Kategorie-Archiv: Caligari Filmbühne

„DAS MENSCH“ gewinnt Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb – weitere Preisverleihungen zum Abschluss von exground filmfest 32 im Caligari Wiesbaden

Wohin Prinzipienreiterei und Wortglauberei führen können, zeigt Sophie Linnenbaums Beitrag "Das Mensch" auf drastische, übertriebene Weise. Das Ganze gipfelt in einer Fingerabtrennung als Erfüllung einer  wortwörtlich als Absprache missverstandenen Redewendung. Der Kurzfilm holte den Publikumspreis.
Wohin Prinzipienreiterei und Wortglauberei führen können, zeigt Sophie Linnenbaums Beitrag „Das Mensch“ auf drastische, beinahe britisch-humoristisch übertriebene Weise. Das Ganze gipfelt in einer Fingerabtrennung als Erfüllung einer wortwörtlich als Absprache missverstandenen Redewendung,

DAS MENSCH gewinnt Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb // Kroatische Produktion IMBUED LIFE ist bester internationaler Kurzfilm // YOUR TURN und THE ORPHANAGE sowie PAPICHA gewinnen bei den youth days // 4. Gefangenenjury-Preis DAS BRETT für MEIN ENDE. DEIN ANFANG.
Übersicht aller Preisträger*innen

Mit der feierlichen Preisverleihung in der Caligari FilmBühne ging das exground filmfest 32 am 24. 11.2019 nach zehn Tagen erfolgreich und mit frohen Zukunftsnachrichten zu Ende.

Kultur-Stadtrat Helmut Nehrbass © Foto: Diether v Goddenthow
Kultur-Stadtrat Helmut Nehrbass © Foto: Diether v Goddenthow

Kultur-Stadtrat Helmut Nehrbass, der in Vertretung von Kulturdezernenten Axel Imholz namens der Stadt Wiesbaden das Festival eröffnet, hatte noch eine gute Nachricht zur Zukunft des exground-Festivals im Gepäck: Das  renommierte Filmfestival, auf dass die Stadt Wiesbaden sehr, sehr stolz sei, erhalte, wenn der Entwurf des Doppelhaushaltes 2020/2021 im Dezember 2019 so beschlossen werde, wovon er ausginge, eine Verdopplung der Fördersumme um 45 000 Euro, so Nehrbass. Er dankte namens der Stadt Wiesbaden ganz herzlich dem Exgroundteam und allen Helferinnen und Helfern, „die hier zugange sind.“ „Wir wissen das sehr zu schätzen, weil das ein hochkarätiges Programm ist, was uns jedes Jahr angeboten wird, was also dieses Festival wirklich zu einem Juwel und festen Bestandteil im Kulturkalender dieser Stadt macht“, so Nehrbass, und fügte hinzu: „Wir wissen aber auch, was für eine riesige Arbeit dahinter steht: das sind 10 Festivaltage, die auch erst einmal geplant und organisiert sein wollen. Und das alles zu stemmen, und zwar ehrenamtlich, das ist wirklich eine tolle Sache!“, so der Kultur-Stadtrat.

Ulrike Kiesche, Leiterin Abteilung Film und Medien, Großprojekte Film des Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst © Foto: Diether v Goddenthow
Ulrike Kiesche, Leiterin Abteilung Film und Medien, Großprojekte Film des Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst © Foto: Diether v Goddenthow

Auch seitens des Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gab es viel Lob und gute Nachrichten. Ulrike Kiesche, Leiterin Abteilung Film und Medien, Großprojekte Film, würdigte die seit Jahren in Wiesbaden stattfindenden Filmfestivals exground und go east als die wichtigsten der insgesamt regen hessischen Festivalszene und sagte, dass die Landesregierung die Orte stärken wolle, wo Filme mit viel Leidenschaft gezeigt werden, also auch die Kinos und die Festivals. Perspektivisch solle die Festivalförderung vom Land Hessen verdoppelt werden, beginnend  im Jahr 2020 um insgesamt 225 000 Euro, vorausgesetzt der Landtag beschließe den Haushaltsentwurf so, was aber aus ihrer Sicht mit 20jähriger Verwaltungserfahrung relativ sicher sei. Von dieser Fördersumme für alle hessischen Festivals würde auch exground entsprechend profitieren.

Deutscher Kurzfilmwettbewerb

Moderator Urs Spörri,  Experte für den aktuellen deutschen Film und Vortragsredner. © Foto: Diether v Goddenthow
Moderator Urs Spörri, Experte für den aktuellen deutschen Film und Vortragsredner. © Foto: Diether v Goddenthow

Durch den ersten Teil des Abends, den „Deutschen Kurzfilmwettbewerb“, führte der bekannte und beliebte  Filmexperte und Moderator Urs Spörri. Nach jedem gezeigten Ausschnitt der  elf Kurzfilme führte Spörri mit den entsprechenden Filmemacherinnen und Filmemachern  Filmgespräche,  wodurch das  Publikum etliche interessante Hintergrundinfos zu Intention, Machart, Zielsetzung und Arbeit der Filmteams erhielt, die zur Entstehung der Stoffe und ihrer Umsetzung führten.

Sophie Linnenbaum gewann den Publikumspreis. © Foto: Diether v Goddenthow
Sophie Linnenbaum gewann den Publikumspreis. © Foto: Diether v Goddenthow

Nach der Vorführung des Deutschen Kurzfilm-Wettbewerbs entschied das Publikum über seine Favoriten und kürte DAS MENSCH von Sophie Linnenbaum (2. Platz in 2018 mit RIEN NE VA PLUS) zum Gewinnerfilm.

Der mit 3.000 EUR dotierte erste Preis wurde in diesem Jahr erneut von der Landeshauptstadt Wiesbaden gestiftet. Den zweiten Platz belegte EARLY BIRDS von Benjamin Kempf-Siemens und Rainer Binz, die sich über ein Preisgeld von 2.000 EUR freuen konnten, gestiftet von der Wiesbadener Magenta TV Fernsehproduktionsgesellschaft. Felix Karolus wurde für MENUETT mit dem dritten Preis (1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden) ausgezeichnet.

Benjamin Kempf-Siemens und Rainer Binz erhalten für EARLY BIRDS außerdem Filmequipment im Wert von 2.000 EUR von Pille Filmgeräteverleih für ihren nächsten Film. Der andere Sachpreis, ein „Grading Special“ der Magenta TV Fernsehproduktionsgesellschaft im Wert von 1.500 EUR geht an JUPITER von Benjamin Pfohl.

Preisträger*innen im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb: 1. Platz für Sophie Linnenbaum (DAS MENSCH),  2. Platz für EARLY BIRDS von Benjamin Kempf-Siemens und Rainer Binz (re.), 3. Platz für Felix Karolus (MENUETT) / Foto: Peter R. Fischer
Preisträger*innen im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb: 1. Platz für Sophie Linnenbaum (DAS MENSCH), 2. Platz für EARLY BIRDS von Benjamin Kempf-Siemens und Rainer Binz (re.), 3. Platz für Felix Karolus (MENUETT) / Foto: Peter R. Fischer

Die  Preise in sieben Wettbewerben

Im Anschluss an den Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb wurden in sieben Wettbewerben Geld- und Sachpreise im Wert von über 20.000 EUR vergeben. Rund 100 internationale und nationale Gäste aus der Filmbranche und zahlreiche Besucher*innen zeugen erneut von der großen Beliebtheit des Festivals über die Grenzen Wiesbadens hinaus.

Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb

Im Internationalen Kurzfilm-Wettbewerb kürte die internationale Jury den kroatischen Beitrag IMBUED LIFE [UDAHNUT ZIVOT] von Ivana Bošnjak und Thomas Johnson zum Gewinner und überreichte das Preisgeld von 2.000 EUR, gestiftet vom exground-Freundeskreis. Die Jury-Mitglieder Burkhard Althoff (Redakteur „Das kleine Fernsehspiel“ aus Mainz), Christy Garland (Dokumentarfilmregisseurin aus Toronto/Kanada) und Brunna Laboissière (Regisseurin und Produzentin aus São Paulo/Brasilien) begründeten ihre Entscheidung mit den Worten:

Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb: Regisseur Thomas Johnson (Mi.) nahm den Preis für seinen Film IMBUED LIFE, den er gemeinsam mit Ivana Bošnjak realisierte, von der internationalen Jury (Brunna Laboissière und Burkhard Althoff) entgegen. / Foto: Peter R. Fischer
Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb: Regisseur Thomas Johnson (Mi.) nahm den Preis für seinen Film IMBUED LIFE, den er gemeinsam mit Ivana Bošnjak realisierte, von der internationalen Jury (Brunna Laboissière und Burkhard Althoff) entgegen. / Foto: Peter R. Fischer

„Der Preis für den besten internationalen Kurzfilm geht an IMBUED LIFE. Dieser poetische Animationsfilm schafft – kinematografisch auf höchstem Niveau – faszinierende Assoziations- und Interpretationsräume. Indem sich hier die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Bewusstsein von Menschen und Tieren verwischen, adressiert der Film auf überraschende und originelle Weise eine der dringendsten Fragen der Menschheit: unser problematisches Verhältnis zur Natur. IMBUED LIFE schafft dabei Bilder, die weit über den Film hinaus nachwirken.“

Eine lobende Erwähnung erhielt WOMAN WITHOUT A CHILD [MUJER SIN HIJO] von Eva Saiz aus Spanien. Auch hierzu verfasste die Jury eine Begründung:
„Die Jury vergibt eine lobende Erwähnung an WOMAN WITHOUT A CHILD. Der Film erzählt humorvoll und lakonisch von einer alleinlebenden Frau mittleren Alters, die ein Zimmer an einen jungen Mann vermietet. Mit ihrer präzisen Inszenierung und großen Liebe für ihre Figuren bringt die Regisseurin uns dabei ihre ungewöhnliche Protagonistin ganz nahe und plädiert für die Möglichkeit auch ungewöhnlicher Freundschaften. Wir wären gerne mit eingezogen.“

DAS BRETT – Gefangenenjury-Preis

Zum vierten Mal wurde der Preis DAS BRETT in der Reihe „Made in Germany“ von einer Gefangenenjury aus Insassen der JVA Wiesbaden verliehen. Aus den sieben nominierten Beiträgen wählten die fünf Juroren MEIN ENDE. DEIN ANFANG. von Mariko Minoguchi:

„Die Gefangenen-Jury aus der JVA Wiesbaden vergibt DAS BRETT 2019 an MEIN ENDE. DEIN ANFANG. von Mariko Minoguchi. Der Film berührt eine ganze Palette von Emotionen, aber immer mit Feingefühl, nie mit der Brechstange. Er hat Action, er hat Drama, er hat Liebe, er hat Trauer, sogar ein bisschen Erotik, und trotzdem fügt sich alles zu einem Guss zusammen. Die fünf Juroren waren beeindruckt von der markanten Kameraführung und dem hervorragenden Schauspiel – von den Hauptdarstellern bis zu den kleinsten Randfiguren. Dabei wechselt der Film souverän zwischen Zeitebenen und Stimmungen, und die Kamera fängt die Figuren so ein, dass man ihnen sehr nahe kommt, ohne dass es aufdringlich wird. Vor allem aber macht es sich der Film nicht einfach mit der Frage, was eigentlich ein Täter ist.“

Dotiert ist der Preis mit 1.500 EUR, gestiftet von „Die WERFT – Kulturbühne in der JVA Wiesbaden“.

Eine lobende Erwähnung sprachen die Juroren der Produktion KOPFPLATZEN von Savaş Ceviz aus:
„Die lobende Erwähnung geht an KOPFPLATZEN von Savaş Ceviz, der sich ebenfalls der schwierigen Frage nach dem Tätersein widmet. Da das Ergebnis extrem knapp war, wurde schnell klar, dass auch dieser Film lobend hervorgehoben werden muss. Die Jury war angetan von der „ekelhaften Spannung“, dem tollen Schauspiel und davon, dass sie sowas noch nie gesehen hat. Vor allem aber hat sie der Mut des Films beeindruckt, der von einem pädophilen Mann erzählt, ohne dass man sich sofort abwendet.“

exground youth days

Filmszene aus: YOUR TURN [ESPERO TUA (RE)VOLTA] von Eliza Capai
Filmszene aus: YOUR TURN [ESPERO TUA (RE)VOLTA] von Eliza Capai
Die Jugendjury im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb vergab den Preis für den besten Langfilm in diesem Jahr ex aequo an YOUR TURN [ESPERO TUA (RE)VOLTA] von Eliza Capai und THE ORPHANAGE [PARWARESHGAH] von Shahrbanoo Sadat:

„Für uns hat der Film YOUR TURN den ersten Platz verdient, da er die Schüler­proteste in Brasilien auf eine sehr mitreißende Art darstellt. Die Dokumentation ist elektrisierend und überzeugt durch schnelle Schnitte und persönliche Schicksale. Die Regisseurin entführt die Zuschauer/-innen in die Mitte der Proteste, da die Erzählung aus der Sicht ihrer Akteure erfolgt. Der Film schafft es, den Geist einer Generation einzufangen, in der Aktivismus wieder zur Lebensrealität vieler geworden ist.

In THE ORPHANAGE geht es um einen afghanischen Waisenjungen, der in den 80ern auf der Straße aufgegriffen und in ein kommunistisches Waisenhaus gebracht wird. In der Zeit dort hat er viele traumatisierende Erlebnisse, die ihn prägen. Uns gefällt die Geschichte des von Bollywood-Filmen träumenden Jungen, der in die harte Realität geworfen wird, als die politische Situation sich zuspitzt und er sie am eigenen Leib zu spüren kriegt. Das Leben von Kindern in solchen Krisengebieten ist ein eher unpopuläres, aber sehr interessantes Thema – gerade auch in Anbetracht des politischen Zeitraums, in dem die Geschichte spielt.“

Das Preisgeld von 2.500 EUR stiftete die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Die Jugendjury kürte außerdem TRAIN ROBBERS [TOGRØVERE] von Martin A. Walther zum besten Kurzfilm der exground youth days. Die 500 EUR werden vom Wiesbadener Kinofestival e. V. gestiftet. Eine lobende Erwähnung sprach sie für YOUNGVODKA_ von Léa Hall aus.

Das Publikum wählte als besten Langfilm PAPICHA von Mounia Meddour, die sich über 1.000 EUR, gestiftet von der Landeshauptstadt Wiesbaden, freuen darf.

Im Wiesbadener Jugendfilm-Wettbewerb setzte sich HEIMAT? vom Team des Diakonischen Werks Rheingau-Taunus im Publikumsvoting durch. Der erste Platz ist dotiert mit 500 EUR, gestiftet vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Den zweiten Platz belegte SCHRITTE IN DIE ZUKUNFT von Lena Krüger-Lorenzen, die sich über einen Einkaufsgutschein des Apple-Fachhändlers ergo sum im Wert von 150 EUR freuen kann.

Wiesbaden Special – Kurzfilm-Wettbewerb

Regisseur Alexander Conrads gewann mit LÖWIN im Wiesbaden Special – Kurzfilm-Wettbewerb. © Foto: Diether v Goddenthow
Regisseur Alexander Conrads gewann mit LÖWIN im Wiesbaden Special – Kurzfilm-Wettbewerb. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Publikumswettbewerb um den besten Wiesbadener Kurzfilm konnte LÖWIN von Alexander Conrads überzeugen. Neben dem Preisgeld von 500 EUR, gestiftet vom Medienpartner Wiesbadener Kurier, kann der Gewinner außerdem mit dem Sachpreis „Filmsound Special“ an zwei Tagen Technik und Know-how des Wiesbadener Tonstudios klangBezirk im Wert von 2.000 EUR für die finale Tonmischung seines nächsten Films nutzen.
exground-Gong-Show

Trash ist Kult – das bewiesen in diesem Jahr erneut die Teilnehmer*innen der legendären exground-Gong-Show. Verdiente Gewinner von 50 EUR Preisgeld sowie der Goldenen exground-Gurke sind Patrik Pezelj und Marius Hofmann für ihren sensationellen Trailer-Nachdreh EXGROUND 32 TRAILER (FREI VON PUNKT PUNKT PUNKT).

Übersicht aller Preisträger*innen

Termin für das exground filmfest 33: 13. bis 22. November 2020.
exground filmfest dankt allen Förderern und Sponsoren.

exground 32 filmfest startete mit brasilianischen Mystery-Thriller „THE FATHER’S SHADOW“

Feierliche Eröffnung des 32. exground filmfestes in der CaligariFilmbühne Wiesbaden, am 15.11.2019.© Foto: Diether v Goddenthow
Feierliche Eröffnung des 32. exground filmfestes in der CaligariFilmbühne Wiesbaden, am 15.11.2019.© Foto: Diether v Goddenthow

Am Freitagabend, 15. November 2019, eröffnete Festival-Leiterin Andrea Wink mit einer beeindruckenden Bilanz der zumeist ehrenamtlich geleisteten Festival-Arbeit gemeinsam mit Staatssekretärin Ayse Asar vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sowie Karin Wolff, Geschäftsführerin Kulturfonds Frankfurt RheinMain in der vollbesetzten CaligariFilmbühne Wiesbaden das exground filmfest 32 mit dem diesjährigen Länderschwerpunkt Brasilien.

Staatssekretärin Ayse Asar sprach zur Eröffnung ein Grußwort. © Foto: Diether v Goddenthow
Staatssekretärin Ayse Asar sprach zur Eröffnung ein Grußwort. © Foto: Diether v Goddenthow

Ayse Asar  stellte in ihrem Grußwort eine Erhöhung der diesjährigen Fördersumme von 65 000 Euro für das nächste Jahr in Aussicht. Denn das exground filmfest habe sich über all die Jahre zu einem bedeutenden Forum für Filmemacherinnen und -macher avanciert und sei nicht nur ein wichtiger Anziehungspunkt für Filmbegeisterte aus nah und fern, „sondern auch ein wichtiges Diskussionsforum für rund 280 akkreditierte Journalisten, Fachbesucher und Gäste aus der Filmbranche – also für wichtige Multiplikatoren aus der Branche und darüber hinaus. Die Gäste aus aller Welt sorgen für das einzigartige internationale, aber gleichzeitig intime Flair dieses Festivals und weiten den Blick für andere Kulturen und Mentalitäten. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass unter den gezeigten Filmen im Wiesbadener Kurzfilm Wettbewerb sich auch Filme von Studierenden der Hochschule RheinMain Wiesbaden und eine Diplomarbeit der Hochschule für Gestaltung Offenbach befinden“, sagte die Staatssekretärin.

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende,  nur in seiner Oberbürgermeisterfunktion zum ersten Mal beim Exground-Filmfestival dabei, stellte insbesondere die weit über Wiesbadens Grenzen hinweg strahlende Leuchtkraft des ältesten Wiesbadener Filmfestivals heraus, und fand die Wahl des diesjährigen Länderschwerpunktes angesichts der brasilianischen Ereignisse besonders gelungen. Mende versprach ebenfalls, dass die Stadt Wiesbaden, wie  im neuen Kulturetat für die nächsten beiden Jahre vorgesehen, den städtischen Zuschuss für das Festival zu erhöhen. Er dankte allen Beteiligten, die dieses Festival auch in diesem Jahr wieder ermöglicht haben, insbesondere allen ehrenamtlich Tätigen.

Karin Wolff, Geschäftsführerin Kulturfonds RheinMain. © Foto: Diether v Goddenthow
Karin Wolff, Geschäftsführerin Kulturfonds RheinMain. © Foto: Diether v Goddenthow

Karin Wolff, die seit 1. November 2019 Dr. Helmut Müller als Geschäftsführerin des Kulturfonds RheinMain nachfolgte, unterstrich die hohe Qualität der Hessischen Filmfestivals, durch die mehr Menschen in Hessen, „insbesondere auch Jugendliche für den kulturell anspruchsvollen Film gewonnen“ werden sollen. Die Vorführung in unterschiedlichen Städten des Rhein-Main-Gebiets trüge dem Anliegen des Kulturfonds Rechnung, das exground filmfest weit in der Region bekannt zu machen. Eine schöne Tradition sei zudem, eine Brücke in andere Kultursparten zu schlagen. Auch sie wünschte wir ihre Vorredner/innen dem exground filmfest zahlreiche Besucher und besonders den brasilianischen Gästen einen schönen Aufenthalt in der Region.

Zum Schluss hat die neunjährige Dalva ihr toten Eltern kraft ihrer Gedanken - zumindest in ihrem Traum - wieder zum Leben erwecken können. Hier die Anfangsszene des Mystery-Thrillers "The father's shadow" bei der feierlichen Eröffnung des 32. exground filmfestes in der CaligariFilmbühne Wiesbaden am 15.11.2019.
Zum Schluss hat die neunjährige Dalva ihr toten Eltern kraft ihrer Gedanken – zumindest in ihrem Traum – wieder zum Leben erwecken können. Hier die Anfangsszene des Mystery-Thrillers „The father’s shadow“ bei der feierlichen Eröffnung des 32. exground filmfestes in der CaligariFilmbühne Wiesbaden am 15.11.2019.

Zum Einstieg zeigte das exground filmfest anschließend als Deutschland-Premiere mit englischen und deutschen Untertiteln den brasilianischen Mystery-Thriller THE FATHER’S SHADOW von Gabriela Amaral Almeida.

Dieser skurrile Streifen und weitere ausgewählte Filme aus dem Länderschwerpunkt des Festivals werden nochmals im „Nachspiel“ gezeigt in Frankfurt und Darmstadt.

 exground-Festivalleiterin Andrea Wink im Gespräch mit Amos Borchert,  Kurator der Reihe „Fokus Brasilien“  © Foto: Diether v Goddenthow
exground-Festivalleiterin Andrea Wink im Gespräch mit Amos Borchert, Kurator der Reihe „Fokus Brasilien“ © Foto: Diether v Goddenthow

Im Anschluss an den Startfilm „The Father’s Shadow“ wurde um 22 Uhr DER GEBURTSTAG von Carlos A. Morellis gezeigt. Hierin ging es um einen Kindergeburtstag, der in einem heillosen Durcheinander endet. Dieser Film ist mit den anderen Filmen der Reihe „Made in Germany“ im Rennen um den Gefangenen-Jurypreis DAS BRETT, der zum vierten Mal von Insassen der JVA Wiesbaden verliehen wird.
Nichts für „Eckensteher“ war die anschließende Eröffnungsparty im Kesselhaus des Kulturzentrums Schlachthofs mit DJ MAM.

Das Gesamtprogramm

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

exground filmfest 32 startet am 15.11. mit Schwerpunkt „Brasilien“ – bis zum 24.11. großer Reigen internationaler Filmbeiträge und spannende Gäste

The Father's Shadow Brasilien 2018, Deutschland-Premiere von Gabriela Amaral Almeida. 92 Min. Omd+eU © exground
The Father’s Shadow Brasilien 2018, Deutschland-Premiere von Gabriela Amaral Almeida. 92 Min. Omd+eU © exground

Am Freitagabend startet exground filmfest 32 in der Caligari FilmBühne mit der Deutschland-Premiere des brasilianischen Mystery-Thrillers THE FATHER’S SHADOW (A SOMBRA DO PAI) von Gabriela Amaral Almeida.

Vom 15. bis zum 24. November präsentiert das Festival 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme aus 52 Ländern auf der großen Leinwand, darunter 18 Welt-, vier internationale, sechs Europa- und 36 Deutschland-Premieren. Neben dem Filmprogramm erwartet die Gäste ein spannendes Rahmenprogramm mit Diskussionsrunden, Ausstellungen, Partys und Events. Rund 100 internationale und nationale Filmgäste werden in Wiesbaden erwartet, um mit dem Publikum über ihre Filme zu diskutieren.
Das Gesamtprogramm

In den 10 Festivaltagen von  exground filmfest 32  werden wieder zahlreiche internationale Filmgäste erwartet,  dieses Mal unter anderem aus Brasilien, Costa Rica, Iran, Israel, Kanada, Kolumbien, Polen sowie aus Afghanistan zur Eröffnungsfilm der Youth days.

Brasilien
Aus dem Programm des diesjährigen Länderschwerpunktes Brasilien reisen etliche Filmschaffende an, darunter die Regisseurinnen Brunna Laboissière (FABIANA) und Juliana Antunes (BARONESA) sowie der Regisseur Rodrigo Lima (CALYPSO).

Deutschland
Im deutschen Wettbewerb „Made in Germany“ kommen zur Vorführung des Regiedebüts MEIN ENDE. DEIN ANFANG. (19.11. I 20 Uhr I Murnau-Filmtheater) die Regisseurin Mariko Minoguchi mit Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl, die bereits als Schülerin für ihre Hauptrolle in Cate Shortlands preisgekröntem Antikriegsdrama LORE (2012) international Beachtung fand. Seitdem wirkte sie in vielen Kino- und TV-Filmen mit, unter anderem in WERK OHNE AUTOR von Florian Henckel von Donnersmarck, dem deutschen Oscar-Beitrag 2019.

Costa Rica & Polen
Von den Oscar-Einreichungen aus Costa Rica und Polen werden ebenfalls zwei Darstellerinnen nach Wiesbaden anreisen: Daniella Valenciano stellt am 22. November um 18 Uhr dem Publikum in der Krypta der Marktkirche HORMIGAS vor (Regie: Antonella Sudasassi Furniss; Costa Rica/Spanien 2019), in dem sie das traditionelle Frauenbild in ihrer Familie auf den Kopf stellt. Eliza Rycembel aus Polen reist zur Vorführung von CORPUS CHRISTI (Regie: Jan Komasa; Polen/Frankreich 2019) am 22. November um 20 Uhr im Murnau-Filmtheater an. Für ihre Rolle in CORPUS CHRISTI wurde sie beim polnischen Filmfestival in Gdynia mit dem Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet.

Kanada
Aus Kanada begrüßt das Festivalteam die Dokumentarfilmregisseurin Christy Garland, die in diesem Jahr Teil der internationalen Jury ist und vergangenes Jahr mit ihrem Film WHAT WALAA WANTS im exground-Programm vertreten war. Zur Vorführung der kanadischen Produktion HARPOON (Regie: Rob Grant) am 21. November um 22 Uhr in der Caligari FilmBühne reist Produzent Michael Peterson an.

Afghanistan
Zum Eröffnungsfilm der exground youth days, THE ORPHANAGE (Regie: Shahrbanoo Sadat), kommt Anwar Hashimi aus Afghanistan, um bei der Vorstellung am 16. November um 17.30 Uhr über den Film zu sprechen. Hashimi, der in THE ORPHANAGE in der Rolle eines Waisenhausleiters zu sehen ist, wirkte bereits bei Shahrbanoo Sadats preisgekröntem WOLF AND SHEEP als Regieassistent und Drehbuchautor mit.

Kurzfilme: Israel, Iran & Kolumbien
Auch zu den diversen Kurzfilmrogrammen bzw. -vorstellungen werden zahlreiche Filmgäste erwartet. Aus Israel werden zum Programm BEIT BERL (17.11 I 15:30 Uhr I Murnau Filmtheater) der Regisseur Vitali Agronov (FAREWELL) und die Regisseurin Karin Haber (TRUE TRUE LOVE) anreisen sowie die Schauspielerin Bar Ackerman (THE BIGONYA GARDEN). Ebenfalls aus Israel kommt die Regisseurin Thekra Mkalde für ihren Kurzfilm GIRL ON A BIKE, der als Vorfilm zu PAPICHA (17.11. I 17.30 Uhr I Caligari FilmBühne) bei den exground youth days läuft.

Vom Kurzfilmprogramm IRAN (21.11. I 17.30 Uhr I Murnau-Filmtheater) werden neben Regisseur Pouya Nabi (SLEEPWALKER) weitere Filmemacher in Wiesbaden erwartet.

Aus Kolumbien kommt der Regisseur Santiago León Cuéllar angereist, um seinen Kurzfilm ALMA vorzustellen, der als Deutschland-Premiere vor GIRL in den exground youth days läuft (20.11. I 10.30 Uhr I Caligari FilmBühne).

Das Gesamtprogramm

exground filmfest 32: Programm komplett und online // 15. – 24. November 2019

200 Filme aus 52 Ländern // 64 Premieren // Geld- und Sachpreise im Wert von über 20.000 EUR // Krypta neuer Spielort

Ab sofort ist das vollständige Programm von exground filmfest 32 online verfügbar und der Vorverkauf gestartet. Insgesamt präsentiert das Festival vom 15. bis 24. November 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme aus 52 Ländern auf der großen Leinwand, darunter 18 Welt-, vier internationale, sechs Europa- und 36 Deutschland-Premieren. In diesem Jahr sichtete das Kuratorenteam über 2.500 Einreichungen aus 121 Ländern. In insgesamt sieben Wettbewerben werden Geld- und Sachpreise im Wert von über 20.000 EUR vergeben.

Neben dem Filmprogramm erwartet die Gäste ein spannendes Rahmenprogramm mit Diskussionsrunden, Ausstellungen, Partys und Events wie die traditionellen Publikumslieblinge, die exground-Gong-Show und das Filmquiz mit Rex Kramer. Letzteres findet in der Krypta der Marktkirche statt, die als neue Festival-Location ausgewählte Veranstaltungen im Programm beherbergen wird. Daneben öffnen die angestammten Spielstätten Caligari FilmBühne, Murnau-Filmtheater und das Kulturzentrum Schlachthof ihre Pforten für das Publikum. Ausgesuchte Filme aus dem Länderschwerpunkt Brasilien sind nicht nur in Wiesbaden, sondern auch in Darmstadt (programmkino rex) und Frankfurt am Main (Pupille Kino, ORFEO’S ERBEN) zu sehen.

(v.li.) Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Gerald Pucher, von Organisationsteam exground für Youth days, Andrea Wink Leitung des Orgateams exground sowie Axel Imholz Kulturdezernent und Kämmerer der Landeshauptstadt Wiesbaden © Foto: Diether v Goddenthow
(v.li.) Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Gerald Pucher, von Organisationsteam exground für Youth days, Andrea Wink Leitung des Orgateams exground sowie Axel Imholz Kulturdezernent und Kämmerer der Landeshauptstadt Wiesbaden posieren bei der  Pressekonferenz vor einem mit dem Festival-Plakat dekorierten ESWE-Bus. ESWE sponsert u.a. mit kostenlosen, in den Veranstaltungstickets enthaltenen Busfahrkarten und  mit kostenfreier Festival-Werbung in den Bussen   © Foto: Diether v Goddenthow

Starke Frauen vor und hinter der Kamera

Der Anteil der Regisseurinnen im gesamten exground-Filmprogramm liegt in diesem Jahr bei rund 60 Prozent, in den Wettbewerben halten sich die Filmemacherinnen in etwa die Waage mit ihren männlichen Kollegen. Allein im Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb stammen fünf der insgesamt acht Langfilme von Frauen (JAWLINE, THE ORPHANAGE, PAPICHA, FLESH OUT und YOUR TURN).

Auch inhaltlich nehmen viele Beiträge im Programm Geschichten starker Frauen in den Fokus. In Andreas Horvath LILLIAN (Österreich 2019) will die titelgebende Heldin Lillian, als Emigrantin in New York gestrandet, zu Fuß in ihre Heimat Russland zurückgehen. Horvaths bildgewaltiges Roadmovie basiert auf einer wahren Geschichte.

Costa Ricas Oscar-Beitrag HORMIGAS (Costa Rica/Spanien 2019) von Antonella Sudasassi Furniss thematisiert das Frauenbild in einer traditionellen Familie. Isabel kümmert sich als gute Mutter, Ehefrau und Schwiegertocher um ihre Familie. Der zunehmende Druck der Familie nach einem weiteren Kind, dem ersehnten „Stammhalter“, leitet ihre Fantasie in eine andere Richtung. Hauptdarstellerin Daniella Valenciano wird zum Festival nach Wiesbaden kommen.

Caitlin Gerard in THE WIND © exground
Caitlin Gerard in THE WIND © exground

Emma Tammi zeigt in ihrem Frauenwestern THE WIND (USA, 2018), der bei exground filmfest als Deutschlandpremiere laufen wird, das Schicksal der Ehefrauen, die ihren Männern um 1800 ins Niemandsland folgten, um Land zu kultivieren. Die Isolation trieb viele Frauen in den Wahnsinn – so auch Lizzy, die mit Isaac in der Einöde strandet. Mit einem Team von Frauen (Kamera, Schnitt) setzt Tammi das schwere Los dieser Frauen in grandiose Landschaftsaufnahmen und beklemmende Bilder der Abkapselung um.

Musikfilme

Ein trauriges Schicksal nimmt Richard Lowenstein in seinem Dokumentarfilm MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE (Australien 2019) in Augenschein. Lowenstein taucht mit unveröffentlichtem Material in die Gedankenwelt des „Inxs“-Sängers Michael Hutchence ein, der sich 1997 das Leben nahm. Weggefährtinnen wie Kylie Minogue und Paula Yates erinnern an den Ausnahmekünstler.

Eine Liebeserklärung an die Musik und an diese eine Kneipe, die jeder kennt, liefert Christian Klandt in der deutschen Produktion LEIF IN CONCERT (2019). Der Film erzählt von einem turbulenten Tag in einer Jazz-Blues-Bar irgendwo in Deutschland, in der die Barfrau Lene den Musiker Leif (aka „Poorboy“) für ein Konzert am Abend gebucht hat. Es kommen Freunde und Bekannte vorbei, Lieferanten – und das Stammpublikum (u. a. Bela B und Tilo Prückner) darf natürlich auch nicht fehlen. Zum Festival wird Regisseur Christian Klandt anreisen.

Ebenfalls nach Wiesbaden kommt der Filmemacher Joel Zito Araújo, um seinen Dokumentarfilm MY FRIEND FELA (Brasilien 2019) vorzustellen. Der Film bringt das komplexe Leben des nigerianischen Musikers und politischen Aktivisten Fela Kuti hinter dem bekannten Narrativ des exzentrischen Popstars aus dem Ghetto ans Licht. Araújo gelingt nicht nur das Porträt eines einzigartigen Musikers, sondern auch einer ganzen panafrikanischen Generation.

Gesellschaftskritische Werke

FARMING von Adewale Akinnuoye-Agbaje. © exground
FARMING von Adewale Akinnuoye-Agbaje. © exground

Mit Gesellschaftskritik befassen sich etliche Produktionen im Programm von exground filmfest. In dem Regiedebüt FARMING (Großbritannien 2018) erzählt der nigerianisch-britische Schauspieler Adewale Akinnuoye-Agbaje seine eigene Lebensgeschichte: Als Sohn nigerianischer Einwanderer muss sich Enitan erst in der Obhut einer weißen Familie in London, dann in der fremden Heimat seiner Eltern zurechtfinden. Traumatisiert bekommt Enitan es, zurück in London, auch noch mit Skinheads zu tun und entschließt sich zu einem ungewöhnlichen Schritt.

In Ulaa Salims Spielfilm SONS OF DENMARK (Dänemark 2019) befeuert ein Bombenanschlag die Radikalisierung der Gesellschaft. Während an einem Ende ein ultrarechter Nationalist das Amt des Premierministers ansteuert, schließt sich am anderen Ende des Spektrums der erst 19-jährige Zakaria dem islamistischen Untergrund an. Eindrucksvoll zeigt Salim in seinem Debüt, wie Hass und Gewalt Konflikte immer weiter verstärken.

Wettbewerbe beim exground filmfest

In insgesamt sieben Wettbewerben vergibt das exground filmfest Geld- und Sachpreise im Wert von über 20.000 EUR (Alle Preise und Preisstifter). Die internationale Jury des 18. Internationalen Kurzfilm-Wettbewerbs besteht aus Burkhard Althoff, Redakteur in der ZDF-Nachwuchswerkstatt „Das kleine Fernsehspiel“ aus Mainz, Christy Garland, Dokumentarfilmregisseurin (WHAT WALAA WANTS) aus Toronto/Kanada, und Brunna Laboissière, Regisseurin (FABIANA) und Produzentin aus São Paulo/Brasilien.

exground filmfest I 15.–24. November 2019 I Wiesbaden
exground filmfest I 15.–24. November 2019 I Wiesbaden

Förderer und Sponsoren

Weitere Infos: exground filmfest

Eva Menasse startet amüsant, pointiert und klangvoll in die 21. Wiesbadener Literaturtage – noch bis zum 21.09.2019

Schriftstellerin und Gastgeberin Eva Menasse mit Mezzosopranistin Silke Gäng (beide Mitte) und dem Streichquartett des Baseler Sinfonie-Orchester bei der Eröffnung der 21. Wiesbadener Literaturtage am 15. September 2019 im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Schriftstellerin und Gastgeberin Eva Menasse mit Mezzosopranistin Silke Gäng (beide Mitte) und dem Streichquartett des Baseler Sinfonie-Orchester bei der Eröffnung der 21. Wiesbadener Literaturtage am 15. September 2019 im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden. © Foto: Diether v Goddenthow

Gestern Abend eröffneten Kulturdezernent Axel Imholz und Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain u. früherer Oberbürgermeister, gemeinsam mit der diesjährigen Gastgeberin und Kuratorin, der Schriftstellerin Eva Menasse, die 21. Wiesbadener Literaturtage (15. bis 21.09.2019)  im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden.

Kulturdezernent Axel Imholz. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Kulturdezernent Axel Imholz. © Foto: Diether v Goddenthow

Axel Imholz freute sich, dass die Stadt Wiesbaden in der Wienerin und Wahlberlinerin eine so lautstarke Stimme in der deutschsprachigen Literatur-, Kunst- und Kulturszene als Gastgeberin gewinnen konnte, die insbesondere durch ihre hervorragend zu lesenden Romane wie „Quasikristalle“ (KiWi 2013) beziehungsweise den Erzählband „Tiere für Fortgeschrittene“ (KiWi 2017) auch einem breiteren Publikum bekannt wurde. „Nicht nur ihre Romane und Erzählungen, sondern auch ihr wortgewaltiges Engagement als Essayistin oder politische Rednerin macht Eva Menasse zur idealen Kuratorin der Wiesbadener Literaturtage. Sie schlägt nicht nur eine Brücke zu anderen Künsten, sondern vor allem auch eine Brücke von den Künsten zu unserer Gesellschaft“, unterstrich der Kulturdezernent. Er dankte der Leiterin des Wiesbadener Literaturhauses Susanne Lewalter und ihrem Team, Eva Menasse gewonnen zu haben.

Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des  Kulturfonds-Frankfurt-RheinMain und Wiesbadener Ex-Oberbürgermeister. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds-Frankfurt-RheinMain und Wiesbadener Ex-Oberbürgermeister. © Foto: Diether v Goddenthow

Der Geschäftsführer des Kulturfonds RheinMain und Wiesbadener Ex-Oberbürgermeister Dr.  Helmut Müller, glaubt, dass Literatur, Kunst und Kultur bei der Erneuerung der Gesellschaft eine wichtige Rolle haben, nämlich genau die Anstöße geben können, sich zu äußern über das, was bewegt, was ärgert oder freut, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Es sei wichtig, „Orte zu haben, wo man wirklich miteinander sprechen oder streiten kann, oder lernt, erstmals wieder seine Meinung zu äußern und sich zu trauen und das nicht hinter einer Maske im Internet zu tun, sondern analog visavis“, so Dr. Müller. Er ist mit Eva Menasse überzeugt, dass die Beschreibung der Welt in der Literatur einen Zugang zu ihr  bietet und dabei hilft, „zu verdauen, was sich in der Welt tut“, insbesondere in Zeiten, „wo alle Gewissheiten zerbröseln, wo gemeinsame Ansichten irgendwie flöten gehen“, so Dr. Müller. Seine Generation sei mit der Idee aufgewachsen, „dass Aufklärung, Rationalität etwas ist, was Stück für Stück verwirklicht wird.“ Und seit einigen Jahren wäre er ziemlich verblüfft darüber, „dass das Irrationale fröhliche Urständ feiert“, so Dr. Müller, der es daher hervorragend findet, „dass wir dieses Programm diese Woche haben“, und er freue sich, einmal auch Autoren live kennenzulernen, auf die man nicht durch Bestsellerlisten gestoßen wäre.  Besonders spannend fände er auch die Veranstaltung  „Wie frei ist sie noch die Kunst?“ ( Mittwoch, 18.09.2019 im Museum Wiesbaden).

Autorin und Gastgeberin   Eva Menasse. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Autorin und Gastgeberin Eva Menasse. © Foto: Diether v Goddenthow

Als vor einem Jahr die Leiterin des Wiesbadener Literaturhauses, Susanne Lewalter, bei Eva Menasse anfragte und bat, die Gastgeberinnen-Rolle der Wiesbadener Literaturtage zu übernehmen, hatte diese  sich gerade an einem idyllischen Ort, dem berühmten Salzburger Hotel Seehof, eingerichtet, um – fernab von jeglichen Ablenkungen – ihren neuen Roman zu beginnen. „Vielleicht können sie sich vorstellen oder erahnen, dass das ein nicht sehr häufiger, und auch sehr empfindlicher Moment in einem Schriftstellerleben ist. Man spürt da am Rand eines furchtbar großen Wassers, das man in den nächsten Jahren durchschwimmen will, und steckt gerade probeweise den ersten Zeh hinein“, so Eva Menasse. Und dann kam dieses Angebot „einer einwöchigen Kuratoren-Tätigkeit, was erst einmal bedeuten würde: Ablenkung! Also Gift für den Roman!“ Ihre Spontanreaktion war daher: „Nein! Auf keinen Fall, vielleicht irgendwann später!, auf alle Fälle Bedenkzeit!“ Doch Susanne Lewalter versicherte ihr, dass es gar nicht so viel Arbeit sei. Und schließlich der Gedanke: „Eine ganze Woche im jugendstilgesättigten Wiesbaden“ zu weilen, könne eigentlich nicht ganz falsch sein,“ wenn sie ansonsten nichts anderes annähme.

Was die Autorin auf der Suche nach   Zeit für ihren nächsten Roman nicht bedachte, waren jedoch die Aufgaben, die „man nicht absagen kann“, weil diese nicht einfach Aufgaben seien, sondern auch Ehre bedeuteten, wie etwa der Mainzer-Stadtschreiber-Preis. Diesen habe sie, „zwei Monate später zugesprochen bekommen“. „Dabei wussten weder die Mainzer, ich schwöre es, dass ich die Wiesbadener Literaturtage eröffnen würde, weil das ja noch nicht bekannt war. Noch wussten natürlich die Wiesbadener, dass die Mainzer Jury auf so eine Idee kommt“, und nun war  im Oktober 2018 das Jahr 2019 „mit einem Schlag bis an die Decke voll!“. Die Brisanz dieser Entscheidung sei ihr „ auch bald klar“ geworden, „als die Wiesbadener dann auch nicht so entzückt waren darüber, weil es eben diese berühmte, liebevolle Konkurrenz zwischen den beiden Landeshauptstädten“ gäbe.

Und immer wieder würde sie seit Monaten „von Journalisten nach meinen Eindrücken zu den Unterschieden zwischen den beiden Städten befragt“ – für Gemeinsamkeiten habe sich „interessanterweise nie jemand interessiert“. Deshalb wolle sie „heute anlässlich der Eröffnung der Wiesbadener Literaturtage herzlich darum bitten, von dieser Frage in Zukunft abzusehen“.

Die 21. Wiesbadener Literaturtage zu organisieren, war sehr viel Arbeit und habe hunderte E-Mails gekostet. „Frau Lewalter möge sich als widerlegt betrachten“, meinte die Autorin augenzwinkernd, denn es sei zwar eine riesige Menge Arbeit „auch für die Kuratorin, die angeblich nur einlädt.“ Aber Frau Lewalter habe Recht gehabt, sie „sanft zu überreden“, wofür sie ihr sehr dankbar sei, denn diese Arbeit sei „ genau von derselben Art wie die Geburt eines Kindes: Wenn es dann da ist, hat man alles vergessen, die Dauer und die Schmerzen! Ich möchte Frau Lewalter selbst und dem ganzen Team des Wiesbadener Literaturhauses ganz, ganz herzlich für die fantastische, kompetente und vor allem gutgelaunte Zusammenarbeit danken.“, bekräftigte Eva Menasse, bevor sie nach einem Veranstaltungs-Überblick der nächsten Tage mit dem eigentlichen Programm des Abends begann.

Das Abendprogramm – Lesung und musikalische Einlagen

Im anschließenden Eröffnungsprogramm faszinierte Eva Menasse die Besucher des bis auf den letzten Platz gefüllten Vortragssaals des Museums Wiesbaden mit drei Lesungen, unter anderem aus ihrem autobiographischen Essay „Stell Dir vor, du hättest den Hintern von Montserrat Caballé“. Darin erzählt sie amüsant und pointiert von ihrem späten Gesangsunterricht „Warum ist Gesangsunterricht mit so viel Peinlichkeit verbunden?“ und der Kunst des Scheiterns „Gesangsunterricht hat mich gelehrt, mir das eigene Scheitern zu verzeihen!“

Mezzosopranistin Silke Gäng.©  Foto: Diether  v Goddenthow
Mezzosopranistin Silke Gäng.© Foto: Diether v Goddenthow

Die Mezzosopranistin Silke Gäng sang hierzu, begleitet vom Sinfonieorchesters Basel, passend die Arie aus dem 3. Akt von Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“, anschließend auch aus Werken von Händel und Hayden, jeweils passend zu Eva Menasses gehaltvollen Textpassagen.

 

Eva Menasses letzter Text an diesem  Abend „Variationen über Klage, Gelächter, Anfang und Ende“ ging anhand biographischer Fragmente des Musiker-Genies Joseph Haydn vielschichtig der Frage nach, „ob für Kunstwerke ein knalliger Anfang wichtiger ist oder ein donnernder Schluss“. „Natürlich beides“, am besten auch „die Mitte“. Auf’s eigene Dasein bezogen, habe man nicht „im Geringsten Einfluss“, „wie das Geglückte auf dem Zeitstrahl des eigenen Lebens verteilt ist“, so die Autorin, die beispielhaft hierfür die sehr unterschiedlichen Anfänge und Schlüsse der Leben von Amadeus Mozart und Joseph Haydn gegenüberstellte: „Während Mozart mit umjubeltem Wunderkindanfang beschenkt“ (…) „schließlich doch jung und zudem elend zugrunde geht“, scheint es bei Joseph Hayden genau andersherum: In ärmliche Verhältnisse eines Wagenmachers geboren und mit 6 Jahren von Zuhause weggegeben, erwuchs aus dieser „harten Herkunft (…) ein biblisch langes Leben voller Erfolg und Ruhm“. „Und dennoch ist den beiden, Mozart und Hayden, so viel gemeinsam, nicht nur ihre Freundschaft, nicht nur ihr Genie, auch ihre Ewigkeit“, so Eva Menasse.

Auffällig habe sich Josef Haydn während seines langen, reichen Schaffens immer wieder für Schlüsse interessiert. „Ständig versuchte er etwas, was vor ihm noch nie probiert worden war: Eines seiner Streichquartette lässt er keck mit einer Schlussformel beginnen. Ein anderes hat wegen seines exzentrischen, in Stücke gehackten Schlusses den Beinamen „The Joke“ bekommen“, und am berühmtesten unter „Haydns innovativen Schlüssen“ sei die Abschiedssinfonie.
Laut einer Entstehungs-Anekdote aus der Not heraus entstanden, komponierte Hayden diese so, dass „ein Musiker nach dem anderen aufhört, seine Noten packt, und den Raum leise verlässt“, bis schließlich „am Ende der Bratsche auch die beiden Geigen gehen“. Damit war den Musikern erspart, „länger als geplant, im Landsitz Schloss Esterhazy bleiben“ zu müssen. Ein Streik wäre in Zeiten, da Musiker kaum mehr galten als Leibeigene, undenkbar gewesen.

Eva Menasse. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Eva Menasse. © Foto: Diether v Goddenthow

Amüsant, brillant und atmosphärisch dicht schildert Eva Mesnasse  abschließend  die Anekdote vom vermeintlichen Ableben Haydns. Besonders Verrücktes „hielt das Schicksal für Haydn“ bereit, „der so gerne mit Schlüssen spielte, Witz und Finesse hervorhob“ (…) nämlich „einen eigenen vorgezogenen Schluss“, (…) „als wäre er von ihm selbst komponiert“ (…)   „1805, vier Jahre vor dem eigentlichen Ereignis, wurde irrtümlich Haydns Tod gemeldet. Er selbst soll es in der Zeitung gelesen und sich sogleich in die betreffende Redaktion fahren lassen haben, um der Nachricht leibhaftig entgegen zu treten. Doch sie verbreitete sich rasend schnell. Das Dementi kam 201 Jahre vor Twitter einfach nicht hinterher. Luigi Cherubini komponierte in Paris einen Chant sur la mort de Joseph Haydn, und Rodolphe Kreutzer, der berühmte Geiger und Komponist, schrieb ein Violinkonzert zu Ehren des Verstorbenen über einige seiner Themen. Schließlich wurde in Paris noch eine Gedenkveranstaltung angesetzt, auf der Musik von Mozart und Haydn gespielt werden sollte. Und was sagte Haydn dazu? Man könnte es schon ahnen. Sein Witz hatte wieder einmal mehrere Ebenen. Er hüpfte lustig zwischen Raum und Zeit, Logik und Groteske hin und her. Haydn sagte nämlich: Wenn sie es mir nur früher gesagt hätten, dann wäre ich hingefahren, und hätte selbst dirigiert.“

Tosender Applaus, ein toller Abend, wunderbar ergänzt und  abgerundet von Silke Gäng und dem Streichquartett des Sinfonieorchesters Basel –  ein super Start in die 21. Wiesbadener Literaturtage mit vielen weiteren großartigen Highlights:

Informationen und Programmhinweise

MONTAG 16. SEPTEMBER 2019
18.00 UHR — EINFÜHRUNG + WORKINGMAN’S DEATH

WORKINGMAN’S DEATH BILDER ZUR ARBEIT IM 21. JAHRHUNDERT

122 Min., Österreich/Deutschland 2005
Buch und Regie: Michael Glawogger
UNTITLED

EIN FILM VON MICHAEL GLAWOGGER & MONIKA WILLI
107 Min., Österreich/Deutschland 2017,
Sprecherin: Birgit Minichmayr
UNTITLED

CALIGARI FILMBÜHNE
MARKTPLATZ 9, 65183 WIESBADEN
EINTRITT: JEWEILS € 7 / ERM. € 6 · KOMBITICKET FÜR BEIDE FILME: € 10

DIENSTAG 17. SEPTEMBER 2019 19.30 UHR
ZORA DEL BUONO & IRIS WOLFF
LESEN SIE DOCH MAL…
MODERATION: ILKA PIEPGRAS (DIE ZEIT)
LITERATURHAUS VILLA CLEMENTINE
FRANKFURTER STRASSE 1, 65189 WIESBADEN
EINTRITT: VVK: € 10 / ERM. € 6 PLUS GEBÜHR ABENDKASSE: € 13 / 8

MITTWOCH 18. SEPTEMBER 2019 19.30 UHR
NAIKA FOROUTAN, ROBERT PFALLER, HANNO RAUTERBERG WIE FREI IST SIE NOCH, DIE KUNST?
MODERATION: PEER TEUWSEN (NZZ)
MUSEUM WIESBADEN
FRIEDRICH-EBERT-ALLEE 2, 65185 WIESBADEN
EINTRITT: VVK: € 10 / ERM. € 6 PLUS GEBÜHR, ABENDKASSE: € 13 / ERM. € 8

DONNERSTAG 19. SEPTEMBER 2019 19.30 UHR
ZSUZSA BÁNK, INES GEIPEL, BARBARA VINKEN
SCHREIBENDE FRAUEN
MODERATION: URSULA MÄRZ
FRAUEN MUSEUM WIESBADEN
WÖRTHSTRASSE 5, 65185 WIESBADEN
EINTRITT: VVK: € 10 / ERM. € 6 PLUS GEBÜHR, ABENDKASSE: € 13 / ERM. € 10

FREITAG 20. SEPTEMBER 2019 19.30 UHR
SANDRA KREISLER & JOCHEM HOCHSTENBACH
KREISLER SINGT KREISLER
STAATSTHEATER WIESBADEN STUDIO
CHRISTIAN-ZAIS-STRASSE 3, 65189 WIESBADEN
EINTRITT: € 18 / ERM. € 12

Abschluss am SAMSTAG 21. SEPTEMBER 2019 mit Senta Berger im Caligari
Die Schauspielerin liest Auszüge aus dem Werk Heimito von Doderers, dem ausgesprochenen Lieblingsschriftsteller von Eva Menasse. Im Anschluss an die Lesung wird der Film „Das Diarium des Dr. Döblinger“ aus dem Jahr 1986 gezeigt, der sich lose an dem österreichischen Autor und seinem Leben orientiert.
19.00 UHR (LESUNG), 21.00 UHR (FILM)
CALIGARI FILMBÜHNE
MARKTPLATZ 9, 65183 WIESBADEN
EINTRITT: € 15 / ERM. € 12

Während des Eröffnungsempfangs signiert Eva Menasse ihre Bücher begeisterter  Leser/innen. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Während des Eröffnungsempfangs signiert Eva Menasse ihre Bücher begeisterter Leser/innen. © Foto: Diether v Goddenthow
VERÖFFENTLICHUNGEN von EVA MENASSE (AUSWAHL)
  • Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving (2000)
  • Vienna, Roman (2005)
  • Lässliche Todsünden, Erzählungen (2009)
  • Quasikristalle, Roman (2013)
  • Lieber aufgeregt als abgeklärt, Essays, (2015)
  • Leben in Bildern: Heimito von Doderer (2016)
  • Tiere für Fortgeschrittene, Erzählungen (2017)

PREISE UND AUSZEICHNUNGEN (AUSWAHL)

  • 2005 Rolf Heyne Debütpreis
  • 2013 Heinrich-Böll-Preis
  • 2015 Villa-Massimo-Stipendium 2017 Friedrich-Hölderlin-Preis 2017 Österreichischer Buchpreis 2019 Mainzer
  • Stadtschreiberin 2019 Ludwig-Börne-Preis

Vom „Lustprinzip“ zum Selbstporträt: das Programm der 21. Wiesbadener Literaturtage mit Eva Menasse

Eva Menasse bei der Amtseinführung als Mainzer Stadtschreiberin 2019. ©  Foto: Diether v Goddenthow
Eva Menasse bei der Amtseinführung als Mainzer Stadtschreiberin 2019. © Foto: Diether v Goddenthow

Die für ihren Kampf für Meinungsfreiheit in Zeiten von linker wie rechter politischer Gesinnungs-Korrektheit bekannte österreichische Autorin Eva Menasse wird vom 15. bis 21. September 2019 die 21. Wiesbadener Literaturtage kuratieren. In der Pressemeldung  Wiesbadener Literaturhauses Villa Clementine heißt es, dass mit Veranstaltungen zu dem Dokumentarfilmemacher Michael Glawogger, dem Komponisten Georg Kreisler oder dem Schriftsteller Heimito von Doderer nicht nur der Bezug zu ihrem Heimatland sofort ins Auge falle, sondern sich darin auch Eva Menasses Vorlieben und Interessensgebiete in allen Sparten der Künste abbildeten. „Zu den Highlights gehören so bekannte und hochkarätige Künstler wie Sven Regener oder Senta Berger. „Die Veranstaltungen hängen untergründig zusammen. Ich vermute, ein Knoten ist ein gewisses Forschen nach dem Verhältnis von Freiheit und struktureller Ordnung in den Künsten“, so die Kuratorin über ihr Programm.

Seit 1986 bieten die Wiesbadener Literaturtage eine Plattform für den spartenübergreifenden Dialog und machen die hessische Landeshauptstadt zum Mittel- und Austauschpunkt für Persönlichkeiten und Interessierte aller Kunstsparten. Das Festival wird vom Kulturamt Wiesbaden ausgerichtet. „Ich freue mich sehr, dass wir mit Eva Menasse eine wortstarke Gastgeberin gewinnen konnten, deren kreatives Wirken in den verschiedenen Künsten so wunderbar zur Ausrichtung der Wiesbadener Literaturtage passt und sich auch in ihrem Programm widerspiegelt“, so Kulturdezernent Axel Imholz, „Vor allem möchten wir an dieser Stelle dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain danken, ohne dessen Förderung dieses Festival in diesem Umfang nicht würde stattfinden können.“

Zum Auftakt des Festivals liest Eva Menasse am Sonntag, 15. September, um 17 Uhr im Museum Wiesbaden aus zwei autobiographischen Texten über Musik, Komponisten und die Kunst des Scheiterns. Dazu präsentieren die junge Mezzosopranistin Silke Gäng und Mitglieder des Sinfonieorchesters Basel Musikstücke von Händel, Haydn oder Gluck, die in ihrem Schreiben Erwähnung finden.

Der zweite Festivaltag bringt dem Publikum den österreichischen Filmemacher und Schriftsteller Michael Glawogger näher, ihren „künstlerischen Sparring-Partner“, wie Eva Menasse ihn nennt. Der enge Freund und renommierte Autor Sven Regener führt dabei in dessen Leben und Werk ein. Im Anschluss werden die Filme „Workingman’s Death“ und „Untitled“ in der Caligari Filmbühne gezeigt.

Mit der Lesung von Zora del Buono und Iris Wolff am Dienstag, 17. September im Literaturhaus Villa Clementine, sowie der Diskussionsrunde über schreibende Frauen am Donnerstag, 19. September im Frauenmuseum, stehen in Eva Menasses Programm gleich zwei Tage ganz im Zeichen der Sichtbarmachung von Autorinnen und literaturschaffenden Frauen. Dass der Kuratorin gerade die in ihren Worten „engagierte Zeitgenossenschaft“ besonders wichtig ist, zeigt sich auch am Mittwoch, 18. September, wenn hochrangige Diskutanten im Museum Wiesbaden über die Frage „Wie frei ist sie noch, die Kunst?“ sprechen.

Der Freitag, 20. September, hält ein weiteres musikalisches Highlight bereit. Auf der Studiobühne des Hessischen Staatstheaters wird Sandra Kreisler weitgehend unbekannte und teilweise unveröffentlichte Chansons ihres Vaters Georg Kreisler – einem der bekanntesten Chansonkomponisten und Dichter Österreichs – neu interpretieren und so mit einer ganz eigenen Note versehen.

Zum Abschluss der Literaturtage in Wiesbaden ist die Grande Dame der Film- und Fernsehlandschaft, Senta Berger, in der Caligari FilmBühne zu Gast. Sie liest Auszüge aus dem Werk Heimito von Doderers, dem ausgesprochenen Lieblingsschriftsteller von Eva Menasse. Im Anschluss an die Lesung wird der Film „Das Diarium des Dr. Döblinger“ aus dem Jahr 1986 gezeigt, der sich lose an dem österreichischen Autor und seinem Leben orientiert.“

Das ausführliche Programm liegt aus und ist online verfügbar unter www.wiesbaden.de/literaturtage

VORVERKAUF
Tourist Information Wiesbaden
Marktplatz 1
Telefon: 0611 – 1729930

Ticketbox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof
Kirchgasse 28, Eingang Friedrichstraße
Telefon: 0611 – 304808

Online-Vorverkauf (u.a. Print@Home)
www.wiesbaden.de/literaturtage

Karten für den Abend im Studio des Staatstheaters erhalten Sie auch an der Kasse im Theater oder online unter www.staatstheater-wiesbaden.de.

Karten für den Abend in der Caligari FilmBühne gibt es nur an der Kinokasse im Caligari: täglich 17 bis 20.30 Uhr, reservierung-caligari@wiesbaden.de und in der Tourist-Information (plus VVK-Gebühr).

Das 19. Festival des mittel- und osteuropäischen Films goEast mit glanzvoller Preisverleihung abgeschlossen

Goldenen Lilie – Hauptpreis

ACID (KISLOTA, Russland 2018, Regie: Alexander Gorchilin; Produktion: Sabina Eremeeva) ist der Gewinner des Hauptpreises der 19. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden – der mit 10.000 Euro dotierten Goldenen Lilie. Die fünfköpfige internationale Jury unter dem Vorsitz von Teona Strugar Mitevska begründete ihre Entscheidung damit, dass der meisterhafte Debütfilm die Energie und die Verzweiflung der Millennial-Generation spürbar mache. „Die Geschichte ist brillant geschrieben und konstruiert. Sie überzeugt von Anfang bis Ende in der Art, wie sie den Charakteren durch das urbane zeitgenössische Setting folgt“, betonte die Jury.

Der mit 10 000 Euro dotierte Hauptpreis, die "Goldene Lilie für den Besten Film" ging an  ACID (KISLOTA). v.l.n.r.:Teona Strugar Mitevska (Juryvorsitzende), Arina Shevtsova, Hauptdarstellerin Vanya, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin, Ellen-Harrington, Direktorin  des DFF, Deutsches Filminstitut Deutsches Filmmuseum.© Foto: Diether v. Goddenthow
Der mit 10 000 Euro dotierte Hauptpreis, die „Goldene Lilie für den Besten Film“, ging an ACID (KISLOTA). v.l.n.r.:Teona Strugar Mitevska (Juryvorsitzende), Arina Shevtsova, Hauptdarstellerin Vanya, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin, Ellen-Harrington, Direktorin des DFF, Deutsches Filminstitut Deutsches Filmmuseum.© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Preisverleihung in der Caligari FilmBühne bildete den krönenden Abschluss von goEast. Nach einer Woche voller Kino, Virtual Reality, zahlreichen Diskussionen, Vorträgen und Ausstellungen, bei der 109 Filme gezeigt wurden und mehr als 200 Filmschaffende aus der internationalen Filmbranche zu Gast waren, wurden die Sieger des Wettbewerbs gekürt und Preise im Gesamtwert von 36.000 Euro verliehen.

Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie

Den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie erhielt Adilkhan Yerzhanov für "DIE ZÄRTLICHE GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT" (l.n.r.:) Adilkhan Yerzhanov (Regisseur), Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin. © Foto: Diether v. Goddenthow
Den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie erhielt Adilkhan Yerzhanov für „DIE ZÄRTLICHE GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT“ (l.n.r.:) Adilkhan Yerzhanov (Regisseur), Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin. © Foto: Diether v. Goddenthow

Adilkhan Yerzhanov gewann mit THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE WORLD (LAZKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA; Kasachstan, Frankreich 2018) den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie, der mit 7.500 Euro dotiert ist. „Der Film, der in einer Welt voller Absurdität und Gleichgültigkeit spielt, ist ein visuell beeindruckendes und bewegendes Drama über Liebe, die Komplexität der menschlichen Bedingungen und Beziehungen, gewürzt mit einem staubtrockenden Humor. Das ist modernes und klassisches Kino in einem, was die Kraft des Regisseurs als Auteur unterstreicht“, so die Jury. Der Regisseur zeige sein künstlerisches Talent für Details: Einstellungen voller poetischer Schönheit, minimalistische, gleichzeitig stilisierte Innenräume, ruhige aber ausdrucksstarke Gesichter, reiche und farbenfrohe Landschaften, lobte die Jury.

Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt 

 Film HOME GAMES (DOMASHNI IGRI, Ukraine, Frankreich, Polen 2018, wurde mit dem Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt ausgezeichnet. l.n.r.: ALISA KOVALENKO, Regisseurin, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin, Ayse-Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow
Film HOME GAMES (DOMASHNI IGRI, Ukraine, Frankreich, Polen 2018, wurde mit dem Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt ausgezeichnet. l.n.r.: ALISA KOVALENKO, Regisseurin, Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin, Ayse-Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow

Der Film HOME GAMES (DOMASHNI IGRI, Ukraine, Frankreich, Polen 2018, Regie: Alisa Kovalenko) wurde mit dem Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt und einem Preisgeld von 4.000 Euro ausgezeichnet. Der Film über eine junge Ukrainerin, die mit Beharrlichkeit und Überzeugung den Traum einer professionellen Fußball-Karriere inmitten ihrer sozial prekären Familiensituation verfolgt, mache Hoffnung, betonte die Jury. „Dieser Film thematisiert die Idee neuer familiärer Strukturen in vielfacher Hinsicht und in verschiedenen Formen.“

Lobenden Erwähnung

Eine "Lobende Erwähnung" der Jury für den Film "Kalter November". Bild: Hauptdarsteller Fatmir Spahiu (r.) und ISMET SIJARINA, Regisseur, mit Festivalleiterin Heleen-Gerritsen,  © Foto: Diether v. Goddenthow
Eine „Lobende Erwähnung“ der Jury für den Film „Kalter November“. Bild: Hauptdarsteller Fatmir Spahiu (r.) und ISMET SIJARINA, Regisseur, mit Festivalleiterin Heleen-Gerritsen, © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit einer lobenden Erwähnung bedachte die Jury COLD NOVEMBER (NËNTOR, FTOHTË, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien 2018, Regie: Ismet Sijarina) dafür, dass der Film „auf mutige und ehrliche Weise die Geschichte eines nationalen Traumas durch die Augen einer ganz gewöhnlichen Person“ zeige. Der Film thematisiert den Krieg in Jugoslawien 1992 in Prishtina und erzählt vom (Über-)Leben in bösen Zeiten.

Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin. © Foto: Diether v. Goddenthow
Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin. © Foto: Diether v. Goddenthow

Festivalleiterin Heleen Gerritsen freute sich über einen erfolgreichen Jahrgang von goEast: „goEast 2019 wurde erneut von einer unglaublichen Genrevielfalt und von echtem Austausch geprägt: Bei den Filmgesprächen, im Kino, aber auch bei den Parties und bei der interdisziplinären Veranstaltungsreihe ,Paneuropäisches Picknick‘ trafen Filmschaffende und Künstler*innen aus Mittel- und Osteuropa und das Publikum aus Wiesbaden und Umgebung aufeinander. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, das Festival verstärkt in die Stadt hineinzutragen.“

Impression aus der Caligari-Filmbühne. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus der Caligari-Filmbühne. © Foto: Diether v. Goddenthow

Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI Spiel- und Dokumentar-Film

Der Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI in der Kategorie Spielfilm ging an THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE WORLD (LAZKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA; Kasachstan, Frankreich 2018, Regie: Adilkhan Yerzhanov) „für ein farbenfrohes Märchen, mit kamera-geleitetem Humor“, wie es in der Jurybegründung hieß. Der Film erzählt die bittersüße Geschichte einer kasachischen Familie als Mafia-Tragikomödie à la Camus.

Die Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI für Dokumentar- und Spielfilm gingen an Andrei Kutsila (mitte rechts) für den Dokumentarfilm STRIP AND WAR, und an Adilkhan Yerzhanov für DIE ZÄRTLICHE GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI für Dokumentar- und Spielfilm gingen an Andrei Kutsila (mitte rechts) für den Dokumentarfilm STRIP AND WAR, und an Adilkhan Yerzhanov für DIE ZÄRTLICHE GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT. © Foto: Diether v. Goddenthow

In der Kategorie Dokumentarfilm gewann STRIP AND WAR (Belarus, Polen 2019, Regie: Andrei Kutsila) den Preis der FIPRESCI. Die Jury zeichnete den Dokumentarfilm über einen Kriegsveteranen und dessen strippenden Enkelsohn aus, der bei goEast seine Weltpremiere feierte, und zwar „für die gelassene Darstellung einer möglichen Koexistenz verschiedener Werte und Generationen“.

Open Frame Award

Das  Künstler-Duo Alexey Furman and Sergiy Polezhaka mit Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin und Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF Bank Stiftung.© Foto: Diether v. Goddenthow
Das Künstler-Duo Alexey Furman and Sergiy Polezhaka mit Heleen-Gerritsen, Festivalleiterin und Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF Bank Stiftung.© Foto: Diether v. Goddenthow

Das Künstler-Duo Alexey Furman and Sergiy Polezhaka wurde für AFTERMATH VR: EUROMAIDAN mit dem von der BHF Bank Stiftung für Virtual-Reality-Werke ausgelobten Open Frame Award ausgezeichnet, der mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert ist. In dem VR-Projekt schlüpft der Betrachter in die Rolle eines Demonstranten während der Proteste auf dem Maidanplatz in Kiew. Durch die Kombination aus kraftvollem immersivem Storytelling und dem interaktiven Poztenzial von VR mache das Werk den Betrachter zu einem aktiv Handelnden, der in das Geschehen eingreifen könne, erklärte die Jury. „Die VR-Erfahrung hinterlässt einen bleibenden Eindruck und konserviert Erinnerungen mit diesem einzigartigen journalistischen Format, das große gesellschaftliche Relevanz besitzt.“

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury für TRAIL OF ANGELS von Kristina Buožytė für die herausragende Kreativität aus. „Die Herausforderung einer poetische Reise durch die Bilderwelt eines traditionellen Malers wurde respektvoll und intelligent gelöst“, so die Jury.

RheinMain Kurzfilmpreis

RheinMain Kurzfilmpreis. gestiftet vom  Kulturfonds Frankfurt RheinMain ging an Leon Lučev. Bild: Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain (ganz rechts), Leon Lučev (mitte) mit der Festivalleiterin und der Jury,  © Foto: Diether v. Goddenthow
RheinMain Kurzfilmpreis. gestiftet vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain ging an Leon Lučev. Bild: Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain (ganz rechts), Leon Lučev (mitte) mit Festivalleiterin und der Jury, © Foto: Diether v. Goddenthow

Erstmals wurde in diesem Jahr der vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain gestiftete RheinMain Kurzfilmpreis (2.500 Euro) vergeben. Die Jury aus Vertreter*innen von Kulturvereinen mit Osteuropa-Bezug aus dem Rhein-Main-Gebiet entschied sich für I CAN BARELY REMEMBER THE DAY (MALO SE SJEĆAM TOG DANA, Kroatien 2018) – das Regiedebüt des kroatischen Schauspielers Leon Lučev, und begründete ihre Entscheidung damit, dass der Film die gegensätzlichen Themen Tod und Leben, Trauer und Heiterkeit geschickt miteinander verwebe. „Was der Protagonist nicht aussprechen kann, entwickelt der Regisseur über Kameraführung, die Wahl seiner Stilmittel sowie die ausgezeichnete schauspielerische Leistung. Der Film berührt“, betonte die Jury.

Renovabis-Recherchestipendium

Das Projekt THE MOTHERS‘ CRUSADE (Belarus, Regie: Alexander Mihalkovich) gewann das in diesem Jahr erstmals ausgelobte Renovabis-Recherchestipendium (3.500 Euro) für dokumentarische Vorhaben zu den Themen Menschen- und Minderheitenrechte. Die Jury zeichnete die Geschichte über Frauen aus, die in Weißrussland gegen Missbrauch in einer mächtigen männlich dominierten Institution, dem Militär, kämpfen. „Durch die Perspektive einer Mutter erhalten wir damit Einblick in eine viel umfassendere Kultur der Gewalt“, so die Jurybegründung.

East-West Talent Lab

LANDING von Ksenia Ciuvaseva aus Moldawien wurde als bestes Projekt im Rahmen des East-West Talent Lab mit dem von Russian Standard Vodka gestifteten goEast Development Award in Höhe von 3.500 Euro bedacht. Es sei eine sehr persönliche Geschichte, die so große Themen wie Verlust, Abwesenheit und Liebe auslotet, betonte die Jury. „Sowohl die Filmemacherin als auch ihr Vater versuchen, Zeit und Raum durch Videobotschaften zu überwinden. Wir sind gespannt, wohin dieses Abenteuer beide führen wird.“

Abschlussfoto mit allen Gewinnern, Juroren, Mitarbeitern und Helfern des Festivals goEast zum Abschluss der Preisverleihung am 16. April 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow
Abschlussfoto mit allen Gewinnern, Juroren, Mitarbeitern und Helfern des Festivals goEast zum Abschluss der Preisverleihung am 16. April 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Wahl des goEast Medienpartners 3sat, der seit Beginn des Festivals in jedem Jahr den Ankauf für einen Film des Programms anbietet, fiel 2019 auf den Wettbewerbsfilm MOMENTS (CHVILKY, Tschechische Republik, Slowakische Republik 2018) von Beata Parkanová. Der Film soll zum goEast Festival 2020 bei 3sat seine TV-Premiere feiern.

Die 19. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films fand vom 10. bis 16. April in Wiesbaden statt. Zu den Höhepunkten gehörten neben einem spannenden Wettbewerb die Besuche international gefeierter Filmemacher*innen wie Krzysztof Zanussi, Sergei Loznitsa und Jury-Präsidentin Teona Strugar Mitevska. Große Resonanz erfuhren auch das Symposium unter dem Titel „Konstruktionen des Anderen. Roma und das Kino Mittel- und Osteuropas“ sowie die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe „Paneuropäisches Picknick“

Alle Preisträger*innen im Überblick:

 © Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Goldene Lilie für den Besten Film
ACID /KISLOTA, Russland 2018, Regie: Alexander Gorchilin; Produktion: Sabina Eremeeva

Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie
THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE WORLD / LASKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA, Kasachstan,
Frankreich 2018, Regie: Adilkhan Yerzhanov

Preis des Auswärtigen Amtes für Kulturelle Vielfalt
HOME GAMES / DOMASHNI IGRI, Ukraine, Frankreich, Polen 2018, Regie: Alisa Kovalenko

Lobende Erwähnung
COLD NOVEMBER / NËNTOR, FTOHTË, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien 2018, Regie: Ismet
Sijarina

Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Spielfilm)
THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE WORLD / LAZKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA, Kasachstan,
Frankreich 2018, Regie: Adilkhan Yerzhanov

Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI (Dokumentarfilm)
STRIP AND WAR / Belarus, Polen 2019, Regie: Andrei Kutsila

Open Frame Award
AFTERMATH VR: EUROMAIDAN, Ukraine 2018, Regie: Alexey Furman and Sergiy Polezhaka

RheinMain Kurzfilmpreis
I CAN BARELY REMEMBER THE DAY / MALO SE SJEĆAM TOG DANA, Kroatien 2018, Regie: Leon
Lučev

Renovabis-Recherchestipendium
THE MOTHERS‘ CRUSADE, Belarus, Regie: Alexander Mihalkovich
goEast Development Award
LANDING, Moldawien, Regie: Ksenia Ciuvaseva

Siehe „goEast“

goEast eröffnet! Die Filmwelt schaut auf Wiesbaden – Highlight „Paneuropäisches Frühstück“

GORILA SE KUPA U PODNE. Deutschland, Jugoslawien 1993 82 min, 35mm, Farbe / eng, rus, deu OmdU Regie: Dušan Makavejev. © DFF
GORILA SE KUPA U PODNE. Deutschland, Jugoslawien 1993 82 min, 35mm, Farbe / eng, rus, deu OmdU Regie: Dušan Makavejev. © DFF

Mit einer absurden Szene aus „Gorilla bathes at noon“ startete am 10. April 2019 das 19. Festival des mittel- und osteuropäischen Films GoEast in Wiesbaden im vollbesetzten Caligari, darunter viel Prominenz aus Kultur, Politik und Gesellschaft.

Nach einer halsbrecherischen Kletterpartie auf das Haupt des 1991 gestürzten Lenin-Denkmals am Internationalen Platz in Ostberlin versucht der mit der neuen Wendezeit-Situation völlig überforderte russische Major Viktor seinem Idol die weiße Farbe des Protestes  von der Stirn zu waschen, als wolle er die Zeit aufhalten – bis hin zum verzweifelten Ausruf „Ich bin ein Berliner!“.. Regisseurs Dusan Makavejevs trifft wie kaum ein anderer Film den Kern der Verunsicherung, die der Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren in Ost und West bei vielen Menschen – von der Zivilbevölkerung bis hin zu den „Besatzungssoldaten – aufgelöst hat. Die Folgen der Öffnung des Eisernen Vorhangs ist auch der diesjährige Schwerpunkt von GoEast. Es geht im Kern um die Auseinandersetzung mit der Frage, was die Öffnung von Grenzen und der Fall der Berliner Mauer mit den Menschen ab den 1990er Jahren nach der Wendezeit in Ost und in West gemacht hat.

Festivalleiterin Heleen Gerritsen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Festivalleiterin Heleen Gerritsen. © Foto: Diether v. Goddenthow

30 Jahre nach dem Mauerfall werde das Rhein-Main-Gebiet vom Ostblock erobert, stellte Festivalleiterin Heleen Gerritsen ein wenig augenzwinkernd bei der Eröffnung fest. Denn mit der etwas „kriegerischen“ Formulierung sei im provokanten Sinne der „Kalte Krieg“ gemeint, der noch gar nicht so lange her sei, sowie das Verhältnis zwischen Ost und West, das immer noch stürmisch sei, wie tägliche Nachrichten zeigten. „Doch wir Osteuropafans wissen, dass die Länder in unserem Osten viel mehr zu bieten haben als Kriegsrhetorik oder Nationalismus. GoEast verwandelt Wiesbaden erneut in die Hochburg für mittel- und osteuropäische Kultur“, so die Festivalleiterin. Neben vielen hochkarätigen Filmveranstaltungen und Premieren gibt es ein besonders vielfältiges Rahmenprogramm unter dem Namen „Paneuropäisches Picknick“, und mit Krzyzstof Zanussi und Sergei Loznitsa kommen zwei der produktivsten Filmemacher nach Wiesbaden. Insgesamt hätten sich über 400 Gäste, darunter 200 Filmschaffende, akkreditiert. Die Debüt- und Nachwuchsfilmschaffenden träfen sich wieder im goEast-Festivalzentrum „Casino-Gesellschaft“ oder in der Caligari Filmbühne.

Ellen Harrington. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ellen Harrington. © Foto: Diether v. Goddenthow

Kein anderes Kinoerlebnis bringe eine so große Vielfalt von Filmen und Filmschaffenden aus mehr als 30 mittel- und osteuropäischen Ländern mit ihren westeuropäischen Pendants zusammen wie GoEast, sagte Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filminstituts- und Filmmuseums. „goEast ist ein dynamisches Sammelsurium aus Ideen, Meinungen, Kunst und Debatten, in einer gastfreundlichen Stadt und mit tollen Events für alle Besucher und Besucherinnen.“, so Harrington. 2019 sei ein besonderes Jahr, nicht nur, da sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal jähre. „Auch das Dff – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, 1949 in Wiesbaden gegründet, feiert seinen 70. Jahrestag“, so die DFF-Direktorin. Auch vor 1989 organisierte das Deutsche Institut für Filmkunde (DIF) osteuropäische Filmwochen, um dem westlichen Publikum einen Blick hinter die Kulissen des Eisernen Vorhangs zu gewähren. „Als goEast 2001 ins Leben gerufen wurde, wurde der Aspekt der Kulturdiplomatie sofort als sehr wichtig erachtet. Dieser ist bis heute ein wichtiger Baustein, besonders im Angesicht einer sich verändernden Europäischen Union“, erläuterte die DFF-Direktorin.

 Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow
Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow

GoEast wolle Sterotypen aufbrechen und Klischees überwinden. Darauf ziele beispielsweise das Symposium „Konstruktion des Anderen. Roma und das Kino Mittel- und Osteuropa“ ab, sagte Staatssekretärin Ayse Asar vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. In bewährter Tradition setze goEast auf den Austausch über das Gesehene und fördere damit den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sozialisation. Genauso wende das Festival seinen Blick auf unsere nicht weniger spannende gesellschaftliche Gegenwart und die Zukunft des Filmschaffens. So sollen zwei neue Preise, der RheinMain Kurzfilmpreis und das Renovabis-Recherchestipendium für ein Dokumentarfilmprojekt mit Menschenrechtsbezug im Rahmen des Fortbildungsprogramms East-West-Talent Lab dem Filmnachwuchs ermöglichen, innovative Projektideen zu verwirklichen, sagte die Staatssekretärin. So zeige sich das Festival explizit als eine Plattform der Entwicklung und des Lernens von- und miteinander, so Asar.

Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden © Foto: Diether v. Goddenthow
Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden © Foto: Diether v. Goddenthow

Dass goEast zum 19. Mal in Wiesbaden stattfände, sei kein Zufall, denn, so Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden: „wir haben eine lange Tradition in der Verbindung zu Osteuropa. Man denke nur an die russisch-orthodoxe Kapelle, die auf Wiesbaden herunterschaut. Künstler, die in früheren Zeiten Wiesbaden besucht haben, zum Beispiel Jawlensky. Aber auch heute ist die Geschichte vieler Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger eng mit Osteuropa verbunden.“ Das unterstreiche goEast in diesem Jahr vielleicht einmal mehr mit seinem „Paneuropäischen Picknick“, an dem auch Wiesbadener Kulturvereine mit Osteuropaschwerpunkt wie der polnische Kultursalon „Pokusa“ und die „Kroatische Kulturgemeinschaft“ teilnähmen, so Imholz. GoEast böte auch in diesem Jahr wieder ein Filmprogramm von  ganz hoher Qualität und  großer Vielfalt und sei zurecht ein Schwerpunkt im Wiesbadener Kulturkalender, so Imholz und weiter: „Die Filmwelt schaut auf das Festival. Wiesbaden ist in der nächsten Woche wieder einmal Filmstadt!“

Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, machte in seinem Grußwort der Festivalleiterin und ihrem Team und allen Beteiligten im Namen des Kulturfonds Frankfurt RheinMain ein großes Kompliment, nämlich dass sie es verstünden “Etwas, was schon sehr gut ist, jedes Jahr noch besser zu machen“. Das Festival in allen Formaten biete nicht nur die Gelegenheit, etwas zu finden, etwas Neues kennenzulernen, sondern auch die Chance, miteinander in Dialog zu kommen.
„Die Idee mit dem Paneuropäischen Picknick finde ich einfach genial. Weil es sozusagen Realität ist, aber mehr als Realität, nämlich Erzählung sei. Und Erzählung schaffe Realität. Der knackige Text im Programm, dass Performance-Künstler diese Sache veranstaltet haben, stünde, so Dr. Müller, zumindest mit einer zweiten Gruppen in Konkurrenz, die Ähnliches behaupte: Zum einen Otto von Habsburg, der damalige Vorsitzende der Pan-Europa-Union, und zwei Außenminister, Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn, „die damals den Draht durchgeschnitten haben, symbolisch gemeint, aber das auslösend, was sie vielleicht nicht geahnt haben, nämlich: dass sehr viele Menschen dieses Symbol für etwas Ernstes genommen haben und einfach den restlichen Draht durchtrennt und einfach den Eisernen Vorhang durch eine Art Massenbewegung beseitigt haben“, so Müller. Und was immer der Kern, die Absicht der Beteiligten gewesen war, „es war eine Performance, die die Welt erlebt hat, und die zeigt, dass in unruhigen Zeiten Kunst notwendig ist, um Drahtzäune und Barrieren wegzuräumen.“ Und dies genau sei das Anliegen von GoEast: „eine neue Plattform für Kultur aus dem Osten Europas im Rhein-Main-Gebiet zu etablieren“, so Dr. Müller.

Empfang im Caligari Foyer. © Foto: Diether v. Goddenthow
Empfang im Caligari Foyer. © Foto: Diether v. Goddenthow

Aus dem Programmheft, Seite 17:
PICKNICK (Samstag, 13.April 2019, 11.00 bis 15.00 Uhr, vor dem Rathauseingang /Schlossplatz)
„Was liegt näher im Rahmen unserer neuen Veranstaltungsreihe, als ein tatsächliches Picknick zu veranstalten – direkt neben dem Wiesbadener Markt am Schlossplatz? Neben Speis und Trank, bestehend aus einer köstlichen Reise durch
Osteuropa, laden im Rhein-MainGebiet ansässige Kulturvereine mit Osteuropaschwerpunkt zum gemeinsamen Stelldichein. Untermalt von Live-Musik und DJ Janeck möchten wir die osteuropäische Alltagskultur in die Öffentlichkeit tragen, um Festivalgäste, Publikum und die Wiesbadener Nachbarschaft zu vereinen. Folgen Sie einfach dem roten Teppich zum Picknick der besonderen Art.“

Aus dem Programmheft, Seite 16
MASTERCLASS: SERGEI LOZNITSA
„Beliebt, berüchtigt und umstritten ist das Werk Sergei Loznitsas. Egal ob in seinen Dokumentarfilmen oder in seinen Spielfilmen, der (post-)sowjetische Mensch oder genauer gesagt, die Gruppendynamik des (post-)sowjetischen Kollektivs steht im Mittelpunkt all seiner Filme. Der in der weißrussischen
SSR geborene Regisseur studierte in Kiew und Moskau und ist in seinem filmischen Schaffen erstaunlich
produktiv. Dabei entwickelte er nicht eine, sondern gleich drei ganz eigene Handschriften mit hohem Wiedererkennungswert. Bekannt geworden ist Loznitsa zunächst in Fachkreisen mit seinen mal in langsamen Bildern beobachtenden, mal aus Archivmontagen entstandenen Dokumentarfilmen wie BLOKADA (Russland, 2005). Zu dieser letzten Form kehrt er mit THE TRIAL (Niederlande, 2018), der in diesem Jahr auch bei goEast gezeigt wird, zurück (Seite 8). Mit MAIDAN, AUSTERLITZ und SIEGESTAG beobachtet er dokumentarisch Massendemonstrationen und Gruppendynamiken in langen Einstellungen. Seine Spielfilme (DONBASS, DIE SANFTE, IM NEBEL, MEIN GLÜCK) dagegen sind wie Fieberträume und zeichnen ein pessimistisches (und manchmal groteskes) Bild der post-sowjetischen Gesellschaften. Vor allem in Russland erntet Loznitsa damit viel Kritik: Immer wieder wird dem Regisseur Schwarzmalerei oder sogar anti-russische Propaganda vorgeworfen. In einer öffentlichen Masterclass erzählt Loznitsa über sein Werk, seine Entscheidungen und Erfahrungen.“

Festivalzentrum So, 14.04. / 11:30 Uhr,
in russischer Sprache mit englischer
Simultanübersetzung
Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro

Das  Festival „Go East“ läuft vom 10. bis 16. April 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Festival „Go East“ läuft vom 10. bis 16. April 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das www.filmfestival-goeast.de/de/auf einen Blick:
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Die Spielstätten auf einen Blick

Ein großartiger Abend zum 80. für und mit Volker Schlöndorff und Wegbeleitern Mario Adorf, Klaus Doldinger und Daniel Cohn-Bendit in der Caligari-Filmbühne

Volker Schlöndorff mit Weggefährten und Freund Mario Adorf im Foyer der Caligari Filmbühne. © Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Schlöndorff mit Weggefährten und Freund Mario Adorf im Foyer der Caligari Filmbühne. © Foto: Diether v. Goddenthow

Zu Ehren des Regisseurs Volker Schlöndorff anlässlich seines 80. Geburtstags veranstaltet das Kulturamt in Kooperation mit dem DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, Frankfurt am Main, und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung  eine Werkschau in drei Kinos in Wiesbaden und in Frankfurt, die vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain gefördert wird. Und gestern Abend war der Auftakt, zunächst im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, anschließend in der Caligari-Filmbühne mit Lesung, Live-Talk, Jazz und Filmvorführung.

Programm-Flyer der Werkschau

Begonnen hatte der Abend feierlich im Ratssaal mit dem Eintrag Volker Schlöndorffs ins Goldene Buch der Stadt der Landeshauptstadt Wiesbaden. Volker Schlöndorff gehöre ohne Zweifel zu den deutschen Regisseuren mit dem international größten Ansehen, betonte Oberbürgermeister Sven Gerich. Seit über 50 Jahren habe er regen Anteil an der Geschichte des Films mit über 35 sehr bekannten Filmen und unzähligen Preisen aus dem In- und Ausland, weswegen ihm einen der herausragenden Plätze in der Geschichte des Films schon heute gebühre. An erster Stelle sei hier sicherlich die Verfilmung von Heinrich Bölls Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ zu nennen. Schlöndorff drehte diesen Film, so der Oberbürgermeister, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Margarete von Trotha. Ein Jahr später, im Jahr 1980 gelingt Volker Schlöndorff mit seinem Film „Die Blechtrommel“ das beinahe Unmögliche: Als erster Deutscher Regisseur erhält er einen Oskar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Diese hohe Auszeichnung haben bis heute neben ihm nur Caroline Link und Florian Henckel von Donnersmarck  erhalten.
Was aber viele nicht wüssten, so Seven Gerich, dass Volker Schlöndorff seine Wurzeln in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden habe. „1939 als Sohn eines Lungenfacharztes in Wiesbaden geboren, verbrachte Schlöndorff seine ersten Kindheitsjahre in Biebrich, um genau zu sein, so der Oberbürgermeister, in der Rathausstrasse 60, also schräg gegenüber des heutigen Polizeireviers. „Und lieber Herr Schlöndorff, was Sie nicht wissen können, ich spreche hier sozusagen von Biebricher Bub zu Biebricher Bub. Denn ich bin in unmittelbarer Nähe, in der Wilhelm-Tropp-Strasse gegenüber der alten Feuerwache großgeworden.“

Volker Schlöndorff kurz nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.© Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Schlöndorff kurz nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.© Foto: Diether v. Goddenthow

Ein wenig gerührt, dankte Volker Schlöndorff für den Empfang und die Ehre, sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen haben zu dürfen. Er sei eigentlich nie weggekommen von Wiesbaden, „ich bin zwar mit 16 abgehauen, wie man so sagt, erst nach Frankreich, dann nach München, nach USA.  Aber ich hatte immer wieder Anlass natürlich zurückzukommen, und als es keine Familie mehr gab,  gab’s die Familie im Caligari, und vielen Dank, dass ich das erlebt habe, und ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich da bin“, sagte Schlöndorff, der auch hoffe, dass die Stadt Wiesbaden den Mut habe, das Walhalla wieder zu beleben. Denn was seien  schon 43 Millionen? „Na und! Das sollte uns doch die Kultur, die Baukultur, allemal wert sein!“.

Auftakt zur Werkschau in der CaligariFilmbühne

Volles Haus in der Caligari Filmbühne anlässlich der Eröffnung von Volker Schlöndorffs Werkschau. © Foto: Diether v. Goddenthow
Volles Haus in der Caligari Filmbühne anlässlich der Eröffnung von Volker Schlöndorffs Werkschau. © Foto: Diether v. Goddenthow

Da sie es zeitlich zum Empfang ins Rathaus nicht schaffen konnten, traf Volker Schlöndorff seine engen Weggefährten dann im Anschluss in der ausverkauften Caligari-Filmbühne, unter ihnen der Schauspieler Mario Adorf, der Jazzmusiker und Komponist Klaus Doldinger und den deutsch-französischen Publizisten und Politiker Daniel Cohn-Bendit, der zugleich die  Moderation übernahm.

Kulturdezernent Axel Imholz begrüßte die Gäste herzlich, noch einmal besonders den Ehrengast Volker Schlöndorff und seine Weggefährten. Er plauderte dabei auch ein wenig aus dem Nähkästen, etwa über die Zitterpartie hinter den Kulissen im Kulturamt im Vorfeld der Veranstaltung was die Terminkoordination angesichts der prominenten Gäste anging, und ja bestens geglückt sei, worüber er sich sehr freue.

Volker Schlöndorff  dankte herzlich für die Einladung und die Ehre, so gefeiert zu werden, und las dann ein paar Seiten über seine Wiesbadener (Jugend-)Zeit  aus seiner druckfrischen Autobiographie „Licht, Schatten und Bewegung – Mein Leben und meine Filme“, 472 Seiten, die im Hanser Verlag“ München erschienen ist. Das Werk ist absolut empfehlenswert, nicht nur als Geschenk, sondern insbesondere auch als einzigartiges Zeitzeugendokument über die 60er, 70er und 80er Jahre für nachwachsene Generationen.

Regisseur Volker Schlöndorff im Talk mit Freund und Alt-Sponti Daniel Cohn-Bendit.© Foto: Diether v. Goddenthow
Regisseur Volker Schlöndorff im Talk mit Freund und Alt-Sponti Daniel Cohn-Bendit.© Foto: Diether v. Goddenthow

Vertiefende biographische Eindrücke über Volker Schlöndorff erfuhren die Caligari-Besucher dann beim Talk mit seinem Freund, dem deutsch-französischen Alt-Sponti Daniel Cohn-Bendit.  Schlöndorff war als Regisseur mit Günter Grass, Max Frisch, Heinrich Böll und Arthur Miller befreundet. Er verfilmte zahlreiche ihrer Bücher, die als Literaturverfilmungen Filmgeschichte geschrieben haben.

Ich fühlte mich wie der Größte

Mit wachsenden Erfolgen wurde Volker Schlöndorff mit Ehrungen und Preisen überhäuft, wobei jedoch die Oskar-Verleihung für „Die Blechtrommel“ als „besten fremdsprachigen Film“ der Gipfel gewesen sei, den man, so Schlöndorff, nie wieder erklimmen könne, was man aber nicht im Augenblick, sondern erst viele Jahre später wisse. An eine Szene erinnere er sich jedoch noch genau, als er am nächsten Morgen im Swimmingpool vom Hilton-Hotel Beverly Hills auf die von einem Fotograf auf den Beckenrand gestellte Statue (Oskar) zuschwamm: „Ich kam mir vor wie das Größte überhaupt, und dachte: Jetzt stehen mir alle Türen offen. Also erstmal habe ich den Ritterschlag, jetzt gehöre ich auch zu denen hier in Hollywood, womit ich solche Leute meinte wie Billy Wilder, Fritz Lang, alle die ausgewandert waren, auswandern mussten aus Deutschland, die immer meine großen Vorbilder waren. Jetzt bin ich also richtig bei denen angekommen.“, schilderte Schlöndorff, wie er sich damals  auf dem hohen Ross wähnte. „Das waren schon ein paar ganz tolle Jahre!“, aber er habe „dann ziemlich schnell diesen Credit vergeigt, indem ich nicht das Angebot von Steven Spielberg  angenommen habe, was ich gleichzeitig bekommen hatte für einen Film, den er produzieren wollte“.  Sondern er habe sich gesagt: „Das brauche ich ja jetzt nicht hier in Hollywood. Jetzt bin ich selbst in Hollywood“, und er habe abgelehnt mit der Begründung: „Ich mache einen Film über den Bürgerkrieg im Libanon, den kriege ich ja jetzt finanziert.“ Nach noch so eins, zwei Sachen sei dann in Hollywood die Oskarverleihung rasch vergessen gewesen.

Die RAF im realexistierenden Spießer-Paradies

An einen einschneidenden emotionalen „Höhepunkt“ ganz anderer Art erinnerte sich Volker Schlöndorff als er, durch den Mauerfall zur Rückkehr aus New York nach Deutschland motiviert, 1990 gleich zuerst „in den Zeitungen gelesen habe: ‚Elf der gesuchtesten RAF-Terroristen sind in der DDR untergetaucht und jetzt von den Behörden dem Westen ausgeliefert worden‘. Das war eine so unglaubliche Meldung, da er nicht begreifen konnte, wie solche durchgeknallten Terroristen vom „kleinbürgerlichen realexistierenden Sozialismus aufgenommen, mit neuen Namen, Pässen und Legenden versehen“ wurden, und in der DDR leben durften. „Das passt doch überhaupt nicht von dem Bild, was ich von der DDR hatte, oder von Herrn Mielke oder Honecker. Und noch viel weniger passt in mein Bild, mir vorzustellen, dass diese Typen, die dann wirklich durchgeknallt und ausgebrochen sind bis zum Extrem, dass die sich in diese realexistierende proletarische kleinbürgerliche Gesellschaft eingliedern, und zwar wie“, so Volker Schlöndorff, was schließlich für ihn und Wolfang Kohlhase Anlass gewesen sei, diese unglaubliche Story im Film „Die Stille nach dem Schuss“ zu verarbeiten.

Deutscher mit französischer Seele
Sein Handwerk lernte Schlöndorff in Frankreich als Assistent von Jean-Pierre Melville, Louis Malle und Alain Resnais. „Alles was ich kann, alle meine Einflüsse, alle meine Vorbilder sind alle französisch, und ich wollte auch als ersten Film natürlich einen französischen Film machen.“ Aber da hätten seine Vormeister ihm gesagt: „No, no, no!“, wir haben in Frankreich genug Regisseure. So bin ich dann zurückgekommen und hab‘ die Filme hier gemacht. Schon sein Debütfilm „Der junge Törless“ (1965/1966) wurde hierzulande zu einem großen Erfolg und gilt als einer der Schlüsselfilme des Neuen Deutschen Films. „Aber“ an Moderator Chon-Bendit gerichtet, „ich weiß nicht, wie es Dir geht, (…), ich hab einen starken französischen Teil in mir, der im Laufe der Jahre sogar irgendwie immer stärker wird. Ob das durch die Literatur oder durch die Filme ist, das ist eben so.“ Und je länger er von Frankreich fort wäre, um so französischer fühle er sich.

Beichtvater Adorf

Erweiterte Talkrunde, rechts um Mario Adorf und links um Klaus Doldinger. © Foto: Diether v. Goddenthow
Erweiterte Talkrunde, rechts um Mario Adorf und links um Klaus Doldinger. © Foto: Diether v. Goddenthow

In der erweiterten Runde erinnerte sich Mario Adorf noch recht lebhaft an die Dreharbeiten für die Günter-Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ nahe bei Danzig. Mario Adorf war neben seiner Rolle unter anderem auch mit für das Wohlbefinden des kleinen 12jährigen Hauptdarstellers David Bennent, alias Oskar, zuständig, wobei die größte Angst am Set war, dass Oskar aus seiner Rolle herauswachsen könne, bevor der Dreh im Kasten sei. Auf „Oskars“ Körpergröße und Erscheinungsbild baute  maßgeblich die gesamte „Blechtrommelverfilmung“ auf. Und gerade deswegen sei auch Schlöndorff damals sehr aufgeregt und um Oskars Wohl bemüht gewesen, was ihn anfangs einmal zu den Worten brachte: „Also ich habe in diesem Film eine große Aufgabe mich um meinen Hauptdarsteller zu kümmern. Ich habe euch engagiert, ihr könnt alle sehr gut euren Beruf, spielt so gut ihr könnt. Ich lass euch machen, wenn ihr gut seid, seid ihr im Film, und wenn ihr nicht gut seid, werdet ihr geschnitten“, erinnert sich  Adorf an eine Drehsituation am Set mit seinen Freund.

Schlöndorff bestätigte das sofort und bekannte,  dass er nicht nur wegen der allgemeinen schwierigen Örtlichkeiten  oft beim Drehen verzweifelt gewesen, „selbst mit dem genialen Kameramann. Aber so genial der auch war, so schwierig war er auch“. Und da „habe ich mich oft an Mario geklammert, bin zu Dir hingekommen, hab Dir mein Leid geklagt, hab überlegt, ob ich mich von dem Kameramann trennen sollte, und du warst mein Beichtvater“. Auch wenn Günter Grass auftauchte, der oft sehr gute Ideen einbrachte, war Schlöndorff, wie er sagte, anfangs manchmal wie paralysiert gewesen. Einmal habe er einen ganzen Tag, den er in Anwesenheit von Grass gedreht hatte, neu drehen müssen, weil ihm bei dessen Anwesenheit nichts mehr eingefallen sei. Später habe er eine sehr gute Freundschaft mit Günter Grass gehabt.

Ins Boot geholt

Klaus Doldinger mit Band Passport bietet in seinem typischen Sound Jazz vom Feinsten. © Foto: Diether v. Goddenthow
Klaus Doldinger mit Band Passport bietet in seinem typischen Sound Jazz vom Feinsten. © Foto: Diether v. Goddenthow

Klaus Doldinger lernte Volker Schlöndorff näher und später als Freund während der Vorbereitung zum Film „Das Boot“ kennen. Für die Kinoverfilmung schrieb Doldinger die Filmmusik. „Für mich war das eine große Erfahrung für diesen Film die Musik zu machen, weil es eine völlig neue Art des Umgangs war für mich als Musiker, auch dass ich das erleben durfte, wie viele Musiker da mit Schauspielern zusammenkamen, um an dem Film mitzuwirken“.
Eine längere Kostprobe seiner genialen Kompositionen von der Filmmusik „Das Boot“ bis hin zur Langfassung der Tatort-Titelmusik gaben anschließend Klaus Doldinger  und seine Kollegen der 1971 gegründeten legendären Band „Passport“.

Werkschau
Den Anfang von Volker Schlöndorffs Werkschau machte die auf einer wahren Begebenheit beruhende Kriminalgeschichte „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ aus dem Jahr 1971. Filmisch nacherzählt wird ein 1822 von armen Bauern in Nordhessen begangener Raubüberfall, der in die Kriminalgeschichte als der Postraub in der Subach einging. Das Drehbuch hierzu hatte Schlöndorff gemeinsam mit seiner Frau Margarethe von Trotta verfasst. Bei diesem Film, für den er auch auf Grimm’sche Märchen zurückgriff und tief in die Sozialgeschichte einstieg, lernte er seine hessische Heimat nochmal ganz neu kennen und schätzen.

Programm-Flyer der Werkschau

Schlöndorffs Archiv wird im Deutsche Filmmuseum bewahrt
Im Jahr 1992 übergab Schlöndorff sein Archiv dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Die Sammlung Schlöndorff, die als eine der wichtigsten zum Neuen Deutschen Film gilt, wird beständig um Exponate erweitert und ist seit 2014 online zugänglich. Auch den beiden in Wiesbaden beheimateten Kooperationspartnern der Werkschau ist der Regisseur seit Jahren treu verbunden. Als engagiertes Gründungsmitglied des Fördervereins der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung setzt sich Schlöndorff für die Bewahrung und Erhaltung des Filmerbes ein. In der Caligari Filmbühne präsentiert Schlöndorff nicht nur seine Werke, er ist auch seit Jahrzehnten ein profilierter Fürsprecher und Pate des Wiesbadener kommunalen Kinos.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

goEast 2019: In dieser Woche startet in Wiesbaden das 19. Festival des mittel- und osteuropäischen Films

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Bereits in seiner 19. Ausgabe startet vom 10. bis zum 16. April 2019 goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films: In 109 Filmen aus 39 Ländern wird die ästhetische und inhaltliche Vielfalt des mittel- und osteuropäischen Filmschaffens präsentiert, darunter 23 Deutschlandpremieren, drei Internationale Premieren und eine Weltpremiere. Daneben bietet das Festival ein deutlich ausgebautes Begleitprogramm mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Filmgesprächen und natürlich den legendären goEast Partys. Neu in diesem Jahr und nur durch die Förderung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain ist das „Paneuropäische Picknick“, einmal als cinematisches Format, und darüber hinaus am 13. April ab 11.00 Uhr als Begegnungs-Event auf dem Wiesbadener Schloss-Platz. Es soll als interdisziplinäre Sektion insbesondere internationale Festivalgäste und das Wiesbadener Publikum näher zusammenbringen.

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Die Spielstätten auf einen Blick

Die Jugend vom Damals und Heute

Auf der Pressekonferenz in der Caligari-Filmbühne wies Ellen Harrington, Direktorin des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseums darauf hin, dass mit der 19. Ausgabe von goEast das DFF gleichzeitig auch seinen 70. Geburtstag seiner Gründung hier in Wiesbaden als erste Filmerbe-Organisation der Bundesrepublik Deutschland feire, und dankte der Landeshauptstadt und dem Land Hessen „für die Unterstützung unserer Mission und für die Unterstützung von goEast, das sich seit 2001 für eine lebendige Debattenkultur einsetzt.“ Mittel der Wahl sei dabei der Film, der auf vielfältige Weise deutlich mache, dass Demokratie ein zentrales Gut eines vereinten Europas sei. „goEast ist ein Schaufenster für das Kino Ost- und Mitteleuropas und fordert – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer – zugleich Respekt für alle, insbesondere auch für die marginalisierten Teile der Gesellschaft“, betonte Harrington. Entsprechend greift das diesjährige Programm von GoEast schwerpunktmäßig den gesellschaftlichen Wandel Ost- und Mitteleuropas nach der Wendezeit, also die Phase ab den 1990er Jahren auf, und zeigt insbesondere die auch damit verbundenen Generationenkonflikte auf, ein Leitgedanke, der sich auch im Festivalmotto „Die Jugend von Damals und Heute“ wiederfindet.

Wettbewerb

Der goEast Wettbewerb besteht traditionell wieder aus sechzehn Filmen, die um die drei Hauptpreise des Festivals konkurrieren. Der diesjährige Wettbewerb zeichne sich aus durch Werke von jungen Filmschaffenden, darunter einige Debütfilme, und Werke, in denen Generationskonflikte inhaltlich eine Rolle spielen. Damit knüpften die Filme an aktuelle gesellschaftliche Tendenzen in Ost- und Mitteleuropa an, aber nicht nur, denn auch im Westen gingen Jugendliche und Millennials auf die Straße und lehnten sich „gegen die Entscheidungen und die Politik der älteren Generationen auf“, erklärte Festivalleiterin Heleen Gerritsen und unterstrich im Hinblick auf die gezeigten Festivalfilme: „Im Osten wird der Konflikt noch dadurch verschärft, dass die Generationen in unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Systemen aufgewachsen sind. Ästhetisch und inhaltlich wählt die neue Generation von Filmschaffenden eine andere, neue Filmsprache“. In vielen der in diese Jahr präsentierten Festival-Filme stünden oft „Junge Menschen und ihre Motivation im Leben, ihr Entdeckungs- und Emanzipationsdrang oder auch ihr Verhältnis zu älteren Familienmitgliedern und Autoritäten“ im Mittelpunkt des Geschehens. Aber es würde auch danach gefragt, „warum junge Menschen bereit sind, Opfer zu bringen für ihre politischen Überzeugungen“, verriet Gerritsen.
Wettbewerbsfilme auf einen Blick

Treffpunkt der mittel- und osteuropäischen Filmszene
Rund 200 Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa werden bei goEast als Gäste erwartet. Dazu gehörten so bekannte Namen wie Želimir Žilnik und Sami Mustafa, die auch zu den Gästen des diesjährigen Symposiums „Konstruktionen des Anderen. Roma und das Kino Mittel- und Osteuropas“ am Freitag, 12.April ab 9.30 Uhr im Museum Wiesbaden gehören werden.
Dem Altmeister der polnischen Neuen Welle, Krzysztof Zanussi, ist in der Hommage mit der Darbietung von 8 seiner wichtigsten Werke eine umfangreiche Werkschau gewidmet.

Eröfnungsfilm: GOSPOD POSTOI, IMETO I’ E PETRUNIJA GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA Teona Strugar Mitevska. Macedonia, Belgien, Slowenien, Kroatien, Frankreich 2019  © DFF
Eröfnungsfilm: GOSPOD POSTOI, IMETO I’ E PETRUNIJA GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA Teona Strugar Mitevska. Macedonia, Belgien, Slowenien, Kroatien, Frankreich 2019 © DFF

Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin und diesjährige goEast Jury-Präsidentin Teona Strugar Mitevska präsentiert ihren Eröffnungsfilm „GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA“.

Zum ersten Mal kooperiert goEast anlässlich 30 Jahre Mauerfalls mit dem FilmFestival Cottbus mit vielversprechenden hintergründigem Motto „Bleibt alles anders? sowie „Die Wilden Neunziger“. Bei dieser gemeinsamen Film- und Gesprächsreihe wird zurückgeschaut „auf das Kino der 1990er Jahre, um diejenigen filmischen Tendenzen aufzuspüren, die zwischen der politischen Eurphorie und der Etablierung einer neuen – kapitalistischen – Ordnung des Filmschaffens geboren wurden“ (Seite 14, Programm goEast)

„Paneuropäisches Picknick“ 

Mit der – parallel zum gleichnamigen Schlossplatztreff am 13.4. – neu geschaffenen Veranstaltungsreihe „Paneuropäisches Picknick“ werden sowohl die Grenzen zwischen Ost und West als auch interdisziplinäre Grenzen zwischen Film, Literatur und Kunst überschritten. Bei den Filmtalks im „goEast Salon“ hat das Publikum die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre mit den Filmschaffenden des Wettbewerbs direkt ins Gespräch zu kommen. Das Motto „Paneuropäisches Picknick“ geht zurück auf eine gleichnamige legendäre Friedensdemonstration von Performance-Künstlern in Österreich und Ungarn von vor 30 Jahren zurück (Seite 16, Programm goEast).
Paneuropäisches Picknick auf einen Blick

Wiesbaden – historisch eine Brücke nach Osteuropa

Für Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, sei Wiesbaden traditionell schon immer eine Brücke in die osteuropäischen Länder gewesen, zuletzt auch durch die vielen Ost-Vertriebenen des 2. Weltkrieges, die in der Landeshauptstadt eine neue Heimat gefunden hätten. Einer der bekanntesten Vertreter wäre der Maler Jawlensky, der in Wiesbaden lebte und auch beigesetzt sei. Und welche Stadt verfüge schon wie Wiesbaden über eine Russisch-Orthodoxe Kirche der heiligen Elisabeth Romanow auf dem Neroberg. Dostojewski, einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller habe in Wiesbaden sein Werk „Der Spieler“ geschrieben. Man sähe die Verbundenheit Wiesbadens zum mittel- und osteuropäischen Kulturkreis auch in den Straßennamen. In dieser guten Tradition bringe „goEast internationale Filmschaffende und Filminteressierte nach Wiesbaden und schafft mit seinen Filmen und Gesprächsangeboten wichtige Einblicke und Verständnis für die Kulturen unserer östlichen Nachbarn – das ist heute ebenso aktuell und wichtig wie zu Beginn des Festivals“, so Imholz. Wiesbaden schätze sich glücklich, ein so einzigartiges Festival-Highlight wie goEast in der Landeshauptstadt zu haben, betonte der Kulturdezernent.

Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der das Pilotprojekt „Paneuropäisches Picknick“ durch eine entsprechende Förderung erst ermöglichte, unterstrich, dass wir uns heute, 30 Jahre nach dem Paneuropäischen Picknick von Sopron an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich fragen müssen, „wie einig und grenzfrei unser Europa ist und wie es um den Zusammenhalt und die Verständigung bestellt ist.“ Umso wichtiger sei es, die Errungenschaften der Verständigung auf allen Ebenen und in allen Ausprägungen zu wahren und auszubauen, so Müller. „Das ist der Ansatz des Paneuropäischen Picknicks in Wiesbaden: Es geht darum, eine Brücke zu schlagen zwischen dem etablierten Filmfestival und kleinen Kulturvereinen; eine Brücke zu Orten außerhalb der Filmbühnen, an denen Menschen mit mittel- und osteuropäischem Migrationshintergrund aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zusammenkommen.“

Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer von Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche, und ein weiterer neuer wichtiger Sponsor begründet das Engagement von Renovabis unter anderem damit, dass goEast mit der Auslobung eines Recherche-Stipendiums für Dokumentarfilme im Bereich Menschen- und Minderheitenrechte in Osteuropa aktuell brisante Themen in den Blick nehme. „Das ist ganz im Sinne der Arbeit von Renovabis: Wir wollen einen glaubhaften und ungeschönten Blick auf die Situation in unserer Nachbarschaft werfen, denn nur so kann echter Dialog gelingen“, so Ingenlath.

Am 10. April wird das 19.  goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films um 19.00 Uhr in der Caligari-Filmbühne eröffnet  mit  GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA (GOSPOD POSTOI, IMETO I‘ E PETRUNIJA, Nordmazedonien, Belgien, Slowenien, Kroatien,
Frankreich 2019) der nordmazedonischen Regisseurin Teona Strugar Mitevska.

goEast Programm online // goEast Wettbewerb // Jury & Preise
© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Herzstück des Festivals ist der Wettbewerb, in dem 16 Filme – zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme – gegeneinander antreten. „Neben Filmen, die sich mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen, gibt es 2019 auffällig viele Filme, die von Generationskonflikten erzählen“, verrät Festivalleiterin Heleen Gerritsen. „30 Jahre nach dem Mauerfall haben die Menschen, je nachdem in welchem System sie aufgewachsen sind, unterschiedliche Erwartungen vom Leben.

GoEastprogramm auf einen Blick

Jury & Preise
Unter den 16 Wettbewerbsbeiträgen feiern zehn Filme bei goEast ihre Deutschlandpremiere, daneben wird es zwei Internationale Premieren und eine Weltpremiere geben. Über die Vergabe der Preise entscheidet die internationale Jury. Es geht um die Goldene Lilie für den Besten Film (10.000 Euro), den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie (7.500 Euro) und den Preis für kulturelle Vielfalt (4.000), der vom Auswärtigen Amt ausgelobt wird. Den JuryVorsitz übernimmt 2019 die vielfach preisgekrönte mazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska, die auch für den Eröffnungsfilm verantwortlich zeichnet. Mit Magdalena Żelasko, Gründerin und Leiterin des Wiener LET’S CEE Filmfestivals, und Stjepan Hundić, Gründer und Leiter des Fantastic Zagreb Film Festivals, erhält sie Unterstützung aus dem europäischen Festivalkosmos. Daneben gehört die Arthouse-Produzentin Anna Katchko zur Wettbewerbsjury. Außerdem ist die FIPRESCI mit einer eigenen Jury vertreten und zeichnet jeweils den besten Spielund den besten Dokumentarfilm mit dem Preis der Internationalen Filmkritik aus.

goEast Wettbewerb
Der goEast Wettbewerb zeigt einen vielfältigen und anspruchsvollen Querschnitt des mittel- und osteuropäischen Filmschaffens. Der Dokumentarfilm STRIP AND WAR (Belarus, Polen 2019) von East-West Talent Lab-Alumnus Andrei Kutsila, der bei goEast seine Weltpremiere feiert, offenbart den Clash der Generationen zwischen einem Kriegsveteranen und dessen als Stripper arbeitenden Enkelsohn und spiegelt dabei die belarussische Gesellschaft wider. Der tschechische Debütfilm MOMENTS (CHVILKY, Tschechien, Slowakei 2018) von Beata Parkanová stellt eine junge Frau ins Zentrum, die sich durch das Dickicht von Erwartungen und Ansprüchen innerhalb der drei Generationen ihrer Familie einen eigenen Weg bahnen muss. In seinem Coming-of-Age Drama ACID (KISLOTA, Russland 2018) wirft der Regisseur und Schauspieler des Gogol Centers um Kirill Serebrennikov, Alexander Gorchilin, sein Publikum mit voller Wucht in das wilde Leben einer desillusionierten jungen Moskauer Clique und mitten hinein in die Grabenkämpfe zwischen den
Generationen.

Die bittersüße Geschichte einer kasachischen Familie erzählt Adilkhan Yerzhanov, der 2013 mit seinem Debütfilm zum ersten Mal bei goEast zu Gast war, in THE GENTLE INDIFFERENCE OF THE WORLD (LASKOVOE BEZRAZLICHIE MIRA, Kasachstan,
Frankreich 2018) als Mafia-Tragikomödie à la Camus. Ein aufrüttelndesEmanzipationsdrama aus der Plattenbausiedlung der Millionenstadt Baku ist END OF SEASON (Deutschland, Aserbaidschan, Georgien 2019) von Elmar Imanov. Auch der Dokumentarfilm WHITE MAMA (BELAYA MAMA, Russland 2018, Regie: Zosya Rodkevich, Evgeniya Ostanina) stellt das ungewöhnliche Schicksal einer Großfamilie in den Mittelpunkt und zeigt mit kompromissloser Ehrlichkeit, was passiert, wenn die psychischen Kräfte einer Mutter nachlassen.

Ena Sendijarevićs Debütfilm TAKE ME SOMEWHERE NICE (Niederlande, Bosnien und Herzegowina 2019) nimmt das Publikum mit auf eine in frischbunten Bildern inszenierte Reise durch Bosnien und zeigt Landschaft und Leute durch die Augen eines Mädchens, das zum ersten Mal seine Wurzeln entdeckt. In HOME GAMES (DOMASHNI IGRI, Ukraine, Frankreich, Polen 2018, Regie: Alisa Kovalenko) versucht die junge Ukrainerin Alina, den Kraftakt zwischen einer professionellen FußballKarriere und ihrer sozial prekären familiären Situation zu schaffen.

Einen Blick hinter die Kulissen der ungarischen Parlamentswahl im vergangenen Jahr gewährt der Polit-Dokumentarfilm HUNGARY 2018 (Ungarn, Portugal 2018) von Eszter Hajdú. Auch historische Stoffe aus Mittel- und Osteuropa sind im diesjährigen Wettbewerb vertreten. Mit JAN PALACH (Tschechien, Slowakei 2018) widmet sich Regisseur Robert Sedláček einer der wichtigsten Figuren des tschechoslowakischen kulturellen Gedächtnisses und der Frage, was einen jungen Menschen dazu bringt, sich aus politischem Protest in Brand zu setzen. COLD NOVEMBER (NËNTOR, FTOHTË,
Kosovo, Albanien, Nordmazedonien 2018, Regie: Ismet Sijarina) thematisiert den Krieg in Jugoslawien 1992 in Prishtina und erzählt vom (Über-)Leben in bösen Zeiten. Igor Drljačas Dokumentarfilm THE STONE SPEAKERS (KAMENI GOVORNICI,
Kanada, Bosnien und Herzegowina 2018) lenkt den Blick darauf, was nach Staatsverfall, Systemwechsel und Krieg vom multiethnischen Bosnien-Herzegowina geblieben ist, offenbart groteske Auswüchse des Tourismus und hört den Menschen vor Ort beim Fabulieren zu.

Der experimentelle Naturfilm ACID FOREST (RŪGŠTUS MIŠKAS, Litauen 2018) von Rugilė Barzdžiukaitė, die Litauen bei der diesjährigen Biennale in Venedig vertreten wird, nimmt das Publikum mit auf die Kurische Nehrung und fordert mit Endzeitstimmung unsere anthropozentrische Art des Denkens heraus.
Mit dem abgedrehten Science-Fiction-Drama HIS MASTER’S VOICE (AZ ÚR HANGJA, Ungarn, Kanada 2018) legt der ungarische Kultregisseur Györgi Pálfi eine unorthodoxe und skurrile Stanisław Lem-Adaption vor, die Genregrenzen sprengt.

Die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion hingegen verschwimmen für den Protagonisten in Anca Damians doppelbödigem Noir-Thriller MOON HOTEL KABUL (Rumänien, Frankreich 2018) um einen Journalisten auf Reportagereise zwischen Kabul und Bukarest. Nachdem die Goldene Lilie 2018 an die estnische Produktion NOVEMBER ging, ist die Produktionsfirma Homeless Bob mit Kaur Kokks geheimnisvollem Langfilmdebüt THE RIDDLE OF JAAN NIEMAND (PÕRGU JAAN, Estland  2018) erneut im goEast Wettbewerb vertreten. Kokks Film ist im Estland des 18. Jahrhunderts angesiedelt, die Kamera führte wie in NOVEMBER Mart Taniel.
Genauso vielfältig wie die Themen sind auch die Blickwinkel und die Filmsprache der diesjährigen Wettbewerbsfilme.

ALLE SEKTIONEN – Programm auf einen Blick
WETTBEWERB
BIOSKOP
RHEINMAIN KURZFILMPREIS
OPEN FRAME AWARD
BLEIBT ALLES ANDERS? DIE WILDEN 90ER
HOMMAGE
OPPOSE OTHERING!
SYMPOSIUM
ANARCHO SHORTS
ADAMI SHORT FILM
SPECIALS
PROGRAMMHEFT
TIMETABLE
RAHMENPROGRAMM

Die Spielstätten auf einen Blick