Kategorie-Archiv: Gutenberg-Museum – Museum der Zukunft

Standort Gutenberg-Museum – Mitdiskutieren am 28.11. über die „Modernisierung Gutenberg-Museum“

Archivbild: © Foto: Diether v Goddenthow
Archivbild: © Foto: Diether v Goddenthow

(rap) Eine weitere öffentliche Veranstaltung zum Thema „Modernisierung Gutenberg-Museum“ soll sich schwerpunktmäßig mit der Standortfrage beschäftigen. Hierbei werden die drei Standorte vorgestellt. Interessierte haben die Möglichkeit, sich über die Standortalternativen auszutauschen und die eigenen Meinungen einzubringen.

Zu dieser Veranstaltung lädt die Landeshauptstadt Mainz am Donnerstag, 28. November 2019 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr
ein. Die Veranstaltung findet auf der Zitadelle im Drusussaal (Gebäude E) statt.

Das Gutenberg-Museum gilt als eine der zentralsten kulturellen Institutionen der Landeshauptstadt Mainz. Es zählt zu den ältesten Druckmuseen der Welt und gehört zu den meistbesuchten Museen in Deutschland. Jedoch bedarf das Gutenberg-Museum nach den vielen Jahrzehnten seines Bestehens einer baulichen sowie szenografischen Erneuerung.

Dazu beauftragte der Stadtrat die Verwaltung am 9. Mai 2018, eine „Arbeitswerkstatt Modernisierung Gutenberg-Museum“ einzurichten, um die weitere Entwicklung des Hauses unter Beteiligung der Bürgerschaft voranzutreiben.
Am 26. September fand die erste öffentliche Sitzung der Arbeitswerkstatt Modernisierung Gutenberg-Museum mit interessierten Menschen aus Mainz im Museum statt. Themenschwerpunkt war hierbei die derzeitige Situation im Gutenberg-Museum. Aufbauend auf dieser Veranstaltung konnte die Bürgerschaft am 19. Oktober an einer öffentlichen Exkursion nach Frankfurt a. M. teilnehmen. Dort besuchte sie das Historische Museum, das eine vergleichbare Entwicklung zur baulichen und inhaltlichen Erweiterung durchlaufen hat.

Zeit und Ort der Veranstaltung:
Donnerstag, 28. November 2019 von 18.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Zitadelle im Drusussaal (Gebäude E)
Am 87er Denkmal, Mainz

Gutenberg-Museum Mainz lädt unter dem Motto „Drucken und Werben am Bauhaus“ zur Sonderausstellung „ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design“ – ab 6.09.2019

Orientierungshilfen im Foyer helfen, die richtigen Wege zu den Ausstellungsbereichen "Musealer Teil" und "Werkstatt" zu finden. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Orientierungshilfen im Foyer helfen, die richtigen Wege zu den Ausstellungsbereichen „Musealer Teil“ und „Werkstatt“ zu finden. © Foto: Diether v Goddenthow

Seit 2010 hat das Gutenberg-Museum „die“ Typographie zum Schwerpunktthema erklärt und seine Ausstellungsthemen aufeinander aufgebaut, zuletzt mit der Ausstellung „Futura“. Bereits seit 2013 sei die jetzt gezeigte Sonderausstellung „ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design“ über die Entwicklung der „Bauhaus-Typografie“ geplant. Typografie war schon immer der Schwerpunkt des Gutenberg-Museums. Ihr Namensgeber, Johannes Gutenberg, war immerhin der erste Type-Designer überhaupt, so Direktorin Dr. Annette Ludwig. Hinzu kommt, dass auch das Gutenberg-Museum das erste Museum überhaupt war, das bereits 1925 unter seinem ersten Direktor Aloys Ruppel,  Vorführwerkstätten einrichtete, ganz ähnlich wie es Walter Gropius 1919 in Weimar bei der Begründung der Bauhaus-Werkstätten tat. Denn seiner Überzeugung nach könne man Kunst nicht lehren,  Handwerk schon. Und Handwerk sei  die Basis künstlerischer Tätigkeiten.

Was lag für das Gutenberg-Museum näher, sich mit seiner Ausstellung zur Bauhaus-Typographie und Druck-Demonstration am nationalen Bauhaus-Jahr zum 100. Geburtstag von Bauhaus zu beteiligen?

„Drucken und Werben am Bauhaus“ lautet das Motto der Sonderausstellung „ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design“, die das Gutenberg-Museum Mainz erarbeitet hat. Eröffnet wird die Sonderausstellung, die den zentralen Beitrag des Landes Rheinland-Pfalz zum Jubiläumsjahr darstellt, am Donnerstag, 5. September, 19 Uhr. Grußworte sprechen Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz und Friederike Zobel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kulturstiftung des Bundes. Für den Festvortrag konnte Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Direktor der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin gewonnen werden. Museumdirektorin Dr. Annette Ludwig führt als Kuratorin in die Ausstellung ein, Oberbürgermeister Michael Ebling, Kulturdezernentin Marianne Grosse und Wolfgang Thoener, Sammlungsleiter der Stiftung Bauhaus Dessau werden weitere Grußworte überbringen.

Ausstellungs-Impression. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung, die aus mehreren Teilen besteht, fokussiert sich in einem ersten Teil im Untergeschoss des Ausstellungsgebäudes auf die künstlerische Druckwerkstatt in Weimar. Hier wird die Grafische Druckwerkstatt mit ihren Meistern wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Johannes Itten und Paul Klee vorgestellt. Künstlerische, kunst- und designhistorisch bedeutende Exponate veranschaulichen die Entwicklung von den expressionistischen Anfängen in Weimar hin zur Neuen Typografie und Werbegestaltung in der von Herbert Bayer und Joost Schmidt geführten Dessauer „Abteilung für Druck und Reklame“.

Diese Entwicklung nach der Umsiedlung nach Dessau wird in einem zweiten Ausstellungsteil im Obergeschoss gezeigt. Auch die marktgerechte Produktion von Schriften am Beispiel der Schriftgießerei Berthold wird thematisiert.

Zwei weitere nicht-museale Bausteine erweitern die Sonderausstellung:

Mit einmaligen, hochvergrößerten Wandillustrationen und Original-Druckmaschinen hat das Gutenberg-Museum die Weimarer Werkstatt nachgebaut. Links auf dem Foto sind die Hände des ersten Werkstattleiters Lyonel Feiniger zu sehen. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Mit einmaligen, hochvergrößerten Wandillustrationen und Original-Druckmaschinen hat das Gutenberg-Museum die Weimarer Werkstatt nachgebaut. Links auf dem Foto sind die Hände des ersten Werkstattleiters Lyonel Feiniger zu sehen. © Foto: Diether v Goddenthow

Mit Hilfe historischer Maschinen und Werkzeuge demonstriert die eigens eingerichtete „bauhaus.werkstatt“ die frühen Arbeitsbedingungen der Bauhäusler in der Druckwerkstätte. In einem umfangreichen Workshop-Programm können die Besucher künstlerisch-handwerkliche Drucktechniken erproben sowie unter Anleitung von Experten wie z.B. Erik Spiekermann aus Berlin typografisch experimentieren. Auch das Zusammenspiel von alter Technik und heutigen Medien kann hier kreativ erlebt werden.

Im bauhaus.labor, dem eigens installierten Pavillon im Innenhof de Gutenberg-Museums, werden Präsentationen, die in Kooperation mit der Hochschule Mainz, Designlabor Gutenberg erarbeitet wurden, gezeigt.

Die Ausstellung „ABC“ wird großzügig gefördert im „Fonds Bauhaus heute“ der Kulturstiftung des Bundes und durch die großzügige Unterstützung des Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland Pfalz ermöglicht.

Einladung zur Vernissage
Info-Faltblatt zur Ausstellung

„ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design. Drucken und Werben am Bauhaus“
Ort:
Gutenberg-Museum
Liebfrauenplatz 5, Mainz.
Eröffnung am Donnerstag, 5. September,
19 Uhr, zu sehen bis 2. Februar 2020.

Mainzer Bürger entscheiden sich gegen die Architektur des Bibelturms

1siegerDer sogenannte Mainzer Bibelturm als erster Bauabschnitt des Neu- und Umbaus des Gutenberg-Museums wird nicht gebaut.

Mit rund 77,3 Prozent haben sich die Mainzer gegen die Architektur, nicht jedoch gegen die Erneuerung des Gutenberg-Museums gestellt.

Wie die Pressestelle der Stadt Mainz mitteilt, haben laut vorläufigem amtlichen Endergebnis des ersten Mainzer Bürgerentscheids „Bibelturm des Gutenberg-Museums“ von 161.213 abstimmungsberechtigten Bürgerinnen und Bürger 64.467 ihr Votum abgegeben, was einer Abstimmungsbeteiligung von 40,0 Prozent entspricht.

Für „Ja“ stimmten 14555 Bürgerinnen und Bürger (22,7%). Für „Nein“ stimmten 49.663 Bürgerinnen und Bürger (77,3%) – das notwendige Quorum (24.182 Stimmen) wurde mithin deutlich erreicht. Damit hat die Mehrheit entschieden, dass das Gutenberg-Museum nicht durch den Bau des „Bibelturms“ am Liebfrauenplatz erweitert werden soll.

Das vollständige, vorläufige amtliche Endergebnis mit einer Auswertung nach Stadtteilen finden Sie in Kürze zudem unter www.mainz.de/buergeraktiv.

Statement von Oberbürgermeister Michael Ebling zum Ausgang des Bürgerentscheids

Oberbürgermeister Michael Ebling, © Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling, © Foto: Diether v. Goddenthow

(gl) Oberbürgermeister Michael Ebling: „Mit dem heutigen Tag ist eine Entscheidung gefallen. Die Mehrheit hat entschieden, dass das Gutenberg-Museum nicht durch den Bau des „Bibelturms“ am Liebfrauenplatz erweitert werden soll.

Diese Entscheidung respektieren wir selbstverständlich. Ich will an dieser Stelle aber auch betonen, dass es sich trotz der stellenweise sehr hitzig geführten Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern des Bibelturms hierbei um eine reine Sachentscheidung gehandelt hat. Egal ob man für oder gegen diese Erweiterung abgestimmt hat, wir alle sind Mainzer und das städtische Leben geht auch morgen weiter. Mit dem heutigen Tag herrscht Klarheit nach einer stellenweise sehr emotional geführten Diskussion und ich hoffe die mehrheitlich getroffene Entscheidung trägt zur Befriedung innerhalb der Stadtgesellschaft bei.

In den vergangenen Jahren wurde sehr viel Zeit und Energie in die Planungen für die Erweiterung des Museums gesteckt. Aus der heutigen Entscheidung gegen den Bibelturm darf deshalb kein Stillstand entstehen. Der Erneuerungsprozess braucht jetzt das Engagement von jedem einzelnen und in einem Punkt sind wir uns doch alle einig: in unserer Wertschätzung für das Gutenbergmuseum und in dem Bewusstsein, dass wir dieses Gutenbergmuseum nur mithilfe bürgerschaftlichen Engagements zu einem Museum der Zukunft machen können. Deshalb rufe ich alle, die gestern noch kritisch miteinander gestritten haben auf, dass wir uns alle gemeinsam mit gleicher und noch größerer Kraft für eine gute Zukunft des Gutenbergmuseums einsetzen. Das Gutenberg-Museum Mainz braucht eine Erneuerung und Erweiterung, um seinem Ruf als Weltmuseum der Druckkunst auch in der Zukunft gerecht zu werden.

Kulturdezernentin Marianne Grosse und Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich für das außerordentliche Engagement der vergangenen Wochen danken. Es verging kaum ein Abend, an dem die beiden nicht auf einer Informationsveranstaltung die Erweiterungspläne vorgestellt und Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantwortet haben. Auch wenn es nicht gelungen ist, die Mehrheit von den Erweiterungsplänen zu überzeugen, so können wir sagen: Gutenberg hat seinen Platz im Herzen unserer Stadt zurück, weil er dort wieder überall lebendig ist, weil sein Vermächtnis wieder so präsent ist wie lange nicht und weil es in allen Zeitungen, an allen Küchentischen und auf allen Straßen wieder über den größten Sohn unserer Stadt gesprochen wird.

Und es bleibt eine große Erfahrung über den ersten Bürgerentscheid in unserer Stadt. Es war richtig, dass der Stadtrat, der mit großer Mehrheit das Projekt befürwortet hat, in einer souveränen Entscheidung den Weg für diesen Bürgerentscheid frei gemacht hat, ohne das er dies hätte machen müssen.“

 

Weitere Infos „Allgemeine Zeitung“

Mainzer Allgemeine Zeitung vom 16.April 2018: Mainzer kippen den Bibelturm mit Nachdruck – und sorgen für Freude und Frust

 

 

Mainz feiert 550. Todestag Gutenbergs mit einem facettenreichen Kulturprogramm – Gestern Auftakt im Kleinen Haus des Staatstheaters

Veranstaltungen im Gutenbergjahr 2018

Zum Auftakt des Gutenberg-Jahrs hatte die Stadt Mainz zu einem kleinen Festakt „Mainz feiert Gutenberg“ ins Kleine Haus des Staatstheaters eingeladen. Die Veranstaltung stand in der Tradition vieler Jahrhundertfeiern für Gutenberg, die in diesem Jahr zum 550. Todestag Gutenbergs mit einem facettenreichen Kulturprogramm erinnert.

Gutenberg-Werkstatt-Impression des 15. Jahrhunderts.
Gutenberg-Werkstatt-Impression des 15. Jahrhunderts.

Bestens musikalisch umrahmt wurde Festakt durch das Philharmonische Staatsorchester Mainzer unter Leitung des Generalmusikdirektors Hermann Bäumler mit Werken von Giovanni Gabrieli, Felix Mendelsohn Bartholdy und besonders trefflich mit: Leroy Andersons „The Typewriter“.

Das Philharmonische Staatsorchester Mainzer unter Leitung des Generalmusikdirektors Hermann Bäumler spielt hier,  unter anderem begleitet von einer Original-Reiseschreibmaschiene, Leroy Andersons „The Typewriter“. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Philharmonische Staatsorchester Mainzer unter Leitung des Generalmusikdirektors Hermann Bäumler spielt hier, unter anderem begleitet von einer Original-Reiseschreibmaschiene, Leroy Andersons „The Typewriter“. © Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Michael Ebling, zugleich Präsident der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft, begrüßte die zahlreichen Gäste, die Gutenbergpreisträger /innen und alle, die sich mit diesem Thema verbunden fühlen zum Gutenberg-Jubiläum. Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern revolutionierte die Welt in ungeahntem Maße. Er war sowohl Erfinder als auch Welt-Veränderer – und avancierte damit zum „Man of the Millennium“. Vor allem, so Ebling, habe Johannes Gutenberg, dessen 550. Todestag wir heute und das Jahr über würdigen, im wahrsten Sinne des Worte Bewegung in die mediale Entwicklung von den mittelalterlichen Schreibstuben hin zu den modernen Druckwerkstätten gebracht. „Sie hat Bewegung in die Köpfe und in die Welt gebracht. Denn auch wenn Gutenbergs Arbeitsweise mittlerweile von der Digitalisierung abgelöst wurde, auch wenn sich Bleisatz und Druckplatten eher im Museum als in einer modernen Druckerei befinden, und das Hurenkind, der Schusterjunge oder der Zwiebelfisch nur noch in Anekdoten weiterleben, so gelte. Das Gutenbergische Grundprinzip nach wie vor:“ Nach wie vor werden Texte zunächst in die jeweils kleinsten verfügbaren Informationseinheiten in digitale Codes zerlegt, und anschließend gleichsam erneut zusammengesetzt.“, so Ebling.
Gutenberg habe damit die Grundlagen zur Medienrevolution unserer Tage gelegt, und wirke bis heute unmittelbar in unser aller Leben.

Oberbürgermeister Michael Ebling, © Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling, © Foto: Diether v. Goddenthow

Und noch etwas habe er uns gelehrt: „Wie man mit Mut zum Risiko auf eine geniale Geschäftsidee ein gewagtes Unternehmen aufbauen kann“., so der Oberbürgermeister. Gutenberg sei gleichsam einer der ersten Start-up-Unternehmer der Geschichte gewesen, „ein äußerst cleverer Unternehmer, der mit sicherem Gespür über Angebot und Nachfrage wusste, was seine Zeit dringend brauchte: Bücher! Das in Hülle und Fülle, von gleichbleibender Qualität, und mit verlässlichen Inhalten.“, so der Oberbürgermeister.
Das 15. U. 16. Jahrhundert in Europa sei eine Zeit des Aufbruchs auf praktisch allen Ebenen gewesen, mit expandierenden Städten, einer aufstrebenden Geldwirtschaft und einem regelrechten Boom an Universitäten, Schulen und Bibliotheken, die vom wachsenden Selbstbewusstsein und auch Bildungshunger der Bürger kündeten, so Ebling.

„Forschen, Studieren, Lernen, Lesen – all das verlangte nach dem geschriebenen Wort, all das profitierte vom gedruckten Wort. Nur leider ließ dieses Wort vor Gutenberg lange auf sich warten. So dauerte die Abschrift einer Bibel von Hand etwa zwei bis drei Jahre, und das Endprodukt war entsprechend teuer“, so der Oberbürgermeister weiter, und pries Gutenberg als einen Mann der Stunde, der sich wohl überlegt habe, ob das mit dem Herstellen und Vervielfältigen von Büchern nicht irgendwie preiswerter, schneller und gewinnbringender gehen könne, eine für damalige Zeit geniale Fragestellung, die schließlich zur Erfindung des Buchdrucks mit flexiblen Lettern geführt habe.
Bekanntermaßen verbreitete sich rasend schnell von Mainz aus die die neue Kunst des Druckens in Deutschland und in Europa. „Und was immer danach kam, die Reformation, die ersten gedruckten Nachrichten, die ersten Zeitungen, die ersten demokratischen Ideen, ja ganze Revolutionen, wären vermutlich zwar ohne Gutenbergs geschehen, aber sicher nicht so schnell verbreitet worden. „, so Ebling. Und noch etwas habe sich dank Gutenberg verbreitet: „Der Name seiner Heimatstadt, der Gutenbergstadt Mainz. Darauf können wir mehr als stolz sein!“.
Sichtbares Zeichen für die Wertschätzung für den größten Sohn unserer Stadt sei, so Ebeling, seit über 100 Jahren das Gutenberg-Museum, das Weltmuseum der Druckkunst.

Mit mittlerweile über 130 000 Gästen zähle das Gutenberg-Museum zu den besucherstärksten Museen der Bundesrepublik, was auch „ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor unserer Stadt, unserer Geschäftswelt und im Gastronomiebereich“ sei. Als Beispiel der großen Bedeutung des Gutenberg-Museums erinnerte Ebling an den Besucher der englischen Königin Elisabeth II. und Prinz Philipp, die es sich nicht nehmen ließen, 1978 bei ihrem Deutschlandbesuch auch einen Blick auf die gerade neu erworbene Original-Gutenbergbibel zu werfen.

Bibelturm und bevorstehender Bürgerentscheid

In der Praxis werde sich jedoch noch zeigen müssen, „in wie weit hin sichtbar dieses Museum tatsächlich auf in Zukunft strahlt. Dafür müssen wir den Bürgerentscheid am 15. April abwarten, den ersten Bürgerentscheid unserer Stadtgeschichte.“, leitete Oberbürgermeister auf die letzten Hürden zur Realisierung des geplanten Neubaus des Gutenberg-Museums über.
Dieser Bürgerentscheid passe jedoch zu Mainz, denn „schließlich waren es Bürger und Bürgerinnen, die sich anlässlich der Feier des 500. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahre 1900 sowohl für die Gründung der Gutenberggesellschaft als auch für die Einrichtung eines Museums zu Ehren ihres größten Sohnes der Stadt entschieden haben.“, erinnerte Ebling.
Auch wieder seien es die Bürgerinnen und Bürger, „die am 15.April 2018 darüber entscheiden werden, wie es mit Gutenbergs Erbe weitergehen und vor allem wie weit sichtbar das Gutenberg-Museum zukünftig auch Akzente setzen soll und kann.“, so der Oberbürgermeister.
Ebling betonte aber: „Der Bürgerentscheid ist aber keine Entscheidung ‚Pro oder Contra Gutenberg‘“ „Denn in ihrer grundsätzlichen Wertschätzung des Gutenberg-Museums hoffe ich, sind alle Bürgerinnen und Bürger vereint, seien sie nun Freunde oder Gegner des sogenannten Bibelturms.“

Das Gutenberg'sche Wappen
Das Gutenberg’sche Wappen

Über Werk und Wirkung Johannes Gutenbergs referierte Professor Dr. Wolfgang Dobras, Leiter des Stadtarchivs in seiner Homage an Gutenberg. Dobras gab einzigartige, zum Teil neue Einblicke in das wechselvolle Leben Gutenbergs inmitten unsicherer Zeiten des damaliger Umbrüche, in den das Zunftwesen das Patriziat ablöste.

„Gutenberg 550 – Das Gutenberg-Museum und seine Zukunft“
Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenbergmuseums lenkte in ihrem Beitrag “Gutenberg 550 – Das Gutenberg-Museum und seine Zukunft“ den Fokus auf die Weiterentwicklung des Gutenberg-Museums“. Das auf Internationalität angelegte Museum der Druckkunst schlage Brücken zwischen den Kulturen und lade mit einer praxisorientierten Vermittlung in seinen Werkstätten dazu ein, Grundlagen des Schriftgießens, des Schriftsetzens, der graphischen Techniken und des Druckens lebendig nachzuvollziehen. Die gewachsenen Sammlungen rund um Schrift, Druck und Buch erzählten eine enzyklopädische Geschichte des Print-Memory, so die Museumsdirektorin.

Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit dem nach seinem Wiesbadener Architekten genannten Schell-Bau konnte sich 1962 das Zentrum der Buchkultur auf über 3000 qm Ausstellungsfläche entfalten. Einst feierte die internationale Presse den damaligen Neubau, und Annette Lugwig fände es „großartig, wenn die internationale Presse in einigen Jahren die Strahlkraft des erneuerten Museums und die Leistungsfähigkeit von Stadt, aber auch von Land und Bund, würdigen würden“.

»Weder ergänzt ein neues Medium je ein altes Medium, noch lässt es das alte Medium in Ruhe. Es hört nie damit auf, die älteren Medien zu unterdrücken, bis es für sie neue Formen und Positionen findet.« , zitierte die Museumsdirektorin Marshall McLuhan aus dem Jahre 1964 im Hinblick auf die Kritik gegenüber dem geplanten Bibelturm: „Und diesen Umbruch erleben wir ja gerade alle auch wieder“

Auch die noch in Butzenscheibenromantik gestaltete Gutenbergwerkstatt mit der rekonstruierten hölzernen Presse, als Repräsentantin des Medienwandels, sei von Anbeginn ein Besuchermagnet gewesen . Begleitet wurden die dargebotene Druckvorführungen vom Puppenfilm der Gebrüder Hermann und Ferdinand Diehl, der erst mit Hilfe des SWR durch eine Animation 2012 zeitgemäß ersetzt wurde.

Druckvorführungs-Szene aus dem 2012 durch einen modernen Animationsfilm abgelösten Puppenfilm der Gebrüder  Hermann und Ferdinand Diehl.
Druckvorführungs-Szene aus dem 2012 durch einen modernen Animationsfilm abgelösten Puppenfilm der Gebrüder Hermann und Ferdinand Diehl.

Dieser Film, ein didaktischer Grundpfeiler und von Lehrern am häufigsten angefordert, offenbarte zugleich aber auch „ein revisionsbedürftiges Gutenbergbild mit einer ambivalenten Botschaft über das Museum selbst, so Annette Ludwig „Zeitgleich mit dieser Vermittlung präsentierte sich das Haus mit einer Medienfassade, und der ersten einer Reihe von preisgekrönten Sonderschauen zum Schwerpunkt Typographie. Es vermittle Inhalte über QR-Codes auf das soeben auf den Markt gekommene I-Pad, katapultierte sich, die Presse lobte ‚ins 21. Jahrhundert‘ und zeigte einmal mehr, dass sich der Lernort Museum auch als Institution in einem spannenden Transformationsprozess befindet. Das Museum als Smart-Place“, so die Museumsdirektorin.
Mit diesem zugegebenermaßen extremen Anachronismus sei skizziert, so Annette Ludwig, dass 56 Jahre nach der Wiedereröffnung des Gutenberg-Museums akuter Handlungsbedarf bestehe. Die infrastrukturellen Anforderungen hätten sich radikal geändert wie auch die Erwartungshaltungen, die Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten der Besucherinnen und Besucher. „In ihrer Heterogenität forderten sie heute zurecht ein breites Angebot an Präsentations-, Vermittlungs- und Kommunikations-Formen, Formen, die bezeichnenderweise wie vor dem Zeitalter des Buchdrucks körpergebunden und technologisch vermittelt sind“, so Annette Ludwig.

Daher seien Medien und kommunikationshistorische Entwicklungen von Gutenberg bis ins 21. Jahrhundert, die Überlappungen von Skript, Print und Electronic-Memory, die drei Formationen des Massenmediums Buchdruck und die authentische Vermittlung analoger und vom vergessen bedrohter Kulturtechniken zentrale Bausteine einer neuen Dauerausstellung.
Aus einem Haus der stummen Bücher solle ein Haus lebendiger Geschichten werden, das durch die Bauaufgabe und ihrer öffentlichen Bedeutung auch stadträumlich über anderen Profanbauten stehen müsse als kleine von allen Seiten frei zugängliche Museumstadt, die in die Urbanität von Mainz hineinwirke und sie zugleich integriere, so Annette Ludwig.

Als erster Bauabschnitt des Siegerentwurfes sei als lebendiges neues Zeichen ein Bau geplant, der mittlerweile als Bibelturm in aller Munde sei. Es solle Fix- und Orientierungspunkt, markanter zeitgenössischer Impuls, skulpturales Element und Leuchtturm der Kultur in Mainz werden.
Die Transparenz und die subtile Strahlkraft von Innen und Außen, sei auch ganz wörtlich zu verstehen. Im Schatten des Domes offenbare „es sensibel etwas vom Wesen des Museums, weil sich die metallische Außenhaut als Letterndenkmal auf Gutenbergs Erfindung und die mechanische Vervielfältigung beweglicher Lettern“ beziehe, so die Museumsdirektorin.
„Wir möchten den Besuchern aus aller Welt zeigen, dass das Gutenberg-Museum als Ort lokaler und globaler Identität inhaltlich wie architektonisch in der Gegenwart angekommen ist, um in die Zukunft zu weisen“, sagte die Museumsdirektorin.

Bau- und Kulturdezernentin Grosse bietet im Vorfeld des Bürgerentscheids öffentliche Informationsveranstaltungen 

Bei dem Streit „Pro und Contra Bibelturm“ geht es im Kern nicht um die Frage, ob das Gutenberg-Museum ausgebaut und modernisiert werden soll oder nicht,  ob das Museum Zukunft hat oder nicht. Der Streit dreht sich  um den besten, äußerlich sichtbaren architektonischen Weg zu einem zeitgemäßen Museum. So herrscht in Mainz, einmal von wenigen Ausnahmen abgesehen, über alle Interessenslager hinweg  Konsens darüber, dass das Gutenberg-Museum dringend modernisiert, umgebaut, ausgebaut und erweitert werden muss. Strittig sind jedoch die Fragen, ob der geplante, sogenannte Bibelturm in seiner äußeren Erscheinungsform hinreichend integrierend in die Urbanität von Mainz hineinwirkt, ob er möglichst viele  Menschen  in ihrem Stilempfinden und Herzen abholt und ob er internationale Gäste auf der Suche nach dem romantischen Old Germany – wie beispielsweise in Frankfurt mit der teilrekonstruierten Altstadt –  in ihren Erwartungen entsprechend bestätigt.

Da all diese und viele andere Fragen gar nicht so einfach zu beantworten sind, und auch die Frage offen steht, ob ein Nein zum Bibelturm denn das Ende des Museumsneubaus oder lediglich eine Fassadenanpassung bedeuten soll, bietet Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse drei öffentliche Informationsveranstaltungen für interessierte Bürgerinnen und Bürger an.

Die Informationsveranstaltungen finden statt am

Freitag, 9. März 2018, um 17.00 Uhr,
Dienstag, 20. März 2018, um 18.30 Uhr,
Donnerstag, 12. April 2018, um 18.30 Uhr,

jeweils im Vortragssaal des Gutenberg-Museums Mainz, Liebfrauenplatz 5, 55.116 Mainz .

Ebenfalls teilnehmen und für Fragen zur Verfügung stehen werden Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig (am 9.3. und 12.4.) sowie der planende Architekt von DFZ-Architekten aus Hamburg, Stephen Kausch (am 20.3.).

(Dokumentation: Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Initiative für den Turm
www.mainz-fuer-gutenberg.de

Initiative gegen den Turm:
www.bi-gutenberg-museum.de

 

Veranstaltungen im Gutenbergjahr 2018
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Pro oder Contra Bibelturm für Gutenberg-Museum – Am 15. April 2018 dürfen Mainzer darüber abstimmen

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Beiträge der Mainzer Allgemeinen Zeitung über die hitzige Debatte

Mainzer Bibelturm: Frage und Termin für den Bürgerentscheid sind fix

Bürgerentscheid zum geplanten Mainzer Bibelturm wohl im April

Jahresrückblick: Eine Debatte wie schon lange nicht mehr – der geplante Bibelturm in Mainz

Bürgerentscheid zum Bibelturm: Aufwändige Vorbereitungen und finanzielles Risiko der Stadt Mainz

Bibelturm: Mainzer Stadtrat lehnt Bürgerbegehren zur Erweiterung des Gutenberg-Museums ab

 

Zum Bürgerentscheid am 15.4.2018

Am 29. November 2017 beschloss der Mainzer Stadtrat, trotz der festgestellten Verfristung des Antrages der „Bürgerinitiative Gutenberg-Museum“ und der Ablehnung des BI-Antrages auf Durchführung eines Bürgerentscheides, dennoch einen Urnengang zur Befragung der Bürgerinnen und Bürger zum etwaigen Bau des Erweiterungsbaus am Gutenberg-Museum – dem sogenannten „Bibelturm“ zu ermöglichen.

Seit diesem Tage nimmt die organisatorische Vorbereitung des ersten Bürgerentscheides der Mainzer Stadtgeschichte Gestalt an – umfangreiche Vorbereitungen zur Durchführung dieser Abstimmung sind im zuständigen Amt für Stadtentwicklung, Statistik und Wahlen bereits angelaufen.

Oberbürgermeister Michael Ebling, der beim Bürgerentscheid als „Abstimmungsleiter“ fungieren wird, sowie Dr. Stephan Kerbeck (Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Statistik und Wahlen) haben heute in einem Pressegespräch Zahlen, Fristen, Daten, Fakten zum Bürgerentscheid „Bibelturm“ des Gutenberg-Museums bekannt gegeben:

Die Bürgerabstimmung erfolgt am Sonntag, 15.04.2018
von 08.00 bis 18.00 Uhr (die letztmögliche Abgabe von Abstimmungsbriefen).
– Im Einsatz sind ca. 550 Abstimmungshelferinnen und -helfer.
– Es gibt über das Stadtgebiet verteilt 55 Stimmbezirke
– 33 barrierefrei zugängliche Abstimmungsgebäude.
Briefwahl ist vom 19.03. bis 13.04.18 möglich
Öffnung des Briefabstimmungsbüros im Erfurter Zimmer des Rathauses bis einschließlich 13.04.2018.
Öffnungszeiten:
Montag / Mittwoch: 8.00 – 18.00 Uhr
Dienstag / Donnerstag: 8.00 – 16.00 Uhr
Freitag: 8.00 – 13.00 Uhr
Am Freitag, 13.04.2018 (direkt vor dem Bürgerentscheid) ergänzend bis 18.00 Uhr geöffnet.

Gegenstand der Abstimmung
„Soll das Gutenberg-Museum durch den Bau des „Bibelturms“ am Liebfrauenplatz gemäß Beschluss des Stadtrates vom 08.02.2017 erweitert werden?“

Stimmberechtigung
Stimmberechtigt ist, wer am 15.04.2018 das 18. Lebensjahr vollendet hat, die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft besitzt, seit mindestens 15.01.2018 mit Hauptwohnsitz in Mainz gemeldet (Dreimonats-Kriterium) und nicht vom Stimmrecht ausgeschlossen ist (§ 1 Abs.1 Kommunalwahlgesetz).

Zahl der Stimmberechtigten in Mainz
163.886 Stimmberechtigte (Stand 18.01.2018)
Der Bürgerentscheid ist entschieden, wenn die Mehrheit der Abstimmeden mindestens 15% der Stimmberechtigten (24.583, Stand 18.1.2018) beträgt.

Zeitliche Eckpunkte der Mainzer Stadtverwaltung bis zum Abstimmungstag
07.02.2018: Stadtratsbeschluss zur Durchführung des Bürgerentscheides incl. Termin und Fragestellung, vorher
23.01.2018: Stadtvorstand sowie Ausschuss für Finanzen
und Beteiligungen
31.01.2018: Haupt und Personalausschuss
11. KW bis spätestens Ende 12. KW (12.-25.03.2018)
– Erstellung des Stimmberechtigtenverzeichnisses
– Versand der Abstimmungsbenachrichtigungen.

Stimmauszählung: Am 15. April 2018 erfolgt ab 18.00 Uhr
die Auszählung der Stimmzettel in den Abstimmungsvorständen.

Die Abstimmungsbriefe werden von den Abstimmungsvorständen der jeweiligen Stimmbezirke dezentral ausgezählt. Es werden keine gesonderten Briefabstimmungsvorstände gebildet.

Ab 18.00 Uhr: Präsentation des Abstimmungsergebnisses im Rathaus.
Nach dem Bürgerentscheid

Bekanntgabe des endgültigen Abstimmungsergebnisses
18.04.2018, 15.00 Uhr, Rathaus, Empfangsraum:
Sitzung des Abstimmungsausschusses zur Feststellung des endgültigen Abstimmungsergebnisses und Bekanntmachung des Abstimmungsergebnisses.

Die Mitglieder des Abstimmungsausschusses sind identisch mit jenen für die Wahl des Stadtrates, also wird der für die Kommunalwahl 2014 gebildete Ausschuss wieder zusammentreten.
(Pressestelle: Rathaus Mainz)

Steinige Wege: Was Weltmuseen in Mainz und Berlin vereint – Humboldt-Forum-Professor Parzinger zu Gast im Gutenberg-Museum

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Prof. Hermann Parzinger, Gründungsintendant des Humboldt-Forums in Berlin, ist im Gutenberg-Museum zu Gast

Mainz. Aktuelle Fragen in ihrer historischen Dimension beleuchten, ein neues kulturelles Stadtquartier schaffen, durch innovative Präsentationen in Dialog mit der ganzen Welt treten: Diese Ziele hat Gründungsintendant Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger für das Humboldt-Forum im Berliner Schloss südlich der Museumsinsel formuliert. Das Gutenberg-Museum in Mainz verfolgt ähnliche Ziele. Am Montag, 6. November, 20 Uhr, spricht der derzeit wohl bekannteste Kulturmanager Deutschlands im Gutenberg-Museum zum Thema „Museumsinsel und Humboldt-Forum: ein neues Weltmuseum in der Mitte Berlins“.

Liebhaber von Kunst, Kultur und Architektur, aber auch alle anderen an gesellschaftlichen Entwicklungen speziell in Mainz und Berlin Interessierten, dürfen gespannt sein, was Parzinger aus dem Innersten des aktuell wohl größten Kulturprojekts Deutschlands in der Bundeshauptstadt zu berichten hat. Denn der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, einer der größten Kultureinrichtungen weltweit, gestaltet die inhaltliche Ausrichtung des Weltmuseums maßgeblich mit, das sich als Pendant zu der auf der Museumsinsel präsentierten abendländischen Kunst und Kultur begreift. Gleichzeitig sieht sich das Humboldt-Forum wiederholt mit harscher Kritik konfrontiert – etwa dazu, dass es kein schlüssiges Konzept für die endgültige inhaltliche Gestaltung des Museums gebe.

Der Vortrag Parzingers in Mainz ist Teil der 2014 vom Gutenberg-Museum entwickelten Vortragsreihe „Neue Perspektiven für das Gutenberg-Museum“, bei der namhafte Repräsentanten des kulturellen Lebens Erfahrungen weitergeben, aus denen sich Anregungen für die Zukunftsfähigkeit des Gutenberg-Museums als Weltmuseum der Druckkunst ableiten lassen. Bisherige Referenten waren Sylvia von Metzler vom Städelschen Museumsverein Frankfurt und Prof. Peter Raue vom Förderverein der Nationalgalerie Berlin.

Ort:
Prof. Hermann Parzinger spricht im Gutenberg-Museum,
Liebfrauenplatz 5, Mainz, am Montag, 6. November, 20 Uhr.
Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter Telefon 06131-12-2640 oder per Mail an gutenberg-museum@stadt.mainz.de wird gebeten.

Unterschriften gegen „Bibelturm-Projekt“ des Gutenberg-Museums – „Stadtrat wird über das weitere Verfahren beschließen “

Beplanter "Bibelturm" des neuen Gutenberg-Museums erneut in der öffentlichen Diskussion.
Geplanter „Bibelturm“ des neuen Gutenberg-Museums erneut in der öffentlichen Diskussion.

(rap) – „Bürgerinitiative Gutenberg-Museum“ übergibt OB Ebling und Beigeordneter Grosse Unterschriftenliste zu geplantem Bürgerbegehren

Oberbürgermeister Michael Ebling und Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse nahmen heute die Unterschriftenlisten der „Bürgerinitiative Gutenberg-Museum“ entgegen.

Mit der Unterschriftenübergabe beantragt die Bürgerinitiative einen Bürgerentscheid gemäß § 17a Gemeindeordnung. Den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt soll dabei folgende Frage gestellt werden: „Sollen im Rahmen der Erweiterung des Gutenberg-Museums Mainz der Bau des sog. Bibelturms sowie alle Baumfällarbeiten auf dem Liebfrauenplatz als Teil des 1. Bauabschnitts entfallen?“ (Hier der Brief an den Stadtrat in voller Länge).

Im persönlichen Austausch mit BI-Vertreterinnen und -Vertretern erläuterte OB Michael Ebling das weitere Verfahren. „Ich begrüße es, dass die Zukunft des Weltmuseums der Druckkunst und dessen baulicher Ausgestaltung ein großes Thema in der Stadt ist und die Bürgerschaft bewegt. Es gibt zugleich immer auch unterschiedliche Sichtweisen auf Projekte, die man zu einem mehrheitsfähigen Votum führen muss, um handlungsfähig zu sein und Entwicklungen anzustoßen.
Dabei wurden Rat, Verwaltung und Bürgerschaft in dem Vorgehen bisher immer von der breiten Zustimmung getragen, dem Gutenberg Museum einen größeren Stellenwert zu geben und es deshalb baulich zu erweitern.

Die Stadt Mainz werde den Antrag nun nach den gesetzlichen Vorschriften prüfen. Anschließend entscheidet der Stadtrat über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens. Hierzu müssen insbesondere Quorum und Frist erfüllt sein. Die Verwaltung hatte die Bürgerinitiative bereits auf die vorgegebenen Einspruchsfristen aufmerksam gemacht.

Ein Ergebnis der Prüfung soll so rechtzeitig vorliegen, dass der Stadtrat am 29. November 2017 entscheiden kann.

Das „Museum der Zukunft“ nimmt Gestalt an – Stadt Mainz stellt Vorplanung für Gutenberg-Museum vor

©  Gutenberg-Museum
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Gutenberg-Museum: Das Museum der Zukunft nimmt Gestalt an / Stadt stellt Vorplanung für das Gutenberg-Museum vor / Bürgerinformation am 21. Februar 2017 / Informationen auf der Homepage der Stadt Mainz

(gl) Nach dem Abschluss des Wettbewerbsverfahrens und der Auftragsvergabe an das Büro DFZ-Architekten aus Hamburg liegt nun die Vorplanung für das Projekt vor und wird den städtischen Gremien und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die entscheidende Grundidee ist dabei, den „Schatz“ des Museums, nämlich die beiden besonders bedeutenden und besucherwirksamen Gutenberg-Bibeln, zukünftig im Turm-Neubau auszustellen. Der Bücherturm wird zum Bibelturm: die „Schatzkammer“ des Weltmuseums der Druckkunst. Inhalt und Form korrespondieren eindrucksvoll und auch die Außenhaut verweist mit metallischen Lettern auf die bahnbrechende Erfindung von Johannes Gutenberg.
Neben der eindrucksvollen Präsentation des wertvollsten Exponats des Museums können dadurch die Besucherströme neu gelenkt und der Schellbau insbesondere von größeren Besuchergruppen entlastet werden. Durch die Schaffung neuer Ausstellungsflächen wird es möglich, den Schellbau mit überschaubaren baulichen Maßnahmen interimsmäßig brandschutzsicher zu machen und den Museumsbetrieb zu sichern.

Eine speziell für dieses Bauvorhaben eingesetzte Baukommission soll den Planungs- und Bauprozess begleiten. Ihre Aufgabe ist es, die Stadt Mainz als Bauherrin und alle an der Planung Beteiligten zu beraten. Sie setzt sich aus Vertretern aller im Stadtrat vertretenen Fraktionen, den an der Planung beteiligten Fachdienststellen sowie Vertretern der Gutenberg-Stiftung und des Bistums Mainz zusammen. Mit dieser Zusammensetzung ist eine fundierte und intensive Begleitung aller Planungsprozesse sichergestellt. Darüber hinaus ist die Baukommission ein wichtiger Kommunikator für die öffentliche Akzeptanz dieses bedeutenden Bauprojekts im Herzen der Stadt Mainz. Die Baukommission wird erstmals im Februar 2017 tagen.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums auf allen Ebenen gut vorankommen. Den Weg der Transparenz und Bürgerinformation gehen wir dabei selbstverständlich weiter. So wird am 21. Februar eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger stattfinden. Des Weiteren sind ab sofort alle Informationen zum aktuellen Planungsstand auf der Homepage der Stadt Mainz abrufbar“, so Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse.

Die Bürgerinformation mit Bau-, Denkmalpflege- und Kulturdezernentin Marianne Grosse, Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig und dem Werkleiter der für das Bauprojekt verantwortlichen Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) Gilbert Korte findet am 21. Februar 2017 um 18.00 Uhr im Vortragssaal des Gutenberg-Museums statt. Hier werden die Architekten des Hamburger Büros DFZ den aktuellen Stand der Planungen vorstellen und erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen.

Die Informationen zum aktuellen Stand des Projektes, Erläuterungen und Visualisierungen stehen ab sofort auf der Seite www.mainz.de/museumderzukunft zum Download bzw. zur Ansicht bereit.

Gutenberg-Museum bekommt den Turm – Siegerentwurf der Öffentlichkeit präsentiert

Siegerentwurf DFZ Architekten GmbH, Hamburg
Siegerentwurf DFZ Architekten GmbH, Hamburg

Am 5. Juli 2016 hat Oberbürgermeister Michael Ebling gemeinsam mit der Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse und der Direktorin des Gutenberg-Museums, Dr. Annette Ludwig, unterstützt  von Kabarettist Lars Raichow, den Siegerentwurf des geplanten neuen Gutenberg-Museums vorgestellt.

Detailierte Infos finden Sie unter Museum der Zukunft!

Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums, Lars Reichow, Kabarettist, Michael Ebling, Oberbürgermeister, Marianne Grosse, Bau- und Kulturdezernentin und für das DEZ-Büro Architekt Stephen Kausch. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums, Lars Reichow, Kabarettist, Michael Ebling, Oberbürgermeister, Marianne Grosse, Bau- und Kulturdezernentin und für das DEZ-Büro Architekt Stephen Kausch. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

»Von der Simulation zur Imagination« ,1. Juli 2016, 11.00 – 16.00 Uhr, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz

Siegerentwurf DFZ Architekten GmbH, Hamburg
Siegerentwurf DFZ Architekten GmbH, Hamburg

Von der Simulation zur Imagination: Grenzen »historischer Authentizität«
Die Umbaupläne für das Mainzer Gutenberg-Museum stoßen auf große Kritik. Viele sehen das historische Stadtbild gefährdet. Doch wie sieht eine gelungene authentische Bebauung einer Innenstadt aus?

›Architektonische Rekonstruktion‹, ›Wissenschaftliches Plagiat‹ und ›Bildmanipulation‹ sind die Themenblöcke des hochkarätig besetzten Werkstatt-Gesprächs

»Von der Simulation zur Imagination«
1. Juli 2016, 11.00 – 16.00 Uhr
Leibniz-Institut für Europäische Geschichte
Alte Universitätsstraße 19, 55116 Mainz

Im Mittelpunkt stehen die Grenzen historischer Authentizität und die Strategien, mit denen Authentizität erzeugt wird – ein Vorgehen, welches insbesondere in den Fällen greifbar wird, in denen es umstritten wird. Plagiat, Bildmanipulation und architektonische Rekonstruktion lassen erkennen, dass Authentizität aufs engste mit Vorstellungen von Imagination, Verbesserung und Täuschung verbunden ist. Wo das eine anfängt und das andere aufhört, wird in politischen und gesellschaftlichen Kontexten unterschiedlich verstanden, die Grenzen sind kulturell bedingt, aber auch situativ und verhandelbar.

Ausgehend von aktuellen Fällen erörtern:

  • Gerhard Dannemann (Professor for English Law, British Economy and Politics, Humboldt Universität zu Berlin)
  • Matthias Kleiner (Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Berlin)
  • Elmar Theveßen (Stellvertretender Chefredakteur des ZDF, Mainz)
  • Karl N. Renner (Professor für Fernsehjournalismus, JGU Mainz)
  • Joachim Wendt (Geschäftsführer schneider+schumacher, Frankfurt a.M.)
  • Gabriele Dolff –Bonekämper (Prof. für Denkmalpflege, TU Berlin)

die elementaren Prozesse und Bedingungen für die gesellschaftliche Akzeptanz von Authentizität,
welche die heutige wissenschaftliche Forschung, die allgegenwärtige visuelle Kultur und die
Neugestaltung des öffentlichen Raums prägen.

Organisiert wird das Werkstatt-Gespräch vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, dem
Institut für Deutsche Sprache (Mannheim) und dem Leibniz-Forschungsverbund »Historische
Authentizität«. Das ausführliche Programm finden Sie unter www.ieg-mainz.de.

»Von der Simulation zur Imagination«
1. Juli 2016, 11.00 – 16.00 Uhr
Leibniz-Institut für Europäische Geschichte
Alte Universitätsstraße 19, 55116 Mainz