Kategorie-Archiv: Museum Angewandte Kunst

Sonderausstellung „Beauty“: Lust am Schönen wecken – Abkehr von der psychotischen Gleichförmigkeit der Moderne bis 15.9.2019 im MAK Frankfurt

Gemeinsam mit seiner Studiopartnerin Jessica Walsh liefert er mit dem neuen Ausstellungsprojekt Beauty ein ganz persönliches, visuell beeindruckendes Plädoyer für die Lust am Schönen. Mit spektakulären interaktiven Installationen nimmt das renommierte Designduo Sagmeister & Walsh die Besucher*innen mit auf eine sinnlich-vergnügliche Suche: Was ist Schönheit und warum fühlen wir uns von ihr angezogen? © Foto: Diether v. Goddenthow
Gemeinsam mit seiner Studiopartnerin Jessica Walsh liefert er mit dem neuen Ausstellungsprojekt Beauty ein ganz persönliches, visuell beeindruckendes Plädoyer für die Lust am Schönen. Mit spektakulären interaktiven Installationen nimmt das renommierte Designduo Sagmeister & Walsh die Besucher*innen mit auf eine sinnlich-vergnügliche Suche: Was ist Schönheit und warum fühlen wir uns von ihr angezogen? © Foto: Diether v. Goddenthow

In diesen Tagen meldeten sich der in New York lebende Superstar des Grafikdesigns Stefan Sagmeister und seine Studiopartnerin Jessica Walsh nach ihrem grandiosen Happy Show-Erfolg mit ihrer zunächst in Wien gezeigten, noch bis 15.09.2019 laufenden großen Ausstellung „ Beauty“ im Frankfurter Museum Angewandte Kunst, zurück: „Wir wollen zeigen, warum diese Abkehr von der Schönheit so unsinnig war und was wir dagegen tun können“, erfahren Besucher gleich zu Beginn. Die Künstler möchten „beweisen, dass Schönheit in der Architektur und im Design keine Oberflächenstrategie ist, sondern zutiefst im menschlichen Sein wurzelt. Wir möchten einen längst überfälligen Diskurs um Schönheit anstoßen und demonstrieren, dass schöne Werke nicht nur mehr Freude machen, sondern auch viel besser funktionieren“.

Mit Beauty wollen die Ausstellungsmacher die Lust am Schönen als lebensbereichernde Dimension demonstrieren. Dabei üben sie heftige Kritik am übertriebenen Funktionalismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der, so die Ausstellungsmacher, bisweilen solch dogmatische Formen annahmen, „dass zahlreiche Architekt*innen und Designer*innen sich in eine psychotische Gleichförmigkeit verbissen.“ Ihr zentrales Versprechen konnten diese ironischerweise jedoch nicht halten, da es einfach nicht funktionierte.  Am eklatantesten zeige sich das, „an den in den 1970ern errichteten Wohnzweckbauten, die 30 Jahre später wieder abgerissen wurden, weil sie den Bedürfnissen nicht entsprachen.“

Die Entdeckung des Hässlichen als Schönheit

Sagmeister und Walsh fanden heraus, dass im Laufe des letzten Jahrhunderts Schönheit negativ besetzt war: „Renommierte Designer*innen behaupteten, kein Interesse an ihr zu haben, die Kunst entledigte sich ihrer nahezu vollständig, und stapelweise ließen sich Architekturbücher durchblättern, ohne dass man ein einziges Mal auf den Begriff Schönheit stieße.

Ist das Tragen modisch zerschliessener Kleidung im Zeitalter massenhaft, zerlumpt ankommender  Armutflüchtlinge nicht mindestens genauso dekandent wie einst die künstlichen Ruinen als Staffagebauten in englischen Landschaftsgärten? © Foto: Diether v. Goddenthow
(nicht in der Ausstellung) Ist das Tragen modisch zerschliessener Kleidung im Zeitalter massenhaft, zerlumpt ankommender Armutsflüchtlinge nicht mindestens genauso dekandent wie einst die künstlichen Ruinen als Staffagebauten in englischen Landschaftsgärten? © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Abschaffung des Schönen mag wohl auch  längst in der Gesellschaft angekommen zu sein. So scheint „hässlich“ das neue „Hip“ zu sein.  «Ugly fashion», die Modeströmung zur Hässlichkeit,  signalisiert diese unaufhaltsame Lust am Unschönen, an der Disharmonie, am Chaos, am Destruktiven. Sie ist Ausdruck eines massenhaften Symptoms einer verdrehten Ästhetik. Die Modewelt scheint Kopf zu stehen: Kaputt, klobig, schräg und abseitig muss es sein: zerrissene Jeans und Klamotten, die nicht mal zur Altkleidersammlung taugen, ausufernde Turnschuhsohlen, Crocs und andere sperrige Latschen, klobige, einst als Kassengestelle verschriene und nun per Nerd-Image geadelte Brillen, bis hin zu das Gesichts entstellende Mehrfach-Piercings in Lippen, Nasen und Backen.
Als hielten  Menschen Balance,  Harmonie, Proportionen und  Vollkommenheit nicht mehr auch, soll möglichst alles quer und unstimmig sein.

Wer den Trend zum Hässlich-Chaotischen  als Spiegel gesellschaftlichen Geschmacks heranzieht,  ahnt, welche Botschaften von Ästhetik in der postmateriellen Gesellschaft angesagt sind. Anscheinend  ist die Lust am Zerschlagen von Harmonie und Kitsch einstiger Dadaisten, Surrealisten und Fluxus-Künstler mit  Verspätung in der breiten Masse angekommen. Es ist ein Trend zum Chaos, der sich im Bemühen   „dazuzugehören“ und „cool“ zu sein, seit Jahrzehnten selbst nährt, aber wohl bald seinen Höhepunkt erreicht haben dürfte. Denn wer hält auf Dauer schon soviel Disharmonie und Hässliches aus? Nicht von ungefähr fahren Menschen  im Urlaub an „schöne“ („heile“) oder suchen Kraft in der Vollkommenheit der Natur, um ihre Seele aufzutanken

Obgleich Menschen insgeheim nach Schönheit und Vollkommenheit streben, wovon paradoxerweise  vielen  mit der Huldigung von „Hässlichem“ einhergehenden  Trends zur Optimierung  von Körper und Aussehen zeugen, wird dieser Widerspruch im Bemühen „In“ zu sein kaum wahrgenommen oder ignorierte. Da laufen beispielsweise gesichtsgeliftete Damen in perfekt zurechtgehungerten Traumfiguren in teuren zerrissenen Designer-Jeans mit hässlich klobigen Brillen herum, ohne  diese Absurdität ihres Auftritts wahrzunehmen.

Im Auge des Betrachters und Anlegers?

Marcel Duchamp versuchte 1917 vergeblich das Standart-Urinal Fountain als antiästhetisches Statement auszustellen. Er versuchte die Schönheit aus der Kunst zu eliminieren, erläutern Sagmeister und Walsh. Foundain wurde in den 70er Jahren von 500 Experten/innen zum bedeutendsten Kunstwerk des 20. Jahrhunderts gewählt. Und was sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl? © Foto: Diether v. Goddenthow
Marcel Duchamp versuchte 1917 vergeblich das Standart-Urinal Fountain als antiästhetisches Statement auszustellen. Er versuchte die Schönheit aus der Kunst zu eliminieren, erläutern Sagmeister und Walsh. Foundain wurde in den 70er Jahren von 500 Experten/innen zum bedeutendsten Kunstwerk des 20. Jahrhunderts gewählt. Und was sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl? © Foto: Diether v. Goddenthow

In der Kunst scheint geschmacklicher Selbstbetrug oftmals noch nachhaltiger als in der Mode zu sein, da hier die Dinge zumeist viel Ernster genommen werden, oftamls im angestrengten Bemühen zur kleinen tonangebenden Elite zu gehören, die das „versteht“ oder „Kunst voranbringt“: Da avanciert bekanntermaßen schon mal eine „Fettecke“ oder ein  „Schrotthaufen“ zu etwas Großartigem. Oder ein  Pissoir, wie das in der Ausstellung in Kopie gezeigte Sanitärporzellan von Duchamp, wird später als „Ready-Made“  zur neuen Kunst-Gattung ausgerufen, nachdem es 1917 als einziges von 2500 Werken nicht als Kunstwerk in der New Yorker „Big Show“ zugelassen wurde.
Die Debatten darüber, was Kunst sei und nicht, sind ja hinlänglich bekannt. Sie führen letztlich zu Nichts. Wenn eben jemand für Jeff Koons Skulptur „Balloon Dog Orange“ (ein überdimensionaler Ballonhund)  43 Millionen  Euro bezahlt, ist das eben sein Privatvergnügen. Biennale Venedig, Documenta & Co. lassen grüßen. Denn letztlich ist es Ansichtssache,  was gefällt und was nicht. Nach dem „neuen Kunstbegriff“, was immer darunter zu verstehen ist, soll ja auch nicht wie einst die „schönen Künste“ gefallen und zur Erbauung des Menschen beitragen. Zu meinen Kunst solle „schön sein“ ist eines der wohl größten Missverständnisse über die Bedeutung und das Wesen von Kunst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Kunst soll vor allem Fragen an die Welt stellen, anregen, faszinieren und zu emotionalen Erlebnissen führen und keine (schönen) Lösungen anbieten wie Design.

Kunst liegt bekanntermaßen  im Auge des Betrachters, aber nicht nur. Oftmals liegt Kunst auch im Auge des Anlegers unter Wertsteigerungsaspekten, im Auge des Museums/ des Kunsthandels unter Aspekten von Künstler-Renommees und Sammlungs-Bedeutung, oder sie liegt auch im Auge von Künstlern und ihren Vermarktern in Kenntnis der Marktmechanismen und entsprechenden Nomenklaturen des Kunstmarktes.  Kunst muss Vieles, nur eines nicht: schön sein! In diesem Zusammenhang sei die Lektüre von Herbert Molderings „Die nackte Wahrheit. Zum Spätwerk von Marcel Duchamp“ Hanser-Verlag, München 2012 (ISBN: 978-3-446-23872-5) empfohlen.

Vom guten Schönen und hässlichen Bösen

Was „Schönheit“ ist, vermögen zwar auch die Ausstellungsmacher nicht zu sagen. Zu den wichtigsten Merkmalen von Attraktivität zählen sie jedoch: Symmetrie, Einfachheit, Balance, Klarheit, Kontrast und Proportion.

Für Platon war Schönheit ein moralischer Wert: Was gut ist, ist schön, und was schön ist, ist gut. Hiernach leitet sich Ästhetik ab von Ethik. Plato glaubte, so erfahren die Besucher, dass alles Schöne wahrhaftig ist – „Schön ist gut ist wahr“. So wurde in den letzten 200 Jahren Schönheit lange mit „Gutheit“ gleichgesetzt. Bekannt ist dieses Schema von „schönen Guten“ und „hässlichen Bösen“ aus Märchen, und es gilt in Comics, Video-Games oder Filmen bis heute.

Schönheit in der Steinzeit

Prähistorische, aus Elfenbein  geschnitztes Mammut. Ort: Senckenberg-Museum.© Foto: Diether v. Goddenthow
Prähistorisches, aus Elfenbein geschnitztes Mammut. Ort: Senckenberg-Museum.© Foto: Diether v. Goddenthow

Als sexuell anziehend empfinden Menschen nicht nur physische Schönheit, sondern auch die Fähigkeit, schöne Dinge zu kreieren. Schönheit spielte während der gesamten Menschheitsgeschichte eine wichtige Rolle. Als älteste Kunstwerke der Menschheit sind Vögel, Löwenmenschen, ein Wildpferd und Frauengestalten (Venus von „Venus vom Hohle Fels“ und „Willendorf“ aus Knochen und Elfenbein der Altsteinzeit von vor bis zu 35.000 Jahren bekannt. In der Ausstellung werden dafür stellvertretend Faustkeile gezeigt, die nicht nur als Werkzeuge, sondern auch wohl als erste Kunstwerke dienten.  „Für den symmetrischen Schliff von Steinäxten gab es keine Begründung, allerdings gewannen die Hersteller dieser Werkzeuge mit ihrem Gefühl für symmetrische Gestaltung und mit feinmotorischem Können an Attraktivität.“, so die These.

Das Streben nach Schönheit im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war von Schönheit besessen. Künstler/innen wie Anselm Feuerbach widmeten ihr ihr ganzes Schaffen, so die  Sagmeister. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das 19. Jahrhundert war von Schönheit besessen. Künstler/innen wie Anselm Feuerbach widmeten ihr ihr ganzes Schaffen, so die Sagmeister. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das 19. Jahrhundert, so erfahren Besucher, war von Schönheit besessen: Künstler wie Anselm Feuerbach widmete „der“ „Schönheit“ sein ganzes Schaffen, wobei das Streben nach Schönheit oft nahe zum Kitsch führte. Der  Höhepunkt dieser Entwicklung lag wohl gegen Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts  mit Aufkommen des lithografischen Farbendrucks  und den neuen vielfältigen Möglichkeiten, „Kunstwerke“, „Tapeten“, „Textilien“, „Möbel“, „Stuck“ usw. industriell herzustellen. Die (groß-)bürgerlichen Wohnstuben der Gründerzeit waren  oftmals überfrachtet mit allerlei Sehnsuchts-Tinnef, Geschmeide, schweren Vorhängen, massiven Möbeln, neobarocken- bis keltisch anmutenden Ornamenten und Schnörkeln.

Jugendstil: zurück zu den natürlichen Wurzeln

Impression aus dem Museum Künstlerkolonie Darmstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus dem Museum Künstlerkolonie Darmstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Etwa gegen 1900 setzte sich insbesondere im Bildungsbürgertum  mit Lebensreform- und Freikörperkultur–Bewegungen auch ein neuer,  die Natur zitierender, klarerer Stil durch: der Jugendstil. Die Lebensreformbewegung war als Antwort auf die negativen, umweltbelastenden und krankmachenden Folgen der industriellen Revolution und des maßlosen Kapitalismus (Manchester-Kapitalismus) im Wesentlichen beeinflusst von der Philosophie Friedrich Nietzsches (1844 – 1900, nämlich von der Idee einen neuen Menschentyp zu schaffen, der sich aufmachen werde, „etwas Neues zu sein, etwas Neues zu bedeuten, neue Werte darzustellen“ (Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 1886). Die Aufgabe dieses neuen Menschen sollte sein: eine neue soziale Ordnung vorzubereiten, „gegründet auf ästhetische Kriterien und bevölkert von gesunden Körpern“. Infolge dieser ersten „Zurück-zur-Natur-Bewegung“ fanden unter dem Begriff Jugendstil (und seiner verschiedenen Schulen) inbesondere floral geschwungenen Linien und großflächige Muster, Blumen- und Pflanzenornamente als Hinweis auf des menschen natürlichen Ursprungs Eingang in Kunst, (Gebrauchs-)Design und Architektur. Siehe hierzu: Jugendstil-Ausstellung in Wiesbaden im Rahmen des Jugendstiljahrs)

Ornament und Verbrechen

Ein scharfer Kritiker des Jugendstils im Allgemeinen und der „Wiener Secession“ im Besonderen war der Publizist und Architekt und Wahl-Wiener Adolf Loos (1870 – 1933).  Warum auch immer, vielleicht weil er sich profilieren und abheben wollte,  lehnte Loos die angewandte Kunst ab. Er hielt nichts davon, Gebrauchsgegenstände ohne funktionellen Nutzen in besonderer Weise künstlerisch aufzuhübschen (Form folgt Funktion). Eine Tasse beispielsweise, musste nicht schön sein, sondern als Trinkgefäß funktionieren!  Er nannte es gar ein „Verbrechen“, dass Handwerker ihre Zeit auf Ornamentierung verwendeten, „da Ornamente den Launen der Mode unterworfen wären und somit die Veralterung eines Gegenstandes beschleunigen würden“, zitieren Sagmeister & Walsh sinngemäß aus Loos berühmter Vortragspolemik „Ornament und Verbrechen“ von 1910. Loos verachtete das Imitieren,   das „Stehlen aus der Vergangenheit“, und postulierte, dass Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung sei.  Die Ästhetik war im Bestreben nach optimaler Funktion eher nebensächlich, bei Gebrauchsgegenständen genauso wie in der neuen Architektur der frühen 1920er Jahre wie sie vom Bauhaus   angestoßen wurde und weltweit Verbreitung fand. Daran änderte auch nichts, dass später  manch „Monotones“ schön geredet wurde, was insbesondere in der  inzwischen auch 100 Jahre alten  „neuen Moderne der Architektur“ der Fall war, wo offensichtlich auch jede noch so abstoßende Hässlichkeiten wie triste Trabantentädte mit irgendwelchen sozialen Theorien für einen „neuen Menschen“ geheiligt wurden (siehe unten: Mainz sollte mit Hochhäusern bepflastert nach 1945 zur „Idealstadt der Zukunft“ werden).

Als der Abriss der Pariser Innenstadt drohte 

Loos hatte einen immensen Einfluss auf das Bauhaus in Deutschland und auf Le Corbusier in Frankreich. Bauhaus prägte maßgeblich das Architektur- und Designdenken der folgenden 100 Jahre.
Le Corbusier (1887 – 1965), schweizerisch-französischer Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner hatte 1925 gar  den vom Automobil- und Flugzeughersteller Gabriel Voisin finanzierten Plan Voisin, große Teile des alten Pariser Zentrums am rechten Seine-Ufer abzureißen. Statt der von Haussmann im neugotischen und neuromanischen sowie im  neo-byzantinischen, neoklassischen  und Neorenaiccance-Stil erbauten Pariser Innenstadt mit ihren unvergleichlichem Flair  aufgrund dieser Formenvielfalt, wollte Corbusier im Bemühen um eine „zeitgenössische Stadt“ 18 locker und regelmäßig angeordnete sechzigstöckige Hochhäuser mit kreuzförmigem Grundrissen in die Metropole an der Seine klotzen.  Anstelle der typischen, für mehrere Familien verschiedener Gesellschaftsschichten  errichteten  Fünf- bis Sieben- Geschoss-Bauten mit Geschäften im Erdgeschoss und darüber liegenden Wohnungen für die Besitzer sollten gleichförmige Massenunterkünfte die Menschen beglücken.  Verschwunden wären all die bislang gemischt genutzten Viertel pulsierenden Lebens mit Cafés, kleinen Geschäften, Betrieben und Boulevards und mit ihnen das pulsierende urbane Leben, was Menschen lieben und das Leben miteinander  schöner macht.

Le Corbusier wollte Wohn- und Arbeitsviertel durch mehrspurige Schnellstraßen trennen. Seine architektonische Radikalität und Rücksichtslosigkeit gegenüber dem historischen Bestand stieß jedoch auf ein kritisches Echo und konnte sich nicht durchsetzen und wurde  zum Musterbeispiel einer inhumanen, schematischen Rasterarchitektur. Diese fand aber in der Sowjetunion, später, modifiziert in der DDR, zahlreiche Anhänger. (Buchtipp: Ursula Muscheler. Das rote Bauhaus – Eine Geschichte von Hoffnung und Scheitern, Berenberg Verlag, Berlin 2016, ISBN 9783946334101 Gebunden, 144 Seiten, 22,00 EUR)

Paris heute und das Paris  eines Le Corbusiers: Auf der linken Leinwand werden Orte vom heutigen, historisch erhaltenen Paris gezeigt. Die rechte Leinwand zeigt parallel den gleichen Ort  mit Hochhausbebauung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Paris heute und das Paris eines Le Corbusiers: Auf der linken Leinwand werden Orte vom heutigen, historisch erhaltenen Paris gezeigt. Die rechte Leinwand zeigt parallel den gleichen Ort mit Hochhausbebauung. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wie Le Corbusiers Paris ausgesehen hätte,  wäre sein Plan Voisin real geworden, können  die Besucher an Simulations-Leinwänden erfahren: auf der einen, der linken Leinwand werden Ortsansichten vom heutigen, historisch erhaltenen Paris gezeigt. Die rechte Leinwand präsentiert parallel die gleiche Blickachse auf den selben Ort mit simulierter Hochhausbebauung. Sagmeister & Walsh bemerken dazu: „Heute wissen wir“, wie katastrophal das gewesen wäre. Die Wohnviertel wären tagsüber wie ausgestorben und die Arbeiterviertel nachts leer gewesen: Moderne Stadtplaner halten das genaue Gegenteil dieses Konzeptes – gemischt genutzte Viertel – für wirklich erfolgreich.“

Bürgerinitiativen vereitelten Mainzer und Wiesbadener Abriss-Gau 

Auch diese historistische Villa in der Bierstadter Strasse wäre wie hunderte andere, in denen May keinen ästhetischen Wert sah, seinen 1960er Planen vom neuen Wiesbaden zum Opfer gefallen, © Foto: Diether v. Goddenthow
Auch diese historistische Villa in der Bierstadter Strasse wäre wie hunderte andere, in denen May keinen ästhetischen Wert sah, seinen 1960er Planen vom neuen Wiesbaden zum Opfer gefallen, © Foto: Diether v. Goddenthow

Was in Paris der späten 1920er Jahre nicht durchsetzbar war,  glückte teilweise jedoch in Nachkriegsdeutschland. Autogerechte, gesichtslos gebliebene Städte wie Ludwigshafen, Gießen, Hanau, Offenbach, Kassel und viele andere wiederaufgebaute Orte zeugen bis heute noch von einer rein funktionalen Städteplanung, in der Schönheit keinen Platz hatte.

Mainz, welches im Krieg zu 80 Prozent zerstört worden war, ist  nach 1945 ganz knapp einem Totalabriss seiner noch letzten historischen Bausubstanz  entgangen. So sollte Le Corbusier-Kollege Marcel Lods  bis auf das unmittelbare Dom-Umfeld sämtliche restliche Altbausubstanz inklusive des noch relativ erhalten gebliebenen  Gründerzeit-Viertels „Neustadt“ abreißen und mit Scheibenhäusern (ähnlich den  Grindelhäusern in Hamburg) neu bebauen. Mainz sollte Muster einer „Idealstadt der Zukunft“ werden. Nur wegen allmählichen Bedeutungsverlustes der französischen Besatzer konnte 1949 dies eine Bürgerinitiative gerade noch vereiteln.

Goldgasse, Altstadt-Zentrum des im Volksmund bezeichneten Wiesbadener Schiffchens sollte ebenfalls Ernst Mays Plänen vom Neuen Wiesbaden zum Opfer fallen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Goldgasse, Altstadt-Zentrum des im Volksmund bezeichneten Wiesbadener Schiffchens sollte ebenfalls Ernst Mays Plänen vom Neuen Wiesbaden zum Opfer fallen. © Foto: Diether v. Goddenthow

In  Wiesbaden hätte  die Stadtregierung fast selbst die Zerstörung ihrer historischen Stadt besorgt.  Hier verhinderte Anfang der 1960er Jahre eine Juso-Bürgerinitiative um Jörg Jordan, Achim Exner und Michael von Poser die Umsetzung von Ernst Mays gefeierten Visionen vom „Neuen Wiesbaden“ mit Abriss großer Innenstadt-Areale (Bergkirchenviertel, Schiffchen etc.) sowie wertvoller Villenviertel. Diese „City Ost“ sollte zu einem Verwaltungszentrum mit hohen Gebäuderiegeln und großen Verkehrsachsen nach Mainz und Frankfurt werden. Siehe Beitrag „Hochhäuser am Bierstadter Hang wiesbadener kurier“ vom 14.6.2019.
In der ehemaligen DDR hatte sich der im Bauhaus entwickelte Plattenbau bei der Wohnungsversorgung der Bevölkerung durchgesetzt. Historische Altbausubstanz galt als nicht mehr sanierbar, und durfte  als Relikt von feudaler und  bourgeoiser  Klassenfeind-Architektur  dem Verfall preisgegeben werden getreu dem Motto „Ruinen schaffen ohne Waffen“.  Wo nicht großflächig abgerissen oder Kirchen wie die Leipziger Paulinerkirche weggesprengt wurden, überließ man die Altstädte weitestgehend ihrem Verfalls-Schicksal!

Verarmung von Form und Vielfalt durch Bauhaus

Varmung von Form und Vielfalt: China einst und Peking heute. © Sagmeister und Walsh Foto: Diether v. Goddenthow
Varmung von Form und Vielfalt: China einst und Peking heute. © Sagmeister und Walsh Foto: Diether v. Goddenthow

Wie die Ausstellungsmacher bemerken, führte der internationale (Bauhaus-)Stil, was die Gestaltungsvielfalt anbetrifft, allerorten eher zu einer Verarmung von Form und Vielfalt. So bedauern sie, dass sich durch Bauhaus die Architektur weltweit angeglichen habe: „Ob in der brütenden Hitze der Tropen oder klirrenden Kälte der Arktis – man lebte und arbeitete in einer Schachtel“, kritisieren Sagmeister & Walsh. Dabei nehmen sie insbesondere die sich hierdurch überall gleichsam ausbreitende architektonische Hässlichkeit auf die Schippe: In einem Sichttunnel stellen sie die monoton rein zweckmäßig gestalteten Münchener Einheits-U-Bahnstationen den fantasievollen, jeweils von einem anderen Architekten entworfenen  U-Bahnstationen der Moskauer Metro gegenüber. In einem Lautsprecher wird erläutert,  dass in Moskau das U-Bahnfahren für viele Menschen zum Erlebnis werde. Viele Leute stiegen gar aus, um Fotos in der zur Touristenattraktion gewordenen Moskauer U-Bahn Fotos zu schießen. In  Münchener U-Bahnstationen würde man das nicht beobachten.

Begehbare Visualisierungs-Röhre: Münchener und Moskauer U-Bahngestaltungen im Vergleich. © Foto: Diether v. Goddenthow
Begehbare Visualisierungs-Röhre: Münchener und Moskauer U-Bahngestaltungen im Vergleich. © Foto: Diether v. Goddenthow

Als weiteres Beispiel weltweit identitätsloser Gleichförmigkeits-Architektur zeigen die Ausstellungsmacher 8 nebeneinander gestellte Fotos von internationalen Flughafen-Schalterhallen mit den Worten: „Wenn man von Zürich nach Bangkok und über Xi’an nach Brüssel fliegt … sieht man besser auf dem Ticket nach, wo man gerade ist – an der Flughafenarchitektur erkennt man es nicht.“

Schon ein Topf Farbe kann triste Bauten lebenswerter machen 

Richtig Hässliches habe die moderne Architektur den Menschen zugemutet. Wie die Ausstellungsmacher empirisch herausgefunden haben wollen, sei  Braun  die hässlichste Farbe und das Rechteck die hässlichste Form:   Ausgerechnet  die braune Schachtelform zählte, so  Sagmeister & Walsh, in den letzten 100 Jahren zu den dominantesten Formen der Architektur. Dies wird mit Bildmaterial   typischer 1970er Bauten einschlägig belegt und mit einem  kackbraunen Rechteck an prominenter Stelle visuell untermauert. Natürlich gäbe es praktische Gründe für rechteckige Formen, womit die Ausstellungsmacher wohl ein wenig an den mit dieser Einfach-Architektur  höher  erzielbaren Profit anspielen. „Doch wenn wir indigene /historische Architektur betrachten, spielt das Rechteck in fast allen Kulturen eine eher untergeordnete Rolle!“, so die Ausstellungsmacher.

Eintönige, funktionale (Hochhaus-)Architektur  wie sie insbesondere auch im Brutalismus (Béton Brut = roher Beton) praktiziert wurde, erzeugen bei Menschen häufig Stress. Es ist bekannt, dass graue Einheitssiedlungen Menschen krank, depressiv und aggressiv machen können. Nicht von ungefähr entstehen die meisten sogenannten Brennpunkt-Viertel inmitten trister Trabanten- und Satelliten-Viertel. Allein schon mit Farbe lassen sich viele hässliche Bauten aufhübschen. Sagmeister & Walsh zeigen dies am Beispiel von Albaniens Hauptstadt Tirana, einer Stadt in traurigem Zustand mit grauen, vor sich hin bröckelnden Häuserblocks. Bereits ein wenig Verschönerung durch Fassaden-Farbe habe bei den Menschen Wunder bewirkt. So beschloss der Bürgermeister Edi Rama Tirana bunt anzustreichen. „Dies führte zu einem Rückgang der Kriminalität und zu steigenden Steuereinnahmen, da die Bevölkerung das Gefühl hatte, die Regierung unternehme endlich etwas“.

Menschen brauchen Natur – Begrünte High-Line

Frappant  waren auch die Erkenntnisse über den Einfluss von schöner Umgebung auf die  Seele des Menschen nach der Begrünung einer stillgelegten Hochbahn-Trasse im Manhattener Stadtteil West Chelsea 1980.  Nachdem die Trasse der stillgelegten Hochbahn  aus den 1930er Jahren von den Designstudios DS-R und James Corner Field Operations in einen Hochpark verwandelt wurde, veränderte sich das gesamte Viertel positiv: Sagmeister & Walsh zitieren die New York Times,  „dass in den sechs Jahren seit der Eröffnung kein einziges Verbrechen auf der High-Line an die zuständigen Polizeireviere gemeldet wurde.“ Die begrünte High-Line habe es auch geschafft, das Verhalten ihrer Nutzer/innen zu verändern. Trotz Millionen von Besucher/innen, so Sagmeister & Walsh, sähe man nicht weggeworfenes Papier oder leere Getränkedosen.

Wo Menschen gern wohnen und leben

Menschen würden, könnten sie es sich leisten, lieber in schönen Häusern mit viel Grün drumherum wohnen. Schon mit der Lebensreformbewegung Ende des 19. Jahrhunderts kam in England die Idee auf, Gartenstädte zu bauen, damit die Arbeiter gesünder und zufriedener leben. Was 1903 mit der ersten englischen Gartenstadt Letchworth begann, hatte der Architekt und Frankfurter Stadtplaner Ernst May in seiner legendären frühen Phase, in den Jahren 1925 bis 1930, unter anderem mit der Reihenhaussiedlung Höhenblick im Grünen in Frankfurt fortgesetzt. Die schlichte und offene Architektur der heute in Eigentum umgewandelten und weitestgehend sanierten Reihenhäuser  gibt bis  heute nach Jahrzehnten  den Bewohnern  noch das Gefühl, in einem Urlaubsparadies zu leben. Siehe hierzu auch HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT: „WIE WOHNEN DIE LEUTE?“ – MIT DEM STADTLABOR DURCH DIE ERNST-MAY-SIEDLUNGEN.

Brachte die funktionale standardisierte und somit erheblich kostengünstigere Bauweise erhebliche Vorteile in der Wohnqualität (Bad, Toilette, Frankfurter Küche, Kohleheizung etc.) kann dies m.E. jedoch leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass eben die ersten – aus der Not heraus geborenen –  Großsiedlungen der 30er Jahre und  der Nachkriegsarchitektur  alles andere als schön waren. Vor allem bleibt die Frage, warum selbst in späteren Zeiten ab den 70er Jahren, in denen eben viele triste Satelliten-Städte an den Rändern der Metropolen entstanden  immer noch hässlich, bisweilen sogar noch hässlicher waren als die Siedlungshäuser der 1950er Jahre.

Festhalten an der  „Schachtel“

Warum muteten die mitunter noch gleichen Architekten, die von Gartenstädten, Licht, Luft und Sonne für den Arbeiter träumten, die also wussten, was die menschliche Seele braucht, den Menschen solange, zum Teil bis heute noch, so schmucklose triste Trabantenstädte (siehe oben) zu?
Liegt dies vielleicht auch daran, dass mit dem Beginn der neuen Moderne nicht nur die klassische Stadt mit Innenstadtzentrum etc. abgeschafft werden sollte, sondern  das bis dahin gültige klassische Architekturvokabular gleich mit, so das traditionellen Formen wie Ornament, Stuck usw. praktisch nicht mehr vorkamen? (siehe oben „Ornament und Verbrechen). Oder liegt es vor allem an den mittlerweile überfrachteten inflationären Bauvorschriften über Abstandsflächen, Wärmedämmung, Lärmschutz, Einschränkung der Gestaltungsfreiheit usw., die eine Annäherung oder Weiterentwicklung der in Jahrhunderten erprobten Muster und Gestaltungsvarianten unmöglich machen?  So bleibt ein Rätsel, weswegen trotz aller Kritik an der neuen Moderne, etwa des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst ( der Düsseldorfer Erklärung über die Europäische Stadt mit Plätzen und Quartieren), weswegen trotz unzähliger Workshops, Bürgerinitiativen usw. weiterhin gnadenlos einfallslos im Schachtel-Stil an menschlichen Lebensbedürfnissen oft vorbei gebaut wird?  Denn, ob im  Europaviertel in Frankfurt am Main, am Berliner Hauptbahnhof oder in der Bahnstadt von Heidelberg – an solchen Orten will und kann sich kein Stadtgefühl einstellen.

Boomende Altstadtquartiere und historische Tourismusziele zeigen, wo Menschen gerne wohnen würden

Teilrekonstruierte Frankfurter Allstadt.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Teilrekonstruierte Frankfurter Allstadt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Nicht von ungefähr boomen Altbauquartiere wie in Berlin-Prenzlauer Berg, Hamburg-Eppendorf, München-Schwabing, Kölns Belgischem Viertel, Dresden-Neustadt, Leipzig-Waldstrassen-Viertel, Mainz-Neustadt, Wiesbaden, Baden-Baden und in vielen anderen deutschen Städten. Diese gewachsene, häufig liebevoll restaurierten Quartiere mit wunderbaren stuckverzierten Altbauwohnungen bis hin zum alternativen Flair bieten all das, was sich Menschen an lebendiger, facettenreicher Urbanität wünschen. Da bislang nicht adäquat ausreichend neugebaut wird, explodieren  in diesen Szene-Vierteln die Preise, so dass sich mittlerweile oft nur Besserverdienende oder „Erben“ diese Lagen leisten können.  So ist verständlich, wenn es in diesen Vierteln immer häufiger  zu Protesten gegen Spekulation und Gentrifizierung kommt. Diese „Abstimmung mit den Füßen“  unterstreicht aber doch  noch einmal mehr und eindrucksvoll den starken Wunsch der Menschen, in welcher Umgebung lieber leben würden.  Und  zeigt nicht auch  der großartige Erfolg der teilrekonstruierten Frankfurter Altstadt einmal mehr für welche Art von Quartieren  die Herzen der Menschen schlagen?

Blick in die Tourismus-Prospekte

Historisches Gebäude der Werkschule von Walter Gropius. © Foto: Diether v. Goddenthow
Historisches Gebäude der Dessauer Werkschule von Walter Gropius. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dass Menschen nach dem Schönen streben, ist   Stadtoberen und Planern bekannt. Das belegt  allein ein Blick in Tourismusprospekte der Städte. Hierin wird verständlicherweise nur mit außergewöhnlichen, mit besonders schönen oder historischen  oder rekonstruierten Bauten und Plätzen geworben.

Rekonstruiertes Meisterhaus eines Bauhauslehrers der 1920er Jahre. © Foto: Diether v. Goddenthow
Rekonstruiertes Dessauer Meisterhaus eines Bauhauslehrers der 1920er Jahre. © Foto: Diether v. Goddenthow

Selbst die im Krieg schwer zerstörte, einstmals wunderschöne barocke Residenz- und spätere Bauhaus-Stadt Dessau,  vermeidet in ihren Prospekten mit dem hässlichen Charme ihre DDR-Platte und abhanden gekommenen Stadtzentrums zu werben. Dessauer Prospekte bilden nur das „Schöne“ in Dessau ab, etwa das inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Bauhaus-Gebäude von Walter Gropius  sowie die in parkähnlichen Kiefernwäldchen eingebetteten rekonstruierten Meisterhäuser sowie  die wenigen vorzeigbaren historischen Bauten, wie zum Beispiel das wiederaufgebaute Rathaus.

Schön bauen heißt nicht „zurück zur Gründerzeit“

Der bolivianische Architekt Freddy Mamani zeigt am Beispiel von sechzig Gebäuden in Et Atto, der höchstgelegenen Stadt der Welt, wie sich Architektur formschön weiterentwickeln könnte. © Sagmeister & Walsh
Der bolivianische Architekt Freddy Mamani zeigt am Beispiel von sechzig Gebäuden in Et Atto, der höchstgelegenen Stadt der Welt, wie sich Architektur formschön weiterentwickeln könnte. © Sagmeister & Walsh

Um „schön“ zu bauen, muss kein Architekt zurück zu Gründerzeit oder mittelalterlichen Fachwerkstil. Sagmeister & Walsh zeigen, wie sich Architektur auch formschön weiterentwickeln kann am Beispiel von sechzig Gebäuden in Et Atto (höchstgelegene Stadt der Welt) des bolivianischen Architekten Freddy Mamani. Er kombiniert indigenen Stil, Art déco und Lad Vegas Glamour miteinander.

Die Architektur spricht für sich, auch der große touristische Andrang. Hundertwasser hat einfach für die menschliche Seele gebaut. Es handelt sich hierbei um eine von 1983 bis 1985 erbaute Wohnhausanlage der Gemeinde Wien und befindet sich an der Ecke Kegelgasse 34–38 und Löwengasse 41–43 im 3. Wiener Gemeindebezirk. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Architektur spricht für sich, auch der große touristische Andrang. Hundertwasser hat einfach für die menschliche Seele gebaut. Es handelt sich hierbei um eine von 1983 bis 1985 erbaute Wohnhausanlage der Gemeinde Wien und befindet sich an der Ecke Kegelgasse 34–38 und Löwengasse 41–43 im 3. Wiener Gemeindebezirk. © Foto: Diether v. Goddenthow

Und wer liebte nicht Hundertwasser-Häuser oder die fantastischen Gebäude des katalanischen Architekten Antoni Gaudís. Diese  allesamt zu touristischen Attraktionen aversierten Bauten zeigen, wie sich  Architektur formschön weiterentwickeln kann.

Die positive Wirkung von „Schönheit“
Schönes wirkt nachweislich unmittelbar auf die Dopamin-Rezeptoren und auf das Empfinden, weswegen „Schönheit“ und „schöne“ Gestaltung durchaus auch funktionell verstanden werden, so Sagmeister & Walsh. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass schöne Menschen schon von Kleinkindern als angenehmer und liebenswürdiger empfunden werden, und die Werbung sich diesen Umstand zunutze macht. „Zu den wichtigsten Merkmalen für visuelle Attraktivität zählen Symmetrie, Einfachheit, Balance, Klarheit, Kontrast und Proportionen“. Allerdings sei kein Objekt per se in dieser Ausstellung schön, da Schönheit in unserem Kopf entstünde. Wie schön Menschen ein Objekt empfinden hängt eben damit zusammen, wie vertraut es uns ist, der Kontext, in dem wir dem Objekt begegnen, unsere individuelle Vorgeschichte, unsere Bildung, Sozialisation und Kultur.
Beispiele aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte lassen im Ausstellungsbereich „Die Geschichte der Schönheit“ keinen Zweifel am historischen Begehren nach Schönheit.

Im Kapitel „Im Auge des Betrachters“ werden bemerkenswerte Ähnlichkeiten in verschiedenen Kulturen und Zeitepochen aufgespürt, die belegen, dass ästhetisches Empfinden weniger subjektiv ist als gemeinhin angenommen. Wie universell das Schönheitsempfinden ist, verdeutlicht unter anderem die Visualisierung von Untersuchungen von Chris McManus, Psychologe am University College London: 85 Prozent der Proband*innen können auf Anhieb ein Werk von Piet Mondrian von der leicht abgeänderten Fälschung unterscheiden. Einmal mehr laden Sagmeister & Walsh hier zur Interaktion ein: Die Eintrittskarte, die man beim Kauf an der Kasse erhält, ist mit geprägten Münzen versehen, die auch zum Abstimmen über Lieblingsformen, –farben und –gerüche eingesetzt werden können. Insbesondere um Farbwahrnehmung geht es in The Color Room. Der mit intensiven, blau-rosafarbenen Mustern überzogene Raum wird regelmäßig mit einem speziellen Licht beleuchtet, das bestimmte Farbtöne grau erscheinen lässt. Farbigkeit wird gemeinhin als schöner empfunden.

Schönheit hat auch ein transformatorisches Potenzial, die Welt zu verbessern, wie im Ausstellungsbereich „Transformierende Schönheit“ verdeutlicht wird. Das zeigt unter anderem die Installation From Garbage to Functional Beauty: Der französische Designer Thierry Jeannot schafft gemeinsam mit mexikanischen Müllsammler*innen einen wunderschönen Kronleuchter aus Plastikmüll. Mit der VR–Installation Tyranny of the Tool, entwickelt von Florian Hönig und Michael Sänger von Unbound Technologies, können Besucher*innen ihre ganz eigene Skulptur im virtuellen Raum erschaffen.

Die Ausstellung Beauty, deren Titel zunächst vielleicht eher an Kosmetik oder Modepräsentation denken lässt, ist absolut empfehlenswert. Man sollte sich Zeit lassen, eventuell zweimal in die Ausstellung gehen: Ein erstes Mal, um einen Eindruck zu bekommen und die Themen aufzunehmen. Insgesamt warten auf Besucher 70 Objektgruppen. Sie sind untergliedert in sechs Ausstellungsthemen: „Was ist Schönheit?“, „Die Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“, „Transformierende Schönheit“ und „Contemplating Beauty“.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Frankfurter Buchmesse: Ehrengastland Norwegen mit grandiosem Programm „Der Traum in uns“ u. Begleitausstellungen

logo-gastland-norwegen

FRANKFURT, 4. Juni 2019 – Auf einer Pressekonferenz stellte sich heute Norwegen als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2019 (16. bis 20. Oktober) im Museum Angewandte Kunst vor. Der Auftritt steht unter dem Motto „Der Traum in uns“, das dem Gedicht „Das ist der Traum“ des Dichters Olav H. Hauge entlehnt ist. Das Gespräch führten Matthias Wagner K (Direktor des Museums), Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Margit Walsø (Direktorin von NORLA – Norwegian Literature Abroad), Halldór Guðmundsson (Projektleiter des Ehrengastauftrittes 2019) und Petter Ølberg (Botschafter Norwegens in Deutschland). Als Vertreter(innen) des Kulturprogramms wurden Stein Olav Henrichsen (Direktor des Munch Museums Oslo), Esther Schlicht (Ausstellungsleiterin der Schirn Kunsthalle Frankfurt), Anette Kruszynski (Stellvertretende künstlerische Direktorin der Kunstsammlung NRW) und Matthias Pees (Intendant des Künstlerhauses Mousonturm) begrüßt.

Foto: Die Sprecherinnen und Sprecher der Pressekonferenz des Ehrengasts Norwegen 2019 vor dem Museum Angewandte Kunst Frankfurt., © Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Die Sprecherinnen und Sprecher der Pressekonferenz des Ehrengasts Norwegen 2019 vor dem Museum Angewandte Kunst Frankfurt., © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Kulturprogramm

Neben dem Literaturprogramm präsentiert Norwegen ein umfangreiches Kulturprogramm, das bildende Kunst, Bühnenkunst, Musik, Film und Architektur umfasst. Die Schirn Kunsthalle, ebenfalls in Frankfurt, zeigt vom 26. September bis zum 12. Januar eine Ausstellung mit 26 Werken der Textilkünstlerin Hannah Ryggen (1894–1970). Das Museum Angewandte Kunst widmet seine gesamte Ausstellungsfläche ab dem 11. Oktober 2019 bis zum 26. Januar 2020 dem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019. Als House of Norway versammelt es herausragende Positionen aus Norwegens Kunst und Kultur, Design, Handwerk und Architektur. Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf präsentiert vom 12. Oktober 2019 bis zum 1. März 2020 „Edvard Munch gesehen von Karl Ove Knausgård“. Außerdem ergänzen eine Ausstellung zum Werk von Harald Sohlberg in Wiesbaden, Aufführungen von Stücken Henrik Ibsens und Jon Fosses, Ausstellungen zeitgenössischer Künstler(innen) sowie zahlreiche Konzerte das Programm im deutschsprachigen Raum. In Frankfurt nehmen das Deutsche Architekturmuseum, das Fotografie Forum Frankfurt, die Ausstellungshalle Portikus, das Künstlerhaus Mousonturm, das Deutsche Filmmuseum und viele andere am Kulturprogramm teil.

„Das Kulturprogramm soll das Publikum überraschen, begeistern und engagieren sowie Norwegen und norwegische Kultur von einer neuen Seite zeigen. Das umfangreiche Kulturprogramm, das wir heute präsentieren, ist das Ergebnis einer wunderbaren Zusammenarbeit zwischen deutschen und norwegischen Kulturinstitutionen. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren auch die nachhaltige Wirkung dieser Kooperationsprojekte zu sehen“, kommentierte Margit Walsø, Direktorin von NORLA.

Autor(inn)en in Frankfurt

Auf der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse werden Erika Fatland und Karl Ove Knausgård als literarische Redner sprechen. Die Journalistin und Autorin Erika Fatland beherrscht acht Sprachen und hat bereits mehrere hochgelobte Bücher veröffentlicht, darunter Sowjetistan, das mit dem norwegischen Buchhandelspreis ausgezeichnet und schon in zehn Ländern veröffentlicht wurde; gerade ist ihr Buch Die Grenze auf Deutsch erschienen. Karl Ove Knausgård gilt als vielleicht wichtigster norwegischer Gegenwartsautor. Seine Bücher, unter anderem sein sechsbändiges autobiografisches Projekt, wurden in über 30 Sprachen übersetzt und sind vielfach preisgekrönt. Rund um die Buchmesse werden mehr als 75 norwegische Autor(inn)en erwartet. Unter anderem reisen Maja Lunde, Jo Nesbø, Dag Solstad und Maria Parr nach Frankfurt.

„In diesem Jahr werden wir Norwegens vitale Literaturszene kennenlernen, und darauf freue ich persönlich mich schon sehr. Wir können von unserem diesjährigen Ehrengast sehr viel lernen: Nicht nur werden Autorinnen und Autoren sowie Übersetzungen aller Genres nachhaltig gefördert; auch das Lesen selbst als Kulturtechnik und als Grundlage für jede Art des demokratischen Zusammenlebens erhält in Norwegen große Aufmerksamkeit. Das sieht man nicht zuletzt an dem hohen Stellenwert, den Bibliotheken in Norwegen genießen. Ich freue mich persönlich sehr auf die Begegnungen mit Autor(inn)en wie Tomas Espedal, Maja Lunde, Linn Ullmann, Karl Ove Knausgård und auf viele literarische und kulturelle Entdeckungen in diesem Jahr“, erklärte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Der Literaturzug mit Kronprinzessin Mette Marit

IKH Kronprinzessin Mette Marit wird mit einem durch Deutschland fahrenden Literaturzug zur Frankfurter Buchmesse anreisen. Die Fahrt des Literaturzugs durch Deutschland ist einer Zusammenarbeit zwischen dem norwegischen Außenministerium, NORLA und der Deutschen Bahn AG zu verdanken. Am Montag, den 14. Oktober, besteigt die Kronprinzessin, die zuvor in Düsseldorf und Berlin zu Gast sein wird, den Zug nach Köln – zusammen mit einer Gruppe Schulkinder. Auf der Reise geht es besonders um norwegische Kinder- und Jugendbücher. Wenn in Köln norwegische Schriftsteller(innen) zugestiegen sind, wird der Literaturzug nach Frankfurt fahren. Als Botschafterin norwegischer Literatur reist die Kronprinzessin jedes Jahr mit einem Spezialzug durch Norwegen, um die Bekanntheit der zeitgenössischen Landesliteratur und die Leselust zu fördern.

„Ich bin stolz und dankbar für die einzigartige Möglichkeit, die norwegische Literatur hervorheben zu dürfen. Ich freue mich darauf, mit einigen unserer besten Autorinnen und Autoren durch das Land zu reisen und dabei die deutschen Leserinnen und Leser kennenzulernen. Ich freue mich natürlich auch darauf, Norwegen auf der weltweit wichtigsten Arena für Literatur und Meinungsfreiheit repräsentieren zu dürfen. Die Frankfurter Buchmesse ist eine einmalige Gelegenheit, unsere norwegische Literatur unter Lesern der ganzen Welt zu verbreiten“, kommentierte IKH Kronprinzessin Mette-Marit.

„Deutschland und Norwegen sind schon seit Langem durch viele Kulturprojekte eng miteinander verbunden und inspirieren sich gegenseitig. Wir sind gleichgesinnte Nachbarn mit häufig zusammenfallenden politischen Interessen und Werten. Wir glauben beide an internationale Zusammenarbeit, Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Das Ehrengastprojekt auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Literaturzug Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mette-Marit und dem breiten Kulturprogramm werden wir nutzen, um diese Partnerschaft weiter zu vertiefen“, sagte Petter Ølberg, Botschafter Norwegens in Deutschland.

Der Ehrengast-Pavillon

logo-pavillon-norwegenAuf der Pressekonferenz wurde auch der Siegerentwurf für die 2.300 Quadratmeter große Ausstellungshalle präsentiert: Das Konzept, das die beiden Architekturbüros LCLA und manthey kula gemeinsam entwarfen, zeichnet eine imaginäre Geografie der norwegischen Literatur. Der Entwurf verbindet einen Bereich für größere Veranstaltungen und eine ausgedehnte Innenlandschaft aus tischartigen Objekten, die skulptural-abstrakt und zugleich narrativ-verspielt sind. Ihr Design ist inspiriert von norwegischen Gedichten und greift Ausstattungsdetails berühmter Bibliotheken auf – von Louis Kahns Leseplätzen in Exeter bis zu Gunnar Asplunds Trinkwasserbrunnen in Stockholm. Dabei bietet der Pavillon Platz für die internationale Buchausstellung „Books on Norway“, zwei Bühnen für Buchvorstellungen und andere Programmpunkte sowie ein Café.

„Das ist der Traum
Das ist der Traum, den wir tragen,
daß etwas Wunderbares geschieht,
geschehen muß –
daß die Zeit sich öffnet,
daß das Herz sich öffnet,
daß Türen sich öffnen,
daß der Berg sich öffnet,
daß Quellen springen –
daß der Traum sich öffnet,
daß wir in einer Morgenstunde gleiten
in eine Bucht, um die wir nicht wußten.“
* Gedicht von Olav H. Hauge/ Übersetzung von Klaus Anders

https://www.norway2019.com/de/
https://www.facebook.com/Norwegen2019/
https://www.facebook.com/norwegianliterature/
https://www.instagram.com/norwegianliterature/

„Muslimisch Mode“, „Plädoyer am Schönen“ und ein „norwegisches Haus“ zur Buchmesse – Museum Angewandte Kunst lädt 2019 wieder zu Außergewöhnlichem ein

Museum Angewandte Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow
Museum Angewandte Kunst.© Foto: Diether v. Goddenthow

Das Frankfurter Museum Angewandte Kunst präsentiert auch im Jahr 2019 wieder zahlreiche spannende Ausstellungshighlights. Dabei ist der Bogen weit gespannt, nämlich von Muslimischer Mode über einem Plädoyer für die Lust am Schönen und die Wunderkammer des japanischen Cloisonnés bis hin zu den herausragenden Arbeiten zeitgenössischer norwegischer Künstler*innen und vielem mehr.

Mit 7 Neuausstellungen, darunter das absolute Highlight „Jil Sander Präsens“, und einer seit 2012 kontinuierlich von durchschnittlich 54.000 auf 141.747 angewachsenen Besucherzahl, war 2018 eines der erfolgreichsten Jahre  des Museums  Angewandte Kunst, freut sich Museumsdirektor Prof. Wagner K , der gestern gemeinsam mit Annie Buenker (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) bei einem Pressegespräch den Ausblick auf das Ausstellungsjahr 2019 gab.

Das neue Ausstellungsjahr startete bereits am 19. Januar mit Moderne am Main 1919-1933 anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 und hat innerhalb von 10 Tagen bereits gut 7000 Besucher angelockt. Demnächst eröffnen drei weitere Ausstellungen, die sich dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode, dem neuen Ausstellungsprojekt Beauty von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh und der Kunstform des japanischen Cloisonnés widmen. Im zweiten Halbjahr bieten zwei weitere Ausstellungen einen Einblick in die Kunst und Kultur, in Design, Handwerk und Architektur Norwegens sowie die Möglichkeit in die Welt der Fantasiefiguren in der Kultur Chinas einzutauchen.

Contemporary Muslim Fashions – 5. April bis 15. September 2019

Raşit Bağzıbağlı für Modanisa Contemporary Muslim Fashions Desert Dream Collection, 2018 © Modanisa
Raşit Bağzıbağlı für Modanisa Contemporary Muslim Fashions Desert Dream Collection, 2018 © Modanisa

Vielleicht für den einen oder anderen auf den ersten Blick ein wenig provokant, stellt sich das Museum für Angewandte Kunst erstmals mit einer großen Ausstellung dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode von Haute Couture über Streetwear bis zu Sportbekleidung und lädt in zahlreichen Begleitveranstaltungen zum Diskurs über diesen weltweit rasant wachsenden Markt ein. Bei muslimischer Mode, so Prof. Wagner K. handele es sich, wie es der frühere Städel-Direktor Max Hollein einmal formulierte, um „nichtkörperbetonte Mode“.

Nachdem die Schau, mitverantwortet von Max Hollein, seit 2016 Leiter des Fine Arts Museums of San Francisco, in den USA für Furore sorgte, wird sie in Frankfurt als erste Station in Europa gezeigt. Die Ausstellung präsentiere Momentaufnahmen aktueller muslimischer Kleidungsstile aus aller Welt, mit einem Schwerpunkt auf dem Nahen Osten und Südostasien sowie Europa und den USA. Dabei reflektiere sie, wie Kleidung dem Ausdruck der vielen Facetten individueller, religiöser und kultureller Identität diente – und wie sie Identität präge, so Prof. Wagner K..

Rund 80 Ensembles von etablierten und aufstrebenden Marken, ergänzt von Modefotografie und Laufstegvideos, zeigen die Raffinesse, mit der regionale Ästhetiken mit globalen Modetrends verwoben werden. Daneben gibt Originalmaterial aus den sozialen Netzwerken, die eine zentrale Rolle für die Verbreitung des neuen Trends s pielen, Einblicke in die Vielfalt der Positionen in der muslimischen Welt und lässt verschiedene Akteure zu Wort kommen.

Contemporary Muslim Fashions wird von den Fine Arts Museums of San Francisco in Zusammenarbeit mit dem Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, organisiert. Kuratiert wurde sie von Jill D’Alessandro, Kuratorin für Kostüme und Textilkunst, und Laura L. Camerlengo, stellvertretende Kuratorin für Kostüme und Textilkunst an den Fine Arts Museums of San Francisco. Sie wurden beraten von Reina Lewis, Professorin für Cultural Studies am London College of Fashion, University of the Arts, London. In Frankfurt wird die Ausstellung von Dr. Mahret Ifeoma Kupka und Prof. Matthias Wagner K koordiniert.
Sie wird gefördert von der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, dem Bankhaus Metzler und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse.

Sagmeister & Walsh: Beauty 11. Mai bis 15. September 2019

Ein weiteres Highlight und absoluter Publikumsmagnet dürfte die große Sonderausstellung „Beauty“ werden, die vom gleichen Künstler der legendären „Happy Show“ gemeinsam mit seiner Kollegin Jessica Walsh inszeniert wird. Mit dem neuen Ausstellungsprojekt Beauty liefern die beiden ein ganz persönliches, visuell beeindruckendes Plädoyer für die Lust am Schönen. Mit spektakulären interaktiven Installationen nimmt das renommierte Designduo Sagmeister & Walsh die Besucherinnen und Besucher mit auf eine sinnlich – vergnügliche Suche: Was ist Schönheit und warum fühlen wir uns von ihr angezogen? Anhand von zahlreichen Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign möchte das Designduo demonstrieren, dass Schönes tatsächlich besser funktioniert. Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik, aus Geschichte, Philosophie und den Naturwissenschaften vertreten Sagmeister & Walsh den Standpunkt, dass Schönheit mehr ist als eine rein oberflächliche Strategie: Sie beeinflusst unseren Alltag, stimuliert unsere Wahrnehmung und macht die Welt zu einem besseren Ort.

Sagmeister & Walsh: Beauty ist eine Kooperation des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, und des MAK Wien. Die Ausstellung wurde in Wien von Kathrin Pokirny -Nagel kuratiert und wird im Museum Angewandte Kunst von Peter Zizka koordiniert.

Die Ausstellung wird gefördert von der Dr. Marschner Stiftung. Premium Partner ist Swarovski. Assoziierter Partner ist Jaguar. Sponsoren sind die Unternehmen wienholding und Merz Pharma. Unterstützt wird die Ausstellung u. a. von Zumtobel, Master & Dynamic sowie der Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

Sieben Schätze. Eine Wunderkammer des japanischen Cloisonnés 23. Mai bis 22. September 2019

Mit Schönheit auf ganz andere Weise hat auch die nächste Ausstellung „Sieben Schätze. Eine Wunderkammer des japanischen Cloisonnés“ zu tun.
Als Japan sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Welt öffnete, blickte der Westen staunend auf ein Land voller Naturschönheiten, aber auch auf eine fremdartige Hochkultur und ihre raffinierten Artefakte. Der Japonismus als Modephänomen war geboren. Mit ihm erlebte die Kunstform des japanischen Cloisonnés einen rasanten Aufschwung. Kunstvoll verzierte Vasen, Teller und Schalen in jener Dekortechnik, bei der farbiges Glas zwischen feinen Kupferstegen auf eine Oberfläche aufgeschmolzen wird, wurden gezielt für ei nen gehobenen internationalen Markt geschaffen. In einer Verbindung aus östlicher und westlicher Ästhetik entstand ein neuartiger Stil des Dekorativen. Noch heute beeindrucken die zarten Farbverläufe, fein gearbeiteten Motive und malerischen Oberflächeneff ekte.
Das Museum Angewandte Kunst erhielt im Jahr 2016 eine anonyme Schenkung von rund vierhundert hochwertigen japanischen Cloisonné-Arbeiten. Nachdem noch im gleichen Jahr erste handverlesene Stücke präsentiert wurden, zeigt die neue Ausstellung nun erstmals die ganze Sammlung in ihrer Vielfalt.
Ein umfangreicher Katalog zur Ausstellung wurde durch die großzügige Unterstützung des Bankhauses Metzler ermöglicht.
Kurator: Dr. Stephan von der Schulenburg

House of Norway 12. Oktober 2019 bis 27. Januar 2020

Als “House of Norway“ widmet das Museum Angewandte Kunst ab Mitte Oktober seine gesamte Ausstellungsfläche  Norwegen, dem Ehrengastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.
Die Schau versammelt herausragende Positionen aus Norwegens Kunst und Kultur, Design, Handwerk und Architektur. Ein Highlight und zugleich Kern der großen Norwegen-Ausstellung bilden noch nie gezeigte grafische Arbeiten von Edvard Munch. Es handelt sich dabei um Grafiken aus einem unveröffentlichten Buch-Manuskript, in dem Munch kurz vor seinem Tode zu allen ihn interessierenden Fragen, von der Geburt bis zum Tode, zum Teil sehr, sehr lyrische Texte schrieb. Das Werk und die Bilder sind eine Sensation.

Zu entdecken gibt es außerdem Werke von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern wie Ingrid Torvund, Kari Steihaug, Frank Ekeberg, Tori Wrånes oder Svein Flygari Johansen. Einblicke in die Kunst und Kultur der Sámi geben ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš sowie künstlerische Positionen etwa von Britta Marakatt -Labba, Máret Ánne Sara oder Jorn Are Keskitalo. Begegnen wird man auch wichtigen norwegisch en Gestalterinnen und Gestaltern wie Tone Vigeland, Torbjørn Kvasbø, Regine Juhls, Grete Prytz und Peter Opsvik. Beispiele aus der modernen norwegischen Architektur, etwa von Sverre Fehn oder Joar Nango, aus dem Bereich des Social Design sowie zeitgenössis che Impulse aus Mode und neuer nordischer Küche stehen für eine kreative Auseinandersetzung mit einer Welt im Wandel.
Die Ausstellung ist absichtlich nicht nach Kunst-Stilen, Zeitfenstern oder anderen inhaltlichen Schwerpunkten gegliedert, sondern soll den Besuchern einen breiten Blick übermöglichen, als würde sie selbst Norwegen bereisen und eben gleichzeitig unterschiedliche Kultur und Kunst bei Land und Leuten oder in Museen erleben.

Im Rahmen von Der Traum in uns – Norwegen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019. Die Ausstellung wird gefördert von NORLA, Norwegian Literature Abroad, von Visit Norway, der Tourismusabteilung von Innovation Norway, und dem Möbelproduzenten Vestre. Sie entstand in Kooperation mit dem Munch Museum (Oslo), dem Nordnorsk Kunstmuseum (Tromsø), Norwegian Crafts, dem Sámi National Theatre Beai vváš (Kautokeino), dem Sámi University College (Kautokeino), dem Sámi Center for Contemporary Art (Karasjok), dem Riddo Duottar Museat (Karasjok), dem Kunstnerforbundet (Oslo), dem Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Trondheim) und vielen anderen.
Kurator: Prof. Matthias Wagner K

亞 歐堂 meet asian art: Von Drachen, Einhörnern und Mondhasen. Tierische und mythische Wesen im Alten China – ab 24. Oktober 2019
In der Reihe „亞 歐堂 meet asian art“ zeigt das Museum Angewandte Kunst die Ausstellung „Von Drachen, Einhörnern und Mondhasen. Tierische und mythische Wesen im Alten China“, die in 2020 hineingehen wird. Die Welt der Kreaturen gehört zu den faszinierendsten Gebieten der visuellen Kultur Chinas. Seit die Kunst im Reich der Mitte vor rund 2500 Jahren zunehmend die sichtbare Realität in den Blick nahm, gehört die Darstellung der Natur, besonders aber auch der Tiere, zu den wichtigsten Ausdrucksformen. Dabei treten mythisch-fiktive Kreaturen noch häufiger in Erscheinung als Abbilder der realen Tierwelt. Bereits zwischen dem 4. und 2. Jh. v. Chr. erscheint das auf älterer mündlicher Überlieferung basierende Buch Sha nhaijing 山海經 („Klassiker der Berge und Meere“), in dem in enzyklopädischer Aufstellung Hunderte von Sagentieren und kuriosen Wesen vorgestellt werden.
Aus der umfangreichen Asiatischen Sammlung im Museum Angewandte Kunst zeigt diese Präsentation ausgewählte Beispiele aus unterschiedlichsten Materialien, die rund 2000 Jahre chinesischer Kultur- und Geistesgeschichte widerspiegeln.
Kurator: Dr. Stephan von der Schulenburg.

Ständige Ausstellungen

Dieter Rams. Ein Stilraum
Elementarteile. Aus den Sammlungen
Frankfurter Küche
Richard Meier. Ein Stilraum

 

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
Telefon (49) 69 212 31286
info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
www.museumangewandtekunst.de

Bauhaus: „Moderne am Main 1919-1933″ – Museum angewandte Kunst vom 19. Januar bis 14. April 2019

logo-moderne

Moderne am Main 1919-1933
19. Januar bis 14. April 2019
Eröffnung: Freitag, 18. Januar 2019, 19 Uhr

Moderne am Main 1919-1933

Zum 100. Jubiläum des Bauhauses richtet das Museum Angewandte Kunst seinen Blick auf die Geschichte Frankfurts in den Jahren zwischen 1919 und 1933: Hier konstituiert sich ein beispielloses Programm baulicher, gestalterischer und kultureller Erneuerung, das unter dem Namen Neues Frankfurt in die Kulturgeschichte eingeht. Die Stadt entwickelt sich nach dem ersten Weltkrieg zum Archetyp der modernen Großstadt, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet. Zwar gilt das Bauhaus heute vielen als die Wiege der Moderne im 20. Jahrhundert. Doch die berühmte Kunst- und Gestaltungsschule ist nicht der alleinige Brennpunkt neuartiger Gestaltung in Deutschland und Europa. Zum Ausgang der 1920er Jahre hat sich Frankfurt am Main als ein dem Bauhaus gleichwertiges, weltbekanntes Zentrum der Avantgarde etabliert.

Die Ausstellung Moderne am Main 1919–1933 möchte zeigen, dass das Neue Frankfurt sich nicht im bekannten, von Ernst May initiierten Wohnungsbauprogramm oder der beliebten Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky erschöpfte. Denn zu dieser Großstadtutopie gehörte ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre der universale Anspruch, mit neuen Gestaltungsformen alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erfassen und im Verbund mit einer forcierten Industrialisierung eine neue urbane Ges ellschaft auf den Weg zu bringen. Dieser Anspruch fand seinen Niederschlag im Produkt-, Interieur-, Industrie- und Kommunikationsdesign, in den angewandten und freien Künsten ebenso, wie auch in den (damals) neuen Medien Fotografie, Film und Rundfunk.

Aus ihrer Gegenwart – und weniger aus der Vergangenheit – leiteten die Protagonist*innen das für die Moderne am Main so Spezifische ab: die Einheit von Gestaltung und sozialem Engagement. Nicht etwas Repräsentatives, mit Bedeutung Aufgeladenes galt es zu schaffen, sondern Dinge mit einem erkennbaren Charakter der technischen Produktion und der sozialen Funktion – im Hinblick auf eine neue, bessere Gesellschaft. Und so lässt sich aus heutiger Sicht sagen, dass es in den 1920er Jahren wohl kaum eine Stadt gab, in der so sehr der Geist des Neuen wehte wie in der Großstadt am Main.

Folgende entscheidende Faktoren lassen sich für diese Entwicklung ausmachen: die wiedererstandene Messe, das städtische Hochbauamt sowie die Kunstschule Frankfurt, die unter Fritz Wichert eine bedeutende Neuausrichtung erfährt und auch Lehrkräfte des Weimarer Bauhauses nach Frankfurt bringt. Aber auch andere, der neuen Gestaltung verpflichtete Vereinigungen und Interessengemeinschaften sowie eine ansehnliche Zahl privater Unternehmen wie der Lampenproduzent Bünte & Remmler, die Bauersche Gießerei oder das Telekommunikationsunternehmen Fuld und Co. waren mit ihrer Arbeit an einer auch außerhalb der Stadt wahrgenommenen ästhetischen wie gesellschaftlichen Neugestaltung im Sinne des Neuen Frankfurt aktiv beteiligt. Die institutionellen Strukturen werden ergänzt durch ein enges Geflecht informeller Strukturen aus Verbänden, Interessengruppen und gesellschaftlichen Zusammenkünften der Innovator*innen.

Mit mehr als 500 Objekten und Entwürfen, Fotografien und Reproduktionen, Zeichnungen, Gemälden, Filmen und Tonaufnahmen von über 40 privaten Leihgeber*innen öffentlichen Archiven und Museumssammlungen erzählt das Museum Angewandte Kunst die Geschichte des Neuen Frankfurt in so noch nie gesehener Fülle und Dichte. Acht thematische Kapitel zeichnen auf 1.200 Quadratmetern ein facettenreiches Bild von einem Aufbruch in die Gestaltungsmoderne, der von Zukunftsoptimismus und Weltoffenheit geprägt war. Sie stellt bekannte und weniger bekannte Protagonist*innen der Moderne am Main vor, macht mit den kreativen Netzwerken der Metropole Frankfurt vertraut und zeigt Verbindungen und Unterschiede zum Bauhaus auf. Dabei wird klar: Wenn das Bauhaus die Akademie der Moderne war, so war das Neue Frankfurt ihre Werkstatt – hier wurde den neuen Ideen ein stadtgesellschaftlicher Diskursraum eröffnet und ein praktisches Experimentierfeld geboten.

Ausstellungs-Rundgang

Treppe zum Bierkeller (Gesellschafterhaus im Palmengarten, Frankfurt am Main) Grete Leistikow (1892-1962) ca. 1930 Vintage Print 8,6 × 11,8 cm © Galerie Berinson, Berlin
Treppe zum Bierkeller (Gesellschafterhaus im Palmengarten, Frankfurt am Main) Grete Leistikow (1892-1962) ca. 1930
Vintage Print 8,6 × 11,8 cm © Galerie Berinson, Berlin

Grundlagen des Neuen Frankfurt
Im ersten Kapitel der Ausstellung können sich die Besucher*innen mit der Situation in Frankfurt nach dem ersten Weltkrieg vertraut machen. Als wichtigster Protagonist für die gesellschaftliche und politische Umwälzung gilt hier Ludwig Landmann (1868–1945), seit 1916 Wirtschaftsdezernent und ab 1924 Oberbürgermeister Frankfurts, der schon während des Krieges an der Idee einer neuen internationalen Messe arbeitete und später den Begriff des Neuen Frankfurt prägte. Mit Unterstützung seines Teams wollte er durch die Etablierung Frankfurts als Messestandort und infrastrukturellen Knotenpunkt den Export deutscher Produkte und eine neue Internationalisierung fördern. So war die Neueröffnung der Messe Frankfurt im Jahr 1919 ein entscheidender Faktor auf dem Weg in die Moderne. Zugleich zählt zu den wichtigen historischen Faktoren auch die Fundierung des Werkbund Hauses sowie das Wirken der Ausstellungsmacherin Lilly Reich. In der von ihr initiierten Messeschau „Von der Faser zum Gewebe“ (1926), stehen erstmals keine fertigen Produkte, sondern Material, Halbfertigware und Herstellungsprozesse im Vordergrund.

Experimentieren und Forschen
Mit dem Neuen Frankfurt verband sich auch ein weitreichender Umbruch in der Kunst und die Etablierung verschiedener neuer Medien, allen voran Film und Ton. In dem Ausstellungskapitel „Experimentieren und Forschen“ werden deshalb Akteur e vorgestellt, die wichtige Jahre in Frankfurt verbrachten und durch ihre genreübergreifenden Experimente zu Pionieren auf den Gebieten der neuen Medien und der Musik avancierten. Gezeigt werden hier u. a. Experimentalfilme des in Gelnhausen geborenen Oskar Fischingers, der dem Film und seiner Ausweitung in die „visuelle Musik“ deutliche Impulse gab. Auch die
wichtigen Entwicklungen im Bereich Musik und Ton werden hier vorgestellt. So gibt es Kompositionen von Paul Hindemith zu hören, die der gebürtige Hanauer auch für ein frühes elektronisches Instrument – das Trautonium – schrieb. Ebenso wird die Rolle des Radios anhand von zwei wichtigen Protagonisten vorgestellt: Hans Flesch und Ernst Schoen präg ten mit ihrem Programm den neuen Frankfurter Sender (Südwestdeutscher Rundfunk), der zwischen 1924 und 1929 als die innovativste Radiostation in Deutschland gilt. Besucher*innen können hier das überhaupt erste Hörspiel hören, das im Oktober 1924 über den Äther ging: „Zauberei auf dem Sender“.

Neben dem Zugang zu diesem historischen Film- und Tonmaterial, steht den Besucher*innen eine Neuauflage eines Theremin-Synthesizers zum Ausprobieren und Entdecken bereit, gestiftet von Moog-Music in den USA. Der Theremin-Synthesizer wurde bereits um 1920 von Lev Termen entwickelt und gilt als erstes elektronisches Musikinstrument.

Netzwerke und Gesellschaften
Die Moderne-Bewegung im Rhein-Main-Gebiet war getragen von einem Netzwerk unterschiedlichster Personen, einer Verbindung vieler, die sich mal enger, mal weniger fest zusammenschlossen, um gemeinsam an der Realisierung verschiedener Gestaltungsprojekte zu arbeiten. Exemplarisch für den Netzwerkgedanken stehen Leben und Werk des Künstlerpaares Ella Bergmann-Michel (1895–1871) und Robert Michel (1897–1983), das in diesem Kapitel anhand ausgewählter Arbeiten vorgestellt wird. Ihr Wohnhaus und Arbeitsraum im Taunus – ein Gehöft namens Schmelzmühle – etablierten sie zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt für Gestalter*innen, Künstler*innen und Architekt*innen ihrer Zeit, den sie später liebevoll als „Heimatmuseum of Modern Art“ bezeichneten. Zu den Gästen, die hier ein- und ausgingen, gehörten Lázló Moholy-Nagy, Willi Baumeister, Jan Tschichold und nicht zuletzt Kurt Schwitters.

Das Ehepaar war zudem in wichtigen Verbänden vertreten, die ebenfalls gestalterische Umbrüche in Frankfurt anstießen: Robert Michel war Mitglied im Werkbund und Bund deutscher Architekten. Er engagierte sich im Arbeitskreis soziales Bauen der Frankfurter Oktobergruppe und realisierte ab 1928 mehrere kleinere Bauprojekte. Ella Bergmann-Michel arbeitete als Fotografin und drehte zwischen 1931 und 1933 insgesamt fünf dokumentarische Filme über den Alltag in Frankfurt am Main und Umgebung, die ebenfalls in einer Auswahl zu sehen sind. Gemeinsam mit Paul Seligmann (1903–1985) gründete sie die Liga für den unabhängigen Film, die in Frankfurt zahlreiche Veranstaltungen zum künstlerischen Film organisierte, so auch die Aufführungen der experimentellen Filme Oskar Fischingers 1932, der zu dieser Zeit schon in Berlin lebte.

Lehren und lernen
An der ästhetischen wie gesellschaftlichen Neugestaltung beteiligt war auch die Kunstschule Frankfurt (ein Zusammenschluss der Kunstgewerbeschule und der Städelschule), die Fritz Wichert ab 1924 zu einer Lehrinstitution nach dem Vorbild des Weimarer Bauhauses formte und in eine zweisemestrige Vorklasse, zehn Fachklassen und entsprechende Werkstätten gliederte. Anders als am Bauhaus stand in Frankfurt die Architektur von Anfang an auf dem Lehrplan. Die freien und angewandten Künste soll ten gleichrangig behandelt werden. Adolf Meyer, Josef Hartwig, Karl Peter Röhl und Christian Dell wechselten vom Weimarer Bauhaus nach Frankfurt und arbeiteten am Main für das moderne
Lehrkonzept. Zu den Lehrenden gehörten auch Margarethe Klimt (Modeklasse), Richard Lisker (Textilklasse), Paul Renner und Willi Baumeister (Typografie und Werbegrafik), Franz Schuster (Innenarchitektur), Richard Scheibe (Bildhauerei) und Max Beckmann (Malerei). Aus dieser Schule gingen u. a. hervor die Fotografinnen Marta Hoepffner und Elisab eth Hase
sowie der Grafiker Werner Hugo Epstein, der Maler Helmut Tamm und die Typografin und Grafikerin Liselotte Müller.

Die Kunstschule unterhielt auch regen Kontakt mit der Industrie und der Wirtschaft sowie den kommunalen Ämtern. Hans Leistikow, Leiter des grafischen Büros der Stadt Frankfurt, setzte zum Beispiel während seiner Lehrtätigkeit an der Kunstschule zwischen 1926 und 1927 Aufträge der Stadt mit Studierenden um. Dies gilt auch für Adolf Meyer, der kleine Bauaufträge an seine Studierenden weitergab und Josef Hartwig, der in seinem Unterricht Aufträge im Sinne der neu geschaffenen Friedhofsrichtlinie umsetzte.

Großstadt gestalten
Die Akteur*innen der Frankfurter Moderne stießen nicht nur Neuerungen im Wohnungsbau an, sondern ebenso in der Grünplanung und bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Die Stadt sollte durch den systematischen Einsatz wiederkehrender, durchdacht entworfener Elemente gegliedert und zu einer Einheit zusammengefasst werden. Von Ernst Mays Großraumplanung über Max Brommes Grünanlagen und Leberecht Migges Wertstoffkreisläufe bis hin zu Margarete Schütte-Lihotzkys Kleingartenlauben und Adolf Meyers Trinkbrunnen lassen sich in den gefundenen Lösungen deutlich die demokratischen und solidarischen Ideen hinter den Entwürfen ablesen.

Noch heute, fast einhundert Jahre nach dem Projekt Neues Frankfurt, weist das Stadtbild an einigen Orten Elemente dieser Gestaltungsmoderne auf. Diese Orte regen dazu an, über d ie Ideale ihrer Gestalter*innen nachzudenken und die immer noch aktuelle Frage zu stellen: Wie wirkt die gebaute Umwelt auf das Zusammenleben der Menschen in einer Stadt?

Auch Ferdinand Kramer, der mit dem Innenausbau und der Möblierung der Frankfurter Wohnungssiedlungen beauftragt war und das für das Neue Frankfurt charakteristische Möbeldesign hervorbrachte, gestaltete eine Reihe von Parkbänken und Ausstattungen für den öffentlichen Raum. Eine dieser Parkbänke, die leider heute aus dem Stadtbild verschwunden sind, wurde in Kooperation mit der tatcraft GmbH, einem MakerspaceStartup-Unternehmen aus Frankfurt, nach Plänen Kramers reproduziert und lädt in der Ausstellung zum Verweilen ein. Zwei weitere Parkbank-Reproduktionen sollen im Laufe der Ausstellung langfristig im Metzlerpark und am Mainufer installiert werden.

In Produktion gehen
Die Frankfurter Moderne wurde vor allem durch die enge Zusammenarbeit städtischer Ämter möglich gemacht. Das Frankfurter Baudezernat baute in den 1920er Jahren ca. 12.000 Wohnungen in am Stadtrand neu angelegten Siedlungen und nahm so in einem bisher nicht gekannten Ausmaß Einfluss auf die Gestaltung der Stadt: die Architektur der Gebäude, die Grünflächen und Friedhöfe, die Reklame aber auch die Inneneinrichtung der Wohnungen sollten rationaler, standardisierter und somit moderner gestaltet werden.

Im Sommer 1925 wurde Ernst May (1886–1979) von den Stadtverordneten zum Stadtrat für Hoch- und Städtebau gewählt. Martin Elsaesser (1884–1957) trat die neu geschaffene Stelle des Hochbaudirektors an. Mit der Berufung dieser beiden Architekten begann eine wirksame Umstrukturierung des Hochbauamtes, das sich nun in folgende Untereinheiten gliedert e:
„Abteilung E: Großbauten“, „Abteilung B: Bauberatung“ und „Abteilung T: Typisierung“. Unter Mays Direktion fielen zudem die Baupolizei und das Siedlungsamt mit den Abteilungen „Stadt- und Regionalplanung“ sowie „Garten- und Friedhofswesen“.

Im Ausstellungsbereich „In Produktion gehen“ können die Besucher*innen zahlreiche Designobjekte entdecken, die aus dem Neuen Frankfurt hervorgingen – zumeist in Zusammenarbeit von städtischen Akteuren mit den florierenden regionalen Privatunternehmen. Zu sehen sind u. a. Möbel von Ferdinand Kramer und Franz Schuster, eine Reihe von Leuchten von Christian Dell und Adolf Meyer, das Frankfurter Telefon der Firma Fuld sowie der Kühler der Autokarosserie des Adler Standards 8 nach den Entwürfen von Walter Gropius und seinem Berliner Büro.

Moderne veröffentlichen
In diesem Bereich der Ausstellung kann man anhand von Fotografien, Objekten, Plakaten und Faksimiles eine Auswahl von Großveranstaltungen kennenlernen, die in der demokratisch regierten Großstadt symbolisch zwischen Politik und Öffentlichkeit vermittelten. Sie geben Auskunft darüber, welche öffentlichen Themen und Interes sen verhandelt wurden und wie dieser beispiellose Modernisierungsschub forciert und bewältigt wurde. Darüber hinaus legt die Ausstellung hier einen Schwerpunkt auf die Fotografie und stellt hier die wichtigsten Protagonist*innen vor, die für dieses Medium in Frankfurt tätig waren und

Prolog und Epilog
Zu Beginn der Ausstellung können die Besucher*innen virtuell in die Welt des Neuen Frankfurts eintauchen. Noch bevor man die eigentliche Ausstellung betritt, ermöglicht die VR-Installation von Nadine Auth (Absolventin der HfG Offenbach) – entstanden in Zusammenarbeit mit Caspar Schirdewahn (Student an der HTW Berlin im Studiengang Gamedesign) – eine detaillierte Vorstellung nahezu aller an der Moderne am Main beteiligten Akteur*innen. Was sich zweidimensional nicht mehr darstellen ließ, jenes Beziehungs- und Arbeitsgeflecht, dieses weit verzweigte Netzwerk von Personen unterschiedlichster Professionen, wird hier auf äußerst sinnliche Art und Weise für die Besucher*innen erfahrbar.

Die abschließende Klammer bildet der Epilog, mit ausgesuchten Objekten und einer weiteren Multimedia-Installation. Eine Bibliothek von 360°-Panoramen der heute erhaltenen Frankfurter Küchen von Fotografin Laura J Gerlach zeigt die wohl berühmteste Erfindung des Neuen Frankfurt im Kontext ihrer jetzigen Umgebungen – private Wohnungen, Büros und Museen. Die durch die freundliche Unterstützung von Lauterbach Schaap Interiors in Frankfurt ermöglichte Installation, bildet zusammen mit zwei Kunstwerken von Olaf Metzel einen Link zur im selben Raum befindlichen originalen Frankfurter Küche aus dem Frankfurter Siedlungsbauprogramm. Als Pendant zur und inspiriert von der Frankfurter Parkbank von Ferdinand Kramer, ist im letzten Abschnitt der Ausstellung zudem eine neue Variante zu sehen, die von der tatcraft GmbH unter heutigen technischen und materiellen Gesichtspunkten entwickelt wurde. Wenn die Ausstellung mit ihren Kapiteln also ein aufschlussreiches Bild von Aufbruch, Vorbildfunktion und den gestalterischen Auseinandersetzungen in jener Zeit zwischen 1919 und 1933 zeichne t, lassen sich anhand der „Andeutungen“ an ihrem Ende drei grundlegende Fragen ableiten: Ob und in welcher Weise gesellschaftliche Veränderungen auch einen veränderten, von Nachahmung befreiten ästhetischen Niederschlag finden müssen, wie das Neue in die Welt kommt und wie viel Moderne, also Neues und damit Veränderungen der Mensch verträgt.

Kuratorisches Statement
Dem Neuen Frankfurt setzten der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg ein jähes Ende. Ernst May und seine „Brigade“ zog es in die UdSSR, wo die Gestaltungsmoderne unter Stalin schon alsbald diskreditiert wurde, während in den USA die Gruppe um Walter Gropius auf rege Resonanz traf und als International Style nach 1945 eine weitreichende Strahlkraft entwickeln konnte. In Frankfurt sind, sieht man einmal von der Frankfurter Küche oder der Schrift Futura ab, keine ikonischen oder später ikonisierten Produkte entstanden, sondern vielmehr Bauten, Möbel, Haushaltsgegenstände, Kommunikationsmittel, kurzum Gebrauchsgegenstände für den täglichen Bedarf, oder wie Mart Stam es nannte, „Dinge für das Menschenmaß“.

Es gab einen noch viel tragischeren Grund für das Ende dieser Moderne: Kaum eine andere Stadt war so sehr vom Engagement ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger für die Moderne geprägt wie Frankfurt. Unternehmer, Politiker, Intellektuelle kamen zu einem großen Teil aus dieser jahrhundertealten Tradition. 1933 zählte die jüdische Gemeinde Frankfurts etwa 30.000 Mitglieder. Nach 1945 war diese ehemalige Stadt-, Wissens-, und Handlungselite nahezu vollständig verschwunden. Mehr als 10.000 von ihnen waren in Konzentrations – und Vernichtungslagern ermordet worden, die anderen emigriert.

Mit dieser Ausstellung das Neue Frankfurt in seiner Gesamtheit wiederzuentdecken, heißt für uns, die Kurator*innen, nicht nur eine historische Rehabilitation zu betreiben, sondern auch das Ende dieser Moderne am Main zu thematisieren und darüber hinaus dazu einzuladen, Perspektiven für die Zukunft in politischer, sozialer, gesellschaftlicher und eben auch gestalterischer Hinsicht zu entwickeln.

Daher möchte das Museum Angewandte Kunst an die Worte des 1924 zum Frankfurter Oberbürgermeister gewählten Ludwig Landmanns erinnern, der nicht nur den programmatischen Begriff des Neuen Frankfurt prägte, sondern zugleich klarmachte, wofür es stehen sollte und an wen es appellierte, nämlich „an den weltoffenen, sachlichen und zukunftsfrohen Geist in Frankfurt“

Kurator*innen
Grit Weber, Annika Sellmann, Prof. Dr. Klaus Klemp, Prof. Matthias Wagner K
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
www.museumangewandtekunst.de

Museumsuferfest 2018 im Museum Angewandte Kunst: El Barrio – Jazz, Beats und Kulinarik im Garten

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Zum Museumsuferfest 2018 laden das Museum Angewandte Kunst, das Restaurant Emma Metzler, die Bar AMP und der Jazz Montez e.V. zum Musik- und Kulturfestival „El Barrio“ ein. Mit dem Besten aus Kulinarik, Live Musik, DJs und Frankfurter Savoir Vivre entsteht im Park rund ums Museum drei Tage lang ein buntes Festivaltreiben. Der Museumshof verwandelt sich in einen internationalen Foodcourt, auf dem sich die Besucherinnen und Besucher durch die kulinarischen Spezialitäten von zahlreichen Frankfurter Trendgastronomien probieren können.

Auf zwei Bühnen sorgen Live Bands und DJs rund um die Uhr für Musikgenuss vom Feinsten. Auf der von Jazz Montez e.V. ins Leben gerufenen Jazz Stage geben sich die aufregendsten Vertreter der aktuellen Jazz-Avantgarde die Ehre, mit Brückenschlägen zu Afro Beat, Elektro, Funk, Rock und Soul. Zu den Highlights zählen das Melt Trio aus Berlin, die internationale Formation Heimatliebe feat. Niels Klein, Sun Dew, Insalar feat. Baris K aus Istanbul und das Contrast Trio aus Frankfurt, Gewinner des hessischen Jazzpreises. Auf der Electronic Music Stage beglücken die Stars der Frankfurter und internationalen DJ-Szene Freunde elektronischer Musik mit Beats von treibendem House bis chilligem Dub. Und in der Nacht von Samstag auf Sonntag steigt im Museumsfoyer eine große Sommernachtsparty, auf der zu den Sounds von Aziesch und Baris K an den Boards bis in die frühen Morgenstunden getanzt werden kann.

Wer hingegen ein wenig Ruhe vom Trubel sucht, kann am grünen Rand des Festivals inmitten unserer Hochbeete das museumseigene Urban-Gardening-Projekt kennenlernen und sich kleine Duftwunder zum Mitnehmen kreieren. Mit hausgemachten Limonaden und koreanischen Cocktails lässt es sich in der Aromagarten-Lounge auf der Museums-Tiefterrasse entspannt verweilen. Daneben geben Performances und Workshops Einblicke in die faszinierende Kultur Koreas, ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung des koreanischen Generalkonsulats.

Und nicht zuletzt bieten die aktuellen Ausstellungen im Museum abwechslungsreichen Kunstgenuss. Bevor die Schau „Lore Kramer. Ich konnte ohne Keramik nicht leben“ am 26. August endet, lädt sie am Festwochenende noch einmal ein, in das Werk der Ausnahmegestalterin einzutauchen. Spektakuläre raumgreifende Arbeiten zeigt die Schau „Michael Riedel. Grafik als Ereignis“, faszinierende Fotografien sind zu entdecken bei „RAY 2018: EXTREME. BODIES“. Die Kabinettschau „Geraubt. Gesammelt. Getäuscht. Die Sammlung Pinkus/Ehrlich und das Museum Angewandte Kunst“ lüftet ein dunkles Museumsgeheimnis, während „Die Farbe von Jade und Ewigkeit“ chinesische Keramiken aus zweieinhalb Jahrtausenden präsentiert.

https://www.museumangewandtekunst.de/

Matthias Wagner K wird Honorarprofessor für Design an der HfG Offenbach

Professor  Matthias Wagner K.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Matthias Wagner K. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 15. Juni 2018 hat der Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, Prof. Bernd Kracke, den Direktor des Museum Angewandte Kunst in Frankfurt, Matthias Wagner K, zum Honorarprofessor im Fachbereich Design ernannt. Wagner K wird seine Lehre als Honorarprofessor im Wintersemester 2018/19 aufnehmen und im Bereich Design kuratieren lehren.

Matthias Wagner K sei „einer der herausragenden deutschsprachigen Vertreter in den Bereichen Designvermittlung und Design kuratieren“, begründet die Hochschule die Ernennung. Der 1961 in Jena geborene Ausstellungsmacher machte sich in langjähriger Tätigkeit als freier Kurator und Autor einen Namen als Spezialist für nordische Kunst und Kultur, Mode und Design sowie für Lichtkunst. Seit 2012 ist er Direktor des Frankfurter Museum Angewandte Kunst. Hier hat er mit einem gänzlich überarbeiteten Ausstellungs- und Partizipationskonzept einen Paradigmenwechsel herbeigeführt. Seither richtet das Haus den Fokus verstärkt auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen und stößt mit wechselnden Objektkonstellationen immer wieder neue Themen an. Damit nimmt das Museum Angewandte Kunst eine Position mit Modellcharakter für zeitgemäße Museumskonzepte im 21. Jahrhundert ein. Zuletzt sorgte Wagner K mit der Ausstellung Jil Sander. Präsens für internationale Aufmerksamkeit und den bislang größten Publikumserfolg des Museums.

Bereits seit 2015/16 lehrt Wagner K an der HfG Offenbach im Rahmen eines Lehrauftrags Design kuratieren, nun wird er mit der Honorarprofessur den Theorieschwerpunkt Design Curating and Criticism weiter stärken.

www.museumangewandtekunst.de

Eröffnung und Festival der dritten Ausgabe der Foto-Triennale RAY 2018

Paulo Nazareth, Banderas Rotas, 2014-18 Installationsansicht/Installation view, Courtesy the artist, Mendes Wood DM and Meyer Riegger, Foto/Photo: Axel Schneider
Paulo Nazareth, Banderas Rotas, 2014-18 – Installationsansicht/Installation view, Courtesy the artist, Mendes Wood DM and Meyer Riegger, Foto/Photo: Axel Schneider

Eröffnung RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain: RAY 2018 EXTREME vom 24. Mai – 9. September 2018
Vernissage heute am 23. Mai, 19 Uhr im RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Domstr. 3, 60311 Frankfurt am Main

Das Bildliche bestimmt unseren Alltag und unsere Wirklichkeit. Mit dem Thema EXTREMEstellen die RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain 2018 diese Bildmächtigkeit anhand einer Vielfalt internationaler künstlerischer Strategien in den Mittelpunkt ihrer dritten Ausgabe. Seit Jahrzehnten findet sich in den Institutionen und Sammlungen in Frankfurt und der Region Rhein-Main eine bemerkenswerte Dichte und Kompetenz im Bereich der Fotografie. Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben RAY 2012 und RAY 2015 wird diese außerordentliche Qualität und Vielfalt erneut in einer einzigartigen Konstellation präsentiert:
Über 60 Künstlerinnen und Künstler, 15 Partnerinstitutionen, 10 Ausstellungsorte und 6 Städte im Rhein-Main-Gebiet schließen sich zusammen und machen diesen Fokus international sichtbar. Mit Ausstellungen, zahlreichen Events und erstmals mit einem viertägigen Festival zum Triennale-Thema EXTREME bietet RAY zwischen dem 24. Mai und 9. September 2018 eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie.

RAY 2018 EXTREME

Technische Neuerungen, Digitalisierung und Globalisierung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel verändern die sozialen wie politischen Verhältnisse weltweit. Krisen, Kriege, Extremismus und Populismus rütteln an unseren Werten, Normen und Organisationsformen. Das Extreme hat Hochkonjunktur. Insbesondere jetzt, wo die grenzenlose Verfügbarkeit digital zirkulierender Informationen und Bilder nach einer Ökonomie der Aufmerksamkeit verlangt, weckt das Extreme die Begehrlichkeit, es ins Bild zu bannen. Je außergewöhnlicher und randständiger, desto größer die Beachtung, die ihm zuteil wird. Die dabei entstehenden Bilder versagen sich dem Normativen und manchmal auch dem „guten Geschmack“. Sie sind fotografischer Ausdruck einer Faszination für das Außergewöhnliche, das Andere, die Entgrenzung, das Künstliche, Bizarre, das Äußerste, den Schock, den Unfall. Ebenso sind sie Beweis für das Schöne, Flüchtige, Verletzbare, das Zerbrechliche. In fünf Ausstellungen zum Phänomen des Extremen reflektieren die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler die globalen sozioökonomischen Veränderungen ebenso wie die Rolle und Funktion einer Fotografie, die nicht den Normal-, sondern den Grenzfall zum Gegenstand der Wahrnehmung macht.

Das inhaltliche Konzept von RAY 2018 EXTREME wurde von folgenden Kuratorinnen und Kuratoren entwickelt: Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie), Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt) und Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main). Dieses Team hat fünf Ausstellungen erarbeitet, in denen die ausgewählten künstlerischen Positionen unterschiedliche Aspekte des Extremen beleuchten.

Die Ausstellung EXTREME. SELF, präsentiert von den Darmstädter Tagen der Fotografie in Kooperation mit dem Kunstforum der TU Darmstadt, zeigt die drei Künstlerinnen Aneta GrzeszykowskaLaís Pontes und Isabelle Wenzel, die sich ebenso persönlichen wie ideenreichen Aspekten der Wahrnehmung des Selbst widmen und sich jenseits des Selfie-Wahns bewegen. Isabelle Wenzel hat hierzu im Januar 2018 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe ein neues Werk in Rahmen ihrer Serie Field Studies erarbeitet.

Die Deutsche Börse Photography Foundation zeigt mit der Ausstellung EXTREME. TERRITORIES in The Cube (Eschborn) Landschaften, die sich durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen in zum Teil dystopische Orte verwandelt haben. Präsentiert werden Arbeiten von Christoph BangertAnne Heinlein und Göran GnaudschunSze Tsung Nicolás LeongGregor Sailer und Guy Tillim, dessen Serie Avenue Patrice Lumumba (2008) von der Sammlung der Deutsche Börse Photography Foundation neu angekauft wird.

Das Fotografie Forum Frankfurt (FFF) widmet sich dem ökologischen Wandel: In der Ausstellung EXTREME. ENVIRONMENTS illustrieren Mathieu Asselin, Krista Caballero und Frank Ekeberg, Lois Hechenblaikner, Paula Luttringer, Pradip Malde, Gideon Mendel und Ami Vitale mit verschiedenen investigativen Herangehensweisen die Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt in verschiedenen Teilen der Welt. Das Künstlerduo Krista Caballero und Frank Ekeberg war im Vorfeld in Frankfurt zu Gast, um sich für sein Langzeitprojekt Birding the Future (seit 2010) mit der Vogelpopulation im Rhein-Main-Gebiet zu beschäftigen und traf sich vor Ort mit lokalen Vogelexperten des Senckenberg Museum und dem Frankfurter Grüngürtel. Die Ergebnisse werden in Form einer interaktiven Multimediainstallation im FFF sowie im öffentlichen Raum zu sehen sein.

Mit Werken von Cao FeiRichard Mosse und Paulo Nazareth nimmt die Ausstellung EXTREME. NOMADS im MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst zeitgenössische Formen nomadischer Existenz in den Blick und setzt sich mit der Entgrenzung von Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur im digitalen Zeitalter auseinander. Abgesehen von der großzügigen Präsentation von mehreren Werkzyklen der chinesischen Künstlerin Cao Fei und dem brasilianischen Künstler Paulo Nazareth, gehört die 20 Meter umfassende Panorama-Filminstallation Incoming des Künstlers Richard Mosse zu den Highlights der Ausstellung, die zusammen mit Leihgaben aus den Sammlungen der DZ BANK Kunstsammlung und der Deutsche Börse Photography Foundation präsentiert wird.

Im Museum Angewandte Kunst werden mit EXTREME. BODIES Darstellungen von Körper und Identität beleuchtet. Die Künstlerinnen und Künstler, u. a. Antoine d’AgataInez van Lamsweerde und Vinoodh MatadinArno Rafael MinkkinenBoris Mikhailov und Carolin Saage, beschäftigen sich mit Gender, Drogenexzessen, randständigen Lebensweisen, Armut, Über-Präsenz sowie dem Verschwinden des eigenen Körpers. Dabei sind u. a. neue Werke des französischen Fotografen Antoine d’Agata und Arno Rafael Minkkinen zum ersten Mal zu sehen.

RAY 2018 Festival am Eröffnungswochenende

Den Auftakt von RAY 2018 bildet vom 24. bis 27. Mai 2018 erstmalig ein viertägiges Festival-Kickoff. In Vorträgen und Paneldiskussionen beleuchten Künstlerinnen und Künstler, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen sowie das RAY 2018 Kuratorenteam das Phänomen des Extremen aus verschiedenen Perspektiven. Gemeinsam diskutieren sie die Themen und künstlerischen Positionen der EXTREME Ausstellungen, um neue Impulse für Kunstschaffende, Kulturinstitutionen und die Öffentlichkeit zu generieren. Zentrum des Festivals ist das MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. Ermöglicht wird das Festivalprogramm von der Deutsche Börse Photography Foundation. Während des RAY Festival-Kickoffs bietet RAY 2018 außerdem Vermittlungsangebote, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene spielerisch an das Medium Fotografie und Aspekte des Triennale-Themas heranführen.

In interaktiven Workshops und mit Gewinnspielen werden die Besucherinnen und Besucher selbst aktiv. Am Festivalsonntag, den 27. Mai können Besucherinnen und Besucher zwischen 12 und 16 Uhr im Festivalzentrum an dem partizipativen Workshop EXTREM EXPERIMENTIERTteilnehmen und inspiriert von den künstlerischen Positionen der RAY 2018 EXTREME Ausstellungen unter Anleitung der Berliner Fotografin Marzena Skubatz ihre eigenen fotografischen Kunstwerke erschaffen und mit nach Hause nehmen.

RAY MASTER CLASS

Als weitere Premiere hat RAY 2018 in diesem Jahr eine MASTER CLASS in Kooperation mit derHfG Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Hochschule Darmstadt, der Kunsthochschule Mainz sowie der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste — Städelschule initiiert. Die Ergebnisse werden vom 24. bis 27. Mai in der gemeinsamen Ausstellung N E X U S im Festival-Zentrum im MMK 3 zu sehen sein. Mit der MASTER CLASS fördert RAY mit Unterstützung von Olympus und der Crespo Foundation den Austausch der regionalen Kunsthochschulen und ermöglicht jungen Fotografinnen und Fotografen eine öffentlichkeitswirksame Plattform. Die MASTER CLASS wird von Arno Rafael Minkkinen geleitet, dessen Werk in der Ausstellung EXTREME. BODIES zu sehen ist.

RAY JUNIOR

Darüber hinaus veranstaltet RAY 2018 die Workshopreihe RAY JUNIOR, die sich an Schulen in der Rhein-Main-Region richtet. Aus den Workshop-Ergebnissen entsteht mit der Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain eine Publikation. In sechs Workshopwochen arbeiten die Fotografen Wolfgang Zurborn und Mirko Krizanovic zusammen mit der Kunstvermittlerin Lisa Weber und den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern von Schulen in Aschaffenburg, Darmstadt, Frankfurt, Mainz, Offenbach und Wiesbaden: Wöhlerschule (Frankfurt), Marienschule (Offenbach), Mittelstufenschule Dichterviertel (Wiesbaden), Friedrich Dessauer Gymnasium (Aschaffenburg), Maria-Ward-Schule Mainz Gymnasium (Mainz) und die Viktoriaschule Gymnasium (Darmstadt).

RAY PARTNERPROJEKTE

Im Rahmen von RAY 2018 präsentieren die DZ BANK Kunstsammlung, der Frankfurter Kunstverein, die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim, die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim und der Nassauische Kunstverein Wiesbaden eigens kuratierte Ausstellungen und erweitern das Thema EXTREME um vielschichtige Perspektiven in der zeitgenössischen Fotografie.

Die DZ BANK Kunstsammlung widmet sich im ART FOYER in ihrer Ausstellung DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST einem Thema, das Kunst und Bankenwesen gleichermaßen durchdringt. Der Frankfurter Kunstverein erweitert mit seiner Präsentation von FOAM TALENT | FRANKFURT das RAY Netzwerk nach Amsterdam und zeigt Positionen junger Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren, die jedes Jahr nach dem renommierten Open Call FOAM TALENT ausgewählt und im Fotografiemuseum FOAM in Amsterdam gezeigt werden. Die Ausstellung ist außerdem in London und New York zu sehen.

Die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim präsentiert mit Die reine Leidenschaftzum ersten Mal Abzüge, Dias und Negative der Amateurfotografen Peter DammannEugen GerbertAxel Herrmann und Vasilii Lefter. Über Jahrzehnte lang fotografierte jeder von ihnen im Verborgenen einer bestimmten Idee folgend nahezu obsessiv und unermüdlich ihre Reisen, Familien und Partner.

Für die Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus haben Stefanie Schroeder und Christian A. Werner eine künstlerisch-dokumentarische Werkschau mit dem Titel Holy Smoke zum Thema Armut entwickelt. In der Ausstellung H × B × T im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden befassen sich die Künstlerinnen Felicity HammondBianca PedrinaKathrin Sonntag und der Künstler Julian Irlinger mit dem Verhältnis von Kunst und Raum.

RAY PLUS

Unter dem Titel RAY PLUS informiert RAY über weitere unabhängige Fotografie-Ausstellungen, die im Zeitraum von RAY 2018 im Rhein-Main-Gebiet stattfinden. Hierzu zählen u. a. die Gruppenausstellung Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK im MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst, der Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst sowie die monografische Ausstellung der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg im Städel Museum. Auch Offspaces und Galerien wie die beiden Filialen des Citykiosks Yok Yok im Bahnhofsviertel und in der Fahrgasse sowie die Galerie Rundgaenger in der Niddastraße beteiligen sich an dem unabhängigen Programm.

RAY 2018 Webseite und Online-Magazin

Seit Februar ist die neu konzipierte Triennale-Webseite ray2018.de eine wichtige Anlaufstelle für RAY Besucherinnen und Besucher und gibt einen Überblick zu allen Aktivitäten im Rahmen der RAY 2018 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain. Die Webseite informiert im Detail über das gesamte Festival-Programm sowie weitere Veranstaltungen. Dank des responsiven Designs können sich Festival- und Ausstellungsbesucher direkt vor Ort in den Ausstellungen über die ausgestellten Werke informieren und von überall stets über aktuelle Ereignisse im Festivalzentrum und über Veranstaltungen zu den Ausstellungen informieren.

Darüber hinaus bietet die Webseite viele andere dynamische Inhalte. So wird die Triennale RAY 2018 in diesem Jahr mit dem neu entstehenden RAY Magazin in Kooperation mit dem Museumsblog des MMK Museum für Moderne Kunst, mmk-notes.de, Interviews und Hintergrundgeschichten zu RAY 2018 und Künstlern bieten. Auch die Künstlertalks und Podiumsdiskussionen werden während des RAY Festivals aufgezeichnet und stehen darauf hin als Podcasts bereit. So schafft die Webseite ein nachhaltiges Archiv der Ereignisse.

#EXTREMECITIZEN Fotowettbewerb

Mit dem Instagram-Foto-Contest #EXTREMECITIZEN lädt RAY 2018 Fotobegeisterte dazu ein bis zum 15. Juli über den Instagram-Kanal @ray_fotografieprojekte ihre Bilder zum Thema EXTREME hochzuladen. Die zehn besten Fotos werden Ende August nach einer Juryauswahl im Shoppingcenter MyZeil prämiert und ausgestellt. Gleichzeitig erscheinen die zehn besten Fotografien in der Septemberausgabe des RAY 2018 Medienpartners Journal Frankfurt. Darüber hinaus gibt es viele andere attraktive Preise zu gewinnen. RAY 2018 Sponsor Olympus stiftet hierzu die Outdoor-Kamera Tough TG-5, die man zusätzlich mit dem ersten Platz gewinnen kann. Zu den weiteren Preisen zählen ein Jahres-Abonnement des Stadt-Magazins Journal Frankfurt sowie eine MuseumsUferCard mit der man ein Jahr lang 34 Museen in Frankfurt am Main kostenlos besuchen kann.

RAY 2018 Guide

Ein englisch- und deutschsprachiger Guide mit Informationen und Abbildungen zu allen RAY 2018 Ausstellungen sowie Begleitveranstaltungen liegt kostenlos in allen teilnehmenden Ausstellungshäusern aus.

Über RAY

Das Kooperationsbündnis RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain entstand 2010 auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, um die Kompetenz und Vielfalt der Fotografie in der Region Rhein-Main hervorzuheben und zu bündeln: „Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben der Fotografie-Triennale RAY freue ich mich schon auf die Umsetzung von RAY 2018, mit der wir die künstlerische Vielfalt unserer Region und damit unseren Ruf als hervorragende Kunst- und Kulturregion stärken. Wir sehen die internationale Tragweite der RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain als Best-Practice-Beispiel für unsere Förderziele, Projekte zu unterstützen, die eine Strahlkraft über die Region hinaus haben und zur besseren regionalen Vernetzung beitragen“, erläutert Kulturfonds-Geschäftsführer Dr. Helmut Müller.

RAY 2018 Termine und Fakten

 

RAY 2018 EXTREME Ausstellungen

EXTREME. SELF Darmstädter Tage der Fotografie und Kunstforum der TU Darmstadt (26.5.—19.8.2018); EXTREME. TERRITORIES Deutsche Börse Photography Foundation in The Cube, Eschborn (25.5.—28.9.2018); EXTREME. ENVIRONMENTS Fotografie Forum Frankfurt (24.5.—9.9.2018); EXTREME. BODIES Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main (24.5.—9.9.2018) und EXTREME. NOMADS MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (24.5.—9.9.2018)

RAY 2018 EXTREME KÜNSTLERLISTE (AUSWAHL)

Antoine d’Agata (*1961 FR), Mathieu Asselin (*1973 VE/FR/US), Christoph Bangert (*1978 DE), Jamie Brunskill (*1983 GB), Krista Caballero (*1976 US) und Frank Ekeberg (*1970 NO/US), Cao Fei (*1978 CN), Aneta Grzeszykowska (*1974 PL), Lois Hechenblaikner (*1958 AT), Anne Heinlein (*1977 DE) und Göran Gnaudschun (*1971 DE), Inez van Lamsweerde (*1963 NL/FR) und Vinoodh Matadin (*1961 NL), Sze Tsung Nicolás Leong (*1970 MX/GB/US), Martin Liebscher (*1964 DE), Paula Luttringer (*1955 AR/FR), Pradip Malde (*1957 TZ/US), Gideon Mendel (*1959 ZA/GB), Boris Mikhailov (*1938 UA/DE), Arno Rafael Minkkinen (*1945 FI/US), Richard Mosse (*1980 IE/US/DE), Paulo Nazareth (*1977 BR), Laís Pontes (*1981 BR), Carolin Saage (*1978 DE), Gregor Sailer (*1980 AT), Guy Tillim (*1962 ZA), Ami Vitale (*1971 US), Isabelle Wenzel (*1982 DE/NL)

RAY 2018 PARTNERPROJEKTE Ausstellungen

DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung (24.5.—20.10.2018); FOAM TALENT | FRANKFURT Frankfurter Kunstverein (24.5.—26.8.2018); DIE REINE LEIDENSCHAFT Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim (2.5.—29.7.2018); HOLY SMOKE Marta Hoepffner-Gesellschaft für Fotografie e.V. im Stadtmuseum Hofheim am Taunus (26.5.—19.8.2018) und H x B x T Nassauischer Kunstverein Wiesbaden (25.5.—8.7.2018)

RAY 2018 PLUS Ausstellungen

Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK 
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst (23.3.—15.7.2018), Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst (22.6.—9.9.2018), Ursula Schulz-Dornburg Städel Museum (4.7.—16.9.2018), Neo Captures Galerie Rundgaenger (26.5.—30.6.2018), Wild. 30 FREELENS-Fotografen Haus am Dom (10.6.—10.8.2018) und viele mehr

RAY 2018 Eröffnung in Frankfurt am Main

Mittwoch, 23. Mai 2018, 19 Uhr
RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main
Domstr. 3, 60311 Frankfurt am Main

Folgende Ausstellungen haben am 23. Mai bis 22 Uhr geöffnet: EXTREME. ENVIRONMENTS(Fotografie Forum Frankfurt), EXTREME. BODIES (Museum Angewandte Kunst), EXTREME. NOMADS (MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst), RAY 2018 MASTER CLASS Ausstellung(MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst) sowie die RAY 2018 PARTNERPROJEKTE DIE ZAHL ALS CHIFFRE IN DER KUNST (ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung, Voranmeldung erforderlich über www.dzbank-kunstsammlung.de) und FOAM TALENT FRANKFURT (Frankfurter Kunstverein).

Weitere RAY 2018 Eröffnungen:

Sonntag, 29. April, 11 Uhr
Die Reine Leidenschaft, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim

Donnerstag, 24. Mai, 18 Uhr
H x B x T, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden

Donnerstag, 24. Mai, 18:30
EXTREME. TERRITORIES, Deutsche Börse Photography Foundation in The Cube, Eschborn
Voranmeldung erforderlich über www.deutscheboersephotographyfoundation.org

Freitag, 25. Mai, 19 Uhr
EXTREME. SELF, Darmstädter Tage der Fotografie und Kunstforum der TU Darmstadt

Freitag, 25. Mai, 19 Uhr
HOLY SMOKE, Marta Hoepffner-Gesellschaft e.V. im Stadtmuseum Hofheim

Es stehen Shuttles zur Verfügung (begrenzte Platzzahl). Wir bitten um vorherige Anmeldung am Infopoint im Festivalzentrum im MMK 3.

RAY 2018 Festival und RAY MASTER CLASS Ausstellung

Donnerstag, 24. Mai bis Sonntag, 27. Mai 2018, Do—Sa 10—20 Uhr, So 11—18 Uhr
RAY Festivalzentrum im MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Das detallierte Programm finden Sie hier

Mit Kulturticket freier Eintritt in 18 Frankfurter Museen für Studis der Goethe-Uni

SOS-Brutalismus - Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow
SOS-Brutalismus – Architektur-Museum Frankfurt Foto: Diether v. Goddenthow

ABER HALL0,-: Kulturticket für Studierende der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences
Die Goethe Card, der Studierendenausweis der Goethe-Universität Frankfurt und der STUDY-CHIP, der Studierendenausweis der Frankfurt University of Applied Sciences, werden in 18 Museen der Stadt zum Kulturticket.
Einfach die Goethe Card oder den STUDY-CHIP an der Museumskasse vorzeigen und Geschichte, Architektur, alte, moderne und angewandte Kunst studieren und genießen.

Der freie Eintritt wird in Kooperation mit dem AStA der Goethe-Universität bzw. dem AStA der Frankfurt University of Applied Sciences angeboten und gilt für rund 60 000 Studierende in folgenden Häusern:
Archäologisches Museum
Caricatura Museum
Deutsches Architekturmuseum
Deutsches Filmmuseum
Hindemith Kabinett
Historisches Museum
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte
Jüdisches Museum
Junges Museum
MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 2 des MMK Museum für Moderne Kunst
MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst
Museum Angewandte Kunst
Museum Giersch der Goethe-Universität
Museum Judengasse
Porzellan Museum
Weltkulturen Museum

Die Museumsparks und -cafés mit Blick auf die Skyline laden zu entspannten Pausen zwischen dem Museums-Hopping ein.

Projekttag „Making … of Fashion“ der aktuellen Jil Sander-Ausstellung im Museum Angewandt Kunst Frankfurt am 14.4.2018

© Fotos: frisch Beutel, Christoph Klutsch; Museum Angewandte Kunst
© Fotos: frisch Beutel, Christoph Klutsch; Museum Angewandte Kunst

Aus Anlass der aktuellen Ausstellung Jil Sander. Präsens lädt das Museum Angewandte Kunst am Samstag, den 14. April 2018, zu einem zweiteiligen Projekttag „Making … of Fashion“ ein, der vielfältige Einblicke in die Welt der Mode gewährt, BesucherInnen und Akteure aus dem Modebereich zusammenbringt und gesellschaftliche Bedingungen und Auswirkungen von Mode reflektiert.

14–18 Uhr
Create Fashion
Talks, Kurzführungen und Präsentationen mit Modenschau für Jugendliche

Ab 18 Uhr
Fashion Talks: Power Dressing. Mode und Macht

Teil I Create Fashion

Die Konferenzreihe INVENTUR_STILKRITIK zu Gast im Museum Angewandte Kunst
Der erste Teil Create Fashion richtet sich an Jugendliche und beginnt ab 14 Uhr. Zunächst geht es in Kurzführungen durch die Ausstellung Jil Sander. Präsens u.a. darum, wie eine Modekollektion entsteht, was DesignerInnen inspiriert oder wie eine Marke aufgebaut wird. Danach verraten verschiedene Kreative in einer Talkrunde, wie man Mode gekonnt in Szene setzt, geben Einblick in ihren beruflichen Alltag und stellen sich den Fragen der Jugendlichen. Im Anschluss werden mit Modenschau und Ausstellung die Ergebnisse der Schulprojekte Create Fashion und Auf Tuchfühlung präsentiert, in denen SchülerInnen in den vergangenen Monaten unter professioneller Anleitung im Museum eigene Kollektionen und Lookbooks erstellt haben.

Der Eintritt zum Nachmittagsprogramm Create Fashion ist frei. Es wird um Anmeldung gebeten per E-Mail an: create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de.

Teil II Fashion Talks

Im zweiten Teil Fashion Talks: Power Dressing. Mode und Macht ab 18 Uhr betrachtet die Konferenzreihe INVENTUR_STILKRITIK aus Berlin in Vorträgen und Talks den weiblichen Dresscode in der Berufswelt. Zunächst zeichnet Dr. Diana Weis in einer multimedialen Lecture die Geschichte des Power Dressing nach – inklusive Reformsäcken, Schulterpolster-Exzessen und Zehen-Dekolletés. Anschließend diskutieren Dr. Mahret Kupka und Florian Müller über Power Cross Dressing. Im folgenden Vortrag zeigt Christiane Frohmann auf, wie Jil Sander den Look von Frauen in Machtpositionen beeinflusst hat, hinterfragt, ob Mode tatsächlich zum Akt der Emanzipation werden kann und wie Empowerment im Zeitalter der Digitalisierung aussieht. Anschließend sprechen Dr. Diana Weis und Eckhart Nickel über Mode zwischen Zwang und Haltung, bevor in der Abschlussdiskussion alle Gäste des Abends mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Ohne Anmeldung.

Programmübersicht
Create Fashion

14–15 Uhr Kurzführungen durch die Ausstellung Jil Sander. Präsens
15–17 Uhr Talk mit Christoph Klutsch (Fotograf), Helena Kling (Bloggerin), Evelyn Fay (Make-Up-Artistin und Hairstylistin), Florian Müller (PR-Berater), Manuel Almeida Vergara (Journalist). Moderation: Simone Richter (Leiterin Bildung und Vermittlung Museum Angewandte Kunst)

17–18 Uhr Präsentationen der Schulprojekte Create Fashion und Auf Tuchfühlung mit Modenschau

Fashion Talks: Power Dressing. Mode und Macht
18 Uhr Power Dressing: Die Werktätige als Wille und Vorstellung Vortrag von Dr. Diana Weis
18.45 Uhr Power Cross Dressing Talk mit Dr. Mahret Kupka und Florian Müller
19.15 Uhr Das Business-Woman-Cosplay Vortrag von Christiane Frohmann
20 Uhr Anständig angezogen: Mode zwischen Zwang und Haltung Talk mit Dr. Diana Weis und Dr. Eckhart Nickel
20.30 Uhr Abschlussdikussion und offene Fragerunde mit dem Publikum
Moderation: Dr. Mahret Kupka

Informationen zu den Gästen Create Fashion
Christoph Klutsch ist selbstständiger Fotograf in den Bereichen Beauty und Fashion. Er arbeitet für internationale Magazine wie Harper’s Bazaar, Elle oder L’Officiel.
Helena Kling postet in ihrem Fashion- und Lifestyle-Blog hypnotized über Outfits, Beauty und Reisen. Ihre Leidenschaft für Mode teilt die Frankfurter Bloggerin mit 48.000 Followern.
Evelyn Fay ist Make-Up-Artistin und Hairstylistin. Sie arbeitet mit People-, Mode- und Beautyfotografen sowie für Filmproduktionen. Prominente wie Dua Lipa, Lionel Richie und Fergie von den Black Eyed Peas wurden bereits von ihr geschminkt.
Florian Müller ist Gründer der Agentur Müller PR & Consulting. Spezialisiert auf Mode, Kunst und Lifestyle unterstützt er aufstrebende DesignerInnen, baut Markenprofile auf und hilft etablierten Marken bei der Neupositionierung.
Manuel Almeida Vergara hat Modejournalismus und Medienkommunikation sowie Kulturjournalismus in Berlin studiert. Er ist Redakteur der Frankfurter Rundschau und schreibt für das Wochenendmagazin eine Modekolumne.
Die Moderation des Gesprächs führt Simone Richter, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Museum Angewandte Kunst.

Fashion Talks: Power Dressing. Mode und Macht INVENTUR_STILKRITIK ist eine von Diana Weis und Christiane Frohmann organisierte Veranstaltungs- und Publishingreihe zu Bekleidungs-, Körper- und Digitalmoden.
Dr. Diana Weis unterrichtet Modetheorie an der AMD Berlin. Im Fokus ihrer Texte und Vorträge stehen Körpernormen und Techniken der Selbstgestaltung.
Christiane Frohmann forscht zu Imagedesign und -performanz. Als Autorin beschäftigt sie sich theoretisch, als Verlegerin praktisch mit digitalen Kulturen.
Florian Müller ist Gründer der Agentur Müller PR & Consulting. Spezialisiert auf Mode, Kunst und Lifestyle unterstützt er aufstrebende DesignerInnen, baut Markenprofile auf und hilft etablierten Marken bei der Neupositionierung.
Dr. Mahret Kupka ist Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst. 2015 wurde sie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe zum Thema Modeblogs und der Mythos der Revolutionierung der Mode promoviert.

German Design Award 2018 – Excellent Communications Design vom 10. Februar – 18. Februar 2018

Der German Design Award ist der internationale Premiumpreis des Rat für Formgebung. Sein Ziel ist es, einzigartige Gestaltungstrends zu entdecken, zu präsentieren und auszuzeichnen. Jährlich werden hochkarätige Einreichungen aus dem Produkt- und Kommunikationsdesign prämiert, die alle auf ihre Art wegweisend in der internationalen Designlandschaft sind.

Die Ausstellung German Design Award 2018. Excellent Communications Design präsentiert die besten Arbeiten aus der Kategorie Kommunikationsdesign, die Newcomer-Finalisten sowie die diesjährige Preisträgerin der Kategorie Personality, Jil Sander. Aufgrund der raumgreifenden Werkschau der Modeschöpferin, Jil Sander. Präsens, die noch bis zum 6. Mai 2018 im Museum Angewandte Kunst zu sehen ist, zieht die Ausstellung zum German Design Award in diesem Jahr vom Museum in die Innenstadt: Für die Präsentation wurde in der Neuen Mainzer Straße 57 eigens der vom Rat für Formgebung geförderte Museum Angewandte Kunst Design Space eingerichtet. Zur Vernissage am Freitag, dem 9. Februar 2018, sowie mittwochabends ab 18 Uhr, öffnet direkt nebenan die Bar NM57, die nach einem Ausstellungsbesuch zum Netzwerken, Feiern und Verweilen einlädt.

Preisverleihung und Gastausstellung im Museum Angewandte Kunst Design Space in der Neuen Mainzer Straße 57

Ort
Museum Angewandte Kunst Design Space
Neue Mainzer Straße 57
60311 Frankfurt am Main
Information
T +49 69 212 31286
F +49 69 212 30703
info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
www.museumangewandtekunst.de

Öffnungszeiten
10. – 18. Februar 2018, täglich von 10 bis 18 Uhr