Kategorie-Archiv: Hessische Staatskanzlei

„Sichere Zukunft nur in geeintem und friedlichen Europa möglich“ – 9. Hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie dem „Tag der Heimat“

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sprach beim 9. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie dem „Tag der Heimat“ im Wiesbadener Schloss Biebrich.© Foto Diether von Goddenthow
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sprach beim 9. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie dem „Tag der Heimat“ im Wiesbadener Schloss Biebrich.© Foto Diether von Goddenthow

Wiesbaden. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sieht ein geeintes Europa als Voraussetzung für eine sichere Zukunft. „Krieg, Hass und Gewalt fordern nicht nur viele Menschenleben, sondern führen auch zu Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit von Menschen. Die Bilder aus der Ukraine zeigen uns das jeden Tag“, sagte Rhein am Sonntag beim 9. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie dem „Tag der Heimat“. Der Gedenktag sei auch eine Mahnung an diejenigen, die Flucht und Vertreibung verursachten, relativierten oder für ihre eigenen politischen Zwecke instrumentalisierten.

„Wir müssen aus der Vergangenheit lernen. Geschichte darf sich nicht wiederholen“, sagte Rhein. Der Zweite Weltkrieg hatte Tod und Vernichtung über viele Völker Europas gebracht. Rund 15 Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurden zwischen 1945 und 1949 gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. „Trotz dieser gewaltsamen Veränderungen in ihrem Leben haben sich diese Menschen integriert und hier bei uns ein neues Zuhause gefunden. Für rund 1,8 Millionen Menschen wurde Hessen zur Heimat. Damit hat nahezu ein Drittel der hessischen Bürgerinnen und Bürger selbst oder über die familiäre Abstammung ein Vertreibungs- oder Aussiedlerschicksal“, äußerte der Regierungschef und fügte hinzu: „Diese Geschichte und diese Gefühle gehören zusammen. Mir ist es daher sehr wichtig, dass wir den ,Tag der Heimat‘ und den Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation immer wieder gemeinsam begehen.“ Der Gedenktag rufe ins Bewusstsein, dass die deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlerinnen und Aussiedler sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler „genauso zu uns gehören wie wir zu ihnen“. Der Ministerpräsident sicherte den Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern auch künftig „eine besondere Wertschätzung in Hessen“ zu.

Rhein wies auch auf die Leistung der Vertriebenen und Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler für Hessen und Deutschland hin. „Sie haben Hessen und Deutschland mitgeprägt und zu dem gemacht, was es heute ist. Ihre wichtige Aufbauarbeit nach dem Krieg war Grundlage dafür, dass sich das Land positiv entwickeln konnte“, sagte der Ministerpräsident und fügte hinzu: „Wir sind allen Vertriebenenverbänden und Landsmannschaften zutiefst dankbar für das, was sie im Bereich Erinnerungs- und Kulturpflege leisten. Neben der Pflege der Kultur der alten Heimat wirken sie vor allem auch als Brückenbauer in jene Staaten, in denen ihre Herkunftsgebiete heute liegen.“

Der Ministerpräsident forderte, sich stets der eigenen Geschichte bewusst zu sein und würdigte die Erinnerungsarbeit der Heimatvertriebenen. Die Zeitzeugenberichte der Vertriebenen in Schulen oder generationenübergreifenden Projekten seien für viele Jugendliche prägend. Dass Zeitzeugen noch mit über 90 Jahren in die Schulklassen gingen, sei „beeindruckend, wertvoll, berührend und lebendiger Geschichtsunterricht“. „Diese Erzählungen sollen wachrütteln, aufmerksam machen und können dazu beitragen, künftig das zu verhindern, was vor mehr als 80 Jahren passiert ist. Eine so eindringliche Schilderung kann durch kein Geschichtsbuch ersetzt werden.“

Die Heimatvertriebenen seien authentische Zeugen bei der Sensibilisierung für die Herausforderungen der Gegenwart und den bedingungslosen Einsatz für Menschenrechte. „Viele von ihnen werden bei den aktuellen Berichten zum Angriffskrieg gegen die Ukraine und die erzwungene Flucht der Bevölkerung an ihr eigenes Familienschicksal erinnert. Das Wissen um diese Geschichte wach zu halten, heutige Generationen darüber zu informieren, wozu Nationalismus, Hass und das Fehlen von demokratischen Strukturen führen, dazu dient unser Hessischer Gedenktag“, so die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf anlässlich des „Tages der Heimat“.

Hessischer Denkmalschutzpreis würdigt Einsatz, Verstand und Können fürs Kulturerbe Preise im Wert von insgesamt 32.500 Euro vergeben

Preisträger und Preisträgerinnen des Hessischen Denkmalschutzpreises 2022 vor dem Biebricher Schloss mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (m).  © Foto Heike  von Goddenthow
Preisträger und Preisträgerinnen des Hessischen Denkmalschutzpreises 2022 vor dem Biebricher Schloss mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (m). © Foto Heike von Goddenthow

Wiesbaden. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute den Hessischen Denkmalschutzpreis 2022 überreicht. Die Auszeichnung ehrt Privatpersonen und Organisationen, die eine Leidenschaft teilen: Sie haben mit individuellen Lösungen, handwerklich-technischem Geschick und besonderem Einsatz Denkmäler instandgesetzt oder erforscht. Die Preisträgerinnen und Preisträger 2022 kommen aus Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis), Marburg, Kassel, Darmstadt, Alsfeld (Vogelsbergkreis) und Gießen. Zudem ging der Ehrenamtspreis an ein Projekt in Grebenhain-Hartmannshain im Vogelsbergkreis.

„Vom liebevoll restaurierten Fachwerkhaus über die Wiederbelebung von Schlössern, Stadtmauern und Brücken bis hin zum neu genutzten Hallenbad: Die Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises überraschen und begeistern uns mit ihrem Verständnis für das Können früherer Generationen, großer Ausdauer und ihrer Leidenschaft, unser kulturelles Erbe nutzbar und lebendig zu erhalten. Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung!“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Mich beeindruckt die in die Zukunft gerichtete Energie der Menschen, die diese ausgezeichneten Projekte verwirklicht haben. Sie alle engagieren sich für ein behutsames, generationenübergreifendes Weiterentwickeln und Weiterführen regionaler Ressourcen. Ihr Ziel ist es, der nächsten Generation die kulturellen Errungenschaften der Vergangenheit mit all ihren Zeitschichten möglichst unbeschadet zu übergeben – dafür danke ich herzlich und wünsche weiterhin viel Schaffenskraft.“

Für die musikalische Umrahmung sorgten Lilli Schmitt (Violine) und Benjamin Hofmann (Violine) von der Wiesbadener Musik- und Kunstschule.  © Foto Heike  von Goddenthow
Für die musikalische Umrahmung sorgten Lilli Schmitt (Violine) und Benjamin Hofmann (Violine) von der Wiesbadener Musik- und Kunstschule. © Foto Heike von Goddenthow

Der Hessische Denkmalschutzpreis wurde 1986 vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen sowie der hessischen Lotteriegesellschaft ins Leben gerufen. In diesem Jahr wurde er zum 37. Mal vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert; das Geld stiftet die LOTTO Hessen GmbH. Das Preisgeld für die Kategorie „Ehrenamtspreis“ in Höhe von 7.500 Euro stellt die Hessische Staatskanzlei.

Erster Preis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ Schloss Wächtersbach

Schloss Wächtersbach wurde nach jahrelangem Leerstand und Verfall zum neuen Rathaus  1. Preis in der Kategorie Öffentliches Bauen, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke
Schloss Wächtersbach wurde nach jahrelangem Leerstand und Verfall zum neuen Rathaus 1. Preis in der Kategorie Öffentliches Bauen, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke

Der erste Preis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ geht an die Stadt Wächtersbach, vertreten durch Bürgermeister Andreas Weiher, für die Sanierung des Wächtersbacher Schlosses. Der einstige Sitz der Ysenburger stand über Jahrzehnte leer – Verwahrlosung, Hausschwamm, störende Einbauten früherer Nutzungen und ein verfallender Dachstuhl waren die Folge. Die Stadt erwarb das historische Gebäude, um es als neues Rathaus zu nutzen. Die Einbauten wurden beseitigt, der Dachstuhl wurde umfassend erneuert, die historischen Gewölbe konnten behutsam saniert werden. Der Preis ist undotiert.

(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Bürgermeister Andreas Weiher für die Stadt Wächtersbach (nahm den Preis entgegen), Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und Laudator Dipl-Ing. Gerwin Stein. © Foto Diether von Goddenthow
(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Bürgermeister Andreas Weiher für die Stadt Wächtersbach (nahm den Preis entgegen), Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und Laudator Dipl-Ing. Gerwin Stein. © Foto Diether von Goddenthow

Votum der Jury: Das historische Schloss in Wächtersbach überzeugte die Jury in vollem Umfang. Von der Rettungsgeschichte über die jetzt bereits wahrnehmbare Signalwirkung bis zur planerischen- und handwerklichen Umsetzung und der scheinbar mühelosen Integration historischer Sichtfenster begeisterte das Schloss in jeglicher Hinsicht und erlangt einen verdienten ersten Platz.

Zweiter Preis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ Stadtmauer Darmstadt

Preis: 2. Preis in der Kategorie Öffentliches Bauen, Bronzeplakette und Urkunde  für die historische Vorstadtmauer an der Darmstadt Erich Ollenhauer Promenade © Foto Christine Krienke
Preis: 2. Preis in der Kategorie Öffentliches Bauen, Bronzeplakette und Urkunde für die historische Vorstadtmauer an der Darmstadt Erich Ollenhauer Promenade © Foto Christine Krienke

Den zweiten Preis in der Kategorie „Öffentliches Bauen“ bekommt die TU Darmstadt, vertreten durch Architektin Martina Ißbrücker, für die Sanierung der alten Stadtmauer in Darmstadt. Das Bauwerk an der Erich-Ollenhauer-Promenade verfiel zusehends. Behutsam wurde das nicht mehr zu rettende Fugenmaterial Stück für Stück ausgetauscht, die Patina stabilisiert und die wiederentdeckten Schießscharten gesichert. Informationstafeln und Aufenthaltsbereiche ergänzen die neu gewonnene Anlage. Der Preis ist undotiert.

Votum der Jury: Die Sanierung der alten Stadtmauer in Darmstadt überzeugte die Jury nicht alleine durch ihre hervorragende Umsetzung. Der ideelle Ansatz der Universität, die Initiative, einen vergessenen Ort der Geschichte nicht nur zu erhalten, sondern an die Öffentlichkeit zurückzugeben, wurde besonders gewürdigt. Der sorgsame Umgang mit den verschiedenen Zeitschichten und die individuellen Lösungen, um diese auch für Besucherinnen und Besucher erleb- und wahrnehmbar zu erhalten, rundete ein insgesamt vorbildliches Projekt ab.

Erster Preis „Transformatives Bauen“  Hallenbad Ost Kassel-Bettendorf

Hallenbad Ost in Kassel-Bettendorf 1. Preis in der Kategorie Transformatives Bauen: Geldpreis 7500 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke
Hallenbad Ost in Kassel-Bettendorf 1. Preis in der Kategorie Transformatives Bauen: Geldpreis 7500 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke

Auch in der Kategorie „Transformatives Bauen“ gibt es zwei Preise. Der erste Preis ehrt Marc Köhler, Thomas Meyer und Keivan Karampour von Karampour + Meyer Architekten PartmbB. Sie haben das ehemalige Hallenbad Ost in Kassel zu einem Ort für Veranstaltungen, Büros und Praxen umgestaltet und bekommen 7.500 Euro Preisgeld. Die Preisträger achteten besonders auf die Restaurierung der für die Bauhauszeit typischen Fensterfronten und reparierten behutsam Fußböden, Fliesen, Holztreppen und Wandbeläge.

(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, die Preisträger Dipl. Ing. Marc Köhler, Dipl. Ing. Thomas Meyer, Dipl. Ing. Keivan Karampour und Laudator Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn machte den Gag mit und nahm im Kasseler Liegestuhl Platz, Symbol für’s „Abhängen“ im Ostbad, in dem zur Zeit die documenta fifteen Gast ist. Wer jetzt zu Besuch käme, so die Preisträger, können Bad und documenta gleichzeitig erleben. Anders als die documenta, so Harzenetter augenzwinkernd, sei das Kasseler Ostbad nicht umstritten. © Foto Diether von Goddenthow
(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, die Preisträger Dipl. Ing. Marc Köhler, Dipl. Ing. Thomas Meyer, Dipl. Ing. Keivan Karampour und Laudator Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn machte den Gag mit und nahm im Kasseler Liegestuhl Platz, Symbol für’s „Abhängen“ im Ostbad, in dem zur Zeit die documenta fifteen Gast ist. Wer jetzt zu Besuch käme, so die Preisträger, können Bad und documenta gleichzeitig erleben. Anders als die documenta, so Harzenetter augenzwinkernd, sei das Kasseler Ostbad nicht umstritten. © Foto Diether von Goddenthow

Votum der Jury: Die Jury lobte die konsequente und mutige Instandsetzung (2019-2021) eines vom langen Leerstand geprägten Großbaus durch engagierte Kasseler Architekten. Sie zeigte sich überzeugt von dem handwerklich überzeugenden Umgang mit der durch Kriegsschäden und spätere Eingriffe in Mitleidenschaft gezogenen historischen Bausubstanz. Einstimmig bewertete sie die reversiblen, das neue Nutzungskonzept ermöglichenden modernen Einbauten als stimmig und die Atmosphäre des Raumes fördernd. In höchstem Maße beeindruckt zeigte sie sich von der städtebaulichen Wirkung des Ensembles: Eindrucksvoll sei es gelungen, aus dem ehemaligen Hallenbad wieder ein Ort der Begegnung und der Kommunikation zu machen.

Zweiter Preis für transformatives Bauen für Alte Post in Gießen

Alte Post und ehemaliges Telegraphenamt in Gießen. 2. Preis in der Kategorie Transformatives Bauen: Geldpreis 5000 €, Bronzeplakette und Urkunde  © Foto Christine Krienke
Alte Post und ehemaliges Telegraphenamt in Gießen. 2. Preis in der Kategorie Transformatives Bauen: Geldpreis 5000 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke

Der zweite Preis für transformatives Bauen geht an Kai Laumann. Er hat die Alte Post und das ehemalige Telegraphenamt in Gießen zu einem Ort der Gastronomie, Wissenschaft, Gesundheit und Dienstleistungen gemacht. In beiden Gebäuden wurden jeweils etwa 100 historischen Fenster erhalten und aufgearbeitet. Historische Deckenkonstruktionen, gusseiserne Stützen und die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Treppenhäuser prägen die besondere Atmosphäre des Raumes. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.

(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Preisträger Kai Laumann, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Laudator Dipl.-Ing. Arch. Olaf Köhler sowie Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. © Foto Diether von Goddenthow
(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Preisträger Kai Laumann, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Laudator Dipl.-Ing. Arch. Olaf Köhler sowie Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. © Foto Diether von Goddenthow

Votum der Jury: Mit einem hohen Maß an Idealismus, Risikobereitschaft und denkmalpflegerischer Sensibilität hat Kai Laumann die Alte Post und das ehemalige Telegraphenamt in Gießen instandsetzen lassen und mit einer neuen Nutzung versehen. Neben der beachtlichen Signalwirkung eines für Gießen und die Gießener Stadtentwicklung wichtigen Industriedenkmales lobte die Jury auch die handwerklich gelungene Umsetzung und stellte besonders die sorgfältige Arbeit an der Fassade heraus.

Erster Preis Kategorie „Privates Bauen“ für Tagelöhnerhaus in Marburg

Tagelöhnerhaus Marburg 1.Preis in der Kategorie Privates Bauen, 7500 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke
Tagelöhnerhaus Marburg 1. Preis in der Kategorie Privates Bauen, 7500 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke

Den ersten Preis in der Kategorie „Privates Bauen“ hat Katja Berkling gewonnen. Sie hat das Tagelöhnerhaus in Marburg-Dilschhausen restauriert und dabei besonders auf Details geachtet: So sind die Esse und die unebenen Wände, die den Charakter und den besonderen Charme des Hauses prägten, erhalten geblieben. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert.
Trotz seines vernachlässigten Zustandes erwarb Katja Berkling das 1712 erbaute Tagelöhnerhaus in Marburg-Dilschhausen mit Garten und ließ es 2018-2021 sanieren, wobei sie selbst mit Hand anlegte. Nach dem Tod der letzten Eigentümerin hatte es lange leer gestanden und war schließlich an das Land Hessen gefallen. Das marode Fachwerkgefüge wurde ertüchtigt, das Dach mit Biberschwanzziegeln gedeckt, historische Fenster und die Haustüre repariert. Auch die Innentüren, Dielenböden, die historischen Putze und eine historische Bemalung konnten aufwändig gesichert werden und sind nun wieder Teil eines besonderen Wohnerlebnisses in einem Gebäude mit einer nur sehr geringen Wohnfläche. In enger Absprache mit den Denkmalbehörden war es möglich, einen Teil des Dachgeschosses als Empore auszubauen, wodurch ein offener, luftiger Raum entstand. Auf diese Weise ist die Zukunft der Tagelöhnerhäuser im Kreis Marburg-Biedenkopf zumindest durch dieses liebevoll sanierte Objekt mit Selbstversorgergarten gesichert.

(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Preisträgerin: Katja Berkling, Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Laudator Dr. med. Friedrich © Foto Diether von Goddenthow
(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Preisträgerin: Katja Berkling, Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Laudator Dr. med. Friedrich © Foto Diether von Goddenthow

Votum der Jury: Die Instandsetzung des Tagelöhnerhauses in Dilschhausen überzeugte die Jury vor allem aufgrund der durchweg stimmigen und hochwertigen handwerklichen Umsetzung sowohl im Innenraum als auch an der Gebäudehülle. Im Inneren lobte die Jury den liebevollen Erhalt von Details – etwa die Beibehaltung der Esse und der unebenen Wände – die den Charakter und den besonderen Charme des Hauses prägten. Auch von der behutsamen Anpassung der Haustechnik an einen zeitgemäßen Wohnstandard zeigte sie sich überzeugt und lobte die besondere Identifikation der Preisträgerin mit dem Objekt.

Zweiter Platz  Kategorie „Privates Bauen“ für Haus Helbig in Alsfeld

2. Preis in der Kategorie Privates Bauen: Geldpreis 5000 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke
2. Preis in der Kategorie Privates Bauen: Geldpreis 5000 €, Bronzeplakette und Urkunde © Foto Christine Krienke

Den zweiten Platz in der Kategorie „Privates Bauen“ bekommt Rudolf Knierim für sein Projekt Haus Helbig in Alsfeld. Er hat das Fachwerkhaus in der historischen Kernstadt von Alsfeld instandgesetzt und damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Altstadtensembles geleistet. Vor allem die Instandsetzung der Innenräume mit vielen liebevollen Details ist hervorragend gelungen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Rudolf Knierim erwarb das um 1800 erbaute Haus Helbig, um sein in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegenes Elternhaus vor Veränderungen zu schützen. „Ich liebe meine Heimatstadt Alsfeld und den wunderbaren Altstadtkern“, sagt Knierim, der das Gebäude 2017 – 2021 sanieren ließ. Die Wirkung der Fassade für die Gesamtwirkung des historischen Stadtkerns war ihm dabei besonders wichtig. Im Inneren konnten Türen, Dielen, Treppen, Brüstungsgitter, Fliesen und sogar die historischen Gussheizkörper gesichert, gereinigt und aufgearbeitet werden. Die Haustechnik wurde modernisiert und ebenso behutsam in das Raumgefüge integriert wie eine auf das Gebäude abgestimmte Dämmung. „Mit der Instandsetzung des Gebäudes möchte ich ein Beispiel dafür geben, wie ein Denkmal sorgsam wieder hin zum ursprünglichen Zustand entwickelt werden kann und aufzeigen, dass es dadurch wieder Teil des Ganzen wird“, sagt Knierim. Besonders stolz ist er auf die in der Formensprache der 1920er Jahre gestaltete Schaufensterfassade.

(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Preisträger Rudolf Knierim (Bauherr u Architekt), Laudator Dipl.-Ing. Karl Heinz Waschkowitz sowie Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. © Foto Diether von Goddenthow
(vli.)Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Preisträger Rudolf Knierim (Bauherr u Architekt), Laudator Dipl.-Ing. Karl Heinz Waschkowitz sowie Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. © Foto Diether von Goddenthow

Votum der Jury: Mit viel Optimismus, Risikobereitschaft und Gespür für historische Bausubstanz hat Rudolf Knierim ein Fachwerkhaus in der historischen Kernstadt von Alsfeld instandgesetzt und damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Altstadtensembles geleistet. Die Jury war sich darin einig, dass die Aufwertung der Fassade durch historisch korrekte Fensternachbauten vorbildlich für den Erhalt der Gesamtwirkung des historischen Stadtkerns ist. Sie lobte auch die handwerkliche Umsetzung im Inneren mit dem Erhalt der vielen baulichen Details. Auch von der geplanten Nutzung des Gebäudes durch Vermietung als Ferienwohnung profitiere Alsfeld zweifellos.

Ehrenamtspreis an Verein Historische Brücke Hartmannshain Brückensanierung

Historische Brücke in Hartmannshain -Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises, 7500 €, Award und Urkunde © Foto Christine Krienke
Historische Brücke in Hartmannshain -Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises, 7500 €, Award und Urkunde © Foto Christine Krienke

Der von der Hessischen Staatskanzlei gestiftete Ehrenamtspreis geht an den Verein Historische Brücke Hartmannshain und ist mit 7.500 Euro dotiert. Als in Hartmannshain im Vogelsbergkreis die Brücke abgerissen werden sollte, gründeten die Einwohnerinnen und Einwohner einen Förderverein, verhinderten mit Unterschriften und Spenden den Abriss und kümmerten sich selbst um die Sanierung: Die Vereinsmitglieder ersetzten Pfosten, ließen das historische Pflaster freilegen und das Trag- und Mauerwerk sichern.

(vli.) Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn,  Der erste Vorsitzende von „Historische Brücke Hartmannshain e. V“. Gerd Köhler nahm den Preis entgegen, Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen sowie die Laudatorin Dr. Martina Schaad. © Foto Diether von Goddenthow
(vli.) Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Der erste Vorsitzende von „Historische Brücke Hartmannshain e. V“. Gerd Köhler nahm den Preis entgegen, Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen sowie die Laudatorin Dr. Martina Schaad. © Foto Diether von Goddenthow

Hessens Chef der Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, würdigte den leidenschaftlichen Einsatz der Menschen für Kulturschätze: „Das ehrenamtliche Engagement ist auch im Bereich von Bauten und Denkmälern eine nicht wegzudenkende Stütze. Bürgerinnen und Bürger wie Gerd Köhler nehmen sich in ihrer Freizeit unentgeltlich und mit Herzblut Herausforderungen wie der Sanierung der Historischen Brücke Hartmannshain an. Hierzu hat er eigens den Verein ‚Historische Brücke Hartmannshain e. V.‘ gegründet. Das verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung. Ich freue mich daher, dass der Ehrenamtspreis auch in diesem Jahr wieder vergeben werden kann.“ In Hessen engagieren sich über zwei Millionen Menschen ehrenamtlich.

„Bei unserer zweitägigen Juryreise durch ganz Hessen haben wir wieder großartige Projekte kennengelernt. Die Bandbreite reicht von einem liebevoll instandgesetzten Tagelöhnerhauses in Marburg-Dilschhausen über die Rettung einer Brücke in Hartmannshain im Vogelsbergkreis bis zur Wiederbelebung des Schlosses Wächtersbach. In allen Fällen haben die Beteiligten hervorragendes Gespür und beispielloses handwerkliches Geschick im Umgang mit der historischen Bausubstanz bewiesen. Diese vorbildlichen Maßnahmen sind in doppelter Hinsicht nachhaltig, denn nicht nur wird bereits gebundene ,graue Energie‘ weiter genutzt, auch der soziale Zusammenhalt in den Orten wird gestärkt – das bietet den Menschen Heimat und Identität und ermutigt Interessierte, Ähnliches zu wagen“, so Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

Martin Blach, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, ergänzt: „Das kulturelle Erbe in Hessen zu erhalten, dafür steht seit 1986 der Hessische Denkmalschutzpreis, aber auch unsere Rubbelloslotterie. Denn sämtliche Erträge aus dem Verkauf der Rubbellose fließen in den hessischen Denkmalschutz – mehr als 80 Millionen Euro sind auf diese Weise bereits in den vergangenen 36 Jahren zusammengekommen. Das macht uns stolz und motiviert uns zusätzlich, auch für die Zukunft mit unseren Produkten dazu beizutragen, dass die historische Bausubstanz vieler hessischer Dörfer und Städte wieder in neuem Glanz erstrahlen kann.“

Ausführliche Informationen zu den Objekten einschließlich Fotomaterial gibt es unter hessenlink.de/denkmalschutzpreis22.

Kampagnenstart „Hey, Europe!“ Festival in Hanau am 24.09.22

hey-europe-24-09-22Bereits seit dem letzten Jahr arbeitet das Europaressort gemeinsam mit einem Team von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Hessen an der Planung einer Jugend-Europa-Konferenz. Daraus entstanden ist ein spannendes Mitmachkonzept für junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren in Festivalform. Unter dem Motto „Hey, Europe! #wirmacheneuropa“ wird das Festival eine Plattform bieten, sich aktiv an der Gestaltung Europas zu beteiligen. Rund zweieinhalb Monate vor dem 24. September 2022 ist die Anmeldephase und die Kampagne für das Festival gestartet. So kann man sich ab sofort auf der Festivalwebseite www.heyeurope.de für Workshops und andere Events auf dem Festival registrieren und Stück für Stück den Fortschritt der Festivalplanungen verfolgen. In den sozialen Medien wird darüber hinaus für eine Teilnahme an dem Festival geworben.

Europaministerin Lucia Puttrich erläuterte zum Hintergrund des Festivals: „Dieses Jahr ist das europäische Jahr der Jugend. Für uns ist das keine Floskel, sondern wir haben uns vorgenommen, konkrete Angebote zu machen, um Jugendliche und ihre Meinungen in unsere Arbeit einzubeziehen. Denn eines steht fest: Die großen Themen, die uns derzeit bewegen sind Herausforderungen, bei denen wir einen langen Atem zur Lösung benötigen. Was ist die beste Strategie zwischen der drohenden Energieknappheit und unserem Kampf gegen den Klimawandel? Wie können wir die Digitalisierung gestalten, ohne der Innovationsfreude Ketten anzulegen? Wie sehen Jugendliche die moderne Gesellschaft von morgen? Und ja, wie können wir unseren Wohlstand erhalten und unsere Verantwortung in der Welt wahrnehmen? Mit dem Hey, Europe! Festival gehen wir als Landesregierung neue Wege. Wir hören den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu, bieten Raum zur Diskussion und sind fest entschlossen, die Ergebnisse in unsere politische Arbeit einfließen zu lassen. Das Festival ist deshalb kein Feigenblatt, sondern ein Angebot, gemeinsam und generationenübergreifend unsere Zukunft zu gestalten.“

„Die Diskussionen auf dem Hey, Europe! Festival werden deshalb vielfältig, bunt und kontrovers sein“, kündigte Europaministerin Lucia Puttrich an und ergänzte: „Mit dem Festival wollen wir Jugendlichen zeigen, dass sie und ihre Themen ernst genommen werden und dass es die Verantwortung der Handelnden ist, auch eine Politik für die nachfolgenden Generationen zu machen. Ich werbe deshalb in der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft und in der Kunstszene dafür, sich auch als Erwachsener mit seinem Know-How an dem Festival zu beteiligen. Entweder als Themenpaten oder als Gesprächspartner für die Festivalteilnehmerinnen und -teilnehmer. Insoweit verstehe ich das Hey, Europe! Festival auch als Chance, sich über die Generationen hinweg auszutauschen.“

Während des Festivals werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Form verschiedener Partizipationsformate, wie zum Beispiel Workshops, Planspielen und Paneldiskussionen, Ideen sammeln und sich zu diesen austauschen. Moderiert und begleitet werden die unterschiedlichen Foren von Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Zudem gibt es ein buntes Programm aus Musik, Kunst und Kultur. Tickets können ab sofort über die Event-Webseite www.heyeurope.de gebucht werden. Der Eintritt ist kostenlos.

Boris Rhein zum neuen Hessischen Ministerpräsidenten gewählt

Staffelübergabe. Ministerpräsident a.D. Volker Bouffier empfängt den neu gewählten Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein vor der Wiesbadener Staatskanzlei zur symbolischen Staffelübergabe. © Foto Diether v. Goddenthow
Staffelübergabe. Ministerpräsident a.D. Volker Bouffier empfängt den neu gewählten Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein vor der Wiesbadener Staatskanzlei zur symbolischen Staffelübergabe. © Foto Diether v. Goddenthow

Mit insgesamt 74-Ja-Stimmen, davon 4 aus der Opposition, ist Boris Rhein als Volker Bouffiers Nachfolger heute im Hessischen Landtag zum neuen Hessischen Ministerpräsidenten gewählt worden. Mit seiner Wahl einher  ging auch eine Umbildung des  Kabinetts. Diesem wird nicht mehr die langjährige hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann angehören. Der neue Ministerpräsident Boris Rhein dankte Eva-Kühne-Hörmann, die  sich „um unser Land und die hessische Justiz in besonderer und vielfältiger Weise verdient gemacht hat“. Eva Kühne-Hörmann rückt nun mit  Rücktritt und Mandatsniederlegung des ehemaligen Ministerpräsidenten Volker Bouffier als Landtagsabgeordnete nach und wird wieder Mitglied der CDU-Fraktion.
Boris Rhein dankte vor allem auch Justiz-Staatssekretär Thomas Metz sowie dem Sprecher der Landesregierung, Michael Bußer, für ihre über viele Jahre geleistete Arbeit in der Landesregierung.

Boris Rhein präsentiert in der Staatskanzlei das   neue Kabinett der Hessischen Landesregierung. © Foto Diether v. Goddenthow
Boris Rhein präsentiert in der Staatskanzlei das neue Kabinett der Hessischen Landesregierung. © Foto Diether v. Goddenthow

Als neuen Minister der Justiz, berief Boris Rhein Prof. Dr. Roman Poseck, und zu seiner Staatssekretärin, Tanja Eichner. Roman Poseck habe sich nicht zuletzt durch seine erfolgreiche Arbeit als Präsident des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen und Präsident des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main eine hohe Reputation und großes Vertrauen innerhalb der Hessischen Justiz und Landesregierung erworben. Beiden wünschte er alles Gute und viel Erfolg im neuen Amt.

Nach der heutigen Landtagssitzung empfing  Vorgänger Volker Bouffier seinen Nachfolger Boris Rhein in der Staatskanzlei zur Staffelübergabe.

Die neue Hessische Landesregierung nahm mit ihrer ersten Kabninettssitzung gleich ihre Arbeit auf. © Foto Diether v. Goddenthow
Die neue Hessische Landesregierung nahm mit ihrer ersten Kabninettssitzung gleich ihre Arbeit auf. © Foto Diether v. Goddenthow

Boris Rhein stellte sich den Fragen der Presse und präsentierte  sein neues Kabinett bei einem Fototermin, bevor dies in einer  ersten Sitzung seine Arbeit aufnahm.

Feierliche Verabschiedung von Ministerpräsident Volker Bouffier am 30. Mai 2022 mit Serenade im Schloss Biebrich nach 12 Jahren im politischen Dienste Hessens

Abschied von Ministerpräsidenten Volker Bouffier, hier mit Ehefrau Ursula, bei der Serenade im Biebricher Schlosshof am 30.5.2022 © Foto Diether v. Goddenthow
Abschied von Ministerpräsidenten Volker Bouffier, hier mit Ehefrau Ursula, bei der Serenade im Biebricher Schlosshof am 30.5.2022 © Foto Diether v. Goddenthow

Nach Jahrzehnten im politischen Dienste Hessens wird Ministerpräsident Volker Bouffier mit musikalischen Ehren durch die Bundeswehr feierlich verabschiedet – Über 600 Gäste sind geladen

Wiesbaden. Seit nunmehr fast zwölf Jahren ist Volker Bouffier Ministerpräsident des Landes Hessen. Er wurde am 31. August 2010 von den Abgeordneten des Hessischen Landtags gewählt und ist heute der dienstälteste Regierungschef in Deutschland. Sein politisches Wirken in und für Hessen reicht jedoch weit länger zurück. So war Bouffier unter anderem von 1987 bis 1991 Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz und von 1999 bis 2010 Hessischer Minister des Innern und für Sport. Am heutigen Dienstag, 31. Mai 2022, erklärte der amtierende Ministerpräsident Volker Bouffier vor dem Hessischen Landtag seinen Rücktritt erklären.

Zu seiner Verabschiedung aus dem Amt fand  ihm zu Ehren am gestrigen Vorabend, dem 30. Mai 2022 eine feierliche Serenade im Schloss Biebrich statt. Über 600 geladene Gäste wohnten diesem Ereignis bei. Darunter der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, als Vertreter des amtierenden Bundespräsidenten und die amtierende Ministerpräsidenten Malu Dreyer aus dem Nachbarland Rheinland-Pfalz. Zugegen waren auch der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Ministerpräsident Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen und der amtierende Bundesratspräsident und thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow, die beide ein Grußwort hielten.

Unter den Gästen waren zudem viele politische Weggefährten und Freunde des Ministerpräsidenten, zudem Vertreter der Kirchen, der Medien, aus der Wirtschaft, dem Sport und der Gesellschaft. Das gesamte Hessische Kabinett war vor Ort, ebenso Repräsentantinnen und Repräsentanten aller hessischer Verfassungsorgane. Darunter Abgeordnete des Hessischen Landtags, der Hessischen Landesbehörden und dem Rechnungshof.

Nach dem Eintreffen der Gäste am frühen Abend fand im Biebricher Schloss ein Empfang sowie ein Defilee statt, bei dem der  Noch-Ministerpräsident Volker Bouffier und seiner Gattin Ursula zahlreiche seiner Wegbegleiter und Freunde ganz persönlich begrüßen und Glückwünsche entgegennehmen konnte. Gegen 21 Uhr fand die eigentliche Verabschiedung mit Reden und Grußworten statt. Den Reigen der sehr persönlichen und herzlichen Redebeiträge eröffnete der stellvertretende Hessische Ministerpräsident, Staatsminister Tarek Al-Wazir. Im Anschluss folgte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Ministerpräsident Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen. Der amtierende Bundesratspräsident und thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow sprach zuletzt, und hob die lange Verbindung zwischen ihm und dem Ministerpräsidenten hervor. Ministerpräsident Volker Bouffier dankte allen seinen Vorrednern und die an diesem Tag gekommen waren, ganz herzlich.

Gegen 21.40 Uhr begann mit  dem Einzug des Fackelzuges des Heeresmusikkorps der Bundeswehr Kassel und Aufstellung vor dem Schloss die Serenade unter Leitung von Oberstleutnant Tobias Terhardt.

Ursprünglich verstand man unter einer Serenade ein nächtliches Ständchen. Mittlerweile ist sie im deutschsprachigen Raum als militärische Ehrenbekundung besser bekannt. Im Vergleich zum Großen Zapfenstreich für verdiente Persönlichkeiten auf Bundesebene, der als ein Element ebenfalls eine Serenade vorsieht, gilt sie als kleinere Form der Würdigung. Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wird diese Ehre in Deutschland zuteil, wenn sie zehn Jahre oder länger im Amt waren.

Gespielt wurden folgende Lieder

Beeindruckend der große Fackelzuges des Heeresmusikkorps  Kassel der Bundeswehr im  Schlosspark Biebrich zu Beginn der Serenade unter Leitung von Oberstleutnant Tobias Terhardt. © Foto Diether v. Goddenthow
Beeindruckend der große Fackelzuges des Heeresmusikkorps Kassel der Bundeswehr im Schlosspark Biebrich zu Beginn der Serenade unter Leitung von Oberstleutnant Tobias Terhardt. © Foto Diether v. Goddenthow

1. Hoch Heidecksburg
Im Jahr 1912 wurde dieser Konzertmarsch vom Militärmusiker Rudolf Herzer aus Thüringen komponiert. Er trägt deshalb den Namen, weil Herzers Militärverband im Schloss Heidecksburg in Rudolstadt stationiert war. Schlagerfans wird die Melodie bekannt vorkommen: In einer abgeänderten Form ist der Marsch als Titellied der ARD-Sendung „Frühlingsfest der Volksmusik“ bekannt.

2. Hessischer Fahnenmarsch
Dieser Marsch wurde von Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt im Jahr 1732 komponiert.

3. Die Gedanken sind frei (Auf Wunsch des Ministerpräsidenten)
Freiheit – ein Grundpfeiler von Demokratien, die es gerade in der aktuellen Zeit mehr denn je zu verteidigen gilt.

4. One Moment in Time (Auf Wunsch des Ministerpräsidenten)
Der Song von Whitney Houston ist ein Appell, an sich selbst zu glauben. Ob im Sport, in der Politik oder im persönlichen Umfeld – das Leben hält viele Herausforderungen bereit, die es zu meistern gilt. Der Song galt auch als inoffizielle Hymne der Olympischen Spiele von 1988 in Seoul.

5. Wind of Change/Hinterm-Horizont Medley
Der Mauerfall und die Deutsche Einheit gehörten zu den prägendsten politischen Ereignissen im Leben von Ministerpräsident Bouffier. Der Song „Wind of Change“ von den Scorpions ist untrennbar mit diesen Ereignissen verbunden. Und auch Udo Lindenberg träumte während der deutsch-deutschen Teilung im Lied „Mädchen aus Ostberlin“ vom Rockfestival auf dem Alexanderplatz mit den Rolling Stones und ′ner Band aus Moskau. Das Musical Hinterm Horizont handelt von diesem Land hinter dem Eisernen Vorhang und erzählt eine Liebesgeschichte von zwei Menschen, die durch die Mauer getrennt sind.

6. Made in Hessen (Hessen-Medley)
Von Bill Ramsey bis zu den Rodgau Monotones – an dieser Stelle wird es ein Medley mit Liedern von Musikerinnen und Musikern aus Hessen geben.

7. My Way (Auf Wunsch des Ministerpräsidenten)
Die USA lösten beim Ministerpräsidenten schon als Kind eine Faszination aus. „My Way“ von Frank Sinatra steht dafür sinnbildlich. Die tiefe Verbundenheit und der enge Austausch mit Repräsentanten des Landes war ihm während seiner gesamten Zeit in der Politik ein wichtiges Anliegen.

Im Anschluss:
8. Europahymne
9. Deutsche Nationalhymne

Wo konnte man die Serenade live mitverfolgen?
Der Hessische Rundfunk hatte die Verabschiedung am Abend ab 21 Uhr im HR-Fernsehen live übertragen.
Auf den Online- und Social-Media-Kanälen der Hessischen Landesregierung gab es zudem ab frühem Nachmittag aktuelle Informationen und Hintergrundeinblicke von der Veranstaltung.
www.hessen.de
www.twitter.com/RegHessen – Hashtag: #AbschiedBouffier
www.facebook.com/hessen.de
www.instagram.com/RegierungHessen

Hessische Landesregierung verlängert Corona-Basisschutzverordnung bis zum 22. Juni 2022

Ministerpräsident Volker Bouffier. „Um den positiven Trend in der Pandemie nicht zu gefährden, werden wir die wenigen Basisschutzmaßnahmen weiter benötigen“ © Foto Diether v. Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. „Um den positiven Trend in der Pandemie nicht zu gefährden, werden wir die wenigen Basisschutzmaßnahmen weiter benötigen“ © Foto Diether v. Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Um den positiven Trend in der Pandemie nicht zu gefährden, werden wir die wenigen Basisschutzmaßnahmen weiter benötigen“

Wiesbaden. Die Hessische Landesregierung hat die aktuelle Corona-Schutzverordnung um weitere vier Wochen verlängert. „Die Zahl der Neuinfektionen sinkt kontinuierlich, momentan werden immer weniger Menschen aufgrund schwerer Verläufe in Krankenhäuser eingeliefert. Das ist zunächst einmal ein sehr positiver Trend. Mit Blick auf die bevorstehende Zeit werden wir die wenigen Basisschutzmaßnahmen, die wir noch haben, weiter benötigen, um diesen Trend nicht zu gefährden“, erklärte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. „Wir rechnen speziell in den kommenden Monaten mit mehr Fahrgästen in Bussen und Bahnen. Die Maskenpflicht wird dort also wichtig bleiben, um die Zahl der Neuinfektionen weiter niedrig zu halten“, so der Regierungschef. Außerdem betonte er, dass man weiterhin die vulnerablen Gruppen schützen müsse, um schwere Krankheitsverläufe möglichst zu vermeiden. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die bisherigen Regeln für die nächsten vier Wochen beizubehalten“, sagte Bouffier. Sie gelten nun ab dem 26. Mai bis zum 22. Juni 2022.
Die aktuelle Corona-Schutzverordnung sieht eine Maskenpflicht noch bei Pflegediensten und in Bussen und Bahnen (ÖPNV und Fernverkehr) vor. Sie gilt auch in Krankenhäusern und in Alten- und Pflegeheimen, dort gibt es auch eine Testpflicht für das Personal und Besucherinnen und Besucher.
Positiv Getestete müssen sich weiterhin fünf Tage in Isolation begeben.

Hessische Landesregierung ändert die Corona-Schutzverordnung – Ab 7.2.2022 wird die G2-Regel im Einzelhandel aufgehoben

Ministerpräsident Volker Bouffier © Foto Diether v. Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier © Foto Diether v. Goddenthow

Ministerpräsident Bouffier: „Wir sorgen für Entlastung im Handel und bei Veranstaltungen – der Schutz der Bürgerinnen und Bürger steht weiterhin an oberster Stelle“

Wiesbaden. Die Hessische Landesregierung hat Änderungen an der Coronavirus-Schutzverordnung beschlossen. Diese betreffen insbesondere die Abschaffung der 2G-Regelung im gesamten Einzelhandel sowie neue Vorgaben für Großveranstaltungen, zu denen wieder mehr Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen werden können. „Wir ermöglichen damit mehr Freiheiten, gleichzeitig schützen wir die Menschen durch klare Vorgaben: Beim Einkaufen muss zukünftig eine FFP2-Maske getragen werden. Und bei Großveranstaltungen gilt auch weiterhin die 2G-Plus-Regel“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier. Die Verordnung tritt am Montag, den 7. Februar in Kraft.

Bouffier hatte bereits am Mittwoch dazu eine Erklärung im Hessischen Landtag abgegeben und betont, für diese beiden Bereiche habe es in der vergangenen Ministerpräsidentenkonferenz noch keine zufriedenstellende Lösung gegeben. „Umso mehr begrüße ich es, dass sich die Länder jetzt auf einheitliche Regelungen bei Veranstaltungen geeinigt haben. Ich bin überzeugt: Das steigert die Verständlichkeit und Akzeptanz der Maßnahmen. Mit der neuen einheitlichen Regel für öffentliche Veranstaltungen verbessern wir auch die Situation innerhalb der Branche und wirken den Existenzsorgen vieler Kulturschaffender und Amateur- und Profisportvereinen entgegen“, sagte der Regierungschef.

Bei Großveranstaltungen im Freien dürfen zukünftig bis zu 50 Prozent der Plätze besetzt werden – höchstens aber 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauer bzw. Teilnehmende. Im Innenbereich wird die Auslastung auf maximal 30 Prozent und bis zu 4.000 Besucherinnen und Besucher begrenzt. Die prozentualen Begrenzungen greifen drinnen und draußen ab dem 250. Platz. Das heißt, die ersten 250 Plätze können voll besetzt werden. „Das ist wichtig, damit auch kleinere Veranstaltungen eine Perspektive haben“, so der Ministerpräsident. Die Teilnahme ist weiterhin nur für Geimpfte und Genesene möglich, drinnen greift ab 10 Teilnehmenden und draußen ab 250 Teilnehmenden die 2-G-Plus-Regel.

Im hessischen Einzelhandel wird die 2G-Regel – wie in mehreren anderen Bundesländern auch – hingegen aufgehoben. „Das sorgt für Klarheit“, so der Ministerpräsident. „Wir unterscheiden jetzt nicht mehr zwischen Grundbedarf und dem übrigen Einzelhandel, sondern behandeln diese Bereiche gleich. Damit entfallen insbesondere die aufwändigen Zugangskontrollen. Zugleich erhöhen wir den Schutz der Kundinnen und Kunden, indem wir das Tragen einer FFP2-Maske ab 16 Jahren verbindlich vorschreiben, und zwar hessenweit in allen Geschäften, also auch in Supermärkten“, erklärte der Ministerpräsident. Bouffier betonte, dass die Pandemie noch nicht beendet sei. Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger stehe weiterhin an oberster Stelle. „Maßgeblich für uns ist immer das Kriterium, unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Derzeit ist dies in Hessen nicht der Fall“, so der Regierungschef.

Die Situation an den Kliniken sei aktuell „beherrschbar“. Daher nehme man auch von der Hotspot-Regelung Abstand, die etabliert wurde, als die Delta-Variante dominant gewesen sei. Die Hotspot-Regelung griff bislang in allen Städten und Landkreisen mit einer Inzidenz über 350. Das ist derzeit in ganz Hessen der Fall.

Die mittlerweile vorherrschende Omikron-Variante sei zwar deutlich ansteckender und die Infektionszahlen entsprechend höher. Gleichzeitig erkrankten weniger Infizierte derart schwer, dass sie auf einer Intensivstation behandelt werden müssten. „Deshalb können wir die Hotspot-Regelung aufheben. Damit entfällt bspw. die Maskenpflicht in Fußgängerzonen und das Verbot von Alkoholkonsum an belebten Plätzen“, sagte Bouffier. Auch Prostitutionsstätten dürften mit 2G-Plus-Regel, Kontaktdatenerfassung sowie Abstands- und Hygienekonzept wieder öffnen.

Gleichzeitig gilt – wegen des hohen Infektionsrisikos – die 2G-Plus-Regel für Innenräume jetzt landesweit und inzidenzunabhängig. Bei Veranstaltungen mit mehr als 10 Teilnehmenden, in Kinos, im Restaurant und beim Hallensport müssen alle Gäste, Teilnehmende und Zuschauerinnen und Zuschauer die 2G-Plus-Regel erfüllen. „Wir müssen weiterhin vorsichtig und besonnen bleiben und unsere Schritte sorgfältig abwägen, um die Pandemie hoffentlich nach und nach einzudämmen und der Normalität wieder ein Stück näher zu kommen“, so der Hessische Regierungschef abschließend.

Sollte die Hospitalisierungsinzidenz in Hessen über den Wert von 9 steigen oder 400 Intensivbetten belegt werden, wird die Landesregierung über weitere Schritte beraten, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Aktuell liegt die Hospitalisierungsinzidenz in Hessen bei 6,93. Es sind 216 Intensivbetten belegt.

Abschließend betonte Ministerpräsident Volker Bouffier nochmals die Bedeutung des Impfens: „Impfen schützt immer noch am besten vor schweren Verläufen“.

Die folgenden Regeln gelten ab dem 7. Februar bis zum 6. März 2022:
 Für öffentliche Veranstaltungen, zum Beispiel Kultur- und Sportveranstaltungen, gilt inzidenzunabhängig:

o Im Freien:

  • max. 10.000 Teilnehmer/Zuschauer
  • ab dem 250. Platz max. 50 Prozent Auslastung
  • 2G über 10 Teilnehmer/Zuschauer
  • 2G Plus über 250 Teilnehmer/Zuschauer

o In Innenräumen:

  • max. 4.000 Teilnehmer/Zuschauer
  •  ab dem 250. Platz max. 30 Prozent Auslastung
  • 2GPlus über 10 Teilnehmer/Zuschauer

Die 2G-Regel im Einzelhandel wird aufgehoben. Stattdessen gilt die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske für alle Personen über 15 Jahren im gesamten Einzelhandel, also auch im Supermarkt, in der Drogerie u.ä.

Für Kinder und Jugendliche gilt wie bisher: Kinder unter sechs Jahren haben keine Maskenpflicht; bis einschließlich 15 Jahre ist die medizinische Maske vorgeschrieben; ab 16 Jahre ist die FFP2-Maske verpflichtend.

Die inzidenzabhängigen Hotspot-Regeln werden aufgehoben. Stattdessen gilt landesweit inzidenzunabhängig die Festlegung von 2GPlus in Innenräumen

  •  bei allen Veranstaltungen und Kulturangeboten ab 10 Personen (s.o.)
  • in Freizeiteinrichtungen
  •  in Schlössern, Museen, Galerien und Gedenkstätten
  •  in gedeckten Sportstätten
  • bei touristischen Übernachtungen und der Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen in Übernachtungsbetrieben

Anpassung der Hessischen Corona-Schutzverordnung

© Diether v. Goddenthow
© Diether v. Goddenthow

Ministerpräsident Bouffier: „Mit den neuen Regelungen schaffen wir Klarheit und Einheitlichkeit und sorgen dafür, dass die Kritische Infrastruktur durchgehend funktioniert“

Wiesbaden. Die Hessische Landesregierung hat wie angekündigt die geltende Coronavirus-Schutzverordnung an die aktuellen Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) angepasst, nachdem Bundestag und Bundesrat die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen hatten.

„Nachdem wir unsere Verordnung in der vergangenen Woche bereits verlängert hatten, war es uns nun wichtig, so schnell wie möglich die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz umzusetzen und damit Einheitlichkeit und Klarheit zu schaffen. Durch die Beschlüsse von Bundesrat und Bundestag sind die rechtlichen Voraussetzungen jetzt gegeben.

Zu den wesentlichen Änderungen ab 17- Januar 2022 zählen:

  • Vereinheitlichung und Verkürzung der Quarantänedauern
  •  Inzidenzunabhängige hessenweite Einführung der 2G-Plus Regel in der Innengastronomie (2G in der Außengastronomie)
  • Angleichung der maximalen Veranstaltungsgrößen auf 1.000 Teilnehmende im Freien; bislang war dies auf 250 begrenzt. In Innenräumen bleibt es bei maximal 250 Teilnehmenden.
  • Auch geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler können jetzt ebenfalls an allen regelmäßigen Schülertestungen teilnehmen und auf diese Weise den Status von 2G-Plus erreichen.
  • Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken beim Einkaufen, in Geschäften und bei der Nutzung des Öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs.

Die Infektionszahlen steigen derzeit bundesweit an. In Hessen liegt die Inzidenz heute landesweit bei 602,3. Das liegt an der hochansteckenden Omikron-Variante, die auch in Hessen einen immer größer werdenden Anteil der Neuinfektionen ausmacht. Gleichzeitig bleibt die Situation in den Krankenhäusern weitgehend stabil, die Zahl der Intensivpatienten sinkt derzeit sogar leicht. „Daher können wir es verantworten, die Quarantäneregelungen – wie in der MPK vereinbart – anzugleichen und zu verkürzen und frühere Freitestungen zu ermöglichen“, so Bouffier. „Damit verfolgen wir nicht zuletzt das Ziel, dass trotz hoher Infektionszahlen insbesondere die kritische Infrastruktur in unserem Land weiter funktioniert. Denn aufgrund der schnellen Verbreitung der Omikron-Variante drohen in vielen wichtigen Bereichen wie der Polizei, der Feuerwehr, der Strom- und Gasversorgung Personalengpässe. Wir sind mit den Unternehmen und Institutionen im regelmäßigen Austausch, sodass wir auf diese Situation vorzubereitet sind. Niemand muss sich sorgen, dass systemrelevante Bereiche zum Erliegen kommen könnten.“

Folgende aktualisierte Regeln gelten ab morgen, 17. Januar 2022, in Hessen:

Definition und Zugangsregeln bei 2G-Plus auf Basis der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie des Paul Ehrlich-Instituts (PEI):

Zugang haben somit Personen mit folgendem Nachweis:

  • Doppelt geimpft und getestet
  • Genesen und getestet
  • Dreifach geimpft (geboostert)
  • Genesen und doppelt geimpft
  • Doppelt geimpft und genesen (Neu)
  • Geimpft, genesen, geimpft (Neu)
  • Frisch doppelt geimpft (max. 3 Monate, ab dem Tag der Zweitimpfung) (Neu)
  • Frisch genesen (max. 3 Monate, ab dem Tag des positiven PCR-Tests) (Neu)
  • Genesen + frisch einmal geimpft (max. 3 Monate, ab dem Tag der Impfung) (Neu)

Ausnahmen:

  • Kinder bis zur Einschulung (keine Testnotwendigkeit)
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre und Personen, die sich nicht impfen lassen können benötigen einen aktuellen Test oder ein Testheft.
  • Doppelt geimpfte oder genesene Schülerinnen und Schüler, mit Testheft

Neue Isolations- und Quarantäneregelungen für Infizierte, Haushaltsangehörige und Kontaktpersonen:

(keine Unterscheidung mehr zwischen Omikron- und Deltavariante)

Regeln zur Isolation von Corona-Infizierten (unabhängig vom Impfstatus) mit positivem Schnell- oder PCR-Test

  • 10 Tage Isolation. Eine Anordnung durch das Gesundheitsamt ist nicht notwendig.
  • Eine Freitestung nach 7 Tagen ist möglich durch einen Schnelltest bei einer Teststelle oder einen PCR-Test.
  • Für Beschäftigte in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen gelten Sonderregeln: Eine Arbeitsaufnahme ist nur nach Freitestung mit einem PCR-Test möglich, und zwar nach sieben Tagen. Voraussetzung dafür ist, dass man mindestens 48 Stunden symptomfrei ist.
  • Regeln zur Quarantäne von Haushaltsangehörigen von Corona-Infizierten (bspw. Partner, Eltern, Kinder etc.):
  •  Grundsätzlich gelten 10 Tage Quarantäne, eine Anordnung durch das Gesundheitsamt ist nicht notwendig.
  • Eine Freitestung ist nach 7 Tagen mit einem Schnelltest durch eine Teststelle oder einem PCR-Test möglich.
  •  Schülerinnen und Schüler sowie Kleinkinder können sich bereits nach 5 Tagen Freitesten lassen.

Von der Quarantäne als Haushaltsangehörige befreit sind Personen mit folgendem Nachweis:

  • Dreifach geimpft (geboostert)
  • Genesen und doppelt geimpft
  • Doppelt geimpft und genesen
  • Geimpft, genesen, geimpft
  • Frisch doppelt geimpft (max. 3 Monate, ab dem Tag der Zweitimpfung)
  • Frisch genesen (max. 3 Monate, ab dem Tag des positiven PCR-Tests)
  • Genesen + frisch einmal geimpft (max. 3 Monate, ab dem Tag der Impfung)

Regeln zur Quarantäne weiterer Kontaktpersonen von Corona-Infizierten:

  • Diese Anordnung erfolgt ausschließlich durch das Gesundheitsamt.
  • Grundsätzlich gelten die Quarantäneregeln und Ausnahmen wie bei Haushaltsangehörigen.

Klar sei aber auch, so der Regierungschef weiter, dass neue Bestimmungen allein nicht ausreichten, um die Pandemie zu beenden. „Gerade im Hinblick auf Omikron ist es derzeit so wichtig wie nie, sich impfen zu lassen. Besonders die Auffrischungsimpfung trägt dazu bei, die Ansteckungsgefahr zu verringern und vor einem schweren Verlauf zu schützen. Derzeit liefert die Bundesregierung genug Impfstoff nach Hessen und es gibt ausreichend Möglichkeiten, unkompliziert einen Impftermin zu vereinbaren. Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, diese Möglichkeit wahrzunehmen, damit wir gemeinsam nach vorne blicken können. Auch die Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen bleibt weiterhin von höchster Wichtigkeit.“

Die Coronavirus-Schutzverordnung ist gültig bis zum 10. Februar 2022.

Zur Verlängerung der pandemischen Notlage erklären die Fraktionsvorsitzenden von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Ines Claus und Mathias Wagner:

„Am 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung des Corona-Virus als Pandemie ein, da es sich um eine Massenerkrankung handelt, die sich unkontrolliert über Kontinente hinweg ausbreitet. Trotz der seither unternommenen großen Kraftanstrengungen, um die Ausbreitung des Virus in Deutschland einzudämmen, sind die Corona-Infektionszahlen wieder hoch. Der Hessische Landtag hat am 7. Dezember 2021 die pandemische Notlage festgestellt. Auch für das Haushaltsjahr 2022 liegt eine Naturkatastrophe und damit eine besondere Ausnahmesituation vor, die sich der Kontrolle des Staates entzieht und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigt.

Aufgrund der andauernden und aktuell verschärften pandemischen Situation und der unsicheren ökonomischen Rahmenbedingungen ist die Fortführung der hessischen Krisenbewältigungspolitik zur Bekämpfung der Corona-Virus-Pandemie geboten. Die regierungstragenden Fraktionen von CDU und Grüne haben deshalb heute die Fortführung der Notlage beantragt, um zur Bewältigung der gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Virus-Pandemie weitere 3 Milliarden Euro in den Landeshaushalt 2022 einzustellen. Eine Milliarde Euro davon wird aus der allgemeinen Rücklage entnommen, eine weitere Milliarde über Kredite finanziert, der Rest ergibt sich aus Mehreinnahmen aus der Steuerschätzung. Durch diese parlamentarische Entscheidung stellen wir die Weichen, dass wir in der Krise weiter helfen können.

3 Milliarden Euro entsprechen einem Anteil an den Gesamtausgaben des Landes in einer Größenordnung von rund 10 Prozent. Mit dem beantragten Beschluss und der Veranschlagung im Kernhaushalt wird den Vorgaben des Staatsgerichtshofs Rechnung getragen. Ein solcher Betrag kann nicht aus den laufenden Mitteln des Landeshaushalts finanziert werden. Dies erfordert auch eine Korrektur des ursprünglich vorgesehenen Nettokreditbedarfs, der durch Rückgriff auf den Ausnahmetatbestand der Schuldenbremse gedeckt werden soll. Die Abstimmung des Hessischen Landtags darüber ist für die kommende Plenarsitzung in der ersten Februarwoche vorgesehen.

Die Bereitstellung der Mittel auch im Jahr 2022 ist eine wichtige Nachricht für alle, die auf diese Hilfen dringend angewiesen sind. Denn ohne die mit diesen Krediten finanzierten Maßnahmen können weder unser Gesundheitssystem, noch die Kommunen, noch die hessische Wirtschaft so wirkungsvoll in der Krise unterstützt werden. Auch aufgrund dieser Maßnahmen kommt Hessen trotz aller Härten vergleichsweise gut durch die Krise.“

Ministerpräsident Volker Bouffier verleiht Hessischen Kulturpreis 2021 an Prof. Dr. Sandra Ciesek und Dr. Mai Thi Nguyen-Kim – Prof. Drosten hält Laudatio

Wiesbaden/Frankfurt. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, Prof. Dr. Sandra Ciesek, und die Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim für ihre Verdienste in der Corona-Pandemie mit dem Kulturpreis 2021 ausgezeichnet. Bouffier erklärte, die Arbeit der Wissenschaftlerinnen habe „in ganz hohem Maße“ dazu beigetragen, die Menschen „in sehr schweren Zeiten mitzunehmen“, weil sie bodenständig und fundiert informiert haben. „Heute ehren wir zwei Wissenschaftlerinnen, die sich bewusst dazu entschlossen haben, ihre Expertise in den Dienst der Gesellschaft zu stellen und diese über die Pandemie zu informieren.

(vli.) Ministerpräsident Volker Bouffier ehrt mit dem Hessischen Kulturpreis 2021 Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin, u. Professorin Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt für ihre Verdienste in der Corona-Pandemie. © Foto Diether v Goddenthow
(vli.) Ministerpräsident Volker Bouffier ehrt mit dem Hessischen Kulturpreis 2021 Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin, u. Professorin Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt für ihre Verdienste in der Corona-Pandemie. © Foto Diether v Goddenthow

Sie stehen in der Öffentlichkeit und sind zur Projektionsfläche geworden, was nicht immer nur einfach ist. Ihre Motivation ist es, Wissenschaft transparent zu machen und zu erklären, wie wir gemeinsam durch diese Pandemie kommen können. Wir sind sehr stolz, dass diese beiden Wissenschaftlerinnen aus Hessen zu den starken Stimmen der Pandemie gehören, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt sind“, erklärte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier heute in der Aula des Universitätsklinikums Frankfurt. Die Laudatio auf die beiden Wissenschaftlerinnen hielt Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité.

Der NDR-Podcast Corona-Update ist für viele ein stetiger Begleiter durch die Pandemie. Allein im Jahr 2020 hatte er 15 Millionen Zuhörerinnen und Zuhörer. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Christian Drosten erklärt Prof. Dr. Sandra Ciesek alle zwei Wochen die aktuelle Coronalage. Ob Informationen über die Impfstoffe, der internationale Umgang mit der Pandemie oder die Situation in den Krankenhäusern – die Themen sind allumfassend. Ursprünglich hatte die gebürtige Goslarerin, die Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität in Frankfurt ist, Therapieformen für Hepatitis C als einen ihrer Forschungsschwerpunkte ausgemacht.

Sandra Ciesek, Jahrgang 1978, ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe Universität. © Foto Diether v Goddenthow
Sandra Ciesek, Jahrgang 1978, ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie
an der Goethe Universität. © Foto Diether v Goddenthow

Ihre Promotion an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beschäftigte sich schon mit diesem Thema. Mit der Pandemie kam die Suche nach Medikamenten gegen COVID-19 dazu. „Prof. Dr. Sandra Ciesek stellt ihr Wissen nicht nur ihren Hörerinnen und Hörern zur Verfügung, mit ihrer wissenschaftlichen Expertise berät sie auch die Hessische Landesregierung. So hat sie unter anderem die Kinderstudie und die Lehrerstudie des Hessischen Sozialministeriums geleitet. Sie gehört zweifelsfrei zu besten Virologinnen Deutschlands und wir sind sehr froh, dass sie bei uns in Hessen wirkt“, erklärte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Erst kürzlich hat Prof. Dr. Sandra Ciesek für ihre Forschung eine LOEWE-Spitzen-Professur erhalten. Das hessische Förderprogramm für exzellente Spitzenforschung unterstützt sie somit über einen Zeitraum von fünf Jahren mit zusätzlichen 1,4 Millionen Euro für Sach- und Personalkosten.

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Fernsehmoderatorin bei ARD und ZDF (TerraX), Chemikerin, Autorin und YouTuberin, Mitglied im Senat der Max-Planck-Gesellschaft. © Foto Diether v Goddenthow
Dr. Mai Thi Nguyen-Kim, Fernsehmoderatorin bei ARD und ZDF (TerraX), Chemikerin, Autorin und YouTuberin, Mitglied im Senat der Max-Planck-Gesellschaft. © Foto Diether v Goddenthow

Als Dr. Mai Thi Nguyen-Kim in Hemsbach auf dem Bergstraßen-Gymnasium ihr Abitur machte und im Jahr 2006 mit ihrem Chemie-Studium in Mainz begann, konnte sie noch nicht wissen, dass sich Deutschland 14 Jahre später in einer globalen Pandemie befinden würde. Später folgten als Doktorandin Forschungsaufenthalte an der Harvard University und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung, ehe sie im Jahr 2017 an der Universität Potsdam promoviert wurde. Bereits während ihrer Promotion startete sie mit ihrem ersten Youtube-Kanal. Sie vermittelte damals bereits ihrem Publikum naturwissenschaftliche Themen. Der Durchbruch gelang ihr zu Beginn der Corona-Pandemie. Das Video „Corona geht gerade erst los“ auf ihrem Youtube-Kanal, der mittlerweile maiLab heißt, wurde innerhalb weniger Tage mehrere Millionen Mal geklickt. Darin prognostiziert die Heppenheimerin am 1. April 2020 anhand wissenschaftlicher Kriterien den Fortgang der Pandemie. „Ich empfehle jedem, sich das Video anzusehen und sich dem Fortlauf der Corona-Geschichte noch einmal zu vergegenwärtigen. Etwas mehr als drei Wochen liegen zwischen der Mitteilung der WHO, dass Covid-19 als globale Pandemie eingestuft wird und dem Video ‚Corona geht gerade erst los‘. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim analysierte prägnant und zeigte sehr klar auf, dass noch ein langer Weg vor uns liegt. Ich freue mich sehr, dass ich ihr heute den Kulturpreis überreichen darf“, erklärte Bouffier.

Die Laudatio hielt der Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Mitentdecker des Sars-Erregers © Foto Diether v Goddenthow
Die Laudatio hielt der Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Mitentdecker des Sars-Erregers © Foto Diether v Goddenthow

Die Laudatio hat der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité übernommen, mit dem zusammen Prof. Ciesek im Frühjahr als Hochschullehrer des Jahres ausgezeichnet wurde. Ciesek und Drosten gestalten gemeinsam den vielfach ausgezeichneten NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Dass Ciesek sich trotz vielfacher Belastungen bereit erklärt habe, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, sei „ein großer Glücksfall“, so Drosten in seiner Laudatio. „Ihr gelingt es mit ihrem scharfen und abwägenden Blick, die Sachlage genau auf den Punkt zu bringen – und das mit der Zuwendung und Empathie, die sie als erfahrene Internistin mit langjährigem Patientenkontakt auszeichnet. Damit spricht sie auch viele Bürgerinnen und Bürger an, die für die kalte Mathematik der Epidemiologie und die verschachtelte Diskussion der strategischen Handlungsoptionen in der Pandemie eher wenig übrighaben.“ Warum Ciesek, der Selbstvermarktung, Eitelkeit und Geltungsbedürfnis fremd seien, diese Mühe auf sich nimmt, dafür hat Drosten eine Erklärung: „Sandra Ciesek engagiert sich aus altruistischen Gründen. (…) Denn wer Sandra zuhört, weiß intuitiv, dass sie die Wissenschaftskommunikation als Teil ihrer ärztlichen Pflicht ansieht.“

Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe- Universität, übermittelt Glückwünsche im Namen des Präsidiums der Goethe-Universität © Foto Diether v Goddenthow
Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe- Universität, übermittelt Glückwünsche im Namen des Präsidiums der Goethe-Universität © Foto Diether v Goddenthow

„Sandra Ciesek erhält den Hessischen Kulturpreis sehr verdient, und ich gratuliere ihr herzlich im Namen des Präsidiums der Goethe-Universität“, sagt Prof. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität. „Sandra Ciesek hat sich der Herausforderung gestellt, über ihre anspruchsvolle Forschungstätigkeit hinaus in die allgemeine Öffentlichkeit zu kommunizieren und ihr Fachgebiet zu erklären – zusammen mit Christian Drosten im NDR-Podcast und in zahlreichen anderen medialen Formaten. Corona und die damit verbundenen Einschränkungen haben viele Menschen an ihre Grenzen gebracht. Sie brauchen Erklärungen, warum diese Einschränkungen notwendig sind. Diese Aufgabe kann nur erfüllen, wer die wissenschaftlichen Zusammenhänge gut kennt – und sie auch verständlich vermitteln kann. Frau Ciesek kann das, und sie hat die Herausforderung mit viel Engagement angenommen. Damit hat sie sich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft und um die Demokratie verdient gemacht“, so Schleiff weiter.

Als kleinen Joke zum Abschluss überüberreicht Ministerpräsident Volker Bouffier Professor Christian Drosten schon mal ein Goethe-Uni-T-Shirt als Einladung, doch vielleicht mal nach Hessen zu wechseln. Ein solcher Wohnortwechsel würde auch die  Chance als potentieller Kandidat für den Hessischen Kulturpreis erhöhen. © Foto Diether v Goddenthow
Als kleinen Joke zum Abschluss überüberreicht Ministerpräsident Volker Bouffier Professor Christian Drosten schon mal ein Goethe-Uni-T-Shirt als Einladung, doch vielleicht mal nach Hessen zu wechseln. Ein solcher Wohnortwechsel würde auch die Chance als potentieller Kandidat für den Hessischen Kulturpreis erhöhen. © Foto Diether v Goddenthow

Der Hessische Kulturpreis wird seit 1982 jährlich für besondere Leistungen in Kunst, Wissenschaft und Kulturvermittlung vergeben. Er ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert.

 

 

 

 

 

 

Im Kuratorium, dessen Vorsitz der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier innehat, sind neben der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, folgende Persönlichkeiten vertreten:

  • Dipl.-Ing. Jürgen Engel, Architekt, Frankfurt am Main
  • Michael Herrmann, Intendant Rheingau Musik-Festival
  • Bernd Leifeld, ehem. Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs­GmbH
  • Prof. Susanne Pfeffer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt
  • Michael Quast, Schauspieler, Kabarettist, Regisseur
  • Hans Sarkowicz, Leiter Ressort hr2 Kultur und Bildung
  • Dr. Gerhard Stadelmaier, ehem. Redakteur und Theaterkritiker im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin a. D. der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Karin Wolff, Staatsministerin a. D., Geschäftsführerin des Kulturfonds RheinMain

 

Hessische Landesregierung verlängert Corona-Verordnung – Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern wird verschärft

Wiesbaden. Die Hessische Landesregierung hat die bestehende Coronavirus-Schutzverordnung bis zum 28. November verlängert und in einigen Bereichen angepasst. „Die Situation spitzt sich weiter zu, die Lage ist ernst: Die Zahl der Neuinfektionen steigt seit Wochen kontinuierlich an, auch die Situation in den hessischen Krankenhäusern und auf den Intensivstationen ist zunehmend angespannt. Es ist erneut eine gemeinsame Kraftanstrengung gefragt, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird“, betonte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. „Wir schreiben deshalb die geltenden Regeln weitgehend fort und es können nur kleinere Anpassungen erfolgen. Wir werden rechtzeitig vor dem Auslaufen der Verordnung wieder zusammenkommen, um auf Grundlage der dann geltenden bundesrechtlichen Bestimmungen das weitere Vorgehen zu beraten.“

„Unser Augenmerk gilt den besonders zu schützenden Personen, die in Krankenhäusern behandelt oder in Alten- und Pflegeheimen betreut werden. Deshalb wird hier die Testpflicht verschärft. Insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen zeigen sich trotz der gut in Anspruch genommenen Auffrischimpfungen vermehrt Infektionsereignisse. In diesen Einrichtungen muss ab dem 8. November 2021 das nicht geimpfte oder genesene Personal täglich auf Infektionen getestet werden“, erläuterte der Ministerpräsident.

Neu sind die zusätzlichen, kostenfreien Testmöglichkeiten für Besucherinnen und Besucher in Krankenhäusern und Pflegeheimen: „Krankenhäuser und Pflegeheime müssen es in Zukunft Besuchenden ermöglichen, sich direkt vor Ort testen zu lassen“, so Bouffier. „Damit gewährleisten wir – wie etliche andere Bundesländer auch – sichere Besuche.“ Die Kosten für die Tests bekommen die Einrichtungen vom Bund erstattet.

Eine Anpassung der neuen Verordnung betrifft das 2G-Optionsmodell: Künftig können auch Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, sowie ungeimpfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (bislang unter 12 Jahren) an 2G-Veranstaltungen teilnehmen oder Einrichtungen mit 2G-Regelung betreten. Voraussetzung ist ein aktueller negativer Corona-Test, bei Schülerinnen und Schülern also beispielsweise das Testheft. Die regelmäßigen Reihen-Testungen in den Schulen haben sich als effizient beim frühen Aufspüren von Corona-Infektionen bewährt. In Tanzlokalen, Clubs und Diskotheken gelten weiterhin strengere Anforderungen.

Die Regeln für Veranstaltungen werden zudem deutlich vereinfacht und vereinheitlicht: Bei Veranstaltungen mit bis zu 5.000 Teilnehmenden ist ein Abstands- und Hygienekonzept ausreichend; erst bei größeren Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmenden muss die Veranstaltung vorab vom zuständigen Gesundheitsamt genehmigt werden. Zudem wird in der Verordnung klargestellt, dass bei Festumzügen wie zum Beispiel Fastnachtsumzüge die gleichen Regeln wie bei Weihnachtsmärkten gelten.

An den Schulen werden aufgrund der umfangreichen Testmöglichkeiten und des geringen Infektionsgeschehens auch die Quarantänebestimmungen angepasst. Bei einem Coronafall in einer Schulklasse muss künftig grundsätzlich nur noch das positiv getestete Kind unmittelbar in Quarantäne. Bislang galt die Quarantänepflicht auch für enge Kontaktpersonen (wie Sitznachbarn). Um ein Ausbreiten des Virus in der Klasse zu unterbinden, müssen die Mitschülerinnen und -schüler nach einem bestätigten Corona-Fall 14 Tage lang ihre Maske auch am Platz tragen – so wie aktuell in den Präventionswochen. Die gesamte Klasse wird zudem täglich getestet. Damit kann Kindern und Eltern der Schulalltag ein Stück weit erleichtert werden. Auch für die Schulen bedeutet dies eine organisatorische Entlastung.

Bouffier betonte außerdem angesichts der steigenden Inzidenzen die Wichtigkeit der Impfungen in den kommenden Wochen: „Der weit überwiegende Teil der Menschen auf den Intensivstationen ist nicht geimpft, dies zeigt immer wieder den Nutzen und den hohen Schutz der Impfung auf. Es gibt zahlreiche gut erreichbare Impfangebote in Hessen: Auch für die Auffrischimpfung“, unterstrich der Ministerpräsident. Die Stiko empfehle diese derzeit für ältere Menschen, außerdem unabhängig vom Alter für Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen und auch für Pflege- und medizinisches Personal, wenn die letzte Impfung aller dieser Personen ein halbes Jahr zurückliege. Gleiches gilt für Personen, die die Johnson und Johnson Einmalimpfung erhalten haben. „Gerade jetzt müssen wir besonnen agieren und alles dafür tun, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Ich appelliere deshalb: Nutzen Sie die Impfangebote und halten Sie sich an die bekannten Hygieneregeln. Nur so können wir gemeinsam die kommenden Monate meistern und die Pandemie im Frühjahr hoffentlich hinter uns lassen.“

Die Änderungen gelten ab diesem Wochenende.