Kategorie-Archiv: Villa Clementine Literaturhaus

20. Wiesbadener Literaturtage erfolgreich im Museum Wiesbaden eröffnet

Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow
Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Bildbetrachtungen ganz besonderer Art eröffnete gestern Abend unter dem Motto „Wiesbadener Heimsuchung“ im Museum Wiesbaden der  preisgekrönte Schriftsteller Frank Witzel gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Alexander Klar, Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts und Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die 20. Wiesbadener Literaturtage. Volker Zimmermann begleitete die Veranstaltung auf seiner Gitarre.

Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts.  Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts. Foto: Diether v. Goddenthow

„Dass wir hier im Museum Wiesbaden sind“, sei kein Zufall, begrüßte Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts das Publikum, welches sich vielleicht fragte, was Bilder mit Literatur zu tun haben. Denn, so die Kulturamtsleiterin weiter: Frank Witzel, der Kurator und Gastgeber der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage, sei Wiesbadener und habe – vor allem in jungen Jahren – viele Stunden seines Lebens in den Ausstellungsräumen dieses Hauses verbracht, wo er zum ersten Mal mit Bildender Kunst in Kontakt kam. Er habe sich für die Literaturtage ein Programm erdacht, das vielfältige Verbindungen zu seiner Heimatstadt wie auch zu dem Museum Wiesbaden knüpfe.

Als Frank Witzel mit der Idee, Bilder, die ihn in der Jugend sehr bewegten, auf den Literaturtagen vorzustellen, zu Dr. Alexander Klar kam,„leuchteten bei uns alle grünen Lichter auf“, so der Museumsdirektor. Der ausschlaggebende Moment war dabei, dass wir einen Audio-Guide machen wollten“, es passte alles zusammen. Im Schriftsteller Witzel hatte das Museum einen ausgezeichneten Autor mit Kunstverstand gefunden, und Witzel konnte sein Projekt als Kurator und Gastgeber der Literaturtage voranbringen, nämlich die für ihn wichtigsten Bildwerke seiner Jugend aus subjektiver Sicht der Öffentlichkeit  vorstellen.

Alexander Klar dankte Frank Witzel herzlich dafür, seinen subjektiven Blick auf das Museum durch einen Audio-Guide erschrieben zu haben. Heraus  kam dabei ein umwerfend origineller, hintergründiger wie pointierter 90minütiger virtueller Rundgang durch eine gekonnt ausgewählte Bilderwelt des Wiesbadener Museums. Vor begeisterten Zuhörern las Frank Witzel 18 seiner Bildinterpretationen, die in ihrer anregenden, informativen und bisweilen humorvollen Art selbst Kunstkenner staunen oder auch schmunzeln ließen.

Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow
Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow

Frank Witzels virtueller Lese-Rundgang durch das Museum Wiesbaden begann mit Wilhelm Trübners Werk „Ökonomiegebäude in Amorbach“ von 1899. Das idyllische Örtchen im Odenwald wurde nicht nur durch seine Abteikirche berühmt, sondern auch legendär durch Wilhelm Adornos Liebe zu diesem Fleckchen Erde. Frank Witzel ließ uns bei dieser Bildbetrachtung nicht nur an seinen subjektiven Eindrücken teilhaben, sondern verschaffte uns auch einen Blick durch Adornos Brille. Adorno, so erfahren wir von ihm, habe den Ort Amorbach verklärt, den Ort, den der Philosoph und Mitbegründer der Frankfurter Schule als kleiner Junge mit seinem Vater, einem Frankfurter Weinhändler, regelmäßig besuchte. Auch später nach der Rückkehr aus dem Exil in den USA habe Adorno seine Ferien im geliebten Hotel Post verbracht. Anderthalb Jahre vor seinem Tod habe Adorno Amorbach zum „einzigen Ort auf diesem fragwürdigen Planeten“ erklärt,“ in dem ich mich im Grunde zuhause fühle!“

Einen starken Bezug, wenn vielleicht nicht ganz so intensiv wie Adorno zu Amorbach, empfand Frank Witzel immer auch zu Eltville, wie er uns beim Blick auf das zweite an diesem Abend an die Wand des Vortragsraums projizierte Bild „Ansicht von Eltville“ (Christian Georg Schütz, 1774) verrät. „Warum“, fragt Witzel, erscheine dieses Städtchen Eltville an sich beinahe unwillkürlich idyllisch und sei von Sentimentalität aufgeladen? Sei Idylle vielleicht das, was man aus der Distanz betrachte von der anderen Rheinseite, hier ausgelöst im gelblichen Abenddunst, der von den Weinbergen langsam nach unten in Richtung Fluss sinke? (…)

Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow
Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow

Um sie als Idylle zu erhalten, suche er unwillkürlich auf dem Bild nach Hinweisen, die diese Harmonie als Schein entlarve: “Zieht die dunkle Wolke in der Mitte des oberen Bildes bereits wieder ab, oder senkt sie sich auf das Städtchen? Liegt der Ort nicht allzu ungeschützt am Wasser? Liegt es daran, dass es für mich als Kind diesen Schatten Eltvilles tatsächlich gab?“, legt Witzel nach.

Ja, Witzels Rhein-Idyll war wohl stets bedroht. Die Schatten von Eltville lagen seiner Meinung nach „hinter dem malerischen Anblick des Rheinufers, hinter sieben Hügeln versteckt, und hieß „Eichberg“. „Dort“, so Witzel augenzwinkernd weiter, “war der unregierbare Wahnsinn untergebracht, und dort drohte auch ich selbst hinzukommen, wenn ich nicht aufpasste, vor allem mich nicht anpasste, oder es mir nicht vorher gelingen sollte, Lehrer oder Eltern durch meinen Eigensinn dorthin zu bringen. Denn die Drohung: ‚Du landest noch auf dem Eichberg‘, klingt mir noch heute in den Ohren“. Ortsunkundigen gibt der Autor den Hinweis, dass auf dem Eichberg die Psychiatrie ist. Bereits 40 Jahre nachdem Schütz seine Ansicht von Eltville im Jahre 1774 gemalt habe, sei das Irrenhaus Eberbach ins Leben gerufen worden, was Witzel ein wenig schmunzelnd zur dialektischen Frage drängt, „ob die Idylle den Wahnsinn bedinge oder diese sich allein auf dessen Ausgrenzung gründe“.

Die nächste Bildstation im virtuellen Museumsrundgang hieß „Schindelfabrik“, 1910 von Marianne von Werefkin gemalt. Diese ließ sich gemeinsam mit Alexej Jawlensky, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky im bayerischen Oberau vom – gleichfalls idyllischen – Dorf und der Landschaft inspirieren.

Das nächste Werk, Ernst Ludwig Kirchners Bild „Seehorn“, setzt Witzel in Beziehung zu den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Auf dem anscheinend harmlosen Wanderweg erblickt er die von naiver Ruhe ins eigene Verderben wandernden Menschlein. Und so weiter, ging es virtuell von „Station zur Station“, bis zum letzten Bild „Die  Wiesbadener Heimsuchung“ aus dem 16. Jahrhundert, welches der erfolgreichen  Auftakt-Veranstaltung zu den  20. Wiesbadener Literaturtagen den Namen gab.
Mit einem Gläschen Sekt und kleinen Leckereien wurde der Abend bei anregenden Gesprächen im Museums-Café fortgesetzt. Es waren durchweg nur positive Kommentare und viel Zustimmung zu hören, wie etwa: „Bei jedem Bild hatte man das Gefühl, munterer zu werden.“ oder „Bei solch interessantem Kunstunterricht, hätte ich früher weniger geschwänzt“  Eine ältere Dame stellte ganz erfreut fest: „Stellen Sie sich vor: heute ist mein Mann, der bei Konzerten immer gleich wegnickt, kein einziges Mal eingeschlafen!“

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Das weitere Programm der 20. Wiesbadener Literaturtage:

Aber auch die weiteren Veranstaltungen der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage versprechen, äußerst spannend zu werden, zumal sie nicht auf Literatur beschränkt, sondern spartenübergreifende Veranstaltungen der Kunst wie Kurzfilm, Musik an den zentralen Orte Wiesbadener Kultur anbieten: im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine, im Kleinen Haus des Staatstheaters, im Thalhaus im Nerotal und in der Filmbühne Caligari.

Montag, 6. November, um 19.30 Uhr – kann man Frank Witzel zusammen mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern im Literaturhaus unter dem Motto „Grund unter Grund“ erleben. Witzel liest im ersten Teil des Abends aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, DLF und taz. Im zweiten Teil verbindet sich Witzels Lyrik mit den Klängen von Uwe Dierksen. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben.

Ein ganz besonderes Gastspiel findet am Dienstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters statt: Zum ersten Mal bringen die Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel das ihnen von Frank Witzel gewidmete Stück „Jule, Julia, Julischka“ zu Gehör. Darin geraten drei Schauspielerinnen auf einer Probebühne derart aneinander, dass bald nicht mehr zu sagen ist, wo ihre Rollen anfangen und ihre Figuren enden. Jule Böwe ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Außerdem kann man sie in vielen Hörspielen und Filmen erleben. Julischka Eichel gehört zum Ensemble im Schauspiel Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit spielt sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Julia Riedler ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkt sie in Film- und Fernsehproduktionen sowie als Sprecherin in Hörspielen mit. Eingerichtet wurde das Stück von Thomas Martin. Er war von 2010 bis 2017 Chefdramaturg und Hausautor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Am Mittwoch, 8. November, um 20 Uhr ist das Trio „Thumbscrew“ um die bekannte amerikanische Gitarristin Mary Halvorson, den Bassisten Michael Formanek und Schlagzeuger Tomas Fujiwara im thalhaus in Wiesbaden zu Gast. Thumbscrew hat zwar keinen Chef oder Leader, doch mit der gefeierten amerikanischen Gitarristin Mary Halvorson einen Star, der in vielen Genres zu Hause ist: Jazz, Neue Musik, Folk, Rock. Die Musik der drei umfasst zahllose Texturen und Strategien, die zu einem offenen, transparenten, intensiven und kurvenreichen Sound führen.

Am Donnerstag, 9. November, kann man mit Frank Witzel und Museumsdirektor Alexander Klar in einem Literaturtage Extra ab 16 Uhr bei einem Rundgang im Museum Wiesbaden der Entstehungsgeschichte und Entwicklung des Projektes „Wiesbadener Heimsuchung“ folgen. Frank Witzel hat für den Mediaguide seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung des Museums in einem literarischen Text festgehalten. Der Guide ist ab 7. November und über die Literaturtage hinaus im Museum erhältlich. Die Teilnehmerzahl für die Führung ist begrenzt.

Am Abend des 9. November findet im Literaturhaus Villa Clementine um 19.30 Uhr eine Lecture-Performance des Philosophen Marcus Steinweg statt. In einem freien Vortrag zeigt er den performativen Akt des Philosophierens. An dem Abend geht es vor allem um die Arbeit der bekannten französischen Schriftstellerin Marguerite Duras. Diese zeige, dass zum Schreiben immer eine gewisse Selbstentmächtigung gehöre, eine Art präziser Wahnsinn.

Am Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr wendet sich Frank Witzel im Gespräch mit dem Historiker Philipp Felsch in der Caligari Filmbühne einem Thema zu, das jedem Wiesbadener, der in den 1960ern hier aufgewachsen ist, noch geläufig sein dürfte: die Entführung Timo Rinnelts. Der Abend findet in Kooperation mit der Caligari FilmBühne statt. Mit dem „Fall Timo Rinnelt“ begann beim Deutschen Fernsehfunk der DDR eine neue Sendereihe: „Kriminalfälle ohne Beispiel“. In den einzelnen Folgen sollten Fälle thematisiert werden, die in Ländern wie der BRD für großes Aufsehen sorgten und Ansatzpunkte lieferten, die kapitalistische Gesellschaft kritisch zu betrachten. An diesem Abend werden die Erstsendung aus dem Jahr 1967 und Ausschnitte aus zwei Sendungen von 1969 gezeigt.

Für Mittwoch, 8. November, 20 Uhr, im thalhaus, Nerotal 18, kostet der Eintritt 15 Euro, ermäßigt 11 Euro plus Gebühr, an der Abendkasse 19 Euro, ermäßigt 15 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Donnerstag, 9. November, 16 Uhr, Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, kostet der Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro plus 3 Euro für die Führung. Karten sind an der Kasse des Museums erhältlich.

Für Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, kostet der Eintritt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse ksotet der Eintritt 13 Euro, ermäßigt 9 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Freitag, 10. November, 19.30 Uhr, Caligari Filmbühne, Marktplatz 9, kostet der Eintritt 8 Euro. Der Kartenvorverkauf findet an der Kinokasse im Caligari täglich 17 bis 20.30 Uhr statt, reservierung-caligari@wiesbaden.de und in der Tourist-Information Wiesbaden (plus VVK-Gebühr), Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930.

Abschlussveranstaltung:
Gerhard Roth zu Gast am 11. November, um 19.30 Uhr zum Abschluss der Wiesbadener Literaturtage im Literaturhaus Villa Clementine :

Zum Abschluss der Literaturtage in Wiesbaden ist der große österreichische Schriftsteller Gerhard Roth am Samstag, 11. November, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, zu Gast. Der Abend umkreist Gerhard Roths Kosmos in Gesprächen, Selbstauskünften und Lesungen. Frank Witzel spricht mit dem Autor und seinem Lektor Jürgen Hosemann vom S. Fischer Verlag. Christian Brückner, Kurator der Wiesbadener Literaturtage 2015, liest aus Roths Büchern. Eine gute Gelegenheit, Gerhard Roth und sein umfangreiches Werk neu zu entdecken.

Gerhard Roth wurde 1942 in Graz geboren und lebt in Wien und der Südsteiermark. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, darunter den 1991 abgeschlossenen siebenbändigen Zyklus „Die Archive des Schweigens“. Anschließend erschienen die Romane des „Orkus“-Zyklus, die literarischen Essays über Wien „Die Stadt“ sowie der Erinnerungsband „Das Alphabet der Zeit“. Zuletzt veröffentlichte Roth „Grundriss eines Rätsels“ und als ersten Band einer geplanten Venedig-Trilogie „Die Irrfahrt des Michael Aldrian“. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, 2016 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis sowie den Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.

Der Eintritt kostet im Vorverkauf zwölf, ermäßigt neun Euro plus Gebühr. An der Abendkasse sind 16, ermäßigt 13 Euro zu zahlen. Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon 069 1340400; Online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Die „Wiesbadener Literaturtage“ werden jährlich veranstaltet vom Kulturamt Wiesbaden und dem Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Sie verstehen sich als spartenübergreifendes Festival und finden mit Begleitveranstaltungen auch in Darmstadt und Frankfurt statt. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung  das Jubiläum ihres 20. jährigen Bestehens.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

20. Wiesbadener Literaturtage starten am 5. Nov. 2017 – spartenübergreifendes Programm

wsbn.littage5.-9.11.17wDas spartenübergreifende Festival Wiesbadener Literaturtage – veranstaltet vom Kulturamt Wiesbaden / Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain – feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum.

Der Auftakt der Literaturtage findet am Sonntag, 5. November, um 18 Uhr im Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, statt. Das Museum ist einer der Orte, die Frank Witzel bereits als Jugendlichen geprägt haben. Besonders die Gemälde von Jawlensky haben einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen. Zum Auftakt der Literaturtage kann sich der Besucher mit Frank Witzel auf einen virtuellen literarischen Rundgang mit dem Titel „Wiesbadener Heimsuchung“ begeben. Dabei offenbart sich sein individueller Zugang zu bildender Kunst, jenseits von kunsthistorischen Bildbetrachtungen. Seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung hat Frank Witzel in einem literarischen Text festgehalten, der auch als Mediaguide in Kooperation mit dem Museum und hr2 produziert worden ist. Musikalisch wird der Auftakt der Literaturtage von dem Gitarrenvirtuosen Volkmar Zimmermann untermalt. Geboren in Wiesbaden, lebt dieser seit langer Zeit in Kopenhagen und gehört zu den besten Interpreten zeitgenössischer Gitarrenmusik.

Am Tag darauf – Montag, 6. November, um 19.30 Uhr – kann man Frank Witzel zusammen mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern im Literaturhaus unter dem Motto „Grund unter Grund“ erleben. Witzel liest im ersten Teil des Abends aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, DLF und taz. Im zweiten Teil verbindet sich Witzels Lyrik mit den Klängen von Uwe Dierksen. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben.

Ein ganz besonderes Gastspiel findet am Dienstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters statt: Zum ersten Mal bringen die Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel das ihnen von Frank Witzel gewidmete Stück „Jule, Julia, Julischka“ zu Gehör. Darin geraten drei Schauspielerinnen auf einer Probebühne derart aneinander, dass bald nicht mehr zu sagen ist, wo ihre Rollen anfangen und ihre Figuren enden. Jule Böwe ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Außerdem kann man sie in vielen Hörspielen und Filmen erleben. Julischka Eichel gehört zum Ensemble im Schauspiel Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit spielt sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Julia Riedler ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkt sie in Film- und Fernsehproduktionen sowie als Sprecherin in Hörspielen mit. Eingerichtet wurde das Stück von Thomas Martin. Er war von 2010 bis 2017 Chefdramaturg und Hausautor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Der Eintritt für den Auftakt frei. Für die Veranstaltung am Montag, 6. November, Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, kostet der Eintritt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse kostet der Eintritt 16 Euro, ermäßigt 13 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für die Veranstaltung am Dienstag, 7. November, im Staatstheater Wiesbaden, Kleines Haus, Christian-Zais-Straße 3, kostet der Eintritt 18 Euro, ermäßigt 12 Euro. Kartenvorverkauf: An der Kasse im Theater oder online unter www.staatstheater-wiesbaden.de; Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Volker Kutscher erhält das Wiesbadener Krimistipendium 2018

Volker Kutscher Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Kutscher Foto: Diether v. Goddenthow

Volker Kutscher wird mit dem Krimistipendium der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Im März 2018 wird der renommierte und bekannte Krimiautor im Rahmen des Stipendiums vier Wochen lang in Wiesbaden leben und arbeiten, einen von seinem Aufenthalt inspirierten Kurzkrimi schreiben und in der Jury des Deutschen Fernsehkrimifestivals mitwirken. Das mit 4.000 Euro dotierte Krimistipendium wird im kommenden Jahr zum zehnten Mal vergeben.

„Volker Kutscher versteht es wie kaum ein anderer Krimiautor, historische Fakten und Literatur auf spannende Weise miteinander zu verbinden“, sagt Kulturdezernent Axel Imholz. In seinen Kriminalromanen beschreibe er auf eindrückliche Weise das Lebensgefühl der späten 20er- und 30er Jahre, einer von Emanzipation, Freiheit, Wirtschaftskrise und politischen Unruhen geprägten Epoche, die in den Nationalsozialismus mündete.

Auch freue er sich, das Krimistipendium an einen Autor vergeben zu können, der selbst Erfahrungen mit der Adaption seiner Bücher in andere Medien gemacht hat. „Im Herbst läuft die Serie ‚Babylon Berlin‘ nach den Romanen von Volker Kutscher und unter der Regie von Tom Tykwer im Fernsehen an. Vor diesem Hintergrund ist es eine besondere Freude, Volker Kutscher in Wiesbaden beim spartenübergreifenden ‚KrimiMärz‘ zu Gast zu haben“, so Imholz.

Volker Kutscher wurde 1962 in Lindlar geboren und wuchs in Wipperfürth auf. Nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft in Wuppertal und Köln arbeitete er unter anderem als Journalist, heute lebt er als freier Autor in Köln. Bekanntheit erlangte Kutscher durch seine Reihe um den Kölner Kriminalkommissar Gereon Rath, deren erster Teil namens „Der nasse Fisch“ 2007 erschien. Die Bücher spielen im Berlin der Weimarer Republik bis in die Anfangsjahre des Dritten Reichs und thematisieren verschiedene Aspekte der damaligen Zeit, von der Vergnügungssucht der 20er Jahre bis hin zu immer gewalttätigeren Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Mit „Lunapark“ ist im November 2016 der sechste Band erschienen, insgesamt sind mindestens acht Bände geplant. Die Reihe wurde 2011 mit dem Berliner Krimipreis Reinickendorfer Krimifuchs und 2012 mit dem Krimi-Blitz von Krimi-Couch.de ausgezeichnet, der zweite Band der Reihe, „Der stumme Tod“, erhielt zudem den Burgdorfer Krimipreis 2010.

20. Wiesbadener Literaturtage vom 5. bis 11. November 2017

wsbn.littage5.-9.11.17wZu einer Tour d’horizon durch das „BRD noir“ der Vorwendezeit wie durch das Museum Wiesbaden lädt Frank Witzel, Autor und Kurator der 20. Wiesbadener Literaturtage ein. Das spartenübergreifende und traditionsreiche Festival findet in seinem Jubiläumsjahr vom 5. bis 16. November in Wiesbaden sowie mit Begleitveranstaltungen in Darmstadt und Frankfurt statt und wird vom Kulturamt Wiesbaden unter Federführung des Literaturhauses Villa Clementine veranstaltet.

Wie es bei einem so vielseitigen Kurator und Künstler wie Frank Witzel nicht anders zu vermuten war, erwartet die Besucherinnen und Besucher zum 20. Jubiläum der Wiesbadener Literaturtage ein ungewöhnliches und spannendes Programm, das verschiedene Künste miteinander wie in einer Collage verbindet. „Als mich im letzten Jahr die Anfrage erreicht hat, die Wiesbadener Literaturtage zu kuratieren, habe ich mit meiner Zusage keinen Moment gezögert“, erläuterte Frank Witzel am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms im Literaturhaus Villa Clementine. „Mich hat es besonders gereizt, Bereiche wie Kunst und Musik – die auch für meine eigene Arbeit wichtig sind – neben der Literatur in die Gestaltung des Festivals miteinbringen zu können“, so Witzel.

Auch Wiesbadens Kulturdezernent Axel Imholz schätzt den Cross-Over-Gedanken: „Auf diese Weise erreichen wir unterschiedliche Interessen und ein breitgefächertes Publikum“. Besonders spannend sei in diesem Jahr, dass Frank Witzel als gebürtiger Wiesbadener nicht nur Brücken zu anderen Künsten schlage, sondern auch zur Wiesbadener Geschichte.

So begibt sich der Kurator des Festivals zum Auftakt an einen Ort, der für ihn eine Art künstlerische Initiation darstellt: Am Sonntag, 5. November, lädt Frank Witzel um 18 Uhr im Museum Wiesbaden zu einem virtuellen literarischen Rundgang mit dem Titel „Wiesbadener Heimsuchung“ ein. Dabei offenbart sich sein individueller Zugang zu bildender Kunst, jenseits von kunsthistorischen Bildbetrachtungen. Ähnlich wie bei Lesern eine erzählte Geschichte innere Bilder entstehen lässt, so löst bei Frank Witzel das assoziative Betrachten von Gemälden literarische Geschichten und Reflektionen aus. Seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung hat Frank Witzel in einem literarischen Text festgehalten. Der literarische und virtuelle Rundgang verspricht dabei ein ganz neues Seherlebnis und ist in Kooperation mit dem Museum und hr2 auch als Audioguide produziert worden. Für Museumsdirektor Dr. Alexander Klar stellt das Projekt die Verwirklichung eines „musée imaginaire“ dar. Am Donnerstag, 9. November, kann man bei Frank Witzels Rundgang mit dem Museumsdirektor Alexander Klar der Entstehungsgeschichte und Entwicklung des Projektes folgen.

Der neue Roman von Frank Witzel „Direkt danach und kurz davor“ steht am Montag, 6. November, im Literaturhaus Villa Clementine auf dem Programm und deckt die Gründungsmythen der BRD auf. Das neue Buch wendet ein ähnliches collagierendes Verfahren an wie sein mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnetes Opus Magnum „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Im zweiten Teil des Abends präsentiert sich Frank Witzel zusammen mit dem Komponisten und Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern als Lyriker und Musiker.

Am Dienstag, 7. November, gastieren die Literaturtage im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters, wenn es heißt: „Jule, Julia, Julischka“. Die drei Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel bringen dort zum ersten Mal Frank Witzels Theaterstück zu Gehör, das er ihnen gewidmet hat.

Am Mittwoch, 8. November, stellt Frank Witzel im Wiesbadener thalhaus die für ihn „innovativste Gitarristin im Bereich improvisierter Musik“ vor: „Thumbscrew“, das Trio um die gefeierte amerikanische Gitarristin Mary Halvorson gehört zur legendären Jazz-Avantgarde der USA.

Der Philosoph Marcus Steinweg verwandelt am Donnerstag, 9. November, das Philosophieren in einen performativen Akt und widmet sich dem Vorgang des Schreibens. Im Mittelpunkt seiner Lecture-Performance wird das Werk der bekannten französischen Schriftstellerin Marguerite Duras stehen.

In ein dunkles Kapitel deutscher und Wiesbadener Geschichte taucht Frank Witzel mit seinem Gesprächspartner Philipp Felsch am Freitag, 10. November, in der Caligari Filmbühne: Am Beispiel eines Films der DDR Sendereihe „Kriminalfälle ohne Beispiel“ aus dem Jahr 1966 spricht er mit Philipp Felsch, Juniorprofessor für Humanwissenschaften aus Berlin, über den Wiesbadener Entführungsfall Timo Rinnelt.

Zum Abschluss der Literaturtage in Wiesbaden ist der große österreichische Schriftsteller Gerhard Roth im Literaturhaus zu Gast, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert. Im Gespräch von Lektor Jürgen Hosemann vom S. Fischer Verlag und Frank Witzel mit dem Autor geht es um das Werk Gerhard Roths. Auszüge liest der bekannte Sprecher Christian Brückner, der selbst im Jahre 2015 Gastgeber der Wiesbadener Literaturtage war.

Dank der großzügigen Förderung dieses Festivals durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain ist es möglich geworden, nicht nur ein umfangreiches Jubiläumsprogramm in Wiesbaden, sondern auch Gastspiele im Rhein-Main-Gebiet zu realisieren: Ein besonderes Augenmerk ist der zeitgenössischen Lyrik bei Gastspielen in Darmstadt und Frankfurt gewidmet. Am 8. November stellt der Lyriker Ulf Stolterfoht in Darmstadt seinen neuen Gedichtband „neu-jerusalem“ und sein Projekt „fachsprachen“ vor und am 16. November findet im Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt ein lyrischer Abend mit Sabine Scho, Sebastian Unger und Levin Westermann statt.

Das ausführliche Programm liegt in Buchhandlungen und Kultureinrichtungen in Wiesbaden, Frankfurt, Mainz und Darmstadt aus und ist online verfügbar unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Der Vorverkauf findet statt: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; Ticketbox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Eingang Friedrichstraße, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket

Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; Karten für den Abend im Kleinen Haus des Staatstheaters gibt es auch an der Kasse im Theater oder online unter www.staatstheater-wiesbaden.de; Karten für den Abend in der Caligari Filmbühne gibt es nur an der Kinokasse im Caligari: täglich 17 bis 20.30 Uhr, reservierung-caligari@wiesbaden.de und in der Tourist-Information (plus VVK-Gebühr).

Literaturhaus Villa Clementine – Veranstaltungen im September 2017 –

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zu Beginn der neuen literarischen Saison sind im Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden zwei der renommiertesten deutschsprachigen Autoren mit ihren neuen Romanen zu Gast: Feridun Zaimoglu und Robert Menasse.
Mit „Evangelio“ hat Zaimoglu einen sprachgewaltigen Roman über Luther und eine Zeit des Glaubens-Umbruchs geschrieben. Robert Menasse wirft in „Die Hauptstadt“ einen Blick auf die zentrale Stadt der europäischen Union – Brüssel.
Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, dessen Gastland in diesem Jahr unser Nachbar Frankreich ist, sind mit Shumona Sinha und Emmanuelle Pirotte zwei in Frankreich bereits gefeierte Autorinnen zu Gast.
Ende September liest der bekannte Schauspieler Thomas Loibl in einer Kooperationsveranstaltung aus dem Werk des großen englischen Schriftstellers Anthony Powell.

Die  Veranstaltungen:

Abend zum 125. Geburtstag des Philosophen Helmuth Plessner
Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Helmuth Plessner, ein bedeutender Philosoph und Soziologe (1892-1985), ist ein Sohn der Stadt Wiesbaden. In Erinnerung an sein Werk und in Würdigung seiner Beiträge zum Verständnis der menschlichen Natur sowie seines Engagements für die zivilisatorischen Werte und die Durchsetzung einer demokratischen Kultur in Deutschland wird am 4. September, Plessners 125. Geburtstag, zum zweiten Mal der „Helmuth Plessner Preis“ vergeben, in diesem Jahr an den Philosophen Peter Sloterdijk.
Anlässlich dieses bedeutenden Ereignisses lädt das Kulturamt zu einem Abend in der Villa Clementine ein, an dem die spannende Biografie des Gelehrten und die Grundzüge seines Denkens von zwei herausragenden Kennern vorgestellt werden. Der bekannte Historiker Prof. Dr. Ulrich Sieg und der Soziologe Prof. Dr. Tilman Allert, der sich vielfach für die Würdigung Plessners im Bewusstsein der Stadt eingesetzt hat, werden in lockerer Atmosphäre dazu vortragen.
Fr 01.09. | 19.30 Uhr
Eintritt frei.
Veranstalter: Kulturamt der Stadt Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literarisch-musikalischer Bachmann-Henze-Abend
Die aus Klagenfurt stammende Ingeborg Bachmann und der in Gütersloh geborene Hans Werner Henze, beide Jahrgang 1926, stehen für charismatische, erfolgshungrige und künstlerisch äußerst einflussreiche Menschen. Das Literaturhaus Villa Clementine veranstaltet zu ihren Ehren einen literarisch-musikalischen Abend. Der Schauspieler Armin Nufer liest aus Werken der aus Klagenfurt stammenden Ingeborg Bachmann sowie aus dem Briefwechsel zwischen ihr und dem zeitweise in Wiesbaden lebenden Hans Werner Henze – Zeugnisse einer lebenslangen Freundschaft. Malte Kühn am Klavier und Sabine Gramenz – Gesang – tragen die „Neapolitanischen Lieder“, die „Lieder von einer Insel“ und Musik aus Henzes Wiesbadener Zeit (1950) sowie den früher italienischen Jahren vor.
Bachmann und Henze lernten sich auf der Herbsttagung der Gruppe 47 im Oktober 1952 auf Burg Berlepsch bei Witzenhausen kennen. Aus dieser ersten Begegnung resultierte eine enge und lebenslange Freundschaft sowie ein ausgeprägtes gegenseitiges Musik- und Literaturverständnis. Beide wollten sich von aktuellen Kunstströmungen nicht einengen lassen, beide waren vom politisch restaurativen Klima in Deutschland und Österreich enttäuscht, beide liebten Italien. Henze zog im Frühjahr 1953 zuerst nach Ischia. Bachmann traf ihn im August in Neapel. Bachmann schrieb Libretti zu Henzes Opern „Der Prinz von Homburg“ und „Der junge Lord“, außerdem die lyrische Neufassung der Ballettpantomime „Der Monolog des Fürsten Myschkin“ (nach „Der Idiot“ von Dostojewski), zu der Henze die Musik kreierte. Henze komponierte auch die Musik zu Bachmanns Hörspiel „Die Zikaden“. 1957 schufen sie gemeinsam die „Nachtstücke und Arien“, 1964 die „Lieder von einer Insel“.
Do 07.09. | 19.30 Uhr
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.
Abendkasse: € 13 / erm. € 9

Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Rita Thies Literaturforum
Das Literaturforum unter der Leitung von Rita Thies ist eine offene Veranstaltung, in der jeweils zwei Bücher aus dem Bereich der aktuellen Literatur und / oder der Literatur des 20. Jahrhunderts diskutiert werden. Nähere Infos zu den Titeln können Sie vor den Veranstaltungen auf Nachfrage unter literaturforum.wiesbaden@online.de erhalten.
Di 12.09. und Di 24.10. | 19.30 Uhr
Eintritt frei
Veranstalter: Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine e.V.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Feridun Zaimoglu liest aus seinen Roman „Evangelio“

Feridun Zaimoglu – bekannt für seine wortgewaltige Sprache – hat sich auf die Spuren Martin Luthers und einer Zeit des Glaubens-Umbruchs begeben. Seit Jahrzehnten hat sich der bekennende Muslim Zaimoglu mit Luther und dem Christentum beschäftigt und für seinen Roman „Evangelio“ eine ganz eigene Kunstsprache entwickelt. Damit kommt er nah ran an Luther, den Reformator und Übersetzer, dessen Sprachgewalt seit jeher fasziniert. Aber es ist nicht nur Luthers Umgang mit Sprache, sondern auch seine dunkle Seite – der Hass auf die Juden, den Papst und die aufständischen Bauern – die im Zentrum des Romans stehen.
Frühjahr 1521 bis 1522: Martin Luther hält sich – unfreiwillig – auf der Wartburg auf. Dort ist er größten Anfechtungen ausgesetzt, vollbringt aber auch sein wichtigstes Werk. In nur zehn Wochen übersetzt er das Neue Testament ins Deutsche. Erzählt wird die Geschichte durch den fiktiven Landsknecht Burkhard, ein ungeratener Kaufmannssohn, der Luther zum Schutz an die Seite gestellt ist. Burkhard selbst ist Katholik und sieht Luthers Wirken mit Sorge und Unverständnis. Trotzdem muss er ihn schützen, als dieser heimlich die Burg verlässt, und ihm beistehen, als ihn Teufelsvisionen quälen.
Feridun Zaimoglu, 1964 im anatolischen Bolu geboren, ist in Deutschland aufgewachsen. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel und schreibt u.a. für Die Zeit und die FAZ. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter zuletzt 2012 den Preis der Literaturhäuser und 2016 den Berliner Literaturpreis. Im Jahr 2015 war er Stadtschreiber von Mainz. Zu seinen Romanen zählen „Leyla“, „Liebesbrand“, „Ruß“, „Isabel“ und „Siebentürmeviertel“.
Mi 13.09. | 19.30 Uhr
Autorenlesung
Moderation: Hubert Spiegel (FAZ)
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 13 / erm. € 9
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse mit Gastland Frankreich:

Shumona Sinha liest aus ihren neuen Roman „Apatride“ 

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse und des Gastlandauftritts von Frankreich ist die in Kalkutta geborene und 2001 nach Paris emigrierte Autorin Shumona Sinha im Literaturhaus zu Gast. Sie hat mit ihrem kontrovers diskutierten Roman „Erschlagt die Armen!“ in Frankreich große Bekanntheit erlangt. Bereits vor der Flüchtlingskrise klagte sie darin das europäische Asylsystem an und verlor daraufhin ihre Arbeit als Dolmetscherin für Asylsuchende bei einer französischen Migrationsbehörde. In ihrem neuen Roman „Staatenlos“ („Apatride“) erzählt sie bildreich und voller Wut anhand des Schicksals dreier Frauen von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien.
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta. Aus Liebe zur französischen Sprache ist sie nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen. Mina dagegen lebt in der ländlichen Region von Kalkutta. Sie ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat noch eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin schwanger, der sie nicht heiraten wird. Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.
Shumona Sinha studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne. „Erschlagt die Armen!“ 2011 (dt. 2015) wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Internationalen Literaturpreis 2016. Ihr Roman „Kalkutta“ (dt. 2016) wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet.
Di 19.09. | 19.30 Uhr
Autorenlesung
Moderation: Christoph Vormweg (Freier Kritiker)
Lesung auf Deutsch: Bettina Römer (Schauspielerin)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.
Abendkasse: € 11 / erm. € 8

Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Robert Menasse liest aus „Die Hauptstadt“
Die Idee Europas wird in heutiger Zeit viel diskutiert und auch der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse hat sich immer wieder zur europäischen Lage geäußert. Der Ort des Geschehens in seinem neuen Roman ist nun Brüssel – die Hauptstadt des europäischen Staatenverbunds. Im Roman „Die Hauptstadt“ erzählt er eine Geschichte, die einen weiten Bogen spannt zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren und beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt.
David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft. Seit 1988 lebt er als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. Von ihm erschienen u.a. die Romane „Die Vertreibung aus der Hölle“ und „Don Juan de La Mancha oder Die Erziehung der Lust“. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter zuletzt den Heinrich-Mann-Preis 2013 und den Max-Frisch-Preis 2014.
Mi 20.09. | 19.30 Uhr
Autorenlesung
Moderation: Ruthard Stäblein (hr2-kultur)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.
Abendkasse: € 11 / erm. € 8

Veranstalter: Literaturhaus in Kooperation mit Pulse of Europe Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Emmanuelle Pirotte liest aus ihrem Debütroman „Heute leben wir“
Eine weitere französischsprachige Autorin, die im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse im Literaturhaus zu Gast ist, ist die belgische Drehbuchautorin Emmanuelle Pirotte. Ihr Debütroman „Heute leben wir“ („Today we live“) wurde in Frankreich bereits vielfach ausgezeichnet und wird gerade verfilmt. Zu dem Roman wurde sie von der Geschichte ihrer Großeltern inspiriert: Diese versteckten im Zweiten Weltkrieg ein jüdisches Kind. Das Mädchen im Roman heißt Renée und ist 6 oder 7 Jahre alt, ganz genau weiß sie es nicht. Ihre Eltern sind von den Nazis getötet worden, sie selbst wird in einem Dorf in den Ardennen versteckt. Bis eines Tages das Unglück geschieht: Zwei als Amerikaner verkleidete deutsche Soldaten bringen sie in den Wald, um sie zu erschießen. Doch der SS-Offizier Matthias ist fasziniert von dem Mädchen mit den dunklen Augen, das so unerschrocken seinem Schicksal entgegenblickt. Ihr mutiger Blick weckt seine fast von Zynismus überdeckte Menschlichkeit und er flüchtet mit ihr in die Wälder.
„Heute leben wir“ erzählt von den letzten Tagen des Krieges, in denen schon längst alles verloren ist und dennoch getötet wird. Der Krieg hat die Menschen verrohen lassen – auch die Alliierten. Doch der Roman zeigt auch, dass Menschlichkeit manchmal dort zu finden ist, wo man sie nicht erwartet. Und er erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.
Emmanuelle Pirotte arbeitet als Drehbuchautorin. „Heute leben wir“ ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrem Mann in einem belgischen Dorf.
Do 21.09. | 19.30 Uhr
Autorenlesung
Moderation: Julia Encke (FAZ)
Lesung auf Deutsch: Bettina Römer (Schauspielerin)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.
Abendkasse: € 11 / erm. € 8

Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Thomas Loibl liest aus Anthony Powells Werk „A Dance to the Music of Time“

Der Film- und Theaterschauspieler Thomas Loibl – unter anderem bekannt aus seiner Rolle in dem Erfolgsfilm „Toni Erdmann“ – liest in einer Veranstaltung der Brougier-Seisser-Cleve-Werhahn-Stiftung, der Anthony Powell Gesellschaft und des Literaturhauses aus dem Werk „A Dance to the Music of Time“ des bekannten englischen Schriftstellers Anthony Powell.
Hintergründe des Romangeschehens und der Entstehungsgeschichte des „Dance …“, dessen inzwischen 8. Band „Die Kunst des Soldaten“ vom Elfenbein Verlag vorgelegt wurde, werden in einem Vortrag von Dr. Theo Langheid erörtert.
Anthony Powell, auch der „englische Proust“ genannt, hat den englischen Gesellschaftsroman des 20. Jahrhunderts geschrieben: In seinem zwölfbändigen Werk „A Dance to the Music of Time“ stellt er uns das Kaleidoskop der englischen Gesellschaft in der Zeit zwischen den 1920ern und 70ern vor. Es ist die Welt um Nicholas Jenkins, den Ich-Erzähler und alter ego des Autors sowie um Kenneth Widmerpool, seit gemeinsamen Eton-Tagen dessen lebenslanger Widerpart.
Thomas Loibl wurde 1969 in Brüggen am Niederrhein geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der Schauspielschule Bochum. Er spielte an verschiedenen Schauspielhäusern, u.a. in München und Stuttgart. Außerdem war er in zahlreichen Film- und Kinoproduktionen zu sehen.
Mi 27.09. | 19.30 Uhr
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 13 / erm. € 9
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine in Kooperation mit der BSCW-Stiftung und der Anthony Powell Gesellschaft
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

KrimiMärz: Volker Kutscher und Horst Eckert vermischen in „Lunapark“ und „Wolfspinne“ Realität und Fiktion rechter Gewalt

(vl.) Moderator Jörg Armbrüster im Gespräch mit den Krimi-Autoren Horst Eckert (Wolfspinne) und Volker Kutscher (Lunapark) auf dem KrimiSofa im Literaturhaus Wiesbaden Villa Clementine am 5.März 2017 anlässlich des 13. Fernsehkrimifestivals und des Wiesbadener KrimiMärzes.  Foto: Diether v. Goddenthow
(vl.) Moderator Jörg Armbrüster im Gespräch mit den Krimi-Autoren Horst Eckert (Wolfspinne) und Volker Kutscher (Lunapark) auf dem KrimiSofa im Literaturhaus Wiesbaden Villa Clementine am 5.März 2017 anlässlich des 13. Fernsehkrimifestivals und des Wiesbadener KrimiMärzes. Foto: Diether v. Goddenthow

Vom Nationalsozialismus der 30er Jahre (Volker Kutscher: Lunapark) bis zum Ende der NSU-Morde am 4. November 2011 (Horst Eckert: Wolfspinne) war der Bogen gespannt bei der Lesung mit anschließender Diskussion anlässlich des Wiesbadener KrimiMärz am 5.03.2017 im Literaturhaus Wiesbaden im Rahmen des 13. Fernsehkrimifestivals.

Dabei ging es  im Kern  um die beiden zentralen Fragen, wie es möglich war, dass in kurzer Zeit aus einer funktionierenden Demokratie wie der Weimarer Republik eine Diktatur werden kann, und zweitens: Welche  Ursachen führen zum gegenwärtigen Erstarken „der Rechten“? Um es vorwegzunehmen: Antworten gab es  an diesem Abend, auch nicht nach Öffnung des Plenums, nicht, obgleich  Moderator Jörg Armbrüster (SWR), gerade frisch vom Koblenzer AfD-Parteitag in die Villa Clementine gekommen, die Diskussion gekonnt versuchte in Gang zu bringen.  Dies tat der Veranstaltung aber keinerlei Abbruch, da die Krimifans ja zur Lesung der beiden bekannten Autoren ins Literaturhaus Wiesbaden gepilgert waren und „krimitechnisch“ nicht enttäuscht wurden.

Lunapark

Volker Kutscher (Lunapark). Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Kutscher (Lunapark). Foto: Diether v. Goddenthow

Volker Kutscher wurde 1962 in Lindlar geboren und ist in Wipperfürth aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wuppertal und Köln. Er arbeitete als Lokalredakteur in Wipperfürth. Seit 2004 lebt Kutscher als freier Autor und Journalist in Köln. Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Bekannt ist er besonders  für seine historischen Krimis. Sein Erstling „Der nasse Fisch“ wird zurzeit zu einer 16teiligen TV-Serie verfilmt.

Volker Kutscher richtet seinen Blick in die Vergangenheit. In seinem neuesten Roman „Lunapark“ beschäftigt er sich mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Nicht nur sein bewährter Ermittler Gereon Rath gerät darin mit den Braunhemden aneinander. Im Berlin des Jahres 1934 schwindet die anfängliche Begeisterung für die Regierung Hitler und die unberechenbare SA verbreitet Angst und Schrecken. Schlägertrupps der SA hetzen Menschen durch Berlin, überfallen Versammlungen und verschleppen  Kommunisten, Juden  und Andersdenkende in ihre Folterkeller. Vor dem Hintergrund dieser angeheizten Gemengelage kollektiven Misstrauens hat es Kommissar Gereon Rath mit einer Mordserie an SA-Männern zu tun.  Eine heikle Situation, da Rath nicht mehr allein ermitteln darf. Es wird eine Sonderkommission eingerichtet und Rath bekommt den Gestapo-Mann und Ex-Kollegen Reinhold Gräf an die Seite gestellt. Für sind die Kommunisten die Schuldigen, während Rath in eine andere Richtung ermittelt. Dabei  entdeckt Verbindungen zum zerschlagenen Ringverein »Nordpiraten«, der seine kriminellen Aktivitäten als SA-Sturm getarnt fortsetzt. Als ein zweiter SA-Mann erschlagen aufgefunden wird, scheint alles auf eine Mordserie zu deuten. Eine Spur führt in den seit Kurzem geschlossenen Lunapark, einstmals Berlins berühmtester Rummel. Und Rath fragt sich, welche Rolle Unterweltboss Johann Marlow, ein Erzfeind der »Nordpiraten«, in diesem Fall spielt. Die politische Lage wird immer brisanter, Raths Frau Charly gerät in SA-Haft, und der Kommissar wird in einen Strudel sich überschlagender Ereignisse gezogen, an deren Ende er sogar einen unmissverständlichen Mordauftrag erhält.
Volker Kutscher gelingt es in all seinen Szenen, die Absurdität der Figuren und des Geschehens immer wieder aufzuspießen, beispielsweise die

Wolfspinne

Horst Eckert (Wolfsspinne), Foto: Diether v. Goddenthow
Horst Eckert (Wolfsspinne),
Foto: Diether v. Goddenthow

Horst Eckert wurde 1959 in Weiden / Oberpfalz geboren. Nach abgebrochenem Studium der Soziologie und Politischen Wissenschaften hielt er sich in Berlin mit Jobs unter anderem als Bierschlepper in einer Diskothek, Fahrstuhlführer bei Hertie und  Redaktionshospitant beim ZDF über Wasser hielt. Der Liebe wegen verschlug ihn das Schicksal vor 30 Jahren nach Düsseldorf, wo er seit 16 Jahren als Fernsehjournalist tätig ist:  Der WDR schickte ihn an den Niederrhein, die Tagesschau durch ganz NRW und der Sender Vox sogar nach Kambodscha und Eritrea. 1995 erschien sein Debüt «Annas Erbe». . In seinem neuesten, im vergangenen Jahr erschienen Roman „Wolfsspinne“ verarbeitet er die NSU-Morde, deren offizielle Selbstmord-Version er infrage stellt. De Eckerts Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih ermittelt darin im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck, deren Spur ins Drogenmilieu führt. Als weitere Morde geschehen, stößt er auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur Aktion Wolfsspinne, die eng mit dem NSU verknüpft ist. Als Vincent herausfindet, dass Handlanger des Drogendealers im Verdacht stehen, Anschläge auf Migranten verübt zu haben, weiß er nicht mehr, auf welcher Seite Ronny steht. Ist es nur Zufall, dass sich ihre Wege kreuzen? Und was passierte 2011 in Eisenach wirklich?

Krimistipendiatin Esmahan Aykol liest zum KrimiMärz-Auftakt im Wiesbadener Literaturhaus

Zum Auftakt des Wiesbadener KrimiMärz stellte sich die neue Krimistipendiatin, Esmahan Aykol (li.) im Literaturhaus Wiesbaden, Villa Clementine vor. Die Marita Hübinger, Redaktionsleiterin "Wissen/ARTE" moderierte durch den Abend. Foto: Diether v. Goddenthow
Zum Auftakt des Wiesbadener KrimiMärz stellt sich die neue Krimistipendiatin, Esmahan Aykol (li.) im Literaturhaus Wiesbaden, Villa Clementine vor. Marita Hübinger, Redaktionsleiterin „Wissen/ARTE“ , moderierte durch den Abend. Foto: Diether v. Goddenthow

 

http://rhein-main.eurokunst.com/category/freiheit-fuer-das-wort/

Wenn das reale Lebensumfeld bedrohlicher wird als das fiktive eines Kriminalromans, ist es vielleicht an der Zeit den Wohnort zu wechseln. Nicht so bei  Esmahan Aykol! Die Deutsch-Türkin, die sich gestern Abend zum Auftakt des KrimiMärzes als neue Wiesbadener Krimistipendiatin im Literaturhaus Villa Clementine der Öffentlichkeit vorstellte und aus ihrem neuen Krimi „Istanbul Tango“ las,  verriet, während der Gezi-Proteste ihre Berliner Wohnung komplett aufgegeben zu haben und ganz nach Istanbul gezogen zu sein.

Die im Jahr 2013 entflammten Proteste rund um den Gezi-Park wären eine Zeitenwende gewesen. Man spräche heute von vor Gezi und nach Gezi. Bei den Gezi-Protesten hätten viele liberale Intellektuelle erst realisiert, wie die Regierung mit Andersdenkenden umginge und seien in die Opposition gegangen, so Esmahan Aykol. „Vor Gezi dachte ich immer: ‚Wir sind so wenige …‘. Dabei geht es vielen so wie mir. Das zu sehen hat unheimlich gut getan, so dass ich sagen konnte: Egal, was jetzt geschieht: Ich fühle mich nach so vielen Jahren in Istanbul endlich wieder zu Hause.“ Und so gab sie ihre Berliner Wohnung, in der sie sich zum Arbeiten zurückzog, auf, auch weil sie mittlerweile auch in ihrer Istanbuler Wohnung arbeiten konnte. 10 bis 12 Stunden täglich. Wer Jura studiert habe, könne auch arbeiten. Danach ginge sie schwimmen. Arbeiten und Schwimmen, das sei momentan ihr Leben, so Esmahan Aykol, die zur Zeit an einem anderen Stoff, an einem politischen Roman arbeitet. Mehr wurde aber nicht verraten.

istanbul-tango.coverDie Frage, ob sie ihren aktuellen Krimi „Istanbul Tango“, der noch 2012, also noch vor Gezi entstand, jetzt anders schreiben würde, verneinte Esmahan Aytol. Sie würde ihn genau  gleich schreiben wie vor Gezi. Natürlich sei darin ihre Hauptfigur, die auf eigene Faust ermittelnde Buchhändlerin Kati Hirschel, auch nicht mehr ganz so begeistert von Istanbul wie früher. Denn Istanbul sei nicht mehr dieselbe Stadt, die sie so sehr liebte.

„Was hält Sie denn noch in Istanbul, in Zeiten wie diesen?“, fragte Moderatorin Marta Hübinger, Redaktionsleiterin „Wissen/ARTE“:„Ich liebe diese  Stadt nach wie vor, ich genieße die Stadt!“  Wie sich das alles in Zukunft entwickelte, stünde allerdings noch in den Sternen, so die Krimiautorin. Auch ihre Eltern, beide Rechtsanwälte,  und eine an Alzheimer erkrankte Tante lebten in der Türkei, um die sie sich kümmern würde. .

Das Leben sei schwer unter diesen Umständen, und es gäbe keine Zeitungen mehr „für die ich schreiben kann. Die existieren nicht mehr!“. Sie schriebe ab und zu ausschließlich für die ausländische Presse. „Es wird immer bedrückender!“, so Esmahan  Aykol.

Auf Marita Hübingers Frage, ob es denn noch Menschen gäbe, die offen dagegen protestieren, verweist die Krimiautorin auf eine wachsende Frauenbewegung in der Türkei: „Es gibt sehr mutige Frauen der immer größer werdenden Frauenbewegung“, die am 8. März  im vergangenen Jahr die größte Protestkundgebung gegen Erdogans Politik organisiert hätten, die es je gab. Esmahan  Aykol räumte ein, dass in diesem Jahr 8 Kundgebungen der türkischen Frauenbewegung in Istanbul und Izmir verboten worden seien. „Aber ich glaube, es wird was geschehen, am 8. März“, so die Krimiautorin. Intellektuelle trauten sich nicht mehr, auf Kundgebungen zu gehen, oder seien, sofern sie nicht verhaftet  wären, ins Ausland geflohen. Ihre Freunde, Journalisten, Schriftsteller, Intellektuelle, seien alle ins Ausland gegangen.

Ob sie denn noch selber protestiere? „Wenn mich etwas sehr interessiert, schon!“. Beispielsweise habe letztes Jahr Erdogan gesagt: „Frauen, die keine Kinder haben, sind halbe Frauen!“ „Am nächsten Tag bin ich zur Demonstration gegangen!“ so Frau Aykol. Die Autorin gehe auch zu den Gerichts-Verhandlungen ihrer inhaftierten Freunde.

Der „Welt“-Kollege Deniz Yücel  sei jetzt der 155. gefangene Journalist in einem türkischen Gefängnis, der von Erdogan festgenommen worden sei, nannte Marita Hübinger die aktuellen Zahlen von Reporter ohne Grenzen. Das sei eine  unglaublich erschreckend große Zahl, wobei Esmahan  Aykol annimmt, dass die „Mehrheit davon kurdische Journalisten“ seien.

Warum nutzte „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sein deutscher Pass nicht? „Wenn man die doppelte Staatsangehörigkeit hat“, so Juristin Esmahan  Aykol,  “ist man in der Türkei Türke und in Deutschland Deutscher!“

„Sie haben einen deutschen Pass? Ist das von Vorteil? Haben sie das bewusst entschieden, ihre türkische Staatsbürgerschaft abzugeben?“, fragt die Moderatorin: „Ja, damals 2005, als ich in Berlin eingebürgert worden sei, gab es solche Probleme mit der Türkei noch nicht. Aber damals dachte ich: der deutsche Pass hat mehr Vorteile! So hab‘ ich mich dafür entschieden. Aber jetzt merke ich: Das war die klügste Entscheidung meines Lebens„, erläutert die Juristin Aykol ihre privilegierte Situation.

„Haben Sie manchmal Angst in Istanbul zu leben?“. „Als Frau hat man Angst, ja!“, gibt Esmahan Aytol unumwunden zu. Sie ginge nicht mehr aus, bliebe abends ganz zuhause. Man treffe sich auch kaum mehr in Lokalen, und wenn, müsse man auf die Nebentische achten, ob dort jemand mithöre. „Man redet nicht viel über gefährliche Geschichten. Und wenn, dann trifft man sich in privaten Wohnungen!“ so Esmahan Aytol.

Obgleich Esmahan Aytol auch keinen Hehl aus ihrer Meinung zum armenischen Völkermord macht, habe sie noch nicht  das Gefühl gehabt,  dass man auch sie mal verhaften könne. „Ich denke, wenn es für mich gefährlich wird, dann werde ich vorfühlen und das Land verlassen. Denn ich denke, dass ich die Zeit dafür haben werde!“, ist Frau Aytol überzeugt. Bei so viel Optimismus der Autorin bleibt bei manchen Besucher doch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend: Denn fühlte sich nicht auch „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel sicher, als er von sich aus zur Polizei ging, um mit den Behörden zu reden und dabei unerwartet in Haft genommen wurde?

Esmahan Aykol beim Signieren ihrer Bücher in der Villa Clementine.  Foto: Diether v. Goddenthow
Esmahan Aykol  signiert  nach der Lesung ihre Bücher. Foto: Diether v. Goddenthow

Die aktuellen Türkeiereignisse überschatten ein wenig den Abend. Die Konzentration auf den eigentlichen Anlass, die Lesung, fällt  manch einem Zuhörer sichtlich schwer.
Schließlich gelingt es Esmahan Aykol aber doch,  die Hauptprotagonistin Kati Hirschel in zwei gelesenen längeren Passagen ihres neuen Kriminalromans  „Istanbul Tango“ aufleben zu lassen. Anschließend signiert die Autorin  ihre Werke.

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Zum Inhalt:
In „Istanbul Tango“ begleitet Kati Hirschel ihren liebeskranken Freund  Fofo zu einer Wahrsagerin – und kriegt gleich selbst eine Weissagung: Eine Leiche tauche bald in ihrer nahen Umgebung auf. Das ist für eine Krimibuchhändlerin und leidenschaftliche Leserin nichts Ungewöhnliches. Doch als sie hört, dass eine Bekannte von ihr in kritischem Zustand auf der Intensivstation liegt, wird Kati klar, dass die Wirklichkeit ihr mehr abverlangt, als mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa zu sitzen: Hier sind ihre detektivischen Fähigkeiten gefragt. Bald findet Kati heraus, dass Nil, bevor sie eingeliefert wurde, an einem Roman arbeitete. Und der ist, obwohl er im fernen Argentinien spielt, gewissen Leuten ein Dorn im Auge.

istanbul-tango.coverEsmahan Aykol
Istanbul Tango
Ein Fall für Kati Hirschel
Paperback 336 Seiten. Zürich 2016
ISBN 978-3-257-30036-9,
€ (D) 16.00 / sFr 21.00* / € (A) 16.50

 

 

 

Esmahan Aykol

Esmahan Aykol, geboren 1970 in Edirne in der Türkei, arbeitete während des Jurastudiums als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Darauf folgte ein Intermezzo als Barkeeperin. Heute konzentriert sie sich aufs Schreiben. Esmahan Aykol, Schöpferin der sympathischen Detektivin  Kati-Hirschel, lebt in Istanbul.

Auszeichnungen:
›Wiesbadener Krimistipendium‹, vier Wochen im März, Autorin schreibt in dieser Zeit an einem von ihrem Wiesbaden-Aufenthalt inspirierten Kurzkrimi und wird in der Jury des Fernsehkrimifestivals mitwirken, 2017

›Stipendium der Franz-Edelmaier-Residenz für Literatur und Menschenrechte‹ der Schweizerischen Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention im August und September 2017 in Meran, 2017

„Wiesbadener KrimiMärz“ – erste Festivalwoche mit Schorlau, Graf und Melo

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

In der ersten Festivalwoche des vierwöchigen „Wiesbadener KrimiMärz“ trifft Literatur auf Musik und Film: Der renommierte Krimiautor Wolfgang Schorlau, 2016 Krimistipendiat der Landeshauptstadt Wiesbaden, tritt am Mittwoch, 8. März, um 19.30 Uhr mit seiner Georg-Dengler-Bluesband in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft, Friedrichstraße 22, auf. Er stellt seinen Wiesbaden-Kurzkrimi vor, spricht über dessen Hintergründe und seinen Aufenthalt in Wiesbaden sowie über das Krimischreiben überhaupt. Dazu spielt die Georg-Dengler-Bluesband, benannt nach seiner bekannten Ermittlerfigur.

Am nächsten Tag, Donnerstag, 9. März, 19.30 Uhr, ist Wolfgang Schorlau zusammen mit dem vielfach ausgezeichneten Regisseur Dominik Graf in einer Veranstaltung in Kooperation mit dem Deutschen FernsehKrimi-Festival im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, zu erleben. Die beiden sprechen in der Festival-Reihe „Auf dem Krimisofa mit …“ über organisiertes Verbrechen. Die Moderation übernimmt Urs Spörri vom Deutschen Filmmuseum.

Am Sonntag, 12. März, wird es um 19.30 Uhr international im Literaturhaus: Die gebürtige Brasilianerin Patrícia Melo liest aus ihrem Thriller „Trügerisches Licht“ und spricht mit ihrer Übersetzerin Barbara Mesquita über brasilianische Korruptionsskandale und deren Konsequenzen für Europa.

Informationen zu den Krimiautorinnen und -autoren der ersten Festivalwoche:

Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den acht Dengler-Krimis „Die blaue Liste“, „Das dunkle Schweigen“, „Fremde Wasser“, „Brennende Kälte“, „Das München-Komplott“, „Die letzte Flucht“, „Am zwölften Tag“ und „Die schützende Hand“ hat er die Romane „Sommer am Bosporus“ und „Rebellen“ veröffentlicht und den Band „Stuttgart 21. Die Argumente“ herausgegeben. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis sowie 2012 und 2014 mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet. 2016 war er Krimistipendiat der Stadt Wiesbaden. Einige seiner Dengler-Krimis wurden bereits verfilmt.

Dominik Graf, geboren 1952, begann 1972 ein Studium der Germanistik und Musikwissenschaft an der Universität München. 1974 wechselte er zur Hochschule für Fernsehen und Film. Seither betätigt er sich als Darsteller, Drehbuchautor und vor allem als Regisseur. Von Beginn an arbeitete er auch für das Fernsehen. 2012 gewann er zum zehnten Mal den Grimme-Preis. Zu seinen Filmen zählen „Der Felsen“, „Der rote Kakadu“, „Die geliebten Schwestern“, zahlreiche Folgen der Reihen „Tatort“ sowie „Polizeiruf 110“. Außerdem stammt von ihm die hochgelobte Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ aus dem Jahr 2010.

Patrícia Melo wurde 1962 in São Paulo geboren. Die Autorin und Dramaturgin schreibt Romane, Hörspiele und Drehbücher. Die „Times“ kürte Patrícia Melo zur „führenden Schriftstellerin des Millenniums“ in Lateinamerika. Zweimal erhielt sie den Deutschen Krimi Preis, außerdem den LiBeraturpreis und den Prix Deux Océans. Patrícia Melo lebt in der Schweiz.

Auf einen Blick:

Wolfgang Schorlau und die „Georg-Dengler-Bluesband“: Mittwoch, 8. März, 19.30 Uhr, Casino-Gesellschaft, Friedrichstraße 22, 65185 Wiesbaden;
Eintritt: 16, ermäßigt 15 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 20, ermäßigt 19 Euro;

Dominik Graf und Wolfgang Schorlau: Donnerstag, 9. März, 19.30 Uhr, Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, 65189 Wiesbaden;
Eintritt: Sechs, ermäßigt fünf Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: Acht, ermäßigt sieben Euro;

Patricia Melo: Sonntag, 12. März, 19.30 Uhr, Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, 65189 Wiesbaden;
Eintritt: Acht, ermäßigt sieben Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: Zwölf, ermäßigt elf Euro;

Kartenvorverkauf für alle Veranstaltungen bei:
Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930;
TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808;
Online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Esmahan Aykol „Istanbul Tango“ – Lesung und Werkstattgespräch zum Auftakt von KrimiMärz und Fernsehkrimiwoche am 3. März 2017

Zum Auftakt des Festivals „Wiesbadener KrimiMärz“ liest die 2017er Krimistipendiatin Esmahan Aykol am Freitag, 3. März 2017, um 20 Uhr aus ihrem Krimi „Istanbul Tango“ und berichtet im Gespräch mit Marita Hübinger vom ZDF über ihre Arbeit als Autorin und Journalistin.

Aykols Roman „Istanbul Tango“ dreht sich um die Modejournalistin und Tangotänzerin Nil, die in Istanbul lebt und in Lebensgefahr schwebt. Ein Fall für Kati Hirschel: Die Buchhändlerin nutzt ihre Krimi-Kenntnisse, um zu recherchieren. Dabei begleitet sie ihren liebeskranken Angestellten Fofo zu einer Wahrsagerin und bekommt gleich selbst eine Weissagung: Bald tauche eine Leiche in ihrer Umgebung auf. Für eine Krimibuchhändlerin nichts Ungewöhnliches. Doch Kati wird klar, dass die Wirklichkeit mehr von ihr verlangt, als mit einem Buch auf dem Sofa zu liegen.

Esmahan Aykol, 1970 in Edirne in der Türkei geboren, begann während ihres Jurastudiums als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender zu arbeiten. Sie lebt heute in Berlin und Istanbul.

Karten zum Preis von acht, ermäßigt sieben Euro, gibt es nur an der Abendkasse.

Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729-930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808 sowie online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

„Wiesbadener KrimiMärz“ beginnt am 3. März 2017 in Villa Clementine

In einer Kriminacht mit Musik entführen am Samstag, 4. März, um 19.30 Uhr Doris Gercke, Max Annas und Franz Dobler in die Ukraine sowie in die Welt illegaler afrikanischer Einwanderer und exzentrischer Stalker. Es moderiert der Krimiautor Alexander Pfeiffer. In den Pausen sorgt das Jazz-Duo „Ruud van Duijse & Edu Jung“ für Musik und das Literaturhauscafé für das leibliche Wohl.Das Wochenende klingt am Sonntag, 5. März, um 18 Uhr mit der ersten Veranstaltung der Festivalreihe „Auf dem Krimisofa mit…“ aus: Die renommierten Autoren Horst Eckert und Volker Kutscher stellen ihre aktuellen Kriminalromane zum NSU und den Anfängen des „Dritten Reiches“ vor und diskutieren mit Jörg Armbrüster (SWR) über Nationalismus und Rechtsextremismus gestern und heute.Informationen zu den Krimiautorinnen und -autoren des ersten Festivalwochenendes: Esmahan Aykol, geboren in Edirne in der Türkei, arbeitete während des Jurastudiums als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Ihre sympathische Figur Kati Hirschel ermittelt als Krimi-Buchhändlerin auch gerne mal und deckt dabei nicht nur Verbrechen auf, sondern auch kulturelle Klischees. Wie Aykol selbst, die in Berlin und Istanbul lebt, ist sie eine Vermittlerin zwischen den Kulturen.

Max Annas – zweifach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet – konfrontiert den Leser in seinem aktuellen Roman „Illegal“ mit dem Alltag eines jungen Ghanaers, der versucht unbemerkt in Berlin zu leben und in einen Mordfall verwickelt wird.

In Franz Doblers aktuellem Krimi „Ein Schlag ins Gesicht“ gibt es ein Wiedersehen mit seinem Ermittler Robert Fallner, bekannt aus „Ein Bulle im Zug“.

Doris Gercke ist nicht nur Erfinderin der Figur Bella Block, sondern auch der Ermittlerin Milena Proháska. Diese verschlägt es in ihrem dritten Fall „Wo es wehtut“ in die Ukraine. Für ihre Verdienste um den Krimi erhielt Gercke den „Ehrenglauser“.

Horst Eckerts komplexe Polizeithriller wurden vielfach ausgezeichnet. Die Themen darin sind nah an der Zeit, so dreht sich der neueste Roman „Wolfspinne“ um den NSU.

Volker Kutscher. Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Kutscher. Foto: Diether v. Goddenthow

Auch Volker Kutscher beschäftigt sich in seiner Reihe um den Berliner Ermittler Gereon Rath mit Nationalsozialismus, allerdings in seiner historischen Ausprägung in den 30er Jahren. Der sechste Band „Lunapark“ ist gerade erschienen, die gesamte Reihe wird derzeit von Tom Tykwer verfilmt.

Der Eintritt zum Auftakt mit Esmahan Aykol in der Literaturhaus Villa Clementine am Freitag, 3. März, 20 Uhr, kostet 8 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der Eintritt für die Kriminacht mit Max Annas, Doris Gercke, Franz Dobler am Samstag, 4. März, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Villa Clementine, kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Karten an der Abendkasse kosten 15 Euro, ermäßigt 13 Euro. Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729-930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808 sowie online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Auf dem Krimisofa mit Volker Kutscher und Horst Eckert am Sonntag, 5. März, 18 Uhr, kostet 8 Euro, ermäßigt 7 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse kostet der Eintritt 12 Euro, ermäßigt 11 Euro. Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729-930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808 sowie online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

http://www.darmstaedter-krimitage.de/