Kategorie-Archiv: Deutsches Architekturmuseum Frankfurt

Deutsches Architekturmuseum: DAM Preis 2020 für Architektur in Deutschland

© DAM
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Nach einer Meldung des Deutsche Architekturmuseums (DAM), haben sich nun aus der Shortlist von 12 Architekturprojekten fünf Finalisten zum DAM Preis 2020 qualifiziert, der Ende Januar 2020 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt verliehen wird.

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland jährlich herausragende Bauten in
Deutschland ausgezeichnet. 2020 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum vierten Mal in enger Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner in einem gestaffelten Juryverfahren vergeben.

Eine Expertenjury unter Vorsitz von Stephan Schütz (gmp Architekten von Gerkan Marg und Partner, Gewinner des DAM Preis 2019) hatte nun aus dem Feld der Shortlist die fünf Projekte für die engere Wahl der Finalisten zum DAM Preis 2020 bestimmt. Informationen zu Shortlist und Finalisten sowie einen profunden Überblick zum Baugeschehen in und aus Deutschland bietet die Internetpräsenz zum DAM Preis dam-preis.de.

Die Finalisten:

James-Simon-Galerie, Berlin, Deutschland David Chipperfield Architects

James-Simon-Galerie. © Foto: Diether v Goddenthow
James-Simon-Galerie. © Foto: Diether v Goddenthow

Zwischen Kupfergraben und Neuem Museum gelegen, übernimmt die James-Simon-Galerie als neues Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel zentrale Servicefunktionen und leitet die Museumsbesucher über die Archäologische Promenade in die einzelnen Häuser. Die Architektursprache bedient sich vorgefundener Elemente wie gebauter Topografie, Kolonnade und Freitreppe. Durch die Staffelung der Gebäudemasse bleibt der Blick von der Schlossbrücke in die Tiefe der Museumsinsel und auf die Westfassade des Neuen Museums erhalten. Die Uferkante zum Kupfergraben wird durch einen steinernen Sockel ausgebildet, über dem sich die Hochkolonnade mit schlanken Stützen erhebt. Eine breite Freitreppe empfängt die Besucher. Auf der oberen Ebene gelangen sie in das großzügige Foyer mit direktem Anschluss an das Pergamonmuseum. Das Foyer, in dem auch das Café gelegen ist, öffnet sich zu einer Terrasse, die sich über die gesamte Länge des Gebäudes erstreckt und auch außerhalb der Öffnungszeiten frei zugänglich ist. Im Mezzaningeschoss unter dem Haupteingangsfoyer befinden sich der Museumsshop, eine große Garderobe und Schließfächer, im Sockelgeschoss liegen Ausstellungsbereiche und das Auditorium.

taz Neubau, Redaktions- und Verlagsgebäude, Berlin, Deutschland E2A

Der Neubau der taz vermittelt in seiner besonderen Ecklage an der Friedrichstrasse zwischen dem traditionellen Berliner Block und den Solitärbauten aus der Zeit der IBA von 1984. Aus der Kombination von Ecke und Block wurde eine einfache Lösung vorgeschlagen: Entlang der Friedrichstrasse werden die Berliner Traufhöhen übernommen und der Block weitergeführt. Ein Rücksprung in der Fassade entlang der Friedrichstrasse bildet ein klar akzentuierter Eingang. Das strukturelle System des neuen Hauses ist als Netz ausgebildet. Mit möglichst wenigen Elementen wird eine grösstmögliche Belastbarkeit erreicht. Es ist eine Struktur, in der alle Teile gleichviel leisten müssen und nur zusammen Stabilität erreichen. Es ist ein System ohne Hierarchie. Die architektonische Anmutung des neuen Hauses für die taz wird so Struktur und Sinnbild der Organisation zugleich. Die Hauptstruktur besteht aus diagonalen Verstrebungen entlang der Gebäudehülle und erfordert keine zusätzliche Unterstützung auf der Innenseite. Die dreizehn Meter tiefen Büroflächen schaffen eine Werkstattatmosphäre und ermöglichen eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsformen. Die Treppenskulptur im Zentrum des Neubaus bildet aufgrund ihrer Dimension und Plastizität eine vertikale Fussgängerzone über die ganze Höhe des neuen Hauses. Sie ist ein Ort der Begegnung und des informellen Austauschs. Hier atmet das Gebäude und fördert die spontane Kommunikation.

Eingangsgebäude Freilichtmuseum Glentleiten, Deutschland Florian Nagler Architekten GmbH

Die Architekten begeistert an den Bauernhäusern des Oberlandes, dass einer einfachen äußeren Geometrie ein vielschichtiges Inneres, sowohl im Hinblick auf die Funktion als auch die Konstruktion, gegenübersteht. Dieses Prinzip hat sie auch beim neuen Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Glentleiten inspiriert. Die Idee war, ein großes, einfaches Dach zu bauen und darunter eine robuste Struktur, die die gewünschten Funktionen aufnehmen kann und dabei auch flexibel und damit nachhaltig ist. Das Dachvolumen orientiert sich Maßstab der umliegenden Gebäude und fügt sich dabei erstaunlich gut in den Kontext ein. Die Gestaltung der Fassaden nimmt mit zwei großen Zugangstoren zum Museum und zur Gastwirtschaft Bezug auf die Tore des benachbarten Starkerer Stadels, ist dabei jedoch fast abstrakt gehalten. Die traditionelle Dachform und die einfachen Holzfassaden erinnern auf den ersten Blick an landwirtschaftliche Funktionsbauten, deren Anblick im bayerischen Voralpenland vertraut ist. Die Ausführung im Detail weicht dann jedoch von den vertrauten Bildern etwas ab. Auf der unteren Zugangsebene liegen der Eingang zum Museum, die Sonderausstellung und alle dazu gehörigen Räume. Im Geschoss darüber ist das Wirtshaus untergebracht, das durch die geschickte Ausnutzung der Topografie einen barrierefreien externen Zugang und Austritt in den Biergarten erhält. Flächen, die kein Tageslicht benötigen, sind in den sanften Hang eingegraben, das Gebäudevolumen wird dadurch optisch reduziert.

Stylepark Neubau am Peterskirchhof, Frankfurt am Main, Deutschland NKBAK

In Frankfurts Innenstadt sollte ein Wohn- und Geschäftshaus in einen Hinterhof erweitert werden. Das Besondere an dieser Bauaufgabe war– entgegen üblicher Hinterhofsituationen – die Sichtbarkeit der neuen Bebauung vom angrenzenden Peterskirchhof aus. Diese parkähnliche Anlage mit seiner umgrenzenden Friedhofsmauer ist denkmalgeschützt. Im Konzeptgedanken steht nicht eine Abgrenzung, sondern das Weiterbauen und die Akzentuierung der Zeitschichten im Vordergrund. Der Neubau wurde daher mit einer Klinkerfassade auf die Friedhofsmauer aufgebaut. Das Sichtmauerwerk ist mit verschiedenen Steinformaten horizontal geschichtet, sodass sich das (Zeit-)Schichten auch in der Materialität manifestiert. Die Bebaubarkeit war auf Grund der Abstandsregelungen begrenzt. Die Kubatur ist im Hinblick auf die Baumasse und die Belichtungssituationen präzise abgestimmt. Im Erdgeschoss wurde eine bereits vorhandene Gewerbeeinheit erweitert. In den Obergeschossen entstanden zwei Wohneinheiten. Sie sind ein Beitrag zur Verdichtung der Frankfurter Innenstadt mit der Schaffung von Wohnraum.

„einfach gebaut“, Berlin, Deutschland orange architekten

Die Architekten kauften das als unbebaubar geltende Grundstück selber und entwickelten und realisierten das Wohnensemble komplett in Eigenregie. Durch die Aufständerung der Baukörper blieben die Fußwege als auch die Durchlüftung des Quartiers gewahrt. Ebenso konnten die meisten Bäume erhalten werden, da das gesamte Gebäude zwischen den Wurzelbereichen positioniert wurde. Das Gebäude besteht aus zwei voneinander unabhängigen Teilen. Im fünfgeschossigen, schmalen „Langhaus “ befinden sich großzügige Lofts. Die Wohnungen sind zur Südseite hin komplett verglast. Von den durchgehenden Balkons schauen die Bewohner direkt in die Baumwipfel. Auf der Nordseite befinden sich Laubengänge. Das „Atelierhaus“ besteht aus drei übereinander gestapelten Apartments von 40 Quadratmetern. Beide Gebäudeteile werden durch ein straßenseitiges, außen liegendes Treppenhaus erschlossen. Als Alternative zum WDVS entwickelten die Architekten eine Netzfassade mit gesteckter Wärmedämmung, ohne jede Verbundmaterialien, die vollständig und sortenrein demontabel und rezyklierbar ist. Am Boden wurde statt mit Estrich und Klebeparkett mit einer lose liegenden, massiven Brettschichtholzplatte in einem einzigen Bauelement die Funktionen Estrich und Fußboden vereint. Es gibt in allen Wohnungen Sichtbetondecken. Schiebeelemente ersetzen Wände aus Gipskarton und ermöglichen eine flexible Nutzung der Flächen. Zugunsten einer Deckenhöhen von drei Metern wurde auf ein mögliches weiteres Geschoss verzichtet.

PREISVERLEIHUNG UND ERÖFFNUNG: Fr, 31. Januar 2020, 19 Uhr \ DAM Auditorium

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Deutsches Architekturmuseum (DAM)
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main

DAM Architectural Book Award 2019 für die zehn besten Architekturbücher verliehen

image002Die Frankfurter Buchmesse und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) haben 2019 zum elften Mal den internationalen DAM Architectural Book Award vergeben. Der in seiner Art einmalige und inzwischen hoch angesehene Preis zeichnet die besten Architekturbücher eines Jahres aus. Dem gemeinsamen Aufruf sind 100 Architektur- und Kunstbuchverlage weltweit gefolgt. Eine Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM hat nun aus 227 Einsendungen nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität die zehn besten Architekturbücher des Jahres ausgewählt:

  •  Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als die Zukunft gebaut wurde / Kettler, Dortmund
  • Baku. Oil and urbanism / Park Books, Zürich
  • Bovenbouw Architectuur. Living the Exotic Everyday / Flanders Architecture Institute,
    Antwerpen
  • Die Welt der Giedions. Sigfried Giedion und Carola Giedion-Welcker im Dialog /
    Scheidegger & Spiess, Zürich
  • Léon Stynen. A Life of Architecture 1899-1990 / Flanders Architecture Institute,
    Antwerpen
  • Lochergut – Ein Portrait / Quart Verlag, Luzern
  • Theodor & Otto Froebel. Gartenkultur in Zürich im 19. Jahrhundert / gta Verlag, Zürich
  • The Object of Zionism. The Architecture of Israel / Spector Books, Leipzig
  • Vom Baustoff zum Bauprodukt. Ausbaumaterialien in der Schweiz 1950-1970 /Hirmer Verlag, München
  • Veneč. Welcome to the Ideal / Gluschenkoizdat, Moskau

Der externen Fachjury gehörten in diesem Jahr an: Hendrik Hellige (Buchmesse Frankfurt), Michael Kraus (M Books Verlag), Friederike von Rauch (Fotografin), Florian Schlüter (Architekt, Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Freunde des DAM), Adeline Seidel (Journalistin), David Voss (Designer)

Die internen Juroren waren: Peter Cachola Schmal (Direktor DAM), Annette Becker (Kuratorin DAM), Oliver Elser (Kurator DAM), Christina Budde (Kuratorin Architekturvermittlung DAM).

Das breite Spektrum der Themen und das hohe Niveau der Einsendungen hat die Jury vor eine große Herausforderung gestellt. Zum wiederholten Mal haben daher die Juroren entschieden, nicht nur zehn Preisträger zu bestimmen, sondern auch zehn weitere Einsendungen für die Shortlist des DAM Architectural Book Awards 2019 auszuwählen.

In norwegischen Landschaften Hunting high and low – Sonderausstellung im Deutschen Architekturmuseum anlässlich der Frankfurter Buchmesse

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Anlässlich des Ehrengastland-Auftrittes auf der Frankfurter Buchmesse 2019 widmet sich das Deutsche Architekturmuseum (DAM) der zeitgenössischen Architektur Norwegens.

Diese Ausstellung über norwegische Architektur basiert auf der Buchreihe asBuilt. Zu den zeitgenössischen Bauten, die durch die Arbeiten einiger Altmeister der Moderne ergänzt werden, gehören kleine Infrastrukturprojekte für die Norwegischen Landschaftsrouten, ein Wasserkraftwerk im Gebirge, Einfamilienhäuser in fast unberührter Natur und in Kulturlandschaften sowie öffentliche Gebäude in Städten. Die Bauwerke liegen in sehr unterschiedlichen Landesteilen. Sie illustrieren die häufig weit verstreute Bebauung Norwegens in entlegenen Gegenden, die von einer aktiven Regionalpolitik gezielt gefördert und einer starken Ölwirtschaft finanziell möglich gemacht wird.

Im südlichen Teil der Ausstellung liegen alle bisher erschienenen 21 asBuilt-Bände aus. Ziel der Buchreihe ist es, die Arbeitsweise der Architekten detailliert darzustellen und so gebaute Erfahrungen auszutauschen. Jedes Bauwerk wird mit mindestens einem weiteren Medium –Modell, Film, Fotografien oder Zeichnungen – vorgestellt. Sechs Gebäude wurden extra für diese Ausstellung gefilmt, die Filme werden im Haus im Haus und an dessen Außenwände projiziert. Die Filme machen die Bauten räumlich erfahrbar und enthüllen die Verbindung zwischen Gebäude und umliegender Landschaft sowie zwischen Licht und Material.

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Die Projekte knüpfen an eine nordische Architekturtradition an, deren bekanntester Exponent der Pritzker-Preisträger Sverre Fehn ist, und führen sie fort. Diese Architektur zeichnet sich durch eine taktile Materialverwendung und die Umsetzung räumlicher Erfahrbarkeit aus, die nicht nur eng mit dem Kontext verbunden ist.

Gleichzeitig treten die Architekten in die Fußstapfen von Norwegens tausendjähriger Holzbautradition. Auf diese Weise schließt die norwegische Baukunst an das Thema des klimasensiblen und ökologischen Bauens an. Diese Entwicklung wird durch die Stadtentwicklung in den großen Städten heute auf die Probe gestellt. So sehen Sie an der Nordwand, mit Ausblick auf den Main, ein Bild des Osloer Stadtteils Bjørvika, das einen neuen Aspekt der norwegischen Architektur zeigt: die städtische Verdichtung. Dort werden auch Bauten gezeigt, die Gegenstand künftiger asBuilt Publikationen sein werden. Die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) entstand in Zusammenarbeit mit: Norwegen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019, Norwegian Literature Abroad (NORLA), Norwegische Botschaft, Oslo School of Architecture and Design (AHO) und Verlag Pax Forlag.

BEGLEITPROGRAMM
Das Begleitprogramm zur Ausstellung konzentriert sich auf die norwegische Architektur zwischen Land
und Urbanität.

Mi, 18. September 2019, 19 Uhr
HUNTING LOW
Vorträge und Diskussion mit:
KNUT HJELTNES, Knut Hjeltnes Sivilarkitekter
JETTE HOPP, Snøhetta
KNUT WOLD, Künstler und Kunstkurator für Public Roads, the National Tourist Routes, Norway
DAM Auditorium, €5 \ €2,50 ermäßigt

Die Veranstaltung widmet sich Projekten mit dem Fokus „HUNTING LOW“: Projekte wie das Weekend House Straume (Knut Hjeltnes), die Sørum Farm (Are Vesterlid / Knut Wold) und das Outdoor Care Retreat (Snøhetta) zeigen auf hervorragende Weise, wie die architektonischen Qualitäten mittels Licht, Proportionen und Material Gebäude und Kunst die Naturlandschaften ergänzen.

Mi 23. Oktober 2019, 19 Uhr
HUNTING HIGH
Vorträge und Diskussion mit:
GRO BONESMO, Spacegroup EINAR JARMUND, Jarmund/Vigsnæs Arkitekter ANDREAS VAA BERMANN (tbc), Leiter des Stadtbauamts, Oslo DAM Auditorium, €5 \ €2,50 ermäßigt

Der Abend steht ganz im Zeichen von „HUNTING HIGH“ und gibt Einblick in die Entstehung urbaner Projekte in Oslo sowie die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Stadt.
Das Begleitprogramm findet teilweise in englischer Sprache statt.

Fr, 18. Oktober 2019, 11 Uhr
TOUR ZUR FRANKFURTER BUCHMESSE, u.a. Treffen mit den Ausstellungsarchitekten des norwegischen Pavillons und verschiedener Architekturverlage.
Treffpunkt am »Hammering Man«, Ludwig-Erhard-Anlage 1, Dauer: ca. 2,5 Std, € 25/ Teilnehmer inkl. Messeeintritt

„PAULSKIRCHE Ein Denkmal unter Druck“ – Sonderausstellung zur bevorstehenden Renovierung der baulichen Wiege der deutschen Demokratie

©  Foto: Diether  v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Vom 7. September 2019 – 16. Februar 2020 zeigt das Deutschen Architekturmuseum (DAM) Schaumainkai 43, Frankfurt am Main, als ein gemeinsames Projekt mit der Wüstenrot-Stiftung die Sonderausstellung „PAULSKIRCHE Ein Denkmal unter Druck“

Die 300 Quadratmeter umfassende Ausstellung schildert die Baugeschichte von 1786 bis heute entlang der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Strömungen. Gezeigt werden zahlreiche historische und aktuelle Fotos sowie Entwurfszeichnungen aus der Sammlung des DAM.
Wie es in einer Pressemeldung heißt, ist es Ziel der Austellung, das Verständnis für den bestehenden Paulskirchenbau zu verbessern und den Blick auf die Hintergründe der ursprünglichen Entwurfshaltung zu schärfen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte die Zukunft der Paulskirche in der Zeit zur nationalen Aufgabe und wünscht sich einen „authentische[n] Ort, der an Revolution, Parlamentarismus und Grundrechte nicht nur museal erinnert, sondern zu einem Erlebnisort wird“. Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zum Dialog über die Zukunft der Paulskirche, der in diesem Sommer angestoßen wurde. Während die Stadt ein künftiges Demokratiezentrum in der Nachbarschaft zum Demokratieort Paulskirche plant und gemeinsam mit dem Architekturbüro AS+P Albert Speer + Partner über das “qualifizierte Verwerfen” einer historischen Rekonstruktion der Paulskirche diskutiert, möchte das DAM Aufklärungsarbeit leisten. Daher beschränkt sich die Ausstellung nicht allein auf Historisches der Vor- und Nachkriegszeit, sondern lässt auch unterschiedliche aktuelle Positionen zu Wort kommen. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, diese um ihre eigenen Überlegungen zu ergänzen.
Die Sammlung des DAM enthält den umfangreichen Nachlass des beteiligten Architekten Johannes Krahn. Diese Quelle ermöglichte es unter anderem, dem rätselhaften Turmzimmer („Präsidentenzimmer“) auf den Grund zu gehen, in dem die wechselvolle Geschichte des Baus kulminiert. Der Architekturfotograf Moritz Bernoully erstellte einen Fotoessay über den aktuellen Zustand des Gebäudes. Darüber hinaus werden zahlreiche historische Bilder gezeigt.

Hintergrund-Informationen zum Kulturdenkmal „Paulskirche“ des Deutschen Architekturmuseums:

Die Paulskirche, ein Denkmal. Aber wofür eigentlich? Hier trat 1848 die deutsche Nationalversammlung zusammen, um die erste deutsche Verfassung zu beschließen. Seither gilt das Gebäude als „Wiege der deutschen Demokratie“. Genau einhundert Jahre später wurde die Paulskirche nach starker Kriegszerstörung als Zeichen des demokratischen Neubeginns in einem nüchtern-modernen Stil wieder aufgebaut. So erinnert die Paulskirche heute auch an das Jahr 1948. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Frankfurt Favorit im Rennen um die neue bundesdeutsche Hauptstadt – die Paulskirche galt als künftiger Sitz des Parlaments. Gekommen ist es anders. Heute ist sie der Festsaal, von dem bundesweite intellektuelle und gesellschaftspolitische Debatten ausgehen. Ihre architektonische Qualität wird dabei selten gewürdigt. Diese Lücke möchte die Ausstellung schließen, indem sie die Bau- und Nutzungsgeschichte von den Anfängen bis heute nachzeichnet. In Kürze soll die Paulskirche technisch saniert werden. Die Rufe nach Rekonstruktion eines Vorkriegszustandes haben ihre gut 70-jährige Nachkriegsgeschichte stets begleitet. Zweimal wurde sie bereits modernisiert. Der Erhalt der Wiederaufbau-Lösung war dabei keine Selbstverständlichkeit, wie der Blick in die Geschichte zeigt. So gilt es auch heute wieder, für den Erhalt des Nachkriegsdenkmals zu streiten. Es ist ein weit lebendigeres Zeugnis der deutschen Demokratie und Debattenkultur, als es eine Rekonstruktion je sein könnte.

DIE BAU- UND NUTZUNGSGESCHICHTE VOR DER ZERSTÖRUNG
Die Ursprünge der Paulskirche reichen zurück ins Jahr 1786. Damals beschloss die protestantische Gemeinde, ihre baufällige mittelalterliche Barfüßerkirche durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser erhielt einen ungewöhnlichen ovalen Grundriss, um von möglichst vielen Plätzen aus freie Sicht auf den Pfarrer zu ermöglichen – ein wichtiger Aspekt in der protestantischen Liturgie, die das Wort in den Mittelpunkt stellt.

Die Bauarbeiten dauerten beinahe 50 Jahre. Zuerst kamen sie nicht in Gang, weil sich die Verantwortlichen in stilistischen Fragen nicht einigen konnten. Dann wurden sie von den Napoleonischen Kriegen unterbrochen. Die entstehende Kirche verkam zur Bauruine und wurde zwischenzeitlich gar als Lagerhalle genutzt. Zahlreiche Kompromisse und Umplanungen führten zu der Paulskirche, die 1833 schließlich fertiggestellt wurde. Mit dem typischen roten Mainsandstein und dem Steildach (statt einer italienisch anmutenden Kuppel) prägte der Bau den Frankfurter Klassizismus. Der Innenraum war lichtdurchflutet, verstärkt noch durch die weißen Wände. Diese wurden, ebenso wie die Decke, aus finanziellen Gründen nicht bemalt. Der auffälligste Schmuck war die von zwanzig ionischen Säulen getragene, umlaufende Empore mit Platz für nahezu 2.000 Menschen.

DIE NATIONALVERSAMMLUNG 1848/49 UND IHR 75. JUBILÄUM
Nur 15 Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Paulskirche 1848/49 zum Tagungsort der Nationalversammlung, dem ersten demokratischen Parlament Deutschlands. Ausgewählt wurde der Bau wegen seiner Größe und Modernität. Die Sitzordnung im ovalen Halbrund etablierte die Bezeichnungen „links“ und „rechts“ in der deutschen Politik. Das Publikum nahm auf der Empore Platz. Um die schwierige Akustik zu verbessern, wurde eine Zwischendecke eingezogen, die fortan die obere Fensterreihe verdeckte.

Nachdem die Nationalversammlung bereits 1849 gewaltsam aufgelöst worden war, machte sich die Kirchengemeinde den Raum wieder zu eigen und ließ die Schalldecke mit Engelmotiven bemalen. Eine offizielle Erinnerung an die liberale Geschichte des Ortes vermieden die konservativen Regierungen im Deutschen Bund und im anschließenden Kaiserreich. Erst während der Weimarer Republik unter Präsident Friedrich Ebert bekannte man sich dazu und feierte 1923 das 75. Jubiläum der Nationalversammlung in der Paulskirche. Dafür erhielt Ebert an der Fassade ein Denkmal, das die Nationalsozialisten nur wenige Jahre später wieder demontieren sollten. Am 18. März 1944 zerstörten Brandbomben die Paulskirche bis auf ihre Außenmauern.

DIE RUINE UND DIE HAUPTSTADTFRAGE
Im nationalsozialistisch verwüsteten Deutschland blickte man nach dem Krieg auf das anstehende 100. Jubiläum der Nationalversammlung. Die Planungen konzentrierten sich zunächst auf einen Festakt in der enttrümmerten Ruine. Doch gerade noch rechtzeitig erkannten die Verantwortlichen der Stadt die Signalwirkung, die eine wieder hergestellte Paulskirche für den demokratischen Neubeginn hätte. Oberbürgermeister Kurt Blaum (CDU) brachte dabei auch eine Nutzung als Versammlungsort für das künftige deutsche Parlament ins Spiel. Frankfurt machte sich wie Bonn Hoffnungen, Hauptstadt zu werden. Beide Städte bauten um die Wette. Sicherheitshalber beauftragte die Stadt Frankfurt den Architekten Gerhard Weber mit einer Alternative zur Paulskirche als Parlamentssitz. So entstand im Nordend ein zweiter Parlamentsbau, der nach der Entscheidung für Bonn zum Funkhaus des Hessischen Rundfunks umgebaut wurde.

DER PAULSKIRCHEN-WETTBEWERB, 1946
Zum Wiederaufbau der Paulskirche richtete die Stadt 1946 einen Wettbewerb unter den in Hessen lebenden Architekten aus. Unter Verwendung der Mauerreste sollte ein Raum entstehen, der sowohl als Gotteshaus wie auch als Tagungsraum genutzt werden konnte. Der erste Preis ging an Gottlob Schaupp. Sein Entwurf kam den Vorstellungen des Preisgerichts am nächsten, das sich gegen eine historische Kopie und für eine zeitgemäße Umgestaltung aussprach. Im Vergleich zum Vorkriegszustand verzichtete Schaupp auf die umlaufende Empore und brachte die obere Fensterreihe wieder zur Geltung. So betonte er die Schlichtheit und Monumentalität des Innenraums. Die anderen prämierten Entwürfe reichten von Galerien und Emporen über plastisch ausgestaltete Kuppeln bis hin zu einem großen eingezogenen Foyer. Das ursprüngliche Steildach sahen alle Preisträger vor. Das Echo blieb durchwachsen. Der Frankfurter Architekt Hermann Mäckler verurteilte den Großteil der Einreichungen, da er viele Bezüge zur nationalsozialistischen Formensprache erkannte. Ihren Zeichnungen nach zu urteilen waren die Architekten in seinen Augen „fast lauter SA-Männer“. Eher aus pragmatischen Gründen hielt auch das Preisgericht keinen der Entwürfe für baureif.

DIE PLANUNGSGEMEINSCHAFT PAULSKIRCHE
Noch im November 1946 arrangierte Stadtbaurat Eugen Blanck, dass der Kölner Kirchenbau-Spezialist Rudolf Schwarz den Wiederaufbau der Paulskirche gemeinsam mit dem Wettbewerbssieger Gottlob Schaupp übernahm. Hinzu kamen noch der Frankfurter Architekt Johannes Krahn, der lange für Schwarz gearbeitet hatte, sowie Stadtbaurat Blanck selbst. Die sogenannte Planungsgemeinschaft Paulskirche war gegründet. Schaupp, Schwarz und Blanck hatten bereits in der Zeit des Neuen Frankfurt unter Ernst May gearbeitet bzw. an einzelnen Projekten mitgewirkt und waren sich dabei auch begegnet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft arrangierten sich die vier Architekten unterschiedlich mit dem System. Schaupp stach dabei heraus, da er eine ästhetische (und politische) Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus pflegte. Er löste sich von den Ideen des Neuen Frankfurt und errichtete Wohngebäude im deutschtümelnden Heimatschutzstil. Diese biografische Verstrickung wurde bereits kurz nach dem Wettbewerb bekannt und belastete die öffentliche Wahrnehmung der gesamten Planungsgemeinschaft.

GRUNDSTEINLEGUNG, SPENDEN UND DIE „REDE AN DIE DEUTSCHEN“
Der zügige Wiederaufbau der Paulskirche ist ein Symbol des demokratischen Neubeginns in der noch nicht gegründeten Bundesrepublik. Im zerstörten Frankfurt selbst erntete das Projekt angesichts der Wohnungsnot erst einmal Unverständnis. Um solcher Kritik zu begegnen, plante man, parallel die kriegszerstörte Friedrich-Ebert Siedlung im Gallusviertel wieder aufzubauen, eingeläutet von einer doppelten Grundsteinlegung am 17. März 1947.

Es blieben 16 Monate bis zur Jahrhundertfeier der Nationalversammlung. Weil Frankfurt ein solches Projekt allein nicht bewerkstelligen konnte, erklärte Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD) die Paulskirche zur gesamtdeutschen Angelegenheit und bat um Sach- und Geldspenden – mit überwältigendem Erfolg. So kamen aus Thüringen drei mit Bauholz beladene Eisenbahnwaggons und aus dem benachbarten Offenbach Leder für die Bestuhlung. Sogar die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) spendete 10.000 Mark. Nur durch diese Unterstützung konnte am 7. November 1947 Richtfest gefeiert werden.

Die wieder aufgebaute Paulskirche wurde schließlich pünktlich am 18. Mai 1948 im Rahmen einer ganzen Festwoche eröffnet. Dazu reisten auch Vertreter aus der Sowjetzone nach Frankfurt und distanzierten sich öffentlich vom Wiederaufbau der Paulskirche, den sie mittlerweile als „Staffage für die Bildung eines Weststaates“ empfanden.

Als Festredner kam der persönlich von Kolb eingeladene Schriftsteller Fritz von Unruh nach 16-jährigem Exil erstmals wieder nach Deutschland. In seiner „Rede an die Deutschen“ warnte er vor Untertanengeist und Mitläufertum und verurteilte die halbherzige Entnazifizierung. Er sprach derart leidenschaftlich, dass er zwischenzeitlich am Pult zusammenbrach und erst nach einer Pause fortfahren konnte.

DIE WIEDER AUFGEBAUTE PAULSKIRCHE
Wie in Gottlob Schaupps ursprünglichem Entwurf vorgesehen, beließ auch die Planungsgemeinschaft den Saal weitgehend frei von Einbauten. Die in frühen Zeichnungen angedachten Balkone verwarfen die Architekten bald wieder. Stattdessen bewahrten sie im Innern den imposanten Charakter der ausgebrannten Ruine, bedeckt von einer leichten Holzdecke mit Oberlicht und einer flachen, kupfergedeckten Kuppel.

Das riesige Rund gliederten sie nur durch herabhängende Leuchtstränge, die an die ehemaligen Säulen erinnern sollen. Für die Saalfenster war eine Ornamentverglasung vorgesehen, die jedoch aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt wurde. Stattdessen wurde vorerst Rohglas mit grober Sprossenteilung eingebaut.

Im Erdgeschoss wurde ein niedriges Zwischengeschoss eingezogen – die sogenannte Wandelhalle, die bewusst im Halbdunkel bleibt und über zwei Treppen hinauf in den Saal führt. Damit inszenierten die Architekten einen Gang vom Dunkeln ins Helle – für sie „ein Bild des schweren Weges, den unser Volk in dieser seiner bittersten Stunde zu gehen hat.“ Als Zeichen der Läuterung ließen sie die Treppenbrüstungen aus Blech fertigen, das ehemals für den nationalsozialistischen Flugzeugbau vorgesehen war. Auch für die Turmspitze entwarfen sie Lösungen, die ein weithin sichtbares modernes Zeichen gesetzt hätten – entschieden sich dann aber für die erhaltene Form eines kleinen Rundtempels.

Moral wurde ebenfalls Mittel der Argumentation. So attestierten die Architekten dem neu gestalteten Saal „eine solch nüchterne Strenge, daß darin kein unwahres Wort möglich sein sollte.“ Die heftigste Kritik kam von Albert Rapp, dem Direktor des Historischen Museums, den besonders die neue Wandelhalle verärgerte. Vernichtend urteilte er im Spiegel: „Unten Radrennbahn, oben Gasometer, mehr läßt sich nicht verderben.“

DAS PRÄSIDENTENZIMMER
Um überhaupt als Sitz des Bundestages infrage zu kommen, benötigte die Paulskirche ein repräsentatives Büro für den Hausherren, den Bundestagspräsidenten. Die Planungsgemeinschaft richtete dieses sogenannte Präsidentenzimmer im Hauptturm oberhalb des Saals ein. Sie erarbeitete Innenraumstudien, die auch Kunstwerke vorsahen: zwei in die Raumnischen eingepasste Buntglasfenster. Zur Wiedereröffnung der Paulskirche war das Zimmer noch nicht fertiggestellt – und noch ehe es dazu kommen konnte, war ein solcher Raum auch schon obsolet. Denn Hauptstadt und Parlamentssitz war Bonn geworden.

Dennoch entwarf der Münchner Künstler Karl Knappe 1951 die Buntglasfenster, die im Folgejahr eingebaut wurden. Seine Technik war für die Zeit revolutionär, da er nicht auf Glas malte, sondern die Fenster aus farbigen Gläsern zusammensetzte. Die Werke tragen den hoffnungsvollen Titel Freundschaft und Friede der Jugend Europas und zeigen den Übergang von Kampfbereitschaft hin zu freundschaftlicher Umarmung.

Leider fand sich allerdings keine alternative Nutzung, sodass das Präsidentenzimmer mehr und mehr zu einer Garderobe verkam. Provisorisch wurde das Nötigste ergänzt – ein paar Sitzmöbel, ein Kleiderständer, ein Telefon und eine Nasszelle, die heute auf skurrile Weise die Kunst rahmen.

NOTWENDIGE UMBAUTEN
Nach der Entscheidung für Bonn als Hauptstadt wurde der Wiederaufbau der Paulskirche nicht vollendet. Abrupt brach man die Baumaßnahmen ab, die nach der Eröffnung noch ausstanden. Einige Räume wurden fortan als Abstellkammern genutzt und die Instandhaltung insgesamt vernachlässigt. Dies erschwerte die Akzeptanz des modernen Nachkriegsbaus in der Bevölkerung; ihm wurde eine unwürdige Erscheinung vorgeworfen.

DIE UMBAUTEN DER 1960ER-JAHRE
Als 1960 erste Überlegungen für eine Sanierung und teilweise Rekonstruktion eines Vorkriegszustands laut wurden, machte die Planungsgemeinschaft ihr Urheberrecht geltend. In der Denkschrift zur Fortsetzung des Wiederaufbaus der Paulskirche definierten sie nötige Maßnahmen. Umgesetzt wurden diese nur zum Teil – und zudem verspätet im Jahr 1966.
Rudolf Schwarz war 1961 verstorben. Unter der Leitung von Johannes Krahn wurde nun erste Kosmetik betrieben: Anstelle des provisorischen Rohglases wurden große Mattglas-Scheiben in die Fenster eingesetzt. Nach innen sorgten sie tatsächlich für wärmeres Licht, nach außen wirkten sie jedoch abweisend. Die Wandelhalle frischte man mit weißem Rauputz sowie neuer Beleuchtung und Vitrinen in den Fensternischen auf. Im Plenarsaal sorgte ein neuer Anstrich der Wände und der Bestuhlung für einen besseren Gesamteindruck. An den Wänden aufgehängte Fahnen der Bundesländer sollten den Veranstaltungen einen feierlichen Rahmen geben und gleichzeitig die mangelhafte Akustik verbessern. Zu guter Letzt wurde dem Gebäude durch eine gründliche Reinigung „seine Würde“ zurückgegeben.

DIE UMBAUTEN DER 1980ER-JAHRE
In den achtziger Jahren stand eine grundlegende Sanierung der Haustechnik an. Der Magistrat unter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) wollte dies nutzen, um die historische Paulskirche weitgehend zu rekonstruieren – vor allem das Steildach. Anlass zur Kritik bot Wallmann, als er neben dem demütigen Blick auf die junge Bundesrepublik „über den Abgrund der jüngeren Vergangenheit hinweg“ auch wieder einen stolzen Blick auf 1848 zulassen wollte. Er bewegte sich damit nah an der Grenze zur „Geschichtsklitterung“ (Dieter Bartetzko). Die Vorplanung besorgte der Berliner Experte für Versammlungsbauten Klaus Wever. Da inzwischen alle Mitglieder der Planungsgemeinschaft verstorben waren, wurde Rudolf Schwarz‘ Witwe Maria Schwarz zur engagiertesten Gegnerin der Rekonstruktionspläne. Sie mobilisierte die Fachwelt zum Protest – eine öffentliche Kontroverse entstand. Das Hochbauamt der Stadt Frankfurt suchte einen ungewöhnlichen Weg aus dem Dilemma: Es beauftragte Maria Schwarz und Klaus Wever gemeinsam – trotz ihrer eigentlich unvereinbaren Positionen. Maria Schwarz wurde die künstlerische Leitung für den großen Saal und die Wandelhalle übertragen, Klaus Wever zeichnete für die Technik und die übrigen Räume verantwortlich.

Das Äußere des Baus blieb unverändert. Im Inneren wurde die Saaldecke durch eine weitgehend ähnliche, aber feuersichere Konstruktion ersetzt. Die Wände wurden mit einem sieben Zentimeter dicken, weiß gestrichenen Akustikputz versehen. Zwei Gehänge aus Lautsprechern, dem Stil der Leuchtketten angepasst, verbesserten die Akustik weiter. Das Gestühl wurde aufgearbeitet und gepolstert. Anstelle der provisorischen Orgel aus der Nachkriegszeit gab es jetzt eine Konzertorgel mit einem von Maria Schwarz entworfenen Prospekt (Orgel Verkleidung). Das Kellergeschoss wurde vollkommen umgebaut und mit neuer Technik bestückt. Die Kosten von mehr als 23 Millionen Mark hatte zu großen Teilen die Stadt Frankfurt zu tragen, da der Bund, anders als vorgesehen, keinen Zuschuss leistete und ein Spendenaufruf nur 2,1 Millionen Mark einbrachte.

DAS WANDBILD
Ein ovaler Raum bildet seit dem Wiederaufbau das Zentrum der Wandelhalle im Erdgeschoss. Ursprünglich sollte er parlamentarischen Beratungen dienen – im Zuge der Sanierung in den achtziger Jahren wurde er zum VIP-Raum umgebaut. Seine Außenwand sollte seit jeher ein Kunstwerk schmücken. Die Planungsgemeinschaft dachte während des Wiederaufbaus an eine monumentale, figürliche Darstellung der Sehnsucht nach Frieden. Zwölf Jahre später favorisierten die Architekten ganz im Stil der Zeit ein abstraktes Mosaik. Zur Umsetzung kam aus finanziellen Gründen keine der beiden Varianten. 1987 wurde ein Wettbewerb ausgerufen, der wieder die Gegenständlichkeit des Motivs zur Bedingung machte. Als Thema waren der Vormärz und die gescheiterte Revolution von 1848 vorgegeben. Eingeladen wurden Künstler aus Ost und West – die Paulskirche galt noch immer als gesamtdeutsches Projekt. Die ostdeutschen Künstler waren (offiziell) anderweitig gebunden, aber auch unter den westdeutschen hielt sich die Beteiligung in Grenzen. So reichten lediglich vier Künstler einen Beitrag ein. Es gewann der Entwurf von Johannes Grützke: ein langer Zug schwarz gekleideter Volksvertreter, gespickt mit dem Pathos des Amtes und der Ironie von Alltagsszenen. Den zweiten Preis bekam Jörg Immendorf für sein comicartiges, orangefarbenes Panorama Marke Vaterland kinetisch, welches mit blauen Nationalsymbolen verschiedener Ideologien durchsetzt war. A. R. Penck erhielt für seinen felsbildartigen Fries aus schwarzen Figuren und Zeichen den dritten Preis. Frühzeitig ausgeschieden war Alfred Hrdlicka, da seine plastischen Bronze-Entwürfe die Wettbewerbsbedingungen nicht erfüllten.

DIE NEUEN FENSTER
Parallel zu den Sanierungsarbeiten wurden auch neue Fenster eingebaut. Einen bundesweiten Wettbewerb zur Gestaltung der Fenster in historischer Sprossenteilung entschied 1986 der Künstler Wilhelm Buschulte für sich. Er hatte in ganz Deutschland bereits zahlreiche Kirchen ausgestattet und wurde besonders für seine Grisaillefenster geschätzt: strenge geometrische Kompositionen aus farblosen Gläsern, die unterschiedlich transparent oder opak waren. Auch die Fenster der Paulskirche setzte Buschulte in seiner Grisailletechnik um. Mit Rudolf Schwarz hatte ihn seit Ende der fünfziger Jahre eine Freundschaft verbunden.

ERSTER STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB, 1975
Die Gestaltung des umgebenden Paulsplatzes war bereits seit dem Wettbewerb 1946 ein Thema. Im Krieg waren viele der Nachbargebäude zerstört worden, sodass sich die Paulskirche auf einem überdimensionierten Platz wiederfand – die Planungsgemeinschaft sprach 1960 von einem „vergessenen Senftopf auf dem Wirtschaftstisch“.
Den ersten städtebaulichen Wettbewerb gewannen 1975 Bartsch, Thürwächter und Weber, die
Architekten des Technischen Rathauses, mit einem abgetreppten Gebäude um einen Innenhof. Der zweite Preis ging an Klaus Walter und Christoph Rohde, die vielfältige Attraktionen unter einer Dachkonstruktion vorsahen. Den dritten Preis erhielt die Stuttgarter Studentengruppe ASPLAN unter der Leitung von Johannes Strelitz. Sie schlugen einen streng angeordneten Hain aus Platanen vor, zur Berliner Straße hin abgeschlossen von einer Wand aus Wasserfontänen. Realisiert wurde der ASPLAN-Entwurf, jedoch ohne Wasserspiele. Diese Lösung sollte für die Zukunft alle Möglichkeiten offenhalten, erfreute sich bei der Bevölkerung zunehmender Beliebtheit und besteht bis heute unverändert fort.

ZWEITER STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB, 1983
Oberbürgermeister Wallmann träumte 1983 davon, die Wahl des Bundespräsidenten in der Paulskirche stattfinden zu lassen, und wünschte daher eine Aufwertung ihrer Umgebung. Die Stadt bat sechs Architekturbüros, die zu jener Zeit für Spielarten postmoderner Formensprache standen, um einen städtebaulichen Vorschlag. Auf ein Nutzungsprogramm verzichtete man, schloss jedoch ausdrücklich „nicht finanzierbare öffentliche Einrichtungen“ aus. So blieb nicht viel mehr übrig als Einzelhandel im Erdgeschoss sowie Büros und Wohnungen darüber.

Der Entwurf von Bartsch, Thürwächter und Weber sah einen mächtigen, geschlossenen Baublock vor, während Alexander Freiherr von Branca die Paulskirche mit einem weiten Kreissegment umfing. Jourdan und Müller schlossen den Platz mit einem schmalen Gebäuderiegel, der im Innern die Bäume bewahrte. Oswald Mathias Ungers präsentierte eine Zeile aus Stadthäusern und ein Hochhaus über der Berliner Straße. Hans Hollein schlug eine Bogenwand vor, als symbolische Abwicklung der elliptischen Paulskirchenwand. Jede Öffnung stand dabei für eines der damals zehn Bundesländer und eine halbe für das geteilte Berlin. Ein ähnliches Motiv fand sich auch bei Goldapp und Klumpp, die den gesamten Platz mit einer formal an die Kirchenfassade angelehnten Mauer umrahmten, an die sich ein Gebäude anschloss. Dies war der einzige Entwurf, der auch die Rekonstruktion des historischen Daches der Paulskirche vorsah. Die Ideen verebbten bald darauf in der hitzigen Debatte über die Form der Paulskirche selbst.

ORT DER DEBATTEN
Die Paulskirche ist von Beginn an ein Raum des gesprochenen Wortes gewesen: zunächst als protestantische Kirche, in der die Predigt im Mittelpunkt der Liturgie stand, und nach dem Krieg als der bundesdeutsche Festsaal. Hier wird seit 1951 die höchste geistige Auszeichnung des Landes verliehen, der Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Beim Wiederaufbau mussten die Architekten noch geistliche und parlamentarische Zwecke berücksichtigen. So gestalteten sie das Rednerpult, das zugleich auch Kanzel war, als eine Skulptur aus Muschelkalk und bezeichneten es neutral als „Sprechstelle“. Prominentester Redner war US-Präsident John F. Kennedy, der hier 1963 den Begriff der Paulskirche als „Wiege der deutschen Demokratie“ prägte. Inzwischen haben von der Sprechstelle aus viele Persönlichkeiten zur deutschen Öffentlichkeit gesprochen – nicht immer ohne Widerspruch. Oftmals nehmen gesellschaftliche Debatten hier ihren Ausgang. Es sei an den Goethe-Preis für den Schriftsteller Ernst Jünger (1982), den Friedenspreis für die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel (1995), an die Walser-Bubis-Kontroverse über die Erinnerung an den Holocaust (1998) oder an den Adorno-Preis an die Philosophin Judith Butler (2012) erinnert. Proteste suchen gezielt die Paulskirche auf, um sich Gehör zu verschaffen, so zum Beispiel das globalisierungskritische Netzwerk Attac, das das Gebäude im Herbst 2018 einen Tag lang besetzte.

ZUKUNFT PAULSKIRCHE
Während aktuell eine technische Sanierung der Paulskirche ansteht, werden Stimmen laut, die in diesem Zuge die Rekonstruktion eines Vorkriegszustandes wünschen. Diese Debatte, die eigentlich in den 1980er-Jahren bereits erschöpfend geführt worden war, geriet im Herbst 2017 erneut ins Rollen. Auslöser war ein Zeit-Artikel von Benedikt Erenz, der die Wiederaufbau-Lösung brüsk aburteilte und für die Rückkehr einer Empore plädierte: „Denn hier saß das Volk.“ Die Frankfurter Koalition aus CDU, SPD und Grünen steht klar hinter dem Erhalt des Wiederaufbaus. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wünscht sich hingegen eine breite, offene Diskussion über die Zukunft der Paulskirche und weckt somit auch Hoffnungen bei den Rekonstruktionsfreunden. Weiteren Rückenwind gibt ihnen der Erfolg der Neuen Altstadt. Im Jahr 2018 hat sich aus den Kreisen der Jungen Liberalen der Verein „Demokratiedenkmal Paulskirche“ gegründet. Dessen Mitglieder plädieren für den Einbau einer Empore und eines Kuppeldaches als moderne Zitate der historischen Paulskirche. So möchten sie die Paulskirche zum Ort der Bundespräsidentenwahl machen. Die rechtspopulistische Opposition aus Alternative für Deutschland (AfD) und Bürger für Frankfurt (BFF) fordert dagegen deutlich eine Rekonstruktion des Zustands von 1848.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte die Zukunft der Paulskirche zur nationalen Aufgabe. Er wünscht, ebenso wie die Stadtpolitik, einen Erlebnisort unter dem Namen „Demokratiezentrum“. Als möglicher Standort für solch ein Zentrum werden die Wandelhalle, der Paulsplatz, das Erdgeschoss der benachbarten Stadtkämmerei sowie ein Neubau auf der Freifläche in Richtung Berliner Straße diskutiert.

Neue Vortragsreihe im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und ergänzende Ausstellungsführungen

Foto: Frank Bayh_Steff Rosenberger-Ochs aus der Serie: Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City; Grafik: Gardeners
Foto: Frank Bayh_Steff Rosenberger-Ochs aus der Serie: Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City; Grafik: Gardeners

Ergänzend zu seinen Ausstellungen präsentiert das DAM mit der Reihe STADTplus   einmal mittwochs im Monat einen Kurzvortrag zu Themen, die die Stadt bewegen.
Das DAM hat zudem sein Angebot um eine Führung durch die jeweils aktuelle Ausstellung erweitert. Anschließend können die Besucher diskutieren, bei einem Glas Wein zusammen kommen und durch die Ausstellungen spazieren.
Der Eintritt beträgt 7,50 Euro bzw. 5 Euro ermäßigt.

Die neuen Themen im zweiten Halbjahr 2019 sind:

4. September 2019
DIE STADT + DIE WOHNUNGSLOSIGKEIT
Warum nicht jeder ein Dach über dem Kopf hat
Christine Heinrichs, Frankfurter Verein, Stellvertretende
Geschäftsführerin, Bereichsleitung Hilfen in sozialen Notlagen

Im Freien ohne persönlichen Rückzugsort, der Witterung ausgesetzt – die Anzahl unserer Mitbürger ohne festen Wohnsitz nimmt auch in Frankfurt zu. Über ihre Situation und die Angebote des Frankfurter Vereins für Mitmenschen in sozialen Notlagen berichtet Christine Heinrichs.

2. Oktober 2019

Foto: Frank Bayh_Steff Rosenberger-Ochs aus der Serie: Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City
Foto: Frank Bayh_Steff Rosenberger-Ochs aus der Serie: Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City

DIE STADT + DIE BODENPROBLEMATIK
Wie Hintergrund und Lösungsstrategien zusammen hängen
Dr. phil. Werner Heinz, Berater, Planungswissenschaftler, ehemalig
Deutsches Institut für Urbanistik

Nach einem „30-jährigen Stillstand in puncto Bodenreform“, so kürzlich der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude, sind Bodenfrage und Bodenproblematik in vielen Städten wieder zu einem prioritären Thema geworden. Dies gilt nicht allein für die meisten Großstädte und ihr Umland, sondern auch für eine steigende Zahl wirtschaftsstarker und attraktiver Mittel- und Universitätsstädte. Stadtentwicklung und Stadtstrukturen sind hier gekennzeichnet durch explodierende Miet- und Bodenpreise, drastische Defizite im Marktsegment des bezahlbaren Wohnraums, einen Formwandel von Wohnungen von Gebrauchsgütern zu Objekten der Kapitalverwertung sowie eine Verdrängung immer größerer Bewohnergruppen an den Stadtrand oder ins städtische Umland. Die räumliche Entwicklung wird damit zum Spiegelbild der sozialen und ökonomischen Spaltung der Stadtgesellschaft.

Im Zentrum des Vortrags stehen angesichts dieser Entwicklung vor allem drei Fragestellungen:

  • Welches sind die maßgeblichen hinter der Erscheinungsebene stehenden Ursachen der aktuellen Bodenproblematik?
  • Was können/sollten Städte, die nicht nur Opfer, sondern auch Treiber dieser Entwicklung sind, angesichts dieser Situation tun?
  • Ist ein weitreichender Paradigmenwechsel in der Boden- und Wohnungspolitik unumgänglich?

6. November 2019
DIE STADT + DIE STREET ART
Wie bunt Frankfurt ist
Stefan Mohr, Leiter des Naxos Atelier

An Wände, auf Zügen, in Unterführungen und an vielen weiteren Orten der Stadt begegnen uns Kunstwerke, Tags und Slogans. Die Street Art bereichert den Stadtraum auf unterschiedlichste Arten, mal ganz legal aber auch oft heimlich und ohne Genehmigung. Nicht nur das Graffiti ist eine der angewendeten Methoden, es wird geklebt, gepinselt und collagiert. Über diese Vielfalt, ihre Künstler und Orte in Frankfurt berichtet Stefan Mohr, Leiter des Naxos Atelier.

18. Dezember 2019
(Achtung dieser Termin wurde im Halbjahresprogramm und im bereits erschienen Flyer mit dem Datum 05.12. angekündigt)
DIE STADT + DER DIALEKT
Wie der Frankforder iwwer sei Stadtbild sprischt
Michael Quast, Schauspieler und Regisseur

Am 18.12.2019 lädt das Deutsche Architekturmuseum DAM zur letzten Veranstaltung der Stadt Plus-Reihe in diesem Jahr ein. Gast ist der renommierte Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Michael Quast. Er tritt auf zum Thema „Die Stadt + ihr Dialekt“ und widmet wird sich der Frage, wie der Frankforder iwwer sei Stadtbild spricht.

Denn nicht nur das Visuelle prägt einen Ort sondern auch der Klang – vom Verkehr, den Tieren, der Vegetation und nicht zu Letzt der Bewohner. Man hört sie sprechen, rufen, feilschen oder telefonieren. Dabei wird der Heimatstadt und ihren Plätze, Straßen und Gebäuden oft mit Kosenamen, Abkürzungen und lokalen Witzeleien, Anekdoten oder Sprüchen gehuldigt. In dieses Universum wird Michael Quast einführen.

©  Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
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Sonder-Ausstellung NEUER MENSCH, NEUE WOHNUNG DIE BAUTEN DES NEUEN FRANKFURT 1925 – 1933 im Deutschen Architekturmuseum zu 100 Jahren Bauhaus

Hermann Treuner, Die Römerstadt, 1929. Öl auf Leinwand. Deutsches Architekturmuseum, Ffm. © Foto: Diether v. Goddenthow
Hermann Treuner, Die Römerstadt, 1929. Öl auf Leinwand. Deutsches Architekturmuseum, Ffm. © Foto: Diether v. Goddenthow

2019 feiert das Bauhaus seinen 100. Geburtstag. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1933 war es 14 Jahre lang eine herausragende Schule der Avantgarde, von der Kunst, Design und Architektur zentrale Impulse empfingen. Die internationale Nachwirkung vor allem der Dessauer Periode ist bis heute zu spüren.

„Ein Leitbild im Neuen Frankfurt war der Neue Mensch der Moderne, ‚der – so Ernst May – ‚entschlossen ist, das Alte, Erstarrte hinter sich zu lassen‘. Diesen Neuen Menschen und die für ihn entworfenen Bauten haben wir als Titel unserer Ausstellung genommen“, sagte Wolfgang Voigt, Kurator und stellvertretender Vorsitzender der Ernst-May-Gesellschaft, gestern Abend bei seiner Eröffnungsrede. Die Idee des Neuen Menschen sei ein direktes Substrat aus Friedrich Nietzsches Schriften gewesen, und Ludwig Landmann ein glühender Verehrer, habe sich „gleich auf Seite eins der ersten Nummer der Zeitschrift Frankfurt“ (1926) auf den Philosophen berufen.

Der Neue Mensch war bis zum Ersten Weltkrieg eine elitäre Fiktion; er entsprach noch nicht dem Typus, den Landmann und May beim Start des Neuen Frankfurt im Visier hatten. Erst im Neuen Frankfurt wurde die Idee demokratisiert. Die neuen Wohnungen, Schulen, Kindergärten und Schwimmbäder boten die von Licht, Luft und Sonne bestimmte Umwelt, die den Stadtbewohner zum neuen Menschentyp werden lässt – so die Hoffnung der Architekten.. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Neue Mensch war bis zum Ersten Weltkrieg eine elitäre Fiktion; er entsprach noch nicht dem Typus, den Landmann und May beim Start des Neuen Frankfurt im Visier hatten. Erst im Neuen Frankfurt wurde die Idee demokratisiert. Die neuen Wohnungen, Schulen, Kindergärten und Schwimmbäder boten die von Licht, Luft und Sonne bestimmte Umwelt, die den Stadtbewohner zum neuen Menschentyp werden lässt – so die Hoffnung der Architekten.. © Foto: Diether v. Goddenthow

Beim gebildeten Publikum im Deutschen Reich nach 1900 besaßen die Schriften des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844–1900) Kultstatus. Aus ihnen ließ sich die Vorstellung eines Menschentyps destillieren, der sich aufmachen werde, „etwas Neues zu sein, etwas Neues zu bedeuten, neue Werte darzustellen“ (Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886). Seine Aufgabe war: eine neue soziale Ordnung vorbereiten, „gegründet auf ästhetische Kriterien und bevölkert von gesunden Körpern“.

In Frankfurt wurde die Idee demokratisiert: Nicht mehr nur eine Elite, sondern jeder sollte nun die Chance haben, sich dem Neuen Menschentyp anzuschließen, in einer von Licht, Luft und Sonne bestimmten Umwelt. So verkündeten es die oft emphatischen Äußerungen von Landmann, May, Wichert und anderen Stichwortgebern des Neuen Frankfurt. Besonders die Architekten verstanden sich als legitime Erzieher zum richtigen Leben in der Moderne.

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung Neuer Mensch, neue Wohnung gilt dem parallelen Geschehen in Frankfurt am Main, das zwischen 1925 und 1933 ein nicht minder bedeutendes Zentrum des Aufbruchs darstellte. Frankfurt war kein Planet des Bauhauses, sondern ein eigener Stern mit eigener Energie.

Unter der Regie des Oberbürgermeisters Ludwig Landmann und des Architekten Ernst May konstituierte sich hier das Neue Frankfurt, das unter diesem Namen in die Architektur- und Kulturgeschichte einging. Die Stadt erhielt einen beispiellosen Schub in die kulturelle Moderne. Für eine kurze Zeitspanne wurde sie zur Hochburg der Avantgarde in der Architektur.

In Frankfurt plante man die Umgestaltung zur exemplarischen Großstadt der Moderne, sozial, baulich und kulturell. Das Entscheidende war: Theorie wurde schnell zur Praxis, man fing sofort mit der Umsetzung an. Den wichtigsten Impuls gab das im Oktober 1925 publizierte Programm für 10.000 neu zu errichtenden Wohnungen.
Ein Leitbild der Architekten des Neuen Frankfurt war der Neue Mensch der Moderne,„der entschlossen ist, das Alte, Erstarrte hinter sich zu lassen“ (Ernst May), um im Alltag der naturnahen neuen Siedlungen eine befreite Existenz zu führen. Der neuen Wohnung war in diesem Prozess eine beherrschende Rolle zugedacht. Die Architekten verstanden sich als legitime Erzieher zum richtigen Leben in der Moderne.

Über die Ausstellung

Wolfgang Voigt, Kurator (4. v.r.), und Andrea Jürges (3.v.r.), stellvertretende Direktorin, erläutern anhand des Holzmodells Idee, Konzept und Umsetzung der Siedlung Römerstadt im Neuen Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wolfgang Voigt, Kurator (4. v.r.), und Andrea Jürges (3.v.r.), stellvertretende Direktorin, erläutern anhand des Holzmodells Idee, Konzept und Umsetzung der Siedlung Römerstadt im Neuen Frankfurt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Siedlungen des Neuen Frankfurts
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Auswahl aus zehn Siedlungen des Neuen Frankfurt, in denen das Wohnen in „Licht, Luft und Sonne“ Gestalt annahm, unter anderem die Siedlung Niederrad (Zickzackhausen), 1926/27 mit 643 Wohnungen; die Siedlung Hellerhof, 1929–1932, mit 1194 Wohnungen in drei- bis viergeschossiger Zeilenbauweise und dazuwischen liegenden Grünflächen; die Siedlung Praunheim, 1927–1929 mit 1441 Wohnungen; die Siedlung Westhausen, 1929–1931 mit 1522 Wohnungen und die Siedlung Römerstadt, 1927/28 mit 1.182 Wohnungen.

Die Siedlung Römerstadt sei, so die Kuratoren Dorothea Deschermeier, Wolfgang Voigt und Assistenzkurator Jonas Malzahn, städtebaulich wohl die bemerkenswerteste Planung des Neuen Frankfurt. Auf einem Höhenrücken an der Nidda gelegen, passt sie sich in ihrer Anlage den topographischen Gegebenheiten an. Den südlichen Abschluss markiert eine festungsartige Stützmauer aus Beton, die eine Stadtmauer wie in vergangenen Zeiten erinnert. Die Geländekante wurde von den Architekten zu einer besonderen Raumfigur genutzt: „Bastionen“ genannte Plateaus, die wenige Meter über der Niederung liegen und attraktive Platzräume bilden. Die Bebauung besteht großteils aus flachgedeckten, zweigeschossigen Einfamilienreihenhäusern. Im Ostteil der Siedlung verlaufen die Straßen bogenförmig, im Westen dominieren gerade Linien. Diese sind jedoch regelmäßig unterbrochen und versetzt, so dass dort, wo über eine Länge von 700 Metern mehr als hundert Mal derselbe Haustyp aufgereiht ist, keine endlos lange Straße entsteht. Zwischen den Wohnbauten finden sich breite Grünstreifen, die in Hausgärten zur Selbstversorgung untergliedert sind. Für die Bewohner der Mehrfamilienhäuser wurde unterhalb der Mauer ein breiter Streifen mit Kleingärten angelegt.

Modelle und Wandbilder der Heimatsiedlung des Neuen Frankfurts. © Foto: Diether v. Goddenthow
Modelle und Wandbilder der Heimatsiedlung des Neuen Frankfurts. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die chronologische Abfolge, in der Siedlungen in der Ausstellung gezeigt werden, markiert nicht nur die Entwicklung der auf unterschiedliche Familienkonstellationen zugeschnittenen Haustypen, sondern auch die Variationen in der städtebaulichen Anlage und die Herausbildung der funktionellen Planungsdoktrin um 1930. Zudem verdeutlicht sie die zunehmenden Schwierigkeiten der Finanzierung, die zuletzt stark verkleinerte Wohnungsgrundrisse erzwangen und nach 1930 dem gesamten Projekt ein Ende setzten.

Bauten großstädtischer Infrastruktur

Das IG-Farbenhaus war neben der Großmarkthalle das größte und markanteste  Gebäude seiner Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das IG-Farbenhaus war neben der Großmarkthalle das größte und markanteste Gebäude seiner Zeit. © Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den Siedlungen werden einige wichtige für das „Neue Bauen“ im Neuen Frankfurt charakteristische Bauten der großstädtischen Infrastruktur präsentiert – Bildungsstätten, Kirchen, Krankenhäuser, ein Altenheim, die Großmarkthalle und das Gesellschaftshaus am Palmengarten. Dazu kommen die als Vorbilder konzipierten Wohnhäuser der leitenden Architekten Ernst May und Martin Elsaesser.

Das Wohnungsbauprogramm
Gleich nach Amtsanritt legte May ein ehrgeiziges Bauprogramm für 10.000 Wohnungen vor, das innerhalb von zehn Jahren Wohnraum vor allem für die Bevölkerung mit geringerem Einkommen schaffen sollte.
Angesichts der überfüllten Altstadt mit oft mangelhaften hygienischen Zuständen wollte man helle, gut durchlüftete Wohnungen schaffen. Reihenhauszeilen mit Garten ersetzten die Mietskasernen. Die Wohnungen wurden mit damals hohen Standards wie fließend Warmwasser, Zentralheizung sowie der Frankfurter Küche ausgestattet. Gemeinschaftsbauten wie Waschhäuser mit elektrischen Waschmaschinen sollten das Alltagsleben erleichtern.
Um die Baukosten niedrig zu halten, experimentierte May mit einer industrialisierten Bauweise, in der vorgefertigte und normierte Bauteile zum Einsatz kamen. „Das Ziel“, so May, „muss die fabrikmäßig erzeugte, fertig lieferbare, in wenigen Tagen montierbare Wohnung sein“. Bis 1933 entstanden im städtischen Wohnungsprogramm 12.000 Einheiten. Trotz aller Bemühungen stiegen die Herstellungskosten in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre kontinuierlich an. Bald war der Wohnungsnot nicht mehr mit bautechnischen Mitteln beizukommen, das eigentliche Problem war ein wirtschaftliches. Die Mieten blieben deshalb gerade für Arbeiter oft zu hoch.

Die Frankfurter Plattenbauten

Wolfgang Voigt, Kurator und stv. Vorsitzender der Ernst-May-Gesellschaft erläutert an einem von Studenten der Hochschule erstellten Modell den Ernst Mays Frankfurter Plattenbau. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wolfgang Voigt, Kurator und stv. Vorsitzender der Ernst-May-Gesellschaft erläutert an einem von Studenten der Hochschule erstellten Modell den Ernst Mays Frankfurter Plattenbau. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ein wesentlicher Programmpunkt des Neuen Frankfurt war die Mechanisierung des „Massenbedarfsartikels Wohnung“ (Ernst May), die hier erstmals im 20. Jahrhundert im großen Stil und in nennenswertem Umfang Anwendung fand. Das Frankfurter Experiment ersetzte den gebräuchlichen Mauerziegel durch einen Baukasten aus großformatigen Betonplatten aus industrieller Produktion, die bis zu drei Meter lang und im Prinzip für alle Reihenhaustypen anwendbar sein sollten. An der Baustelle hob ein Kran die Teile direkt vom Lastwagen an die vorgesehene Position im Rohbau des Hauses. Die Bauweise hatte auch einen sozialpolitischen Aspekt, denn zur Herstellung der Platten wurde eine eigene Fabrik eingerichtet, in der zuvor arbeitslose Männer Beschäftigung fanden. 1923 waren die Memoiren von Henry Ford auf Deutsch erschienen. Ernst May hatte eine begeisterte Rezension verfasst. Wie die am Fließband hergestellten Autos von Ford sollte auch das Wohnen billiger werden. Genau das stellte sich nicht ein, weshalb man das Experiment auslaufen ließ. Am Ende wurde nur rund ein Zehntel der am Ende 12.000 Wohnungen in Plattenbauweise gebaut.

Neuer Mensch durch neue Lebens- und Wohnart

„Ein Grundriß mag noch so organisch aufgebaut sein, die Abmessungen mögen noch so zweckmäßig berechnet werden, die ästhetischen Verhältnisse der Räume mögen noch so glücklich sein, im Augenblick, wo der übliche minderwertige Hausrat seinen Einzug hält, schwindet die Harmonie (…)." So abfällig äußerte sich May über traditionelle Möbel, allerdings auch aus der Erkenntnis heraus, dass in die Kleinwohnungen auch nur schmucklose Kleinmöbel hineinpassten. Die Architekten der Bauhaus-Ära wollten zum neuen Menschen erziehen  auch durch den passenden, seriell minimalistisch produzierten Hausrat. Im sogenannten Frankfurter Register wurden sämtliche Funktions-Möbel bis hin zu den Lampen aufgelistet, die helfen sollten den Menschen zu "veredeln", © Foto: Diether v. Goddenthow
„Ein Grundriß mag noch so organisch aufgebaut sein, die Abmessungen mögen noch so zweckmäßig berechnet werden, die ästhetischen Verhältnisse der Räume mögen noch so glücklich sein, im Augenblick, wo der übliche minderwertige Hausrat seinen Einzug hält, schwindet die Harmonie (…).“ So abfällig äußerte sich May über traditionelle Möbel, allerdings auch aus der Erkenntnis heraus, dass in die Kleinwohnungen auch nur schmucklose Kleinmöbel hineinpassten. Die Architekten der Bauhaus-Ära wollten zum neuen Menschen erziehen auch durch den passenden, seriell minimalistisch produzierten Hausrat. Im sogenannten Frankfurter Register wurden sämtliche Funktions-Möbel bis hin zu den Lampen aufgelistet, die helfen sollten den Menschen zu „veredeln“, © Foto: Diether v. Goddenthow

Der sozio-kulturelle Hintergrund des Neuen Frankfurt wird an mehreren Beispielen thematisiert: Das Phantasma des „Neuen Menschen“, die Elektrifizierung der Siedlungen, der Versuch einer flächendeckenden Einführung des Radios in den Neubausiedlungen sowie die für das Neue Frankfurt typische Einrichtung von Zentralwäschereien werden dargestellt.

Kuratorin Dorothea Deschermeier erläutert das neue Phänomen der wachsenden Anzahl berufstätiger alleinstehender Frauen in den 1920er Jahren. Diese wohnten unselbständig zumeist zur Untermiete bei Verwandten oder Zimmerwirtinnen. So entwarf Bernhard Hermkes im Auftrag des Frauenwohnvereins in Frankfurt ein Ledigenheim mit 60 kleinen Wohnstudios von je 22 qm und Minbalkon mit  Einbauschränke und Schrankbett zum Hochklappen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kuratorin Dorothea Deschermeier erläutert das neue Phänomen der wachsenden Anzahl berufstätiger alleinstehender Frauen in den 1920er Jahren. Diese wohnten unselbständig zumeist zur Untermiete bei Verwandten oder Zimmerwirtinnen. So entwarf Bernhard Hermkes im Auftrag des Frauenwohnvereins in Frankfurt ein Ledigenheim mit 60 kleinen Wohnstudios von je 22 qm und Minbalkon mit Einbauschränke und Schrankbett zum Hochklappen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Industrialisierung des Bauens und die Frankfurter Küche werden in eigenen Stationen behandelt. Die Station „Das neue Neue Frankfurt“ schlägt schlussendlich den Bogen zur prekären Situation des Wohnungsmarktes heute.

Die Siedlungen, Bauten und relevanten Themen werden anhand von zahlreichen Plänen, Modellen, Fotos und einigen historische Filmsequenzen präsentiert. Für die Frankfurter Küche wurde ein besonders anschauliches, neues Modell im Maßstab 1:5 gefertigt, gleich einer Puppenstube.

Die Gestaltung der Ausstellungswände ist von den Frontseiten der Zeitschrift Das Neue Frankfurt inspiriert: ein dunkles Feld, in dem Fotos collagenhaft angeordnet sind, darüber ein breiter weißer Streifen mit farbiger Schrift.

Die Ausstellung ist Teil einer gemeinsamen Initiative von drei Frankfurter Museen – dem Museum Angewandte Kunst, dem Deutschen Architekturmuseum und dem Historischen Museum Frankfurt – und dem Forum Neues Frankfurt anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019.

Ort:
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
Schaumainkai 43,
60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Vorschau:

13. April – 23. Juni 2019
WOHNEN FÜR ALLE
Das Neue Frankfurt 2019

4. Mai – 1. September 2019
EUROPÄISCHER ARCHITEKTURFOTOGRAFIE-PREIS ARCHITEKTURBILD 2019
Joyful Architecture

BEGLEITPROGRAMM
Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Vortrags- und Veranstaltungsprogramm:
Details  auf: dam-online.de/veranstaltungen.

PUBLIKATION

neuer-mensch-katalog

Neuer Mensch, neue Wohnung
Die Bauten des Neuen Frankfurt 1925–1933
Herausgegeben von Wolfgang Voigt / Dorothea Deschermeier /
Peter Cachola Schmal
DOM publishers, Berlin
210 × 230 mm, 228 Seiten
ISBN 978-3-86922-720-7 (deutsch)
ISBN 978-3-86922-721-4 (englisch)
Im Museumsshop erhältlich für 22,– EUR,
im Buchhandel erhältlich für 28,– EUR.

Von „Das neue Frankfurt damals und heute“ bis „Spielplatz-Pioniere“ – Programm 2019 im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt

Deutsches Architektur-Mueseum - Ab 2020/21 ist eine Renovierung geplant. © Foto: Diether v. Goddenthow
Deutsches Architektur-Mueseum – Ab 2020/21 ist eine Renovierung geplant. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt bietet auch 2019 wieder eine Reihe neuer spannender Ausstellungs-Highlights: Vom „Neuen Frankfurt damals wie heute“ und „preiswertem Wohnen für alle“ über die „Vibrierende Architekturszene von Bangladesch“ und „Die Ursprünge der Frankfurter Paulskirche“ bis hin zu den „Pionieren der Spielplatzprojekte“. Die Sonderschau „Die immer neue Altstadt“ wird bis nach der Nacht der Museen Mitte Mai verlängert.

„Das war das erfolgreichste Jahr seit den Anfangsjahren unseres Hauses. Wir hatten insgesamt 110.712 Besucher, was für dieses kleine Haus wirklich sehr, sehr viel ist“, freut sich   Andrea Jürges,  stellvertretende Direktorin des DAM,  auf der gestrigen Jahrespressekonferenz über die gute Bilanz für das Jahr 2018 mit 16 Wechselausstellungen sowie der Dauerausstellung “Von der Urhütte zum Wolkenkratzer” sowie weiteren knapp 400 Veranstaltungen. Zudem lockte die „LegoBaustelle“ im Rahmen des traditionellen Sommer- und Winterferienprogramms rund 8.400 kleine und große Besucher in das DAM.

Absolute Publikumsmagnete waren 2018 aber vor allem die sehr beliebten  großen Ausstellungen von „SOS Brutalismus“ und  „Frau Architekt“ über „Große Oper – viel Theater?“ und „Fahr Rad“ bis hin zu  „Die immer Neue Altstadt“, die weiterhin große Besucherströme anzieht. Einige dieser Ausstellung werden als Wanderausstellungen „weiterziehen“. „Wir hatten nicht einmal ein Sommerloch“, was das Haus wohl der „Fahr Rad“-Ausstellung mit Begleitprogrammen verdanke, da das Thema in Frankfurt  sehr präsent sei, so Jürges.

Auch das Jahr 2019 verspricht wieder ein spannendes Ausstellungs- und Veranstaltungsjahr zu werden:

Die immer Neue Altstadt – Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900. Vom 22. September 2018 – 12. Mai 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die immer Neue Altstadt – Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900. Vom 22. September 2018 – 12. Mai 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die seit dem 22.9.18 im Foyer des Hauses laufende Ausstellung  „Die immer neue Altstadt – Bauen zwischen Dom und Römer “ wird wegen ihrer anhaltend großen Resonanz und des breiten Interesses an dem Hintergrund zur neuen Altstadt bis zum 12. Mai 2019 verlängert, also bis nach der Nacht der Museen, so Jürges. Besucher können hier nicht nur Bilder, Modelle und Planungsunterlagen baugeschichtlicher Entwicklungsart besichtigen, sondern auch die gesamte Debatte erleben vom heftigen Rekonstruktionssteit der Nachkriegszeit bis hin zur Bürgerinitiative, die den Weg zur Teilrekonstruktion der neuen Altstadt erkämpfte.

Best Highrises 2018/19 – Internationaler Hochhaus Preis 2018. Vom  3. November 2018 – 3. März 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow
Best Highrises 2018/19 – Internationaler Hochhaus Preis 2018. Vom 3. November 2018 – 3. März 2019. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung „Best Highrises 2018/19– Internationaler Hochhaus Preis 2018″ kann noch bis zum 3. März 2019 besichtigt werden. Präsentiert werden hier 36 kürzlich fertiggestellte Hochhausprojekte auf der ganzen Welt, die sich durch zukunftsweisende Gestaltung, Funktionalität, innovative Bautechnik, städtebauliche Einbindung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auszeichnen. Sehr sehenswert, nicht nur für Architekturstudenten.

Der "Kulturpalast Dresden"  wurde am 26.1.2019 mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland ausgezeichnet. © Foto: DAM
Der „Kulturpalast Dresden“ wurde am 26.1.2019 mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland ausgezeichnet. © Foto: DAM

Noch bis zum 22. April 2019 sind die besten 25 Bauten in und aus Deutschland einschließlich dem Preisträger des DAM Preis 2019 zu sehen – die Auszeichnung ging an gmp Architekten – von Gerkan,
Marg und Partner für die Modernisierung und den Umbau des Kulturpalasts Dresden. Zu entdecken gibt es die Vielfalt der Gegenwartsarchitektur in Deutschland: Es finden sich Bauten im ländlichen Raum ebenso wie in Kleinstädten und urbanen Ballungsräumen.

Gleich zwei Ausstellungen zum Thema bezahlbares Wohnen – aus der Perspektive des Neuen Frankfurt 1925-1933 und mit dem Wettbewerb Wohnen für alle heute – werden ein Schwerpunkt im Ausstellungsprogramm 2019 sein.

Zum Bauhaus-Jubiläumsjahr: NEUER MENSCH, NEUE WOHNUNG – Die Architektur des Neuen Frankfurt 1925 – 1933

Das Neue Frankfurt. Monatszeitschrift für die Fragen der Großstadtgestaltung 1926 - 1927 © Foto: Diether v. Goddenthow
Das Neue Frankfurt. Monatszeitschrift für die Fragen der Großstadtgestaltung 1926 – 1927 © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung „Neuer Menschen, neue Wohnung“ zeigt vom 23.3. bis 18.08.2019 die unter Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May geprägte neue Frankfurter Architektur von 1925–1933. Das beispielhafte Wohnungs- und
Städtebauprogramm war von internationaler Ausstrahlung und begründete den Ruhm der Stadt Frankfurt als Hochburg der Moderne. Die gemeinsam von Historischem Museum, Museum Angewandte Kunst und Deutschem Architekturmuseum initiierte Ausstellung versteht sich als Beitrag zum diesjährigen Bauhaus-Jubiläum.
Zum Bauhaus-Jubiläumsjahr findet zudem eine zweiteilige Vorlesungsreihe des CCSA (Center for Critical Studies in Architecture) statt, mit der ein kritischer Blick auf das Bauhaus gerichtet wird. Im Zentrum steht die Architektur: Ihre Rezeption, die Migration der Akteure und die Kritik am Bauhaus sind die Themen für Vorträge und Dialoge.

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Der zweite Teil der Ausstellung „Wohnen für alle – das neue Frankfurt 2019″ zeigt vom 13.4. — 23.6.19 die Wettbewerbs-Entwürfe für bezahlbares und gutes Wohnen in Frankfurt. „Nach einer ersten Phase, in der über 100 Architekten aus dem In- und Ausland mehr als 130 realisierte Projekte eingereicht haben, geht es 2019 um konkrete Entwürfe. Für vier Baufelder auf dem städtischen Areal am Hilgenfeld entwickeln die in Phase 1 ausgewählten Architekten Ideen für ein Bauen, das bezahlbar ist und zugleich zeitgemäßes Wohnen bietet.“, heißt es im Ausstellungsprospekt.

Mit dem diesjährigen „Europäischen Architekturfotografie-Preis architekturbild“ waren die Fotografen aufgefordert, ihre Standpunkte zu „Joyful Architecture“ zu zeigen — freie Interpretationen, entgegen den gängigen Erwartungen an Architektur, möglich. Der Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre ausgeschrieben, alle Anerkennungen und Gewinner sind in der Ausstellung vom 4.05. bis 1.09. 2019 zu sehen.

Einblicke in die vibrierende Architekturszene Bangladeschs gewährt die Ausstellung „Bengal Stream“ anhand von 60 Projekten etablierter und junger bengalischer Architekten. Eine Übernahme aus dem SAM Schweizerisches Architekturmuseum in Zusammenarbeit mit dem Bengal Institute for Architecture, Landscapes and Settlements, Dhaka – erweitert um ein umfangreiches Begleitprogramm zum Thema Klima- und Kulturwandel vom 7.06. bis 20.10.2019.

Auch 2019 küren Callwey Verlag und DAM wieder die „Häuser des Jahres“. Die besten Einfamilienhäuser werden in einer umfassenden Schau vom 26.09, bis 24.09. 2019 gezeigt.

Ab Herbst widmet sich eine Ausstellung den Ursprüngen der Frankfurter Paulskirche. Ist das
Denkmal in Gefahr?. Die Ausstellung startet am 7.09. 2019 und wird bis in den Januar 2020 hineingehen. .

Vielfältige und neue Einblicke versprechen auch ab November 2019 die Pioniere der Spielplatzkonzepte des 20. Jahrhunderts in der „The Playground Project“.

Weiterführende Informationen:

 

DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM (DAM)
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de

Öffnungszeiten:
Di, Do-So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr, Mo geschlossen

Eintrittspreise:
9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Studierende der Goethe-Universität und der
Frankfurt University of Applied Sciences, Mitglieder des Fördervereins, Inhaber der DAM-Karte, der
Museumsufer-Card und des Museumsufer-Tickets, Mitglieder der AKH, ICOM-Mitglieder, Besucher aus
den Partnerstädten, notwendige Begleitpersonen für behinderte Menschen

DAS DAM BEGRÜSST DEN 100.000ten BESUCHER IN 2018! – Besucherrekord im Deutschen Architekturmuseum (DAM)

 DAM-Direktor Peter Cachola Schmal begrüßt die 100 000. Besucherin  Claudia Kühnel aus Goldbach/Bayern. © Foto:DAM
DAM-Direktor Peter Cachola Schmal begrüßt die 100 000. Besucherin
Claudia Kühnel aus Goldbach/Bayern. © Foto:DAM

Besucherrekord im DAM: Bereits gut sechs Wochen vor Jahresende konnte das DAM heute Vormittag den 100.000. Besucher in 2018 begrüßen! Die Glückliche ist Claudia Kühnel aus Goldbach/Bayern und bekam von DAM-Direktor Peter Cachola Schmal eine Jahreskarte, Blumen und den Ausstellungskatalog zu „Die immer Neue Altstadt“ überreicht.

Der normale Besucherdurchschnitt liegt im DAM bei 75.000 bis 80.000 Besuchern im Jahr. Die „magische Marke“ der 100.000 konnte neben einem breit gefächerten Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm insbesondere durch die beim Publikum sehr beliebten großen Ausstellungen wie „SOS Brutalismus“, „Frau Architekt“, „Fahr Rad“ und nun auch „Die immer Neue Altstadt“ erreicht werden. Sechsstellige Besucherzahlen gab es zuletzt in den Anfangsjahren des Museums nach 1984.

Angesichts dieser hocherfreulichen Resonanz in 2018, zeigt sich einmal mehr, dass das DAM relevante Themen für die breite Bevölkerung anbietet. Nicht zuletzt sieht das DAM die Besucherzahlen als Ansporn, ganz nah an den aktuellen Ereignissen in Architektur und Stadtentwicklung dranzubleiben und die Begeisterung für Architekturthemen auch in das neue Jahr zu tragen.

Aktuelle Ausstellungen

Die immer neue Altstadt – Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900 22. September 2018 – 10. März 2019
Hybrid Tbilisi – Betrachtungen zur Architektur in Georgien 29. September 2018 – 13. Januar 2019
Häuser des Jahres 2018 – Die besten Einfamilienhäuser 6. Oktober – 25. November 2018
Best Highrises 2018/2019 – Internationaler Hochhaus Preis 2018 3. November 2018 – 3. März 2019
STADTplus Die Stadt + Der neue Stadtteil 5. Dezember 2018, 19 Uhr

DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
5.dam250Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de
www.facebook.com/architekturmuseum

Internationaler Hochhaus Preis 2018: Bürohochhaus ‚Torre Reforma‘ in Mexiko-Stadt auf dem ersten Platz

Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, begrüßt die 800 Gäste zur feierlichen Verleihung des Hochhauspreises 2018 in der Frankfurter Paulskirche. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, begrüßt die 800 Gäste zur feierlichen Verleihung des Hochhauspreises 2018 in der Frankfurter Paulskirche. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Büroturm ‘Torre Reforma‘ in Mexiko-Stadt von L. Benjamín Romano gewinnt den mit 50.000 Euro dotierten Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus, welches 2016 fertig gestellt wurde. Der Architekt L. Benjamín Romano nahm die Preisstatuette und das Preisgeld im Rahmen des Festaktes in der Frankfurter Paulskirche entgegen. Den Preis überreichten Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand der DekaBank und Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM).

v.l.n.r. L. Benjamín Romano, Preisträger, Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Kai-Uwe Bergmann, Laudator, Architekt und Partner bei BIG New York, Preisträger des Hochhauspreises 2016, und Dr. Matthias Danne, Miglied des Vorstands der Deka Bank. © Foto: Diether v. Goddenthow
v.l.n.r. L. Benjamín Romano, Preisträger, Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Kai-Uwe Bergmann, Laudator, Architekt und Partner bei BIG New York, Preisträger des Hochhauspreises 2016, und Dr. Matthias Danne, Miglied des Vorstands der Deka Bank. © Foto: Diether v. Goddenthow

Während der Preisverleihung wurden auch die übrigen vier Finalisten geehrt:

  • MahaNakhon (Bangkok/Thailand) von Büro Ole Scheeren,
    Bangkok/Thailand und OMA Office for Metropolitan Architecture,
    Peking/China
  • Beirut Terraces (Beirut/Libanon) von Herzog & de Meuron, Basel/Schweiz
  • Chaoyang Park Plaza (Peking/China) von MAD Architects, Peking/China
  • Oasia Hotel Downtown (Singapur) von WOHA, Singapur

Aus über 1.000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 36 herausragende Gebäude aus 15 Ländern nominiert. Eine internationale Expertenjury aus Architekten, Tragwerksplanern und Immobilienspezialisten unter der Leitung von Kai-Uwe Bergmann, Partner des IHP 2016 Gewinners BIG – Bjarke Ingels Group, wählte daraus fünf Finalisten, von denen schließlich das Bürohochhaus ‚Torre Reforma‘ in Mexiko Stadt einstimmig zum Sieger erklärt wurde.

Entgegen dem weltweit andauernden Trend hin zum Wohnturm sowie zu immer größeren mischgenutzten Projekten in Asien ist der diesjährige Preisträger größtenteils ein Bürogebäude mit zusätzlichem Restaurant und Fitnesscenter.
Dabei ist allerdings nur die Art der Nutzung konventionell. Die in Mexiko-Stadt herrschende Erdbebenproblematik erfordert ein kluges Tragwerkskonzept, das dem 246 Meter hohen Büroturm sein signifikantes Erscheinungsbild verleiht.

Hochhauspreis-Sieger 2018 Benjamín Romano lebt und arbeitet als Architekt in Mexiko-Stadt und ist Gründer des Architekturbüros LBR&A. © Foto: Diether v. Goddenthow
Hochhauspreis-Sieger 2018 Benjamín Romano lebt und arbeitet als Architekt in Mexiko-Stadt und ist Gründer
des Architekturbüros LBR&A. © Foto: Diether v. Goddenthow

Seinen Stresstest bestand der Torre refoma jedoch unfreiwillig bereits im September 2017 beim schweren Erdbeben direkt unter Mexiko-City mit 7.1 auf der Richterskala. Das läge an der wirbelspezifischen Bauweise, erläuterte der strahlende Sieger-Architekt L. Benjamín Romano, der zur Preisverleihung mit der ganzen Familie angereist war. Während des Erdbebens habe er das Gebäude betrachtet, und erlebt, dass es anmutig, unter einem guten Rhythmus schwang. Man müsse wissen, dass Gebäude  gute und schlechte Schwingungen haben könnten, und der Torre bewegte sich sehr manierlich.

Auf 246 Meter Höhe schwingen sich die 57 Etagen des Torre reforma empor, 14 davon mit einem eigenen vertikalen Binnenraum und einer spektakulären Aussichtsplattform, dem Auditorium mit Blick auf die City. Mit zwei massiven Wänden und einer leichten, dritten Seite führe der Torre Reforma die Bauweise der Azteken kreativ fort. Der Turm, mit 87 000 Quadratmetern überbauter Bruttofläche für Büros und Geschäfte ist zu 85 Prozent ausgelastet. 4500 Menschen arbeiten dort, und ein besonderer Clou in der dreijährigen Bauphase war, eine historische neogotische Villa von 1929, die dem Turmbau im Wege stand, zunächst mit einer Art riesigem unterfütterten Tablett zur Seite zu verschieben und die Villa später, restauriert zudem, in der Eingangsebene des Torre reforma zu integrieren. Unter der historischen Villa im Komplex befindet sich eine öffentlich zugängliche Food Lounge. Der Torre torre forma liegt an einer der bedeutendsten Boulevards Mexikos, der Paseo de la Reforma, einst als Champs-Élysées Mexikos vorgesehen. Sie gab dem Turm einen Namen.

Torre Reforma ©  DAM
Torre Reforma © DAM

„Dieser Preis bedeutet mir besonders viel, weil er von meinen Fachkollegen kommt – Architekten, Ingenieure und Immobilienentwickler – die nicht nur das Gebäude an sich schätzen, sondern die inhärenten finanziellen, ingenieurstechnischen, umweltbedingten und normativen Herausforderungen. Ich glaube, die beste Architektur ist die, die Antworten auf diese Herausforderungen findet. Die Architektur, die sich aus Anforderungen, Kontext und Realität ergibt und nicht nur aus der Vorstellungskraft oder dem ästhetischen Empfinden eines Einzelnen.“,  sagte der Preisträger in seiner Dankesrede.

Mit dem Turm wollte L. Benjamín Romano vor allem auch den Mexikanern Stolz zurückgeben, das klinge zwar ein wenig albern, aber die anderen Hochhäuser seien zumeist von US-Architekten oder Europäern entworfen Worden. Dieser hier sei ein mexikanischer Turm, entworfen von einem mexikanischen Architekten. Aus dem Turm sprächen mexikanische Wurzeln, und er sähe auch mexikanisch aus, was ihm gefiele. Er habe so ein Gefühl von Mexikanität geschaffen, so der Architekt.

Ein nicht minder spannender Aspekt ist der ungewöhnliche Weg der Projektfinanzierung. Die Investorengruppe Fondo Hexa, S.A. de C.V. betrachtet ihre Projekte als langfristige Kapitalanlage und setzt deswegen auf eine besonders sorgfältige Planung, hochwertige Materialien und perfekte Details. So beeinflusst dieser vorausschauende wirtschaftliche Ansatz auch den architektonischen Entwurf positiv und könnte auch über Mexiko hinaus als Blaupause für erfolgreiche Projekte dienen. Torre Reforma von L. Benjamín Romano bringt Mexikos Hauptstadt damit auf die Weltkarte wegweisender Hochhausarchitektur.

Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, unterstrich, bei Eröffnung des Festaktes, dass der „Torre Reforma mit seiner außergewöhnlich klaren, fast skulpturalen Architektur, und seinem dreieckigen Grundriss besteche. „Die futuristische Fassade gibt den Blick auf einen der größten Stadtparks der Welt frei. Sein sensibles und intuitives Design reagiert in beeindruckender Art und Weise auf die lokalen topographischen Herausforderungen. Der neue Bau verkörpert nicht nur die fortschreitende Entwicklung Mexikos, sondern integriert behutsam ein denkmalgeschütztes Gebäude des historischen Stadtbezirks. Optisch überzeugend und umweltfreundlich, ist dieses Projekt ein mehr als verdienter Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2018 und zeigt, dass Mexiko im internationalen Vergleich zukunftsweisende architektonische Lösungen bereithält.“

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM),© Foto: Diether v. Goddenthow
Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM),© Foto: Diether v. Goddenthow

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), führte durch den Abend und hob unter anderem hervor, dass „Benjamín Romano beweise, „dass ein einziger Architekt die Baustandards auf seinem Gebiet und in seiner Stadt neu definieren kann.“ „Zuerst hat er Investoren gewonnen, die das Grundstück erworben haben, den Entwurf entwickelt, eine massive Konstruktion fernab aller üblichen Vorhangfassaden erdacht und seine Statiker davon überzeugt, seiner Idee zu folgen. Und dann hat er es gebaut. Wir sind erstaunt, dass eine solch ganzheitliche Herangehensweise heutzutage möglich ist,  und sind überwältigt von diesem fantastischen Resultat. Romano zeigt uns, dass dieser Ansatz in bestimmten Ländern wirklich etwas bewegen kann.“

Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand der DekaBank.© Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand der DekaBank.© Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Matthias Danne, Finanz- und Immobilienvorstand DekaBank, gab den Preisträger bekannt und betonte, dass das Gebäude durch seine innovative und erdbebensichere Konstruktion im
wahrsten Sinne des Wortes Rückgrat habe. „Torre Reforma beeindruckt darüber hinaus durch seinen kreativen Umgang mit Baumaterialien, einem ausgefeilten Tragwerkskonzept und hoher Energieeffizienz.“ Wie ein riesiger urbaner Obelisk oder ein geöffnetes Buch zwischen zwei Sicht-betonwänden hebe sich der Torre Reforma von den umliegenden Hochhäusern ab, nicht nur wegen seiner Höhe. Benjamín Romano habe mit den massiven Wänden an die baulichen Traditionen der Azteken angeknüpft und diese modern interpretiert, so Danne.

Kai-Uwe Bergmann, Laudator, Architekt und Partner bei BIG New York, Preisträger des Hochhauspreises 2016. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kai-Uwe Bergmann, Laudator, Architekt und Partner bei BIG New York, Preisträger des Hochhauspreises 2016. © Foto: Diether v. Goddenthow

Laudator Kai-Uwe Bergmann, Architekt und Partner bei BiG New York, Preisträger Hochhauspreises 2016, unterstrich unter anderem, dass der Torre Reforma das Gebäudewar, das sowohl die Ingenieure als auch die Architekten in der Jury am stärksten begeisterte – als meisterhafter Ausdruck eines neuen Nachdenkens über das Hochhaus und somit als würdiger Preisträger. Es sei ein Gebäude, das in den Augen der gesamten Jury all das verkörpert, was sich Benjamín Romano selbst zum Ziel gesetzt habe: Nachhaltigkeit, modernste Technologie und gut strukturierte Räume kunstvoll miteinander zu verbinden.

Ensemble Modern : Ueli Wiget (Klavier), Christian Hommel (Oboe) und Johannes Schwarz (Fagot). © Foto: Diether v. Goddenthow
Ensemble Modern : Ueli Wiget (Klavier), Christian Hommel (Oboe) und Johannes Schwarz (Fagot). © Foto: Diether v. Goddenthow

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Hochhaus-Preispartner „Ensemble Modern“

Der Internationale Hochhaus Preis wurde 2003 gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum und der DekaBank initiiert und 2004 zum ersten Mal vergeben. Seitdem wird er alle zwei Jahre kooperativ organisiert und finanziert. Somit fand in diesem Jahr die Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche zum achten Mal statt.
Der IHP richtet sich an Architekten und Bauherrn, deren Gebäude mindestens 100 Meter hoch sind und in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurden. Auf dem Weg zur Entscheidung ging es in der breiten Diskussion der Jury unter anderem darum, wie ein Hochhaus zum Stadtgefüge und urbanen Leben beiträgt. Darüber hinaus wurden unter anderem folgende Aspekte analysiert: die übergreifende Aussage, die skulpturalen Qualitäten, das statische Konzept, die Nutzungsmischung sowie die Balance zwischen Wirtschaft und Kultur.

Sonderausstellung: Best Highrises 2018/19 Internationaler Hochhaus Preis 2018

Deutsches Architektur Museum: © Foto: Diether v. Goddenthow
Deutsches Architektur Museum: © Foto: Diether v. Goddenthow

Heute Abend findet im Deutschen Architektur-Museum die Vernissage zur Sonderausstellung “Best Highrises 2018/19 Internationaler Hochhaus Preis 2018“ statt. Mit dieser Ausstellung präsentiert das Deutsche Architekturmuseum nicht nur den Preisträger und die Finalisten, sondern alle 36 nominierten Projekte. Die Ausstellung geht vom 3. November 2018 bis 3. März 2019 in Frankfurt zeigt,

Ausstellungs-Flyer

DIE STADT + DER MÜLL – Auftaktveranstaltung zur Reihe STADTplus des Deutschen Museums für Architektur (DAM) in Frankfurt

Foto: FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH
Foto: FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH

Mit der Reihe STADTplus präsentiert das DAM einmal mittwochs im Monat einen Kurzvortrag zu Themen, die die Stadt bewegen. Erweitert hat das Deutsche Architektur Museum sein Angebot um eine Führung durch die jeweils aktuelle Ausstellung. Anschließend können die Besucher diskutieren, bei einem Glas Wein zusammen kommen und durch die Ausstellungen spazieren.
Der Eintritt beträgt 7,50 Euro bzw. 5 Euro ermäßigt.

Die Eröffnungsveranstaltung findet statt am 12. September 2018 mit dem Vortrag:
DIE STADT + DER MÜLL

Wie und wohin die Frankfurter Abfälle verschwinden

Michael Werner, Stabsstelle Public Affairs \ Public Relations, FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH

Wussten Sie, dass es in Frankfurt viele geschlossene Stoffkreisläufe gibt? Der Biomüll wird in der Biokompostanlage im Frankfurter Osthafen in Energie und hochwertigen Kompost umgewandelt. Auch Altpapier, Sperrmüll und weitere Stoffe werden recycelt. Und der Restmüll wird im Müllheizkraftwerk in Heddernheim verbrannt. Übrigens produzieren die Frankfurterinnen und Frankfurter immer weniger Restmüll pro Jahr – obwohl die Stadt kontinuierlich wächst. Michael Werner von der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH schildert den Weg des Frankfurter Mülls von der Sammlung bis zur Verwertung. Dabei thematisiert er auch ein großes aktuelles Problem: die Vermüllung des öffentlichen Raums. Außerdem spürt er einem skurrilen Phänomen nach: Warum vergessen Häuslebauer eigentlich so oft die Stellflächen für die Mülltonnen?

Anschließend findet eine Führung durch die Ausstellung „Rhein-Main – Die Region leben“ statt.

Die weiteren Termine und Themen:

17. Oktober 2018
DIE STADT + DAS JAHR 1968
Wo die Revolte zuhause war
Claus-Jürgen Göpfert, Frankfurter Rundschau

7. November 2018
DIE STADT + DIE NEUE ALTSTADT
Wie man Altstadt im 21. Jahrhundert baut
Michael F. Guntersdorf, Geschäftsführer DomRömer GmbH

5. Dezember 2018
DIE STADT + DER NEUE STADTTEIL
Was Frankfurt von den Sechzigerjahren lernen könnte
Maren Harnack, Architektin, Stadtplanerin und Professorin für Städtebau

Ort:
DEUTSCHES ARCHITEKTURMUSEUM
Schaumainkai 43 \ 60596 Frankfurt am Main \ Germany
www.dam-online.de
www.facebook.com/architekturmuseum