Revolution bedingt erst 1930 eröffnet und der Schmuck schließlich dem Kunstgewerbemuseum überwiesen, wo er über Jahrzehnte hinweg als das Hauptwerk des mittelalterlichen Schmucks in Deutschland galt.

Der Katalog zur Ausstellung
coverDer zur Ausstellung von Theo Jülich herausgegebene Katalog erweist sich als wahre Fundgrube zu allen Aspekten  der abenteuerlichen Geschichte des Mainzer Goldschmucks, des wohl prominentesten mittelalterlichen Schmuckensembles in Deutschland.

Theo Jülich (Hrsg.) MAINZER GOLDSCHMUCK. Ein Kunstkrimi aus der Kaiserzeit, Schnell & Steiner, Regenburg 2017, gebundene Ausgabe, 336 Seiten, ISBN:978-3-7954-3286-7
33 Euro während der Ausstellung im Museumsshop, 39,95 Euro im Buchhandel.

RAHMENPROGRAMM

Der Mainzer Goldschmuck
Ein Kunstkrimi aus der deutschen Kaiserzeit – vom 8. Dezember 2017 – 11. März 2ß18

Öffentliche Themenführungen
Sonderausstellungseintritt, max. 25 Teilnehmer, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag
an der Museumskasse, keine Vorreservierung möglich

Sonntag, jeweils 11.30 Uhr
10.12.2017
»Zwischen Mythos und Wirklichkeit – Ein Kunstkrimi«
mit Dr. Joyce Wittur

17.12.2017
»Im Glanz von Gold und Edelsteinen – Das höfische Handwerk im Mittelalter«
mit Renate-Charlotte Hoffmann, M. A. (Vergoldermeisterin)

7.1.2018
»Sammelleidenschaft – Maximilian von Heyl und der Goldschmuck«
mit Carien Walter

21.1.2018
»Im Glanz von Gold und Edelsteinen – Das höfische Handwerk im Mittelalter«
mit Renate-Charlotte Hoffmann, M. A. (Vergoldermeisterin)

4.2.2018
»Zwischen Mythos und Wirklichkeit – Ein Kunstkrimi«
mit Dr. Joyce Wittur

18.2.2018
»Fürstliches Geschmeide – Der Mainzer Goldschmuck kommt nach Darmstadt«
mit Hannes Pflügner, M. A.

4.3.2018
»Im Glanz von Gold und Edelsteinen – Das höfische Handwerk im Mittelalter«
mit Renate-Charlotte Hoffmann, M. A. (Vergoldermeisterin)

11.3.2018
»Zwischen Mythos und Wirklichkeit – Ein Kunstkrimi«
mit Dr. Joyce Wittur

Mittwoch, jeweils 18.30 Uhr
31.1.2018
»Zwischen Mythos und Wirklichkeit – Ein Kunstkrimi«
mit Dr. Joyce Wittur

14.2.2018
»Sammelleidenschaft – Maximilian von Heyl und der Goldschmuck«
mit Carien Walter

7.3.2018
»Fürstliches Geschmeide – Der Mainzer Goldschmuck kommt nach Darmstadt«
mit Hannes Pflügner, M. A.

Vorträge
Sonderausstellungseintritt, Teilnahmekarten am Veranstaltungstag an der Museumskasse, keine Vorreservierung möglich

Mittwoch, 7.2.
18.30 Uhr
»Die Goldschmiedearbeiten der Trierer Egbertwerkstatt«
Vortrag von Dr. Hiltrud Westermann-Angerhausen, Universität Düsseldorf

Mittwoch, 21.2.
18.30 Uhr
»Essen sein Schatz. Die ottonisch-salischen Kunstwerke des Essener Doms«
Vortrag von Dr. Birgitta Falk, Leiterin der Domschatzkammer Aachen

Mittwoch, 7.3.
18.30 Uhr
»Die Krone der Kronen. Die Reichskrone in der Weltlichen Schatzkammer«
Vortrag von Dr. Fritz Fischer, Direktor der Weltlichen Schatzkammer Wien

Sonderveranstaltungen
Workshop
Samstag, 27.1.2018, 11.00-17.00 Uhr
»Kleine Einführung in die Technik des Vergoldens«

Vergolden mit Blattgold

Die sehr alte Kunst eine Fläche mit Blattgold zu veredeln wird in diesem Kurs praktisch vermittelt. Im Rahmen des eintägigen Workshops wird die grundlegende Technik der Ölvergoldung Schritt für Schritt erarbeitet. Jede/r Teilnehmer/in wird als Ergebnis ein selbst vergoldetes Werkstück mit nach Hause nehmen. Es können auch eigene kleine Gegenstände, z. B. aus Holz, zum Vergolden mitgebracht werden. Die nötigen Werkzeuge werden gestellt, das Blattgold kann vor Ort
erworben werden.

Leitung: Renate-Charlotte Hoffmann, M. A. (Vergoldermeisterin)
Kosten: 50 Euro pro Person zzgl. 25 Euro für Material Blattgold
max. 6 Teilnehmer

Anmeldung und Beratung: T06151 1657-111 oder vermittlung@hlmd.de

Buchung von Gruppen- und Individualführungen
Kosten: pro Gruppe 60 Euro, zzgl. Sonderausstellungseintritt, fremdsprachig 70 Euro, zzgl. Sonderausstellungseintritt, max. 25 Teilnehmer

Anmeldung und Beratung
T 06151 1657-111 (Di 10.00-12.00, Mi 14.00-16.00, Fr. 10.00-12.00 Uhr)
oder vermittlung@hlmd.de

 Ort:

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1,
64283 Darmstadt
www.hlmd.de

Jubiläumsfeierlichkeiten zu 450 Jahre Residenzstadt Darmstadt enden mit Festakt

Foto: Stadtarchiv Darmstadt.
Foto: Stadtarchiv Darmstadt.

Mit einem Festakt in der Centralstation Darmstadt endete gestern das Jubiläumsprogramm zu 450 Jahren Residenzstadt Darmstadt. Nach der Begrüßung durch OB Partsch sprachen der Hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein und Donatus Landgraf von Hessen. Den Festvortrag hielt Stadtarchivar Dr. Peter Engels. Musikalisch umrahmten die „Darmstädter Barocksolisten“ dem Abend mit Kompositionen von Georg Philipp Telemann und Wolfgang Carl Briegel.

Seit September hatte die Wissenschaftsstadt Darmstadt und die im und um das Residenzschloss angesiedelten Darmstädter Kulturinstitutionen das Jubiläum „450 Jahre Residenzstadt Darmstadt“ mit zahlreichen Events gefeiert, wobei die beiden spannenden Ausstellungen der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Darmstadt „Bildwerke des Wissens“ (bis 4.2.2018) als Querschnitt durch die 450jährige Bestandsgeschichte und „Meilensteine der Bibliotheksgeschichte“(bis 10.2.2018 in ULB) weiterhin zu besichtigen sind.

Wissenschaftsminister Boris Rhein. Foto: Diether v. Goddenthow
Wissenschaftsminister Boris Rhein. Foto: Diether v. Goddenthow

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein unterstrich bei seinem Grußwort, dass das Jubiläum ein schöner Anlass war, „sich mit der eindrucksvollen Geschichte Darmstadts auseinanderzusetzen. Auch für unsere Forschungs- und Kulturlandschaft spielt diese Stadt eine bedeutende Rolle: Mit der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt sowie bedeutenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH, dem Deutsche Polen Institut oder dem IT-Sicherheitszentrum CRISP bildet sie einen wichtigen Knotenpunkt für den Forschungsstandort Hessen. Kulturinstitutionen wie das Hessische Landesmuseum Darmstadt ziehen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt an.“

Oberbürgermeister Jochen Bartsch. Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Jochen Partsch. Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Jochen Partsch betonte, dass „das Bewusstsein auch der herrschaftlichen Geschichte Darmstadts und ihres kulturellen Reichtums bei den Darmstädtern und Darmstädterinnen tief verankert“ ist. „Die Republik hat dieses Erbe angenommen, und wir führen es weiter – zum Beispiel, indem wir die Mathildenhöhe, die bedeutendste Schöpfung des letzten Großherzogs, als Welterbe von der Unesco anerkennen lassen wollen“, erklärt Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Der Festvortrag

Schloss Darmstadt, Nordansicht, Ende des 17. Jahrhunderts, nach Rodingh?
Schloss Darmstadt, Nordansicht, Ende des 17. Jahrhunderts, nach Rodingh?

Stadtarchivar Dr. Peter Engels verdeutlichte, dass Darmstadts Geschichte weitaus älter sei, und mit den diesjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten die 1567 stattfindende „Erhebung zur Residenz der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt“ gefeiert würde. Bereits 1330 habe Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen die Stadtrechte für Darmstadt erhalten und den Ort zur Nebenresidenz ausgebaut, unter mit der Errichtung einer Wasserburg, die 1385 als Witwensitz von Gräfin Else diente, da sie nach dem Tod ihres Mannes die Burg Rheinfels (die damalige Hauptresidenz) verlassen musste, um der Nachfolgergeneration „Platz zu machen“. Mit ihr wurde erstmals in Darmstadt eine fürstliche Hofhaltung kultiviert. Nach und nach wurde die Burg zum Wohnschloss aus- und zahlreiche Häuser für Bedienstete , Händler, Boten usw. gebaut, wovon die Darmstädter Bürger, Handwerker und Gewerbetreibenden profitierten. Aber mit dem Aussterben derer von Katzenelnbogen ging’s mit Darmstadt bergab, 1453 war die Stadt nur noch Verwaltungszentrum, schließlich brannte das Schloss ab, Seuchen breiteten sich aus, und Darmstadt versank in der Bedeutungslosigkeit während zu der Zeit Kassel und Marburg aufblühten.

Stadtarchivar Dr. Peter Engels.Foto: Diether v. Goddenthow
Stadtarchivar Dr. Peter Engels.Foto: Diether v. Goddenthow

Ludwig IV. von Hessen-Marburg, ein Sohn von Philipp dem Großmütigen, habe den Wiederaufbau des Schlosses, den Bau eines neuen Rathauses sowie den Aushub des großen Woogs veranlasst und eine neue Handels- und Gewerbeordnung erlassen. Seine Rolle für Darmstadt sei immer wieder unterschätzt worden, so Dr. Engels.
Als Philipp 1567 starb, so Engels, wurde Hessen unter seinen vier Söhnen aus erster Ehe aufgeteilt.

Ludwig IV jüngster Sohn Georg, er war erst 19 Jahre alt, ein wenig hyperaktiv, jähzornig und rastlos, erbte die als Landgrafschaft Hessen-Darmstadt bezeichnete unterentwickelte Obergrafschaft Katzenelnbogen. Das war etwa ein Achtel des ursprünglichen Landes. Georg regierte von 1567 bis 1596. Trotz seiner Jugend stürzte er sich in seine Aufgaben, übernahm Verantwortung. Er legte den Grundstein für den glänzenden Aufstieg von der Ackerbürgerstadt mit gerademal 1500 Einwohnern zur Residenzstadt Darmstadt. Er ließ die Alte Vorstadt (Magdalenenstraße) anlegen, kümmerte sich selbst um die Verwaltung, förderte Weinbau, Holzbau, Landwirtschaft, etwa die Einführung von Klee als Grünfutter für Kühe , er legte Gärten und Nutzparks an, in denen er Melonen, Madelbäumchen und andere exotische Früchte anbauen ließ. Am Fürstensitz Auerbach ließ er ein Theater mit 2000 Plätzen errichten. Er arbeitete aber auch mit robusten, nicht ganz fairen Mitteln, indem er das heutige Schloss Kranichstein, einst ein Gutshof, seinem Besitzer mit fadenscheinigen juristischen Tricks abnötigte, und in Kloster Erbach die Mönche vertrieb und gar keine Entschädigung für die Übernahme bezahlte. Bereits mit 48 Jahren, nach mehreren Schlaganfällen, und zuletzt außerstande zu reden, starb Philipp. Er hinterließ ein prosperierendes Darmstadt und 500 000 Gulden in bar.

Heinrich Donatus Philipp Umberto Prinz und Landgraf von Hessen ist seit dem Tod Moritz von Hessen 2013 Oberhaupt des Hauses Hessen. Foto: Diether v. Goddenthow
Heinrich Donatus Philipp Umberto Prinz und Landgraf von Hessen ist seit dem Tod Moritz von Hessen 2013 Oberhaupt des Hauses Hessen. Foto: Diether v. Goddenthow

350 Jahre lang wurden die Landgrafschaft und das spätere Großherzogtum von Hessen und bei Rhein von Georgs Nachkommen regiert.  Nach der Absetzung des letzten Großherzogs Ernst Ludwig hat dieses Erbe in Darmstadt und der Region im kulturellen und im karikativen Bereich weitere 100 Jahre nachgewirkt.
Siehe auch Beitrag: Darmstadt feiert 450 Jahre Residenzstadt von Frank Horneff (echo-online).

Das Jubiläum wurde mit zahlreichen Führungen, Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und Mitmachaktionen gefeiert, die die Geschichte Darmstadts und des Hauses Hessen-Darmstadt zum Thema haben.

Die "Darmstädter Barocksolisten." Foto: Diether v. Goddenthow
Die „Darmstädter Barocksolisten.“ Foto: Diether v. Goddenthow

Auch die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt feiert in diesem Jahr 450 Jahre Wissensvermittlungen. Sie gibt mit zwei Ausstellungen Einblicke in ihre Geschichte und Bestände: Bis zum 4. Februar 2018 werden im Hessischen Landesmuseum Darmstadt „Bildwerke des Wissens“ als Querschnitt durch die 450-jährige Bestandsgeschichte gezeigt. In der ULB selbst werden bis zum 10. Februar 2018 „Meilensteine der Bibliotheksgeschichte“ ausgestellt.

450 JAHRE WISSEN, SAMMELN, VERMITTELN – FESTSCHRIFT ZUM JUBILÄUM DER UNIVERSITÄTS- UND LANDESBIBLIOTHEK DARMSTADT ERSCHIENEN
450 JAHRE WISSEN, SAMMELN, VERMITTELN – FESTSCHRIFT ZUM JUBILÄUM DER UNIVERSITÄTS- UND LANDESBIBLIOTHEK DARMSTADT ERSCHIENEN

 

450 Jahre Wissen, Sammeln, Vermitteln – Festschrift zum Jubiläum der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt erschienen

festschrift-450j-darmst-ULB „450 Jahre Wissen, Sammeln, Vermitteln“ – unter diesem Titel zeichnet eine neue Publikation die Entwicklung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt von ihren Anfängen als fürstlicher Büchersammlung bis hin zum modernen Informationsdienstleister in der zunehmend digitalen Welt nach.

Über Jahrhunderte haben wissenschaftliches Interesse, literarische Begeisterung und die Freude am Sammeln historischer Kostbarkeiten einen einzigartigen Bestand geformt, der heute einen wertvollen Teil des kulturellen Erbes des Landes Hessen darstellt: Aus einer Büchersammlung entwickelte sich eine veritable Hof- und später Landesbibliothek mit einem beträchtlichen Bestand an Handschriften, Drucken, Musikalien, Karten und mehr, den sie seit 1817 allen Interessierten öffentlich zugänglich macht. Die heutige Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) ist eine zentrale Einrichtung der Technischen Universität Darmstadt, deren Aufgabe die Literaturversorgung für Universität und Region sowie die Vermittlung ihrer Bestände an die Nutzerinnen und Nutzer darstellt.

Bibliotheksgeschichte ist dynamisch: Die Bestände, aber auch die politischen, geistigen und gesellschaftlichen Funktionen der Bibliothek reflektieren die jeweiligen Zeitumstände und werden von Umbrüchen, Reformen und Wandlungsprozessen geprägt. Die Anfänge reichen zurück in die Regierungszeit Landgraf Georgs I., der 1567 aus dem Erbe seines Vaters Philipps des Großmütigen die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt begründete. Sein Buchbesitz ist die Keimzelle der Darmstädter Bibliothek, die in den folgenden Jahrhunderten reich vermehrt wurde. Gleich mehrere Sternstunden erlebte die Bibliothek unter Landgraf und Großherzog Lud(e)wig X./I.: Aus westfälischen Klöstern, kurkölnischem Erbe und der Sammlung des Baron Hüpsch gelangten einzigartige Kulturschätze nach Darmstadt. 1817 öffnete die Hofbibliothek ihre Pforten für das Publikum. Seitdem sind die umfangreichen Wissensbestände allen Interessierten frei zugänglich.

Es entstand eine moderne wissenschaftliche Universalbibliothek, die mit innovativen Ideen zum wichtigsten Informationsdienstleister im Großherzogtum und zu einer der führenden Bibliotheken aufsteigen konnte. Seit 1917 führt sie die Bezeichnung Landesbibliothek im Namen, die bis heute auf ihre Funktion für die Informationsinfrastruktur des Landes Hessen hinweist. Eine erste Bündelung des wissenschaftlichen Medienangebots erfolgte 1948 unter dem Eindruck der Kriegsverluste mit der Gründung der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek. Die Integration in die TU Darmstadt 2000 und die Umbenennung in ULB im Jahre 2004 markieren wichtige Stationen auf dem Weg zu einer modernen, zunehmend digitalen Bibliothek, die erfolgreich das Wissensmanagement und die Medienversorgung der TU Darmstadt bewältigt, ohne die Bedürfnisse der regionalen Nutzung und des kulturellen Erbes aus dem Blick zu verlieren.

Kapitel im Überblick

In seinem Aufbau orientiert sich der Band an den großen Epochen der Darmstädter Bibliotheksgeschichte. Im ersten Kapitel wird die Zeit der großen fürstlichen Büchersammlungen zwischen 1567 und 1790 vorgestellt. Einzelne Beiträge zur Frühzeit beleuchten u.a. die Residenzwerdung Darmstadts und die Erwerbungen Georgs I. Barocke Momentaufnahmen liefern die Darstellungen zu Landgraf Ernst Ludwig (1667-1739), in dessen Regierungszeit die Hofkapelle unter Christoph Graupner zur Blüte gelangte. Die Bedeutung der Landgräfinnen für das geistige Leben am Hof unterstreicht Nicola Schneider, der das Wirken und die Sammlungstätigkeit der Großen Landgräfin Caroline (1721-1774) in den Mittelpunkt stellt.

Das zweite Kapitel ist der Zeitspanne zwischen 1790 und 1917 gewidmet, in der die Bibliothek zu einer der führenden Einrichtungen im Deutschen Reich aufzusteigen vermochte. Der Aufschwung ist undenkbar ohne die Leistung des letzten Landgrafen Ludwig X. und ersten Großherzogs Ludewig I. (1753-1830), der die Darmstädter Sammlungen zu einem „Pantheon der Wissenschaft und Kunst“ erhob. Säkularisierte Klosterbibliotheken, die Goldene Bulle, Autographen Luthers und Melanchthons und wertvolle Karten fanden neben anderen Kostbarkeiten in dieser Zeit Eingang in die seit 1817 für das Publikum geöffnete Hofbibliothek.

Die „Hessische Landesbibliothek in bewegten Zeiten“ ist der Titel des dritten Kapitels, das die Jahre zwischen 1917 und 1948 abdeckt. Ihre Rolle als Vermittlerin eines reichen kulturellen Erbes erfüllte die Bibliothek nicht zuletzt durch die Herausgabe prachtvoller Faksimile-Editionen, unter denen die 1927 von Adolf Schmidt zusammen mit dem Darmstädter Rabbiner Bruno Italiener veröffentlichte Pessach-Haggadah herausragt.

Beiträge zur NS-Zeit fokussieren u.a. die Gleichschaltung und politische Vereinnahmung der Bibliothek.

Das letzte Kapitel weist in die Gegenwart und thematisiert die Entwicklung seit 1948, als die Zusammenlegung von Landes- und Hochschulbibliothek jene Annäherung von Bibliothek und Technischer Hochschule einleitete, die 2000 in der Integration der Bibliothek in die TU Darmstadt ihren Abschluss fand. Zentrale Einrichtungen der ULB wie die Restaurierung, das Europäische Dokumentationszentrum, das Digitalisierungszentrum, das Patentinformationszentrum und das Universitätsarchiv der TU Darmstadt stehen für die Vielseitigkeit der Leistungen und Services, die heute über die Medienversorgung hinaus das Portfolio der ULB prägen.

Weitere Informationen 450 Jahre Wissen – Sammeln – Vermitteln. Von der Hof- zur Universitätsund Landesbibliothek Darmstadt, herausgegeben von der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Darmstadt: Justus von Liebig Verlag 2017, gebunden, Halbleinen, 375 S., zahlr. Abb., ISBN 978-3-87390-402-6 , EUR 39,00.