Kategorie-Archiv: Maifestspiele Wiesbaden

Finale der Internationalen Maifestspiele 2017 Abschluss am Warmen Damm mit der »Götterdämmerung« und »Verbrannte Erde« für alle

Relaxen am Warmen Damm hinter dem Theater, hier Foto von der Wiesbadener Biennale 2016. Foto:. Diether v. Goddenthow
Relaxen am Warmen Damm hinter dem Theater, hier Foto von der Wiesbadener Biennale 2016. Foto:. Diether v. Goddenthow

Zum Abschluss der Internationalen Maifestspiele 2017 lädt das Hessische Staatstheater Wiesbaden in Kooperation mit Theaterkantinenbetreiber und Unternehmer Hans Reitz am Sonntag, den 28. Mai ab 12 Uhr zum Verweilen auf gemütlichen Sitzgelegenheiten und mit sommerlichen Getränken und Snacks des Lalaland-Foodtrucks an den Warmen Damm ein.

Um 17 Uhr beginnt das »Public Listening« am Warmen Damm, die Live-Übertragung der »Götterdämmerung« aus dem ausverkauften Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Das Hörerlebnis ist kostenfrei.

Im Anschluss an die »Götterdämmerung« findet als letzte Produktion der diesjährigen Internationalen Maifestspiele die Performance »Verbrannte Erde« von Markus Öhrn und Arno Waschk ebenfalls am Warmen Damm statt.

Wiesbadner Internationale Maifestspiele 2017 verabschieden sich mit einer erfolgreichen Bilanz – Vorschau 2018

maifestspiele.buttonMit Richard Wagners »Götterdämmerung«, in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Alexander Joel, finden die Internationalen Maifestspiele 2017 am Sonntag, den 28. Mai ihren krönenden Abschluss. Auf der Bühne sind unter anderem Andreas Schager, Samuel Youn, Albert Pesendorfer und Evelyn Herlitzius zu erleben. Beim Public Listening wird die Oper, die im ausverkauften Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zu erleben ist, für die Zuschauer live und kostenfrei am Warmen Damm übertragen. Der Abend endet mit der Outdoor-Performance »Vebrannte Erde« von Markus Öhrn und Arno Waschk und erinnert ein letztes Mal an das diesjährige Motto »Die Welt in Bewegung«.

Die Internationalen Maifestspiele 2017, die Intendant Uwe Eric Laufenberg künstlerisch verantwortet, finden vom 26. April bis zum 28. Mai in Wiesbaden statt. Prominente Gäste der Musikwelt, wie Catherine Foster, Klaus Florian Vogt und René Pape, eröffneten die Festspielsaison mit einem Wagner-Galakonzert. Zwei komplette Zyklen von Wagners »Ring des Nibelungen« standen als Schwerpunkt auf dem Programm und erreichten die höchsten Auslastungszahlen. Beim Publikum waren außerdem die Opern »Die Zauberflöte», »Die Hochzeit des Figaro« und die Parnassus Arts Production »Siroe, König von Persien« besonders beliebt.
In der Sparte Schauspiel verzeichneten das Gastspiel »Murmel Murmel« der Volksbühne Berlin und »Tyrannis«, eine Übernahme des Staatstheaters Kassel, besonders viele Zuschauer.
Dies gilt ebenfalls für die Tanzabende »Nijinski« mit der Gauthier Dance Company und »Light« mit der niederländischen Kompanie LeineRoebana.

Zu den Highlights zählten die Liederabende mit Florian Boesch und Gerald Finley, aber auch die Lesungen mit Elke Heidenreich und dem Calmus Ensemble, Günter Lamprecht und Claudia Amm. Das Merlin Ensemble mit Hermann Beil war mit einem Schönberg-Zyklus von vier Konzerten zu Gast bei den diesjährigen Internationalen Maifestspielen.

Aus Peking kamen Ensemble und Team der Oper »Faust – Eine Version des deutschen Klassikers aus Peking«, aus Belgien Alain Platel und seine Kompanie mit »nicht schlafen« und aus Kanada die Kompanie Corpus mit »Camping Royal« für die Junge Woche angereist.

Das Programm der Jungen Woche des JUST stand im Zeichen seines 20-jährigen Jubiläums. Ariel Dorons »Plastic Heroes« aus Israel und »The Carnival of the Animals« aus Großbritannien feierten große Erfolge.

Vorträge, Spielaktionen für Kinder und Familien, Performances und Live-Acts ergänzten das Festspielprogramm.

Abschlussbilanz:
Bei den Internationalen Maifestspielen 2017 waren 27.892 Eintrittskarten für 47 Veranstaltungen im Verkauf. Die Auslastung lag insgesamt bei 88,7 %, die Vorstellungen der Jungen Woche waren zu 93,5 % ausgelastet und im Vergleich zum Vorjahr steigerte sich die gesamte Auslastung um 6,9 % (Stand 22.05.17). Bis zum Ende der Internationalen Maifestspiele 2017 werden rund 24.000 Besucher die Veranstaltungen frequentiert haben. Die Internationalen Maifestspiele 2017 verzeichnen die zweithöchsten Einnahmen der letzten zehn Jahre.

In den Sozialen Medien erreichten die diesjährigen Festspiele 62.314 Facebook-Profile und über 10.000 Tweet-Impressions auf Twitter.

Ermöglicht wurde das Programm durch die Förderung der Stadt Wiesbaden und des Landes Hessen sowie durch die Zuwendung des Förderkreises der Internationalen Maifestspiele e.V. Der Kulturfonds RheinMain förderte die Produktionen »Giustino«, »Siroe, König von Persien« und »Vebrannte Erde«. Die Nassauische Sparkasse unterstützte die Produktionen der Jungen Woche. Kulturpartner der Internationalen Maifestspiele 2017 war hr2 Kultur.

Dank der Sponsoren und Förderern konnten die Internationalen Maifestspiele 2017 sozialverträgliche Eintrittspreise zwischen 9 Euro und 103 Euro anbieten, die somit im Vergleich zu 2016 nahezu gleich blieben.

Ausblick Internationale Maifestspiele 2018:

Foto:. Diether v. Goddenthow
Foto:. Diether v. Goddenthow

Die Internationalen Maifestspiele 2018 werden am 5. Mai 2018 mit Verdis »Ein Maskenball« unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Patrick Lange und in der Inszenierung von Beka Savić eröffnet. Adina Aaron singt die Amelia, der polnische Tenor Arnold Rutkowski den Riccardo, Vladislav Sulimsky vom Mariinsky Theater den Renato und Marie Nicole Lemieux ist Ulrica.

Die Titelpartie der »Tannhäuser«-Inszenierung übernimmt im Mai Klaus Florian Vogt. Als Arabella ist die Strauss-Sängerin Maria Bengtsson zu erleben. Pretty Yende brilliert als Adina im »Liebestrank« neben Ioan Hotea, Levy Sekgapane und Patrick Carfizzi. Catherine Foster, Johannes Martin Kränzle, Lance Ryan und Albert Pesendorfer stehen in der Festspielaufführung der »Götterdämmerung« auf der Bühne. Als Fliegender Holländer kommt Egils Silins in einer weiteren Wagner-Partie nach Wiesbaden. Ein weiteres Highlight verspricht ein Gastspiel mit Rossinis »La Donna del Lago« unter der Leitung von George Petrou, mit Lena Belkina als Elena, Daniel Behle und Max Emanuel Cencic, der neben der Gesangspartie auch die Inszenierung übernimmt.

Der Vorverkauf für sieben Opernproduktionen der Internationalen Maifestspiele 2018 hat bereits begonnen. Im Februar 2018 wird das Gesamtprogramm veröffentlicht, Eintrittskarten für alle Veranstaltungen sind dann erhältlich.

»Internationale Maifestspiele-Happy Hour« für ausgewählte Veranstaltungen am 3. Mai, von 16 bis 18 Uhr

maifestspiele.buttonNach dem berauschenden ersten Festivalwochenende belohnt das Hessische Staatstheater Wiesbaden seine treuen Festivalfans mit der »Internationalen Maifestspiele-Happy Hour«.

Am Mittwoch, den 3. Mai, von 16 bis 18 Uhr sind Restkarten auf allen Plätzen für 18 Euro erhältlich. Das Angebot gilt für folgende Veranstaltungen:

Mittwoch, 3. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus Tanz »nicht schlafen«
Donnerstag, 4. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus Tanz »nicht schlafen«
Dienstag, 9. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus Schauspiel »Murmel Murmel«
Mittwoch, 10. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus Schauspiel »Murmel Murmel«

Karten sind auf www.maifestspiele.de, telefonisch unter 0611.132325 oder an der Theaterkasse im Großen Haus erhältlich.

„Die Welt in Bewegung“ – Programmvorschau auf die Wiesbadener Internationalen Maifestspiele vom 26. April bis 28. Mai 2017 

Pressekonferenz am 7. Februar 2017 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Sven Gerich und Staatssekretär Ingmar Jung zur Vorstellung des Programms der Wiesbadener Internatitonalen Maifestspiele  im Theater-Foyer. Foto: Diether v. Goddenthow
Pressekonferenz am 7. Februar 2017 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Sven Gerich und Staatssekretär Ingmar Jung zur Vorstellung des Programms der Wiesbadener Internatitonalen Maifestspiele im Theater-Foyer. Foto: Diether v. Goddenthow

Die diesjährigen Wiesbadener Internationalen Maifestspiele stehen ganz im Zeichen von Richard  Wagners „Ring“, auf makabre Weise  aktueller denn je.   So hätte sich Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und Leiter der Internationalen Maifestspiele, als er vor zwei Jahren in Linz die Götterdämmerung kreierte, und genau studierte, wie und warum man eine Welt in den Untergang führt, „nicht ausmalen können, das dies bereits in der gegenwärtigen  Realität wieder denkbar wäre, seit die Alberiche der Welt wie Erdogan, Putin und jetzt Trump und vielleicht bald Le Pen usw.  an die Macht gelangten . „Die Kunst, wissen wir auch, wird die Katastrophe nicht verhindern“, so Laufenberg, „aber sie beschreibt Katastrophen, und beschreibt warum sie so kommen, und die Kunst hat den Auftrag, uns diesen Spiegel permanent vor Augen zu halten. Ob wir aus diesem Spiegel lernen, ist natürlich die Sache der Leute, die ins Theater gehen. Die nicht ins Theater gehen, wissen wir, sind häufig die Leute, die an den Schaltern sitzen und oft nicht sehr kunstsinnig sind.“ so der Intendant im gleichgesinnten, recht besorgtem Podium auf der Pressekonferenz anlässlich der Programmvorschau der Wiesbadener Internationalen Maifestspiele 2017.

Die Internationalen Maifestspiele finden vom 26. April bis 28. Mai 2017 unter der künstlerischen Leitung von Uwe Eric Laufenberg am Hessischen Staatstheater Wiesbaden statt. Das Motto,  der Weltenstimmung ein wenig nachempfunden, lautet denn auch  »Die Welt in Bewegung«, zumindest werden  die 50 erstklassigen Produktionen in diesem Mai die Besucher ganz schön auf Trapp halten-  Weltbekannte Sängerinnen und Sänger, renommierte Schauspielensembles und hochkarätige Tanzkompanien sind zu Gast in der Weltkurstadt Wiesbaden.

»Mir gefällt das diesjährige Motto sehr gut; es spricht sowohl die Internationalität unserer Stadt und der Maifestspiele an, als auch die momentanen weltweiten Wirren, denen die Kunst traditionell etwas entgegensetzen kann: Miteinander, Solidarität, Integration und Geist«, sagte Oberbürgermeister Sven Gerich bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Maifestspielprogramms 2017.

»Unsere Landeshauptstadt ist im Mai der Nabel der europäischen Theaterwelt. Das Publikum kann dort die große Vielfalt des Theaters in all seinen Sparten erleben. Besonders freut mich, dass zum Programm auch international bedeutsame Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheater gehören. Die breite kulturelle Bildung über alle Altersgrenzen hinweg ist ein wichtiges Anliegen der hessischen Landesregierung. Daher fördert das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Internationalen Maifestspiele in diesem Jahr auch mit 76.000 Euro«,ergänzte Staatssekretär Ingmar Jung.

Keine Angst vor der Angst: Der Themenschwerpunkt »German Angst« widmet sich der aktuell weltweit um sich greifenden Angst. Viele Aufführungen stellen sich diesem Thema musikalisch und thematisch mutig, lustvoll und radikal.

Angefangen mit Wagners »Ring«-Zyklus in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wird mit der Uraufführung von Markus Öhrns »Verbrannte Erde« die freudvolle Zerstörung erprobt. Alain Platel zeigt mit »nicht schlafen« verzweifelt kämpfende Menschen, die in der Musik Erlösung finden. Ersan Mondtags »Tyrannis« erzählt von der Angst vor dem Fremden und im »Faust« und den Liederabenden erklingen ebenfalls ängstliche Spuren.

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Oper / Konzert

Große Wagner-Stimmen eröffnen die Festspielsaison in Wiesbaden mit einemWagner-Galakonzert. Als Star-Gäste sind Catherine Foster, Klaus Florian Vogt und René Pape, die weltweit als führende Wagner-Interpreten gehandelt werden, zu erleben.

Zwei komplette Zyklen von Wagners »Ring des Nibelungen« stehen als Schwerpunkt auf dem Programm der diesjährigen Festspiele. Bereits die ersten Maifestspiele 1896 bezogen sich auf Richard Wagners Opus Magnum. In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der musikalischen Leitung von Alexander Joel stehen herausragende Sängerdarstellerinnen und -darsteller auf der Bühne.

Eine Vortragsmatinee und eine Lesung aus Thomas Manns »Wälsungenblut« begleiten den »Ring«-Zyklus.

Markus Öhrn kehrt mit einer Uraufführung, der Performance »Verbrannte Erde«, im Mai nach Wiesbaden zurück. Gemeinsam mit dem Komponisten und Dirigenten Arno Waschk zeigt er eine Neukomposition für acht Sänger und zwei Molotov-Cocktail-Werfer als Liebeserklärung an den Anarchisten Richard Wagner am Warmen Damm.

Unter der Leitung des Barock und Frühklassik-Spezialisten Konrad Junghänel singt und spielt ein außergewöhnliches Ensemble Mozarts großes Opernwerk»Die Hochzeit des Figaro«. Der preisgekrönte Gerald Finley ist Graf Almaviva und die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson singt Gräfin Almaviva, zusammen mit Nachwuchskünstlerin Hanna-Elisabeth Müller (Susanna) und Patrick Carfizzi (Figaro).

In Mozarts »Die Zauberflöte« singen Günter Groissböck als Sarastro, Michael Nagy als Papageno, Gloria Rehm als Königin der Nacht, Shooting-Star Katharina Konradi als Pamina und Ioan Hotea in der Partie des Tamino.

In »Siroe, König von Persien« spielen Lügen, heimliche Liebschaften und Machtgier eine große Rolle. Countertenor Max Emanuel Cencic (Siroe) und Julia Lezhneva (Laodice) sind gemeinsam mit dem hochdekorierten Barockensemble Armonia Atenea unter der Leitung von George Petrou zu erleben.

Die Liederabende sind mittlerweile fester Bestandteil der Internationalen Maifestspiele und auch in diesem Jahr bereiten die Bassbaritone Florian Boesch und Gerald Finley, beide führende Oper- und Liedsänger, besondere Konzerterlebnisse.

Hermann Beil und das Merlin Ensemble Wien widmen sich in ihrem dritten Jahr bei den Internationalen Maifestspielen zusammen mit Pierrot-Darstellerin Sylvie Rohrer selten zu hörenden Facetten in Arnold Schönbergs Werk.

Alte Musik und altes Handwerk, Bühnen- und Puppenzauber in einem bringt die lautten compagney Berlin und das Puppentheater Carlo Colla e Figli mit der Oper »Giustino« von Georg Friedrich Händel auf die Bühne.

Das Ensemble Mattiacis entführt das Publikum mit der Barockoper »La liberazione di Ruggiero dall`isola d`Alcina« in die Blütezeit der Oper im Italien des Frühbarock.

Tanz

Mit »Light« präsentiert die niederländische Tanzkompanie LeineRoebana mit Tänzern, Sängern und Musikern eine Welt, in der kulturelle Unterschiede kein Hindernis sind, sondern Bedingung für Kreation und Kommunikation. Das Choreografen-Paar Andrea Leine und Harijono Roebana arbeitet erneut mit dem indonesischen Musiker Iwan Gunawan zusammen.

Nach seinem Erfolgsstück »Coup Fatal« bei den Internationalen Maifestspielen 2015 kehrt Alain Platel mit dem Mahler-Projekt »nicht schlafen« nach Wiesbaden zurück. Einen apokalyptischen Überlebenskampf, jeder gegen jeden, den der belgische Star-Choreograph mit Tänzern und Sängern inszeniert.

Marco Goecke gilt als Erneuerer der Tanzszene und erzählt mit seinem Ballett»Nijinski« vom außergewöhnlichen Leben des Tänzers und Choreografen Waslaw Nijinski. Das Stück geht über die Beschäftigung mit dessen Biografie hinaus und zielt auf die grundlegenden Fragen, wie den Wert und Zauber der Kunst, ab. Getanzt wird das Stück vom jungen Ensemble Gauthier Dance aus Stuttgart.

Schauspiel                        

Das Schauspiel »Faust – Eine Version des deutschen Klassikers aus Peking« ist eine neue Interpretation von Goethes Meisterwerk. Regisseurin Anna Peschke kombiniert deutsche Theater- und Performancekunst mit dem typischen Gesang und traditionellen Kostümen aus China. Es entstand eine außergewöhnliche Zusammenarbeit der China National Peking Opera Company mit der italienischen Emilia Romagna Teatro Fondazione.

Herbert Fritschs gefeierte Kultinszenierung der Volksbühne Berlin »Murmel Murmel« ist mit den Schauspielstars Anne Ratte-Polle und Wolfram Koch in Wiesbaden zu erleben. Elf Schauspieler und ein Musiker erzählen mit nur einen Wort alles.

»Tyrannis« ist ein intimes Gruselkabinett der stummen Angst vor dem Fremden. Regisseur Ersan Mondtag zeigt mit der Tragödie eine bildmächtige Welt, die den Nerv der Zeit trifft.

Junge Woche

Das Programm für das junge und jung gebliebene Publikum gibt es in diesem Jahr wieder konzentriert in der Jungen Woche des JUST, das unter dem Zeichen seines 20-jährigen Jubiläums steht. Den Auftakt bildet »Rico, Oskar und das Herzgebreche« in einer Bearbeitung von Oliver Wronka. Eine Geschichte über die spannenden Abenteuer der unzertrennlichen Freunde und den kleinen großen Helden Rico und Oskar.

»Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« von Bertolt Brecht ist ein Stück über die Verführbarkeit des Menschen, das sich in der Inszenierung von Matthias Faltz in seiner Aktualität nicht nur an die Jugend, sondern auch an die mitgewachsenen Zuschauer richtet.

Ein kleines Stück gegen die Gewalt der Welt zeigt Ariel Doron mit »Plastic Heroes« als satirischer Kommentar zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen.

In der Uraufführung »Hamlet_Studio« verschmelzen die Welten Shakespeares mit der Geschichte dreier Jugendlicher und ihren ganz eigenen Problemen.

Für die Kleinen sind »Turlututu«, »The Carnival of the Animals« und die bezaubernden Aufführungen an traditionellen und ungewöhnlichen Schauplätzen, »Camping Royal«, großes Theater.   

Das Programm der Jungen Woche fördert die Nassauische Sparkasse.

An ausgewählten Abenden finden im Foyer des Staatstheaters die »Mai Tanz Nächte« mit Live-Acts und DJ-Sets statt. Die Kooperation mit der Caligari FilmBühne bleibt eine feste Größe bei den Internationalen Maifestspielen 2017.

Die Internationalen Maifestspiele 2017 werden durch die Unterstützung des Förderkreises der Internationalen Maifestspiele e.V. ermöglicht.

 

Karten sind ab Samstag, den 11. Februar, um 9 Uhr an der Theaterkasse, telefonisch unter 0611. 132 325 oder online unter www.maifestspiele.de erhältlich.

„Wagners Ring an einem Abend“ setzt fulminanten Schluss-Akkord bei den Internationalen Wiesbadener Maifestspielen 2016

© massow-picture
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Hatten  „Die Soldaten“ das Publikum  zum Festspiel-Auftakt  mit ihrem Ausflug in eine  destruktive Welt der Kriege auf allen Ebenen tief erschüttert, so bewegte  Loriots „Wagners Ring an einem Abend“ nun humoristisch die Seelen der Maifestspiel-Freunde zum fulminanten Abschluss der Internationalen Maifestspiele 2016 am Sonntagabend im Großen Haus. In die Rolle von Loriot, alias Vico von Bülow, war Uwe Eric Laufenberg, im Hauptberuf Theaterintendant, geschlüpft. Auf einem rosa – nicht Loriot-grünem – Sofa sitzend, las und moderierte von Bülows „Meisterschüler“ mit schmunzelnder Stimme, gekonnt prononciert, die einleitenden Handlungserzählungen der Szenen des von 16 auf 3,5 Stunden „zusammengedampften“ Rings. Getragen wurde die grandiose Aufführung, ein Galakonzert, vom überragenden Spiel des Hessischen Staatsorchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors Zsolt Hamar und der internationalen künstlerischen Besetzung, allen voran: Catherine Foster als Brünnhilde, Andreas Schager als Siegfried, Richard Furman als Siegmund, Samuel Youn als Wotan, Doris Stoffel als Waltraute, Katharina Konradi, Marta Wryk und Silvia Hauer als Rheintöchter und viele Superstimmen mehr  Diese Sängerinnen und Sänger sind, so konnte man erfahren,  bereits für die kommende Maifestspiel-Saison 2017 gebucht, die ganz im Zeichen :  »Ring des Nibelungen« steht,

Rose-Lore Scholz, Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters, Ingmar Jung, Staatssekretär des Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, danken allen die am Erfolg der Maifestspiele Beteiligten. Diether v. Goddenthow © massow-picture
Rose-Lore Scholz, Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters, Ingmar Jung, Staatssekretär des Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, danken allen die am Erfolg der Maifestspiele Beteiligten. Diether v. Goddenthow © massow-picture

Rose-Lore Scholz, Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Wiesbaden, dankte nach der Vorstellungen den Künstlerinnen und Künstlern und allen vor und hinter der Bühne und in der Verwaltung, die am Gelingen dieser Maifestspiele, „dem absoluten Höhepunkt im Kulturleben unserer Stadt“, mit „hochklassigen, berührenden und herausfordernden Aufführungen“ beigetragen haben. Staatssekretär Ingmar Jung gratulierte allen Mitwirkenden der diesjährigen Internationalen Maifestspiele „zu einer ausgezeichneten Festspielsaison“. Große Gastspiele der Oper, des Schauspiels und des Balletts hätten die vergangenen vier Wochen ebenso geprägt wie überragende Eigenproduktionen, so der Staatssekretär des Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Dafür stünden beispielsweise insbesondere die Eröffnungspremiere „‘Die Soldaten‘ oder die Uraufführung ,Agota‘“. Viel Zeit zum Ausruhen gäbe es jedoch wohl nicht, so Jung, denn „Mit der ,Wiesbaden Biennale‘ steht vor der nächsten Spielzeit 2016/17 noch ein weiteres wichtiges Festival im August an, zu dem ich ebenfalls viel Erfolg wünsche.“ Die nun mit Loriots Ring zu Ende gegangenen Maifestspiele machten richtig Lust auf die nächsten Maifestspiele 2017.

Überaus erfolgreiche Maifestspiele 2016

Wie das Hessische Staatstheater meldet, hätten 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die 48 Aufführungen der Internationalen Wiesbadener Maifestspiele 2016 besucht, was ein großartiger Erfolg sei. .

Besonders beliebt beim Publikum waren demnach die Opern »Der fliegende Holländer« und »Così fan tutte«, »Die Macht des Schicksals« und die Produktion der Komischen Oper in Berlin »Eine Frau, die weiß, was sie will«. In der Sparte Schauspiel verzeichneten das Gastspiel des Berliner Ensembles und des Wiener Burgtheaters »Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße«, »Liebe. Trilogie meiner Familie 1« des Hamburger Thalia Theaters und »Die Reise nach Petuschki«, ebenfalls vom Burgtheater Wien kommend, besonders viele Zuschauerinnen und Zuschauer. Dies gilt ebenfalls für die Ballettabende »Last Work« der Batsheva Dance Company aus Tel Aviv und Martin Schlaepfers »7« des Balletts am Rhein. Den Abschluss der Internationalen Maifestspiele bildet am Sonntagabend »Loriot: Wagners Ring an 1 Abend« vor ausverkauftem Haus.

Die Internationalen Maifestspiele 2017 stehen ganz im Zeichen des »Ring des Nibelungen«: Wagners vierteiliges Hauptwerk wird, besetzt mit internationalen Starsängerinnen und -sängern, in zwei kompletten Zyklen zur Aufführung kommen. Für das Wagner-Konzert zur festlichen Eröffnung am 30. April 2017 kehrt Catherine Foster gemeinsam mit Klaus Florian Vogt und René Pape zurück auf die Bühne des Großen Hauses. Patrick Lange, ab der Spielzeit 2017.2018 Generalmusikdirektor in Wiesbaden, wird am Dirigentenpult stehen.

Mit weiteren Gala-Aufführungen der Opernproduktionen des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden sind Maria Bengtsson, Gerald Finley, Catherine Foster, Gerd Grochowski, Evelyn Herlitzius, Johannes Martin Kränzle, Hanna-Elisabeth Müller, Michael Nagy, Albert Pesendorfer und Andreas Schager zu erleben.

Der Vorverkauf für einige Veranstaltungen, u .a. zwei komplette »Ring«-Zyklen, der Internationalen Maifestspiele 2017 hat bereits begonnen. Karten für alle Vorstellungen sind ab Februar 2017 erhältlich.

Das Gesamtprogramm der Internationalen Maifestspiele wird im Februar 2017 bekanntgegeben.

www.staatstheater-wiesbaden.de

Last Work – Ohad Nahars sensationelle Choreographie für Frieden und Freiheit Israels – Premiere im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheater

Last Work. Choreographie von Ohad Naharin. Foto Gadi Dagon, © Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Last Work. Choreographie von Ohad Naharin. Foto Gadi Dagon, © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Sie rennt und rennt und rennt und tritt doch auf der Stelle. Die junge Frau mit Pferdeschwanz im blauen Kleid am hinteren Rand des Tanzgeschehens ist während der gesamten Dauer der Vorstellung ganz für sich allein in Bewegung und kommt doch nicht vom Fleck. Ihr unendlicher Lauf scheint als  Sinnbild für ein Israel, dem Heimatland der Tanzproduktion LAST WORK der Batsheva Dance Company, zu stehen, in dem politisch und gesellschaftlich unaufhörlich viel in Bewegung ist, ohne jedoch die Verhältnisse wirklich zu verändern. Die anderen Tänzerinnen und Tänzer Ohad Naharins Choreographie „Last Work“, welches bei der gestrigen Premiere im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters mit frenetischem Applaus und Standing Ovations gefeiert wurde, wirken gleichfalls traumatisiert: Ihr Tanz erzählt wohl vom zwangsläufig schmerzhaften Verlust und der Veränderung der ursprünglichen Ideale des seit Jahrzehnten von Kriegen, Raketenangriffen und Terrorismus erschütterten jüdischen Staates im Nahen Osten.

Ohad Naharin polarisiert gern, und das ist ihm und seiner Truppe einmal mehr gestern in Wiesbaden herausragend gelungen, wobei der „Guru des modernen Tanzes“  betont, nicht politisch zu arbeiten. Mit seiner Batsheva Dance Company hat Ohad Naharin eine komplett neue Bewegungssprache entwickelt: „Gaga“. Dabei handelt es sich um eine innovative Bewegungssprache, die einen bewussten Umgang mit der Empfindung und ihrem Zugang zur Bewegung in den Mittelpunkt stellt. Diese Methode ist nicht nur die vorherrschende Trainingsmethode der Batsheva-Tänzerinnen und –Tänzer, sondern hat inzwischen weltweit ihre Anhängerschaft gefunden.

Im Kern der „Gaga-Tanzmethode“ soll die Bewegung des Körpers als menschlichste und ergreifendste Ausdrucksform der darstellenden Künste erforscht und vorangebracht werden, was zu sensationellen, fast nicht mehr darstellbaren Einzel- und Gruppen-Figuren führt. Mal in Slow-Motion-Manier, mal mit Breakdance-Elementen, mal als Menschen „ohne Knochen“ oder als „Schwarmbildner“ verstehen die Batsheva-Tänzerinnen und –Tänzer Zustände von Freude, Schmerz, Aufbruch, Wahnsinn und animalischer Leidenschaft als reinen Zustand des Seins im eigenen Körper zu transportieren, sowohl separat als auch gemeinsam, mal als Menschenknäuel, mal als Truppe , mit- und gegeneinander.

Last Work. Choreographie von Ohad Naharin. Foto Gadi Dagon, © Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Last Work. Choreographie von Ohad Naharin. Foto Gadi Dagon, © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Als alles auf die rasante Schluss-Szene hinausläuft, mutet die Kulisse durch dezente Maschinengewehrsalven, weiße Flagge und ein aus Klebeband improvisiertes Zelt doch recht militärisch an. Dieses letzte Bühnenbild symbolisiert wohl, dass der Frieden, insbesondere in Israel, immer auch militärisch verteidigt werden muss. Die durch Gewaltereignisse kollektiv erfahrene Nötigung zu potentiell permanenter erhöhter Wehrhaftigkeit zur Verteidigung von Frieden und Freiheit scheint schließlich der kleinste gemeinsame Nenner zu sein, der die Menschen Israels verbindet, dramaturgisch dargestellt durch ein Klebeband, mit dem alle Tänzerinnen und Tänzer in der Schluss-Szene zu einer „Schicksalsgemeinschaft“ verbandelt werden.

Diether v.Goddenthow

Die nächste Aufführung findet im Rahmen der Internationalen Maifestspiele statt am heutigen Donnerstag,  19.05.2016, von 19.30 bis 20.35 Uhr  im Großen Haus des Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Weitere Infos  zu Last Work
Informationen zu den Internationalen Maifestspielen:

 

Maifestspiele: Martin Schläpfers Ballett „7“ pointiert meisterhaft „die“ Ruhelosigkeit „des“ Erfolgsmenschen

Ballett am Rhein Dusseldorf Duisburg. Choreografie von Martin Schläpfer. Musik: Sinfonie Nr. 7 e-Moll von Gustav Mahler. Musikalische Leitung Wen-Pin Chien. Bühne Kostüme: Florian Etti. Licht Volker Weinhart. Hessisches Staatsorchester Wiesbaden. Foto: Gert Weigelt
Ballett am Rhein Dusseldorf Duisburg. Choreografie von Martin Schläpfer. Musik: Sinfonie Nr. 7 e-Moll von Gustav Mahler. Musikalische Leitung Wen-Pin Chien. Bühne Kostüme: Florian Etti. Licht Volker Weinhart. Hessisches Staatsorchester Wiesbaden. Foto: Gert Weigelt

Genuss im Sinne eines  klassischen Balletts kam nun wirklich nicht auf: Es gab weder einen Handlungsrahmen, noch großartige Bühnenbilder, Requisiten oder Kostüme, noch Spitzenschuh – und der Betrachter fragte sich recht bald: „Was soll dies eigentlich?“ Und eben genau diese Frage, nämlich eine Metapher auf die Sinnfrage nach der menschlichen Existenz in der Moderne, brachte Martin Schläpfers Düsseldorf-Duisburger Ballett am Rhein mit der Choreografie „7“ beim  Gastspiel am 7. und 8. Mai 2016 im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheater bravourös auf den Punkt. Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-Moll bot den musikalisch-philosophischen Hintergrund der Inszenierung. Mahlers Sinfonie entführte in eine ruhelose, dunkle Welt ohne Auswege, hervorragend  dargeboten  in einer Bühneninterpretation vom Hessischen Staatsorchester Wiesbaden unter Leitung des eigens mitgebrachten Dirigenten Wen-Pin Chien.

Gustav Mahler (1860 – 1911) fühlte sich zeit seines Lebens getrieben, gehetzt und heimatlos – überall „ist man Eindringling, nirgends ‚erwünscht‘“. Martin Schläpfer hat Gustav Mahlers  existentielles Dilemma aufgegriffen und musikalisch aus dem „Mahler-Kosmos“ geschöpft, die Musiksprachen des Komponisten in seine Tanzsprachen adaptiert. Er hat dabei eine neu akzentuierte Dramaturgie mit collagenhafter Verknüpfung unterschiedlicher Bilder geschaffen, die die Einsamkeit menschlich entfremdeter Ruhelosigkeit moderner Hamsterrad-Menschen, Smartphone-Höriger und ewig unbefriedigter Parshipper spiegeln. Stets getrieben nach Erfolg, Anerkennung und Zugehörigkeit, nach Liebe und Verlässlichkeit bleibt die Reise des Lebens letztlich immer nur ein weltfernes einsames Getriebensein. Letztlich scheint es gar unwesentlich, ob du einen Menschen oder einen Hocker umarmst: Deine innere Leere bleibt so oder so, egal auch, wie schnell du wechselst. Bei Gustav Mahler gibt es keine Erlösung, so auch nicht in Martin Schläpfers Choreografie „7“. Zum Schluss hetzen alle TänzerInnen in Anspielung auf das Gesellschaftsspiel „ Reise nach Jerusalem“ um die im Kreise gestellten Hocker. Und selbst wer es noch einmal geschafft hat, seinen Platz zu finden, weiß nicht für wie lange, und ob er in der nächsten Runde nicht aus dem Spiel ist.

Diether v. Goddenthow

Der Mensch ist des Menschen Wolf – Grandiose Premiere der Antikriegs-Oper „Die Soldaten“ zum Auftakt der Maifestspiele 2016 in Wiesbaden

Ensemble, Statisterie. Szene aus "Die Soldaten" von Bernd Alois Zimmermann. Musikalische Leitung: Zsolt Hama, Inzsenierung: Vasily Barkhatov, Bühne: Zinovy Margolin, Kostüm: Olga Shaishmelashvili. Video: Gerard Naziri. Licht: Andreas Frank. Dramaturgie: Regine Palmai. Foto Karl Monika Forster © Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Ensemble, Statisterie. Szene aus „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann. Musikalische Leitung: Zsolt Hama, Inzsenierung: Vasily Barkhatov, Bühne: Zinovy Margolin, Kostüm: Olga Shaishmelashvili. Video: Gerard Naziri. Licht: Andreas Frank. Dramaturgie: Regine Palmai. Foto Karl Monika Forster © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

„Das war die anstrengendste Oper meines Lebens!“, so eine Stimme aus der Menge der noch etwas benommen wirkenden Premierengäste der grandios und mächtig von Ingo Kerkhof inszenierten Oper „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann. Diese wurde gestern Abend zum Auftakt der Mai-Festspiele 2016 erstmals im Großen Haus des Hessischen Staatstheater in Wiesbaden aufgeführt. Die Musikalische Leitung hatte Zsolt Hama.
Das Parkett wurde zur zentralen Bühne des wuchtigen, einst als unaufführbar eingestuften Zwölfton-Musik-„Spektakels“ nach Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 – 1792) gleichnamigen Schauspiel. Für die meisten Zuschauer bedeutete das von vornherein Ausnahmezustand: Die Inhaber von Karten im Parkett erhielten nur Einlass über den relativ dunklen Bühnen-Hintereingang mit „Not-„Garderobe – fast Bunker-Atmosphäre schon im Vorfeld!  Dort wurden die Premierengäste auf die zum Zuschauerraum umfunktionierte Bühne gebeten mit Behelfs-Bestuhlung, aber einzigartiger neuer Perspektive ins Theater.  Zwei Stunden lang, ohne Pause, spielte das großartige Ensemble mit enormer Statisterie perfekt die mitunter absurd bis surreal wirkende expressionistische Antikriegs-Oper. In vier Akten mit Film-Einblendungen auf Leinwänden, pantomimischen Spiel und Tanz  gelang es allen Schauspielern, ganz voran den hochkarätigen Sängerinnen und Sängern,  das Publikum durch viele Abgründe des menschlichen Seins vor dem Hintergrund unaufhörlicher kriegerischer psychischer und physischer Zerstörungen von Seelen und Leben mitzunehmen.

Auf dem Bild: Glora Rehm, die die Hauptrolle, Marie, sing. Szene aus "Die Soldaten" von Bernd Alois Zimmermann. Musikalische Leitung: Zsolt Hama, Inzsenierung: Vasily Barkhatov, Bühne: Zinovy Margolin, Kostüm: Olga Shaishmelashvili. Video: Gerard Naziri. Licht: Andreas Frank. Dramaturgie: Regine Palmai. Foto Karl Monika Forster © Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Auf dem Bild: Glora Rehm, die die Hauptrolle, Marie, sing. Szene aus „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann. Musikalische Leitung: Zsolt Hama, Inzsenierung: Vasily Barkhatov, Bühne: Zinovy Margolin, Kostüm: Olga Shaishmelashvili. Video: Gerard Naziri. Licht: Andreas Frank. Dramaturgie: Regine Palmai. Foto Karl Monika Forster © Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Vordergründig wirkt die Handlung völlig antiquiert: Die eigentliche Story spielt im feudalen Russland des 18. Jahrhunderts, verlegt nach Lille und Armentières in Belgien,  und  bühnenbildnerisch in ein „Zweite Weltkrieg“-Szenario verwamdelt. Vor dieser Kriegsmetapher in der Fremde  stationierter, sich im permanenten Ausnahmezustand zwischen Krieg und Feiern befindlicher  Soldaten, handelt das Stück von der Verführung eines naiven jungen Mädchens, Marie,  durch den adligen Offizier, Baron Desportes, obgleich Marie einem anderen, Stolzius, versprochen war.  Marie gefallen die Schmeicheleien des „Herrn Baron“ und die hiermit geglaubten potentiellen Chancen ihres gesellschaftlichen Aufstiegs, Sie verfällt ihm. Als Deportes standesbewusste Mutter, Gräfin de la Roche, von der Liebschaft ihres einzigen Sohnes zu Marie erfährt, torpediert  sie jedoch die Liaison der beiden, indem sie ihren Filius aus der Stadt schickt und ihm verspricht, sich um Marie zu kümmern. Diese lehnt jedoch eine ihr von der Gräfin angebotene Anstellung zur „Gesellschafterin“ als Entschädigung  für die verbotene Liebe ab, Fortgelaufen von der Gräfin und aus dem eigenen Elternhaus, entledigt sich Baron Desportes ihr obendrein, indem er  Marie seinem Jäger preisgibt. Und so nimmt das Übel  seinen weiteren Lauf und endet in einer Katastrophe: Stolzius vergiftet schließlich Baron Deportes, der ihm Marie ausgespannt hat, und sich selbst. Der gute Ruf des Mädchens ist für immer ruiniert, sie landet unweigerlich in der Gosse und bettelt einen Mann an, der sie für eine Hure hält und  zurückweist: „Ihr lüderliche Seele“. So abgestürzt und von der Not gezeichnet, erkennen nicht mal Vater und Tochter  einander. Marie ist als Mensch zerstört.

Die Zerstörung des Menschen, seiner Träume und seines Lebens wird in „Die Soldaten“  gleich auf mehreren Ebenen, der militärischen, gesellschaftlichen und persönlichen,  dargestellt: Verursacher menschlicher Zerstörung sind nicht  allein    „roboterhaft aggressiv agierende Militärs“. Ebenso  brutal vermögen auch gesellschaftliche Konventionen, illusionäre Erwartungen und persönlich berechnender Egoismus zuschlagen. Vor dem Hintergrund des brutalen Krieges, agiert  Marie nicht wirklich so naiv, als sie sich für den „wertvolleren“ Baron entscheidet, und ihren braven Stolzius wie eine heiße Kartoffel fallen lässt mit all den sie zerstörenden Folgen. Marie ist nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Es gibt letztlich keine Gewinner, alle sind  irgendwie Opfer und Täter zugleich. Selbst die in ihren Konventionen gefangene hochnäsige und mächtige Gräfin de la Roche wird mit Brachialgewalt von marodierenden Soldaten erniedrigt, dargestellt durch die Vergewaltigung auf dem Balkon. In „Die Soldaten“ scheint es für die Menschen kein Entrinnen aus den miteinander verwobenen äußeren und inneren Gewalt-Prozessen zu geben.  Das war 1775 so,  es war 1965, und es ist immer noch so.  In „Die Soldaten“ sind „Raum und Zeit  aufgehoben, weil sich im Grunde nichts ändert: Soldaten bleiben Soldaten, und der Menschen ist, 1775 bis 1965 oder 1940, des Menschen Wolf“, (Albert Gier, Begleitheft S. 11), auch sein eigener.

So flehen zum Schluss  Rudimente aus Bach-Chorälen  vergeblich um Erbarmen. Die Bitte »Sed libera nos a malo« – »Erlöse uns von dem Bösen« – fällt einfach ins Leere, und lässt zurück überwältigt betroffene Zuschauer.  „Die Soldaten“ sind schwerer Tobak, ja! Aber sie sind absolut  inspirierend und empfehlenswert!

Diether v. Goddenthow

Die beiden Vorstellungen finden statt:

Do, 05. Mai »Die Soldaten«
So, 15. Mai »Die Soldaten«

Weitere Informationen zum Programm der Internationalen Maifestspiele 2016:

Maifestspiele: »AGOTA? – Die Analphabetin (Gestern / Irgendwo)« Premiere der Uraufführung im kleinen Haus Staatstheater Wiesbaden

logo2-mf16»AGOTA? – Die Analphabetin (Gestern / Irgendwo)«
Helmut Oehring (*196I)

Premiere der Uraufführung im Rahmen der Internationalen Maifestspiele am 4. Mai 2016 um 19:30 Uhr im Kleinen Haus // die beiden nächsten Vorstellungen sind am 7. & 14. Mai jeweils um 19:30 Uhr

Die Internationalen Maifestspiele 2016 feiern das Musiktheater der Gegenwart und Moderne. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden hat eine Auftragskomposition an Helmut Oehring vergeben, die am 4. Mai 2016 ihre Uraufführung erlebt. Der Preisträger des Deutschen Musikautorenpreis 2015 hat sich einem innovativen, die Trennlinien zwischen den Medien überschreitenden Musik-theater verschrieben. Im Zentrum des vokalinstrumentalen Melodrams »AGOTA?« auf Texte der ungarischen Exilschriftstellerin Ágota Kristóf steht die große Theater- und Filmschauspielerin Dagmar Manzel. An der Komischen Oper Berlin tritt sie als Diseuse und Sängerin in die Fußstapfen von Fritzi Massary. In »AGOTA?« begibt Dagmar Manzel sich in einen Austausch mit drei Solisten, die sowohl mehrere Instrumente als auch ihre Stimmen einsetzen, und dem Ensemble Modern, einem der renommiertesten Referenzensembles für zeitgenössische Musik.

Thema des Werks ist die Suche nach Identität in einer fremden Welt. Ágota Kristóf machte den Verlust ihrer Muttersprache und ihrer Heimat zum Mittelpunkt ihres Erzählens. Kristófs Zweifel an der Kommunikation mit Worten teilt Helmut Oehring – Sohn gehörloser Eltern, als Komponist Autodidakt. Mit seinem Team, Librettistin Stefanie Wördemann und Sounddesigner Torsten Ottersberg, hat er ein Netz aus Sprache, Gesang, Hörspiel und Elektronik gewebt, in dessen Zentrum die Figur AGOTA steht. In der Regie von Ingo Kerkhof entsteht das Stimmungsbild einer einsamen Frau; einer Erzählerin, deren größte Gabe die eigene Erfindungskraft ist. Sie teilt mit dem Publikum ihre Erinnerungen an ein verlorenes Leben vor der Flucht.

Musikalische Leitung Peter Rundel Sounddesign & Klangregie Torsten Ottersberg Inszenierung Ingo Kerkhof Video Philipp Ludwig Stangl Dramaturgie Katja Leclerc & Stefanie Wördemann

AGOTA Dagmar Manzel
Multiinstrumente & Stimme Marena Whitcher Gitarren & Stimme Nico van Wersch Schlagzeug & Stimme Lukas Rutzen, Ensemble Modern

Weitere Informationen www.maifestspiele.de

Internationale Maifestspiele 2016: PREMIERE DER WIESBADENER ERSTAUFFÜHRUNG »DIE SOLDATEN«

logo2-mf16PREMIERE DER WIESBADENER ERSTAUFFÜHRUNG »DIE SOLDATEN« Bernd Alois Zimmermann (1918 – 1970)

Eröffnungspremiere der Internationalen Maifestspiele 2016 am 30. April 2016 um 19:30 Uhr im Großen Haus // die beiden nächsten Vorstellungen sind am 5. & 15. Mai jeweils um 19:30 Uhr

Die Eröffnungspremiere der Internationalen Maifestspiele 2016, Zimmermanns hochdramatisches Werk »Die Soldaten«, steht im Rang der wichtigsten Oper der Nachkriegszeit. Die expressionistische Antikriegsoper stellt grenzwertige Herausforderungen an den Theater-betrieb und ist doch als Menetekel gegen Gewalt und Unmenschlichkeit von soghafter Anziehungskraft. Die jüngsten Aufführungen in Salzburg, München, Zürich und Berlin wurden gar zu Publikumsrennern.

Für den Komponisten war sein Werk eine Situationsbeschreibung, die die Zerstörung eines einzelnen Mädchens als Sinnbild der Zerstörung aller Menschen sieht. Der russische Regisseur Vasily Barkhatov zeigt seine Inszenierung des Jahrhundertwerks der Moderne als Angriff auf den Theaterraum als Ort bürgerlicher Lebenskultur. Die zahlreichen Solistinnen und Solisten werden angeführt von Koloratursopranistin Gloria Rehm als Marie, die Musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Zsolt Hamar.

Bei der feierlichen Eröffnung der Internationalen Maifestspiele 2016 um 18:30 Uhr im Foyer des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden werden zudem Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main Zimmermanns »Rheinische Kirmestänze«, eine Persiflage auf Spielmannszüge, aufführen.

Musikalische Leitung Zsolt Hamar Inszenierung Vasily Barkhatov Bühne Zinovy Margolin Kostüm Olga Shaishmelashvili Dramaturgie Regine Palmai

Wesener Pavel Daniluk Marie Gloria Rehm CharlotteCeleste Haworth Weseners Mutter Helena Köhne Stolzius Holger Falk Stolzius‘ Mutter Andrea Baker Desportes Martin Koch PirzelBenedikt Nawrath Eisenhardt Joachim Goltz Haudy Benjamin Russell Mary Nathaniel Webster Gräfin de la Roche Sharon Kempton Ein junger GrafGustavo Quaresma Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Es spielt das Hessische Staatsorchester Wiesbaden