Kategorie-Archiv: MMK Museum für Moderne Kunst

Eröffnung und Festival der dritten Ausgabe der Foto-Triennale RAY 2018

Paulo Nazareth, Banderas Rotas, 2014-18 Installationsansicht/Installation view, Courtesy the artist, Mendes Wood DM and Meyer Riegger, Foto/Photo: Axel Schneider
Paulo Nazareth, Banderas Rotas, 2014-18 – Installationsansicht/Installation view, Courtesy the artist, Mendes Wood DM and Meyer Riegger, Foto/Photo: Axel Schneider

Eröffnung RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain: RAY 2018 EXTREME vom 24. Mai – 9. September 2018
Vernissage heute am 23. Mai, 19 Uhr im RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Domstr. 3, 60311 Frankfurt am Main

Das Bildliche bestimmt unseren Alltag und unsere Wirklichkeit. Mit dem Thema EXTREMEstellen die RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain 2018 diese Bildmächtigkeit anhand einer Vielfalt internationaler künstlerischer Strategien in den Mittelpunkt ihrer dritten Ausgabe. Seit Jahrzehnten findet sich in den Institutionen und Sammlungen in Frankfurt und der Region Rhein-Main eine bemerkenswerte Dichte und Kompetenz im Bereich der Fotografie. Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben RAY 2012 und RAY 2015 wird diese außerordentliche Qualität und Vielfalt erneut in einer einzigartigen Konstellation präsentiert:
Über 60 Künstlerinnen und Künstler, 15 Partnerinstitutionen, 10 Ausstellungsorte und 6 Städte im Rhein-Main-Gebiet schließen sich zusammen und machen diesen Fokus international sichtbar. Mit Ausstellungen, zahlreichen Events und erstmals mit einem viertägigen Festival zum Triennale-Thema EXTREME bietet RAY zwischen dem 24. Mai und 9. September 2018 eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie.

RAY 2018 EXTREME

Technische Neuerungen, Digitalisierung und Globalisierung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel verändern die sozialen wie politischen Verhältnisse weltweit. Krisen, Kriege, Extremismus und Populismus rütteln an unseren Werten, Normen und Organisationsformen. Das Extreme hat Hochkonjunktur. Insbesondere jetzt, wo die grenzenlose Verfügbarkeit digital zirkulierender Informationen und Bilder nach einer Ökonomie der Aufmerksamkeit verlangt, weckt das Extreme die Begehrlichkeit, es ins Bild zu bannen. Je außergewöhnlicher und randständiger, desto größer die Beachtung, die ihm zuteil wird. Die dabei entstehenden Bilder versagen sich dem Normativen und manchmal auch dem „guten Geschmack“. Sie sind fotografischer Ausdruck einer Faszination für das Außergewöhnliche, das Andere, die Entgrenzung, das Künstliche, Bizarre, das Äußerste, den Schock, den Unfall. Ebenso sind sie Beweis für das Schöne, Flüchtige, Verletzbare, das Zerbrechliche. In fünf Ausstellungen zum Phänomen des Extremen reflektieren die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler die globalen sozioökonomischen Veränderungen ebenso wie die Rolle und Funktion einer Fotografie, die nicht den Normal-, sondern den Grenzfall zum Gegenstand der Wahrnehmung macht.

Das inhaltliche Konzept von RAY 2018 EXTREME wurde von folgenden Kuratorinnen und Kuratoren entwickelt: Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie), Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt) und Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main). Dieses Team hat fünf Ausstellungen erarbeitet, in denen die ausgewählten künstlerischen Positionen unterschiedliche Aspekte des Extremen beleuchten.

Die Ausstellung EXTREME. SELF, präsentiert von den Darmstädter Tagen der Fotografie in Kooperation mit dem Kunstforum der TU Darmstadt, zeigt die drei Künstlerinnen Aneta GrzeszykowskaLaís Pontes und Isabelle Wenzel, die sich ebenso persönlichen wie ideenreichen Aspekten der Wahrnehmung des Selbst widmen und sich jenseits des Selfie-Wahns bewegen. Isabelle Wenzel hat hierzu im Januar 2018 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe ein neues Werk in Rahmen ihrer Serie Field Studies erarbeitet.

Die Deutsche Börse Photography Foundation zeigt mit der Ausstellung EXTREME. TERRITORIES in The Cube (Eschborn) Landschaften, die sich durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen in zum Teil dystopische Orte verwandelt haben. Präsentiert werden Arbeiten von Christoph BangertAnne Heinlein und Göran GnaudschunSze Tsung Nicolás LeongGregor Sailer und Guy Tillim, dessen Serie Avenue Patrice Lumumba (2008) von der Sammlung der Deutsche Börse Photography Foundation neu angekauft wird.

Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) widmet sich dem ökologischen Wandel: In der Ausstellung EXTREME. ENVIRONMENTS illustrieren Mathieu Asselin, Krista Caballero und Frank Ekeberg, Lois Hechenblaikner, Paula Luttringer, Pradip Malde, Gideon Mendel und Ami Vitale mit verschiedenen investigativen Herangehensweisen die Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt in verschiedenen Teilen der Welt. Das Künstlerduo Krista Caballero und Frank Ekeberg war im Vorfeld in Frankfurt zu Gast, um sich für sein Langzeitprojekt Birding the Future (seit 2010) mit der Vogelpopulation im Rhein-Main-Gebiet zu beschäftigen und traf sich vor Ort mit lokalen Vogelexperten des Senckenberg Museum und dem Frankfurter Grüngürtel. Die Ergebnisse werden in Form einer interaktiven Multimediainstallation im FFF sowie im öffentlichen Raum zu sehen sein.

Mit Werken von Cao FeiRichard Mosse und Paulo Nazareth nimmt die Ausstellung EXTREME. NOMADS im MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst zeitgenössische Formen nomadischer Existenz in den Blick und setzt sich mit der Entgrenzung von Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur im digitalen Zeitalter auseinander. Abgesehen von der großzügigen Präsentation von mehreren Werkzyklen der chinesischen Künstlerin Cao Fei und dem brasilianischen Künstler Paulo Nazareth, gehört die 20 Meter umfassende Panorama-Filminstallation Incoming des Künstlers Richard Mosse zu den Highlights der Ausstellung, die zusammen mit Leihgaben aus den Sammlungen der DZ BANK Kunstsammlung und der Deutsche Börse Photography Foundation präsentiert wird.

Im Museum Angewandte Kunst werden mit EXTREME. BODIES Darstellungen von Körper und Identität beleuchtet. Die Künstlerinnen und Künstler, u. a. Antoine d’AgataInez van Lamsweerde und Vinoodh MatadinArno Rafael MinkkinenBoris Mikhailov und Carolin Saage, beschäftigen sich mit Gender, Drogenexzessen, randständigen Lebensweisen, Armut, Über-Präsenz sowie dem Verschwinden des eigenen Körpers. Dabei sind u. a. neue Werke des französischen Fotografen Antoine d’Agata und Arno Rafael Minkkinen zum ersten Mal zu sehen.

RAY 2018 Festival am Eröffnungswochenende

Den Auftakt von RAY 2018 bildet vom 24. bis 27. Mai 2018 erstmalig ein viertägiges Festival-Kickoff. In Vorträgen und Paneldiskussionen beleuchten Künstlerinnen und Künstler, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen sowie das RAY 2018 Kuratorenteam das Phänomen des Extremen aus verschiedenen Perspektiven. Gemeinsam diskutieren sie die Themen und künstlerischen Positionen der EXTREME Ausstellungen, um neue Impulse für Kunstschaffende, Kulturinstitutionen und die Öffentlichkeit zu generieren. Zentrum des Festivals ist das MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. Ermöglicht wird das Festivalprogramm von der Deutsche Börse Photography Foundation. Während des RAY Festival-Kickoffs bietet RAY 2018 außerdem Vermittlungsangebote, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene spielerisch an das Medium Fotografie und Aspekte des Triennale-Themas heranführen.

In interaktiven Workshops und mit Gewinnspielen werden die Besucherinnen und Besucher selbst aktiv. Am Festivalsonntag, den 27. Mai können Besucherinnen und Besucher zwischen 12 und 16 Uhr im Festivalzentrum an dem partizipativen Workshop EXTREM EXPERIMENTIERTteilnehmen und inspiriert von den künstlerischen Positionen der RAY 2018 EXTREME Ausstellungen unter Anleitung der Berliner Fotografin Marzena Skubatz ihre eigenen fotografischen Kunstwerke erschaffen und mit nach Hause nehmen.

RAY MASTER CLASS

Als weitere Premiere hat RAY 2018 in diesem Jahr eine MASTER CLASS in Kooperation mit derHfG Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Hochschule Darmstadt, der Kunsthochschule Mainz sowie der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste — Städelschule initiiert. Die Ergebnisse werden vom 24. bis 27. Mai in der gemeinsamen Ausstellung N E X U S im Festival-Zentrum im MMK 3 zu sehen sein. Mit der MASTER CLASS fördert RAY mit Unterstützung von Olympus und der Crespo Foundation den Austausch der regionalen Kunsthochschulen und ermöglicht jungen Fotografinnen und Fotografen eine öffentlichkeitswirksame Plattform. Die MASTER CLASS wird von Arno Rafael Minkkinen geleitet, dessen Werk in der Ausstellung EXTREME. BODIES zu sehen ist.

RAY JUNIOR

Darüber hinaus veranstaltet RAY 2018 die Workshopreihe RAY JUNIOR, die sich an Schulen in der Rhein-Main-Region richtet. Aus den Workshop-Ergebnissen entsteht mit der Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain eine Publikation. In sechs Workshopwochen arbeiten die Fotografen Wolfgang Zurborn und Mirko Krizanovic zusammen mit der Kunstvermittlerin Lisa Weber und den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern von Schulen in Aschaffenburg, Darmstadt, Frankfurt, Mainz, Offenbach und Wiesbaden: Wöhlerschule (Frankfurt), Marienschule (Offenbach), Mittelstufenschule Dichterviertel (Wiesbaden), Friedrich Dessauer Gymnasium (Aschaffenburg), Maria-Ward-Schule Mainz Gymnasium (Mainz) und die Viktoriaschule Gymnasium (Darmstadt).

RAY PARTNERPROJEKTE

Im Rahmen von RAY 2018 präsentieren die DZ BANK Kunstsammlung, der Frankfurter Kunstverein, die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim, die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim und der Nassauische Kunstverein Wiesbaden eigens kuratierte Ausstellungen und erweitern das Thema EXTREME um vielschichtige Perspektiven in der zeitgenössischen Fotografie.

Die DZ BANK Kunstsammlung widmet sich im ART FOYER in ihrer Ausstellung DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST einem Thema, das Kunst und Bankenwesen gleichermaßen durchdringt. Der Frankfurter Kunstverein erweitert mit seiner Präsentation von FOAM TALENT | FRANKFURT das RAY Netzwerk nach Amsterdam und zeigt Positionen junger Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren, die jedes Jahr nach dem renommierten Open Call FOAM TALENT ausgewählt und im Fotografiemuseum FOAM in Amsterdam gezeigt werden. Die Ausstellung ist außerdem in London und New York zu sehen.

Die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim präsentiert mit Die reine Leidenschaftzum ersten Mal Abzüge, Dias und Negative der Amateurfotografen Peter DammannEugen GerbertAxel Herrmann und Vasilii Lefter. Über Jahrzehnte lang fotografierte jeder von ihnen im Verborgenen einer bestimmten Idee folgend nahezu obsessiv und unermüdlich ihre Reisen, Familien und Partner.

Für die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus haben Stefanie Schroeder und Christian A. Werner eine künstlerisch-dokumentarische Werkschau mit dem Titel Holy Smoke zum Thema Armut entwickelt. In der Ausstellung H × B × T im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden befassen sich die Künstlerinnen Felicity HammondBianca PedrinaKathrin Sonntag und der Künstler Julian Irlinger mit dem Verhältnis von Kunst und Raum.

RAY PLUS

Unter dem Titel RAY PLUS informiert RAY über weitere unabhängige Fotografie-Ausstellungen, die im Zeitraum von RAY 2018 im Rhein-Main-Gebiet stattfinden. Hierzu zählen u. a. die Gruppenausstellung Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK im MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, der Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst sowie die monografische Ausstellung der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg im Städel Museum. Auch Offspaces und Galerien wie die beiden Filialen des Citykiosks Yok Yok im Bahnhofsviertel und in der Fahrgasse sowie die Galerie Rundgaenger in der Niddastraße beteiligen sich an dem unabhängigen Programm.

RAY 2018 Webseite und Online-Magazin

Seit Februar ist die neu konzipierte Triennale-Webseite ray2018.de eine wichtige Anlaufstelle für RAY Besucherinnen und Besucher und gibt einen Überblick zu allen Aktivitäten im Rahmen der RAY 2018 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain. Die Webseite informiert im Detail über das gesamte Festival-Programm sowie weitere Veranstaltungen. Dank des responsiven Designs können sich Festival- und Ausstellungsbesucher direkt vor Ort in den Ausstellungen über die ausgestellten Werke informieren und von überall stets über aktuelle Ereignisse im Festivalzentrum und über Veranstaltungen zu den Ausstellungen informieren.

Darüber hinaus bietet die Webseite viele andere dynamische Inhalte. So wird die Triennale RAY 2018 in diesem Jahr mit dem neu entstehenden RAY Magazin in Kooperation mit dem Museumsblog des MMK Museum für Moderne Kunst, mmk-notes.de, Interviews und Hintergrundgeschichten zu RAY 2018 und Künstlern bieten. Auch die Künstlertalks und Podiumsdiskussionen werden während des RAY Festivals aufgezeichnet und stehen darauf hin als Podcasts bereit. So schafft die Webseite ein nachhaltiges Archiv der Ereignisse.

#EXTREMECITIZEN Fotowettbewerb

Mit dem Instagram-Foto-Contest #EXTREMECITIZEN lädt RAY 2018 Fotobegeisterte dazu ein bis zum 15. Juli über den Instagram-Kanal @ray_fotografieprojekte ihre Bilder zum Thema EXTREME hochzuladen. Die zehn besten Fotos werden Ende August nach einer Juryauswahl im Shoppingcenter MyZeil prämiert und ausgestellt. Gleichzeitig erscheinen die zehn besten Fotografien in der Septemberausgabe des RAY 2018 Medienpartners Journal Frankfurt. Darüber hinaus gibt es viele andere attraktive Preise zu gewinnen. RAY 2018 Sponsor Olympus stiftet hierzu die Outdoor-Kamera Tough TG-5, die man zusätzlich mit dem ersten Platz gewinnen kann. Zu den weiteren Preisen zählen ein Jahres-Abonnement des Stadt-Magazins Journal Frankfurt sowie eine MuseumsUferCard mit der man ein Jahr lang 34 Museen in Frankfurt am Main kostenlos besuchen kann.

RAY 2018 Guide

Ein englisch- und deutschsprachiger Guide mit Informationen und Abbildungen zu allen RAY 2018 Ausstellungen sowie Begleitveranstaltungen liegt kostenlos in allen teilnehmenden Ausstellungshäusern aus.

Über RAY

Das Kooperationsbündnis RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain entstand 2010 auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, um die Kompetenz und Vielfalt der Fotografie in der Region Rhein-Main hervorzuheben und zu bündeln: „Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben der Fotografie-Triennale RAY freue ich mich schon auf die Umsetzung von RAY 2018, mit der wir die künstlerische Vielfalt unserer Region und damit unseren Ruf als hervorragende Kunst- und Kulturregion stärken. Wir sehen die internationale Tragweite der RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain als Best-Practice-Beispiel für unsere Förderziele, Projekte zu unterstützen, die eine Strahlkraft über die Region hinaus haben und zur besseren regionalen Vernetzung beitragen“, erläutert Kulturfonds-Geschäftsführer Dr. Helmut Müller.

RAY 2018 Termine und Fakten

 

RAY 2018 EXTREME Ausstellungen

EXTREME. SELF Darmstädter Tage der Fotografie und Kunstforum der TU Darmstadt (26.5.—19.8.2018); EXTREME. TERRITORIES Deutsche Börse Photography Foundation in The Cube, Eschborn (25.5.—28.9.2018); EXTREME. ENVIRONMENTS Fotografie Forum Frankfurt (24.5.—9.9.2018); EXTREME. BODIES Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main (24.5.—9.9.2018) und EXTREME. NOMADS MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (24.5.—9.9.2018)

RAY 2018 EXTREME KÜNSTLERLISTE (AUSWAHL)

Antoine d’Agata (*1961 FR), Mathieu Asselin (*1973 VE/FR/US), Christoph Bangert (*1978 DE), Jamie Brunskill (*1983 GB), Krista Caballero (*1976 US) und Frank Ekeberg (*1970 NO/US), Cao Fei (*1978 CN), Aneta Grzeszykowska (*1974 PL), Lois Hechenblaikner (*1958 AT), Anne Heinlein (*1977 DE) und Göran Gnaudschun (*1971 DE), Inez van Lamsweerde (*1963 NL/FR) und Vinoodh Matadin (*1961 NL), Sze Tsung Nicolás Leong (*1970 MX/GB/US), Martin Liebscher (*1964 DE), Paula Luttringer (*1955 AR/FR), Pradip Malde (*1957 TZ/US), Gideon Mendel (*1959 ZA/GB), Boris Mikhailov (*1938 UA/DE), Arno Rafael Minkkinen (*1945 FI/US), Richard Mosse (*1980 IE/US/DE), Paulo Nazareth (*1977 BR), Laís Pontes (*1981 BR), Carolin Saage (*1978 DE), Gregor Sailer (*1980 AT), Guy Tillim (*1962 ZA), Ami Vitale (*1971 US), Isabelle Wenzel (*1982 DE/NL)

RAY 2018 PARTNERPROJEKTE Ausstellungen

DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung (24.5.—20.10.2018); FOAM TALENT | FRANKFURT Frankfurter Kunstverein (24.5.—26.8.2018); DIE REINE LEIDENSCHAFT Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim (2.5.—29.7.2018); HOLY SMOKE Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus (26.5.—19.8.2018) und H x B x T Nassauischer Kunstverein Wiesbaden (25.5.—8.7.2018)

RAY 2018 PLUS Ausstellungen

Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK 
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst (23.3.—15.7.2018), Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst (22.6.—9.9.2018), Ursula Schulz-Dornburg Städel Museum (4.7.—16.9.2018), Neo Captures Galerie Rundgaenger (26.5.—30.6.2018), Wild. 30 FREELENS-Fotografen Haus am Dom (10.6.—10.8.2018) und viele mehr

RAY 2018 Eröffnung in Frankfurt am Main

Mittwoch, 23. Mai 2018, 19 Uhr
RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Domstr. 3, 60311 Frankfurt am Main

Folgende Ausstellungen haben am 23. Mai bis 22 Uhr geöffnet: EXTREME. ENVIRONMENTS(Fotografie Forum Frankfurt), EXTREME. BODIES (Museum Angewandte Kunst), EXTREME. NOMADS (MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst), RAY 2018 MASTER CLASS Ausstellung(MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst) sowie die RAY 2018 PARTNERPROJEKTE DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST (ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung, Voranmeldung erforderlich über www.dzbank-kunstsammlung.de) und FOAM TALENT FRANKFURT (Frankfurter Kunstverein).

Weitere RAY 2018 Eröffnungen:

Sonntag, 29. April, 11 Uhr
Die Reine Leidenschaft, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim

Donnerstag, 24. Mai, 18 Uhr
H x B x T, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden

Donnerstag, 24. Mai, 18:30
EXTREME. TERRITORIES, Deutsche Börse Photography Foundation in The Cube, Eschborn
Voranmeldung erforderlich über www.deutscheboersephotographyfoundation.org

Freitag, 25. Mai, 19 Uhr
EXTREME. SELF, Darmstädter Tage der Fotografie und Kunstforum der TU Darmstadt

Freitag, 25. Mai, 19 Uhr
HOLY SMOKE, Marta Hoepffner-Gesellschaft e.V. im Stadtmuseum Hofheim

Es stehen Shuttles zur Verfügung (begrenzte Platzzahl). Wir bitten um vorherige Anmeldung am Infopoint im Festivalzentrum im MMK 3.

RAY 2018 Festival und RAY MASTER CLASS Ausstellung

Donnerstag, 24. Mai bis Sonntag, 27. Mai 2018, Do—Sa 10—20 Uhr, So 11—18 Uhr
RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Das detallierte Programm finden Sie hier

Mit Kulturticket freier Eintritt in 18 Frankfurter Museen für Studis der Goethe-Uni

SOS-Brutalismus - Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow
SOS-Brutalismus – Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow

ABER HALL0,-: Kulturticket für Studierende der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences
Die Goethe Card, der Studierendenausweis der Goethe-Universität Frankfurt und der STUDY-CHIP, der Studierendenausweis der Frankfurt University of Applied Sciences, werden in 18 Museen der Stadt zum Kulturticket.
Einfach die Goethe Card oder den STUDY-CHIP an der Museumskasse vorzeigen und Geschichte, Architektur, alte, moderne und angewandte Kunst studieren und genießen.

Der freie Eintritt wird in Kooperation mit dem AStA der Goethe-Universität bzw. dem AStA der Frankfurt University of Applied Sciences angeboten und gilt für rund 60 000 Studierende in folgenden Häusern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Deutsches Filmmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Giersch der Goethe-Universität
Museum Judengasse
Porzellan Museum
Weltkulturen Museum

Die Museumsparks und -cafés mit Blick auf die Skyline laden zu entspannten Pausen zwischen dem Museums-Hopping ein.

Am Satourday in fünf Frankfurter Museen Verstecktes entdecken – 16 Museen zum Nulltarif für alle unter 18

Archivbild: Archäologisches Museum Frankfurt während der Nacht der Museen 2017. © Foto: atelier-Goddenthow
Archivbild: Archäologisches Museum Frankfurt während der Nacht der Museen 2017. © Foto: atelier-Goddenthow

Aufdecken und sichtbar machen – Am Satourday in fünf Frankfurter Museen Verstecktes entdecken und Geheimnisse lüften

(kus) Am Samstag, 31. März, können junge Spürnasen in fünf Frankfurter Museen mit allerlei Hilfsmitteln – von der Schaufel bis zum QR-Code – Verdecktes sichtbar machen.

Neugierige Reporterinnen und Reporter besuchen die Ausstellung im MMK2 und schreiben inspiriert von den Kunstwerken eine eigene Reportage. Ob die Geschichten, die die Bilder im Weltkulturen Museum erzählen alle wahr sind? Bei einem Streifzug durch das Museum können Kinder ab sechs Jahren Ungeschriebenes aufdecken und hörbar machen. Mit Smartphone und QR-Code-App decken Nachwuchsdetektive bei der Ostereiersuche im Museum für Kommunikation auch die geheimsten Verstecke auf. Um hinter die Geheimnisse im Deutschen Filmmuseum zu kommen, müssen Familien aktiv werden: Einige Bilder werden mit Sonnenlicht gemalt, andere werden erst mit einer besonderen Technik lebendig. Die richtige Technik ist auch für Archäologen beim Ausgraben wichtig. Wie richtig gerüttelt, gesiebt und gepinselt wird und wie tausende Scherben wieder zu Gefäßen werden, erfährt man am Samstag im Archäologischen Museum.

Der letzte Samstag im Monat ist Familientag in vielen Frankfurter Museen. Jeden Monat erwartet Klein und Groß am Satourday eine spannende Auswahl an Aktivitäten, die immer unter einem neuen, kindgerechten Motto stehen. „Die Mischung aus sehen und dann selbst zum Künstler zu werden ist die Besonderheit des Satourday. Die Museen laden Kinder mit ihren Eltern ein, ihre Kunstwerke kennenzulernen, neue Eindrücke zu sammeln und das Gesehene dann kreativ aufzuarbeiten“, erläutert Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Um an den Angeboten im MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, Museum für Kommunikation und Weltkulturen Museum teilnehmen zu können, ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Der Eintritt ins Archäologische Museum, MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, Weltkulturen Museum sowie in alle anderen städtischen Häuser und das Dommuseum ist am Satourday für Kinder und Erwachsene kostenlos.

Informationen zur Anmeldung und das Satourday-Programm liegen zum Download unter http://www.museumsufer-frankfurt.de bereit.

16 Museen – 0 Euro für alle unter 18 Jahren
Archivbild: Kolonialwarenladen im Jungen Museum (Historisches Museum)  © Foto: atelier-Goddenthow
Archivbild: Kolonialwarenladen im Jungen Museum (Historisches Museum) © Foto: atelier-Goddenthow


Egal ob Tüftler oder Sausewind, stilles Persönchen oder Rabauke, Wenigsager oder Vielfrager – für alle unter 18 Jahren stehen die Türen der 16 städtischen Museen kostenfrei offen.

Sticker Icon "0,- Euro Eintritt unter 18 Jahren" Dezernat Kultur und WissenschaftGestalterKids © Museum Angewandte Kunst, Foto: Anja Jahn

Das neue Angebot geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zurück. Seit Januar 2017 gilt er für alle Dauer- und Sonderausstellungen der städtischen Museen Frankfurts. Und das kommt an: Rund 25 Prozent mehr Kinder und Jugendliche besuchten im ersten Quartal 2017 die städtischen Häuser.

Diese faszinierenden Orte können Kinder und Jugendliche kostenfrei für sich entdecken und erobern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum Junges Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Judengasse
Porzellan Museum 
Weltkulturen Museum

Image Profile Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung
Nobuyoshi Araki, Kader Attia, Christian Boltanski, David Claerbout, Larry Clark, Thomas Demand, Stefan Exler, Hans-Peter Feldmann, Fischli/Weiss, Günter Förg, Douglas Gordon, Ilja C. Hendel, Noritoshi Hirakawa, Axel Hütte, Barbara Klemm, Mike Mandel, Ryuji Miyamoto, Santu Mofokeng, Anja Niedringhaus, Inge Rambow, Joe Rosenthal, Thomas Ruff, Larry Sultan, Taryn Simon, Dayanita Singh, Beat Streuli, Wolfgang Tillmans, Abisag Tüllmann, Jeff Wall, Tobias Zielony

Ob auf dem Smartphone, in der Zeitung oder am Computer – jeden Tag nehmen wir unsere Welt über eine Flut von Fotografien wahr. Die Ausstellung „Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK“ zeigt, wie sich Künstlerinnen und Künstler aus der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main in ihren Werken mit Bildern aus den Medien auseinandersetzen. Die Präsentation umspannt ein breites Spektrum aktueller Ausdrucksformen von gesellschaftspolitischer Reportagefotografie bis hin zu Aspekten subjektiver, konzeptueller oder inszenierter Fotografie.
Mit ihren technischen Implikationen, ihren bildnerischen Möglichkeiten und ihrem dokumentarischen Charakter war die Fotografie schon immer eines der signifikantesten Medien der Moderne. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1991 wurde Fotografie in der Sammlung gleichbedeutend neben Malerei, Skulptur, Zeichnung oder Film und Videoinstallation gesammelt. Heute umfasst die fotografische Sammlung über 2.500 Werke der internationalen Gegenwartsfotografie von mehr als 90 Künstlerinnen und Künstlern.

Die vielfältige fototechnische Bandbreite reicht in „Image Profile“ von Vintage Prints auf Barytpapier über monumentale Cibachrome bis hin zu Inkjet-Prints und Offsetdrucken auf Papier.
Die präsentierten Werke reflektieren politische Themen und gesellschaftliche Krisen unserer Gegenwart, die in der Presse durch Bilder verbreitet wurden und hinterfragen den vermeintlich authentischen Charakter der Pressefotografien. Viele der Arbeiten thematisieren dabei die Prägung unserer visuellen Vorstellungskraft durch die Medienbilder.
Die Ausstellung findet ihren Auftakt in dem fünfteiligen Werk „Klause“ (2006) von Thomas Demand, das als Auftragsarbeit speziell für das MMK entstanden ist. Die raumgreifende Installation basiert vor allem auf Pressebildern. Thomas Demand verwendet diese aber nicht eins-zu-eins, sondern rekonstruiert sie zunächst in seinem Atelier. Diese dreidimensionalen „Bilder“ werden aus farbigem Papier und Pappe im Größenverhältnis 1:1 als Kulisse gebaut, dann fotografiert und in großformatigen Diasec-Prints präsentiert. Der Bildzyklus der „Klause“ thematisiert einen Fall von Kindesmissbrauch, der sich über Jahre im Hinterzimmer einer deutschen Stadtteilkneipe, der sogenannten Tosa-Klause, zugetragen hat. Er handelt aber auch von dem damit verbundenen sehr langwierigen Strafverfahren, das über Monate hinweg Schlagzeilen in der Boulevardpresse machte. Das Wissen um die Sachverhalte und Fakten sind dagegen diffus. Thomas Demands Werk stellt die Wirklichkeit, ihre mediale Vermittlung und deren schier grenzenlose technische Manipulierbarkeit in Frage.

Die Serie „Die Toten 1967 – 1993“ (1996 – 1998) von Hans-Peter Feldmann ist eine Schenkung des Künstlers, die das MMK als eines der wenigen Museen weltweit besitzt. Es handelt sich um Porträts von 100 Personen, die im Kontext des Deutschen Herbstes und der RAF–Bewegung zwischen 1967 und 1993 gewaltsam ums Leben gekommen sind. Alle Toten stehen im Zusammenhang mit der Eskalation von Gewalt und Terrorismus. Die Bilder, die hier gezeigt werden, hat Hans-Peter Feldmann ausschließlich aus Printmedien dieser Zeit zusammengetragen. Die chronologische Ordnung der Fotos folgt lediglich den Todesdaten ohne Unterscheidung zwischen Täter und Opfer.

Die klassische Reportage-Fotografie ist in der Ausstellung durch Künstlerinnen wie Barbara Klemm, Abisag Tüllmann und Anja Niedringhaus vertreten, deren Fotografien weltweit in unterschiedlichen Print-Medien abgedruckt wurden. In ihrer Beobachtungsschärfe und ihrem Einfühlungsvermögen zeugen die Bilder von einer zutiefst humanen Sicht auf die Krisen und Kriege der Welt. Mit ihren kalkulierten Bildkompositionen haben die Fotografinnen aus der Sammlung des MMK unsere Vorstellung vom klassischen Bildjournalismus geprägt wie wenige andere. In der Ausstellung sind Barbara Klemms Aufnahmen aus Indien, Anja Niedringhaus’ Fotografien als „embedded journalist“ im Irak- und Afghanistan-Krieg sowie Abisag Tüllmanns Fotografien aus Südafrika zu sehen.

Ein weiteres zentrales Thema, das mit Blick in die Vergangenheit eine große Aussagekraft für die Gegenwart hat, greift Kader Attia auf, dessen Serie „The Debt“ (2013) in der Ausstellung zu sehen ist. Die Zweikanal-Dia-Installation zeichnet anhand von vorgefundenem Bildmaterial ein Stück der Kolonialgeschichte während des ersten Weltkrieges und die erschütternden Konsequenzen auf menschlicher Seite nach. Dabei ist mit der titelgebenden „Schuld“ die historische Verantwortung der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Deutschland gemeint, denn das verwendete Bildmaterial dokumentiert unter anderem den Kriegseinsatz afrikanischer Soldaten, die auf Seiten ihrer jeweiligen Kolonialherren kämpfen mussten. Wie ihre europäischen Landsleute erfuhren sie die unmittelbaren Spuren dieser modernen Kriegsführung am eigenen Leib. Die Gegenüberstellung von verletzten afrikanischen und europäischen Soldaten setzt diese gleich, was in der Realität in Form von Honorierungen der Kriegseinsätze afrikanischer Soldaten nicht passierte. Kader Attia möchte mit seiner Arbeit den Bogen von der Vergangenheit, und der damit einhergehenden Schuld der ehemaligen Kolonialmächte, hin zur unmittelbaren Gegenwart der „Sans-Papiers“, also der Menschen ohne Ausweisdokumente, spannen.

Eröffnung
Donnerstag, 22. März, 20 Uhr, MMK 2

Spezialführung zur Ausstellung
Durch die Ausstellung mit … Tobias Zielony
Mittwoch, 20. Juni, 18.30 Uhr im MMK 2
Im Eintrittspreis enthalten, mit Anmeldung

Öffnungszeiten im MMK 2:
Dienstag–Sonntag: 11 Uhr – 18 Uhr
Mittwoch: 11 Uhr – 20 Uhr
Montag geschlossen

Social Media:
Das Hashtag zur Ausstellung: #imageprofile
Trailer unter: youtube.com/user/mmkfrankfurtmain
Homepage: mmk-frankfurt.de | Blog: mmk-notes.com | Facebook: facebook.com/mmkfrankfurt
Twitter: @mmkfrankfurt | Instagram: @mmkfrankfurt | #mmkfrankfurt #mmk1 #mmk2 #mmk3

Ab sofort kostenfreier Eintritt in 18 Frankfurter Museen für rund 14.000 Studierende

Neues Ausstellungshaus des Historischen Museums Frankfurt, wird ab Februar 2018 auch das Kindermuseum und dem neuen Namen "Junges Museum" beherbergen. Foto: Diether v. Goddenthow
Neues Ausstellungshaus des Historischen Museums Frankfurt, wird ab Februar 2018 auch das Kindermuseum und dem neuen Namen „Junges Museum“ beherbergen. Foto: Diether v. Goddenthow

Neue Kooperation zwischen Kulturdezernat und Frankfurt University of Applied Sciences

(kus) Ab sofort haben Studierende der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS) die Möglichkeit, mit ihrem Studierendenausweis 18 Frankfurter Museen kostenfrei zu besuchen. Für das Kulturticket, einem gemeinsamen Projekt des Kulturdezernats und des AStA der FRA-UAS, bezahlen die Studierenden lediglich einen Euro pro Semester.
„Ich freue mich sehr, dass Studenten der Frankfurt University of Applied Sciences ab sofort mit ihrem Studierendenausweis auch gleich das Kulturticket in der Tasche haben. Alle sind herzlich eingeladen, die teilnehmenden Häuser kennenzulernen. Der Museumsbesuch kann als Ausgleich zum Unialltag oder zur Vertiefung des Studiums beitragen und darf nicht am knappen Budget scheitern. Mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Frankfurt University of Applied Sciences haben wir einen tollen und sehr engagierten Kooperationspartner gewonnen“, betont Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Mit in den Verhandlungen stand der AStA der FRA-UAS und begrüßt das Ergebnis: „Zugang zu kulturellen Angeboten sollte kein Luxusgut, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Daher freuen wir uns, dass nun auch unsere Hochschule vom breiten Angebot der Frankfurter Museen profitieren kann. Das Kulturticket ermöglicht uns Studierenden auch außerhalb der eigenen Fachrichtung eine Weiterbildung abseits von Vorlesungen und Seminaren.“

Die Hochschulleitung ergänzt: „Wir begrüßen die Einführung eines Kulturtickets für unsere Studierenden. Das Kulturticket ermöglicht den Besuch aller städtischen Museen und bietet so eine weitere Gelegenheit für unsere Studierenden, sich mit der Stadt zu verknüpfen und dabei über den Tellerrand des Fachstudiums hinauszuschauen.“

Neben der Goethe-Universität Frankfurt ist die FRA-UAS die zweite Hochschule, mit der das Kulturdezernat eine Kooperation eingeht. Das Kulturticket ermöglicht rund 60.000 Frankfurter Studierenden, kostenfrei die museale Vielfalt Frankfurts zu erleben. Sie zeigen dafür an der Kasse lediglich ihren Studierendenausweis vor und besuchen damit kostenfrei alle Dauer- und Sonderausstellungen der teilnehmenden Museen. Die neue Kooperation des Kulturdezernats ist ein weiterer Schritt, Türen zu öffnen und kulturelle Bildung und Teilhabe für alle zu ermöglichen.

Neben dem bereits bestehenden Angebot für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können so auch Studierende das breite kulturelle Programm der Stadt kostenfrei kennenlernen und nutzen.

Die teilnehmenden Museen sind: Archäologische Museum, Caricatura Museum, Deutsche Architekturmuseum, Deutsche Filmmuseum, Hindemith Kabinett, Historische Museum, Ikonen-Museum, Institut für Stadtgeschichte, Jüdisches Museum (Wiedereröffnung 2019), Kinder Museum, MMK 1|2|3 des MMK Museum für Moderne Kunst, Museum Angewandte Kunst, Museum Giersch der Goethe-Universität, Museum Judengasse, Porzellan Museum und Weltkulturen Museum.

Mehr Infos „Freier Museumseintritt“

Summer in the City Großes Sommerfest im MMK 2 Frankfurt am 21. Juni 2017

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zur Sonnenwende veranstaltet das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ein großes Sommerfest im und um das MMK 2 im TaunusTurm. Unter dem Motto „Summer in the City“ erwartet die Besucherinnen und Besucher am Mittwoch, 21. Juni ab 19 Uhr ein umfangreiches Programm.

In Kurzführungen haben die Besucher die Möglichkeit, herausragende Werke der Minimal Art der 1960er- und 1970er-Jahre in der Ausstellung „Primary Structures. Meisterwerke der Minimal Art“ zu erkunden. In der großen Überblicksschau mit fast 50 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert das MMK erstmals umfassend die Meisterwerke dieses Sammlungsbestands. Die Künstler Carl Andre, Walter De Maria, Dan Flavin, Donald Judd und Fred Sandback revolutionierten mit ihren radikalen Werken in den 1960er-Jahren die Kunstwelt. Sie verwendeten erstmals in der Geschichte der Kunst industriell gefertigte oder bearbeitete Materialien und reduzierten ihre Arbeiten auf einfache übersichtliche und meist geometrische Grundstrukturen, sogenannte „Primary Structures“. Die Ausstellung zeigt dazu Werke jüngerer Künstler, die sich maßgeblich auf den Minimalismus beziehen. Zum Sommerfest spielt das Saxophonquartett „Vier Farben“ dazu ausgewählte Stücke der Minimal Music direkt in den Ausstellungsräumen.

Zudem wird DJ Ata den ganzen Abend ab 19 Uhr auflegen und den sommerlichen Dancefloor zum glühen bringen – „Summer in the City-Feeling“ pur. Sobald es dann ab 22 Uhr dunkel ist, wird der brandneue Film „Visual Album – That’s Desire / Here We Are EP“ von Fragile/Wolfgang Tillmans im Open-Air-Kino vor dem MMK 2 präsentiert. Das Museumscafé Elaine’s Deli verwöhnt die Besucher an der Freiluft-Bar mit Drinks und anderen Köstlichkeiten. Picknickdecken gehören selbstverständlich zum Outdoor Erlebnis dazu und können ausgeliehen werden.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Programmübersicht
ab 19 Uhr: DJ Ata
ab 19 Uhr (durchgehend): Kurzführungen durch die Ausstellung
19.30 / 20:30 / 21:30 Uhr: Minimal Music
22 Uhr: Open-Air-Kino

Das süße Gold vom Dach des MMK 1 Die Museumsbienen fliegen wieder – Bienen auch auf Dach der Staatskanzlei – Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“

12 Bienenvölker der Künstlergruppe finger auf dem Dach des MMK beginnen jedes Jahr erneut ihre Sammelflüge in der Frankfurter Innenstadt. Der Produktionsstandort der Stadtimkerei auf dem Dach des MMK umfasst etwa 650.000 Bienen und wird von den Künstlern Florian Haas und Andreas Wolf liebevoll gehegt und gepflegt. Foto: Axel Schneider
12 Bienenvölker der Künstlergruppe finger auf dem Dach des MMK beginnen jedes Jahr erneut ihre Sammelflüge in der Frankfurter Innenstadt. Der Produktionsstandort der Stadtimkerei auf dem Dach des MMK umfasst etwa 650.000 Bienen und wird von den Künstlern Florian Haas und Andreas Wolf liebevoll gehegt und gepflegt. Foto: Axel Schneider

Die ersten Sonnenstrahlen haben bereits den Frühling angekündigt, und mit den Frühlingsgefühlen erwachen auch die Bienen des MMK aus ihrem Winterschlaf. Schon bald werden sie wieder durch die Straßen Frankfurts fliegen, um emsig alle Zutaten für den urbanen Honig zu sammeln.
Das MMK freut sich, dass Andreas Wolf und Florian Haas, auch bekannt als das Künstlerduo finger, seit zehn Jahren die Bienen auf dem Dach des MMK 1 pflegen.

Wer die zwölf Bienenstöcke und ihre rund 600.000 Bewohner auf dem Dach des MMK 1 besuchen möchte, hat die Gelegenheit dazu ab dem 1. April 2017 bei einer der vielen verschiedenen Veranstaltungen, die das Museum für alle Altersgruppen anbietet.
Kinder von sechs bis zehn Jahren können nach einem Honigfrühstück die Insekten unter Aufsicht beobachten und erfahren alles rund um den Aufbau der Bienenstöcke und deren Bewohner. Unter professioneller Anleitung entnehmen sie den Wabenkästen Wachs, welches sie im Anschluss zu Wachsmalern verarbeiten.
Erwachsene sind ebenfalls herzlich eingeladen, das Zuhause der Bienen und darüber hinaus einen von finger gestalteten Lehrpfad zur Stadtimkerei zu besichtigen. Während der Führungen werden neben der konkreten Imker-Praxis Überschneidungen von tierwirtschaftlichen, gesellschaftsgestaltenden und künstlerischen Vorgehensweisen hervorgehoben.

Am 19. August findet das Honigfrühstück statt und der Honig der Saison 2017 darf probiert werden.
Anlässlich der zehn gemeinsamen Jahre, auf die das Künstlerduo und das MMK dann zurückblicken können, wird es an diesem Tag noch weitere besondere Programmpunkte geben. Mehr unter http://mmk-frankfurt.de/de/erleben/bienenprojekt/

Termine:
Führungen für Erwachsene mit den Bienenvätern, 6 € Eintritt
Mittwoch, 26. April, 19 Uhr
Mittwoch, 10. Mai, 19 Uhr
Mittwoch, 7. Juni, 18 Uhr

Bienenworkshops für Kinder (6-10 Jahre), 9 € Eintritt
(mit Anmeldung bis spätestens zwei Tage im Voraus)
Samstag, 1. April, 10-13 Uhr
Samstag, 6. Mai, 10-13 Uhr
Sonntag, 25. Juni, 10-13 Uhr

Ort:
MMK Museum für Moderne Kunst
Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main
Telefon +49 69 21230447
Fax +49 69 212 37882
E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de

Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“

Die Wichtigkeit von Bienenvölkern wird zunehmend auch von der Politik erkannt. So startet Staatsminister Axel Wintermeyer und Umweltministerin Priska Hinz starten landesweite Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ und präsentieren Bienenstöcke auf dem Dach der Staatskanzlei „Bedingungen für Bienen verbessern“

Wiesbaden. Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, hat heute gemeinsam mit der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ gestartet. „Für Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, die für die Bestäubung von Pflanzen notwendig sind, werden die Lebensbedingungen zunehmend schwieriger. 80 Prozent unserer Pflanzen sind auf sie angewiesen, um ihre Früchte zu bilden. Deshalb wollen wir gemeinsam die Bedingungen für diese Tiere verbessern und haben die Kampagne ‚Bienenfreundliches Hessen‘ ins Leben gerufen“, sagten der Staatskanzleichef und die Umweltministerin bei der Auftaktveranstaltung in der Hessischen Staatskanzlei. Gemeinsam präsentieren sie auf dem Dach der Staatskanzlei zwei Bienenvölker, zwei weitere werden im Laufe des Frühjahrs hinzukommen. „Im Sommer werden so bis zu 100.000 weitere Bienen im Herzen der Landeshauptstadt leben. Damit setzen wir ein sichtbares Zeichen für Bienenfreundlichkeit und den Erhalt der Biodiversität“, sagte der Staatskanzleichef.

„Im Frühsommer, wenn der Raps verblüht ist, wird es für Bienen oft schwierig, überhaupt noch Futter zu finden. Darum liegt ein Schwerpunkt Kampagne darin, Hessen stärker zum Blühen zu bringen und auf dem Land das Nahrungsangebot für Bienen zu vergrößern. Das gilt natürlich auch für Gärten in der Stadt“, so Ministerin Hinz. Aufklärungsarbeit über bienenfreundliche Landwirtschaft und Gartenbau, eine landesweite Aktionswoche vom 14. bis 20. August zum Thema „Bienen“ und Modellprojekte, wie insektenfreundlichen Alternativen zum Mais beim Energiepflanzenanbau, sind Teil der Kampagne. An dieser beteiligen sich der Landesverband Hessischer Imker, der Hessische Bauernverband (HBV), die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL), der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen, das landeseigene Bieneninstitut, der deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und das Netzwerk Blühende Landschaften.

Die Bienen auf der Staatskanzlei finden unter anderem im Nerotal bei blühenden Rosskastanien und im Kurpark Nahrung. „Der Bestand an Bienenvölkern in Hessen nimmt zwar seit 2009 insgesamt wieder zu – aber nur langsam und vor allem in Ballungszentren. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir für Honig-, Wildbienen und andere Bestäuber aktiv werden“, so Umweltministerin Hinz.

„Dass mittlerweile 56.000 Honigbienenvölker in Hessen leben, verdanken wir den Imkerinnen und Imkern, die engagierte Arbeit leisten“, sagte Staatsminister Wintermeyer. Die erfreuliche Zahl bei den Honigbienen – 2010 waren es nur 48.000 Bienenvölker – dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viel für Honigbienen, aber vor allem auch für andere Bestäuber wie Wildbienen, Hummeln oder Schwebfliegen getan werden müsse.

Das Land Hessen setzt sich bereits mit verschiedenen Programmen für Bienen und andere Bestäuber ein: Von grundlegender Bedeutung für die Bienen in Hessen ist eine nachhaltige Landwirtschaft. Für diese hat das Land mit dem Hessischen Agrarumwelt- und Landschaftspflegeprogramm (HALM) die Grundlage gelegt. Dazu zählen beispielsweise die Förderung von Blüh- und Ackerrandstreifen und eine verstärkte Förderung des ökologischen Landbaus im Rahmen des Ökoaktionsplans. Auch die Ausbildung und Forschung wird gefördert: 210.000 Euro, davon 50 Prozent Landesmittel, fließen zum einen in die Aus- und Fortbildung der Imkerinnen und Imker, zum anderen in Forschungsprojekte der beiden hessischen Bieneninstitute in Kirchhain und Oberursel. Damit werden auch Maßnahmen gegen Varroa-Milben erforscht, die für Bienen lebensbedrohlich sind.

Die Kommunen spielen bei der bienenfreundlichen Gestaltung der Umwelt eine tragende Rolle. Daher hat Umweltministerin Hinz in einem Schreiben an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auf die Bedeutung einer entsprechenden Bepflanzung von öffentlichen Grünflächen hingewiesen und zum Mitmachen motiviert. „Auch Kinder und Jugendliche wollen wir für das Thema sensibilisieren. Das tun wir unter anderem mit unserm Projekt ‚Bauernhof als Klassenzimmer‘ und mit der Förderung einer Kinder- und Jugendimkerei“, so die Ministerin.

„Alle können etwas dazu beitragen, dass Hessen bienenfreundlicher wird – auf dem eigenen Balkon, in der Kommune, auf den Feldern“, betonte die Umweltministerin. Tipps und Ansprechpartner liefert die neue Homepage www.bienen.hessen.de.

Verbände, die ein bienenfreundliches Hessen unterstützen:

Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes: „Ich befürworte die Initiative der Hessischen Landesregierung und bedanke mich für das Engagement. Intensiv wird sich der Hessische Bauernverband in diese Kampagne einbringen und zusammen und in Absprache mit dem Hessischen Imkerverband in jedem Landkreis Blühstreifen anlegen. Unser Ziel ist es, im Anschluss an die Rapsblüte eine Futtergrundlage für die Bienen zu schaffen.“

Manfred Ritz, Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Imker: „Der Landesverband Hessischer Imker e.V. mit den angeschlossenen Imkervereinen und 10.000 Mitgliedern freut sich darüber, dass das Thema Bienenfreundlichkeit durch die gemeinsame Kampagne an Öffentlichkeit gewinnt. Viele Imkervereine und auch Kreisimkervereine haben schon in den vergangenen Jahren auf Flächen zusammen mit Landwirten ‚Blühende Landschaften‘ angelegt. Dieser ehrenamtliche Einsatz und die gute Zusammenarbeit vor Ort mit den Partnern ist entscheidend für einen Erfolg im Sinne der Bienen.“

Dr. Ralph Büchler, LLH Bieneninstitut: „Die Lebensbedingungen für Bienen haben sich in den letzten Jahren vielerorts verschlechtert. Während viele Wildbienenarten dadurch ernsthaft bedroht sind, können Imkerinnen und Imker ihre Bienenvölker durch gute Pflegemaßnahmen schützen. Dies setzt allerdings eine fundierte Schulung und Beratung voraus.“

Anneke Jostes, Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL): „Die VÖL begrüßt die Hessische Bienenkampagne. Es ist wichtig, möglichst viele Menschen für den Schutz der Artenvielfalt zu gewinnen. Öko-Landbau bedeutet Bestäuberschutz im System, beispielsweise durch Verzicht auf Pestizide, weite Fruchtfolgen und den Anbau von blühenden Leguminosen wie Rotklee. Durch den Kauf von regionalen Bioprodukten und Biohonig kann jeder einen konkreten Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ökosysteme leisten. Die Anbauverbände vereinen sowohl Landwirte als auch Imker hinter sich, dadurch wird ein fruchtbarer Austausch zwischen beiden Berufsgruppen möglich. Die VÖL wird im Rahmen der Kampagne Veranstaltungen durchführen, um die partnerschaftliche Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen Bio-Imkern und Bio-Bauern gezielt zu fördern.“

Thomas Södler, Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen: „Damit auch in kleinen Gärten, auf Balkonen, der Terrasse und sogar auf Friedhöfen in der Stadt Bienenparadiese entstehen können, helfen die Mitglieder des Gartenbauverbandes GVBWH den Bienenfreunden mit einer fundierten Beratung. Mit einer ausgewogenen Pflanzenkombination für eine lückenlose Blütentracht können Bienenfreunde während der Vegetationszeit somit auch ohne eigene Vorkenntnisse und auf kleinem Raum eine Menge tun, um den Erhalt vieler Bienenarten zu sichern. Bei der Auswahl ist es wichtig, neben naturnahen und ungefüllten Arten und Sorten auch auf die Kombination von Pflanzungen zu achten. Der Gartenbauverband empfiehlt seinen Mitgliedsbetrieben zudem auf den Einsatz von Insektiziden, die im Verdacht stehen Bienen zu gefährden, bei der Produktion von Zierpflanzen zu verzichten und den Verkauf von bienengefährlichen B1-Wirstoffen an Verbraucher einzustellen.“

Andreas Kramer, Netzwerk blühende Landschaften: „Würde jeder Bürger einen Quadratmeter seines Gartens, jede Kommune einen Teil ihrer Grünflächen und jeder Landwirt einen Acker insektenfreundlich umgestalten, so wäre bereits ein großer Schritt für die Zukunft unserer Blütenbestäuber getan. Das Netzwerk Blühende Landschaft begrüßt die Hessische Bienenkampagne.“

Claudia Andujar „Morgen darf nicht gestern sein“ – MMK 1 Frankfurt 18.02. bis 25.06.2017

Claudia Andujar, Urihi-a, 1974 Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil.  Das Leben eines ganzen Yanomami-Stamms spielt sich in einem Rundbau (Shapono), einem Gemeinschaftshaus ab, umgeben von dichtem Urwald. Unter der Pultdachkonstruktion leben bis zu 300 Menschen, die alles, was sie an Nahrung, Rohstoffe und Werkzeuge benötigen, aus dem Regenwald erhalten. Claudia Andujar hat vom Flugzeug aus mit einer Infrarotkamera ein Runddorf aufgenommen, um die Inselsituation des Runddorfes inmitten undurchdringlichen Regenwald-Dickichts besonders kontrastreich herauszustellen. © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, Urihi-a, 1974 , Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil.
Das Leben eines ganzen Yanomami-Stamms spielt sich in einem Rundbau (Shapono), einem Gemeinschaftshaus ab, umgeben von dichtem Urwald. Unter der Pultdachkonstruktion leben bis zu 300 Menschen, die alles, was sie an Nahrung, Rohstoffe und Werkzeuge benötigen, aus dem Regenwald erhalten. Claudia Andujar hat vom Flugzeug aus mit einer Infrarotkamera ein Runddorf aufgenommen, um die Inselsituation des Runddorfes inmitten undurchdringlichen Regenwald-Dickichts besonders kontrastreich herauszustellen. © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Claudia Andujars Fotos in der gestern im MMK1 eröffneten Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ entstanden aus der Notwendigkeit heraus, den Yanomami, indogenen  Urwaldbewohnern im Amazonasgebiet, gegenüber den Regierungen Brasiliens Gesicht und Identität zu geben, um sie medizinisch versorgen und als Bevölkerungsgruppe anerkennen zu können. Die Ausstellung gibt erstmals in Europa einen umfangreichen Einblick in das fotografische Œuvre von Claudia Andujar (*1931 in Neuchâtel, Schweiz). Die Künstlerin und Aktivistin lebt seit 1955 in São Paulo in Brasilien. Anfänglich ohne Kenntnisse der portugiesischen Sprache bot ihr die Fotokamera eine Möglichkeit, durch Bilder zu kommunizieren. Ihre fotografische Praxis ist seit den 1960er-Jahren eng mit der jüngeren Zeitgeschichte Brasiliens sowie den Gegensätzen und Konflikten des Landes verknüpft.

Ein Projekt, das Claudia Andujar mit Yanomami gemacht hat. Zu sehen sind Zeichnungen von den Yanomami sowie Gedichte, die etwas über das Leben und die Entstehung des Menschen hinweisen. Bis dahin kannten die Yanomami weder Stift noch Papier. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Projekt, das Claudia Andujar mit Yanomami gemacht hat. Zu sehen sind Zeichnungen von den Yanomami sowie Gedichte, die etwas über das Leben und die Entstehung des Menschen hinweisen. Bis dahin kannten die Yanomami weder Stift noch Papier. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Bildberichterstatterin war Claudia Andujar 1971 im Auftrag der Zeitschrift „Realidade“ ins Gebiet der Yanomami geschickt worden, zu indogenen Urbewohnern. Die Menschen und ihre „primitive“ Lebensart faszinierten Andujar so sehr, dass sie nicht mehr nach Sao Paulo zurückging, sondern sieben Jahre bei und mit den Yanomami lebte. Dort lernte sie deren Kultur und Lebensweise kennen und begann, sich um deren Nöte zu kümmern, die vor allem – mit zunehmenden Rodungen und wirtschaftlichen Regenwaldnutzungen – zivilisatorische Ursachen hatten. Ihre gastgebene Gruppe und sie wurden 1977 aus der Amazonasregion vertrieben. Doch ging ihr Kampf für die Rechte und Gesundheit der Yanomami weiter: Gemeinsam mit dem Missionar Carlo Zacquini, dem Anthropologen Bruce Albert und weitern Aktivisten gründet Claudia Andujar die Organisation „Comissão pela Criação do Parque Yanomami“ (heute: „Comissão Pró-Yanomami“)“. Anfang der 1980er-Jahre startete die Kommission eine Impfkampagne, für die Andujar Porträtaufnahmen der Yanomami in verschiedenen Dörfern im Amazonasgebiet machte. Da die Yanomami traditionell keine Namen verwenden – sie sprechen sich mittels Familienrelationen an –, wurden ihnen zur Identifizierung für den Impfausweis Nummern um den Hals gehängt.

Claudia Andujar, from the series Marcados, 1981–1983. Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil. Foto: Diether v. Goddenthow, © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, from the series Marcados, 1981–1983. Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil. Foto: Diether v. Goddenthow, © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Den Titel „Marcados“ erhielten die Fotografien erst über 20 Jahre später, als sie 2006 erstmals auf der Biennale von São Paulo gezeigt wurden. Die Bilder rufen auch eine starke Assoziation zu KZ-Häftlingen hervor, was wiederum damit zu tun hat, dass Andujar auch tatsächlich ihre Familie in Konzentrationslagern verloren hat, und selbst in einem gewesen ist. Hier kehrt sie die Symbolik um: Ihre Nummern signalisieren: Wir retten Leben und nicht: Das sind zum Tode Verurteilte.

1991 schaffte die es Kommission, dass das Land der Yanomami  offiziell als deren Eigentum von der brasilianischen Regierung anerkannt wurde.

Im Rahmen ihres aktivistischen Engagements entstand in den frühen 1980er-Jahren ihre bis heute wichtigste Serie „Marcados“ (dt. Markiert). „Andujars Bildserien sind das Ergebnis ihrer Reisen zwischen der südlichen Metropole São Paulo und dem nördlich gelegenen Amazonasgebiet. Sie schaffen ein Panorama Brasiliens zwischen Stadt und Natur. Künstlerische Praxis und aktivistisches Engagement sind in den Aufnahmen untrennbar miteinander verknüpft“, so Peter Gorschlüter, stellvertretender Direktor des MMK Museum für Moderne Kunst, über die Ausstellung.

Claudia Andujar, Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow

Andujars Werk findet seither große Beachtung im südamerikanischen Kontext. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des andauernden Einfalls von Goldminenarbeitern in das Gebiet der Yanomami, der anhaltenden Proteste in Brasilien und der kürzlich verkündeten Klima-Ziele des Landes zeichnet sich Andujars Werk bis heute durch eine hohe Aktualität und Brisanz aus.

Im Titel der Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ spiegelt sich angesichts wiederkehrender politischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen in Brasilien die Botschaft der Künstlerin an die Gegenwart wider.

In verschiedenen Werkreihen zeichnet die Fotografin ein kontrastreiches Bild Brasiliens. „Immer wieder treten in Andujars fotografischen Serien die verschiedenen Lebensräume in Dialog miteinander. Aus einem Hubschrauber aufgenommen zeigt „Metrópole“ das modernistische Straßennetz São Paulos, „Urihi-a“ einen von Natur gesäumten Shapono, der Rundbau, in dem die Yanomami leben, und „Cemitério da Consolação“ den Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Friedhof in São Paulo, dessen Wegenetz rund um das zentrale Mausoleum angelegt ist. Das Straßennetz, die Natur und die Friedhofswege erscheinen endlos“, erläutert Carolin Köchling, Kuratorin der Ausstellung.

In ihren Bildern schreiben sich nicht nur die abgebildete Person oder der abgebildete Gegenstand ein, sondern immer auch Andujars Position als deren Gegenüber. Für die Aufnahmen der Serie „Rua Direita“ (1970) setzte sich Andujar auf die gleichnamige belebte Straße in São Paulo und fotografierte die Passanten aus einer starken Untersicht. Was im Bild nahezu inszeniert wirkt, ist die spontane Reaktion auf die unerwartete Begegnung mit der Person der Fotografin, die in den erschrockenen, distanzierten, neugierigen oder verwunderten Gesichtern sichtbar ist. In der Serie „Através do Fusca“ hingegen verkörpern die Fenster eines VW Käfers, aus dem die Künstlerin 1976 eine Reise von São Paulo ins Amazonasgebiet fotografierte, die für ihr Schaffen charakteristische Einschreibung ihrer eigenen Position in die Bilder.

Claudia Andujar Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow
Claudia Andujar
Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow

Eine Auswahl von Andujars Arbeiten sind in der Ausstellung im MMK auf Cavaletes präsentiert – in Betonsockeln fixierte Glasdisplays, die von der brasilianisch-italienischen Architektin Lina Bo Bardi 1968 für das von ihr gebaute MASP (Museu de Arte de São Paulo) entworfen wurden. Die Präsentationsform unterstreicht den dialogischen Charakter von Andujars Fotografien, die dem Betrachter im Raum auf Augenhöhe begegnen.

Neben Andujars fotografischen Arbeiten werden in der Ausstellung Originalzeichnungen der Yanomami präsentiert, die im Rahmen eines von Andujar initiierten Projektes 1976 entstanden und in der Publikation „Mitopoemas Yãnomam“ (Mythische Gedichte der Yanomami) veröffentlicht wurden. Diese stellt Erzählungen und Zeichnungen der Yanomami in einen Dialog mit Andujars Fotografien.

Die herausragende Bedeutung von Fotografie im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt
Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Seit der Eröffnung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im Jahr 1991 nimmt die Fotografie im Ausstellungsprogramm und in der Sammlung eine herausragende Stellung ein. Heute sind mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler mit über 2500 fotografischen Werken in der Sammlung vertreten. Von Beginn an wurden künstlerische Fotografie einerseits und Dokumentarfotografie anderseits im MMK nicht voneinander abgegrenzt, sondern vielmehr ihre inhaltlichen wie formalen Verwandtschaften gesucht, die in der Kraft des fotografischen Bildes zum Ausdruck kommen. Vor allem Werke, die im bildjournalistischen Zusammenhang oder als Reportagefotografie entstanden, bildeten früh eine Möglichkeit, soziale und gesellschaftliche Realitäten jenseits nationaler Grenzen und Zuordnungen im Kontext der Gegenwartskunst zu reflektieren. Der künstlerisch-subjektive Blick auf das Globale, den die Fotografie befördert hat, durchdringt heute zahlreiche Bereiche des Museums und prägt im Wesentlichen seine internationale Ausrichtung. Dabei stehen vor allem diejenigen Ansätze im Fokus, bei denen sich innerhalb einer globalen Perspektive künstlerische Verbindungslinien zwischen Geschichte und Gegenwart, europäischer und außereuropäischer Verortung ziehen lassen. Claudia Andujars Leben und Werk stehen exemplarisch für diese Entwicklung und inhaltliche Positionierung.

Kuratorin: Carolin Köchling, in Zusammenarbeit mit Peter Gorschlüter
Projektentwicklung: Dr. Paula Macedo Weiß

Ermöglicht durch
Kooperationspool der Stadt Frankfurt und Deutsche Börse Photography Foundation gGmbH

Mit Unterstützung von
Brasilianisches Außenministerium, Itamaraty; Generalkonsulat von Brasilien; Goethe-Institut, São Paulo; Schweizerisches Generalkonsulat in Frankfurt am Main

Eröffnung: Freitag, 17. Februar 2017, 19 Uhr im MMK 1
mit einem Kurzvortrag von Dr. Katharina von Ruckteschell-Katte, Leiterin Goethe-Institut São Paulo und Region Südamerika.

Das auf der Einladungskarte angekündigte Künstlergespräch am 18.2.2017 entfällt.

Katalog zur Ausstellung:
katalog.andujarClaudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein, Bielefeld: Kerber Verlag; im Museum für 25,- Euro erhältlich, im Buchhandel für 28,- Euro.

 

 

 

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„Ed Atkins. Corpsing“ vom 3. Februar bis 14. Mai 2017 im MMK 1 Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

In  seiner  Ausstellung  Corpsing, einer Auftragsarbeit der BHF-Bank-Stiftung für die „Frankfurter Positionen – Festival für neue Werke 2017″ geht Ed Atkins (*1982 in Oxford, GB) in seiner umfangreichen Präsentation im MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main der zentralen Frage nach, welchen  Einfluss  Technisierung, Automatisierung und Digitalisierung auf unsere individuelle Lebenswirklichkeit ausüben.

„Die Ausstellung von Ed Atkins integriert sich hervorragend in unser diesjähriges Programm der Frankfurter Positionen, das dem Thema ‚Ich Reloaded – Das Subjekt im digitalen Zeitalter’ gewidmet ist. Hier steht veranstaltungsübergreifend die Frage im Mittelpunkt, inwiefern sich die Definition und Konstruktion des Selbstbildes im digitalen Zeitalter verändert.“, sagt Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF-BANK-Stiftung.
Ausstellungsansicht "Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Video "Hisse", Metamorphose der Krise eines Mannes, dessen beinahe perfekte, hyperreal anmutende Animation am Unvermögen bricht, menschliche Emotionen zu zeigen. Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht „Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Video „Hisse“, Metamorphose der Krise eines Mannes, dessen beinahe perfekte, hyperreal anmutende Animation am Unvermögen bricht, menschliche Emotionen zu zeigen. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Ausstellungstitel „Corpsing“ thematisiert den Widerspruch, den eine computergenerierte Simulation in sich trägt. Sie vermittelt die Illusion einer eigenständigen materiellen Welt und bleibt doch nur eine Konstruktion, die durch Momente der technischen Störung als Trugbild und bloße Abbildung des Realen decodiert werden kann. Der Begriff „Corpsing“ geht zurück auf eine Redewendung aus dem Bereich des Theaters und auf ein Phänomen, mit dem sich Atkins seit langer Zeit beschäftigt. Eine von einem Schauspieler gespielte Rolle erreicht nie den Status einer authentischen Figur, sie kann diese immer nur „verkörpern“. „Corpsing“ beschreibt jenen Augenblick, in dem die Differenz zwischen dem Schauspieler und seiner Rolle zutage tritt, wenn dieser beispielweise seinen Text vergisst oder in plötzliches Gelächter ausbricht

Atkins gilt als Pionier und radikalster Vertreter einer jungen Künstlergeneration, die die fundamentalen Veränderungen der Bild- und Selbstwahrnehmung des Menschen durch die rasante Entwicklung der digitalen Medien kritisch reflektiert. In seinen filmischen, digital generierten Werken erschafft er eine künstliche und zugleich hyperreale Bildwelt, die in ihrer Ambivalenz von perfekter Simulation und scheinbar technischer Unzulänglichkeit zutiefst verstörend wirkt.
„Das Werk von Ed Atkins trifft auf technisch brillante und zugleich perfide Weise den wesentlichen und zugleich wunden Punkt unserer postdigitalen Gegenwart. Wie kein anderer Künstler seiner Generation erfasst er die Problematik unseres durch die digitalen Medien veränderten Selbstbewusstseins, das durch die Illusion von Grenzenlosigkeit einerseits und den Verlust von Authentizität andererseits geprägt ist. In ihrer visuellen und akustischen Intensität ziehen seine digital erzeugten High-Definition Bildwelten den Betrachter in ihren Bann und konfrontieren ihn mit existenziellen Zuständen wie Einsamkeit, Entfremdung und Vergänglichkeit.“, erläutert MMK Direktorin Prof. Dr. Susanne Gaensheimer.
Das MMK präsentiert in der Ausstellung zwei filmische Installationen, die sich über mehrere Räume erstrecken. Für diese kreiert Atkins einen virtuellen Protagonisten – eine Art Alter Ego des Künstlers –, dessen Profil er kontinuierlich weiterentwickelt und der in künstlichen Welten tiefgreifende Krisen durchlebt. Jede Stimme, die zu hören ist, sowie sämtliche Texte stammen von Atkins selbst. Ebenso hat er alle seine Bildwelten mit den zur Verfügung stehenden digitalen Mitteln selbst generiert.
Ausstellungsansicht "Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Filmische LED-Präsentation "Safe Conduct", bei der  der Protagonist sich total selbst entblößt bis zur Auflösung seiner Identität, gezeigt an seinen nach und nach ebenfalls abgelegten sekundären Körperteilen und Innereien. Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht „Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Filmische LED-Präsentation „Safe Conduct“, bei der der Protagonist sich total selbst entblößt bis zur Auflösung seiner Identität, gezeigt an seinen nach und nach ebenfalls abgelegten sekundären Körperteilen und Innereien. Foto: Diether v. Goddenthow
 Die Ausstellung im MMK 1 präsentiert zwei neuere Werke des Künstlers – die filmischen Installationen „Hisser“ von 2015/17 und „Safe Conduct“ von 2016 – in einem einmaligen räumlichen Umfang.
„Hisser“ erstreckt sich über die sechs Räume der gesamten ersten Ebene des Museums mit rund 800 qm. Für die Ausstellung im MMK 1 wurde sie ortsspezifisch zu einer Fünfkanalinstallation weiterentwickelt und ist hier in ihrem bisher größten Umfang zu sehen. Die Installation nimmt direkt Bezug auf die räumliche Struktur der ersten Ebene und nutzt die Architektur als integralen Bestandteil der Arbeit, über die der virtuelle in den realen Raum übertragen wird.

 

„Hisser“

Ed Atkins filmische Krisensimulation von "Hisse".  Der unter dem Bett aufbrechende Abgrund ist Sinnbild der abgrundtiefen Krise des erwachenden Mannes.  Foto: Diether v. Goddenthow
Ed Atkins filmische Krisensimulation von „Hisse“. Der unter dem Bett aufbrechende Abgrund ist Sinnbild der abgrundtiefen Krise des erwachenden Mannes. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Geschichte, die in „Hisser“ erzählt wird, ist inspiriert von einer wahren Begebenheit. In einer sich plötzlich öffnenden Senkgrube wurde 2013 ein junger Mann in Florida in den USA, in seinem Schlafzimmer „vom Erdboden verschluckt“. Der Hauptschauplatz im Film ist ein Schlafzimmer bei Nacht. Der Bildausschnitt ist so gewählt, als würde der Betrachter in ein lebensgroßes, verwaistes Puppenhaus blicken. Andere Sequenzen zeigen einen jungen Mann in Nahsicht auf dem Bett liegend, mit gequältem Blick oder in sich versunken in einer Ecke sitzend. Begleitet wird die Szene von einem übersteigert romantischen Song, dessen Refrain „It took me so long to get my feet back off the ground“ von dem Verlust einer geliebten Person und bodenloser Einsamkeit handelt. Die Emotionalität des Songs steht in starkem Kontrast zur Künstlichkeit der generierten Szene. Die Grenze zwischen Reproduktion und Realität ist fließend und die fast bis zur Perfektion getriebene Virtualität durch den offensichtlich körperlich und seelisch versehrten Protagonisten brüchig. Atkins führt vor, wie die Welt seines Protagonisten in sich kollabiert und in der absoluten Leere des digitalen und entmaterialisierten Raums verschwindet. Dabei dekonstruiert der Künstler die digitale Illusion, indem er seine filmischen Mittel durch simulierte Bildstörungen und Frequenzfehler offenlegt. Der Film wird auf fünf freistehenden Projektionswänden in unterschiedlichen Räumen gezeigt, wodurch sich der Sog der über alle Räume erstreckenden Bilder verstärkt und ein quälender Eindruck von Unendlichkeit entsteht.

„Safe Conduct“,

Ed Atkins Filmische LED-Präsentation "Safe Conduct", hier: erniedrigt bis zum totalen Verbiegen der Persönlichkeit am Check-Point. Foto: Diether v. Goddenthow
Ed Atkins Filmische LED-Präsentation „Safe Conduct“, hier: erniedrigt bis zum totalen Verbiegen der Persönlichkeit am Check-Point. Foto: Diether v. Goddenthow

In der Arbeit „Safe Conduct“, die auf drei großformatigen LCD-Monitoren bei Tageslicht gezeigt wird, erkennt man denselben Protagonisten, der sich in diesem Film am Fließband einer Sicherheitskontrolle befindet. Der digital generierte Raum ist ansonsten leer. Schritt für Schritt entledigt sich der junge Mann seiner Reiseutensilien und Bekleidung, bis er schließlich dazu übergeht auch seine Körperteile in die Aufbewahrungsbox zu legen. Er zieht die oberste Hautschicht seines Gesichts ab, es folgen Blut und Eingeweide, die zusammen mit Handfeuerwaffen oder exotischen Früchten in den Behälter rieseln. Wie in „Hisser“ ist das Gesicht des Protagonisten wund und impliziert körperliche und seelische Verletztheit, wodurch die Illusion von Menschsein entsteht. Die in endlosen Schleifen stattfindende stetige Steigerung des Geschehens und seiner Absurdität wird begleitet von Maurice Ravels Boléro, der ebenfalls scheinbar als Endlosschleife komponiert ist und als eines der ersten Stücke der musikalischen Moderne für technischen Fortschritt und Modernität steht. In einer zirkulären Bewegung steigern sich Handlung und Lautstärke des Stücks, so dass eine Eskalation zu drohen scheint, die sich jedoch in der unendlichen Wiederholung der Szene wieder auflöst. Es geschieht nichts. „Safe Conduct“ ist eine deutliche Kritik an den technisierten und entmenschlichten Prozessen der gegenwärtigen Gesellschaft, in denen der moderne Mensch in seiner alltäglichen Routine bis zur Selbstauflösung gefangen ist. Kontrolle und Kontrollverlust, Sicherheit und ihre Unerreichbarkeit – Atkins unterlegt seine skeptische Weltsicht mit einer unterschwelligen Ironie, die vor allem im Titel anklingt: „Safe Conduct“ ist die offizielle Bezeichnung für ein Reisedokument, das den sicheren Transfer durch „feindliches Gebiet“ gewährt, indem eingeübte Kontrollmechanismen umgangen werden. Atkins hat in den letzten Jahren einen einzigartigen Werkkomplex aus textbasierten und installativen Videoarbeiten geschaffen und machte mit Ausstellungen u.a. in der Kunsthalle Zürich (2014), im MoMA PS1 (2013), bei Art Now Tate Britain (2011) sowie auf der Biennale in Istanbul (2015) international auf sich aufmerksam.      Im Wintersemester 2016/2017 ist Ed Atkins im Rahmen der Frankfurter Positionen 2017 Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule.

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Ort:
MMK 1.
Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main

Veranstaltungsprogramm
4.Februar 2017, 19 – 24 Uhr, Eintritt frei, im MMK 1
„Lange Nacht der Sozialforschung“ im Rahmen der Frankfurter Positionen
Die Frankfurter Positionen 2017 widmen sich der Frage, inwiefern sich die Definition und Konstruktion des Selbstbildes im digitalen Zeitalter verändert und welche Rolle dabei der zunehmend unreflektierte Umgang mit, beziehungsweise die Preisgabe persönlicher Daten im Internet spielt. In der „Langen Nacht der Sozialforschung“ werden diese und andere Phänomene genauer diskutiert. Die Ausstellung von Ed Atkins ist geöffnet. Das Programm umfasst darüber hinaus Vorträge von Soziologen, Kulturwissenschaftlern und Medienwissenschaftlern sowie das Konzert „For Philip Guston“ von Morton Feldman mit Solisten des Ensemble Modern.4. Mai 2017, im MMK 1
Performance von Ed Atkins in Zusammenarbeit mit Studierenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule. Weitere Informationen folgen.Social Media: Die Hashtags zur Ausstellung: #EdAtkins #Corpsing
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„Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt

Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016 Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.
Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016
Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.

Die Ausstellung „Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ist eine Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank. Sie findet im Rahmen der EUROPA-KULTURTAGE der EZB-Deutschland 2016 statt.

Florian Hecker (*1975) hat in den vergangenen Jahren ein einzigartiges Werk geschaffen, das international bereits mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Performances und Konzerten gewürdigt wurde. „Auf konsequente Weise verbindet er in seiner Arbeit die Bereiche der bildenden Kunst, Musik und Performance, um etablierte Grenzen aufzuheben und neue Ausdrucksformen und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit dieser Arbeitsweise passt Florian Hecker sehr gut in das Programm des MMK, in dem wir einen transmedialen Ansatz verfolgen“, sagt Prof. Dr. Susanne Gaensheimer.

Die Ausstellung im MMK 3 zeigt 15 bestehende und zwei neue Arbeiten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2016. Im Hauptraum des MMK 3 hat der Künstler 16 Werke raumspezifisch arrangiert, die über die Dauer eines gesamten Ausstellungstages, in minutiös gesetzten Choreografien, inszeniert sind. Parallel dazu wird die Arbeit „Modulator“ (2012) in einem eingebauten Raum im Erdgeschoss gezeigt.
Florian Hecker arbeitet mit synthetischem Klang, der durch Prozesse digitaler wie elektroakustischer Signalverarbeitung generiert wird. Kompositionsentwicklungen der Nachkriegsmoderne und Wissen aus Audiologie und Psychoakustik dienen ihm als Ausgangspunkte für sein abstraktes wie materielles Werk. Das modulare Lautsprechersystem ist eine skulpturale Intervention im Ausstellungsraum und zugleich eine funktionale Wiedergabeapparatur. Die Lautsprecher sind als materielle Bestandteile präsent und werden vom Künstler in der Architektur des Ausstellungsraums bewusst positioniert.

Hecker arrangiert komplexe Stücke als mehrkanalige Installationen, die den Besuchern im MMK 3 begegnen und ihnen ganz subjektive Erfahrungen ermöglichen. Sie sind in stringenter Nüchternheit angelegte und mehrdimensional inszenierte Kompositionen. Die Besucher erfahren dabei am eigenen Körper, wie die individuelle Wahrnehmung vom Zusammenspiel der akustischen Resonanz, dem Klangobjekt und dem eigenen Empfinden abhängt. Durch das aktive Hören werden psychische und physische Vorgänge ausgelöst.

Für die Ausstellung im MMK 3 konzentriert sich Hecker auf eine Auswahl von Werken, für die die Konzepte der Synthese, Analyse und Resynthese zentral sind. Klang wird dabei auf der Grundlage seiner qualitativen und quantitativen Eigenschaften analysiert, formalisiert und anschließend reproduziert. So entstehen Reproduktionen kompletter Arbeiten oder synthetische Replika vereinzelter Sound-Charaktere, aus denen der Künstler seine Stücke kreiert. In „Synthetic Hinge“, eine eigens für die Ausstellung im MMK 3 produzierte Arbeit, sind neben dem computergenerierten Ton auch die Sprecherstimmen in Avatare gewandelt worden. Eine weitere neue Arbeit „Modulator (Scattering Transform)“ (2016) folgt dieser Verfahrensweise durch eine 14-stufige Resynthese der bestehenden Arbeit „Modulator“ (2012) und bietet eine entsprechende Vervielfachung des Verständnisses von Klangfarbe.

„Neben dieser Verarbeitung von Sound zur veränderten Wahrnehmung ist auch die psycho-physische Dimension, die Art und Weise, wie Sound sinnlich rezipiert und neurologisch verarbeitet wird, ein Kernthema in Heckers Schaffen. Die Wahrnehmung von akustischen Werken ist subjektiv und abhängig von dem physischen Standort des Rezipienten, der akustischen sowie visuellen Perspektive, von persönlichen Neigungen, der Aufmerksamkeit und den Bezugspunkten, die in ihm individuelle Assoziationen auslösen“, so Anna Goetz, Kuratorin der Ausstellung.
Viele von Heckers neueren Arbeiten sind in dreifachen Symmetrien angelegt, so beispielsweise „2×3 Channel“ (2009), „Affordance“ (2013) oder „Hecker Leckey Sound Voice Chimera“ (2011). Bewusst wird der Rezipient dabei von Hecker mit drei inhaltlich differenzierten, wie räumlich versetzten Soundquellen konfrontiert und so dazu animiert, sich durch den Raum zu bewegen und bereits Gehörtes zu erinnern, denn nur in dieser Parallelität ist das Stück als Ganzes zu erfassen.

In seinen Installationen, Performances und Tonträger-Veröffentlichungen widmet sich Florian Hecker den Grenzen und Möglichkeiten der Produktion und Aufnahme von Klang. Er fordert die Erwartungshaltung und die Wahrnehmungsgewohnheit im Kontext zeitgenössischer Kunstrezeption heraus, indem er durch artifizielle Klangobjekte, Fragen zu Performance, Konzeptkunst und Skulptur dramatisiert, abstrahiert und reformuliert.

Aufgrund seiner bedeutenden Rolle in der Technokultur und der elektronischen Musik bildet Frankfurt den idealen Ort für die Arbeit von Florian Hecker. Bereits 2010 entwickelte er für die Ausstellung „Radical Conceptual“ im MMK 1 die Arbeit „Event, Stream, Object“, die im Anschluss für die Sammlung erworben wurde.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung kooperiert das MMK mit der Alten Oper Frankfurt: Gemeinsam wurde die neue Arbeit FAVN (2016) produziert, die im Vorfeld der Ausstellung im Großen Saal der Alten Oper aufgeführt wurde. Zusätzlich wird am 25. Januar 2017 in der Ausstellung im MMK 3 ein Abend mit Konzerten von François J. Bonnet und Alberto de Campo stattfinden. Im Anschluß spricht Robin Mackay zu der Arbeit von Florian Hecker.

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit Culturgest, Porto.
Das Programm im MMK 3 wird ermöglicht durch die Jürgen Ponto-Stiftung.

Die Produktion der Displaysysteme wurde unterstützt von der Firma ARNOLD AG und die akustische Raumausstattung von „Modulator“ (2012) wird ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Firma Kvadrat, Soft Cells.

Publikation:
Anlässlich der Ausstellung entsteht in Kooperation mit Culturgest, Porto eine umfangreiche Publikation, die Textbeiträgen von Éric Alliez, Ina Blom, François J. Bonnet, Gabriel Catren, Diedrich Diederichsen, Christopher Haworth, Robin Mackay, Sarat Maharaj, Reza Negarestani, Michael Newman und Fernando Zalamea zum Werk von Florian Hecker versammelt. (Koenig Books, London, 25 €).