Kategorie-Archiv: Naturhistorisches Museum

Sonderausstellung „Wälder, Flüsse, Dünen – Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz“ im Naturhistorischen Museum Mainz

Sonderausstellung „Wälder, Flüsse, Dünen – Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz“ im Naturhistorischen Museum Mainz im 2. OG © Foto Diether v. Goddenthow
Sonderausstellung „Wälder, Flüsse, Dünen – Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz“ im Naturhistorischen Museum Mainz im 2. OG © Foto Diether v. Goddenthow

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, könnte auch das Motto der spannenden, in diesen Tagen im  Naturhistorischen Museum Mainz eröffneten Sonderausstellung „Wälder, Flüsse, Dünen – Naturlandschaften in Rheinland-Pfalz“ lauten.
Eingeladen wird zu einer Landschaftsreise durch Rheinland-Pfalz, einem Bundesland, welches überaus reich an ganz unterschiedlichen Naturräumen mit hoher Biodiversität ist.
Jeweils für die verschiedenen Landschaftstypen wurden in der Ausstellung konkrete Beispiele ausgewählt und plakativ dargestellt. Ob Weinberg-Wildnis im Moseltal oder Wasser-Welten am und im Rhein – zu jedem Lebensraum hat das Team des Museums passende Exponate aus den Magazinen ausgesucht.

Doch die Ausstellung ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die langfristigen Pläne des Naturhistorischen Museums. Denn nachdem die Gäste die Erdgeschichte von Rheinland-Pfalz im Zeitraffer über 400 Millionen Jahre bereits im Erdgeschoss des Museums entdecken können, werden künftig auch die heutigen Landschaften umfassend in jeweils eignen Räumen ausgestellt.
„Als größtes Naturkundemuseum und Hüter der naturkundlichen Landessammlung in Rheinland-Pfalz verstehen wir uns als Schaufenster für die Schätze und Schönheiten der Natur unserer Heimat. Dabei bieten wir nicht nur einen Blick ins Land, sondern zeigen auch, weshalb natürliche Vielfalt für uns alle so wichtig ist“, so Museumsdirektor Dr. Bernd Herkner.

Die Einbeziehung seiner Gäste ist dem Naturhistorischen Museum ebenfalls ein großes Anliegen: In einer „Wünsch-dir-was“-Station hat das Publikum die Gelegenheit, Feedback, Ideen und Anregungen zur Ausstellung zu hinterlassen.

„Wälder, Flüsse, Dünen – Naturschätze in Rheinland-Pfalz“ befindet sich im Sonderausstellungsraum im 2. Zwischengeschoss des Naturhistorischen Museums Mainz und ist im Museumseintritt enthalten.

Naturhistorisches Museum
Reichklarastraße 10
55116 Mainz
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Gutenberg-Bibel, Druckerladen & Co. ziehen ab 2023 während der Neubauphase um ins Naturhistorische Museum

„Mit Gutenberg in die Zukunft — Schlaglichter einer Medieninnovation“, lautet der vielversprechende Titel der Interimsausstellung, die das Gutenberg-Museum von Ende 2023 bis zur geplanten Neubau-Eröffnung Anfang 1926 im Naturhistorischen Museum in der Reichklarastraße zeigen wird. Das Konzept zu den Interimsplanungen stellte Kulturdezernentin Marianne Grosse mit den Direktoren von Gutenberg- und Naturhistorischem Museum bei einem Pressetermin heute im Naturhistorischen Museum vor. Visualisierung Prolog ATELIER BRÜCKNER
„Mit Gutenberg in die Zukunft — Schlaglichter einer Medieninnovation“, lautet der vielversprechende Titel der Interimsausstellung, die das Gutenberg-Museum von Ende 2023 bis zur geplanten Neubau-Eröffnung Anfang 1926 im Naturhistorischen Museum in der Reichklarastraße zeigen wird. Das Konzept zu den Interimsplanungen stellte Kulturdezernentin Marianne Grosse mit den Direktoren von Gutenberg- und Naturhistorischem Museum bei einem Pressetermin heute im Naturhistorischen Museum vor. Visualisierung Prolog ATELIER BRÜCKNER

Während am angestammten Standort am Liebfrauenplatz der aus den 1960er-Jahren stammende Schellbau niedergelegt und an gleicher Stelle ein Neubau errichtet wird, findet das Gutenberg-Museum mit seinen wichtigsten Exponaten im Naturhistorischen Museum (nhm) einen Unterschlupf, der weit mehr als eine notdürftige Behelfslösung ist. Dafür wird der noch aus dem Mittelalter stammende Gebäudetrakt des ehemaligen Reichklaraklosters  entsprechend ertüchtigt werden, so dass bis Ende 2023 die wichtigsten Exponate, darunter die Gutenberg-Bibel, sowie die Druckwerkstatt und der Druckerladen umziehen können.

Im künftigen Hauptraum, in dem zurzeit das Naturhistorische Museum noch eine bedeutende Sammlung zur Entwicklung der Pferde – vom Urpferd bis heute – zeigt,  wird das Gutenberg-Museum die Interimsausstellung „Mit Gutenberg in die Zukunft — Schlaglichter einer Medieninnovation“ bis zur geplanten Neubau-Eröffnung des Gutenberg-Museums Anfang 1926 zeigen.

Museumsdirektoren Dr. Ulf Sölter vom Gutenberg-Museum erörterte im künftigen Hauptbereich der Interim-Ausstellung „Schlaglichter einer Medienrevolution“    die Säulen des Konzepts wie: Gutenberg-Bibeln, Gutenberg-Werkstatt, Gutenberg-Druckladen, Gutenberg-Interaktiv, Gutenberg-Vermittlung und Gutenberg-Sonderausstellung. © Foto Diether v. Goddenthow
Museumsdirektoren Dr. Ulf Sölter vom Gutenberg-Museum erörterte im künftigen Hauptbereich der Interim-Ausstellung „Schlaglichter einer Medienrevolution“ die Säulen des Konzepts wie: Gutenberg-Bibeln, Gutenberg-Werkstatt, Gutenberg-Druckladen, Gutenberg-Interaktiv, Gutenberg-Vermittlung und Gutenberg-Sonderausstellung. © Foto Diether v. Goddenthow

Das einstige Refektorium, ein bislang wegen seiner klimatisch ungünstigen Verhältnisse ungenutzter Kreuzgewölberaum, der einzige original erhaltene Saal des Reichklaraklosters, in dem höchstwahrscheinlich schon Johannes Gutenberg höchstpersönlich weilte, wird zur so genannten „Schatzkammer“ ausgebaut: In dieser werden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und strengen konservatorischen Vorgaben die ältesten und wertvollsten Exponate des Gutenberg-Museums, darunter die Gutenberg-Bibeln, untergebracht werden.

Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse, hier im 2. OG dem künftigen Bereich "Sonderausstellungen", machte  deutlich, Dass der Unterschlupf, den das Gutenberg-Museum mit seinen wichtigsten Exponaten im Naturhistorischen Museum findet, weit mehr als eine Behelfslösung sei.  © Foto Diether v. Goddenthow
Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse, hier im 2. OG, dem künftigen Bereich „Sonderausstellungen“, machte deutlich, dass der Unterschlupf, den das Gutenberg-Museum mit seinen wichtigsten Exponaten im Naturhistorischen Museum findet, weit mehr als eine Behelfslösung sei. © Foto Diether v. Goddenthow

Das „Umzugsprojekt“ mit der geplanten Interims-Ausstellung „Mit Gutenberg in die Zukunft — Schlaglichter einer Medieninnovation“ stellten Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse, Museumsdirektoren Dr. Ulf Sölter vom Gutenberg-Museum sowie Dr. Bernd Herkner vom Naturhistorischen Museum Mainz heute der Presse vor. Kulturdezernentin Marianne Grosse dankte dem Naturhistorischen Museum und seinem Direktor ausdrücklich für die Bereitschaft, dem ebenfalls in städtischer Trägerschaft stehenden Gutenberg-Museum dafür ein Domizil anzubieten. „Ohne diese herausragende und sehr kollegiale Unterstützung wäre dieser Weg nicht gangbar.“
Im Erdgeschoss des Kirchenschiffs wird das Gutenberg-Museum seine zentrale Ausstellungsfläche zur Zukunft des Gutenberg-Museums haben. Die Gutenberg-Werkstatt mit Vorführungen an der Druckerpresse und Druckladen werden im Stockwerk darüber untergebracht.  Den großen Raum im zweiten Obergeschoss können beide Museen abwechselnd als Sonderausstellungsraum nutzen. Im Außenbereich schließlich ist ein Shop geplant, außerdem ist ein kleiner Café-Betrieb denkbar.

Der Arbeitsprozess und die Abstimmungsverfahren sind noch nicht abschließend beendet, deshalb steht noch nicht fest, ob die Ausstellung bis ins letzte Detail so aussehen wird, wie in den präsentierten Visualisierungen, die einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Ausstellung geben sollen. Marianne Grosse erläuterte die grundlegenden Ideen des Konzeptes: „Die Besucher:innen werden sich, nach einer kurzen Einführung in das Leben und Werk Johannes Gutenbergs, entlang von Themeninseln Inhalten und Exponaten nähern, die die Medieninnovation Gutenbergs in die Gegenwart holen. Von „Meinung machen“ über „Welt beschreiben“ bis zu „Pracht entfalten“ oder „Zeit vertreiben“ laden unterschiedliche Zusammenhänge zur Auseinandersetzung mit der Frage ein, wie relevant das Wirken Gutenbergs heute noch ist. Unser Szenografiekonzept beinhaltet eine neue, frische und zeitgemäße Ansprache der Gäste des Gutenberg-Museums.“

„Wir sind unglaublich dankbar, dass wir Gutenberg und sein Erbe während der Bauzeit in unserem Schwestermuseum präsentieren dürfen“, sagte Dr. Ulf Sölter, Direktor des Gutenberg-Museums. Er freue sich auf die intensivierte Zusammenarbeit, von der sicherlich beide Seiten profitieren würden. „Wenn Teams enger zusammenrücken, können daraus ganz neue, spannende Ideen für gemeinsame Projekte entstehen“, ist er überzeugt.

Dr. Ulf Sölter, Direktor Gutenberg-Museum, Dr. Bernd Herkner, Direktor Naturhistorisches Museum, Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse und Gilbert Korte, Werkleiter der Gebäudewirtschaft Mainz erläutern die Planungen, den einstigen Speisesaal des Reichklaraklosters  in eine „Schatzkammer“ zu verwandeln, die höchsten Sicherheitsvorkehrungen und strengen konservatorischen Vorgaben zur Präsentation der ältesten und wertvollsten Exponate  des Gutenberg-Museums zu erfüllen.  © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Ulf Sölter, Direktor Gutenberg-Museum, Dr. Bernd Herkner, Direktor Naturhistorisches Museum, Kultur- und Baudezernentin Marianne Grosse und Gilbert Korte, Werkleiter der Gebäudewirtschaft Mainz erläutern die Planungen, den einstigen Speisesaal des Reichklaraklosters in eine „Schatzkammer“ zu verwandeln, die höchsten Sicherheitsvorkehrungen und strengen konservatorischen Vorgaben zur Präsentation der ältesten und wertvollsten Exponate des Gutenberg-Museums zu erfüllen. © Foto Diether v. Goddenthow

Noch in ganz anderem Zusammenhang zeigt sich die Zukunftsfähigkeit dieser Zusammenarbeit: „Alle notwendigen Arbeiten werden vom Gedanken der Nachhaltigkeit getragen“, sagt Grosse. Sämtliche für das Gutenberg-Museum ertüchtigten Räume im Interim wird das Naturhistorische Museum weiter nutzen, wenn das Gutenberg-Museum wieder ausgezogen ist. Außerdem ist eine Weiternutzung von Vitrinen und Einbauten geplant, die im Museumsbetrieb auch über die Interimsphase hinaus Verwendung finden sollen.

Raumplan Konzept für die Interimsunterbringung des Gutenberg-Museums im Naturhistorischen Museum - ATELIER BRÜCKNER
Raumplan Konzept für die Interimsunterbringung des Gutenberg-Museums im Naturhistorischen Museum – ATELIER BRÜCKNER

Denn der langfristige Nutzen war auch für den Direktor des Naturhistorischen Museums, Dr. Bernd Herkner, ein ausschlaggebendes Argument, der sagt: „Denn als größtes Naturkundemuseum in Rheinland-Pfalz möchten wir künftig Schaufenster für unser Bundesland sein, aber ebenso Zentrum für Forschung und Vermittlung zu den drängenden Themen unserer Zeit.“ Gleichzeitig freut auch er sich auf die noch wichtiger werdende kollegiale Zusammenarbeit: „Unsere Häuser sind schon lange vertrauensvoll verbunden“, so Bernd Herkner.

Urpferdchen mit Fohlen neues Highlight im Naturhistorischen Museum Mainz

Die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (li) und Nicole Fischer, stellvertretende Museumsleiterin, konnten gestern im Naturhistorischen Museum Mainz die neue lebensechte Rekonstruktion des 44 Millionen Jahre alten Urpferdchens samt ihres Fohlens der Öffentlichkeit präsentieren. © Foto Diether v. Goddenthow
Die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (li) und Nicole Fischer, stellvertretende Museumsleiterin, konnten gestern im Naturhistorischen Museum Mainz die neue lebensechte Rekonstruktion des 44 Millionen Jahre alten Urpferdchens samt ihres Fohlens der Öffentlichkeit präsentieren. © Foto Diether v. Goddenthow

Das Naturhistorische Museum Mainz ist um eine Sensation reicher: Das 44 Millionen Jahre alte und gerade einmal 50 Zentimeter Schulterhöhe messende Urpferdchen („Propalaeotherium“), welches 1991 im 142 Kilometer entfernten Eckfelder Maar in der Eifel bei Grabungen als Versteinerung in einer Schieferplatte gefunden und präpariert worden war, wurde nun lebensecht rekonstruiert. Das äußerst gelungene Lebensbild-Präparat ist weiteres Glanzlicht des Paläö-Künstlers Ramon López, der bereits 2019 zur Neueröffnung nach Museums-Renovierung eine einzigartiges originalgetreue Nachbildung des 4,60 m in Schulterhöhe messenden Hauer-Elefants angefertigt hatte.

Gestern nun konnten Marianne Grosse, Mainzer Kulturdezernentin, und Nicole Fischer, stellvertretende Museumsleiterin, die Großvitrine für die neu konzipierte Ausstellungseinheit enthüllen und die lebensechte Urpferdchen-Stute und ihrem Fohlen präsentieren. Der Fund sei „etwas ganz, ganz Besonderes“, „denn man konnte noch erkennen, dass die Stute, deren Skelett gefunden worden war, trächtig war“, so die Kulturdezernentin. Um zu verstehen, warum dieser Sensationsfund so gut erhalten war, müsse man die geowissenschaftlichen Zusammenhänge des Eckfelder Maars bei Manderscheid in der Eifel ein wenig verstehen. Im erdgeschichtlichen Rückblick herrschte im Eozän ein viel wärmeres Klima als heute. In der Eifel wuchs ein tropischer Urwald, exotische Tiere kämpften sich durch dieses Dickicht und fanden ihren Lebensraum am See, so auch das Urpferdchen.

Das Urpferdchen mit Fohlen als Rekonstruktion des Paläo-Künstlers Ramon López ist eine zentrale Einheit in der neu-konzipierten Ausstellungseinheit im Naturhistorischen Museum zum Thema „Europäisches Eozän“t. López stellte bereits 2019 zur Wiedereröffnung des Naturhistorischen Museums das sogenannte „Schreckenstier“ („Deinotherium“) - das Wappentier des Museums - für die Eingangshalle des Hauses her. © Foto Diether v. Goddenthow
Das Urpferdchen mit Fohlen als Rekonstruktion des Paläo-Künstlers Ramon López ist eine zentrale Einheit in der neu-konzipierten Ausstellungseinheit im Naturhistorischen Museum zum Thema „Europäisches Eozän“. López stellte bereits 2019 zur Wiedereröffnung des Naturhistorischen Museums das sogenannte „Schreckenstier“ („Deinotherium“) – das Wappentier des Museums – für die Eingangshalle des Hauses her. © Foto Diether v. Goddenthow

Das Eckfelder Maar ist heute ein Trockenmaar, aber es war im Eozän mit Wasser gefüllt. Die Hänge des Sees führten steil ins Innere des Sees, und man vermutet, dass die kleinen Pferdchen, die zumeist in Gruppen unterwegs waren, vielleicht durch eine Unachtsamkeit oder einen kleinen Erdstoß in den See stürzten und dort verendeten. Dadurch wurden Tiere und Pflanzen, die dort hineingerieten, in feinen Seeschlamm eingebettet und somit für Millionen Jahre konserviert. Diese Schicht ist Millionen Jahre alte und im Laufe der Zeit wurde aus dem feinen Schlamm so genannter Ölschiefer. In diesem Ölschiefer ist die Eozän-Lebenswelt als Fossilien erhalten.
„Rund 30.000 einzigartige Fossilien konnten bisher im Maar ausgegraben werden, die in der dem Museum angegliederten Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz aufbewahrt werden. Die Highlights sollen natürlich in Zukunft ebenfalls im Museum den Besuchern und Besucherinnen gezeigt werden. Das Eckfelder Maar ist neben dem Unesco-Welterbe Grube Messel in Hessen und der Fossillagerstätte Geiseltal in Sachsen-Anhalt eine der drei bedeutendsten Eozän-Fossilienstätten in Deutschland und weltweit bekannt, die viel zum Verständnis der Natur von vor 44 Millionen Jahren verrät. Ich bin stolz, dass wir dieses Wissen ab heute mit den Gästen teilen dürfen“, betont Kulturdezernentin Marianne Grosse.

Eine bedeutende Sammlung zur Entwicklung der Pferde vom Urpferd bis heute zeigt das Naturhistorische Museum Mainz.  © Foto Diether v. Goddenthow
Eine bedeutende Sammlung zur Entwicklung der Pferde vom Urpferd bis heute zeigt das Naturhistorische Museum Mainz. © Foto Diether v. Goddenthow

Die hier gezeigten Fossilien sollen nun durch diese lebensechten Rekonstruktionen den Besuchern des Naturhistorischen Museums nähergebracht werden. Die Präparation übernahm der Präparator Thomas Engel und im Anschluss wurde dann das Urpferd von Paläo-Künstler Ramon Lopez lebensecht rekonstruiert.

Diese Rekonstruktion erfülle im Grunde zwei Aufgaben in unserem Haus. Einmal reihe sie sich ein in unsere bedeutende Pferdesammlung vom Urpferd über eiszeitliche Pferde bis hin zu den heutigen Pferden, Eseln und Halbeseln, darunter drei südafrikanische Steppenzebras (Quaggas), wovon weltweit nur noch 23 Exemplare dieses um 1900 ausgestorbenen Tieres existierten. Zum anderen soll die gesamte Vitrine mit der lebensechten Rekonstruktion sich später in den erdgeschichtlichen Rundgang, einer kleinen Zeitreise durch 400 Millionen Jahre im anderen Gebäudeteil einreihen, so Nicole Fischer. Es fehle noch das Zeitalter des „Europäischen Eozän“ im ehemaligen Eingangsbereich. Im Naturhistorischen Museum Mainz bestünde das Prinzip, „dass wir Lebensechtheit-Positionen zeigen, damit man es sich vorstellen kann, über was wir hier sprechen“, so die stellvertretende Museumsdirektorin.

Erstmals auch eine  begleitende Animation, in der zu sehen ist, wie es wohl   vor 44 Millionen im tropischen Regenwald am Eckfelder Maar in der Eifel ausgesehen haben mag.. © Foto Diether v. Goddenthow
Erstmals auch eine begleitende Animation, in der zu sehen ist, wie es wohl vor 44 Millionen im tropischen Regenwald am Eckfelder Maar in der Eifel ausgesehen haben mag.. © Foto Diether v. Goddenthow

Zudem habe man zum ersten Mal die Rekonstruktion auch durch eine Animation des damaligen tropischen Lebensraums erweitert, damit Besucher und Besucherinnen, insbesondere aber auch Kinder und Jugendliche sich besser vorstellen können, wie es im Eozän damals aussah. Diese Animation ist mit der Expertise dieses Hauses entstanden, so Fischer, die noch ein Bonbon zum Schluss verriet: Das bereits in der Animation herum huschende urzeitliche Äffchen „werden wir auch als Rekonstruktion bekommen und bald hier präsentieren dürfen- Es wird dem Urpferdchen gut zur Seite stehen“.

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Bunter Herbst im Naturhistorischen Museum Mainz

© Foto Diether v Goddenthow
© Foto Diether v Goddenthow

(rap) Pünktlich zum Herbstbeginn gibt es neue Termine im Naturhistorischen Museum. In den Ferien können alle zwischen sechs und 10 Jahren, die Spaß an Natur, Forschen und Kreativität haben, bei dem Halbtagesprogramm „Herbst-Forscher“ zu Raubtier-Experten werden.

Ab Ende Oktober heißt es zudem wieder „Licht an!“. Dann geht es für die ganze Familie mit Taschenlampen auf Entdeckungsreise durchs dunkle Museum.
Die „Naturspürnasen“ erforschen jeden Monat ein neues Tier. Mit kleinen Geschichten, Experimenten und Basteleien entdecken Kinder spielerisch die Vielfalt unserer Welt und Zusammenhänge in der Natur.
Wer den Mainzer Wolf „Luigi“ näher kennenlernen möchte, kann zudem eine individuelle Führung durch die Sonderausstellung „WolfsWelt – Von den Alpen zu A 60“ buchen. Daneben bietet das Museum Führungen und Programme zu vielen weiteren Themen für Erwachsene, Familien und Kinder an.

Alle Programme können ab sofort gebucht werden, unter: buchung.nhm@stadt.mainz.de oder telefonisch unter 06131 -122913. Weitere Infos gibt es zudem unter www.mainz.de/nhm.

Uropa aller Wölfe weltweit stammt aus Wiesbaden Biebrich – Naturhistorisches Museum zeigt die Sonderausstellungen „Wolfswelt“ u. „Wolfsland“ ab 9. Juli 2021

"Luigi" so wurde der Mainzer Wolf aufgrund seiner italienischen Herkunft getauft. © Foto Diether v. Goddenthow
„Luigi“ so wurde der Mainzer Wolf aufgrund seiner italienischen Herkunft getauft. © Foto Diether v. Goddenthow

Das Naturhistorische Museum Mainz präsentiert nach langer Corona-Schließung ab Freitag, 09. Juli 2021 seine neue Sonderausstellung WOLFSWELT und WOLFSLAND.

Aufhänger zu diesen zwei Ausstellungen „WOLFSWELT“ und „WOLFSLAND“ war der „Mainzer Wolf“, welcher im Januar 2020 auf der A60 überfahren wurde. Die Autobahnmeisterei hatte seinerzeit das – zunächst nicht eindeutig als toter Wolf identifizierte – Tier mit Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde dem Naturhistorischen Museum übereignet. Dort war man sich aber schnell sicher, dass es sich um einen Wolf handelte. Um aber absolute Gewissheit zu erlangen und herauszufinden, aus welcher Gegend Europas der Wolf abstammen würde, ließen Chefpräparatorin Sylva Scheer und Nicole Fischer, stellvertretende Museumsdirektorin, den von ihnen nach Berlin transportierten Wolf im Berliner Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) epigenetisch auf seine Herkunft untersuchen. Die Überraschung: Der „Mainzer Wolf“ war nicht wie üblicherweise für in Deutschland ansässig gewordene Wölfe ein Einwanderer (Nachkomme) aus Osteuropa.

Chefpräparatorin Sylva Scheer vor ihrer wunderbaren "Schöpfung", Luigi, der ausgestopfte Mainzer Wolf. © Foto Diether v. Goddenthow
Chefpräparatorin Sylva Scheer vor ihrer wunderbaren „Schöpfung“, Luigi, der ausgestopfte Mainzer Wolf. © Foto Diether v. Goddenthow

Der „Mainzer Wolf“, so Museumsdirektor Dr. Bernd Herkner beim heutigen Presserundgang, sei ein Italiener. So gehöre der Mainzer Wolf genetisch zur Alpenpopulation. Deren Ursprung liege in Italien, im Apennin. Rund ein Dutzend Wölfe, die von dort abwanderten, siedelten sich in den 1990er Jahren in den Alpen an und etablierten dort eine Population, die sich bis heute weiter ausbreitete. Der Mainzer Wolf sei, so hätten weitere Rückfragen bei französischen Kollegen ergeben, wohl über Frankreich zu uns gekommen, so der Museumsdirektor.

Themenbereich "Wolf trifft Beute"  Wölfe können problemlos tagelang ohne Nahrung auskommen. Machen sie Beute, fressen sie so viel wie möglich in kurzer Zeit. Wölfe verschlingen teils über 15 % des eigenen Körpergewichts, was bis zu 10 kg Nahrungsmenge entsprechen kann. © Foto Diether v. Goddenthow
Themenbereich „Wolf trifft Beute“ Wölfe können problemlos tagelang ohne Nahrung auskommen. Machen sie Beute, fressen sie so viel wie möglich in kurzer Zeit. Wölfe verschlingen teils über 15 % des eigenen Körpergewichts, was bis zu 10 kg Nahrungsmenge entsprechen kann. © Foto Diether v. Goddenthow

Was aber mache ein Alpen-Wolf in Mainz? Es gäbe immer wieder sogenannte Wanderwölfe, umherziehende Einzelgänger, die weite Strecken zurücklegten, vertieft SylvaScheer beim Ausstellungsrundgang. Ungeklärt sei bislang, weshalb ein Wolf zum Wanderwolf werde. Sicherlich sei die Partner- und Reviersuche dabei ein wichtiger Faktor. Denn zumeist seien es Wolfs-Rüden, die es dabei so weit- teils über gefährliche Routen und unter schwierigsten Bedingungen – in die Ferne zöge, so die Präparatorin und Zoologin. Ihrem Können verdankt der nunmehr auf Luigi „Getaufte“ sein neues „ewiges“ Leben als Tier-Präparat. Luigi begrüßt die Besucher gleich zum Auftakt der Ausstellung: „Woher kommt der Wolf“. Didaktisch bestens in Bild und Text aufbereitet, folgen die Bereiche: „Wolf trifft Wolf“, „Wolf trifft Wald“, „Wolf trifft Beute“, „Wolf trifft Fuchs“, „Wolf trifft Hund“ und „Wolf trifft Mensch“.

Die Wiege der Wölfe steht in Wiesbaden-Biebrich

Canis Mosbachensis - der Uropa aller Wölfe weltweit vermutet man in Wiesbaden Biebrich. © Foto Diether v. Goddenthow
Canis Mosbachensis – der Uropa aller Wölfe weltweit vermutet man in Wiesbaden Biebrich. © Foto Diether v. Goddenthow

Hätten Sie’s gewusst? Die Wiege der Wölfe steht in Wiesbaden-Biebrich. Der „Urgroßvater“ aller Wölfe weltweit stammt aus den Mosbacher Sanden.  So hat man in eiszeitlichen Ablagerungen des Zusammenflusses von Rhein und Main um 1910 auf dem Gebiet des Dorfes Mosbach (heute Wiesbaden-Biebrich) Unterkieferreste einer kleinen Wolfsart entdeckt. Nach dem Fundort wurde dieser Spezies, so Dr. Bernd Herkner, später der wissenschaftliche Name Canis mosbachensis gegeben. Von dort aus verbreiteten sich die Wölfe vor 600 000 Jahren in Europa und Asien. Sie gelten als die Vorfahren aller heutigen Wölfe der Art Canis lupus.

Wolfsland

Kein anderes Tier beschäftigt den Menschen wohl so sehr, wie der Wolf. Die Reaktionen reichen bekanntermaßen von Besorgnis bis Begeisterung, wobei mitunter Probleme schöngeredet werden oder der Wolf als „Bösewicht“ pauschal verteufelt wird. Doch nur, wenn wir den Wolf sachlich als normales Wildtier mit all seinen natürlichen Eigenschaften sehen, können wir vernünftige Lösungen erarbeiten, so Martina Kracht, Leiterin der pädagogischen Vermittlung.

Wie fühlt es sich an, ein  Wolfsfell zu streicheln? © Foto Diether v. Goddenthow
Wie fühlt es sich an, ein Wolfsfell zu streicheln? © Foto Diether v. Goddenthow

Während die Ausstellung „Wolfswelt“ insbesondere der Wissensvermittlung dient, widmet sich die zweite Ausstellung „Wolfsland“ der Auseinandersetzung mit dem Thema Wolf. Mitmachstationen laden hier zum Mittun ein. So können Besucher an einer Tafel „Der Wolf und wir“ mit drei ihnen zur Verfügung gestellten Abstimmungs-Chips per Einwurf in entsprechende Antwortschlitze Fragen zu ihrem Verhältnis zum Wolf beantworten und dabei zugleich helfen, das allgemeine Meinungsbild abzubilden. Beispielsweise wird der Position „Ich will, dass Wölfe als Teil unserer natürlichen Artenvielfalt geschützt werden“ gegenübergestellt: „Ich finde, der Wolfsschutz ist einfach zu teuer. Das Geld wäre an anderer Stelle besser eingesetzt“. Oder: „Ich finde es schön, dass die Wölfe, die einst von Menschen vertrieben wurden, zurückkehren. Wir müssen wieder naturverbundener werden“ contra: „Ich halte die Wiedereingliederung des Wolfes in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft für sinnlos.“.
An einer anderen Mitmachstation können junge Menschen ihren eigenen Wolf zusammenstecken, sie können an einem Original-Fell erleben, wie es sich anfühlt, einen Wolf zu streicheln oder etwas über die Bedeutung der Wolfs-Losung, des Kots und Urins, zur Reviermarkierung erfahren.

Martina Kracht, Leiterin der Pädagogischen Vermittlung, erläutert an der Mitmachtafel, wie sie junge Menschen selbst einen Wolf "zusammenstecken" können. © Foto Diether v. Goddenthow
Martina Kracht, Leiterin der Pädagogischen Vermittlung, erläutert an der Mitmachtafel, wie sie junge Menschen selbst einen Wolf „zusammenstecken“ können. © Foto Diether v. Goddenthow

In einem dritten Bereich, der sogenannten Chill-Lounge, sind junge Besucher herzlich eingeladen, sich über Bücher und andere Infos vertiefend mit dem Wolfsthema auseinanderzusetzen oder das zuvor Gesehene sacken zu lassen. „Wir wollen, dass unsere Besucher möglichst lange im Museum verweilen und sich wohlfühlen“, erläutert der Museumsdirektor.

Mainz – Gutenberg-Museum und das Naturhistorisches Museum ab heute geöffnet

Gutenberg Museums ©  Foto Diether v. Goddenthow
Gutenberg Museums © Foto Diether v. Goddenthow

Mainz. Die Zeit der geschlossenen Türen ist vorbei. Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Mainz fünf Werktage lang unter 100 gesunken ist, dürfen sowohl das Gutenberg-Museum als auch das Naturhistorische Museum ab dem morgigen Donnerstag, 27. Mai, wieder Gäste begrüßen.
„Es erscheint mir fast wie ein Traum, dass die unfassbar langen sieben Monate des Lockdowns nun vorüber sind und die beiden städtischen Häuser ihre Ausstellungsstücke wieder zeigen können“, freut sich Kulturdezernentin Marianne Grosse.
Es warten einige Leckerbissen: Das Gutenberg-Museum präsentiert anlässlich seiner Wiedereröffnung in einer kleinen Kabinettausstellung die „Werke von Geoffrey Chaucer“ als einer der wichtigsten Veröffentlichungen von William Morris (1834-96) mit weiteren Druckwerken aus der Kelmscott Press. Die Direktorin, Dr. Annette Ludwig, sagt zu diesem „Eröffnungs-Schmankerl“: „Die in London ansässige William Morris Society bewahrt und pflegt das Erbe dieses bedeutenden englischen Buchkünstlers. Selbstverständlich kooperiert das Gutenberg-Museum mit den englischen, amerikanischen und japanischen Kolleg:innen und bereichert die Jubiläumsveranstaltungen durch eine eigens eingerichtete Kabinettausstellung aus den umfangreichen Beständen der eigenen Sammlung! Dieses Highlight ist ein schöner Auftakt zum Neustart.“

Zudem zeigt das Haus noch bis Sonntag, 13. Juni, die Sonderausstellung „Mein Lieblingsbuchstabe ist das Q. Gerhard Steidl“, mit der das Gutenberg-Museum die Verleihung des Gutenberg-Preises 2020 an den renommierten Drucker und Verleger und seinen 70. Geburtstag würdigt.

Inzwischen sind auch die aus Brandschutzgründen erforderlichen umfangreichen Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen, ab Freitag ist auch die Ostasien-Abteilung im Erweiterungsbau wieder zugänglich.

Anmeldung:
Gutenberg-Museum: Tel. 06131-12-3411, E-Mail gutenberg-museum@stadt.mainz.de, online: www.gutenberg-museum.de. Führungen und Angebote des Druckladens siehe Website.

Naturhistorischen Museum

Hauer-Elefant im Foyer des Naturhistorischen Museums Mainz ©  Foto Diether v. Goddenthow
Hauer-Elefant im Foyer des Naturhistorischen Museums Mainz © Foto Diether v. Goddenthow

Auch das Team des Naturhistorischen Museums hat sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung gewartet. „Es ist eines unserer größten Anliegen, den Wert der natürlichen Vielfalt und die Bedeutung des Menschen als Teil der Natur zu vermitteln“, sagt Direktor Dr. Bernd Herkner und betont: „Ein solches Verständnis für die Umwelt hilft nicht zuletzt sogar beim Begreifen der Pandemie-Situation.“

Im Naturhistorischen Museum gibt es 100 Minuten Zeitfenster zum reduzierten Eintrittspreis – und wer noch extra-Programm möchte, kann eine Mini-Führung buchen. Auch das Gutenberg-Museum bietet Mini-Führungen an.

In beiden Häusern gewährleisten sorgfältig ausgearbeitete Hygienekonzepte einen herzlichen, unbeschwerten und sicheren Aufenthalt: So ist die Zahl der Besucher begrenzt, es gelten die bekannten Hygiene- Abstands- und Maskenregeln, die Voranmeldung, auch vor Ort möglich, ist erforderlich und die Kontaktdaten werden erfasst. Der Nachweis einer vollständigen Impfung oder eines negativen Coronatests ist aber nicht erforderlich.

Anmeldung:
Naturhistorisches Museum Mainz
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Das Naturhistorische Museum Mainz macht blau

Das Naturhistorische Museum macht blau Bildrechte © nhm mz
Das Naturhistorische Museum macht blau Bildrechte © nhm mz

(rap) Ein Kaninchen schnuppert scheinbar an einer leuchtend himmelblauen Hortensie, große Regale mit Sammlungsgläsern voller himmelblauer Objekte und Schaukästen mit Nashornkäfern – natürlich auch in himmelblau. Das alles könnten die Gäste des Naturhistorischen Museums bestaunen – wenn das Museum denn geöffnet wäre…

Dass das Ausstellungsprojekt ARTENREICH der Künstlerin Anja Schindler trotz Museumsschließungen im Lockdown stattfindet, scheint auf den ersten Blick verwunderlich. Kulturdezernentin Marianne Grosse dazu: „Die Museen können aktuell keine Gäste empfangen, aber das bedeutet nicht, dass seit November hier nichts passiert ist. Wir wissen nicht, wie lang der Lockdown bestehen wird, aber es wird eine Zeit danach geben. Dann steht mit ARTENREICH für die Gäste schon ein tolles Ausstellungsprojekt bereit.“ Das Konzept zu ARTENREICH umfasst auch eine filmische Darstellung. Zumindest auf digitalem Weg ist daher die Ausstellung auch während der Schließung des Museums schon bald unter www.mainz.de/nhm zu sehen.

Bernd Herkner, Direktor des Naturhistorischen Museums Mainz, ergänzt: „Gerade in der aktuellen Situation mit verschärftem Lockdown sind wir froh, die letzten Wochen – mit allem gebotenen Abstand – gut genutzt zu haben. Wir befürworten die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung und haben unseren Arbeitsalltag schon lange darauf eingerichtet. Aber natürlich vermissen wir unsere Gäste, für die wir auch weiter da sein möchten.“

Anja Schindler, die als freischaffende Künstlerin in Klotten an der Mosel lebt und arbeitet, stellt mit ihrer Kunst einen neuen Blick auf die Welt der Sammlungen her. In Installationen, die an die Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts erinnern, erschafft Schindler eine eigene Welt, die nach geheimen Ordnungssystemen funktioniert und dabei die Prozesse des Sammelns und Kategorisierens beleuchtet. Nicht das Einzelstück steht im Vordergrund sondern die Gesamtkomposition, die alles vom Sammlungsgegenstand bis hin zum Ausstellungsmobiliar mit einbezieht. Ob Naturalien oder Artefakte, sie überlässt es dem Betrachter, die Wertigkeit der Dinge herzustellen.

In ihrer Künstlerischen Forschungsarbeit beobachtet, hinterfragt, erforscht und kommentiert sie die Exponate, um durch Ihre Interventionen neue Zusammenhänge zu schaffen und die Besucher anzuregen, sich einzulassen auf das Unerwartete und auf das Wundervolle der Natur.

Auch aufgrund dieser besonderen inhaltlichen Ausrichtung liegt Herkner das Projekt ARTENREICH am Herzen: „Sammlungen sind die Basis jedes Museums und gleichzeitig Gegenstand zukunftsweisender Forschungen. Leider findet dies in der Öffentlichkeit oft zu wenig Beachtung. Die Arbeit von Frau Schindler hilft uns diesen Aspekt sichtbar zu machen, denn Schätze gibt es in Museen vor und hinter den Kulissen!“

Rheinland-Pfalz: Öffnung von Museen, Ausstellungen, Galerien, Gedenkstätten, Bau- und Kulturdenkmälern ab 11. Mai möglich

Naturhistorische Museum Mainz. Im Foyer begrüßt der Hauerelefant. © Foto: Diether v Goddenthow
Naturhistorische Museum Mainz. Im Foyer begrüßt der Hauerelefant. © Foto: Diether v Goddenthow

Nach Bibliotheken, Archiven und zuletzt auch Musikschulen können nun auch Museen, Ausstellungen, Galerien, Gedenkstätten sowie Bau- und Kulturdenkmäler wieder öffnen. Eine Aktualisierung der fünften Coronabekämpfungsverordnung des Landes wird die Wiederaufnahme des Publikumsbetriebs ab 11. Mai 2020 unter Ein-haltung strenger Hygiene- und Schutzmaßnahmen ermöglichen. Dies hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits vergangene Woche angekündigt. Der Museumsverband Rheinland-Pfalz, Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) und die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) hatten in den vergangenen Wochen in Abstimmung mit dem Kulturministerium entsprechende Öffnungskonzepte vorbereitet.

Landesmuseum Mainz, © Foto: Diether v. Goddenthow
Landesmuseum Mainz, © Foto: Diether v. Goddenthow

„Besonders Museen und Galerien können Vorreiter bei der Wiederaufnahme des kulturellen Lebens sein. Sie besitzen oftmals die räumlichen Möglichkeiten, um anspruchsvolle Schutz- und Sicherheitskonzepte umzusetzen. Der Museumsverband koordiniert die Vorbereitungsarbeit der zahlreichen nichtstaatlichen Museen und stellt ein digitales Informationsangebot mit Handreichungen zur Öffnung der Museen zentral zur Verfügung. Eine schnelle Öffnung ist daher bei vielen Museen möglich! Die Landeszentrale für politische Bildung möchte die wichtige Bildungs- und Gedenkarbeit wiederaufnehmen. Mit viel Engagement wurden hier die notwendigen Vorbereitungen vorangetrieben“, so Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf.

Museum für Antike Schifffahrt des Römisch Germanischen Museums Mainz © Foto: Diether v. Goddenthow
Museum für Antike Schifffahrt des Römisch Germanischen Museums Mainz © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir freuen uns riesig, wieder Besucher*innen in Museen begrüßen zu dürfen, denn nichts ist trostloser als leere Ausstellungräume. Viele Häuser werden in der Lage sein, sofort ab dem 11. Mai wieder zu öffnen. Für einige Museen könnte die Umsetzung von Hygiene- und Vereinzelungsmaßnahmen jedoch problematisch oder sehr aufwändig werden. Mittelfristig hoffen wir, dass besucherstarke Vermittlungs- und Veranstaltungsangebote wieder anlaufen können, insbesondere in Hinblick auf die freiberuflichen Mitarbeiter*innen der Museen im Vermittlungsbereich“, ergänzt Dr. Elisabeth Dühr, Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz und Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift in Trier.

Gutenberg Museum (ohne Kurse /Vermittlung im Druckerladen). © Foto: Diether v. Goddenthow
Gutenberg Museum (ohne Kurse /Vermittlung im Druckerladen). © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die Landeszentrale für politische Bildung und die von ihr getragenen KZ-Gedenkstätten in Osthofen und Hinzert haben durch digitale Angebote die Zeit der Schließungen überbrücken können. So wurde in Osthofen eine üblicherweise öffentliche Führung zum Thema ,Gewerkschafter im KZ‘ letztes Wochenende gefilmt und ins Netz gestellt. Aber alle digitalen Informationen können nicht den Besuch der historischen und authentischen Orte oder das interaktive Gespräch in der politischen Bildung ersetzen, sondern sie nur ergänzen“, so LpB-Direktor Bernhard Kukatzki.“Deshalb sind wir froh, nächste Woche – zwar eingeschränkt – Besucherinnen und Besucher begrüßen zu können.“

BISCHÖFLICHES DOM- UND DIÖZESANMUSEUM MAINZ © Foto: Diether v. Goddenthow
BISCHÖFLICHES DOM- UND DIÖZESANMUSEUM MAINZ © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Gedenkstätten werden ab Dienstag, 12. Mai, wieder für Publikumsverkehr zugänglich sein. Die GDKE kündigte an, dass die Landesmuseen in Mainz, Koblenz und Trier, die Festung Ehrenbreitstein und Schloss Stolzenfels in Koblenz, die Römerbauten in Trier und in der Pfalz der Trifels und die Hardenburg ab Freitag, 15. Mai, ihre Pforten erneut öffnen.

Zu den Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, die für die Öffnung der Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten sowie Bau- und Kulturdenkmäler umzusetzen sind, zählen z. B. die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sowie die Steuerung des Zutritts durch Einlasskontrollen. Ansammlungen von Personen vor oder in den Einrichtungen gilt es zu vermeiden. Darüber hinaus ist zu gewährleisten, dass der Mindestabstand zwischen Personen 1,5 Meter beträgt und die Höchstzahl der sich in der Einrichtung befindlichen Personen begrenzt wird. Voraussetzung einer Öffnung ist, dass diese Auflagen insbesondere bei kleinen und historischen Gebäuden räumlich und personell umgesetzt werden können.

Stadthistorisches Museum sowie das Garnisonsmuseum auf der Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow
Stadthistorisches Museum sowie das Garnisonsmuseum auf der Zitadelle. © Foto: Diether v. Goddenthow

Kultureller Jahresauftakt der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) im Mainzer Unterhaus

Auf ein Neues 2020 - Beim  kulturellen Jahresauftakt der ZIRP stellte SWR-Moderatorin Patricia Küll vier Persönlichkeiten vor, die 2020 in Rheinland-Pfalz Neues wagen und viel bewegen möchten!  (v.li.)  Stephan Denzer Geschäftsführer und Programmplaner des Mainzer unterhauses, Dr. Bernd Herkner Leiter des Naturhistorischen Museums in Mainz, Dr. Denis Alt Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Professorin Dr. Susanne Weissman designierte Präsidentin der Hochschule Mainz sowie SWR-Moderatorin Patricia Küll. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Auf ein Neues 2020 – Beim kulturellen Jahresauftakt der ZIRP stellte SWR-Moderatorin Patricia Küll vier Persönlichkeiten vor, die 2020 in Rheinland-Pfalz Neues wagen und viel bewegen möchten! (v.li.) Stephan Denzer Geschäftsführer und Programmplaner des Mainzer unterhauses, Dr. Bernd Herkner Leiter des Naturhistorischen Museums in Mainz, Dr. Denis Alt Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Professorin Dr. Susanne Weissman designierte Präsidentin der Hochschule Mainz sowie SWR-Moderatorin Patricia Küll. © Foto: Diether v Goddenthow

Zum fünften Mal stellte die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. beim traditionellen kulturellen Jahresauftakt im Mainzer unterhaus vier prominente Persönlichkeiten aus Rheinland-Pfalz mit ihren neuen Plänen und Zielen für 2020 vor. Im Gespräch mit SWR-Moderatorin Patricia Küll verrieten Professorin Susanne Weissman, designierte Präsidentin der Hochschule Mainz, Dr. Denis Alt, seit 2019  Kulturstaatssekretär im Wissenschafts- und Kulturministerium, Dr. Bernd Herkner, seit 2019 Leiter des Naturhistorischen Museums Mainz und Stephan Denzer, seit Juli 2019 Geschäftsführer und Programmplaner des Mainzer Unterhauses, ihre wichtigsten Ziele für die kommenden 11 Monate vor. Heike Arend,  Geschäftsführerin der ZIRP konnte zahlreiche Gäste begrüßen und gab einen kurzen Rückblick . Musikalisch grandios umrahmt wurde die Veranstaltung von den jungen Musikstipendiaten der ZIRP Enrico Czmorek (Klavier) und Morgane Voisin (Violine).

Durch die Talkrunde „Auf ein Neues“ führte SWR-Moderatorin Patricia Küll. 

Professorin Dr. Susanne Weissman, designierte Präsidentin der Hochschule Mainz ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Professorin Dr. Susanne Weissman, designierte Präsidentin der Hochschule Mainz © Foto: Diether v Goddenthow

Professorin Dr. Susanne Weissman, Vizepräsidentin an der Technischen Hochschule Nürnberg, sagte, sie trete buchstäblich in große Fußstapfen ihres Vorgängers Herrn Muth. Dafür habe sie in Nürnberg mit einigen Dingen im Leben abgeschlossen, zum Beispiel ihre Psychotherapeutische Praxis und ihre Unternehmensberatung aufgegeben, um hundertprozentig ihre künftige Position an der Mainzer Hochschule auszuüben. Bei den ersten Besuchen, „die ich schon in den Fachbereichen hatte“ sei ihr aufgefallen, „dass es viele verborgene Schätze gibt, die es zu heben gilt“, deren Heben sie gerne unterstützen will. Sie hoffe in einem Jahr in wesentlichen Zügen ein gemeinsames Zielbild zu entwickeln.

 

Dr. Denis Alt, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Dr. Denis Alt, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur © Foto: Diether v Goddenthow

Aus aktuellem Anlass erinnerte Dr. Denis Alt, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur , an den weltweiten Gedenktag des Nationalsozialismus, auch um einmal deutlich zu machen, dass „wir als Ministerium im Grunde genommen die ersten sind, die unter Einschränkung der Demokratie ganz besonders zu leiden hätten. Wir vertreten die Wissenschaft die Wissenschaftsfreiheit, aber auch die Kunst und Kultur und damit die Kunst und Kulturfreiheit, die als erstes zu leiden hätten wenn, „die Demokratie unter Beschuss gerät“. Und da es gegenwärtig diese Entwicklung gibt, so Alt, „lege nahe, dass wir uns in besonderer Weise der Verteidigung unserer Demokratie in diesem Jahr 2020 verschreiben müssen“. Der Staatssekretär und Kulturmensch Alt, der gerne klassische wie rockige Musik hört, glaubt, dass die Vielfältigkeit kultureller Angebote in Rheinland-Pfalz nicht nur in Oberzentren, sondern insbesondere auch in der Fläche etwas ganz Besonderes seien. Für ihn stünde es gar nicht persönlich zur Diskussion, ob für Kultur Geld ausgegeben werden müsse, denn „wir können Kultur nicht ausschließlich am wirtschaftlichen Erfolg messen“; sondern es gäbe eben Einrichtungen, „die der Pflege von Kultur dienen“, und es gäbe „auch so etwas wie einen kulturellen Schatz und Reichtum, den man pflegen muss, den man sich für kommende Generationen bewahren muss.“, so Alt, der überzeugt davon ist, „dass es die Aufgabe eines Staates, eines öffentlichen Gemeinwesen ist, übrigens auch jeder Stadt und Gemeinde, Kulturpflege zu betreiben“ .

 

Dr. Bernd Herkner, Leiter des Naturhistorischen Museums in Mainz, ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Dr. Bernd Herkner, Leiter des Naturhistorischen Museums in Mainz, © Foto: Diether v Goddenthow

Paläoanthropologe und Dinosaurierexperte Dr. Bernd Herkner sieht im neuen Jahr seine vordringliche Aufgabe darin, „das Naturkundemuseum Mainz sichtbarer zu machen, und zwar einmal das Museum selbst, aber auch die Bedeutung der Sammlung nach außen hin zu unterstreichen. Die Sammlung des Naturkundemuseums Mainz umfasse 1,5 Millionen Objekte. Das sei eine wissenschaftliche Datenbasis, eine Datenbank der Natur, eine unschätzbare Infrastruktur für die Forschung gerade jetzt auch hinsichtlich des Artenverlustes, so der Museumsdirektor. Die Naturkundemuseen weltweit seien mit ihren Sammlungen praktisch die „Verwalter der Artenvielfalt“, da sie die Daten, die physischen Objekte dazu haben mit zum Teil darin schlummernden unbekannten wertvollen Informationen für spätere Generationen. Die notwendige Pflege der Sammlung sei sehr verbesserungswürdig, insbesondere auch im Hinblick auf ihre Digitalisierung. Selbst Sammlungen  der ganz großen Häuser in Paris und in London seien noch weniger als 10 % digitalisiert. Das sei  eine Riesenaufgabe und da müssten natürlich auch Mittel fließen, um das leisten zu können. Mit dem „Standardpersonal„ wäre man froh, gerade mal den Museumsalltag, die Ausstellungen, Vermittlung usw. zu schaffen. Da sei noch viel zu tun, und vor allem wäre für ihn in diesem Jahr noch fällig, das Konzept für den weiteren, neuen Gebäudebereich zu entwickeln, so Herkner.

Naturhistorisches Museum Mainz
Reichklarastraße 1 und 10
55116 Mainz

 

Stephan Denzer, Geschäftsführer und Programmplaner des Mainzer unterhauses ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Stephan Denzer, Geschäftsführer und Programmplaner des Mainzer unterhauses © Foto: Diether v Goddenthow

Stephan Denzer, langjähriger Leiter der Abteilung Kabarett und Comedy im ZDF, 3sat und ZDFneo, und seit Juli 2019 neuer Chef im Mainzer unterhaus will 2020 seine Visionen für ein neues unterhaus in ein klares, konkretes Bild gießen, um den Wandlungsprozess in Gang zu setzten. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei der „Heute-Show“ habe es auch fünf Jahre gedauert, bis aus dem anfänglichen Quotenflopp nun das Programmformat mit der höchsten Einschaltquote junger Zuschauer im ZDF wurde. Dem Erfinder von „Die Anstalt“, „Heute-Show“, Leute, Leute“, „Pelzig hält sich“, „Ellerbeck“, „Sketch History“ usw. fiel seine Entscheidung nicht leicht, mit knapp über 50 nochmal etwas ganz Neues zu wagen. Das Loslassen seines Leitungspostens beim ZDF, wo er viel bewegen konnte, sei eine seiner schwersten Entscheidungen im Leben gewesen. Doch die Zeit war reif, nach all dem Erreichten eine neue Herausforderung anzunehmen. Mit der Leitung der Kleinkunstbühne, „er hasse diesen Begriff Kleinkunst“, sei ihm das gelungen. Vor dieser Aufgabe habe er einen Riesenrespekt, und hoffe, dass ihm die Neugestaltung gelinge. Das Unterhaus, so Denzer, müsse wieder für alle Altersgruppen da sein, müsse zu einer Welt für alt und jung werden. Das Unterhaus müsse sich wandeln, offen für neue Formate werden, „um nicht am Ende abgehängt zu werden von den Entwicklungen wie etwa der Digitalisierung, so Denzer. Man müsse sich die Frage stellen, „wie kann ich einer solchen gravierenden gesellschaftlichen Veränderung gerecht werden, auch in einem so alten Traditionshaus wie dem unterhaus“.

Impression vom Foyerbereich im unterhaus. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Impression vom Foyer im unterhaus. © Foto: Diether v Goddenthow

Vorteilhaft sei, dass das Unterhaus über zwei Spielstätten verfüge, einmal über das traditionelle Kabarett im großen Theater unten, „und da werden wir natürlich das, was bisher dieses Haus geprägt hat und auch für eine breite Zustimmung in der Bevölkerung sorgt, weitermachen und sich das traditionelle Kabarett  weiter entfalten lassen, so Denzer. Im der oberen Theater hingegen sollen dann „die“ Jungen „ihre“ Spielstätte bekommen, wo Experimente stattfinden können, „wo das  passiert, was dann hoffentlich in Zukunft die Menschen, wenn sie nicht mehr die Treppe hier hochkommen, unten ins Theater führt“, erläutert Denzer ein wenig augenzwinkernd und zeigt damit, wie die verschiedenen „Formate“ einander befruchten könnten.

Zurzeit verknüpft sich der neue Unterhaus-Chef mit zahlreichen Mainzer Kulturinstitutionen, wie etwa dem Frankfurter Hof oder mit der Mainzer Film-Hochschule. „Wir arbeiten mit den Studenten zusammen. Wir versuchen ihnen den Einblick in Kleinkunst und Comedy zu geben, etwa wie man Inhalte lustig gestalten kann usw.. Im Gegenzug hilft die Hochschule, die ihnen neue Web- und Instagram-Auftritte gestaltet hat, das Unterhaus auf Instagram, Facebook usw. aktiver zu bewerben. „Das ist eine wunderbare Symbiose, eine Synergie, die da entsteht“, so Denzer. Er habe angehende Filmwissenschaftler und auch Studenten am journalistischen Seminar versucht für Comedy zu begeistern. Zwei seien bereits hängen geblieben, „die jetzt gemeinsam ein bisschen im unterhaus mitarbeiten wollen“.

Ja, und es stimme auch, dass ein eigenes Ensemble am Unterhaus entstehen solle. „Wir sind jetzt in der Casting-Phase“. Man könne sich noch bewerben: „Sie müssen uns ein kleines Selfie -Video schicken und irgendetwas Lustiges zu Fridays for Future sagen können. Und dann schaffen Sie’s ins Casting!“ , ermutigt der Unterhaus-Chef, es zu versuchen.

Mainzer Unterhaus
unterhaus – Mainzer Forum-Theater gGmbH
Münsterstraße 7,
55116 Mainz

Programm Mainzer Unterhaus

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Taschenlampenführung: Nachts im Naturhistorischen Museum – 10.000 Besucher/in nach Wiedereröffnung des Naturhistorischen Museums Mainz

In der neuen Eingangshalle des Naturhistorischen Museums Mainz begrüsst das „Schreckens-Tier“, ein Hauerelefant. das Wappentier des nhm, den Besucher.   ©  Foto: Diether  v Goddenthow
In der neuen Eingangshalle des Naturhistorischen Museums Mainz begrüsst das „Schreckens-Tier“, ein Hauerelefant. das Wappentier des nhm, den Besucher. © Foto: Diether v Goddenthow

Nach elfmonatiger Schließung wurde das Naturhistorische Museum Mainz (nhm) nach umfangreichen Sanierungsarbeiten am Samstag/Sonntag, 28./29. September 2019 mit einem großen Bürgerfest und bunten Programm im neuen Ausstellungsdesign vorgestellt. Das beliebte Haus konnte sich in der kurzen Zeit, die seither vergangen ist, über einen Mangel an Besucher/innen nicht beklagen. Das Interesse ist so immens, dass das Team um Museumsdirektor Dr. Bernd Herkner und seine Stellvertreterin Nicole Fischer am heutigen Freitag, 11. Oktober 2019, bereits den 10.000 Besucher im Haus mit einer kleinen Überraschung begrüßen konnten. Das runderneuerte und erweiterte Naturhistorische Museum Main hatte Ende September mit neuen Ausstellungsbereichen sowie frischen Pädagogikräumen wiedereröffnet.

Besonders Kinder und Jugendlich können sich darauf freuen, auch mit der Taschenlampe die neue Ausstellung erkunden zu können: Abends im Kegel des Taschenlampenlichts begeben sich die Gäste auf eine Zeitreise, die vor 400 Jahren beginnt und dann durch die wechselhafte Erdgeschichte der Region führt. Die Führung geleitet durch Wüsten, tropische Wälder und eiszeitliche Kältesteppen, die Teilnehmer /innen tauchen ab in urzeitliche Meere.
In der geheimnisvollen Atmosphäre des dunklen Museum sind im Taschenlampenschein die beindruckenden und teils bizarren Bewohner dieser urzeitlichen Lebensräume zu entdecken. Elefanten und Nashörner an Orten, wo heute Wein gedeiht. Seekühe und riesige Haie im Rhein. Dies und noch mehr erwartet die Gäste auf dieser spannenden Reise durch die Zeit.

Führungen: 17.00 und 18.00 Uhr.
Preise: Erwachsene 8,00 Euro, Kinder 6,00 Euro

Führungsdaten: jeweils am Freitag, 8.11., 15.11., 22.11., 29.11., 6.12.2019 sowie im kommenden Jahr am
10.1.2020, 17.1.2020, 24.1.2020

Anmeldungen sind dringend erforderlich unter:
Museumspädagogik Naturhistorisches Museum Mainz
Telefon: 06131-122913
Email: Martina.Kracht@stadt.mainz.de

Ort:
Naturhistorisches Museum Mainz
Reichklarastraße 10
55116 Mainz

Öffnungszeiten
Montag: geschlossen
Dienstag: 10 bis 17 Uhr
Mittwoch: 10 bis 17 Uhr
Donnerstag: 10 bis 17 Uhr
Freitag: 10 bis 17 Uhr
Samstag: 10 bis 18 Uhr
Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Feiertage: 10 bis 18 Uhr
(auch montags)

Montag geschlossen