Bischof der Herzen, Kardinal Lehmann, ist mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille im Wiesbadener Schloss Biebrich geehrt worden

Langjähriger Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann von Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit höchster hessischer Auszeichnung, der Wilhelm-Leuschner-Medaille, geehrt. Foto: Heike v. Goddenthow
Langjähriger Mainzer Bischof Karl Kardinal  Lehmann von Ministerpräsidenten Volker Bouffier mit höchster hessischer Auszeichnung, der Wilhelm-Leuschner-Medaille, geehrt. Foto: Heike v. Goddenthow

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal  Lehmann ist während eines Festaktes am 30. November 2016 mit der Wilhelm Leuschner-Medaille ausgezeichnet worden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der auch die Laudatio hielt, überreichte Lehmann die höchste Auszeichnung des Landes Hessens im Wiesbadener Biebricher Schloss.

Bouffier  würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als  einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Wörtlich sagte der Hessische Ministerpräsident: „Sie haben die Fähigkeit zu verbinden und sowohl menschlich als auch intellektuell Gegensätze zu überwinden. Ihnen ist es gelungen, ein Mittler zwischen der Wissenschaft und dem Glauben, der katholischen und der evangelischen Kirche, zwischen den christlichen und nichtchristlichen Religionen, zwischen Gesellschaft und Politik, ja sogar zwischen Kirche und Sport“, sagte der Ministerpräsident in seiner Laudatio im Wiesbadener Schloss Biebrich. „Sie sind ein Mann unserer Zeit und waren als Bischof von Mainz eine Idealbesetzung. Die Menschen in und um Hessen haben ‚ihren Karl‘ tief ins Herz geschlossen und Ihre Arbeit sehr geschätzt.“

Ministerpräsident Bouffier  würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als  einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Foto: Heike v. Goddenthow
Ministerpräsident Bouffier würdigte Lehmann als „Idealbesetzung im Amt des Bischofs“ ,als einen „herausragenden Brückenbauer“ und als einen „Mittler zwischen den Welten“. Foto: Heike v. Goddenthow

In Anspielung auf das auf Georg August Zinn  zurückgehende Zitat „Hesse ist, wer Hesse sein will“, sei auch Lehmann ein Hesse, selbst wenn er bekennender Mainzer sei, so Bouffier. Immerhin befänden sich  zwei Drittel des Mainzer Bistums auf hessischer Seite. So  war Kardinal Lehmann als Bischof von Mainz auch für den größten Teil der in Hessen lebenden Katholiken das geistliche Oberhaupt. „Karl Kardinal Lehmann war wie kein anderer in mehr als drei Jahrzehnten, fast 33 Jahren, der Repräsentant des Katholizismus in der Diözese Mainz. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. An seinem 80. Geburtstag trat er im Mai als Bischof von Mainz zurück. Durch sein fundiertes theologisches Wissen und seine mitmenschliche Ausstrahlung hat er dem Bistum und seinen Gläubigen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus eine geachtete Stimme verliehen. Kardinal Lehmann war und ist für gesellschaftliche und politische Fragen stets ein wichtiger und allseits geschätzter Ratgeber. Er war ein beliebter Verwalter und Gestalter eines jahrtausendealten Erbes. Für sein Lebenswerk bei der Erneuerung der Kirche und den gelebten Geist der Ökumene erhält Kardinal Lehmann die höchste Auszeichnung des Landes Hessen“, sagte der Ministerpräsident.

Volker Bouffier hob in seiner Laudatio Kardinal Lehmanns Standfestigkeit in Glaubensfragen hervor. Als Sprecher der deutschen Bischöfe habe Lehmann mit Entschiedenheit und großem Engagement die Interessen der deutschen Katholiken auch immer wieder vor dem Vatikan vertreten.

„Sie haben den Menschen auch außerhalb der katholischen Kirche Ihre Hand gereicht und sich mit Einfühlungsvermögen, Kraft und Beharrlichkeit für das Miteinander eingesetzt. Das Zusammenführende von katholischer und evangelischer Kirche war immer Triebfeder, um sich mit Beharrlichkeit für die Gemeinsamkeiten der Christen im Glauben einzusetzen. Ihr Wort war stets geschätzt und hat auch weiterhin für die Katholiken in Hessen, in Deutschland, und für unsere gesamte Gesellschaft Gewicht. So wurden Sie zum Gesicht einer menschenfreundlichen Kirche“, sagte Regierungschef Volker Bouffier und betonte, dass Lehmann stets zum wertschätzenden Miteinander eintreten sei, das Gemeinsame unter Menschen zu suchen, ohne das Trennende zu missachten. Lehmann sei ein „Glücksfall“ für sein Bistum und sein Land gewesen.

Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Bischof em. von Mainz: "Ich verstehe die Verleihung der Medaille als Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“  Foto: Diether v. Goddenthow
Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Bischof em. von Mainz: „Ich verstehe die Verleihung der Medaille als Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“ Foto: Diether v. Goddenthow

In seinem Dankwort sagte Kardinal Lehmann, die Verleihung als „Dank für die Anerkennung meines Dienstes für die Demokratie und das Gespräch zwischen Staat und Kirche“ zu verstehen. Er wolle sich für die „Art und Weise des Umgangs miteinander im politischen Geschäft und zumal mit den Kirchen und Religionen“ bedanken. „Es gibt in diesem Land klare Konturen der einzelnen Parteien und der verantwortlichen Persönlichkeiten, auch gelegentlichen Streit und – gar nicht so selten – ein erstaunliches, geradezu friedliches Miteinander. Dies ist gewiss nicht alle Tage so. Aber ich meine darin doch etwas von den bleibenden Errungenschaften der Widerstandskämpfer für uns und – wie es schon in der Gründungsurkunde des Preises heißt – vom Geist Wilhelm Leuschners‘ zu erkennen“, betonte der Kardinal.

Dem Lande Hessen sei er seit 1983 in besonderer Weise verbunden, sagte Lehmann: „Weit über zwei Drittel der katholischen Christen im Bistum Mainz, für die ich 33 Jahre Bischof sein durfte, leben in Hessen. Ich lernte Land und Leute schätzen und nicht selten lieben. Dies gilt besonders auch für die wirtschaftlichen und sozialen, die kulturellen und wissenschaftlichen Beiträge von vielen Frauen und Männern.“

Kardinal Lehrmann ist der 226. Träger der Wilhelm Leushcner-Medaille, die der  ehemalige Ministerpräsident Georg August Zinn am 29. September 1964 anlässlich des 20. Todestages Wilhelm Leuschners stiftete. Wilhelm Leuschner war von 1928 bis 1933 hessischer Innenminister. Leuschner zählte zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Leuschner zum Tode verurteilt und am 29. September 1944 hingerichtet. Die nach ihm benannte Medaille wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich beispielhaft für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben. Die Medaille wird seit 1965 verliehen. Zu den Trägern der Medaille gehören etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Philosoph Jürgen Habermas und der vor drei Jahren verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Die Ehrung markiert den  Auftakt der  Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Landes, der am 30. November und 1. Dezember mit vielen Programmpunkten in der Landeshauptstadt gefeiert wird.

 

 

„Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt

Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016 Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.
Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016
Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.

Die Ausstellung „Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ist eine Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank. Sie findet im Rahmen der EUROPA-KULTURTAGE der EZB-Deutschland 2016 statt.

Florian Hecker (*1975) hat in den vergangenen Jahren ein einzigartiges Werk geschaffen, das international bereits mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Performances und Konzerten gewürdigt wurde. „Auf konsequente Weise verbindet er in seiner Arbeit die Bereiche der bildenden Kunst, Musik und Performance, um etablierte Grenzen aufzuheben und neue Ausdrucksformen und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit dieser Arbeitsweise passt Florian Hecker sehr gut in das Programm des MMK, in dem wir einen transmedialen Ansatz verfolgen“, sagt Prof. Dr. Susanne Gaensheimer.

Die Ausstellung im MMK 3 zeigt 15 bestehende und zwei neue Arbeiten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2016. Im Hauptraum des MMK 3 hat der Künstler 16 Werke raumspezifisch arrangiert, die über die Dauer eines gesamten Ausstellungstages, in minutiös gesetzten Choreografien, inszeniert sind. Parallel dazu wird die Arbeit „Modulator“ (2012) in einem eingebauten Raum im Erdgeschoss gezeigt.
Florian Hecker arbeitet mit synthetischem Klang, der durch Prozesse digitaler wie elektroakustischer Signalverarbeitung generiert wird. Kompositionsentwicklungen der Nachkriegsmoderne und Wissen aus Audiologie und Psychoakustik dienen ihm als Ausgangspunkte für sein abstraktes wie materielles Werk. Das modulare Lautsprechersystem ist eine skulpturale Intervention im Ausstellungsraum und zugleich eine funktionale Wiedergabeapparatur. Die Lautsprecher sind als materielle Bestandteile präsent und werden vom Künstler in der Architektur des Ausstellungsraums bewusst positioniert.

Hecker arrangiert komplexe Stücke als mehrkanalige Installationen, die den Besuchern im MMK 3 begegnen und ihnen ganz subjektive Erfahrungen ermöglichen. Sie sind in stringenter Nüchternheit angelegte und mehrdimensional inszenierte Kompositionen. Die Besucher erfahren dabei am eigenen Körper, wie die individuelle Wahrnehmung vom Zusammenspiel der akustischen Resonanz, dem Klangobjekt und dem eigenen Empfinden abhängt. Durch das aktive Hören werden psychische und physische Vorgänge ausgelöst.

Für die Ausstellung im MMK 3 konzentriert sich Hecker auf eine Auswahl von Werken, für die die Konzepte der Synthese, Analyse und Resynthese zentral sind. Klang wird dabei auf der Grundlage seiner qualitativen und quantitativen Eigenschaften analysiert, formalisiert und anschließend reproduziert. So entstehen Reproduktionen kompletter Arbeiten oder synthetische Replika vereinzelter Sound-Charaktere, aus denen der Künstler seine Stücke kreiert. In „Synthetic Hinge“, eine eigens für die Ausstellung im MMK 3 produzierte Arbeit, sind neben dem computergenerierten Ton auch die Sprecherstimmen in Avatare gewandelt worden. Eine weitere neue Arbeit „Modulator (Scattering Transform)“ (2016) folgt dieser Verfahrensweise durch eine 14-stufige Resynthese der bestehenden Arbeit „Modulator“ (2012) und bietet eine entsprechende Vervielfachung des Verständnisses von Klangfarbe.

„Neben dieser Verarbeitung von Sound zur veränderten Wahrnehmung ist auch die psycho-physische Dimension, die Art und Weise, wie Sound sinnlich rezipiert und neurologisch verarbeitet wird, ein Kernthema in Heckers Schaffen. Die Wahrnehmung von akustischen Werken ist subjektiv und abhängig von dem physischen Standort des Rezipienten, der akustischen sowie visuellen Perspektive, von persönlichen Neigungen, der Aufmerksamkeit und den Bezugspunkten, die in ihm individuelle Assoziationen auslösen“, so Anna Goetz, Kuratorin der Ausstellung.
Viele von Heckers neueren Arbeiten sind in dreifachen Symmetrien angelegt, so beispielsweise „2×3 Channel“ (2009), „Affordance“ (2013) oder „Hecker Leckey Sound Voice Chimera“ (2011). Bewusst wird der Rezipient dabei von Hecker mit drei inhaltlich differenzierten, wie räumlich versetzten Soundquellen konfrontiert und so dazu animiert, sich durch den Raum zu bewegen und bereits Gehörtes zu erinnern, denn nur in dieser Parallelität ist das Stück als Ganzes zu erfassen.

In seinen Installationen, Performances und Tonträger-Veröffentlichungen widmet sich Florian Hecker den Grenzen und Möglichkeiten der Produktion und Aufnahme von Klang. Er fordert die Erwartungshaltung und die Wahrnehmungsgewohnheit im Kontext zeitgenössischer Kunstrezeption heraus, indem er durch artifizielle Klangobjekte, Fragen zu Performance, Konzeptkunst und Skulptur dramatisiert, abstrahiert und reformuliert.

Aufgrund seiner bedeutenden Rolle in der Technokultur und der elektronischen Musik bildet Frankfurt den idealen Ort für die Arbeit von Florian Hecker. Bereits 2010 entwickelte er für die Ausstellung „Radical Conceptual“ im MMK 1 die Arbeit „Event, Stream, Object“, die im Anschluss für die Sammlung erworben wurde.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung kooperiert das MMK mit der Alten Oper Frankfurt: Gemeinsam wurde die neue Arbeit FAVN (2016) produziert, die im Vorfeld der Ausstellung im Großen Saal der Alten Oper aufgeführt wurde. Zusätzlich wird am 25. Januar 2017 in der Ausstellung im MMK 3 ein Abend mit Konzerten von François J. Bonnet und Alberto de Campo stattfinden. Im Anschluß spricht Robin Mackay zu der Arbeit von Florian Hecker.

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit Culturgest, Porto.
Das Programm im MMK 3 wird ermöglicht durch die Jürgen Ponto-Stiftung.

Die Produktion der Displaysysteme wurde unterstützt von der Firma ARNOLD AG und die akustische Raumausstattung von „Modulator“ (2012) wird ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Firma Kvadrat, Soft Cells.

Publikation:
Anlässlich der Ausstellung entsteht in Kooperation mit Culturgest, Porto eine umfangreiche Publikation, die Textbeiträgen von Éric Alliez, Ina Blom, François J. Bonnet, Gabriel Catren, Diedrich Diederichsen, Christopher Haworth, Robin Mackay, Sarat Maharaj, Reza Negarestani, Michael Newman und Fernando Zalamea zum Werk von Florian Hecker versammelt. (Koenig Books, London, 25 €).

Veranstaltungen im Gutenberg-Museumvom 28.11. bis 04.12.2016

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Veranstaltungen, die vom 28.11. bis 04.12.2016  im Gutenberg-Museum stattfinden. 

Montag, 28.11.2016, 9.00-17.00 Uhr 

Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen. Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de) 

Dienstag, 29.11.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Mittwoch, 30.11.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Donnerstag, 01.12.2016, 9.00-17.00 Uhr 
Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums 
für Kleingruppen. Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)

Donnerstag, 01.12.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Freitag, 02.02.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 


Freitag, 02.12.2016, 13.30-17.00 Uhr 

Drucken und Setzen im Druckladen des Gutenberg-Museums für Kleingruppen 
Setzen mit Holzlettern, Drucken der Motive im Hochdruck, Anwenden des Frottageverfahrens. Weitere Projekte nach Absprache. Kosten: Werkstattbeitrag (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de)
 

Samstag, 03.12.2016, 10.00, 11.00, 12.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse 

Samstag, 03.12.2016, 10.00-15.00 Uhr 
Futura Workshop „Kartendruck“. Wir stellen mit FUTURA-Schriften Karten mit Satz, Form und Farbe her. Werkstattbeitrag 5/4/3 Euro. Anm. erwünscht, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de 

Samstag, 03.12.2016, 10.00-15.00 Uhr   
Offene Werkstatt im Druckladen des Gutenberg-Museums 
für Einzelpersonen und Kleingruppen mit max. 5 Teilnehmern. Drucken von eigenen oder vorhandenen Motiven, Setzen mit Holzlettern. Sondermaterialien auf Anfrage. Kosten: Werkstattbeitrag 

Samstag, 03.12.2016, 13.30-16.30 Uhr 
Nachlass von großen und kleinen Sünden: Druckvorführung von Ablassbriefen. 

Samstag, 03.12.2016, 14.00 Uhr   
Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung mit den Gästeführern der Stadt Mainz. Führung 5 Euro/erm. 4 Euro/Kinder 2,50 Euro (zzgl. Eintritt) 

Sonntag, 04.12.2016, 11.30-14.30 Uhr 
Offener Workshop „Weihnachtliches Papierfalten/Origami“ für Kinder ab 7 Jahre und Erwachsene, im Museumsfoyer, Voranmeldung erwünscht, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de. Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro Werkstattbeitrag. 

Sonntag, 04.12.2016, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr 
Druckvorführung an der Gutenberg-Presse (15 Uhr im Rahmen der Kinderführung) 

Sonntag, 04.12.2016, 13.00 Uhr   

Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung mit  den Gästeführern der Stadt Mainz. Führung 5 Euro/erm. 4 Euro/Kinder 2,50 Euro (zzgl. Eintritt) 

Sonntag, 04.12.2016, 15.00-17.00 Uhr 
Familiennachmittag. Von tanzenden Buchstaben und bunten Blättern – Spannende Kinderführung
 von A bis Z mit Druckerschwärze und zauberhaften Büchern im Reich der schwarzen Kunst.  Für Kinder ab 4 Jahre und ihre Eltern. Treffpunkt 15 Uhr an der Museumskasse | Mobile Druckwerkstatt: Drucken im Foyer des Gutenberg-Museums. Teilnahmebeitrag 4 Euro pro Kind (Führung und Drucken), erm. Eintritt 3,50 Euro für Eltern und begleitende Angehörige 

Von Montag bis Freitag zwischen 9.00-17.00 Uhr 
Einzelbetreuung und Druckaufträge im Druckladen des Gutenberg-Museums 
Erstellen privater Drucksachen unter fachkundiger Hilfe. Entgegennahme von Aufträgen nach persönlicher Absprache (Voranmeldung erforderlich, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de) 

Gutenberg-Museum
Postfach 38 20
55116 Mainz
Liebfrauenplatz 5

Rund 300 Rheinhessen Mal-und Rätselbücher für Ingelheimer Grundschule

Vorstandsvorsitzender Peter E. Eckes (links) und Konrektor Lars Strömel (rechts) erkunden gemeinsam mit den Schülern das Rheinhessen Mal- und Rätselbuch
Vorstandsvorsitzender Peter E. Eckes (links) und Konrektor Lars Strömel (rechts) erkunden gemeinsam mit den Schülern das Rheinhessen Mal- und Rätselbuch

11 Klassensätze des Rheinhessen Mal- und Rätselbuchs überreichte Peter E. Eckes, Förderer der Region Rheinhessen, am vergangenen Freitag der 2A der Brüder-Grimm-Schule (BGS) in Ingelheim. Konrektor und Kunstlehrer Lars Strömel war begeistert von dem kostenfreien Angebot, das der Vorstandsvorsitzende von Rheinhessen Marketing e.V. der Schule gemacht hatte. „Das Mal- und Rätselbuch ist so aufgebaut, dass es im Unterricht in allen Klassenstufen von eins bis vier bearbeitet werden kann. Im Januar wird in der vierten Stufe das Thema Rheinland-Pfalz und somit auch das Thema Rheinhessen behandelt“, sagte Strömel. „Das Buch wird daher ein Adventsgeschenk für die Kinder werden.“

Die BGS ist eine Schwerpunkt-Grundschule und dauerhaft auf den inklusiven Unterricht, also den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf spezialisiert. Insgesamt sechs Schwerpunkt-Grundschulen in ganz Rheinhessen wurden angeschrieben, das Mal- und Rätselbuch kostenfrei im Unterricht einzusetzen, nur die Brüder-Grimm-Schule hatte sich zurückgemeldet. „Die Kinder sind unsere Zukunft. Mir liegt es am Herzen, dass auch die jüngste Generation ihre Heimat spielend noch ein bisschen besser kennenlernt. Denn nur da, wo man sich auskennt und wohlfühlt, da wächst das Selbstbewusstsein, da lebt man auch gerne.“

Das Mal- und Rätselbuch wurde speziell zum 200. Jubiläum der Region Rheinhessen aufgelegt, es versteht sich als eine spielerische Form der Heimatkunde. Unter anderem erklärt es die Landschaft der Region, ihre Kulturdenkmäler, das Brauchtum Fastnacht und auch die kulinarischen Spezialitäten.

Rheinhessen 2016 digital: Auf einen Blick, mit einem Klick!
www.rheinhessen-2016.de
www.shop-rheinhessen.de
www.facebook.com/rheinhessen.2016
www.youtube.com (Kanal „Rheinhessen 2016“ über Kanal-/Videosuche)

Menschen und andere Lebewesen – Schülerausstellung in Mainzer Volksbank bis 6.Jan.2017

Foto: MVB
Foto: MVB

Die Mainzer Volksbank (MVB), Hauptgeschäftsstelle am Neubrunnenplatz, zeigt auf Initiative der Stiftung „Wir für Kinder in Not“  die Schüler-Ausstellung  „Menschen und andere Lebewesen“ vom 25.11.2016 bis 06.01.2017

Von der Klasse 5 bis zum Kunst-Leistungskurs 12 stellen die Schüler des Fachbereichs Kunst des Gymnasium Theresianum Ihre Werke im MVB-Forum am Neubrunnenplatz aus. Insgesamt werden
75 Exponate gezeigt, die über Bilder bis Skulpturen ein breites Spektrum an Kreativität und Vielfalt zeigen. Die Ausstellung wurde im Rahmen einer Vernissage feierlich eröffnet.

MVB-Generalbevollmächtigte Barbara Bug-Naumann begrüßte die geladenen Gäste zur Vernissage am Donnerstagabend sichtlich beeindruckt: „Es ist faszinierend, wie kreativ und modern die jungen Menschen Kunst verstehen. Es zeigt die tolle Arbeit der Lehrkräfte und die fruchtbare Umgebung für junge Talente am Theresianum.“

Der gute Zweck steht im Mittelpunkt

Foto: MVB
Foto: MVB

Die Ausstellung wurde von der Stiftung „Wir für Kinder in Not“ angeregt, eine Stiftung, die vom ehemaligen Leiter des Theresianum, Oberstudiendirektor Aloi Nilles, 1987 als Verein gegründet wurde.
Im Jahr 1992 wurde der eingetragene Verein in eine Stiftung umgewandelt. Seit dem ersten Tag ist das Ziel der Stiftung, notleidenden und bedürftigen Kindern finanzielle oder geistlich ermutigende Hilfe zukommen zu lassen. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Spenden am Abend der Vernissage gesammelt, die entsprechend dem Ziel der Stiftung verwendet werden. Die MVB ging mit gutem Beispiel voran. MVB-Generalbevollmächtigte Barbara Bug-Naumann übergab der Stiftung einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro.

Die Ausstellung steht der Öffentlichkeit vom 25.11.2016 bis zum 06.01.2017, Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr kostenfrei offen.

Mainzer Volksbank eG
Neubrunnenstrasse 2
55116 Mainz
Telefon: 06131 148-0

Sensationelle Urpferd-Funde aus der Grube Messel dauerhaft im Landesmuseum Darmstadt zu sehen

Großes Messeler Urpferd (cf. Propalaeotherium sp.), Fund aus dem Jahr 2015; Übersicht, Maßstab 10 cm, Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD
Großes Messeler Urpferd (cf. Propalaeotherium sp.), Fund aus dem Jahr 2015; Übersicht, Maßstab 10 cm, Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Das Landesmuseum Darmstadt gehört zu den wenigen, noch erhaltenen  Universalmuseen mit umfangreichen ständigen Sammlungen aus den Bereichen Kunst-, Kultur- und Naturgeschichte sowie wechselnden Sonderausstellungen.

So hat auch das Sammeln und Erforschen von Messel Fossilien sowie deren Aufarbeitung für die Präsentation in der Öffentlichkeit am Hessischen Landesmuseum Darmstadt eine lange Tradition. Die Bestände reichen von Krokodilresten (Diplocynodon darwini), die 1875 als allererste Fossilien in der Grube gefunden worden waren, über die weltberühmten Urpferdchen (Eurohippus messelensis, Propalaeotherium hassiacum), bis hin zu aufsehenerregenden Unikaten wie dem Ameisenbären (Eurotamandua jorersi), dem Urtapir (Hyrachyus minimus) oder dem Scheinraubtier (Lesmesodon behnkeae). 1966 und 1967 führte das HLMD die ersten planmäßigen wissenschaftlichen Messel-Grabungen durch, die bis heute hin fortgesetzt werden.

So wird bereits seit 1990 am so genannten Schildkrötenhügel im Bereich des Leithorizontes Gamma gegraben, seit 2012 zudem noch in der darunter gelegenen Grabungsstelle im Bereich des Leithorizontes Alpha. Zwar ging und geht es hierbei vorrangig darum, die feinstratigraphischen Fundverteilungen genauer zu analysieren, vor allem im Hinblick darauf, ob es Veränderungen in der Zusammensetzung der Fauna und Flora in der Geschichte des Messel-Sees gegeben hat. Dennoch ist man natürlich immer hocherfreut, wenn ab und an auch einmal ein herausragendes Fossil zum Vorschein kommt. Das war im letzten und vorletzten Jahr gleich doppelt der Fall. Zu Tage kamen dabei gleich zwei Urpferdchen, sozusagen die Paradefossilien der Grube Messel, und dazu noch die ersten, die jetzt seit 30 Jahren Messel-Grabungen des Hessischen Landesmuseums wieder entdeckt worden sind.

Der erste der jetzt vorzustellenden Funde, ein stattliches Exemplar von fast 70 cm Gesamtlänge, wurde vom Grabungsteam des HLMD am 12. August 2015 im Planquadrat I 7 303 cm über dem Leithorizont Gamma gefunden. Es ist nicht nur aufgrund seiner Größe etwas Besonderes, sondern gehört womöglich einer Propalaeotherium-Art an, die bislang aus Messel noch nicht mit kompletten Exemplaren belegt war. Eventuell handelt es sich sogar um ein für Messel noch gänzlich unbekanntes Taxon. Als weitere Besonderheit kommt hinzu, dass auch noch ein Schlammfisch direkt über dem Schwanzbereich mit eingebettet wurde.

Bei dem Fund aus der diesjährigen Grabungskampagne dürfte es sich dagegen um ein Exemplar von Eurohippus messelensis, der bekannteren der beiden Messeler Urpferd-Arten, handeln. Das Tier hat eine Kopf-Schwanzlänge von ca. 50 cm und wurde am 01. September 2016 im Planquadrat HI 8 aus Schichten 139 cm unter dem Leithorizont Alpha geborgen. Die aufwändigen Präparationsarbeiten wurden von Mascha Siemund unter teilweiser Hilfe von Eric Milsom in bewährter Qualität durchgeführt.

Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag 10.00-18.00 Uhr
Mittwoch 10.00-20.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag
11.00-17.00 Uhr
Montag, Karfreitag, Heiligabend und Silvester geschlossen

Ort
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt
Tel: 06151/1657-000
info@hlmd.de

“ MISTRESS AMERICA“ am 29.11.16 – FILME IM SCHLOSS Biebrich

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FILME IM SCHLOSS
FBW – Deutsche Film- und Medienbewertung
Schloß Biebrich, Ostflügel
Programmheft
Dienstag, 29. November 2016, 18.00 und 20.15 Uhr

MISTRESS AMERICA

Eine 18-jährige Neu-New-Yorker Literaturstudentin (Lola Kirke) entdeckt dank der ungebändigten Energie und des grenzenlosen Ideenreichtums ihrer zukünftigen Stiefschwester die aufregende Vitalität New Yorks. “Ein in ihren besten Momenten hochbeschleunigte Screwball Comedy um zwei ungleiche Frauen“ (Filmdienst). Für reizvolle Irritationen, Störfälle und linkische Momente sorgt vor allem die Hauptdarstellerin und Koautorin Greta Gerwig, die mit diesem Film ihren Ruf als “eine der größten, unerschrockensten Leinwand-Komödiantinnen ihrer Generation bestätigt“ (Variety). Mistress America ist ein Film von Noah Baumbach, von dem Filme im Schloß u.a. Frances Ha und While We’re Young (Gefühlt Mitte Zwanzig) gezeigt hat. ‒ Originalversion mit Untertiteln.

Karten zum Preis von 5 Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf werktags ab 12 Uhr in der Gaststätte “Ludwig”, Wiesbaden, Wagemannstr. 33-35. Vorbestellungen: www.filme-im-schloss.de, als Antwort über info@filme-im-schloss.de sowie unter Telefon (0611) 84 07 66 und 31 36 41.

Nächstes Programm: The Age of Kristen Stewart (1) – Café Society, Originalversion mit Untertiteln, am Dienstag, 17. Januar 2017, 18.00 und 20.15 Uhr.

GESCHLECHTERKAMPF. FRANZ VON STUCK BIS FRIDA KAHLO ab 24.Nov. 2016 im Städel Museum Frankfurt

Ausschnitt aus: Lovis Corinth (1858–1925), Salome II, 1899/1900. Die biblische Gestalt Salome galt als Inkarnation weiblicher Grausamkeit und Sinnbild purer Erotik und inspirierte Literaten, Musiker und Künstler immer wieder zu neuen sinnlichen Darstellungen. Zu seinem Bild Salome II, welches die laszive Prinzessin Salome befriedigt auf das abgeschlagene Haupt des Heiligen Apostels Johannes schauen lässt, inspirierte Corinth das Finale von Oscar Wildes Schauspiel Salome (1893). Foto: Diether v. Goddenthow
Ausschnitt aus: Lovis Corinth (1858–1925), Salome II, 1899/1900. Die biblische Gestalt Salome galt als Inkarnation weiblicher Grausamkeit und Sinnbild purer Erotik und inspirierte Literaten, Musiker und Künstler immer wieder zu neuen sinnlichen Darstellungen. Zu seinem Bild Salome II, welches die laszive Prinzessin Salome befriedigt auf das abgeschlagene Haupt des Heiligen Apostels Johannes schauen lässt, inspirierte Corinth das Finale von Oscar Wildes Schauspiel Salome (1893). Foto: Diether v. Goddenthow

 

In i einer umfassenden Sonderausstellung widmet sich das Frankfurter Städel Museum vom 24. November 2016 bis 19. März 2017 einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ beleuchtet die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Anhand von über 150 Werken zeigt die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film behandelten: Manche führten dem Publikum in ihren Werken überzogene Charaktereigenschaften der Geschlechter vor Augen oder untermauerten stereotype Rollenbilder. Andere griffen gängige Klischees an und versuchten, diese durch Strategien wie Ironie, Überzeichnung, Maskerade und Hybridisierung aufzubrechen. Die Geschlechterdifferenz – basierend auf einer traditionellen Assoziation von männlich und weiblich mit Begriffen wie aktiv/passiv, rational/emotional, Kultur/Natur, Staat/Familie – wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts immer stärker herausgearbeitet und hat nicht nur die ökonomischen, sozialen und politischen Strukturen, sondern auch die Kunst maßgeblich geprägt. Die Ausstellung baut auf dem Sammlungsbestand des Städel Museums auf, der mit Gemälden von Max Liebermann, Edvard Munch und Franz von Stuck, Skulpturen von Auguste Rodin sowie Fotografien von Frank Eugene oder Claude Cahun wichtige Positionen in Bezug auf diese Thematik umfasst. Anhand von bedeutenden Leihgaben werden bekannten Namen der Kunstgeschichte wie Hannah Höch, Édouard Manet, Gustav Klimt, Otto Dix oder Frida Kahlo gezielt kunsthistorische Entdeckungen zur Seite gestellt, die den Kanon um aussagekräftige Positionen erweitern, darunter Arbeiten von Leonor Fini, John Collier oder Gustav Adolf Mossa. Vor dem Hintergrund der intensiv geführten Diskussionen um die Rollen von Frau und Mann bietet das Ausstellungsprojekt einen differenzierten Einblick in die Komplexität der Problematik und beleuchtet die kunsthistorische Dimension eines bis heute hochrelevanten gesellschaftspolitischen Themas.

Die Ausstellung wird durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain gefördert und erfährt zusätzliche Unterstützung von der Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung. „Unser Ausstellungshöhepunkt zum Jahreswechsel widmet sich einem Sujet, das in der Kunst der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts besonders präsent war: die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen. Das groß angelegte Projekt macht es sich zur Aufgabe, ebenso brillante wie prägnante künstlerische Werke zu bestimmen und in einen Dialog zu stellen. Wie es die unterschiedlichen Positionen in der Schau verdeutlichen, hat das Hinterfragen der Konstruktion männlicher und weiblicher Identität bis heute nichts an Aktualität verloren“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.


Aufbau der Ausstellung

In insgesamt zwölf Abschnitten zeigt die Ausstellung zentrale Aspekte der künstlerischen Beschäftigung mit der Beziehung zwischen den Geschlechtern in einer neuen motivischen Bandbreite auf. Von den mythologischen Darstellungen Gustave Moreaus bis hin zu den fantastischen Bildfindungen des Surrealismus stellt die Präsentation sich wandelnde männliche und weibliche Rollenbilder in der Kunst der Moderne in den Fokus und betrachtet deren Entwicklung vor dem Hintergrund umfassender historischer und sozialer Veränderungen: vom Beginn der Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Geschlechterdebatten und Sexualkontroversen der Weimarer Republik bis hin zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Charles Gleyre (1806 - 1874) Pentheus verfolgt von den Mänaden 1864.  König Pentheus aus Theben wird, nachdem er als Voyeur der Mänaden (weibliches Gefolge des Dionysos, Gott des Rausches) entdeckt wurde, von der erzürnten Weiblichkeit bis zu Tode gehetzt (die Geier in der oberen Bildmitte symbolisieren seinen Tod).Foto: Diether v. Goddenthow
Charles Gleyre (1806 – 1874) Pentheus verfolgt von den Mänaden 1864. König Pentheus aus Theben wird, nachdem er als Voyeur der Mänaden (weibliches Gefolge des Dionysos, Gott des Rausches) entdeckt wurde, von der erzürnten Weiblichkeit bis zu Tode gehetzt (die Geier in der oberen Bildmitte symbolisieren seinen Tod).Foto: Diether v. Goddenthow

Der chronologisch gespannte Bogen erstreckt sich über beide Etagen des Ausstellungshauses, wobei die thematische Präsentationsfolge von insgesamt fünf monografischen Ausstellungskapiteln unterbrochen wird. Diese widmen sich Künstlerinnen und Künstlern, in deren Werk das Thema des Geschlechterkampfes einen herausragenden Stellenwert einnimmt: Franz von Stuck, Jeanne Mammen, Félicien Rops, Edvard Munch und Lee Miller. Kuratiert wird die Ausstellung von Felicity Korn und Dr. Felix Krämer. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass sowohl männliche als auch weibliche künstlerische Positionen in der Ausstellung vertreten sind, um die konfliktreiche Beziehung zwischen den Geschlechtern von beiden Seiten beleuchten zu können. Allerdings haben deutlich weniger Künstlerinnen das Thema behandelt – vor allem im 19. Jahrhundert –, was natürlich auch auf ihre Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Die in der Präsentation gezeigten Werke von Frauen sind umso spannender, denn erstaunlicherweise reagierten Künstlerinnen häufig mit Ironie und Humor auf die Thematik – obwohl sie selbst direkter vom Geschlechterkampf betroffen waren“, so Felicity Korn.

„Mit unserer Ausstellung möchten wir zur Beschäftigung mit dem Thema des Geschlechterkonflikts anregen und einen historischen Einblick in ein komplexes Themenfeld bieten. Die Ausstellung knüpft an den Erfolg der ‚Schwarzen Romantik‘- Präsentation an, mit der wir 2012 im Städel Museum bereits ein aktuelles Thema, das gesellschaftliche Tendenzen aufgreift, kunsthistorisch in den Blick genommen haben. Während die Nachkriegsgeschichte des Geschlechterkampfes gut dokumentiert und vielen Zeitgenossen präsent ist, gilt dies nicht in gleichem Maße für deren Vorgeschichte. Für viele Künstler der Moderne war der Geschlechterkampf ein Lebensthema“, ergänzt Felix Krämer.

Den historischen Ausgangspunkt der „Geschlechterkampf“-Ausstellung bildet die sich während des 19. Jahrhunderts über ganz Europa ausbreitende Forderung nach sozialer Gleichstellung von Mann und Frau, angeführt von der weiblichen Emanzipationsbewegung. Erstmals wurden weibliche und männliche Rollenbilder in der breiten Öffentlichkeit diskutiert – eine Debatte, die ab den 1860er-Jahren auch in den bildenden Künsten ihre Spuren hinterließ.

Ausstellungsparcours
Ausstellungsansicht "Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo" Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ Foto: Diether v. Goddenthow

Der Ausstellungsparcours beginnt mit einem einführenden Abschnitt zu Adam und Eva, der biblischen Urgeschichte des Geschlechterkonflikts. Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden vielfältige Darstellungen des ersten Menschenpaares, die bereits auf die künstlerische Bandbreite in der Beschäftigung mit dem Thema verweisen. Zu sehen sind prägnante Werke von Franz von Stuck, Julius Paulsen oder Suzanne Valadon, für deren Adam ihr zwanzig Jahre jüngerer Partner André Utter Modell gestanden hat.

Parallel zum gesellschaftlichen Erstarken der Frau finden sich in der Kunst des Fin de Siècle Darstellungen, welche die Schuld der Ursünde und die Verführungskünste der Frau hervorheben. So gewann die künstlerische Beschäftigung mit der destruktiven, ins Verderben führenden Weiblichkeit zunehmend an Bedeutung, wobei die den Mann erniedrigende Femme fatale (franz.: Unheil bringende Frau) als zentrale Projektionsfläche sowohl für männliche Ängste als auch für sexuelle Begierden diente. Viele in erster Linie männliche Künstler sahen in der nach Gleichberechtigung strebenden Frau eine essenzielle Bedrohung. In ihren Werken stilisierten sie das weibliche Geschlecht zur Figur des Bösen, das seine sexuellen Reize gezielt zur Entmachtung des Mannes einsetzt. Starke biblische Charaktere wie Salome, Judith und Delila erreichten gegen Ende des 19. Jahrhunderts Kultstatus und wurden von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern verarbeitet, darunter

 

Gustave Moreau, Jean Benner, Lovis Corinth oder Aubrey Beardsley.

Raum: "Im Bann der sphinx"  der Ausstellung "Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo" Foto: Diether v. Goddenthow
Raum: „Im Bann der sphinx“ der Ausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ Foto: Diether v. Goddenthow

Das aufkommende Fach der Sexualforschung revolutionierte zur Jahrhundertwende die bürgerliche Auffassung von klar getrennten Geschlechterrollen und stellte Aspekte wie sexuelle Instinkte und Vorlieben zur öffentlichen – jedoch fast ausschließlich von Männern geführten – Diskussion. Künstler wie Alfred Kubin, Thomas Theodor Heine oder Félicien Rops griffen nicht länger auf mythologische und biblische Figuren zurück, sondern visualisierten stereotype Eigenschaften der Geschlechter in exaltierten Bildideen. Zu dieser Zeit finden sich zudem vermehrt Darstellungen, in denen die Frau als hilfloses Opfer erscheint, das dem Mann, der seine sexuelle und gesellschaftliche Macht über sie ausübt, vollkommen ausgeliefert ist. Ein in der Ausstellung vertretenes eingängiges Beispiel ist Emmanuel Frémiets Skulptur Gorilla, eine Frau raubend (1887), die als Inspiration für Merian C. Coopers knapp fünfzig Jahre später entstandenen berühmten Film King Kong und die weiße Frau (1936) diente.

Jeanne Mammen (Berlin 1890 - 1976). Ein Schwerpunkt ihrer Aquarelle aus der Zwischenkriegszeit liegt im nächtlichen Treiben Berlins mit Betonung weiblicher Selbstdarstellung, etwa hier die herausfordernd schauende Dame mit Zylinder und Herrenhaus in "Sie repräsentiert". Foto: Diether v. Goddenthow
Jeanne Mammen (Berlin 1890 – 1976). Ein Schwerpunkt ihrer Aquarelle aus der Zwischenkriegszeit liegt im nächtlichen Treiben Berlins mit Betonung weiblicher Selbstdarstellung, etwa hier die herausfordernd schauende Dame mit Zylinder und Herrenhaus in „Sie repräsentiert“. Foto: Diether v. Goddenthow

Eine ganz andere Perspektive bildet das hier erstmals ausgestellte Frühwerk Jeanne Mammens, dem ein monografisches Ausstellungskapitel gewidmet ist. Die Künstlerin befasste sich intensiv mit der fantastischen Gedanken- und Traumwelt des literarischen Symbolismus. Dabei schuf sie eine Werkserie zu Gustave Flauberts Die Versuchung des heiligen Antonius (1874) sowie mehrere Darstellungen starker Frauenfiguren, darunter Medusa und Salome. Ein weiterer Künstler, in dessen Oeuvre die Thematik des Geschlechterkampfs einen besonderen Stellenwert einnimmt und dem hier ein Kapitel gewidmet wird, ist Edvard Munch. Der Norweger thematisierte in seinen Bildern die Ambivalenz in der Beziehung zwischen den Geschlechtern und verband Erotik und Liebe häufig mit Schmerz und Tod. Dabei bringt er den Betrachter oftmals in die Position des männlichen Voyeurs und Liebhabers, welcher der körperlichen Anziehungskraft der Frau zum Opfer fällt.

Im freiheitlichen Klima der Weimarer Republik eröffneten Amüsierbetriebe, Nacktbars und Transvestitenlokale, in denen Großstadtbewohner versuchten, die Schrecken des Ersten Weltkrieges mit sinnlichem Vergnügen zu verdrängen.

Otto Dix (1891-1969). Lustmord, aus: Tod & Aufersteheung 1922.Foto: Diether v. Goddenthow
Otto Dix (1891-1969). Lustmord, aus: Tod & Aufersteheung 1922. Foto: Diether v. Goddenthow

Damit einhergehend konzentrierte sich das künstlerische Interesse auf Sujets wie Lustmord, sexuelle Gewalt und Prostitution. Männliche Vertreter der Neuen Sachlichkeit wie Otto Dix, Heinrich Maria Davringhausen und Karl Hubbuch zeigten auf grausamste Weise zerstörte weibliche Körper als Fetischobjekte. Mit dieser neuen Drastik verlagerten die Künstler ihren Fokus auf die Wiedergabe menschlicher Abgründe sowie des sozial Randständigen, was als Hinweis auf die Verrohung des sozialen Klimas und als Metapher für das krankende politische System verstanden wurde.

Das Interesse an Sexualverbrechen war genreübergreifend. Frank Wedekinds Drama Lulu. Erdgeist / Die Büchse der Pandora diente etwa Georg Wilhelm Pabst als Vorlage für seinen Film Die Büchse der Pandora (1928/29). In beiden Versionen fällt Lulu dem Mörder Jack the Ripper zum Opfer. Künstlerinnen und Künstler aus dem Umkreis der Berliner Dada-Bewegung wie Hannah Höch oder Hans Bellmer konfrontierten das Publikum mit skandalträchtigen Bildern von entstellten, mechanisierten oder monströsen Figuren, dies jedoch vor allem, um Kritik an der bürgerlichen Sexualmoral zu üben.

Neben derartigen radikalen Überzeichnungen fand das Thema der sogenannten „Neuen Frau“ Berücksichtigung. Im Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg sahen sich die Frauen, die an der „Heimatfront“ an sozialer und beruflicher Selbstständigkeit und an Selbstbewusstsein gewonnen hatten, und die von den Kriegserfahrungen traumatisierten Männer mit neuen Rollenerwartungen konfrontiert. Als die Frauenbewegung mit dem Wahlrecht für Frauen im Jahr 1919 ein wichtiges Ziel auf dem Weg zur Erlangung politischer, sozialer und ziviler Bürgerrechte erreicht hatte, beförderte dies die weitere Herausbildung eines selbstsicheren und aktiven Frauentyps. Bildnisse von Otto Dix, Elfriede Lohse-Wächtler, Jeanne Mammen oder Christian Schad spiegeln dieses neue gesellschaftliche Rollenverständnis wider.

Max Ernst (1891 - 1976). Die Versuchung des heiligen Antonius. Hier schlidert der Künster das albtraumartige Moment der Erzählung des von "wilden Dämonen", der sexuellen Begierde, umringten Mönch, der gegen die Anziehungskraft des - hier schlangenartig dargestellten - Frauenkörpers ankämpft. Foto: Diether v. Goddenthow
Max Ernst (1891 – 1976). Die Versuchung des heiligen Antonius. Hier schlidert der Künster das albtraumartige Moment der Erzählung des von „wilden Dämonen“, der sexuellen Begierde, umringten Mönch, der gegen die Anziehungskraft des – hier schlangenartig dargestellten – Frauenkörpers ankämpft. Foto: Diether v. Goddenthow

Einen anders gelagerten Schwerpunkt setzten die Vertreter des Surrealismus um André Breton, Marcel Duchamp und Max Ernst, deren Kunst von einem libertären Verständnis von Sexualität und zugleich von einem Spiel mit bürgerlich geprägten geschlechtlichen Stereotypen bestimmt war. Angeregt von Sigmund Freuds psychoanalytischen Studien strebten viele Surrealisten die Überwindung der Grenzen zwischen den Geschlechtern an. Besonders interessierten sie sich für die Figur des Androgyns, eines mythologischen Zwitterwesens mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen. Der Androgyn symbolisierte für die Surrealisten sowohl die Überschreitung konventioneller Rollenbilder als auch die Synthese der beiden Geschlechter. Der surrealistische Einfluss spiegelte sich auch im Film wider. Künstler wie Maya Deren und Alexander Hamid, die den Pariser Surrealisten nahestanden, suchten nach geschlechtlicher Identität, wie in Meshes in the Afternoon von 1943.

Meret Oppenheim (1913 - 1985) Mein Kindermädchen. Die weißen Stöckelschuhe symbolisieren den weiblichen Körper während ihre enge Umschnürung als Fesselfantasien interpretiert werden. Foto: Diether v. Goddenthow
Meret Oppenheim (1913 – 1985) Mein Kindermädchen. Die weißen Stöckelschuhe symbolisieren den weiblichen Körper während ihre enge Umschnürung als Fesselfantasien interpretiert werden. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Künstlerinnen im Kreis der Surrealisten waren vielfach darum bemüht, ihren männlichen Künstlerkollegen ein alternatives Frauenbild entgegenzusetzen. Einen filmischen Vorläufer gab es bereits 1906: Alice Guy hatte in ihrem Film Les Résultats du féminisme (Die Folgen des Feminismus) die Rollen von Mann und Frau auf komische Art vertauscht. Ebenso humorvoll spielte Meret Oppenheim später mit der weiblichen Rolle als passivem Lustobjekt, indem sie dem Betrachter ein Paar Stöckelschuhe wie einen Gänsebraten auf einem Tablett darbot, während Frida Kahlo mit ihrem Selbstbildnis als Der kleine Hirsch eine sehr persönliche und symbolgeladene Darstellung präsentierte.

 

GESCHLECHTERKAMPF. FRANZ VON STUCK BIS FRIDA KAHLO

Kuratoren: Felicity Korn (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunst der Moderne, Städel Museum), Dr. Felix Krämer (Leiter Kunst der Moderne, Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 24. November 2016 bis 19. März 2017
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de

Ort:
Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr,
montags geschlossen

Sonderöffnungszeiten: Sa, 24.12., geschlossen; So, 25.12., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 26.12., 10.00–
18.00 Uhr; Sa, 31.12., geschlossen; So, 1.1.2017, 11.00–18.00 Uhr; Mo, 2.1.2017, 10.00–18.00 Uhr

Eintritt:
14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren;
Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.

Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Digitorial: Das Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation. Es ist abrufbar unter geschlechterkampf.staedelmuseum.de.
Audiotour und Städel App: Die Audiotour wird unterstützt von der Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung. Sie führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Die deutsche Audiotour wird von Constanze Becker und Felix Rech gesprochen (beide Schauspiel Frankfurt). Der Preis für einen Audioguide beträgt 4 Euro, der Preis für zwei Audioguides 7 Euro. Neben dem Verleih vor Ort kann die Audiotour auch bequem zu Hause auf die Städel App geladen werden. Die Städel App ist kostenfrei im Android und Apple Store verfügbar, der In-App-Kauf für gängige IOS und Android Smartphones kostet 1 Euro:
http://www.staedelmuseum.de/de/angebote/staedel-app
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #Geschlechterkampf und #Staedel.

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Di 15.00 Uhr, Mi 13.00 Uhr, Do 19.00 Uhr, Fr 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr und So 12.00 Uhr sowie am 26.12. und am 2.1. jeweils um 16.00 Uhr.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Tickets für die Führungen sind für 4 Euro ab zwei Stunden vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich oder vorab zum Vorteilspreis von 16 Euro (Eintritt und
Führung) online unter tickets.staedelmuseum.de bestellbar.

catalog-coverKatalog: Zur Ausstellung erchien ein Katalog im Prestel Verlag mit 336 Seiten und ca. 400 Abbildungen, mit einem einleitenden Gespräch zwischen Felicity Korn, Felix Krämer und Rose-Maria Gropp, Essays von Andreas Beyer und Ute Frevert sowie Texten von Ingo Borges, Jo-Anne Birnie Danzker, Katharina Ferus, Miriam Halwani, Kristina Lemke, Nele Putz, Elena Schroll, Svetlana Svyatskaya, Melanie Ulz, Anne Vieth und Daniel Zamani sowie einem Vorwort von Philipp Demandt.
Deutsche Ausgabe / Englische Ausgabe, 39,90 Euro (Museumsausgabe), 49,95 Euro regulärer Preis im Buchhandel.

Begleitheft: Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft in deutscher Sprache, 7,50 Euro.

Gefördert durch: Kulturfonds Frankfurt RheinMain
Mit zusätzlicher Unterstützung von: Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung
Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main, Cicero –Magazin für politische Kultur
Mobilitätspartner: Deutsche Bahn
Kulturpartner: hr2-kultur

„Für Garderobe keine Haftung“ lässt am 17.Dez. zum 15jährigen Jubiläum die Korken knallen

Valérie Voltaire - eine Diva mit Format.  ©  Carina Jahn Photography
Valérie Voltaire – eine Diva mit Format.
© Carina Jahn Photography

Am  Samstag, den 17. Dezember 2016 lässt das Improvisationstheater „Für Garde keine Haftung“  die Korken knallen: FGKH wird 15 Jahre und feiert Jubiläum!

Wie es sich für Teenies gehört, lassen es die Akteure  richtig krachen an diesem Abend!   Los geht’s um 20.00 Uhr mit einer Impro-Jubiläums-Show im Tattersall. Anschließend wird ausgiebig gefeiert im Kulturpalast Wiesbaden.

Als Appetithäppchen für Sie, hier ein Interview mit Schauspielern aus dem Ensemble:

FGKH wird 15 – Erinnert ihr euch noch an die Anfänge?

Jens Müller erinnert: Oh ja, wir haben als blutjunge Menschen, überwiegend Studenten, in einem winzigen Zimmer einer Gemeindeeinrichtung geprobt und fieberten, wie Kinder Weihnachten entgegenfiebern, auf den nächsten Auftritt, der bestimmt schon 3 Monate später auf uns wartete…

Silke Siegel: Ja. Als ich eingestiegen bin haben wir in einer Schule in Wiesbaden-Erbenheim geprobt. Unsere ersten Fotos für die überaus hässliche Homepage haben wir vor einem weißen Kastenwagen gemacht. Wir trugen schwarz auf schwarz und waren jung, faltenfrei und willig. Bei Shows haben uns die Zuschauer mit Rosen und nassen Schwämmen beworfen und wir trällerten zu Beginn jeden Auftritts einen FGKH-Song auf die Musik der Muppet Show.

Welches waren eure schönsten Momente bei FGKH?

Silke Siegel: Es gab so viele unglaublich schöne Momente. Der erste Improsommer auf dem Neroberg. Selbst an schlechten Tagen heute kommen mehr Leute zusammen als beim ersten Improsommer. Und wir kommen rum, kann man sagen: Wir spielen mittlerweile europaweit Business Auftritte. In Athen, Barcelona, Split…

Eine Geschichte ist Jens Müller noch gut in Erinnerung: Nach dem Gewinn des Improcups in München trugen Frederik und ich den überlebensgroßen Pokal durch die Münchener Innenstadt bis zum Bahnhof. Eine wunderschöne, junge Dame mit auf den ersten Blick eher afrikanischen statt Münchner Wurzeln, beugte sich über die Rolltreppen und rief uns in urbayrischem Dialekt hinterher: “ Na, Juangs, hoabt iah woas gewonna?“

Ist die Improszene noch die gleiche wie vor 15 Jahren?

Jens Müller: Natürlich nicht! Damals gab es nur einige wilde Pioniere im „Improjungel“, jetzt explodiert eine innovative Welle der Begeisterten durch die Republik!

Claudia Stump: Immer mehr Menschen interessieren sich für Impro – nicht nur als Zuschauer. Immer mehr Menschen besuchen unsere Kurse. Das hat sich erst in den letzten Jahren so entwickelt. Und selbst die Improtechniken zu erlernen ist für jeden eine Bereicherung. Sei es für den privaten Gebrauch, um in der Familie besser zu kommunizieren z.B. mit pubertierenden Jugendlichen oder im beruflichen Bereich um Kollegen besser zu verstehen.

Adriano Werner: Die Improszene erlebe ich als eine sehr lebendige Community, die zur Zeit auch ein immer größeres internationales Netzwerk aufbaut. Auch im Raum Wiesbaden-Mainz wächst und entwickelt sich die Szene seit Jahren enorm. Festivals, Workshops, Shows sowie immer mehr Ensembles. Ich glaube, wir dürfen so selbstbewusst sein und sagen: Daran haben wir einen großen Anteil. Wir haben eine gewisse Strahlkraft und stecken viele Menschen mit unserer Begeisterung an. Sowieso denke ich in diesem Zusammenhang oft: Wer einmal von der Impromagie angesteckt wurde, kommt nicht mehr von ihr los.

Ben Hartwig: Als ich vor 15 Jahren mit dem Improspielen begann, war es ein reines Nischenprodukt.Jetzt kommen mehr Leute zu den Shows, die Improtheater schon einmal erlebt haben. Für mich steckt diese Kunstform in den Teenager Jahren. In vielen Theatern und Firmen wird Impro ernster genommen, doch ist oft noch wild und unentschlossen.

Wo geht die Reise der Improvisation noch hin?

Ben Hartwig: Aus meiner Sicht hat eine gute Show vier Elemente: Sicherheit, Unsicherheit, Verbindung und Bedeutung. Gerade, wenn es um Bedeutung geht, schlägt Impro sehr oft in die Kerbe Comedy und „Es soll Spaß machen!“. Das halte ich für gut, doch ich glaube auch, dass das noch mehr geht! In den nächsten 10 Jahren wird die Szene sehr viel europäischer werden. Da Improvisation nicht auf Sprache angewiesen ist, kann sie auch in politisch schwierigen Zeiten Zeichen zur Völkerverständigung setzen.

logo_fgkhKarten buchen zur Impro-Jubiläumsshow

Adresse:
Lehrstrasse 13, 65183 Wiesbaden
Veranstalter Tattersall Wiesbaden
Eintritt
AK: 19.- €
VVK: 17,50 € incl. Gebühren

Kulturpreis 2016 der Landeshauptstadt Wiesbaden an Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verliehen

v.l. Jury-Vorsitzende u. Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz, Ernst Szebedits, Vorsitzende der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Oberbürgermeister Sven Gerich, Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. Foto: Diether v Goddenthow
v.l. Jury-Vorsitzende u. Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz, Ernst Szebedits, Vorsitzender der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Oberbürgermeister Sven Gerich, Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel. Foto: Diether v Goddenthow

Im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal des Rathauses wurde am 21. November 2016 die Friedrich-Murnau-Stiftung mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden für das Jahr 2016 ausgezeichnet. Den mit 5000 Euro dotierten Preis nahm für die Murnau-Stiftung deren Vorsitzender Ernst Szebedits aus den Händen von  Oberbürgermeister Sven Gerich, Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz und Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel entgegen. Die Laudatio hielt Dr. Gottfried Langenstein, Direktor Europäische Satellitenprogramme des ZDF. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Jan-Filip Tupa (Cello) und Daniel Lorenzo (Klavier).

Oberbürgermeister Sven Gerich. Foto: Diether v Goddenthow
Oberbürgermeister Sven Gerich. Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gerich zeigte sich ein wenig verwundert, weshalb die Friedrich-Murnau-Stiftung erst in diesem Jahr den Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden erhalte, „angesichts nationalen Bedeutung dieser Einrichtung und ihrer 50-jährigen Geschichte“. Umso mehr freue es ihn, dass es nun im Jubiläumsjahr geklappt habe. Die Stadt Wiesbaden, so der Oberbürgermeister, sei dankbar und auch ein wenig Stolz darauf, dass die Murnau Stiftung in Wiesbaden beheimatet sei. Seit der Eröffnung des Deutschen Filmhauses im Jahre 2009 und die Aufnahme des öffentlichen Kinospielbetriebs im dortigen Murnau Filmtheater hätten sich die Beziehungen zwischen Murnau-Stiftung und der Stadt in hervorragender Weise vertieft und gefestigt, so Gerich.

Jury-Vorsitzende und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz. Foto: Diether v Goddenthow
Jury-Vorsitzende und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz. Foto: Diether v Goddenthow

Auf den unschätzbaren Wert der Arbeit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Erhalt des deutschen Film-Erbes, wies Jury-Vorsitzende und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz in ihrem Grußwort hin. Hierfür stünden Filme wie  „Metropolis“, „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder „Der blaue Engel“. Daneben leistet die Murnau-Stiftung mit dem seit 2009 bestehenden Filmtheater einen zentralen Beitrag für das cineastische Angebot jenseits des Mainstreams in Wiesbaden und der Region. Die Murnau-Stiftung steht wie kaum eine andere Einrichtung für die Filmstadt Wiesbaden und fördert mit ihrer Arbeit seit vielen Jahrzehnten die Filmkultur in Wiesbaden.

Dr. Gottfried Langenstein, Direktor Europäische Satellitenprogramme des ZDF. Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Gottfried Langenstein, Direktor Europäische Satellitenprogramme des ZDF. Foto: Diether v Goddenthow

Die Erhaltung des wertvollen Filmbestandes sei vor allem ein Kampf gegen die Zeit, mahnte Laudator Dr. Gottfried Langenstein, Direktor Europäische Satellitenprogramme des ZDF , der ein Porträt des Stiftungsnamensgebers Friedrich Wilhelm Murnau, der eigentlich Friedrich Wilhelm Plumpe hieß, zeichnete. Murnau war sein Künstlername, wohl gewählt zur Abgrenzung von seinen Eltern, die weder seine Schauspiel- und Regie-Ambitionen noch seine Homosexualität akzeptieren wollten. Murnau wurde während einer Studentenaufführung vom berühmten Regisseur Max Reinhard entdeckt, nahm trotz seiner 2,10 Meter Körpergröße als Flieger am ersten Weltkrieg teil, landet wegen eines Navigationsfehlers in neutralen Schweiz, konnte dort seine Filmarbeit fortsetzen, erhielt wegen seiner Erfolge 1924 einen Ufa-Vertrag und schrieb internationale Filmgeschichte.

Schon vor wenigen Jahren sorgte die Rettung Fritz Langs Stummfilms „Metropolis“ aus den 20er Jahren für Schlagzeilen, als man in Buenos-Aires noch eine vollständige Kopie des nur noch in Fragmenten bestehenden Films entdeckte. Diese wurde dann von der Murnau-Stiftung restauriert und in Berlin 2010 während der Berlinale gezeigt.

In den 50er Jahren verwendete man Filmträger auf Nitratbasis,   ein hochbrisantes Material,  das eine höhere Sprengkraft als Schwarzpulver besitze, unter das Sprengstoffgesetz falle und vor allem die alten Filme zersetze. Die Filme würden zwar zu Lagerung und Erhalt im Film-Archiv der Murnau-Stiftung permanent heruntergekühlt. Das würde aber nicht wirklich ihren Verfall aufhalten. Um sie zu retten, müssten sie restauriert und digitalisiert werden.

Im großen Archiv von insgesamt über 6500 Filmen lagern auch sogenannte „Vorbehaltsfilme“, Propaganda-Streifen aus der Nazi-Zeit mit Titeln à la „Jud-Süß“ oder „Kolberg“ von Veit Harlan. Diese Filme, gegen deren Vorführung lange Zeit verständlicherweise Vorbehalte bestanden, könnten dank der filmpädagogisch begleitenden Arbeit der Murnau-Stiftung wieder gezeigt werden. Denn, so Langenstein, sei es  wichtig, dass junge Leute auch solche Filme sehen, um hierdurch einmal mehr den Wert der Demokratie schätzen zu lernen. Langenstein forderte vor allem auch mehr Bundesmittel für die Arbeit der Murnau-Stiftung zum Erhalt des deutschen Filmerbes mit Weltrang.

Ernst Szebedits, Vorsitzende der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Foto: Diether v Goddenthow
Ernst Szebedits, Vorsitzender der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Foto: Diether v Goddenthow

Ernst Szebedits, Vorsitzender der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, „hätte noch stundenlang zuhören können“ und dankte dem Laudator, der  Stadt Wiesbaden  und allen Mitstreitern für die bisherige Arbeit und das gemeinsam Erreichte, und hoffte, dass  „wir noch viel bewegen können“.
murnaufilmtheater360

Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Murnaustraße 6
65189 Wiesbaden
Deutschland
Tel.: +49 611 97708-0
Fax: +49 611 97708-29
vorstand@murnau-stiftung.de
www.murnau-stiftung.de

Über die Murnaustiftung:

„Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, eine Stiftung bürgerlichen Rechts, für den Erhalt und die Pflege eines Großteils des deutschen Filmerbes ein. Ihre einzigartigen Bestände öffentlich zugänglich zu machen, gewinnt seit Jahren an Bedeutung und wird die Arbeit auch künftig zunehmend prägen. Wichtigstes Stiftungskapital ist der einzigartige, in sich geschlossene Filmstock, der Kopien und Materialien der ehemaligen Produktionsfirmen Ufa, Universum-Film, Bavaria, Terra, Tobis und Berlin-Film – samt den damit verbundenen Rechten – aus über sechs Jahrzehnten deutscher Filmproduktion umfasst.“ mehr

Filmprogramm des Murnau-Filmtheaters