Kategorie-Archiv: Kunstpalast Düsseldorf

„Tod und Teufel – Faszination des Horrors“ ab 1. März 2024 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Dmitry Smirnov, Zombie Boy (Rick Genest), 2011
Dmitry Smirnov, Zombie Boy (Rick Genest), 2011

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt vom 1. März bis 2. Juni 2024 die Ausstellung »TOD UND TEUFEL. Faszination des Horrors«, die in Kooperation mit dem Museum Kunstpalast entstanden ist. Mit mehr als 100 Meisterwerken vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert zeigt sie einen Abriss der Kunstgeschichte des Grauens. Sie beleuchtet die jahrhundertalte Faszination des Horrors. Schrecken und Grauen begleitet die Menschheit durch die Jahrhunderte. Dem Unbehagen davor steht jedoch in Kunst und Kultur ein lustvolles Interesse daran, manchmal gar ein humorvoller Zugang gegenüber. Die Ausstellung thematisiert erstmals die vielfältige und mehrdeutige Geschichte des künstlerischen Umgangs mit dem Schrecken sowie die Aktualität des Horrors in Mode, Musik, Film und der zeitgenössischen Kunst. Das Spektrum der mehr als 100 gezeigten Werke reicht von klassischer Malerei und Skulptur bis zu aufwendigen Installationen.

Schon in der Renaissance hatten Visionen von Hölle und Tod eine anziehende und zugleich faszinierende Wirkung. In der schwarzen Romantik und der Literatur Edgar Allan Poes erreichte die Faszination für das Grauen einen ersten Höhepunkt. Zu einem epochemachenden Phänomen wurde sie dann im Laufe des 19. Jahrhundert. Bildende Künstler*innen, die sich der Wissenschaft und Rationalität der Aufklärung verweigerten, wandten sich der Emotionalität, der Wildheit der Natur und übernatürlichen Themen zu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sorgten dann blutrünstige Shows in Gruseltheatern wie dem Grand Guignol in Paris dafür, den Hunger nach der Lust des Schauderns zu stillen. Zeitgleich entwickelten frühe Horrorfilme die Hauptfiguren und Strategien der spannungsgeladenen und schaurigen Erzählkunst.

Die Ausstellung »TOD UND TEUFEL. Faszination des Horrors« zeigt mit Meisterwerken vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert den Ursprung der Darstellung des Grauens in der Kunst- und Kulturgeschichte. Der Schwerpunkt der Schau liegt auf Arbeiten der letzten zwanzig Jahre von Künstler*innen wie Alexander McQueen, den Chapman Brothers, Billie Eilish, Lars von Trier, Berlinde de Bruyckere, Mary Sibande und vielen anderen präsentiert. Death Metal und die blutgefüllten Turnschuhe von MSCHF treffen auf Beiträge von Andres Serrano und Eliza Douglas. Sie alle rufen mit ihren Werken ambivalente Gefühle von Angst, Unbehagen, aber auch Begeisterung hervor. Vollziehen sie damit einen Regelbruch? Überschreiten sie die Grenzen der gesellschaftlichen Konventionen? Auf jeden Fall sollen die Werke unter die Haut gehen und die Fantasie beflügeln.

Die Ausstellung

Die Präsentation beginnt mit einem Prolog, der veranschaulicht, wie die Kunst- und Kulturgeschichte von dem Thema Tod und Schrecken geprägt sind. Von den fantastischen Dämonen der Renaissance, die zu sündigem Verhalten verführen sollen, über die Landschaften der Romantik, die von Ruinen und Schatten durchdrungen sind, spannt sich ein Bogen bis hin zu den expressiven Gestalten, die in den frühen Horrorfilmen des 20. Jahrhunderts auf ihre Opfer lauern.

Der Hauptteil der Ausstellung legt den Fokus auf aktuelle Positionen in Kunst, Mode und Popkultur und geht den Fragen nach: Was passiert mit den klassischen Monstern, wenn die Ikonographie des Grauens zum Stilelement in der Pop-Kultur und Mode wird? Schwarze Kleidung und blasses Make-up, Markenzeichen der Goth-Ikonen, werden erweitert um Elemente aus Fantasy, Pop und Sportswear. Im Gegenzug halten Anregungen aus der Goth-Subkultur in die High Fashion Einzug: Alexander McQueen hat seine Kollektionen mit Narrativen von Trauma und Mysterium angereichert, Rick Owens und Rei Kawakubo haben die klassische Silhouette mit fremden, fast monströsen Anhängseln versehen und John Galliano sowie John Paul Gaultier haben den dunklen Glamour historischer Designs zum Vorschein gebracht. Junge (Mode-)Designer*innen wie MSCHF, Fantich & Young und Thom Browne finden in der Auseinandersetzung mit der Bildwelt des Horrors neue Wege, um zu rebellieren. Die Ablehnung von gängigen ästhetischen Normen ist fast zum Mainstream geworden.

Im Bereich der Musik stellt die Verwendung von Motiven des Grauens eine interessante Schnittmenge zwischen bisher unvereinbaren Genres dar. Während Metal und Rock, die einst mit Tod und Goth-Kultur assoziiert wurden, Elemente aus Pop und Hip-Hop übernehmen, verleihen sich Hiphop Künstler*innen wie Lil Nas X und Sängerin Billie Eilish durch die Verwendung einer Ästhetik des Schreckens ein neues Image. Die Adaption der Bildwelt des Horrors wird zu einem wichtigen Stilmittel, mit dem sich die Musiker*innen als gesellschaftliche Outlaws oder als missverstandene Monster kennzeichnen.

Die Auflösung der Grenzen ist im Film ebenso spürbar, und zwar nicht nur in Bezug auf die Genres, sondern auch hinsichtlich der grundlegenden Einteilung in ‚Gut‘ und ‚Böse‘ und der ‚wahren‘ Quelle des Horrors. Dracula und seine Nachfahren im frühen zwanzigsten Jahrhundert haben in zeitgenössischen Interpretationen eine Wandlung von schrecklichen Monstern hin zu romantischen, gequälten Seelen vollzogen, Figuren, die mit den Widrigkeiten des Alltags kämpfen und sich nach Zugehörigkeit sehnen. Auch Zombies sind in Serien wie »The Walking Dead« nicht mehr das ultimative Übel, sondern dienen als Hintergrundfolie, um den Menschen, der in einer dystopischen Welt ohne gesellschaftliche Ordnung auf sich gestellt ist, als eigentliche Bestie hervorzuheben.

Die Werke der modernen Kunst wiederum thematisieren Tod, Unheil, groteske Körper, grenzüberschreitende Mischwesen und gebrochene Identitäten. Daher vereint die Ausstellung blutrünstige postkoloniale Kritik von Adriana Varejão mit den Zeichen gesellschaftlicher Ungerechtigkeit in der Arbeit von Mary Sibande. In ähnlicher Weise kommt das Monströse in den skurrilen Gothic-Porträts von Amandine Urruty zum Ausdruck. Andres Serrano und Mat Collishaw verdeutlichen, dass Bilder des Todes unter die Haut gehen. Die Horrorsymbole, die in vielen Arbeiten aufgegriffen werden, sind Zeichen des Protests und des selbstbewussten Andersseins oder einfach beunruhigende Erinnerungen an die Sterblichkeit des Menschen.

Der Vorverkauf für die Ausstellung starte am Freitag, dem 8.Dezember 2023

Der Kauf des Onlinetickets für 12 Euro, ermäßigt 8 Euro jeweils inkl. Dauerausstellung ist über die Homepage möglich unter: https://shop.hlmd.de/de/tickets/1936

Tickets gibt es auch an den Museumskassen.

Grunderneuerter Düsseldorfer Kunstpalast eröffnet am 21.November 2023 mit Kunst vom Rubens bis zur Aldi-Tüte

Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen
Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen

Am 21. November 2023 öffnet der grundsanierte und inhaltlich vollkommen erneuerte Düsseldorfer Kunstpalast  seine Pforten. In der Eröffnungswoche einschließlich des großen Palastfestes am 26.11. ist der Eintritt frei. Der neue Kunstpalast lädt ein zur Erkundung des 5.000 m² umfassenden Sammlungsrundgangs: In 49 Räumen erwarten Kunstinteressenten und die, die es vielleicht immer schon mal werden wollten, ein Erlebnisfeuerwerk von 800 Werken aus elf Jahrhunderten,  vom Rubens bis quasi zur Aldi-Tüte. Sie stammen aus der eigenen umfangreichen Sammlung von zurzeit insgesamt 130 000 Werken.  Die Bandbreite der präsentierten Exponate zeichnet nicht nur einen chronologischen Weg kunstgeschichtlicher  Epochen weltweit auf, sondern verspricht „zwangsläufig“ Highlights für jeden Kunstgeschmack, darunter historische Buddha-Statuen, großformatige Gemälde bis hin zu Möbeln und Alltagsgegenständen verschiedener Epochen, sowie aktuelle Virtual-Reality-Arbeiten.

Kunstpalast aus der Vogelperspektiive mit Ehrenhof und E.ON-Konzernzentrale, 2012 Foto: © Thomas Robbin (Architekturbildarchiv)
Kunstpalast aus der Vogelperspektiive mit Ehrenhof und E.ON-Konzernzentrale, 2012 Foto: © Thomas Robbin (Architekturbildarchiv)

Der Kunstpalast möchte sein Publikum abseits von der Zentrierung auf den Kanon zeitgenössischer Kunst inspirieren und neue, ungewohnte Perspektiven ermöglichen, indem er künstlerische Positionen aus allen Sammlungsbereichen zusammenführt. Ob gemalt oder fotografiert, ob aus Holz oder Plastik, ob aus fernen Ländern oder aus Düsseldorf – alle Objekte sind Zeugnisse ihrer Zeit und erzählen Geschichten.

Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen
Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen

Neben den Highlights und großen Namen der Sammlung werden in dem chronologischen, 49 Säle umfassenden Rundgang auch weniger bekannte, zum Teil bislang nie ausgestellte Arbeiten sowie einige Neuerwerbungen zu sehen sein. Versteckte, eigens für Kinder eingerichtete Räume laden zudem junge Besucher ein, das Museum für sich zu erobern.

„Mehr denn je soll der neue Kunstpalast ein Ort sein, an dem sich alle Menschen – unabhängig von Alter und kunsthistorischer Vorbildung – wohlfühlen und Neues entdecken können“, beschreibt Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts, seine Vision für das Haus. „Wir freuen uns über Besuchende, die unser Museum noch nie zuvor betreten haben ebenso, wie über diejenigen, die in der Vergangenheit schon oft hier waren und die Sammlung gut kennen“, so Krämer, dem die Niederschwelligkeit seines Hauses eines der größten Anliegen ist.

Kunstpalast-App Foto: © Anne Orthen
Kunstpalast-App Foto: © Anne Orthen

Eine neu entwickelte App wird den Besuch des Hauses zukünftig um eine digitale Dimension erweitern. Nach aktuellen Standards ausgestattete Sammlungsräume, ein offenes Studio der Kulturellen Bildung und ein einladender Innenhof samt gastronomischem Angebot machen den neuen Kunstpalast zu einem Ort, an dem die Besuchenden gerne verweilen und an den sie gerne zurückkehren.

Nach aktuellen Standards ausgestattete Sammlungsräume, ein offenes Studio der Kulturellen Bildung und ein einladender Innenhof samt gastronomischem Angebot machen den neuen Kunstpalast zu einem Ort, an dem die Besuchenden gerne verweilen und an den sie gerne zurückkehren – dem Wohnzimmer der Stadt.

Angesichts der Fülle gezeigter Kunst sollte man am besten gleich zwei Tage zur Erst-Erkundung einzuplanen. Ortsansässigen sei eine Jahreskarte für 100 Euro Basispreis zu empfehlen, mit der  über den Kunstpalast hinaus praktisch alle  Düsseldorfer Museen  beliebig oft  besucht werden können.

Ab dem 21. November 2023 können sich alle Kunstbegeisterten, Kulturinteressierten und Neugierigen selbst ein Bild davon machen und den neuen Kunstpalast – in der ersten Woche bei freiem Eintritt – erkunden.

Kunstpalast-App

Ort:
Kunstpalast,
Ehrenhof 4-5,
40479 Düsseldorf

Eintrittspreis
während er Eröffnungswoche freier Eintritt
Vom 21.11. – 26.11.2023:
kostenloser Eintritt in die Sammlung

Regulär
ab 28.11.2023:
16 €, ermäßigt 12 € (gilt für Sammlung inkl.
Ausstellungen)
Ticketkauf im Online-Shop empfohlen
Kinder unter 18 Jahren: freier Eintritt

TOD UND TEUFEL FASZINATION DES HORRORS vom 14. September 2023 bis 21. Januar 2024 im Kunstpalast Düsseldorf

Friedrich Wilhelm von Schadow und Schüler, Purgatorium – Paradies – Hölle (Triptychon “Das Jüngste Gericht”), 1848–1852, Hölle (von Schülerhand vollendet), Kunstpalast, Dauerleihgabe des Landes Nordrhein-Westfalen (Justizverwaltung), Kunstpalast, Düsseldorf,
Friedrich Wilhelm von Schadow und Schüler, Purgatorium – Paradies – Hölle (Triptychon “Das Jüngste Gericht”), 1848–1852, Hölle (von Schülerhand vollendet), Kunstpalast, Dauerleihgabe des Landes Nordrhein-Westfalen (Justizverwaltung), Kunstpalast, Düsseldorf,

Nichts für Zartbesaitete ist die große Herbstausstellung am Düsseldorfer Kunstpalast: Hier verbreiten Tod und Teufel Angst und Schrecken. Horror und Grauen beschäftigen die Menschheit seit eh und je. Erstmals geht mit Tod und Teufel eine epochen- und spartenübergreifende Ausstellung dieser ungebrochenen Anziehungskraft nach. Das Spektrum der gezeigten 120 Werke reicht von klassischer Malerei und Skulptur bis zu aufwendigen Installationen.

Ein Prolog zu Beginn der Präsentation veranschaulicht, wie die Kunst- und Kulturgeschichte von Tod und Schrecken geprägt ist. Dabei spannt sich der Bogen von den fantastischen Dämonen der Renaissance, die sündiges Verhalten anmahnen, über die Landschaften der Romantik, die von Ruinen und Schatten durchdrungen sind, bis hin zu den spannungsgeladenen Figuren, die in frühen Horrorfilmen des 20. Jahrhunderts lauern. Als Teil eines „kannibalischen“ Genres, das seine eigenen Symbole, Charaktere und Themen immer wieder neu aufgreift, dienen diese historischen Beispiele zur Kontextualisierung der zeitgenössischen Interpretationen des Grauens.
Im Hauptteil der Schau bringt die Ausstellung Werke aus den letzten zwei Jahrzehnten zusammen und lässt vielfältige Adaptionen von Strategien und Protagonisten des Horrors erkennen. Wie keine andere Subkultur war ab dem späten 20. Jahrhundert die Goth-Szene für einen ästhetischen Kanon prägend. Aufgegriffen von Designer*innen wie Rei Kawakubo, Rick Owens oder Viktor & Rolf fanden Facetten der Goth-Mode zunächst Eingang in die High Fashion, um später fast zum Mainstream zu werden. Musikgenres des Metal und Rock, die am engsten thematisch und symbolisch mit Tod und Teufel verbunden sind, haben sich auf globaler Ebene weiterentwickelt und neue politische Kontexte und musikalische Einflüsse integriert. Auch im Horrorfilm ist die Auflösung der Grenzen spürbar – in Bezug auf Genres ebenso, wie hinsichtlich der Frage, wo die wahre Quelle des Horrors liegt und wer eigentlich gut und wer böse ist.

In der bildenden Kunst schließlich beschäftigen die Themen Tod, Unheil, groteske Körper und grenzüberschreitende Mischwesen zeitgenössische Künstler*innen weiterhin. Sie bedienen sich eines breiten und widersprüchlichen Spektrums an Ansätzen und ihre Werke können von Angst über Ekel bis hin zu Humor und Romantik unterschiedlichste Emotionen und Assoziationen bei den Betrachtenden hervorrufen.

Die Ausstellung im Kunstpalast vereint Exponate aus Mode, Kunst, Musik und Film. Präsentiert werden Arbeiten von so verschiedenen Künstler*innen wie Rei Kawakubo, den Chapman Brothers, Billie Eilish, Lars von Trier, Berlinde de Bruyckere, Mary Sibande und vielen anderen. Death Metal und die blutgefüllten Turnschuhe von MSCHF treffen auf Beiträge von Andres Serrano und Eliza Douglas. Gemeinsam ist diesen Werken ein kanonisierter Regelbruch, der die Grenzen der Gesellschaft überschreitet, unter die Haut geht und die Fantasie beflügelt.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Mey & Edlich

Ort:
Kunstpalast,
Ehrenhof 4-5,
40479 Düsseldorf

„Beyond Fame. Die Kunst der Stars“ – Die Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum gibt interessante Einblicke in die Arbeit der Selfmade-Teilzeitkünstler

Kurator Alain Bieber hat für seine Ausstellung "Beyond Fame. Die Kunst der Stars" im NRW-Forum Düsseldorf nebenher entstandene Kunstwerke von 18 prominenten Stars ausgewählt. Der Mix der Genres ist so breit wie die Palette der kunstschaffenden Persönlichkeiten. Sie reicht von Stars aus Musik, Schauspiel und Literatur bis hin zu Sport und Politik. Zu sehen sind Fotos ebenso wie Malerei, Zeichnungen und Skulpturen. © Foto Diether von Goddenthow
Kurator Alain Bieber hat für seine Ausstellung „Beyond Fame. Die Kunst der Stars“ im NRW-Forum Düsseldorf nebenher entstandene Kunstwerke von 18 prominenten Stars ausgewählt. Der Mix der Genres ist so breit wie die Palette der kunstschaffenden Persönlichkeiten. Sie reicht von Stars aus Musik, Schauspiel und Literatur bis hin zu Sport und Politik. Zu sehen sind Fotos ebenso wie Malerei, Zeichnungen und Skulpturen. © Foto Diether von Goddenthow

Spätestens seit Marcel Duchamp 1917 mit der Präsentation eines Urinals begann, auch in Alltags- oder Naturgegenständen „Kunstwerke“ zu entdecken, wissen wir, dass alles Kunst werden kann, und dass das Denken keine Grenzen hat. Da braucht es nur noch ein Quäntchen Mut, den „Beuys“  in sich zu entdecken, und schon kann’s losgehen. Denn schließlich ist alles Kunst, was man Kunst nennt, auch, wenn Kunst manchmal  eher von „Kommerz“ als von „Können“ zu kommen scheint. Je prominenter ein Name, um so weniger kommt es in der Regel auf  handwerkliche Fertigkeiten. Der Name ist das „wahre Werk“.  Letztlich entscheiden die Fans.

Der Promikunst-Markt ist richtig lukrativ. Einer der ersten, der seine Berühmtheit nutzte, war  Udo Lindenberg mit seinen originellen Likörellen. Noch davor war es    Otto Waalkes, von Hause aus studierter Kunstpädagoge und ausgebildeter Künstler, der erst durch seine Prominenz als Komiker  als Künstler erfolgreich wurde, insbesondere mit   seinen humorvollen,  handwerklich brillanten Neuinterpretationen historischer Meisterwerke, oftmals versehen mit Ottifanten.
Auch Deutschlands bekanntester Satiriker Dieter Nuhr ist von Hause aus bildender Künstler mit abgeschlossenem Kunststudium, Schwerpunkt Malerei. Statt aber Kunstlehrer zu werden, wurde er Kabarettist. Jetzt kehrt er verstärkt zur bildenden Kunst wieder zurück,

Kunst von Girmes, amerikanische Musikerin, Sängerin und Songwriterin, unter anderem bekannt durch  Game of Thrones:- "Ich bin wirklich besessen von Polytheismus. Ich liebe es, wie die alten Griechen oder die alten Ägypter in dieser seltsamen Anime-Welt gelebt hat, in der einfach tonnenweise Götter und Göttingen gab, die alles Mögliche sein konnten. Ich glaube, mein Lebensmotto lautet: 'Sei nicht gelangweilt'," so die Musikerin über ihr Werk. © Foto Diether von Goddenthow
Kunst von Girmes, amerikanische Musikerin, Sängerin und Songwriterin, unter anderem bekannt durch Game of Thrones:- „Ich bin wirklich besessen von Polytheismus. Ich liebe es, wie die alten Griechen oder die alten Ägypter in dieser seltsamen Anime-Welt gelebt hat, in der einfach tonnenweise Götter und Göttingen gab, die alles Mögliche sein konnten. Ich glaube, mein Lebensmotto lautet: ‚Sei nicht gelangweilt‘,“ so die Musikerin über ihr Werk. © Foto Diether von Goddenthow

Es wäre also es unfair,   Promi-Kunst pauschal als reines Marketing abzuwerten. Dies zeigt auch einmal mehr die  Ausstellung „Beyond Fame. Die Kunst der Star“ im Düsseldorfer NRW-Forum am Ehrenhof (18. August 2023 bis 24. Januar 2024). Auf 1200 qm präsentiert  die Ausstellung in einem geschickt konzipierten Parcours Arbeiten internationaler und nationaler Berühmtheiten, die Einblicke hinter die Fassade der öffentlichen Personen bieten, jenseits von Rolle und Prominenz.

Auch die Ausstellungsmacher um Kurator Alain Bieber fragten sich, ob jeder Star ein Künstler sei. Denn immer mehr erfolgreiche Schauspieler, Musiker und Prominente betätigten sich auch künstlerisch „und gehen damit in die Öffentlichkeit. Warum suchen sie einen weiteren Erfolg auf der Kunstbühne? Oder dient die Kunst eher der persönlichen Selbstfindung? Die Ausstellungsmacher haben für sich die Frage durch die Auswahl der Promi-Künstler und ihrer Arbeiten recht gut beantwortet. Was hier gezeigt wird, ist Kunst, mitunter hochwertige Kunst.

Modedesigner Harald Glööckler, selbst ein Lebendkunstwerk, zeigt seine Kunst in einem in Schwarz gehaltenen Sonderraum. Die einen nennen es Kunst, die anderen Kitsch, auf alle Fälle präsentiert er hier wieder einmal ein Feuerwerk zitierter Kreativität diverser Epochen. © Foto Diether von Goddenthow
Modedesigner Harald Glööckler, selbst ein Lebendkunstwerk, zeigt seine Kunst in einem in Schwarz gehaltenen Sonderraum. Die einen nennen es Kunst, die anderen Kitsch, auf alle Fälle präsentiert er hier wieder einmal ein Feuerwerk zitierter Kreativität diverser Epochen. © Foto Diether von Goddenthow

So unterschiedlich die Persönlichkeiten aus Schauspiel, Sport, Politik, Musik oder Literatur sind, so verschieden sind auch ihre Wege zur Kunst. Die Wahl des künstlerischen Mediums ist oft unerwartet und überraschend, die Werke eng mit den jeweiligen Biografien verbunden. Die Ausstellung präsentiert mit Malerei, Fotografie, Video und Installation Arbeiten von Bryan Adams, Meret Becker, Tim Bendzko, Carlito (Cro), Samy Deluxe, Anna Delvey, Lea Draeger, Peter Doherty, Harald Glööckler, Grimes, Josephine Henning, Anton Hofreiter, Isis-Maria Niedecken, Edi Rama, Jean Remy, Michael Stich, Laura Tonke und Gedeon Schenkt.
Die ausgestellten Künstler*innen teilen eine jahrelange, intensive Auseinandersetzung mit der Kunst, auch wenn viele keine Akademie besucht haben, sondern als Autodidakten begannen. In der Zusammenstellung der Arbeiten zeigt sich, dass der Trend in Richtung Universalkünstler*innen geht, die schreiben, malen, singen, fotografieren und gerne gängige Formate sprengen.

Rockstar Peter Doherty war mit seinem Hund Gladys angereist  im Outfit eines freundlichen englischen  Dandys. Anzug, Krawatte, Einstecktuch und Gehstock, dazu roten Socken in Maßherrenschuhen. Doherty betrachtet sich selbst als Kunstwerk, und empfindet seine facettenreiche Karriere insgesamt als Kunstwerk: "meine Karriere IST meine Kunst. Auch wenn sie manchmal wie eine krumme, grobe Skizze wirken mag. © Foto Diether von Goddenthow
Rockstar Peter Doherty war mit seinem Hund Gladys angereist im Outfit eines freundlichen englischen Dandys. Anzug, Krawatte, Einstecktuch und Gehstock, dazu roten Socken in Maßherrenschuhen. Doherty betrachtet sich selbst als Kunstwerk, und empfindet seine facettenreiche Karriere insgesamt als Kunstwerk: „meine Karriere IST meine Kunst. Auch wenn sie manchmal wie eine krumme, grobe Skizze wirken mag. © Foto Diether von Goddenthow

Künstlerinnen wie Lea Draeger und Meret Becker sind in vielfältigen künstlerischen Feldern zuhause. Lea Draeger ist Schauspielerin, Autorin und bildende Künstlerin. Seit 2015 ist sie festes Ensemblemitglied des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin. 2022 veröffentlichte sie ihr hoch gelobtes Romandebüt und seit 2018 arbeitet sie verstärkt als Künstlerin: Sie zeichnet Päpstinnen und Päpste, mit denen sie patriarchale Systeme und hierarchische Strukturen hinterfragt. Meret Becker kommt aus einer Künstler*innen-Familie und ist selbst Sängerin, Schauspielerin und Malerin. In ihrer Kunst setzt sie sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander und nutzt ihre Popularität, um sich für Frauenrechte einzusetzen.

Vielleicht hätte Duchamp an Pete Dohertys Installation "Britisch Mermaid" aus seiner Sammmlung von Schaufensterpuppen Freude gehabt. Denn zugegeben versprüht die mit Britischer Flagge umhüllte und Lampenschirm bedeckte Lady etwas mehr Charme als dessen Urinal 1917. Doch hätte er dies Werk nicht zum Kunstwerk erklärt, wie Duchamp seine Gebrauchsgegenstände, wäre es vielleicht niemanden als Solches aufgefallen. Obgleich die Schaufensterlady originell, aber  doch eher als aufgehübschtes Deko-Püppchen daher kommt. Doch wie gesagt: Kunst ist, wenn man es zur Kunst erklärt. Und wenn sie Spaß macht. Dohertys Kunst hat Humor. © Foto Diether von Goddenthow
Vielleicht hätte Duchamp an Pete Dohertys Installation „Britisch Mermaid“ aus seiner Sammmlung von Schaufensterpuppen Freude gehabt. Denn zugegeben versprüht die mit Britischer Flagge umhüllte und Lampenschirm bedeckte Lady etwas mehr Charme als dessen Urinal 1917. Doch hätte er dies Werk nicht zum Kunstwerk erklärt, wie Duchamp seine Gebrauchsgegenstände, wäre es vielleicht niemanden als Solches aufgefallen. Obgleich die Schaufensterlady originell, aber doch eher als aufgehübschtes Deko-Püppchen daher kommt. Doch wie gesagt: Kunst ist, wenn man es zur Kunst erklärt. Und wenn sie Spaß macht. Dohertys Kunst hat Humor. © Foto Diether von Goddenthow

Rockstars wie Bryan Adams und Peter Doherty haben Millionen Platten verkauft und sind schon seit vielen Jahren künstlerisch tätig. Während für Adams gute Fotografien wie Zeitkapseln sind, die Erinnerungen speichern, bietet die Kunst dem skandalträchtigen Libertines-Sänger Peter Doherty neben der Lyrik eine ausdrucksstarke Möglichkeit, sein Leben zu verarbeiten. Er malt mit Blut und Kohle, kombiniert wild Zeichnung, Malerei, Bild-Text-Collagen und Skulpturen. Die Arbeiten der kanadischen Musikerin Claire Elise Boucher alias Grimes sind von Krieger*innen, Nymphen, Cyborgs und Manga-Figuren bevölkert, die sie in ihren Musikvideos auch selbst verkörpert. Die Inspiration für ihre Zeichnungen und Cover bezieht sie aus mythischen und psychedelischen Bildern, entleiht Figuren und Motive beim Jugendstil und Surrealisten und setzt oft künstliche Intelligenz ein.

Beim Anblick von Anton Hofreiters Werk staunt jedoch der Betrachter wohl ein wenig über den Mut, so etwas öffentlich zu zeigen. Erinnern die Bilder des Grünen-Politikers, zumindest mich, eher an durchschnittliche Schülerarbeiten. Aber so etwas als Erwachsener hinzubekommen, kann auch eine große Kunst sein. © Foto Diether von Goddenthow
Beim Anblick von Anton Hofreiters Werk staunt jedoch der Betrachter wohl ein wenig über den Mut, so etwas öffentlich zu zeigen. Erinnern die Bilder des Grünen-Politikers, zumindest mich, eher an durchschnittliche Schülerarbeiten. Aber so etwas als Erwachsener hinzubekommen, kann auch eine große Kunst sein. © Foto Diether von Goddenthow

Aber nicht nur in Kultur und Unterhaltung, sondern auch in vermeintlich weiter von der Kunst entfernten Bereichen wie Politik und Sport gibt es Persönlichkeiten, die neben ihren Karrieren auch als Künstler*innen tätig sind. Seine Begeisterung für Botanik kommt in den Arbeiten von Politiker Anton Hofreiter, seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und promovierter Biologe, zum Ausdruck. Sein häufigsten Motive sind Blumen und Zeichnen ist für ein Weg „um zu erkennen, wie die Dinge wirklich sind“.

Tennislegende Michael Stich gibt sich recht bescheiden. Ihn inspirierten am meisten Erinnerungen und Erfahrungen. Ob Zufall oder Glück - er lasse sich treiben. Er sei kein ehrgeiziger Maler, sondern ginge nur in sein Atelier, ein Raum in seinem Haus, wenn er in Stimmung ist. Kunst sei für ihn Spaß und Leidenschaft, aber er sei genauso zur Kunst gekommen, wie zum Profi-Tennis, durch Zufall, weil er wie beim Tennisspielen auf einmal gemerkt habe, dass es ihn fasziniert, Spaß macht, das habe ihn angetrieben. Kunst bereichert mein Leben in jeglicher Form. Ich kann Gefühle und Gedanken ausdrücken, ohne mich erklären zu müssen, verriet der frühere Tennis-Profi. Stichs Arbeiten überzeugen.© Foto Diether von Goddenthow
Tennislegende Michael Stich gibt sich recht bescheiden. Ihn inspirierten am meisten Erinnerungen und Erfahrungen. Ob Zufall oder Glück – er lasse sich treiben. Er sei kein ehrgeiziger Maler, sondern ginge nur in sein Atelier, ein Raum in seinem Haus, wenn er in Stimmung ist. Kunst sei für ihn Spaß und Leidenschaft, aber er sei genauso zur Kunst gekommen, wie zum Profi-Tennis, durch Zufall, weil er wie beim Tennisspielen auf einmal gemerkt habe, dass es ihn fasziniert, Spaß macht, das habe ihn angetrieben. Kunst bereichert mein Leben in jeglicher Form. Ich kann Gefühle und Gedanken ausdrücken, ohne mich erklären zu müssen, verriet der frühere Tennis-Profi. Stichs Arbeiten überzeugen.© Foto Diether von Goddenthow

Der frühere Wimbledonsieger Michael Stich interessierte sich schon in jungen Jahren für Kunst und wurde erst zu einem begeisterten Kunstsammler, bevor er begann, persönliche Erfahrungen zu verarbeiten, indem er sie auf die Leinwand bringt. „Meine Kunst ist Spiegelbild meiner Persönlichkeit und meiner Emotionen“, sagt er.

Unter dem Pseudonym Gedeon Schenkt ist eine prominente Person Teil der Ausstellung, deren Identität noch nicht bekannt gegeben wird. Den Besuchenden wird es überlassen, in den Werken nach Hinweisen zu suchen und damit auch der Frage nachzugehen, inwieweit Identität mit der öffentlichen Person und dem Kunstwerk verbunden ist.

Neben persönlichen Einblicken und überraschenden Blickwinkeln auf bekannte Persönlichkeiten hält die Ausstellung Besuchenden auch einen Spiegel vor: In der Begegnung mit den Werken stellt man unwillkürlich fest, wie stark man von den medialen Stereotypen der prominenten Menschen beeinflusst ist, wie sehr diese die eigene Rezeption lenken und wie viele eigene Wünsche und Fantasien wir auf berühmte Menschen richten.

Ein Besuch der Ausstellung lohnt und kann sehr empfohlen werden.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen Beyond Fame – Die Kunst der Stars

 

MEHR LICHT. DIE BEFREIUNG DER NATUR ab 8.2.2023 im Düsseldorfer Kunstpalast – Kuratiert von Florian Illies

Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863) Bachschleuse, um 1827/28, Öl auf Papier, auf Pappe, 32 x 40,2 cm, Kunstpalast, Düsseldorf, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW) © Kunstpalast - Horst Kolberg - ARTOTHEK
Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863) Bachschleuse, um 1827/28, Öl auf Papier, auf Pappe, 32 x 40,2 cm, Kunstpalast, Düsseldorf, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW) © Kunstpalast – Horst Kolberg – ARTOTHEK

Wolken, Wellen, Wind und Licht – ab 1820 wurde das Flüchtige der Natur von den Maler*innen in der neuen Technik der Ölstudie erfasst. Die wichtigsten Künstler*innen der Düsseldorfer Malerschule aber auch Caspar David Friedrich und Camille Corot nutzten schnell trocknende Farben, um ihr Naturerlebnis direkt vor dem Objekt umzusetzen.

Erstmals widmet sich in Deutschland eine Ausstellung der Ölstudie als einer der größten formalen Revolutionen in der Kunst des 19. Jahr­hunderts. Mit zahlreichen noch nie öffentlich gezeigten Werken aus musealen und privaten europäischen Sammlungen präsentiert die Schau den wertschätzenden Blick von Künstler*innen auf die Natur im Zeitalter der Romantik.

Außergewöhnlich ist, dass die Ölstudien von den Künstler*innen nur für den privaten Gebrauch eingesetzt und nie ausgestellt wurden. Erst zweihundert Jahre später werden sie wegen der veränderten Sehgewohnheiten als eigenständige Kunstwerke geschätzt – und zwar oftmals weit mehr als die fertigen Ateliergemälde, auf denen das Renommee der Maler*innen gründete. Doch die Ölstudien waren nicht nur formal revolutionär, sondern auch inhaltlich: Es ging um einen neuen Blick auf die Natur. Plötzlich wurde das Beiläufige bildwürdig, das Spiel von Licht und Schatten, die Bäume am Wegesrand, Gräser im Wind, sprudelnde Bäche. Die Künstler*innen legten mit den Studien einen Motivvorrat an, den sie lebenslang als Inspirationsquelle nutzten. Und genau diese Kraft besitzen sie heute für die Besuchenden/Betrachtenden.

Die Ausstellung präsentiert rund 170 Werke von 75 Künstler*innen.

Kurator der Ausstellung ist Kunsthistoriker und Autor Florian Illies, Co-Kuratorin ist Anna Christina Schütz, Kunstpalast, Düsseldorf.