Kategorie-Archiv: Villa Clementine Literaturhaus

Terminübersicht Mai 2018 – Literaturhaus Villa Clementine

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Das Literaturhaus Villa Clementine lädt auch im Mai wieder zu vielen Highlights ein:

Di 08.05. | 19.30 Uhr
„Insight Nahost – Jüngere arabische Literatur“
Zu einer besonderen Veranstaltung unter dem Motto „Insight Nahost – Jüngere arabische Literatur“ lädt das Literaturhaus Villa Clementine zusammen mit dem Netzwerk der Literaturhäuser mit ARTE als Kulturpartner und in Kooperation mit der KfW Stiftung und dem Rowohlt Verlag ein. Zu Gast sind zwei junge Stimmen der arabischen Literatur, Kenan Khadaj und Batoul Fahes. Die Lesung wird von Leila Chammaa moderiert und übersetzt. Die deutschen Passagen liest die bekannte Schauspielerin Anna Böger.

Sieben Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings scheint vom jubelnd begrüßten Aufbruch von damals nichts mehr übrig zu sein: Syrien und Libyen versinken im (Bürger-)Krieg, in Ägypten werden scharfe Zensurgesetze eingeführt, die erstarkte Kulturszene sieht sich mit zunehmender Restriktion konfrontiert. Die politischen und sozialen Verschiebungen der letzten Jahre werden in den Medien breit verfolgt, der stete Flüchtlingsstrom verbindet unsere Gesellschaft mittlerweile ganz direkt mit diesen Vorgängen. Das Interesse der Öffentlichkeit, mehr und tiefergreifende Informationen zu erhalten, einen Einblick in das Leben der Menschen hinter den Schlagzeilen zu haben, ist groß. Hier kann die Literatur viel beitragen: Sie erzählt die vielen kleinen Geschichten, die ein differenzierteres Bild ergeben.

Daher stellen das Netzwerk der Literaturhäuser und die KfW Stiftung zusammen Autoren und Autorinnen aus verschiedenen arabischen Ländern zusammen mit Nachwuchstalenten aus dem Programm „Beirut Short Stories“ vor. Die Workshopreihe zur Förderung junger Schreib-talente im Nahen Osten läuft bereits seit vier Jahren und wird von der KfW Stiftung gemein-sam mit dem Goethe Institut realisiert. Sie wird in diesem Jahr in Beirut, Kairo und Jericho fortgesetzt. Die Veranstaltungen möchten der Öffentlichkeit ebenso einen Eindruck von der Vielfalt der literarischen Arbeit in arabischen Ländern vermitteln wie den Dialog mit und das Verständnis für die Menschen stärken.

Kenan Khadaj wurde 1990 in Swaida, Syrien, geboren. Er ist Journalist, Aktivist und Verfasser literarischer Kurzgeschichten sowie Übersetzer. Sein Studium der Ökonomie und Literatur in Damaskus konnte er aufgrund der politischen Situation nicht beenden. Mit dem Beginn der syrischen Revolution im Jahr 2011 arbeitete er als Journalist und schrieb für diverse syrische Zeitungen. Zugleich engagierte er sich in einem Hilfsprojekt für kriegsversehrte Kinder und Erwachsene. Mit den Zuspitzungen der Kriegshandlungen und einsetzender politischer Verfolgung musste er 2014 fliehen. Seit Mai 2015 lebt er in Berlin. 2016 erschienen mehrere seiner Kurzgeschichten in der Anthologie „Hier sein – Weg sein“. Die Kurzgeschichte „Ich und die Wunderlampe“ wird seither immer wieder von der Schauspielerin Katja Riemann auf Lesungen vorgetragen.

Batoul Fahes stammt aus dem Libanon und ist Finalistin des Schreibworkshops „Beirut Short Stories“.

Moderation und Übersetzung: Leila Chammaa
Lesung dt. Passagen: Anna Böger (Schauspielerin)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter: Eine Veranstaltung des Literaturhauses und des Netzwerks der Literaturhäuser mit ARTE als Kulturpartner und in Kooperation mit der KfW Stiftung und dem Rowohlt Verlag.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 16.05. | 19.30 Uhr „Wetterau-Chronik“ Lesung

Im nunmehr sechsten Teil seiner Wetterau-Chronik und literarischen Autobiografie weitet Andreas Maier den Radius auf Frankfurt aus und stellt die dortige Universität ins Zentrum seiner Beobachtungen.

Den Schutz von Kindheit und Jugend hat er hinter sich gelassen. Rilke und Hesse mit ihrem Pathos wurden gegen Hegel und Descartes getauscht. Er hat mittlerweile ein Studium der Philosophie, Musikwissenschaften und Germanistik aufgenommen, vor allem wird ihm aber die Beschäftigung mit dem eigenen Ich zum Drang. Verstärkt durch Seminare über Wahrheitstheorie führt die Sinnsuche bereits während des ersten Semesters zu Arztbesuchen. Die Auseinandersetzung mit Identität nimmt pathologische Züge an, es droht ein völliger Verlust der eigenen Person. Und auch die Zeiten geraten durcheinander: Auf der Suche nach einer Studentenbude stößt der Protagonist auf ein Erotikmagazin, in dem er eine alte Liebe aus dem Jahr 1983 wiederzuerkennen glaubt. Was bleibt ihm anderes übrig, als die Seiten herauszureißen? Aus seiner verzweifelten Lethargie rettet ihn schließlich paradoxerweise ein Pflegefall: Es ist ausgerechnet Gretel Adorno, die uralte Witwe des Philosophen, zu der ihn ein Studentenjob führt. Er lässt sich von ihr zerkratzen und beschimpfen, aber eigentlich versteht er sich mit ihr besser als mit seiner ganzen Umwelt.

Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist promovierter Literaturwissenschaftler. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 2000 mit „Wäldchestag“. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Wilhelm-Raabe-Peis und der Lichtenberg-Preis. „Die Universität“ ist der sechste Band seiner 2010 begonnenen Wetterau-Chronik, die auf insgesamt 11 Romane ausgelegt ist. Andreas Maier lebt in Hamburg.

Autorenlesung
Moderation: N.N.
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 13 / erm. € 9
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 23.05. | 19.30 Uhr „Marx. Der Unvollendete“  (Biografie) Lesung
Mit seiner Analyse des Kapitalismus als entfesseltes System sagte Marx die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag des revolutionären Querkopfs und Vordenkers des 19. Jahrhunderts zum 200. Mal.

Seit der Kommunismus in seinem Namen – aber nicht in seinem Sinne – Geschichte ist, feiert Marx ein bemerkenswertes Comeback. Fundiert und fesselnd begibt sich der renommierte Wissenschaftsjournalist Jürgen Neffe in seiner Biografie „Marx. Der Unvollendete“ anhand von Marx´ Schriften sowie seiner Biografie in dessen Gedankenwelt. Neffe zeichnet die Entwicklung des Marx’schen Gedankenguts von Entfremdung und Ausbeutung in den Frühschriften bis zur ausgereiften Krisentheorie im Kapital nicht nur nach. Als erfahrener Popularisierer der Wissenschaft erklärt er vielmehr Marx‘ Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit der Realität des 21. Jahrhunderts. Er schildert das Leben eines Flüchtlings und geduldeten Staatenlosen, der für seine Überzeugungen keine Opfer scheut. Weder Krankheit, Armut, Ehekrisen noch Familientragödien halten ihn davon ab, beharrlich an seinem Werk zu arbeiten.

Jürgen Neffe, geboren 1956, ist promovierter Biochemiker und ein mehrfach ausgezeichneter Journalist und Autor. Besonderes Aufsehen erregte er mit seinen vielgerühmten Biografien über Albert Einstein und Charles Darwin.

Autorenlesung
Moderation: Peter Hartl (ZDF)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Do 24.05. | 19.30 Uhr „Wie Romane entstehen“ Lesung und Gespräch
„Wie Romane entstehen“ – darüber berichten Hanns-Josef Ortheil, Schriftsteller und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, und drei Masterstudierende des Hildesheimer Literaturinstituts.

Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim ist eine der bekanntesten universitären Ausbildungsstätten für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Deutschland. Im Masterstudiengang arbeiten sie zwei Jahre an einem umfangreichen Romanprojekt, bei dessen Entstehung sie von Mentoren und Lektoren betreut werden. Wie genau sieht eine solche Zusammenarbeit aus? Wie viel Freiheit und Spontaneität lässt sie den Schreibenden? Und wie sehen typische Phasen von Langzeit-Schreibprozessen aus, denen sich die Studierenden in solcher Intensität zum ersten Mal im Leben stellen? Hanns-Josef Ortheil spricht mit den drei Studierenden über ihre Romanpläne, um sie schließlich in die freie Laufbahn von Lesung und Selbstpräsentation zu entlassen.

€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literaturhaus Villa Clementine
Frankfurter Str. 1
65189 Wiesbaden
www.wiesbaden.de/literaturhaus
literaturhaus@wiesbaden.de

ARTE-Filmpremiere im Literaturhaus Villa Clementine

Das Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, zeigt in Kooperation mit dem Netzwerk der Literaturhäuser und ARTE als Kulturpartner am Donnerstag, 19. April, um 19.30 Uhr die ARTE-Filmpremiere „Fetisch Karl Marx“.

Nach der Dokumentation von Simone Dobmeier und Torsten Striegnitz findet ein Filmgespräch mit Christoph Henning und Mario Scalla statt. Der Ausstrahlungstermin der Doku auf ARTE ist am Mittwoch, 2. Mai.

Ist Marx Pop, eine Ikone auf einem T-Shirt? „Das Kapital“ als UNESCO-Weltkulturerbe: Vergangenheit und wirkungslos? Können wir mit Hilfe von Marx die Welt erkennen, gar verändern? Der Film untersucht anlässlich des 200. Geburtstages von Marx dessen heutige Relevanz. Marx hat den Marxismus überlebt. Den Antimarxismus auch. Und noch immer ist er der meistzitierte Ökonom der Welt. Hat Marx tatsächlich die Weltformel gefunden? Oder war er ein begnadeter Phänomenologe, der zu seiner Zeit Räume besetzen konnte, weil viele gesellschaftliche Wissenschaften (Politikwissenschaft, Soziologie, Ökonomie) noch gar nicht existierten? Können wir mit seiner Hilfe dem Chaos wieder Struktur geben? Oder ist er nur Projektionsfläche für unsere Sehnsucht nach jemandem, der Antworten geben kann? Im Film treffen drei Standpunkte aufeinander: Marx kann uns nicht retten, weil sich die Welt so stark verändert hat, dass seine Modelle nicht mehr greifen. Marx kann uns retten, weil bis jetzt noch niemand besser die Zusammenhänge beschrieben hat. Er erklärt uns, wie wir als gesellschaftliche Wesen funktionieren. Marx’ Relevanz besteht in der Irrelevanz: Alle sprechen von Marx als Heilsbringer, aber so wie Marx damals keinen direkten Einfluss auf die Geschichte hatte, haben seine Theorien auch heute keinen Einfluss. Es ist nur Analyse, keine Handlungsbeschreibung. In der Doku kommentieren zahlreiche Experten das Phänomen Marx im Kontext von dessen Biografie und Werk. Ihre Meinungen zur Aktualität von Marx sind so klar wie auch unterschiedlich.

Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier haben für ARTE bereits mehrere Filme zu Kultur- und Literaturthemen umgesetzt, darunter „Die Akte Kleist“ (2010), „Berlin Stories – Die Bücher einer Stadt“ (2014) und „Der Golem – Die Legende vom Menschen“ (2016).

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.
Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1

Freiheit für das Wort : Can Dündar ist am 26. April 2018 zu Gast im Kulturforum Wiesbaden

FreeWordsTurkey_Pressebildw

Ein Highlight innerhalb der Veranstaltungsreihe „Freiheit für das Wort“ von Literaturhaus Villa Clementine und Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine e.V. ist der Besuch des türkischen Journalisten Can Dündar am Donnerstag, 26. April, 19.30 Uhr, im Kulturforum Wiesbaden, Friedrichstraße 16. Er spricht mit Stefan Schröder vom Wiesbadener Kurier unter anderem über das Thema Meinungsfreiheit. Für die Übersetzung ist Recai Hallaç verantwortlich.

Die Veranstaltung findet im Kulturforum Wiesbaden statt und nicht wie angekündigt im Literaturhaus. Aus Sicherheitsgründen können nur personalisierte, nicht übertragbare Karten erworben werden.

„Wer nicht gesessen hat, wird nicht Schriftsteller genannt“, an diesen Satz erinnert sich der Journalist Can Dündar in seinen Aufzeichnungen aus dem Istanbuler Gefängnis Silivri. Dündar ist der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“. Er glaubt noch an die „andere“ Türkei, die demokratisch und weltoffen ist. Doch wer noch Widerspruch wagt, wird in der Türkei als Terrorist oder Landesverräter diffamiert. Seit Juni 2016 lebt Dündar im Exil in Berlin. Aber auch hierzulande kann er sich nicht frei bewegen – den fanatischen Anhängern von Erdogan gilt er als Landesverräter und daher wird er massiv bedroht. Im Gespräch wird es über Can Dündars aktuelles Buch „Verräter. Aufzeichnungen im deutschen Exil“ gehen sowie allgemein über die Situation in der Türkei und das Thema Meinungsfreiheit.

Karten kosten 10 Euro im Vorverkauf, ermäßigt 6 Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Einen Kartenvorverkauf gibt es nur bis zum 19. April und nur in der Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930 sowie online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Es gibt keine Abendkasse. Einlass zwischen 18.15 und 19:15 Uhr. Aus Sicherheitsgründen können Karten nur erworben werden, wenn beim Kauf Namen, Geburtsdatum sowie Adresse angeben werden. Die Eintrittskarten sind nicht übertragbar. Bei Einlass muss ein gültiger Personalausweis oder ein Reisepass mit Meldebescheinigung zum Abgleich mit der Besucherliste vorgezeigt werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Wieder Spannung pur – Deutsches FernsehKrimi-Festival und Wiesbadener KrimiMärz vom 1. bis 25. März 2018

Pressekonferenz in der Caligari FilmBühne v.li. Tom Winter, Organistaion Deutsches FernsehKrimi-Festival, Dipl.-Des. Clemens Mitscher, Hochschule für Gestaltung Offenbach, Cathrin Ehrlich, Leiterin des Deutschen FernsehKrimi-Festivals, Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, Susanne Lewalter, Leiterin des Literaturhauses Villa Clementine, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer der Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, Bärbel Schäfer, Autorin und (TV-)Moderatorin, Florian Gröner, Medienzentrum Wiesbaden.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-Goddenthow
Pressekonferenz in der Caligari FilmBühne v.li. Tom Winter, Organistaion Deutsches FernsehKrimi-Festival, Dipl.-Des. Clemens Mitscher, Hochschule für Gestaltung Offenbach, Cathrin Ehrlich, Leiterin des Deutschen FernsehKrimi-Festivals, Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, Susanne Lewalter, Leiterin des Literaturhauses Villa Clementine, Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer der Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, Bärbel Schäfer, Autorin und (TV-)Moderatorin, Florian Gröner, Medienzentrum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-Goddenthow

Viel Spannung,  kriminalhistorische Retrospektiven, Premieren, internationale Gäste und ein umfangreiches Rahmenprogramm versprechen das Deutsche FernsehKrimi-Festival und der Wiesbadener KrimiMärz 2018 vom 1. bis 25. März, deren  Programm auf der gestrigen Pressekonferenz in der Caligari FilmBühne vorgestellt wurde.

Highlights
Volker Kutscher eröffnet den Wiesbadener KrimiMärz 2018. Die Serie „Bad Banks“ mit einem Filmgespräch mit Désirée Nosbusch und Regisseur Christian Schwochow. Premiere des Tatorts „Unter Kriegern“ mit Margarita Broich, Stefan Konarske und Golo Euler. Tom Tykwer und Volker Kutscher stellen die Serie „Babylon Berlin “ vor. Weitere Gäste sind unter anderem Heino Ferch, Hannelore Hoger, Volker Schlöndorff, Silke Bodenbender und Richy Müller.

KrimiMärz 2018

 ©  3deluxe
© 3deluxe

Krimiliteratur trifft auf Kriminalfilm – zum zweiten Mal steht Wiesbaden im März 2018 ganz im Zeichen des Krimis. Beim Wiesbadener KrimiMärz (1. bis 25. März 2018) und dem Deutschen FernsehKrimi-Festival (6. bis 11. März 2018) lädt die hessische Landeshauptstadt die Fans des Spannungsgenres zu unterschiedlichen Veranstaltungen in der ganzen Stadt ein. Prominente Gäste wie Désirée Nosbusch, Christian Schwochow, Tom Tykwer, Volker Kutscher, Volker Schlöndorff, Silke Bodenbender, Heino Ferch, Richy Müller und Margarita Broich kommen zu Filmvorführungen und Filmgesprächen. Im Rahmenprogramm erwartet die Besucherinnen und Besucher des Festivals außerdem eine besondere Premiere: „Das Joshua-Profil“ (RTL) nach einem Roman des Bestsellerautors Sebastian Fitzek, der auch anwesend sein wird.

„Rund 65 Prozent der Deutschen befassen sich regelmäßig als Zuschauer oder Leser mit dem Krimigenre. Diese Zahl zeigt, welche Bedeutung dieses Genre in Literatur und Film hat – nicht nur als Unterhaltungsformat, sondern auch als gesellschaftlicher Spiegel unserer Zeit. Aus dieser Erkenntnis heraus sind die Formate Wiesbadener KrimiMärz und Deutsches FernsehKrimi-Festival entstanden. Erfolgreiche Formate, die auch in Zukunft einen festen Platz im Kulturkalender der Stadt Wiesbaden haben werden“, so Wiesbadens Kulturdezernent Axel Imholz.

Wiesbadener KrimiMärz 2018 im Überblick

Deutsches FernsehKrimi-Festivals

DFKF18_Logo2Mit Regisseur Christian Schwochow und der Schauspielerin und Moderatorin Désirée Nosbusch beginnt am Sonntag, 4. März der Reigen der prominenten Gäste beim Deutschen FernsehKrimi-Festival 2018. Ab 18.00 Uhr sind in der Caligari FilmBühne alle sechs Folgen der Serie „Bad Banks“ (ZDF/ARTE) zu sehen. Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit Christian Schwochow, Désirée Nosbusch, der Produzentin Lisa Blumenberg und dem Drehbuchautor Oliver Kienle.

Mit der Premiere „Tatort – Unter Kriegern“ (HR) beginnt am Dienstag, 6. März, 20 Uhr, der Wettbewerb des diesjährigen Deutschen FernsehKrimi-Festivals. Neben den SchauspielerInnen Margarita Broich, Golo Euler und Stefan Konarske geben die Redakteurin Lili Kobbe und die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks, Liane Jessen, Auskunft über die Entstehung dieses Tatorts. Er erzählt ausgehend von einem Mord an einem Schüler in einem Sportleistungszentrum die dramatischen Auswirkungen von übersteigertem Leistungsdruck auf eine Familie und ihr Umfeld.

Der Wettbewerb des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 – In der Jury die Schauspielerin Dennenesch Zoudé

Familiäre Tragödien spielen im Wettbewerb des Deutschen FernsehKrimi-Festivals 2018 eine besondere Rolle. Weitere Filme stellen korrupte Strukturen in Institutionen in den Mittelpunkt der Handlungen. Dies gilt unter anderem für die letzte Folge der Bella Block-Reihe „Am Abgrund“ (ZDF), zu der die Schauspieler Hannelore Hoger und Rudolf Kowalski als Gäste erwartet werden. Nach dem Auftakt am 6. März, sind am 7. und 8. März jeweils ab 9.30 Uhr bis zu fünf Filme im Wettbewerb in der Caligari FilmBühne zu sehen. Weitere Gäste in den Filmgesprächen sind Heino Ferch, Silke Bodenbender, Richy Müller und Volker Schlöndorff. Moderiert werden die Filmgespräche auch in diesem Jahr wieder von dem Berliner Filmkritiker Knut Elstermann. Erstmals ist mit „Das Verschwinden“ (BR/ARD DEGETO/NDR/SWR) 2018 auch eine Serie im Wettbewerb zu sehen.

Über den Gewinner des Deutschen FernsehKrimi-Preises 2018 entscheidet die Jury bestehend aus den SchauspielerInnen Dennenesch Zoudé und Alexander Schubert, der Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Doose („Staub in unseren Herzen“, „24 Stunden Jerusalem“), der Produzentin Roswitha Ester („Kästner und der kleine Dienstag“, „Wir Monster“) und dem diesjährigen Krimistipendiaten der Landeshauptstadt Wiesbaden, der Schriftsteller Volker Kutscher.

Die Verleihung des Deutschen FernsehKrimi-Preises findet am Freitag, 9. März, in der Caligari FilmBühne statt. Durch den Abend führt die Moderatorin Bärbel Schäfer. Die Musik kommt in diesem Jahr von dem Tenor Mads Elung-Jensen und Dirk Rave mit seinem Akkordeon.

Rahmenprogramm: Vom Kurzfilm bis zur Serie / Premiere „Das Joshua Profil“ nach dem Roman von Sebastian Fitzek

Neben dem Wettbewerb hat das Team ein Programm zusammengestellt, das von Kurzfilm, über Krimi-Doku bis zur Serie einen Überblick gibt, wie kriminalistische Themen in bewegten Bildern umgesetzt werden.

„Kriminalfälle faszinieren, unterhalten und setzen sich immer auch mit unseren eigenen Ängsten auseinander“, beschreibt die Leiterin des Festivals, Cathrin Ehrlich, die Veranstaltungen des Krimi-Festivals. „Filmemacher greifen diese Faszination auf. Je nach Genre stellen sie Verbrechen, ihre Ursachen und ihre Folgen mit unterschiedlichen Mitteln und dramaturgischen Ansätzen dar. Wie dies geschieht, zeigt unser diesjähriges Programm.“

Parallel zum Festival ist im Foyer der Caligari FilmBühne die Ausstellung „Rotes Rauschen“ zu sehen. Präsentiert werden Werke von Studierenden der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Es handelt sich um eine Spurensuche, inspiriert von der Auseinandersetzung mit Bildern von Tatorten.

Am Mittwoch, 7. März, ab 17 Uhr, lädt das Murnau-Filmtheater zu einem Krimi-Serien-Nachmittag mit zwei Premieren ein. Der kleine Bruder des Spielfilms steht dann ab 20.00Uhr auf dem Programm: Der Kurzfilm-Abend „Krimi – Thriller – Mystery“ zeigt cineastische Kleinode, die beim Krimifestival „Tatort Eifel“ 2017 für den Kurzfilm-Wettbewerb nominiert waren.

Gemeinsam mit dem Wiesbadener KrimiMärz lädt das Festival zu einem Abend mit Regisseur Tom Tykwer und Volker Kutscher ein. Im Museum Wiesbaden sprechen sie am Freitag, 9. März, 18 Uhr, über das Projekt „Babylon Berlin “. Die Serie – entstanden nach den Romanen von Volker Kutscher – zeigt auf eindrückliche Weise, wie aus einem Roman eine internationale Fiction-Produktion wird. Eine weitere Zusammenarbeit ist der Doku-Crime-Abend am Donnerstag, 8. März, ab 16.30 Uhr, im Murnau-Filmtheater. Bis in die Nacht hinein sind dort vier Dokumentationen zu sehen, die sich mit realen Kriminalfällen beschäftigen. Bärbel Schäfer moderiert zwei Filmgespräche ergänzend zu den Dokumentationen „Szene Deutschland – Unter Tätern“ (18.15 Uhr) und „Mysteriöse Kriminalfälle in der DDR“ (20 Uhr). Als Gäste werden der Reporter Sascha Bisley, der Landesvorsitzende Weißer Ring Patrick Liesching, der Historiker Philip Felsch und Filmemacher Klaus Wollscheid (filmkombinat Leipzig) erwartet.

Die Premiere der RTL-Produktion „Das Joshua-Profil“ nach einem Roman des Bestsellerautors Sebastian Fitzek ist am Donnerstag, 8. März, 21 Uhr, in der Caligari FilmBühne zu sehen. Im Anschluss äußern sich zu der Produktion der Schriftsteller Sebastian Fitzek, der Regisseur Jochen Alexander Freydank, der Drehbuchautor Jan Braren und die Schauspielerin Inez Bjørg David.

Deutschlands spannendster Fernsehkrimi-Drehbuchnachwuchs – Live-Lesung mit Schauspieler Max Felder

Zum zweiten Mal sucht das Deutsche FernsehKrimi-Festival gemeinsam mit Hessen-Film und Medien nach abendfüllenden Drehbuchstoffen kreativer Nachwuchsautorinnen und -autoren. Bis Anfang Januar 2018 durften Konzepte eingereicht werden. Vier der Stoffe wurden von einer Jury für die Endrunde in Wiesbaden nominiert und werden am Mittwoch, 7. März, ab 18 Uhr, in der Caligari FilmBühne von Schauspieler und Synchronsprecher Max Felder live gelesen. In der Jury sitzen der Drehbuchautor Christoph Busche, Sandra Duschl von der Hessenfilm und Medien und die Agentin Bernadette Langers (Verlag der Autoren).

Dem Gewinner beziehungsweise der Gewinnerin winkt eine Zusammenarbeit mit TOP:Talente e. V., einem Verband von Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren. Dieser wird die Entwicklung des Stoffes vom Exposé bis zum Treatment begleiten und die kosten-lose Teilnahme an einem Pitch-Workshop im Herbst in Baden-Baden ermöglichen.

Den Abschluss des Festivals bildet am Samstag, 10. März, ab 19.30 Uhr, wieder die „Lange FernsehKrimi-Nacht“. Bis zum Morgen des 11. März werden noch einmal alle zehn Wettbewerbsbeiträge in der Caligari FilmBühne zu sehen sein.

Der KrimiMärz bietet vom 1. bis 25. März insgesamt 24 Veranstaltungen mit Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Kriminalliteratur. Unter dem Motto „Rückblende“ steht dort 2018 der historische Krimi im Fokus.

Das Deutsche FernsehKrimi-Festival ist eine Veranstaltung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden mit Unterstützung durch die HessenFilm und Medien GmbH und den Hessischen Rundfunk, in Kooperation mit dem Medienzentrum Wiesbaden, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, dem Literaturhaus Villa Clementine, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain und dem Wiesbadener Kurier.

Terminübersicht März 2018 – Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Das spartenübergreifende Festival „Wiesbadener KrimiMärz“ präsentiert vom 1. bis 25. März in über 20 Veranstaltungen das Krimigenre in seinen vielfältigen Facetten. Im Zentrum steht in diesem Jahr unter dem Motto „Rückblende“ der zeithistorische Kriminalroman. Der Wiesbadener Krimistipendiat Volker Kutscher sei dafür nur als einer der renommierten Autoren genannt, deren Romane vor dem Hintergrund der Historie zur Diskussion aktueller Fragestellungen anregen. Zu den Highlights des Festivals zählt neben dem Auftakt mit Volker Kutscher auch das Gespräch zwischen ihm und dem international bekannten Filmemacher Tom Tykwer über die Serienadaption „Babylon Berlin“. Zu kontroversen Diskussionen in seiner Heimat Polen führte Szczepan Twardochs rasanter Thriller „Der Boxer“, denn er bricht darin mit gängigen Geschichtsbildern seines Landes.

Der „Wiesbadener KrimiMärz“ fördert den Austausch zwischen Film- und Literaturschaffenden und wird vom Literaturhaus Villa Clementine in Zusammenarbeit mit dem Deutschen FernsehKrimifestival und anderen Partnern an verschiedenen Orten in Wiesbaden veranstaltet. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain fördert den Schwerpunkt „Rückblende“.

Das Programm im Detail:

Do 01.03. | 19.30 Uhr „Das Universum Gereon Rath“ Werkstattgespräch mit Volker Kutscher, Caligari-Filmbühne
Einblick in „Das Universum Gereon Rath“ gewährt der diesjährige Krimistipendiat Volker Kutscher zum Auftakt des „Wiesbadener KrimiMärz“ in der Caligari FilmBühne. In einem Werkstattgespräch und einer Lesung stellt er sich, seinen Kommissar sowie sein Werk vor. Mit ihm zu Gast ist die Zeichnerin Kat Menschik, die für Kutschers düstere Berlinansichten der Zwanziger Jahre grandiose Bilder gefunden hat.
Gereon Rath auf allen Kanälen: ob in den Romanen von Volker Kutscher, den Zeichnungen von Kat Menschik oder der Fernsehserie von Tom Tykwer. Mit der Erfindung des Kommissars Gereon Rath ist ein wahrer Coup gelungen.

Volker Kutscher, geboren 1962, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit „Der nasse Fisch“, dem Auftakt seiner Krimireihe um den Kommissar Gereon Rath im Berlin der Zwanziger Jahre, gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller. Unter der Regie von Tom Tykwer entstand gerade die auf Kutschers Kriminalromanen basierende 16teilige Serie „Babylon Berlin“, die im Herbst dieses Jahres in der ARD ausgestrahlt wird.
Kutscher ist der diesjährige Krimistipendiat der Stadt Wiesbaden. Im Rahmen des Stipendiums lebt und arbeitet er vier Wochen lang dort, schreibt einen von seinem Aufenthalt inspirierten Kurzkrimi und wirkt in der Jury des Deutschen FernsehKrimi-Festivals mit.

Im Anschluss an Lesung und Gespräch läuft der Fritz Lang-Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, der Volker Kutscher die Initialzündung für seine Gereon Rath-Reihe lieferte.

Do 01.03. | 19.30 Uhr
Moderation: Ulrich Sonnenschein (hr2-kultur)
€ 9 / erm. € 7
Kartenvorverkauf: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930 (plus VVG) und Kinokasse im Caligari (täglich 17–20.30 Uhr) oder reservierung-caligari@wiesbaden.de, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine in Zusammenarbeit mit dem Deutschen FernsehKrimi-Festival und der Caligari FilmBühne. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ort: Caligari FilmBühne, Marktplatz 9, 65183 Wiesbaden

Sa 03.03. | 19.30 Uhr Das „Literarische Krimi-Quartett“ mit Margarete von Schwarzkopf, Thomas Wörtche und Ulrich Noller, Villa Clementine

Das Literarische Quartett kennt jeder – Beim „Wiesbadener KrimiMärz“ wird es zum „Literarischen Krimi-Quartett“ und steht ganz im Zeichen des Kriminalromans. Die bekannten Kritiker Margarete von Schwarzkopf, Thomas Wörtche und Ulrich Noller diskutieren mit viel Fachwissen und Begeisterung ebenso über aktuelle Werke von Altmeistern des zeithistorischen Kriminalromans wie über bereits ausgezeichnete Titel neuer Stimmen. Der unter anderem aus „Ein Fall für Zwei“ bekannte Schauspieler Wanja Mues erweckt spannende Passagen aus den Romanen zum Leben. Für die passende Atmosphäre sorgen „Swing Guitars“ – Ruud van Duijse (Gitarre), Stefan Varga (Gitarre) und Jörg Mühlhaus (Bass).

Zahlreiche Kriminalromane spiegeln derzeit die Gegenwart, indem sie sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Ein Phänomen, das in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern zu beobachten ist.

Zur Diskussion stehen der Roman „Das Vermächtnis der Spione” des britischen Erfolgsautors John le Carré, der sich in die Zeit des „Kalten Krieges“ und an seine literarischen Ursprünge begibt. Der mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnete Roman „Der Sympathisant” indes reflektiert den Vietnam-Krieg aus der Perspektive des in den USA lebenden vietnamesischen Autors Viet Thanh Nguyen. In dem Thriller „München“ wiederum wirft der britische Autor Robert Harris einen Blick auf das „Münchner Abkommen“ mit Hitler aus dem Jahre 1938, das einen Krieg verhindern sollte. Und die österreichische Autorin Alex Beer begibt sich in „Der zweite Reiter“ in die Unterwelt Wiens kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Margarete von Schwarzkopf ist Journalistin, Autorin, Redakteurin und Moderatorin. Beim NDR betreute sie lange Jahre die Literatursendung „Bücherwelt“. Im Herbst 2017 legte sie mit „Der Moormann“ ihren ersten eigenen Kriminalroman vor.

Thomas Wörtche ist Kritiker, Publizist und Literaturwissenschaftler und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit internationaler crime fiction in allen medialen Formen. Zurzeit betreut er das Krimiprogramm für den Suhrkamp Verlag.

Wanja Mues entstammt einer Schauspielerfamilie. Im Rhein-Main-Gebiet kennt man ihn als Privatdetektiv Leo Oswald aus „Ein Fall für zwei“, wo er als eine Hälfte des Frankfurter Ermittlerduos auf einem etwas heruntergekommenen Hausboot auf dem Main lebt und sich in fragwürdigen Milieus herumtreibt.

Ulrich Noller ist als Radio-Journalist für den WDR, die Deutsche Welle und für andere Sender tätig. Jeden Montag fällt er zudem für den WDR sein Urteil über die Fernsehkrimis des Wochenendes unter dem Motto „Wie war der Tatort, Herr Noller?“.

Swing Guitars ist ein Trio aus zwei Jazzgitarren und einem Bass, das trotz seines völlig unterschiedlichen Stils zusammen einen sagenhaften Sound ergibt.

Sa 03.03. | 19.30 Uhr
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 07.03. | 19.30 Uhr „Lazare und der tote Mann am Strand“,
Buchvorstellung mit Robert Hültner, Villa Clementine

Für seine Inspektor-Kajetan-Romane wurde Robert Hültner vielfach ausgezeichnet, dreimal mit dem Deutschen Krimipreis und mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis. Mit seinem neuen Kommissar Lazare hat er eine nicht minder spannende Ermittlerfigur geschaffen. Im Rahmen des Schwerpunktthemas „Rückblende“ stellt Robert Hültner den Kriminalroman „Lazare und der tote Mann am Strand“ vor. Passend zur französischen Atmosphäre des Romans wird der Abend musikalisch untermalt von Michaela Dietl am Akkordeon und mit Gesang.

Ein grenzüberschreitender Roman, der den kriminellen Verflechtungen zwischen Deutschland und Frankreich auf die Spur kommt und Querverbindungen zwischen Front National, organisiertem Verbrechen und NSU aufzeigt. Ein Toter am Strand – tragisch, aber im malerischen Sète, dem Venedig Südfrankreichs, kein seltener Unglücksfall. Wahrscheinlich hat es doch nur wieder etwas mit den internen Streitereien der Gitans zu tun, die hier schon seit Jahren am Stadtrand siedeln. Seltsam also, dass extra für diesen Fall ein Kommissar aus Montpellier angefordert wird. Die Behörden am Ort sind konsterniert und empfangen Kommissar Lazare entsprechend. Sie ahnen nicht, dass er angetreten ist, ein riesiges Komplott aus Mauschelei, Korruption und Betrug aufzudecken.

Robert Hültner wurde 1950 in Inzell geboren. Er arbeitete unter anderem als Dramaturg und Regisseur von Kurzfilmen und Dokumentationen, reiste mit einem Wanderkino durch Dörfer und restaurierte historische Filme für das Filmmuseum. Robert Hültner lebt in München und in einem Bergdorf in den südfranzösischen Cevennen.

Mi 07.03. | 19.30 Uhr
Moderation: Hannes Hintermeier (FAZ)
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Fr 09.03. / 18 Uhr „Vom Buch zur Serie“ Volker Kutscher im Gespräch mit Filmemachers Tom Tykwer, Museum Wiesbaden

Ein Highlight des „Wiesbadener KrimiMärz“ und seines diesjährigen Schwerpunktthemas „Rückblende“ ist der Auftritt des Filmemachers Tom Tykwer. Mit Volker Kutscher spricht er unter dem Titel „Vom Buch zur Serie“ über die Serienadaption der Gereon-Rath-Reihe und allgemein das Serienmachen in Zeiten von Netflix und Co. sowie über das Berlin der Weimarer Republik und kriminelle Machenschaften. Bei der Veranstaltung wird außerdem ein Ausschnitt aus „Babylon Berlin“ gezeigt. Die unter anderem beim Deutschen Fernsehpreis 2018 vierfach ausgezeichnete Fernsehserie „Babylon Berlin“ basiert auf den Kriminalromanen von Volker Kutscher und erzählt von der politischen Entwicklung der Weimarer Republik. Mit den Augen von Gereon Rath blickt die Serie hinter die Kulissen der „Goldenen Zwanziger“.

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren an den Grundfesten der Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zu Exzess und Luxus des Nachtlebens und der überbordenden kreativen Energie der Stadt. Gereon Rath, junger Kommissar aus Köln, wird nach Berlin versetzt, um einen Kriminalfall zu lösen. Was auf den ersten Blick eine simple Erpressung zu sein scheint, entpuppt sich als Skandal, der sein Leben für immer verändern wird.

Tom Tykwer ist einer der drei Autoren und Regisseure der prominent besetzten Serie. Zudem ist er ausführender Produzent und zeichnet sich gemeinsam mit Johnny Klimek auch für die Musik verantwortlich.

Die Caligari FilmBühne würdigt Tom Tykwer mit einer Film-Reihe zwischen dem 01. und 16. März.

Fr 09.03. / 18 Uhr
Moderation: Urs Spörri
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fernsehkrimifestival. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain
Ort: Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

So 11.03. / 19.30 Uhr „Der Boxer“, über Opfer- u. Täterrollen mit Renata Makarska u. Armin Nufer, Villa Clementine

Der Thriller „Der Boxer“ des polnischen Autors Szczepan Twardoch wird in seiner Heimat ebenso gefeiert wie kontrovers diskutiert, bricht er doch das gängige Verständnis der Opfer- und Täterrollen in Polen während der NS-Herrschaft auf.

Jakub Shapiro ist ein hoffnungsvoller junger Boxer und sehr talentiert. Das erkennt auch der mächtige Warschauer Unterweltpate Kaplica, der Shapiro zu seinem Vertrauten macht. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas im Polen der 30er Jahre in Bedrängnis. Er kommt in Haft, als ihm ein politischer Mord angehängt wird. Im Schatten dieser Ereignisse bricht ein regelrechter Krieg der Unterwelt los. Jakub Shapiro geht gegen Feinde wie Verräter vor, beginnt eine fatale Affäre und muss zugleich seine Frau und seine Kinder vor dem anschwellenden Hass schützen.

Szczepan Twardoch, geboren 1979, ist einer der herausragenden Autoren der polnischen Gegenwartsliteratur. Der Durchbruch gelang ihm mit „Morphin“ (2012). Das Buch wurde mit dem Polityka-Passport-Preis ausgezeichnet. Für seinen ebenfalls hochgelobten Roman „Drach“ wurden Twardoch und sein Übersetzer Olaf Kühl 2016 mit dem Brücke Berlin Preis geehrt. Bei polnischen Lesern wie Kritikern übertraf „Der Boxer“ diese Erfolge noch. Szczepan Twardoch lebt mit seiner Familie in Pilchowice/Schlesien.

So 11.03. / 19.30 Uhr
Moderation: Renata Makarska (Johannes Gutenberg-Universität, Mainz)
Deutsche Passagen: Armin Nufer (Schauspieler)
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter: Literaturhaus in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mainz-Wiesbaden. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Di 13.03. / 19.30 Uhr „Die große Kälte“, Krimivorstellung mit Sabine Hofmann, Villa Clementine

Ins Spanien der Franco-Zeit führt der atmosphärisch dichte Kriminalroman „Die große Kälte“ der Autorinnen Sabine Hofmann und Rosa Ribas. Während des „Wiesbadener KrimiMärz“ und des diesjährigen Schwerpunktthemas „Rückblende“ stellt Sabine Hofmann den zweiten Fall der Journalistin Ana Martí im Literaturhaus vor. Vielschichtig und mit vielen spannenden Wendungen werden darin die Themen Katholizismus, Korruption und Faschismus miteinander verschränkt.

Barcelona, 1956: Ausgerechnet im kältesten Winter seit Jahrzehnten wird Ana Martí in ein entlegenes Bergdorf in Aragonien geschickt, um über ein Mädchen mit Stigmata an Händen und Füßen zu berichten. Von den Dorfbewohnern wird die kleine Isabel wie eine Heilige verehrt, Ana hingegen ist skeptisch. Aber noch ehe sie dem Geheimnis der Wundmale auf die Spur kommt, wird auf dem schneebedeckten Waldboden die Leiche eines Mädchens gefunden. Offenbar nicht das erste Kind, das in Las Torres unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen ist.

Sabine Hofmann wurde 1964 in Bochum geboren. Sie studierte Romanistik und Germanistik und arbeitete als Dozentin an der Universität Frankfurt, wo sie auch Rosa Ribas kennenlernte. 2014 erschien mit „Das Flüstern der Stadt“ ihr erster gemeinsamer Roman und der erste Teil ihrer Trilogie über das Spanien der 50er Jahre. 2016 folgte dann mit „Die große Kälte“ der zweite Teil.

Di 13.03. / 19.30 Uhr
Moderation: Jörg Armbrüster (SWR)
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine. Gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Do 15.03. / 19.30 Uhr Krimistipendiat Michael Kibler präsentiert neuen Darmstadt-Krimi, Villa Clementine

Abseits des Schwerpunktthemas „Rückblende“ ist der ehemalige Wiesbadener Krimistipendiat Michael Kibler mit seinem neuen Darmstadt-Krimi „Treueschwur“ im Literaturhaus zu Gast.

Während eines Kongresses der Gerichtsmediziner in Darmstadt wird bei Renovierungsarbeiten ein Schädel gefunden. Steffen Horndeich und Leah Gabriely von der Mordkommission finden heraus, dass der Besitzer des Schädels vor sehr langer Zeit verstorben sein muss. Ganz anders sieht es bei den Skelettresten aus, die wenig später in einem Waldgebiet auftauchen: Das Mordopfer kann noch nicht so lange tot sein. Schon die Feststellung der Identität wird zu einem komplexen Puzzlespiel. Und dann mehren sich Hinweise, dass ausgerechnet der Schädel bei der Lösung des Falls eine wichtige Rolle spielen könnte.

Michael Kibler wurde 1963 in Heilbronn geboren und ist Darmstädter aus Leidenschaft. Er studierte an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt, im Hauptfach Germanistik mit den Nebenfächern Filmwissenschaft und Psychologie. Das Schreiben ist seine Passion, seit mehr als der Hälfte seines Lebens, weshalb er seit 1991 als Texter, Schriftsteller und PR-Profi arbeitet. Sein Schwerpunkt als Schriftsteller sind Kriminalromane. 2009 war er Krimistipendiat der Stadt Wiesbaden.

Do 15.03. / 19.30 Uhr
Moderation: Alf Haubitz (hr2-kultur)
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 21.03. / 19.30 Uhr „Die Wahrheit“,Krimiautorin Melanie Raabe zu Gast, Villa Clementine

Die Krimiautorin Melanie Raabe wurde für ihr Debüt „Die Falle“ international gefeiert. Auch ihr zweiter Thriller „Die Wahrheit“ bietet atemlose Spannung und eine psychologisch ausgefeilte Figurenzeichnung.

Vor Jahren ist der reiche Geschäftsmann Philipp Petersen plötzlich spurlos verschwunden. Seither zieht seine Frau Sarah das gemeinsame Kind alleine groß. Doch dann erhält sie aus heiterem Himmel die Nachricht, dass Philipp doch noch am Leben ist. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers löst zwar ein gewaltiges Medieninteresse aus, aber Sarah beschleichen zwiespältige Gefühle. Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf das nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht der, als der er sich ausgibt. Es ist nicht ihr Ehemann. Es ist ein Fremder, und er bedroht Sarah. Wenn sie ihn verrät, verliert sie alles: ihren Mann, ihr Kind, ihr Leben.

Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren. Ihr 2015 erschienener Thriller „Die Falle“ gehörte zu den international begehrtesten Büchern der letzten Jahre. Der Roman wurde bislang schon in 21 Länder verkauft. Auch die Filmrechte sind bereits vergeben. Melanie Raabe lebt und schreibt in Köln.

Mi 21.03. / 19.30 Uhr
Moderation: Shirin Sojitrawalla (DLF, taz)
€ 8 / erm. € 7
2-er Kombiticket: 13 € plus VVK-Gebühr
3-er Kombiticket: 18 € plus VVK-Gebühr
Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/krimimaerz. Abendkasse: € 12 / erm. € 11
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literaturhaus Villa Clementine – Termine im Februar 2018

© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow
© atelier-goddenthow Foto: Diether v. Goddenthow

Auch im Februar bietet das Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine wieder eine Fülle spannender Veranstaltungen an:

Do 01.02. | 19.30 Uhr Lesung aus Etty Hillesum Tagebüchern „Das denkende Herz“

Im Rahmen des „27. Januar – Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes“ findet in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden eine Veranstaltung über das Leben der Jüdin Etty Hillesum im Literaturhaus statt. Die Schauspielerin Evelyn Faber vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden liest aus den Tagebüchern von 1941-1943, die unter dem Titel „Das denkende Herz“ erschienen sind. Dr. Gotthard Fuchs erschließt Biografie und Werk Hillesums.

Am 30. November 1943 wurde die kreative Niederländerin Etty Hillesum, Tochter einer liberal jüdischen Familie, mit 29 Jahren in Auschwitz ermordet. Die Tagebücher der studierten Juristin geben einen bewegenden Einblick in die Selbstfindung einer hochbegabten und vor Lebensfreude sprühenden Frau, welche die fortschreitende Knechtung durch die Nazi-Besetzung miterlebt und reflektiert hat. Politisch hellwach gehen spirituelle Entwicklung und soziales Engagement bei ihr Hand in Hand und werden eindrücklich beschrieben. Zunächst als freiwillige Sozialarbeiterin im Auffanglager Westerbork engagiert, wurde sie Mitte 1943 dort mit ihrer Familie inhaftiert bis zur Deportation am 7.9.1943. Ihre Tagebücher sind wie die der jüngeren Anne Frank und doch ganz anders. Sie stellen ein großes Dokument jüdischer Menschlichkeit dar und sind bis zuletzt ohne jeden Hass und voll Zuversicht. Entschieden und klar zeigt sich darin die Hoffnung auf ein versöhntes Leben nach dem Krieg.

€ 5 / erm. € 3 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 8 / erm. € 6
Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden in Kooperation mit dem Literaturhaus
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Di 06.02. | 10.30 Uhr Autorenlesung – Stefanie Höfler aus ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“
Die Autorin Stefanie Höfler ist mit ihrem Roman „Tanz der Tiefseequalle“ im Jungen Literaturhaus in der Themenreihe „Ich – Wer ist das?“ zu Gast.

Manchmal ist es diese eine Sekunde, die alles entscheidet: Niko, der ziemlich dick ist und sich oft in Parallelwelten träumt, rettet die schöne Sera vor einer Grapschattacke. Sera fordert Niko daraufhin zum Tanzen auf, was verrückt ist und so aufregend anders, wie alles, was in den nächsten Tagen passiert. Vielleicht ist es der Beginn einer Freundschaft von zweien, die gegensätzlicher nicht sein könnten – aber im entscheidenden Moment mutig über ihren Schatten springen.
Stefanie Höfler, geboren 1978, studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland. Sie arbeitet als Lehrerin und Theaterpädagogin und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Ihr Roman „Mein Sommer mit Mucks“ wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. „Tanz der Tiefseequalle“ erhielt den Monats-LUCHS (ZEIT/ Radio Bremen) im März 2017 und war zu finden auf der Mai-Liste 2017 von „Die besten 7 Bücher für junge Leser“ des Deutschlandfunks.
Moderation: Falk Ruckes (Freier Journalist)
€ 2 – Geschlossene Veranstaltung für Schulklassen – Infos unter: 0611 – 31 57 46 Veranstalter: Literaturhaus und Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V.
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Mi 07.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Jan Wagner liest u.a. aus „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ – freier Eintritt

In der letzten Veranstaltung der „Poetikdozentur: junge Autoren“ stellt Jan Wagner seinen Lyrikband „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ sowie weitere Betrachtungen aus dem Essayband „Der verschlossene Raum“ vor.

In „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ lotet Jan Wagner anhand von drei erfundenen Poeten – dem schlesischen Bauerndichter Anton Brant, dem Berliner Anagrammdichter Theodor Vischhaupt und dem in Rom lebenden Elegiker Philip Miller – mit Witz und Empathie sowohl poetische Traditionen als auch sein eigenes Schaffen aus. Jan Wagner selbst tritt als Herausgeber auf, der biografische Details, Stellenkommentare, Sekundärliteratur und Bibliografien der drei Poeten beisteuert. Ein kluges und amüsantes Spiel und zugleich die Entdeckung dreier nicht zu verachtender Lyriker. Entstanden ist dieser vor Sprachwitz sprühende Band, der auch als Selbstparodie gelesen werden kann, während Jan Wagners Jahr in der Villa Massimo und durch die dortige Erkenntnis, dass nach Goethe kein Dichter mehr in Rom unbefangen Gedichte schreiben kann.

Außerdem liest Jan Wagner an diesem Abend aus seinem Essay-Band „Der verschlossene Raum“. Darin begeistert er mit genauen Beobachtungen über Kunst und Lyrik sowie charmanten Anekdoten, etwa über die Liebe zu Buchhandlungen.

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. 2001 erschien sein erster Gedichtband „Probebohrung im Himmel“. Es folgten „Guerickes Sperling“ (2004), „Achtzehn Pasteten“ (2007), „Australien“ (2010), „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ (2012) und zuletzt der Sammelband „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ (2016). Zudem ist er Mitherausgeber der Minnesang-Anthologie „Unmögliche Liebe (Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen, 2017). Für seine Lyrik wurde Jan Wagner vielfach ausgezeichnet. Mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“ (2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Beate Tröger (Freie Kritikerin)
Eintritt frei.
Veranstalter: Hochschule RheinMain in Kooperation mit dem Literaturhaus / Kulturamt Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Do 15.02. | 19.30 Uhr Autorenlesung – Verena Boos liest aus Debütroman „Blutorangen“

Die Schriftstellerin Verena Boos – bekannt für ihren gelobten Debütroman „Blutorangen“ – liest im Literaturhaus aus ihrem neuen Roman „Kirchberg“.

Eine Frau kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Einst wurde sie hier von ihren Großeltern aufgezogen, nachdem sich ihre Mutter gegen sie entschieden hat, weil sie sich zu jung gefühlt hat für ein Kind und als Stewardess in die Welt hinaus ziehen wollte. Nun ist die Erzählerin zurück in dem alten Schulhaus, in dem sie aufgewachsen ist und das seit dem Tod der Großeltern leer steht. Die Rückkehr ist auch eine Flucht nach einem Schlaganfall, der Hanna ihre Sprache gekostet hat. Ein tiefer Schlag für sie, die stets eine Frau des Wortes war. Hier will sie nun zur Ruhe kommen. Doch ist dies wirklich ihre Heimat? Gibt es eine solche überhaupt? Und wie geht man mit der plötzlich wieder allzu präsenten Vergangenheit um in der Gestalt alter Jugendfreunde? Denn da sind auf einmal Patrizio, der Freund aus Jugendtagen, und ihre Nachbarin Sabrina, die Hannas selbstgewählte Einsamkeit aufbrechen.

Präzise schildert Verena Boos die Geschichte einer Krankheit und die sowohl aufwühlende als auch heilsame Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren. Sie studierte Anglistik und Soziologie und promovierte in Zeitgeschichte. Es folgten mehrjährige Aufenthalte in Italien, Großbritannien und Spanien. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit ist sie als Journalistin und Referentin tätig. Sie nahm am Klagenfurter Literaturkurs und der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung teil, wurde für die Bayerische Akademie des Schreibens ausgewählt und las beim Open Mike. Für ihren Roman „Blutorangen“ wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt, dem Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck, dem Grimmelshausen-Förderpreis sowie dem Gerhard-Beier-Preis ausgezeichnet.
Moderation: Ruth Fühner (hr2-kultur)
€ 8 / erm. € 5 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 11 / erm. € 8
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

So 18.02. | 11 Uhr Heiner Boehncke und Hans Sakowicz in der Reihe „Gespräche in der Villa“
Im Rahmen der Reihe „Gespräche in der Villa“ sind Heiner Boehncke und Hans Sakowicz zu Gast und sprechen mit Armin Conrad über ihre Zusammenarbeit bei zahlreichen Buchprojekten.

Der Detektiv an sich ist ja Einzelkämpfer. Aber, wenn es darum geht, der Geschichte – und insbesondere der hessischen Kulturgeschichte – okkulte Fakten und Zusammenhänge zu entlocken, da ist das ‚Team‘ der Schlüssel zum Erfolg.

Prof. Heiner Boehncke (Ex-HR) und Hans Sarkowicz (HR) – haben in den letzten Jahren Hessens bewegte Geschichte im Zentrum europäischer Verstrickungen, Umwälzungen und Kultur gemeinsam und erfolgreich und sauber filetiert. Mehr als ein Dutzend hochinteressanter Bücher sind inzwischen dabei herausgekommen.

Ein Autorenteam, das an seinen Steckenpferden und auch an sich selbst nicht satt wird. Jetzt
sind sie schon wieder einschlägig unterwegs, in der Verwandtschaft des Geheimrats Johann
Wolfgang von Goethe, wie man hört.

Moderation: Armin Conrad

€ 10 – Nur Tageskasse, kein Vorverkauf
Veranstalter: Literaturhaus Villa Clementine, Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine e.V. und Presseclub Wiesbaden
Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden startet nach Winterpause mit attraktivem Januar-Programm

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Noch bis zum 20. Dezember, dann ab dem 8. Januar 2018 ist das Literaturhausteam der Villa Clementine wieder zu den gewohnten Bürozeiten zu erreichen. Der Cafébetrieb startet wieder am 9. Januar 2018.

Nach der Winterpause des Literaturhauses Villa Clementine in Wiesbaden findet Mitte Januar eine Lesung des renommierten Schriftstellers Thomas Lehr statt. Er stellt seinen sowohl für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, als auch den Deutschen Literaturpreis nominierten Roman „Schlafende Sonne“ vor. Im Rahmen der „Poetikdozentur: junge Autoren“ fanden bereits zwei Veranstaltungen statt und man darf gespannt sein auf die letzten beiden, zu denen Jan Wagner im Januar in Wiesbaden zu Gast sein wird.

Mi 17.01. | 19.30 Uhr Hochschul- und Landesbibliothek
Jan Wagners zweite Poetikvorlesung dreht sich ums Gedicht
Nachdem es in Jan Wagners erster Wiesbadener Poetikvorlesung um Grenzen ging, um das Fremde im Eigenen und das Eigene im Fremden, um den Transfer über kulturelle wie sprachliche Barrieren hinweg, schließlich auch um Goethes Begriff der „Weltliteratur“, soll der Fokus der zweiten Vorlesung nunmehr auf dem Allernächsten liegen, der Ort des Gedichts ins Zentrum rücken. Das ist zunächst ganz grundsätzlich gemeint: Wo genau entsteht ein Gedicht, unter welchen Umständen und in welcher Umgebung? Hiervon ausgehend sollen jedoch auch Fragen nach der prägenden und der geprägten Landschaft untersucht werden, nach dem Ort im Gedicht also, darüber hinaus nach Magie und Handwerk, nach dem Dichter als Reisenden – und nach der Kindheit als dem einen unverrückbaren, unerreichbaren Punkt im lyrischen Atlas. Wie schon in der ersten Vorlesung werden zwar auch eigene Gedichte eine Rolle spielen, nicht zuletzt aber die großen Dichter nicht nur des Deutschen zur Sprache kommen, darunter Dylan Thomas, Peter Huchel, Seamus Heaney, Emily Dickinson und Umberto Saba.

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. Seit 2001 erschienen zahlreiche Gedichtbände von ihm. Zudem ist er Mitherausgeber der Minnesang-Anthologie „Unmögliche Liebe (2017). Für seine Lyrik wurde Jan Wagner vielfach ausgezeichnet, u.a. 2015 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und 2017 mit dem Georg-Büchner-Preis.
Eintritt frei
Veranstalter: Hochschule RheinMain in Kooperation mit dem Literaturhaus / Kulturamt Wiesbaden
Ort: Hochschul- und Landesbibliothek, Lesesaal, Rheinstraße 55, 65185 Wiesbaden

Do 18.01. | 19.30 Uhr Thomas Lehr,  liest aus „Schlafende Sonne“ Villa Clementine

Thomas Lehr © Foto: Diether v. Goddenthow
Thomas Lehr © Foto: Diether v. Goddenthow

Thomas Lehrs Roman „Schlafende Sonne“ ist der erste Teil einer als Trilogie angelegten Romanfolge. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, dem 19. August 2011, doch durch das kunstvolle Einweben verschiedener Erzählstränge gelingt es, ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte zu umspannen und auf zahlreiche geistes- und naturwissenschaftliche Diskurse anzuspielen. Lehrs Sprache ist dabei so poetisch wie präzise und fesselnd.

Ein Tag im Sommer 2011 bildet den Rahmen des Romans. Es ist der Tag, an dem der Dokumentarfilmer Rudolf Zacharias nach Berlin reist, um dort die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag zu besuchen. In ihrer Ausstellung zieht die in der DDR aufgewachsene Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Im Zentrum des gewaltigen Geschichtsfreskos steht eine Dreierkonstellation: zwei Männer und eine Frau. Um sie herum entsteht assoziativ aus verschiedenen Perspektiven ein Panorama, das von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs über die Judenverfolgung, die DDR und deren Zusammenbruch bis hin zur Wendezeit und ins heutige Berlin führt.
Thomas Lehr, 1957 in Speyer geboren, studierte zunächst Biochemie, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Zu seinen Romanen zählen „42“ und „September. Fata Morgana“. Er erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Rauriser Literaturpreis, den Förderpreis Literatur zum Kunstpreis Berlin, den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz sowie den Rheingau Literatur Preis. „Schlafende Sonne“ war 2017 sowohl für die Shortlist des Deutschen Buchpreises als auch die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert.
Autorenlesung
Moderation: Ulrich Sonnenschein (hr2-kultur)
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 13 / erm. € 9
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Weitere Infos unter www.wiesbaden.de/literaturhaus

20. Wiesbadener Literaturtage erfolgreich im Museum Wiesbaden eröffnet

Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow
Gelungener Auftakt zu den 20. Wiesbadener Literaturtagen. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Bildbetrachtungen ganz besonderer Art eröffnete gestern Abend unter dem Motto „Wiesbadener Heimsuchung“ im Museum Wiesbaden der  preisgekrönte Schriftsteller Frank Witzel gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Alexander Klar, Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts und Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die 20. Wiesbadener Literaturtage. Volker Zimmermann begleitete die Veranstaltung auf seiner Gitarre.

Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts.  Foto: Diether v. Goddenthow
Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts. Foto: Diether v. Goddenthow

„Dass wir hier im Museum Wiesbaden sind“, sei kein Zufall, begrüßte Kulturamtsleiterin Ingrid Roberts das Publikum, welches sich vielleicht fragte, was Bilder mit Literatur zu tun haben. Denn, so die Kulturamtsleiterin weiter: Frank Witzel, der Kurator und Gastgeber der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage, sei Wiesbadener und habe – vor allem in jungen Jahren – viele Stunden seines Lebens in den Ausstellungsräumen dieses Hauses verbracht, wo er zum ersten Mal mit Bildender Kunst in Kontakt kam. Er habe sich für die Literaturtage ein Programm erdacht, das vielfältige Verbindungen zu seiner Heimatstadt wie auch zu dem Museum Wiesbaden knüpfe.

Als Frank Witzel mit der Idee, Bilder, die ihn in der Jugend sehr bewegten, auf den Literaturtagen vorzustellen, zu Dr. Alexander Klar kam,„leuchteten bei uns alle grünen Lichter auf“, so der Museumsdirektor. Der ausschlaggebende Moment war dabei, dass wir einen Audio-Guide machen wollten“, es passte alles zusammen. Im Schriftsteller Witzel hatte das Museum einen ausgezeichneten Autor mit Kunstverstand gefunden, und Witzel konnte sein Projekt als Kurator und Gastgeber der Literaturtage voranbringen, nämlich die für ihn wichtigsten Bildwerke seiner Jugend aus subjektiver Sicht der Öffentlichkeit  vorstellen.

Alexander Klar dankte Frank Witzel herzlich dafür, seinen subjektiven Blick auf das Museum durch einen Audio-Guide erschrieben zu haben. Heraus  kam dabei ein umwerfend origineller, hintergründiger wie pointierter 90minütiger virtueller Rundgang durch eine gekonnt ausgewählte Bilderwelt des Wiesbadener Museums. Vor begeisterten Zuhörern las Frank Witzel 18 seiner Bildinterpretationen, die in ihrer anregenden, informativen und bisweilen humorvollen Art selbst Kunstkenner staunen oder auch schmunzeln ließen.

Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow
Schriftsteller Frank Witzel, Kurator und Gastgeber der 20. Wiesbadener Literaturtage begeisterte mit seinen Bildbetrachtungen im Rahmen eines virtuellen Rundgangs durch das Museum Wiesbaden. Foto: Diether v. Goddenthow

Frank Witzels virtueller Lese-Rundgang durch das Museum Wiesbaden begann mit Wilhelm Trübners Werk „Ökonomiegebäude in Amorbach“ von 1899. Das idyllische Örtchen im Odenwald wurde nicht nur durch seine Abteikirche berühmt, sondern auch legendär durch Wilhelm Adornos Liebe zu diesem Fleckchen Erde. Frank Witzel ließ uns bei dieser Bildbetrachtung nicht nur an seinen subjektiven Eindrücken teilhaben, sondern verschaffte uns auch einen Blick durch Adornos Brille. Adorno, so erfahren wir von ihm, habe den Ort Amorbach verklärt, den Ort, den der Philosoph und Mitbegründer der Frankfurter Schule als kleiner Junge mit seinem Vater, einem Frankfurter Weinhändler, regelmäßig besuchte. Auch später nach der Rückkehr aus dem Exil in den USA habe Adorno seine Ferien im geliebten Hotel Post verbracht. Anderthalb Jahre vor seinem Tod habe Adorno Amorbach zum „einzigen Ort auf diesem fragwürdigen Planeten“ erklärt,“ in dem ich mich im Grunde zuhause fühle!“

Einen starken Bezug, wenn vielleicht nicht ganz so intensiv wie Adorno zu Amorbach, empfand Frank Witzel immer auch zu Eltville, wie er uns beim Blick auf das zweite an diesem Abend an die Wand des Vortragsraums projizierte Bild „Ansicht von Eltville“ (Christian Georg Schütz, 1774) verrät. „Warum“, fragt Witzel, erscheine dieses Städtchen Eltville an sich beinahe unwillkürlich idyllisch und sei von Sentimentalität aufgeladen? Sei Idylle vielleicht das, was man aus der Distanz betrachte von der anderen Rheinseite, hier ausgelöst im gelblichen Abenddunst, der von den Weinbergen langsam nach unten in Richtung Fluss sinke? (…)

Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow
Christian Georg Schütz „Ansicht von Eltville“ , 1774. Foto von der Wandprojektion: Diether v. Goddenthow

Um sie als Idylle zu erhalten, suche er unwillkürlich auf dem Bild nach Hinweisen, die diese Harmonie als Schein entlarve: “Zieht die dunkle Wolke in der Mitte des oberen Bildes bereits wieder ab, oder senkt sie sich auf das Städtchen? Liegt der Ort nicht allzu ungeschützt am Wasser? Liegt es daran, dass es für mich als Kind diesen Schatten Eltvilles tatsächlich gab?“, legt Witzel nach.

Ja, Witzels Rhein-Idyll war wohl stets bedroht. Die Schatten von Eltville lagen seiner Meinung nach „hinter dem malerischen Anblick des Rheinufers, hinter sieben Hügeln versteckt, und hieß „Eichberg“. „Dort“, so Witzel augenzwinkernd weiter, “war der unregierbare Wahnsinn untergebracht, und dort drohte auch ich selbst hinzukommen, wenn ich nicht aufpasste, vor allem mich nicht anpasste, oder es mir nicht vorher gelingen sollte, Lehrer oder Eltern durch meinen Eigensinn dorthin zu bringen. Denn die Drohung: ‚Du landest noch auf dem Eichberg‘, klingt mir noch heute in den Ohren“. Ortsunkundigen gibt der Autor den Hinweis, dass auf dem Eichberg die Psychiatrie ist. Bereits 40 Jahre nachdem Schütz seine Ansicht von Eltville im Jahre 1774 gemalt habe, sei das Irrenhaus Eberbach ins Leben gerufen worden, was Witzel ein wenig schmunzelnd zur dialektischen Frage drängt, „ob die Idylle den Wahnsinn bedinge oder diese sich allein auf dessen Ausgrenzung gründe“.

Die nächste Bildstation im virtuellen Museumsrundgang hieß „Schindelfabrik“, 1910 von Marianne von Werefkin gemalt. Diese ließ sich gemeinsam mit Alexej Jawlensky, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky im bayerischen Oberau vom – gleichfalls idyllischen – Dorf und der Landschaft inspirieren.

Das nächste Werk, Ernst Ludwig Kirchners Bild „Seehorn“, setzt Witzel in Beziehung zu den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Auf dem anscheinend harmlosen Wanderweg erblickt er die von naiver Ruhe ins eigene Verderben wandernden Menschlein. Und so weiter, ging es virtuell von „Station zur Station“, bis zum letzten Bild „Die  Wiesbadener Heimsuchung“ aus dem 16. Jahrhundert, welches der erfolgreichen  Auftakt-Veranstaltung zu den  20. Wiesbadener Literaturtagen den Namen gab.
Mit einem Gläschen Sekt und kleinen Leckereien wurde der Abend bei anregenden Gesprächen im Museums-Café fortgesetzt. Es waren durchweg nur positive Kommentare und viel Zustimmung zu hören, wie etwa: „Bei jedem Bild hatte man das Gefühl, munterer zu werden.“ oder „Bei solch interessantem Kunstunterricht, hätte ich früher weniger geschwänzt“  Eine ältere Dame stellte ganz erfreut fest: „Stellen Sie sich vor: heute ist mein Mann, der bei Konzerten immer gleich wegnickt, kein einziges Mal eingeschlafen!“

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Das weitere Programm der 20. Wiesbadener Literaturtage:

Aber auch die weiteren Veranstaltungen der diesjährigen Wiesbadener Literaturtage versprechen, äußerst spannend zu werden, zumal sie nicht auf Literatur beschränkt, sondern spartenübergreifende Veranstaltungen der Kunst wie Kurzfilm, Musik an den zentralen Orte Wiesbadener Kultur anbieten: im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine, im Kleinen Haus des Staatstheaters, im Thalhaus im Nerotal und in der Filmbühne Caligari.

Montag, 6. November, um 19.30 Uhr – kann man Frank Witzel zusammen mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern im Literaturhaus unter dem Motto „Grund unter Grund“ erleben. Witzel liest im ersten Teil des Abends aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, DLF und taz. Im zweiten Teil verbindet sich Witzels Lyrik mit den Klängen von Uwe Dierksen. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben.

Ein ganz besonderes Gastspiel findet am Dienstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters statt: Zum ersten Mal bringen die Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel das ihnen von Frank Witzel gewidmete Stück „Jule, Julia, Julischka“ zu Gehör. Darin geraten drei Schauspielerinnen auf einer Probebühne derart aneinander, dass bald nicht mehr zu sagen ist, wo ihre Rollen anfangen und ihre Figuren enden. Jule Böwe ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Außerdem kann man sie in vielen Hörspielen und Filmen erleben. Julischka Eichel gehört zum Ensemble im Schauspiel Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit spielt sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Julia Riedler ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkt sie in Film- und Fernsehproduktionen sowie als Sprecherin in Hörspielen mit. Eingerichtet wurde das Stück von Thomas Martin. Er war von 2010 bis 2017 Chefdramaturg und Hausautor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Am Mittwoch, 8. November, um 20 Uhr ist das Trio „Thumbscrew“ um die bekannte amerikanische Gitarristin Mary Halvorson, den Bassisten Michael Formanek und Schlagzeuger Tomas Fujiwara im thalhaus in Wiesbaden zu Gast. Thumbscrew hat zwar keinen Chef oder Leader, doch mit der gefeierten amerikanischen Gitarristin Mary Halvorson einen Star, der in vielen Genres zu Hause ist: Jazz, Neue Musik, Folk, Rock. Die Musik der drei umfasst zahllose Texturen und Strategien, die zu einem offenen, transparenten, intensiven und kurvenreichen Sound führen.

Am Donnerstag, 9. November, kann man mit Frank Witzel und Museumsdirektor Alexander Klar in einem Literaturtage Extra ab 16 Uhr bei einem Rundgang im Museum Wiesbaden der Entstehungsgeschichte und Entwicklung des Projektes „Wiesbadener Heimsuchung“ folgen. Frank Witzel hat für den Mediaguide seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung des Museums in einem literarischen Text festgehalten. Der Guide ist ab 7. November und über die Literaturtage hinaus im Museum erhältlich. Die Teilnehmerzahl für die Führung ist begrenzt.

Am Abend des 9. November findet im Literaturhaus Villa Clementine um 19.30 Uhr eine Lecture-Performance des Philosophen Marcus Steinweg statt. In einem freien Vortrag zeigt er den performativen Akt des Philosophierens. An dem Abend geht es vor allem um die Arbeit der bekannten französischen Schriftstellerin Marguerite Duras. Diese zeige, dass zum Schreiben immer eine gewisse Selbstentmächtigung gehöre, eine Art präziser Wahnsinn.

Am Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr wendet sich Frank Witzel im Gespräch mit dem Historiker Philipp Felsch in der Caligari Filmbühne einem Thema zu, das jedem Wiesbadener, der in den 1960ern hier aufgewachsen ist, noch geläufig sein dürfte: die Entführung Timo Rinnelts. Der Abend findet in Kooperation mit der Caligari FilmBühne statt. Mit dem „Fall Timo Rinnelt“ begann beim Deutschen Fernsehfunk der DDR eine neue Sendereihe: „Kriminalfälle ohne Beispiel“. In den einzelnen Folgen sollten Fälle thematisiert werden, die in Ländern wie der BRD für großes Aufsehen sorgten und Ansatzpunkte lieferten, die kapitalistische Gesellschaft kritisch zu betrachten. An diesem Abend werden die Erstsendung aus dem Jahr 1967 und Ausschnitte aus zwei Sendungen von 1969 gezeigt.

Für Mittwoch, 8. November, 20 Uhr, im thalhaus, Nerotal 18, kostet der Eintritt 15 Euro, ermäßigt 11 Euro plus Gebühr, an der Abendkasse 19 Euro, ermäßigt 15 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Donnerstag, 9. November, 16 Uhr, Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, kostet der Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro plus 3 Euro für die Führung. Karten sind an der Kasse des Museums erhältlich.

Für Donnerstag, 9. November, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, kostet der Eintritt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse ksotet der Eintritt 13 Euro, ermäßigt 9 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon: (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für Freitag, 10. November, 19.30 Uhr, Caligari Filmbühne, Marktplatz 9, kostet der Eintritt 8 Euro. Der Kartenvorverkauf findet an der Kinokasse im Caligari täglich 17 bis 20.30 Uhr statt, reservierung-caligari@wiesbaden.de und in der Tourist-Information Wiesbaden (plus VVK-Gebühr), Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930.

Abschlussveranstaltung:
Gerhard Roth zu Gast am 11. November, um 19.30 Uhr zum Abschluss der Wiesbadener Literaturtage im Literaturhaus Villa Clementine :

Zum Abschluss der Literaturtage in Wiesbaden ist der große österreichische Schriftsteller Gerhard Roth am Samstag, 11. November, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, zu Gast. Der Abend umkreist Gerhard Roths Kosmos in Gesprächen, Selbstauskünften und Lesungen. Frank Witzel spricht mit dem Autor und seinem Lektor Jürgen Hosemann vom S. Fischer Verlag. Christian Brückner, Kurator der Wiesbadener Literaturtage 2015, liest aus Roths Büchern. Eine gute Gelegenheit, Gerhard Roth und sein umfangreiches Werk neu zu entdecken.

Gerhard Roth wurde 1942 in Graz geboren und lebt in Wien und der Südsteiermark. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke, darunter den 1991 abgeschlossenen siebenbändigen Zyklus „Die Archive des Schweigens“. Anschließend erschienen die Romane des „Orkus“-Zyklus, die literarischen Essays über Wien „Die Stadt“ sowie der Erinnerungsband „Das Alphabet der Zeit“. Zuletzt veröffentlichte Roth „Grundriss eines Rätsels“ und als ersten Band einer geplanten Venedig-Trilogie „Die Irrfahrt des Michael Aldrian“. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, 2016 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis sowie den Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.

Der Eintritt kostet im Vorverkauf zwölf, ermäßigt neun Euro plus Gebühr. An der Abendkasse sind 16, ermäßigt 13 Euro zu zahlen. Kartenvorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon 069 1340400; Online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Die „Wiesbadener Literaturtage“ werden jährlich veranstaltet vom Kulturamt Wiesbaden und dem Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Sie verstehen sich als spartenübergreifendes Festival und finden mit Begleitveranstaltungen auch in Darmstadt und Frankfurt statt. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung  das Jubiläum ihres 20. jährigen Bestehens.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

20. Wiesbadener Literaturtage starten am 5. Nov. 2017 – spartenübergreifendes Programm

wsbn.littage5.-9.11.17wDas spartenübergreifende Festival Wiesbadener Literaturtage – veranstaltet vom Kulturamt Wiesbaden / Literaturhaus Villa Clementine mit Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain – feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum.

Der Auftakt der Literaturtage findet am Sonntag, 5. November, um 18 Uhr im Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, statt. Das Museum ist einer der Orte, die Frank Witzel bereits als Jugendlichen geprägt haben. Besonders die Gemälde von Jawlensky haben einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen. Zum Auftakt der Literaturtage kann sich der Besucher mit Frank Witzel auf einen virtuellen literarischen Rundgang mit dem Titel „Wiesbadener Heimsuchung“ begeben. Dabei offenbart sich sein individueller Zugang zu bildender Kunst, jenseits von kunsthistorischen Bildbetrachtungen. Seine Geschichten zu zwei Dutzend Gemälden der umfangreichen Sammlung hat Frank Witzel in einem literarischen Text festgehalten, der auch als Mediaguide in Kooperation mit dem Museum und hr2 produziert worden ist. Musikalisch wird der Auftakt der Literaturtage von dem Gitarrenvirtuosen Volkmar Zimmermann untermalt. Geboren in Wiesbaden, lebt dieser seit langer Zeit in Kopenhagen und gehört zu den besten Interpreten zeitgenössischer Gitarrenmusik.

Am Tag darauf – Montag, 6. November, um 19.30 Uhr – kann man Frank Witzel zusammen mit dem Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern im Literaturhaus unter dem Motto „Grund unter Grund“ erleben. Witzel liest im ersten Teil des Abends aus seinem neuen Roman „Direkt danach und kurz davor“. Das Gespräch mit ihm führt Shirin Sojitrawalla, DLF und taz. Im zweiten Teil verbindet sich Witzels Lyrik mit den Klängen von Uwe Dierksen. Ein Chor unterschiedlicher Stimmen fragt in Frank Witzels neuem Roman „Direkt danach und kurz davor“ nach dem, was wirklich geschah. So steigt der Leser in die Bodenlosigkeit von Geschichte und sieht hinab in das Grauen des Menschenmöglichen. Mit dem Roman war Frank Witzel für die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert. Im zweiten Teil des Abends trifft Witzel auf den Posaunisten Uwe Dierksen vom Ensemble Modern. Für die Frankfurter Lyriktage haben die beiden ein Projekt erarbeitet, das die Gründe und Untergründe aufzeigt, die sich durch das Aufeinandertreffen, Ineinandergreifen, Ergänzen und Kontrastieren von Musik und Lyrik ergeben.

Ein ganz besonderes Gastspiel findet am Dienstag, 7. November, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters statt: Zum ersten Mal bringen die Schauspielerinnen Jule Böwe, Julia Riedler und Julischka Eichel das ihnen von Frank Witzel gewidmete Stück „Jule, Julia, Julischka“ zu Gehör. Darin geraten drei Schauspielerinnen auf einer Probebühne derart aneinander, dass bald nicht mehr zu sagen ist, wo ihre Rollen anfangen und ihre Figuren enden. Jule Böwe ist Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Außerdem kann man sie in vielen Hörspielen und Filmen erleben. Julischka Eichel gehört zum Ensemble im Schauspiel Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit spielt sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen. Julia Riedler ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkt sie in Film- und Fernsehproduktionen sowie als Sprecherin in Hörspielen mit. Eingerichtet wurde das Stück von Thomas Martin. Er war von 2010 bis 2017 Chefdramaturg und Hausautor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Der Eintritt für den Auftakt frei. Für die Veranstaltung am Montag, 6. November, Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, kostet der Eintritt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse kostet der Eintritt 16 Euro, ermäßigt 13 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; Frankfurt Ticket, Frankfurt Hauptwache (B-Ebene), Telefon (069) 1340400; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Für die Veranstaltung am Dienstag, 7. November, im Staatstheater Wiesbaden, Kleines Haus, Christian-Zais-Straße 3, kostet der Eintritt 18 Euro, ermäßigt 12 Euro. Kartenvorverkauf: An der Kasse im Theater oder online unter www.staatstheater-wiesbaden.de; Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Telefon (0611) 304808; online unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wiesbaden.de/literaturtage.

Volker Kutscher erhält das Wiesbadener Krimistipendium 2018

Volker Kutscher Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Kutscher Foto: Diether v. Goddenthow

Volker Kutscher wird mit dem Krimistipendium der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Im März 2018 wird der renommierte und bekannte Krimiautor im Rahmen des Stipendiums vier Wochen lang in Wiesbaden leben und arbeiten, einen von seinem Aufenthalt inspirierten Kurzkrimi schreiben und in der Jury des Deutschen Fernsehkrimifestivals mitwirken. Das mit 4.000 Euro dotierte Krimistipendium wird im kommenden Jahr zum zehnten Mal vergeben.

„Volker Kutscher versteht es wie kaum ein anderer Krimiautor, historische Fakten und Literatur auf spannende Weise miteinander zu verbinden“, sagt Kulturdezernent Axel Imholz. In seinen Kriminalromanen beschreibe er auf eindrückliche Weise das Lebensgefühl der späten 20er- und 30er Jahre, einer von Emanzipation, Freiheit, Wirtschaftskrise und politischen Unruhen geprägten Epoche, die in den Nationalsozialismus mündete.

Auch freue er sich, das Krimistipendium an einen Autor vergeben zu können, der selbst Erfahrungen mit der Adaption seiner Bücher in andere Medien gemacht hat. „Im Herbst läuft die Serie ‚Babylon Berlin‘ nach den Romanen von Volker Kutscher und unter der Regie von Tom Tykwer im Fernsehen an. Vor diesem Hintergrund ist es eine besondere Freude, Volker Kutscher in Wiesbaden beim spartenübergreifenden ‚KrimiMärz‘ zu Gast zu haben“, so Imholz.

Volker Kutscher wurde 1962 in Lindlar geboren und wuchs in Wipperfürth auf. Nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft in Wuppertal und Köln arbeitete er unter anderem als Journalist, heute lebt er als freier Autor in Köln. Bekanntheit erlangte Kutscher durch seine Reihe um den Kölner Kriminalkommissar Gereon Rath, deren erster Teil namens „Der nasse Fisch“ 2007 erschien. Die Bücher spielen im Berlin der Weimarer Republik bis in die Anfangsjahre des Dritten Reichs und thematisieren verschiedene Aspekte der damaligen Zeit, von der Vergnügungssucht der 20er Jahre bis hin zu immer gewalttätigeren Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Mit „Lunapark“ ist im November 2016 der sechste Band erschienen, insgesamt sind mindestens acht Bände geplant. Die Reihe wurde 2011 mit dem Berliner Krimipreis Reinickendorfer Krimifuchs und 2012 mit dem Krimi-Blitz von Krimi-Couch.de ausgezeichnet, der zweite Band der Reihe, „Der stumme Tod“, erhielt zudem den Burgdorfer Krimipreis 2010.