Kategorie-Archiv: Kunst u Museen überregional

„Den Wahnsinn der Menschheit heilen helfen“ – Dada lebt, zumindest im Arp-Museum Rolandseck mit „der die DADA. Unordnung der Geschlechter“ vom 7.07.24 – 12.01.2025

Auch beeinflusst von der Lebensreformbewegung und Freud'schen Psychoanalyse formierte sich vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs unter in die Schweiz geflüchteten Künstlern 1916 die Dada-Bewegung als Protestplattform gegen Krieg und Enge bürgerlicher Konventionen und Geschlechterrollen. Dadaist zu sein konnte "alles"  sein, und bedeutet hinsichtlich darstellender Aktionen auch, ein wenig extravagant und mutig und manchmal wohl auch ein wenig exhibitionistisch zu sein. Farbfotografie, Abzug von Autochromplatte, Modern Print Kunsthaus Zürich, Bibliothek: Johann Adam Maisenbach, Suzanne Perrottet, Rudolf von Lalbahn und Tanzende am Lago Maggiore bei Ascona, 1914. © Foto Heike von Goddenthow
Auch beeinflusst von der Lebensreformbewegung und Freud’schen Psychoanalyse formierte sich vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs unter in die Schweiz geflüchteten Künstlern 1916 die Dada-Bewegung als Protestplattform gegen Krieg und Enge bürgerlicher Konventionen und Geschlechterrollen. Dadaist zu sein, konnte „alles“ sein, und bedeutet hinsichtlich darstellender Aktionen auch, ein wenig extravagant und mutig und manchmal wohl auch ein wenig exhibitionistisch zu sein. Farbfotografie, Abzug von Autochromplatte, Modern Print Kunsthaus Zürich, Bibliothek: Johann Adam Maisenbach, Suzanne Perrottet, Rudolf von Lalbahn und Tanzende am Lago Maggiore bei Ascona, 1914. © Foto Heike von Goddenthow

In der fulminanten Überblicksschau „der die DADA. Unordnung der Geschlechter“ vom 7. Juli 2024 bis zum 12. Januar 2025 im arp Museum Rolandseck wird erstmals die unterschätzte Bedeutung von Künstlerinnen im Dadaismus untersucht.

Kaum eine andere Kunstbewegung hat  im 20. Jahrhundert die Kunstszene in Malerei, Mode, Tanz, Literatur und Musik sowie die Gesellschaft so verändert und geprägt wie DADA. Dass insbesondere auch viele Künstlerinnen einen entscheidenden Anteil am Entstehen und Erfolg des Dadaismus hatten, ist zumeist weniger bekannt. Aufbauend auf der 2016 in Zürich anlässlich 100 Jahre DADA gezeigten Schau „Die Dada. Wie Frauen Dada prägten“ von Ina Boesch, möchte „der die DADA“ dies nun ändern. So haben die Kuratorinnen Dr. Julia Wallner ( Direktorin des arp Museums), Helene von Saldern und Joëlle Warmbrunn rund 200 Gemälde, Papierarbeiten, Fotografien und Filme sowie Archivmaterial aufwändig recherchiert und zu dieser Schau zusammengetragen, die in der Tat einen ganz neuen Blick auf die Entstehung des Dadaismus erlaubt. Neben Werken von berühmten Künstlerinnen wie Hannah Höch, Sonia Delaunay und Sophie Taeuber-Arp werden insbesondere auch Arbeiten von Künstlerinnen gezeigt, die in der Kunstgeschichtsschreibung über viele Jahrzehnte hinweg wenig bis keine Erwähnung fanden. Dazu gehören zum Beispiel Elsa von Freytag-Loringhoven, Angelika Hoerle oder Suzanne Duchamp und zahlreiche weitere DADA-Frauen, die gleichwertig neben ihren männlichen Kollegen präsentiert werden.

Begrüßt werden die Besucher von der  gebürtigen deutschen Eisa von Freytag-Loringhoven - be­ kannt als „die Baroness". Sie verkörperte Dada als wandeln­des performatives Kunstwerk mit Haut und Haar. Unge­achtet der gesellschaftlichen Erwartungen schockierte sie mal mit kahl rasiertem Kopf, mal nackt oder mit exzentri­scher Kleidung und geräuschvollen Accessoires aus Löffeln oder Tomatendosen die l'vienschen auf den Straßen New Yorks. In ihren experimentellen und ekstatischen Texten thematisierte sie provokativ und detailreich das weibliche Verlangen und damit auch die normativen Geschlechter­ rollen. In ihrem neuen Roman „Nackt war ich am schönsten" lässt Veronika Peters die schillernde Dada-Künstlerin Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven wieder auferstehen und von ihrem ereignisreichen Leben erzählen. © Foto Diether von Goddenthow
Begrüßt werden die Besucher von der gebürtigen deutschen Elsa von Freytag-Loringhoven – be­kannt als „die Baroness“. Sie verkörperte Dada als wandeln­des performatives Kunstwerk mit Haut und Haar. Unge­achtet der gesellschaftlichen Erwartungen schockierte sie mal mit kahl rasiertem Kopf, mal nackt oder mit exzentri­scher Kleidung und geräuschvollen Accessoires aus Löffeln oder Tomatendosen die l’vienschen auf den Straßen New Yorks. In ihren experimentellen und ekstatischen Texten thematisierte sie provokativ und detailreich das weibliche Verlangen und damit auch die normativen Geschlechter­ rollen. In ihrem neuen Roman „Nackt war ich am schönsten“ lässt Veronika Peters die schillernde Dada-Künstlerin Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven wieder auferstehen und von ihrem ereignisreichen Leben erzählen. © Foto Diether von Goddenthow

1916 vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs in der von Emmy Hennings und Hugo Ball geführten Künstlerkneipe Cabaret Voltaire in Zürich von Exilanten wie Hans Arp, Marcel Janco und Richard Huelsenbeck als kreative Protestform gegründet, entwickelte sich dada rasch zu einer internationalen und grenzüberschreitenden Bewegung gegen Krieg und Militarismus, Rationalisierung der Kunst und Mechanisierung der Welt. Dieser Bewegung fühlten sich alsbald auch Kollektive und zahlreiche nach USA emigrierte Einzelkünstler in New York, in Paris, Berlin, Hannover und Köln zugehörig. „Die Beteiligten zielten auf die Durchdringung von Kunst und Leben“, so Dr. Julia Wallner. Dabei bildeten Sprache, Tanz, Musik und grafisch-visuelle Ausdrucksmittel das Grundvokabular, mit dem eine den Menschen befreiende Existenzform entwickelt werden sollte. Auch Aktionen, performative Inszenierungen, Soireen und Happenings auf Bühnen oder der Straße waren dafür essenziell.

Den menschlichen Wahnsinn künstlerisch heilen?

Ausstellungs-Impression "der die DADA. Unordnung der Geschlechter“, vom 7.07.24 – 12.01.2025 © Foto Diether von Goddenthow
Ausstellungs-Impression „der die DADA. Unordnung der Geschlechter“, vom 7.07.24 – 12.01.2025 © Foto Diether von Goddenthow

Dass die relativ kurze, sehr lebendige Kunstbewegung einen so langen Nachhall entwickelte, der in den Kunstentwicklungen des 20 Jahrhunderts derart breite Nachwirkungen hatte, hing, so Dr. Wallner, sicher auch mit der Gründungshistorie zusammen: „Es war zunächst eine Bewegung von Exilanten, die sich natürlich nicht zufällig in Zürich, sondern eben in der neutralen Schweiz zusammengefunden hatten, um dem Kriegsgeschehen zu entkommen“. Darunter war beispielsweise auch der aus dem Elsass stammende deutsch-französische Maler, Grafiker, Bildhauer und Lyriker Hans Arp, der in der Schweiz auf emigrierte gleichgesinnte Künstler vieler Länder traf, was Dada von vornherein zu einer internationalen Bewegung machte. Gleichermaßen verband die bunt zusammengewürfelten Künstler eine zentrale Frage: „Wie können wir der Absurdität unserer Zeit trotzen, ihre Ambivalenzen aushalten, und etwas mit der Kunst entgegensetzen? Wie können wir aus Unsinn Sinn erschaffen und den Menschen vom Wahnsinn der Zeit heilen“, erklärt Dr. Wallner den explosiven Gründungsmoment der ersten, sich immer wieder unter anderen Vorzeichen neu formierenden Dadaisten. „Anstelle der Produktion immer neuer „Ismen“ rief Dada vehement und spielerisch zur Zerstörung der alten Ordnung auf. Für Hans Arp bestand das Ziel in der Aufhebung der Grenze von Kunst und Leben: ‘Während in der Ferne der Donner der Geschütze grollte, sangen, malten, klebten, dichteten wir aus Leibeskräften. Wir suchten eine elementare Kunst, die den Menschen vom Wahnsinn der Zeit heilen, und eine neue Ordnung, die das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle herstellen sollte.‘“ 1)

Nach relativ kurzer Zeit endet die Dada-Geschichte in Zürich im Streit, und viele ihrer Mitglieder zogen nach Kriegsende weiter. „Mancher Gedanke entwickelte sich zum Surrealismus und einer stärkeren Innerlichkeit. Dada als Idee jedoch verselbstständigte sich und fand in vielen Städten eigene, teils unabhängige Formen – in Paris, Berlin, Hannover, Köln und New York. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Tragweite dessen klar, was die Kunstbewegung auslöste.“ führt ein Wandtext in die Ausstellung ein.

,,Nicht nur die kapitalistische Wirtschaft, sondern auch alle Wahrheit, Ordnung, Recht, Moral, auch alles Männliche und Weibliche ist in Auflösung. "1 RAOUL HAUS!v1ANN, 1918 Ausstellungsimpression. © Foto Diether von Goddenthow
,,Nicht nur die kapitalistische Wirtschaft, sondern auch alle Wahrheit, Ordnung, Recht, Moral, auch alles Männliche und Weibliche ist in Auflösung. „1 RAOUL HAUS!v1ANN, 1918 Ausstellungsimpression. © Foto Diether von Goddenthow

Dadaist konnte jeder sein
Im Kern war Dada eine revolutionäre Bewegung. Was Dada, häufig für beendet erklärt und doch immer wieder lebendig, eigentlich ist, konnte jedoch bis heute noch nicht genau definiert werden, da dada auch immer das Gegenteil von dada ist. Selbst das kollektiv unterzeichnete dadaistische Manifest von 1918 schließt mit den sich selbst ad absurdum führenden Worten: ,,Gegen dies Manifest sein, heißt Dadaist sein!“ 2) „Und Wieland Herzfelde behauptete: ‘Jedermann konnte sich Dadaist nennen, dafür, daß man ihn dafür hielt, mußte er selbst sorgen. ‘“ 3)

Wenngleich Dada eine bis an Nihilismus und Sinnlosigkeit grenzende „totale“ Offen- und Beliebigkeit in Kunst und Leben proklamierte, waren „die Themen, die Dada in Zürich, Paris, Berlin, Hannover, New York, Köln, und schließlich weltweit kreativ verhandelte, ähnlich, auch wenn Mittel, Methoden und Ansätze sich teils deutlich unterscheiden.“ 4)

Wer hat’s erfunden?
Diese Vielschichtigkeit und Diversität unterschiedlicher Blickwinkel der weltweit wichtigsten Dada-Zentren werden in der Ausstellung hervorragend aufbereitet und dargestellt. Dabei werden erstmals vor allem Aktionen, Werk und Bedeutung der Dada-Frauen ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Der Bogen ist weit gespannt , bis hin zu der – filmisch untermauerten – provokanten Frage: War Marcel Duchamp rechtmäßiger Urheber des ersten Readymades, seines berühmten Pissoirs? Oder geht die Idee zurück auf Elsa von Freytag-Loringhoven, die in New York als ein mit Haut und Haar wandelndes Dada verkörperndes performatives Kunstwerk berühmt und mit Duchamps verbunden war. „Die Baroness“, schmückt Plakat und Katalog der Ausstellung „der die DADA“.

Unordnung der Geschlechter bei Dada

Ausstellungs-Impression: Hannah Höch Dada-Puppen, Rekonstruktionen von Isabel Kork und Barbara Kugel. © Foto Heike von Goddenthow
Ausstellungs-Impression: Hannah Höch Dada-Puppen, Rekonstruktionen von Isabel Kork und Barbara Kugel. © Foto Heike von Goddenthow

Ein neuer Aspekt, den die Ausstellung „der die DADA“ neben der Herausstellung der Dada-Frauen beleuchtet, ist die Bedeutung von Geschlecht, Rollenbildern und Sexualität, die im Dadaismus oftmals fluide verstanden wurden. Dazu heißt es in einem Wandtext der Ausstellung: „Zugleich werden Werke von Männern gezeigt, die in dadaistischer Manier Geschlechtlichkeit neu denken. In Text und Bild verbinden sie die Revolution in der Kunst mit der Revolution der Geschlechter – zu einer Zeit, in der Homosexualität in fast allen Ländern der Erde unter Strafe stand und Frauen viele gesellschaftliche Zugänge verwehrt waren. Dada ist damit die erste Kunstströmung, in der Frauen wie Männer aktiv und aktionistisch an der Durchlässigkeit von Rollenbildern wirkten“. Beispiel dafür sind die berühmten Crossdressing-Fotografien von Marcel Duchamp als Rrose Sélavy des Fotografen Man Ray um 1921. Sie zeigen, dass sich nicht nur Frauen von traditionellen Rollenzuschreibungen lösten, sondern auch Männer Geschlechtlichkeit in dadaistischer Manier neu interpretierten. So zieht die Ausstellung „der die DADA“ gekonnt eine Verbindung von den gesellschaftserneuernden Positionen der Dada-Avantgarde hin zu den aktuellen heutigen Diskursen.

Zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen und DADA
Um dem zeitgebundenen Charakter der DADA-Kunst gerecht zu werden, der auf Improvisation und situativem Erleben basiert, hat das Arp Museum zeitgenössische Künstler eingeladen, diese Inhalte in die heutige Zeit zu übertragen und erfahrbar zu machen. Dazu gehören eine Klanginstallation von Susan Philipsz, ein recherchebasierter Film von Barbara Visser, eine Tanzperformance von Brygida Ochaim sowie DADA-Texte, die von Dirk von Lowtzow intoniert werden. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Begleitprogramm ergänzt.

Die Ausstellung und Dada-Bühne

Besucherin auf der dada-Bühne im Dada-Kleid, hier ein Entwurf von  Sonia Delaunay, geschneidert von der Kostümbildnerin Beate Marx Hansen. © Foto Diether von Goddenthow
Besucherin auf der dada-Bühne im Dada-Kleid, hier ein Entwurf von Sonia Delaunay, geschneidert von der Kostümbildnerin Beate Marx Hansen. © Foto Diether von Goddenthow

Die Ausstellung gliedert sich entsprechend der wichtigsten DADA-Zentren „Zürich“, „Paris“, „Berlin“, „Köln“ und „New York“ in fünf Bereiche. Zudem lädt eine der dem Züricher Cabaret Voltaire nachempfundenen Dada-Bühne die Besucher ein, auch mal in ein Dada-Kleid, und damit in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Jedes hier von der Kostümbildnerin Beate Marx Hansen nachempfundene Kleidungsstück wird man auch auf irgendeinem Bild in der Ausstellung „der die DADA“ entdecken können.
Die rundum gelungene Ausstellung lohnt. Man sollte sich, wenn möglich, hierfür ein paar Stunden Zeit nehmen, und sich am besten anschließend den ebenfalls didaktisch gut aufbereiteten Begleitkatalog gönnen.

Ausstellungskatalog
katalog cover der die DADA hirmer 2024 160xpZur Ausstellung ist ein wunderbarer Katalog im Hirmer Verlag (288 Seiten, 200 Abbildungen, 38,00 Euro, ISBN/GTIN978-3-7774-4443-7) erschienen, herausgegeben von Julia Wallner. Der Katalog enthält Beiträge von Astrid von Asten, Christa Baumberger, Ina Boesch, Simone Gehr, Nora Gomringer, Talia Kwartler, Agathe Mareuge, Brygida Ochaim, Helene von Saldern, Isabel Schulz, Ursula Ströbele, Julia Wallner und Joëlle Warmbrunn. Diese begleiten gekonnt die Ausstellung und vertiefen in gut verständlicher Sprache die zentralen Aspekte der neuesten Dada-Forschung insbesondere im Hinblick auf die Dada-Frauen und diskutierte Geschlechter-Fluidität.

(Diether von Goddenthow )

Flyer zur Ausstellung

Ort:
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1 – 53424 Remagen
Tel. +49(0) 22 28 94 25
info@arpmuseum.org
arpmuseum.org

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 -18 Uhr
Dienstags für angemeldete Gruppen ab 9 Uhr

 

Quellen:
1)Hans Arp: Unsern täglichen Traum …, Erinnerungen, Dichtungen und Betrachtungen aus den Jahren 1914-1954, Zürich 1955, S.51, zitiert nach Julia Wallner „der die DADA“ in: Begleitkatalog „der die DADA“, Schirmer-Verlag, München 2024, S.23.
2) Richard Huelsenbeck (Hrsg.): Dada-Almanach. Im Auftrag des Zentral­amts der deutschen Dada-Bewegung, Berlin 1920, s.36-38, , zitiert nach Julia Wallner „der die DADA“ in: Begleitkatalog „der die DADA“, Schirmer-Verlag, München 2024, S.23.
3 ) Wieland Herzfelde in: Der Malik-Verlag, 1916-1947. Ausstellungskatalog, Berlin o. J., S. 24 f. zitiert n. Julia Wallner „der die DADA“ in: Begleitkatalog „der die DADA“, Schirmer-Verlag, München 2024, S.23
4) Julia Wallner „der die DADA“ in: Begleitkatalog „der die DADA“, Schirmer-Verlag, München 2024, S.23.

Mannheimer Kunsthalle präsentiert Sarah Lucas ironischen Blick auf Körper und Stereotype

Sarah Lucas GOOD THOUGHTS – BAD THOUGHTS, 2023 Strumpfhosen, Draht, Wolle, Schuhe, Boxhandschuhe, Acrylfarbe, Stuhl, Mülltonne Gesamtgröße: 238 x 100 x 146 cm / Bunny: 112 x 70 x 146 cm Mülltonne: 134 x 126 x 100 cm © Sarah Lucas. Courtesy Sadie Coles HQ, London. Foto: Jutta Ziegler
Sarah Lucas GOOD THOUGHTS – BAD THOUGHTS, 2023 Strumpfhosen, Draht, Wolle, Schuhe, Boxhandschuhe, Acrylfarbe, Stuhl, Mülltonne Gesamtgröße: 238 x 100 x 146 cm /
Bunny: 112 x 70 x 146 cm Mülltonne: 134 x 126 x 100 cm © Sarah Lucas. Courtesy Sadie Coles HQ, London. Foto: Jutta Ziegler

Die Mannheimer Kunsthalle präsentiert vom 07.06. bis 20.10.24 mit Sarah Lucas (*1962 in London, UK) eine Künstlerin, die sich in ihrem Werk kritisch-humorvoll mit Aspekten des menschlichen Körpers und seinen gesellschaftlichen Zuschreibungen auseinandersetzt.

Seit ihrer Ausstellung «Penis nailed to a Board» von 1992 zählt die englische Künstlerin Sarah Lucas zur zentralen Gruppe des britischen Kunstphänomens YBA (Young British Art). Seither ist Lucas eine international gefragte Künstlerin, die von Beginn an ihre ganz eigene, oftmals sehr subversiv witzige künstlerische Sprache um die grossen Themen des Lebens wie Geschlechterbeziehungen, sexuelle und soziale Identität, Tod und Destruktivität geprägt hat. Ihre wohltuende Ironie, mit der die Künstlerin ans Werk geht, zeigt, dass sie keine Ideologin ist, wenn sie mit Fotografie, Collage, Objekt, Installation und Zeichnung mit gesellschaftlichen Klischees, mit sprachlichen und bildlichen Repräsentationen von Sexualität und Geschlechtszuschreibung spielt. Während man Ideologen an ihrer Humorlosigkeit erkennt, mit der sie – oft verbissen – die Welt verändern wollen, outet sich Sarah Lucas mit liberaler Ironie als Freigeist, stets  diskursoffen. Dabei finden  oft Dinge des Alltags wie Möbel, Leuchtstoffröhren und Lebensmittel Eingang in ihr Werk, die sie spielerisch in neue Bedeutungszusammenhänge stellt und Betrachtern überlässt, was sie hierin erkennen.

Gesellschaftliche Normen werden humorvoll in Frage gestellt

Ausschnitt aus: Sarah Lucas Self-Portrait with Fried Eggs 1996 © Sarah Lucas Courtesy Sadie Coles HQ, London Foto Angus Fairhurst
Ausschnitt aus: Sarah Lucas Self-Portrait with Fried Eggs 1996 © Sarah Lucas Courtesy Sadie Coles HQ, London Foto Angus Fairhurst

Mit symbolisch aufgeladenen Damenstrümpfen, angerauchten Zigaretten, fragmenthaften Körperabdrücken oder anthropomorphen Formen stellt die Künstlerin grundsätzliche Fragen nach dem „Sense of Human“, dem Menschsein, nach Vergänglichkeit und Tod, Sexualität und Gender, nach Regeln und Grenzen im sozialen Gefüge. Hierbei provoziert und amüsiert sie gleichermaßen mit visuellen Wortspielen und expliziten, psychologisch aufgeladenen Arrangements. Der menschliche Körper steht dabei immer im Zentrum.

Visuelle Wortspiele und Selbstporträts mit Spiegeleiern

Kuratorin Luisa Heese (li.) im Gespräch mit der Künstlerin Sarah Lucas beim Presserundgang durch die Ausstellung. Foto: Jutta Ziegler
Kuratorin Luisa Heese (li.) im Gespräch mit der Künstlerin Sarah Lucas beim Presserundgang durch die Ausstellung. Foto: Jutta Ziegler

In ihrer ersten institutionellen Ausstellung in Deutschland seit 2005 bringt Lucas in Mannheim Werke aus fast vier Dekaden künstlerischen Schaffens zusammen. Diese reichen von frühen Arbeiten der 1990er-Jahre wie dem ikonischen Werk „Au Naturel“, in dem Haushaltsgegenstände als Platzhalter für Körperteile fungieren, über vergrößerte Seiten aus Boulevardzeitungen, die objektifizierte Repräsentationen des weiblichen Körpers kritisieren.
Präsentiert werden außerdem ihre fotografischen Selbstporträts, die sich durch ihr gesamtes Werk seit den frühen 1990ern bis in die Gegenwart ziehen. Und neue Werke, die sie eigens für die Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim produziert hat und hier erstmals öffentlich gezeigt werden.

(Mannheimer Kunsthalle /Diether v. Goddenthow)

Eröffnung der Ausstellung am 6.Juni 2024, um 19.00 Uhr

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag – Sonntag & Feiertage
10 – 18 Uhr
Mittwoch
10 – 20 Uhr

„Überall Fremde“- 60. Biennale Venedig eröffnet – Neben Kriegsszenarien viele farbenfrohe textile Arbeiten – von Dorothee Baer-Bogenschütz

Hauptpavillon der 60. Biennale in Venedig © Foto Dorothee Baer-Bogenschütz
Hauptpavillon der 60. Biennale in Venedig © Foto Dorothee Baer-Bogenschütz

Seit 20. April 2024 hat die 60. Kunstbiennale Venedig ihre Pforten geöffnet. Sie wird nun wieder sieben Monate lang, bis zum 24. November 2024, Kunstinteressierte aus aller Welt  anlocken. Als künstlerischer Leiter der 60. Esposizione Internazionale d’Arte und Kurator der Zentralausstellung konnte der 1965 in Rio de Janeiro geborene Ausstellungsmacher Adriano Pedrosa gewonnen werden. Er stellte die weltgrößte und hochpolitische Kunst-Ausstellung unter das „Motto“ „Stranieri Ovunque – Foreigners Everywhere“,  übersetzt: „Überall Fremde“.
Die 60. Biennale Venedig präsentiert allein in der Hauptschau  332 Künstler und Kollektive aus 30 Ländern und Regionen der Welt. Dazu kommen rund 90 Nationalpavillons.  Unsere Gastautorin und Kunstexpertin Dorothee Baer-Bogenschütz, unter anderem bekannt als langjährige Redakteurin der  KUNSTZEITUNG und des Informationsdienst KUNST, hat sich  in Venedig umgeschaut und ein paar starke Eindrücke mitgebracht.

Was setzt sich in der Kunst durch: der „Schimmer von Möglichkeiten zur Gesundung“ oder „Alltäglicher Krieg“?
Die 60. Kunstbiennale Venedig widmet sich großenteils Unterdrückten und Geknechteten, zeigt neben Kriegsszenarien viele farbenfrohe textile Arbeiten, die nicht minder nachdenklich stimmen.
60. Biennale IX- Vor dem USA-Pavillon, der den israelischen flankiert, wird bei der Biennalevorbesichtigung mit Palästinensertuch gegen Israels "Genozid"-Pavillon demonstriert. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz
Vor dem USA-Pavillon, der den israelischen flankiert, wird bei der Biennalevorbesichtigung mit Palästinensertuch gegen Israels „Genozid“-Pavillon demonstriert. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz

Von Dorothee Baer-Bogenschütz – 26.April 2024

Unter dem Titel „Alltäglicher Krieg“ versammelt Yuan Goang-Ming Installationen und Videobeiträge zu Kriegsvorkehrungen und -sorgen in Taipei im sogenannten Kollateralprogramm der Biennale. Ausgerechnet im Palazzo delle Prigioni, dem Gefängnispalast, platziert der Vertreter Taiwans, das nicht zu den rund 90 Nationen mit offiziellem Pavillon gehört, die Werke: mit die aufwühlendsten der 60. Weltkunstschau. Der 1965 geborene Taiwaner studierte an der Karlsruher HfG.

Derweil war es Ewald Schrade, Galerist und Gründungsdirektor der Art Karlsruhe, der früh das Talent Tesfaye Urgessas erkannte und förderte. Jetzt ist der figurative Maler Repräsentant seiner Heimat im Nationalpavillon Äthiopiens, das erstmals an der Biennale teilnimmt, mit einer eindringlich expressiven Soloschau zu Schicksalen im globalen Süden. Zum ersten Mal nimmt unter anderem auch Benin teil. Unter dem berührenden Titel „Alles Kostbare ist zerbrechlich“ geht es um Themen, die ein Organisationskomitee vorgab: Landesgeschichte, Sklavenhandel und Spiritualität, der Mutter gewidmete Gelede-Rituale, die Vodun Religion. Viel zu viel für einen Pavillon, zumal darin vier Künstler ausstellen – unter ihnen der ehemalige documenta-Vertreter Romuald Hazoumé, der in Kassel 2007mit einem Flüchtlingsboot aus zerschnittenen Plastikkanistern auffiel. Sehenswert aber allemal. Anlässlich seiner Venedig-Premiere lässt Benin wissen, sein Engagement für Kunst und Kultur ausbauen respektive künftig verstärkt promoten zu wollen.

Befremdlich nur, dass die Biennaleteilnahme laut Kurator Azu Nwagbogu, „nach Frankreichs Restitution von 26 königlichen Schätze Benins“nun als „zweiter Schritt einer klaren und präzisen politischen Herangehensweise an die Kunst“ verstanden wird.

Die politische Aufladung, Bevormundung und (Aus-)Beuteerwartung wiederum bestimmt gegenwärtig den Kunstbetrieb, der aufpassen muss, dass das Belehrende beziehungsweise entsprechende Vorgaben von welcher interessierten Seite oder Lobby auch immer am Ende das Ästhetische, Phantastische oder Irrationale, das Suchende, Tastende und Spielerische, Humor, Ironie und spontane Irritation nicht komplett vereinnahmen und gar auffressen. Immer öfter sieht es danach aus -, und eine Veranstaltung wie die Biennale schreit es geradezu heraus. Diese Ausgabe stürzt sich unterdessen fast schon fanatisch auf jenen Teil des Globus, der bislang deutlich unterbelichtet war im Kunstgeschäft und nunmehr mit dem Etikett globaler Süden abgestempelt wird.

In den Giardini winkt eine wahre Villa Kunterbunt: Nie leuchtete die Fassade des zentralen Ausstellungsgebäudes derart farbenfroh. Sie badet förmlich in Motiven exotischer Flora und Fauna; Schildkröte und Fische kennzeichnet figürlich naiver Stil. Soll heißen: Das indigene Moment lebe hoch und damit kunsthandwerkliche Traditionen. „Überall Fremde“ lautet das Biennalethema. Dabei liegt im Auge des Betrachters, wer nun eigentlich der Exot ist.

Indigene sind es in den Augen vieler. Prompt erklommen sie das Siegertreppchen. An Australien geht der Goldene Löwe für den besten Länderpavillon: Archie Moores Installation „kith and kin“ (Freunde und Familie) ist eine genealogische Fleißarbeit, die 65 000 Jahre überspannt. Der mit Kreide an Wände und Decke gezeichnete unfassbar verzweigte Stammbaum zwingt jeden in die Knie. Einen „Schimmer von Möglichkeiten zur Gesundung“ attestiert Moore die Jury. In der Rubrik „bester Künstler“ zeichnet sie das Mataaho Collective für „matrilineare Textiltraditionen“ und dessen „gebärmutterähnliche Wiege“ aus: Maori-Frauen überspannen einen Raum mit gewebter Struktur an der Schwelle zur Abstraktion.

Als Schwellenland gibt sich Deutschland: Hinter dem Titel „Thresholds“ verbirgt sich die Intervention von Gastarbeiterenkel Ersan Mondtag, der Erde vor den Pavillon kippen ließ, sodass Besucher den Seiteneingang nehmen müssen, um dann zwei Zeitsprünge zu machen. Einen in die deutsche (Arbeits-)Welt des Großvaters: detailfreudig nachgebaut bis zum Klo, auf dem eine Performerin Platz nimmt, gerahmtem Atatürk-Foto im Schlafzimmer und Strickzeug auf dem Sofa. Die mehrstöckige begehbare Installation erinnert von außen an einen Schiffsbug und dank Wendeltreppe und erzwungenem Herumknäulen in engen Wohnräumen an Gregor Schneiders Beitrag „Totes Haus u r“ im Jahr 2001.

Der zweite Sprung führt in eine utopische Zukunft. Yael Bartana beordert uns ins virtuelle Raumschiff der Erlösung vor dem Hintergrund jüdischer Anstöße der Kabbala. Doch das Aufeinandertreffen von Muslim und Jüdin allein genügt der türkischstämmigen Kuratorin aus Baden-Baden: Çağla Ilk, als Setzung nicht. Bombastische Musik pusht Emotionen im blauschwarzen Dämmer: große Oper. Ilk ist Dramaturgin. Das schimmert durch.

60.Biennale X Raumschiff von Yael Bartana im deutschen Pavillon. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz
Raumschiff von Yael Bartana im deutschen Pavillon. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz

Der Pavillon wirkt überfrachtet, eine einzige künstlerische Position hätte genügt. Wieso zwingend zwei? Beide gehen mit derart viel Pathos einher, dass das Publikum überrollt wird und sich schon angesichts der räumlichen Verschachtelung: des Haus-im Haus-Prinzips, entscheiden muss, ob es der Gastarbeiterspur oder der Urzeit-Mystik-Endzeit-Schiene folgen will.

 

Zu den Problempavillons: Polen widmet sich eindringlich der Kriegsbetrachtung und dem Sound des Infernos, nämlich den Geschossen, die auch Zivilisten um die Ohren fliegen, und den Detonationen. Eingeladen wurde das ukrainische Kollektiv „Open Group“ mit seinen Betrachtungen des Grauens. Im Ukraine-Pavillon wiederum überrascht (Galgen-) Humor. Man habe, so Künstlerin Lia Dostlieva, viel Spaß gehabt beim Dreh mit Deutschen, die für Videoarbeiten den ukrainischen „Opfertyp“ oder das „Sexobjekt“ mimen, wie sie in Medien oder Werbung tatsächlich zum Einsatz kommen.

Die Arbeit „M(otherland)“ im Israel-Pavillon, den drei Soldaten bewachen, lässt sich durch die Glasfront ansatzweise erahnen. Während gerade bekannt geworden war, dass Ruth Patir ihn aus Solidarität mit den Hamas-Opfern nicht aufsperrt, skandierte eine erregte Menge vor dem benachbarten, vom indigenen Künstler Jeffrey Gibson bespielten US-Pavillon „From the river to the sea“. Wie Patir verweigert beim Start überraschend auch der Iran die Pavillonöffnung: ohne Begründung.

Die Kunst? Soll heute Therapeutin und Heilerin sein, aufklären und anklagen, investigativ und ein Korrektiv sein und dabei Investment bleiben. Sie fragt – früher verpönt – immerzu nach der Herkunft, verlangt, Minderheiten eine Stimme zu geben. Kurz: Sie arbeitet Kriterienkataloge ab. Das spiegelt die Biennale, die mit Adriano Pedrosa erstmals ein Lateinamerikaner leitet, deutlich.

60.Biennale VI - "we want to be free" lautet eine Botschaft im USA-Pavillon von Jeffrey Gibson. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz
„we want to be free“ lautet eine Botschaft im USA-Pavillon von Jeffrey Gibson. © Foto: Dorothee Baer-Bogenschütz

Sie verhandelt die Ismen der Jetztzeit, vorneweg Rassismus und Kolonialismus. Während im Dogenpalast eine Schau Marco Polos Reisen nachspürt, fesselt Kanada mit Vorhängen aus sieben Millionen Glasperlen: jener Währung, mit der einst Indigene betört wurden. Kaum je zuvor präsentierte eine Biennale so dichtmaschig Stickereien, Patchwork, Perlen und bunte Bänder. Die saudische Aktivistin Manal AlDowayan liefert einen ästhetisch wie inhaltlich stimmigen Beitrag zum Empowerment der Saudi-Arabierin. Ein „Petticoat Government“ installiert Belgien mit Riesenpuppen, die bei Umzügen den Frühling einläuten. Dazu erklingt Musik, es wird getanzt. Hier blitzt kurz Lebensfreude auf jenseits kritischer Theorien, woker Selbstverpflichtungen und Manifeste. Ein Fest der Völker und freudvolle Begegnung sollte die Biennale ja auch sein dürfen, gefällt sich aber besser als gestrenge Moralpredigerin. Michael Ballack zieht es gleich zum Altstar: Willem de Kooning in der Gemäldegalerie Accademia.

Die Biennale hat derweil, obwohl sie seit einigen Jahren im regenreichen April startet und damit mehrere Wochen früher aufsperrt als in der Vergangenheit, wo sie eine Sommersensation war, die Eine-Million-Besucher-Schwelle bislang noch immer nicht geknackt. Das ist verwunderlich, bedenkt man, dass die erste Ausgabe bereits 224 000 Leute anzog. Das war im Jahr 1895. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Menschheit noch nicht von Weltkriegen. Vielmehr beschnupperte(n) sich die Welt(en) bevorzugt auf Weltausstellungen.

Informationen zur 60.Biennale Venedig

Die Fortsetzung von Hamburg: Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften – Ab 19. April in der Alten Nationalgalerie zu Berlin

Caspar David Friedrich, Mann und Frau in Betrachtung des Mondes, um 1824Öl auf Leinwand, 34 x 44 cmStaatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Fotograf: Jörg P. Anders
Caspar David Friedrich, Mann und Frau in Betrachtung des Mondes, um 1824Öl auf Leinwand, 34 x 44 cmStaatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Fotograf: Jörg P. Anders

Nachdem in Hamburg die Caspar David Friedrich-Ausstellung mit einem Zuschauer-Rekord von 335.000 Besuchern zum 1.April ihre Pforten schloss, setzt am 19. April 2024 die Alte Nationalgalerie in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin den Ausstellungs-Reigen anlässlich  des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich fort.  So wird mit der Fortsetzungs-Ausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ vom 19. April – 4. August 2024 auch in der Alten Staatsgalerie erstmals eine große Ausstellung zum Werk des bedeutendsten Malers der deutschen Romantik gezeigt werden .

Über 60 Gemälde und 50 Zeichnungen Friedrichs aus dem In- und Ausland, darunter weltberühmte Ikonen wie das „Eismeer“, „Kreidefelsen auf Rügen“ oder der „Mönch am Meer“, werden zu sehen sein. Eine umfassende Ausstellung zu Caspar David Friedrich (1774–1840) ist gerade in Berlin überfällig, da die Nationalgalerie eine der größten Friedrich-Gemälde-Sammlungen weltweit bewahrt und da bereits zu Lebzeiten des Künstlers zahlreiche Erwerbungen und öffentliche Präsentationen in der preußischen Hauptstadt zu seinem frühen Ruhm beitrugen. Nachdem der Maler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten war, würdigte die Nationalgalerie mit der legendären „Deutschen Jahrhundertausstellung“ 1906 den Künstler mit 93 Gemälden und Zeichnungen so umfassend wie nie zuvor.

Friedrich wurde nun als herausragender Maler von Licht und Atmosphäre und als Vorreiter der Moderne gefeiert. Die Wiederentdeckung der Malerei Friedrichs, seine Bilderpaare sowie der Werkprozess und die Maltechnik des Künstlers stehen im Zentrum der Ausstellung. Anhand dieser Themen wird sowohl ein Überblick zum Leben und Wirken des Malers geboten als auch das Wesen seiner Kunst zwischen präzisem Naturstudium und romantischer Imagination anschaulich gemacht. Friedrich schuf Sehnsuchtslandschaften mit weiten Himmeln und fernen Horizonten, in denen die Unendlichkeit von Raum und Zeit spürbar wird. Seine zeitlosen Bilder regen Gedanken und Empfindungen an, deshalb sind sie bis heute so faszinierend.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Birgit Verwiebe, Kuratorin für Malerei, Alte Nationalgalerie.

Tickets ab sofort erhältlich unter: www.smb.museum/tickets
Führungen sind buchbar unter: www.smb.museum/ang

Maestras. Malerinnen 1500 bis 1900 – arp museum lässt alte und neue Meisterinnen neu entdecken

In der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 im arp-museum Bahnhof Rolandseck, sind außergewöhnliche Werke großer Meisterinnen zu entdecken. Hier ein Ausschnitt aus Rachels Ruyschs Stilllelben Früchte, Blumen, Reptilien ca. 1716. Sie war zu ihrer Zeit damit so gefragt, dass sie für ihre Blumenstillleben das Doppelte erlösen konnte, als Rembrandt für seine Historienbilder. Während Rembrandt bis heute in aller Munde ist, kennt die niederländische Malerin Rachel Rysch wahrscheinlich kaum jemand.  © Foto Diether von Goddenthow
In der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 im arp-museum Bahnhof Rolandseck, sind außergewöhnliche Werke großer Meisterinnen zu entdecken. Hier ein Ausschnitt aus Rachel Ruyschs Stilllelben Früchte, Blumen, Reptilien, ca. 1716. Sie war zu ihrer Zeit damit so gefragt, dass sie für ihre Blumenstillleben das Doppelte erlösen konnte, als Rembrandt für seine Historienbilder. Während Rembrandt bis heute in aller Munde ist, kennt die niederländische Malerin Rachel Ruysch wahrscheinlich kaum jemand. © Foto Diether von Goddenthow

Während  die Meister der Malerei wie da Vinci, Rembrandt, Monet, van Gogh oder Vermeer jedem ein Begriff sein dürften, ist das bei den Meisterinnen der Kunst  keineswegs so selbstverständlich. Berühmte Namen wie Artemisia Gentileschi, Elisebtta Sirani, Elisabeth Vigée-Le Brun, Mary Cassatt und viele andere waren in der Kunstgeschichte abhanden gekommen. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck  will das ändern und rückt in einer fulminanten Ausstellung vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 die in Vergessenheit geratene Leistung der „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“ ins Rampenlicht. Das arp-museum folgt damit dem Trend im Kunstbetrieb, durch die Präsentation von Kunst von Frauen neue Impulse anzustoßen.  

Die arp-Ausstellung ist dabei selbst für Kenner eine Bereicherung und zum Besuch sehr zu empfehlen. Sie zeigt den künstlerischen Beitrag von Frauen zur Geschichte der Malerei in einem weitumspannenden europäischen Fokus vom Mittelalter bis zur Moderne. Dabei werden in Kooperation mit dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid 68 Werke von 51 hochkarätigen Malerinnen aus bedeutenden europäischen Museen und Privatsammlungen präsentiert. Der Reigen der Maestras wird in der arp-Schau noch  durch neun weitere außergewöhnliche Meisterinnen der Malerei ergänzt, darunter so bedeutende wie Hildegard von Bingen und Gisela von Kerssenbrock, Plautilla Nelli und Sofonisba Anguissola, Maddalena Corvina und Michaelina Wautier, Marie-Victoire Lemoine und Marie-Gabrielle Capet, Rosalba Carriera und Anna Dorothea Therbusch.

Die auch didaktisch beispielhaft gelungen strukturierte Ausstellung führt die Besucher chronologisch in fünf Kapiteln durch die Schau: Begonnen wird  im Mittelalter, gefolgt von Renaissance und Barock. Kapitel 2 widmet sich Künstlerinnen im Rokoko und zur Zeit der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. In einem davon abgeteilten sogenannten Kabinett, Kapitel 3, werden einzigartige Stillleben von 1600 bis 1800 dargeboten. In Raum 4 können wichtige Vertreterinnen des 19. Jahrhunderts besichtigt werden, von wo aus man schließlich fließend im Raum 5 „Moderne und Avantgarde“,  dem Höhepunkt der Schau, gelangt.

Unter dem Eindruck des Kubismus entwickelte Alice Bailly hier "Der Tee" (1913) ihren eigenen unverwechselbaren Stil. Das Bild (zu finden im letzten Raum, Kapitel 5, "Künstlerinnen der Moderne") zeigt vier Frauen beim Teetrinken und Netzwerken, so arp-Direktorin Dr. Julia Wallner. © Foto Diether von Goddenthow
Unter dem Eindruck des Kubismus entwickelte Alice Bailly hier „Der Tee“ (1913) ihren eigenen unverwechselbaren Stil. Das Bild (zu finden im letzten Raum, Kapitel 5, „Künstlerinnen der Moderne“) zeigt vier Frauen beim Teetrinken und Netzwerken, so arp-Direktorin Dr. Julia Wallner. © Foto Diether von Goddenthow

Der betrachtende Blick ginge immer von der Moderne aus, denn „wir fragen von heute aus: Was haben diese 51 wunderbaren Frauen gemeinsam, und wo waren sie in ihrer Zeit individuell, oder wo sprechen sie auch für ihre Generation?“, so Arp-Direktorin Dr. Julia Wallner. Gemeinsam sei allen Künstlerinnen, so Dr. Wallner, dass sie „sehr selbstbewusst eine selbständige Geschichte erzählen, eine freie Geschichte auch, eine mutige Geschichte, eine visionäre Geschichte“.

Das Museum Thyssen-Bornemisza entwickelte, begleitet von einem universitären Forschungsprojekt um Rocío de la Villa, die Übersichtsschau zu Frauen in der Kunst im vormodernen Europa mit einem europäischen Fokus auf 1000 Jahre Kunstgeschichte. Entsprechend startet, wie gesagt, diese Ausstellung im Mittelalter mit Hildegard von Bingen. Diese habe nicht nur mit ihrer naturwissenschaftlichen Forschung, sondern auch mit ihren medizinisch-theologischen Schriften, mit ihrer Funktion als Vorsteherin eines Klosters, und eben damit auch als Vorsteherin einer Frauengemeinschaft, wesentliches zur Geschichte der Frauen beigetragen, erklärt Dr. Wallner beim Presserundgang. In ihren kosmisch-visionären Vorstellungen erträumte Hildegard von Bingen bereits eine Einheit des Kosmos, die es bis heute nicht gäbe, und die Ordensfrau ging auch Fragen nach, ob die Gottesebenbildlichkeit nicht auch sowohl eine Frau als auch ein Mann betreffen könne. Das sei doch „etwas, was ich aus heutiger Sicht als einen feministischen Gedanken begreife“, so Dr. Wallner.

1. „Zwischen Licht und Schatten 1200-1700“
Durch die meisterliche Malkunst der Nonnen bis heute, konnte durch diese fantastische handgemalte Kopie von 1930 Hildegard von Bingens Codex Liber Scivis von ca. 1175 gerettet werden. © Foto Diether von Goddenthow
Durch die meisterliche Malkunst der Nonnen bis heute, konnte  diese fantastische handgemalte Kopie von 1930, Hildegard von Bingens Codex Liber Scivis von ca. 1175 gerettet werden. © Foto Diether von Goddenthow

Im Ruppertsberg-Kodex „Liber Scivias“ um 1175 n.Chr. hat Hildegard von Bingen ihre Visionen niedergelegt. Aufgeschlagen ist in der Ausstellung die Illustration des „allumfassenden Weltalls“. Von Bingens zahlreiche Visionen wurden von Nonnen ihres Skriptoriums  meisterhaft visualisiert und maltechnisch aufwändig umgesetzt. Diese künstlerische Tradition der Buchmalerei wurde fortgeführt. Und da die meisterhaft malenden Nonnen im Kloster Ruppertsberg ( Bingen-Kempten) 1930 eine Kopie von Hildegards Ruppertsberg-Kodex  anfertigten, ist dieser in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Das Original ist seit dem 2. Weltkrieg verschollen.
Ein weiteres Ausstellungs-Highlight ist auch der Codex-Gisle, ein als Faksimile vorliegendes großformatiges Gesangbuch des Mittelalters, welches die Zisterziensernonne, Chormeisterin und Malerin Gisela von Kerssenbrock um 1300 n. Chr. für das Zisterzienser-Konvent von Rulle, Osnabrück meisterhaft anfertigte.

Die Nonne  Plautilla Nelli war Bindeglied zwischen weiblicher Kloster- und Renaissancemalerei

Seitlich oberhalb des Codex-Gisle finden Betrachter das  Andachtsbild  „Madonna und Kind mit Heiligem Dominikus“ um 1550 / 1574 der Nonne  Plautilla Nelli. Das Besonders ihrer Person besteht auch darin,   dass Plautilla Nelli als Nonne und Malerin  ein wichtiges  „Bindeglied“ zwischen der Klostermalerei und den großen weltlichen Maestras der Renaissance-Malerei in der Kunstgeschichte darstellt, erklärt  Dr. Susanne Dr. Blöcker, Kuratorin der Ausstellung. Denn Plautilla Nelli malte nicht nur solche kleinen Andachtsbildchen. Berühmt wurde sie, so Dr. Blöcker, „durch ein sieben Meter langes und zwei Meter hohes Altarbild, ein Abendmahl, was in ihrem Kloster  im Refektorium hing. Damit machte sie quasi Leonardo da Vinci Konkurrenz“, so Dr. Blöcker. Plautilla Nelli war in ihrer Zeit eine vielbeachtete, selbstbewusste und sehr freie Maestra, die viele Kunden „auch in weltlichen Zirkeln“ hatte. Sie wurde vom größten Kunstkritiker der Renaissance, Giorgio Vasari, als „große Maestra“ hochgelobt. Vasari, selbst ein Maler, Architekt und Schriftsteller, unterschied nicht,  männlich oder weiblich, sondern ihn interessierte nur, ob gut oder schlecht, und Plautilla Nelli war absolute Spitze.

Renaissance-Meisterin Lavinia Fontana

"Viele weltliche Malerinnen des Mittelalters arbeiteten in den Werkstätten ihrer Väter und Brüder. In der italienischen Renaissance traten sie aus deren Schatten hervor und agierten oft sehr selbstbestimmt als anerkannte erfolgreiche Malerinnen. Biblische Heldinnen dominieren die dramatisch ausgeleuchteten Bildbühnen von Lavinia Fontana, Fede Galizia oder Artemisia Gentileschi" erläutert Dr. Susanne Blöcker, Kuratorin der großartigen Schau, hier bei der Presseführung- © Foto Diether von Goddenthow
„Viele weltliche Malerinnen des Mittelalters arbeiteten in den Werkstätten ihrer Väter und Brüder. In der italienischen Renaissance traten sie aus deren Schatten hervor und agierten oft sehr selbstbestimmt als anerkannte erfolgreiche Malerinnen. Biblische Heldinnen dominieren die dramatisch ausgeleuchteten Bildbühnen von Lavinia Fontana, Fede Galizia oder Artemisia Gentileschi“ erläutert Dr. Susanne Blöcker, Kuratorin der großartigen Schau, hier bei der Presseführung- © Foto Diether von Goddenthow

Während der italienischen Renaissance traten viele weltliche Malerinnen des Mittelalters aus den Schatten der Werkstätten ihrer Väter und Brüder und agierten oft sehr selbstbestimmt als anerkannte erfolgreiche Malerinnen. Biblische Heldinnen dominieren dabei, dem Zeitgeist geschuldet, die Themen ihrer Werke. Große Maestras wie  Lavinia Fontana und Fede Galizia inszenierten sich dabei gerne in dramatischer Pose, etwa in der gewalttätigen männermordenden Szene als  „Judith und Holofernes“.  Judith hat Holofernes gerade frisch geköpft und serviert ihn mit einem ein wenig stolz verschmitzten siegesgewissen Gesichtsausdruck auf einem Teller. Da stellt sich natürlich die Frage, wer sich so etwas an die Wand hing. Bei Lavinia Fontana wissen wir nicht so recht, ob die „Judith“ vielleicht ihre Mäzenin, also diejenige war, der damals der Palazzo Davia Bargellini in Bologna gehörte, wo das Bild heute noch hängt, fragt sich Dr. Blöcker. Es könne sich aber auch um ein Selbstportrait von Lavinia Fontana handeln, so wie ihre berühmte Künstlerkollegin Artemisia Gentileschi uns überliefert hat, so die Kuratorin.

Fontanas Mann musste ihr den Rücken freihalten

Besonders interessant sei  hinsichtlich der Emanzipationsfrage  auch ein Blick in Lavinia Fontanas Biographie, so Dr. Blöcker. Diese habe nämlich bei ihrer „Heirat einen knallharten Ehevertrag aufgesetzt. ‚Sie ist die Alleinverdienerin, Ihr Mann hat für die Kindererziehung zu sorgen und für das Geld, also für die Regelung der Finanzen‘.“, zitiert Dr. Blöcker. Beide Eheleute waren Maler, ihr Mann ausgebildet bei ihrem Vater, jedoch weniger talentiert als sie, was logischerweise für das Ehepaar bedeutete, dass sie als Besserverdienende das Geld hereinholte, und der Herr Gatte ihr dafür den Rücken freizuhalten hatte.  „11 Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, und trotzdem war Lavinia Fontana in ganz Europa aktiv. Sie war angesehen und wurde nicht in irgendeiner Weise verfemt“ so Dr. Blöcker. „In ihrer Zeit, im frühen 17. Jhd. war es Gang und gäbe, dass Frauen sehr emanzipiert waren, sehr eigenständig arbeiten konnten, und man sie auch ließ“.

Das besondere freie Klima Bolognas

Die italienische Renaissance-Malerin Fede Galizia stellte sich in ihrem Werk Judith und Holofernes“ (1601 -10), verführerisch gekleidet und und geschmückt, als Judith mit stolzem Siegerlächeln in Positur. © Foto Diether von Goddenthow
Die italienische Renaissance-Malerin Fede Galizia stellte sich in ihrem Werk „Judith und Holofernes“ (1601 -10), verführerisch gekleidet und  geschmückt, als Judith mit stolzem Siegerlächeln in Positur. © Foto Diether von Goddenthow

In diesem  kulturellen Klima Italiens, in dem diese Maestras groß wurden, gab es in Bologna, so Dr. Blöcker, „eine Art Benimm-Buch „Il Libro del Cortegiano“ der höfischen Gesellschaft, in dem unter anderem bestimmt wurde: „Frauen sollen die gleiche Erziehung genießen wie Männer. Sie sollen breitest gebildet sein. Sie sollen natürlich Latein und Griechisch beherrschen. Sie sollen musikalisch gebildet sein. Sie sollen die Kunst können“, zitiert die Kuratorin. Und erkannte man dann ein malerisches Talent, so Dr. Blöcker, „dann hat man es gefördert. Es war einfach opportun, wenn man gesellschaftlich anerkannt sein wollte in Bologna.

In Bologna, wo Lavinia Fontana lebte, „gab es seit dem 14. Jahrhundert ganz selbstverständlich Frauen an der Universität als Lehrerinnen, als Professorinnen. Das ist ein sehr freiheitliches frauenfreundliches Klima gewesen, und dank dieses Klimas konnten diese Malerinnen natürlich auch sehr großes Maestras werden“, schaut Dr. Blöcker begeistert auf diese Zeit in der Kunstgeschichte zurück, als es noch neben den großen Meistern – gleichberechtigt  – Meisterinnen in der Malerei gab.

„Ich werde Ihnen zeigen, zu was eine Frau fähig ist“

In der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 im arp-museum Bahnhof Rolandseck, sind außergewöhnliche Werke großer Meisterinnen zu entdecken. Hier ein Ausschnitt aus  Artemisia Gentileschis grandiosem Bild  "Büßende Maria Magdalena", entstanden um 1622 -25 © Foto Diether von Goddenthow
In der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 im arp-museum Bahnhof Rolandseck, sind außergewöhnliche Werke großer Meisterinnen zu entdecken. Hier ein Ausschnitt aus Artemisia Gentileschis grandiosem Bild „Büßende Maria Magdalena“, entstanden um 1622 -25 © Foto Diether von Goddenthow

Artemisia Gentileschi, zitiert mit dem Satz „Ich werde Ihnen zeigen, zu was eine Frau fähig ist“, ist vertreten mit der „Büßenden Maria Magdalena, die „in sich ruhend, sehr vertieft und vergeistigt ist – aber sogleich kommt hier schon diese  Energiegeladenheit dieser großen Maestra durch“, analysiert Dr. Blöcker. Artemisia Gentileschi, war trotz ihres einerseits schweren Schicksals eine  herausragende gefeierte Künstlerin gewesen.

Auch weitere Malerinnen, etwa Sofonisba Anguissola, brillierten durch ihre starke Ausdrucksformen und klare Formensprache. Insbesondere das Wunderkind  Elisabetta Sirani legte eine Maler-Karriere hin, die selbst für das damalige freie Bologna einzigartig war.

Sirani war  der weibliche Guido Reni – nur  weiß das heute niemand mehr

Elisabetta Sirani "Allegorie der Musik, 1659.  © Foto Diether von Goddenthow
Elisabetta Sirani „Allegorie der Musik, 1659. © Foto Diether von Goddenthow

Elisabetta Sirani,  am 8. Jan. 1638 geboren, wurde schon sehr früh ein Maler-Star, zu der schließlich die Touristen pilgerten, um ihr beim Malen zuzuschauen. Sie hatte sogar eine eigene Malakademie  „für Frauen gegründet, damit diese eben ihren Fähigkeiten entsprechend besonders gefördert würden. Elisabetta Sirani war nach Guido Reni der große Kunststar in Bologna. Als Reni tot war, war sie da“, erzählt Dr. Blöcker.  Sirani sei eines der vielen Wunderkinder gewesen, „die uns hierum an den Wänden ihre Bilder zeigen“. Diese Mädchen wurden ab dem 9., 10. Lebensjahr, „wenn sie dieses Malertalent nun hatten, gefördert“, so Dr. Blöcker. Elisabetta Sirani sei ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie war universaltalentiert, auch sehr musikalisch; das beweist sie mit diesem Bild „Allegorie der Musik“, wahrscheinlich ein Selbstporträt, welches sie ihrem Musiklehrer Peter schenkte, erklärt die Kuratorin die Zusammenhänge.

Als Elisabetta Sirani viel zu früh im Alter von 27, 28 Jahren an den Folgen ihres exzessiven kräftezehrenden Malens an einem perforierten Magengeschwür verstarb, „hatte man Hymnen auf sie gedichtet, einen acht Meter hohen Katafalk durch Bologna geschleppt, der auf dem Grab aufgestellt wurde, und an dem man dann eigens neu gedichtete Lieder sang, erzählt Dr. Blöcker. Elisabetta Sirani wurde dort beerdigt, wo Guido Reni lag, in  der Cappella Guidotti (der Kirche San Domenico) . Dort durfte seitdem in seinem Grab nur eine beerdigt werden, und das ist sie, Elisabetta Sirani“, erläutert Dr. Blöcker. Sie wolle an dieser Historie einmal mehr zeigen, „welche Berühmtheit die Sirani in ihrer Zeit hatte, wie anerkannt sie war, und das es keine Rolle spielte, ob sie eine Frau oder ein Mann war. Sie war einfach gut. Und dennoch ist sie vergessen worden. Das wundert“, resümiert Dr. Blöcker. Umso wichtiger sind solche Ausstellungen wie  die „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“ oder auch andere, wie neulich „Geniale Frauen“ in im Bucerius Kunstforum, Hamburg, die helfen, vergessene Malerinnen wieder ins kulturelle Bewusstsein zu bringen.

2. Vive l’esprit- ein Hauch von Freiheit 1700-1800
In der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024 im arp-museum Bahnhof Rolandseck, sind außergewöhnliche Werke großer Meisterinnen zu entdecken. Die Französin Elisabeth Vigée-Le Brun war eine gefeierte Maestra. Die Malerin wurde von der Königin Marie-Antoinette gefördert, musste aber im Zuge der Französischen Revolution fliehen. Das Werk "Lady Hamilton als Bacchantin" entstand um 1792 -93 höchstwahrscheinlich in Russland, wo Vigée-Le Brun nach einer Station in Rom bei Angelika Kauffmann eine längere Zeit lebte. Die drei Werke links von Lady Hamilton stammen von Angelika Kauffmann. © Foto Diether von Goddenthow
Die Französin Elisabeth Vigée-Le Brun war eine gefeierte Maestra. Die Malerin wurde von  Königin Marie-Antoinette gefördert. Sie musste aber im Zuge der Französischen Revolution fliehen. Das Werk „Lady Hamilton als Bacchantin“ entstand um 1792 -93 höchstwahrscheinlich in Russland, wo Vigée-Le Brun nach einer Station in Rom bei Angelika Kauffmann eine längere Zeit lebte. Die drei Werke links von Lady Hamilton stammen von Angelika Kauffmann. © Foto Diether von Goddenthow

Wenn sie sich eine Zeit aussuchen dürfte, in der sie gerne als Künstlerin gelebt hätte, wäre es wohl das 18. Jahrhundert, schwärmt Dr. Blöcker. Da saßen überall in ganz Europa nicht nur die großen Herrscherinnen wie Maria Theresia, Katharina von Russland oder Marie Antoinette an der Spitze, vielmehr gab es auch eine große Debattierkultur, mit Debattierzirkeln, an deren Spitze eine Salonnière stand. Das waren zumeist sehr vermögende Frauen, in der Regel aus dem Adel stammend, mit besten Kontakten. „Sie förderten natürlich auch weibliche Maltalente wie etwa Elisabeth Vigee-Le Brun, die von Königin Marie-Antoinette sehr stark mit Aufträgen unterstützt wurde“, so Dr. Böcker. Gleichzeitig war das 18. Jahrhundert eine Epoche gewaltiger sozialer Umbrüche, in dem überkommene Traditionen und Hierarchien in Frage gestellt oder gleich abgeschafft wurden.

Aus dieser  Epoche präsentiert die Ausstellung hochkarätige Werke, darunter Pastelle der Venezianerin Rosalba Carriera, die die Leichtigkeit und Lebendigkeit des höfischen Rokokos verkörpern,   oder das legendäre Gemälde „Lady Hamilton als Bacchantin“ der bereits erwähnten Französin Elisabeth Vigée-Le Brun (s.oben). Sie  musste, nachdem ihr eine Affäre angedichtet und ihre Mäzenin Marie Antoinette in den Wirren der Revolution enthauptet worden war,  durch halb Europa flüchten.  Vigée-Le Brun reiste bis nach Rom in der Hoffnung, Ersatz für ihre verlorene Mäzenin und Auftraggeber zu finden. Sie besuchte auch die von ihr sehr  bewunderte Angelika Kauffmann, bevor sie sich schließlich für mehrere Jahre in Russland niederließ. Erst im Alter konnte sie wieder nach Paris zurückkehren. Eines ihrer wohl schönsten, vielleicht auch eines ihrer sinnlichsten Werke ist das zwischen 1790 und 1792 entstandene Portrait „Lady Hamilton als Bacchantin“.

Angelika Kauffmann

Angelika Kauffmann mit einem antiken Thema "Ganymed u d Adler", 1793. © Foto Diether von Goddenthow
Angelika Kauffmann mit einem antiken Thema „Ganymed u d Adler“, 1793. © Foto Diether von Goddenthow

Angelika Kauffmanns Werke, drei davon sind in der Ausstellung zu sehen, werden  im Vergleich zu Vigée-Le Bruns Bildern eher noch bestimmt von den großen Helden und Heldinnen des Altertums. Das mag dran liegen, dass Kauffmann in Rom eng mit dem Altertumsforscher und Begründer der modernen Archäologie Johann Joachim Winckelmann zusammenarbeitete, den sie bereits im jungen Alter von 22 Jahren kennenlernen und portraitieren durfte. Winckelmann, um den im 18. Jahrhundert niemand herumkam, wenn er als Künstler in Europa Karriere machen wollte, verhalf Kauffmann zu vielen besten Kontakten. „Angelika Kauffmann war neben Winkelmann die Perfektion des Klassizismus“, so Dr. Blöcker. Angelika Kauffmann wurde so erfolgreich, dass sie in Rom auf dem Pincio-Hügel eine Villa bewohnen konnte. Sie unterhielt dort einen eigenen Salon. Selbst Goethe war angetan von ihr, die er zweimal besuchte. Viele Künstler fanden in der Hoffnung auf Unterstützung zu ihr, darunter auch, wie erwähnt, die berühmte Malerin Elisabeth Vigée-Le Brun. Sie war eine Bewundererin Kauffmanns.

Kauffmann verdiente nicht nur an Gemälden, sondern auch an ihren Radierungen. Besonders gefragt und ein Longseller war eine Radierung des Portraits von Winckelmann nach dessen gewaltsamen Tod. Kauffmann verlies Rom. Sie ging nach London zu ihrem langjährigen Freund Joschua Reynolds, einer der einflussreichsten englischen Künstler der damaligen Zeit. Der Kontakt kam einst über Winckelmann zustande. Reynolds hatte die Royal Academy of Arts in London gegründet.  Angelika Kauffmann wurde das erste weibliche Mitglied. Zusammen mit Marry Rosa waren sie die ersten beiden weiblichen Mitglieder überhaupt, danach kam lange nichts mehr, schildert Dr. Blöcker die damalige Situation. Zu dieser Zeit agierten diese Maestras wie die großen Männer ihrer Zeit: Sie waren beruflich relativ unabhängig, trafen eigene Entscheidungen, trugen selbst die Verantwortung für ihr Handeln, und waren  in ganz Europa entsprechend bekannt. Sie wurden von vielen Menschen umworben. Später gerieten viele dieser Maestras in Vergessenheit.

3. Naturforscherinnen 1600-1800
Fede Galizias Stillleben "Fruchtschale aus Kristall mit Pfirsichen", ca. 1610, ist wohl das älteste erhaltene Stillleben in der Geschichte der Malerei überhaupt. © Foto Diether von Goddenthow
Fede Galizias Stillleben „Fruchtschale aus Kristall mit Pfirsichen“, ca. 1610, ist wohl das älteste erhaltene Stillleben in der Geschichte der Malerei überhaupt. © Foto Diether von Goddenthow

Im „hinteren Kabinett“, Kapitel 3 der Ausstellung, befinden sich wahre  Bilder-Schätze. „Eines der ersten Stillleben, ein Stillleben der Malereigeschichte überhaupt, wurde von einer Frau gemacht: Fede Galizia (1578 Mailand -1630), die in der Ausstellung vertreten ist“, freut sich Arp-Direktorin Dr. Wallner. Es sei ein wunderbares, sehr reduziertes, sehr präzises Stück, bei dem man eben ihre genaue Beobachtungsgabe sehe, ein Werk, was aber in seiner Reduktion auf zwei Obstsorten auch eine moderne Ausstrahlung habe, „so ganz außergewöhnlich, in eben dieser Klarheit und auch der Formensprache.“

Etwas Besonderes ist Orsola Maddalena Cacciadas (1596 – ca. 1676) „Stillleben mit Vögeln“. Es bezeugt in wissenschaftlicher Genauigkeit, wie vor über 300 Jahren Sumpfmeisen, Zilpzalp, Buchfinken, Blaumeisen, Goldammer, Kiebitze und Kohlmeisen ausgesehen haben.

Die Kirschen in Giovanna Garzonis Stillleben (1642 - 51) sehen  nach 350 Jahren  immer noch knackig.  © Foto Diether von Goddenthow
Die Kirschen in Giovanna Garzonis Stillleben (1642 – 51) sehen nach 350 Jahren immer noch knackig. © Foto Diether von Goddenthow

Zu den Highlights weiblicher Stilllebenmalerei gehört aber insbesondere Gionanna Garzonis „Stillleben mit Kirschen auf einem Teller, Bohnenschoten und einer Holzbiene“ (ca. 1642 – 51, siehe oben). „Jede der Kirschen ist Punkt für Punkt mit der Feder gemalt, das was die Pointillisten nachher getan haben. Und dadurch lebt sie eben auch so stark. Die Kirschen sehen immer noch knackig aus nach über 300 Jahren. Und die Holzbiene scheint immer noch da umher zu schwirren“, ist Dr. Böcker entzückt über die erhalten gebliebene grandiose Farbwirkung.

Es ist kein Zufall, dass  Frauen die hohe Kunst des Stilllebenmalens besonders gut beherrschten. Denn Künstlerinnen war es verwehrt, wie Männer Aktstudien zu betreiben. Es galt als unschicklich, wenn Frauen einen nackten Mann malten. So widmeten sich etliche Frauen verstärkt dem Studium von Pflanzen und Insekten. „Mit feinstem Pinseln wussten sie Blattäderchen, perlende Wassertropfen und verwelkende Tulpenblätter präzise darzustellen“, so Dr. Blöcker, und sie mussten hierzu nicht mal die eigenen vier Wände und Grenzen ihres Gartens verlassen.

 Blütenstillleben waren die Bestseller ihrer Zeit

Rachel Ruysch Stillleben Fruechte Blumen Reptilien u insekten am waldrand 1716 © Foto Diether von Goddenthow
Rachel Ruysch Stillleben Fruechte Blumen Reptilien u insekten am waldrand 1716 © Foto Diether von Goddenthow

Allerdings war der heimische Horizont vielen Barockmalerinnen schon bald zu wenig. So tourte beispielsweise die bekannte Künstlerin Giovanna Garzoni mit ihren beliebten Früchtestillleben im Gepäck durch ganz Italien. „Es hieß: ihre Kunden würden für ein Früchtestillleben von ihrer Hand jedweden Preis zahlen.“ (Begleitkatalog 2024, S. 67). und sie fand gute Abnehmer.

Die holländische Malerin Rachel Ruysch, aufgewachsen inmitten der Blumenpracht des vom Vater geleiteten Botanischen Gartens in Amsterdams, spezialisierte sich auf Blumenstillleben. Damit verdiente sie bald mehr als die – heute als alte holländische Meister geltenden einstigen Malerfürsten. Während Rembrandt beispielsweise für ein Historien-Gemälde etwa 500 Gulden bekam, erzielten Rachel Ruyschs Blumenstillleben mit bis zu 1200 Gulden über das Doppelte. Rachel Ruyschs Weg führt schließlich von Amsterdam in die damals „weite Welt“, hinaus bis nach Düsseldorf, wo sie  schließlich sogar als Hofmalerin in die Dienste des Kurfürsten von der Pfalz berufen wurde und über ein stetiges Einkommen verfügte.

Ihre Erfolge und die Popularität der Blumenstillleben verhalf den Stilllebenmalerinnen zu einer vormals nie gekannten öffentlichen Beachtung und Wertschätzung.  So wurden Silllebenmalerinnen  vermehrt in Malergilden aufgenommen, vier  wurden sogar Mitglieder in der 1648 gegründeten Pariser Kunstakademie.  Auch  weitere  Stilllebenmalerinnen, etwa Anne Vallayer-Coster, zählten im 18. Jahrhundert zur absoluten Kunstelite Frankreichs. Diese Entwicklung sei auch deswegen erstaunlich gewesen, so Dr. Blöcker, „weil Stillleben eher als eine niedrigere Kunst-Gattung galt“.

 Maria Sibylla Merian

Am bekanntesten dürfte bis heute   Maria Sibylla Merian sein als Naturforscherin und (wissenschaftliche) Zeichnerin und Malerin, die es bis nach Suriname (nördlich von Brasilien) trieb, um die exotische Flora und Fauna zu studieren und sie durch ihre Kunst zu dokumentieren. Ihr großes Interesse galt dem Wachstum und der Metamorphose von Pflanzen und Insekten. Besucher können in dem ausgelegten  Faksimile-Band „Metamorphosis insectorum Surinamensium, 1719″ durch Merians Großformate blättern und die  bis ins kleinste Detail hinein, wunderbar ausgearbeiteten und aquarellierten Pflanzen- und Insektenstudien neu entdecken.

4. Rollen und Klischees 1800-1900
Impression der  Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024. Foto: Marie Louise Petiet  zeigt  in "Die Wäscherinnen" (1882) typische Frauentätigkeiten der arbeitenden Schichten in der Gründerzeit, Frauen, die arbeiten mussten. © Foto Diether von Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024. Foto: Marie Louise Petiet zeigt in „Die Wäscherinnen“ (1882) typische Frauentätigkeiten der arbeitenden Schichten in der Gründerzeit, Frauen, die arbeiten mussten. © Foto Diether von Goddenthow

Mit Ende des 18. Jahrhunderts änderten sich aufgrund verschiedener Umstände  die Zeiten und damit die  Freiheit von Frauen, sich wie bisher künstlerisch relativ uneingeschränkt entfalten zu können. Die neue Zeit des angehenden 19. Jahrhunderts zeigt sich an ihren Werken, in denen  allmählich  verstärkt Motive aus für Frauen meist  eingeengteren  Lebensumfeldern dominieren. Solche Werke sind im Kapitel 4 der Ausstellung versammelt, unter anderem von: Helene Schjerfbeck und Elin Danielson­Gambogi, Marie-Victoire Lemoine und Mary Cassatt, Marie-Louise Petiet und Elofsa Garnele sowie Annie Louisa Swynnerton.

Einen wesentlichen Anteil für den zeitgeistlichen Wandel hatten  sicher auch Jean-Jacques Rousseaus Schriften zur Aufklärung, die über Europa hinaus  großen Einfluss erlangten, insbesondere auf die Vorstellung von Familie, Geschlechterrollen und Kindererziehung. „Im Fokus der Reformer dieser Zeit“, so Dr. Blöcker, „stand nun die Kernfamilie“. Es galt „zur Sicherung von Zukunft und Fortschritt diese Kernfamilie zu reformieren. Man wollte gesunde Mitglieder der Gesellschaft. Das bedeutete: Frauen hatten keine Amme mehr, sondern sie haben ihre Kinder selbst gestillt“, so Dr. Blöcker. Dies sei vorher – zumindest in der Oberschicht – nicht üblich gewesen. Wer sich eine Amme leisten konnte, hatte nicht selbst gestillt. Für berufstätige Künstlerinnen hieß das beispielsweise, dass sie dann eher in der frühkindlichen Erziehungspause zu Hause blieben. Die frühkindliche Phase hatte Rousseau bis zum 4. Lebensjahr propagiert, ebenso, dass die Erziehung Sache der Frau sei.

Impression der  Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024. Während Monet seine seriellen Landschaften in die Welt brachte hat, brachte die aus reichen US-Bankerverhältnissen stammende Malerin Mary Cassatt  ihre seriellen "Stillenden Mütter" in die Welt, so Dr. Blöcker. .© Foto Diether von Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900“, vom 25.Februar bis 16. Juni 2024. Während Monet seine seriellen Landschaften in die Welt brachte, brachte die aus reichen US-Bankerverhältnissen stammende Malerin Mary Cassatt ihre seriellen „Stillenden Mütter“ in die Welt, so Dr. Blöcker. .© Foto Diether von Goddenthow

Die Frau war seither also „gesellschaftlich stärker fixiert auf das Haus, und wenn man dann für den Künstlerberuf sich entschied, hat man in erster Linie zuhause gearbeitet, und das malerisch geschildert, was einem in diesen engen vier Wänden und vielleicht beim Spaziergang im Park begegnete. Es waren die klassischen Aufgabenfelder und Rollenbilder  meist bürgerlicher Frauen, die im künstlerischen Fokus von Malerinnen wie Marie-Victoire Lemoine und Mary Cassatt standen: Mutterliebe und Hausarbeit bestimmten großflächig die Leinwand.“ analysiert Dr. Blöcker.

Infolge dieser Entwicklungen fanden  Künstlerinnen im 19. Jahrhundert  schwerlich Aufnahme in Akademien, und mussten, wie etwa Helene Schjerfbeck und Elin Danielson­ Gambogi  auf private Kunstschulen wie  Colarossi und Julian in Paris ausweichen.

Obwohl die Verhältnisse, als Künstler zu reüssieren, sich im 19. Jahrhundert verschlechtert hatten, drängten jedoch gleichzeitig auch immer mehr Frauen in den Kunstbetrieb, der erst  gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit den Jahren der Gründerzeit dank neuer, durch ihre Unternehmen oftmals wohlhabend gewordene Auftraggeber (entstehender Industrie- und Geld-Adel) Künstlern neue Chancen bot. Ausnahmekünstlerinnen wie Marie-Louise Petiet und Elofsa Garnele gelang es gar, an den Salon- und Weltausstellungen teilzunehmen.

Annie Louisa Swynnerton, kämpfte für bessere Ausbildungsmöglichkeiten von Künstlerinnen. Ihr Thema waren die "kleinen Leute", die Benachteiligten der Gesellschaft.  "Die Genesende", 1887 © Foto Diether von Goddenthow
Annie Louisa Swynnerton, kämpfte für bessere Ausbildungsmöglichkeiten von Künstlerinnen. Ihr Thema waren die „kleinen Leute“, die Benachteiligten der Gesellschaft. „Die Genesende“, 1887 © Foto Diether von Goddenthow

Solche Erfolge weiblicher Künstler waren aber eher die absolute Ausnahmen. Es bildeten sich Gegenbewegungen. Auch Annie Louisa Swynnerton war Mitglied in der Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien entstandenen Suffragetten-Bewegung. Sie kämpfte für eine bessere Ausbildung von Künstlerinnen. Ihr selbst gelang es dabei sogar, nach 100 Jahren als erstes weibliches Mitglied in die Royal Academy of arts London aufgenommen zu werden.

5. Moderne und Avantgarde 1900-1940

In der 5. Sektion der Ausstellung finden Betrachter Werke von Künstlerinnen, die zeigen, wie sehr sich doch im 20. Jahrhundert die Künste aus ihren engen geschlechtsspezifischen Schranken befreien konnten. Erstmals erscheinen zu dieser Zeit „auch zahlreiche weibliche Namen in den Ausstellungslisten von Museen, Galerien und in den Rezensionen der sich rasch verbreitenden Kunstzeitschriften“, erläutert Dr. Wallner. Die hier mit ihren Arbeiten präsentierten Frauen gehören zu den herausragenden Künstlerinnen ihrer Epoche, darunter Suzanne Valadon, Marfa Blanchard, Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz, Marianne Werefkin, Gabriele Münter, Sophie Taeuber und Sonia Delaunay. Die meisten von ihnen lebten zeitweise in Paris, dem Zentrum der Modernen Kunst. Viele waren aktiv in einflussreichen Künstlervereinigungen.

Suzanne Valadon Marie Coca u ihre Tochter Cilberte. © Foto Diether von Goddenthow
Suzanne Valadon Marie Coca u ihre Tochter Cilberte. © Foto Diether von Goddenthow

Mit Suzanne Valadon sei eine französische Malerin vertreten, „die zunächst als Modell in die Kunstgeschichte Einzug hielt, und die vor allem als uneheliche Tochter einer Wäscherin wirklich nicht die Eingangsvoraussetzungen hatte, die man sich für eine künstlerische Laufbahn auch im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert noch vorstellte, die es aber trotzdem eben  geschafft hat, vom Modell sich selbst als Künstlerin zu ermächtigen“, erzählt  Dr. Wallner. Einer ihrer großen Förderer war Édouard Manet. Das sei etwas, „was sich durchzieht, da wir in aller Regel immer wissen, welche Männer, welche Hände und schützende Worte über die Frauen gehalten haben.“ Valdons Bild „Marie Coca und ihre Töchter Cilberte“ (1913) sei eine eindrucksvolle, fast schon sachliche Darstellung von dieser Mutter mit ihrer Tochter. Dieses Werk ginge beinahe bereits stilistisch „in Richtung neue Sachlichkeit mit diesen maskenhaften Oberflächen und diesem Interieur, das uns entgegenkommt“, so Dr. Wallner.

Viele der hier gezeigten Künstlerinnen fanden wie Sonia Delaunay und Sophie Taeuber zu einer neuen, eher radikal abstrakten Bildsprache. Sie beschäftigten sich auch intensiv mit Mode, wie in Sonia Delaunays „Simultane Gewänder“ (1925), ein Werk, welches auch das Plakat  dieser rundherum gelungenen Ausstellung schmückt. Hierauf zu sehen sind drei Frauen. Diese hat Delaunay in ihrer abstrakten Formensprache ganz flächig und farbkräftig dargestellt und ins Bild gesetzt sind. Es sei „eines der wirklichen Highlights nochmal am Schluss der Ausstellung“, findet die arp-Direktorin ganz zu recht.

(Dokumentation Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Katalog
Der  sehr empfehlenswerte Ausstellungskatalog „Maestras. Malerinnen 1500 – 1900″ (deutsch, 231 Seiten, 42 Euro) enthält neben einem Vorwort von Julia Wallner, Grußworte von Guillermo Solana und Christian Schneider, Texte zu den Ausstellungskapiteln und Exponaten von Astrid von Asten, Susanne Blöcker, Marianne Gechter, Loana Oyeniran, Helene von Saldern, Julia Wallner, Joelle Warmbrunn sowie einen Aufsatz der Forschungsprojektleiterin Rocfo de la Villa.

Ort:
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1 – 53424 Remagen
Tel. +49(0) 22 28 94 25
info@arpmuseum.org
arpmuseum.org

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 -18 Uhr
Dienstags für angemeldete Gruppen ab 9 Uhr

CASPAR DAVID FRIEDRICH Kunst für eine neue Zeit in Hamburger Kunsthalle vom 15. Dezember 2023 bis 1. April 2024

„Die Romantik“, so Rüdiger Safranski, „ist die Fortsetzung der Religion mit ästhetischen Mitteln.“ Romantik sei ein Gegenentwurf zur entzauberten Welt der Säkularisierung, eine Hinwendung von der politischen zur ästhetischen Revolution, jener Phase, die mit Gottfried Herder in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts losgetreten wurde. Wenn auch heutzutage mit Romantik eher sentimentale Gemütszustände von „zu Tode betrübt bis Himmel hoch jauchzend“ assoziiert oder atmosphärische Situationen wie Sonnenuntergänge, Mondschein oder Sehnsuchtsorte verbunden werden, erschöpft sich hierin nicht ihre Bedeutung von Romantik. Der Anspruch der Romantiker ging weit darüber hinaus: Angestrebt wurde eine komplette Transformation der – oftmals als unerträglich empfundenen – Wirklichkeit mit den Mitteln von Poesie und Kunst. Ein hochgestecktes Ziel „der“ Romantisierung der Welt war die Aufhebung von Trennung zwischen Philosophie, Literatur, Naturwissenschaft und Alltagspraxis, eine Rückkehr zur Natur, die Hinwendung zum Unbewussten und Phantastischen, die Entdeckung des Unheimlichen sowie die Hinwendung zu volkstümlichen Mythen und Sagen. Romantik war eine Gegenbewegung zur Aufklärung, nämlich eine Absage an den Primat der Vernunft und die Zurückweisung des rationalen Systemdenkens.

Impresseion der Ausstellung. Besucher betrachten Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" (um 1817) © Foto: Diether von Goddenthow
Impresseion der Ausstellung. Besucher betrachten Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ (um 1817) © Foto: Diether von Goddenthow

In der Kunst vermochte wohl kaum ein anderer Maler als Caspar David Friedrich (1774 Greifswald– 1840 Dresden) der Romantik solch eine prägnante Bildsprache verleihen und den Gegenentwurf zur entzauberten Welt der Säkularisierung visualisieren. Um es mit C.G. Jung zu sagen: Caspar David Friedrichs Werke wirken archetypisch. Seine Bildsprache, ob Blicke in die Weite, auf’s Meer, Nebelschwaden, Dunkel-Wälder, Sonnenuntergänge und ähnliche Motive berühren Menschen seit jeher gleichermaßen. Diese „Archetypen“ spiegeln gleichermaßen die zum sogenannten kollektiven Unbewussten angenommenen dynamischen Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Empfindungswelten. Diese Bildsprache verleiht seinen Werken universelle und zeitlose Attraktivität. So kommt es nicht von ungefähr, dass ausgerechnet in der gegenwärtig krisengeschüttelten Zeit, in der Menschen verstärkt Angst vor dem Verlust ihrer Geborgenheit haben, die Romantik neu entdeckt und gefeiert wird.

So präsentiert die Hamburger Kunsthalle in Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und den  Staatlichen Kunstsammlungen Dresden anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich vom 15. Dezember 2023 bis 1. April 2024 die große Jubiläumsausstellung „CASPAR DAVID FRIEDRICH. Kunst für eine neue Zeit“. Am 13.Dezember wurde die spektakuläre Schau des Jahres in der Galerie der Gegenwart durch ihren Schirmherrn Bundespräsident Frank Walter Steinmeier eröffnet.

© Foto: Diether von Goddenthow
© Foto: Diether von Goddenthow

Seit Freitag, dem 15.Dezember ist die Jubiläumsschau für alle geöffnet: Sie bietet die umfangreichste Werkschau des bedeutenden romantischen Malers seit vielen Jahren. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine thematisch ausgerichtete Retrospektive mit über 60 Gemälden – darunter zahlreiche ikonische Schlüsselwerke – und rund 100 Zeichnungen. Zentrales Thema ist das neuartige Verhältnis von Mensch und Natur in Friedrichs Landschaftsdarstellungen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts setzte er damit wesentliche Impulse, um die Gattung der Landschaft zur »Kunst für eine neue Zeit« zu machen. Ergänzend werden rund 20 ausgewählte Arbeiten von Künstlerfreunden wie Carl Gustav Carus, Johan Christian Dahl, August Heinrich und Georg Friedrich Kersting präsentiert. Ihre Gemälde und Studien knüpfen an Friedrichs Œuvre an, erschließen aber auch neue Blicke auf die Natur. Die anhaltend hohe Faszination, die Friedrichs Werke auslösen, und die besondere Anschlussfähigkeit für Herausforderungen der Gegenwart, zeigt ein zweiter eigenständiger Teil der Ausstellung, der Friedrichs Rezeption in der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist. Gattungs- und medienübergreifend nehmen rund 20 Künstler*innen aus dem In- und Ausland mit ihren Arbeiten – beispielsweise in Form von Videos, Fotografien und raumgreifenden Installationen – die Romantik, ihr Naturverständnis und die Kunst Friedrichs in den Blick. Zu sehen sind Werke unter anderem von Elina Brotherus, Julian Charrière, David Claerbout, Olafur Eliasson, Alex Grein, Hiroyuki Masuyama, Mariele Neudecker, Ulrike Rosenbach, Susan Schuppli, Santeri Tuori und Kehinde Wiley.

Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822. Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie. © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders
Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822. Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie. © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders

Hochkarätige und äußerst seltene Friedrich-Leihgaben wie die Gemälde Kreidefelsen auf Rügen (um 1818–1822), Mönch am Meer (1808–1810) und Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (1819/20) sind in der Ausstellung unter anderem neben den Bildern Wanderer über dem Nebelmeer (um 1817) und Das Eismeer (1823/24) aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle zu erleben. Diese Werke zählen zu den Ikonen der Romantik. Malerisch lotete Friedrich aus, auf welche Weise die Landschaft zu einem zeitgemäßen Thema werden kann, welches Potenzial sich an die Wiedergabe von Natur knüpft und wie sie sich den Betrachter*innen vermitteln lässt. Aber auch dem umfangreichen zeichnerischen Œuvre Friedrichs kommt in der Schau eine besondere Bedeutung zu. Der bewusste Aufenthalt in der freien Natur in künstlerischer Absicht zählt zu den besonderen Merkmalen romantischer Kunstpraxis und war für Friedrich essenziell. Die Ausstellung würdigt seine Zeichnungen in ihrer autonomen Qualität und betrachtet sie nicht nur als Studien von Naturdetails, die sich später in seinen Gemälden wiederfinden. So implizieren die sensiblen Annäherungen Friedrichs an die Natur oftmals eine Reflexion des subjektiven Standpunktes.

Die einzigartige, aus Friedrichs Werken sprechende Stimmung sowie deren einprägsame Motivik und Komposition haben eine Vielzahl von Künstler*innen animiert, mit dem Romantiker in den Dialog zu treten – gerade vor dem Hintergrund aktueller ökologischer Fragen. Das Spannungsverhältnis zwischen fortschreitender Umweltzerstörung und der Sehnsucht nach »unberührter Natur« bildet eine Kontinuität von der Romantik bis heute. Während das romantische Naturverständnis zu Lebzeiten Friedrichs jedoch national geprägt war, nähern sich Künstler*innen Natur und Klimawandel heute aus einer globalen Perspektive. Die Ausstellung zeigt in diesem Sinne auch aktuelle Arbeiten, die sich den Schattenseiten und Leerstellen der Romantik und ihrer Rezeption widmen. Der Kolonialismus und seine Auswirkungen für Mensch und Natur werden dabei ebenso in den Blick genommen wie ein westlich-hegemonialer Naturbegriff und seine Ausprägungen in der Kunst. Insgesamt präsentiert die Ausstellung ein breites Spektrum von konkreten Bildadaptionen bis hin zu deutlich abstrakteren Anknüpfungen an Friedrichs spezifische Arbeitsweise und seine Bildthemen.

Caspar-David- Friedrich-Adaption von Wiley Kehinde The Prelude Ibrahima Ndiaye and El-Hadji Malick Gueye 2021 © Foto: Diether von Goddenthow
Caspar-David- Friedrich-Adaption von Wiley Kehinde The Prelude Ibrahima Ndiaye and El-Hadji Malick Gueye 2021 © Foto: Diether von Goddenthow

Ausgestellt werden unter anderem zwei großformatige Friedrich-Adaptionen des US-amerikanischen Künstlers Kehinde Wiley (*1977), die kritisch den westlichen weiß geprägten Kunstkanon reflektieren. Ein Farbkreis von Olafur Eliasson (*1967) zeigt exakt die Pigmente des Friedrich’schen Gemäldes Das Eismeer, allerdings in einer stark abstrahierten Komposition. Von Ann Böttcher (*1973) sind Zeichnungen zu sehen, die sich dem Motiv des Waldes und nationalistischen Projektionen widmen. Die Fotografien von Elina Brotherus, die sich unter anderem in Anlehnung an Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer selbst ins Bild setzt, eröffnen Fragen zu Gender- und Blickverhältnissen in der Kunst der Romantik. David Claerbouts (*1969) immersive Videoinstallation schließlich ermöglicht den Besucher*innen eine vollständig computergenerierte Naturerfahrung.

Die Schau wird durch ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm und zahlreiche Vermittlungsangebote begleitet. Im Vermittlungsraum KOSMOS CASPAR inmitten der Ausstellung kann man sich an einer digitalen und analogen Zeichenstation sowie an Riech- und Taststationen auf die Spuren von Friedrich als Zeichner begeben und über das eigene Verhältnis zur Natur nachdenken. In der App der Hamburger Kunsthalle stehen mehrere Audiotouren zur Verfügung: eine rund 65-minütige Tour für Erwachsene (Deutsch/ Englisch), eine Tour für Kinder ab 8 Jahren, eine Tour in Leichter Sprache (jeweils Deutsch) sowie Videos in Deutscher Gebärdensprache und Audiodeskriptionen für sehbehinderte/blinde Gäste. Ein breites Angebot an verschiedenen Führungen vor Ort wird ab Februar 2024 ergänzt um die Alternative von digitalen Führungen im 360°-Format (Deutsch/Englisch).

Der Katalog zur Ausstellung (512 Seiten, 350 Abbildungen, Hatje Cantz Verlag – eine englische Ausgabe erscheint voraussichtlich Ende Februar/Anfang März 2024) bietet vielfältige Perspektiven auf Friedrichs Werke und einen spannungsreichen Dialog zwischen romantischer Natursicht und heutigen ökologischen Perspektiven. Die Publikation ist zum Preis von 49 Euro im Museumsshop oder über www.freunde-derkunsthalle.de zum Buchhandelspreis von 54 Euro erhältlich.

CASPAR DAVID FRIEDRICH. Kunst für eine neue Zeit ist das dritte bedeutende Friedrich-Projekt an der Hamburger Kunsthalle nach den legendären Ausstellungen in den Jahren 1974 und 2006.

Die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle bildet den Auftakt zum Caspar David Friedrich-Festival. Anlässlich des Jubiläumsjahres widmen in der Folge auch die Alte Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden dem Künstler eine jeweils thematisch eigenständige Schau. Die drei Häuser verfügen über die bedeutendsten Bestände an Werken Friedrichs weltweit. Mit umfangreichen gegenseitigen Leihgaben ermöglichen sie einzigartige Präsentationen zu unterschiedlichen Aspekten seines Schaffens. Die Jubiläumsausstellungen zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich stehen unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Im Kontext des Festivals entsteht – initiiert von der Hamburger Kunsthalle in Kooperation mit der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – im Rahmen des Projektes Datenraum Kultur das Webportal cdfriedrich.de mit kuratierten multimedialen Angeboten zu Friedrichs Werk. Der Datenraum Kultur soll als eines von mehreren Leuchtturmprojekten der Digitalstrategie der Bundesregierung die digitale Vernetzung von Kultureinrichtungen und den souveränen Austausch kulturbezogener Daten ermöglichen. Das Projekt wird vollständig mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT sind mit dem Aufbau betraut.

  • Die Ausstellung hat verlängerte Öffnungszeiten: Di. bis So. von 10 bis 19 Uhr, Do. bis 21 Uhr.
  • Die Ausstellung hat verlängerte Öffnungszeiten: Di. bis So. von 10 bis 19 Uhr, Do. bis 21 Uhr.
  • Für den Besuch bedarf es eines Zeitfenster-Tickets (online und an bekannten Vorverkaufsstellen).
  • Soweit verfügbar, sind die Tickets auch an der Kasse im Museumsaltbau erhältlich. Das Zeitfenster bezieht
    sich auf die Einlasszeit (die Aufenthaltsdauer ist nicht berührt) und gilt für alle anderen Bereiche des Museums
  • Unter #CDF250 wird die Ausstellung in den Sozialen Medien kommuniziert.
© Foto: Diether von Goddenthow
© Foto: Diether von Goddenthow

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095 Hamburg
www.hamburger-kunsthalle.de

Zum 250. Geburtstag: CASPAR DAVID FRIEDRICH. KUNST FÜR EINE NEUE ZEIT vom 15. Dezember 2023 bis 1. April 2024 in Hamburger Kunsthalle

Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822. Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie. © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders
Caspar David Friedrich (1774–1840) Mondaufgang am Meer, 1822. Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie. © bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders

Anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich (1774–1840) präsentiert die Hamburger Kunsthalle vom 15.Dezember 2023 bis 1. April 2024 die Jubiläumsausstellung „CASPAR DAVID FRIEDRICH. Kunst für eine neue Zeit“.

Sie bietet die umfangreichste Werkschau des bedeutenden romantischen Malers seit vielen Jahren. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine thematisch ausgerichtete Retrospektive mit rund 70 Gemälden – darunter zahlreiche ikonische Schlüsselwerke – und etwa 100 Zeichnungen. Ergänzend werden ausgewählte Arbeiten von Künstlerfreunden wie Carl Gustav Carus, Johan Christian Dahl, August Heinrich und Georg Friedrich Kersting präsentiert. Gattungs- und medienübergreifend nehmen rund 20 zeitgenössische Künstler*innen mit ihren Arbeiten, u.a. in Form von Videos, Fotografien und raumgreifenden Installationen, die Romantik, ihr Naturverständnis und die Kunst Friedrichs in den Blick.

Weitere Infos über: Hamburger Kunsthalle

Grunderneuerter Düsseldorfer Kunstpalast eröffnet am 21.November 2023 mit Kunst vom Rubens bis zur Aldi-Tüte

Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen
Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen

Am 21. November 2023 öffnet der grundsanierte und inhaltlich vollkommen erneuerte Düsseldorfer Kunstpalast  seine Pforten. In der Eröffnungswoche einschließlich des großen Palastfestes am 26.11. ist der Eintritt frei. Der neue Kunstpalast lädt ein zur Erkundung des 5.000 m² umfassenden Sammlungsrundgangs: In 49 Räumen erwarten Kunstinteressenten und die, die es vielleicht immer schon mal werden wollten, ein Erlebnisfeuerwerk von 800 Werken aus elf Jahrhunderten,  vom Rubens bis quasi zur Aldi-Tüte. Sie stammen aus der eigenen umfangreichen Sammlung von zurzeit insgesamt 130 000 Werken.  Die Bandbreite der präsentierten Exponate zeichnet nicht nur einen chronologischen Weg kunstgeschichtlicher  Epochen weltweit auf, sondern verspricht „zwangsläufig“ Highlights für jeden Kunstgeschmack, darunter historische Buddha-Statuen, großformatige Gemälde bis hin zu Möbeln und Alltagsgegenständen verschiedener Epochen, sowie aktuelle Virtual-Reality-Arbeiten.

Kunstpalast aus der Vogelperspektiive mit Ehrenhof und E.ON-Konzernzentrale, 2012 Foto: © Thomas Robbin (Architekturbildarchiv)
Kunstpalast aus der Vogelperspektiive mit Ehrenhof und E.ON-Konzernzentrale, 2012 Foto: © Thomas Robbin (Architekturbildarchiv)

Der Kunstpalast möchte sein Publikum abseits von der Zentrierung auf den Kanon zeitgenössischer Kunst inspirieren und neue, ungewohnte Perspektiven ermöglichen, indem er künstlerische Positionen aus allen Sammlungsbereichen zusammenführt. Ob gemalt oder fotografiert, ob aus Holz oder Plastik, ob aus fernen Ländern oder aus Düsseldorf – alle Objekte sind Zeugnisse ihrer Zeit und erzählen Geschichten.

Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen
Blick in die Sammlung Foto: © Anne Orthen

Neben den Highlights und großen Namen der Sammlung werden in dem chronologischen, 49 Säle umfassenden Rundgang auch weniger bekannte, zum Teil bislang nie ausgestellte Arbeiten sowie einige Neuerwerbungen zu sehen sein. Versteckte, eigens für Kinder eingerichtete Räume laden zudem junge Besucher ein, das Museum für sich zu erobern.

„Mehr denn je soll der neue Kunstpalast ein Ort sein, an dem sich alle Menschen – unabhängig von Alter und kunsthistorischer Vorbildung – wohlfühlen und Neues entdecken können“, beschreibt Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts, seine Vision für das Haus. „Wir freuen uns über Besuchende, die unser Museum noch nie zuvor betreten haben ebenso, wie über diejenigen, die in der Vergangenheit schon oft hier waren und die Sammlung gut kennen“, so Krämer, dem die Niederschwelligkeit seines Hauses eines der größten Anliegen ist.

Kunstpalast-App Foto: © Anne Orthen
Kunstpalast-App Foto: © Anne Orthen

Eine neu entwickelte App wird den Besuch des Hauses zukünftig um eine digitale Dimension erweitern. Nach aktuellen Standards ausgestattete Sammlungsräume, ein offenes Studio der Kulturellen Bildung und ein einladender Innenhof samt gastronomischem Angebot machen den neuen Kunstpalast zu einem Ort, an dem die Besuchenden gerne verweilen und an den sie gerne zurückkehren.

Nach aktuellen Standards ausgestattete Sammlungsräume, ein offenes Studio der Kulturellen Bildung und ein einladender Innenhof samt gastronomischem Angebot machen den neuen Kunstpalast zu einem Ort, an dem die Besuchenden gerne verweilen und an den sie gerne zurückkehren – dem Wohnzimmer der Stadt.

Angesichts der Fülle gezeigter Kunst sollte man am besten gleich zwei Tage zur Erst-Erkundung einzuplanen. Ortsansässigen sei eine Jahreskarte für 100 Euro Basispreis zu empfehlen, mit der  über den Kunstpalast hinaus praktisch alle  Düsseldorfer Museen  beliebig oft  besucht werden können.

Ab dem 21. November 2023 können sich alle Kunstbegeisterten, Kulturinteressierten und Neugierigen selbst ein Bild davon machen und den neuen Kunstpalast – in der ersten Woche bei freiem Eintritt – erkunden.

Kunstpalast-App

Ort:
Kunstpalast,
Ehrenhof 4-5,
40479 Düsseldorf

Eintrittspreis
während er Eröffnungswoche freier Eintritt
Vom 21.11. – 26.11.2023:
kostenloser Eintritt in die Sammlung

Regulär
ab 28.11.2023:
16 €, ermäßigt 12 € (gilt für Sammlung inkl.
Ausstellungen)
Ticketkauf im Online-Shop empfohlen
Kinder unter 18 Jahren: freier Eintritt

Caspar David Friedrich-Webportal »cdfriedrich.de« macht ab sofort Kunst der Romantik online umfassend erlebbar

© Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle

Bislang einzigartige Kooperation zwischen Museen in Hamburg, Berlin und Dresden im Rahmen des Digitalprojektes »Datenraum Kultur« des Bundes

Rund 250 Werke von Caspar David Friedrich (1774–1840) sind ab sofort über das Webportal www.cdfriedrich.de zum bekanntesten Maler der deutschen Romantik zugänglich. Das digitale Angebot bringt die wichtigsten Gemälde und Zeichnungen des Künstlers aus den Sammlungen der Hamburger Kunsthalle, der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zusammen. Weil manche Gemälde zu fragil sind, um sie zu transportieren und die Zeichnungen zu lichtempfindlich sind, um länger ausgestellt zu werden, erlaubt nur das Digitale dieses Gesamterlebnis. Um Friedrichs Kunst näher zu kommen, bietet das Portal verschiedene Formate: Die Chronik ermöglicht einen breiten Überblick, Shortcuts erschließen prägnant Friedrichs Themen aus heutiger Sicht und mit den Digitalen Stories können die User*innen über aktuelle Fragen tief in einzelne Werke einsteigen. Die bislang einzigartige Kooperation zwischen den Museen erfolgt im Rahmen des Digitalprojektes »Datenraum Kultur« als eines von mehreren Leuchtturmprojekten der Digitalstrategie der Bundesregierung. Anlass sind der 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich im Jahr 2024 und die drei damit verbundenen Jubiläumsausstellungen in Hamburg, Berlin und Dresden, die durch »cdfriedrich.de« ergänzt werden. Das Webportal wird während des Jubiläumsjahrs 2024 kontinuierlich weiterentwickelt.

Zeitlich geordnet ermöglicht die Chronik als Herzstück des Webportals einen umfassenden Eindruck vom Schaffen Friedrichs – und lädt gleichzeitig ein, seine Zeit individuell zu entdecken: Wichtige Ereignisse in der Biografie des Künstlers und Informationen zum Zeitgeschehen lassen sich frei ein- und ausblenden, zu hören sind von dem Schauspieler Hanns Zischler gesprochene Zitate Friedrichs. Mehr als 500 Ereignisse, Werke und Aussagen ordnen sich durch die Auswahl vor den Augen der Betrachtenden immer wieder neu an – von der Highlight-Ansicht bis zum komplexen Expert*innen-Modus. Detaillierte Texte zu mehr als 70 Werken geben die Möglichkeit, mehr über einzelne Kunstwerke zu erfahren. Es entsteht ein umfassendes Panorama seines Werks, bereichert um unterschiedliche Blickwinkel von Expert*innen auf seine Kunst.

Einen Einstieg in die Bildwelt Friedrichs bieten im Webportal Shortcuts zu Themen wie Wer bin ich?, Fühlen, was schön ist! oder Best Friends Forever, die augenzwinkernd Friedrichs Welt und Wirken erschließen. Friedrichs Werke sind bekannt und beliebt und doch keine Wohlfühlkunst. Fantastik und Strenge, Trauer und Hoffnung, Subjektivität und Allgemeingültigkeit, Präzision und Offenheit sind in ihnen vereint. Sie liefern keine Antworten, vielmehr öffnen sie Raum für Fragen und ermöglichen ein Anknüpfen auch aus heutigen Lebenswelten.

Das Format der Digitalen Stories geht deshalb noch einen Schritt weiter: Es widmet sich jeweils einem ikonischen Gemälde und entwickelt aus diesem heraus historische wie aktuelle Fragen und Thesen. Dabei erlauben die Stories, in Details und Hintergründe der Kunstwerke einzutauchen. Informativ und spielerisch startet das Format mit dem Werk Wanderer über dem Nebelmeer, das um 1817 entstanden ist. Eine Vorzeichnung zu diesem Gemälde lässt sich mit einem Schieberegler über das Gemälde legen, Friedrich persönlich nimmt uns mit auf eine seiner Reisen, und eine Umfrage bringt ans Licht, was das Publikum heute auf seinen Reisen sucht.

Im Jubiläumsjahr 2024 wird die Chronik, die sich auf die Lebenszeit Friedrichs von 1774 bis 1840 konzentriert, um die Rezeption seiner Kunst in den Jahrzehnten und Jahrhunderten nach seinem Tod erweitert. Im Verlauf der Vorbereitungen zu den drei Ausstellungen werden weitere Inhalte der Kooperationspartner*innen in Hamburg, Berlin und Dresden dazukommen, beispielsweise Texte oder Audiodateien zu Hauptwerken Friedrichs, weitere Digitale Stories, sowie perspektivisch auch zusätzliche multimediale Inhalte, von der Gigapixel-Aufnahme bis zur kunsttechnologischen Visualisierung.

© Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle

Datenraum Kultur
Das Webportal zum 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs ist ein Anwendungsfall im Bereich Smarte Museumsdienste im Rahmen des Digitalprojekts »Datenraum Kultur«. Der »Datenraum Kultur« ist ein gemeinsames Infrastruktur-Projekt von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT sowie weiteren anwendungsfallbezogenen Partner*innen. Der »Datenraum Kultur« ist eines von 18 Leuchtturmprojekten der Digitalstrategie der Bundesregierung. Er wird vollständig mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. Er soll die digitale Vernetzung von Kultureinrichtungen und Kreativwirtschaft erleichtern und den souveränen Austausch kulturbezogener Daten ermöglichen. Leitprinzip ist die Wahrung der Souveränität von Dateneigner*innen, Urheber*innen und Dienstanbieter*innen aus den Bereichen Kultur, Medien und Kreativwirtschaft. Der »Datenraum Kultur« soll perspektivisch erleichtern, vergleichbare Angebote wie das Webportal zu Caspar David Friedrich zu erstellen. Im Verlauf der Arbeit am Webportal wurden und werden wichtige Anforderungen und erste Prototypen identifiziert und beschrieben, die als Grundlage dienen, um Prozesse und Standards für den »Datenraum Kultur« zu entwickeln.

Der Künstler
Am 5. September 1774 wurde Caspar David Friedrich in Greifswald geboren. Von dort aus ging er zum Studium nach Kopenhagen an die Kunstakademie und zog im Anschluss nach Dresden. Den akademischen Traditionen stellte er eigene Inspirationsquellen gegenüber, die er in der Natur fand – zum Beispiel auf seinen Wanderungen in der Umgebung Dresdens. Dort gründete er eine Familie, genoss eine Phase großen Erfolgs und musste dann erleben, wie seine Kunst aus der Mode kam. Mehr als ein halbes Jahr-hundert nach seinem Tod im Jahr 1840 bildete die sogenannte Deutsche Jahrhundertausstellung in Berlin 1906 den Auftakt zu seiner Wiederentdeckung, die ihn als Vorreiter der Moderne feierte. Seine Popularität hält bis heute an und seine Kunst erscheint, auch angesichts des ihr inhärenten Verhältnisses von Mensch und Natur, besonders aktuell.

Projektteam Hamburger Kunsthalle: Christian Auffarth, Petra Bassen, Clara Blomeyer und Dr. Katharina Hoins
In Kooperation mit: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Staatliche Kunstsammlungen Dresden sowie acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

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Weiterführende Links:
https://datenraum-kultur.fit.fraunhofer.de/
https://www.acatech.de/projekt/datenraum-kultur/

Die mit »cdfriedrich.de« verbundenen Jubiläumsausstellungen:
● Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit
15. Dezember 2023 bis 1. April 2024
Hamburger Kunsthalle

● Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften
19. April bis 4. August 2024
Alte Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

● Caspar David Friedrich. Wo alles begann
Kupferstich-Kabinett | 24. August bis 17. November 2024
Albertinum | 24. August 2024 bis 5. Januar 2025
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

KÖNIG LUDWIG I. – SEHNSUCHT PFALZ – Das Historische Museum der Pfalz Speyer zeigt die Lebensleistung des Förderers von Kunst, Kultur und Wirtschaft.

© Historisches Museum der Pfalz Speyer
© Historisches Museum der Pfalz Speyer

Ab dem 17. September 2023 zeigt das Historische Museum der Pfalz eine Ausstellung unter dem Titel „König Ludwig I. – Sehnsucht Pfalz“. Ludwig hinterließ zahlreiche Spuren in den Pfalz : Das „y“ in „Speyer“ und die Villa Ludwigshöhe sind dafür nur zwei Beispiele.

„Die Lebensleistung Ludwigs I. wird bisher stark aus dem Blickwinkel des heutigen Bayern bewertet. Der bayerische König regierte im 19. Jahrhundert aber nicht nur das Land an Main und Donau sondern auch den Rheinkreis, das sogenannte linksrheinische Bayern mit der Hauptstadt Speyer. Ludwig I. selbst sprach mit Blick auf die Rheinpfalz von dem gesegneten Land. Die Villa Ludwigshöhe, der Speyerer Dom, die Stadt Ludwigshafen, die Schreibweise Speyers mit „griechischem Y“, die Namensgebung „Pfalz“ für den vormaligen Rheinkreis oder die Vielzahl der philhellenistischen Bauten: die Hinterlassenschaft Ludwigs I. ist in der Pfalz, ähnlich wie in München und Bayern, mit Hände zu greifen. Kein anderes gekröntes Haupt hat die Identität der Pfalz und der Pfälzer stärker geprägt.“ , erläutert Alexander Schubert Leitender Direktor und Projektleiter.

König Ludwig I. (1786– 1868) ist vor allem als bayerischer Regent in Erinnerung geblieben. Dass er eine tiefe Verbundenheit zur heutigen Pfalz empfand und zahlreiche, bis heute sichtbare Spuren hinterließ, ist weit weniger bekannt. Mit der Ausstellung „König Ludwig I. – Sehnsucht Pfalz“ widmet sich das Historische Museum der Pfalz ab 17. September seinem Leben und Wirken als Förderer von Kunst, Kultur und Wirtschaft. Die Schau setzt die Reihe kulturhistorischer Ausstellungen fort, die die regionale Geschichte der Pfalz in den europäischen Kontext stellt.

Bilck in die Ausstellung. © Historisches Museum der Pfalz Speyer
Bilck in die Ausstellung. © Historisches Museum der Pfalz Speyer

Ludwig Karl August kam am 25. August 1786 in Straßburg zur Welt, das Datum trägt bis heute den Namen „Ludwigstag“. 1868 verstarb er in Nizza. Die Schau begleitet ihn über seine Kindheit, die er in Mannheim und dem nahegelegenem Rohrbach verbrachte über seine Regierungszeit bis zur Abdankung im Schicksalsjahr 1848. Dabei werden auch ganz private Themen wie seine Liebschaft mit der Tänzerin Lola Montez thematisiert.

Bis heute zeugen Kulturdenkmäler wie die klassizistische Villa Ludwigshöhe in Edenkoben von der engen Verbindung, die Ludwig I. zur Pfalz hegte, die seit 1816 zu Bayern gehörte. In Speyer veranlasste der Regent die Ausmalung des Speyerer Doms im Stil der Nazarener. Wenig später beauftragte er die Errichtung des westlichen Querbaus mit den beiden Vordertürmen. Maßgeblich verantwortlich war er darüber hinaus für den Ausbau der Industrie und schuf die erste Ost-West-Verbindung auf Schienen durch die Pfalz. Pioniere wie der Ingenieur Paul Camille Denis arbeiteten für ihn.

Kunstwerke aus dem 18. und 19. Jahrhundert werden in der Ausstellung ergänzt durch Auszüge aus Gedichten, die Ludwig I. schrieb und aus Briefwechseln mit seinen Zeitgenossen.

Multimediale Stationen und Video-Installationen nehmen das Museumspublikum mit auf eine Zeitreise. So treffen die Gäste beispielsweise auf ein überdimensionales, animiertes Buch das in wechselnden Bildern und Texten von den politischen Entwicklungen zu Ludwigs Lebzeiten berichtet. In der „Galerie der Schönheiten“ erfahren die Ausstellungsgäste nicht nur Wissenswertes rund um die beginnende Frauenbewegung, sondern können sich selbst in eines der Gemälde projizieren. Humorvoll und mit einem Augenzwinkern porträtieren Carolin Matzko und der Zeichner Elias Hauck, beide bekannt unter anderem aus der BR-TV-Sendung „Ringlstetter“, in zwei Comic-Videos den Monarchen und seine Geliebte „Lola Montez“. Die Museumsapp bietet zur Ausstellung unter dem Titel „Bayerisches Speyer“ eine Führung auf Ludwigs Spuren rund um den Domplatz. Eine der Stationen zeigt die Bavaria, die sich einst an der Ecke von Domplatz zu Kleiner Pfaffengasse befand.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Herzog Franz von Bayern.  „Es bereitet mir große Freude, dass die Geschichte meiner Familie in diesem Landesteil, dem auch ich mich immer verbunden fühle, so engagiert aufgearbeitet und präsentiert wird. Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass die Ausstellung ,,König Ludwig I. – Sehnsucht Pfalz“ in Speyer stattfindet“, freut sich  der Schirmherr Herzog Franz von Bayern.

Großes Begleitprogramm

Alle Detail-Infos zu Besuch, Öffnungszeiten, Tickets und Veranstaltungen über:
Historisches Museum der Pfalz Speyer
Domplatz 4
67346 Speyer
Tel.: 06232 13 25 0
Fax: 06232 13 25 40
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