Kategorie-Archiv: Museum für Moderne Kunst Frankfurt

Mit Kulturticket freier Eintritt in 18 Frankfurter Museen für Studis der Goethe-Uni

SOS-Brutalismus - Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow
SOS-Brutalismus – Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow

ABER HALL0,-: Kulturticket für Studierende der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences
Die Goethe Card, der Studierendenausweis der Goethe-Universität Frankfurt und der STUDY-CHIP, der Studierendenausweis der Frankfurt University of Applied Sciences, werden in 18 Museen der Stadt zum Kulturticket.
Einfach die Goethe Card oder den STUDY-CHIP an der Museumskasse vorzeigen und Geschichte, Architektur, alte, moderne und angewandte Kunst studieren und genießen.

Der freie Eintritt wird in Kooperation mit dem AStA der Goethe-Universität bzw. dem AStA der Frankfurt University of Applied Sciences angeboten und gilt für rund 60 000 Studierende in folgenden Häusern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Deutsches Filmmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Giersch der Goethe-Universität
Museum Judengasse
Porzellan Museum
Weltkulturen Museum

Die Museumsparks und -cafés mit Blick auf die Skyline laden zu entspannten Pausen zwischen dem Museums-Hopping ein.

Am Satourday in fünf Frankfurter Museen Verstecktes entdecken – 16 Museen zum Nulltarif für alle unter 18

Archivbild: Archäologisches Museum Frankfurt während der Nacht der Museen 2017. © Foto: atelier-Goddenthow
Archivbild: Archäologisches Museum Frankfurt während der Nacht der Museen 2017. © Foto: atelier-Goddenthow

Aufdecken und sichtbar machen – Am Satourday in fünf Frankfurter Museen Verstecktes entdecken und Geheimnisse lüften

(kus) Am Samstag, 31. März, können junge Spürnasen in fünf Frankfurter Museen mit allerlei Hilfsmitteln – von der Schaufel bis zum QR-Code – Verdecktes sichtbar machen.

Neugierige Reporterinnen und Reporter besuchen die Ausstellung im MMK2 und schreiben inspiriert von den Kunstwerken eine eigene Reportage. Ob die Geschichten, die die Bilder im Weltkulturen Museum erzählen alle wahr sind? Bei einem Streifzug durch das Museum können Kinder ab sechs Jahren Ungeschriebenes aufdecken und hörbar machen. Mit Smartphone und QR-Code-App decken Nachwuchsdetektive bei der Ostereiersuche im Museum für Kommunikation auch die geheimsten Verstecke auf. Um hinter die Geheimnisse im Deutschen Filmmuseum zu kommen, müssen Familien aktiv werden: Einige Bilder werden mit Sonnenlicht gemalt, andere werden erst mit einer besonderen Technik lebendig. Die richtige Technik ist auch für Archäologen beim Ausgraben wichtig. Wie richtig gerüttelt, gesiebt und gepinselt wird und wie tausende Scherben wieder zu Gefäßen werden, erfährt man am Samstag im Archäologischen Museum.

Der letzte Samstag im Monat ist Familientag in vielen Frankfurter Museen. Jeden Monat erwartet Klein und Groß am Satourday eine spannende Auswahl an Aktivitäten, die immer unter einem neuen, kindgerechten Motto stehen. „Die Mischung aus sehen und dann selbst zum Künstler zu werden ist die Besonderheit des Satourday. Die Museen laden Kinder mit ihren Eltern ein, ihre Kunstwerke kennenzulernen, neue Eindrücke zu sammeln und das Gesehene dann kreativ aufzuarbeiten“, erläutert Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Um an den Angeboten im MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, Museum für Kommunikation und Weltkulturen Museum teilnehmen zu können, ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Der Eintritt ins Archäologische Museum, MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, Weltkulturen Museum sowie in alle anderen städtischen Häuser und das Dommuseum ist am Satourday für Kinder und Erwachsene kostenlos.

Informationen zur Anmeldung und das Satourday-Programm liegen zum Download unter http://www.museumsufer-frankfurt.de bereit.

16 Museen – 0 Euro für alle unter 18 Jahren
Archivbild: Kolonialwarenladen im Jungen Museum (Historisches Museum)  © Foto: atelier-Goddenthow
Archivbild: Kolonialwarenladen im Jungen Museum (Historisches Museum) © Foto: atelier-Goddenthow


Egal ob Tüftler oder Sausewind, stilles Persönchen oder Rabauke, Wenigsager oder Vielfrager – für alle unter 18 Jahren stehen die Türen der 16 städtischen Museen kostenfrei offen.

Sticker Icon "0,- Euro Eintritt unter 18 Jahren" Dezernat Kultur und WissenschaftGestalterKids © Museum Angewandte Kunst, Foto: Anja Jahn

Das neue Angebot geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zurück. Seit Januar 2017 gilt er für alle Dauer- und Sonderausstellungen der städtischen Museen Frankfurts. Und das kommt an: Rund 25 Prozent mehr Kinder und Jugendliche besuchten im ersten Quartal 2017 die städtischen Häuser.

Diese faszinierenden Orte können Kinder und Jugendliche kostenfrei für sich entdecken und erobern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum Junges Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Judengasse
Porzellan Museum 
Weltkulturen Museum

Image Profile Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK

© Foto: atelier-Goddenthow
© Foto: atelier-Goddenthow

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung
Nobuyoshi Araki, Kader Attia, Christian Boltanski, David Claerbout, Larry Clark, Thomas Demand, Stefan Exler, Hans-Peter Feldmann, Fischli/Weiss, Günter Förg, Douglas Gordon, Ilja C. Hendel, Noritoshi Hirakawa, Axel Hütte, Barbara Klemm, Mike Mandel, Ryuji Miyamoto, Santu Mofokeng, Anja Niedringhaus, Inge Rambow, Joe Rosenthal, Thomas Ruff, Larry Sultan, Taryn Simon, Dayanita Singh, Beat Streuli, Wolfgang Tillmans, Abisag Tüllmann, Jeff Wall, Tobias Zielony

Ob auf dem Smartphone, in der Zeitung oder am Computer – jeden Tag nehmen wir unsere Welt über eine Flut von Fotografien wahr. Die Ausstellung „Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK“ zeigt, wie sich Künstlerinnen und Künstler aus der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main in ihren Werken mit Bildern aus den Medien auseinandersetzen. Die Präsentation umspannt ein breites Spektrum aktueller Ausdrucksformen von gesellschaftspolitischer Reportagefotografie bis hin zu Aspekten subjektiver, konzeptueller oder inszenierter Fotografie.
Mit ihren technischen Implikationen, ihren bildnerischen Möglichkeiten und ihrem dokumentarischen Charakter war die Fotografie schon immer eines der signifikantesten Medien der Moderne. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1991 wurde Fotografie in der Sammlung gleichbedeutend neben Malerei, Skulptur, Zeichnung oder Film und Videoinstallation gesammelt. Heute umfasst die fotografische Sammlung über 2.500 Werke der internationalen Gegenwartsfotografie von mehr als 90 Künstlerinnen und Künstlern.

Die vielfältige fototechnische Bandbreite reicht in „Image Profile“ von Vintage Prints auf Barytpapier über monumentale Cibachrome bis hin zu Inkjet-Prints und Offsetdrucken auf Papier.
Die präsentierten Werke reflektieren politische Themen und gesellschaftliche Krisen unserer Gegenwart, die in der Presse durch Bilder verbreitet wurden und hinterfragen den vermeintlich authentischen Charakter der Pressefotografien. Viele der Arbeiten thematisieren dabei die Prägung unserer visuellen Vorstellungskraft durch die Medienbilder.
Die Ausstellung findet ihren Auftakt in dem fünfteiligen Werk „Klause“ (2006) von Thomas Demand, das als Auftragsarbeit speziell für das MMK entstanden ist. Die raumgreifende Installation basiert vor allem auf Pressebildern. Thomas Demand verwendet diese aber nicht eins-zu-eins, sondern rekonstruiert sie zunächst in seinem Atelier. Diese dreidimensionalen „Bilder“ werden aus farbigem Papier und Pappe im Größenverhältnis 1:1 als Kulisse gebaut, dann fotografiert und in großformatigen Diasec-Prints präsentiert. Der Bildzyklus der „Klause“ thematisiert einen Fall von Kindesmissbrauch, der sich über Jahre im Hinterzimmer einer deutschen Stadtteilkneipe, der sogenannten Tosa-Klause, zugetragen hat. Er handelt aber auch von dem damit verbundenen sehr langwierigen Strafverfahren, das über Monate hinweg Schlagzeilen in der Boulevardpresse machte. Das Wissen um die Sachverhalte und Fakten sind dagegen diffus. Thomas Demands Werk stellt die Wirklichkeit, ihre mediale Vermittlung und deren schier grenzenlose technische Manipulierbarkeit in Frage.

Die Serie „Die Toten 1967 – 1993“ (1996 – 1998) von Hans-Peter Feldmann ist eine Schenkung des Künstlers, die das MMK als eines der wenigen Museen weltweit besitzt. Es handelt sich um Porträts von 100 Personen, die im Kontext des Deutschen Herbstes und der RAF–Bewegung zwischen 1967 und 1993 gewaltsam ums Leben gekommen sind. Alle Toten stehen im Zusammenhang mit der Eskalation von Gewalt und Terrorismus. Die Bilder, die hier gezeigt werden, hat Hans-Peter Feldmann ausschließlich aus Printmedien dieser Zeit zusammengetragen. Die chronologische Ordnung der Fotos folgt lediglich den Todesdaten ohne Unterscheidung zwischen Täter und Opfer.

Die klassische Reportage-Fotografie ist in der Ausstellung durch Künstlerinnen wie Barbara Klemm, Abisag Tüllmann und Anja Niedringhaus vertreten, deren Fotografien weltweit in unterschiedlichen Print-Medien abgedruckt wurden. In ihrer Beobachtungsschärfe und ihrem Einfühlungsvermögen zeugen die Bilder von einer zutiefst humanen Sicht auf die Krisen und Kriege der Welt. Mit ihren kalkulierten Bildkompositionen haben die Fotografinnen aus der Sammlung des MMK unsere Vorstellung vom klassischen Bildjournalismus geprägt wie wenige andere. In der Ausstellung sind Barbara Klemms Aufnahmen aus Indien, Anja Niedringhaus’ Fotografien als „embedded journalist“ im Irak- und Afghanistan-Krieg sowie Abisag Tüllmanns Fotografien aus Südafrika zu sehen.

Ein weiteres zentrales Thema, das mit Blick in die Vergangenheit eine große Aussagekraft für die Gegenwart hat, greift Kader Attia auf, dessen Serie „The Debt“ (2013) in der Ausstellung zu sehen ist. Die Zweikanal-Dia-Installation zeichnet anhand von vorgefundenem Bildmaterial ein Stück der Kolonialgeschichte während des ersten Weltkrieges und die erschütternden Konsequenzen auf menschlicher Seite nach. Dabei ist mit der titelgebenden „Schuld“ die historische Verantwortung der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Deutschland gemeint, denn das verwendete Bildmaterial dokumentiert unter anderem den Kriegseinsatz afrikanischer Soldaten, die auf Seiten ihrer jeweiligen Kolonialherren kämpfen mussten. Wie ihre europäischen Landsleute erfuhren sie die unmittelbaren Spuren dieser modernen Kriegsführung am eigenen Leib. Die Gegenüberstellung von verletzten afrikanischen und europäischen Soldaten setzt diese gleich, was in der Realität in Form von Honorierungen der Kriegseinsätze afrikanischer Soldaten nicht passierte. Kader Attia möchte mit seiner Arbeit den Bogen von der Vergangenheit, und der damit einhergehenden Schuld der ehemaligen Kolonialmächte, hin zur unmittelbaren Gegenwart der „Sans-Papiers“, also der Menschen ohne Ausweisdokumente, spannen.

Eröffnung
Donnerstag, 22. März, 20 Uhr, MMK 2

Spezialführung zur Ausstellung
Durch die Ausstellung mit … Tobias Zielony
Mittwoch, 20. Juni, 18.30 Uhr im MMK 2
Im Eintrittspreis enthalten, mit Anmeldung

Öffnungszeiten im MMK 2:
Dienstag–Sonntag: 11 Uhr – 18 Uhr
Mittwoch: 11 Uhr – 20 Uhr
Montag geschlossen

Social Media:
Das Hashtag zur Ausstellung: #imageprofile
Trailer unter: youtube.com/user/mmkfrankfurtmain
Homepage: mmk-frankfurt.de | Blog: mmk-notes.com | Facebook: facebook.com/mmkfrankfurt
Twitter: @mmkfrankfurt | Instagram: @mmkfrankfurt | #mmkfrankfurt #mmk1 #mmk2 #mmk3

Summer in the City Großes Sommerfest im MMK 2 Frankfurt am 21. Juni 2017

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zur Sonnenwende veranstaltet das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main ein großes Sommerfest im und um das MMK 2 im TaunusTurm. Unter dem Motto „Summer in the City“ erwartet die Besucherinnen und Besucher am Mittwoch, 21. Juni ab 19 Uhr ein umfangreiches Programm.

In Kurzführungen haben die Besucher die Möglichkeit, herausragende Werke der Minimal Art der 1960er- und 1970er-Jahre in der Ausstellung „Primary Structures. Meisterwerke der Minimal Art“ zu erkunden. In der großen Überblicksschau mit fast 50 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert das MMK erstmals umfassend die Meisterwerke dieses Sammlungsbestands. Die Künstler Carl Andre, Walter De Maria, Dan Flavin, Donald Judd und Fred Sandback revolutionierten mit ihren radikalen Werken in den 1960er-Jahren die Kunstwelt. Sie verwendeten erstmals in der Geschichte der Kunst industriell gefertigte oder bearbeitete Materialien und reduzierten ihre Arbeiten auf einfache übersichtliche und meist geometrische Grundstrukturen, sogenannte „Primary Structures“. Die Ausstellung zeigt dazu Werke jüngerer Künstler, die sich maßgeblich auf den Minimalismus beziehen. Zum Sommerfest spielt das Saxophonquartett „Vier Farben“ dazu ausgewählte Stücke der Minimal Music direkt in den Ausstellungsräumen.

Zudem wird DJ Ata den ganzen Abend ab 19 Uhr auflegen und den sommerlichen Dancefloor zum glühen bringen – „Summer in the City-Feeling“ pur. Sobald es dann ab 22 Uhr dunkel ist, wird der brandneue Film „Visual Album – That’s Desire / Here We Are EP“ von Fragile/Wolfgang Tillmans im Open-Air-Kino vor dem MMK 2 präsentiert. Das Museumscafé Elaine’s Deli verwöhnt die Besucher an der Freiluft-Bar mit Drinks und anderen Köstlichkeiten. Picknickdecken gehören selbstverständlich zum Outdoor Erlebnis dazu und können ausgeliehen werden.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Programmübersicht
ab 19 Uhr: DJ Ata
ab 19 Uhr (durchgehend): Kurzführungen durch die Ausstellung
19.30 / 20:30 / 21:30 Uhr: Minimal Music
22 Uhr: Open-Air-Kino

Fiona Tan „Geografie der Zeit“ – ab 17.09.2016 im MMK1 Frankfurt

© massow-picture
© massow-picture

17. September 2016 — 15. Januar 2017 im MMK 1

Die Künstlerin Fiona Tan zählt zu den herausragenden Künstlerinnen der Gegenwart. Im Mittelpunkt der Werkschau „Geografie der Zeit“ stehen neben Hauptwerken aus ihrem filmischen Œuvre – wie die Doppelprojektion „Rise and Fall“ – die neueste Entwicklung in ihrem Werk hin zu installativen Environments. „Mit diesem Projekt setzt das MMK seine programmatische Ausrichtung fort, ‚mid-career’-Ausstellungen internationaler Künstler gemeinsam mit neuen Arbeiten zu zeigen und diese mit der Architektur des Museums in Beziehung zu setzen“, so Prof. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst, über die Ausstellung.

Fiona Tan hat das Erdgeschoss des MMK 1 in einen Parcours verwandelt, auf dem sich Videoprojektionen, Audio- und skulpturale Arbeiten zu einer dichten Reflexion über das Individuum in einer aus den Fugen geratenden globalisierten Welt verbinden. Zentrale Fragen zur Identität des Menschen im 21. Jahrhundert werden dabei aufgeworfen: Wie sehen wir uns selbst und was bestimmt unsere Perspektive auf das Andere? In filmisch eindrucksvollen Bildern und Installationen erzählt Tan davon, wie die eigene Erinnerung unser Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prägt. In ihren Bildwelten lösen sich die Grenzen zwischen persönlichem und kollektiven Gedächtnis, Innen und Außen, Fiktion und Wirklichkeit auf.

Zeit, Erinnerung und Identität waren von Beginn ihrer künstlerischen Karriere zentrale Themen in Fiona Tans Œuvre. Die sieben im MMK 1 gezeigten Werke folgen diesen Leitmotiven, wobei die Künstlerin in den letzten Jahren ihre Arbeit von filmischen und fotografischen Werken auf objektbasierte Installationen ausgeweitet hat. „Mit Interventionen in die Architektur, Objektinstallationen und Archivmaterialien dehnen sich ihre filmischen Welten in den Ausstellungsraum aus. Das MMK freut sich, diese neue Entwicklung in Fiona Tans Œuvre einem breiten internationalen Publikum zu präsentieren“, erläutert Peter Gorschlüter, Kurator der Ausstellung.

Den Anfang macht die Arbeit „1 to 87“ (2014), eine weitläufige Modelleisenbahn-Landschaft, die sich über die zentrale Halle des MMK erstreckt. Der Titel steht für den Maßstab 1:87, in dem das Werk angelegt wurde. Die auf den ersten Blick idyllisch erscheinende Szenerie bekommt bei genauerem Hinsehen Risse. Der Betrachter wird Zeuge von Begebenheiten, die mit der scheinbaren Arglosigkeit des Panoramas brechen: So ereignet sich beispielsweise ein Zugunglück, während die Bewohner einer Kleingartenkolonie Gemüse ernten. Dem beschaulichen Charakter von Modell-Landschaften setzt Tan Szenen einer komplexen Realität entgegen, die sich nicht mehr durch simple Erklärungsmodelle beschreiben lassen.

In ihrem Filmtriptychon „Ghost Dwellings I–III“ (2014) rückt Fiona Tan hingegen die ökologischen und ökonomischen Folgen der Globalisierung in den Fokus. Sie besuchte drei Orte, die von Verfall und Verwüstung gezeichnet sind: Cork (Irland), das unter den Auswirkungen der internationalen Immobilienblase von 2008 leidet, die einst prosperierende Autostadt Detroit (U.S.A.), die langsam in den finanziellen Bankrott glitt, und die Sperrzone in Fukushima (Japan), die nach dem nuklearen Unglück 2011 errichtet wurde. In diesen Gegenden spürte die Künstlerin Anzeichen einer Wiederbelebung nach, einem Phänomen, das als ‚Nachernte’ bekannt ist. Der Begriff bezeichnet das Wachstum neuer Triebe, nachdem die Ernte erfolgt ist. Die filmischen Porträts dieser melancholischen Schauplätze kontrastiert die Künstlerin mit einem scheinbar behausten Environment, das den Anschein erweckt, als könne sein geheimnisvoller Bewohner jederzeit zurückkehren.

Wie ein roter Faden zieht sich die Beschäftigung mit dem Menschen und seinem Blick in eine ungewisse Zukunft durch Fiona Tans neueste Produktionen. In ihrer Arbeit „Apocalypse“ (2014) verwendet Tan eine Kamera, um Szenen des im französischen Château Angers ausgestellten mittelalterlichen Wandteppichs „L’Apocalypse d’Angers“ (1373–83) abzutasten. Der Zyklus gilt mit seinen fast fünf Metern Höhe sowie über hundert Metern Länge als die größte erhaltene Webarbeit des Mittelalters. Ihren Aufnahmen fügte die Künstlerin einen das Bild durchlaufenden Text hinzu, welcher verschiedene Ausschnitte des Zyklus beschreibt. Gleichzeitig erinnern die vorbeiziehenden Zeilen an den nicht abreißenden Informationsfluss von heutigen Börsen- und Nachrichtentickern und stellen eine Verbindung zu Ereignissen unserer Gegenwart her, die sich in Form von Aktienkursen, Opferzahlen und Wahlergebnissen manifestieren.

Der Traum von einem utopischen Idyll und dem Streben nach Glück findet sich in einem von einer altertümlichen Legende inspirierten Hörstück. „Brendan’s Isle“ (2010) berichtet von den Abenteuern des irischen Mönchs Sankt Brendan, der sich im 6. Jahrhundert mit einem Fischerboot auf eine Seereise begab, um das Paradies auf Erden zu finden, das er nach sieben Jahren erreichte. Obwohl der genaue Ort der von Sankt Brendan entdeckten Insel nie ermittelt werden konnte, wurde sie auf historischen Landkarten vermerkt. In Tans Nacherzählung eröffnet die Geschichte Raum für Imagination, indem sie auf das Unsichtbare anspielt.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Lebensraum des Menschen fokussiert sich Tan in ihren Arbeiten „Rise and Fall“ (2009), „Nellie“ (2013) und „Diptych”( 2006–2011) auf das Individuum, indem sie die Verflechtung von persönlicher Identität und kultureller Prägung untersucht. In ihren filmischen Installationen greifen Sehen und Gesehenwerden, Blick und Gegenblick ineinander und verschmelzen zu einer Einheit.

Für „Rise and Fall“ filmte Fiona Tan an den Niagarafällen sowie in Belgien und den Niederlanden. Eine jüngere und eine ältere Frau scheinen denselben Raum zu bewohnen, ohne jedoch jemals aufeinanderzutreffen. Ob sich die ältere Frau ihres jüngeren Selbst erinnert, die junge Frau ihr künftiges Selbst ersinnt oder aber beide Frauen unabhängig voneinander in der Gegenwart existieren, bleibt offen. Das filmische Doppelporträt der Frauen wird durch Bilder von Wasser in verschiedenen Bewegungszuständen verbunden. Die raumgreifende Doppelprojektion bietet die Möglichkeit der Reflexion über den Fluss der Zeit sowie die Unschärfe von Erinnerungen und verweist auf das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft, Erinnern und Vergessen.

Die Videoinstallation „Nellie“ versetzt den Betrachter an einen anderen Ort in eine andere Zeit. Inspiriert ist die Arbeit vom Leben der Cornelia van Rijn, Rembrandts unehelicher Tochter, die im Alter von sechzehn Jahren nach Batavia (dem heutigen Jakarta) emigrierte. Über Cornelias Leben ist kaum etwas bekannt; von ihr existieren keine Porträts. Diese Leerstelle in den Geschichtsbüchern ermöglichte es Tan, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Die bewegende Arbeit bildet eine Hommage an eine vergessene Frau, deren „offene Geschichte“ wiederbelebt wird.

Für „Diptych“ filmte Fiona Tan über einen Zeitraum von fünf Jahren – zwischen 2006 und 2011 – auf der schwedischen Insel Gotland Porträtaufnahmen von 15 eineiigen Zwillingspaaren Tan selbst sagt: „Dieses Projekt begann als Studie zu Synchronität und Dauer. Ich war interessiert an der visuellen Messung von Zeit. Paradoxerweise sehe ich diese Arbeit mittlerweile eher als eine Erforschung von Gleichheit, vom Konstanten und Unveränderlichen.“

Präsentiert werden die Werke in einer faszinierenden, von der Künstlerin entworfenen Ausstellungsarchitektur. Die rolltorähnliche Struktur erinnert an gewerbliche Lagerräume, kann jedoch auch als Anspielung auf die in aller Welt entstehenden Zollfreilager für Kunst und Luxusgüter verstanden werden oder als Reflexion über die Themen des Transits, der Entgrenzung und des Verlustes von Verortung und Identität.

Fiona Tan wurde 1966 in Pekanbaru (Indonesien) geboren. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam (die Niederlande) und Los Angeles (U.S.A.). Ihr Werk wurde in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. 2002 nahm sie an der documenta 11 in Kassel teil. 2009 vertrat sie die Niederlande auf der 53. Venedig Biennale.

Eröffnung: Freitag, 16. September 2016, 20 Uhr im MMK 1

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem National Museum of Art, Architecture and Design, Oslo (Norwegen), dem MUDAM, Luxemburg, und dem Tel Aviv Museum (Israel).

Die Ausstellung wird gefördert durch den Mondriaan Fund mit Unterstützung des Niederländischen Außenministeriums und des Niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft, die Stiftung Ammodo und die Botschaft des Königreichs der Niederlande, Berlin.

Veranstaltungstipp: Donnerstag, 29. September 2016, 20.30 Uhr, Fiona Tans erster Kinofilm „History’s Future“ (2016) im Deutschen Filmmuseum

Katalog: Zur Ausstellung ist eine Publikation bei Koenig Books, London erschienen. Im Museum erhältlich für 24,80 Euro.

Museumsuferfest 2016: Museum für Moderne Kunst

© massow-picture
© massow-picture

Im MMK 1
Vor 25 Jahren wurde das MMK eröffnet. Aus diesem Anlass können Besucher bei einer Rallye das Tortenstück und seine Kunstwerke Revue passieren lassen oder
auch neu entdecken. Zusätzlich finden regelmäßige Führungen durch die Sammlungspräsentation statt.

Im MMK 2
Besucher des MMK 2 können die aktuelle Ausstellung „Das imaginäre Museum“ in regelmäßigen Führungen kennenlernen. Ausgerüstet mit rätselhaften Details von Kunstwerken gilt es, diese zu finden und bestmöglich zu memorieren. Die Erinnerungen können am Ende der Ausstellung in Wort und Bild festgehalten werden und aus dem Werkdetail kann ein Button zum Mitnehmen angefertigt werden.

Ausführliches Programm

Museum für Moderne Kunst

Absolventenpreis des Städelschule Portikus e.V. im MMK 3 Frankfurt

Franziska Wildt, Ruin, 2016  © Franziska Wildt, Foto/photo: Thomas Schröder © MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Franziska Wildt, Ruin, 2016 © Franziska Wildt, Foto/photo: Thomas Schröder © MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main

Im Rahmen der Eröffnungsfeier der Ausstellung „Croissant“ Absolventen der Städelschule 2016 im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main fand am 13. Juli 2016 die Verleihung des Absolventenpreises statt.

Die Fachjury freut sich, den diesjährigen Absolventenpreis in Höhe von Euro 2.000 an Stuart Middleton verleihen zu können.

Dank der großzügigen Unterstützung des Fördervereins Städelschule Portikus e.V. wird zum 14. Mal ein Preis für die beste Absolventenarbeit verliehen.

Die Jury tagte am 12. Juli 2016:
Anna Goetz, Kuratorin, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Philippe Pirotte, Rektor Städelschule
Kolja Reichert, Autor & Journalist
Philip Graf Solms, Vorstand Städelschule Portikus e.V.
Christian Spies, Professor für Kunstgeschichte Goethe-Universität Frankfurt

Begründung/Statement:
Die Jurymitglieder, bestehend aus drei Fachleuten, dem Rektor der Städelschule und einem Vertreter des Städelschule Portikus e.V., sind zu der Entscheidung gekommen, dem Künstler Stuart Middleton den Preis zu verleihen. Diese Entscheidung fiel der Jury sehr schwer angesichts der vielen herausragend guten Arbeiten in der Ausstellung.

Der Status von Stuart Middletons Arbeiten ist offen. Seine Objekte sind sowohl eigenständige Skulptur im Raum als auch Protagonisten in minutiös gebauten Stop-Motion-Filmen. Als verstörend banale Widergänger unserer Gegenwart, rufen sie ein dystopisches Grundgefühl auf und rütteln an der brüchig gewordenen Grenze zwischen Realität und Modell.

Stuart Middleton *1987, Crewe, GB
studierte freie Bildende Kunst an der Städelschule in der Klasse von Prof. Michael Krebber von 2013–2016. Von 2006–2009 Studium der Malerei, Camberwell College of Art, London

Werkinfos: Stuart Middleton, „Puppet 02“, 2016, Verschiedene Materialien

 

MMK Museum für Moderne Kunst – Programm zum Museumsuferfest 2015

Museum für moderne Kunst

Im Rahmen des diesjährigen Museumsuferfestes können Besucher im MMK 1 und MMK 2 am 29. und 30. August an spannenden Führungen und Veranstaltungen zu den aktuellen Ausstellungen teilnehmen.

Programm MMK 1 (Domstraße 10)
IMAGINE REALITY

Die RAY Fotografieprojekte vereinen herausragende internationale Positionen der zeitgenössischen Fotografie in einer einzigartigen Kooperation in Frankfurt und Umgebung. Die Übergänge zwischen dokumentarischer, fotojournalistischer, angewandter und künstlerischer Fotografie werden in der Hauptausstellung „Imagine Reality“ in den Fokus gerückt. Die Künstler und Künstlerinnen bilden nicht nur die Wirklichkeit ab, sondern schaffen neue Realitäten. Ob Zukunftsutopie, Horrorszenario oder Wohlfühloase- zum Museumsuferfest können Sie selbst eine neue Realität kreieren. In einer Fotobox entstehen Fotos vor Ihrem selbst gestalteten Hintergrund. Zusätzlich finden regelmäßige Führungen durch das MMK 1 und MMK 3 statt.

Samstag, 29. August
11.00 Uhr Führung „Imagine Reality“
14.30 Uhr Führung „Imagine Reality“
16.00 Uhr Führung „Imagine Reality“ (Englisch)
14.00 – 18.00 Uhr Fotobox „Imagine Reality“

Sonntag, 30. August
11.00 Uhr Führung „Imagine Reality“
14.30 Uhr Führung „Imagine Reality“
17.00 Uhr Führung „Imagine Reality“
14.00 – 18.00 Uhr Fotobox „Imagine Reality“

Programm MMK 2 (TaunusTurm, Taunustor 1)
Tuchfühlung. Kostas Murkurdis und die Sammlung des MMK
Der Modedesigner Kostas Murkurdis arbeitet an der Schnittstelle von Mode und Kunst. Durch neue Präsentationsformen, die traditionelle Standards der Modewelt unterlaufen, und Entwürfe, die auf performative, skulpturale und konzeptuelle Fragestellungen eingehen, verändert er unsere Vorstellung von Mode. Während des Museumsuferfests können Besucher die Verschmelzung von Kunst und Mode bei Kostas Murkudis in Führungen kennenlernen. In der Fashion Factory können Sie anschließend selbst aktiv werden und Ihre Kleidungsstücke mittels Siebdruck umgestalten. Es werden Stoffe vorhanden sein, Sie können aber auch gerne eigene Kleidungsstücke mitbringen.

Samstag, 29. August
12.30 Uhr Führung „Tuchfühlung“
16.00 Uhr Führung „Tuchfühlung“
14.00 – 18.00 Uhr Fashion Factory

Sonntag, 30. August
12.30 Uhr Führung „Tuchfühlung“
16.00 Uhr Führung „Tuchfühlung“
14.00 – 18.00 Uhr Fashion Factory

Kontakt

MMK 1|2|3 Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
MMK 1 und MMK3: Domstraße 10, 60311 Frankfurt am Main
MMK 2: TaunusTurm, Taunustor 1

Tel.: 069/21 23 04 47
Fax: 069/21 23 78 82

Öffnungszeiten:
Fr. – So.: 10.00 – 18.00 Uhr

Internet:
E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de
www.mmk-frankfurt.de