Kategorie-Archiv: Caligari Filmbühne

KLEPTOMAMI gewinnt Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb – Preisträger*innen beim exground filmfest 31

Preisträger und Exgroundteam bei der Preisverleihung m 25.Nov.2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Preisträger und Exgroundteam bei der Preisverleihung m 25.Nov.2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

KLEPTOMAMI gewinnt Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb // Ungarische Produktion MERMAIDS AND RHINOS ist bester internationaler Kurzfilm // RESPETO von den Philippinen und RAFIKI gewinnen bei den youth days // 3. Gefangenenjury-Preis DAS BRETT für WO KEIN SCHATTEN FÄLLT

Mit der feierlichen Preisverleihung feierte das exground filmfest 31 am gestrigen Abend nach zehn Tagen einen erfolgreichen Festivalabschluss in der Caligari FilmBühne. Im Anschluss an den Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb wurden in sieben Wettbewerben Geld- und Sachpreise im Wert von rund 20.000 EUR vergeben. Über 100 internationale und nationale Gäste aus der Filmbranche und zahlreiche Besucher*innen zeugen erneut von der großen Beliebtheit des Festivals über die Grenzen Wiesbadens hinaus.

Deutscher Kurzfilm-Wettbewerb

Nach der Vorführung des Deutschen Kurzfilm-Wettbewerbs entschied das Publikum über seine Favoriten und kürte KLEPTOMAMI von Pola Beck zum Gewinnerfilm. Der mit 3.000 EUR dotierte erste Preis wurde in diesem Jahr erneut von der Landeshauptstadt Wiesbaden gestiftet. Den zweiten Platz belegte RIEN NE VA PLUS von Sophie Linnenbaum, die sich über ein Preisgeld von 2.000 EUR freuen kann, gestiftet von der Wiesbadener Magenta TV Fernsehproduktionsgesellschaft. Kiana Naghshineh wurde für AUGENBLICKE – A BLINK OF AN EYE mit dem dritten Preis (1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden) ausgezeichnet.

Pola Becks KLEPTOMAMI erhielt außerdem beide Sachpreise: Filmequipment im Wert von 2.000 EUR von Pille Filmgeräteverleih für ihren nächsten Film sowie ein „Grading Special“ der Magenta TV Fernsehproduktionsgesellschaft im Wert von 1.500 EUR.

Vlnr: Pola Beck (KLEPTOMAMI), Viktória Traub (MERMAIDS AND RHINOS), Sophie Linnenbaum (RIEN NE VA PLUS) © Peter Fischer
Vlnr: Pola Beck (KLEPTOMAMI), Viktória Traub (MERMAIDS AND RHINOS), Sophie Linnenbaum (RIEN NE VA PLUS) © Peter Fischer

Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb

Im Internationalen Kurzfilm-Wettbewerb kürte die internationale Jury den ungarischen Beitrag MERMAIDS AND RHINOS [SELLŐK ÉS RINOCÉROSZOK] von Viktória Traub zum Gewinner und überreichte das Preisgeld von 2.000 EUR, gestiftet vom exground-Freundeskreis. Die Jury-Mitglieder Dr. Catherine Colas (Redakteurin für kurz- und mittellange Filme bei ZDF/ARTE aus Mainz), Heleen Gerritsen (Festivalleiterin von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden) und Raymond Red (Regisseur und Produzent aus Manila/Philippinen) begründeten ihre Entscheidung mit den Worten:

„In einem düsteren Hostel an der See entfalten sich merkwürdige Szenen: Eine alte Meerjungfrau nimmt ein Bad, eine Frau versinkt vor einem Fenster in einen erotischen Tanz, ein von Liebeskummer erfüllter Vater verwandelt sich in ein Rhinozeros und entschwindet in die Wälder. All dies wird von einem jungen Mädchen beobachtet, für das Vergangenheit und Gegenwart, Fantasie und Realität Teil eines großen, eigenartigen Universums sind. Der Künstlerin, die diese grausame wie faszinierende Welt mit unverwechselbaren Charakteren, Tieren, atemberaubenden Farben sowie mehreren metaphorischen Ebenen schuf, gelingt es, eine sehr persönliche Geschichte auf eine innovative und erfinderische Art und Weise zu erzählen. Mit großer Freude vergibt die Jury den diesjährigen Preis an MERMAIDS AND RHINOS von Viktoria Traub.“

Eine lobende Erwähnung erhielt MAN OF PA-ALING [MANONG NG PA-ALING] von E del Mundo aus den Philippinen. Auch hierzu verfasste die Jury eine Begründung:

„In Schwarzweiß wird die Trostlosigkeit einer ansonsten wunderschönen Unterwasserwelt heraufbeschworen. Dieser Film erkundet die Trivialität und Großartigkeit der menschlichen Existenz. Die Jury verleiht die lobende Erwähnung an MAN OF PA-ALING [MANONG NG PA-ALING].“

DAS BRETT – 3. Gefangenenjury-Preis

Jury-Preis der weltweit ersten Gefangenen-Jury "Das Brett", gestiftet von Die Werft - Kulturbühne in der JVA Wiesbaden. © Foto: Diether v. Goddenthow
Jury-Preis der weltweit ersten Gefangenen-Jury „Das Brett“, gestiftet von Die Werft – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden. © Foto: Diether v. Goddenthow

Zum dritten Mal wurde der Preis DAS BRETT in der Reihe „Made in Germany“ von einer Gefangenenjury aus Insassen der JVA Wiesbaden verliehen. Aus den sieben nominierten Beiträgen wählten die acht Juroren WO KEIN SCHATTEN FÄLLT von Esther Bialas:

„Die Gefangenenjury der JVA Wiesbaden verleiht DAS BRETT 2018 an WO KEIN SCHATTEN FÄLLT von Esther Bialas, weil er etwas tut, was sich deutsche Filme selten trauen: eine geheimnisvolle, düstere Geschichte mit klassischen Genre-Mitteln und überraschenden Wendungen zu kombinieren, ohne vorhersehbar zu werden oder mit Botschaften um sich zu werfen. Dazu junge Schauspielerinnen, denen man die düsteren Abgründe ihrer Figuren nicht zutraut und eine erotische Komponente, die man so nicht erwartet: Man wusste eigentlich nie, was als nächstes passiert. An dieses Gesamterlebnis für die ganze Jury kam letztlich keiner der anderen Filme heran: Hätte man beim Anschauen eine Kamera auf uns gehalten, hätte man gesehen, dass es der einzige Film war, bei dem wir alle von vorne bis hinten mitgefiebert haben.“

Dotiert ist der Preis mit 1.500 EUR, gestiftet von „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden“.

exground youth days

Kulturstadtrat Helmut Nehrbaß (2.v.l.) verliest stellvertretend für den erkrankten Kulturdezernenten Axel Imholz die Urkunde des Gewinner des Jugend-Jury-Preises RESPETO von Alberto „Treb“ Monteras II (1.v.l.). sowie Youth-days-Kurator Gerald Pucher (3.v.l.) mit der Jugendjury. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturstadtrat Helmut Nehrbaß (2.v.l.) verliest stellvertretend für den erkrankten Kulturdezernenten Axel Imholz die Urkunde des Gewinner des Jugend-Jury-Preises RESPETO von Alberto „Treb“ Monteras II (1.v.l.). sowie Youth-days-Kurator Gerald Pucher (3.v.l.) mit der Jugendjury. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die philippinische Produktion RESPETO von Alberto „Treb“ Monteras II überzeugte die Mitglieder der Jugendjury im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb:

„Der philippinische Film RESPETO hat die Jugendjury in vielerlei Hinsicht überzeugt: Er führt uns ein in die erschreckenden Verhältnisse eines Landes, in dem Menschen aufgrund eines bloßen Verdachts auf offener Straße von der Polizei erschossen werden können. Der Film nutzt exzellent auf allen Ebenen die Sprache des Kinos: Kamera, Ton und Musik, Effekte und die authentische Darstellung verschmelzen zu einer Einheit. Inmitten einer Szenerie, geprägt von Gewalt, Drogen und Korruption, verfolgt Hendrix seinen Traum, sich in der Hip-Hop-Szene Manilas als Rapper durchzusetzen. Temporeich, angetrieben durch den Puls der Musik, zeigt RESPETO den Kampf um Respekt und Anerkennung – und wie wichtig es ist, Vorbilder zu haben. Mit der Kraft des Hip-Hop schafft es Hendrix, den Verhältnissen und der Perspektivlosigkeit etwas entgegenzusetzen. Ein echter Jugendfilm!“

Das Preisgeld von 2.500 EUR stiftete die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Die Jugendjury kürte außerdem SOMETHING ABOUT ALEX [ANDERS] von Reinout Hellenthal zum besten Kurzfilm der exground youth days, der in diesem Jahr erstmals mit einem Preisgeld von 500 EUR bedacht wird, gestiftet vom Wiesbadener Kinofestival e. V.

Das Publikum wählte als besten Langfilm RAFIKI von Wanuri Kahiu, die sich über 1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden, freuen darf.

Im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb setzte sich LESSON von Moritz Goebel und Joshua Kiefer im Publikumsvoting durch. Der erste Platz ist dotiert mit 500 EUR, gestiftet von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Den zweiten Platz belegte ALLES MUSS MAN SELBER MACHEN vom Team JAJEMoRF, das sich über einen Einkaufsgutschein des Apple-Fachhändlers ergo sum im Wert von 150 EUR freuen kann.

Wiesbaden Special – Kurzfilm-Wettbewerb

Im Publikumswettbewerb um den besten Wiesbadener Kurzfilm konnte HAYTHAM von Peter Ederer und Arne Dechow überzeugen. Neben dem Preisgeld von 500 EUR, gestiftet vom Medienpartner Wiesbadener Kurier, können die Gewinner außerdem mit dem Sachpreis „Filmsound Special“ an zwei Tagen Technik und Know-how des Wiesbadener Tonstudios klangBezirk im Wert von 2.000 EUR für die finale Tonmischung ihres nächsten Films nutzen.

exground-Gong-Show

Trash ist Kult – das bewiesen in diesem Jahr erneut die Teilnehmer der legendären exground-Gong-Show. Verdienter Gewinner von 50 EUR Preisgeld sowie der Goldenen exground-Gurke: Jet Leyco, der seinen WOMEN OF WIESBADEN am Tag der Gong-Show in Wiesbaden drehte.

(Quelle: https://exground.com/pm-preistraegerinnen-beim-exground-filmfest-31/)

exground filmfest 31 – Preisträger*innen im Überblick

DAS BRETT Gefangenenjury-Preis („Made in Germany“)
WO KEIN SCHATTEN FÄLLT von Esther Bialas (Deutschland 2018, 99 Min)
1.500 EUR , gestiftet von „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden“.

Deutscher Kurzfilm-Wettbewerb
1. Platz: KLEPTOMAMI von Pola Beck (Deutschland 2017, 10 Min.)
3.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden.

2. Platz: RIEN NE VA PLUS von Sophie Linnenbaum (Deutschland 2015, 15 Min.)
2.000 EUR, gestiftet von Magenta TV Fernsehproduktionsgesellschaft.

3. Platz: AUGENBLICKE – A BLINK OF AN EYE von Kiana Naghshineh (Deutschland 2018,
4 Min.)
1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden

Sachpreis: Filmequipment im Wert von 2.000 EUR, gestiftet von Pille Filmgeräteverleih:
KLEPTOMAMI von Pola Beck (Deutschland 2017, 10 Min.)

Sachpreis: „Grading Special“ im Wert von 1.500 EUR, gestiftet von Magenta TV
Fernsehproduktionsgesellschaft:
KLEPTOMAMI von Pola Beck (Deutschland 2017, 10 Min.)

Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb
Jurypreis:
MERMAIDS AND RHINOS [SELLŐK ÉS RINOCÉROSZOK] von Viktória Traub
(Ungarn 2017, 16 Min.)
2.000 EUR, gestiftet vom exground-Freundeskreis

Lobende Erwähnung:
MAN OF PA-ALING [MANONG NG PA-ALING] von E del Mundo (Philippinen 2017, 15
Min.)

Wiesbaden-Special – Kurzfilm-Wettbewerb
HAYTHAM von Peter Ederer und Arne Dechow (Deutschland 2018, 14 Min.)
500 EUR, gestiftet vom Wiesbadener Kurier.

Sachpreis: „Filmsound Special“ im Wert von 2.000 EUR, gestiftet vom
Tonstudio klangBezirk.

youth days – Internationaler Jugendfilm-Wettbewerb

Jurypreis bester Langfilm: RESPETO von Alberto „Treb“ Monteras II
(Philippinen 2018, 99 Min.)
2.500 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Jurypreis bester Kurzfilm: SOMETHING ABOUT ALEX [ANDERS] von Reinout Hellenthal
(Niederlande 2017, 19 Min.)
500 EUR, gestiftet von Wiesbadener Kinofestival e. V.

Publikumspreis: RAFIKI von Wanuri Kahiu
(Kenia/Südafrika/Deutschland/Niederlande/Frankreich/Norwegen/Libanon 2018, 83
Min.)
1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb
1. Platz: LESSON von Moritz Goebel und Joshua Kiefer (Deutschland 2018, 8 Min.)
500 EUR, gestiftet von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

2. Platz: ALLES MUSS MAN SELBER MACHEN vom Team JAJEMoRF
(Deutschland 2018, 4 Min.)
Einkaufsgutschein im Wert von 150 EUR, gestiftet vom Apple-Fachhändler ergo sum.

exground-Gong-Show
WOMEN OF WIESBADEN von Jet Leyco
50 EUR Preisgeld und die “Goldene exground-Gurke”

Termin für das exground filmfest 32: 15. bis 24. November 2019.

31. exground filmfest eröffnet mit blutigem Selbstjustiz-Drama – bis 25.November 180 Lang- und Kurzfilme im Programm

Filmfestleiterin Andrea Wink begrüßt die Gäste und dankt namentlich allen Mitstreitern, die es wieder einmal mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ermöglicht haben, dieses herausragende, international bekannte Filmfest zu stemmen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Filmfestleiterin Andrea Wink begrüßt die Gäste und dankt namentlich allen Mitstreitern, die es wieder einmal mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ermöglicht haben, dieses herausragende, international bekannte Filmfest zu stemmen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gestern Abend eröffneten Exground-Leiterin Andrea Wink, Kulturamtsleiter Jörg Uwe Funk, Staatssekretär Patrick Burghardt und der Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Dr. Helmut Müller, das 31.Exground Filmfest im Wiesbadener Caligari. Dort werden bis zum 25. November 2018 mit dem diesjährigen Filmfokus „Philippinen“ insgesamt 180 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme aus 42 Ländern mit 57 Premieren zu sehen sein.

Das Wiesbadener Filmfest startete mit einem cineastischen Paukenschlag, mit „Neomanila“, eine der wohl bedeutendsten Produktion aus dem diesjährigen Länderschwerpunkt Philippinen. „Neomanila“ ist eine atemberaubend grausame Dokumentation der Sinnlosigkeit des Seins vor dem Hintergrund seit Generationen tobender Drogenkriege, in der Auftragsmord ein ganz „normales“ Geschäftsmodel zu sein scheint. In diesem blutigen Drama gibt es nur Verlierer: Die Täter werden zu Exekutions-Opfern, dazwischen trifft es Mütter mit Kindern, Familien, Drogenabhängige und zuletzt die Hauptfigur, den Straßenjungen Toto, dessen Brüder ebenfalls grausam starben, der eine gleich zu Filmbeginn vom Motorrad aus erschossen, der andere wurde Opfer eines Handgranatenanschlags in einer total überfüllten Gefängniszelle.

Szene aus Neomanila. Gedungene Mörder fungieren als Hilfstruppen der Polizei. Auftragsmord als Geschäftsmodell.
Szene aus Neomanila. Gedungene Mörder fungieren als Hilfstruppen der Polizei. Auftragsmord als Geschäftsmodell.

Hitwomen Irma, die vorgibt, früher gemeinsam mit seiner Mutter gefälschte Markenartikel verkauft zu haben, nimmt sich Totos an, um ihn zum Killer auszubilden. Als Toto während eines nächtlichen Streifzugs mit Irma und deren mörderischem Begleiter Sarge darin versagt, einen um sein Leben flehenden Junkie abzuknallen, wird er vom äußerst genervten Sarge kaltblütig von hinten niedergestreckt. Irma, zum ersten Mal tränenerschüttert, erkennt in dem mit seinem Leben davon gekommenen Junkie ihren verlorenen Sohn: „Ich habe doch alle deine Freunde getötet – und Du nimmst immer noch das Zeug!“, hält sie ihm vor. Dies wirft ein neues Licht auf Irmas Motivlage: Ihre nächtlichen Exekutionsstreifzüge erscheinen nun als Akt verzweifelter mütterlicher Selbstjustiz. Als Irma versucht, ihren Jungen aus dem städtischen Drogensumpf auf‘s Land zu retten, türmt dieser während eines Staustopps. Ihr Versuch ihm hinterher zu fahren, endet für Irma abrupt hinter ihrem Steuer im Kugelhagel eines Motorradkillers, der die gefährliche Zeugin von Totos Hinrichtung unschädlich macht. Mit einer Bilderkaskade übelst zugerichteter realer Mordopfer in allen nur denkbaren Fund-Situationen und Abtransport-Positionen endet der Film, der ähnlich mit Schlachthofszenen vom Hühnerkleinmachen begann.

Filmschaffende beim anschließenden Empfang im Caligari-Foyer. © Foto: Diether v. Goddenthow
Filmschaffende beim anschließenden Empfang im Caligari-Foyer. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Idee für Neomanila, entstand, so Regisseur Mikhail Red beim anschließendem Filmgespräch, nachdem er ein BBC-Interview mit einem philippinischen Killer-Ehepaar gesehen hatte, welches nachts als Hitmen gearbeitet hatte. Recherchiert habe er die Gewalttaten vor allem im Polizeibezirk Manila. Er hätte nachts mit der Handykamera viele der außergerichtlichen Aufragsmorde festhalten können. In seinem Film zeige er Leute, die mitten im Drogenkrieg gefangen seien. Sie seien moralisch mehrdeutig. Der Zuschauer wisse nicht, wer gut, wer schlecht sei. Er sei bei seinen Filmen immer interessiert daran, auch recht sympathische Kriminelle zu zeigen, die sich gegen korrupte Polizisten wenden. Er würde aber nicht sagen, dass der Film politisch sei, denn die Charaktere wären sich selbst und der Politik gar nicht bewusst, sondern sie machten einfach alles  für Geld.

„Neomanila“ wird ergänzt durch eine Plakatausstellung vom 17.bis 24.November 2018 im Murnau-Filmtheater. Hier werden auch einige ausgewählte Arbeiten des philippinischen Fotografen Raffy Lerma gezeigt, der zudem mit seinen Arbeiten in der Ausstellung „PARADISE LOST“ im Nassauischen Kunstverein vom 09. Nov 2018 bis 16. Dez 2018 vertreten ist.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Alle Informationen sowie das Programm und alle Spielstätten finden Sie unter exground-filmfest

31. exground filmfest startet am 16.11.2018 mit 180 Filmen aus 42 Ländern – Fokus: Philippinen

exgroundlogoMit 180 Filmen aus 42 Ländern, darunter 58 Premieren, und zahlreichen Geld- und Sachpreisen im Wert von 20.000 EUR startet das 31. exground filmfest vom 16. bis 25. November 2018  in Wiesbaden.  Parallel zum Filmprogramm öffnen die Wiesbadener Spielstätten Caligari FilmBühne, Murnau-Filmtheater und der Kulturpalast ihre Pforten für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Konzerten, Panels und Partys

Schwerpunktthema sind die Philippinen.

Beim heutigen Pressegespräch stellten Festivalleiterin Andrea Wink gemeinsam mit exground-Youth-days-Kurator Gerald Pucher in Beisein von Jörg-Uwe Funk, Kulturamtsleiter, Ministerialdirigent Eric Seng, Abteilungsleiter Kunst und Kultur im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sowie Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, den Länderschwerpunkt und weitere Highlights des international bekannten  Wiesbadener Filmfestes vor.

From the dark Depths © exground filmfest
From the dark Depths © exground filmfest

Andrea Wink machte gleich zu Beginn des Pressegesprächs darauf aufmerksam, dass anlässlich des Länderschwerpunktes heute Abend im Nassauischen Kunstverein die Ausstellung „PARADISE LOST“ der philippinischen Künstlerinnen Martha Atienza, Raffy Lerma und Kiri Dalena eröffnet wird. Sie runde das filmische Fokusprogramm ab, bei dem traditionsreiche Filmkunst auf Regimekritik trifft. Mit insgesamt 21 Lang- und Kurzfilmen, darunter je sechs Europa- und Deutschlandpremieren, werden ein breiter Einblick in das traditionsreiche philippinische Film- und Kulturschaffen gewährt und die aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurse des Landes abseits des offiziell propagierten staatlichen Selbstverständnisses dokumentiert.

Zu sehen sind Werke international gefeierter Regisseure wie Lav Diaz, Khavn De La Cruz und Jet Leyco sowie die von aufstrebenden Regietalenten, allesamt mit englischen und deutschen Untertiteln. Einige Filme laufen darüber hinaus im Nachspiel in Frankfurt am Main und Darmstadt. Einen breiteren Diskussionsrahmen zur kulturellen und politischen Entwicklung des südostasiatischen Inselstaates bieten zwei Ausstellungen sowie zwei hochkarätig besetzte Panel und ein Vortrag zu den Themen 100 Jahre philippinisches Filmschaffen und die Lage der Menschenrechte.

Auf den Philippinen gäbe es, was kaum jemand hierzulande wüsste, zahlreiche Filmfestivals, so die Festivalleiterin weiter. „Mithilfe unseres Mitarbeiters auf den Philippinen, dem Kurator Axel Estein“, habe das „exground filmfest jene künstlerisch und gesellschaftspolitisch bemerkenswerten Beiträge entdeckt, die mutig Stellung beziehen zu aktuellen Themen wie Zensur, Unterdrückung und Korruption“, so Andrea Wink. Es sei vor allem dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie der National Commission for Culture and the Arts (NCCA) und der Film Development Commission of the Philippines (FDCP), zu verdanken, durch deren Unterstützung der Länderschwerpunkt Philippinen überhaupt erst ermöglicht wurde, sagte die Festivalleiterin.

Programm Fokus Philippinen

Auch in diesem Jahr sponsert ESWE mit kostenfeier Werbung in ihren Bussen und Außenwerbung das Filmfest. v.li.n.r.: Jörg-Uwe Funk, Kulturamtsleiter, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Festivalleiterin Andrea Wink, Eric Seng, Abteilungsleiter Kunst und Kultur im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Gerald Pucher, exground-Youth-days-Kurator. © Foto: Diether v. Goddenthow
Auch in diesem Jahr sponsert ESWE mit kostenfeier Werbung in ihren Bussen und Außenwerbung das Filmfest. v.li.n.r.: Jörg-Uwe Funk, Kulturamtsleiter, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Festivalleiterin Andrea Wink, Eric Seng, Abteilungsleiter Kunst und Kultur im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Gerald Pucher, exground-Youth-days-Kurator. © Foto: Diether v. Goddenthow

Weitere Programm-Highlights: Statement gegen Rassismus, Beziehungsstress in L.A. & Komödien aus Frankreich und Österreich

In der Reihe „American Independents“ ist das preisgekrönte Drama MONSTERS AND MEN (Spezial-Jurypreis beim Sundance Film Festival) von Reinaldo Marcus Green als Deutschland-Premiere zu sehen. Ein weißer Polizist erschießt einen Afroamerikaner in Brooklyn. Green inszeniert die Folgen der Tat aus der Perspektive von drei Menschen: dem Augenzeugen Manny, einem afroamerikanischen Polizisten und einem Highschool-Basketballstar. Das intensive Schauspiel von Anthony Ramos (A STAR IS BORN), Kelvin Harris Jr. (MUDBOUND, MONSTER) und John David Washington (BLACKKKLANSMAN) macht MONSTERS AND MEN zu einem wichtigen Statement gegen Rassismus.

Von New York geht es bei den „American Independents“ in WE THE COYOTES (NOUS, LES COYOTES) von Hanna Ladoul und Marco La Via in die Stadt der Engel. Das Spielfilmdebüt begleitet das junge Paar Amanda und Jake bei ihren ersten 24 Stunden nach ihrer Ankunft in L.A. Ohne einen konkreten Plan und Geld in der Reisekasse wird die Beziehung der beiden schnell auf eine harte Probe gestellt. Hanna Ladoul und Marco La Via, die sich vom Abenteuer ihrer eigenen ersten Tage in L.A. inspirieren ließen, schaffen mit ihrem Film ein erfrischendes und zeitloses Porträt jugendlicher Energie. WE THE COYOTES feiert bei exground filmfest ebenfalls seine Deutschland-Premiere

Adèle Haenel in LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER von Pierre Salvadori. © exground filmfest
Adèle Haenel in LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER von Pierre Salvadori. © exground filmfest

In der Sektion „International“ präsentiert exground filmfest die hochkarätig besetzte französische Komödie LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER (EN LIBERTÉ) von Pierre Salvadori. Die junge Kommissarin Yvonne ist die Witwe des örtlichen Polizeichefs Santi, die langsam begreift, dass ihr Mann nicht der rechtschaffene Mensch war, für den ihn alle hielten. Sie beschließt, alles für den jungen Antoine zu tun, der statt Santi in den Bau wanderte. Mit einem tollen Cast (Adèle Haenel, Pio Marmaï, Audrey Tautou) schafft Regisseur Pierre Salvadori (BEZAUBERNDE LÜGEN) großes Kino, das gute Laune macht.

Eine weitere scharfsinnige Komödie erwartet die Zuschauer mit der österreichischen Produktion WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT? Diese Frage stellt sich die Wienerin Wanda (Caroline Peters), überzeugte Atheistin und Feministin, als ihre Teenagertochter Nina zum Islam konvertiert, von nun an Fatima heißen und Schleier tragen möchte. Mit viel Humor und spitzfindigen Dialogen gelingt Regisseurin Eva Spreitzhofer und ihrem grandiosen Ensemble eine herrlich bissige Gesellschaftskomödie über Toleranz und ihre Grenzen.

31. exground filmfest Programm

youth days @ exground filmfest 31: Turbulent und herausfordernd

blue my mind © exground filmfest
blue my mind © exground filmfest

Gerald Pucher, der bereits zum 15. Mal die exground youth days kuratiert, gab einen Überblick über das spannende Programm vom 16. bis 25. November mit anspruchsvollen Produktionen aus 15 Ländern, darunter acht Lang- und 14 Kurzfilme. Sie gewährten Einblicke in den turbulenten und oft herausfordernden Alltag junger Menschen, so Pucher. Neu in diesem Jahr sei, so der Kurator, der mit 500 EUR dotierte Jugendjurypreis für den besten Kurzfilm, gestiftet vom Festival ausrichtenden Wiesbadener Kinofestival e. V.. Damit werden im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb und im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb Geld- und Sachpreise von insgesamt 4.650 EUR vergeben. Mit Film-Workshops und der Teilnahme an der Jugendjury setzt exground filmfest zudem sein Engagement für junge Geflüchtete fort.

Youth days bei exground 

Wettbewerbe beim exground filmfest

Jeder der 180 unabhängig produzierten Lang- und Kurzfilme aus 42 Ländern kann sich auf der großen Leinwand sehen lassen. Die beim exground Filmfest präsentierten Filme sind die Quintessenz von über 2.600 Einreichungen aus 107 Ländern. Welche Film auf dem diesjährigen exground filmfest die „besten“ und /oder beliebtesten sind, wird durch verschiedene Jurys in den Wettbewerben des exground filmfestes ermittelt.

In insgesamt sechs Wettbewerben vergibt das exground filmfest Geld- und Sachpreise im Wert von 20.000 EUR (Alle Preise und Preisstifter). Ein besonderer Dank geht an den Wiesbadener Kinofestival e. V., der im Rahmen der youth days den neuen Jugendjurypreis für den besten Kurzfilm stiftet, dotiert mit 500 EUR. Damit werden im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb und im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb Geld- und Sachpreise von insgesamt 4.650 EUR vergeben.

In der 17. Ausgabe des Internationalen Kurzfilm-Wettbewerbs konkurrieren 16 Filme aus 16 Ländern um den Jurypreis von 2.000 EUR, gestiftet vom exground-Freundeskreis. In der dreiköpfigen Jury sitzen: Dr. Catherine Colas, Redakteurin für kurz- und mittellange Filme bei ZDF/ARTE aus Mainz, Heleen Gerritsen, Festivalleiterin von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden, und Raymond Red, Regisseur und Produzent aus Manila/Philippinen.

Im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb treten insgesamt zehn Produktionen im Rennen um die Geld- und zwei Sachpreise im Wert von 9.500 EUR an, darunter RIEN NE VA PLUS von Sophie Linnenbaum, die 2017 mit ihren Film PIX den zweiten Platz belegte.

Der Wiesbaden-Special – Kurzfilm-Wettbewerb findet zum 14. Mal statt. Ausgewählt wurden elf Filme, darunter zahlreiche Premieren, die entweder von hier geborenen oder lebenden Regisseuren oder in Wiesbaden gedreht wurden. Der vom Publikum bestimmte Gewinner wird am 25. November preisgegeben.

In der Reihe „Made in Germany“ wird der Preis DAS BRETT zum dritten Mal von Insassen der JVA Wiesbaden vergeben. Insgesamt konkurrieren sechs Produktionen um den Gefangenen-Jurypreis, dotiert mit mindestens 1.000 EUR, gestiftet von „Die WERFT“.

In der exground-Gong-Show heißt das Motto wieder: je trashiger desto besser! Mitmachen darf jeder, der seinen Film rechtzeitig auf einem Datenträger abgibt. Der Gewinnerfilm erhält „Goldene exground-Gurke“ und 50 EUR Preisgeld. Die Gong-Show ist bereits am 3. November um 21 Uhr zu Gast bei FILMZ in der Kunsthalle Mainz.

Spielstätten 

Festival-App

Weitere Infos exground filmfest

Wiesbadener exground filmfest 31 mit 180 Filmen aus 42 Ländern, darunter 58 Premieren


Das Programm zum exground filmfest 31 vom 16. bis 25. November 2018 in Wiesbaden steht: 180 Filme aus 42 Ländern mit 58 Premieren und Geld- und Sachpreisen im Wert von 20.000 EUR.

exground filmfest 31 präsentiert vom 16. bis 25. November ein außergewöhnliches Programm mit rund 180 unabhängig produzierten Lang- und Kurzfilmen aus 42 Ländern auf der großen Leinwand. Unter den über 2.600 Einreichungen aus 107 Ländern traf das Kuratorenteam seine Auswahl, darunter 21 Welt-, drei internationale, elf Europa- und 24 Deutschland-Premieren. Ausgesuchte Filme aus dem Länderschwerpunkt Philippinen sind nicht nur in Wiesbaden, sondern auch in Darmstadt und Frankfurt am Main zu sehen. In insgesamt sechs Wettbewerben werden Geld- und Sachpreise im Wert von rund 20.000 EUR vergeben.

Neben dem Filmprogramm öffnen die Wiesbadener Spielstätten Caligari FilmBühne, Murnau-Filmtheater und der Kulturpalast ihre Pforten für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Konzerten, Panels und Partys.

exground 31 Programm-PDF

exground youth days Programm-PDF

 

Anthony Ramos (li.) und John David Washington in MONSTERS AND MEN von Reinaldo Marcus Green © exground 31
Anthony Ramos (li.) und John David Washington in MONSTERS AND MEN von Reinaldo Marcus Green © exground 31
Programm-Highlights: Statement gegen Rassismus, Beziehungsstress in L.A. & Komödien aus Frankreich und Österreich.

In der Reihe „American Independents“ ist das preisgekrönte Drama MONSTERS AND MEN (Spezial-Jurypreis beim Sundance Film Festival) von Reinaldo Marcus Green als Deutschland-Premiere zu sehen. Ein weißer Polizist erschießt einen Afroamerikaner in Brooklyn. Green inszeniert die Folgen der Tat aus der Perspektive von drei Menschen: dem Augenzeugen Manny, einem afroamerikanischen Polizisten und einem Highschool-Basketballstar. Das intensive Schauspiel von Anthony Ramos (A STAR IS BORN), Kelvin Harris Jr. (MUDBOUND, MONSTER) und John David Washington (BLACKKKLANSMAN) macht MONSTERS AND MEN zu einem wichtigen Statement gegen Rassismus.

Von New York geht es bei den „American Independents“ in WE THE COYOTES (NOUS, LES COYOTES) von Hanna Ladoul und Marco La Via in die Stadt der Engel. Das Spielfilmdebüt begleitet das junge Paar Amanda und Jake bei ihren ersten 24 Stunden nach ihrer Ankunft in L.A. Ohne einen konkreten Plan und Geld in der Reisekasse wird die Beziehung der beiden schnell auf eine harte Probe gestellt. Hanna Ladoul und Marco La Via, die sich vom Abenteuer ihrer eigenen ersten Tage in L.A. inspirieren ließen, schaffen mit ihrem Film ein erfrischendes und zeitloses Porträt jugendlicher Energie. WE THE COYOTES feiert bei exground filmfest ebenfalls seine Deutschland-Premiere.

In der Sektion „International“ präsentiert exground filmfest die hochkarätig besetzte französische Komödie LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER (EN LIBERTÉ) von Pierre Salvadori. Die junge Kommissarin Yvonne ist die Witwe des örtlichen Polizeichefs Santi, die langsam begreift, dass ihr Mann nicht der rechtschaffene Mensch war, für den ihn alle hielten. Sie beschließt, alles für den jungen Antoine zu tun, der statt Santi in den Bau wanderte. Mit einem tollen Cast (Adèle Haenel, Pio Marmaï, Audrey Tautou) schafft Regisseur Pierre Salvadori (BEZAUBERNDE LÜGEN) großes Kino, das gute Laune macht.

Eine weitere scharfsinnige Komödie erwartet die Zuschauer mit der österreichischen Produktion WOMIT HABEN WIR DAS VERDIENT? Diese Frage stellt sich die Wienerin Wanda (Caroline Peters), überzeugte Atheistin und Feministin, als ihre Teenagertochter Nina zum Islam konvertiert, von nun an Fatima heißen und Schleier tragen möchte. Mit viel Humor und spitzfindigen Dialogen gelingt Regisseurin Eva Spreitzhofer und ihrem grandiosen Ensemble eine herrlich bissige Gesellschaftskomödie über Toleranz und ihre Grenzen.

Adèle Haenel in LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER von Pierre Salvadori. © exground 31
Adèle Haenel in LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER von Pierre Salvadori. © exground 31
Wettbewerbe beim exground filmfest

In insgesamt sechs Wettbewerben vergibt das exground filmfest Geld- und Sachpreise im Wert von 20.000 EUR (Alle Preise und Preisstifter). Ein besonderer Dank geht an den Wiesbadener Kinofestival e. V., der im Rahmen der youth days den neuen Jugendjurypreis für den besten Kurzfilm stiftet, dotiert mit 500 EUR. Damit werden im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb und im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb Geld- und Sachpreise von insgesamt 4.650 EUR vergeben.

In der 17. Ausgabe des Internationalen Kurzfilm-Wettbewerbs konkurrieren 16 Filme aus 16 Ländern um den Jurypreis von 2.000 EUR, gestiftet vom exground-Freundeskreis. In der dreiköpfigen Jury sitzen: Dr. Catherine Colas, Redakteurin für kurz- und mittellange Filme bei ZDF/ARTE aus Mainz, Heleen Gerritsen, Festivalleiterin von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden, und Raymond Red, Regisseur und Produzent aus Manila/Philippinen.

Im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb treten insgesamt zehn Produktionen im Rennen um die Geld- und zwei Sachpreise im Wert von 9.500 EUR an, darunter RIEN NE VA PLUS von Sophie Linnenbaum, die 2017 mit ihren Film PIX den zweiten Platz belegte.

Der Wiesbaden-Special – Kurzfilm-Wettbewerb findet zum 14. Mal statt. Ausgewählt wurden elf Filme, darunter zahlreiche Premieren, die entweder von hier geborenen oder lebenden Regisseuren oder in Wiesbaden gedreht wurden. Der vom Publikum bestimmte Gewinner wird am 25. November preisgegeben.

In der Reihe „Made in Germany“ wird der Preis DAS BRETT zum dritten Mal von Insassen der JVA Wiesbaden vergeben. Insgesamt konkurrieren sechs Produktionen um den Gefangenen-Jurypreis, dotiert mit mindestens 1.000 EUR, gestiftet von „Die WERFT“.

In der exground-Gong-Show heißt das Motto wieder: je trashiger desto besser! Mitmachen darf jeder, der seinen Film rechtzeitig auf einem Datenträger abgibt. Der Gewinnerfilm erhält „Goldene exground-Gurke“ und 50 EUR Preisgeld. Die Gong-Show ist bereits am 3. November um 21 Uhr zu Gast bei FILMZ in der Kunsthalle Mainz.

Alle weiteren Infos über https://exground.com/

Ohne diese Förderer und Sponsoren wäre das Filmfestival exground nicht zu stemmen!

youth days @ exground filmfest 31: Turbulent und herausfordernd

Luna Wedler in BLUE MY MIND von Lisa Brühlmann (© Daniel Lobos / Tellfilm)
Luna Wedler in BLUE MY MIND von Lisa Brühlmann (© Daniel Lobos / Tellfilm)

22 Filme aus 15 Ländern // Neuer Jurypreis // Engagement für junge Geflüchtete

Die 15. Auflage der exground youth days präsentiert vom 17. bis 22. November im Rahmen von exground filmfest (16.–25.11.18) ein spannendes Programm mit anspruchsvollen Produktionen aus 15 Ländern. Acht Lang- und 14 Kurzfilme gewähren Einblicke in den turbulenten und oft herausfordernden Alltag junger Menschen. Neu in diesem Jahr ist der mit 500 EUR dotierte Jugendjurypreis für den besten Kurzfilm, gestiftet vom Festival ausrichtenden Wiesbadener Kinofestival e. V.. Damit werden im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb und im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb Geld- und Sachpreise von insgesamt 4.650 EUR vergeben. Mit Film-Workshops und der Teilnahme an der Jugendjury setzt exground filmfest zudem sein Engagement für junge Geflüchtete fort.

Internationaler Jugendfilm-Wettbewerb: Transgender, Homophobie & Identitätssuche

„Mit dem diesjährigen Programm der exground youth days bieten wir mehr denn je einmalige Einblicke in die Lebensverhältnisse von jungen Menschen, zum Beispiel in Palästina und Kenia,“, erklärt Kurator Gerald Pucher. „Dabei werden politisch hochaktuelle Themen behandelt, wie etwa Homophobie, die Stellung der Frau in Gesellschaften außerhalb Europas sowie sexuelle und Gender-Identität.“

Im Lukas Dhonts ruhigem Debütfilm GIRL verfolgt die 15-jährige Lara (Victor Polster) mit großer Hingabe ihren Traum, Ballerina zu werden. Neben dem harten Alltag an der Ballett-Akademie versucht Lara, sich außerdem auf ihre bevorstehende geschlechtsanpassende Operation vorzubereiten, um endlich im richtigen Körper anzukommen. GIRL wurde in Cannes mehrfach ausgezeichnet (u. a. FIPRESCI-Preis, Queer Palm und Victor Polster als bester Schauspieler). Am 17. November um 17.30 Uhr eröffnet GIRL die exground youth days in der Caligari FilmBühne.

Um Verwandlung geht es auch in Lisa Brühlmanns mehrfach ausgezeichnetem Spielfilmdebüt BLUE MY MIND. Die 15-jährige Mia (Luna Wedler) sucht in ihrer neuen Schule Anschluss an eine coole Clique und stürzt sich ins wilde Teenagerleben. Dann aber beginnt sich Mias Körper seltsam zu verändern. Erst kaum merklich, dann massiv – und unaufhaltsam. Mit seiner Mischung aus Coming-of-Age und Fantasyfilm überzeugte BLUE MY MIND auf diversen Filmfestivals und erhielt etwa beim Schweizer Filmpreis drei Auszeichnungen (für bester Spielfilm, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin).

Mit Desiree Akhavans bittersüßem Drama THE MISEDUCATION OF CAMERON POST präsentieren die youth days ein weiteres preisgekröntes Werk (Jurypreis beim Sundance Film Festival) im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb. Montana in den frühen 1990er-Jahren: Nachdem die Waise Cameron (Chloë Grace Moretz) beim Sex mit ihrer Freundin Coley erwischt wird, stecken ihre erzkonservativen Verwandten Cameron in ein Umerzie­hungs­lager. Desiree Akhavan setzt das ernste Thema mit ergreifendem Witz und lustvollem Gespür für Trotz um.

Die Liebe zwischen zwei Frauen im Konflikt mit gesellschaftlichen Konventionen steht auch in Wanuri Kahius poppig-buntem RAFIKI im Mittelpunkt. Die beiden Freundinnen Kena und Ziki lehnen sich gegen die männergeprägten Regeln in der kenianischen Gesellschaft auf und träumen von einer selbstbestimmten Zukunft. Als sie sich ineinander verlieben, müssen sie sich zwischen Glück und Sicherheit entscheiden. Der erste kenianische Beitrag in Cannes wurde in Kenia verboten, weil homosexuelle Handlungen dort unter Strafe stehen. Mit einer kurzzeitigen Aufhebung des Verbots qualifizierte sich RAFIKI für den Wettbewerb um den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars.

Eine weitere unkonventionelle Geschichte zeigt Christy Garland in ihrem Dokumentarfilm WHAT WALAA WANTS. Aufgewachsen in einem Flüchtlingslager, hat die junge Palästi­nenserin Walaa nur ein Ziel: Anstatt jung zu heiraten und Kinder zu kriegen, will sie unbe­dingt Polizistin bei der Palästinensischen Autonomiebehörde werden. Von ihrem 15. bis zum 20. Lebensjahr begleitet Garland die rebellische junge Frau, die hartnäckig ihren Traum verfolgt.

Kurzfilme bei den exground youth days

youthdays-coverIm Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb tauchen sieben internationale Kurzfilme, die jeweils vor einem Langfilm gezeigt werden, in die Lebenswelten jugendlicher Protagonisten ein. Erstmals vergibt die Jugendjury in diesem Jahr auch einen Preis für den besten Kurz­film, dotiert mit 500 EUR und gestiftet vom Wiesbadener Kinofestival e. V.

Im Wettbewerb zu sehen ist unter anderem die niederländische Produktion SOMETHING ABOUT ALEX (ANDERS) von Reinout Hellenthal, in dem Außenseiter Alex in der dörflichen Enge auf Identitätssuche geht. Der spanische Beitrag PIGGY (CERDITA) von Carlota Pereda zeigt die Auswirkungen, die ein unfreiwilliger Bikini-Auftritt für die übergewichtige Sara hat. In Laura Moss’ Coming-of-Age-Geschichte FRY DAY aus den USA versucht die junge Lauryn, mit Polaroids von den Schaulustigen, die sich 1989 in der Nacht vor Ted Bundys Hinrichtung vor dem Gefängnis versammelt haben, ihr Taschengeld aufzubessern.

Im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb haben einheimische Regietalente von insgesamt sieben Kurzfilmen die Chance, ihre Werke zum ersten Mal auf der großen Leinwand zu präsentieren.

Aktive Filmarbeit mit jungen Geflüchteten: Film-Workshop, Jugendjury & exground Jugendfilm des Monats

Wie in den Vorjahren führt exground filmfest junge Geflüchtete in die aktive Filmarbeit ein: In einem Film-Workshop stellen die Teilnehmer während exground filmfest einen Stop-Motion-Film her, der dann im Rahmen der exground youth days gezeigt wird.

Außerdem konnten erneut junge Geflüchtete für die Jugendjury im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb gewonnen werden. Zusammen mit Wiesbadener Jugendlichen werden sie alle Filme des Wettbewerbs sichten und am Ende den mit 2.500 EUR dotierten Preis für den besten Langfilm (gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden) sowie den neuen Geldpreis von 500 EUR vergeben.

Über den Festivalzeitraum hinaus veranstaltet exground filmfest seit 2005 ganzjährig den exground Jugendfilm des Monats. Die hier gezeigten, internationalen Produktionen laden das junge Publikum, darunter auch junge Geflüchtete, zu Diskussionen und aktiver Filmarbeit unter Anleitung eines Medienpädagogen ein.

Das Programm der exground youth days ist hier einsehbar: PDF-Download

Das komplette exground-Programm ist ab Mitte Oktober 2018 auf www.exground.com zu sehen.
exground filmfest dankt allen Förderern und Sponsoren.

exground filmfest 31 eröffnet mit philippinischem Thriller NEOMANILA

Andrew Garfield in UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell. © Exground-Filmfest 31
Andrew Garfield in UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell. © Exground-Filmfest 31

Mit dem philippinischen Neo-Noir Thriller NEOMANILA wird das 31. exground filmfest am 16. November um 19 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Mikhail Red in der Wiesbadener Caligari Filmbühne eröffnet. Der dritte Langfilm des jungen Regisseurs (Jahrgang 1991) setzt sich mit der brutalen Anti-Drogen-Politik von Präsident Rodrigo Duterte auseinander, in der angeheuerte Killer für die Ermordung von Drogenverdächtigen bezahlt werden. Zwischen der Auftragskillerin Irma und ihrem Protegé, dem jungen Waisen Toto, entstehen zarte, familiäre Bande, die beim nächsten Attentat zu zerreißen drohen. Mikhail Red sowie sein Vater Raymond Red, der Pionier des alternativen philippinischen Kinos und „Palme d’or“-Gewinner, der in Wiesbaden seinen Film HIMPAPAWID (MANILA SKIES, 2009) vorstellen wird, sind zwei Vertreter des diesjährigen Länderschwerpunktes, den das Festival dem außergewöhnlichen Filmschaffen auf den Philippinen widmet.

exground filmfest begrüßt zwischen dem 16. und 25. November weitere zahlreiche internationale Filmgäste, die dem filmbegeisterten Publikum rund 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme vorstellen. Darüber hinaus erwartet die Zuschauer in den Wiesbadener Spielstätten Caligari FilmBühne, Murnau-Filmtheater und Kulturpalast sowie in ausgewählten Programmkinos in Frankfurt am Main und Darmstadt ein spannendes Rahmenprogramm aus Workshops, Ausstellungen, Partys und Podiumsdiskussionen.

Erste Highlights: Thriller, Politsatire und Transgender-Ballerina

Bereits ins Programm eingeladen ist der US-amerikanische Thriller UNDER THE SILVER LAKE von David Robert Mitchell. Der gutmütige, aber verpeilte Sam (Andrew Garfield) ist hingerissen von der umwerfend schönen Sarah (Riley Keoug), die eines Abends im Pool seines Apartmentgebäudes in L.A. schwimmt. Als sie am nächsten Morgen spurlos verschwunden ist, macht sich Sam auf die Suche und wittert eine globale Verschwörung, in die Millionäre, Celebrities, Hundemörder und urbane Mythen involviert sind.

DIAMANTINO (Carloto Cotto) von Gabriel Abrantes und Daniel Schmidt © Exground-Filmfest 31
DIAMANTINO (Carloto Cotto) von Gabriel Abrantes und Daniel Schmidt © Exground-Filmfest 31

Ein weiteres Highlight im Programm ist die Politsatire DIAMANTINO von Gabriel Abrantes und Daniel Schmidt. Der gefeierte, portugiesische Fußballstar Diamantino – mit frappierender Ähnlichkeit zu Ronaldo – ist am Boden zerstört, als seine Karriere jäh endet. Es beginnt eine Sinnsuche, auf der Diamantino unter anderem mit Geflüchteten, falschen Nonnen, Rechtsextremisten, Genderfragen und riesigen Hunde auf rosa Wolken konfrontiert ist. Der Überraschungshit aus Cannes verspricht mit seinem Mix aus Genres und Ästhetik großes Filmvergnügen.

Lara (Victor Polster, li) in GIRL von Lukas Dhont. (Bild: Menuet) © Exground-Filmfest 31
Lara (Victor Polster, li) in GIRL von Lukas Dhont. (Bild: Menuet) © Exground-Filmfest 31

Die 15. Ausgabe der exground youth days wird mit dem belgischen Debüt GIRL von Lukas Dhont eröffnet, in dem die 15-jährige Transgender Lara hart trainiert, um eine Ballerina zu werden. In einer atemberaubenden Performance verkörpert Tänzer und Schauspieler Victor Polster die aufstrebende Tänzerin.

Deutscher Wettbewerb: 3. Gefangenen-Jurypreis DAS BRETT

Zum dritten Mal vergibt exground filmfest den Gefangenen-Jurypreis DAS BRETT für den besten Film in der Reihe Made in Germany, dotiert mit mindestens 1.000 EUR, gestiftet von „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden“.

HINGABE von Pablo Kaes © Exground-Filmfest 31
HINGABE von Pablo Kaes © Exground-Filmfest 31

Sechs Produktionen des Deutschen Wettbewerbs laufen im Wettbewerb für DAS BRETT, darunter Pablo Kaes’ Debütfilm HINGABE, der in Wiesbaden seine Deutschland-Premiere feiert. Das Paar Julia und Franz wird nachts auf offener Straße von einer Gruppe Männer belästigt. Scheinbar ist nichts Schlimmes passiert, aber dennoch steht die Beziehung der beiden von da an vor einer Zerreißprobe. Während Julia nicht begreift, warum Franz sie nicht in Schutz genommen hat, als einer der Männer sie bedrängt, schämt sich Franz so sehr, dass er sich weigert, darüber zu sprechen.

ADAM UND EVELYN von Andreas Goldstein  © Exground-Filmfest 31
ADAM UND EVELYN von Andreas Goldstein © Exground-Filmfest 31

Beziehungsprobleme ganz anderer Art haben ADAM UND EVELYN in Andreas Goldsteins gleichnamigem Spielfilm. Sommer 1989. Während sich Adam mit seinem Leben im schönen Eigenheim in der DDR arrangiert hat, steht für Evelyn fest, sobald die Grenzen offen sind: Sie will mehr vom Leben und von der Liebe.

Ebenfalls im Rennen um DAS BRETT läuft die dritte Regiearbeit von Ann-Kristin Reyels, WIR HABEN NUR GESPIELT. Für den zehnjährigen Jona beginnt in seiner neuen Heimat an der deutsch-tschechischen Grenze ein einsames Leben. Unglücklich streift er durch die Wälder, bis er jenseits der Grenze den 13-jährigen Miro kennenlernt. Dessen selbstsichere Art imponiert Jona, aber allmählich begreift er, welches Schicksal sich dahinter verbirgt.

Außerdem sind im Wettbewerb um DAS BRETT zu sehen: JIBRIL von Henrika Kull, NIXEN von Katinka Narjes und WO KEIN SCHATTEN FÄLLT von Esther Bialas.

Gewinner im exground-Trailer-Wettbewerb

Der Trailer für das diesjährige exground filmfest war Gegenstand eines Seminars im Studiengang Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Von den fünf Projektideen wurden drei Projekte im Sommersemester 2018 realisiert, und die Wahl des Teams von exground filmfest fiel auf den Trailer von Elisa Cavalli. Aber auch die anderen beiden Vorschläge werden bei der Eröffnung von exground filmfest 31 in der Caligari FilmBühne auf der großen Leinwand laufen.

Weitere Infos: https://exground.com/news/

goEast 2018: Goldene Lilie für „November“ – Estland, Ungarn und Serbien für Filme ausgezeichnet

goEast 2018 ging am 24.April mit der feierlichen Preisverleihung in der Caligari Filmbühne in Wiesbaden heiter zu Ende. Auf dem Abschlussfoto sind alle am mittel- und osteuropäischen Filmfestival Beteiligten versammelt.© Foto: Diether v. Goddenthow
goEast 2018 ging am 24.April mit der feierlichen Preisverleihung in der Caligari Filmbühne in Wiesbaden heiter zu Ende. Auf dem Abschlussfoto sind alle am mittel- und osteuropäischen Filmfestival Beteiligten versammelt.© Foto: Diether v. Goddenthow

goEast 2018: Die  Goldene Lilie, der mit 10 000 Euro dotierte Hauptpreis für den besten Film, geht an NOVEMBER. Für die beste Regie wurde der Film A WOMAN CAPTURED mit dem Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden in Höhe von 7.500 Euro ausgezeichnet.

Bevor gestern Abend mit dem Reigen der offiziellen feierlichen Preisverleihung in der Wiesbadener Caligari FilmBühne  die 18. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films erfolgreich zu Ende ging, bewies das goEast-Team nochmals seine geballte Kreativität mit dem „Golden-Stefan“.

Weil Managementleiter Stefan Adrian immer im Hintergrund bleibt, zwang ihn das goEast-Team mit dem Gag-Preis "Goldener Stefan" auf die Bühne.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Weil Managementleiter Stefan Adrian immer im Hintergrund bleibt, zwang ihn das goEast-Team mit dem Gag-Preis „Goldener Stefan“ auf die Bühne. © Foto: Diether v. Goddenthow

Diesen Dankeschön-Preis erhielt der Management- und Organisationsleiter vom goEast-Team zu seinem „10jährigen“ für unermüdliches, selbstloses Engagement.
Dieser  Gag war das absolute Stimmungs-Sahnehäubchen nach einer Woche Kino, Virtual Reality, vielen Vorträgen, Diskussionen, Ausstellungen und Workshops mit 102 Filmen und über 200 Gästen der internationalen Filmbranche. Insgesamt wurden die Sieger der  Wettbewerbe mit Preisen im Gesamtwert von 30.000 Euro geehrt:

Hauptpreis „Die Goldene Lilie“

Ein Liebesmärchen voller archaischer, fantastischer Bilder mit Werwolf-Flair und Zaubergestalten vor dem Dorfhintergrund im feudalistischen Estland voller Umbrüche und Existenzängste, verzaubert Rainer Sarnets  „November“ mit künstlerischen Vision und hintergründigem Humor.
Ein Liebesmärchen voller archaischer, fantastischer Bilder mit Werwolf-Flair und Zaubergestalten vor dem Dorfhintergrund im feudalistischen Estland des 19. Jh. voller Umbrüche und Existenzängste, verzaubert Rainer Sarnets „November“ mit künstlerischen Vision und hintergründigem Humor.

Die Goldene Lilie, der Preis für den Besten Film, ging an NOVEMBER (Estland, Niederlande, Polen 2017, Regie: Rainer Sarnet; Produktion: Katrin Kissa).

Per Video zugeschaltet: Produzentin Katrin Kissa.
Per Video zugeschaltet: Produzentin Katrin Kissa.

Die fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Ildikó Enyedi begründete die Entscheidung mit der außergewöhnlichen, herausragenden Umsetzung durch den Regisseur und dem Mut der Produzentin, für diese Vision zu kämpfen. „Für die kraftvolle Vision, die wahre Poesie, den freien Humor und den Glauben des gesamten Teams geht der Preis für den Besten Film an NOVEMBER“, so die Jury. Rainer Sarnets düsteres Folklore-Märchen in kontrastreichem Schwarz-Weiß erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Bernadett Tuza-Ritter gewann mit EINE GEFANGENE FRAU (A WOMAN CAPTURED, Ungarn, Deutschland 2017) den mit 7.500 dotierten Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie. Die Jury hob insbesondere die Genauigkeit und Weisheit der Auswahl für den besten Ausdruck hervor. „Nicht nur für den Film, sondern auch für die zärtliche und geduldige Art und Weise, wie sich die Regisseurin dem Leben der Protagonistin nähert und für die Tapferkeit ihres minimalistischen Ansatzes vergibt den Preis an Bernadett Tuza-Ritter.“

Heleen Gerritsen leitete als Nachfolgerin von Gabi Babic ihr erstes GoEast-Festival souverän.© Foto: Diether v. Goddenthow
Heleen Gerritsen leitete als Nachfolgerin von Gabi Babic ihr erstes GoEast-Festival souverän.© Foto: Diether v. Goddenthow

Festivalleiterin Heleen Gerritsen betont: „Ich bin begeistert vom treuen goEast-Stammpublikum, das sich mit großer Leidenschaft im Kino traf, an Filmgesprächen teilnahm und sich inhaltlichen Neuerungen wie Virtual Reality sehr aufgeschlossen zeigte. Als neue Leiterin fühlt man sich da gleich wie zu Hause. Allabendlich trafen sich Star-Regisseurinnen und Regisseure, Nachwuchsfilmschaffende, Dokumentarfilmemacherinnen und Dokumentarfilmemacher, Animationskünstlerinnen und Animationskünstler, VR-Künsterinnen und VR-Künstler und Festivalgäste aus den verschiedensten Ländern im Festivalzentrum und mit Wodka bis tief in der Nacht geredet und gefeiert. goEast ist wirklich ein Festival der Begegnungen!“

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Der Film DIE ANDERE SEITE VON ALLEM (THE OTHER SIDE OF EVERYTHING, Serbien, Frankreich, Katar 2017, Regie: Mila Turajlić) über die Proteste, die zum Sturz von Slobodan Milošević führten, wurde mit dem Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt (4.000 EUR) ausgezeichnet. Er zeige laut Jurybegründung eine zutiefst persönliche Geschichte: „Der Film gibt einen einzigartigen Einblick in das Leben einer starken Frau, die gegen den Strom schwimmt. Er macht auf die Fragilität und Verwundbarkeit der Demokratie aufmerksam“, so die Jury.

Die Jury würdigte mit einer lobenden Erwähnung zudem REZO (Russland 2017) von Regisseur Levan Gabriadze für „die herzerwärmende Familiengeschichte zwischen den Wellen der Geschichte des 20. Jahrhunderts – erzählt mit Humor und Menschlichkeit.“ Die Form des Films passe hervorragend zum Thema.

Der Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI ging an DIE EISSCHWIMMERIN (BÁBA Z LEDU, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Frankreich 2017, Regie: Bohdan Sláma) in der Kategorie Spielfilm. Eine Witwe mittleren Alters bricht aus den Zwängen erstickender Konventionen aus und genießt die Freuden ihres neuen Lebensstils. „Die urkomische Inszenierung findet ihren Widerhall im Absurden und sorgt für überraschende Wendungen. Die Sozialsatire besteche mit seiner Vitalität, so die Jury.
In der Kategorie Dokumentarfilm hat EINE GEFANGENE FRAU (A WOMAN CAPTURED, Ungarn, Deutschland 2017, Regie: Bernadett Tuza-Ritter) den Preis der FIPRESCI gewonnen. Der Film über die Ausbeutung einer unbezahlten Bediensteten in einer modernen Familie sei das markante Porträt einer tapfer für ihre Freiheit kämpfenden Frau. Wir haben uns wegen der Kohärenz ihres Standpunkts, ihrer künstlerischen Strenge und ihrer sozialen Wirkung für die deutsch-ungarische Produktion entschieden.

Das Künstler-Duo Denis Semenov und Natalia Severina gewann den von der BHF BANK Stiftung ausgelobten Virtual-Reality-Wettbewerb Open Frame Award für ihr Werk NOMINAL EMPIRE (Russland 2018). Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. In der Jurybegründung heißt es: „Die einfallsreiche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wird konsequent in ausdrucksstarke Bilderwelten übersetzt. Der Zuschauer hat die Möglichkeit, ästhetische Erfahrungen in einer postmodernen Welt zu sammeln und sich frei in dem dystopischen Gedankenspiel der Macher zu bewegen.“ Mit dem ersten Platz werde die außergewöhnliche konzeptionelle und technische Leistung dieses Künstlerpaares gewürdigt.
Eine lobende Erwähnung erhielt HIER UND DORT (Weißrussland 2017) von Kiryll Halitsky. Der drohende Sieg des Alltags über das kreative Schaffen eines Autors werde hervorragend umgesetzt.

Das Projekt RETURN MY HANDS von Konstantin Selin erhielt den vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ausgelobten goEast Development Award (3.500 EUR) für das beste Pitching beim East-West Talent Lab. Der Protagonist von RETURN MY HANDS nutze seine Fähigkeiten als Spezialist für Finger- und Gliedmaßenchirurgie, um Zuschauer für sein Filmemachen zu gewinnen. „Zwei gegensätzliche Welten: Mikrochirurgie und Filmemachen – Konstantin Selins Blick auf das russische Gesundheitssystem ist humorvoll und störend“, begründete die Jury. Eine lobende Erwähnung erhielt INHABITANTS von Mery Aghakhanyan. Das dokumentarische Projekt über vergessene Vertriebene einer armenischen Container-Siedlung sei sozial hochrelevant und visuell stark umgesetzt.

Die 18. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films fand vom 18. bis 24. April statt. Zu den Höhepunkten gehörten die Besuche der international gefeierten Filmemacherinnen und Filmemacher wie Boris Khlebnikov, Ildikó Enyedi sowie Mait Laas. Auf viel Ressonanz seitens des internationalen (Fach-)Publikums stieß auch das Symposium mit Titel „Hybride Identitäten – Das Kino der Baltischen Länder“.

Die Preise im Überblick

Die Goldene Lilie, der Preis für den Besten Film
NOVEMBER
Estland, Niederlande, Polen 2017; Regie: Rainer Sarnet; Produktion: Katrin Kissa

Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie
A WOMAN CAPTURED / EINE GEFANGENE FRAU
Ungarn, Deutschland 2017; Regie: Bernadett Tuza-Ritter

Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt
THE OTHER SIDE OF EVERYTHING / DRUGA STRANA SVEGA /
DIE ANDERE SEITE VON ALLEM
Serbien, Frankreich, Katar 2017; Regie: Mila Turajlić

Der Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Spielfilm)
ICE MOTHER / BÁBA Z LEDU / DIE EISSCHWIMMERIN
Tschechische Republik, Slowakische Republik, Frankreich 2017;
Regie: Bohdan Sláma

Der Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Dokumentarfilm)
A WOMAN CAPTURED / EINE GEFANGENE FRAU
Ungarn, Deutschland 2017; Regie: Bernadett Tuza-Ritter

Open Frame Award
NOMINAL EMPIRE
Russland 2018; Denis Semenov und Natalia Severina

goEast Development Award
RETURN MY HANDS
Weißrussland 2017; Kiryll Halitsky

 

 

 

goEast 2018 im Wiesbadener Caligari eröffnet


Gemeinsam mit Staatsekretär Carsten Burckhard und Oberbürgermeister Sven Gerich eröffneten gestern Abend die neue Festivalleiterin Heleen Gerritsen und die neue Direktorin des Deutschen Filminstituts Frankfurt goEast 2018 in der Caligari Filmbühne in Wiesbaden. In den nächsten Tagen werden bei Deutschland renommiertesten Festival des mittel- und osteuropäischen Films 102 Filme aus 35 Ländern zu sehen sein, darunter über acht Weltpremieren , eine internationale Premiere, eine europäische und 20 Deutschland-Premieren, geordnet nach folgenden Schwerpunkten

BIOSKOP
PRAG 1968
WETTBEWERB
OPEN FRAME AWARD
SYMPOSIUM
PORTRAIT
OPPOSE OTHERING
SPECIALS

Daneben bietet das Festival wie gewohnt ein vielfältiges Begleitprogramm mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Filmgesprächen und natürlich den legendären goEast-Partys.

Einen fundierten, auch optischen Überblick, an welchen Wochentagen und Orten Film- und Begleitveranstaltungen geboten werden, vermittelt der:

Die neue goEast-Festival-Leiterin Heleen Gerritsen stellte die Schwerpunkte des diesjährigen Festivals vor. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die neue goEast-Festival-Leiterin Heleen Gerritsen stellte die Schwerpunkte des diesjährigen Festivals vor. © Foto: Diether v. Goddenthow

Insgesamt werden rund 200 Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa bei goEast zu Gast sein. Dem russischen Starregisseur Boris Khlebnikov ist im Porträt eine Werkschau gewidmet, der ehemalige Berlinale-Shooting-Star Mateusz Kościukiewicz, der auch Teil der diesjährigen Wettbewerbsjury ist, präsentiert den Eröffnungsfilm FRATZE, in dem er die Hauptrolle spielt. Im Rahmen des Spezialprogramms „Prag 1968“ sind die fünf Regisseurinnen und Regisseure, der Hauptproduzent und vier Darstellerinnen und Darsteller von OKKUPATION 1968 zum Filmgespräch vor Ort. Das Publikum hat die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre mit den Filmschaffenden des Wettbewerbs direkt ins Gespräch zu kommen, im allabendlichen „goEast Salon“ im Festivalzentrum.

Staatssekretär Patrick Burghardt mit goEast-Urgestein und Organisator Stefan Adrian, begrüßen beim Empfang die Gäste. © Foto: Diether v. Goddenthow
Staatssekretär Patrick Burghardt mit goEast-Urgestein und Organisator Stefan Adrian, begrüßen beim Empfang die Gäste. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auf die politischen Beiträge freut sich der Staatssekretär des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Patrick Burghardt, besonders: „Das Festival mit seinen beständig hohen Besucherzahlen und den vielen internationalen Gästen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie der kulturelle Austausch zwischen Ost und West zeitgemäß funktionieren kann. Die Hessische Landesregierung freut sich sehr, mit der alljährlichen finanziellen Förderung in Höhe von 115.000 Euro einen entsprechenden Beitrag zum Erfolg des Festivals und damit gleichzeitig auch für die Völkerverständigung in Europa leisten zu können.“

Foyer-Impression der Filmbühne Caligari Wiesbaden, © Foto: Diether v. Goddenthow
Foyer-Impression der Caligari  Filmbühne Wiesbaden, © Foto: Diether v. Goddenthow

Alle weiteren Informationen finden Sie unter https://www.filmfestival-goeast.de/de/

 

goEast 2018: Das Kino im Wandel Europas goEast Wettbewerb // Jury // Preise

Die FRATZE (TWARZ, POL, 2018) © GoEast
Die FRATZE (TWARZ, POL, 2018) © GoEast

Vorhang auf für Małgorzata Szumowskas FRATZE (TWARZ, POL, 2018) mit dem die 18. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden eröffnet. Der Film der polnischen Regisseurin läuft außer Konkurrenz, reiht sich aber nahtlos ein in das Wettbewerbsprogramm, dem Herzstück von goEast: gesellschaftskritisches, persönliches, episches und aberwitziges Kino aus Mittel- und Osteuropa. „Künstlerische Vielfalt, Mut und Originalität sind charakteristisch für unser Wettbewerbsprogramm“, sagt Festivalleiterin Heleen Gerritsen. „Trotz stärker werdendem Nationalismus in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas und zunehmender Rhetorik, die an den Kalten Krieg erinnert, sehe ich im dortigen Kino viele gegenläufige Tendenzen, so haben uns in diesem Jahr erstaunlich viele länderübergreifende Koproduktionen erreicht, darunter übrigens auch viele starke Filme von weiblichen Filmschaffenden.“ Alle Wettbewerbsbeiträge erzählen von Menschen, die in Zeiten des Wandels versuchen, ihre Identität zu behaupten.

Preise und Jury
Im Wettbewerb treten wie gewohnt 16 Filme gegeneinander an, zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme. 14 Beiträge feiern bei goEast ihre Deutschlandpremiere. Die international besetzte, fünfköpfige Jury entscheidet über die Vergabe der Preise: die Goldene Lilie für den Besten Film (10.000 Euro), den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie (7.500 Euro) und den Preis des Auswärtigen Amtes für kulturelle Vielfalt (4.000 Euro). 2018 übernimmt die Jury-Präsidentschaft die Oscar®-nominierte ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi. Weitere Jury-Mitglieder sind Gennady Kofman, der künstlerische Leiter des Docudays UA International Human Rights Documentary Film Festival aus der Ukraine, der slowakische Regisseur und Produzent Peter Kerekes, der polnische Filmschauspieler Mateusz Kościukiewicz und die in Russland geborene Filmemacherin, Drehbuchautorin und VJane Elena Tikhonova. Die FIPRESCI ist mit einer eigenen Jury vertreten und ehrt jeweils den besten Spiel- und den besten Dokumentarfilm mit dem Preis der Internationalen Filmkritik.

Das komplette Filmprogramm können Sie hier als PDF downloaden:
http://archiv.filmfestival-goeast.de/downloads/goEast_Program_2018_web.pdf

goEast Wettbewerb
Der polnische Beitrag ES WAR EINMAL IM NOVEMBER (PEWNEGO RAZU W LISTOPADZIE, POL, 2017) von Regisseur Andrzej Jakimowski nutzt dokumentarische Bilder der Warschauer Aufmärsche von Rechtsextremen und porträtiert vor diesem Hintergrund den sozialen Absturz einer Familie. Die aberwitzige Found-Footage-Satire UNSER NEUER PRÄSIDENT (OUR NEW PRESIDENT, RUS/USA, 2018) zeigt den US-amerikanischen Wahlkampf aus russischer Sicht, in einer Collage aus skurrilen Ausschnitten aus dem Staatsfernsehen und Youtube-Fragmenten. Regisseur Maxim Pozdorovkin drehte zuvor unter anderem den Dokumentarfilm PUSSY RIOT, A PUNK PRAYER.
Im Dokumentarfilm DIE ANDERE SEITE VON ALLEM (DRUGA STRANA SVEGA, SRB/FRA/QAT 2017) reflektiert Regisseurin Mila Turajlić das Erbe des serbischen Bürgerkriegs und verknüpft die Geschichte des Landes mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Der Film gewann 2017 den Hauptpreis beim IDFA, dem größten Dokumentarfilmfestival weltweit.
Der Debütfilm KOPFÜBER (STRIMHOLOV, UKR, 2017, Regie: Marina Stepanska) ist ein in der postrevolutionären Ukraine angesiedeltes, von Generationskonflikten durchwobenes, Drama, dessen Charaktere nach Liebe und Identität suchen. Noch ein Debütfilm: das kosovarisch-albanische LGBTQ-drama DIE EHE (MARTESA, RKS/ALB, 2017) von Regisseurin Blerta Zeqiri. Die Hauptfigur steht vor einer Lebensentscheidung: die eigene Sexualität weiterhin nach außen verleugnen und heiraten, oder dem früheren Geliebten ins Ausland folgen. „Albaner und Serben im Kosovo sind sich nur über eine Sache einig: Homosexuelle haben keinen Platz in ihrer Gesellschaft“, so die Regisseurin.
Der auf einer wahren Begebenheit beruhende Spielfilm UNTER TAGE (RUDAR, SVN/DEU, 2017, Regie: Hanna Slak) stellt die Entdeckung eines 60 Jahre zurückliegenden Massakers in den Mittelpunkt. In der Hauptrolle: Leon Lučev. Das geschichtsträchtige Familiendrama AURORA BOREALIS (HUN, 2017) von Grande Dame Márta Mészáros, der 2017 die goEast Hommage gewidmet war, beginnt in der Gegenwart Österreichs und Ungarns, um dann eine filmische Reise zu unternehmen – zurück in die Zeit der sowjetischen Besatzung.
Auch andere Beiträge stellen ungewöhnliche Lebensläufe in ihren Mittelpunkt. Die schwarze Komödie DAS WUNDER (STEBUKLAS, LTU/BUL/POL, 2017, Regie: Eglė Vertelytė) spielt in der post-sowjetischen Trostlosigkeit der frühen 1990er Jahre. Das Leben von Kolchosleiterin Irena wird durch die plötzliche Ankunft eines Amerikaners durcheinander gewirbelt. Regisseur Bohdan Sláma tritt zum zweiten Mal an bei goEast: In seiner Tragikomödie DIE EISSCHWIMMERIN (BABA Z LEDU, CZE/SVK/FRA, 2017,) bricht Witwe Hana aus der Monotonie ihres tristen Alltags aus und entdeckt die Freude am winterlichen Eisschwimmens. Das dokumentarische EINE GEFANGENE FRAU (A WOMAN CAPTURED, HUN/DEU, 2017, Regie: Bernadett Tuza-Ritter) bietet verstörende Einblicke in den Alltag einer Haussklavin – mitten in Europa. Ein starkes Porträt, stellvertretend für die geschätzten 1,2 Millionen Sklavinnen und Sklaven in europäischen Privathaushalten. Im ungewöhnlichen Thriller SVETA (KAZ, 2017, Regie: Zhanna Issabayeva) legt eine gehörlose Russin im heutigen Kasachstan die Opferrolle ab und nimmt Rache an der Gesellschaft.
DIE TOTE NATION (TARA MOARTA, ROU, 2017, Regie: Radu Jude) fügt fotografische Porträts, Tagebucheinträge und Radioausschnitte eines jüdischen Arztes zu einer Collage über das Leben und den zunehmenden Antisemitismus in Rumänien in den Jahren 1937 bis 1946 zusammen. DER SAGENWALD(SENGIRE, LTU/EST/DEU, 2017) ist ein poetischer Naturfilm über das verborgene Leben in einem der wenigen Urwälder Europas. Regisseur und Kameramann Mindaugas Survila kommt dabei ganz ohne Musik und Kommentarstimme aus. In REZO (ZNAESH‘, MAMA, GDE YA BYL, RUS, 2017) fügen sich fantasievoll animierte Bilder zu einem Rausch, der das Leben in Georgien von Revaz „Rezo“ Gabriadze porträtiert, zusammen. Schillernde Figuren wie Stalin, Lenin und sogar ein deutscher Kriegsgefangener aus Wiesbaden treten in den Kindheitserinnerungen von Rezo auf. Regie führte Sohn Levan Gabriadze, produziert hat Timur Bekmanbetov.
Märchenhaft und düster geht es in NOVEMBER (EST/NDL/POL, 2017, Regie: Rainer Sarnet) zu. Ein heidnisches Dorf wird von Werwölfen, Geistern und der Pest heimgesucht, Schauspieler Dieter Laser (The Human Centipede) tritt in einer Nebenrolle als deutscher Adliger auf. Der vielfach ausgezeichnete Kameramann Mart Taniel drehte die Geschichte in kontrastreichem Schwarz-Weiß. Auch der russische Regisseur usbekischer Abstammung, Rustam Khamdamov, wählte Schwarz-Weiß für sein surreales Volksmärchen DER UNERSCHÖPFLICHE BEUTEL (MESHOK BEZ DNA, Russland 2017). Ryunosuke Akutagawas RASHOMON dient als Vorlage für die Erzählungen einer russischen Hofdame, die tief in einen mittelalterlichen Zauberwald führen, der gleichzeitig Tatort eines rätselhaften Mordes ist.

Die filmischen Erzählweisen des diesjährigen goEast Wettbewerbs sind genauso vielfältig wie die Gesellschaften aus denen sie entstammen. Ein spannendes Rennen ist garantiert!

goEast 2018: Die Zukunft des mittel- und osteuropäischen Kinos

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

goEast 2018: Die Zukunft des mittel- und osteuropäischen Kinos
East-West Talent Lab // Open Frame Award // OPPOSE OTHERING!

Frische Ideen, neue Technologien, zukünftige Formate: Das Nachwuchsprogramm von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films bietet jungen Filmtalenten auch in der 18. Ausgabe die Möglichkeit, neue Projekte zu entwickeln, sich zu vernetzen und mit Ideen auf sich aufmerksam zu machen, betont Festivalleiterin Heleen Gerritsen: „Die Nachwuchsförderung wird bei goEast seit langem großgeschrieben. Es freut uns zu sehen, dass ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Projekte umsetzen können und sich international durchsetzen. In diesem Jahr kommen zwei spannende Herausforderungen dazu: Wir haben das Spektrum der Projekte auf Virtual Reality ausgeweitet und widmen uns 2018 zudem nicht nur Regisseurinnen und Regisseuren, sondern auch anderen Nachwuchskräften der Filmbranche. goEast fördert damit Diversität in der Filmindustrie, nicht nur in Mittel- und Osteuropa, sondern auch in Deutschland“, so Gerritsen. Das East-West Talent Lab, der Open Frame Award und OPPOSE OTHERING! bündeln ihre Energien und bieten traditionell vielversprechende Ausblicke auf den Film von Morgen.

East-West Talent Lab
goEast fördert und vernetzt junge Film- und Kunstschaffende aus Mittel- und Osteuropa, der Rhein-Main-Region und ganz Deutschland. Die insgesamt dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer des East-West Talent Lab erwartet vom 19. bis 24. April ein vielseitiges Fortbildungsangebot: Vorträge zur Filmförderung, Podiumsdiskussionen zur Ausstrahlung und Förderung durch die großen Fernsehanstalten sowie eine Masterclass der Oscar®-nominierten, diesjährigen Jury-Präsidentin Ildikó Enyedi. „Wir freuen uns über den Einreichungsrekord im East-West Talent Lab“, betonte dessen Chefin Andrea Wink: „110 Bewerbungen aus 25 Ländern – das ist ein Plus von 20 Prozent und es bestätigt das große Interesse aus Mittel- und Osteuropa an unserem Nachwuchsprogramm.“
Ein Workshop bereitet die jungen Talente auf den fünfminütigen Pitch vor, bei dem 14 ausgewählte Projektideen, ob Kurzspiel- oder Dokumentarfilm, Animations-, Experimentalfilm oder Virtual Reality vorgestellt werden. Eine Jury bestehend aus Stefan Arsenijević (Regisseur, Drehbuchautor und Programmmanager von FIRST FILMS FIRST aus Belgrad, Serbien), Anna Berthollet (Sales & Festivalmanagerin bei Taskovski Films aus London, Großbritannien) und Holger Stern (Redakteur für Spielfilm-Koproduktionen bei ZDF/ARTE) kürt anschließend den Sieger des goEast Development Award, der vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain vergeben wird. Das Siegerprojekt erhält ein Preisgeld in Höhe von 3.500 Euro.

goeastlogoOpen Frame Award für Virtual Reality
2018 erfindet sich der Open Frame Award neu: Erstmals konkurrieren acht experimentelle Virtual-Reality- und 360̊-Grad-Projekte aus Mittel- und Osteuropa sowie aus dem Rhein-Main-Gebiet um den von der BHF BANK Stiftung ausgelobten Open Frame Award. Der Wettbewerb wird zudem von der Adolf und Luisa Haeuser Stiftung für Kunst und Kulturpflege gefördert.

„Mit Virtual Reality beschreiten wir ganz neue Wege des Erzählens“, sagt Georgy Molodtsov, der die Ausstellung des Open Frame Awards in diesem Jahr kuratiert. „Das Schöne ist: Wir fangen alle bei Null an! Die Projekte entstehen also nicht nur in den großen Filmstudios, sondern auch mit kleinem Budget, in Ländern mit kleiner Filmindustrie. Kurz gesagt: Virtual Reality ist ein frischer Start!“ Besonders wichtig sei dabei, dass der Open Frame Award Künstlerinnen und Künstler aus Mittel- und Osteuropa international sichtbar macht mit Ausstellungen in Frankfurt und Wiesbaden.
Eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Julia Leeb (Filmemacherin, VR-Expertin und Fotografin aus München), Dmitri Vrubel (Künstler und Galerist) und Simon Ofenloch (Filmredaktion ARTE/ARTE Fiktion im ZDF) entscheidet über den Gewinner des mit 5.000 Euro dotierten Preises. Die Ausstellung wird vom 10. bis 16. April im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main, und vom 19. bis 25. April im Museum Wiesbaden zu sehen sein.

OPPOSE OTHERING!
Ein weiteres Nachwuchsprojekt geht 2018 in die dritte Runde: OPPOSE OTHERING! In der von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) geförderten Sektion stehen ethisches Filmemachen und die Einbeziehung von Minderheiten in die audiovisuelle Industrie im Vordergrund, so Sektionsleiterin Rebecca Podlech: „Wir haben uns vorgenommen, in Deutschland und Osteuropa mit konkreten Handlungsvorgaben ein filmisches Umfeld zu entwickeln, in dem Minderheiten gleichberechtigt sind und Vielfalt respektiert wird. Akzeptanz, Solidarität und kreative Subversion sind dabei wichtige Elemente.“ Dazu werden nicht nur Regisseurinnen und Regisseure zum Programm eingeladen, sondern auch andere Nachwuchskräfte von Filmverleihfirmen, Festivals, Bildungsprojekten und Produktionsfirmen, die sich in Workshops und Diskussionsrunden über Diversität und die europäische Filmindustrie von morgen austauschen. Zusätzlich werden zwei Fallstudien vorgestellt. Im begleitenden Filmprogramm zeigt OPPOSE OTHERING! vier von goEast koproduzierte Tandemfilme, die in Wiesbaden Weltpremiere feiern: DOMASHNEE VIDEO (DEU, 2018), BOND (DEU, UKR, 2018), IN THE FRAME (DEU, FRA, MDA, ROU, 2018) und ANTIGONNA BOND (DEU, UKR, 2018). Filmerlebnisse, die Horizonte erweitern, sind hier garantiert!