Kategorie-Archiv: Freiheit für das Wort

Aufruf: Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des ÖRR

© collage Diether v Goddenthow
© collage Diether v Goddenthow

(Schlangenbad, Dezember 2022). Rund 400 Sprachwissenschaftler und Philologen haben einen Aufruf unterzeichnet, der die Nutzung der „gendergerechten Sprache“ in öffentlich-rechtlichen Sendern scharf kritisiert. Die Sprachwissenschaftler fordern eine „kritische Neubewertung des Sprachgebrauchs im ÖRR auf sprachwissenschaftlicher Grundlage“. Der Aufruf löste ein großes Medienecho aus.

Unter den Unterzeichnern befinden sich Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung, der Gesellschaft für deutsche Sprache und des PEN-Zentrums sowie etliche renommierte Sprachwissenschaftler. Initiiert wurde der Aufruf von dem Germanisten, Musiker und Buchautor Fabian Payr („Von Menschen und Mensch*innen“ – Springer 2021).

Zum Aufruf: www.linguistik-vs-gendern.de/

Die Sprachverwendung des ÖRR sei, so die Experten, „Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern“. Daraus erwachse für die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache „regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei“ umzugehen. Im Aufruf wird darauf hingewiesen, dass mehr als drei Viertel der Medienkonsumenten Umfragen zufolge den etablierten Sprachgebrauch bevorzugten – der ÖRR dürfe den Wunsch der Mehrheit nicht ignorieren.

Die im Aufruf formulierte Kritik an der Genderpraxis des ÖRR erfolgt aus sprachwissenschaftlicher Perspektive: Das Konzept der gendergerechten Sprache basiere auf der Vermengung der Kategorien Genus und Sexus. Grammatisches Geschlecht und natürliches Geschlecht sind jedoch, wie die Wissenschaftler betonen, nicht grundsätzlich gekoppelt. Sprachhistorische Untersuchungen belegten ferner, dass das generische Maskulinum keineswegs erst in jüngerer Zeit Verwendung fand, sondern seit Jahrhunderten fester Bestandteil der deutschen Sprache ist.

Die Sprachwissenschaftler und Philologen kritisieren ferner, dass an Stelle von sprachsystematischen und sprachlogischen Betrachtungsweisen zunehmend psycholinguistische Studien herangezogen werden, um Veränderungen des Sprachgebrauchs zu legitimieren. Diese umstrittenen Studien lieferten aber keinen belastbaren Beleg dafür, dass generische Maskulina mental vorrangig „Bilder von Männern“ erzeugen. Eines der zentralen Argumente für das Gendern sei mithin hinfällig.

Die Wissenschaftler äußern im Aufruf ihre Sorge, dass Gendern zu einer ausgeprägten „Sexualisierung der Sprache“, also zu einer permanenten „Betonung von Geschlechterdifferenzen“ führe. Dadurch werde das wichtige Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konterkariert. Im Hinblick auf das angestrebte Ziel – Geschlechtergerechtigkeit – sei Gendern also dysfunktional.

Kritisiert wird ferner, dass der ÖRR geltende Rechtschreibnormen missachte: Der Rat für Deutsche Rechtschreibung hatte im März 2021 explizit darauf hingewiesen, dass Gender-Sonderzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt oder Unterstrich nicht dem amtlichen Regelwerk entsprechen, da diese Formen Verständlichkeit sowie Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten beeinträchtigen. Diese Missachtung der gültigen amtlichen Rechtschreibregeln sei „nicht mit dem im Medienstaatsvertrag formulierten Bildungsauftrag der Sender vereinbar“.

Außerdem, so die Wissenschaftler, sorge die vielfach mit moralisierendem Gestus verbundene Verbreitung der Gendersprache durch die Medien für „erheblichen sozialen Unfrieden“ und leiste gefährlichen Partikularisierungs- und Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft Vorschub.
Der forcierte Gebrauch gegenderter Formen befinde sich nicht im Einklang mit dem Prinzip der politischen Neutralität, zu der alle Sender gemäß Medienstaatsvertrag verpflichtet seien. So stamme das Projekt der “gendergerechten Sprache” ursprünglich aus der feministischen Linguistik und werde heutzutage vorrangig von identitätspolitisch orientierten universitären Gruppierungen rund um die Social-Justice-Studies vorangetrieben. Zu einer solchen „ideologisch begründeten Sprachform“ müsse der ÖRR kritische Distanz wahren.

Auch die Berichterstattung des ÖRR über den Themenbereich Gendersprache wird kritisiert: Sie sei „vielfach tendenziös“ und diene im Wesentlichen der Legitimation der eigenen Genderpraxis. In den Medien des ÖRR überwiege eine positive Darstellung des Genderns. Kritiker würden nicht selten als reaktionär, unflexibel und frauenfeindlich geschildert.

Dem Aufruf ist eine umfangreiche Literaturliste beigefügt, eine Auflistung aktueller Meinungsumfragen zum Gendern sowie Links zu ÖRR-Sendungen zur Thematik sowie eine Chronik.

Zum Aufruf: www.linguistik-vs-gendern.de/

 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer übernimmt Patenschaft für politisch verfolgte Schülerin im Iran: „Ich fordere die Freilassung der 16jährigen Sheno Ahmadian!“

„Als Zeichen meiner Solidarität mit den Menschen im Iran habe ich eine politische Patenschaft für die 16-jährige Schülerin Sheno Ahmadian übernommen, die nach Angaben ihrer Familie aufgrund ihres friedlichen Protestes von iranischen Regierungstruppen entführt wurde. Ich fordere die Freilassung der Schülerin“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Mit dieser Patenschaft werde ich mich mit Aufrufen und Briefen, zum Beispiel an die Botschaft, für die Freilassung von Sheno Ahmadian einsetzen und dazu beitragen, die Opfer des Protestes sichtbar zu machen. Malu Dreyer hat im Rahmen des Patenschaftsprogramms der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine Patenschaft für Sheno Ahmadian übernommen. Die IGFM hat seit dem Jahr 2011 über 200 Patenschaften für gewaltlose politische Gefangene initiiert, bei denen sich Politikerinnern und Politiker öffentlich für deren Freilassung einsetzen. Ziel ist, durch öffentlichen Druck die Situation der Inhaftierten zu verbessern oder ihre Freilassung zu erreichen. Das politische Patenschaftsprogramm hat einen Fokus auf den Iran.

„Aus Angst vor dem Freiheitsdrang des eigenen Volkes schlägt das iranische Regime seit Wochen Demonstrationen brutal nieder. Bereits über zehntausend Menschen wurden verhaftet und Hunderte wurden ermordet – darunter auch viele Minderjährige, wie Sheno Ahmadian. Mit den öffentlich vollstreckten Exekutionen von zwei jungen Demonstranten wurde eine neue Stufe der Eskalation und Gewalt erreicht.“

Die 16-jährige Schülerin wurde am 16. November 2022 in der Stadt Dehgolan in der Provinz Kordestan von iranischen Regierungstruppen entführt. Laut ihrer Familie, konnte diese bislang trotz Anfragen bei der Polizei noch keine Informationen erhalten, wo Sheno ist und was mit ihr passiert ist. Nach Angaben von Exil-Iranern wurden wurden drei weitere kurdische Minderjährige entführt, Kizhan Karimi (17), Ayda Lotfi (17) und Bita Asadi (17). Ersten Angaben zufolge wurden die vier Schüler zuvor an ihrer Schule bedroht.

„Ich bewundere den Mut, mit dem die Iraner und Iranerinnen – gerade auch viele junge Menschen – unter diesen Umständen weiterhin Seite an Seite für die Menschenrechte und ein Leben in Freiheit auf die Straße gehen. Die iranische Regierung rufe ich auf, die universellen Menschenrechte zu achten. Ich stehe an der Seite der Protestierenden und ich bin sicher: der Fortschritt wird sich nicht aufhalten lassen“, so die Ministerpräsidentin weiter.

Vermittelt hat die Patenschaft der Leiter des Malteser Migrationsbüros Rheinland-Pfalz/Hessen. „Ich danke Behrouz Asadi dafür, so engagiert Patinnen und Paten aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft für die mutigen Iranerinnen und Iraner zu gewinnen, die wegen ihres friedlichen Protests inhaftiert wurden“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Solidarität des Hessischen Landtags mit demonstrierenden Iranerinnen für „Frauen-Leben-Freiheit“ über Parteigrenzen hinweg

Wie Martina Feldmayer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag, mitteilt haben sich die Fraktionen der Parteien CDU, GRÜNE, SPD und FDP mit den Demonstrantinnen im Iran und ihrem Ruf „Frauen-Leben-Freiheit“ solidarisiert. „Frauen-Leben-Freiheit, das ist der Ruf der mutigen Frauen, Mädchen und Männer im Iran, die gegen die systematische Verletzung von Frauen- und Menschenrechten zu Tausenden auf die Straße gehen. Mit dem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, GRÜNEN und FDP sendet der Landtag ein starkes Zeichen der Solidarität an die Demonstrantinnen. Er sendet ein Zeichen an die in Hessen lebenden Menschen iranischer Herkunft. Wir sehen und teilen ihre Sorge um ihre Angehörigen, um ihre Freundinnen, um ihre Leute in der Heimat. Ihr seid nicht alleine. Es ist gut und wichtig, dass sich die Innenministerkonferenz mit dem Thema Abschiebungen in den Iran beschäftigt. Es ist gut und wichtig, wenn die Bundesregierung, die dafür zuständig ist, eine neue Lagebewertung zur Situation im Iran vorlegt, auf deren Grundlage das Thema Abschiebungen neu bewertet werden wird. Unabhängig davon hat Innenminister Beuth erklärt, dass in Hessen vor der nächsten Innenministerkonferenz zunächst keine Abschiebungen in den Iran durchgeführt werden.“

„Trauer, Wut und Hoffnung“ Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg eröffnet die Kundgebung der „Unterstützerinnen für Frauen und Menschenrechte im Iran“

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg während ihrer Rede bei der Kundgebung der 4000  „Unterstützer:innen für Frauen und Menschenrechte im Iran“ auf dem Römerberg (1), Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Bernd Georg
Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg während ihrer Rede bei der Kundgebung der 4000 „Unterstützer:innen für Frauen und Menschenrechte im Iran“ auf dem Römerberg (1), Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Bernd Georg

ffm. Frankfurt hat eine weitere klare Botschaft in Richtung Iran gesendet. 4000 Menschen kamen am Dienstag, 4. Oktober, zu einer Kundgebung für Freiheit und Menschenrechte auf dem Römerberg zusammen. Sie hörten 15 Rednerinnen und Rednern zu, darunter den Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Römer-Parteien, der Frauenrechtsaktivistin Shahnaz Morattab, der Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth und der Kabarettistin Enissa Amani.

Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg eröffnete die Kundgebung und fasste ihre Empfindungen so zusammen: „Wenn ich heute auf den Iran schaue, dann fühle ich Trauer, Wut und Hoffnung. Trauer um die jungen Menschen, die bei den Protesten ihr Leben verlieren. Wut auf das mörderische Regime, das einer Ideologie aus dem Mittelalter anhängt. Und Hoffnung in drei Worten: Jin, Jiyan, Azadi. Frauen, Leben, Freiheit. Das Streben der Menschen nach einem selbstbestimmten Leben lässt sich nicht unterdrücken.“ Für die Freiheitskämpferinnen sind die religiös vorgeschriebenen Niqabs  Symbole der Unterdrückung von Frauen. Ihr Symbol für Freiheit der Frauen sind die offenen, freien Haare.

Zu der Kundgebung hatte das Netzwerk „Frankfurter Unterstützer:innen für Frauen und Menschenrechte im Iran“ aufgerufen. Anlass war der Tod der Iranerin Mahsa Amini. Die 22-jährige Frau starb an den Folgen islamistischer und frauenfeindlicher Polizeigewalt im Iran. Ihr wurde vorgeworfen, ihr Kopftuch nicht gemäß den Vorschriften getragen zu haben. Seitdem herrscht Unruhe im Iran, vor allem Frauen formieren sich zum Protest und Widerstand. Nach Angaben von Iran Human Rights Watch sind bei den Protesten mittlerweile mehr als 130 Menschen von der Polizei getötet worden.

„Heute geht es darum, dass wir den Menschen im Iran zeigen: Ihr seid nicht allein“, sagte Eskandari-Grünberg. „Keine Knüppel, keine Wasserwerfer, keine Kugeln können diese Hoffnung besiegen. Die Menschen im Iran sagen: Es reicht. 40 Jahre Unfreiheit und Unterdrückung sind genug. Das Regime in Iran wird enden. Ich weiß nicht wann, aber ich weiß, dass es passieren wird“, betonte die Bürgermeisterin.

Die Bürgermeisterin teilte mit, dass der iranische Generalkonsul keine Einladung für den städtischen Empfang des konsularischen Corps am Sonntag, 9. Oktober, erhält.

Börsenverein unterstützt Petition zum Erhalt von Sprach-Kitas

Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ soll im kommenden Jahr nicht weitergeführt werden. So steht es im Entwurf für den Bundeshaushalt 2023, dessen finale Verabschiedung im November stattfindet. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und seine Interessengruppe (IG) Leseförderung kritisieren die geplante Beendigung der Förderung. Sie unterstützen die Initiative „Sprach-Kitas retten“, die den Erhalt des wichtigen Programms fordert, und ruft zur Unterzeichnung einer Petition auf.

„Kitas sind Schlüsselakteure in der Sprach- und Leseförderung. Dort wird der Grundstein für faire Bildungsvoraussetzungen für Kinder gelegt. Es wäre fatal, wenn die Bundesregierung gerade an dieser Stelle den Rotstift ansetzt. Aufgrund der großen Defizite bei der Sprach- und Lesekompetenz hierzulande, die sich durch die Pandemie weiter zugespitzt haben, braucht unser Land nicht weniger, sondern mehr Förderung und Unterstützung durch die Politik, um die Leseförderung nachhaltig zu verbessern“, sagt Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

„Die Sprach-Kitas vermitteln die Grundlagen für das Leseverständnis, das die Zukunftschancen von Kindern maßgeblich beeinflusst. Besonders in einer diversen Gesellschaft wie in Deutschland bildet Sprachförderung einen wichtigen Faktor für Chancengleichheit, soziale wie persönliche Entwicklung. In vielen Elternhäusern wird nicht mehr vorgelesen – damit sind die Kitas stärker gefragt, Sprach- und Lesefähigkeit zu vermitteln. Und was im Kleinkindalter an Leseförderung versäumt wird, ist später immer schwieriger auszugleichen. Deshalb ist das Programm der Bundesregierung so entscheidend und darf nicht Sparmaßnahmen zum Opfer fallen“, sagt Susanne Lux, Sprecherin der IG Leseförderung des Börsenvereins.

Petition unterzeichnen und Unterschriften sammeln
Die öffentliche Petition für den Erhalt der Sprach-Kitas wurde von Kita-Leiterin Wenke Stadach ins Leben gerufen und beim Deutschen Bundestag eingereicht. Wenn sie bis zum 20. September 2022 über 50.000 Unterschriften erhält, findet eine verpflichtende Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages statt. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Petition zu unterstützen: als Einzelperson online unterzeichnen unter bundestag.de oder eine Liste ausdrucken und Unterschriften sammeln z.B. bei Mitarbeitenden oder Kund*innen. Die Liste ist bis zum 15. September an den Petitionsausschuss einzusenden.

Mehr Informationen, der Link zur Petition und zum Download der Unterschriftenliste finden sich auf der Website: sprachkitas-retten.de

Der Börsenverein setzt sich mit zahlreichen Initiativen für Leseförderung in verschiedenen Altersgruppen ein. In Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) vergibt er jährlich das Gütesiegel Buch-Kita an Kindertagesstätten, die im Bereich der Leseförderung und der Lese- und Sprachentwicklung von Kindern aktiv sind.

Sir Salman Rushdie wird Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums

Sir Salman Rushdie bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2015  © Foto Diether von Goddenthow
Sir Salman Rushdie bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2015 © Foto Diether von Goddenthow

Darmstadt, 13. August 2022. Immer vertrat er die Meinungsfreiheit, auch die seiner Gegner. Neun Jahre lebte er in wechselnden Verstecken, zwanzig Jahre als ein Schriftsteller in New York, der nicht länger hinter der politischen Figur verschwinden wollte, der sich frei und ohne Bodyguards bewegte und erstaunlich gelassen mit der konstanten, jahrelangen Bedrohung umging. Nun wurde Salman Rushdie bei einer Lesung von dem 24-jährigen Hadi Matar aus New Jersey mit einem Messer völlig überraschend attackiert und schwer verletzt.

Der Valentinstag 1989, war für ihn der Tag, der sein Leben in ein „Vorher“ und „Nachher“ teilte; der Tag, an dem der greise Ayatollah Khomeini die Fatwa, den Bann über den Roman „Die Satanischen Verse“ und ihren Autor aussprach, um vom sieglosen Krieg gegen den Irak abzulenken. Was dann folgte, war für den indisch-britischen Schriftsteller fast eine Dekade lang ein Leben im Luxus-Käfig: Sicherheit lernen, 24-Stunden-Personenschutz, immer neue Adressen suchen, immer andere Wohnungen mieten, Begegnungen mit Freunden, Frauen, der Familie, dem Sohn, Undercover, ein Leben in Tarnung. Erst mit dem Umzug nach New York lebte Rushdie eine neue Freiheit.

Inwieweit der Anschlag durch die noch immer bestehende Fatwa ausgelöst wurde, ist nicht belegt, aber wahrscheinlich. Fakt ist, dass der Bann Hass schürte und bis heute gilt.

Salman Rushdies über zwei Dutzend Romane, seine Sachbücher und Essays hingegen stehen für Toleranz, Meinungsfreiheit und Wahrheitssuche, gegen religiöse Fanatiker, Islamisten, Trumpisten und Covid-Leugner. „Die Wahrheit liegt in der Fiktion“, sagte Rushdie in einem Interview und: Literatur erzähle vom Wesen des Menschen, davon, wie wir und unsere Gesellschaften beschaffen seien.

Das deutsche PEN-Zentrum verurteilt die Attacke als perfiden Gewaltakt auf Salman Rushdie, die Meinungsfreiheit und die westlichen Werte und ernennt – in großer Sorge –Sir Salman, den ehemaligen PEN-Präsidenten der USA, zum Ehrenmitglied des PEN-Zentrums Deutschland.
(PEN-Zentrum Deutschland e.V)

Woche der Meinungsfreiheit: Elf starke Stimmen für Freiheit, Demokratie und Debatte

v.l.n.r.: Karin Schmidt-Friderichs, Dirk Geßner, Nina George, Ina Hartwig, Peter Kraus vom Cleff © Olaf Deneberger & Natalie Färber - für Frankfurter Agenturallianz
v.l.n.r.: Karin Schmidt-Friderichs, Dirk Geßner, Nina George, Ina Hartwig, Peter Kraus vom Cleff © Olaf Deneberger & Natalie Färber – für Frankfurter Agenturallianz

ffm. Anlässlich der zweiten Woche der Meinungsfreiheit, die von Dienstag, 3., bis Dienstag, 10. Mai, stattfindet, haben Nina George, Schriftstellerin und Präsidentin des European Writers’ Council, Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, Dirk Geßner, Geschäftsführer Ströer Deutsche Städte Medien, Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, ein mobiles 18/1 Plakat mit Nina Georges Konterfei und ihrer ganz persönlichen Botschaft zur Woche der Meinungsfreiheit enthüllt. Ort der Enthüllung war der Paulsplatz mit der Paulskirche, der Wiege und dem Symbol der Demokratie in Deutschland.

Nina George steht mit ihrer Meinung und ihrem Plakat stellvertretend für elf Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Medien und Literatur, die mit ihren Gesichtern und ihren starken, eigenständigen Meinungen für eine lebendige Debattenkultur eintreten. Weitere Testimonials kommen unter anderem von Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Ukraine-Berichterstatter Arndt Ginzel, Philosophin und Journalistin Svenja Flaßpöhler und Drag-Queen-Artist Kelly Heelton. Die Plakate sind Teil einer Kampagne, die durch die großzügige Unterstützung von Ströer während der Woche der Meinungsfreiheit bundesweit auf rund 3300 digitalen Screens von Ströer zu sehen sein wird.

Zitate der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Nina George, Schriftstellerin und Präsidentin des European Writers‘ Council: „Das Rückgrat der Meinungsfreiheit ist für mich die freie Meinungsbildung aus vielfältigsten und unabhängigen Quellen. Dazu gehören die freie Presse und Buchkultur, aber auch der Zugang zu Leseförderung und Bildung. Ich wünschte mir ebenso das Schulfach ,Medienkompetenz‘: Wie schätze ich die Quelle einer Information richtig ein, wie kann ich Propaganda, gefälschte Bilder, manipulierte Videos oder konzertierte Meinungskampagnen erkennen? Zu wissen, woher die eigene Meinung rührt, schafft die nötige Verantwortung, sie zu vertreten, oder sogar: sie zu ändern.“

Nina George setzt sich für die Freiheit bedrohter Autorinnen und Autoren in der Ukraine und Belarus ein, unter anderem mit dem jüngst aufgelegten Projekt #FreeAllWords. Weitere Informationen dazu finden sich unter freeallwords.org. Für ihr Engagement erhält George am Dienstag, 10. Mai, das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main: „Ohne Meinungsfreiheit ist die Freiheit von Kunst und Kultur nicht denkbar: Beide bedingen sich gegenseitig, beide zählen zu den fundamentalen Menschenrechten und bilden die Grundlage einer gesunden Demokratie. Mehr denn je gilt es, dieses Fundament zu schützen und dafür einzutreten. Denn beide sind – wie der Blick in andere Länder zeigt – keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen fortwährend errungen werden. Die Woche der Meinungsfreiheit leistet hierfür einen wertvollen Beitrag.“

Dirk Geßner, Geschäftsführer der Ströer Deutsche Städte Medien: „Ströer ist sich seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst und unterstützt deshalb die Kampagne zur Woche der Meinungsfreiheit. Vom Tag der Pressefreiheit am 3. Mai bis zum Tag der Bücherverbrennung am 10. Mai wird die Kampagne auf rund 3300 Screens in ganz Deutschland zu sehen sein. Wir schaffen damit eine flächendeckende Reichweite für die aktuell so wichtigen Themen wie Meinungsfreiheit und die offene Debattenkultur.“

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins: „Meinungsfreiheit spürt man nicht – solange sie für einen gilt. Wie die Luft zum Atmen hält man sie leicht für selbstverständlich. Der Blick in die Ukraine, nach Russland und in viele andere Teile der Welt zeigt aber: Das ist nicht so! Und deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken und dafür einzutreten! Es freut mich, dass wir für unsere Kampagne eine große Breite an Stimmen zur Meinungsfreiheit gewinnen konnten, die auch den aktuellen politischen Ereignisse Ausdruck verleihen. Wir danken unserem Partner Ströer für die großartige Unterstützung bei diesem wichtigen Thema.“

45 Organisationen und Unternehmen bilden das Bündnis für Meinungsfreiheit

Die „Woche der Meinungsfreiheit“ stellt vom 3. bis 10. Mai die Bedeutung der Meinungsfreiheit und lebendiger Debatten für eine freie, demokratische Gesellschaft in den öffentlichen Fokus. Vom Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai bis zum Tag der Bücherverbrennung in Deutschland am 10. Mai organsiert ein breites gesellschaftliches Bündnis unter dem Claim #MehrAlsMeineMeinung bundesweit über 50 Veranstaltungen, Aktionen und Kampagnen. Das Bündnis wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiiert und besteht aus rund 45 Organisationen und Unternehmen: von Amnesty International über das PEN-Zentrum Deutschland und Reporter ohne Grenzen bis hin zu Eintracht Frankfurt. Viele Buchhandlungen, Verlage, Presseverkaufsstellen und Medien beteiligen sich bundesweit an der Aktionswoche. Inhaltliche Basis ist die „Charta der Meinungsfreiheit“, die Bürgerinnen und Bürger unterzeichnen können. Unterstützt wird das Bündnis durch die Frankfurter Agenturallianz – 14 Kreative, die sich größtenteils pro bono für die Woche der Meinungsfreiheit engagieren.

Weitere Informationen finden sich unter woche-der-meinungsfreiheit.de sowie auf Twitter, Instagram und Facebook unter dem Hashtag #MehrAlsMeineMeinung.

»Soll, muss und kann Sprache gerecht sein?« Start der Frankfurter Hausgespräche 2022 am 27. April

Die Dudin Der Duden Collage © Diether v. Goddenthow
Die Dudin Der Duden Collage © Diether v. Goddenthow

 Die Frankfurter Hausgespräche beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Thema „Soll, muss und kann Sprache gerecht sein?“. An vier öffentlichen Diskussionsabenden wird der Wunsch nach gerechter Sprache aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen.

Aktuelle sprachwissenschaftliche und sprachpolitische Forderungen werden ebenso diskutiert wie die Idee einer universalen Sprache, wie sie im Esperanto formuliert wird. Weitere Themen sind Sprachengerechtigkeit durch Mehrsprachigkeit und Überlegungen zur bewusstseinsbildenden Kraft von Sprache als Thema in der Epoche der Romantik. Die kostenfreien Veranstaltungen finden vom 27. April bis zum 18. Mai 2022 wöchentlich an unterschiedlichen Orten in Frankfurt statt. Manche Diskussionen werden zudem live ins Internet übertragen. Die Frankfurter Hausgespräche sind ein gemeinsames Veranstaltungsformat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, des Freien Deutschen Hochstifts, des Haus am Dom und des Jüdischen Museum Frankfurt. Weitere Informationen zu den Inhalten und zur Anmeldung unter www.frankfurter-hausgespraeche.de.

Seit 2010 veranstalten vier namhafte Frankfurter Institutionen zusammen die Frankfurter Hausgespräche. An öffentlichen Diskussionsabenden wird ein gemeinsames Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet – stets mit der Maxime, die Gegenwart mit einem Blick in die Vergangenheit und Gedanken an die Zukunft zu verbinden.

In diesem Jahr geht es vor dem Hintergrund aktueller Debatten im Spannungsfeld zwischen einem Sprachwandel und der Einhaltung bestimmter Sprachregeln um die Frage „Soll, muss und kann Sprache gerecht sein?“. Woher der Anspruch nach gerechter Sprache kommt, wie er sich im Einzelnen darstellt, und wohin er führt, damit beschäftigen sich vier aufeinanderfolgende Diskussionsrunden.

Den Auftakt macht die Stiftung Polytechnische Gesellschaft am 27. April 2022 um 19:30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Unter dem Titel „Die Forderung nach gerechter Sprache – sprachphilosophisch, sprachwissenschaftlich und sprachpolitisch betrachtet“ diskutiert die Germanistin und DUDEN-Chefredakteurin, Dr. Kathrin Kunkel-Razum mit Prof. Dr. Thomas Steinfeld, Journalist, Literaturkritiker, Übersetzer und Schriftsteller. Moderiert wird das Gespräch von Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Zu Fuß Gehende, Praktikant*innen, Steuerberater_innen, BürgerInnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Es ist nicht gerade leicht, ein bestehendes System von Personenbezeichnungen und Pluralen umzubauen, auch wenn das Deutsche durch seine Elastizität viele Möglichkeiten bietet. Es bleibt spannend, ob sich die neuen Personenbezeichnungen und die damit einhergehenden Verschiebungen in der Bezeichnungsarchitektur des Deutschen gegen Tendenzen der Sprachökonomie durchsetzen werden. Sprachphilosophische, sprachwissenschaftliche und sprachpolitische Aspekte spielen dabei eine wichtige, nicht immer dieselbe Rolle. Das Hausgespräch lotet Absichten und Folgen der Forderung nach gerechter Sprache differenziert aus.

Am 4. Mai 2022 um 19:00 Uhr setzen sich im Jüdischen Museum Frankfurt Prof. Dr. Liliana Ruth Feierstein, Professorin für Transkulturelle Geschichte des Judentums an der Humboldt-Universität Berlin, Prof. Dr. Sabine Fiedler, Vorsitzende der Gesellschaft für Interlinguistik e. V. und Professorin für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Leipzig, und Dr. Anja Christina Stecay, Vorstandsmitglied der Esperanto-Gesellschaft Frankfurt, mit Ludwig Zamenhof und seiner Idee der „universalen Sprache“ auseinander. 1887 publizierte der Warschauer Augenarzt und Philologe Ludwig Leyzer Zamenhof (1859-1917) eine Broschüre mit dem Titel „Internationale Sprache“, die zum Gründungsmanifest von Esperanto wurde. Bereits als Jugendlicher träumt er von einer „Lingwe Uniwersale“, die die Verständigung in der diversen Stadtbevölkerung stärken und ehemalige Shtetl-Bewohnerinnen und Bewohner mit anderen Minderheiten verbinden sollte. Dieser Völkerverständigungsgedanke trägt bis heute die Plansprache Esperanto, die weltweit Anhänger fand und nach wie vor von Millionen Menschen praktiziert wird.

Am 11. Mai 2022 um 19:30 Uhr folgt eine Veranstaltung im Haus am Dom. Die Zunahme einer Pluralität der Herkünfte und Kulturen führt in einem Einwanderungsland wie Deutschland notwendig zu einer Vielfalt von Sprachen, die – zumindest im privaten Zusammenhang – gesprochen werden. Doch wie sich dann verständigen, wenn nicht durch Mehrsprachigkeit möglichst aller Bürgerinnen und Bürger? Ist Indien ein Vorbild, wo Hindi und Englisch zwar als Amtssprachen gelten, man aber angesichts der Vielfalt gesprochener Sprachen auf eine Nationalsprache verzichtet? Sollten Herkunftssprachen ebenso gefördert werden wie die deutsche Sprache, also auch als Schulfächer und Zusatzqualifikation anerkannt werden? Oder sollten nicht doch vor allem (sehr) gute Deutschkenntnisse aller langfristig in Deutschland Lebenden als oberstes Ziel der Sprachbildung gelten? Über diese und andere Fragen aus Theorie und Praxis diskutieren Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, Dr. Magdalena Knappik, Gastprofessorin „Grundschuldidaktik, Mehrsprachigkeit und soziale Teilhabe“ Universität Kassel, Dr. Aladin El-Mafaalani, Professor für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft, Universität Osnabrück, und Dr. Brigitta Sassin, Religionswissenschaftlerin und Theologin, Referentin für Gemeinden anderer Muttersprache und christlich-islamischen Dialog, katholische Stadtkirche Frankfurt.

Den Abschluss der Reihe bildet das Freie Deutsche Hochstift mit dem Gesprächsabend „Sprachgewalt – Sprachgerechtigkeit: Ein Thema der Romantik?“ am 18. Mai 2022, um 19:30 Uhr im Arkadensaal. Dass man durch Sprache die Welt nicht nur fasst und gleichsam „abbildet“, sondern dass man sie gestaltet und in wesentlicher Hinsicht sogar überhaupt erst hervorbringt, war der Goethezeit wohlbekannt. Neben den beiden wichtigsten sprachphilosophischen Autoren des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts, Johann Gottfried Herder und Wilhelm von Humboldt, waren es vor allem die Romantiker August Wilhelm und Friedrich Schlegel, die der Sprache eine bewusstseinsbildende Kraft zuschrieben. Sie vertraten zugleich neue, teilweise geradezu moderne Ansichten vom Verhältnis der Geschlechter – doch brachten sie auch beides zusammen und hatten die Idee einer im heutigen Sinne ‚geschlechtergerechten‘ Sprache? Dieser Frage geht die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, im Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler und Romantikforscher Prof. Dr. Jochen A. Bär (Universität Vechta) und mit der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Frederike Middelhoff (Universität Frankfurt am Main) nach.

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe und den Zugangsmodalitäten zu den einzelnen Diskussionsrunden finden sich unter www.frankfurterhausgespraeche.de.

Die Frankfurter Hausgespräche sind ein Kooperationsprojekt des Freies Deutsches Hochstifts, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, dem Jüdischen Museum Frankfurt und dem Haus am Dom.

Woche der Meinungsfreiheit 3.-10. Mai 2022: Gemeinsam für Frieden, Demokratie und Debatte

Woche der Meinungsfreiheit 3.-10. Mai 2022: Gemeinsam für Frieden, Demokratie und Debatte

Solidarität mit der Ukraine / Breite Bewegung zivilgesellschaftlicher Organisationen und Unternehmen / Aufruf zur Unterzeichnung der „Charta der Meinungsfreiheit“ / Initiiert durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels / Mitmachen mit Veranstaltungen und Aktionen / www.woche-der-meinungsfreiheit.de

Die Unterdrückung unabhängiger und kritischer Stimmen hat im vergangenen Jahr weltweit zugenommen. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind in Europa das Leben und die grundlegenden Rechte von Menschen akut bedroht. Der aktuelle Kontext der Woche der Meinungsfreiheit ist damit brisanter denn je.

Zum zweiten Mal machen vom 3. bis 10. Mai 2022 zivilgesellschaftliche Organisationen, Unternehmen und Bürger:innen auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit für eine freie, demokratische und friedfertige  Gesellschaft aufmerksam und schaffen Raum für Dialog. Vom Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai bis zum Tag der Bücherverbrennung in Deutschland am 10. Mai finden unter dem Claim #MehrAlsMeineMeinung bundesweit und international Veranstaltungen, Aktionen und Kampagnen statt. Inhaltliche Grundlage ist die „Charta der Meinungsfreiheit“, die Unterstützer:innen unterzeichnen können. Initiator der Bewegung ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

„Der schrecklichen Angriff Russlands auf die Ukraine ist der aktuelle Tiefpunkt einer bestürzenden Entwicklung: Autokratische Regime gehen immer häufiger und brutaler gegen Menschen, ihre Rechte und Freiheiten vor. Die Freiheit des Wortes wird dabei häufig als eine der ersten unterdrückt. Das fordert uns alle zum Handeln auf, wenn uns die Werte der liberalen Demokratie wichtig sind. Mit der Woche der Meinungsfreiheit wollen wir als breites gesellschaftliches Bündnis ein Zeichen setzen: für das freie Wort, die Menschenwürde, die demokratische Teilhabe, die Gleichheit aller, für Frieden.“

Partner, Testimonials, Programm, Mitmach-Friedenskonzert
 
Rund 40 Unternehmen, Stiftungen, Vereine und Verbände sind bereits Partner der Aktionswoche. Viele Verlage und Buchhandlungen beteiligen sich mit Veranstaltungen, Thementischen oder Aktionen. Für die begleitende Werbekampagne haben sich zahlreiche Prominente als Testimonials zur Verfügung gestellt, u.a. Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Ukraine-Berichterstatter Arndt Ginzel, Philosophin und Journalistin Svenja Flaßpöhler oder Drag-Queen Artist Kelly Heelton.

Bereits jetzt stehen zahlreiche Programmpunkte fest. Der Veranstaltungskalender ist unter www.woche-der-meinungsfreiheit.de/programm abrufbar und füllt sich laufend. Zum Auftakt initiiert der Börsenverein am 3. Mai gemeinsam mit der Initiative „3. Oktober – Deutschland singt“ ein virtuelles Friedenskonzert. Alle Interessierten können sich daran beteiligen, indem sie das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ einsingen und die Aufnahme bis zum 24. April einsenden. Die Noten sowie die ausführliche Anleitung sind abrufbar unter: https://3oktober.org/meinungsfreiheit/. Die Aufnahme wird von Musikern des Leipziger Gewandhaus-Orchesters begleitet.
 
Aktionen planen
Wer sich engagieren will, kann das Programm noch mitgestalten. Ob Verein, Unternehmen oder Privatperson: Die Woche lebt von denen, die für eine freie demokratische Gesellschaft eintreten. Teilnehmende können für den Aktionszeitraum Veranstaltungen und Aktionen planen und sie unter das Dach der Initiative stellen.

Anregungen und Materialien stellen die Initiator:innen unter www.woche-der-meinungsfreiheit.de zur Verfügung. Wer sich mit Aktionen beteiligen möchte, kann sich per E-Mail an woche-meinungsfreiheit@boev.de wenden.
Die Charta der Meinungsfreiheit

Die Grundlage der Aktionswoche bildet die Charta der Meinungsfreiheit mit elf Leitsätzen zur Freiheit des Wortes. Organisationen, Institutionen, Unternehmen sowie Privatpersonen können sie unterzeichnen, um sich hinter die Aussagen zu stellen oder sie als eine Art Selbstverpflichtung für das eigene Handeln zu übernehmen. Sie kann unter www.woche-der-meinungsfreiheit.de/charta-der-meinungsfreiheit/ abgerufen und unterzeichnet werden.


Partner der Woche der Meinungsfreiheit

Die Woche der Meinungsfreiheit gestalten bereits mit:

  • 3. Oktober – Deutschland singt
  • Amnesty International
  • Anwaltssozietät Damm & Mann
  • Bildungsstätte Anne Frank
  • brand eins
  • Buchkinder Leipzig
  • Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
  • Büchergilde Gutenberg
  • Deutschlandfunk
  • Eintracht Frankfurt
  • European Sculpturepath
  • Frankfurter Agentur-Allianz
  • Frankfurter Buchmesse
  • Friedrich-Naumann-Stiftung
  • Gesamtverband Pressegroßhandel
  • Hochschule RheinMain, Wiesbaden, Rüsselsheim, Department of Design Computer Sciences Media (DCSM)
  • International Journalists Association
  • JoinPolitics
  • Klett-Cotta Verlag
  • Leipziger Internet Zeitung
  • Margit-Horváth-Stiftung
  • mediacampus frankfurt
  • MVB
  • Netzwerk der Literaturhäuser
  • Verlagsgruppe Penguin Random House
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Bundesweit gestalten viele Buchhandlungen und Verlage die Woche mit.

Die „Frankfurter Agentur-Allianz“, bestehend aus Kreativen und Kommunikationsexpert:innen aus dem Rhein-Main Gebiet, die größtenteils pro bono für die Initiative arbeiten, unterstützt den Börsenverein bei der Aktionswoche.

PEN-Zentrum feiert „100 Jahre Freiheit des Wortes“ – Alexander Pfeiffer liest Texte aus der Werkstatt – Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden

© Foto Diether v Goddenthow
© Foto Diether v Goddenthow

Im Jahr 2021 begeht die Schriftstellervereinigung PEN ihr hundertjähriges Jubiläum und veranstaltet unter dem Motto „100 Jahre Freiheit des Wortes“ die Reihe „Lesungen in allen Himmelsrichtungen“ mit literarischen Veranstaltungen in ganz Deutschland. Am Mittwoch, 3. November, ist der Wiesbadener Autor Alexander Pfeiffer in diesem Rahmen im Literaturhaus Villa Clementine zu Gast. Um 19:30 Uhr liest er aus einem noch unveröffentlichten Roman, der während des ersten Lockdowns 2020 fertiggestellt wurde und sich thematisch mit den langen Schatten der RAF befasst. Mit Jutta Schubert, ebenfalls Wiesbadener Schriftstellerin, spricht er in einem Werkstattgespräch darüber, was Pandemie und Lockdown für das Schreiben und die Schreibenden bedeuteten und immer noch bedeuten. Im Literaturhaus Villa Clementine gilt die 2G-Regel, tagesaktuelle Informationen sind auf der Website des Literaturhauses unter www.wiesbaden.de/literaturhaus zu finden. Veranstaltet wird der Abend vom PEN-Zentrum Deutschland und dem Literaturhaus Villa Clementine in Kooperation mit dem Deutschen Literaturfonds. Darüber hinaus gibt es Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von „Neustart Kultur“.

Zeit und Ort:
Mi 03.11.2021, 19:30 Uhr
Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Es gibt eine Abendkasse! Es gilt die 2G-Regel!

Kartenvorverkauf:
Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: 0611 / 1729-930;
Online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus