Kategorie-Archiv: MMK Museum für Moderne Kunst

Das süße Gold vom Dach des MMK 1 Die Museumsbienen fliegen wieder – Bienen auch auf Dach der Staatskanzlei – Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“

12 Bienenvölker der Künstlergruppe finger auf dem Dach des MMK beginnen jedes Jahr erneut ihre Sammelflüge in der Frankfurter Innenstadt. Der Produktionsstandort der Stadtimkerei auf dem Dach des MMK umfasst etwa 650.000 Bienen und wird von den Künstlern Florian Haas und Andreas Wolf liebevoll gehegt und gepflegt. Foto: Axel Schneider
12 Bienenvölker der Künstlergruppe finger auf dem Dach des MMK beginnen jedes Jahr erneut ihre Sammelflüge in der Frankfurter Innenstadt. Der Produktionsstandort der Stadtimkerei auf dem Dach des MMK umfasst etwa 650.000 Bienen und wird von den Künstlern Florian Haas und Andreas Wolf liebevoll gehegt und gepflegt. Foto: Axel Schneider

Die ersten Sonnenstrahlen haben bereits den Frühling angekündigt, und mit den Frühlingsgefühlen erwachen auch die Bienen des MMK aus ihrem Winterschlaf. Schon bald werden sie wieder durch die Straßen Frankfurts fliegen, um emsig alle Zutaten für den urbanen Honig zu sammeln.
Das MMK freut sich, dass Andreas Wolf und Florian Haas, auch bekannt als das Künstlerduo finger, seit zehn Jahren die Bienen auf dem Dach des MMK 1 pflegen.

Wer die zwölf Bienenstöcke und ihre rund 600.000 Bewohner auf dem Dach des MMK 1 besuchen möchte, hat die Gelegenheit dazu ab dem 1. April 2017 bei einer der vielen verschiedenen Veranstaltungen, die das Museum für alle Altersgruppen anbietet.
Kinder von sechs bis zehn Jahren können nach einem Honigfrühstück die Insekten unter Aufsicht beobachten und erfahren alles rund um den Aufbau der Bienenstöcke und deren Bewohner. Unter professioneller Anleitung entnehmen sie den Wabenkästen Wachs, welches sie im Anschluss zu Wachsmalern verarbeiten.
Erwachsene sind ebenfalls herzlich eingeladen, das Zuhause der Bienen und darüber hinaus einen von finger gestalteten Lehrpfad zur Stadtimkerei zu besichtigen. Während der Führungen werden neben der konkreten Imker-Praxis Überschneidungen von tierwirtschaftlichen, gesellschaftsgestaltenden und künstlerischen Vorgehensweisen hervorgehoben.

Am 19. August findet das Honigfrühstück statt und der Honig der Saison 2017 darf probiert werden.
Anlässlich der zehn gemeinsamen Jahre, auf die das Künstlerduo und das MMK dann zurückblicken können, wird es an diesem Tag noch weitere besondere Programmpunkte geben. Mehr unter http://mmk-frankfurt.de/de/erleben/bienenprojekt/

Termine:
Führungen für Erwachsene mit den Bienenvätern, 6 € Eintritt
Mittwoch, 26. April, 19 Uhr
Mittwoch, 10. Mai, 19 Uhr
Mittwoch, 7. Juni, 18 Uhr

Bienenworkshops für Kinder (6-10 Jahre), 9 € Eintritt
(mit Anmeldung bis spätestens zwei Tage im Voraus)
Samstag, 1. April, 10-13 Uhr
Samstag, 6. Mai, 10-13 Uhr
Sonntag, 25. Juni, 10-13 Uhr

Ort:
MMK Museum für Moderne Kunst
Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main
Telefon +49 69 21230447
Fax +49 69 212 37882
E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de

Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“

Die Wichtigkeit von Bienenvölkern wird zunehmend auch von der Politik erkannt. So startet Staatsminister Axel Wintermeyer und Umweltministerin Priska Hinz starten landesweite Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ und präsentieren Bienenstöcke auf dem Dach der Staatskanzlei „Bedingungen für Bienen verbessern“

Wiesbaden. Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, hat heute gemeinsam mit der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ gestartet. „Für Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, die für die Bestäubung von Pflanzen notwendig sind, werden die Lebensbedingungen zunehmend schwieriger. 80 Prozent unserer Pflanzen sind auf sie angewiesen, um ihre Früchte zu bilden. Deshalb wollen wir gemeinsam die Bedingungen für diese Tiere verbessern und haben die Kampagne ‚Bienenfreundliches Hessen‘ ins Leben gerufen“, sagten der Staatskanzleichef und die Umweltministerin bei der Auftaktveranstaltung in der Hessischen Staatskanzlei. Gemeinsam präsentieren sie auf dem Dach der Staatskanzlei zwei Bienenvölker, zwei weitere werden im Laufe des Frühjahrs hinzukommen. „Im Sommer werden so bis zu 100.000 weitere Bienen im Herzen der Landeshauptstadt leben. Damit setzen wir ein sichtbares Zeichen für Bienenfreundlichkeit und den Erhalt der Biodiversität“, sagte der Staatskanzleichef.

„Im Frühsommer, wenn der Raps verblüht ist, wird es für Bienen oft schwierig, überhaupt noch Futter zu finden. Darum liegt ein Schwerpunkt Kampagne darin, Hessen stärker zum Blühen zu bringen und auf dem Land das Nahrungsangebot für Bienen zu vergrößern. Das gilt natürlich auch für Gärten in der Stadt“, so Ministerin Hinz. Aufklärungsarbeit über bienenfreundliche Landwirtschaft und Gartenbau, eine landesweite Aktionswoche vom 14. bis 20. August zum Thema „Bienen“ und Modellprojekte, wie insektenfreundlichen Alternativen zum Mais beim Energiepflanzenanbau, sind Teil der Kampagne. An dieser beteiligen sich der Landesverband Hessischer Imker, der Hessische Bauernverband (HBV), die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL), der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen, das landeseigene Bieneninstitut, der deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und das Netzwerk Blühende Landschaften.

Die Bienen auf der Staatskanzlei finden unter anderem im Nerotal bei blühenden Rosskastanien und im Kurpark Nahrung. „Der Bestand an Bienenvölkern in Hessen nimmt zwar seit 2009 insgesamt wieder zu – aber nur langsam und vor allem in Ballungszentren. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir für Honig-, Wildbienen und andere Bestäuber aktiv werden“, so Umweltministerin Hinz.

„Dass mittlerweile 56.000 Honigbienenvölker in Hessen leben, verdanken wir den Imkerinnen und Imkern, die engagierte Arbeit leisten“, sagte Staatsminister Wintermeyer. Die erfreuliche Zahl bei den Honigbienen – 2010 waren es nur 48.000 Bienenvölker – dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viel für Honigbienen, aber vor allem auch für andere Bestäuber wie Wildbienen, Hummeln oder Schwebfliegen getan werden müsse.

Das Land Hessen setzt sich bereits mit verschiedenen Programmen für Bienen und andere Bestäuber ein: Von grundlegender Bedeutung für die Bienen in Hessen ist eine nachhaltige Landwirtschaft. Für diese hat das Land mit dem Hessischen Agrarumwelt- und Landschaftspflegeprogramm (HALM) die Grundlage gelegt. Dazu zählen beispielsweise die Förderung von Blüh- und Ackerrandstreifen und eine verstärkte Förderung des ökologischen Landbaus im Rahmen des Ökoaktionsplans. Auch die Ausbildung und Forschung wird gefördert: 210.000 Euro, davon 50 Prozent Landesmittel, fließen zum einen in die Aus- und Fortbildung der Imkerinnen und Imker, zum anderen in Forschungsprojekte der beiden hessischen Bieneninstitute in Kirchhain und Oberursel. Damit werden auch Maßnahmen gegen Varroa-Milben erforscht, die für Bienen lebensbedrohlich sind.

Die Kommunen spielen bei der bienenfreundlichen Gestaltung der Umwelt eine tragende Rolle. Daher hat Umweltministerin Hinz in einem Schreiben an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auf die Bedeutung einer entsprechenden Bepflanzung von öffentlichen Grünflächen hingewiesen und zum Mitmachen motiviert. „Auch Kinder und Jugendliche wollen wir für das Thema sensibilisieren. Das tun wir unter anderem mit unserm Projekt ‚Bauernhof als Klassenzimmer‘ und mit der Förderung einer Kinder- und Jugendimkerei“, so die Ministerin.

„Alle können etwas dazu beitragen, dass Hessen bienenfreundlicher wird – auf dem eigenen Balkon, in der Kommune, auf den Feldern“, betonte die Umweltministerin. Tipps und Ansprechpartner liefert die neue Homepage www.bienen.hessen.de.

Verbände, die ein bienenfreundliches Hessen unterstützen:

Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes: „Ich befürworte die Initiative der Hessischen Landesregierung und bedanke mich für das Engagement. Intensiv wird sich der Hessische Bauernverband in diese Kampagne einbringen und zusammen und in Absprache mit dem Hessischen Imkerverband in jedem Landkreis Blühstreifen anlegen. Unser Ziel ist es, im Anschluss an die Rapsblüte eine Futtergrundlage für die Bienen zu schaffen.“

Manfred Ritz, Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Imker: „Der Landesverband Hessischer Imker e.V. mit den angeschlossenen Imkervereinen und 10.000 Mitgliedern freut sich darüber, dass das Thema Bienenfreundlichkeit durch die gemeinsame Kampagne an Öffentlichkeit gewinnt. Viele Imkervereine und auch Kreisimkervereine haben schon in den vergangenen Jahren auf Flächen zusammen mit Landwirten ‚Blühende Landschaften‘ angelegt. Dieser ehrenamtliche Einsatz und die gute Zusammenarbeit vor Ort mit den Partnern ist entscheidend für einen Erfolg im Sinne der Bienen.“

Dr. Ralph Büchler, LLH Bieneninstitut: „Die Lebensbedingungen für Bienen haben sich in den letzten Jahren vielerorts verschlechtert. Während viele Wildbienenarten dadurch ernsthaft bedroht sind, können Imkerinnen und Imker ihre Bienenvölker durch gute Pflegemaßnahmen schützen. Dies setzt allerdings eine fundierte Schulung und Beratung voraus.“

Anneke Jostes, Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL): „Die VÖL begrüßt die Hessische Bienenkampagne. Es ist wichtig, möglichst viele Menschen für den Schutz der Artenvielfalt zu gewinnen. Öko-Landbau bedeutet Bestäuberschutz im System, beispielsweise durch Verzicht auf Pestizide, weite Fruchtfolgen und den Anbau von blühenden Leguminosen wie Rotklee. Durch den Kauf von regionalen Bioprodukten und Biohonig kann jeder einen konkreten Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ökosysteme leisten. Die Anbauverbände vereinen sowohl Landwirte als auch Imker hinter sich, dadurch wird ein fruchtbarer Austausch zwischen beiden Berufsgruppen möglich. Die VÖL wird im Rahmen der Kampagne Veranstaltungen durchführen, um die partnerschaftliche Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen Bio-Imkern und Bio-Bauern gezielt zu fördern.“

Thomas Södler, Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen: „Damit auch in kleinen Gärten, auf Balkonen, der Terrasse und sogar auf Friedhöfen in der Stadt Bienenparadiese entstehen können, helfen die Mitglieder des Gartenbauverbandes GVBWH den Bienenfreunden mit einer fundierten Beratung. Mit einer ausgewogenen Pflanzenkombination für eine lückenlose Blütentracht können Bienenfreunde während der Vegetationszeit somit auch ohne eigene Vorkenntnisse und auf kleinem Raum eine Menge tun, um den Erhalt vieler Bienenarten zu sichern. Bei der Auswahl ist es wichtig, neben naturnahen und ungefüllten Arten und Sorten auch auf die Kombination von Pflanzungen zu achten. Der Gartenbauverband empfiehlt seinen Mitgliedsbetrieben zudem auf den Einsatz von Insektiziden, die im Verdacht stehen Bienen zu gefährden, bei der Produktion von Zierpflanzen zu verzichten und den Verkauf von bienengefährlichen B1-Wirstoffen an Verbraucher einzustellen.“

Andreas Kramer, Netzwerk blühende Landschaften: „Würde jeder Bürger einen Quadratmeter seines Gartens, jede Kommune einen Teil ihrer Grünflächen und jeder Landwirt einen Acker insektenfreundlich umgestalten, so wäre bereits ein großer Schritt für die Zukunft unserer Blütenbestäuber getan. Das Netzwerk Blühende Landschaft begrüßt die Hessische Bienenkampagne.“

Claudia Andujar „Morgen darf nicht gestern sein“ – MMK 1 Frankfurt 18.02. bis 25.06.2017

Claudia Andujar, Urihi-a, 1974 Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil.  Das Leben eines ganzen Yanomami-Stamms spielt sich in einem Rundbau (Shapono), einem Gemeinschaftshaus ab, umgeben von dichtem Urwald. Unter der Pultdachkonstruktion leben bis zu 300 Menschen, die alles, was sie an Nahrung, Rohstoffe und Werkzeuge benötigen, aus dem Regenwald erhalten. Claudia Andujar hat vom Flugzeug aus mit einer Infrarotkamera ein Runddorf aufgenommen, um die Inselsituation des Runddorfes inmitten undurchdringlichen Regenwald-Dickichts besonders kontrastreich herauszustellen. © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, Urihi-a, 1974 , Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil.
Das Leben eines ganzen Yanomami-Stamms spielt sich in einem Rundbau (Shapono), einem Gemeinschaftshaus ab, umgeben von dichtem Urwald. Unter der Pultdachkonstruktion leben bis zu 300 Menschen, die alles, was sie an Nahrung, Rohstoffe und Werkzeuge benötigen, aus dem Regenwald erhalten. Claudia Andujar hat vom Flugzeug aus mit einer Infrarotkamera ein Runddorf aufgenommen, um die Inselsituation des Runddorfes inmitten undurchdringlichen Regenwald-Dickichts besonders kontrastreich herauszustellen. © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Claudia Andujars Fotos in der gestern im MMK1 eröffneten Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ entstanden aus der Notwendigkeit heraus, den Yanomami, indogenen  Urwaldbewohnern im Amazonasgebiet, gegenüber den Regierungen Brasiliens Gesicht und Identität zu geben, um sie medizinisch versorgen und als Bevölkerungsgruppe anerkennen zu können. Die Ausstellung gibt erstmals in Europa einen umfangreichen Einblick in das fotografische Œuvre von Claudia Andujar (*1931 in Neuchâtel, Schweiz). Die Künstlerin und Aktivistin lebt seit 1955 in São Paulo in Brasilien. Anfänglich ohne Kenntnisse der portugiesischen Sprache bot ihr die Fotokamera eine Möglichkeit, durch Bilder zu kommunizieren. Ihre fotografische Praxis ist seit den 1960er-Jahren eng mit der jüngeren Zeitgeschichte Brasiliens sowie den Gegensätzen und Konflikten des Landes verknüpft.

Ein Projekt, das Claudia Andujar mit Yanomami gemacht hat. Zu sehen sind Zeichnungen von den Yanomami sowie Gedichte, die etwas über das Leben und die Entstehung des Menschen hinweisen. Bis dahin kannten die Yanomami weder Stift noch Papier. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Projekt, das Claudia Andujar mit Yanomami gemacht hat. Zu sehen sind Zeichnungen von den Yanomami sowie Gedichte, die etwas über das Leben und die Entstehung des Menschen hinweisen. Bis dahin kannten die Yanomami weder Stift noch Papier. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Bildberichterstatterin war Claudia Andujar 1971 im Auftrag der Zeitschrift „Realidade“ ins Gebiet der Yanomami geschickt worden, zu indogenen Urbewohnern. Die Menschen und ihre „primitive“ Lebensart faszinierten Andujar so sehr, dass sie nicht mehr nach Sao Paulo zurückging, sondern sieben Jahre bei und mit den Yanomami lebte. Dort lernte sie deren Kultur und Lebensweise kennen und begann, sich um deren Nöte zu kümmern, die vor allem – mit zunehmenden Rodungen und wirtschaftlichen Regenwaldnutzungen – zivilisatorische Ursachen hatten. Ihre gastgebene Gruppe und sie wurden 1977 aus der Amazonasregion vertrieben. Doch ging ihr Kampf für die Rechte und Gesundheit der Yanomami weiter: Gemeinsam mit dem Missionar Carlo Zacquini, dem Anthropologen Bruce Albert und weitern Aktivisten gründet Claudia Andujar die Organisation „Comissão pela Criação do Parque Yanomami“ (heute: „Comissão Pró-Yanomami“)“. Anfang der 1980er-Jahre startete die Kommission eine Impfkampagne, für die Andujar Porträtaufnahmen der Yanomami in verschiedenen Dörfern im Amazonasgebiet machte. Da die Yanomami traditionell keine Namen verwenden – sie sprechen sich mittels Familienrelationen an –, wurden ihnen zur Identifizierung für den Impfausweis Nummern um den Hals gehängt.

Claudia Andujar, from the series Marcados, 1981–1983. Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil. Foto: Diether v. Goddenthow, © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, from the series Marcados, 1981–1983. Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil. Foto: Diether v. Goddenthow, © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Den Titel „Marcados“ erhielten die Fotografien erst über 20 Jahre später, als sie 2006 erstmals auf der Biennale von São Paulo gezeigt wurden. Die Bilder rufen auch eine starke Assoziation zu KZ-Häftlingen hervor, was wiederum damit zu tun hat, dass Andujar auch tatsächlich ihre Familie in Konzentrationslagern verloren hat, und selbst in einem gewesen ist. Hier kehrt sie die Symbolik um: Ihre Nummern signalisieren: Wir retten Leben und nicht: Das sind zum Tode Verurteilte.

1991 schaffte die es Kommission, dass das Land der Yanomami  offiziell als deren Eigentum von der brasilianischen Regierung anerkannt wurde.

Im Rahmen ihres aktivistischen Engagements entstand in den frühen 1980er-Jahren ihre bis heute wichtigste Serie „Marcados“ (dt. Markiert). „Andujars Bildserien sind das Ergebnis ihrer Reisen zwischen der südlichen Metropole São Paulo und dem nördlich gelegenen Amazonasgebiet. Sie schaffen ein Panorama Brasiliens zwischen Stadt und Natur. Künstlerische Praxis und aktivistisches Engagement sind in den Aufnahmen untrennbar miteinander verknüpft“, so Peter Gorschlüter, stellvertretender Direktor des MMK Museum für Moderne Kunst, über die Ausstellung.

Claudia Andujar, Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow © Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.
Claudia Andujar, Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow

Andujars Werk findet seither große Beachtung im südamerikanischen Kontext. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des andauernden Einfalls von Goldminenarbeitern in das Gebiet der Yanomami, der anhaltenden Proteste in Brasilien und der kürzlich verkündeten Klima-Ziele des Landes zeichnet sich Andujars Werk bis heute durch eine hohe Aktualität und Brisanz aus.

Im Titel der Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ spiegelt sich angesichts wiederkehrender politischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen in Brasilien die Botschaft der Künstlerin an die Gegenwart wider.

In verschiedenen Werkreihen zeichnet die Fotografin ein kontrastreiches Bild Brasiliens. „Immer wieder treten in Andujars fotografischen Serien die verschiedenen Lebensräume in Dialog miteinander. Aus einem Hubschrauber aufgenommen zeigt „Metrópole“ das modernistische Straßennetz São Paulos, „Urihi-a“ einen von Natur gesäumten Shapono, der Rundbau, in dem die Yanomami leben, und „Cemitério da Consolação“ den Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Friedhof in São Paulo, dessen Wegenetz rund um das zentrale Mausoleum angelegt ist. Das Straßennetz, die Natur und die Friedhofswege erscheinen endlos“, erläutert Carolin Köchling, Kuratorin der Ausstellung.

In ihren Bildern schreiben sich nicht nur die abgebildete Person oder der abgebildete Gegenstand ein, sondern immer auch Andujars Position als deren Gegenüber. Für die Aufnahmen der Serie „Rua Direita“ (1970) setzte sich Andujar auf die gleichnamige belebte Straße in São Paulo und fotografierte die Passanten aus einer starken Untersicht. Was im Bild nahezu inszeniert wirkt, ist die spontane Reaktion auf die unerwartete Begegnung mit der Person der Fotografin, die in den erschrockenen, distanzierten, neugierigen oder verwunderten Gesichtern sichtbar ist. In der Serie „Através do Fusca“ hingegen verkörpern die Fenster eines VW Käfers, aus dem die Künstlerin 1976 eine Reise von São Paulo ins Amazonasgebiet fotografierte, die für ihr Schaffen charakteristische Einschreibung ihrer eigenen Position in die Bilder.

Claudia Andujar Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow
Claudia Andujar
Ausstellungsansicht / exhibition view MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main 2017, Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil Foto: Diether v. Goddenthow

Eine Auswahl von Andujars Arbeiten sind in der Ausstellung im MMK auf Cavaletes präsentiert – in Betonsockeln fixierte Glasdisplays, die von der brasilianisch-italienischen Architektin Lina Bo Bardi 1968 für das von ihr gebaute MASP (Museu de Arte de São Paulo) entworfen wurden. Die Präsentationsform unterstreicht den dialogischen Charakter von Andujars Fotografien, die dem Betrachter im Raum auf Augenhöhe begegnen.

Neben Andujars fotografischen Arbeiten werden in der Ausstellung Originalzeichnungen der Yanomami präsentiert, die im Rahmen eines von Andujar initiierten Projektes 1976 entstanden und in der Publikation „Mitopoemas Yãnomam“ (Mythische Gedichte der Yanomami) veröffentlicht wurden. Diese stellt Erzählungen und Zeichnungen der Yanomami in einen Dialog mit Andujars Fotografien.

Die herausragende Bedeutung von Fotografie im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt
Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Seit der Eröffnung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im Jahr 1991 nimmt die Fotografie im Ausstellungsprogramm und in der Sammlung eine herausragende Stellung ein. Heute sind mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler mit über 2500 fotografischen Werken in der Sammlung vertreten. Von Beginn an wurden künstlerische Fotografie einerseits und Dokumentarfotografie anderseits im MMK nicht voneinander abgegrenzt, sondern vielmehr ihre inhaltlichen wie formalen Verwandtschaften gesucht, die in der Kraft des fotografischen Bildes zum Ausdruck kommen. Vor allem Werke, die im bildjournalistischen Zusammenhang oder als Reportagefotografie entstanden, bildeten früh eine Möglichkeit, soziale und gesellschaftliche Realitäten jenseits nationaler Grenzen und Zuordnungen im Kontext der Gegenwartskunst zu reflektieren. Der künstlerisch-subjektive Blick auf das Globale, den die Fotografie befördert hat, durchdringt heute zahlreiche Bereiche des Museums und prägt im Wesentlichen seine internationale Ausrichtung. Dabei stehen vor allem diejenigen Ansätze im Fokus, bei denen sich innerhalb einer globalen Perspektive künstlerische Verbindungslinien zwischen Geschichte und Gegenwart, europäischer und außereuropäischer Verortung ziehen lassen. Claudia Andujars Leben und Werk stehen exemplarisch für diese Entwicklung und inhaltliche Positionierung.

Kuratorin: Carolin Köchling, in Zusammenarbeit mit Peter Gorschlüter
Projektentwicklung: Dr. Paula Macedo Weiß

Ermöglicht durch
Kooperationspool der Stadt Frankfurt und Deutsche Börse Photography Foundation gGmbH

Mit Unterstützung von
Brasilianisches Außenministerium, Itamaraty; Generalkonsulat von Brasilien; Goethe-Institut, São Paulo; Schweizerisches Generalkonsulat in Frankfurt am Main

Eröffnung: Freitag, 17. Februar 2017, 19 Uhr im MMK 1
mit einem Kurzvortrag von Dr. Katharina von Ruckteschell-Katte, Leiterin Goethe-Institut São Paulo und Region Südamerika.

Das auf der Einladungskarte angekündigte Künstlergespräch am 18.2.2017 entfällt.

Katalog zur Ausstellung:
katalog.andujarClaudia Andujar. Morgen darf nicht gestern sein, Bielefeld: Kerber Verlag; im Museum für 25,- Euro erhältlich, im Buchhandel für 28,- Euro.

 

 

 

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„Ed Atkins. Corpsing“ vom 3. Februar bis 14. Mai 2017 im MMK 1 Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

In  seiner  Ausstellung  Corpsing, einer Auftragsarbeit der BHF-Bank-Stiftung für die „Frankfurter Positionen – Festival für neue Werke 2017″ geht Ed Atkins (*1982 in Oxford, GB) in seiner umfangreichen Präsentation im MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main der zentralen Frage nach, welchen  Einfluss  Technisierung, Automatisierung und Digitalisierung auf unsere individuelle Lebenswirklichkeit ausüben.

„Die Ausstellung von Ed Atkins integriert sich hervorragend in unser diesjähriges Programm der Frankfurter Positionen, das dem Thema ‚Ich Reloaded – Das Subjekt im digitalen Zeitalter’ gewidmet ist. Hier steht veranstaltungsübergreifend die Frage im Mittelpunkt, inwiefern sich die Definition und Konstruktion des Selbstbildes im digitalen Zeitalter verändert.“, sagt Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF-BANK-Stiftung.
Ausstellungsansicht "Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Video "Hisse", Metamorphose der Krise eines Mannes, dessen beinahe perfekte, hyperreal anmutende Animation am Unvermögen bricht, menschliche Emotionen zu zeigen. Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht „Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Video „Hisse“, Metamorphose der Krise eines Mannes, dessen beinahe perfekte, hyperreal anmutende Animation am Unvermögen bricht, menschliche Emotionen zu zeigen. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Ausstellungstitel „Corpsing“ thematisiert den Widerspruch, den eine computergenerierte Simulation in sich trägt. Sie vermittelt die Illusion einer eigenständigen materiellen Welt und bleibt doch nur eine Konstruktion, die durch Momente der technischen Störung als Trugbild und bloße Abbildung des Realen decodiert werden kann. Der Begriff „Corpsing“ geht zurück auf eine Redewendung aus dem Bereich des Theaters und auf ein Phänomen, mit dem sich Atkins seit langer Zeit beschäftigt. Eine von einem Schauspieler gespielte Rolle erreicht nie den Status einer authentischen Figur, sie kann diese immer nur „verkörpern“. „Corpsing“ beschreibt jenen Augenblick, in dem die Differenz zwischen dem Schauspieler und seiner Rolle zutage tritt, wenn dieser beispielweise seinen Text vergisst oder in plötzliches Gelächter ausbricht

Atkins gilt als Pionier und radikalster Vertreter einer jungen Künstlergeneration, die die fundamentalen Veränderungen der Bild- und Selbstwahrnehmung des Menschen durch die rasante Entwicklung der digitalen Medien kritisch reflektiert. In seinen filmischen, digital generierten Werken erschafft er eine künstliche und zugleich hyperreale Bildwelt, die in ihrer Ambivalenz von perfekter Simulation und scheinbar technischer Unzulänglichkeit zutiefst verstörend wirkt.
„Das Werk von Ed Atkins trifft auf technisch brillante und zugleich perfide Weise den wesentlichen und zugleich wunden Punkt unserer postdigitalen Gegenwart. Wie kein anderer Künstler seiner Generation erfasst er die Problematik unseres durch die digitalen Medien veränderten Selbstbewusstseins, das durch die Illusion von Grenzenlosigkeit einerseits und den Verlust von Authentizität andererseits geprägt ist. In ihrer visuellen und akustischen Intensität ziehen seine digital erzeugten High-Definition Bildwelten den Betrachter in ihren Bann und konfrontieren ihn mit existenziellen Zuständen wie Einsamkeit, Entfremdung und Vergänglichkeit.“, erläutert MMK Direktorin Prof. Dr. Susanne Gaensheimer.
Das MMK präsentiert in der Ausstellung zwei filmische Installationen, die sich über mehrere Räume erstrecken. Für diese kreiert Atkins einen virtuellen Protagonisten – eine Art Alter Ego des Künstlers –, dessen Profil er kontinuierlich weiterentwickelt und der in künstlichen Welten tiefgreifende Krisen durchlebt. Jede Stimme, die zu hören ist, sowie sämtliche Texte stammen von Atkins selbst. Ebenso hat er alle seine Bildwelten mit den zur Verfügung stehenden digitalen Mitteln selbst generiert.
Ausstellungsansicht "Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Filmische LED-Präsentation "Safe Conduct", bei der  der Protagonist sich total selbst entblößt bis zur Auflösung seiner Identität, gezeigt an seinen nach und nach ebenfalls abgelegten sekundären Körperteilen und Innereien. Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsansicht „Ed Atkins Corpsing“ im MMK1 Frankfurt . Filmische LED-Präsentation „Safe Conduct“, bei der der Protagonist sich total selbst entblößt bis zur Auflösung seiner Identität, gezeigt an seinen nach und nach ebenfalls abgelegten sekundären Körperteilen und Innereien. Foto: Diether v. Goddenthow
 Die Ausstellung im MMK 1 präsentiert zwei neuere Werke des Künstlers – die filmischen Installationen „Hisser“ von 2015/17 und „Safe Conduct“ von 2016 – in einem einmaligen räumlichen Umfang.
„Hisser“ erstreckt sich über die sechs Räume der gesamten ersten Ebene des Museums mit rund 800 qm. Für die Ausstellung im MMK 1 wurde sie ortsspezifisch zu einer Fünfkanalinstallation weiterentwickelt und ist hier in ihrem bisher größten Umfang zu sehen. Die Installation nimmt direkt Bezug auf die räumliche Struktur der ersten Ebene und nutzt die Architektur als integralen Bestandteil der Arbeit, über die der virtuelle in den realen Raum übertragen wird.

 

„Hisser“

Ed Atkins filmische Krisensimulation von "Hisse".  Der unter dem Bett aufbrechende Abgrund ist Sinnbild der abgrundtiefen Krise des erwachenden Mannes.  Foto: Diether v. Goddenthow
Ed Atkins filmische Krisensimulation von „Hisse“. Der unter dem Bett aufbrechende Abgrund ist Sinnbild der abgrundtiefen Krise des erwachenden Mannes. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Geschichte, die in „Hisser“ erzählt wird, ist inspiriert von einer wahren Begebenheit. In einer sich plötzlich öffnenden Senkgrube wurde 2013 ein junger Mann in Florida in den USA, in seinem Schlafzimmer „vom Erdboden verschluckt“. Der Hauptschauplatz im Film ist ein Schlafzimmer bei Nacht. Der Bildausschnitt ist so gewählt, als würde der Betrachter in ein lebensgroßes, verwaistes Puppenhaus blicken. Andere Sequenzen zeigen einen jungen Mann in Nahsicht auf dem Bett liegend, mit gequältem Blick oder in sich versunken in einer Ecke sitzend. Begleitet wird die Szene von einem übersteigert romantischen Song, dessen Refrain „It took me so long to get my feet back off the ground“ von dem Verlust einer geliebten Person und bodenloser Einsamkeit handelt. Die Emotionalität des Songs steht in starkem Kontrast zur Künstlichkeit der generierten Szene. Die Grenze zwischen Reproduktion und Realität ist fließend und die fast bis zur Perfektion getriebene Virtualität durch den offensichtlich körperlich und seelisch versehrten Protagonisten brüchig. Atkins führt vor, wie die Welt seines Protagonisten in sich kollabiert und in der absoluten Leere des digitalen und entmaterialisierten Raums verschwindet. Dabei dekonstruiert der Künstler die digitale Illusion, indem er seine filmischen Mittel durch simulierte Bildstörungen und Frequenzfehler offenlegt. Der Film wird auf fünf freistehenden Projektionswänden in unterschiedlichen Räumen gezeigt, wodurch sich der Sog der über alle Räume erstreckenden Bilder verstärkt und ein quälender Eindruck von Unendlichkeit entsteht.

„Safe Conduct“,

Ed Atkins Filmische LED-Präsentation "Safe Conduct", hier: erniedrigt bis zum totalen Verbiegen der Persönlichkeit am Check-Point. Foto: Diether v. Goddenthow
Ed Atkins Filmische LED-Präsentation „Safe Conduct“, hier: erniedrigt bis zum totalen Verbiegen der Persönlichkeit am Check-Point. Foto: Diether v. Goddenthow

In der Arbeit „Safe Conduct“, die auf drei großformatigen LCD-Monitoren bei Tageslicht gezeigt wird, erkennt man denselben Protagonisten, der sich in diesem Film am Fließband einer Sicherheitskontrolle befindet. Der digital generierte Raum ist ansonsten leer. Schritt für Schritt entledigt sich der junge Mann seiner Reiseutensilien und Bekleidung, bis er schließlich dazu übergeht auch seine Körperteile in die Aufbewahrungsbox zu legen. Er zieht die oberste Hautschicht seines Gesichts ab, es folgen Blut und Eingeweide, die zusammen mit Handfeuerwaffen oder exotischen Früchten in den Behälter rieseln. Wie in „Hisser“ ist das Gesicht des Protagonisten wund und impliziert körperliche und seelische Verletztheit, wodurch die Illusion von Menschsein entsteht. Die in endlosen Schleifen stattfindende stetige Steigerung des Geschehens und seiner Absurdität wird begleitet von Maurice Ravels Boléro, der ebenfalls scheinbar als Endlosschleife komponiert ist und als eines der ersten Stücke der musikalischen Moderne für technischen Fortschritt und Modernität steht. In einer zirkulären Bewegung steigern sich Handlung und Lautstärke des Stücks, so dass eine Eskalation zu drohen scheint, die sich jedoch in der unendlichen Wiederholung der Szene wieder auflöst. Es geschieht nichts. „Safe Conduct“ ist eine deutliche Kritik an den technisierten und entmenschlichten Prozessen der gegenwärtigen Gesellschaft, in denen der moderne Mensch in seiner alltäglichen Routine bis zur Selbstauflösung gefangen ist. Kontrolle und Kontrollverlust, Sicherheit und ihre Unerreichbarkeit – Atkins unterlegt seine skeptische Weltsicht mit einer unterschwelligen Ironie, die vor allem im Titel anklingt: „Safe Conduct“ ist die offizielle Bezeichnung für ein Reisedokument, das den sicheren Transfer durch „feindliches Gebiet“ gewährt, indem eingeübte Kontrollmechanismen umgangen werden. Atkins hat in den letzten Jahren einen einzigartigen Werkkomplex aus textbasierten und installativen Videoarbeiten geschaffen und machte mit Ausstellungen u.a. in der Kunsthalle Zürich (2014), im MoMA PS1 (2013), bei Art Now Tate Britain (2011) sowie auf der Biennale in Istanbul (2015) international auf sich aufmerksam.      Im Wintersemester 2016/2017 ist Ed Atkins im Rahmen der Frankfurter Positionen 2017 Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule.

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Ort:
MMK 1.
Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main

Veranstaltungsprogramm
4.Februar 2017, 19 – 24 Uhr, Eintritt frei, im MMK 1
„Lange Nacht der Sozialforschung“ im Rahmen der Frankfurter Positionen
Die Frankfurter Positionen 2017 widmen sich der Frage, inwiefern sich die Definition und Konstruktion des Selbstbildes im digitalen Zeitalter verändert und welche Rolle dabei der zunehmend unreflektierte Umgang mit, beziehungsweise die Preisgabe persönlicher Daten im Internet spielt. In der „Langen Nacht der Sozialforschung“ werden diese und andere Phänomene genauer diskutiert. Die Ausstellung von Ed Atkins ist geöffnet. Das Programm umfasst darüber hinaus Vorträge von Soziologen, Kulturwissenschaftlern und Medienwissenschaftlern sowie das Konzert „For Philip Guston“ von Morton Feldman mit Solisten des Ensemble Modern.4. Mai 2017, im MMK 1
Performance von Ed Atkins in Zusammenarbeit mit Studierenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule. Weitere Informationen folgen.Social Media: Die Hashtags zur Ausstellung: #EdAtkins #Corpsing
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„Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt

Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016 Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.
Florian Hecker, A Script for Machine Synthesis, 2013-2016
Installationsansicht/installation view Studio 104, Maison de la Radio, Paris. Courtesy the artist, Sadie Coles HQ, London and Galerie Neu, Berlin. Foto/photo: © 2015, Marc Domage.

Die Ausstellung „Florian Hecker. Formulations“ im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ist eine Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank. Sie findet im Rahmen der EUROPA-KULTURTAGE der EZB-Deutschland 2016 statt.

Florian Hecker (*1975) hat in den vergangenen Jahren ein einzigartiges Werk geschaffen, das international bereits mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Performances und Konzerten gewürdigt wurde. „Auf konsequente Weise verbindet er in seiner Arbeit die Bereiche der bildenden Kunst, Musik und Performance, um etablierte Grenzen aufzuheben und neue Ausdrucksformen und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit dieser Arbeitsweise passt Florian Hecker sehr gut in das Programm des MMK, in dem wir einen transmedialen Ansatz verfolgen“, sagt Prof. Dr. Susanne Gaensheimer.

Die Ausstellung im MMK 3 zeigt 15 bestehende und zwei neue Arbeiten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2016. Im Hauptraum des MMK 3 hat der Künstler 16 Werke raumspezifisch arrangiert, die über die Dauer eines gesamten Ausstellungstages, in minutiös gesetzten Choreografien, inszeniert sind. Parallel dazu wird die Arbeit „Modulator“ (2012) in einem eingebauten Raum im Erdgeschoss gezeigt.
Florian Hecker arbeitet mit synthetischem Klang, der durch Prozesse digitaler wie elektroakustischer Signalverarbeitung generiert wird. Kompositionsentwicklungen der Nachkriegsmoderne und Wissen aus Audiologie und Psychoakustik dienen ihm als Ausgangspunkte für sein abstraktes wie materielles Werk. Das modulare Lautsprechersystem ist eine skulpturale Intervention im Ausstellungsraum und zugleich eine funktionale Wiedergabeapparatur. Die Lautsprecher sind als materielle Bestandteile präsent und werden vom Künstler in der Architektur des Ausstellungsraums bewusst positioniert.

Hecker arrangiert komplexe Stücke als mehrkanalige Installationen, die den Besuchern im MMK 3 begegnen und ihnen ganz subjektive Erfahrungen ermöglichen. Sie sind in stringenter Nüchternheit angelegte und mehrdimensional inszenierte Kompositionen. Die Besucher erfahren dabei am eigenen Körper, wie die individuelle Wahrnehmung vom Zusammenspiel der akustischen Resonanz, dem Klangobjekt und dem eigenen Empfinden abhängt. Durch das aktive Hören werden psychische und physische Vorgänge ausgelöst.

Für die Ausstellung im MMK 3 konzentriert sich Hecker auf eine Auswahl von Werken, für die die Konzepte der Synthese, Analyse und Resynthese zentral sind. Klang wird dabei auf der Grundlage seiner qualitativen und quantitativen Eigenschaften analysiert, formalisiert und anschließend reproduziert. So entstehen Reproduktionen kompletter Arbeiten oder synthetische Replika vereinzelter Sound-Charaktere, aus denen der Künstler seine Stücke kreiert. In „Synthetic Hinge“, eine eigens für die Ausstellung im MMK 3 produzierte Arbeit, sind neben dem computergenerierten Ton auch die Sprecherstimmen in Avatare gewandelt worden. Eine weitere neue Arbeit „Modulator (Scattering Transform)“ (2016) folgt dieser Verfahrensweise durch eine 14-stufige Resynthese der bestehenden Arbeit „Modulator“ (2012) und bietet eine entsprechende Vervielfachung des Verständnisses von Klangfarbe.

„Neben dieser Verarbeitung von Sound zur veränderten Wahrnehmung ist auch die psycho-physische Dimension, die Art und Weise, wie Sound sinnlich rezipiert und neurologisch verarbeitet wird, ein Kernthema in Heckers Schaffen. Die Wahrnehmung von akustischen Werken ist subjektiv und abhängig von dem physischen Standort des Rezipienten, der akustischen sowie visuellen Perspektive, von persönlichen Neigungen, der Aufmerksamkeit und den Bezugspunkten, die in ihm individuelle Assoziationen auslösen“, so Anna Goetz, Kuratorin der Ausstellung.
Viele von Heckers neueren Arbeiten sind in dreifachen Symmetrien angelegt, so beispielsweise „2×3 Channel“ (2009), „Affordance“ (2013) oder „Hecker Leckey Sound Voice Chimera“ (2011). Bewusst wird der Rezipient dabei von Hecker mit drei inhaltlich differenzierten, wie räumlich versetzten Soundquellen konfrontiert und so dazu animiert, sich durch den Raum zu bewegen und bereits Gehörtes zu erinnern, denn nur in dieser Parallelität ist das Stück als Ganzes zu erfassen.

In seinen Installationen, Performances und Tonträger-Veröffentlichungen widmet sich Florian Hecker den Grenzen und Möglichkeiten der Produktion und Aufnahme von Klang. Er fordert die Erwartungshaltung und die Wahrnehmungsgewohnheit im Kontext zeitgenössischer Kunstrezeption heraus, indem er durch artifizielle Klangobjekte, Fragen zu Performance, Konzeptkunst und Skulptur dramatisiert, abstrahiert und reformuliert.

Aufgrund seiner bedeutenden Rolle in der Technokultur und der elektronischen Musik bildet Frankfurt den idealen Ort für die Arbeit von Florian Hecker. Bereits 2010 entwickelte er für die Ausstellung „Radical Conceptual“ im MMK 1 die Arbeit „Event, Stream, Object“, die im Anschluss für die Sammlung erworben wurde.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung kooperiert das MMK mit der Alten Oper Frankfurt: Gemeinsam wurde die neue Arbeit FAVN (2016) produziert, die im Vorfeld der Ausstellung im Großen Saal der Alten Oper aufgeführt wurde. Zusätzlich wird am 25. Januar 2017 in der Ausstellung im MMK 3 ein Abend mit Konzerten von François J. Bonnet und Alberto de Campo stattfinden. Im Anschluß spricht Robin Mackay zu der Arbeit von Florian Hecker.

Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit Culturgest, Porto.
Das Programm im MMK 3 wird ermöglicht durch die Jürgen Ponto-Stiftung.

Die Produktion der Displaysysteme wurde unterstützt von der Firma ARNOLD AG und die akustische Raumausstattung von „Modulator“ (2012) wird ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Firma Kvadrat, Soft Cells.

Publikation:
Anlässlich der Ausstellung entsteht in Kooperation mit Culturgest, Porto eine umfangreiche Publikation, die Textbeiträgen von Éric Alliez, Ina Blom, François J. Bonnet, Gabriel Catren, Diedrich Diederichsen, Christopher Haworth, Robin Mackay, Sarat Maharaj, Reza Negarestani, Michael Newman und Fernando Zalamea zum Werk von Florian Hecker versammelt. (Koenig Books, London, 25 €).

FAVN – Eine Performance von Florian Hecker im Rahmen des Musikfests „Nachmittag eines Fauns“ in der Alten Oper Frankfurt

nachmittag-eines-faunsFAVN – Eine Performance von Florian Hecker

Im Vorfeld seiner Ausstellung „Formulations“ (26. November 2016 – 5. Februar 2017) im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main zeigt Florian Hecker seine Performance „FAVN“ am 5. Oktober um 20 Uhr im Rahmen des Musikfests „Nachmittag eines Fauns“ in der Alten Oper Frankfurt.
Mit der Performance begibt sich Hecker zum ersten Mal aus dem Zusammenhang der bildenden Kunst heraus hinein in ein klassisches Konzerthaus.

In seiner neuen Arbeit nimmt Florian Hecker Bezug auf Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ wie auch auf die dichterische Vorlage Stéphane Mallarmés und die choreografische Umsetzung durch Vaslav Nijinsky aus dem Jahr 1912 – drei Werke, in denen für Hecker die Erwartungshaltungen des Publikums und deren Nichterfüllung in spannungsvollem Kontrast stehen. Diese Kluft wie auch die Frage der eigenen Wahrnehmung von Realität und Fiktion beschäftigten Hecker in seiner Arbeit. Inmitten der computergenerierten Klänge wird der Zuhörer keine zielgerichtete Erzählung erleben, sondern einen überflüssig gewordenen Zeitbegriff erfahren.

Die Arbeiten des international agierenden Sound-Künstlers Florian Hecker waren unter anderem auf der documenta, zahlreichen internationalen Ausstellungsorten sowie im MMK zu erleben. In der Sammlung des MMK ist Hecker mit der Arbeit „Event, Stream, Object“ (2010) vertreten. Seine „sound-pieces“ sind Klangereignisse, die sich im Raum und in der Bewegung der Rezipienten erschließen.
Das MMK Museum für Moderne Kunst wird vom 26. November 2016 bis zum 5. Februar  2017 unter dem Titel „Formulations“ eine umfassende Sequenz von Florian Heckers Klangwerken zeigen.

Eine Koproduktion der Alten Oper Frankfurt mit dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der Alten Oper Frankfurt.

Eintritt 19 Euro / Tickets über Alte Oper: 069 / 13 40 400 oder www.alteoper.de

Fiona Tan „Geografie der Zeit“ – ab 17.09.2016 im MMK1 Frankfurt

© massow-picture
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17. September 2016 — 15. Januar 2017 im MMK 1

Die Künstlerin Fiona Tan zählt zu den herausragenden Künstlerinnen der Gegenwart. Im Mittelpunkt der Werkschau „Geografie der Zeit“ stehen neben Hauptwerken aus ihrem filmischen Œuvre – wie die Doppelprojektion „Rise and Fall“ – die neueste Entwicklung in ihrem Werk hin zu installativen Environments. „Mit diesem Projekt setzt das MMK seine programmatische Ausrichtung fort, ‚mid-career’-Ausstellungen internationaler Künstler gemeinsam mit neuen Arbeiten zu zeigen und diese mit der Architektur des Museums in Beziehung zu setzen“, so Prof. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst, über die Ausstellung.

Fiona Tan hat das Erdgeschoss des MMK 1 in einen Parcours verwandelt, auf dem sich Videoprojektionen, Audio- und skulpturale Arbeiten zu einer dichten Reflexion über das Individuum in einer aus den Fugen geratenden globalisierten Welt verbinden. Zentrale Fragen zur Identität des Menschen im 21. Jahrhundert werden dabei aufgeworfen: Wie sehen wir uns selbst und was bestimmt unsere Perspektive auf das Andere? In filmisch eindrucksvollen Bildern und Installationen erzählt Tan davon, wie die eigene Erinnerung unser Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prägt. In ihren Bildwelten lösen sich die Grenzen zwischen persönlichem und kollektiven Gedächtnis, Innen und Außen, Fiktion und Wirklichkeit auf.

Zeit, Erinnerung und Identität waren von Beginn ihrer künstlerischen Karriere zentrale Themen in Fiona Tans Œuvre. Die sieben im MMK 1 gezeigten Werke folgen diesen Leitmotiven, wobei die Künstlerin in den letzten Jahren ihre Arbeit von filmischen und fotografischen Werken auf objektbasierte Installationen ausgeweitet hat. „Mit Interventionen in die Architektur, Objektinstallationen und Archivmaterialien dehnen sich ihre filmischen Welten in den Ausstellungsraum aus. Das MMK freut sich, diese neue Entwicklung in Fiona Tans Œuvre einem breiten internationalen Publikum zu präsentieren“, erläutert Peter Gorschlüter, Kurator der Ausstellung.

Den Anfang macht die Arbeit „1 to 87“ (2014), eine weitläufige Modelleisenbahn-Landschaft, die sich über die zentrale Halle des MMK erstreckt. Der Titel steht für den Maßstab 1:87, in dem das Werk angelegt wurde. Die auf den ersten Blick idyllisch erscheinende Szenerie bekommt bei genauerem Hinsehen Risse. Der Betrachter wird Zeuge von Begebenheiten, die mit der scheinbaren Arglosigkeit des Panoramas brechen: So ereignet sich beispielsweise ein Zugunglück, während die Bewohner einer Kleingartenkolonie Gemüse ernten. Dem beschaulichen Charakter von Modell-Landschaften setzt Tan Szenen einer komplexen Realität entgegen, die sich nicht mehr durch simple Erklärungsmodelle beschreiben lassen.

In ihrem Filmtriptychon „Ghost Dwellings I–III“ (2014) rückt Fiona Tan hingegen die ökologischen und ökonomischen Folgen der Globalisierung in den Fokus. Sie besuchte drei Orte, die von Verfall und Verwüstung gezeichnet sind: Cork (Irland), das unter den Auswirkungen der internationalen Immobilienblase von 2008 leidet, die einst prosperierende Autostadt Detroit (U.S.A.), die langsam in den finanziellen Bankrott glitt, und die Sperrzone in Fukushima (Japan), die nach dem nuklearen Unglück 2011 errichtet wurde. In diesen Gegenden spürte die Künstlerin Anzeichen einer Wiederbelebung nach, einem Phänomen, das als ‚Nachernte’ bekannt ist. Der Begriff bezeichnet das Wachstum neuer Triebe, nachdem die Ernte erfolgt ist. Die filmischen Porträts dieser melancholischen Schauplätze kontrastiert die Künstlerin mit einem scheinbar behausten Environment, das den Anschein erweckt, als könne sein geheimnisvoller Bewohner jederzeit zurückkehren.

Wie ein roter Faden zieht sich die Beschäftigung mit dem Menschen und seinem Blick in eine ungewisse Zukunft durch Fiona Tans neueste Produktionen. In ihrer Arbeit „Apocalypse“ (2014) verwendet Tan eine Kamera, um Szenen des im französischen Château Angers ausgestellten mittelalterlichen Wandteppichs „L’Apocalypse d’Angers“ (1373–83) abzutasten. Der Zyklus gilt mit seinen fast fünf Metern Höhe sowie über hundert Metern Länge als die größte erhaltene Webarbeit des Mittelalters. Ihren Aufnahmen fügte die Künstlerin einen das Bild durchlaufenden Text hinzu, welcher verschiedene Ausschnitte des Zyklus beschreibt. Gleichzeitig erinnern die vorbeiziehenden Zeilen an den nicht abreißenden Informationsfluss von heutigen Börsen- und Nachrichtentickern und stellen eine Verbindung zu Ereignissen unserer Gegenwart her, die sich in Form von Aktienkursen, Opferzahlen und Wahlergebnissen manifestieren.

Der Traum von einem utopischen Idyll und dem Streben nach Glück findet sich in einem von einer altertümlichen Legende inspirierten Hörstück. „Brendan’s Isle“ (2010) berichtet von den Abenteuern des irischen Mönchs Sankt Brendan, der sich im 6. Jahrhundert mit einem Fischerboot auf eine Seereise begab, um das Paradies auf Erden zu finden, das er nach sieben Jahren erreichte. Obwohl der genaue Ort der von Sankt Brendan entdeckten Insel nie ermittelt werden konnte, wurde sie auf historischen Landkarten vermerkt. In Tans Nacherzählung eröffnet die Geschichte Raum für Imagination, indem sie auf das Unsichtbare anspielt.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Lebensraum des Menschen fokussiert sich Tan in ihren Arbeiten „Rise and Fall“ (2009), „Nellie“ (2013) und „Diptych”( 2006–2011) auf das Individuum, indem sie die Verflechtung von persönlicher Identität und kultureller Prägung untersucht. In ihren filmischen Installationen greifen Sehen und Gesehenwerden, Blick und Gegenblick ineinander und verschmelzen zu einer Einheit.

Für „Rise and Fall“ filmte Fiona Tan an den Niagarafällen sowie in Belgien und den Niederlanden. Eine jüngere und eine ältere Frau scheinen denselben Raum zu bewohnen, ohne jedoch jemals aufeinanderzutreffen. Ob sich die ältere Frau ihres jüngeren Selbst erinnert, die junge Frau ihr künftiges Selbst ersinnt oder aber beide Frauen unabhängig voneinander in der Gegenwart existieren, bleibt offen. Das filmische Doppelporträt der Frauen wird durch Bilder von Wasser in verschiedenen Bewegungszuständen verbunden. Die raumgreifende Doppelprojektion bietet die Möglichkeit der Reflexion über den Fluss der Zeit sowie die Unschärfe von Erinnerungen und verweist auf das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft, Erinnern und Vergessen.

Die Videoinstallation „Nellie“ versetzt den Betrachter an einen anderen Ort in eine andere Zeit. Inspiriert ist die Arbeit vom Leben der Cornelia van Rijn, Rembrandts unehelicher Tochter, die im Alter von sechzehn Jahren nach Batavia (dem heutigen Jakarta) emigrierte. Über Cornelias Leben ist kaum etwas bekannt; von ihr existieren keine Porträts. Diese Leerstelle in den Geschichtsbüchern ermöglichte es Tan, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Die bewegende Arbeit bildet eine Hommage an eine vergessene Frau, deren „offene Geschichte“ wiederbelebt wird.

Für „Diptych“ filmte Fiona Tan über einen Zeitraum von fünf Jahren – zwischen 2006 und 2011 – auf der schwedischen Insel Gotland Porträtaufnahmen von 15 eineiigen Zwillingspaaren Tan selbst sagt: „Dieses Projekt begann als Studie zu Synchronität und Dauer. Ich war interessiert an der visuellen Messung von Zeit. Paradoxerweise sehe ich diese Arbeit mittlerweile eher als eine Erforschung von Gleichheit, vom Konstanten und Unveränderlichen.“

Präsentiert werden die Werke in einer faszinierenden, von der Künstlerin entworfenen Ausstellungsarchitektur. Die rolltorähnliche Struktur erinnert an gewerbliche Lagerräume, kann jedoch auch als Anspielung auf die in aller Welt entstehenden Zollfreilager für Kunst und Luxusgüter verstanden werden oder als Reflexion über die Themen des Transits, der Entgrenzung und des Verlustes von Verortung und Identität.

Fiona Tan wurde 1966 in Pekanbaru (Indonesien) geboren. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam (die Niederlande) und Los Angeles (U.S.A.). Ihr Werk wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. 2002 nahm sie an der documenta 11 in Kassel teil. 2009 vertrat sie die Niederlande auf der 53. Venedig Biennale.

Eröffnung: Freitag, 16. September 2016, 20 Uhr im MMK 1

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem National Museum of Art, Architecture and Design, Oslo (Norwegen), dem MUDAM, Luxemburg, und dem Tel Aviv Museum (Israel).

Die Ausstellung wird gefördert durch den Mondriaan Fund mit Unterstützung des Niederländischen Außenministeriums und des Niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft, die Stiftung Ammodo und die Botschaft des Königreichs der Niederlande, Berlin.

Veranstaltungstipp: Donnerstag, 29. September 2016, 20.30 Uhr, Fiona Tans erster Kinofilm „History’s Future“ (2016) im Deutschen Filmmuseum

Katalog: Zur Ausstellung ist eine Publikation bei Koenig Books, London erschienen. Im Museum erhältlich für 24,80 Euro.

Laure Prouvost „all behind, we’ll go deeper, deep down and she will say:“ MMK3 Frankfurt, 3.09.2016

Video Installation, Courtesy of the artist and MOT International, London & Brussels, Foto: Tim Bowditch
Video Installation, Courtesy of the artist and MOT International, London & Brussels, Foto: Tim Bowditch


3. September – 6. November 2016 im MMK 3

Laure Prouvost (*1978) verwandelt das MMK 3 mit der Ausstellung „all behind, we’ll go deeper, deep down and she will say:“ in ein raumgreifendes Environment. „Das MMK Museum für Moderne Kunst freut sich sehr, die Turner-Preisträgerin mit ihrer ersten umfassenden Einzelpräsentation in Deutschland zu zeigen, in der sie mehrere Neuproduktionen mit filmischen Arbeiten der letzten Jahre sowie mit skulpturalen Elementen und Malerei zu einer neuen Erzählung verbindet“, so Prof. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK.

Ausgangspunkt der Ausstellung im MMK 3 ist die fiktive Geschichte der Großeltern der Künstlerin. Der Großvater – eine Persiflage der heroisch männlichen Künstlerfigur – gräbt im Rahmen eines Kunstprojektes einen Tunnel, verschwindet darin und ist seither nicht wieder aufgetaucht. Die Großmutter wird unterdessen im Bericht der Enkelin zur eigentlichen Protagonistin, die sich die zurückgelassenen Kunstwerke des Großvaters zu eigen macht, sie umfunktioniert und so ihr eigenes künstlerisches Schaffen entfalten kann. Diese Geschichte, die Prouvost bereits 2013 in ihrer mehrfach preisgekrönten Arbeit „Wantee“ angelegt hat, dient der Künstlerin als Motiv für die Beschäftigung mit dem Thema Eskapismus und der damit verbundenen Abwendung von gesellschaftlich etablierten Rollenbildern, Werte- und Ordnungssystemen sowie der Hinwendung zu alternativen, fantastischen Weltvorstellungen.

Bereits vor Betreten der Ausstellungsräume fordert Prouvost die Besucher mit dem monumentalen Schild „IDEALLY YOU WOULD LEAVE EVERYTHING BEHIND“ (2016) auf, alles hinter sich zu lassen, um in ihre bizarre Vorstellungswelt einzutauchen. Diese Aufforderung wird durch die eigens für die Frankfurter Ausstellung entworfenen Installationen „On Our Way“ (2016) und „Deep Travels Ink.“ (2016) im Eingangsbereich aufgegriffen. Der Besucher findet sich in einem Reisebüro wieder und wird zum Akteur in einem surrealen Szenario, das ihn auf die zentralen Themen der Ausstellung einstimmt: die Sehnsucht nach dem Unbekannten und das Abtauchen in ferne Welten, Alltagsflucht und das bewusste sich Verlieren, in der Hoffnung, am Ende wieder zu sich selbst zu finden. Die Eingangsinstallation dient als Prolog für den Hauptteil der Präsentation im zentralen Saal des MMK 3. Nacheinander werden hier auf fünf großen Screens Videoarbeiten projiziert. Die Choreografie der Bilder umfasst zudem Licht- und Soundinstallationen. Erstmals löst Prouvost die einzelnen Filme aus ihren individuellen, räumlichen Inszenierungen und lässt sie in einer Art Traumwelt ineinandergreifen. Sie erzeugt ein Setting, das den Betrachter auf unterschiedlichen Sinnesebenen in seinen Bann zieht. Requisiten, die Prouvost in den Videos einsetzt, tauchen im Ausstellungsraum zusammen mit exotischen Pflanzen, von Erde und Kunstharz umfasst, wieder auf. Es entsteht eine dystopisch erscheinende Gesamtinszenierung, in der zusehends die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt. 

Prouvosts Filme gehen immer über die erzählerische Ebene hinaus. Die Künstlerin erforscht die Verführungskraft von Bildern, deren Illusionspotenzial und die unmittelbar räumliche Dimension. Sie verbindet den filmischen mit dem realen Raum der Ausstellung und untersucht das Zusammenspiel von Bild, Ton, Schrift und Sprache. Besonders mit „Feeling the Wall“ (2014) schafft sie ein Bewusstsein für den Ausstellungsraum, der zum Hauptakteur dieser Sound- und Lichtinstallation wird. „Für Prouvosts vielschichtige Videoarbeiten ist eine surreale Grundstimmung sowie die Verwendung skurriler Wortspiele charakteristisch. Sie untersucht die Vorstellung von Fiktion und Wahrheit und regt den Betrachter dazu an, Wahrnehmungskonventionen zu hinterfragen“, erklärt Anna Goetz, Kuratorin der Ausstellung.

Im MMK 3 wird das zweite und zentrale Kapitel einer dreiteiligen Überblicksausstellung erzählt. 
Sie begann Ende Juni 2016 unter dem Titel „Dropped here and then, to live, leave it all behind“ in einer labyrinthischen Struktur im Le Consortium, Dijon (Frankreich). In Frankfurt gleitet die Geschichte nun in eine zeitlose Welt, die bestimmt ist von parallel verlaufenden Erzählsträngen. Ende Oktober 2016 kommt die Erzählung im Kunstmuseum Luzern (Schweiz) aus der Dunkelheit wieder ans Licht und trägt den Titel „and she will say: hi her, ailleurs to higher grounds…“. Obwohl die drei Ausstellungsorte einem übergreifenden thematischen Faden folgen, steht jede Präsentation für sich und bietet den Besuchern eine in sich geschlossene und eigenständige Ausstellungserfahrung. 

Ermöglicht durch: Jürgen Ponto-Stiftung
Mit Unterstützung von: Instiut Francais
In Kooperation mit Le Consortium, Dijon und Kunstmuseum Luzern
Ausstellungsdesign: Diogo Passarinho

Ort:
MMK3
Domstraße 3,
60311 Frankfurt am Main

Museumsuferfest 2016: Museum für Moderne Kunst

© massow-picture
© massow-picture

Im MMK 1
Vor 25 Jahren wurde das MMK eröffnet. Aus diesem Anlass können Besucher bei einer Rallye das Tortenstück und seine Kunstwerke Revue passieren lassen oder
auch neu entdecken. Zusätzlich finden regelmäßige Führungen durch die Sammlungspräsentation statt.

Im MMK 2
Besucher des MMK 2 können die aktuelle Ausstellung „Das imaginäre Museum“ in regelmäßigen Führungen kennenlernen. Ausgerüstet mit rätselhaften Details von Kunstwerken gilt es, diese zu finden und bestmöglich zu memorieren. Die Erinnerungen können am Ende der Ausstellung in Wort und Bild festgehalten werden und aus dem Werkdetail kann ein Button zum Mitnehmen angefertigt werden.

Ausführliches Programm

Museum für Moderne Kunst

Absolventenpreis des Städelschule Portikus e.V. im MMK 3 Frankfurt

Franziska Wildt, Ruin, 2016  © Franziska Wildt, Foto/photo: Thomas Schröder © MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Franziska Wildt, Ruin, 2016 © Franziska Wildt, Foto/photo: Thomas Schröder © MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Im Rahmen der Eröffnungsfeier der Ausstellung „Croissant“ Absolventen der Städelschule 2016 im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main fand am 13. Juli 2016 die Verleihung des Absolventenpreises statt.

Die Fachjury freut sich, den diesjährigen Absolventenpreis in Höhe von Euro 2.000 an Stuart Middleton verleihen zu können.

Dank der großzügigen Unterstützung des Fördervereins Städelschule Portikus e.V. wird zum 14. Mal ein Preis für die beste Absolventenarbeit verliehen.

Die Jury tagte am 12. Juli 2016:
Anna Goetz, Kuratorin, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Philippe Pirotte, Rektor Städelschule
Kolja Reichert, Autor & Journalist
Philip Graf Solms, Vorstand Städelschule Portikus e.V.
Christian Spies, Professor für Kunstgeschichte Goethe-Universität Frankfurt

Begründung/Statement:
Die Jurymitglieder, bestehend aus drei Fachleuten, dem Rektor der Städelschule und einem Vertreter des Städelschule Portikus e.V., sind zu der Entscheidung gekommen, dem Künstler Stuart Middleton den Preis zu verleihen. Diese Entscheidung fiel der Jury sehr schwer angesichts der vielen herausragend guten Arbeiten in der Ausstellung.

Der Status von Stuart Middletons Arbeiten ist offen. Seine Objekte sind sowohl eigenständige Skulptur im Raum als auch Protagonisten in minutiös gebauten Stop-Motion-Filmen. Als verstörend banale Widergänger unserer Gegenwart, rufen sie ein dystopisches Grundgefühl auf und rütteln an der brüchig gewordenen Grenze zwischen Realität und Modell.

Stuart Middleton *1987, Crewe, GB
studierte freie Bildende Kunst an der Städelschule in der Klasse von Prof. Michael Krebber von 2013–2016. Von 2006–2009 Studium der Malerei, Camberwell College of Art, London

Werkinfos: Stuart Middleton, „Puppet 02“, 2016, Verschiedene Materialien

 

Das imaginäre Museum Filmreihe von Donnerstag, 14., bis Samstag, 30. Juli 2016 im Filmmuseum Frankfurt

Imaginäres Museum - MMK 2 Fogo:  © massow-picture
Imaginäres Museum – MMK 2 Fogo: © massow-picture

Begleitend zu der Ausstellung „Das imaginäre Museum“ im MMK 2 zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums ein Filmprogramm, das sich mit dem Thema Erinnerung beschäftigt. Inspiriert von Ray Bradburys Science-Fiction-Roman Fahrenheit 451 und der Verfilmung von François Truffaut (GB 1966), entwirft die Ausstellung ein düsteres Zukunftsszenario, in dem Kunstwerke nur noch in Erinnerungen bewahrt werden.

Donnerstag, 14. Juli 2016, 20:30 Uhr
Samstag, 16. Juli 2016, 22:30 Uhr
FAHRENHEIT 451
Großbritannien 1966. R: François Truffaut
D: Oscar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack. 113 Min. DCP. OF

Fahrenheit 451 ist der Hitzegrad, an dem Papier angeblich Feuer fängt. Die eigenwillige Verfilmung des Romans Fahrenheit 451 von Ray Bradbury ist angesiedelt in einem autokratischen Polizeistaat, in dem Bücher verboten sind und Lesen unter Strafe steht. Statt mit futuristischen Klischees zu hantieren, zeichnet François Truffaut diese Welt gleichgeschalteter Untertanen mit tückischer Normalität: Die Bücherverbrenner treten in Gestalt biederer Feuerwehrmänner auf. Einer von ihnen fängt irgendwann an, sich aus der lethargischen Anpassung zu befreien und Befehle zu hinterfragen. Eine Hommage an die Literatur, die Kultur und die Phantasie.

Freitag, 22. Juli 2016, 20:30 Uhr
Samstag, 30. Juli 2016, 22:30 Uhr
THE TIME MACHINE
USA 1960. R: George Pal
D: Rod Taylor, Alan Young, Yvette Mimieux. 103 Min. Blu-ray. OF

Ein junger britischer Wissenschaftler reist um die Jahrhundertwende mit einem Zeitschlitten ins Jahr 802.701, wo er zwei gegensätzliche Lebensformen findet: Die Eloi sind sanfte Paradiesbewohner, während die unter der Erde hausenden Morlocks sich als teuflische Ausbeuter und Kannibalen erweisen, gegen die sich ein Aufstand der Unterdrückten formiert. THE TIME MACHINE besticht mit atmosphärischer Dichte und einem humanistischen Kern, der Themen wie Vergänglichkeit und Zeitenwandel unaufdringlich in seinen Erzählfluss einbettet.

Freitag, 22. Juli 2016, 22:30 Uhr
Treppe 41 präsentiert:
TOTAL RECALL
USA 1990. R: Paul Verhoeven. D: Arnold Schwarzenegger,
Sharon Stone, Michael Ironside. 113 Min. 35mm. OF

Einen Film wie TOTAL RECALL (1990) wird es kein zweites Mal geben: Er strotzt vom Flair der späten Achtziger, von Arnie-Sprüchen, radikaler Verhoeven-Ästhetik und Mindfuck nach Philip K. Dick. Seine Kinematografie ist üppig und drastisch, seine Geschichte zeigt Wahrheit als Schein, das Schöne im Hässlichen und das Monströse in Machtstrukturen. TOTAL RECALL ist ebenso ambitionierte Science Fiction wie genüssliche Schwarzenegger-Action.
Vorgestellt von: Eva Szulkowski
Nach dem Film: Treppengespräch mit Wein und Bier

Dienstag, 26. Juli 2016, 20:30 Uhr
Freitag, 29. Juli 2016, 22:30 Uhr
TWELVE MONKEYS
USA 1995. R: Terry Gilliam
D: Bruce Willis, Madeleine Stowe, Brad Pitt. 129 Min. 35mm. OF

Nach einer weltweiten Virus-Epidemie arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Rettung der Menschheit durch Zeitreisen. Ein von einer Kindheitserinnerung besessener Mann wird in die Vergangenheit geschickt, um die Ursache der Katastrophe ausfindig zu machen. Dort landet er in einer Psychiatrie und kommt mit einem (scheinbar) Verwirrten in Kontakt. Dieser gehört den „12 Monkeys“ an und berichtet von Experimenten mit Tieren. Terry Gilliam inszeniert den Stoff als apokalyptischen Fiebertraum, der mit dem subjektiven Fokus auf den Helden geschickt die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verwischt.