Kategorie-Archiv: 25 Jahre Deutsche Einheit

ZDF und 3sat – Programmüberblick zu 30 Jahre Mauerfall – nie wieder kriechen

„Nie wieder kriechen - aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung  der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Nie wieder kriechen – aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow
30 Jahre Deutsche Einheit Dokus, Filme, Live-Übertragungen im ZDF, in ZDFinfo und ZDFneo

Mit Dokumentationen, Fernsehfilmen und Live-Übertragungen begleitet das ZDF das Jubiläum „30 Jahre Deutsche Einheit“. Das Land Brandenburg richtet in diesem Jahr die Feierlichkeiten von Bund und Ländern zum Jubiläum aus. Darüber berichtet am Samstag, 3. Oktober 2020, ab 17.10 Uhr, ein „Länderspiegel spezial“ im ZDF. Und ab 19.15 Uhr meldet sich das „ZDF spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit“ live aus Potsdam. Mit zahlreichen weiteren Programmangeboten erinnern ZDF, ZDFinfo und ZDFneo von Mitte September bis Mitte Oktober 2020 an die Wende- und Einheitszeit vor drei Jahrzehnten.

Montag, 14. September 2020, 0.05 Uhr
Werden Sie Deutscher
Das kleine Fernsehspiel

Mittwoch, 16. September 2020, 0.45 Uhr, ZDF
Am Todesstreifen – DDR-Grenzer erzählen

Dienstag, 22. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Mensch Schäuble! – Staatsmann, Streiter, Steuermann

Sonntag, 27. September 2020, 18.25 Uhr, ZDF
Terra Xpress: Grenzenlos – alte Heimat und neuer Aufbruch

Sonntag, 27. September 2020, 23.45 Uhr, ZDF
ZDF-History: Geheime DDR – Verbotene Orte der Macht

Montag, 28. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
Kranke Geschäfte
Politdrama

Montag, 28. September 2020, 0.20 Uhr, ZDF
Meine Wende – Unsere Einheit?
Elf Kurzfilme zur deutschen Zeitgeschichte

Dienstag, 29. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Ein Staat geht– Abschied von der DDR

Freitag, 2. Oktober 2020, 24.00 Uhr, ZDF
30 Jahre Deutsche Einheit – Die lange Nacht
0.00 Uhr: Momente der Geschichte – Geeintes Deutschland
0.30 Uhr: ZDF-History: Anarchie im Osten – Die letzten Monate der DDR
1.00 Uhr: ZDF-History: Putsch gegen die deutsche Einheit
1.40 Uhr: ZDF-History: Geheimakte Deutsche Einheit
2.25 Uhr: Der Doppelgänger von Ost-Berlin
3.25 Uhr: Auferstanden aus Platinen – Die Heimcomputerszene in der DDR
4.05 Uhr: Lost in der DDR – Stefan Danzigers Trip nach 1989
4.25 Uhr: ZDF History: Margot Honecker – Die Bilanz

Samstag, 3. Oktober 2020, 6.25 Uhr, ZDF
PUR+: Mein Schicksal – Die Berliner Mauer
Das Entdeckermagazin mit Eric Mayer

Samstag, 3. Oktober 2020, 10.00 Uhr, ZDF
Ökumenischer Gottesdienst zu 30 Jahre Deutsche Einheit

Samstag, 3. Oktober 2020, 11.00 Uhr, ZDF
Zwischen uns die Mauer
Jugenddrama

Samstag, 3. Oktober 2020, 17.05 Uhr, ZDF
Länderspiegel spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit

Samstag, 3. Oktober 2020, 18.00 Uhr, ZDF
Boomtown Bonn – Neuer Glanz in alter Hauptstadt

Samstag, 3. Oktober 2020, 19.15 Uhr, ZDF
ZDF spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit
Live aus Potsdam mit Matthias Fornoff

Samstag, 3. Oktober 2020, 19.30 Uhr, ZDF
EINLAND – was uns zusammenhält

Samstag, 3. Oktober 2020, 1.00 Uhr, ZDF
30 Jahre Deutsche Einheit – Die lange Nacht
1.00 Uhr: Deutschland ’90 – Countdown zur Einheit
1.45 Uhr: Deutschland-Bilanz – Von blühenden Landschaften
2.30 Uhr: Deutschland-Bilanz – Ein Land, zwei Seelen
3.15 Uhr: ZDFzeit: Das Erbe der Treuhand – Aufbruch und Ausverkauf
4.00 Uhr: ZDFzeit: Das Erbe der Treuhand – Wut und Wirklichkeit
4.45 Uhr: Mein Dresden

Sonntag, 4. Oktober 2020, 9.03, ZDF
sonntags: Danke Deutschland

Sonntag, 4. Oktober 2020, 23.45 Uhr, ZDF
ZDF-History: Die Treuhand– Die wahre Geschichte

Montag, 5. Oktober 2020, 0.10 Uhr, ZDF
Becoming Black
Das kleine Fernsehspiel

Dienstag, 6. Oktober 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Die große Ost-Bilanz – Gewinner und Verlierer der Einheit

Dienstag, 13. Oktober 2020, 20.15 Uhr, ZDF
Das schweigende Klassenzimmer
Nach dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka

https://www.zdf.de/geschichte/30-jahre-mauerfall-100.html

„30 Jahre Deutsche Einheit“ – Das 3sat-Programm zum Jubiläum

Mit dem 3satThema „Was uns verbindet“, einer „Kulturzeit“-Reihe, Dokumentationen, Spiel-, Fernseh- und Dokumentarfilmen sowie dem Thementag „Deutsche Geschichte(n)“ am 3. Oktober

Samstag, 5. September · 20.15 Uhr
Heimat ist ein Raum aus Zeit
Dokumentarfilm von Thomas Heise, Deutschland 2019
Erstausstrahlung
Thomas Heise folgt den Spuren einer zerrissenen Familie zwischen Berlin und Wien vom Ersten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung. Seit dem Ersten Weltkrieg ist die Familie vom politischen Kampf für den Sozialismus geprägt und davon, dass der jüdische Wiener Familienzweig im „Dritten Reich“ in KZs deportiert und ermordet wurde. „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ wurde 2019 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.

Mittwoch, 9. September · ab 20.15 Uhr · 3satThema: Was uns verbindet
20.15 Uhr: Wir 80 Millionen – Was die Deutschen vereint
Dokumentation von Lutz Hofmann
Erstausstrahlung
Was eint Westdeutsche, Ostdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund? Welche Werte, Erzählungen, Einstellungen, Meinungen, Rituale, Organisationen, Verhaltensweisen, Ereignisse oder Dokumente stiften Zusammenhalt und Gemeinsamkeit? Gibt es eine „Deutschland-Charta“, deren Punkte alle Bürgerinnen und Bürger unterschreiben würden? Die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie über das Verbindende mit der Frage „Was hält Deutschland im Innersten zusammen?“ in Auftrag gegeben. Sie sollte herausfinden, welche Ideen und Werte in breitem Maße von in Deutschland lebenden Menschen geteilt werden. Die Dokumentation von Lutz Hofmann stellt die Ergebnisse vor.

21.00 Uhr: Der 3satThema Talk
Gäste im Gespräch mit Vivian Perkovic
Erstausstrahlung
„Kulturzeit“-Moderatorin Vivian Perkovic diskutiert mit der österreichischen Philosophin Lisz Hirn, der Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations– und Migrationsforschung Naika Foroutan und mit dem Schweizer Publizisten Roger de Weck über die verbindenden und trennenden Elemente der 3sat-Länder Deutschland, Österreich und Schweiz.

Freitag, 11. September · 20.15 Uhr
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3)
Fernsehfilm, Deutschland 2014
Anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerisch-thüringischen Grenze erzählt der Mehrteiler vom Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung.
Die weiteren Folgen der ersten Staffel des dreiteiligen Fernsehfilms „TANNBACH – Schicksal eines Dorfes“ zeigt 3sat an den kommenden Freitagen, jeweils um 20.15 Uhr.

Samstag, 19. September · 19.20 Uhr
Auferstanden aus Platinen – Die Heimcomputerszene in der DDR
3satKulturdoku von Volker Strübing
Während der Westen sehnsüchtig auf die neuen technischen Errungenschaften aus dem Silicon Valley blickt, ist die DDR vom Computerzeitalter meilenweit entfernt. Doch für einige Jugendliche ist der Computer ein Werkzeug mit unendlichen Möglichkeiten. Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe computerbegeisterter Jugendlicher im Ostberlin der späten 1980er-Jahre – und zugleich die Geschichte der Anfänge der digitalen Revolution.

Samstag, 26. September · 19.20 Uhr
Lost in DDR – Stefan Danzigers Trip nach 1989
3satKulturdoku von Berit Schwarz
Erstausstrahlung
Stefan Danziger, ein reiselustiger Comedian und Stadtführer, bereist die Bundesländer, die einmal die DDR waren. Ausgerüstet mit einem Baedeker-Reiseführer von 1989, ein Werkzeug moderner Archäologie, blickt er auf eine vergangene Welt.

Samstag, 26. September · 23.15 Uhr
Adam und Evelyn
Spielfilm, Deutschland 2017
Regie: Andreas Goldstein
Erstausstrahlung
DDR, Sommer 1989: Adam (Florian Teichtmeister), 30, und Evelyn (Anne Kanis), 28, wollen an den Plattensee. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn mit ihrer Freundin ab, Adam trampt hinterher. Am Balaton treffen sie sich wieder. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze und Adam landet wider Willen im Westen. Vor dem Hintergrund der sich auflösenden DDR-Gesellschaft versuchen Adam und Evelyn einen Neuanfang in Westdeutschland. Nach dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze.

ab Montag, 28. September und am Samstag, 17. Oktober, jeweils um 19.20 Uhr
POP / NATION / DEUTSCHLAND
„Kulturzeit“-Reihe und 3satKulturdoku zum 30. Tag der Deutschen Einheit ab Montag, 28. September und am Samstag, 17. Oktober, um 19.20 Uhr
Erstausstrahlungen
Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land hat sich seit der Wiedervereinigung massiv gewandelt. Das lässt sich auf spannende Weise an der Popmusik ablesen: 1990 waren nur 18 der 100 erfolgreichsten Alben des Jahres deutschsprachig. Im Jahr 2017 waren es 68. Schon die Regierung unter der die Künstlerinnen und Künstler aufgewachsen sind, prägt ihren Blick auf das Land. Die vierteilige „Kulturzeit“-Reihe „POP / NATION / DEUTSCHLAND“ zum 30. Tag der Deutschen Einheit porträtiert von Montag, 28. September bis Donnerstag, 1. Oktober 2020, jeweils um 19.20 Uhr in einzelnen Beiträgen Musikerinnen und Musiker unterschiedlicher Generationen, Genres und regionaler Herkunft. Mit dabei: Wolfgang Niedecken, Samy Deluxe, Sammy Amara (Broilers), Sarah Lesch, Elif, Mal Élevé, Frank Spilker und „Zugezogen Maskulin“ – alle bringen ihre eigene Geschichte mit, eine Geschichte, die auch immer die der Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache, der eigenen Herkunft, dem eigenen Land ist. Am Samstag, 17. Oktober, um 19.20 Uhr, ist mit der 3satKulturdoku „Pop-Nation Deutschland“ ein Zusammenschnitt der Reihe zu sehen.

Montag, 28. September · 22.25 Uhr
Schabowskis Zettel – Die Nacht als die Mauer fiel
Dokumentarfilm von Florian Huber und Marc Brasse, Deutschland 2009
Am Abend des 9. November 1989 verlas Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz, die live im DDR-Fernsehen übertragen wurde, die neue Reiseregelung. Er liest von einer handschriftlich überarbeiteten Ministerratsvorlage ab. Da Schabowski auf die Nachfrage, wann die Regelung in Kraft trete, mit „sofort, unverzüglich“ antwortet, glauben viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die Mauer sei schon gefallen. Dieser Irrtum bringt die Mauer tatsächlich zum Einsturz. Doku-Drama um die Ereignisse, die zum Fall der Berliner Mauer führten.

Mittwoch, 30. September · 20.15 Uhr
DDR – die entsorgte Republik
Film von Frank Diederichs
Warum wurde nach dem Mauerfall nur der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik ernsthaft verfolgt – und nicht die Gründung eines neuen deutschen Staates nach Artikel 146 mit einer neuen Verfassung? Lothar de Maizière, Gregor Gysi, Rudolf Seiters und Horst Teltschik enthüllen die historischen Hintergründe und erklären den hastigen Sprint zur Einheit.

Mittwoch, 30. September · 21.00 Uhr
Auslandskader – Botschafter des Sozialismus
Film von Sabine Michel
Nichts prägte die DDR mehr als ihre Grenzen. Bürger der DDR konnten vor dem Eintritt ins Rentenalter weder ins nichtsozialistische Ausland noch in die Länder der „Dritten Welt“ reisen. Unabhängig davon unterhielt die DDR ein großes Netz an Diplomaten, Außenhändlern, Auslands- und Reisekadern. Die Dokumentation erzählt von ihren sehr unterschiedlichen Auslandseinsätzen und dem Spannungsfeld von Außen- und Innenpolitik der DDR.

Freitag, 2. Oktober · ab 20.15 Uhr
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3)
Fernsehfilm, Deutschland 2018
Ab 20.15 Uhr sind alle drei Teile der zweiten Staffel des Fernsehfilms über ein im Kalten Krieg geteiltes Dorf und seine Bewohner dies- und jenseits der Grenze zu sehen.

Samstag, 3. Oktober · ab 8.15 Uhr · Thementag „Deutsche Geschichte(n)“
15.45 Uhr: Bornholmer Straße – Die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Oberstleutnant Harald Schäfer
Fernsehfilm, Deutschland 2014
Regie: Christian Schwochow
Grenzoffizier Schäfer (Charly Hübner) ist überzeugt von der DDR. Er fragt sich, was auf Schabowskis Mitteilung folgt. Während sich immer mehr Ausreisewillige vor dem Schlagbaum sammeln, tauchen sämtliche Vorgesetzte Schäfers und die zuständigen Ministerien ab. Schäfer erhält keine Antworten. Die immer merkwürdigeren Situationen bringen seine Überzeugungen ins Wanken. Als die Stimmung am Schlagbaum in einen Gewaltausbruch zu eskalieren droht, fällt Schäfer auf eigene Faust die mutige Entscheidung, den Grenzübergang zu öffnen. „Bornholmer Straße – Die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Oberstleutnant Harald Schäfer“ betrachtet das historische Ereignis aus der Sicht eines Grenzoffiziers.

ab 20.15 Uhr: Preis der Freiheit 1-3/3
Fernsehfilm, Deutschland 2019
Regie: Michael Krummenacher
Das dreiteilige Ost-West-Drama erzählt die Geschichte um die ungleichen Schwestern Margot (Barbara Auer) und Lotte (Nadja Uhl) aus Ostberlin sowie deren jüngste Schwester Silvia (Nicolette Krebitz), die vor langer Zeit verschwunden ist und in der BRD unermüdlich daran arbeitet, das DDR-Regime zu zerschlagen.

Freitag, 9. Oktober · 20.15 Uhr
Zuckersand
Fernsehfilm, Deutschland 2017
Regie: Dirk Kummer
Brandenburg, Ende der 1970er-Jahre: Die beiden Freunde Fred (Tilman Döbler)und Jonas (Valentin Wessely) leben behütet in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Als Jonas‘ Mutter einen Ausreiseantrag stellt, wird alles anders. Ab sofort sollen sie keinen Kontakt mehr miteinander haben, denn Jonas und seine alleinerziehende Mutter sind plötzlich Staatsfeinde. Freds Vater hingegen hat als Beamter keinen Grund, an der staatlichen Ordnung der DDR zu zweifeln. Fred und Jonas müssen Vorkehrungen treffen. In ihnen reift der Plan, heimlich einen Tunnel in den Brandenburger Sand zu graben, der einmal quer durch den Erdball nach Australien führt. Dort wollen sie sich wieder treffen.

Samstag, 10. Oktober · 19.20 Uhr
Soundtrack der Freiheit
Musik-Doku von Katarina Schickling
Musik aus Ost und West beflügelte den Aufbruch zur Zeit des Mauerfalls 1989. Die Dokumentation spürt den Hymnen und Hoffnungen von damals nach und fragt, was daraus wurde: Anna Loos erzählt erstmals von ihrer Flucht als 17-Jährige im Jahr 1988. Mit dabei sind Musiklegenden wie Silly, Uschi Brüning, Wolfgang Niedecken und Klaus Meine, der junge Shootingstar Felix Jaehn sowie Lenny Kravitz.

3sat – 30 Jahre Mauerfall

Siehe auch: „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“

„Nie wieder kriechen – aufrechtgehen“ – Hessisches Staatskanzlei eröffnet anlässlich 30 Jahren Wiedervereinigung die Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“

„Nie wieder kriechen - aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung  der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow
„Nie wieder kriechen – aufrechtgehen“, war eine der Befreiungsparolen der friedlichen Revolution gegen die Unterdrückung der nicht linientreuen Bevölkerung in der DDR. Denn wer in der früheren DDR-Diktatur eine nicht SED-konforme Meinung hatte oder auch nur mal einen falschen Scherz machte, wurde bespitzelt, überwacht, unterdrückt, von Bildung und beruflicher Laufbahn ausgeschlossen, verfolgt, erfuhr Gewalt und/ oder wurde weggesperrt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 3. Oktober 2020 feiert die Bundesrepublik Deutschland 30 Jahre Wiedervereinigung. Aus diesem Anlass eröffnete der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, am 24. Juli 2020 auf dem Wiesbadener Kranzplatz die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gab den Startschuss zu einem Fotowettbewerb zur Wiedervereinigung (Einsendeschluss 28. 08. siehe unten). Die Ausstellung dokumentiert den weltweit in der Geschichte wohl einmaligen Fall einer unblutigen Revolution von Bürgern für Freiheit und Menschenrechte gegen ein Unrechts-Regime. Als Gäste begrüßte Wintermeyer  die beiden fluchterfahrenen Zeitzeugen Berthold Dücker und Jürgen May sowie die Schülerinnen Lara, Mia und Elisa der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin Sabine Weiss. Durch die Veranstaltung führte Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei. Zudem dankte der Staatskanzlei-Chef Thomas Kellner und Herrn Schellhaas vom Grenzmuseum Schifflersgrund, dass sie zur Eröffnung die Exponate, einen „Trabi Kübel“ samt Grenzsoldaten-Puppe, aus der Gedenkstätte Point Alpha mitgebracht haben, ebenso  die beiden Original-Banner von 1989 aus dem Stadt-Archiv Heilbad Heiligenstadt mit den Aufschriften: „Nie wieder kriechen! Aufrechtgehen!“ und „Das Thema Rechtssicherheit spart Staatssicherheit“.

Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei, selbst Zeitzeuge, kämpfte bereits als Jungpolitiker für die Einheit des deutschen Vaterlandes als Politgrößen wie Oskar Lafontaine diese schon längst abgeschrieben hatten.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei, selbst Zeitzeuge, kämpfte bereits als Jungpolitiker für die Einheit des deutschen Vaterlandes als Politgrößen wie Oskar Lafontaine diese schon längst abgeschrieben hatten. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir wollen in diesem Jahr in allen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland an 30 Jahre Wiedervereinigung erinnern, an den friedlichen Sieg der Bürger der ehemaligen DDR gegen die Diktatur. Es sei ein Sieg der Freiheit gewesen, sagte Staatskanzlei-Chef Wintermeyer. Vor allem aber sei in den letzten 30 Jahren in den neuen Bundesländern eine unglaubliche Aufbauleistung gelungen. „Wir haben als Bundesrepublik Deutschland durch die Wiedervereinigung in jeder Form gewonnen, auch in Europa, wenn wir sehen, welch starkes Land wir geworden sind.“, so Wintermeyer. Trotz relativ rascher politischer und rechtlicher Vereinigung, vollziehe sich der Prozess des Zusammenwachsens im weitesten Sinne immer noch: „Wir haben nach wie vor kleine Unterschiede bei Arbeitslosigkeit zwischen Ost und West“, die jedoch inzwischen relativ gering sei. Auch beim Lohnniveau habe man sich mit 98 Prozent ziemlich angeglichen. „Aber es sind natürlich viele Menschen auch noch anfällig und wieder anfälliger geworden für Populismus, für Links- aber auch für Rechts-Populismus. Und da gibt es noch einiges zu tun.“, mahnte Wintermeyer. Schon deswegen sei es umso wichtiger, „dass wir eine starke Erinnerungskultur aufrechterhalten.“ Geschichtsbücher allein reichten nicht hin, weswegen wir „ab heute diese Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer zeigen. Sie werfe auch ein Schlaglicht auf die Jahre 1989/90 und zeige den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, die Fluchtbewegung im Sommer und die Massenproteste im Herbst. und viele andere wichtige Stationen“, so Wintermeyer.

Impression der Sonderausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz.© Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz.© Foto: Diether v. Goddenthow

Freiheit sei nicht selbstverständlich und es dürften keine neuen Mauern aufgebaut werden, auch nicht in den Köpfen. Denn nur, wer Geschichte kenne, könne Zukunft gestalten, und „zu wenig Menschen kennen noch die Geschichte, bzw. wollen die Geschichte noch kennen. Und diese Gleichgültigkeit, ist eigentlich der größte Feind der Freiheit“, so der Staatskanzlei-Chef. Man wolle auch das Erinnerungs-Projekt „Meisenbornwerg“ ausbauen, „eine Erstaufnahmeeinrichtung in Hessen, wo viele, die aus der DDR geflohen sind, oder später zu uns gekommen sind, untergebracht wurden.“ Wintermeyer erinnerte auch an Point Alpha, dem einst heißesten Punkt Europas, „wo sich im Kalten Krieg die Atomwaffen quasi gegenüber gestanden haben“, und an dem eine Gedenkstätte mit Original-DDR-Wachturm entstand, oder an „Schifflersgrund, heutzutage „ein Museum, das an die vielen Mauertoten und an das erinnert, was Unfreiheit im weitesten Sinne betrifft.“ Zudem habe man in der Landeszentrale für Politische Bildung, ein Schwerpunkt „Projektaufarbeitung DDR-Diktatur“ laufen.

Talk-Runde:

Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ilka Ennen, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Hessischen Staatskanzlei, moderierte den Talk mit Zeitzeugen und Schülern der Helene-Lange-Schule © Foto: Diether v. Goddenthow

Welches Unrecht und Leid mit der DDR-Diktatur für die Menschen in Ostdeutschland verbunden war, davon erzählten Berthold Dücker und Jürgen May, in einer Talkrunde mit Schülerinnen der Wiesbadener Helene-Lange-Schule und ihrer Lehrerin. Es sei so wichtig, Menschen hier vor Ort zu haben, die den Unrechtsstaat DDR wirklich auch am eigenen Leib gespürt haben, eröffnete Moderatorin Ikla Ennen das Gespräch und stellte die Gäste kurz vor: Berthold Dücker arbeitete nach der Wiedervereinigung fast 17 Jahre als Chefredakteur der Südthüringer Zeitung, initiierte die Gedenkstätte Point Alpha und setzt sich noch heute unermüdlich für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein. Er war 16 Jahre alt, als er in die Bundesrepublik floh. Er durchschnitt mit einer Kneifzange den Stacheldraht und überwand das Minenfeld an der innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Hessen. Sein erster Aufenthaltsort war das Flüchtlingslager Meisenbornwerg in Gießen. Warum er denn mit 16 auf die Fluchtidee gekommen sei und davon seiner Familie kein Sterbenswörtchen erzählte und immer wieder von dieser Zeit erzählte, fragte die Moderatorin.

Berthold Dücker überwand mit 16 Jahren per Kneifzange Grenzzaun und Todesstreifen. Später initiierte er unter anderem  die Gedenkstätte Point Alpha. © Foto: Diether v. Goddenthow
Berthold Dücker überwand mit 16 Jahren per Kneifzange Grenzzaun und Todesstreifen. Später initiierte er unter anderem die Gedenkstätte Point Alpha. © Foto: Diether v. Goddenthow

Berthold Dücker, dessen beide Großväter und Teile weiterer Verwandtschaft über Nacht dann jenseits der Grenze im Westen lebten, habe schon als Kind bedrückt, dass die Grenze ja nicht nur das Land, sondern auch ganze Familien wie die eigene zerriss. „Und als es darum ging, ‚Wo führt der Weg nach der Schule einmal hin?‘, da gab es gar keinen anderen Weg für mich, als mir den vorzunehmen, den ich dann gegangen bin. Ich wollte Journalist werden: ein Unding für jemanden, der als freier Journalist für eine freie Zeitung leben wollte! Das war ein Ding der Unmöglichkeit, also musste ich den Weg gehen, den ich dann am 24. August 1964 gegangen bin“, erinnert sich Dücker. Und „dass man den Eltern, den Angehörigen, das nicht sagen konnte, war in der DDR jedem klar, das sog man gewissermaßen schon mit der Muttermilch auf. Republikflucht galt als schwerer Straftatbestand. Man landete im Gefängnis, wenn man geschnappt wurde, und die erwiesene Mitwisserschaft der Eltern oder Geschwister, und die Stasi kriegte alles raus, wurde ganz genauso bestraft. Deswegen konnte man auch zuhause nichts davon erzählen, was man vorhatte.“

Er könne nicht aufhören, immer wieder von dieser Zeit, der DDR und seiner Flucht von dort, zu erzählen, da Deutschland innerhalb von nur 50 Jahren zwei schlimme Diktaturen erlebt habe, „die braune und die rote. Und die eine ging in die andere nahtlos über!“ Und ihn erschüttere es, „wenn ich sehe, wie viele Leute das alles schon vergessen haben und natürlich, dass dieses Thema auch in vielen Schulen kaum oder nur ganz, ganz am Rande behandelt wird. Da machen wir einen Fehler“, warnte Dücker vor einer Wiederholung der furchtbaren Geschichte und heutigen brauen wie roten Populismus.

Zeitzeuge Jürgen May, hier vor dem zweiten Protest-Banner "Rechtssicherheit statt Staatssicherheit", flüchtete 1967  unter Armaturenbrett und Kotflügel nachdem er wegen einer Lapalie lebenslang als 24jähriger Sportler gesperrt worden war. © Foto: Diether v. Goddenthow
Zeitzeuge Jürgen May, hier vor dem zweiten Protest-Banner „Rechtssicherheit spart Staatssicherheit“, flüchtete 1967 unter Armaturenbrett und Kotflügel nachdem er wegen einer Lapalie lebenslang als 24jähriger Sportler gesperrt worden war. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gleiche Anliegen wie Dücker, dass nie wieder von Deutschland aus eine Diktatur ausgehen dürfe, treiben auch Jürgen May an, immer wieder als Zeitzeuge von seien Erlebnissen aus seinem Leben der Unfreiheit in einer Diktatur zu berichten. Er war ein erfolgreicher Leichtathlet, zwischen 1962 und 1966 mehrfacher DDR-Meister, deutscher Meister, Europarekord- und Weltrekordhalter im Mittelstrecken-, Langstrecken und Hindernislauf. Als vor dem Hintergrund eines Schuh-Streits der DDR-Sport-Funktionäre herauskam, dass er, damals 24jährig, einem Kollegen geraten hatte, die aus Regime-Perspektive „falschen“ Sportschuhe zu tragen, nämlich „Puma“ statt „Adidas“, wurde er lebenslänglich gesperrt. Da blieb für ihn 1967 nur noch die Flucht. Seine sportliche Laufbahn setzte er bis nach den Olympischen Spielen 1972 fort. Zuletzt war May als Amtsleiter für Bildung, Kultur und Sport im Main-Kinzig-Kreis tätig.

Mauerfeeling auf dem Kranzplatz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mauerfeeling auf dem Kranzplatz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Eigentlich wollte May nach dem Abi sofort abhauen, aber dann kamen die sportlichen Erfolge. „Bei meinem ersten Start in die Bundesrepublik, kam mir die Stasi auf die Spur. Ich stand von Jugend an unter dem Schirm der Stasi“. Es ging ein paar mal hin und her, und eigentlich wollten sie ihn schon als Sportler sperren, als May in jenem Jahr mehrere Weltrekorde erzielte. Daran „war die DDR interessiert und ist auf das Pferd mit drauf gesprungen. Ich war natürlich auch willfähriges Momentum, die Überlegenheit des Staatssport der DDR gegenüber dem Kapitalismus zu dokumentieren“, erzählt May, für den das endgültige Aus nach der „Schuhgeschichte“ kam. „Mit meiner jetzigen Frau sind wir dann von Ungarn nach Österreich, ich mit Oberkörper hinter dem Armaturenbrett und die Beine im Kotflügel eines Cadillac versteckt, rüber gekommen. Zunächst meine Frau und ein paar Stunden später hat man mich dann geholt, von Budapest nach Österreich. Das sind Dinge, die man eben nicht vergisst, genauso wie mein Vorgänger mit der Zange am Stacheldraht. Das war noch gefährlicher.“

Insbesondere junge Menschen, die weder die Mauer noch die deutsche Teilung erlebt hätten, seien eine wichtige Zielgruppe des Gedenkens. Denn manche wüssten gar nicht, dass Deutschland mal geteilt war, so Dücker, der Schüler getroffen habe, Abiturienten, die zum ersten Mal von ihm von der deutschen Teilung, der Mauer und der Wiedervereinigung hörten.

Die Schülerinnen Elisa, Mia und Lara der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin  Sabine Weiss (am Mikro) © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Schülerinnen Elisa, Mia und Lara der 10. Klasse aus der Helene Lange-Schule mit ihrer Lehrerin Sabine Weiss (am Mikro) © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch Gemeinschaftskunde-Lehrerin Sabine Weiss musste erstmal lernen, „dass dieses Thema für die Schüler, die um 2003/2004 geboren sind, ein geschichtliches Thema ist wie der 2. Weltkrieg und die Französische Revolution auch.“ Wenn man die Schüller damit konfrontiere und so einstige wie es in ihrer Klasse gelungen sei, kämen dann doch ganz schnell die Oma und die Eltern mit ins Spiel, die erzählten. Auf einmal trifft man „irgendwie Bekannte, findet heraus, dass es im Lehrerkreis Fluchtgeschichten gibt, und plötzlich kommt dann eine Nähe auf, die man von Schülerseite her gar nicht für möglich gehalten hätte.“, freut sich die Gemeinschaftskunde-Lehrerin.
Schülerinnen wie Lara sehen das genauso: „Ja, das kann ich auf jeden Fall bestätigen, gerade auch weil wir soviel Kontakt mit Zeitzeugen hatten, auch an der Schule. Wir hatten zwei Lesungen und konnten Fragen stellen, und sind in direktem Kontakt gewesen. Und so etwas ist auf jeden Fall sehr wichtig, damit es eben nicht nur ein Geschichtsthema ist, sondern auch einen persönlichen Bezug bekommt, zu jedem Schüler. Und ich denke, dass ist eigentlich ziemlich gut, Geschehen an unserer Schule durch diese vielen persönlichen Gespräche, wo man dann auch offene Fragen stellen konnte. Und eben auch solche Ausstellungen wie hier“.

Mia hatte das Thema Flucht gewählt, weil sie hörte, dass „die Oma von meiner Freundin damals geflohen ist mit ihren Kindern, und das hat mich halt sehr beschäftigt, weil das ja so aktuell war, und ich mit ihr dann auch geredet habe. Und deswegen habe ich dieses Thema genommen, weil ich es so am interessantesten fand.“

Der Staatsicherheit (SASI) oblag die Überwachung ihrer Bürger, die stets auf der Hut sein mussten, im Alltag, am Arbeitsplatz oder  in der Familie nichts Falsches zu sagen, ob vorsätzlich, unüberlegt oder unterstelltermaßen. Die Überwachung und Ausgrenzung Andersdenkender sind Grundpfeiler aller Diktaturen, Sekten, Fundamentalisten und Extremisten verfahren. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Staatsicherheit (SASI) oblag die Überwachung ihrer Bürger, die stets auf der Hut sein mussten, im Alltag, am Arbeitsplatz oder in der Familie nichts Falsches zu sagen, ob vorsätzlich, unüberlegt oder unterstelltermaßen. Die Überwachung und Ausgrenzung Andersdenkender sind Grundpfeiler aller Diktaturen, Sekten, Fundamentalisten und Extremisten verfahren. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ob die Zeitzeugen jemals daran geglaubt haben , „dass die Mauer überhaupt fallen würde“, wollen die Schülerinnen wissen:
Ich hab‘ das natürlich immer gehofft, verrät Berthold Dücker, „konnte natürlich nicht wissen, ob ich das jemals erleben würde“. Sein alter Vater, Jahrgang, 1909, war da optimistischer: „Du wirst es vielleicht noch erleben“ und dann hat er mit über 80 Jahren, 1989, selbst noch erlebt, dass die Mauer fällt. Nichts sei von Dauer, und „Diktaturen haben alle nur, und das sind unserer Erkenntnisse, eine bestimmte Zeit, die sie existieren“, so Dücker. Danach fragten oft auch die Gäste, wenn sie Point Alpha besuchten, insbesondere die Südkoreaner: „Wann fällt die Mauer zwischen Nord- und Südkorea?“. Auch das wird eines Tages geschehen, stimmt dann Dücker sie optimistisch, weil er eben ganz sicher ist.
Auch Jürgen May hat immer an eine Wiedervereinigung Deutschlands geglaubt. „Was sind 50 oder 100 Jahre in der Weltgeschichte, die Wiedervereinigung wird kommen, aber dass sie so schnell kam, damit habe ich auch nicht gerechnet. Ich war genauso überrascht und deswegen war ich genauso ergriffen, als es dann mit dem Fall der Mauer so schnell ging. Ich glaube, keiner von uns hier drüben hat wirklich gewusst, in welchen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostblock gelebt hat, und dass das Land wirtschaftlich so am Ende war.“

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Der Wettbewerb zur Wiedervereinigung

Die Zeitzeugen mit einem Trabi "Kübel". Im Hintergrund links eine als Volkspolizist gekleidete Schaufensterpuppe. ( v.li.:) Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, Berthold Dücker und Jürgen May eröffneten die Sonderausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gaben den Startschuss zum Foto-Wettbewerb zur Wiedervereinigung.© Foto: Diether v. Goddenthow
Die Zeitzeugen mit einem Trabi „Kübel“. Im Hintergrund links eine als Volkspolizist gekleidete Schaufensterpuppe. ( v.li.:) Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, Berthold Dücker und Jürgen May eröffneten die Sonderausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ und gaben den Startschuss zum Foto-Wettbewerb zur Wiedervereinigung.© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Hessische Staatskanzlei hat sich überlegt, nicht nur eine Ausstellung zu machen mit den Bildern der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sondern auch einen Fotowettbewerb zur Deutschen Einheit veranstalten. Mit Unterstützung des Wiesbadener Kuriers werden Wiesbadener und Hessen eingeladen, ihre persönlichen Bilder vom Mauerfall und/oder Eindrücke davon, wie sie die deutsche Einheit erlebt, an die Hessische Staatskanzlei einzusenden. Aus den eingereichten Fotos (analog oder digital) sollen Collagen erstellt werden, die in einer zweiten Ausstellung, etwa mit dem Titel „Umbruch Ost – Lebenswelten im Wandel“ auf dem Wiesbadener Kranzplatz gezeigt werden, die Ende September beginnt. Mit der Einsendung versichern die Einsendenden, dass die Bildrechte bei ihnen liegen und die Fotos für die Ausstellung genutzt werden dürfen. Eine unabhängige Jury wird die eindrücklichsten Fotos auswählen.

Die Postadresse für Bilder lautet: An die Hessische Staatskanzlei, z.Hd. Daniela Georgi, Referat PV 32, Georg-August-Zinn-Straße 1, 65183 Wiesbaden.

Mail-Adresse ist: veranstaltungen@stk.hessen.de. Fotos, die uns auf dem Postweg erreichen, werden den Einsendern nach Beginn der Ausstellung wieder zurückgeschickt.
Einsendeschluss ist der 28. August.

Und das gibt es zu gewinnen:

  • Für die besten fünf Einsendungen gibt es wahlweise jeweils für zwei Personen
  • eine exklusive Führung durch die Wiesbadener Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten inklusive eines Treffens mit Volker Bouffier.
  • oder Gutscheine für ein Wochenende in Wiesbaden „Wiesbaden erleben“ inkl. Übernachtung im Town-Hotel für zwei Personen, Frühstück, Wiesbaden Card, Eintritt ins Stadtmuseum etc.
  • Außerdem verschenken wir Fotobände: „Spurensuche entlang der Grenze“, hrsg. von der Hessischen Staatskanzlei, Wiesbaden 2019.
Information zur Gedenkstätte Point Alpha

Die Gedenkstätten Piont Alpha und Schüsslersgrund sollte jede Schülergeneration wenigstens einmal im Leben besuchen, um auch gefühlsmäßig die Geschichte von der Teilung Deutschlands, der sozialistischen SED-Diktatur in der DDR mit 28 Jahren Fluchtgeschichte und schließlich der friedlichen Revolution für die Freiheit aufnehmen zu können. Wem dies gelingt, dürfte gegen falsche verführerische Versprechungen und Fake-News von Populisten,  Ideologen, Predigern und Extremisten gewappnet sein.

siehe auch „Freiheit für das Wort“

30 Jahre Deutsche Einheit Dokus, Filme, Live-Übertragungen im ZDF, in ZDFinfo und ZDFneo

Mit Dokumentationen, Fernsehfilmen und Live-Übertragungen begleitet das ZDF das Jubiläum „30 Jahre Deutsche Einheit“. Das Land Brandenburg richtet in diesem Jahr die Feierlichkeiten von Bund und Ländern zum Jubiläum aus. Darüber berichtet am Samstag, 3. Oktober 2020, ab 17.10 Uhr, ein „Länderspiegel spezial“ im ZDF. Und ab 19.15 Uhr meldet sich das „ZDF spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit“ live aus Potsdam. Mit zahlreichen weiteren Programmangeboten erinnern ZDF, ZDFinfo und ZDFneo von Mitte September bis Mitte Oktober 2020 an die Wende- und Einheitszeit vor drei Jahrzehnten.

Montag, 14. September 2020, 0.05 Uhr
Werden Sie Deutscher
Das kleine Fernsehspiel

Mittwoch, 16. September 2020, 0.45 Uhr, ZDF
Am Todesstreifen – DDR-Grenzer erzählen

Dienstag, 22. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Mensch Schäuble! – Staatsmann, Streiter, Steuermann

Sonntag, 27. September 2020, 18.25 Uhr, ZDF
Terra Xpress: Grenzenlos – alte Heimat und neuer Aufbruch

Sonntag, 27. September 2020, 23.45 Uhr, ZDF
ZDF-History: Geheime DDR – Verbotene Orte der Macht

Montag, 28. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
Kranke Geschäfte
Politdrama

Montag, 28. September 2020, 0.20 Uhr, ZDF
Meine Wende – Unsere Einheit?
Elf Kurzfilme zur deutschen Zeitgeschichte

Dienstag, 29. September 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Ein Staat geht– Abschied von der DDR

Freitag, 2. Oktober 2020, 24.00 Uhr, ZDF
30 Jahre Deutsche Einheit – Die lange Nacht
0.00 Uhr: Momente der Geschichte – Geeintes Deutschland
0.30 Uhr: ZDF-History: Anarchie im Osten – Die letzten Monate der DDR
1.00 Uhr: ZDF-History: Putsch gegen die deutsche Einheit
1.40 Uhr: ZDF-History: Geheimakte Deutsche Einheit
2.25 Uhr: Der Doppelgänger von Ost-Berlin
3.25 Uhr: Auferstanden aus Platinen – Die Heimcomputerszene in der DDR
4.05 Uhr: Lost in der DDR – Stefan Danzigers Trip nach 1989
4.25 Uhr: ZDF History: Margot Honecker – Die Bilanz

Samstag, 3. Oktober 2020, 6.25 Uhr, ZDF
PUR+: Mein Schicksal – Die Berliner Mauer
Das Entdeckermagazin mit Eric Mayer

Samstag, 3. Oktober 2020, 10.00 Uhr, ZDF
Ökumenischer Gottesdienst zu 30 Jahre Deutsche Einheit

Samstag, 3. Oktober 2020, 11.00 Uhr, ZDF
Zwischen uns die Mauer
Jugenddrama

Samstag, 3. Oktober 2020, 17.05 Uhr, ZDF
Länderspiegel spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit

Samstag, 3. Oktober 2020, 18.00 Uhr, ZDF
Boomtown Bonn – Neuer Glanz in alter Hauptstadt

Samstag, 3. Oktober 2020, 19.15 Uhr, ZDF
ZDF spezial: 30 Jahre Deutsche Einheit
Live aus Potsdam mit Matthias Fornoff

Samstag, 3. Oktober 2020, 19.30 Uhr, ZDF
EINLAND – was uns zusammenhält

Samstag, 3. Oktober 2020, 1.00 Uhr, ZDF
30 Jahre Deutsche Einheit – Die lange Nacht
1.00 Uhr: Deutschland ’90 – Countdown zur Einheit
1.45 Uhr: Deutschland-Bilanz – Von blühenden Landschaften
2.30 Uhr: Deutschland-Bilanz – Ein Land, zwei Seelen
3.15 Uhr: ZDFzeit: Das Erbe der Treuhand – Aufbruch und Ausverkauf
4.00 Uhr: ZDFzeit: Das Erbe der Treuhand – Wut und Wirklichkeit
4.45 Uhr: Mein Dresden

Sonntag, 4. Oktober 2020, 9.03, ZDF
sonntags: Danke Deutschland

Sonntag, 4. Oktober 2020, 23.45 Uhr, ZDF
ZDF-History: Die Treuhand– Die wahre Geschichte

Montag, 5. Oktober 2020, 0.10 Uhr, ZDF
Becoming Black
Das kleine Fernsehspiel

Dienstag, 6. Oktober 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Die große Ost-Bilanz – Gewinner und Verlierer der Einheit

Dienstag, 13. Oktober 2020, 20.15 Uhr, ZDF
Das schweigende Klassenzimmer
Nach dem gleichnamigen Roman von Dietrich Garstka

https://www.zdf.de/geschichte/30-jahre-mauerfall-100.html

„30 Jahre Deutsche Einheit“ – Das 3sat-Programm zum Jubiläum

Mit dem 3satThema „Was uns verbindet“, einer „Kulturzeit“-Reihe, Dokumentationen, Spiel-, Fernseh- und Dokumentarfilmen sowie dem Thementag „Deutsche Geschichte(n)“ am 3. Oktober

Samstag, 5. September · 20.15 Uhr
Heimat ist ein Raum aus Zeit
Dokumentarfilm von Thomas Heise, Deutschland 2019
Erstausstrahlung
Thomas Heise folgt den Spuren einer zerrissenen Familie zwischen Berlin und Wien vom Ersten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung. Seit dem Ersten Weltkrieg ist die Familie vom politischen Kampf für den Sozialismus geprägt und davon, dass der jüdische Wiener Familienzweig im „Dritten Reich“ in KZs deportiert und ermordet wurde. „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ wurde 2019 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.

Mittwoch, 9. September · ab 20.15 Uhr · 3satThema: Was uns verbindet
20.15 Uhr: Wir 80 Millionen – Was die Deutschen vereint
Dokumentation von Lutz Hofmann
Erstausstrahlung
Was eint Westdeutsche, Ostdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund? Welche Werte, Erzählungen, Einstellungen, Meinungen, Rituale, Organisationen, Verhaltensweisen, Ereignisse oder Dokumente stiften Zusammenhalt und Gemeinsamkeit? Gibt es eine „Deutschland-Charta“, deren Punkte alle Bürgerinnen und Bürger unterschreiben würden? Die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie über das Verbindende mit der Frage „Was hält Deutschland im Innersten zusammen?“ in Auftrag gegeben. Sie sollte herausfinden, welche Ideen und Werte in breitem Maße von in Deutschland lebenden Menschen geteilt werden. Die Dokumentation von Lutz Hofmann stellt die Ergebnisse vor.

21.00 Uhr: Der 3satThema Talk
Gäste im Gespräch mit Vivian Perkovic
Erstausstrahlung
„Kulturzeit“-Moderatorin Vivian Perkovic diskutiert mit der österreichischen Philosophin Lisz Hirn, der Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations– und Migrationsforschung Naika Foroutan und mit dem Schweizer Publizisten Roger de Weck über die verbindenden und trennenden Elemente der 3sat-Länder Deutschland, Österreich und Schweiz.

Freitag, 11. September · 20.15 Uhr
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3)
Fernsehfilm, Deutschland 2014
Anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerisch-thüringischen Grenze erzählt der Mehrteiler vom Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung.
Die weiteren Folgen der ersten Staffel des dreiteiligen Fernsehfilms „TANNBACH – Schicksal eines Dorfes“ zeigt 3sat an den kommenden Freitagen, jeweils um 20.15 Uhr.

Samstag, 19. September · 19.20 Uhr
Auferstanden aus Platinen – Die Heimcomputerszene in der DDR
3satKulturdoku von Volker Strübing
Während der Westen sehnsüchtig auf die neuen technischen Errungenschaften aus dem Silicon Valley blickt, ist die DDR vom Computerzeitalter meilenweit entfernt. Doch für einige Jugendliche ist der Computer ein Werkzeug mit unendlichen Möglichkeiten. Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe computerbegeisterter Jugendlicher im Ostberlin der späten 1980er-Jahre – und zugleich die Geschichte der Anfänge der digitalen Revolution.

Samstag, 26. September · 19.20 Uhr
Lost in DDR – Stefan Danzigers Trip nach 1989
3satKulturdoku von Berit Schwarz
Erstausstrahlung
Stefan Danziger, ein reiselustiger Comedian und Stadtführer, bereist die Bundesländer, die einmal die DDR waren. Ausgerüstet mit einem Baedeker-Reiseführer von 1989, ein Werkzeug moderner Archäologie, blickt er auf eine vergangene Welt.

Samstag, 26. September · 23.15 Uhr
Adam und Evelyn
Spielfilm, Deutschland 2017
Regie: Andreas Goldstein
Erstausstrahlung
DDR, Sommer 1989: Adam (Florian Teichtmeister), 30, und Evelyn (Anne Kanis), 28, wollen an den Plattensee. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn mit ihrer Freundin ab, Adam trampt hinterher. Am Balaton treffen sie sich wieder. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze und Adam landet wider Willen im Westen. Vor dem Hintergrund der sich auflösenden DDR-Gesellschaft versuchen Adam und Evelyn einen Neuanfang in Westdeutschland. Nach dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze.

ab Montag, 28. September und am Samstag, 17. Oktober, jeweils um 19.20 Uhr
POP / NATION / DEUTSCHLAND
„Kulturzeit“-Reihe und 3satKulturdoku zum 30. Tag der Deutschen Einheit ab Montag, 28. September und am Samstag, 17. Oktober, um 19.20 Uhr
Erstausstrahlungen
Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land hat sich seit der Wiedervereinigung massiv gewandelt. Das lässt sich auf spannende Weise an der Popmusik ablesen: 1990 waren nur 18 der 100 erfolgreichsten Alben des Jahres deutschsprachig. Im Jahr 2017 waren es 68. Schon die Regierung unter der die Künstlerinnen und Künstler aufgewachsen sind, prägt ihren Blick auf das Land. Die vierteilige „Kulturzeit“-Reihe „POP / NATION / DEUTSCHLAND“ zum 30. Tag der Deutschen Einheit porträtiert von Montag, 28. September bis Donnerstag, 1. Oktober 2020, jeweils um 19.20 Uhr in einzelnen Beiträgen Musikerinnen und Musiker unterschiedlicher Generationen, Genres und regionaler Herkunft. Mit dabei: Wolfgang Niedecken, Samy Deluxe, Sammy Amara (Broilers), Sarah Lesch, Elif, Mal Élevé, Frank Spilker und „Zugezogen Maskulin“ – alle bringen ihre eigene Geschichte mit, eine Geschichte, die auch immer die der Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache, der eigenen Herkunft, dem eigenen Land ist. Am Samstag, 17. Oktober, um 19.20 Uhr, ist mit der 3satKulturdoku „Pop-Nation Deutschland“ ein Zusammenschnitt der Reihe zu sehen.

Montag, 28. September · 22.25 Uhr
Schabowskis Zettel – Die Nacht als die Mauer fiel
Dokumentarfilm von Florian Huber und Marc Brasse, Deutschland 2009
Am Abend des 9. November 1989 verlas Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz, die live im DDR-Fernsehen übertragen wurde, die neue Reiseregelung. Er liest von einer handschriftlich überarbeiteten Ministerratsvorlage ab. Da Schabowski auf die Nachfrage, wann die Regelung in Kraft trete, mit „sofort, unverzüglich“ antwortet, glauben viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die Mauer sei schon gefallen. Dieser Irrtum bringt die Mauer tatsächlich zum Einsturz. Doku-Drama um die Ereignisse, die zum Fall der Berliner Mauer führten.

Mittwoch, 30. September · 20.15 Uhr
DDR – die entsorgte Republik
Film von Frank Diederichs
Warum wurde nach dem Mauerfall nur der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik ernsthaft verfolgt – und nicht die Gründung eines neuen deutschen Staates nach Artikel 146 mit einer neuen Verfassung? Lothar de Maizière, Gregor Gysi, Rudolf Seiters und Horst Teltschik enthüllen die historischen Hintergründe und erklären den hastigen Sprint zur Einheit.

Mittwoch, 30. September · 21.00 Uhr
Auslandskader – Botschafter des Sozialismus
Film von Sabine Michel
Nichts prägte die DDR mehr als ihre Grenzen. Bürger der DDR konnten vor dem Eintritt ins Rentenalter weder ins nichtsozialistische Ausland noch in die Länder der „Dritten Welt“ reisen. Unabhängig davon unterhielt die DDR ein großes Netz an Diplomaten, Außenhändlern, Auslands- und Reisekadern. Die Dokumentation erzählt von ihren sehr unterschiedlichen Auslandseinsätzen und dem Spannungsfeld von Außen- und Innenpolitik der DDR.

Freitag, 2. Oktober · ab 20.15 Uhr
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3)
Fernsehfilm, Deutschland 2018
Ab 20.15 Uhr sind alle drei Teile der zweiten Staffel des Fernsehfilms über ein im Kalten Krieg geteiltes Dorf und seine Bewohner dies- und jenseits der Grenze zu sehen.

Samstag, 3. Oktober · ab 8.15 Uhr · Thementag „Deutsche Geschichte(n)“
15.45 Uhr: Bornholmer Straße – Die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Oberstleutnant Harald Schäfer
Fernsehfilm, Deutschland 2014
Regie: Christian Schwochow
Grenzoffizier Schäfer (Charly Hübner) ist überzeugt von der DDR. Er fragt sich, was auf Schabowskis Mitteilung folgt. Während sich immer mehr Ausreisewillige vor dem Schlagbaum sammeln, tauchen sämtliche Vorgesetzte Schäfers und die zuständigen Ministerien ab. Schäfer erhält keine Antworten. Die immer merkwürdigeren Situationen bringen seine Überzeugungen ins Wanken. Als die Stimmung am Schlagbaum in einen Gewaltausbruch zu eskalieren droht, fällt Schäfer auf eigene Faust die mutige Entscheidung, den Grenzübergang zu öffnen. „Bornholmer Straße – Die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Oberstleutnant Harald Schäfer“ betrachtet das historische Ereignis aus der Sicht eines Grenzoffiziers.

ab 20.15 Uhr: Preis der Freiheit 1-3/3
Fernsehfilm, Deutschland 2019
Regie: Michael Krummenacher
Das dreiteilige Ost-West-Drama erzählt die Geschichte um die ungleichen Schwestern Margot (Barbara Auer) und Lotte (Nadja Uhl) aus Ostberlin sowie deren jüngste Schwester Silvia (Nicolette Krebitz), die vor langer Zeit verschwunden ist und in der BRD unermüdlich daran arbeitet, das DDR-Regime zu zerschlagen.

Freitag, 9. Oktober · 20.15 Uhr
Zuckersand
Fernsehfilm, Deutschland 2017
Regie: Dirk Kummer
Brandenburg, Ende der 1970er-Jahre: Die beiden Freunde Fred (Tilman Döbler)und Jonas (Valentin Wessely) leben behütet in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Als Jonas‘ Mutter einen Ausreiseantrag stellt, wird alles anders. Ab sofort sollen sie keinen Kontakt mehr miteinander haben, denn Jonas und seine alleinerziehende Mutter sind plötzlich Staatsfeinde. Freds Vater hingegen hat als Beamter keinen Grund, an der staatlichen Ordnung der DDR zu zweifeln. Fred und Jonas müssen Vorkehrungen treffen. In ihnen reift der Plan, heimlich einen Tunnel in den Brandenburger Sand zu graben, der einmal quer durch den Erdball nach Australien führt. Dort wollen sie sich wieder treffen.

Samstag, 10. Oktober · 19.20 Uhr
Soundtrack der Freiheit
Musik-Doku von Katarina Schickling
Musik aus Ost und West beflügelte den Aufbruch zur Zeit des Mauerfalls 1989. Die Dokumentation spürt den Hymnen und Hoffnungen von damals nach und fragt, was daraus wurde: Anna Loos erzählt erstmals von ihrer Flucht als 17-Jährige im Jahr 1988. Mit dabei sind Musiklegenden wie Silly, Uschi Brüning, Wolfgang Niedecken und Klaus Meine, der junge Shootingstar Felix Jaehn sowie Lenny Kravitz.

3sat – 30 Jahre Mauerfall

Über 1,4 Millionen Besucher beim 25. Jubiläum der deutschen Einheit in Frankfurt

© massow-picture
© massow-picture

Nach Mitteilung der Stadt Frankfurt besuchten mehr als 1,4 Millionen Menschen die Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung. Nachdem am ersten Veranstaltungstag bereits gut 350.000 Besucher auf der Festmeile unterwegs gewesen sind, waren, so die Organisatoren, bei bestem Herbstwetter am Samstag mindestens 600.000 Besucher in Frankfurt.

© massow-picture
© massow-picture

Die spektakuläre Abendinszenierung haben bis zu 50.000 Besucher am Main mitverfolgt. Schon eine Stunde zuvor haben sich viele der Besucher an den Mainufern eingefunden, um im Gedränge noch ein gutes Plätzchen zu ergattern für die spektakuläre Light-Show mit Chor, Illumination der Mainufer, Jetski-Spektakel und Feuerwerk.

Auf dem zum "Platz der deutschen Einheit" umbenannten Paulskirchenvorplatz ging man die Einheitsfeierlichkeiten noch entspannter an © massow-picture
Auf dem zum „Platz der deutschen Einheit“ umbenannten Paulskirchenvorplatz ging man die Einheitsfeierlichkeiten noch entspannter an © massow-picture

Der heutige verkaufsoffene Sonntag sorgte heute nochmal für einen Besucherstrom von wohl gut 500.000 Menschen aus dem Umland in die Mainmetropole. An sämtlichen drei Tagen blieb es trotz einer Demo am 2. und einem Flashmob am 3. Oktober im Bundesratszelt mit der Forderung „die Europa-Grenzen Flüchtlingen der ganzen Welt zu öffnen“ in Frankfurt friedlich. Das war nicht zuletzt einer aufmerksamen wie besonnenen Polizei zu verdanken.

Internationale Tigerpalast Revue. Weltstars des Varietés live mit Varieté Orchester. © massow-picture
Internationale Tigerpalast Revue. Weltstars des Varietés live mit Varieté Orchester. © massow-picture

„Wir schauen auf drei wundervolle Tage zurück. Würdevoll und fröhlich haben wir den Tag der Deutschen Einheit in Frankfurt gefeiert. Wir sind stolz darauf, dass wir in Hessen bei tollem Wetter ein spannendes und informatives Programm

Viel Gedränge in den Zelten des Bundestages, Bundesrats und der Bundesregierung. © massow-picture
Viel Gedränge in den Zelten des Bundestages, Bundesrats und der Bundesregierung. © massow-picture

anbieten konnten“, sagte Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier zum Abschluss. „Ich will an dieser Stelle Danke sagen an die Gäste aus dem ganzen Land. Sie haben eine prächtige Stimmung in die Stadt getragen. Ich will aber auch Danke sagen an all diejenigen, die seit mehr alseinem Jahr hinter den Kulissen alles dafür getan haben, dass diese Feierlichkeiten ein Erfolg werden.“

Der Hessische Ministerpräsident und amtierende Bundesratspräsident Volker Bouffier reicht mit dem Schlüssel symbolisch das Amt des Bundesratspräsidenten für ein Jahr an seinen Nachfolger Stanislaw Tillich, Sächsischer Ministerpräsident. © massow-picture
Der Hessische Ministerpräsident und amtierende Bundesratspräsident Volker Bouffier reicht mit dem Schlüssel symbolisch das Amt des Bundesratspräsidenten für ein Jahr an seinen Nachfolger Stanislaw Tillich, Sächsischer Ministerpräsident. © massow-picture

Oberbürgermeister Peter Feldmann ergänzte: „Es war nicht nur ein tolles Fest. Frankfurt hat sich als eine bunte und weltoffene Stadt präsentiert und war der richtige Ort für diese Feierlichkeiten. Die Menschen haben gezeigt: Wir wollen keine Mauern mehr in Europa.“ Die städtischen Ämter und Institutionen hätten hervorragende Arbeit geleistet und ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Impressionen vom großen Fest gibt es unter anderem:

Großes Bürgerinteresse beim Einheitsfest 

Joachim Gauck: Rede zum Festakt am 3.Okt. 2015 in der Alten Oper in Frankfurt. 
bei Facebook unter:
https://www.facebook.com/StadtFFM
http://www.tag-der-deutschen-einheit.de/
Einheits-Blog

Bürgerfest zum 25. Tag der Wiedervereinigung in Frankfurt von Bouffier und Feldmann eröffnet

Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann eröffnen das Einheitsfest zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung in Frankfurt© massow-picture
Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann eröffnen das Einheitsfest zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung in Frankfurt© massow-picture

Schon am Freitag-Mittag starte das dreitätige Bürgerfest in Frankfurt zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung bei strahlendem Sonnenschein ganz entspannt. In der Berliner Straße, der Sponsorenstraße können Besucher ihre Kräfte am Hau dem Lukas ausprobieren, Bälle in Basketballkörbe wuchten, an Preisausschreiben teilnehmen oder sich schminken lassen. Der überall massenhaft verteilte orangene bzw. weiße Leicht-Hut  beider Großsponsoren Diba-Ing und Samsung scheint zum Pseudo-Symbol des Bürgerfestes zu avancieren.

Bratwürste in allen Varianten landestypischer Rezepte scheinen des deutschen Seele besonders zu verbinden.  © massow-picture
Bratwürste in allen Varianten landestypischer Rezepte scheinen des deutschen Seele besonders zu verbinden. © massow-picture

Noch ist nicht viel los, und entspannt lässt sich über den Römerplatz an zig Zelten vorbei schlendern bis runter zur Ländermeile am rechten Mainufer. Im noch angenehm leerem Hessenzelt informiert die Staatskanzlei über die Parlamentsarbeit und das Parteiensystem, demokratische Prozesse, die Geschichte der Entstehung des Bundeslandes und und und.

Gedenkwand zur Geschichte Niedersachens Grenzerfahrungen mit Museum Friedland © massow-picture
Gedenkwand zur Geschichte Niedersachens Grenzerfahrungen mit Museum Friedland © massow-picture

Niedersachsen inszeniert  eine ganze Bilderwand zum Thema Grenzerfahrungen, unter anderem mit dem Museum Friedland. Friedland war 70 Jahre lang Grenzdurchgangslager und galt als das deutsche  „Tor zur Freiheit“. Vielfältige Prospekte und Plakate laden darüber hinaus zum Besuch in die Lüneburger Heide, Nordseebäder, Inseln und viele andere reizende Regionen des jungen Bundesalandes ein. Besonders interessant sind die Erläuterungen zu den ältesten Speer-Funden im ehemaligen  Zonenrandgebiet Schöningen. Hier entstand ein archäologisches Zentrum.

Helmholtz Zentrum Geesthacht © massow-picture
Helmholtz Zentrum Geesthacht © massow-picture

Nachbar Schleswig-Holstein punktet neben der Präsentation seiner beliebten Ferienregionen mit einer wunderbaren Präsentation der Ozean-Unterwasserwelt. Dies Projekt geht zurück auf das Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Das  Geomar Helmholtz-Zentrum bietet in seiner Mobilen Kuppel eine faszinierende simulierte Reise durch die Tiefen des Ozeans bis hoch ins All an.

Zwiesel-Glasbearbeitung. © massow-picture
Obermais und Zwiesel Glasbearbeitung. © massow-picture

Ein wenig Oktoberfest-Atmosphäre im Bierzelt, daneben der eigentliche Bayern-Pavillon mit touristischen Informationen über Schlösser, Berge und Seen. Im Zentrum steht die Präsentation der Sonderausstellung des Grenzlandmuseums  Mödlareuth, auch „Little Berlin“ genannt. Es wurde zu einem Symbol deutscher Teilung, da durch das Dorf – ähnlich wie in Berlin – einst die Grenzmauer mit Stacheldraht und Schießbefehl verlief und Nachbarn, Freunde und Verwandte für Jahrzehnte voneinander trennte. Erst durch die Wiedervereinigung wurde Mödlareuth wieder eine Gemeinde. Seine seine zu musealen Zwecken erhaltenen „Grenzzone“ ist nicht nur Mahnmal, sondern auch ein beliebtes Touristenziel.

Musik-Bühne an der Hauptwache. © massow-picture
Musik-Bühne an der Hauptwache. © massow-picture

Weitere 12 interessante Länderpavillons, die Hälfte davon auf dem gegenüberliegenden Museumsufer, warten auf die Besucher. Die Festgebiete wie Blaulichtmeile, Vielfalt in Hessen, Platz der Einheit, Platz der Geschichte, Sportmeile, Frankfurt FR-leben, Verfassungsorgane, Bühne Opernplatz, Ort der Begegnung – Kirchen, LichtKirche – Ev. Kirchen, dm-Kinderland und über die Abendinszenierung sowie über Rahmenprogramme auf zig Musikbühnen in der Stadt, zum Beispiel an der Hauptwache, Alten Oper oder über das Theaterfest informieren die Programmhefte, Links (www.tag-der-deutschen-einheit.de) oder Apps.

 Eröffnung des Bürgerfestes am FFH-Hessenpavillon

Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann eröffnen das Einheitsfest zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung in Frankfurt© massow-picture
Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann eröffnen das Einheitsfest zum 25. Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung in Frankfurt© massow-picture

Gegen 16.30 Uhr warteten viele Besucher vor dem FFH-Hessenpavillon am Museumsufer auf die Hauptpersonen dieses Tages, nämlich  Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Fast unbemerkt näherten sie sich mit ihren Mitarbeitern, bevor sie, unterstützt von einer Performance-Gruppe, gemeinsam die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit in Frankfurt am Main eröffneten. „25 Jahre Deutsche Einheit – das ist ein Grund zu feiern. Wir haben mit der Stadt Frankfurt ein Programm aufgestellt, das drei Tage Interessantes aus Politik, Geschichte, Kultur und Unterhaltung bietet.

Original Mauersegmente erinnern am Mainufer an die Teilung Deutschlands und den Willen der Menschen zur Freiheit. © massow-picture
Original Mauersegmente erinnern am Mainufer an die Teilung Deutschlands und den Willen der Menschen zur Freiheit. © massow-picture

Es ist uns wichtig, daran zu erinnern, warum wir an diesem Wochenende feiern: Nachdem sich mutige Menschen gegen eine Diktatur aufgelehnt und es geschafft haben, das Unrechtsregime friedlich abzulösen, wurde vor 25 Jahren die Einheit vollendet“, sagte Volker Bouffier. Deshalb sei es dem Land und der Stadt wichtig, bei einem fröhlichen Fest, zu zeigen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien. Oberbürgermeister Peter Feldmann stellte fest: „Frankfurt präsentiert sich in den kommenden Tagen als weltoffene, internationale und soziale Metropole.“

Festakt am 3. Oktober mit Bundespräsident und Kanzlerin
„Wir sind stolz darauf, dass wir dieses Jubiläumsfest für die Länder ausrichten. Deshalb ist es für uns eine große Ehre, morgen gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel sowie mit zahlreichen weiteren hochrangigen Ehrengästen den Gottesdienst und den zentralen Festakt zu diesem Einheitstag in Frankfurt feiern zu können“, sagte Bouffier zum Start des Bürgerfestes am Hessenpavillon und lud alle Interessierten dazu ein, die Verfassungsorgane ab 9.30 Uhr in den Zuschauerbereichen rund um die Paulskirche oder ab 11.15 Uhr an der Alten Oper in Frankfurt zu begrüßen.

Oberbürgermeister Feldmann führte aus: „Ich freue mich anlässlich der Feierlichkeiten die Spitzen der fünf Verfassungsorgane am Morgen des 3. Oktober in der Paulskirche zu empfangen. Es ist für unsere Stadt eine große Ehre, dass sich alle Spitzen der Verfassungsorgane in das Goldene Buch der Stadt eintragen.“ Die Eröffnung übertrug FFH-Radio und Hessenfernsehen live.

FFH – Vorstellung des Kreativwettbewerbs

Peter Hartmann, FFH talkt mit Axel Wintermeyer (Chef der Hessischen Staatskanzlei) und den Gewinner-Nachwuchsjournalisten des Wettbewerbs: Melanie Bäder (Hessen), Christopher Kitsche (Bayern) und Nam Nguyen (Sachsen).  © massow-picture
Peter Hartmann, FFH talkt mit Axel Wintermeyer (Chef der Hessischen Staatskanzlei) und den Gewinner-Nachwuchsjournalisten des Wettbewerbs: Melanie Bäder (Hessen), Christopher Kitsche (Bayern) und Nam Nguyen (Sachsen). © massow-picture

Radio FFH sendet pausenlos live, dazwischen präsentiert es interessante Projekte, so auch gestern den „Kreativwettbewerb des Landes Hessen“ Peter Hartmann, Leiter von FFH-Studio Wiesbaden,  stellte die Teilnehmer des unter dem Motto „Junge Menschen erzählen Geschichte“ vor. Mit dabei Staatsminister Axel Wintermeyer (Chef der Hessischen Staatskanzlei) und die Nachwuchsjournalisten des Wettbewerbs Christopher Kitsche (Bayern), Melanie Bäder (Hessen) und Nam Nguyen (Sachsen). Anlässlich der Feierlichkeiten ist die Hessische Staatskanzlei in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband auf der Suche nach den kreativen Köpfen des Journalismus. So wurden die drei aus  25 journalistischen Nachwuchstalenten (sie hatten sich mit Texten, Reportagen, Video- oder Audiobeiträgen beworben) aus ganz Deutschland.  Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden  Teil des Redaktionsteams des „Einheit-Blog“ im September und Oktober und berichteten bereits im Vorfeld aus dem jeweiligen Bundesland. Bei den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit  ist das Team nun in Frankfurt am Main vor Ort aktive und berichtet über die Geschehnisse und nimmt zudem an einem viertägigen Workshop teil! 

Zum Blog: https://www.facebook.com/DeutscheEinheit2015

Große Bühne der Kirchen auf dem Frankfurter Römer mit Gospel-Musik und vielem anderen mehr © massow-picture
Große Bühne der Kirchen auf dem Frankfurter Römer mit Gospel-Musik und vielem anderen mehr © massow-picture

200 Aussteller und mehr als 300 Veranstaltungen
Auf dem Bürgerfest werden bis zum 4. Oktober über 200 Aussteller mehr als 300 Veranstaltungen anbieten. Darunter sind neben den 16 Bundesländern, die sich auf der Ländermeile am Main präsentieren, zahlreiche Organisationen, Verbände und Unternehmen. Highlights des Bürgerfestes sind außerdem die Präsentation der Verfassungsorgane auf dem Goetheplatz und dem Roßmarkt sowie die Abendinszenierung am 3. Oktober ab 21.00 Uhr auf dem Main.

Große Bühne an der Hauptwache © massow-picture
Große Bühne an der Hauptwache © massow-picture

Das Programm reicht von Geschichtsausstellungen auf dem Liebfrauenberg und dem Paulsplatz bis hin zu musikalischen Höhepunkten auf unterschiedlichen Bühnen. „Da ist für jeden Geschmack reichlich geboten“, so Bouffier in seiner Begrüßungsrede.

FFH-Pavillon

Behördennummer 115 informiert über Bürgerfest
Wer sich telefonisch über Details des Bürgerfests sowie der besten Anreisemöglichkeit informieren möchte, bekommt bis Sonntag 16.00 Uhr unter der Behördennummer 115 rund um die Uhr Auskunft. Ein Online-Redaktionsteam nutzt zahlreiche Social-Media-Kanäle, die Website www.tag-der-deutschen-einheit.de sowie die Bürgerfest-App für eine aktuelle Berichterstattung. Darüber hinaus dient eine Informationsbox auf der Zeil als weitere Anlaufstelle, in der man unter anderem auch das Programmheft zum Bürgerfest kostenlos erhält.

 

25 Jahre Deutsche Einheit: Frankfurt bietet mehr als 300 Veranstaltungen

buergerfestAm 3. Oktober 2015 jährt sich zum 25. Mal die deutsche Wiedervereinigung. Das Land Hessen ist Gastgeber der offiziellen Jubiläums-Feierlichkeiten und hat Frankfurt als Austragungsort bestimmt. Mit über 300 Einzelveranstaltungen feiert die Mainmetropole nun drei Tage lang ein buntes und fröhliches, spannendes und informatives Fest unter dem Motto „Grenzen überwinden“.

ampelmannFrankfurt am Main (pia) Mit vereinten Kräften bereitet sich Frankfurt auf eine der größten Feierlichkeiten in seiner mehr als 1200-jährigen Geschichte vor: Zum Bürgerfest anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Deutsche Einheit“ erwartet die Stadt vom 2. bis 4. Oktober mehr als eine Million Besucher und viel Prominenz. Auch der frühere sowjetische Staatspräsident Michael Gorbatschow und EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker haben ihren Besuch am Main angekündigt.

Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel sind zu Gast

Bei dem zentralen Festakt am Samstag, 3. Oktober, werden Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Volker Bouffier, seine Ministerpräsidenten-Kollegen und viele weitere prominente Gäste ab 12 Uhr über den roten Teppich vor der FFH-Bühne an der Alten Oper schreiten. Nach den offiziellen Ansprachen unterhält sich Moderatorin Silvia Stenger mit Zeitzeugen wie dem DDR-Flüchtling Michael Schlosser, der sein selbstgebautes Flucht-Flugzeug mitbringt, und dem DDR-Grenzbeamten Harald Jäger, der am 9. November 1989 der Bornholmer Straße in Berlin den Schlagbaum öffnen ließ.

Cro und Namika kommen auf die FFH-Bühne

Schon vor der Polit-Prominenz erobern populäre Musikstars die Bühne: Das Programm startet am Freitag, 2. Oktober, mit der Frankfurter Newcomerin Namika, die ab 19 Uhr unter anderem ihren Nummer-1-Hit „Lieblingsmensch“ anstimmt. Um 20 Uhr folgt ihr der Mann mit der Maske: CRO wird mit seinen Rap-Songs „Easy“ oder „Bye Bye“ den Opernplatz zum Beben bringen.

Sarah Connor steht am Samstagabend, 3. Oktober, ab 18 Uhr auf der FFH-Bühne – passend zum „Tag der Deutschen Einheit“ singt sie jetzt in ihrer Muttersprache, etwa ihren Hit „Wie schön Du bist“. Ab 19.30 Uhr rockt der Ire Rea Garvey („Wild Love“), der seit 1998 im hessischen Hadamar und in Berlin lebt, den Opernplatz. An die Hits von Frank Sinatra erinnert Roger Cicero mit 25-köpfiger Big Band am Sonntag, 4. Oktober, ab 13 Uhr, und die Norwegerin Marit Larsen („Traveling Alone“) folgt um 15 Uhr, bevor die Shooting-Band voXXclub („Rock mi“) um 16 Uhr das Programm beschließt. Der Eintritt zu den Konzerten ist an allen drei Tagen frei.

hr bringt Christina Stürmer, Shantel und Varieté-Stars an die Hauptwache

Stars für alle – live und kostenlos, lokal wie international – bietet auch der Hessische Rundfunk in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt auf der Bühne an der Hauptwache. Das Bürgerfest-Programm beginnt dort am Freitag um 15 Uhr mit dem „hr1-Sound of the 80s“, moderiert von Radio-Urgestein Werner Reinke. Nach SuperPhonix und The StreetLIVE Family begrüßt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann gegen 19.45 Uhr die Besucher. Danach heißt es: Bühne frei für das Berlin Show Orchestra, das mit Stars aus den 1980-ern wie Jimmy Somerville, Nik Kershaw und Howard Jones den Sound aus den Zeiten des Mauerfalls zurückbringt.

Frankfurts und Hessens kultureller Reichtum prägt das Programm am Samstag, 3. Oktober: Die Spannweite reicht von Varieté-Weltstars der Tigerpalast Revue (18 Uhr) bis zu Shantel mit seinem Balkan-Pop aus dem Bucovina-Club (22 Uhr) und vom Landes Jugend Jazz Orchester Hessen (16.30 Uhr) bis zur Hip-Hop-Performance des Rappers Vega, der ab 20 Uhr gemeinsam mit Jugendlichen aus den Stadtteilen auftritt. Für den stimmungsvollen Auftakt des Tages sorgen ab 14 Uhr das Mobile Einsatzkommando (MEK) um den Frankfurter Saxophonisten Gernot Dechert und ab 15 Uhr der Eschersheimer Jugendchor.

Hits und Erinnerungsfotos an der Hauptwache

Hitverdächtig wird die Stimmung an der Hauptwache am Sonntag, wenn Österreichs Pop-Export Nummer eins, Christina Stürmer, ab 16 Uhr ihre Erfolgstitel wie „Millionen Lichter“ zum Besten gibt. Dem Jubiläumsmotto „Grenzen überwinden“ widmet sich die hr-Bigband bereits ab 11 Uhr: Ihr Programm „A Call for Freedom“ verbindet südafrikanischen Jazzgroove mit politischem Hintergrund. Danach erobern der Frankfurter Sänger Chima mit seinem Ohrwurm „Morgen“ (12.30 Uhr) und die Aschaffenburger Jungs von Boppin’B mit ihrer akrobatischen Live-Performance (13 Uhr) die Frankfurt-Bühne.

Lust auf Erinnerungsfotos? Am Frankfurt-Stand ganz in der Nähe der Frankfurt-Bühne direkt vor der Katherinenkirche kann man, wie früher im Passbildautomaten, in der „Foddobox“ der Firma tyntyn sein persönliches Foto zum Mitnehmen schießen lassen. Einfach rein in die Kiste, Frankfurt-Hintergrund auswählen, lächeln, fertig ist das Einheitsfeier-Erinnerungsbild. Digitale Schnappschüsse, die die Besucher beim Bürgerfest machen und unter dem Hashtag #tdde15 auf Instragram und Twitter geteilt haben, können sie am Hashtagprinter von tyntyn als Foto ausdrucken lassen. Ein Hashtagprinter steht ebenfalls am Frankfurt-Stand, einer an der Infobox vor MyZeil und einer in der Bürgerberatung am Römerberg.

„LichtKirche“ und Jan Josef Liefers im Metzlerpark

Ein umfangreiches Programm unter dem Motto „Gott. Sei Dank“ bieten die evangelischen Kirchen in Hessen zum Jubiläums-Bürgerfest. Mit einer transportablen „LichtKirche“ und einer Kulturbühne verwandeln sie den Metzlerpark am Frankfurter Museumsufer vom 2. bis 4. Oktober in einen lebendigen Ort der Begegnung, geprägt von Gesang, Gesprächen und Gebeten. Die LichtKirche steht für Hoffnung und Kraft, die Menschen dazu beflügelt, Grenzen zu überwinden und Neues zu wagen. Hier kommen zahlreiche Menschen zu Wort, die über ihre Grenzgänge und die Zeit des Mauerfalls berichten. Auf der Bühne stehen der Schauspieler und Sänger Jan Josef Liefers mit seiner Band „Radio Doria“ (Sonntag ab 16 Uhr), die Sopranistin Eva Lind (Samstag ab 16 Uhr), der Musiker Samuel Harfst (Freitag ab 19 Uhr) und die „Frankfurt City Blues Band“ mit dem Gospelchor „popCHORn“ (Samstag ab 19 Uhr). Zum Mitgrooven lädt auch der Open-Air-Gottesdienst am 4. Oktober um 12 Uhr mit dem Mainzer Chor „Colours of Gospel“ ein.

Zum traditionellen Erntedankfest am Sonntag werden im Metzlerpark Äpfel von den Frankfurter Streuobstwiesen an die Gäste verteilt. Es sind genau 9.125 Stück – die Menge der Tage, die seit der Einheit Deutschlands vergangen sind.

Der eigentliche Jubiläumstag am Samstag, 3. Oktober, beginnt mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Frankfurter Kaiserdom, den die ARD ab 10 Uhr überträgt. Die Predigt hält Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, als Gäste werden neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel viele weitere hochrangige Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft erwartet.

Zum Abschluss des Feiertags erleben die Gäste ab 21 Uhr eine 45-minütige Inszenierung mit audiovisuellen und klassischen Theaterelementen an beiden Seiten des Mainufers. Zwischen dem Eisernem Steg und dem Holbeinsteg werden symbolisch 25 Brücken gebaut, die für jedes Jahr der Deutschen Einheit stehen.

Gespräche über die Mauern von gestern und heute

„Mit Gott überspringe ich Mauern“, heißt es in Psalm 18. Über die Mauern von gestern und heute möchten die Christlichen Kirchen und Gemeinden auf dem Römerberg sprechen. Er wird vom 2. bis 4. Oktober zum Ort der Begegnung – mit Gospel und Gebeten, mit Ethno-Instrumentalgruppen und Inklusionsbands. Zeitzeugen der friedlichen Revolution kommen an den drei Tagen ebenso zu Wort wie Akteure in aktuellen Flüchtlingsprojekten.

Am Samstag führen Kerzenprozessionen aus innenstadtnahen Kirchen ab 19 Uhr zum ökumenischen Dank- und Fürbittgottesdienst mit dem DDR-Oppositionellen Pfarrer Rainer Eppelmann und der „Judy Bailey-Band“ zum Römerberg. Um 14 und 16.30 Uhr starten Besuche zum Tag der Moscheen. Bereits am Freitag laden die evangelischen und katholischen Gemeinden in der Innenstadt von 20 bis 24 Uhr zur Nacht der Kirchen in die offenen Gotteshäuser ein.

Sportmeile an der Konstablerwache lädt zum Mitmachen ein

Unter dem Motto „25 Jahre Deutsche Einheit – Sport kennt keine Grenzen“ organisiert der Sportkreis Frankfurt in Kooperation mit dem Landessportbund Hessen (LSBH) und der Barmer GEK vom 2. bis 4. Oktober eine Sportmeile auf der Zeil und an der Konstablerwache. Sie lädt die Besucher ein, neue Sportangebote auszuprobieren, ihre Fitness zu testen oder sich beraten zu lassen. Gerade für Kinder finden sich hier viele Möglichkeiten zum Spielen und Toben. Die Initiative „Deutschland bewegt sich“ bietet einen Open-Air-Fitness-Parcours und weitere Mitmachaktionen wie die ZDF-Torwand, einen Kletter- und Boulderturm, Basketball, Teppichcurling oder Tischtennis. Der Sportkreis Frankfurt, die Sportjugend Hessen, das Fair Play Forum des Hessischen Fußballs sowie viele weitere Sportvereine und -verbände aus Frankfurt und Umgebung wirken aktiv am Programm mit.

Zudem gibt es Fitness-Tipps von prominenten Sportlern und Botschaftern der Gesundheitsinitiative. Vor Ort sind Heike Drechsler (Olympiasiegerin Weitsprung), Torsten May (Olympiasieger Boxen), Christina Obergföll (Weltmeisterin Speerwerfen), Jochen Wollmert (Paralympicssieger Tischtennis) und Tanzweltmeister Michael Hull, der am 3. Oktober eine Stadt- und Tanzwette startet.

Kreatives Kinderland am Mainufer

Auch das dm-Kinderland, das Mitarbeiter der Drogeriekette in Frankfurt gemeinsam mit ihren Partnern – dem Schloss Freudenberg, dem Städel Museum sowie dem Frankfurter Kinderbüro – am südlichen Mainufer errichten, steht unter dem Motto „Grenzen überwinden“. In Bastelworkshops können große und kleine Besucher ihrer Kreativität freien Lauf lassen und kleine Kunstwerke wie Mauerstücke und Postkarten gestalten. Der Sinnesparcours zum Element Wasser lädt junge Forscher zum Experimentieren und Modellieren ein. Eine Sitzecke mit Saftbar, ein Ruhebereich samt Wickelstation und ein Familien-Info-Cafe runden das Angebot ab.

Wie die Einheits-Jubiläumsfeier nach Frankfurt kam

Die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit richtet seit der Wiedervereinigung 1990 jeweils das Bundesland aus, das den Vorsitz im Bundesrat innehat. Im Jahr 2015 ist dies das Land Hessen. Ministerpräsident Volker Bouffier hat seine gesamte Bundesratspräsidentschaft unter das Motto „Grenzen überwinden“ gestellt, das nun auch die Jubiläumsfeier prägt. Als Veranstaltungsort der zentralen Feierlichkeiten zu „25 Jahre Deutsche Einheit“ wurde – auf Vorschlag des Landes Hessen und in Abstimmung mit der Bundesregierung – auf Frankfurt am Main ausgewählt. Mit dem dreitägigen Bürgerfest in der weltoffenen, internationalen Mainmetropole möchte Oberbürgermeister Peter Feldmann „ein Bild des geeinten und modernen Deutschlands mitten in Europa zeichnen“.

Schüler diskutieren über Leben im vereinten Deutschland am 1.Okt. in der Paulskirche

Leben im vereinten Deutschland - 650 Schüler diskutieren und feiern mit viel Prominenz das 25 jährige Jubiläum der Wiedervereinigung in der Frankfurter Paulskirche © massow-picture
Leben im vereinten Deutschland – 650 Schüler diskutieren und feiern mit viel Prominenz das 25 jährige Jubiläum der Wiedervereinigung in der Frankfurter Paulskirche © massow-picture

Im Rahmen der  Feierlichkeiten zum Jubiläum 25 Jahre Wiedervereinigung Deutschland gab es am 1. Oktober 2015 in der Frankfurter Paulskirche einen ersten Höhepunkt: Über 650 Schüler der 13. Klassen Frankfurter Gymnasien waren der Einladung der Stiftung Polytechnischer Gesellschaft, dem Land Hessen und des hessischen Kultusministeriums, der Stadt Frankfurt und Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einer feierlichen  „Standortbestimmung“ mit der Frage gefolgt: „Was bedeutet für Dich Leben im vereinten Deutschland“. Im Zentrum standen die Reden „Was und zu was vereint? Beobachtungen eines Zeitzeugen“ vom FAZ-Redakteur Frank Pergandes und „Was es für mich heißt, Deutscher zu sein“, der in Dresden geborenen Pharmazie-Doktorandin Sarah Oelsner.

© massow-picture
© massow-picture

Den musikalischen Auftakt  im großen Plenarsaal der Paulskirche gestaltete das Kammerorchester des Goethe-Gymnasiums mit Variationen  aus dem Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3 von Joseph Haydn, woraus die Grundmelodie für die Deutsche Nationalhymne stammt.

© massow-picture
© massow-picture

Moderatorin Marita Peters, Schülerin, Siegerin von Frankfurt schreibt! Der große Diktatwettbewerb 2014, führte professionell durch das gesamte Programm. Sie stellte alle Teilnehmenden und die Ehrengäste vor, ohne sich einmal dabei zu verhaspeln, und sorgte für einen feierlich spannenden Verlauf der Festveranstaltung am historischen Ort deutscher Freiheitsgeschichte.

 

 

 

© massow-picture
© massow-picture

In seiner Begrüßung wies  Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. Main,  die Schüler und zahlreichen Ehrengäste darauf hin, dass die sich am  3. Oktober 2015  zum 25. Mal jährende deutsche Wiedervereinigung  das mit Abstand wichtigste Ereignis der jüngeren deutschen, vielleicht sogar europäischen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg ist.  Frankfurt sei als die einzige Stadt in Deutschland, in der Menschen aus 180 Nationen mit 200 Sprachen und Stadtteilen mit bis zu 90 Prozent Ausländeranteilen friedlich zusammenlebten, in diesem Jahr angesichts der aktuellen Flüchtlingsproblematik  die wohl geeignetste Metropole, um die zentralen Feierlichkeiten für die Bundesrepublik „Grenzen überwinden“ auszurichten. Frankfurt könne für ganz Deutschland  eine Art Labor darstellen, wo experimentiert und gezeigt wird, dass Einwanderungs-Integration funktionieren und bereichernd sein kann. In Frankfurt hat das schon immer geklappt. Denn die Menschen eine der Kitt, freiheitlich und friedlich in Eigenverantwortung leben zu wollen.

© massow-picture
© massow-picture

Staatsminister Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei vertiefte Feldmanns Grußwort, indem er in den Raum stellte, und die Schüler bat, sich einmal vorzustellen, wie ihr Leben wohl verliefe, mit Einschränkungen von Freiheit, die hier in Deutschland und Mitteleuropa so selbstverständlich wäre. Freiheit müsse jeden Tag neu gelebt, geschätzt, erstritten und auch verteidigt werden.  Symbol der diesjährigen bundesweiten Jubiläumsveranstaltung sei das Ampelmännchen des Künstlers Ottmar Hörl als Botschafter der Wiedervereinigung und eines der wenigen Symbole, die den Untergang der ehemaligen DDR  überlebt und sich auch im  Westen etabliert hätten. Bis zum 27. September waren vor dem Römer in Frankfurt über 1000 Ampelmännchen als Freiheitsbotschafter installiert worden.

© massow-picture
© massow-picture

Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, stellte in seinem Grußwort kurz die Aufgaben und Arbeitsweise der Stiftung vor und berichtete mit einem großen Dank an alle beteiligten Mitveranstalter, Stadt Frankfurt, Land Hessen und FAZ, wie man gemeinsam mit den Schulen diese Veranstaltung für Frankfurter Oberstufen anlässlich der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung organisiert hätte. Auch dafür dankte er vor allem Lehrern und Schülern, und machte ihnen Mut, ihre große Freiheit, ihr Leben nach dem Abitur relativ frei und selbständig planen zu können, zu nutzen, und wertzuschätzen. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die zur Zeit über 1000 Stipendien an hochbegabte und leistungsmotivierte Studierende und Doktoranden und Wissenschaftler vergebe, wäre immer ein Ansprechpartner, um junge hervorragende leistungs- und verantwortungsbereite Menschen zu fördern.

Den ersten Höhepunkt nach den Grußworten bildeten die Impulsreferate:

© massow-picture
© massow-picture

„Wie und zu was vereint? Beobachtungen eines Zeitzeugen“, lautete das Thema von  Frank Pergande, Redakteur der F.A.Z. Pergandes Vater war, einst von Hinterpommern vor den Russen geflüchtet, dann vertrieben und in der DDR eine neue Heimat gefunden, überzeugter NVA-Offizier. „Aber“, so Pergande, „der Preis für all das war hoch. Als Offizier verleugnete er seine beiden Brüder in der Bundesrepublik, ich wusste nichts von meinen Onkeln. Es gab bei uns nichts aus dem Westen, nicht einmal Westfernsehen. Nicht einmal am Abendbrottisch durfte offen über die miesen Verhältnisse in der DDR gesprochen werden. Überhaupt: Nie wurde bei uns darüber gesprochen, was mich wirklich bewegte. Da hat es naturgemäß einige Jahre gedauert, bis ich mich aus diesem Milieu der Sprachlosigkeit lösen konnte, um meinen eigenen Weg zu gehen. Das war freilich lange vor dem Herbst 1989. Dass ich, obwohl in der DDR lebend, mancher Zumutung in der DDR entging, hatte auch mit Glück zu tun. Die DDRStaatssicherheit, der große Unterdrückungsapparat, versuchte, auch mich zu werben. Ich sagte ab. Ich tat es nicht als großer Held, sondern aus reiner Angst vor dem, was da auf mich zukommen würde. Von Bertolt Brecht aus dem „Galilei“ stammt der schlichte, aber großartige Satz: Glücklich das Land, das keine Helden braucht. Das Ende der DDR und die deutsche Einheit sind mein großes persönliches Lebensglück. Mein Beitrag daran war, zugegeben, bescheiden: Ich war bei den Demonstrationen im Herbst 1989 dabei und habe daran vor allem eine Erinnerung: Dass der Demonstrationszug an einer roten Ampel ordnungsgemäß stehenblieb und erst bei Grün die Revolution weiterging. Meine Erwartungen an die Zukunft waren aber umso größer. Ich wusste, mein Leben würde neu anfangen. Ich würde mein Leben, vor allem auch meinen Beruf als Journalist gleichsam neu lernen müssen. Ich war 30 – in Ihren Augen freilich auch schon Steinkohle –, als ich gleichsam neu geboren wurde“ (lesen Sie die komplette Rede von Frank Pergande: rede-paulskirche_pergande).

© massow-picture
© massow-picture

Ein völlig anderes Schicksal war der  26jährigen Doktorandin und Pharmazeutin Sandra Oelsner, als Tochter zweier Ex-DDRler in Frankfurt im Jahr  des Mauerfalls geboren, beschieden. Sie gab in ihrem Statement zum Leben im vereinigten Deutschland Auskunft: „Was es für mich heißt, Deutsche zu sein“, etwa, dass es für sie bedeute in „Freiheit und Demokratie zu leben“. „Meine ersten 26 Lebensjahre“, so Sarah Oelsner, „verbrachte ich in einem wiedervereinigten Deutschland – freie Meinungsäußerung und Wahlrecht sind für mich ebenso selbstverständlich wie das meist visumfreie Reisen in Europa und der ganzen Welt. Ein Auslandssemester in Spanien, ein Praktikumsjahr in der Schweiz, das sind Möglichkeiten, die ich während meines Studiums gern wahrgenommen habe. Aus eigenem Erleben kann ich altersbedingt keine Vergleiche zum Leben in der DDR ziehen, doch durch Gespräche mit meinen Eltern und Großeltern wird mir sehr bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeiten sind. Meine Eltern haben sich beim Studium in Dresden kennengelernt und haben ihre ersten 26 Lebensjahre in der DDR verbracht. Im engen Freundes- und Familienkreis konnte man offen sprechen, ansonsten folgte man besser der diktierten Meinung. Stand man nicht aus eigener Überzeugung hinter dem DDR-Regime, musste man sich jeden Tag neu überlegen, inwieweit man bereit war, sich anzupassen. Mein Vater erzählte mir: Ohne Wehrdienst – kein Studium. Keine freien Wahlen – die Teilnahme wurde kontrolliert. Dann der Anwerbeversuch als IM der Stasi – das wollte mein Vater nicht und er sagte Nein. Welche Konsequenzen sich die allgegenwärtige DDR-Diktatur für diese Absage ausdachte, war nicht absehbar. Der Mauerfall beendete für meinen Vater diese Angst. Mein Großvater baute in der DDR ein eigenes mittelständisches Unternehmen mit 100 Mitarbeitern auf. Das wurde nicht gern gesehen und so folgte 1972 die Zwangsenteignung. Er war anerkannter Verfolgter des DDR-Regimes – die Wiedervereinigung erlebte er als Befreiung. Ich habe in diesen Gesprächen viel gelernt und für mein Leben vor allem eines mitgenommen: Ohne Freiheit und Rechtsstaatlichkeit ist alles nichts! Deutsche sein heißt für mich… Bürgerin eines der reichsten und erfolgreichsten Länder der Welt zu sein. Fast 30% der Wirtschaftsleistung der Eurostaaten entfallen auf Deutschland. Wir sind nicht nur Fußball- sondern auch „Exportweltmeister“ und mit Deutschland werden weltweit Begriffe, wie Qualität und wirtschaftlicher Stärke verbunden. Aus diesem Leistungsniveau leitet sich für mich persönlich der Anspruch ab, Verantwortung zu übernehmen – sozial gesellschaftlich tätig zu sein und internationale Entwicklungen zu fördern. Das gilt für den Einzelnen aber auch für unser Land insgesamt. Mir ist bewusst: Ein wiedervereinigtes Deutschland verdanken wir auch der internationalen Hilfe unserer Partner – es ist daher für mich ebenso selbstverständlich, Hilfe zu leisten – im übrigen wird nur so wirtschaftlicher Erfolg nachhaltig zu sichern sein. Gemeinsam wollen wir ein offenes Land sein, das aus seiner Vereinigung die Kraft für die Aufnahme verfolgter Menschen aus anderen Regionen schöpfen sollte.“ (lesen Sie die komplette Rede von Sandra Oelsner: redepaulskirche_sarahoelsner).

Poetry Slam von Anna Knechtel

© massow-picture
© massow-picture

Anna Knechtel, 17jährige Schülerin der Liebigschule – Europaschule, performierte wunderbar, intelligent, ideenreicht und pointiert auf den Punkt gebracht, ihre Gedanken und Gefühle zu Wiedervereinigung, Freiheit und Frankfurt.
„Eine Gesellschaft, Schicht für Schicht, strebt nach oben, zweifelt nicht, immer weiter,
immer mehr, wachsen, steigen, Stärke zeigen
Doch halt, einen Moment inne
Es war nicht immer so, wie es jetzt ist und vieles ist jetzt, was nie so war
Wahrheit war nicht immer Wahrheit
Blick in die Vergangenheit
Ein Teil, ein Land, das wir heut’ sind, war mal geteilt, zerrissen, entzweit
Da war Hass und Konkurrenz, Ost gegen West
Rivalitäten, gab keine Grenze, was immer die Rivalen täten
Doch eine Grenze war da
Über Nacht eine Mauer gebaut, aus kaltem Stein
Und mit jedem weiteren Tag wuchs sie in den Köpfen der Menschen
Stein auf Stein baute man ein auf ein anderes Wort der Lüge
Die einen in der Sonne, die anderen nicht
In einer Wolke, stumm, gedrückt, unterdrückt, kein Ausweg
Stattdessen in Schlangen stehen, zu wahllosen Wahlen gehen
Was man sieht? Ein schwarzer Kanal, weit auf der andere Seite das Kennzeichen D
D für Deutschland, das war Deutschland damals
Alles schon gehört, schon zehn mal durchgekaut
Auf Krieg folgt Frieden, nach schweren Zeiten kommen schwere Zeiten,
Dann ein Neuanfang, man bleibt nicht stehen, immer weitergehen, hinter sich lassen,
neue Zeiten fassen
Ankommen, heute, hier, jetzt. Und was ist das?“ (lesen Sie den Poetry-Slam von Anna Knechtel: poetry-slamanna)

Podiumsgespräch

© massow-picture
© massow-picture

Beim folgenden Podiumsgespräch „Leben im vereinten Deutschland und Erwartungen“ gaben vier Oberstufenschüler Einblicke in  ihre privaten und beruflichen Wünsche, Ziele und Lebensentwürfe nach dem Abitur.  Werner D’Inka, Herausgeber der F.A.Z. leitete das spannende Gespräch mit den jungen Leuten aus Familien mit Migrationshintergrund. Sie wollten nach dem Abi erst einmal vereisen und etwas von der Welt kennenlernen. Sie sind dankbar dafür, dass sie dies in Deutschland ohne Einschränkungen in Freiheit tun könnten.

© massow-picture
© massow-picture

Im Schlusswort betonte Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister: „Einigkeit Ja!“, aber vor allem „Recht und Freiheit“ und „Demokratie“ sei, was Europa so attraktiv gemacht hat, und das gelte es zu schützen und zu verteidigen. Den jungen Menschen machte er Mut zu reisen, am Programm „Erasmus Plus“ teilzunehmen, vielfältige Erfahrungen zu sammeln als Grundlage für eine gemeinsame Zukunft in Europa.

Musikalisch lies der Chor der Schillerschule die zweistündige Festveranstaltung in der Paulskirche mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ (Ausschnitt aus 9. Sinfonie d-Moll op. 125) feierlich ausklingen. Anschließend gab es noch einen kleinen Brezel-Imbiss im Foyer.

© massow-picture
© massow-picture

Frankfurt lädt ein zur multireligiösen Feier in den Plenarsaal der Paulskirche

© massow-picture
© massow-picture

(pia) In diesem Jahr wird in Frankfurt der 25. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Anlässlich dieses Ereignisses lädt die Stadt am Mittwoch, 30. September, um 18.30 Uhr, zu einer multireligiösen Feier in den Plenarsaal der Paulskirche ein. Mit ihr möchte die Stadt ein Signal mit einer klaren Botschaft setzen: Die Deutsche Einheit ist ein Miteinander in Vielfalt. Zu Frankfurt gehören heute Menschen mit Lebensgeschichten, die so unterschiedlich sind, wie die Gründe und Wege, die sie in unsere Stadt geführt haben – und so verschieden wie ihre Glaubenswelten.

Oberbürgermeister Peter Feldmann wird die Gäste begrüßen. Es folgen Beiträge der Religionsgemeinschaften Sikh-Religion, Judentum, Buddhismus, Islam, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Hinduismus, Ahmadiyya Muslim und Bahá’ítum. Das Schlusswort spricht Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg.

Schüler diskutieren über Leben im wiedervereinten Deutschland in der Paulskirche am 1.Oktober

© massow-picture
© massow-picture

Was bedeutet die Wiedervereinigung für junge Menschen heute?
(pia) Deutschland blickt 2015 auf 25 Jahre Wiedervereinigung zurück. Die zentralen Feierlichkeiten richtet das Land Hessen unter dem Motto „Grenzen überwinden“ in Frankfurt am Main aus. Im Rahmen der Festwoche laden die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, das Land Hessen und das Hessische Kultusministerium, die Stadt Frankfurt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung Schüler aus Frankfurter Oberstufen in die Paulskirche ein. Die bereits ausgebuchte Veranstaltung, zu der rund 650 Gäste aus den Schulen erwartet werden, befasst sich am Donnerstag, 1. Oktober, um 10 Uhr, mit der Frage, was die Wiedervereinigung Deutschlands für uns heute bedeutet.

© massow-picture
© massow-picture

Im Zentrum stehen die Reden „Wie und zu was vereint? Beobachtungen eines Zeitzeugen“ von FAZ-Redakteur Frank Pergande und „Was es für mich heißt, Deutsche zu sein“ der in Dresden geborenen Pharmazie-Doktorandin Sarah Oelsner. Im Anschluss moderiert FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka ein Podiumsgespräch mit Frankfurter Schülern zum Thema „Leben im vereinten Deutschland: Erfahrungen und Erwartungen“. Grußworte entrichten Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Roland Kaehlbrandt. Das Schlusswort spricht der hessische Kultusminister Alexander Lorz.

„Liebesbriefe und Passierscheine“ – Ausstellung zur Geschichte des Ehepaars Illian im Historischen Museum Frankfurt

© Historisches Museum Frankfurt
© Historisches Museum Frankfurt

Mehr als 18 Monate lang trennte die Berliner Mauer Doris Illian von ihrem in Frankfurt lebenden Ehemann. In dieser Zeit schrieben sie sich fast täglich. In ihrem Buch berichtet die ehemalige Ost-Berlinerin von den Repressalien und Schikanen, denen das junge Paar bis zur Ausreise von Frau Illian im Februar 1963 ausgesetzt war. Es enthält Ausschnitte aus Briefen, Zeitungsartikeln und Erinnerungen und vermittelt so einen Eindruck vom beruflichen und privaten Alltag der Menschen in Ost-Berlin nach dem Mauerbau.

Ebenfalls am 2. Oktober eröffnen wir in der Bibliothek der Alten eine Ausstellung zur Geschichte des Ehepaars Illian.

Lesung und Ausstellungseröffnung mit Doris Illian
Eintritt: 4 €
Ort: Sonnenmann-Saal im hmf

Weitere Informationen erhalten sie beim Historischen Museum Frankfurt

hmf-Programmheft-September bis Dezember 2015

‚Kommt die D-Mark, bleiben wir‘ – Währungsunion vor 25 Jahren in kürzester Zeit gestemmt.

Goldregen für die Ossis oder was?
Goldregen für die Ossis oder was?

‚Kommt die D-Mark, bleiben wir‘
Deutschland vor 25 Jahren: In kürzester Zeit stemmte die Bundesbank die Währungsunion

Bereits drei Monate vor der Wiedervereinigung legte die Währungsunion zwischen BRD und DDR einen der Grundsteine für das Zusammenwachsen beider Staaten. Ausführender Hauptakteur war die Deutsche Bundesbank. Von Frankfurt aus regelte sie den Druck neuer Banknoten, deren Transport nach Ostdeutschland, die Eröffnung neuer Filialen und die Ausgabe der ersehnten D-Mark.

(pia) Wenn zum 3. Oktober die Politprominenz in Frankfurt den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit feiert, blickt eine große in der Mainmetropole beheimatete Institution bereits zurück: Die Deutsche Bundesbank hat ihr großes Jubiläum schon hinter sich gebracht. Die Behörde war in den neuen Bundesländern mit der Durchführung der deutsch-deutschen Währungsunion zum 1. Juli 1990 betraut und so schon vor der eigentlichen Einheit besonders gefordert. Die Einführung der D-Mark ist vielen Ostdeutschen fast stärker im Gedächtnis haften geblieben als die offiziellen Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober.

Der Druck war groß
Erdacht wurde die Währungsunion im Bundesfinanzministerium von Theo Waigel (CSU), parallel verhandelte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seit Februar 1990 mit dem Ministerpräsidenten der DDR, Hans Modrow. Gespräche, an denen die Bundesbank beteiligt war, wie es in der Jubiläumsfestschrift heißt.

Dennoch wurde es erst später richtig konkret. „Der Druck zur raschen Einführung wurde immer größer, gerade von Regierungsseite“, erinnert sich der damals zuständige Organisationschef der Bundesbank, Wendelin Hartmann. „Ich bekam von dort an einem Wochenende Ende März in meinem Urlaub einen Anruf: ‚Wir müssen jetzt konkret werden und einen Termin festlegen. Klappt das bis zum 1. Juli?‘ Dann hatte ich eine Minute Zeit, ja oder nein zu sagen. Ich sagte ja.“

Zwei Monate Zeit
Zwischen der Unterzeichnung des Staatsvertrags zwischen den beiden deutschen Staaten über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion im Mai und der Einführung der D-Mark in der DDR zum 1. Juli lagen nur zwei Monate. Der große Zeitdruck und die logistische Herausforderung dieser Währungsunion sind es, die die

Bundesbank heute besonders herausstellt. In den Wochen vor der Währungseinführung in der DDR – deren Staatlichkeit endete erst drei Monate später – baute sie insgesamt 15 Filialen neu auf. Mitarbeiter der DDR-Staatsbank wurden für die neuen Aufgaben geschult. Bundesbank-Beschäftigte leisteten Aufbauarbeit in der DDR. Die Logistik der Währungsunion wurde von der Zentrale in der Frankfurter Wilhelm-Epstein-Straße sowie der damals vorläufigen Verwaltungsstelle in Berlin geplant und geregelt, an der praktischen Umsetzung waren sämtliche Landeszentralbanken der Bundesrepublik beteiligt.

Sonderschichten in allen Bereichen
Unzählige Geldtransporter, begleitet von Blaulicht-Eskorten, brachten 440 Millionen bundesdeutsche Banknoten mit einem Gewicht von etwa 460 Tonnen in den Osten. Dazu kamen rund 102 Millionen Münzen mit einem Gewicht von 750 Tonnen. Insgesamt waren es 28 Milliarden D-Mark, die ab dem 1. Juli an die DDR-Bürger ausgezahlt werden sollten. Das meiste wurde mit Lastwagen befördert, es sollen aber auch Flugzeuge zum Einsatz gekommen sein. „Viele Straßen und Brücken in der DDR hielten die schweren Geldtransporter nicht aus“, beschreibt Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank. Problematisch war auch, dass die Buchungssysteme im unbaren Zahlungsverkehr beider Länder nicht kompatibel waren.

In den westdeutschen Bundesdruckereien wurden derweil Sonderschichten auf allen Maschinen gefahren, um den Geld-Nachschub auch im Westen sicherzustellen. Druckereien in der DDR wurden in die Geld-Produktion einbezogen. Für die sichere Lagerung wurden Tresore aus dem Westen herbeigeschafft. Um diese wiederum rangieren zu können, importierte die Bundesbank eigens Gabelstapler aus dem Westen.

Abwanderung verhindern
Die logistische Vorbereitung war das eine, das andere war der Disput über die Vorgehensweise. Der heutige Bundesbank-Chef Jens Weidmann sprach in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel erst kürzlich wieder von Entscheidungen, die „entgegen auch von Bundesbankseite geäußerten Bedenken“ getroffen wurden. Kernargument der damaligen Bundesregierung für das hohe Tempo war es, dass die Abwanderung der Menschen von Ost nach West zu stoppen und der eingeleiteten politischen Einigung endgültig den Weg zu ebnen. Auf den Montagsdemonstrationen in Leipzig war Anfang des Jahres 1990 ein Plakat aufgetaucht, dessen Slogan es zur Berühmtheit brachte. „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr.“

Andererseits waren die an die Bundesbank gestellten Anforderungen schwer miteinander in Einklang zu bringen: Das Inflationsrisiko sollte möglichst gering gehalten werden. Die DDR-Unternehmen sollten möglichst wettbewerbsfähig bleiben. Die Ersparnisse der DDR-Bürger sollten möglichst große Kaufkraft behalten, um die Akzeptanz für die Umstellungssätze hoch zu halten.

Wie im Wirtschaftswunderland
Löhne und Gehälter, Stipendien, Renten, Mieten und Pachten wurden damals auf das Umtauschverhältnis 1:1 festgelegt, Ersparnisse zu einem Kurs von 2:1. So durften Bürger ab 60 Jahren bis zu 6000, Erwachsene bis zu 4000 und Kinder bis 14 Jahren bis zu 2000 Ostmark zum Kurs von 1:1 umtauschen. Darüber liegende Sparguthaben wurden zum Kurs 2:1 gewechselt, Schulden wurden ebenfalls halbiert. 900 D-Mark holten sich DDR-Bürger durchschnittlich am 1. Juli, dem ersten Tag der Währungsausgabe. Sie kauften Malereimer, Farben, Schuhe, Gebrauchtwagen oder Reisen. In der Nacht zuvor waren bereits 24,7 Millionen Bankkonten von Ostmark auf D-Mark umgestellt worden.

Die Folgen waren eine sofortige Öffnung des DDR-Marktes für westliche Produkte, die Menschen standen staunend vor Läden, deren Auslagen sich über Nacht gefüllt hatten – in dieser Hinsicht trug diese Währungsreform viele Aspekte des westdeutschen Wirtschaftswunders 1948 in sich. Allerdings mussten sich die DDR-Unternehmen quasi über Nacht der Konkurrenz des Weltmarktes und gleichzeitig dem vorgeschriebenen Umtauschkurs bei den Löhnen beugen, was viele nicht lange durchhalten konnten. Insolvenzen und Massenentlassungen waren die Folge.

Kaufkraft, Stabilität und internationales Ansehen
Carl-Ludwig Thiele spricht im Nachhinein von einer „Schocktherapie“, deren wirtschaftliche und soziale Folgen daraufhin über die vormals westdeutschen Sozialsysteme abgefedert worden seien. „Mit der D-Mark Einführung wurde der Inbegriff von Kaufkraft, Stabilität und internationalem Ansehen in die DDR transportiert.“ Allerdings habe die Währungsunion für sich allein genommen der kranken Realwirtschaft nicht helfen können. Dafür sei ein längerer Atem nötig gewesen.
Bei Bundesbankpräsident Weidmann überwiegt nichtsdestotrotz aus heutiger Sicht die positive Bewertung. Die Bürger Ostdeutschlands hätten eine stabile und kaufkräftige Währung erhalten. Sie habe Transparenz und Planungssicherheit gebracht und dank der erreichten Preisstabilität gerade für den sozialen Frieden einen wichtigen Beitrag geleistet. Der damalige Finanzminister Theo Waigel, der als Festredner der Bundesbank beim Jahrestag in Leipzig auftrat, bezeichnete die D-Mark für die Ostdeutschen als „Überbringer der Freiheit und der menschlichen Würde.“ Dies überlagere sowohl die Kosten als auch die notwendigen Umstellungen der ostdeutschen Wirtschaft.
Elfeinhalb Jahre war Deutschland mit der D-Mark vereint, bevor die Einführung des Euro-Bargelds am 1. Januar 2002 auch die Mark zur historischen Währung machte. Der 1. Juli 1990 markierte zugleich die erste Stufe der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, die später in der Einführung des Euro und dem System der europäischen Zentralbanken münden sollte. „Nicht nur Ost- und Westdeutschland wollten in dieser Zeit näher zusammenrücken, auch die Europäische Gemeinschaft strebte nach einem höheren Grad der Integration“, so Thiele.
Stefan Röttele

Dass Frankfurt als Sitz der Deutschen Bundesbank nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern auch vor 25 Jahren eine wichtige Rolle bei der Wiedervereinigung spielte, zeigt die Ausstellung „FRANKFURTinsights – Die 1000 Wunder von Frankfurt“ in den Römerhallen vom 28. September bis 4. Oktober .

Auf großen Leinwänden laufen Videoinstallationen des Presse- und Informationsamtes, die die Betrachter mitnehmen in die Welt der Scheine, Münzen und des Goldes, in die Welt der Menschen, die täglich mit ihnen arbeiten. Aber auch zu den Frankfurtern jenseits der Tresore. Die Ausstellung ermöglicht Einblicke in ihren Alltag und zeigt den Zuschauern Orte, die gewöhnlich verborgen bleiben.

Quelle: Presse und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main, PIA.