Kategorie-Archiv: Goethe-Universität Frankfurt

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden eröffnen in Frankfurt erstes „Childhood-Haus“ in Hessen

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden (Foto Mitte) eröffnen erstes „Childhood-Haus“ in Hessen. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden (Foto Mitte) eröffnen erstes „Childhood-Haus“ in Hessen. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

Frankfurt. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt ist der Hessischen Landesregierung sehr wichtig: Um junge Menschen künftig noch besser zu schützen, hat Ministerpräsident Boris Rhein gemeinsam mit Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden deshalb nun Hessens erstes „Childhood-Haus“ eröffnet. „Gewalt und Missbrauch an Kindern gibt es leider überall“, sagte Ministerpräsident Rhein am Montag bei der Eröffnung in Frankfurt. „Mit dem neuen Childhood-Haus setzen wir ein deutliches Zeichen gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch. Ich bin Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden und allen Beteiligten sehr dankbar, dass sie sich gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung dafür einsetzen, allen Kindern eine sichere und liebevolle Kindheit zu ermöglichen.“

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden auf dem Weg zum Festakt. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden auf dem Weg zum Festakt. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

Die ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche auf dem Gelände des Universitätsklinikums Frankfurt vereint die Professionen Medizin, Psychologie, Jugendamt, Justiz und Polizei unter einem Dach, um von Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen eine möglichst umfassende Hilfe zu bieten. Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden sagte: „Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet. Heute haben wir einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung dieser Vision getan. Möge dieses Childhood-Haus in Frankfurt ein Ort der Hoffnung und des Schutzes für alle Kinder sein, die hier Hilfe und Unterstützung suchen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine Welt eintreten, in der Kinderrechte kein Privileg, sondern eine Selbstverständlichkeit sind.“

Die Errichtung eines Childhood-Hauses ist Teil der Handlungsempfehlungen des novellierten Aktionsplans des Landes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und wurde federführend vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration umgesetzt. „Kinder und Jugendliche tragen oft ihr Leben lang an den Folgen erlittener Gewalt“, sagte der Hessische Minister für Soziales und Integration Kai Klose. „Hier im Childhood-Haus erhalten sie die nötige Hilfe, um sich dennoch gesund zu entwickeln, an einem Ort. Unser wichtigstes Ziel ist, die Retraumatisierung betroffener Kinder und Jugendlicher zu vermeiden. Dafür ist das Konzept des Childhood-Hauses beispielgebend: Alle beteiligten Professionen schaffen eine kinderfreundliche, multidisziplinäre und behördenübergreifende ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche jeden Alters, die Opfer oder Zeugen von sexualisierter oder körperlicher Gewalt geworden sind.“

„Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum zu bieten, geht weit über den Aspekt des bloßen Schutzes vor Übergriffen hinaus. Eine Gesellschaft, die auf Fürsorge und Wertschätzung beruht, ermöglicht jungen Menschen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihr volles Potenzial zu entfalten – dafür danke ich allen an der Eröffnung des neuen Childhood-Hauses Beteiligten und ganz besonders Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden“, sagte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

„Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet." Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
„Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet.“ Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

„Angebote wie dieses sind besonders wichtig, damit Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, alle notwendigen Hilfen bekommen“, sagte Innenminister Peter Beuth. „Derweil unternehmen Polizeibehörden alles in ihrer Macht stehende, um sexualisierte Gewalt gegen Kinder effektiv zu bekämpfen und den Tätern habhaft zu werden. Mit den fortwährenden Maßnahmen der 300 Mitarbeiter starken BAO FOKUS unterstreicht die hessische Polizei, dass der Kampf gegen Kindesmissbrauch in Hessen höchste Priorität hat.“

„Wenn Kinder Opfer von Straftaten werden, müssen ihre Bedürfnisse bei den Ermittlungen und auch im späteren Prozess in besonderer Weise geschützt werden. Im Childhood-Haus können Verfahren mithilfe interdisziplinärer Zusammenarbeit optimiert und noch kindgerechter gestaltet werden. Die Justiz trägt damit einen wichtigen Beitrag zu einem lückenlosen Kinderschutz bei“, sagte Justizminister Prof. Dr. Roman Poseck.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn sagte: „Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert seit mehreren Jahren die Kinderschutzambulanz im Universitätsklinikum Frankfurt. Mit der Eröffnung des Childhood-Hauses eröffnen sich viele Synergien und Entwicklungschancen für die betroffenen medizinischen Bereiche – alles mit dem Ziel, besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche optimal zu versorgen.“

„Hessen hat in den Bau des Childhood-Hauses in Frankfurt rund 1,4 Millionen Euro investiert. Wir unterstützen damit das bewundernswerte Engagement Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden – vor allem unterstützen wir aber viele Kinder, die Hilfe nötig haben“, sagte Finanzminister Michael Boddenberg.

Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, sagte: „Das Childhood-Haus ist der geschützte und sichere Ort, den Kinder und Jugendliche, die Gewalterfahrungen machen mussten, so sehr brauchen. Hier bekommen sie den Raum, das Erlebte kindgerecht und begleitet aufzuarbeiten. Als Oberbürgermeister ist mir die gute Versorgung der Jungen und Mädchen, ihre Stärkung für eine gute Zukunft und eine kindgerechte Justiz wichtig. Mein Dank gilt Königin Silvia von Schweden und allen Beteiligten für den besonderen Einsatz und das Engagement zum Wohl der Kinder und Jugendlichen.“

Dr. Astrid Helling-Bakki, Geschäftsführung World Childhood Foundation Deutschland, sagte: „Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die schweren und unangenehmen Themen zu lenken. Nur durch offene Diskussionen und konstruktive Fragen können wir die Strukturen verändern, die sexualisierte Gewalt an Kindern begünstigen oder gar systematisch decken.“

„Die Goethe-Universität und das Universitätsklinikum Frankfurt sind 1914 durch bürgerliches Stiftungsengagement entstanden und seither entscheidend durch den Stiftungsgedanken geprägt“, sagte Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt. „Auch die spätere Universitäts-Kinderklinik war ursprünglich 1908 im Haus der Annie-Stiftung untergebracht. Das Childhood-Haus Frankfurt kehrt nun an genau diesen historischen Ort zurück, und die Etablierung wurde durch das außerordentliche Engagement der World Childhood Foundation und der Hessischen Landesregierung möglich. Somit kehren die Kinder zurück in das Annie-Heim, und erneut wird eine Zukunftsentwicklung an der Universitätsmedizin durch den Stiftergedanken getragen.“

Prof. Dr. Mathias Kieslich, Leiter des Childhood-Hauses Frankfurt, sagte: „Die Gründung einer disziplinenübergreifenden Einrichtung für von Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche ist die konsequente Fortsetzung eines sich über die letzten 15 Jahre entwickelten Kinderschutzsystems. Die beteiligten Disziplinen Jugendamt, Medizin, Polizei und Justiz kommen am Kind zusammen, um, orientierend an der Perspektive der Kinder und Jugendlichen, die notwendigen Maßnahmen zu realisieren.“

„Erst wenn man die Sicht der betroffenen Kinder und Jugendlichen einnimmt, erkennt man deren Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Das Childhood-Haus soll den betroffenen Kindern und Jugendlichen die zur Aufarbeitung und zum Schutz notwendigen interdisziplinären Maßnahmen in einem vertrauensvollen und kindgerechten Umfeld so schonend wie möglich machen“, sagte Prof. Dr. Marco Baz Bartels, Koordinator des Childhood-Hauses Frankfurt.

Hintergrund World Childhood Foundation:

Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden gründete die World Childhood Foundation im Jahr 1999. Die gemeinnützige Stiftung trägt insbesondere durch die Errichtung von Childhood-Häusern zu einem nachhaltigen und systemischen Wandel im Kinderschutz bei. Ihre Majestät ist die ehrenamtliche Vorsitzende des Kuratoriums von Childhood Deutschland und unterstützt Deutschland sowie die Schwesterstiftungen in Schweden, den USA und Brasilien bei der Umsetzung der Vision, eine Welt zu schaffen, in der alle Kinder eine sichere und beschützte Kindheit erleben dürfen und frei von (sexualisierter) Gewalt aufwachsen können.

Mehr Informationen zur World Childhood Foundation finden sich unter https://www.childhood-de.org/.

Goethe-Universität weiht Ultrahochfeld-Spektrometer zur biomedizinischen Spitzenforschung ein

Einweihung des 1,2 GHz-NMR-Spektrometers an der Goethe-Universität Frankfurt: Präsident Prof. Enrico Schleiff, Goethe-Universität, Hessischer Finanzminister Michael Boddenberg, NMR-Forscher Prof. Harald Schwalbe (Goethe-Universität), Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, Staatssekretärin Ayse Asar des Hessischen Wissenschaftsministeriums, Thomas Platte, Direktor Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (v.l.) Foto: Uwe Dettmar
Einweihung des 1,2 GHz-NMR-Spektrometers an der Goethe-Universität Frankfurt: Präsident Prof. Enrico Schleiff, Goethe-Universität, Hessischer Finanzminister Michael Boddenberg, NMR-Forscher Prof. Harald Schwalbe (Goethe-Universität), Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, Staatssekretärin Ayse Asar des Hessischen Wissenschaftsministeriums, Thomas Platte, Direktor Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (v.l.) Foto: Uwe Dettmar

Zur Einweihung eines der weltweit größten Kernspinresonanz-Spektrometer an der Goethe-Universität durch Präsident Enrico Schleiff kamen heute die Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, Hessens Finanzminister Michael Boddenberg, Staatssekretärin Ayse Asar des Hessischen Wissenschaftsministeriums und Thomas Platte, Direktor Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen nach Frankfurt. Das Gerät, für das ein eigener Gebäudeteil errichtet wurde, ermöglicht die hochpräzise Untersuchung von Biomolekülen etwa in der Impfstoff-, Krebs- und Alzheimerforschung. Die Kosten für Gerät und Gebäude in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro trugen die Bundesrepublik, Hessen und die Goethe-Universität.

Es sind winzige, flüchtige Änderungen der räumlichen Gestalt von Biomolekülen, die in der biomolekularen Forschung immer stärker ins Blickfeld rücken. Denn solche Änderungen bestimmen häufig, wie ein Protein in der Zelle funktioniert und wie es gesteuert wird. Mehr als ein Drittel der Proteine etwa in einer menschlichen Zelle sind derartige „intrinsisch ungeordnete Proteine“, die statt einer fixen räumliche Struktur sehr flexible Bereiche enthalten. Fehler in diesen flexiblen Proteinbereichen können zu verschiedenen neurodegenerativen Leiden wie zum Beispiel Morbus Alzheimer führen und Krebs- sowie Herzkreiserkrankungen hervorrufen.

Solche winzigen Änderungen in Biomolekülen lassen sich mit dem neuen 1,2 Gigahertz-Kernspinresonanz-Spektrometer (kurz: NMR-Spektrometer) untersuchen, das heute an der Goethe-Universität eingeweiht wurde. Unter anderem mit Neuentwicklungen in der Supraleitung erzeugt das Gerät in einer kleinen Untersuchungskammer ein extrem homogenes Magnetfeld, das 600.000mal so stark wie das Erdmagnetfeld ist.

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, erklärte: „Für Spitzenforschung in Deutschland brauchen wir attraktive und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dazu gehört auch eine hervorragende Infrastruktur, die den Weg für neue Methoden und Technologien ebnet und das Hochschulsystem in Deutschland stärkt. Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung den neuen Forschungsbau für eines der weltweit größten Kernspinresonanz-Spektrometer mit gut 12 Millionen Euro gefördert. Mit diesem hochauflösenden NMR-Spektrometer der neuesten Generation erhält die Goethe-Universität Frankfurt eine hochmoderne Forschungsanlage, die ideale Voraussetzungen bietet, um die Grundlagenforschung weiter voranzutreiben und somit neue Maßstäbe zu setzen.“

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität, sagte: „Wir sind froh und stolz, dass wir an der Goethe-Universität die Möglichkeit bekommen, mit einer solch einzigartigen Infrastruktur Spitzenforschung zu betreiben. Der enorm breite Anwendungsbereich der NMR-Spektrometrie ermöglicht es, molekulare Filme dynamischer Prozesse in Zellen zu erzeugen, welche für andere Techniken unsichtbar bleiben. Ganz besonders möchte ich Prof. Harald Schwalbe und seinen Kolleg:innen sowie den internationalen Kooperationspartner:innen danken, die durch ihre einzigartige Forschung die Installierung dieser Anlage rechtfertigen. In den vergangenen beiden Jahren haben ihre Untersuchungen des SARS-CoV-2-Virus bereits das große Potenzial der NMR-Technologie – gerade auch in der Impfstoffentwicklung – eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Michael Boddenberg, Hessischer Minister der Finanzen, meinte: „Der jetzt fertiggestellte Forschungsbau wirkt als kräftiger Impuls, der die Qualität der Forschung der Goethe-Universität unterstreicht. Der Campus Riedberg, der für die Forschung und Lehre im Bereich der Naturwissenschaften entwickelt und kontinuierlich ausgebaut wurde, wird somit um einen weiteren, wichtigen Baustein erweitert.“

„Der Forschungsbau Höchstfeld-NMR-Spektroskopie zeigt die hohe Qualität der Spitzenforschung in Hessen und an der Goethe-Universität Frankfurt – das beweist auch die Förderempfehlung durch den Wissenschaftsrat und die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz“, so Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. „Mit diesem einzigartigen Spitzengerät werden wir ganz neue Einblicke in den strukturellen Aufbau und in die Bewegung von Biomolekülen bekommen; sie bilden die Basis für die weitere Erforschung von Krankheiten wie Krebs und Alzheimer. Der Neubau mit Hightech-Gerät ergänzt zudem die Forschungskraft auf dem Campus Riedberg: Hier ist in den vergangenen Jahren ein leistungsfähiger Mittelpunkt in der Wissensregion Rhein-Main entstanden.“

Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, betonte: „Sicher ist in diesem Fall das von unseren Fachleuten erstellte Gebäude vor allem die Hülle für das hochspezialisierte Innenleben. Dieses Hightech-Gerät steht im Mittelpunkt. Gleichzeitig gilt: Eine solche Anlage erfordert eine ganz besondere bauliche Ummantelung. Da die Magnettechnik des Spektrometers höchst empfindlich auf Beeinflussung durch Metalle reagieren würde, verfügt die Gebäudehülle über eine Glasfaser-Bewehrung im Beton. Diese Abschirmung, die auch im Boden verbaut ist, schützt das Spezialgerät vor unerwünschten Einflüssen.“

(Goethe-Uni Frankfurt a. Main)

Wie die Klimakrise das Recht herausfordert – Podiumsdiskussion u. Vortragsreihe an der Goethe-Universität Frankfurt

Eine öffentliche Podiumsdiskussion und zwei Vortragsreihen mit internationalen Experten widmen sich dem Thema Klimakrise und Recht, insbesondere Strafrecht.

Welche Rolle spielt das Recht in der ökologischen Krise? Und was hat es mit dem neuen Begriff „Klimastrafrecht“ in strafrechtswissenschaftlichen Debatten auf sich? Gemeinsamer Auftakt der beiden Vortragsreihen „Klima vor Gericht“ sowie „Klimakrise und Strafrecht“ an der Goethe-Universität ist eine Podiumsdiskussion über den „Klimaaktivismus der Letzten Generation“.

FRANKFURT. Wie sind die Klimaproteste der „Letzten Generation“ strafrechtlich zu beurteilen? Nicht erst die Debatten über die Legalität oder Legitimität der politischen Praxis dieser Klimaschutzbewegung machen deutlich, dass die Klimakrise im Recht, und genauer noch: im Strafrecht Fragen aufwirft. Darauf weist nicht zuletzt ein neuer Begriff im Strafrecht hin: das Klimastrafrecht, das als Klimaschutzstrafrecht verstanden wird. Doch kann und wenn ja wie das Strafrecht das Klima schützen? Und umfassender noch: Welche Recht(e) gibt es in der ökologischen Krise? Zwei Vortragsreihen mit internationalen Experten aus Rechtswissenschaft, Kriminologie und Soziologie gehen diesen und weiteren Fragen nach.

Gemeinsame Auftaktveranstaltung der Reihen ist die öffentliche Podiumsdiskussion am
19. Oktober 2023, 18 Uhr
„Klimaaktivismus der Letzten Generation – Zur Legalität und Legitimität einer politischen Praxis

mit Prof. Dr. Thomas Fischer (Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof a.D.), Prof. Dr. Katrin Höffler (Universität Leipzig), Dr. Daria Bayer (Goethe- Universität Frankfurt am Main) und Dr. Jens Marquardt (Technische Universität Darmstadt). Es moderiert Prof. Dr. Doris Schweitzer (Goethe- Universität Frankfurt am Main)

im Hörsaalzentrum der Goethe-Universität, HZ 1
Theodor W. Adorno Platz 5
60323 Frankfurt am Main

Die Veranstaltung wird auf Zoom übertragen:
https://uni-frankfurt.zoom-x.de/j/62812280120?pwd=aEdDelVacUdZK2w1K09MSmZweGV1QT09
Kenncode: 891211

Weitere Informationen:
https://contrust.uni-frankfurt.de/event/klimaaktivismus-der-letzten-generation-zur-legalitaet-und-legitimitaeteiner-politischen-praxis/

Zwei Vortragsreihen zum Thema Recht und ökologische Krise setzen die Auseinandersetzung mit aktuellen Debatten fort: Grundsätzliche und umfassende Fragen des Rechts stellt die Vortragsreihe „KLIMA VOR GERICHT/CLIMATE CONTESTED. INTERDISZIPLINÄRE PERSPEKTIVEN AUF RECHT(E) IN DER ÖKOLOGISCHEN KRISE“.

Die digitale Vortragsreihe „KLIMAKRISE UND STRAFRECHT“ konzentriert sich dagegen auf strafrechtliche Aspekte des Themas und führt Referenten aus dem In- und Ausland zusammen, um in drei Themenblöcken ausgewählte Aspekte etwa aus dogmatischen, kriminologischen und rechtstheoretischen Perspektiven zu beleuchten. In den Themenblöcken geht es um das Klimaschutzstrafrecht, die Klimaproteste sowie strafrechtliche Grundlagen.

Die Vortragsreihen im Einzelnen

I.
Vortragsreihe „KLIMA VOR GERICHT/CLIMATE CONTESTED.
INTERDISZIPLINÄRE PERSPEKTIVEN AUF RECHT(E) IN DER ÖKOLOGISCHEN KRISE“
Jeweils 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 6, Theodor-W.-Adorno-Platz 1
sowie per Zoom
https://uni-frankfurt.zoom-x.de/j/65079807777?pwd=RDdVUjdXT2FteG1wTGFvUUNnZ2JTZz09
Kenncode: 401979

29. November 2023
Prof. Dr. Dr. hc. mult. Susanne Baer, LL.M. (Richterin des Bundesverfassungsgerichts a.D., Humboldt-Universität zu Berlin)
Die Konstitution des Klimas, oder: Was Verfassungsgerichte (nicht) zu sagen haben

12. Dezember 2023
Dr. Miriam Saage-Maaß (Legal Director beim European Center for Constitutional and Human Rights) und Kläger:innen aus Pari Island,
Wer zahlt die Zeche? Wie Entschädigungsklagen zu einer gerechteren Verteilung der Kosten der Klimakrise beitragen können

23. Januar 2024
Prof. Dr. Louis Kotzé (Faculty of Law, North-West University, South Africa) Courts, Climate Litigation, and the Evolution of Earth System Law

Weitere Informationen:
https://contrust.uni-frankfurt.de/klima-vor-gericht-climate-contested/

II.
Vortragsreihe „KLIMAKRISE UND STRAFRECHT“
Die Vorträge finden jeweils um 10.15 Uhr online statt. Link und weitere Informationen:
https://contrust.uni-frankfurt.de/veranstaltungen-2/klimakrise-und-strafrecht/

„Klimastrafrecht im engeren Sinne – Klimaschutzstrafrecht“

23. Oktober 2023
Philipp-Alexander Hirsch (MPI Freiburg)
Klimastrafrecht und materieller Unrechtsbegriff – Probleme einer liberalen Strafrechtsbegründung angesichts der Herausforderungen des Klimawandels

30. Oktober 2023
Rob White (University of Tasmania)
Climate Change Criminology

6. November 2023
Christoph Burchard (GU Frankfurt, ConTrust, Normative Orders)
Kritik des Klimaschutzstrafrechts

20. November 2023
Nicolai von Maltitz (LMU München)
Klimastrafrecht – Ein Rechtsbegriff der Zukunft

27. November 2023
Finn-Lauritz Schmidt (GU Frankfurt, ConTrust)
Alternativloses Klimaschutzstrafrecht? – Klimakatastrophismus und Exzeptionalisierungen des Strafrechts als Treiber in eine imaginative Sackgasse

„Klimastrafrecht im weiteren Sinne – hier: Klimaproteste“

4. Dezember 2023
Daria Bayer (GU Frankfurt)
Letzte Generation – Kriminelle Vereinigung oder radikaldemokratische Bewegung?

11. Dezember 2023
Matthias Jahn (GU Frankfurt)
Strafverfassungsrechtliche Fragen des Klimaaktivismus

18. Dezember 2023
Susanne Beck (LU Hannover)
Klimaproteste aus der Perspektive des Rechts – Hannovers Verständigung mit der „Letzten Generation“

„Klimawandel und Strafrecht – Grundlagen“
15. Januar 2024
Bijan Fateh-Moghadam (Universität Basel)
Das Klima des Strafrechts – Warum Zukunftssicherung mit den Mitteln des Strafrechts so schwierig ist

22. Januar 2024
Benno Zabel (GU Frankfurt)
Freiheit und Gewalt. Die Klimakrise als Krise des Rechts?

29. Januar 2024
Klaus Günther (GU Frankfurt, ConTrust, Normative Orders)
(Straf-)Recht und Zeit in der Klimakrise

5. Februar 2024
Juliane Engel / Thomas Hickler (GU Frankfurt)
Folgen des Klimawandels und Gerechtigkeit

12. Februar 2024
Christoph Burchard / Finn-Lauritz Schmidt (GU Frankfurt, ConTrust, Normative Orders)
Abschlussbesprechung und Ausblick

Veranstaltet werden die Reihen vom Forschungszentrum „Normative Ordnungen“, der Forschungsinitiative „ConTrust – Vertrauen im Konflikt“ und dem Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie der Goethe-Universität.

Fastnachtsbräuche aus wissenschaftlicher Sicht – Tagung an der Goethe-Universität

© Goethe-Uni Frankfurt
© Goethe-Uni Frankfurt

FRANKFURT. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Fasching, Fastnacht, Karneval und ihre interdisziplinäre wissenschaftliche Betrachtung stehen im Fokus einer Tagung, die von 5. bis 8. Oktober im Seminarhaus, Raum 3.104 Max-Horkheimer-Str. 4 auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfindet. Die Tagung mit dem Titel „Rethinking Carnival from the Pre-modern to the Present“ befasst sich mit der dynamischen Geschichte dieses Rituals, die einen umfassenden Einblick in historische Entwicklungen in Politik- und Sozialgeschichte sowie in der Alltags- und der Emotionsgeschichte eröffnet. Veranstalter sind das Institut für Romanische Sprachen und Literaturen der Goethe-Universität (Dr. Roberta Colbertaldo) und das Department of History der University of Exeter (Dr. Jeremy DeWaal).

Nicht nur in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, sondern auch in Literaturwissenschaft, Soziologie und Anthropologie ist die im Mittelalter entstandene Tradition Gegenstand von Forschung. Die Bräuche, die sich in ganz Europa und über mehrere Kontinente ausgebreitet haben, haben regional sehr unterschiedliche Erscheinungsformen angenommen. Unterschiedlich ist dementsprechend auch der Stand der Forschung je nach Räumen und Epochen. Die internationale und interdisziplinäre Konferenz am Campus Westend, die auf Englisch stattfindet und vom britischen Arts and Humanities Research Council gefördert wird, bringt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dreizehn Ländern zusammen, um neue Sichtweisen auf die Verbreitung und die Wandlungen von Karnevalsformen und deren Interpretationen zu entdecken. Die Veranstaltung wird durch das DFG-Projekt „Fette Welten II“ unterstützt. Alle Interessierten sind eingeladen, um informelle Anmeldung wird gebeten unter Colbertaldo@em.uni-frankfurt.de.

Programm: https://www.hsozkult.de/event/id/event-138260

Goethe-Uni: Romantisches Naturverständnis – postkolonial reflektiert Klaus Heyne-Preis zur Erforschung der Deutschen Romantik geht an den Kunsthistoriker Miguel A. Gaete

Preisträger des Romantik-Preises der Goethe-Universität Frankfurt: Miguel Gaete (Foto:privat)
Preisträger des Romantik-Preises der Goethe-Universität Frankfurt: Miguel Gaete (Foto:privat)

Der Wissenschaftspreis zur Erforschung der Deutschen Romantik – gestiftet von dem Kinderarzt und Romantikenthusiasten Prof. Dr. Klaus Heyne aus Kiel – wird 2023 zum zweiten Mal verliehen: Preisträger ist Dr. Miguel A. Gaete mit seiner Arbeit über die romantische und koloniale Prägung deutscher Künstler, die im 19. Jahrhundert Chile bereisten.

FRANKFURT. Gemälde und Zeichnungen von sechs bislang wenig bekannten deutschen Künstlern auf ihrer Reise in die spanisch-amerikanischen Kolonien im 19 Jahrhundert hat der Kunsthistoriker Miguel A. Gaete in seiner kulturwissenschaftlichen Studie untersucht. Die Künstler zeichneten die indigene Bevölkerung, sie malten südamerikanische Plateaus und beobachteten die lokale Flora und Fauna. Wie Gaete in seiner Dissertationsschrift „Depicting Terra Incognita: German Romanticism, Arts, Sciences, and the Colonial Gaze in Chile, 1800–1899“ zeigt, hatten die Künstler dabei nicht nur Humboldts Südamerikabilder vor Augen und romantische Theorien zum Verhältnis von Mensch und Natur, Landschaft und Ästhetik im Gepäck. Die Bilder ihrer Chilereise sind auch geprägt von zeitgenössischen Vorstellungen von ‚Rasse‘, ‚Volk‘ und europäischer Überlegenheit, die in direkter Beziehung zu kolonialistischen Ambitionen betrachtet werden müssen.

Für seine postkolonial reflektierte Studie erhält der gebürtige Chilene Miguel A. Gaete den Klaus Heyne-Preis, der 2023 zum zweiten Mal vergeben wird. Der Goethe-Universität gestiftet hat den Preis der Kinderarzt und Romantikenthusiast Prof. Dr. Klaus Heyne (1937–2017) aus Kiel, um herausragende Beiträge zur Erforschung der Deutschen Romantik auszuzeichnen. Der mit 15.000 Euro dotierte, im Zwei-Jahres-Rhythmus vergebene Wissenschaftspreis wird am 11. Oktober 2023 feierlich an der Goethe-Universität verliehen.

Auszeichnet werde Gaete für seine Grundlagenarbeit für die künftige Erforschung der kultur- und diskursgeschichtlichen Zusammenhänge zwischen romantischer Kunst und kolonialen Strukturen, so die Jury des Heyne-Preises. Ihr gehören an: Katharina Boehm, Professorin für Englische Literatur und Kultur an der Universität Passau, Dr. Aurelio Fichter, Geschäftsführer der Benvenuto Cellini Gesellschaft e.V., sowie Dr. Mareike Hennig, Leiterin des Goethe-Hauses, der Goethe-Galerie- und Kunstsammlungen im Freien Deutschen Hochstift Frankfurt; die Goethe-Universität ist in der Jury vertreten durch die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Mechthild Fend und die beiden Literaturwissenschaftler*innen Prof. Dr. Roland Borgards und Prof. Dr. Frederike Middelhoff.

Frederike Middelhoff, Vorsitzende der Kommission, betont: „Gaetes Arbeit bedeutet einen ersten Meilenstein hinsichtlich unserer Erkenntnisse über die Motivationen, wissenschaftlichen Vernetzungen und künstlerischen Praktiken von Künstlern, die in kolonialen Kontexten tätig waren und zugleich der deutschsprachigen Romantik nahestanden. Die Preisschrift veranschaulicht, wie diese romantisch inspirierten Bilder dieser Künstler das im 19. Jahrhundert geläufige Bild von Chile aus ihrem ‚kolonialen Blick‘ (colonial gaze) nachhaltig prägten. Gaetes kritische Untersuchung gibt wichtige Impulse für eine kunst- und kulturwissenschaftliche Romantikforschung, die sich mit den diskursgeschichtlichen Problemfeldern und dem kolonialen Erbe der Romantik auseinandersetzen muss. Es versteht sich von selbst, dass die Studie die damit verknüpften weitläufigen Fragen nicht umfassend beantworten kann. Hierzu brauchen wir weitere Untersuchungen, zu denen Gaete erste konzentrierte Probebohrungen geliefert hat. Gaete wird diese Perspektiven mithilfe des Heyne-Preises im Rahmen einer internationalen Tagung weiterentwickeln, die 2024 an der Goethe-Universität ausgerichtet wird. Wir sind sehr froh, dass der Heyne-Preis dazu verhelfen kann, diese wichtige Forschung zu befördern.“

Der Preisträger hat sich gegen eine Vielzahl innovativer Bewerbungen aus der germanistischen, musikwissenschaftlichen, philosophiegeschichtlichen und komparatistischen Romantikforschung durchgesetzt. Dr. Miguel A. Gaete ist gebürtiger Chilene, studierte Kunstgeschichte in Santiago und Barcelona und forscht derzeit mit einem Stipendium der Gerda Henkel-Stiftung in Düsseldorf. Gaete, der seine preisgekrönte Dissertation an der University of York (Großbritannien) abgeschlossen hat, führt bereits einen Doktortitel in Philosophie der Autonomous University of Madrid. Er absolvierte mehrere Fellowships und Stipendienaufenthalte in Deutschland, u.a. in Jena und Weimar. Sein Dissertationsprojekt erscheint als Monografie in diesem Jahr im New Yorker Verlag Cumbria Press unter dem Titel „Germans in Vaterland: Romanticism, Arts, Sciences and the Colonial Gaze in Chile, 1800-1899“. Derzeit bereitet Gaete ein weiteres Manuskript für den Druck vor, mit dem Titel „The Leader of the Time: Carl Alexander Simon, Romanticism, and Madness in Southern Chile“.

53. Römerberg-Gespräche „Keine Diskussion! Öffentlichkeit als Verbotszone“ am 17.06.2023 im Schauspiel Frankfurt

roemerberggespraeche-cover250Der Verein Römerberggespräche und die Stadt Frankfurt laden ein zu den 53. Römerberggesprächen „Keine Diskussion! Öffentlichkeit als Verbotszone“, die in Zusammenarbeit der Römerberggespräche e.V. mit dem Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität und weiteren Partnern am Samstag, dem 17. Juni 2023, ab 10 Uhr im Chagallsaal des Schauspiel Frankfurt stattfinden werden.

Die Gesprächsgäste und Vortragenden sind Adrian Daub (Stanford University), Simone Dede Ayivi (Theaterregisseurin und Autorin), Sigrid Köhler (Universität Tübingen), Meron Mendel (Frankfurt University of Applied Sciences, Bildungsstätte Anne Frank), Julian Nida-Rümelin (Universität München), Sophie Schönberger (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Wolfgang Ullrich (Autor) und Uwe Volkmann (Goethe-Universität Frankfurt, Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt). Moderiert wird die Veranstaltung von Hadija Haruna-Oelker (Journalistin) und Alf Mentzer (Leiter des Ressorts hr2-Tagesprogramm im Hessischen Rundfunk).

Die Fähigkeit zur empathischen Auseinandersetzung mit den jeweils anderen scheint nicht mehr hoch im Kurs zu stehen. Stattdessen herrscht vielerorts die Arroganz der eigenen Unfehlbarkeit. Und wo öffentlicher Streit eigentlich ausgetragen werden sollte, wird er abgesagt.

Anlass genug, für die Römerberggespräche, danach zu fragen, wie sich Vernunft im öffentlichen Diskurs noch herstellen lassen kann, wenn die Leitplanken immer enger werden. Welche Gründe gibt es, bestimmte Meinungen und Gedanken für nicht mehr diskussionswürdig zu halten, und wann kippt die gute Absicht in ihr selbstgerechtes Gegenteil, in Borniertheit oder gar Ignoranz? Wo bleibt zwischen Wokeness und Cancel-Culture der Raum für ein konstruktives argumentatives Ringen um die besten Lösungen für die drängenden Probleme der Gegenwart für alle?

53. Römerberggespräche. Keine Diskussion! Öffentlichkeit als Verbotszone
Samstag, 17. Juni 2023, ab 10 Uhr,

Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal
Neue Mainzer Str. 17
60311 Frankfurt am Main

Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei

Weitere Informationen zu den 53. Römerberggesprächen

Vortragsreihe an der Goethe-Universität widmet sich der Paulskirche als demokratischem Erinnerungs- und Diskursort

2023_Das-Bauwerk-der-Demokratie-250Die Vortragsreihe „Ein Ort, der vom Streben nach Demokratie erzählt“ an der Goethe-Universität widmet sich der Paulskirche als demokratischem Erinnerungs- und Diskursort.

Das 175-jährige Jubiläum der Nationalversammlung hat eine Debatte über die Zukunft der Paulskirche ausgelöst, des historisch symbolträchtigsten Ortes der Demokratie in Deutschland. Die Vortragsreihe „Das Bauwerk der Demokratie. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Paulskirche als politisches Symbol“ des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ im Rahmen der Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ will einen Beitrag zur Debatte leisten.

FRANKFURT. 1848 kam in der Paulskirche das erste national gewählte Parlament zusammen – das es sich zur Aufgabe machte, eine demokratische Nation zu gründen. Nach vielen Kompromissen kam 1849 ein Verfassungsvorschlag zustande – der dann aber an den politischen Kräfteverhältnissen der Zeit scheiterte. Die Paulskirche ist mithin ein dialektischer politischer Ort: Er zeugt von den Versuchen demokratischer Anfänge und Gründungen wie auch vom Scheitern derselben, ohne dass die Hoffnung, es möge einst gelingen, ausgelöscht werden konnte.

Im Zuge des anstehenden 175-jährigen Jubiläums der Nationalversammlung im Mai 2023 wird eine breite gesellschaftliche Debatte zur Zukunft der Paulskirche geführt. Ziel ist, die Paulskirche in den kommenden Jahren zu sanieren und sie in Verbindung mit dem Bau eines ‚Hauses der Demokratie‘ zum demokratischen Erinnerungs- und Diskursort zu machen.

Einen Beitrag zur aktuellen Debatte leisten will die Vortragsreihe „Das Bauwerk der Demokratie. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Paulskirche als politisches Symbol“, die

am 3. Mai, um 18:15 Uhr
auf dem Campus Westend, Hörsaal HZ 3,
mit dem Vortrag
„Eine neue Welt voll Wunder”: Demokratische Lebensformen in Zeiten der Revolution,
von Prof. Dr. Till van Rahden (Montréal) beginnt.

Neben konkreten Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Frankfurter Paulskirche soll die Vortragsreihe besonders die Fragen aufgreifen, die dieser Ort der Demokratiegeschichte an uns heute stellt. Sprechen werden ausgewiesene Expert*innen zu einer Reihe zentraler demokratischer Themen.

Zum Abschluss der Reihe findet in der Paulskirche eine Podiumsdiskussion mit dem Thema Das Bauwerk (bzw. die Baustelle) der Demokratie statt. Es diskutieren: Peter Cachola-Schmal (Deutsches Architekturmuseum/angefragt), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Goethe-Universität, Normative Orders und Leibniz-Institut Hessische Friedens- und Konfliktforschung), Prof. Dr. Rainer Forst (Goethe-Universität, Normative Orders), Mike Josef (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt), Volker Kauder (ehem. Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Kommission zur Weiterentwicklung der Paulskirche) und Staatsministerin Claudia Roth (Staatsministerin für Kultur und Medien/angefragt). Moderieren wird Rebecca Caroline Schmidt (Goethe-Universität, Normative Orders).

Die Vorlesungsreihe des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“ findet statt im Rahmen der Deutsche Bank-Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“, unter Federführung von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff und Prof. Dr. Rainer Forst.

Weitere Termine und Themen:

7. Juni
Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Goethe-Universität
Demokratie, Nation und Europa – damals und heute

21. Juni
Prof. Dr. Sabine Freitag, Universität Bamberg
Die Paulskirche und die Herausforderung demokratischer Erinnerung

28. Juni
Prof. Dr. Tine Stein, Universität Göttingen
Grundrechte und demokratische Gründungen im Lichte der Paulskirche

5. Juli
Prof. Dr. Miriam Wenzel, Jüdisches Museum und Goethe-Universität
Wer wählt? Wer spricht? Wer setzt sich durch? Zum Spannungsverhältnis zwischen Repräsentation und Partizipation in der deutschen Demokratiegeschichte

12. Juli, Paulskirche
Podiumsdiskussion: Das Bauwerk (bzw. die Baustelle) der Demokratie
Peter Cachola-Schmal (Deutsches Architekturmuseum), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Goethe-Universität, Normative Orders und Leibniz-Institut Hessische Friedens- und Konfliktforschung), Prof. Dr. Rainer Forst (Goethe-Universität, Normative Orders), Mike Josef (Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt), Volker Kauder (ehem. Mitglied des Deutschen Bundestages), Staatsministerin Claudia Roth (Staatsministerin für Kultur und Medien/angefragt). Moderation: Rebecca Caroline Schmidt (Goethe-Universität, Normative Orders).

Die Vorträge finden jeweils um 18:15 Uhr auf dem Campus Westend, Hörsaal HZ 3, statt; die Abschlussdiskussion lädt Interessierte in die Paulskirche.

Weitere Informationen:
https://www.normativeorders.net/de/
https://www.normativeorders.net/ringvorlesungen

Ringvorlesung an Goethe-Uni: Wie der Islamismus westliche Gesellschaften herausfordert

Fliese in Lüsterttechnik mit Schriftzug aus Kaschan, Persien, heutiger Iran, Ende d. 13 Jahrhunderts in der Ausstellung  Maschinenraum der Götter, Liebieghaus-Skulpturensammlung. © Foto Diether von Goddenthow
Fliese in Lüsterttechnik mit Schriftzug aus Kaschan, Persien, heutiger Iran, Ende d. 13 Jahrhunderts in der Ausstellung Maschinenraum der Götter, Liebieghaus-Skulpturensammlung. © Foto Diether von Goddenthow

Ringvorlesung an der Goethe-Universität zum gesellschaftlichen Umgang mit Ursachen und Wirkungen des Islamismus in Deutschland und Europa

Zum Auftakt der Reihe sprechen am 20. April die Sozialwissenschaftler PD Dr. Özkan Ezli und Prof. Dr. Levent Tezcan von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster unter dem Titel „‘Man kann den Islam nur in den eigenen vier Wänden ausleben‘. Ressentiment in Theorie und Praxis“. In ihrem Vortrag geht es darum, wie Diskriminierungs- und Kränkungserfahrungen in der Einwanderungsgesellschaft verarbeitet werden.

Weitere Vortragende sind der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg PD Dr. Martin Kahl (Universität Hamburg), Elif Durmaz von der FH Bielefeld, die Sozialpädagogin Alexandra Schramm (Vechta), Prof. Dr. Mehmet Kart, Professor für Soziale Arbeit an der IU Internationale Hochschule, und der Religionssoziologe und Theologe Dr. Youssef Dennaoui von der RWTH Aachen.

Veranstaltet wird die Vortragsreihe von „RADIS – Transfervorhaben Gesellschaftliche Ursachen und Wirkungen des radikalen Islam in Deutschland und Europa“, dem Begleit- und Transferprojekt zur Förderlinie am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld in Kooperation mit der Forschungsinitiative „ConTrust – Vertrauen im Konflikt. Politisches Zusammenleben unter Bedingungen der Ungewissheit“. Neben Frankfurt sind die Universitäten Aachen, Leipzig und Erlangen Orte, an denen die Ergebnisse des Förderprogramms vorgestellt werden.

Die öffentlichen Vorträge finden im Hörsaalgebäude, Theodor-W.-Adorno-Platz 5, statt oder im Gebäude der Sprach- und Kulturwissenschaft (SKW), Rostocker Straße 2. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltungen im Überblick:

20. April 2023, Hörsaalzentrum HZ 7
„Man kann den Islam nur in den eigenen vier Wänden ausleben“. Ressentiment in Theorie und Praxis
PD Dr. Özkan Ezli / Prof. Dr. Levent Tezcan, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

11. Mai 2023, Hörsaalzentrum HZ 6
Was bestimmt den (institutionellen) Umgang mit Islamismus in Deutschland?
PD Dr. Martin Kahl, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg

25. Mai 2023, Hörsaalzentrum HZ 10
Strategische Kommunikation muslimischer Organisationen nach Anschlägen mit islamistischem Hintergrund
Elif Durmaz, FH Bielefeld

15. Juni 2023, Hörsaalzentrum HZ 7
Aufgaben und Möglichkeiten des islamischen Religionsunterrichts und der Schule in der Prävention islamistischer Radikalisierung
Alexandra Schramm, Universität Vechta

29. Juni 2023, Sprach- und Kulturwissenschaft (SKW) – SKW B
Die Rolle von Sozialisationsinstanzen in Prozessen der Hinwendung zum und Abwendung vom Islamismus
Prof. Dr. Mehmet Kart, IU Internationale Hochschule

6. Juli 2023, Hörsaalzentrum HZ 13
Umkämpfte Religion: Überbietungskämpfe im Islam und ihre Folgen dargestellt am Beispiel des Salafismus in Marokko und Deutschland Dr. Youssef Dennaoui, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Weitere Informationen unter: www.radis-forschung.de/ringvorlesung und https://contrust.uni-frankfurt.de

Die Linguisten Helmut Weiß und Ewa Trutkowski weisen nach, dass maskuline Personenbezeichnungen im Deutschen stets generisch interpretierbar waren

© collage Diether v Goddenthow
© collage Diether v Goddenthow

Gendersternchen oder Binnen-i? Unterstrich oder Doppelpunkt? Die feinteilige Diskussion um Notwendigkeit und Ausgestaltung einer „gendergerechten“ Sprache hält an. Prof. Helmut Weiß, der an der Goethe-Universität deutsche Sprachgeschichte lehrt, ist dem sprachhistorischen Aspekt der Debatte auf den Grund gegangen und plädiert für eine Versachlichung.

FRANKFURT. Den tatsächlichen Sprachgebrauch in früheren Epochen des Deutschen haben Prof. Helmut Weiß und Dr. Ewa Trutkowski in einer Studie untersucht, die in der Zeitschrift „Linguistische Berichte“ veröffentlicht worden ist. Im Mittelpunkt stand die Frage, inwiefern maskuline Personenbezeichnungen zu früheren Zeiten „generisch“ verwendet wurden. Mit dem Ausdruck „generisch“ bezeichnet man in der Grammatiklehre die Möglichkeit, solche Substantive geschlechtsabstrahierend zu verwenden. Weiß und Trutkowski, die gemeinsam in der DFG-Forschungsgruppe „Relativsätze“ forschten, führen den Nachweis darüber, dass maskuline Substantive bereits im Althochdeutschen für beide biologischen Geschlechter verwendet wurden – ebenso wie heute zum Beispiel das grammatikalisch feminine Wort Person oder das Neutrum Mitglied.

Der Auslöser für die Studie sei die E-Mail einer gendersprachkritischen Studentin gewesen, sagt Prof. Weiß, dessen Forschungsschwerpunkt eigentlich in der historischen Grammatik liegt. Die Studentin schrieb, dass das Wort „Studenten“ zwar aufgrund gesellschaftlicher Verhältnisse in der Vergangenheit nicht schon immer sowohl Männer als auch Frauen „gemeint habe“, in der Gegenwart aber durchaus generisch zu verstehen sei. Grammatikalisch maskuline Personenbezeichnungen könnten stets generisch interpretiert werden, antwortete Weiß spontan, hatte dann aber das Gefühl: Das müsste man einmal gründlicher betrachten. So nahmen er und Trutkowski dies als Ausgangshypothese für ihre sprachhistorische Untersuchung.

Für ihre Untersuchung nahmen sich die beiden Linguisten nicht in erster Linie Berufsbezeichnungen vor, sondern Personenbezeichnungen und Charakterisierungen, die seit jeher auch auf Frauen angewandt wurden. Indem man auf diese Weise nicht-linguistische Einflussfaktoren wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft möglichst außen vor ließ, habe man das weit verbreitete Argument gegen den Gebrauch des generischen Maskulinums entkräften wollen – nämlich dass dieses eine sprachgeschichtlich sehr junge Erscheinung sei, die erst mit dem Vordringen der Frauen in Männerberufe entstanden sei. Denn das Gegenteil sei der Fall: Das Generische sei sozusagen schon immer im Deutschen fest verankert.

Beispiele wie das Messer, die Gabel, der Löffel machten, so Weiß, schon dem sprachwissenschaftlichen Laien deutlich, dass die Kategorie Genus kaum 1:1 mit einem etwaigen biologischen Geschlecht zusammenhänge. „Für die Verteilung des grammatischen ‚Geschlechts‘ gibt es durchaus Regeln, aber die sind nicht semantischer Art“, sagt er. Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Genera ursprünglich Belebtes (maskulin) und Unbelebtes (neutrum) und Kollektiva (feminin) voneinander unterschieden. Das Genussystem hat vor allem einen syntaktischen Zweck: Da zugeordnete Wörter wie Adjektive formal übereinstimmen (kongruent sind), hilft es bei der Strukturierung von Sätzen und bei der Herstellung von Bezügen zwischen nominalen Ausdrücken (z.B. „Otto kennt Maria, seit er/sie 10 ist“). Zwar besteht durchaus eine Beziehung zwischen Genus und Sexus – allerdings nur in die eine Richtung: Sexus kann sich im Genus bemerkbar machen, der Umkehrschluss ist jedoch nicht zulässig.

Weiß und Trutkowski haben sich allgemeine Personenbezeichnungen vorgenommen wie Freund, Feind, Gast, Nachbar, Sünder – und konnten nachweisen, dass diese im Alt- und Mittelhochdeutschen keineswegs geschlechtsspezifisch verwendet wurden, sondern vielmehr generisch. So schrieb der althochdeutsche Dichter Otfrid von Weißenburg im 9. Jahrhundert von Jesus und Maria als Gästen der Hochzeit von Kana: „Ni ward io in wóroltzitin, / thiu zisámane gihitin, / thaz sih gésto guati / súlihhero rúamti. / Thar was Kríst guater / joh sélba ouh thiu sin múater“ („Zu keiner Zeit hat sich ein Hochzeitspaar rühmen können, so hohe Gäste zu haben (wie diese): Der heilige Christus und auch seine Mutter waren da erschienen.“). Oder im mittelhochdeutschen Frauenbuch von 1257 heißt es: „ir bedörft ein wîp ze friunde niht“ („ihr bedürft eines Weibes zum Freunde nicht“). Auch für die besonders in der Kritik stehenden Personenbezeichnungen auf -er belegt die Untersuchung eine sexusneutrale Verwendung, etwa in dem Satz: „die von alter har burgere zu Straßburg gewesen sind, es sigent frowen oder man“ („die von alters her Bürger in Straßburg gewesen sind, es seien Frauen oder Männer“). Die Endung -er wird auf die lateinische Endung -arius zurückgeführt, die im Althochdeutschen noch in einer maskulinen (-ari)und femininen Form (-âra) vorkam.

Der vor kurzem erschienene Beitrag sei in einer Vorversion von einem Preprint-Server (Lingbuzz) inzwischen mehr als zweieinhalbtausend mal heruntergeladen worden, berichtet Prof. Weiß. Die Reaktionen seien vor allem zustimmend. Insgesamt hofften er und Trutkowski, dass die Studie zur Versachlichung der Debatte beitrage. Weiß selbst ist überzeugt, dass sich die „gendergerechte“ Sprache allenfalls in Teilen der Sprachgemeinschaft durchsetzen werde.

Publikation: Ewa Trutkowski u. Helmut Weiß, Zeugen gesucht! Zur Geschichte des generischen Maskulinums im Deutschen. In: Linguistische Berichte 273/2023. https://doi.org/10.46771/9783967692792_2

oder: Buske-Verlag – Zeugen gesucht zur Geschichte des generischen Maskulinums 

Was die Frankfurter Schule zur Lage der Gesellschaft sagt Neue Veranstaltungsreihe von Kulturdezernat und Normative Orders

2023_03_20_Frankfurter-Schule_web250Was sagt die Kritische Theorie der „Frankfurter Schule“ zur gegenwärtigen Lage der Gesellschaft – ob lokal, national oder international? Das Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main und das Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität bieten den derzeitigen Vertretern der berühmten Denkschule ein Podium: In der Reihe „Frankfurter Schule“ werden aktuelle Themen diskutiert.

Gesellschaftliche Normen, in Institutionen und Ordnungen manifestiert, bilden das Fundament unseres sozialen und politischen Zusammenlebens. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich die sogenannte Frankfurter Schule vorgenommen, diese Normen und ihre Widersprüche im Sinne einer umfassenden „Kritischen Theorie“ ganzheitlich und (ideologie-) kritisch in den Blick zu nehmen – eine Herangehensweise, deren Bedeutung und internationale Wirkmacht bis heute ungebrochen sind. Doch was sagt die Frankfurter Schule, die Gesellschaftsanalysen stets mit Ideologiekritik verbunden hat, zur derzeitigen Lage der Gesellschaft? Welche Antworten gibt die sogenannte „dritte und vierte Generation“ auf weltweite Krisen und Konflikte?

Darum soll es in einer neuen Veranstaltungsreihe gehen, zu der das Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main und das Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität von März an gemeinsam einladen.

Der Titel der neuen Reihe lautet „Frankfurter Schule“. Zu Gast sind Persönlichkeiten, die – geschult am „Frankfurter Denken“ – Position beziehen zu aktuellen Problemlagen. Kooperationspartner der einzigartigen Reihe sind das Institut für Sozialforschung, das Museumsufer Frankfurt und hr2-kultur.

Bei der Auftaktveranstaltung am Montag, 20. März, um 18.00 Uhr im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST, Domstraße 10, sprechen der Philosophieprofessor Christoph Menke (Goethe-Universität, Normative Orders) und der Autor Cord Riechelmann über das Thema „Was ist Befreiung?“. Im Mittelpunkt des Abends steht Menkes erst jüngst im Suhrkamp Verlag erschienenes Buch Theorie der Befreiung. Darin geht der Philosoph von der Diagnose aus, dass bisherige Befreiungsbewegungen stets in neue Abhängigkeitsordnungen gemündet seien und zeigt auf, wie Freiheit und Herrschaft unauflöslich miteinander verwoben sind.

„Die Frankfurter Schule hat Frankfurt und die deutsche Nachkriegsöffentlichkeit geprägt wie keine andere Denkschule sonst und entscheidend dazu beigetragen, dass sich eine demokratische Öffentlichkeit herausbilden konnte“, sagte Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig. Die freiheitliche Ordnung, in der wir heute leben, sei dabei nicht weniger umstritten als in jenen Jahren. „Es gibt drängende Fragen unserer Zeit. Und es gibt Antworten, kritische Antworten, Frankfurter Antworten. Die Gesellschaft braucht den kritischen Blick der Frankfurter Schule, um Lösungen für aktuelle Probleme zu finden – etwa das Auseinanderdriften von Arm und Reich oder die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft.“

„Die Kritische Theorie ist heute wichtiger denn je. Aber eine Denktradition kann nur bestehen bleiben, wenn sie sich fortentwickelt. Sie muss nicht nur auf neue soziale, gerade auch globale, Herausforderungen eingehen, sondern hat, das ist das Besondere an dem Frankfurter Ansatz, einen umfassenden systematischen Anspruch. Auch dieser muss stetig überdacht werden; er läuft im Kern darauf hinaus, die Unvernunft dessen sichtbar zu machen, was im konventionellen Sinne als vernünftig gilt. Was das konkret bedeutet, wollen wir im Dialog mit der Stadtgesellschaft diskutieren“, sagte Prof. Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums Normative Ordnungen, zum Start der Reihe.

Susanne Pfeffer, Leiterin des Museums für Moderne Kunst, gab ihrer Freude Ausdruck, dass die neue Diskussionsreihe in Frankfurter Kultureinrichtungen stattfinden soll. „Museen sind wichtige Orte, um Diskussionen zu führen. So haben wir eine weitere Möglichkeit, einen Beitrag zu einer relevanten Thematik in der Stadt zu leisten.“ Die Reihe wird quartalsweise in den Frankfurter Museen fortgesetzt, beginnend im MMK Museum für Moderne Kunst.

Christoph Menke, geboren 1958 in Köln, hat Germanistik und Philosophie in Heidelberg und Konstanz studiert, wo er 1987 promoviert wurde. Die Habilitation Tragödie im Sittlichen. Hegel und die Freiheit der Moderne erfolgte 1995. Seit 2009 ist er Professor für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Mitglied des Forschungszentrums „Normative Ordnungen“.

Cord Riechelmann, geboren 1960 in Celle, studierte Biologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er war Lehrbeauftragter für das Sozialverhalten von Primaten und für die Geschichte biologischer Forschung. Außerdem arbeitete er als Kolumnist und Stadtnaturreporter für die Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Den Anfang macht ein Abend mit Christoph Menke, Philosophieprofessor an der Goethe-Universität, am Montag, 20. März, 18.00 Uhr, im MMK Museum für moderne Kunst.
Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main,

mit dem Thema: Was ist Befreiung?

Eintritt: 3 Euro

Weitere Infos:
Kultur-Frankfurt
Normative Orders – Forschungszentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main
„Frankfurter Schule“