Kategorie-Archiv: Hessische Staatskanzlei

Handwerk in großer Sorge vor existenzgefährdender Bürokratie – Boris Rhein verspricht Abhilfe – Hessen plant „Antibürokratie“-Minister

"Alles um uns herum , alles das ist Handwerk. Dieses Mikrophon hat ja nicht ein Jurist gebaut, und dass das Licht funktioniert, das hat ja kein Politologe verursacht, sondern das haben Handwerker gemacht, und dass das alles so unglaublich prunkvoll ist, haben eben auch Handwerker gemacht", so Ministerpräsident Boris Rhein  beim Parlamentarischen Neujahrsempfang am 7.2.2024 im Wiesbadener Kurhaus. © Foto Diether von Goddenthow
„Alles um uns herum , alles das ist Handwerk. Dieses Mikrophon hat ja nicht ein Jurist gebaut, und dass das Licht funktioniert, das hat ja kein Politologe verursacht, sondern das haben Handwerker gemacht, und dass das alles so unglaublich prunkvoll ist, haben eben auch Handwerker gemacht“, so Ministerpräsident Boris Rhein beim Parlamentarischen Neujahrsempfang am 7.2.2024 im Wiesbadener Kurhaus. © Foto Diether von Goddenthow

Wiesbaden, 8. Februar 2024. Beim diesjährigen Parlamentarischen Neujahrstreffen der Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) am 7.2.2024 im Wiesbadener Kurhaus standen einmal mehr die kulturelle, gesellschaftsprägende Bedeutung des Handwerks, aber auch die großen Sorgen über eine mittlerweile existenzerdrückende Bürokratie der Betriebe im Zentrum. Über 200 Gäste aus dem freiwillig organisierten Handwerk, den Handwerkskammern und der hessischen Landespolitik waren der Einladung der AHH ins Kurhaus Wiesbaden gefolgt.

Die kulturell prägende Rolle des Handwerks

AHH-Präsident Wolfgang Kramwinkel. © Foto Diether von Goddenthow
AHH-Präsident Wolfgang Kramwinkel. © Foto Diether von Goddenthow

„Ich freue mich, dass wir heute viele Vertreterinnen und Vertreter der neuen Landesregierung begrüßen dürfen“, begann AHH-Präsident Wolfgang Kramwinkel seine Rede. „Auch viele neue Landtagsabgeordnete sind hier, um mit dem Handwerk in den Dialog zu treten. Das freut uns sehr“, unterstrich der AHH-Präsident und hob die auch kulturell  zentrale Rolle des Handwerks in der Gesellschaft hervor:   „Das Handwerk hat unsere Gesellschaft geprägt wie kaum eine andere“, so Kramwinkel.  Davon zeugten bereits die zahlreichen, aus handwerklichen Berufen abgeleiteten Namen wie   Müller, Schuster, Schmidt usw.. Legendär im Handwerk seien auch das traditionell über Jahrhunderte hinweg gewachsene  große ehrenamtliche lokale Engagement sowie die Brauchtumspflege, insbesondere aber auch die Weitergabe der Traditionen an die nächste Generation, etwa durch Mitgliedschaften in Ausschüssen für Meister- und Gesellenprüfungen in Handwerksammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften. Und  in allem, was irgendwo gebaut oder erschaffen wurde, steckt Handwerk „drin“.

Sorge vor existenzgefährdender  Bürokratie und sinkender Nachfolge-Bereitschaft

Der AHH-Präsident machte aber in seinem Grußwort auch auf die aktuellen Sorgen des Handwerks, allen voran auf die ständig wachsende Bürokratie, aufmerksam, die mittlerweile ein ernsthaftes Entwicklungshemmnis für das gesamte Handwerk darstellt. Das Handwerk, welches “unsere Gesellschaft geprägt hat wie kaum eine andere“, kämpfe in diesen Zeiten des Aufbruchs, aber auch von Unberechenbarkeit und Ungewissheit gegen wachsenden  Kontrollverlust, insbesondere aufgrund einer Bürokratie, „die leiten aber nicht erdrücken und schon gar nicht bevormunden“ dürfte, so Kramwinkel.

Die Bürokratie nehme mittlerweile „einen so großen Raum in unserem Alltag ein, dass sie unsere unternehmerischen Kapazitäten und Freiheiten einschränkt“, klagte der AHH-Präsident. Der durchschnittliche Handwerksbetrieb könne das einfach nicht mehr in seinen Arbeitsalltag integrieren. „Wir füllen Anträge aus, wir dokumentieren unsere Arbeit, messen Werte und schreiben Gutachten“, so Kramwinkel. Und an die Politik gerichtet: „Wofür machen wir das alles?“ Das wisse er meistens gar nicht so genau. Sehr ärgerlich sei auch:  „Wir halten Fristen ein und erfüllen unsere Pflichten. Und dann warten wir auf ein Signal von den Behörden. Aber wie so oft – wir bekommen selten eine zeitnahe Antwort. Oder gar keine.“, berichtet der AHH-Präsident vom alltäglichen Handwerkerfrust.

Es ginge aber um viel mehr als um Kritik an der staatlichen Bevormundung: „Nein, es geht darum, dass diese Auflagen für das Handwerk existenzgefährdend sind. Gerade die kleinen Betriebe haben nicht die Ressourcen, die wachsenden und sich oft noch ändernden Anforderungen zu erfüllen. Diese Regelungen wirken derzeit sogar so abschreckend, dass es die Weiterentwicklung und das Fortbestehen des Handwerks gefährdet.“, warnt Kramwinkel. Und weil es auch für junge Menschen nicht attraktiv erschiene, „sich den überwiegenden Teil ihrer Tätigkeit mit der Übererfüllung von Vorgaben zu beschäftigen“, entschieden sich  „junge gut ausgebildete Fachkräfte zunehmend dagegen, Verantwortung zu übernehmen und ein Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen“, zeigt AHH-Präsident die Zusammenhänge auf. Doch „wir brauchen junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Verantwortung für sich selbst, die Gesellschaft, aber auch für das Handwerk“,

Gerade „in Zeiten von multiplen Krisen, deren Auswirkungen vielen aufs Gemüt schlagen, sollten wir alles daransetzen, einen wichtigen Wirtschaftszweig nicht einbrechen zu lassen und Arbeitsplätze zu gefährden“. Dafür brauche man eine Politik, „die uns eine wichtige Last von den Schultern nehmen kann“, sagte Kramwinkel.

Boris Rhein im Schulterschluss mit dem Handwerk verspricht Bürokratieabbau – Antibürokratie-Minister geplant

Ministerpräsident Boris Rhein. © Foto Diether von Goddenthow
Ministerpräsident Boris Rhein. © Foto Diether von Goddenthow

Ministerpräsident Boris Rhein versicherte, die Sorgen des Handwerks sehr ernst zu nehmen. Auf die Politik gemünzt, räumte er ein, dass „wir alle einen Anteil haben“ an der „überbordenden Bürokratie, langwierigen Verfahren, hohen Unternehmenssteuern, teurem Strom und fehlenden Fachkräften“ Deutschland wäre „Spitze bei den Belastungen und Schlusslicht beim Wachstum“, so der Ministerpräsident. Deswegen sei es „unsere Aufgabe, das jetzt wieder umzudrehen, und an den richtigen Schrauben zu drehen“, so Rhein, der für einen Comeback-Plan für die Wirtschaft, und damit auch für das Handwerk, plädierte. „Das heißt; Steuern senken, Investitionen stärken und Bürokratie stoppen“. Denn man habe ein gemeinsames Ziel: „Wachstum und Wohlstand für Deutschland.

Unsere Zukunftsthemen wie Klimawandel, Digitalisierung, Elektromobilität und Wohnungsbau sind nur mit gutausgebildeten Handwerkern zu stemmen. Das Handwerk ist das Rückgrat unseres Mittelstands, deshalb machen wir seine Unterstützung zu einem Schwerpunkt unserer Regierungsarbeit: mit mehr Geld, mehr Bildung und weniger Bürokratie. So werden wir beispielsweise die duale Ausbildung noch attraktiver machen und unsere Berufsschulen mit mehr Lehrkräften und modernster Ausstattung verbessern“, so der Ministerpräsident und kündigte an: „Wir schaffen einen Tag des Handwerks an allgemeinbildenden Schulen, einen Tag, an dem es in den Schulen ausschließlich und nur um das Handwerk geht, eben, um sichtbar zu machen, was Handwerker können.“
Zudem wird die Landesregierung die Ausbildung zum Meister kostenfrei machen, „denn, wenn der Master an der Universität kostenlos ist, muss das natürlich auch der Meister im Handwerk sei „ versprach Rhein.

Ein „Anti-Bürokratieminister“ geplant
„Außerdem starten wir eine Offensive für Planungsbeschleunigung und Bürokratieabbau, von der auch das Handwerk profitieren wird. Gemeinsam werden wir das hessische Handwerk, die Wirtschaftsmacht von nebenan, stärken.“, versicherte Rhein. Außerdem habe man entschieden, „dass sich ab sofort ein eigener Minister mit der Autorität der Staatskanzlei in Hessen auf allerhöchster Ebene um Bürokratieabbau kümmert.“ Dazu werde er auch den Sachverstand aus dem Handwerk nutzen. „Im Dialog mit den Praktikern werden wir einen Katalog sinnvoller Maßnahmen erarbeiten und umsetzen“, machte der Ministerpräsident Hoffnung, dass wenigstens einige Fesseln, die man „Gulliver“ umgelegt habe, wieder abgeworfen werden können.

Talkrunde mit den Fraktionsvorsitzenden

Die Fraktionsvorsitzenden Ines Claus (CDU), Tobias Eckert (SPD), Robert Lambrou (AfD), Dr. Stefan Naas (SPD) und Mathias Wagner (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) stellten sich den Fragen von Moderatorin Ariane Focke (mitte). © Foto Diether von Goddenthow
Die Fraktionsvorsitzenden Ines Claus (CDU), Tobias Eckert (SPD), Robert Lambrou (AfD), Dr. Stefan Naas (SPD) und Mathias Wagner (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) stellten sich den Fragen von Moderatorin Ariane Focke (Mitte). © Foto Diether von Goddenthow

Wichtiger Bestandteil des Abends war anschließend die Podiumsdiskussion mit den Fraktionsvorsitzenden der im Hessischen Landtag vertretenen Parteien. Die Fraktionsvorsitzenden Ines Claus (CDU), Tobias Eckert (SPD), Robert Lambrou (AfD), Dr. Stefan Naas (SPD) und Mathias Wagner (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) stellten sich den Fragen von Moderatorin Ariane Focke. Sie wollte von den Diskutanten unter anderem wissen, wie sie einen Bürokratieabbau in Hessen fördern würden. Dabei gab es auch skeptische Stimmen, die nicht so recht an einen raschen Bürokratieabbau glaubten, vielmehr befürchten, dass die Vorschriftenflut weiter wachse.

Das Parlamentarische Neujahrstreffen der AHH wird traditionell am Anfang jeden Jahres durchgeführt und dient dem Austausch zwischen Handwerk und Politik. Ziel der Veranstaltung ist es, Vertreterinnen und Vertretern des Handwerks und der Politik zusammenzubringen, um sich über die aktuelle Situation des Handwerks, seine Nöte und Verbesserungsvorschläge auszutauschen.

(Dokumentation: Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Ministerpräsident Boris Rhein empfängt 320 hessische Tollitäten im Schloss Biebrich – „Fastnachtsvereine sind Eckpfeiler des hessischen Brauchtums“

Ministerpräsident Boris Rhein empfängt gemeinsam mit seiner Ehefrau Tanja Raab-Rhein hessische Tollitäten im Wiesbadener Schloss Biebrich. Bild: Hessische Staatskanzlei/ Jonas Grom
Ministerpräsident Boris Rhein empfängt gemeinsam mit seiner Ehefrau Tanja Raab-Rhein hessische Tollitäten im Wiesbadener Schloss Biebrich. Bild: Hessische Staatskanzlei/ Jonas Grom

Wiesbaden. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung hat Hessens Ministerpräsident Boris Rhein gemeinsam mit seiner Frau Tanja Raab-Rhein mehr als 320 hessische Tollitäten im Wiesbadener Schloss Biebrich empfangen. Der Regierungschef sprach den ehrenamtlichen Fastnachterinnen und Fastnachtern seinen Respekt aus und betonte die gesellschaftliche Bedeutung ihres ehrenamtlichen Engagements. „In der fünften Jahreszeit sind die Närrinnen und Narrhalesen nahezu rund um die Uhr im Zeichen des Frohsinns im Einsatz und verbreiten unser jahrhundertealtes Brauchtum der hessischen Fastnacht. Das ist ein wirklich tolles Engagement, das nicht nur viel Zeit, sondern auch besonders viel Herzblut erfordert“, sagte der Regierungschef. Unter den Gästen der feierlichen Veranstaltung im Schloss waren Prinzenpaare und Kinderprinzenpaare, Hofmarschalle und Hofdamen, Fürstinnen und Fürsten, Zofen und Pagen aus rund 90 Vereinen der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval und des Karnevalverbands Kurhessen.

Ministerpräsident Boris Rhein empfängt gemeinsam mit seiner Ehefrau Tanja Raab-Rhein 30 Kinderprinzenpaare im Wiesbadener Schloss Biebrich. Bild:: Hessische Staatskanzlei/ Jonas Grom.
Ministerpräsident Boris Rhein empfängt gemeinsam mit seiner Ehefrau Tanja Raab-Rhein 30 Kinderprinzenpaare im Wiesbadener Schloss Biebrich. Bild:: Hessische Staatskanzlei/ Jonas Grom.

Die Fastnacht habe auch eine enorm wichtige Bedeutung für das Zusammenleben, erläuterte der Ministerpräsident: Der Einsatz der Fastnachtsvereine reiche von der Organisation von Umzügen über die Gestaltung von Veranstaltungen bis hin zur Pflege der Tradition. „Die Vereine sind Eckpfeiler des hessischen Brauchtums und tragen entscheidend zum Zusammenhalt der Gemeinschaft bei“, sagte Rhein und fügte hinzu: „Durch die Organisation der Festlichkeiten schaffen sie Räume für Begegnungen, bei denen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Hintergründe und Lebenssituationen zusammenkommen und gemeinsam feiern können. Das fördert nicht nur den Austausch zwischen den Generationen, sondern stärkt auch das Wir-Gefühl in der Gesellschaft.“

Rund 2.000 Landwirte demonstrieren mit ihren Traktoren in Wiesbaden

"Zu viel ist zu viel! Jetzt ist Schluss". Die Bauern laufen Sturm, wie hier auch in Wiesbaden vor der Hessischen Staatskanzlei am 8.1.2024, gegen die Sparpläne der Bundesregierung zum Agrardiesel und der  Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge. (siehe Resolution). © Foto: Diether von Goddenthow
„Zu viel ist zu viel! Jetzt ist Schluss“. Die Bauern laufen Sturm, wie hier auch in Wiesbaden vor der Hessischen Staatskanzlei am 8.1.2024, gegen die Sparpläne der Bundesregierung zum Agrardiesel und der Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge. (siehe Resolution). © Foto: Diether von Goddenthow

Über 80 Prozent der Hessinnen und Hessen leben auf dem Lande. Das Land und der Bund haben daher eine große Verantwortung den ländlichen Kulturraum zu erhalten, und dafür zu sorgen, dass die aktiv betriebene Landwirtschaft nicht eines Tages teilweise oder gar völlig  verschwunden sein wird. Das große Höfe-Sterben mit 35.600 Hofaufgaben allein in den vergangenen 10 Jahren darf  so nicht weitergehen. Die Bauern haben  größte Sorge um ihre Zukunft, da der bürokratische Wust, Auflagen, Dokumentationen, aber auch  Anfeindungen als Umwelt-Verschmutzer  und Klima-Killer ein beinahe unerträgliches Maß erreicht hätten bei gleichzeitig sinkenden Erträgen durch Inflation, Teuerungen bei Energie, Düngemitteln, Saatgut, Löhnen usw. Die Folge:  immer weniger Söhne und Töchter seien mutig genug, angesichts all dieser ständig weiter wachsender Lasten die elterlichen Höfe zu  übernehmen.

Der Streit um die Zurücknahme der Streichung der Agrardiesel-Subventionen habe das Fass zum überlaufen gebracht, weswegen die Bauern bundesweit, so auch in Wiesbaden, auf die Straße gingen und streckenweise den Verkehr lahmlegten, um auf ihre Belange und die Not des ländlich ausblutenden Raumes aufmerksam zu machen.

Wütender, aber friedlicher Bauernaufstand vor der Hessischen Staatskanzlei.  Die Bauern versicherten von keiner Stiftung angestellt oder gefördert worden zu sein, sondern ihren Streik aus eigener Tasche zu bezahlen, inklusiv der streikbedingten Arbeitsausfälle auf ihren Höfen. © Foto: Diether von Goddenthow
Wütender, aber friedlicher Bauernaufstand vor der Hessischen Staatskanzlei. Die Bauern versicherten, von keiner Stiftung angestellt oder gefördert worden zu sein, sondern ihren Streik aus eigener Tasche zu bezahlen, inklusiv der streikbedingten Arbeitsausfälle auf ihren Höfen. © Foto: Diether von Goddenthow

Gestern fand  in Wiesbaden der Auftakt der hessischen Aktionswoche statt. Dabei  demonstrierten bei einer Sternfahrt rund 2.000 Traktoren in der Wiesbadener Innenstadt gegen die geplanten Streichungen des Agrardiesels. Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, betonte: „Wir brauchen gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa, um die Landwirtschaft in Deutschland zu erhalten. Es kann nicht sein, dass eine ganze Branche unverhältnismäßig hoch belastet wird. Auch die von der Bundesregierung angekündigten Überarbeitungen ändern nichts an unserer Forderung, dass Agrardieselbeihilfe und Kfz-Steuerbefreiung bleiben müssen.“

„Wir freuen uns, dass so viele Landwirtinnen und Landwirte den Weg nach Wiesbaden auf sich genommen haben. Die große Beteiligung verdeutlich nochmals die große Betroffenheit“, betonte Schmal. „Zudem freuen wir uns, dass die Aktion friedlich abgelaufen ist.“

HBV-Präsident Schmal übergab Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, die Resolution der Bauern, in der die Argumente der hessischen Landwirtinnen und Landwirte zusammengefasst sind. © Foto: Diether von Goddenthow
HBV-Präsident Schmal übergab Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, die Resolution der Bauern, in der die Argumente der hessischen Landwirtinnen und Landwirte zusammengefasst sind. © Foto: Diether von Goddenthow

Im Rahmen der parallel zur Sternfahrt stattfindenden Kundgebung auf dem Wiesbadener Kranzplatz trugen neben Karsten Schmal Tobias Wagner von LsV sowie Torben Eppstein von der Hessischen Landjugend, ihre Anliegen vor. HBV-Präsident Schmal übergab anschließend eine Resolution an Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, in der die Argumente der hessischen Landwirtinnen und Landwirte zusammengefasst sind. Schmal betonte, dass es um die Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Branche gehe. „Wenn wir weiterhin eine Versorgung mit regionalen Lebensmitteln gewährleisten wollen, müssen beide Streichungsvorschläge vom Tisch. Eine weitere Verlagerung der Produktion ins Ausland kann nicht das Ziel sein.“

 © Foto: Diether von Goddenthow
© Foto: Diether von Goddenthow

Im weiteren Verlauf der Woche sind von den jeweiligen Kreis- und Regionalbauernverbänden regionale Aktionen u.a. in Kassel, Frankfurt, Limburg sowie dem Untertaunus geplant.

Hier: Resolution und Forderung der Bauern

(Hessischer Bauernverband /Diether von Goddenthow – Rhein-Main.Eurokunst)

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden eröffnen in Frankfurt erstes „Childhood-Haus“ in Hessen

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden (Foto Mitte) eröffnen erstes „Childhood-Haus“ in Hessen. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden (Foto Mitte) eröffnen erstes „Childhood-Haus“ in Hessen. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

Frankfurt. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt ist der Hessischen Landesregierung sehr wichtig: Um junge Menschen künftig noch besser zu schützen, hat Ministerpräsident Boris Rhein gemeinsam mit Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden deshalb nun Hessens erstes „Childhood-Haus“ eröffnet. „Gewalt und Missbrauch an Kindern gibt es leider überall“, sagte Ministerpräsident Rhein am Montag bei der Eröffnung in Frankfurt. „Mit dem neuen Childhood-Haus setzen wir ein deutliches Zeichen gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch. Ich bin Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden und allen Beteiligten sehr dankbar, dass sie sich gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung dafür einsetzen, allen Kindern eine sichere und liebevolle Kindheit zu ermöglichen.“

Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden auf dem Weg zum Festakt. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
Ministerpräsident Rhein und Königin Silvia von Schweden auf dem Weg zum Festakt. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

Die ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche auf dem Gelände des Universitätsklinikums Frankfurt vereint die Professionen Medizin, Psychologie, Jugendamt, Justiz und Polizei unter einem Dach, um von Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen eine möglichst umfassende Hilfe zu bieten. Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden sagte: „Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet. Heute haben wir einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung dieser Vision getan. Möge dieses Childhood-Haus in Frankfurt ein Ort der Hoffnung und des Schutzes für alle Kinder sein, die hier Hilfe und Unterstützung suchen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine Welt eintreten, in der Kinderrechte kein Privileg, sondern eine Selbstverständlichkeit sind.“

Die Errichtung eines Childhood-Hauses ist Teil der Handlungsempfehlungen des novellierten Aktionsplans des Landes zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und wurde federführend vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration umgesetzt. „Kinder und Jugendliche tragen oft ihr Leben lang an den Folgen erlittener Gewalt“, sagte der Hessische Minister für Soziales und Integration Kai Klose. „Hier im Childhood-Haus erhalten sie die nötige Hilfe, um sich dennoch gesund zu entwickeln, an einem Ort. Unser wichtigstes Ziel ist, die Retraumatisierung betroffener Kinder und Jugendlicher zu vermeiden. Dafür ist das Konzept des Childhood-Hauses beispielgebend: Alle beteiligten Professionen schaffen eine kinderfreundliche, multidisziplinäre und behördenübergreifende ambulante Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche jeden Alters, die Opfer oder Zeugen von sexualisierter oder körperlicher Gewalt geworden sind.“

„Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum zu bieten, geht weit über den Aspekt des bloßen Schutzes vor Übergriffen hinaus. Eine Gesellschaft, die auf Fürsorge und Wertschätzung beruht, ermöglicht jungen Menschen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihr volles Potenzial zu entfalten – dafür danke ich allen an der Eröffnung des neuen Childhood-Hauses Beteiligten und ganz besonders Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden“, sagte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

„Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet." Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner
„Mit der festen Überzeugung, dass jedes Kind das Recht auf eine sichere und liebevolle Kindheit hat, frei von sexualisierter Gewalt, habe ich vor fast 25 Jahren die World Childhood Foundation gegründet.“ Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden. © Hessische Staatskanzlei/Tim Wegner

„Angebote wie dieses sind besonders wichtig, damit Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, alle notwendigen Hilfen bekommen“, sagte Innenminister Peter Beuth. „Derweil unternehmen Polizeibehörden alles in ihrer Macht stehende, um sexualisierte Gewalt gegen Kinder effektiv zu bekämpfen und den Tätern habhaft zu werden. Mit den fortwährenden Maßnahmen der 300 Mitarbeiter starken BAO FOKUS unterstreicht die hessische Polizei, dass der Kampf gegen Kindesmissbrauch in Hessen höchste Priorität hat.“

„Wenn Kinder Opfer von Straftaten werden, müssen ihre Bedürfnisse bei den Ermittlungen und auch im späteren Prozess in besonderer Weise geschützt werden. Im Childhood-Haus können Verfahren mithilfe interdisziplinärer Zusammenarbeit optimiert und noch kindgerechter gestaltet werden. Die Justiz trägt damit einen wichtigen Beitrag zu einem lückenlosen Kinderschutz bei“, sagte Justizminister Prof. Dr. Roman Poseck.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn sagte: „Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert seit mehreren Jahren die Kinderschutzambulanz im Universitätsklinikum Frankfurt. Mit der Eröffnung des Childhood-Hauses eröffnen sich viele Synergien und Entwicklungschancen für die betroffenen medizinischen Bereiche – alles mit dem Ziel, besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche optimal zu versorgen.“

„Hessen hat in den Bau des Childhood-Hauses in Frankfurt rund 1,4 Millionen Euro investiert. Wir unterstützen damit das bewundernswerte Engagement Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden – vor allem unterstützen wir aber viele Kinder, die Hilfe nötig haben“, sagte Finanzminister Michael Boddenberg.

Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, sagte: „Das Childhood-Haus ist der geschützte und sichere Ort, den Kinder und Jugendliche, die Gewalterfahrungen machen mussten, so sehr brauchen. Hier bekommen sie den Raum, das Erlebte kindgerecht und begleitet aufzuarbeiten. Als Oberbürgermeister ist mir die gute Versorgung der Jungen und Mädchen, ihre Stärkung für eine gute Zukunft und eine kindgerechte Justiz wichtig. Mein Dank gilt Königin Silvia von Schweden und allen Beteiligten für den besonderen Einsatz und das Engagement zum Wohl der Kinder und Jugendlichen.“

Dr. Astrid Helling-Bakki, Geschäftsführung World Childhood Foundation Deutschland, sagte: „Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die schweren und unangenehmen Themen zu lenken. Nur durch offene Diskussionen und konstruktive Fragen können wir die Strukturen verändern, die sexualisierte Gewalt an Kindern begünstigen oder gar systematisch decken.“

„Die Goethe-Universität und das Universitätsklinikum Frankfurt sind 1914 durch bürgerliches Stiftungsengagement entstanden und seither entscheidend durch den Stiftungsgedanken geprägt“, sagte Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt. „Auch die spätere Universitäts-Kinderklinik war ursprünglich 1908 im Haus der Annie-Stiftung untergebracht. Das Childhood-Haus Frankfurt kehrt nun an genau diesen historischen Ort zurück, und die Etablierung wurde durch das außerordentliche Engagement der World Childhood Foundation und der Hessischen Landesregierung möglich. Somit kehren die Kinder zurück in das Annie-Heim, und erneut wird eine Zukunftsentwicklung an der Universitätsmedizin durch den Stiftergedanken getragen.“

Prof. Dr. Mathias Kieslich, Leiter des Childhood-Hauses Frankfurt, sagte: „Die Gründung einer disziplinenübergreifenden Einrichtung für von Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche ist die konsequente Fortsetzung eines sich über die letzten 15 Jahre entwickelten Kinderschutzsystems. Die beteiligten Disziplinen Jugendamt, Medizin, Polizei und Justiz kommen am Kind zusammen, um, orientierend an der Perspektive der Kinder und Jugendlichen, die notwendigen Maßnahmen zu realisieren.“

„Erst wenn man die Sicht der betroffenen Kinder und Jugendlichen einnimmt, erkennt man deren Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Das Childhood-Haus soll den betroffenen Kindern und Jugendlichen die zur Aufarbeitung und zum Schutz notwendigen interdisziplinären Maßnahmen in einem vertrauensvollen und kindgerechten Umfeld so schonend wie möglich machen“, sagte Prof. Dr. Marco Baz Bartels, Koordinator des Childhood-Hauses Frankfurt.

Hintergrund World Childhood Foundation:

Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden gründete die World Childhood Foundation im Jahr 1999. Die gemeinnützige Stiftung trägt insbesondere durch die Errichtung von Childhood-Häusern zu einem nachhaltigen und systemischen Wandel im Kinderschutz bei. Ihre Majestät ist die ehrenamtliche Vorsitzende des Kuratoriums von Childhood Deutschland und unterstützt Deutschland sowie die Schwesterstiftungen in Schweden, den USA und Brasilien bei der Umsetzung der Vision, eine Welt zu schaffen, in der alle Kinder eine sichere und beschützte Kindheit erleben dürfen und frei von (sexualisierter) Gewalt aufwachsen können.

Mehr Informationen zur World Childhood Foundation finden sich unter https://www.childhood-de.org/.

Ministerpräsident Boris Rhein tauscht sich mit Kronprinzessin Victoria von Schweden über wirtschaftliche Beziehungen aus

Ministerpräsident Boris Rhein empfängt Kronprinzessin Victoria von Schweden zum wirtschaftlichen und kulturellen Austausch in der Staatskanzlei. © Hessische Staatskanzlei
Ministerpräsident Boris Rhein empfängt Kronprinzessin Victoria von Schweden zum wirtschaftlichen und kulturellen Austausch in der Staatskanzlei. © Hessische Staatskanzlei

Wiesbaden. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat zum Besuch von Kronprinzessin Victoria von Schweden auf die sehr guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Hessen und Schweden hingewiesen und angekündigt, diese in Zukunft weiter zu pflegen. „Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Hessen und Schweden haben in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen. Beide Regionen teilen ähnliche wirtschaftliche Interessen und legen großen Wert auf Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Der Besuch von Kronprinzessin Victoria wird dazu beitragen, diese gemeinsamen Werte zu stärken und neue Möglichkeiten für eine verstärkte Zusammenarbeit zu schaffen“, sagte Rhein am Freitag in Wiesbaden. Dort waren der Ministerpräsident und Ihre Königliche Hoheit zum wirtschaftlichen und kulturellen Austausch in der Staatskanzlei zusammengekommen. Kronprinzessin Victoria trug sich außerdem in das Gästebuch der Staatskanzlei ein.

Von der guten Zusammenarbeit profitierten Hessen und Schweden in verschiedenen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und sozialen Bereichen, sagte Rhein. Durch die Ansiedlung schwedischer Unternehmen im Land entstünden nicht nur Arbeitsplätze, es entstehe auch Raum für Technologietransfer und Innovation. „Viele große schwedische Unternehmen haben einen Sitz oder einen Standort in Hessen. So liegt zum Beispiel die Deutschlandzentrale von Ikea in Hofheim. Andere schwedische Firmen wie Essity verdeutlichen das hohe lnnovationspotenzial der hessisch-schwedischen Beziehungen: Essity betreibt in Wiesbaden die weltweit erste Papierfabrik, die emissionsfrei mit grünem Wasserstoff betrieben wird“, sagte Rhein. Auch der E-Highway, die Autobahn A5 am Flughafen Frankfurt, deute als Gemeinschaftsprojekt von Siemens und dem schwedischen Lastwagenhersteller Scania auf die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hessen und Schweden hin. Rhein hob ferner das Experience Center des schwedischen Medizintechnikunternehmens Getinge in Frankfurt als besonderen Ort für Wissenstransfer und Ideenaustausch hervor. Das Center wurde im vergangenen Jahr eröffnet und umfasst Produktausstellungsbereiche zum Thema klinische Gesundheitsversorgung, Schulungseinrichtungen und Büros. Die Kronprinzessin hatte das Center am Vormittag im Rahmen des Swedish-German Business Day besucht.

 Kronprinzessin Victoria von Schweden trägt sich ins Gästebuch der Staatskanzlei ein. © Hessische Staatskanzlei
Kronprinzessin Victoria von Schweden trägt sich ins Gästebuch der Staatskanzlei ein. © Hessische Staatskanzlei

 Der Regierungschef ging außerdem auf die engen persönlichen Beziehungen Hessens mit dem Königreich Schweden ein. „In Hessen leben mehr als 2.000 Menschen mit schwedischer Staatsangehörigkeit, gerade in Frankfurt gibt es eine wachsende schwedische Community, die aufgrund der wirtschaftlichen Stärke des Rhein-Main-Gebiets in Hessen eine zweite Heimat gefunden hat“, sagte er. Zudem gebe es in der Wissenschaft mit 70 verschiedenen Hochschulkooperationen einen engen Austausch. Auch die Beziehungen mit dem Königshaus hätten schon lange Tradition und seien von Vertrauen und Herzlichkeit geprägt, sagte Rhein weiter. So hatten zuletzt 2019 Ministerpräsident a.D. Bouffier und das Landeskabinett die Mutter Victorias, Königin Silvia von Schweden, in Wiesbaden empfangen.

 Kronprinzessin Victoria nimmt am Abend noch im Kurhaus Wiesbaden an der 20. Verleihung des Schwedischen Unternehmenspreises teil. Am 19. November wird Ihre Königliche Hoheit zum Volkstrauertag eine Rede im Bundestag halten.

Regierungschefs von Hessen und Nordrhein-Westfalen wollen Spitzenforschung für nachhaltiges Wachstum stärken

Geisenheim. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst haben sich beeindruckt gezeigt von den Leistungen der Hochschule Geisenheim University (HGU) in Forschung und Lehre bei den Sonderkulturen im Wein- und Gartenbau: „Die Hochschule Geisenheim ist ein Aushängeschild für die Spitzenforschung in Hessen und zieht als Hochschule mit internationalem Ruf Studierende aus aller Welt an“, sagte Rhein am Mittwoch in Geisenheim. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Düsseldorf informierte er sich über die Forschungsschwerpunkte, Bauvorhaben und Studienangebote der Hochschule. Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte: „Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Er fordert von uns schnelle, innovative und durchdachte Lösungen – in allen wirtschaftlichen Bereichen. Dank Spitzenforschung und zukunftsweisenden Konzepten ist die Hochschule Geisenheim schon heute Vorreiter beim nachhaltigen Wein- und Gartenbau. Ich bin beeindruckt von den vielfältigen Angeboten in Forschung und Lehre, aus denen die Studierenden hier in Geisenheim wählen können. Sie bilden die Basis für eine fundierte Ausbildung in wirtschaftlich relevanten Zukunftsfeldern und sind eine wichtige Säule, damit die Versorgung der Menschen mit gesunden und frischen Lebensmitteln weiter möglich ist.“

Hochschule Geisenheim: Vordenker für Weinbau im Klimawandel
Winzerinnen und Winzer stehen vor großen Herausforderungen: Die Folgen des Klimawandels – Trockenheit und Extremwetter­ereignisse – machen vielen Betrieben genauso zu schaffen wie die Pläne zur Pestizid­reduzierung von Seiten der EU. „Die Winzer benötigen praxistaugliche Lösungen beim Pflanzenschutz und stehen für einen konstruktiven Dialog bereit“, sagte Rhein und fügte hinzu: „Wir wollen diese einzigartige Kulturlandschaft im Rheingau und damit auch die wirtschaftliche Stärke dieser Region erhalten. Ich bin den Forscherinnen und Forschern hier an der Hochschule in Geisenheim überaus dankbar für ihre wertvolle Arbeit, mit der sie zum Erhalt dieser kulturellen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen in der Region beitragen.“ Die Themen Klimawandel, Nachhaltigkeitsziele und Biodiversitätsverlust sind essentielle Bestandteile aller Forschungsfragen, denen sich Geisenheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im regionalen aber auch nationalen und internationalen Kontext widmen.

Aufgrund des erheblichen Anpassungsdrucks für den Weinsektor ist die Einrichtung eines Forschungszentrums für nachhaltigen und klimaangepassten Weinbau (VITA) an der Hochschule Geisenheim University von großer Bedeutung. Durch den Klimawandel etablieren sich zum Beispiel neue Schaderreger. Außerdem müssen Strategien zur Wasser- und Nährstoffversorgung an das Klima angepasst werden. Ein Ansatz, eine durch Starkregen verursachte Erosion zu mindern, ist die Querterrassierung, die ebenfalls in einem Praxisprojekt der Hochschule untersucht wurde.

„An der Hochschule Geisenheim arbeiten wir in enger Abstimmung mit der Praxis daran, die Anbausysteme im Wein- und Gartenbau mit Blick auf ihre Umweltwirkung und -leistung insbesondere angesichts der Herausforderungen des Klimawandels zukunftsfähig weiterzuentwickeln: sensorgestützte Düngung- und Bewässerungssteuerung, Agri-Photovoltaik, biologischer Pflanzenschutz, Biodiversitätsförderung und Eingriffsfolgenbewältigung sind nur einige der vielfältigen Arbeitsbereiche“, erläuterte Prof. Dr. Annette Reineke, Vizepräsidentin Forschung der Hochschule Geisenheim. „Wir freuen uns, dass die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Boris Rhein sich die Zeit genommen haben, unseren Lehr- und Forschungsstandort näher kennenzulernen.“

Die beiden Regierungschefs ließen sich im Zentralen Instituts- und Laborgebäude ein hochmodernes Analyselabor des Instituts für Getränkeforschung zeigen und tauschten sich mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer derzeit zum Thema Biodiversität auf dem Campus stattfindenden SummerSchool aus. Auf den Freilandflächen des Instituts für Gemüsebau stand ein Versuchsaufbau im Mittelpunkt, bei dem die Wassernutzungseffizienz, die Stoff- und Energieflüsse im gewachsenen Bestand unter heutigen sowie künftigen klimatischen Bedingungen und CO2-Konzentrationen erprobt und erforscht werden. Dies hilft bei der Entwicklung eines zukunftsfähigen Sonderkulturanbaus. Zum Abschluss informierten sich die Ministerpräsidenten über die Forschung in der sogenannten FACE-Anlage, einer weltweit einzigartigen Infrastruktur zur Erforschung der Auswirkungen des Anstiegs der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration in Rebenanlagen.

Die Hochschule Geisenheim University ist am 1. Januar 2013 gegründet worden. Sie ging aus der Forschungsanstalt Geisenheim und dem Fachbereich Geisenheim der Hochschule RheinMain hervor. Als bundesweit erste „Hochschule Neuen Typs“ vereint die Hochschule Geisenheim University praxisorientierte Bachelorstudiengänge mit fachhochschulspezifischen Merkmalen, universitäre Masterstudiengänge und Promotionsrecht unter einem Dach. Aktuell sind rund 1.720 Studierende an der Hochschule eingeschrieben. Mit der Etablierung des englischsprachigen Bachelor-Studiengangs International Wine Business und des Angebots von internationalen Kooperationsstudiengängen fördert die Hochschule Geisenheim die Internationalisierung in Studium und Lehre. Sie bietet im Bereich Weinbau, Oenologie und Weinwirtschaft mit ihren Partnern verschiedene internationale Studiengänge an. Den Studierenden gibt dieses Angebot die Möglichkeit, einen gemeinsamen Studienabschluss zu erlangen beziehungsweise den Abschluss gleichzeitig an der Hochschule Geisenheim und an der ausländischen Partnerhochschule zu erreichen.

„Ich bin tief beeindruckt vom aktuellen Forschungsstand und der Innovationskraft. In Geisenheim werden Forschung und Lehre für die Sonderkulturen auf höchstem Niveau und modernstem Stand betrieben“, sagte Ministerpräsident Rhein. „Neben neuen Anbaumethoden steht natürlich vor allem die Ausbildung junger Menschen im Mittelpunkt. Das wollen wir als Land weiterhin fördern und damit den Gemüse-, Obst- und Weinbau in unseren Breitengraden für die kommenden Jahrzehnte sicherstellen.“

2. Di@-Lotsen-Tag – Ehrenamtliche Digital-Lotsen machen Senioren „computerfit“

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und Preisträger des 2. Di@-Lotsen-Tages" der hessischen Landesregierung, hier auf der Freitreppe des Schloss Biebrich.  © Foto Diether von Goddenthow
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und Preisträger des 2. Di@-Lotsen-Tages“ der hessischen Landesregierung, hier auf der Freitreppe von Schloss Biebrich. © Foto Diether von Goddenthow

Die Hessische Landesregierung hat beim 2. Di@-Lotsen-Tag in Wiesbaden neun neue Stützpunkte in Hessen begrüßen können. Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, überreichte ihnen an diesem Tag ihre Urkunden.

„Wir freuen uns sehr, dass wir hessenweit nun 50 Stützpunkte und über 300 Di@-Lotsinnen und -Lotsen haben, die ältere Menschen im Umgang mit der digitalen Welt unterstützen. Das zeigt, dass das Interesse an unserem Programm und eben auch der Bedarf groß sind“, sagten der Chef der Staatskanzlei, Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus und Sozialstaatssekretärin Anne Janz. Sie ergänzten: „Unser Ziel ist es, gerade die älteren Menschen in unserer Gesellschaft bei der Digitalisierung zu unterstützen. Das Internet bietet gerade ihnen sehr viele Möglichkeiten, die ihnen den Alltag erleichtern können. Den Einkauf zu erledigen beispielsweise oder eben auch den Kontakt zu Freunden und Familien aufrechterhalten – all das ist heutzutage sehr viel leichter machbar und ohne große Hürden zu meistern.“

Anne Janz, Staatssekretärin für Soziales und Integration im Gespräch mit Vorständin Dagmar Hirche des Vereins Wege aus der Einsamkeit, Hamburg. Dagmar Hirche hat Erfahrung mit der Schulung digitaler Kompetenz älterer Menschen und fordert von der Politik unter anderem, dass Banken und Versicherungen, die Online-Banking und digitale Dienste anbieten, verpflichtet werden müssten, ihre Kunden digital zu schulen. Ferner müssten Alten- und Pflegeheime digital aufrüsten, und in jedem Zimmer WLAN anbieten.- Vor allem aber müsste die Wirtschaft verpflichtet werden, einfache Bedieneroberflächen für Menschen mit Einschränkungen anzubieten. Arme ältere Menschen müssten die digitale Infrastruktur gestellt bekommen, um am Leben teilnehmen zu können. Und, so Frau Hirche: "Lernen Sie, solange Sie noch fit sind!". Ihr Hamburger Verein hat mittlerweile 20 000 Senioren geschult. Aber wichtig sei die ständige Wiederholung und offene Zoom-Räume für Hilfe und Rundum-Beratung von Senioren. Denn der größte "Gegner" digitaler Teilhabe älterer und geistig eingeschränkter Menschen ist nun mal das Gedächtnis, und das lässt  im Alter bei den meisten Menschen nach. Ärgerlich und oft unüberwindbar sei für Ältere, wenn sich alle Jahre die Technik ändere, wenn Updates kämen, so dass die Senioren gerade Erlerntes und Trainiertes nicht mehr anwenden könnten, und  immer wieder neu anfangen müssten. © Foto Diether von Goddenthow
Anne Janz, Staatssekretärin für Soziales und Integration im Gespräch mit Vorständin Dagmar Hirche des Vereins Wege aus der Einsamkeit, Hamburg. Dagmar Hirche hat Erfahrung mit der Schulung digitaler Kompetenz älterer Menschen und fordert von der Politik unter anderem, dass Banken und Versicherungen, die Online-Banking und digitale Dienste anbieten, verpflichtet werden müssten, ihre Kunden digital zu schulen. Ferner müssten Alten- und Pflegeheime digital aufrüsten, und in jedem Zimmer WLAN anbieten.- Vor allem aber müsste die Wirtschaft verpflichtet werden, einfache Bedieneroberflächen für Menschen mit Einschränkungen anzubieten. Arme ältere Menschen müssten die digitale Infrastruktur gestellt bekommen, um am Leben teilnehmen zu können. Und, so Frau Hirche: „Lernen Sie, solange Sie noch fit sind!“. Ihr Hamburger Verein hat mittlerweile 20 000 Senioren geschult. Aber wichtig sei die ständige Wiederholung und offene Zoom-Räume für Hilfe und Rundum-Beratung von Senioren. Denn der größte „Gegner“ digitaler Teilhabe älterer und geistig eingeschränkter Menschen ist nun mal das Gedächtnis, und das lässt im Alter bei den meisten Menschen nach. Ärgerlich und oft unüberwindbar sei für Ältere, wenn sich alle Jahre die Technik ändere, wenn Updates kämen, so dass die Senioren gerade Erlerntes und Trainiertes nicht mehr anwenden könnten, und immer wieder neu anfangen müssten. © Foto Diether von Goddenthow

 

Spannende Impulse über die Digitalisierung des Alltages
Mehr als 130.000 Euro stehen in diesem Jahr für Schulungen der Ehrenamtlichen, Technikförderung in Form von Tablets, Smartphones oder auch zum Beispiel Smartwatches sowie für die Unterstützung, Beratung und Begleitung der Stützpunkte bereit.

Das Programm des 2. Di@-Lotsen-Tags in Wiesbaden hielt spannende Impulse über die Digitalisierung des Alltages und die Künstliche Intelligenz bereit. Digitalministerin Sinemus nahm dazu an einer Gesprächsrunde teil. Außerdem ging es unter anderem um Sicherheit im Internet und an IT-Geräten. Sozialstaatssekretärin Anne Janz eröffnete den Tag. „Wir wollen den Di@-Lotsen die Möglichkeit bieten, dass sie sich austauschen und vernetzen können. Schließlich kann man sich ja immer mal etwas abschauen oder Erfahrungsberichte teilen. Die Resonanz ist sehr positiv“, sagten der Chef der Staatskanzlei, die Digitalministerin und die Sozialstaatssekretärin.

Folgende neun neue Stützpunkte haben an diesem Nachmittag ihre Urkunde erhalten:

Staatsminister und Chef der hessischen Staatskanzlei Axel Wintermeyer zeichnete 9 neue Di@Lotsen-Stützpunkte aus. Im Bild der Stützpunkt der DRK Frankenberg gGmbH. © Foto Diether von Goddenthow
Staatsminister und Chef der hessischen Staatskanzlei Axel Wintermeyer zeichnete 9 neue Di@Lotsen-Stützpunkte aus. Im Bild der Stützpunkt der DRK Frankenberg gGmbH. © Foto Diether von Goddenthow

 

Generationenhilfe Oberzent e.V. Odenwaldkreis
Diakonie Odenwald in Reichelsheim Odenwaldkreis
Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Darmstadt Stadt e.V. Stadt Darmstadt
Gemeinde Weilrod Hochtaunuskreis
Jugendhilfeverbund St. Elisabeth in Flieden LK Fulda
Stadt Wetzlar Lahn-Dill-Kreis
LandFrauen Fuldastrand in Ludwigsau LK Hersfeld-Rotenburg
DRK Frankenberg gGmbH LK Waldeck-Frankenberg
Stadt Spangenberg Schwalm-Eder-Kreis

„Digital im Alter – Di@-Lotsen“
Die Federführung für „Digital im Alter – Di@-Lotsen“ liegt bei der Hessischen Staatskanzlei. Das Sozialministerium finanziert und unterstützt die Schulung der Lotsinnen und Lotsen, der Geschäftsbereich der Hessischen Digitalministerin stellt die Technikförderung für die Stützpunkte bereit. Das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V. führt die Schulungen durch und bietet darüber hinaus kompetente Medienunterstützung mit Sprechstunden für alle Di@-Lotsinnen und –Lotsen an.

Impression des Marktes der Möglichkeiten. © Foto Diether von Goddenthow
Impression des Marktes der Möglichkeiten. © Foto Diether von Goddenthow

Die Bilder vom 2. Di@-Lotsen-Tag können ab Freitagnachmittag (08.09.23) über https://staatskanzlei.hessen.de/ heruntergeladen werden.

Rheingau Musik Festival 2023 „Vive la France“ in Kloster Eberbach von Ministerpräsident Boris Rhein eröffnet – Festredner Joachim Gauck über die Magie der Musik

Das 36. Rheingau Musik Festival wurde am 24. Juni 2023 feierlich in der Basilika Kloster Eberbach eröffnet. © Foto Diether von Goddenthow
Das 36. Rheingau Musik Festival wurde am 24. Juni 2023 feierlich in der Basilika Kloster Eberbach eröffnet. © Foto Diether von Goddenthow

Ganz im Zeichen französischer Komponisten startete gestern Abend unter dem Motto „Vive la France“ in Kloster Eberbach das Rheingau Musik Festival 2023, welches vom 24.Juni bis zum 2.September zu 164 Konzerten (Klassik, Jazz, Kabarett, Weltmusik) an 28 zumeist kulturhistorisch spektakulären Spielorten im Rhein-Main-Gebiet und im Mittelrheintal einlädt. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Basilika feierte das Publikum das hr2-Sinfonie-Orchester und den MDR-Rundfunkchor unter Leitung von Alain Altinoglu. Zum Eröffnungskonzert wurde die „Ouvertüre „Le carnaval romain“ von Berlioz, die „Symphonie espagnole op. 21“ von Lalo und ein grandioses Stabat Mater von Poulenc inszeniert. Der südamerikanische junge Stargeiger Guido Sant’Anna und die französische Ausnahme-Sopranistin Vannina Santoni wurden unter frenetischem Applaus mit Standing Ovations gefeiert.

Die Stars des Abends beim Eröffnungskonzert des 36. Rheingau Musik Festivals: Stargeiger Guido Sant'Anna und Ausnahme-Sopranistin Vannina Santoni. © Foto Diether von Goddenthow
Die Stars des Abends beim Eröffnungskonzert des 36. Rheingau Musik Festivals: Stargeiger Guido Sant’Anna und Ausnahme-Sopranistin Vannina Santoni. © Foto Diether von Goddenthow

Der Gründungs-Intendant Michael Herrmann stellte bei seiner Begrüßung Musiker und Ehrengäste vor, darunter Altbundespräsident Joachim Gauck, den Festredner des Premierenabends, und den Schirmherrn Boris Rhein, der anschließend das Rheingau Musik Festival 2023 offiziell eröffnete: 21 Jahren sei er, so Rhein, mit seiner Frau begeisterter Festival-Besucher. Dass er selbst einmal dieses geliebte Rheingau Musik Festival nun als dessen Schirmherr eröffnen dürfe, ehre und rühre ihn schon sehr. Der hessische Ministerpräsident dankte dem Festivalbegründer Michael Herrmann und seinen Mitstreitern, zudem auch den Förderern, für ihr jahrelanges Engagement, insbesondere auch während der Corona-Zeit, wodurch dieses Festival überleben konnte. Das sei ein Segen: Nirgendwo anders gäbe es eine solch großartige Komposition von Landschaft, Kulinarik, großartiger Kunst und Kultur wie hier im Rheingau, so Rhein.

Boris Rhein, hessischer Ministerpräsident. © Foto Diether von Goddenthow
Boris Rhein, hessischer Ministerpräsident. © Foto Diether von Goddenthow

Besonders passend sei das diesjährige Festival-Motto „Vive la France“, unterstrich der hessische Ministerpräsident. Denn dies zeige unsere tiefe Verbundenheit mit Frankreich, aber vor allem auch die Wichtigkeit, dass wir in Europa zusammenstehen müssen. Denn insbesondere seit dem 24. Februar 2022, seit Putins barbarischen Einmarsch in die Ukraine, „haben wir gesehen, wie zerbrechlich die Freiheit sein kann, und wie wichtig es ist, dass wir in Europa zusammenstehen, damit in der Welt und insbesondere in Europa niemals das Recht des Stärkeren gilt, sondern die Stärke des Rechtes regieren muss“, so der Hessische Ministerpräsident, der sich sehr mit dem Engagement für die Freiheit des Altbundespräsidenten Joachim Jauch verbunden fühlt.

Festrede von Joachim Gauck, Bundespräsident a.D.

Altbundespräsident Joachim Gauck.  © Foto Diether von Goddenthow
Altbundespräsident Joachim Gauck. © Foto Diether von Goddenthow

Altbundespräsident Joachim Gauck ging in seiner Festrede unter anderem der Frage nach, ob es richtig sei, Kultur-Feste wie das Rheingau Musik Festival zu begehen, „wenn anderswo Krieg, Hass und Vernichtung auf der Tagesordnung steht“, und er bejahte das. Es sei richtig, dennoch zu feiern, da Kunst, insbesondere Musik, „eine Lebensfreude in uns setzt, die nicht nur vorübergehend aufmuntert, sondern zu einem tatsächlichem ‚Ja zum Leben‘ ermächtigt. Und genau dies brauchen wir: Wir brauchen es gerade in dieser Zeit, die in schrecklicher Weise wieder Krieg auf die Tagesordnung Europas geführt hat“, sagte Gauck.

Und nicht ohne Grund fühlten sich „ja nicht nur jene Angegriffenen in der Ukraine bedroht, und müde vom Kämpfen, sondern: unsere Menschen bei uns in Europa, die sorgen sich und sie spüren die tiefe Feindschaft von Putins Russland gegenüber der Freiheit und dem Recht.“ Putins Regime bedrohe auch uns, so Gauck. „Und deshalb verstehen wir, dass die Menschen in der Ukraine, die so todesmutig und freiheitsliebend ihr Land verteidigen, auch einen Kampf für uns alle führen. Wir haben ihnen ja viel zu danken.“ Die Ukrainer wollten freie Menschen sein, jederzeit. „Und sie wollen keinen Staat, der ihnen das Recht nimmt“, sie wollen einen Raum, in dem Recht und Freiheit, in dem Unabhängigkeit herrscht und in dem „an die Herrschaft des Rechtes geglaubt wird“.

Kreuzgang-Impression in der Pause des Eröffnungskonzertes des Rheingau Musik Festivals © Foto Diether von Goddenthow
Kreuzgang-Impression in der Pause des Eröffnungskonzertes des Rheingau Musik Festivals © Foto Diether von Goddenthow

Und wenn uns Musik in ihrer Kraft und ihrer Schönheit begegnet, so soll das für niemanden von uns ein Akt der Weltflucht werden, sondern innerer Stärkung dienen, indem die magischen Momente von Musik, ob wir sie hören oder selber machen, uns neue Räume, „Räume neben einem Platz der Not und der Gewalt“, eröffnen.

Kunst könne Abgründe ebenso wenig löschen, wie den Zweifel an dem Sinn unseres menschlichen Daseins, so Gauck. „Aber Menschen lieben und brauchen sie, die Kunst.“ Denn „Kunst hat die Fähigkeit Menschen zu verwandeln, nicht nur zu beglücken, oder zu unterhalten, auch das ist schön“, aber gerade, wenn wir uns wirklich einließen auf Musik, „geschehen so oft wundersame Dinge“: Widersinnige Normalitäten verwandelten sich „in Hingabe, Begeisterung, Erschütterung, Lebensbejahung, Entschiedenheit und vielleicht in etwas wie in eine ‚Dennoch-Existenz‘“, so Gauck. Alles das könne passieren, weil unsere Seele über „zwei unterschiedliche Tore in die Wirklichkeit einzöge“, einmal über die „Öffnung, in der der Intellekt gespeist wird, in der das Argument einzieht, wo wir Wissen erwerben, wo wir einander ausforschen“, zum anderen über die Öffnung, „die der Kunst und Musik Zugang zur Seele verschafft.“ Bei der Rezeption von Kunst und Musik existiere eine wundersame Wirkmechanik, die nicht über den Intellekt, sondern über unsere Seele, über „das Gemüt“ gehe, so Gauck. „Dort durch künstlerisches Wirken geöffnet, entfalte sie eine eigene Daseins-Dimension. Würden Menschen nur ihren Intellekt leben, lebten wir in einem beständigen Defizit: unser Gemüt würde verkümmern. Wir verlernten, „was wir doch tief in uns wissen: wir sind doch viel mehr als das, was wir denken“, ist Gauck überzeugt.

Kreuzgang-Impression in der Pause des Eröffnungskonzertes des Rheingau Musik Festivals © Foto Diether von Goddenthow
Kreuzgang-Impression in der Pause des Eröffnungskonzertes des Rheingau Musik Festivals © Foto Diether von Goddenthow

Menschen wüssten eigentlich, dass sie etwas Zusätzliches brauchten, nämlich ein Angesprochensein „tief in uns“, ein „Angesprochensein unserer Sinne“, und dann vollzöge sich etwas, „was Verwandlungskraft hat“. So könne „Kunst wie die Musik zwar nicht die ganze Welt verändern, aber sehr wohl Menschen“. An einem Festival-Tag wie diesen, dürften wir uns also daran erfreuen, dass Musik, wenn auch nicht gleich die Welt, aber uns Menschen verändern und innerlich stärken kann, so der Altbundespräsident.

Impression vom Eröffnungskonzert des Rheingau Musikfestival in der Basilika Kloster Eberbach © Foto Diether von Goddenthow
Impression vom Eröffnungskonzert des Rheingau Musikfestival in der Basilika Kloster Eberbach © Foto Diether von Goddenthow

Wie Recht Joachim Gauck mit seiner These von der Wichtigkeit der Stärkung der Seele durch Kunst und Musik insbesondere in Krisenzeiten hat, konnten die Festivalbesucher sogleich erleben bei dem anschließenden grandiosem Eröffnungskonzert mit faszinierender Akustik in der erhabenen Basilika von Kloster Eberbach.

Prominente Festival-Gäste und die Macher des Festival von links: Axel Wintermeyer, Chef der hessischen Staatskanzlei, Festredner Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., Michael Herrmann, Begründer, Intendant und Vorsitzender des Rheingau Musik Festivial, Marsilius Graf von Ingelheim, Geschäftsführer des Rheingau Musik Festival, Festival-Schirmherr Boris Rhein, hessischer Ministerpräsident. © Foto Diether von Goddenthow
Prominente Festival-Gäste und die Macher des Festival von links: Axel Wintermeyer, Chef der hessischen Staatskanzlei, Festredner Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., Michael Herrmann, Begründer, Intendant und Vorsitzender des Rheingau Musik Festivial, Marsilius Graf von Ingelheim, Geschäftsführer des Rheingau Musik Festival, Festival-Schirmherr Boris Rhein, hessischer Ministerpräsident. © Foto Diether von Goddenthow

Hector Berlioz Ouvertüre „Le carnaval romain“

hr2 Sinfonie-Orchester und MDR Rundfunkchor unter Leitung von Alain Altinoglu. © Foto Diether von Goddenthow
hr2 Sinfonie-Orchester und MDR Rundfunkchor unter Leitung von Alain Altinoglu. © Foto Diether von Goddenthow

„Le carnaval romain“ komponierte der französiche Komponist Hector Berlioz 1844 als eine Ouvertüre für Orchester, basierend auf Material aus seiner Oper „Benvenuto Cellini“. Die Ouvertüre verkörpert den Geist und die Energie des Karnevals in Rom. Sie ist von einer ausgelassenen und festlichen Stimmung geprägt, beginnt mit einem lebhaften und rhythmischen Thema, das die fröhliche Atmosphäre des Karnevals einfängt. Es folgen verschiedene musikalische Abschnitte, die abwechselnd zwischen lebendigen, tänzerischen Passagen und lyrischeren Melodien wechseln. Berlioz verwendet eine Vielzahl von Instrumenten, um verschiedene Klangfarben und Effekte zu erzeugen, darunter Fanfaren, Streicher, Holzbläser und Schlaginstrumente. Das Stück endet schließlich mit einem feierlichen und triumphalen Finale, das den Glanz und die Pracht des Karnevals repräsentiert.

„Symphonie espagnole“ von Édouard Lalo

Der 2005 in São Paulo, Brasilien, geborene Guido Sant'Anna erlangte internationale Anerkennung als er als erster südamerikanischer Geiger den renommierten Internationalen Fritz-Kreisler-Wettbewerb im Jahr 2022 gewann. Jetzt gab er sein Debüt beim Rheingau Musik Festival mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Musikdirektor Alain Altinoglu und der Symphonie espagnole von Édouard Lalo. © Foto Diether von Goddenthow
Der 2005 in São Paulo, Brasilien, geborene Guido Sant’Anna erlangte internationale Anerkennung als er als erster südamerikanischer Geiger den renommierten Internationalen Fritz-Kreisler-Wettbewerb im Jahr 2022 gewann. Jetzt gab er sein Debüt beim Rheingau Musik Festival mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Musikdirektor Alain Altinoglu und der Symphonie espagnole von Édouard Lalo. © Foto Diether von Goddenthow

Édouard Lalo war ein französischer Komponist des 19. Jahrhunderts. Seine „Symphonie espagnole“ entstand im Jahr 1874 als eine konzertante Komposition für Violine und Orchester, und zählt zu seinen bekanntesten Werken. Obwohl der Titel „Symphonie“ suggeriert, dass es sich um eine sinfonische Komposition handelt, handelt es sich in Wirklichkeit um ein Violinkonzert in fünf Sätzen. Die „Symphonie espagnole“ ist geprägt von spanischen Einflüssen und Exotik, die den Stil und die Klangwelt der spanischen Musik einfangen. Wohl kaum ein anderer, als der junge südamerikanische Stargeiger Guido Sant’Anna hätte derart virtuos wie authentisch mitreißend Édouard Lalos musikalisches Anliegen besser interpretieren können. Das Werk beginnt mit einem feurigen und temperamentvollen ersten Satz, der von virtuosen Passagen der Violine und temperamentvollen Rhythmen geprägt ist. Es folgen weitere Sätze, die unterschiedliche Stimmungen und Charaktere aufweisen, darunter einen lebhaften Scherzo, einen zarten und lyrischen dritten Satz sowie einen mitreißenden Finale.
Die „Symphonie espagnole“ zeichnet sich durch ihre farbenreiche Orchestrierung und die melodischen Themen aus, die an die spanische Volksmusik erinnern. Lalo verwendet verschiedene rhythmische Figuren, modale Tonleitern und harmonische Wendungen, um die spanische Klangästhetik einzufangen und eine lebhafte und atmosphärische Stimmung zu erzeugen.

Francis Poulenc Stabat Mater

Die Ausnahme-Sopranistin Vannina Santoni,  hier mit Dirigent  und Musikdirektor Alain Altinoglu und dem MDR Rundfunkchor, fiel nach ihrem Studium am Pariser Nationalkonservatorium  schnell auf , weil sie  „reine Lyrik gepaart mit dramatischem Feuer“ besitzt und „ihre Rollen mit der Leidenschaft einer Schauspielerin ausfüllt“ . © Foto Diether von Goddenthow
Die Ausnahme-Sopranistin Vannina Santoni, hier mit Dirigent und Musikdirektor Alain Altinoglu und dem MDR Rundfunkchor, fiel nach ihrem Studium am Pariser Nationalkonservatorium schnell auf , weil sie „reine Lyrik gepaart mit dramatischem Feuer“ besitzt und „ihre Rollen mit der Leidenschaft einer Schauspielerin ausfüllt“ . © Foto Diether von Goddenthow

Francis Poulenc, ein französischer Komponist des 20. Jahrhunderts, komponierte sein Stabat Mater im Jahr 1950.Dabei handelt es sich um eine musikalische Komposition, die auf dem mittelalterlichen lateinischen Hymnus „Stabat Mater Dolorosa“ basiert und von der schmerzhaften Trauer Marias unter dem Kreuz ihres gekreuzigten Sohnes erzählt und diese Trauer der Gottesmutter während der Passion Christi aufgreift. Obwohl Poulenc ein moderner Komponist war, schuf er in diesem Werk eine Verbindung zur Tradition der geistlichen Musik, was ihm ausgesprochen genial gelingt und der MDR Rundfunkchor, unterstützt durch die grandiose Stimme der französischen Ausnahme-Soparnistin Vannina Santoni, klangvoll und mitreißend interpretierte. Die Musik wechselt zwischen intensiven und ergreifenden Passagen und ruhigen, meditativen Momenten.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Das Gesamtprogramm mit allen Details zum 36. Rheingau-Musikfestival finden Sie hier!

Rheingau Musik Festival – Eröffnungskonzert

„Kollegen reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein“ – Politiker und Medien gedenken an die blutige Niederschlagung des Volksaufstands in der DDR von 1953

Am 17. Juni 1953 protestiert das Volk gegen Arbeitsnormen und das Regime der DDR. © Foto Haus der deutschen Geschichte, Bonn.
Am 17. Juni 1953 protestiert das Volk gegen Arbeitsnormen und das Regime der DDR. © Foto Haus der deutschen Geschichte, Bonn.

Man stelle sich einmal vor, welches Elend Millionen Menschen im DDR-Unrechtsstaat erspart geblieben wäre, hätten die russischen Besatzer den antistalinistischen Volksaufstand am 17. Juni 1953 nicht mit Panzern blutig niedergewalzt!
Hätte der Freiheitswille der Arbeiter und des daraus erfolgten breiten Volksaufstandes   1953 in der DDR  gesiegt, wäre es erst gar nicht gekommen zur jahrelangen SED-Herrschaft mit Stasi-Überwachungssystem, Folterknast für Andersdenkende / politische Gefangene,  zu Berufsverboten, (Bauern-)Enteignung, Einheits-Presse, Mauerbau, zu Grenzschließungen, Schießbefehl, Kinderumerziehung,  Mangelwirtschaft und  Verfall von Infrastruktur und ganzer Städte (Leipzig, Görlitz, Halberstadt usw.).  Vor allem aber: Es hätte keine SED-Opfer gegeben, die, wie es aus dem Bericht der SED-Opfer-Beauftragten Evelyn Zupke hervorgeht, zum Teil bis heute noch vergeblich auf  Rehabilisierung, Anerkennung als SED-Opfer und  Entschädigung warten. Zudem ist eine Gedenkstätte an die SED-Opfer des 17. Junis 1953 längst überfällig, angesichts der Tatsache, dass viele  Millionen Menschen unter dem DDR-Faschismus litten, die meisten eher unauffällig, von der Stasi bespitzelt, eben in einem totalitär angelegten Überwachungsstaat.   

Frank Walter Steinmaier sagte heute bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin unter Bezug auf das einzige noch als Original-Zeugnis des DDR-Volksaufstandes von 1953 erhaltene Tondokument der Belegschaft des Elmowerks Wernigerode, dass die protestierenden Arbeiter nichts anderes als  „Freie und geheime Wahlen in ganz Deutschland“ wollten.
Ihre Parole lautete „Kollegen, reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein“ (ZDF Momente der Zeitgeschichte). Seit seiner Gründung 1949 baute der ostdeutsche Staat den Sozialismus auf. Die Bürger sollten der kommunistischen Ideologie folgen. Auch wirtschaftlich wollte das System Überlegenheit demonstrieren – doch die Ziele waren zu hoch gesteckt. Denn während die kommunistische DDR mit ihrer Planwirtschaft und Enteignung von Betrieben und Landwirten immer tiefer in die Krise rutschte, begann der freie Westen unter Ludwig Erhards System der freien sozialen Marktwirtschaft zusehends zu einem  Wirtschaftswunderland aufzublühen.

Aufgestanden für Freiheit und Selbstbestimmung gegen Planwirtschaft und Diktatur

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier Archivbild Paulskirchenfest. © Foto Diether von Goddenthow
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier Archivbild Paulskirchenfest. © Foto Diether von Goddenthow

Das Tondokument aus dem Elmowerk, so Steinmeier, sei ein einzigartiges Zeugnis des Volksaufstandes in der DDR. „Es zieht uns mitten hinein in die Ereignisse jener Tage, Wir hören und spüren, was die Menschen überall in der DDR in den Streik und auf die Straße trieb: der Zorn über Unrecht, Unterdrückung und Gewalt. Die Sehnsucht nach Freiheit und Einheit. Die Hoffnung auf eine bessere, eine selbstbestimmte Zukunft.
Hunderttausende hatten im Juni 1953 den Mut, der SED-Diktatur die Stirn zu bieten. Sie riskierten ihr Leben. Die Mitarbeiter des Elmowerks erfuhren noch während ihrer Versammlung, dass der sowjetische Militärkommandant den Ausnahmezustand über Wernigerode verhängt hatte. Und als sie den Saal verließen, war ihr Werk von bewaffneten Soldaten umstellt.
Die Mitglieder der Streikleitung wurden festgenommen, abtransportiert, ins Zuchthaus nach Magdeburg gebracht: Karl Wernicke, Heinz Jäschke, Martin Buth, Ursula Sophie Herynk, Heinz Bormann, Heinz Lüdecke, Karl Brämer, Kurt Köhler und Georg Herrmann. Manche von ihnen wurden allein in dunklen Kellern eingekerkert, mussten in ihrer Zelle im Wasser stehen, litten unter Demütigungen, Ungewissheit und Todesangst. Alle neun wurden erst Wochen später wieder freigelassen, manche gezeichnet von der Haft. Fünf von ihnen flohen noch im Sommer 1953 in die Bundesrepublik.“

Hier in Berlin, auf den Baustellen am Krankenhaus Friedrichshain und in der damaligen Stalinallee, nahm der Aufstand 1953 seinen Anfang. Am 17. Juni breitete er sich über die gesamte DDR. An mehr als 700 Orten kam es zu Streiks, Demonstrationen oder Protesten – in Hennigsdorf, Ludwigsfelde und Lauchhammer; in Magdeburg, Halle und Bitterfeld; in Dresden, Leipzig und Niesky; in Jena, Gera und Hildburghausen; in Rostock, Wismar und Stralsund; in Städten, Industriebezirken und auf dem Land.

Männer und Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft brachten ihren Unmut über die real existierende Diktatur zum Ausdruck: Bauarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Landwirte, Angestellte, Selbstständige, Lehrerinnen, Pfarrer, Auszubildende, Studentinnen und Schüler – sie alle protestierten gegen ein Regime, das ihnen immer mehr die Luft zum Atmen nahm. Was damals geschah, war eine Massenerhebung gegen die Diktatur und ein Volksbegehren für die Demokratie.

Der Aufstand des 17. Juni richtete sich eben nicht nur gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen, gegen niedrige Löhne, hohe Preise, leere Regale. Er richtete sich gegen die Normierung einer ganzen Gesellschaft – gegen Planwirtschaft und Zwangskollektivierung; gegen staatliche Überwachung, Propaganda und Zensur; gegen die Unterdrückung von Christen, Oppositionellen und Unangepassten; gegen die Diktatur einer „Einheitspartei“, die für sich beanspruchte, immer im Recht zu sein.

Allein in der ersten Hälfte des Jahres 1953 – stellen wir uns das vor! – flüchteten knapp 200.000 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik. Und Mitte Juni waren es rund eine Million Männer und Frauen, die den Aufstand wagten! Überall im Land forderten Menschen freie und geheime Wahlen, die Freilassung der politischen Gefangenen und die deutsche Einheit. Ein Arbeiter hier in Berlin brachte es auf den Punkt, als er vor dem damaligen „Haus der Ministerien“ auf einen Tisch kletterte und der SED-Regierung zurief: „Wir wollen frei sein!“

Diese Kraft der Freiheit, sie traf die Diktatur unvorbereitet und mit voller Wucht. Erst als sowjetische Panzer in die Städte rollten, Soldaten mit Maschinengewehren aufmarschierten und den Aufstand blutig niederschlugen, erst dann gewann das SED-Regime wieder die Oberhand. Mehr als fünfzig Menschen wurden damals erschossen, hingerichtet, erlagen ihren Verletzungen oder starben in Haft.

Wir gedenken heute der Männer und Frauen des 17. Juni, die ihren Kampf für die Freiheit mit dem Leben bezahlten. Wir gedenken all jener, die damals verletzt, verhaftet, eingesperrt und zur Zwangsarbeit verurteilt wurden. Und wir gedenken der vielen, die nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren durften, die zeitlebens überwacht, schikaniert, ihrer Zukunftschancen beraubt wurden, nur weil sie es gewagt hatten, ihre Menschenrechte einzufordern.

All diese Menschen kämpften vor siebzig Jahren für ein Leben in Würde in einem geeinten Deutschland. Sie waren Vorkämpfer unserer heutigen Demokratie! Und bis heute sind sie Vorbilder für den Kampf gegen Unrecht und Unterdrückung. Suchen wir ihre Namen, erzählen wir ihre Geschichten! Alle, die im Juni 1953 für Freiheit und Selbstbestimmung aufgestanden sind, verdienen unseren Dank und vor allem auch die Erinnerung.“, so der Bundespräsident.

Ministerpräsident Boris Rhein: 17. Juni 1953 war dennoch nicht umsonst

Ministerpräsident Boris Rhein, Archivbild. © Foto Diether von Goddenthow
Ministerpräsident Boris Rhein, Archivbild. © Foto Diether von Goddenthow

Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein hob unter anderem hervor, dass der Aufstand des 17. Juni 1953 trotz Fehlschlag nicht umsonst gewesen wäre: Denn, obwohl der Volksaufstand von den damaligen Machthabern mit Gewalt niedergeschlagen wurde, blieb er nicht erfolglos, so Rhein. So habe er zur Stärkung des Widerstandsgeists in der Bevölkerung beigetragen, der gegen alle Repressalien der Staatsführung über Jahrzehnte aktiv blieb und letztlich zum Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung Deutschlands beitrug. „Der Aufstand am 17. Juni legte den Grundstein für eine freie, demokratische Gesellschaft. Er mahnt uns, dass die Freiheit nicht selbstverständlich ist und jeden Tag aufs Neue verteidigt werden muss“, sagte Rhein.

Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Formate halte die Landesregierung die Erinnerung an diese prägende Phase deutscher Geschichte wach, sagte der Ministerpräsident. So organisiere die Hessische Landesvertretung in Berlin seit vielen Jahren regelmäßig Veranstaltungen, mit denen die SED-Diktatur aufgearbeitet werde. Mit der Etablierung eines Lern- und Erinnerungsorts für Schulen am ehemaligen Notaufnahmelager in Gießen leiste die Landesregierung außerdem über Hessen hinaus einen wichtigen Beitrag, um die Erinnerung an zentrale Ereignisse der deutsch-deutschen Geschichte wach zu halten.

Bild der Gedenkausstellung "30 Jahre Mauerfalls. Freiheit leben"  © Foto Diether von Goddenthow
Bild der Gedenkausstellung „30 Jahre Mauerfalls. Freiheit leben“ © Foto Diether von Goddenthow

Am Sonntag nimmt Ministerpräsident Rhein gemeinsam mit dem stellvertretenden thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Stengele an einer Gedenkveranstaltung im Grenzmuseum Schifflersgrund teil. Das Museum liegt auf der früheren innerdeutschen Grenze zwischen dem hessischen Bad Sooden-Allendorf und dem thüringischen Sickenberg. Es wurde 1991 eröffnet und war seinerzeit das erste Grenzmuseum im wiedervereinigten Deutschland. „Gedenkorte wie das Grenzmuseum Schifflersgrund sind ein wichtiger Bestandteil deutscher Erinnerungskultur“ sagte der Regierungschef und fügte hinzu: „Sie vergegenwärtigen uns, dass sich vor kaum mehr als drei Jahrzehnten Soldaten desselben Volkes – durch eine Mauer und Grenzanlagen getrennt – feindlich gegenüberstanden und misstrauisch beäugten. Auch Hessen trennte jahrzehntelang ein Todesstreifen vom Nachbarland Thüringen. Das friedliche Ende dieses Konflikts war und ist ein großes Geschenk.“

Siehe auch: „30 Jahre Mauerfall“ und Lemo (Lebendiges Online-Museum) sowie Wikipedia Aufstand vom 17. Juni 1953

In Frankfurt am Main wird vier Tage lang Deutschland Demokratie-Geschichte gefeiert – Paulskirchenfest noch bis 21.Mai 2023

Gelungener Auftakt am ersten  Tag des Paulskirchenfestes. Tausende Menschen haben die Großveranstaltung am Donnerstag, 18. Mai, besucht. Das viertägige Fest zum 175. Geburtstag des ersten gesamtdeutschen Parlaments läuft noch bis Sonntag, 21. Mai.© Foto Diether von Goddenthow
Gelungener Auftakt am ersten Tag des Paulskirchenfestes. Tausende Menschen haben die Großveranstaltung am Donnerstag, 18. Mai, besucht. Das viertägige Fest zum 175. Geburtstag des ersten gesamtdeutschen Parlaments läuft noch bis Sonntag, 21. Mai.© Foto Diether von Goddenthow

Bei Kaiserwetter begrüßte die Stadt Frankfurt tausende Bürger und Gäste aus der ganzen Republik, darunter zahlreiche Ehrengäste, zum  175. Geburtstag des ersten gesamtdeutschen Parlaments. Die viertägige Großveranstaltung läuft noch bis Sonntag, dem 21. Mai 2023, rund um die Paulskirche, auf dem  Römerberg und am Main-Kai mit zahlen Info-Zelten, Fressbuden und Bühnenprogrammen. Zudem laden 17 Museen der Innenstadt zum kostenfreien Besuch ein, und im Frankfurter Römer, im Rathaus,  gibt es Ausstellungen und zahlreiche Programme. 

Beim vorausgegangenem Festakt in der Paulskirche  feierten   über 600 geladene Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft die „Wiege der deutschen Demokratie“. Unter den Gästen waren Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Bundesinnenministerin Nancy Faeser, der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes Stephan Harbarth, Frankfurts neuer Oberbürgermeister Mike Josef,  Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg sowie Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner.

erste Reihe v.li.:  Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Ministerpräsident Boris Rhein,  Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Bundespräsident  Frank Walter Steinmeier, Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner,  Oberbürgermeister  Mike  Josef und Bürgermeisterin  Nargess Eskandari-Grünberg. © Foto Diether von Goddenthow
erste Reihe v.li.: Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Ministerpräsident Boris Rhein, Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, Oberbürgermeister Mike Josef und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg. © Foto Diether von Goddenthow

Das Paulskirchenfest soll insbesondere einmal mehr darauf aufmerksam machen, dass unsere „westliche“ Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass sie hart erkämpft wurde, und aktiv verteidigt werden muss, soll sie uns nicht wieder abhanden kommen.

Die Paulskirche ist sowohl ein zentraler Ort des Kampfes unserer Vorväter für die Freiheit und Menschenrechte, als auch Deutschlands bedeutendstes Symbol gelebter Demokratie.

Vor exakt 175 Jahren trat in der Paulskirche das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament zusammen. 1848 sei ein entscheidendes Jahr gewesen – „und es muss in unserer Erinnerung lebendig bleiben. Märzrevolution und Paulskirche sind große und folgenreiche Ereignisse der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte. Wir haben allen Grund, das zu feiern – auch als Zeichen gegen die Verächter unserer parlamentarischen Demokratie.“, so der Bundespräsident (die komplette Rede).

Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein unterstrich: „Jede gesellschaftliche Entwicklung braucht Menschen, die für ihre Überzeugungen auch gegen Widerstände einstehen. Daran erinnert uns der mutige Kampf der Nationalversammlung und der visionären Frauen und Männer dieser Zeit. Der 18. Mai ist ein Festtag der Demokratie und des Parlamentarismus, der mit dem Paulskirchenfest einen würdigen Rahmen findet.“

„Wir freuen uns und sind sehr stolz, mit der Paulskirche einen Ort zu haben, der für Grundrechte und Demokratie steht“, betonte Oberbürgermeister Josef.

Zu den weiteren Programmpunkten in der Paulskirche gehörte ein moderiertes Podiumsgespräch, an dem Bundestagspräsidentin Bas, Landtagspräsidentin Wallmann und Stadtverordnetenvorsteherin Arslaner als Repräsentantinnen von Parlamenten unterschiedlicher Mitbestimmungsebenen teilnahmen. Historische Redeauszüge von 1848 ließen für die Gäste die Debatten der damaligen Nationalversammlung noch einmal lebendig werden.

Gemeinsame Eröffnung des Paulskirchenfestes

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier umringt von Frankfurtern auf seinem Weg von der Paulskirche zur Römerberg-Bühne. © Foto Diether von Goddenthow
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier umringt von Frankfurtern auf seinem Weg von der Paulskirche zur Römerberg-Bühne. © Foto Diether von Goddenthow

Von der Paulskirche aus marschierten Bundespräsident und  Frankfurts Oberbürgermeister gemeinsam mit der Bundesinnenministerin und Bürgermeisterin über den Paulsplatz durch die große Menschenmenge zur Römerberg-Bühne.  Die  Bürger waren sichtlich von der unerwarteten unmittelbaren  Präsens des Bundespräsidenten  überrascht und hocherfreut. Steinmeier schüttelte unendlich viele Hände, ließ Selfies zu, und eröffnet anschließend gemeinsam mit Frankfurts Oberbürgermeister, der Bundesinnenministerin und Bürgermeisterin das Paulskirchenfest fürs Publikum.

„Der Charakter des Festes betont, dass in unserer Demokratie jede Einzelne und jeder Einzelne zum Mitmachen aufgefordert ist. Das ist mir besonders wichtig“, erklärt Oberbürgermeister Josef. Er fügt hinzu: „Ich freue mich bereits jetzt auf die Besucherinnen und Besucher der kommenden Tage.“

Oberbürgermeister Josef eröffnet gemeinsam mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier  auf dem Römerberg das Paulskirchenfest. © Foto Diether von Goddenthow
Oberbürgermeister Josef eröffnet gemeinsam mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier auf dem Römerberg das Paulskirchenfest. © Foto Diether von Goddenthow

Der Bundespräsident sagte: „Ich wünsche mir, dass dieser Ort, die Paulskirche, noch stärker als bisher zu einem lebendigen Erinnerungs- und Lernort für die Demokratie wird. Ein Ort, der zusammen mit einem künftigen Haus der Demokratie, dreierlei leistet: Erinnerung, Bildung und demokratische Debatte.“

Innenministerin Faeser betonte: „Ich wünsche mir, dass auch heute wieder von Frankfurt ein belebender Impuls für das demokratische Bewusstsein im ganzen Land ausgeht. Denn Freiheit und Vielfalt kommen nicht von allein und sie bleiben auch nicht von allein. Wir müssen unsere Demokratie und unsere Werte schützen.“

Impression von der Eröffnung des Paulskirchenfestes auf dem Frankfurter Römerberg am 18.5.2023  © Foto Diether von Goddenthow
Impression von der Eröffnung des Paulskirchenfestes auf dem Frankfurter Römerberg am 18.5.2023 © Foto Diether von Goddenthow

Oberbürgermeister Josef betonte: „Wir werden auf dieser Tradition aufbauen und an der Stärkung von Demokratie, Menschenrechten und soziale Teilhabe weiterhin arbeiten. Die vielen Angebote anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Nationalversammlung zeigen einiges davon.“

Frankfurt feiert das Jubiläum der Paulskirchenversammlung mit einem großen Bürgerfest mit 160 Angeboten in unterschiedlichen Teilen der Stadt.  Zu dem Programm gehören etwa Mitmachangebote, kulturelle Inszenierungen, Führungen und politische Diskussionen.

Die Brüder Grimm-Festspiele Hanau präsentieren ein Medley aus dem Musical Aschenputtel der 39. Spielzeit 2023. © Foto Diether von Goddenthow
Die Brüder Grimm-Festspiele Hanau präsentieren ein Medley aus dem Musical Aschenputtel der 39. Spielzeit 2023. © Foto Diether von Goddenthow

Nach der offiziellen Eröffnung begann am Römerberg das Bühnenprogramm. Unter anderem zeigten die „Brüder Grimm Festspiele Hanau“ ein spannendes Medley aus dem Musical „Aschenputtel“ der aktuellen 39. Spielzeit, sowie Soli aus dem Musical „Jacob und Wihelm – Weltenwandler“ .Auch am Mainkai war die Stimmung riesig, und der Römerplatz rammelvoll.

Bundespräsident Gast von Boris Rhein am Hessen-Stand

„Geballte“ Politprominenz am Info-Tresen im Hessen-Zelt anlässlich des Paulskirchenfestes „175 Jahren Demokratie-Geschichte“. (v.li.): Dr. Ina Hartwig, Frankfurter Kulturdezernentin, Nancy Faeser, Bundesinnenministerin, Astrid Wallmann, Hessische  Landtagspräsidentin, Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident, Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident, Mike Josef, Frankfurter Oberbürgermeister u. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Frankfurter Bürgermeisterin. © Foto Diether von Goddenthow
„Geballte“ Politprominenz am Info-Tresen im Hessen-Zelt anlässlich des Paulskirchenfestes „175 Jahren Demokratie-Geschichte“. (v.li.): Dr. Ina Hartwig, Frankfurter Kulturdezernentin, Nancy Faeser, Bundesinnenministerin, Astrid Wallmann, Hessische Landtagspräsidentin, Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident, Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident, Mike Josef, Frankfurter Oberbürgermeister u. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Frankfurter Bürgermeisterin. © Foto Diether von Goddenthow

Aus Sicherheitsgründen war nicht bekannt gegeben worden, dass der Bundespräsident noch ein Bad in der Menge nehmen und sich ein persönliches Bild vom Paulskirchenfest verschaffen würde.

Während Polizei und Bodygards bei diesem Gedränge fast am Rande des Nervenzusammenbruchs agierten, nutzte Steinmeier die Gelegenheit, um mit zahlreichen Bürgern direkt ins Gespräch zu kommen. Mit etwas Glück gelang sogar dem einen oder anderem, ein Selfie mit Deutschlands Staatsoberhaupt.

Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein begrüßt gemeinsam mit Landtagspräsidentin Astrid Wallmann Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Oberbürgermeister Josef beim Paulskirchenfest  am Hessen-Stand. © Foto Diether von Goddenthow
Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein begrüßt gemeinsam mit Landtagspräsidentin Astrid Wallmann Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Oberbürgermeister Josef beim Paulskirchenfest am Hessen-Stand. © Foto Diether von Goddenthow

An Hessens Informations-Zelt empfingen der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein und Landtagspräsidentin Astrid Wallmann den Bundespräsident , Frankfurts Oberbürgermeister und weitere Politprominenz. Ministerpräsident Boris Rhein würdigte wie zuvor in der Paulskirche den Zusammentritt der Nationalversammlung am 18. Mai 1848 in der Paulskirche in Frankfurt als den Ausgangspunkt des Parlamentarismus in Deutschland und sagte „Was sich vor 175 Jahren in der Paulskirche ereignet hat, war eine wichtige Etappe in der Geschichte der Demokratie unseres Landes. Die Erinnerung an diese Zeit ist uns ein wertvoller Kompass, denn sie führt uns eindrücklich vor Augen, wie wenig selbstverständlich unser heutiges Leben in Frieden und Freiheit ist. Es ist ein Leben, wie es uns allein die demokratische Verfasstheit unseres Landes ermöglicht. Hessen verfügt nicht nur über die älteste Verfassung in Deutschland, hier begann auch unsere parlamentarische Tradition. Darauf können wir stolz sein. Der 18. Mai ist ein Festtag der Demokratie und des Parlamentarismus, der mit dem Paulskirchenfest einen würdigen Rahmen findet“.

Landtagspräsidentin Wallmann unterstricht: „Mit der ersten frei gewählten deutschen Nationalversammlung wurde vor 175 Jahren mit dem Ruf nach Freiheit, Demokratie und Menschenrechten das Fundament unserer heutigen Bundesrepublik gelegt. Das Paulskirchenjubiläum ist für uns daher ein besonders wichtiger Anlass, die zentrale Bedeutung des Parlamentarismus für unsere Demokratie und damit für unser aller Zusammenleben zu würdigen. Der 18. Mai erinnert uns daran, dass wir uns immer wieder aufs Neue für die Demokratie einsetzen müssen.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier.© Foto Diether von Goddenthow
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier.© Foto Diether von Goddenthow

Der Bundespräsident Steinmeier wies auf einige Aspekte hin, die ihm „ am heutigen Tag besonders wichtig sind. Am aller wichtigsten ist für mich: Revolution und Paulskirche gehören zusammen. Ohne den entschiedenen Bürgermut, ohne die revolutionären Bewegungen an vielen Orten Deutschlands wäre es nicht zum Vorparlament, nicht zur Nationalversammlung in der Paulskirche gekommen. Diese Nationalversammlung war das Ergebnis eines demokratischen, freiheitsverlangenden Aufbruchs aus dem Volk. Es ist gut, dass das Gedächtnis für den untrennbaren Zusammenhang zwischen Revolution und dem erwachenden Parlamentarismus im deutschen Südwesten immer lebendig geblieben ist, auch in Zeiten, in denen das im übrigen Deutschland in den Hintergrund gedrängt wurde.“, so der Bundespräsident.

Boris Rhein, Astrid Wallmann, Mike Josef, Frank Walter Steinmeier, . Dr. Nargess Eskandari-Grünberg betrachten gespannt die Revolutions-Performance "La Revólution". © Foto Diether von Goddenthow
Boris Rhein, Mike Josef, Frank Walter Steinmeier, . Dr. Nargess Eskandari-Grünberg betrachten gespannt die Revolutions-Performance „La Revólution“. © Foto Diether von Goddenthow

Für einen anschließenden kleinen Höhepunkt sorgt die Street-Act-Performance „La Révolution“, bevor der Tross weiterzog, unter anderem zum Info-Zelt der Bundeszentrale für Politische Bildung visavis des Hessen-Infozeltes.

Zahlreiche Angebote

Zu den Mitmachangeboten gehören etwa die gelben, historischen Telefonzellen auf dem Paulsplatz.Wer sie betritt und 50 Cent einwirft, kann mit bedeutenden Persönlichkeiten aus der deutschenDemokratiegeschichte sprechen. Ein weiteres Angebot auf dem Paulsplatz ist der „Hain derDemokratie“.

Die 43 Platanen des Paulskirchenplatzes   dienen während des Festes als „Freiheitsbäume". © Foto Diether von Goddenthow
Die 43 Platanen des Paulskirchenplatzes
dienen während des Festes als „Freiheitsbäume“. © Foto Diether von Goddenthow

Die 43 Platanen des Areals dienen während des Festes als „Freiheitsbäume“. Von ihren Ästenhängen schlanke, lange Fähnchen mit Auszügen von Gedichten zum Thema Demokratie. Diesehatten Frankfurterinnen und Frankfurter auf Einladung des verantwortlichen Künstlerinnenduos HSI,bestehend aus Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer, eingesendet. Die Bürgerinnen und Bürgersollen so selber zu Wort kommen.

Diese Zitate und Textfragmente sind die Bausteine der „Ode an die Demokratie“ an den Abenden Donnerstag, 18. Mai, und Freitag, 19. Mai, einer Inszenierung einschließlich Lasershow auf dem Main. Schauspielerin Bauer leitet mit ihrer Stimme durch die Inszenierung und dient dabei als Sprachrohr für all die Bürgerinnen und Bürger, für all die Gesichter der Stadt, für all die Meinungen und Emotionen.

Um die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an demokratischen Prozessen geht es auch beim„ Tag der Zivilgesellschaft“ am Freitag, 19. Mai, um 17 Uhr in der Paukskirche. „Demokratie – aber wie?“ lautet das Motto des Abends. Im Mittelpunkt steht dabei die Übergabe der „Charta der Demokratie“ an Kulturstaatsministerin Claudia Roth und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg. „Zivilgesellschaft ist der organisierte Ausdruck des demokratischen Bewusstseins. Sie folgt ihren Idealen. Für die Zivilgesellschaft kommt nicht die Wirtschaft zuerst, sondern Menschenrechte, Demokratie und Freiheit“, sagt Eskandari-Grünberg.

Beste Stimmung am Main-Kai © Foto Diether von Goddenthow
Beste Stimmung am Main-Kai © Foto Diether von Goddenthow

„Römer Open“ lässt hinter die Türen des Rathauses blicken

Im Römer laden die „Escape Bubbles“ vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt dazuein, verschiedene Rätsel und Aufgaben rund um die Themen Demokratie und soziale Polarisierung zu lösen. Es handelt sich um eine Kooperation im Rahmen eines Seminars der Goethe-Universität.

 48 Revolutionärinnen im Kaisersaal des Frankfurter Römers. © Foto Diether von Goddenthow
48 Revolutionärinnen im Kaisersaal des Frankfurter Römers. © Foto Diether von Goddenthow

Das Paulskirchenfest hat nicht nur Erwachsene im Blick. Auf der Mainkai-Bühne stehen etwa Mitmach-Songs für Kinder auf dem Programm. Dazu bindet es auch viele nichtstädtische Beteiligte ein. Die Galerie Lachenmann-Art, Hinter der Schönen Aussicht 9, etwa präsentiert die Gesprächsveranstaltung „Female Perspectives – Auf der Suche nach der Demokratie in der Kunst“.Wer sich lediglich mit Live-Musik einige schöne Stunden machen möchte, ist auf dem Fest mitseinem umfassenden Kultur-Angebot ebenfalls bestens aufgehoben. Von Leslie Clio über dieKultband Crackers bis zum Poetry-Slam wird auf beiden Bühnen für jeden Geschmack etwasgeboten. Zur Eröffnung sangen Musiker wie Joy Denalane und Max Herre.

Frankfurter Römer mit zahlreichen Ausstellungen und Angeboten. © Foto Diether von Goddenthow
Frankfurter Römer mit zahlreichen Ausstellungen und Angeboten. © Foto Diether von Goddenthow

Um alltäglich gelebte Demokratie und den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern geht es von 11bis 19 Uhr am Samstag, 20. Mai, beim „Römer Open“, dem Tag der offenen Tür des Rathauses. Die politischen Römerfraktionen und 27 städtischen Ämter, Betriebe und Gesellschaften – angefangen vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) bis hin zum Zoo Frankfurt – laden ein, ihre tägliche Arbeit und ihre Serviceangebote kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Aber auchein Blick in das Goldene Buch der Stadt oder das Dienstzimmer des Oberbürgermeisters ist am„Römer Open“ möglich.

Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner empfängt in ihrem Dienstzimmer. Arslaner ist gespannt auf die Begegnungen mit den Besucherinnen und Besuchern im Römer. „Transparenz ist unabdingbar in einer Demokratie und deshalb ist wichtig, dass die Frankfurterinnen und Frankfurter nach vier Jahren wieder einmal ganz direkt erfahren können, wie Kommunalpolitik und Verwaltungineinander greifen und so das Leben in unserer Stadt gestalten.“ Die Erste Bürgerin freut sich auchauf viele Besucherinnen und Besucher im Plenarsaal, „dem Herzstück unserer Demokratie inFrankfurt“.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten des Paulskirchenfestes veranstalten die Mitgliedsgemeinden des Rates der Religionen am Sonntag, 21. Mai, ab 18.30 Uhr auf Einladung des Magistrats einemultireligiöse Feier unter dem Motto „Freiheit – Demokratie – Diversität in den Religionen” in derPaulskirche. Weitere Informationen zum Paulskirchenfest finden sich unter frankfurt-tourismus.de/Entdecken-und-Erleben/Feste-Veranstaltungen/demokratiefest-paulskirchenversammlung-1848.

Aktuelle Nachrichten des HR im Überblick zu 175 Jahre Paulskirche Demokratiegeschichte