Kategorie-Archiv: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Spinnen-Nachmittag bei Senckenberg Öffentliche Veranstaltung am 24.09.

Zu einem Nachmittag mit Spinnen lädt Senckenberg-Arachnologe Peter Jäger am 24.09. ein. Foto: Senckenberg/Jäger
Zu einem Nachmittag mit Spinnen lädt Senckenberg-Arachnologe Peter Jäger am 24.09. ein. Foto: Senckenberg/Jäger

Frankfurt am Main, den 21.09.2022. Senckenberg-Arachnologe Dr. Peter Jäger lädt am Samstag, dem 24.09.2022 die interessierte Öffentlichkeit zu einem „Spinnen-Nachmittag“ ein. Vier Expert*innen berichten im Arthur von Weinberg-Haus des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt über Neuigkeiten aus der Spinnenforschung. An einem Stand informiert die Deutsche Arachnologische Gesellschaft über ihre Arbeit.

Aktuell sind Spinnen in aller Munde: Insbesondere die − sich neuerdings in Deutschland heimisch fühlende – „Nosferatu“- oder Kräuseljagdspinne hat zu viel Unsicherheit in der Bevölkerung geführt. Am Samstag, dem 24.09. findet bei Senckenberg ein Treffen von Personen statt, die eine große Leidenschaft für die Achtbeiner teilen und den Ruf der „gruseligen Spinne“ zurechtrücken möchten.

Im Rahmen eines „Nachmittags mit Spinnen“ erläutert Dr. Tim Lüddecke von der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem LOEWE Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (LOEWE-TBG) wie „Achtbeinige Pharmazeuten Spinnengift zu Medizin machen“. Anja Melcher, Doktorandin an der Universität Trier, informiert die Zuhörer*innen in ihrem Vortrag „Du bist, was du isst“ über Nahrungsanalysen von Spinnen und ihre Bedeutung für die Biodiversitätsforschung. Die Vogelspinnengattung Sericopelma steht im Fokus des Beitrags von Volker von Wirth vom Theraphosid Research Team in Eitting. Gastgeber Dr. Peter Jäger beleuchtet das Liebesleben der Achtbeiner und erklärt, dass „Love-Bites“ bei Spinnen häufiger sind, als bislang angenommen. In den Veranstaltungpausen zwischen den 30-minütigen Vorträgen gibt es die Möglichkeit, mit den Spinnenbegeisterten ins Gespräch zu kommen.

Veranstaltung: „Ein Nachmittag mit Spinnen“ – Eine Veranstaltung von und mit Peter Jäger
Datum: Samstag, 24. September 2022, 14:45 Uhr (Einlass) – 18:30 Uhr
Ort: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Grüner Hörsaal im Arthur von Weinberg-Haus, Robert-Mayer-Straße 2, 60325 Frankfurt

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Invasion der Frösche und Schlangen: Kosten von über 16 Milliarden Euro

Treibt die Kosten weltweit nach oben: der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus). Foto: Privat /Senckenberg
Treibt die Kosten weltweit nach
oben: der Nordamerikanische
Ochsenfrosch (Lithobates
catesbeianus). Foto: Privat /Senckenberg

Hauptverursacher für die Schäden zwischen 1986 und 2020 sind der Nordamerikanische Ochsenfrosch und die Braune Nachtbaumnatter

Frankfurt/Gelnhausen, 29.07.2022. Invasionen durch Amphibien und Reptilien – wenn sich Arten über die Regionen hinaus ausbreiten, in denen sie heimisch sind – haben die Weltwirtschaft zwischen 1986 und 2020 mindestens 16 Milliarden Euro gekostet. Laut einer heute im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie gelten zwei Arten dabei als die größten Kostenverursacher: der Nordamerikanische Ochsenfrosch und die Braune Nachtbaumnatter. Die Ergebnisse des Wissenschaftler*innen-Teams, unter der Leitung von Senckenberg-Forscher Dr. Phillip Haubrock, machen deutlich, dass wirksamere politische Maßnahmen erforderlich sind, um die Ausbreitung aktueller und künftiger invasiver Amphibien und Reptilien zu begrenzen.

Die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) kam durch Einschleppungen auf die westpazifische Insel Guam –wahrscheinlich durch Truppentransporte während des Zweiten Weltkrieges. Durch das Fehlen von natürlichen Feinden vermehrten sich die Schlangen rasant. Heute leben auf der Insel mehr als 10.000 Individuen pro Quadratkilometer. Mit einer verheerenden Wirkung auf die Fauna der Insel: Innerhalb weniger Jahre waren viele Vogelarten und andere Kleintiere der Insel, die als Beutetiere der Schlange in Frage kamen, ausgestorben oder gefährdet. Als Folge der weitreichenden Ausrottung der Vögel – und damit von wichtigen Samenausbreitern – ist nun auch die Flora Guams bedroht. „Gemeinsam mit dem Nordamerikanischen Ochsenfrosch – Lithobates catesbeianus – ist die Braune Nachtbaumnatter von 1986 bis 2020 verantwortlich für einen weltweiten finanziellen Schaden von knapp 16 Milliarden Euro – das sind 96,3 bzw. 99,3 Prozent der Gesamtkosten, die invasive Amphibien und Reptilien in diesem Zeitraum verursacht haben“, erläutert Dr. Phillip Haubrock von der Außenstelle Gelnhausen des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt.

Erstautor und Doktorand Ismael Soto von der University of South Bohemia in České Budějovice und weitere Kolleg*innen haben unter der Leitung von Haubrock die weltweiten Kosten von Amphibien- und Reptilieninvasionen anhand von Daten aus der InvaCost-Datenbank untersucht, in der die wirtschaftlichen Kosten von Arteninvasionen zusammengestellt sind. Die Daten stammen aus von Expert*innen begutachteten Artikeln, Dokumenten auf Webseiten von Regierungen, Hochschulen und Nichtregierungsorganisationen sowie aus weiteren Dokumenten, die von Fachleuten für biologische Invasionen eingeholt wurden. „Unsere Auswertung ergibt, dass sich die Gesamtkosten für die Invasion von Reptilien und Amphibien zwischen 1986 und 2020 auf über 16,5 Milliarden Euro belaufen. Davon entfielen 6,1 Milliarden Euro auf Amphibieninvasionen, 10,1 Milliarden Euro auf Reptilieninvasionen und 0,2 Milliarden Euro auf Invasionen, die sowohl Amphibien als auch Reptilien betreffen“, ergänzt der Senckenberg-Forscher.

Laut der Studie stehen 99,7 Prozent der durch Amphibien verursachten Kosten im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Invasionen, z. B. für die Ausrottung invasiver Arten. 96,6 Prozent der durch Reptilien verursachten Kosten sind dagegen auf Schäden zurückzuführen, die direkt durch die Invasionen verursacht werden, wie beispielsweise Ernteverluste. Invasive Amphibien belasten besonders die Geldbeutel Europas – 96,3 Prozent der wirtschaftlichen Kosten entstehen in europäischen Ländern. Die Länder Ozeaniens und der pazifischen Inseln sind mit 99,6 Prozent der Gesamtkosten vor allem durch Reptilieninvasionen betroffen.

„Unsere Studie zeigt erstmals die weltweit entstehenden Kosten durch die Herpetofauna auf. Die Schäden sind sehr wahrscheinlich noch viel höher, als uns InvaCost aufzeigen kann – es fehlt an Daten, sodass sich die bisherige Erfassung nur auf einige wenige Arten und Regionen konzentriert und auf die letzten Jahrzehnte beschränkt ist. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Invasionsraten in Zukunft zunehmen werden – dem wird ein Anstieg der wirtschaftlichen Kosten folgen“, resümiert Haubrock und schlussfolgert: „Die wirtschaftlichen Kosten können durch Investitionen in Maßnahmen zur Begrenzung des globalen Transports invasiver Amphibien und Reptilien und durch frühzeitiges Erkennen von Invasionen reduziert werden. Dies könnte die Notwendigkeit eines langfristigen Managements von invasiven Arten und das Ausmaß der entstandenen Schäden verringern – Vorbeugen ist günstiger als Heilen!“

Asiatische Tigermücke: Einzelne Exemplare in Wiesbaden gesichtet

Asiatische Tigermücke ist auch im Rhein-Main-Gebiet auf dem Vormarsch Foto: © Wikimedia Commons /Senckenberg
Asiatische Tigermücke ist auch im Rhein-Main-Gebiet auf dem Vormarsch Foto: © Wikimedia Commons /Senckenberg

Im Stadtbezirk Südost wurden einzelne Exemplare der Asiatischen Tigermücke gesichtet. Nach Abstimmung zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden und der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) soll nun zeitnah versucht werden, einer Weiterverbreitung der Population entgegenzuwirken und die bestehende Ansiedlung zurückzudrängen.

Die Stadt Wiesbaden ist Mitglied in der KABS, die die Bekämpfungsmaßnahme koordiniert und umsetzt. Betroffene Anwohner werden gebeten, die Maßnahme zu unterstützen und bei Bedarf Zutritt auf die Grundstücke und Balkone der unteren Geschosse zu gewähren. Die KABS wird die betroffenen Haushalte in den nächsten Tagen auch direkt informieren.

Zwei Einzeltiere der invasiven Mückenart wurden von Anwohnerinnen im Mai und Juni sichergestellt und zur Bestimmung an die KABS übergeben. Nachdem sich die Vermutung bestätigt hatte, dass es sich bei den Tieren tatsächlich um Exemplare von Tigermücken handelte, führte die KABS ein erweitertes Fallen-Monitoring durch, um das potentielle Verbreitungsgebiet näher abzugrenzen. Im Umfeld Frankfurter Straße/Gustav-Stresemann-Ring wurde nun ein Bearbeitungsgebiet für die Bekämpfung festgelegt.

Je schneller eine Population entdeckt wird, desto besser kann man gegen sie vorgehen. Daher ist es sehr wichtig, dass sich auch weiterhin Personen melden, wenn sie verdächtige, kleine, sehr aggressive, schwarz-weiß gezeichnete Stechmücken bemerken, damit weitere bislang noch unbekannte Bestände im Stadtbereich entdeckt und bekämpft werden können. „Sanft“ erschlagene Exemplare, die noch untersuchbar sind, können von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KABS vor Ort abgeholt werden. Zudem können der KABS Fotos mit Hinweisen und Standortdaten über die E-Mail-Adresse tigermuecke@kabsev.de geschickt werden.

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wird seit Ende des 20. Jahrhunderts mit dem stetig zunehmenden internationalen Warenhandel und der steigenden Mobilität der Menschen weltweit verschleppt. Durch ihre Fähigkeit, eine große Bandbreite natürlicher und künstlicher Wasseransammlungen zur Aufzucht ihrer Larven zu nutzen, kann sich die sehr anpassungsfähige Stechmückenart in neuen Gebieten schnell ansiedeln.

Die Asiatische Tigermücke ist eine nur drei bis zehn Millimeter große, aber sehr aggressive Stechmückenart, deren Weibchen auf der Suche nach einer Blutmahlzeit den Menschen im Gegensatz zu den heimischen Stechmücken auch am hellen Tag hartnäckig verfolgen. Hat sie sich erst einmal erfolgreich angesiedelt und kann sie sich ungestört vermehren, wird sie für den Menschen sehr lästig. Vor allem in tropischen Bereichen kann die wärmeliebende Art zahlreiche Viren auf den Menschen übertragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es derzeit auch hier zur Übertragung von Viren durch die Asiatische Tigermücke kommt, ist zwar derzeit recht gering, kann jedoch auch nicht völlig ausgeschlossen werden. Als Überträger von Corona-Viren ist die Asiatische Tigermücke nicht bekannt.

Fragen beantwortet der Leiter der AG Exotische Stechmücke bei der KABS per Mail an artur.joest@kabs-gfs.de. Weitere Informationen zur Asiatischen Tigermücke gibt es unter www.kabsev.de und www.wiesbaden.de/ Stichwort „Stechmücken“.

Podiumsdiskussion und Veröffentlichung des digitalen Senckenberg-Archivs: „Die Vergangenheit der Zukunft – Archive und (Natur-) Museen“ am 27. Juli 2022

© Foto Diether von Goddenthow
© Foto Diether von Goddenthow

Frankfurt, 20.07.2022. Welche Rolle spielen Archive in und für Museen? Inwiefern sind historische Dokumente und Artefakte relevant für heutige Forschungen und Ausstellungen? Wie arbeitet man inter- und transdisziplinär mit Archiven und wie macht man sie bekannt? Das Institut für Stadtgeschichte, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg sowie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit ihrem Senckenberg Naturmuseum Frankfurt haben seit 2018 gemeinsam die Digitalisierung der Senckenberg-Archive erarbeitet und stellen nun zum Abschluss das Projekt in einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 27. Juli um 17 Uhr im Frankfurter Naturmuseum vor: „Die Vergangenheit der Zukunft – Archive und (Natur-)Museen“.

Dezentral aufbewahrt, zentral zugänglich – das ist die Idee hinter dem digitalen Senckenberg-Archiv. Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Kooperationsprojektes wurden bis 2022 insgesamt 20 Bestände mit mehr als 370.000 Seiten von Johann Christian Senckenberg, bzw. rund um seine Person digitalisiert. Die Dokumente sind in drei zentralen Frankfurter Institutionen untergebracht und wurden nun durch Digitalisierung zusammengeführt und gemeinsam in einer von der Universitätsbibliothek betriebenen Online-Plattform für alle interessierten Nutzer*innen zugänglich gemacht.

Das Vermächtnis des Mediziners, Naturforschers und Stifters Johann Christian Senckenberg (1707-1772) ist von großer Bedeutung für die Stadt Frankfurt am Main. Bis in die Gegenwart hinein führen unterschiedliche Einrichtungen der Kultur, der Wissenschaft und des Gemeinwohls „Senckenberg“ in ihrem Namen. Die sogenannten „Senckenberg-Bestände“ des Instituts für Stadtgeschichte, der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung bilden in ihrer Gesamtheit eine unersetzliche historische Quellenbasis für die deutsche Stadt- und Universitätsgeschichte, die Museums-, Wissenschafts- und Medizingeschichte sowie für die religionsgeschichtliche Entwicklung in Deutschland. Sie gelten als Schlüsselbestände der deutschen und internationalen Naturforschung, sind aber genauso für eine ganze Reihe allgemeiner wissenschaftshistorischer Fragestellungen von erheblicher Bedeutung. Die Senckenberg-Bestände mit Dokumenten aus dem Zeitraum 1730 bis 1950 sind beispielhaft für die Entwicklung der neuzeitlichen Wissensgesellschaft. Sie sind von überregionaler Bedeutung und geben Einblick in die rasante Entwicklung moderner Wissenschaftskultur.

Das neu geschaffene digitale Archiv wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Senckenberg Naturmuseum vorgestellt. Dr. Katharina Schmidt-Loske, Leiterin des Biohistoricums am Museum Alexander Koenig Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Bonn, führt in die Themen Archive, Museen und die Bedeutung der Wissenschaftsgeschichte ein. Im Anschluss diskutiert sie gemeinsam mit Senckenberg-Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen und mit Dr. Mathias Jehn (Leiter des Archivzentrums der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg Frankfurt am Main) sowie mit Dr. Kristina Odenweller (Leiterin der Abteilung Sammlungen am Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main) die Ergebnisse des Projektes sowie die Frage nach der Zukunft der erschlossenen Materialien zur Geschichte der Senckenberg-Einrichtungen.

Eva-Maria Magel, Leiterin des Kulturressorts der Rhein-Main-Zeitung/FAZ, führt als Moderatorin durch den Abend.

Veranstaltung: Podiumsdiskussion und Veröffentlichung des digitalen Senckenberg- Archivs: „Die Vergangenheit der Zukunft – Archive und (Natur-)Museen“

Auf dem Podium: Dr. Katharina Schmidt-Loske (Leiterin des Biohistoricums am Museum Alexander Koenig Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Bonn), Dr. Brigitte Franzen (Direktorin des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt), Dr. Mathias Jehn (Leiter des Archivzentrums der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg Frankfurt am Main), Dr. Kristina Odenweller (Leiterin der Abteilung Sammlungen am Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)
Moderatorin: Eva-Maria Magel (Leiterin des Kulturressorts der Rhein-Main-Zeitung/FAZ)

Datum: Mittwoch, 27. Juli 2022, 17:00 Uhr
Ort: Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt
Der Eintritt ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten unter:
https://sgn.one/senckenberg-archive

Senckenberg-Vortragsreihe: Bürgerliches Engagement und die Sammlungen Senckenbergs – Eine kleine Geschichte in Lebensbildern – Digitaler Vortrag am 25.05.22

Frankfurt am Main, den 23.05.2022. Als von Frankfurter Bürgern gegründete Gesellschaft lebt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) schon immer von dem Einsatz engagierter Privatpersonen. Der nächste Vortrag der Senckenberg-Vortragsreihe „Heute schon geforscht? Mit Citizen Science gemeinsam Wissen schaffen“ stellt das Engagement und Wirken einiger Personen im Kontext der Geschichte der SGN vor.

Wie alle großen naturwissenschaftlichen Archive sind auch die Senckenberg-Sammlungen ein Ergebnis jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelanger Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen und ehrenamtlich tätigen Fachleuten. Vor allem in den ersten hundert Jahren des Bestehens der Gesellschaft stützte sich die wissenschaftliche und kuratorische Bearbeitung der Sammlungen fast ausschließlich auf ehrenamtlich arbeitende Bürgerwissenschaftler*innen: Wer waren diese Menschen und wie trugen sie zur Forschung und zu den Sammlungen von Senckenberg bei? Der Vortrag stellt Sammler, Forscher und Künstler*innen aus zwei Jahrhunderten vor und gibt dabei einen Einblick in deren Leben und Wirken für Senckenberg.

Der Biologe Christian Printzen forscht seit über 30 Jahren an Flechten. Er leitet die Sektion „Kryptogamen“ am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt, hat in diesem Kontext schon mehrere Citizen Science-Projekte initiiert und setzt sich sehr dafür ein, allen hier Aktiven den Zugang auch zu neuesten Forschungsmethoden zu ermöglichen.

Vortrag: Bürgerliches Engagement und die Sammlungen Senckenbergs – Eine kleine Geschichte in Lebensbildern

Referent: Dr. Christian Printzen (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung)

Datum: Mittwoch, 25. Mai, 19:15 Uhr

Aufgrund der weiterhin hohen Inzidenzen finden die Vorträge bis auf Weiteres online statt. Sie können per Livestream unter www.senckenberg.de/live (ohne Kommentarmöglichkeit) oder über den Kanal www.youtube.com/SenckenbergWorld (mit Kommentarmöglichkeit über die Chatfunktion) mitverfolgt werden. Wer virtuell mit den Referent*innen diskutieren möchte, meldet sich über den Anmeldelink im Senckenberg-Veranstaltungskalender an und erhält dann die Zugangsdaten für die Zoom-Veranstaltung.

Anmeldung und Informationen zu den Vorträgen, Referent*innen und Themen unter:
www.senckenberg.de/heuteschongeforscht

Neue digitale Senckenberg-Vortragsreihe ab 27.4.22: Heute schon geforscht? Mit Citizen Science gemeinsam Wissen schaffen

Neue digitale Senckenberg-Vortragsreihe beginnt am 27. April mit dem Auftaktvortrags „Transformation gemeinsam gestalten: Was kann Bürgerforschung dazu beitragen“

Frankfurt am Main, den 22.04.2021. Schon seit der Gründung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung vor über 200 Jahren ist die Bürger*innenforschung, heute „Citizen Science“, eine tragende Säule ihrer Forschung. Citizen Scientists leisten weltweit einen zunehmend wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Erforschung globaler Herausforderungen, wie den Klimawandel oder den Biodiversitätsverlust. Die neue Senckenberg-Vortragsreihe „Heute schon geforscht? Mit Citizen Science gemeinsam Wissen schaffen“ stellt an sechs Abenden anhand verschiedener Projekte und Beteiligungsmöglichkeiten die Bandbreite und das große Potenzial der Bürger*innenforschung vor.

Gemeinsam Forschen – das ist das Ziel von Citizen Science. Nicht nur bei Senckenberg ist die Mitwirkung engagierter Bürger*innen eine wichtige Säule der Wissenschaft: Rund um den Globus werden von Citizen Scientists beispielsweise Daten gesammelt, die Wissenschaftler*innen selbst gar nicht in der Fülle erheben könnten. Das eigene Wissen und die Perspektiven der Beteiligten runden die Zusammenarbeit ab. Früher wie heute verbindet die Neugier auf die Welt und das Interesse, sie gemeinsam zu erforschen und zu schützen. Bürgerwissenschaftler*innen sind großartige Multiplikator*innen: Citizen Science ist daher ein wichtiges Element für einen wirksamen Transfer von Forschungsthemen und -ergebnissen in die Gesellschaft. Ob beim Beobachten von Insekten, Dokumentieren von Landschaftsveränderungen oder Digitalisieren von Sammlungseinträgen – jede*r kann die Forschung unterstützen. Da Projekte auch oft eine Praxiskomponente haben, werden auch immer häufiger spürbare Veränderungen angestoßen. Fest steht zudem, dass die aktive Beteiligung am Forschungsprozess äußerst befriedigend sein kann, die eigene Neugier zu stillen hilft und sogar glücklich macht! Zudem verstärkt das gemeinsame Forschen das Bewusstsein die großen Herausforderungen unserer Zeit im Miteinander zu bewältigen. Durch konkrete Zusammenarbeit von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik können so evidenzbasierte Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft gefunden werden.

Die Vortragsreihe rückt die Bürger*innenforschung in den Fokus und stellt anhand verschiedener Projekte und Beteiligungsmöglichkeiten ihre Bandbreite und ihr großes Potenzial vor

Auftaktvortrag: Transformation gemeinsam gestalten: Was kann Bürgerforschung dazu beitragen

Referentinnen: Prof. Dr. Aletta Bonn (UFZ/FSU/iDiv), Dr. Thora Herrmann (UFZ/iDiv), Julia von Gönner (UFZ/FSU/iDiv), Dr. Birte Peters (UFZ/iDiv), Josefine Kirchner (UFZ/FSU/iDiv).

Datum: Mittwoch, 27. April, 19:15 Uhr

Anhand konkreter Beispiele gibt der Vortrag einen Einblick in die Vielfalt von Citizen Science-Projekten in Deutschland und stellt die Citizen Science-Strategie 2030 für Deutschland vor. Diese setzt sich mit den größten Herausforderungen und Potenzialen von Citizen Science in den nächsten zehn Jahren auseinander. Die Handlungsempfehlungen zeigen, wie Bürger*innenforschung in Deutschland weiterentwickelt und dauerhaft in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik verankert werden kann. Die Strategie wurde in einem zweijährigen bottom-up-Prozess mit 219 Akteur*innen aus 136 Organisationen, Vereinen, Museen und Forschungsinstitutionen erarbeitet. Das vortragende Team gehört der Arbeitsgruppe „Ökosystemleistungen“ von Prof. Dr. Aletta Bonn (Friedrich-Schiller-Universität Jena, FSU) am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung-UFZ und am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) an. Aletta Bonn leitet zudem das Programm „BürGer schaffen Wissen“ (GEWISS) und den Weißbuch-Prozess zur Citizen-Science-Strategie 2030 für Deutschland, die am 29. April 2022 öffentlich vorgestellt wird. Ihre Arbeitsgruppe führt eine Vielzahl von Citizen-Science-Projekten durch, u.a. VielFalterGarten, MikroSafari, Insektenmobil, Pflanze KlimaKultur! und sMon.

Aufgrund der weiterhin hohen Corona-Inzidenzen finden die Vorträge bis auf Weiteres rein virtuell statt. Sie können per Livestream unter www.senckenberg.de/live (ohne Kommentarmöglichkeit) oder über den Kanal www.youtube.com/SenckenbergWorld (mit Kommentar-möglichkeit über die Chatfunktion) mitverfolgt werden. Wer virtuell mit den Referent*innen diskutieren möchte, meldet sich über den Anmeldelink im Senckenberg-Veranstaltungskalender an und erhält dann die Zugangsdaten für die Zoom-Veranstaltung.

Anmeldung und Informationen zu den Vorträgen, Referent*innen und Themen unter: www.senckenberg.de/heuteschongeforscht

Rockende Fossilien Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zeigt vom 9. April bis 4. September 2022 die Ausstellung „Rock Fossils on Tour“


Frankfurt, 08.04.2022. „Rock meets Rock!“ – Rockmusik trifft auf Erdgeschichte. Paläontolog*innen forschen nicht nur an versteinerten Lebewesen, einige von ihnen sind auch große Rock-Musik-Fans. Um ihre Idole zu ehren, benennen sie hin und wieder wissenschaftliche Funde nach Bands und Musiker*innen. Wissenschaftlich und didaktisch spannend aufbereitet präsentiert die Ausstellung „Rock Fossils on Tour“ dreidimensionale realistische Modelle von Fossilien, die nach Bands oder Rockstars benannt sind: Sid Vicious, „Lemmy“ Kilmister, Mick Jagger, Frank Zappa, King Diamond, Alissa White-Gluz und viele andere. Die Exponate reichen von fein gearbeiteten lebensechten Modellen bis hin zu einer 2 Meter breiten Fossilien-Couch. 14 Stationen laden zum Bestaunen der bizarren und gleichzeitig ästhetischen „Rock Fossils“ ein. An Hörstationen gibt es die Musik der namensgebenden Bands auf die Ohren und Kinder können auf Trilobiten-Bikes um die Mammuts im Saal der Wale und Elefanten kurven. Prominenten Zuwachs erhält die Ausstellung in Frankfurt durch ein Fossil namens Ophiura tankardi. Es wurde erst kürzlich von Forschenden aus Luxemburg nach der Frankfurter Thrash-Metal-Band Tankard benannt.

„Wir möchten das Museum zum Klingen bringen!“, so Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen. „Nach Beendigung unseres Jubiläumsjahres und vor der Eröffnung der „Aha!? Forschungswerkstatt“ im Juni haben wir daher diese besondere Sonderausstellung über Fossilien und Rockmusik in unser Museum eingeladen“, fährt sie fort. „In unserer Forschung gewinnen wir durch den Blick in die Vergangenheit, also durch das Erforschen von Fossilien und ihrer Umweltbedingungen, wichtige Erkenntnisse für unsere Gegenwart und Zukunft“, ergänzt Prof. Dr. Andreas Mulch, Geologe und Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt. „Mit dieser Ausstellung wird auf ganz besondere Weise ein Bezug von den Fossilien zur Gegenwart hergestellt – durch die Verbindung von Paläontologie und Rockmusik“, so Mulch.

Auf der Erde gab und gibt es viele Millionen Tier-, Pflanzen-, Bakterien- und Pilzarten. Um diese Vielfalt erforschen zu können, brauchen Arten einen Namen. Der Schwede Carl von Linné entwickelte im 18. Jahrhundert ein System zur wissenschaftlichen Benennung der Arten. In seinem bahnbrechenden Werk „Systema Naturae“ aus dem Jahr 1735 sind lebende und fossile Organismen erstmals mit einem zweiteiligen Namen aus Gattung und Art bezeichnet. Diese ‚Binäre Nomenklatur‘ gilt noch heute.

Die Ausstellung „Rock Fossils on Tour“ präsentiert nun Modelle von in jeder Hinsicht bemerkenswerten Fossilien, die nach Rockstars benannt wurden: Qiliania graffini etwa ehrt Dr. Greg Graffin, den Mitbegründer der Band Bad Religion, der selbst ein Evolutionsbiologe ist. Es handelt sich dabei um eine neue Art aus der Gruppe der Enantiornithes – ausgestorbene Vögel, die noch Zähne besaßen. Die Trilobitenart Arcticalymene viciousi wurde nach Sid Vicious, Bassist der britischen Punkrockband Sex Pistols benannt. Im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte haben Trilobiten eine verblüffende Vielfalt entwickelt, die chaotisch erscheinen mag. Paläontolog*innen bemühen sich, dieses Chaos zu ordnen.

Paläontologie und Rockmusik eint die Faszination für das Verborgene, das Extreme und die Komplexität unserer Existenz. Die Ausstellung rückt die heimliche Liebe zwischen harter Musik und der Wissenschaft von den Fossilien in das Rampenlicht. Dr. Achim Reisdorf vom Rock Fossils-Team betont: „Es ist uns wichtig, mit unserer Ausstellung nicht nur Forschende als Musikfans in den Fokus zu rücken, sondern auch neue Zielgruppen anzusprechen. Durch die Verbindung von Rockmusik und Wissenschaft haben wir eine weltweite Aufmerksamkeit für die Forschung erzielt“.

Auch Senckenberg-Wissenschaftler haben bereits neue Arten nach ihren Idolen aus der Musikgeschichte benannt. David Bowie war Namensgeber für eine von Spinnenforscher Dr. Peter Jäger entdeckte Krabbenspinne: Heteropoda davidbowie. Dr. Torben Riehl ist Tiefseeforscher bei Senckenberg und hat 2020 eine bis dahin unbekannte Krebsart nach der Heavy Metal-Band Metallica benannt. Der augen- und farblose Assel-Krebs Macrostylis metallicola lebt zwischen wertvollen Manganknollen am abyssalen Meeresboden im nördlichen Pazifik. „Metallica haben mit ihrem Song ‚Blackened‘ schon in den 1980er Jahren vor den Gefahren von Umweltzerstörung und Biodiversitätsverlust durch den Menschen gewarnt. Mit meiner Widmung habe ich Metallica für ihre Musik gedankt und gleichzeitig auf den drohenden Tiefsee-Bergbau aufmerksam gemacht“, erklärt Riehl.

Neu zu sehen sind in Frankfurt in der Wanderausstellung der Holotyp und das Lebendmodell des Schlangensterns Ophiura tankardi. Das Fossil stammt aus dem Mainzer Becken und wurde erst kürzlich von den Forschenden Dr. Ben Thuy und Dr. Lea Numberger-Thuy, beide vom
Nationalmuseum für Naturgeschichte Luxemburg, sowie von Kai Nungesser nach der Frankfurter Thrash-Metal-Band Tankard benannt. „Als uns die Nachricht erreichte, dass ein viele Millionen altes Fossil nach uns benannt werden soll, dachten wir erst an einen verfrühten Aprilscherz“, so der Sänger Andreas „Gerre“ Geremia. „Das Rock Fossils-Team hat uns dann aber vom wissenschaftlichen Bierernst der Benennung eines 30 Millionen Jahre alten fossilen Schlangensterns nach Tankard überzeugt. Für uns ist das eine riesengroße Ehre, zumal das geologische Alter ‚ungefähr‘ hinkommt – schließlich feiern wir in diesem Jahr unser 40-jähriges Bandjubiläum. Prost, Ophiura tankardi, Du wunderschönes Sternsche!“ freut sich Geremia.

Neue Sonderausstellung „Rock Fossils on Tour“, vom 9. April bis 4. September 2022 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt am Main. Kombitickets: 12 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder und Jugendliche (6 bis 15 Jahre) sowie 30 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder). Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 9 – 17 Uhr, Mi 9 – 20 Uhr, Sa, So und Feiertage 9 – 18 Uhr.

Weitere Informationen

City Nature Challenge Gemeinsam Stadtnatur entdecken vom 29. April bis 2. Mai 2022

Frankfurt, den 31.03.2022. Während der internationalen „City Nature Challenge“ fotografieren Naturbegeisterte weltweit 4 Tage lang wilde Pflanzen und Tiere in ihren Städten und melden ihre Entdeckungen anschließend in speziellen Portalen wie beispielsweise iNaturalist. Am Ende siegt die Stadt mit den meisten Meldungen. Im vergangenen Jahr haben insgesamt 52.777 Menschen aus 419 Städten in 44 Ländern an der Challenge teilgenommen. Senckenberg organisiert in diesem Jahr die Teilnahme für die Standorte Frankfurt, Dresden und Görlitz. Im Vorfeld finden an allen drei Orten Veranstaltungen zum Kennenlernen von Tier- und Pflanzenarten statt.

Ziel der „City Nature Challenge“ ist es, mehr Bewusstsein für die biologische Vielfalt im urbanen Raum zu schaffen. Ob Moschusbock oder Purpurrote Taubnessel – unsere Parks und Grünflächen, Hecken und Sträucher sind voller Lebewesen, die häufig nur wenig Beachtung finden. Für einen Streifzug durch die Stadt reichen Smartphone oder Kamera aus – spezielle Artenkenntnisse sind für eine Teilnahme an der „City Nature Challenge“ nicht notwendig. Hier können alle mitmachen. Beim Bestimmen des Fundes unterstützen die Meldeportale entweder durch ihre Software oder durch die Community.

Für alle, die schon vorab das Entdecken und Bestimmen von Tier- und Pflanzenarten ausprobieren möchten, bietet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gemeinsam mit lokalen Partnern im April eine Vielzahl von Veranstaltungen in Dresden, Frankfurt und Görlitz an. Dazu gehören beispielsweise Exkursionen, Stadtspaziergänge oder Fotostreifzüge mit Senckenberger*innen sowie Workshops, bei denen Apps zum Melden von verschiedenen Arten vorgestellt und erprobt werden.

In Dresden etwa findet am 23. April eine abendliche Käferexkursion durch die Dresdner Heide mit Dr. Ralf Britz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden statt. Dabei dreht sich alles um die artenreiche Ordnung der Käfer und um die Fragen, wo und wie wir Käfer entdecken können und was bei ihrer Bestimmung zu beachten ist.

In Görlitz gibt es am 21. April einen Workshop zu Makro-Fotografie mit Hans-Dieter Engelmann im Museum. Winzige Tiere und kleinste Details an Pflanzen können mit Makro-Fotografie in Szene gesetzt werden. Der Workshop lädt zum gemeinsamen Ausprobieren ein und ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet.

Das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt richtet am 29. April ein „Basislager“ für Stadtnaturmelder*innen ein. Der Südhof des Museums wird zum Treffpunkt für Teilnehmende der „City Nature Challenge“. Hier gibt es Tipps zum Entdecken und Bestimmen von Tier- und Pflanzenarten und die Gelegenheit, mit anderen Citizen Scientists ins Gespräch zu kommen. Von hier aus starten gemeinsame Stadtspaziergänge mit Fokus auf Insekten und Pflanzen.

Das vollständige Begleit-Programm der drei Senckenberg-Standorte Dresden, Frankfurt und Görlitz unter:
gemeinsamforschen.senckenberg.de/city-nature-challenge-2022

Museum for Tomorrow Mehr Mitgliedschaften und hohe Besucher*innenzahlen im Jubiläumsjahr im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Frankfurt am Main, den 21. März 2022. Im vergangenen Sommer startete das 200 Jahre alte Senckenberg Naturmuseum unter dem Motto „Museum for Tomorrow“ in sein Jubiläumsjahr. Am 31. März enden nun Jubiläumsprogramm und Ausstellung. Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Klement Tockner und Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen ziehen gemeinsam Bilanz und geben einen Ausblick auf die kommenden Ausstellungen mit rockenden Fossilien und einer Forschungswerkstatt für Klein und Groß. Insgesamt freuen sie sich, dass die Besucher*innenzahlen im Jubiläumsjahr trotz Pandemie in den geöffneten Monaten hoch waren und dass sich gut 600 Menschen mehr als im Vorjahr für eine Senckenberg-Mitgliedschaft entschieden haben. Diese Zahlen geben Rückenwind für die weitere Zukunftsplanung des Museums.

Blauer Seestern, Zapfenglöckner und Triceratops zählen zu den 20 Highlight-Objekten, die während des Jubiläumsjahres in einer dezentralen Ausstellung im Museum gezeigt wurden. Sie sind auch die beliebtesten Motive aus der Plakatkampagne und wurden am häufigsten mit nach Hause genommen. Insgesamt verschenkte Senckenberg etwa 140.000 Plakate als Geburtstagsgeschenk an die Besucher*innen. Zudem standen zahlreiche Führungen und eine vielseitige Vortragsreihe über die Praxis von Museen auf dem Jubiläumsprogramm. Zu den prägenden Ereignissen des Jahres zählten die Eröffnung des neuen Ausstellungsraums „Korallenriff“ und die zweite Grabungssaison der Ausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“. Obwohl das Museum in den ersten 5 Monaten bis auf wenige Wochen pandemiebedingt geschlossen blieb, besuchten 2021 insgesamt 220.740 Menschen das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt. In den geöffneten Monaten war der im Rahmen der geltenden Corona-Regeln mögliche Zuwachs der Besucher*innenzahlen im Haus deutlich zu spüren.

Ein erster Blick auf die eingereichten Ideen aus der Mitmach-Station des Jubiläumsjahres zeigt, dass die Besucher*innen sich verstärkt partizipative Formate im Museum wünschen. „Das bestätigt uns in unserem Ansatz, zunehmend dialogisch gestaltete Räume zu entwickeln und das Museum auch als ein Labor und als ein Forum zu begreifen“, freut sich Brigitte Franzen. „Wir verstehen unsere Forschungsmuseen als Vertrauensorte, die Lust auf Wissenschaft machen und Neugierde und Begeisterung wecken“, erklärt Klement Tockner und ergänzt: „Die merklich wachsende gesellschaftliche Bedeutung der Wissenschaft in den letzten 2 Jahren führt auch zu einem größeren Interesse an der Frage, wie Wissenschaft eigentlich funktioniert – und genau das möchten wir in unseren Museen vermitteln und erlebbar machen. Wir freuen uns, dass dieser Ansatz so gut angenommen wird und dass die Menschen es genießen, nach den Zeiten der Einschränkungen unser Museum zu besuchen.“

Als nächstes eröffnet Senckenberg die Sonderausstellung „Rock Fossils on Tour“ am 8. April im Naturmuseum. Um ihre Idole zu ehren, benennen die Rockmusik-Fans unter den Paläontolog*innen hin und wieder wissenschaftliche Funde nach Bands und Musiker*innen. Die neue Ausstellung präsentiert realistische Modelle von Fossilien – benannt nach dem „Who is Who“ der Musikwelt.

Ein Highlight dieses Jahres wird die Eröffnung der „Aha!?-Forschungswerkstatt“ am 24. Juni sein. „Dieser Ausstellungsbereich lädt zum Mitforschen, Mitmachen und Mitentdecken ein – ein Ort, an dem Besucher*innen in verschiedenen Formaten mit unseren Wissenschaftler*innen in den Austausch treten können,“ erläutert Franzen. Auch das für den Herbst geplante Ausstellungsmodul „Temporäre Permanenz“ in der Ausstellung Korallenriff setzt auf eine neue Vermittlungsebene von Wissenschaft und Gesellschaft. In einer besonderen Ausstellungssituation, ähnlich einem Kiosk, werden aktuelle Themenfelder eines Ausstellungsbereichs aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet: aus dem Blick der Gesellschaft, der Kunst und der Wissenschaft.

Ab dem 21. Oktober zeigt Senckenberg die Ausstellung „Klimawissen schaffen – Was die Vergangenheit über die Zukunft weiß“, die sich ebenfalls mit dem Prozess des Forschens auseinander setzt. Ökosysteme der Kreidezeit und des Eozäns sind für die Forschung heute Beispiele für die Reaktion der Natur auf Hoch-CO2-Klimata. Im Rahmen von 12 Forschungsprojekten erforschen Wissenschaftler*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt die Auswirkungen dieser kohlendioxidreichen Erdzeiten an Land und im Meer und liefern Modellierungen für zukünftige Klima-Szenarien. Diese Ergebnisse werden mit Fokus auf die Klimaveränderungen der Gegenwart in der Ausstellung vorgestellt.

Das Interesse, sich bei Senckenberg einzubringen und auch an Citizen Science-Projekten mitzuarbeiten ist im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. 2021 erhöhte sich die Zahl der Mitgliedschaften – unter anderem durch eine Sommerferienaktion der Mitgliederbetreuung – auf 7.458 Mitglieder (648 mehr als im Vorjahr) und es beteiligten sich 5.789 Bürger*innen in 25 Citizen-Science-Projekten. „Partizipative und transdisziplinäre Formate sind von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Natur und Kultur zusammen zu denken ist dabei zentral und findet sich auch schon in unserem Namen ‚Naturmuseum‘“, so Franzen. „Zu sehen, dass diese Ansätze so gut bei unseren Besucher*innen ankommen, inspiriert uns bei der Planung unseres ‚Museum for Tomorrow‘ und bei den Plänen für die Erweiterung und Modernisierung unseres Museums“, schließt Tockner.

Senckenberg-Vortragsreihe: „Forschendes Kuratieren“ oder: Was passiert im Museum? – Digitaler Vortrag mit Museumsdirektorin Dr. Brigitte Franzen am 2. Februar

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Frankfurt, den 27.01.2022. Der Begriff „Kuratieren“ wird heute sehr breit verwendet. Ob Modemagazine oder Musikprogramme, alles wird „kuratiert“. Was bedeutet das für die Museen, die den Begriff aus dem Angelsächsischen in den vergangenen Jahrzehnten für das Ausstellungsmachen adaptiert haben? Was ist in diesem Zusammenhang „forschendes Kuratieren“, ein Begriff, den die Vortragende Dr. Brigitte Franzen für die Arbeit in Museen entwickelt hat? Die Direktorin des Senckenberg Naturmuseums erläutert dies im nächsten Vortrag der Senckenberg-Reihe „Museum for Tomorrow: Die Praxis der Museen“.

Der Schlüssel zum musealen Ausstellungsmachen ist in allen Museumssparten – vor allem aber in einem Naturmuseum – die faktenbasierte Forschung. Immer ist die Glaubhaftigkeit der Inhalte abhängig von den Forschungsfragestellungen und ihrem Verhältnis zu den Ausstellungsobjekten. Die Tätigkeit der Ausstellungsmacher*innen ist per se transdisziplinär angelegt, u.a. weil die Ebene des „Sichtbarmachens“ eine zentrale Rolle spielt. Ausstellungen konzipieren ist Raum-, Forschungs-, Gestaltungs-, Text- und Vermittlungsarbeit sowie vieles mehr. Mit dem Konzept des integrierten Forschungsmuseums definiert Senckenberg diese Verhältnisse gerade – gemeinsam mit sieben weiteren Leibniz-Forschungsmuseen – neu. Dabei geht es u.a. darum, wissenschaftliche Zukunftsthemen, wie die Biodiversitätsforschung, die Thematik des Anthropozäns, die Klimaforschung oder die Geschichte und Zukunft des Lebens auf unserem Planeten, multidimensional wissenschaftlich-kuratorisch so zu erschließen, dass daraus komplexe, verständliche neue Wissensräume werden. Der Anspruch ist, diese sinnlich und kommunikativ genauso erfahrbar zu machen, wie gedankliche Vertiefung zu ermöglichen. Museen werden so zu innovativen Kommunikationszentren zwischen Kultur und Wissenschaft, die einen vielfältigen Dialog mit der Gesellschaft ermöglichen und wichtige Plattformen für die Reflexion wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber auch kultureller Konstruktionen – beispielsweise von der Natur – sind.

Die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Brigitte Franzen ist Direktorin des Naturmuseums am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Zuvor war sie Alleinvorstand der international tätigen Peter und Irene Ludwig Stiftung. Einer ihrer wissenschaftlichen Schwerpunkte ist die Ideen- und Kulturgeschichte der Natur. Brigitte Franzen hat in ihrer Laufbahn rund 100 Ausstellungsprojekte verantwortet.

Vortrag: „Forschendes Kuratieren“ oder: Was passiert im Museum?
Referentin: Dr. Brigitte Franzen (Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt)
Datum: Mittwoch, 2. Februar, 19:15 Uhr

Aufgrund der Covid-19-Pandemie finden die Vorträge bis auf Weiteres rein virtuell statt. Sie können per Livestream unter www.senckenberg.de/live (ohne Kommentarmöglichkeit) oder über den Kanal www.youtube.com/SenckenbergWorld (mit Kommentar-möglichkeit über die Chatfunktion) mitverfolgt werden. Wer virtuell mit den Referent*innen diskutieren möchte, meldet sich über den Anmeldelink im Senckenberg-Veranstaltungskalender an und erhält dann die Zugangsdaten für die Zoom-Veranstaltung.

Informationen zu den Vorträgen, Referent*innen und Themen unter: https://www.senckenberg.de/Vortragsreihe-Museum

Die Vortragsreihe wird im Rahmen des Aktionsplans „Eine Welt in Bewegung“ der Leibniz-Forschungsmuseen veranstaltet.