Peter Kraus vom Cleff wird neuer Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Peter Kraus vom Cleff (53) wird zum 1. Januar 2022 neuer Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Buchtage Berlin 2019 am 18.06.2019 im Ellington, Berlin   Foto: Monique Wüstenhagen
Peter Kraus vom Cleff (53) wird zum 1. Januar 2022 neuer Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Buchtage Berlin 2019 am 18.06.2019 im Ellington, Berlin Foto: Monique Wüstenhagen

Peter Kraus vom Cleff (53) wird zum 1. Januar 2022 neuer Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er folgt auf Alexander Skipis (66), dessen Vertrag nach über 15-jähriger Tätigkeit endet. Der Vorstand des Börsenvereins hat die Entscheidung für Peter Kraus vom Cleff einstimmig getroffen.

„Wir sind sehr froh, dass wir mit Peter Kraus vom Cleff eine herausragende Führungspersönlichkeit der Buchbranche für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewinnen konnten. Mit ihm wollen wir in herausfordernden Zeiten einerseits Kurs halten und andererseits neue überzeugende Antworten auf die Fragen finden, die sich durch Digitalisierung und die Corona-Krise stellen“, erklärt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins. „Ich bedanke mich bei Alexander Skipis für seinen langjährigen, erfolgreichen Einsatz für den Verband. Er hat großen Anteil daran, dass die Stimme der deutschen Buchbranche national und international gehört wird.“

Peter Kraus vom Cleff zu seiner neuen Aufgabe: „Für mich ist es eine große Ehre, die Nachfolge von Alexander Skipis antreten zu dürfen. Die reiche und erfolgreiche Tradition des Börsenvereins fortzuschreiben und gleichzeitig neue gesellschaftspolitische und technologische Trends aufzugreifen, um das Kulturgut Buch zukunftsfest zu machen, sind große Aufgaben. Eine Agenda, der ich mit Respekt und dem Vertrauen in eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem hochqualifizierten Team des Börsenvereins und seinen vielen ehrenamtlichen Unterstützer*innen freudig entgegensehe.“

Peter Kraus vom Cleff war mehr als 20 Jahre in verschiedenen Häusern der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aktiv, zuletzt führte er seit 2008 als kaufmännischer Geschäftsführer den Rowohlt Verlag. Bevor er in die Buchbranche einstieg, arbeitete der gebürtige Wuppertaler und Diplom-Ökonom fünf Jahre lang im Auslands- und Konzerncontrolling der Mannesmann-Demag AG. 1999 begann er seine Tätigkeit in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, zunächst im Controlling und Projektmanagement im Bereich Publikumsverlage. Seit 2002 war er zusätzlich kaufmännischer Geschäftsführer des Kindler Verlags, von 2004 bis 2008 zudem Geschäftsführer der Hanseatischen Gesellschaft für Verlagsservice mbH. Im Börsenverein ist er seit 2012 stellvertretender Vorsitzender des Verleger-Ausschusses. Seit 2017 engagiert er sich in offizieller Funktion beim europäischen Verlegerverband FEP, 2020 wurde er zu dessen Präsident gewählt. Peter Kraus vom Cleff ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. ist die Interessenvertretung der deutschen Buchbrache gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit. Er wurde 1825 gegründet und vertritt rund 4.500 Buchhandlungen, Verlage, Zwischenbuchhändler und andere Medienunternehmen. Er veranstaltet die Frankfurter Buchmesse, vergibt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Deutschen Buchpreis und den Deutschen Sachbuchpreis, engagiert sich in der Leseförderung und für die Freiheit des Wortes.

Die Metropolitan Opera zu Gast im Hessischen Staatstheater Wiesbaden

logo-maifestspiele21Die New Yorker Metropolitan Opera führt ihre »Met Stars Live in Concert«-Reihe am Hessischen Staatstheater Wiesbaden fort. In dem Livestream-Konzert am Samstag, den 8. Mai 2021 aus dem Foyer des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden präsentieren die Sopranistinnen Christine Goerke und Elza van den Heever, der Tenor Andreas Schager und der Bariton Michael Volle ein besonderes Programm unter dem Motto »Wagnerians in Concert«.

Die Solisten des Abends gehören zu den führenden Wagner-Interpreten. Sie singen nicht nur regelmäßig auf der New Yorker Bühne, sondern auch in Wiesbaden: Andreas Schager übernimmt in den Vorstellungen im Mai die Partie des Siegfried in Wagners »Ring des Nibelungen«. Er war in Wiesbaden u.a. als Tannhäuser und in einem Wagner-Abend zu sehen. Michael Volle gastierte in den Maifestspiel-Specials 2020 mit einem Galaabend und sang die Partie des Hans Sachs in Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«. Christine Goerke und Elza van den Heever debütieren in der »Met Stars Live in Concert«-Reihe am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Neben Arien und Duetten aus Wagners Opern sowie Liedern von Richard Strauss, stehen Wagners Wesendonck-Lieder und die Schlussszene aus Strauss‘ »Die Frau ohne Schatten« auf dem Programm.

Das prächtige Foyer schafft mit der beeindruckenden Deckenmalerei und den stuckverzierten Wänden eine besondere Atmosphäre für dieses Konzert. Der Prunkbau des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden wurde 1894 unter Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. eröffnet und zählt bis heute zu den kulturellen Highlights in der Region.

Das Konzert wird live auf der Website der Met übertragen. Danach ist das Programm für weitere 14 Tage als »Stream on Demand« verfügbar. Die moderierten Konzerte werden mit mehreren Kameras gefilmt, die per Satellit mit einem Regieraum in New York City verbunden sind, wo sich Gary Halvorson, der preisgekrönte Regisseur der Live in HD-Kinoübertragungen der Met, befindet und Regie führt. Tickets für den Livestream sowie die »Streams on Demand« sind für 20 US-Dollar auf der Website der Met unter www.metopera.org erhältlich.

Auch das Hessische Staatstheater Wiesbaden überlegt, wenn es den Spielbetrieb im Mai vor Publikum nicht wieder aufnehmen kann, Teile seines Programms im Stream anzubieten.

Das vorläufige Programm des Konzerts am 8. Mai:

  • »Dich, teure Halle« aus Wagners »Tannhäuser«
  • »Allerseelen«, Op. 10, No. 8 von Richard Strauss
  • »Cäcilie« Op. 27, No. 2 von Richard Strauss
  • »Wie Todesahnung … O du, mein holder Abendstern« aus Wagners »Tannhäuser«
  • »Ein Schwert verhiess mir der Vater« aus Wagners »Die Walküre«
  • Wesendonck Lieder, WWV 91 von Richard Wagner: »Der Engel«, »Stehe still!«, »Im Treibhaus«, »Schmerzen«, »Träume«
  • »Wirst du des Vaters Wahl nicht schelten?« aus Wagners »Der Fliegende Holländer«
  • »Winterstürme wichen dem Wonnemond … Du bist der Lenz« aus Wagners »Die Walküre«
  • »Abendlich strahlt der Sonne Auge« aus Wagners »Das Rheingold«
  • »Nur eine Waffe taugt« aus Wagners »Parsifal«
  • »Euch Lüften … Entweihte Götter!« aus Wagners »Lohengrin«
  • »Nun will ich jubeln« aus R. Strauss’ »Die Frau ohne Schatten«

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films. Vierter Open Frame Award

goeast21_coverNeue Formen, neues Format und eine neue Art des Kinos – den Open Frame Award erleben // VR Headsets to go // Public Distancing in Wiesbaden: Das Autokino und der Ost-Kiosk // blogEast ist zurück

In der vierten Ausgabe des Open Frame Award setzt goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films seine Reise durch neue Formen und Formate entlang klassischer Kinoerfahrungen fort. So innovativ der Wettbewerb experimenteller 360°-Filme und interaktiver Virtual Reality-Projekte ist, bisher war er dem breiten Publikum nur eingeschränkt zugänglich, da die Projekte nur mit speziellen Headsets an festen Ausstellungsorten des Festivals sichtbar wurden. Jetzt haben Georgy Molodtsov, Kurator des Open Frame Awards, und die goEast Festivalmacher:innen zusätzliche Wege geschaffen, die Wettbewerbsprojekte zu erkunden.

Neue Formen, neues Format und eine neue Art des Kinos – den Open Frame Award erleben

So wird es in diesem Jahr dank einer digitalen Ausstellung in frameVR erstmals möglich sein, sich online einen Überblick über die Projekte zu verschaffen sowie erste Eindrücke zu sammeln. Georgy Molodtsov bietet täglich Online-Führungen durch die Ausstellung an, für die keine zusätzliche Hard- oder Software notwendig ist, lediglich ein Internetbrowser. Die Teilnehmer:innen können sich per Chat miteinander austauschen und im Ausstellungsraum miteinander interagieren. Nach einer Registrierung lässt sich sogar das eigene Erscheinungsbild anpassen. Zusätzlich bietet goEast zwischen dem 21. und 25. April jeweils von 18:00 Uhr an geführte Touren von Open Frame Award Künstlern und dem Kurator durch alle virtuellen Spielstätten des Festivals im sozialen Netzwerk VRrOOM. Die Führungen werden auch live auf YouTube übertragen. In Zusammenarbeit mit dem Lichter Filmfest in Frankfurt stellt goEast Virtual Reality Erfahrungen to go zur Verfügung. Im Festivalzentrum im Museum Wiesbaden verleiht goEast VR Headsets, die mit einer leicht verständlichen Anleitung mit nach Hause genommen werden können. Hierfür ist keine vorherige VR Erfahrung nötig. Darüber hinaus kooperiert goEast mit HTC VIVE’s Viveport und ermöglicht kostenfreien Zugang zu ausgewählten interaktiven Open Frame Award Projekten für jeden, der bereits VR-Hardware sein Eigen nennt. Hierfür schafft HTC VIVE’s Viveport einen eigens dafür vorgesehenen Erlebnisraum, der ab dem 20. April auf viveport.com/goeast2021 abrufbar sein wird. “Im vergangenen Jahr mussten wir neue Ideen entwickeln, wie wir den Open Frame Award selbst bei Ausgangssperren und mit Reisebeschränkungen präsentieren können. Es war so naheliegend wie erfolgreich, experimentelle 360° Filme und interaktive Virtual Reality Projekte auch in virtuellen Welten zu präsentieren”, so Georgy Molodtsov. “In diesem Jahr wollen wir den Wettbewerb zugänglicher machen und den Open Frame Award mit der weltweiten VR Community sowie mittel- und osteuropäischen Künstler:innen verbinden.” Die virtuellen Spielstätten von goEast, darunter die Caligari FilmBühne VR und die goEast VRoof Top Lounge dienen erneut als Treffpunkte für Nominierte des Open Frame Award und Festivalgäste. Die Veranstaltungsorte wurden für die 20. Ausgabe von goEast im vergangenen Jahr von Georgy Molodtsov und dem ehemaligen Open Frame Award Gewinner und VR-Künstler Dennis Semionov in Zusammenarbeit mit dem Social-XR-Kulturhub VRrOOM – einer Broadcast-Plattform für Kunst, Unterhaltung und kulturelle Veranstaltungen, geschaffen. Dieses Jahr werden die Veranstaltungsorte „renoviert“ und mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet. Das Caligari VR wird wieder als Location für eine eher ungewöhnliche Preisverleihung mit Augenzwinkern dienen, bei der alle Teilnehmer:innen mit unterschiedlichen Avataren auftreten können, von exklusiven goEast-Skins bis hin zu Tauben und Hamstern.

Virtuelle Veranstaltungsorte, ein 360°-Theater, einzigartige virtuelle Theateraufführungen, Nominierten-Pitchings und die Open Frame Award Ceremony können über die XR VRrOOm-Welt auf der kostenlosen Plattform VRChat besucht werden. Für das beste Erlebnis werden ein VR-Headset sowie ein PC-System empfohlen, aber das Event ist auch für die meisten Nutzer über den PC zugänglich, wie jedes Videospiel.

Der Open Frame Award wird erneut von der BHF Bank Stiftung und der Adolf und Luisa Haeuser Stiftung für Kunst und Kulturpflege gefördert und mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert.

Eine internationale Jury entscheidet über die Vergabe des Open Frame Award. In diesem Jahr besteht die Jury aus Jimmy Cheng, Director of Content bei Digital Domain in Hongkong, Maria Courtial, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Faber Courtial, einem der führenden VR- und VFX-Studios in Deutschland sowie Michel Reilhac, Studienleiter am Venice Biennale College Cinema and VR sowie Gründer und Co-Kurator von Venice VR.

Public Distancing in Wiesbaden: Das Autokino und der Ost-Kiosk

Auch wenn nahezu alle 92 Filme der diesjährigen Ausgabe von goEast über ein On Demand-Programm abrufbar werden, hat das Festivalteam einen Weg gefunden, kulturelle Veranstaltungen vor Ort anzubieten. Zum Public Distancing gehört ein Autokino auf dem Dern’schen Gelände in Wiesbaden sowie ein Ost-Kiosk.

Das Autokino ist in Deutschland nach dessen Hochphase in den 1970er Jahren sehr in den Hintergrund gerückt. Durch die Pandemie sind Autokinos allerdings als Ort des Filmerlebnisses wieder im Kommen. goEast wird in Zusammenarbeit mit stadtmobil RheinMain vor einem Pop-up-Autokino vorgeparkte Autos anbieten. So müssen die Besucher:innen nicht ihr eigenes Fahrzeug mitbringen und können sich einfach zurücklehnen. Drei mittel- und osteuropäische Filmabende lassen sich so in gründlich desinfizierten Autos genießen. Das goEast Autokino wird folgende Filme zeigen:

YELLOW CAT (Kasachstan/Frankreich, 2020) am 21. April um 20:00 Uhr

SPACE DOGS (Österreich/Deutschland, 2019) am 22. April um 20:00 Uhr

HERE WE MOVE, HERE WE GROOVE (Niederlande, 2020) am 23. April um 20:00 Uhr

Vor einem Besuch im Autokino und nach jeder On Demand-Vorführung zu Hause sollte ein Besuch im goEast Ost-Kiosk nicht fehlen. Beim vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain geförderten Paneuropäischen Picknick wird der goEast Ost-Kiosk auch unter Pandemie-Bedingungen zu einem Treffpunkt. Festivalbesucher:innen können mit Abstand zusammenkommen und sich über das Festivalprogramm austauschen. Darüber hinaus bietet der Kiosk Kaffeespezialitäten, Snacks zum Mitnehmen und vielleicht sogar Cocktail-Specials to go, die von Russian Standard vorgemixt werden. Zusätzlich beschallt ein Kiosk-Radio die vorbeikommenden Spaziergänger:innen mit mittel- und osteuropäischen Klangeindrücken. So wird der Ost-Kiosk zu einem Kaleidoskop mittel- und osteuropäischer Begegnungen, einem Ziel, dem sich goEast seit jeher als Brückenbauer zwischen Ost und West verschrieben hat.

blogEast ist zurück

blogEast kehrt als Treffpunkt für an mittel- und osteuropäischer (Film-)Kultur Interessierte zurück. Der Blog wurde ursprünglich während der ersten Corona-Welle als solidarisches Sprachrohr für Kreative aus ganz Europa ins Leben gerufen. Im Vorfeld und während des Festivals werden Blogbeiträge veröffentlicht, die sowohl filmische als auch politische und gesellschaftliche Facetten der aktuellen Situation beleuchten, aber auch eine Möglichkeit bieten, sich einmal von der allgegenwärtigen Diskussion über Infektionszahlen und Impffortschritte abzulenken. blogEast wird vom goEast-Team redaktionell betreut und begleitet das digitale Festival in Wiesbaden.

blogEast ist unter folgendem Link erreichbar: blogEast

Hier finden Sie das komplette Programm für die 21. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films.

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer sind die HessenFilm und Medien GmbH, die Landeshauptstadt Wiesbaden, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die BHF BANK Stiftung, die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, Renovabis und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Medienpartner sind u.a. 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden – Verschiebung Vorverkaufsstart für die Vorstellungen im Mai

logo-maifestspiele21Der Vorverkaufsstart für die Vorstellungen im Mai, der für den 14. April 2021 geplant war, muss pandemiebedingt leider verschoben werden.

Die Festsetzung des Vorverkaufstermins ist von den kommenden politischen Entscheidungen auf Bundesebene abhängig und kann daher erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Ersatzprogramm

Kartenverkauf

Deutscher Sachbuchpreis 2021: Jury nominiert acht Sachbücher

Die nominierten Titel des Deutschen Sachbuchpreises 2021 © vntr-media
Die nominierten Titel des Deutschen Sachbuchpreises 2021 © vntr-media

Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2021 hat acht Sachbücher für die Auszeichnung ausgewählt. Seit Ausschreibungsbeginn haben die sieben Jurymitglieder 240 Titel gesichtet, die seit Mai 2020 erschienen sind.

Jurysprecherin Dr. Kia Vahland, Süddeutsche Zeitung:
„Die Bücher dieser Auswahl variieren im Stil, den Themen, dem Umfang und den Methoden. Alle aber erforschen die Welt auf sehr eigene Weise und gehen den Dingen auf den Grund. Ihre Verfasser*innen wollen erst verstehen, bevor sie erklären; sie meiden eingetretene Pfade, stellen sich der Geschichte und immer auch der Gegenwart. Ihr Blick ist schonungslos, auf andere und sich selbst. Sie bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen und Kenntnisse mit – und begnügen sich nicht mit diesen, sondern erkunden beim Schreiben Neuland. Der Zweifel, die Neugier und eine Portion Hartnäckigkeit treiben sie um und an. Sie suchen Erkenntnis statt Bekenntnis und stellen Fragen, die größer sind als ihre jeweiligen Sujets. So inspirieren sie eine breite, wissbegierige Leserschaft.“

Die nominierten Titel (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Heike Behrend, Menschwerdung eines Affen (Matthes & Seitz Berlin, Oktober 2020)
  • Asal Dardan, Betrachtungen einer Barbarin (Hoffmann und Campe, Februar 2021)
  • Jürgen Kaube, Hegels Welt (Rowohlt Berlin, August 2020)
  • Andreas Kossert, Flucht – Eine Menschheitsgeschichte. Von der Aufklärung bis heute (Siedler, Oktober 2020)
  • Daniel Leese, Maos langer Schatten. Chinas Umgang mit der Vergangenheit (C.H.Beck, Oktober 2020)
  • Michael Maar, Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur (Rowohlt, Oktober 2020)
  • Christoph Möllers, Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik (Suhrkamp, September 2020)
  • Mai Thi Nguyen-Kim, Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit (Droemer Knaur, März 2021)

Der Jury gehören neben Kia Vahland an: Dr. Klaus Kowalke (Buchhandlung Lessing & Kompanie), Tania Martini (die tageszeitung), Dr. Jeanne Rubner (Bayerischer Rundfunk), Denis Scheck (ARD), Hilal Sezgin (freie Autorin) und Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (Wissenschaftskolleg zu Berlin).

Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verleiht den mit insgesamt 42.500 Euro dotierten Deutschen Sachbuchpreis in diesem Jahr erstmalig. Ausgezeichnet wird ein herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt.

Aus den acht nominierten Titeln kürt die Jury das Sachbuch des Jahres, das am 14. Juni 2021 in Berlin verkündet wird. Der oder die Preisträger*in erhält 25.000 Euro, die sieben Nominierten erhalten je 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet im Humboldt Forum im Berliner Schloss statt.

Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2021. (v.l.n.r.) Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Dr. Kia Vahland, Dr. Jeanne Rubner, Denis Scheck, Dr. Klaus Kowalke, Hilal Sezgin, Tania Martini Foto: Monique Wüstenhagen
Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2021. (v.l.n.r.) Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, Dr. Kia Vahland, Dr. Jeanne Rubner, Denis Scheck, Dr. Klaus Kowalke, Hilal Sezgin, Tania Martini Foto: Monique Wüstenhagen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist Schirmherrin des Deutschen Sachbuchpreises. Hauptförderer des Preises ist die Deutsche Bank Stiftung, darüber hinaus unterstützt die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss die Auszeichnung. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Sachbuchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Nominierten kennenlernen: Gespräche, Filme und Blogger*innen-Rezensionen Gemeinsam mit seinen Partnern bietet der Deutsche Sachbuchpreis den Nominierten eine Bühne. Lesebegeisterte und Bücherfans können die nominierten Titel und ihre Autor*innen in Gesprächen, Diskussionsrunden, Filmen, in Audiobeiträgen und im Buchhandel kennenlernen. Die Termine sind abrufbar unter: www.deutscher-sachbuchpreis.de/veranstaltungen

Unter dem Hashtag #sachbuchpreisbloggen stellen in den kommenden Wochen acht Buchblogger*innen die nominierten Titel vor. Die Rezensionen werden auf den Social-Media-Kanälen des Deutschen Sachbuchpreises geteilt.

Anträge für „Ins Freie!“ können gestellt werden Kulturpaket II unterstützt Open-Air-Veranstaltungen im Sommer

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Von heute an können Kulturveranstalter Anträge für das Programm „Ins Freie!“ stellen, mit dem das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst für den Sommer den Aufbau neuer und die Erweiterung bestehender Open-Air-Spielstätten sowie pandemie-kompatibler Pop-Up-Spielstätten unterstützt. Das Programm ist ein Bestandteil des zweiten Kulturpakets im Volumen von insgesamt 30 Millionen Euro. Zu diesem gehören außerdem Brückenstipendien für freischaffende Künstlerinnen und Künstler, Liquiditätshilfen für Spielstätten sowie eine Unterstützung für Kulturverbände bei der Beratung zu Corona-Hilfen.

„Die Pandemie lässt kaum Voraussagen für den Kulturbetrieb in Innenräumen zu, etwa in Theatern, Kinos und Konzertsälen. Freilichtveranstaltungen dagegen werden im Sommer mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Einhaltung von Hygieneregeln stattfinden können. Weil der Aufwand für Einrichtung und Bewerbung von Open-Air-Veranstaltungen groß ist, werden wir Veranstalterinnen und Veranstalter mit insgesamt zehn Millionen Euro unterstützen“, erläutert Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Dabei möchten wir die Kooperation verschiedener Veranstalter und Gruppen ermutigen, um einmal aufgebaute Bühnen und Strukturen möglichst gut nutzen zu können. Lassen Sie uns diesen Sommer als eine besondere Zeit wahrnehmen, in der Konkurrenz und Wettbewerb unter Veranstaltenden zurücktreten hinter dem Wunsch, möglichst viel Kunst und Kultur unter freiem Himmel zu ermöglichen. Damit wir alle zusammen einen kulturell reichen und bereichernden Sommer feiern können.“

„Ins Freie!“ hat drei Programmlinien:
Die erste Programlinie richtet sich an geübte Veranstalter mit größeren Projekten. Sie können bis zu 500.000 Euro beantragen. Ein Antrag muss sich dabei nicht zwangsläufig auf einen festen Standort beziehen, sondern kann auch „wandern“ oder an mehreren Orten stattfinden, denn gerade in Städten ist es oft schwer, über längere Zeit an einem Standort zu spielen, ohne in Konflikte mit Anwohnerinnen und Anwohnern zu kommen. Ausdrücklich gewünscht ist die Kooperation verschiedener Veranstalter und Gruppen. So können mehrere Beteiligte gemeinsam eine Spielstätte einrichten, kann ein Veranstalter freien Akteuren Programmslots einräumen oder ein traditionelles Open-Air-Programm sein Angebot erweitern. Ein Gesamtprojekt soll eine Mindestdauer von einem Monat haben und pro Veranstaltungsmonat mindestens 15 Veranstaltungen umfassen. Ein wichtiges Element der Programme sollten Auftritte hessischer Künstlerinnen und Künstler sein.

Die zweite Linie unterstützt kleine, auch semiprofessionelle Veranstalter mit Summen bis zu 40.000 Euro. Den Antrag können auch Kommunen mit bis zu 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern stellen. Auch hier gilt die Idee, dass möglichst mehrere Akteure zusammenarbeiten sollten. Hier gilt eine Mindestzahl von zehn Veranstaltungen pro Monat. Für die ersten beiden Linien konnte die erfahrene Agentur Diehl+Ritter als Kooperationspartnerin gewonnen werden, über die nun die Antragstellung und Beratung läuft.

Die dritte Förderlinie wird über das Film- und Kinobüro Hessen ausgegeben und richtet sich an Open-Air-Kinos. Hier können entweder Kinos selbst initiativ werden oder freie Veranstalter einen Antrag stellen, wobei in der Regel Kinos als Mitveranstalter beteiligt werden müssen. Die Planungen für das diesjährige SommerWanderKino Hessen beginnen nach Ostern. Kinos, Kommunen und andere Interessierte können sich an das Film- und Kinobüro Hessen wenden.

Die nötigen Kontaktdaten für die Antragstellung und die Beratung finden Sie unter kunst.hessen.de/kulturpaket2

Absage an Gendersprache durch den Rat für Deutsche Rechtschreibung

Nachdem bereits die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. am 13. August 2020 mitteilte, dass das „Gendersternchen und Co. mit deutscher Rechtschreibung nicht konform“ sei, hat nunmehr auch der Rat für deutsche Rechtschreibung in seiner Sitzung am 26.03.2021 seine Auffassung bekräftigt, dass das Ansinnen, allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnen zu wollen, „nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen der Rechtschreibung gelöst werden kann“. So gelte das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung „für Schulen sowie für Verwaltung und Rechtspflege.“ Der Rat habe vor diesem Hintergrund die Aufnahme von Asterisk („Gender-Stern“), Unterstrich („Gender-Gap“), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen. Er bekräftige seine bereits am 16.11.2018 beschlossenen Kriterien geschlechtersensibler Schreibung: Demnach sollen „geschlechtergerechte Texte

  • sachlich korrekt sein,
  • verständlich und lesbar sein,
  •  vorlesbar sein (mit Blick auf die Altersentwicklung der Bevölkerung und die Tendenz
    in den Medien, Texte in vorlesbarer Form zur Verfügung zu stellen),
  • Rechtssicherheit und Eindeutigkeit gewährleisten,
  • übertragbar sein im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen (Schweiz, Bozen-Südtirol, Ostbelgien; aber für regionale Amts- und Minderheitensprachen auch Österreich und Deutschland),
  • für die Lesenden bzw. Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen.
  • Außerdem betont der Rat, dass geschlechtergerechte Schreibung nicht das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache erschweren darf (Lernbarkeit).“

Die geschriebene deutsche Sprache ist nicht nur von Schülerinnen und Schülern zu lernen, die noch schriftsprachliche Kompetenzen erwerben und deren Leistungen nach international vergleichenden Studien immer wieder Gegenstand öffentlicher und vor allem bildungspolitischer Diskussionen sind. Rücksicht zu nehmen ist auch auf die mehr als 12 Prozent aller Erwachsenen mit geringer Literalität, die nicht in der Lage sind, auch nur einfache Texte zu lesen und zu schreiben. Auch Menschen, die innerhalb oder außerhalb des deutschsprachigen Raums Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache erlernen, sollte der Sprach- und Schrifterwerb nicht erschwert werden.

Diese Kriterien geschlechtersensibler Schreibung werden von den in den letzten Jahren in manchen Bereichen, vor allem Kommunen und Hochschulen, verfügten Vorgaben zur geschlechtergerechten Schreibung nicht erfüllt. Das gilt vor allem für die Nutzung von Asterisk, Unterstrich, Doppelpunkt und anderen verkürzten Zeichen, die innerhalb von Wörtern eine „geschlechtergerechte Bedeutung“ zur Kennzeichnung verschiedener Geschlechtsidentitäten signalisieren sollen. Diese Zeichen haben zudem in der geschriebenen Sprache auch andere Bedeutungen, z. B. als Satzzeichen oder typografische Zeichen oder informatik- und kommunikationstechnische Zeichen. Ihre Nutzung innerhalb von Wörtern beeinträchtigt daher die Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und automatische Übersetzbarkeit sowie vielfach auch die Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten. Deshalb können diese Zeichen zum jetzigen Zeitpunkt nicht in das Amtliche Regelwerk aufgenommen werden.

Für den Hochschulbereich erscheint fraglich, ob die Forderung einer „gegenderten Schreibung“ in systematischer Abweichung vom Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung für schriftliche Leistungen der Studierenden und die Berücksichtigung „gegenderter Schreibung“ bei deren Bewertung durch Lehrende von der Wissenschaftsfreiheit der Lehrenden und der Hochschulen gedeckt ist. Hochschulen und Lehrende haben die Freiheit des Studiums nicht nur bei der Wahl von Lehrveranstaltungen, sondern auch bei der Erarbeitung und Äußerung wissenschaftlicher Meinungen der Studierenden zu beachten und zu schützen.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung wird die weitere Schreibentwicklung beobachten. Er wird dabei insbesondere prüfen, ob und inwieweit verschiedene Zeichen zur Erfüllung der Kriterien geschlechtergerechter oder -sensibler Schreibung geeignet sein könnten. Er betont, dass auch bei der geschlechtergerechten oder -sensiblen Schreibung darauf zu achten ist, die Einheitlichkeit der geschriebenen Sprache im deutschsprachigen Raum zu sichern. Der Bericht der Arbeitsgruppe über die Schreibentwicklung seit 2018, der vom Rat zustimmend zur Kenntnis genommen wurde, ist auf der Website des Rats www.rechtschreibrat.com veröffentlicht.

Hintergrund: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln. Dazu dienen vor allem die ständige Beobachtung de Schreibentwicklung und die Klärung von Zweifelsfällen der Rechtschreibung. Der Rat wird getragen von Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und dem Fürstentum Liechtenstein.

Siehe auch:

Sprachforscher Jürgen Trabant über Gendern und Anglizismen: „Sprache ändert sich ständig“, Stuttgarter Zeitung, 12.03.2021

Gendergerechte Sprache: Ist das * jetzt Deutsch? Spiegel Nr. 10 / 6.03.2021

GLEICHBERECHTIGUNG DANK SPRECHAKT? Emma 24.02.2021

KRIEG DER STERN*INNEN: Müssen wir bald alle gendern, FAZ, 8.2.2021

Das *_Thema  Der Gender-Stern tritt geschlechtergerecht auf – und verbreitet eine hochproblematische Ideologie, VRM echo, Wiesbadener Kurier, Allgemeine Zeitung etc. 6.2.2021

goEast präsentiert das Herzstück des Festivals: Der Wettbewerb mittel- und osteuropäischer Spiel- und Dokumentarfilme

goeast21_coverPartisan:innen, Provinzen und Post-Sozialismus – Der Wettbewerb bei goEast // goEast begrüßt seine Wettbewerbsjury in Wiesbaden

In weniger als einem Monat startet die 21. Ausgabe des von DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstalteten goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films (20. bis 26. April). Die Festivalmacher:innen bieten ihrem Publikum zwar nahezu alle 92 Festivalfilme online an, unterstreichen mit Jury- und Pressevorführungen im Kino aber auch die Bedeutung des Festivals als Branchenevent. Mit dem Herzstück des Festivals, dem Wettbewerb, bietet goEast einem breiten Publikum die Chance, Höhepunkte des aktuellen mittel- und osteuropäischen Films näher kennenzulernen. Eine internationale Jury sowie die Filmkritiker-Jury FIPRESCI vergeben die Preise. Eine besondere Ehre: die mit 10.000 Euro dotierte „Goldene Lilie“ als Hauptpreis des Wettbewerbs von goEast.

Die Filme des Wettbewerbs werden in Zusammenarbeit mit dem VoD-Anbieter filmwerte online zur Verfügung gestellt. Gespräche mit den Filmschaffenden während der Festivalwoche runden das Programm des Wettbewerbs ab. Die aufgezeichneten Filmtalks werden im Anschluss an die jeweiligen Gespräche jeden Tag ab 15:00 Uhr auf der Website von goEast abrufbar sein. Pressevorführungen der Wettbewerbsfilme finden entlang geltender Bestimmungen zum Infektionsschutz der Landesregierung Hessen im Kino des DFF statt.

Partisan:innen, Provinzen und Post-Sozialismus – Der Wettbewerb bei goEast

Die Wettbewerbsbeiträge stammen aus dem gesamten post-sozialistischen Raum Mittel- und Osteuropas, sowie aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, und halten den Zuschauer:innen in Partisanengeschichten, dem Aufeinandertreffen indigener Kulturen und Mehrheitsgesellschaften und dem Kontrast aus Landleben und Großstadt einen Spiegel aktueller Facetten mittel- und osteuropäischer Gesellschaften vor. goEast zeigt diverse Filme mit zahlreichen Deutschlandpremieren auf Augenhöhe miteinander, welche die Vielfältigkeit ihrer Produktionsländer repräsentieren.

Partisan:innengeschichten sind eine wichtige Grundlage im osteuropäischen Gesellschaftskontext und traditionell auch in den Filmkulturen, wo der Partisanefilm ein Genre für sich darstellte. Zeitgenössische Partisan:innengeschichten im Film drücken unter anderem den Widerstand gegenrechte Tendenzen aus. In LANDSCAPES OF RESISTANCE (Serbien, Deutschland, Frankreich 2021) wird eine der ersten Partisaninnen Serbiens auf ihrer gedanklichen Reise in die Vergangenheit begleitet. Die Schilderungen von Marta Popivoda über ihren Widerstand im Konzentrationslager Auschwitz machen dabei deutlich, dass Faschismus auch in der heutigen Zeit noch eine akute Bedrohung darstellt. Ein Widerstandskämpfer war auch der Großvater von Vera Lacková, die sich auf eine persönliche Spurensuche in die Geschichte ihrer Roma-Familie begibt und dabei heutzutage noch auf viel Ablehnung stößt. Als Roma-Regisseurin in Tschechien hat sie ihre Erlebnisse in HOW I BECAME A PARTISAN (Tschechische Republik, Slowakei 2020) filmisch festgehalten. Der Film feiert bei goEast am 22. April seine Weltpremiere, die die Regisseurin mit einem Podcast begleiten wird. Mit dem historischen Partisanendrama IN THE DUSK (Litauen, Frankreich, Tschechische Republik, Serbien, Portugal, Lettland 2020) präsentiert Šarūnas Bartas sein neuestes Werk bei goEast erstmals in Deutschland. In der düsteren Erzählung vom Kampf gegen sowjetische Truppen in Litauen im Jahr 1948 setzt sich der Regisseur kritisch mit dem Mythos der “Waldbrüder” auseinander, was in seinem Heimatland zu heftigen Kontroversen geführt hat.

Eine weitere Reihe von Wettbewerbsbeiträgen stellt das Spannungsfeld zwischen indigenen Kulturen und Mehrheitsgesellschaften dar. Dazu gehört der Dokumentarfilm LIVE OF IVANNA (Russland, Norwegen, Finnland 2021), in dem das Leben in der Stadt dem des seit der Sowjetzeit von Ausgrenzung bedrohten Nomadenlebens indigener Völker in Sibirien gegenübersteht. Machtkämpfe unter Männern in Lappland, und daraus resultierende Konflikte für die Protagonisten zeigen sich in dem unter der Regie von Veiko Õunpuu, einem der bekanntesten Regisseure in ganz Estland, produzierten Nordic Western THE LAST ONES (Estland, Finnland, Niederlande 2020). Eine schwarzhumorige Herangehensweise an die Thematik wählt der preisgekrönte Regisseur und goEast Stammgast Adilkhan Yerzhanov in ULBOLSYN (Kasachstan, Frankreich 2020). Darin geht die gleichnamige Protagonistin Ulbolsyn gegen die Zwangsheirat ihrer jüngeren Schwester vor und stemmt sich so mit aller Macht gegen provinzielle Traditionen, die sich aber selbst gegen ein Militärkommando durchzusetzen scheinen.

Zwischen Hinterland und Großstadtfilm zeigt sich ein besonderer Kontrast im Wettbewerb. Der urbane Raum in Budapest in 35mm-Bildern ist das Setting einer dramatischen Liebesgeschichte in PREPARATIONS TO BE TOGETHER FOR AN UNKNOWN PERIOD OF TIME (Ungarn 2020): Nachdem eine Frau ihre Medizinkarriere in den USA aufgibt und für ihren Geliebten nach Budapest zurückkehrt, leugnet dieser, sie überhaupt zu kennen. Ihre Verzweiflung wandelt sich daraufhin immer mehr zu einer obsessiven Liebe. Familiäre Begegnungen des ländlichen Raums hingegen treten in BILESUVAR (Aserbaidschan, Frankreich 2020) und CHUPACABRA (Russland 2020) hervor. In letzterem versucht ein Junge, seinen familiären Problemen mit der Flucht in eine selbstgeschaffene Fantasiewelt zu entkommen. In vielen ländlich geprägten Regionen ist die fehlende Kommunikationsinfrastruktur weiterhin ein großes Problem. BITTE WARTEN (Österreich 2020) begleitet die unerwarteten Helden Alltags: Kabeltechniker. Der Dokumentarfilm beleuchtet diesen oft unbeachtete Beruf und die Wichtigkeit von Kommunikation, ohne di ein modernes Leben in eher ländlichen geprägten Regionen der Ukraine, Moldawien, Rumänien oder Bulgarien nahezu unmöglich erscheint. Eine Fortsetzung eines schwarzhumorigen Spiels zwischen Film und Wirklichkeit ermöglicht Vitaly Suslin mit PAPIER-MACHE (Russland 2020), in dem der unwahrscheinliche Filmheld und ewige Pechvogel Ivan Lashin in einem Provinzdrama erneut sich selbst spielt und mit vergangenen Darlehensgeschäften klarkommen muss. Statt dem Verschwimmen von Realität und Fiktion widmet sich das realpolitische Drama SHOULD THE WIND DROP (Frankreich, Armenien, Belgien 2020) von Nora Matrirosyan einem Flughafen, der in ein politisches Tauziehen gerät, das schließlich über die Legitimität des nicht anerkannten Staates Bergkarabach/Arzach entscheiden könnte. HOLY FATHER (Rumänien 2020) und die Hommage des Regisseurs Ivan Ramljak an seinen Freund, den Amateurfotograf Marko in ONCE UPON A YOUTH (Kroatien 2020) zeigen schließlich intime dokumentarische Perspektiven auf das eigene Leben des Filmschaffenden.

Ein zusätzliches Kontrastverhältnis, allerdings auf einer visuellen Ebene, eröffnen die Schwarz-Weiß-Filme THIS RAIN WILL NEVER STOP (Ukraine, Deutschland, Lettland, Katar 2020) von Alina Gorlova, der den Donbas-Konflikt auf beeindrückender Weise mit Flüchtlingsproblematik und dem Leben im Exil verbindet, und der Debütfilm von Juja Dobrachkous BEBIA, À MON SEUL DÉSIR (Georgien, Vereinigtes Königreich 2020), der seine junge Protagonistin auf eine atmosphärische Reise in die Vergangenheit schickt.

goEast begrüßt seine Wettbewerbsjury in Wiesbaden

goEast freut sich auch dieses Jahr, international tätige Branchenvertreter:innen in der Wettbewerbsjury begrüßen zu dürfen. Allen voran die Künstlerin und Regisseurin Saodat Ismailova, die sich seit 2020 in diversen Initiativen zeitgenössischer Kunst in Taschkent engagiert und aktiv an zahlreichen Filmprojekten beteiligt ist. Ihr Spielfilm CHILLA sowie einige ihrer experimentelleren Werke, werden im Rahmen des diesjährigen Symposiums gezeigt. Die aus Weißrussland stammende Produzentin und Filmemacherin Volia Chajkouskaya (u.a. THE ROAD MOVIE) ist nicht nur Gründerin ihrer eigenen Produktionsfirma, sondern mit dem Northern Lights in Belarus auch des zweitgrößten Filmfestivals ihres Heimatlandes. Der Dokumentarfilmemacher Thomas Heise ist Mitglied der Europäischen Filmakademie und doziert an mehreren Hochschulen im Bereich Film und Fernsehen. Für seine Dokumentarfilme erhielt er mehrfach Auszeichnungen, unter anderem den Deutschen Dokumentarfilmpreis für HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT (Deutschland 2019). Mit von der Partie ist außerdem die preisgekrönte Schauspielerin, Regisseurin und Roma-Aktivistin Alina Șerban, die 2018 ihr Heimatland Rumänien in Cannes vertrat und 2020 den Deutschen Schauspielpreis für ihren Film GYPSY QUEEN (Deutschland, Österreich 2019) gewann. Filmkritiker Jay Weissberg schreibt seit 2003 für das amerikanische Magazin Variety und verfügt über reichlich Erfahrung als Jurymitglied bei Filmfestivals. Seit 2015 ist er künstlerischer Leiter des Stummfilmfestivals in Pordenone. Die Wettbewerbsjury wird alle Wettbewerbsfilme, soweit es möglich wird, in der Caligari FilmBühne sichten und bewerten.

Auf einen Blick: Programm für die 21. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films.

goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films wird vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum veranstaltet und von zahlreichen Partnern unterstützt. Hauptförderer sind die HessenFilm und Medien GmbH, die Landeshauptstadt Wiesbaden, der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die BHF BANK Stiftung, die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege, Renovabis und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Medienpartner sind u.a. 3sat, Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.