Kategorie-Archiv: Hessisches Landesmuseum Wiesbaden

Wohin gehört der Mensch, zur Natur oder zur Kultur? Große Retrospektive des bedeutendsten Wegbereiter der Deutschen Moderne Ernst Wilhelm Nay im Museum Wiesbaden ab 16.09.2022

"Der frühe Nay und der späte Nay – Museum Wiesbaden zeigt Retrospektive desgefeierten Abstrakten Expressionisten" Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der Ausstellung, erläutert Ernst Wilhelm Nays Werk "Tanz der Fischerinnen", 1950, im Ausstellungsraum 8, der die Werkgruppe "Fugale und Rhythmische Bilder" zeigt.  © Foto Heike von Goddenthow
„Der frühe Nay und der späte Nay – Museum Wiesbaden zeigt Retrospektive desgefeierten Abstrakten Expressionisten“ Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der
Ausstellung, erläutert Ernst Wilhelm Nays Werk „Tanz der Fischerinnen“, 1950, im Ausstellungsraum 8, der die Werkgruppe „Fugale und Rhythmische Bilder“ zeigt. © Foto Heike von Goddenthow

Das Museum Wiesbaden, das Nay nach dem Zweiten Weltkrieg stark gefördert hat, präsentiert den wohl bedeutendsten  Wegbereiter der Deutschen Moderne  vom 16. September 2022 bis zum 5. Februar 2023 erstmals in seiner Museumsgeschichte in einer Einzelausstellung. Die Retrospektive zeigt mit ihren  100 Gemälden Arbeiten aus allen Schaffensphasen. Es werden nicht nur die berühmten späten Scheiben- und Augenbilder des Malers gezeigt, sondern mit seinen frühen Lofoten- und Frankreich-Bildern auch seine weniger bekannten figürlichen Anfänge. Ein besonderer Fokus liegt auf den in der Rhein-Main-Region entstandenen Hekate- und Fugalen Bilder. Nay lebte in Hofheim am Taunus zwischen 1945 und1951.Die Schau entstand in enger Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und wird anschließend das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst nach Duisburg wandern

Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) „war nicht nur ein Wegbegleiter des abstrakten deutschen Expressionismus, sondern er war derjenige, der ihn angeschoben hat“, so Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der Ausstellung, beim Presserundgang.  Nay zähle zu den bedeutendsten Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Malerei ist figürlich und abstrakt. Er sei „so etwas wie eine Brückenfigur, der den figürlichen Expressionismus der Vorkriegsmoderne überführt hat in die freie Malerei des abstrakten Expressionismus der Nachkriegs“, unterstreicht Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. Nay sei sehr rasch zur Leitfigur der abstrakten Nachkriegskunst hier in Deutschland geworden. Er hat gewissermaßen die Nachkriegsmoderne zusammengebunden, und die deutsche Moderne zu einer internationalen Moderne gemacht. Um so mehr freut sich das Museum Wiesbaden, „dass wir anlässlich des 120. Geburtstag von E. Nays jetzt hier eine große Retrospektive eröffnen dürfen, so der Museumsdirektor.

"Nay ist sehr rasch zur Leitfigur der abstrakten Nachkriegskunst hier in Deutschland geworden." Museumsdirektor Dr. Andreas Henning © Foto Diether von Goddenthow
„Nay ist sehr rasch zur Leitfigur der abstrakten Nachkriegskunst hier in Deutschland geworden.“ Museumsdirektor Dr. Andreas Henning © Foto Diether von Goddenthow

Ernst Wilhelm Nay (geb. Berlin 1902–1968 gest. Köln) kommt nach einer abgebrochenen Lehre im Buchhandel an die Berliner Hochschule für Bildende Künste in die Malklasse Karl Hofers, die er als Stipendiat 1928 erfolgreich absolviert. Nays frühe Arbeiten werden rasch von Museen angekauft, es folgen erste Ausstellungsbeteiligungen. Inspiriert von den Fischern an der Ostsee sowie durch zwei von Edvard Munch geförderte Aufenthalte auf den Lofoten entstehen ausdrucksstarke Dünen- und Fischerbilder. Zeitgleich erteilen ihm die Nationalsozialisten zeitweilig Ausstellungsverbot, auch werden zwei seiner Kunstwerke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Nays Kriegsdienst führt den Maler nach Frankreich und nach Kriegsende, weil seine Atelierwohnung in Berlin zerstört worden war, in das Rhein-Main-Gebiet nach Hofheim im Taunus zu seiner Freundin und Förderin Hanna Bekker vom Rath. Mit seinen hier entstandenen Werken erzielt Nay national wie international – etwa auf den ersten drei documenta-Schauen (1955, 1959, 1964) und den Biennalen in Venedig (1948, 1950) und Sao Paolo (1955) große Erfolge. Fortan wird er im In- und Ausland als Ikone der deutschen Kunst nach 1945 wahrgenommen. Mit seiner eigenständigen Bildsprache überführt Nay die Epoche des figürlichen Expressionismus der Klassischen Moderne in die gestische Abstraktion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den Kanon der Kunstgeschichte ist er als intuitiv-emotionaler Farbmaler eingegangen, der in seinen dichten Bildern fortwährend den abstrakten Gesetzen hinter den Dingen nachspürte: „Malerei ist geistige Setzung der Farbe – geleitet und begleitet von einem System.“ (Ernst Wilhelm Nay, um 1967)

Seine malerische Entwicklung gliederte Nay selbst in nacheinander ablaufenden Werkphasen. Er sprach von den Lofoten- (1937/38), den Frankreich- (1942–44), den Hekate- (1945–1948), den Fugalen- (1949-51), den Rhythmischen- (1951–53) sowie von den Scheiben- (1954–62), Augen- (1963/64) und Späten Bildern (1965–68). Von all diesen Werkgruppen werden in der Sonderausstellung „Ernst Wilhelm Nay — Retrospektive“ Hauptwerke präsentiert: „Die prinzipielle Chronologie der Ausstellung wird an mehreren Stellen bewusst gebrochen, um deutlich zu machen“, so Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der Ausstellung, „dass der frühe figürliche Nay vom späten abstrakten Nay nicht zu trennen ist, dass etwa über durchgehend vom Künstler gepflegte Bildmotive wie Schmetterlinge, Augen oder Gestirne das große Thema des Malers durchgehend erhalten bleibt: Den Menschen und sein Dasein mit seinen farbmächtigen Bildern im ewigen Fluss der Weltzeit zu verorten.“

Zur Ausstellung

Impression der Sonderausstellung: Der frühe Nay und der späte Nay – Museum Wiesbaden zeigt Retrospektive desgefeierten Abstrakten Expressionisten vom 16.09.2022 bis 5.02.2023. © Foto Diether von Goddenthow
Impression der Sonderausstellung: Der frühe Nay und der späte Nay – Museum Wiesbaden zeigt Retrospektive desgefeierten Abstrakten Expressionisten vom 16.09.2022 bis 5.02.2023. © Foto Diether von Goddenthow

Die Retrospektive zeigt  mit ihren knapp 100 Gemälden Arbeiten aus allen Schaffensphasen in 12 Räumen sein Früh- und Spätwerk.  Es werden nicht nur die berühmten späten Scheiben- und Augenbilder des Malers gezeigt, sondern mit seinen frühen Lofoten- und Frankreich-Bildern auch seine weniger bekannten figürlichen Anfänge. Ein besonderer Fokus liegt auf den in der Rhein-Main-Region entstandenen Hekate- und Fugalen Bilder. Nay lebte in Hofheim am Taunus zwischen 1945 und 1951.

Die Ausstellung sei eine Einladung zum Sehen, da sie nicht streng chronologisch Nay in seinen Werkgruppen zeige, sondern in jeder dieser präsentierten Werkgruppen auch jeweils  Frühwerke gehängt wurden, um  Zusammenhänge zwischen Früh- und Spätwerk entstehen zu lassen. Nays Werkserien sind vielseitig, tiefgründig und farbenreich: Sie erzählen von seiner Auseinandersetzung mit den Urkräften der Natur, rhythmischer Musik, der Antike und Religion oder den Naturwissenschaften.  Dabei war eine Frage für den Künstler ganz zentral: „Wohin gehört der Mensch, zur Natur oder zur Kultur? Bei Nay gehörte der Mensch zur Natur, war Natur“,  so Zieglgänsberger. Er zeigte die Menschen, etwa wie im Bild „Frau mit Tieren“ (1939), in seinen Bildern nackt, eben so, wie sie die Natur erschaffen hat.

Frühe Förderung durch das Museum Wiesbaden:
nay-banner-museum-wiesbadenNach dem Zweiten Weltkrieg ist es das Museum Wiesbaden, das Nay während seiner Hofheimer Jahre am stärksten in der Rhein-Main-Region fördert. Von Hofheim aus, wo der Künstler von 1945 bis 1951 lebte, machte er viele Ausflüge in die Landeshauptstadt, besuchte die Ausstellungen des Central Collecting Point (im Museum Wiesbaden) und nahm bald Kontakt zum hiesigen Direktor Clemens Weiler auf. Dieser erwarb während seiner Amtszeit ab 1949 nicht nur vier Gemälde („Leda“, „Pilgrim“, „Afrikanisch“ und „Menschen in den Lofoten“), sondern bereits 1951 auch die erste Farblithografie-Mappe des Künstlers. Als Dank für die vielen Ankäufe schenkte Nay dem Museum drei Gouachen, die der Fugalen-Werkphase zuzurechnen sind. Dieser eng geknüpften Beziehung Nays zu Weiler, die sich auch in der präsentierten Korrespondenz des Künstlers mit dem Museumsmann ablesen lässt, ist einer der zwölf Räume umfassenden Ausstellung gewidmet. Durch Hanna Bekker vom Rath, die Nay im Sommer 1945 ein Atelierhaus in Hofheim vermittelte, 1949 in ihrem Frankfurter Kunstkabinett präsentierte und deren Privatsammlung seit 1987 im Museum Wiesbaden bewahrt wird (inkl. mehrere Nay-Arbeiten), gibt es eine weitere enge Verbindung zwischen dem Künstler und dem Museum.

„Bei den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen dem Künstler und unserem Haus ist es verwunderlich, dass es hier bislang keine Einzelausstellung zu Nay gegeben hat,“ sagt Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. „Umso mehr freut es uns mit der Hamburger Kunsthalle, dem Museum Küppersmühle in Duisburg und der in Köln ansässigen Ernst Wilhelm Nay Stiftung gemeinsam diese uns sehr bewusste Lücke in unserer Ausstellungshistorie just in dem glücklichen Moment schließen zu können, in dem wir zwei wichtige Gemälde – ein Ostsee- und ein Scheiben-Bild – durch die Sammlung Jan und Friederike Baechle zu unserem reichen Nay-Bestand hinzugewonnen haben.“

Begleit-Katalog zur Ausstellung
Tiefgreifende und weiterführende Inhalte bietet der gleichnamige ausstellungsbegleitende Katalog (hrsg. v. Karin Schick, Sophia Colditz und Roman Zieglgänsberger, Wienand Verlag, ISBN 978-3-86832-646-8, 29,90,– Euro an der Museumskasse). Zwei Media Touren (für Erwachsenen sowie für Kinder und Jugendliche) in der kostenfreien Museum Wiesbaden App begleiten die Schau. Vor Ort können Mediaguides gegen eine Leihgebühr von 3,— Euro genutzt werden.

Eine Ausstellung der Hamburger Kunsthalle in Zusammenarbeit mit der Ernst Wilhelm Nay Stiftung, demMuseum Wiesbaden und dem Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg.
Laufzeit der Ausstellung: 16. September 2022 – 5. Februar 2023 www.museum-wiesbaden.de/nay

Eintritt
Ticketerwerb an der Tageskasse oder Buchung online:
https://tickets.museum-wiesbaden.de/
Sonderausstellung* 10,— Euro (7,— Euro ermäßigt)
* Eintritt in die Sonderausstellungen beinhaltet den Besuch der Sammlungen.
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

 

 

Museum Wiesbaden und Philipps-Universität Marburg arbeiten zusammen für die Kulturelle Bildung in Hessen

Vertragsunterzeichnung im Museum Wiesbaden mit Christian Kammler, Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes, Dr. Andreas Henning, Astrid Lembcke-Thiel  (v.l.n.r.). Foto: Museum Wiesbaden / Brand
Vertragsunterzeichnung im Museum Wiesbaden mit Christian Kammler, Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes, Dr. Andreas Henning, Astrid Lembcke-Thiel (v.l.n.r.). Foto: Museum Wiesbaden / Brand

Die Philipps Universität Marburg -Arbeitsstelle Kulturelle Bildung an Schulen (KuBiS) und das Museum Wiesbaden haben am Dienstag eine Vereinbarung über eine verbindliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Dabei geht es den Kooperationspartnern darum, für die Zusammenarbeit von Schule und Kulturinstitution neue Perspektiven nachhaltiger Weiterentwicklung Kultureller Bildung in Hessen anzuregen. Das Hessische Landesmuseum Kunst und Natur erhält damit von der Philipps Universität das Prädikat „InnoLabMuseum“. Am 23. November 2022 startet die Zusammenarbeit mit einem ersten Entwicklungsvorhaben.

Welchen Wert hat die Kulturelle Bildung für unsere Gesellschaft? Die beiden kooperierenden Institutionen sind davon überzeugt, dass Kulturelle Bildung gerade in unsicheren Zeiten die Wahrnehmung des Gegenübers, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und notwendige gesellschaftliche Wertschätzung fördert. Aus dieser Motivation ist das Projekt „InnoLabMuseum“ entstanden. „An Kunst und Kultur sollen alle Menschen teilhaben können, denn so entstehen Ideen, Erfahrungen und Diskurse, die uns als Gesellschaft voranbringen“, erklärt Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst. „Daher ist es eine wesentliche Aufgabe für uns, Zugangshürden abzubauen. Das funktioniert vor allem durch Kulturelle Bildung. Denn unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft, unabhängig vom Elternhaus und dem eigenen Geldbeutel: Kultur ist für alle da.“

„Mit der Unterstützung des „Innolab-Museums“ wollen wir die Lust und Freude der Schülerinnen und Schüler am künstlerisch-kreativen Experimentieren und Forschen fördern. Gemeinsam mit ihren Lehrkräften und professionell begleitet durch das Landesmuseum Wiesbaden sowie der Philipps Universität Marburg bekommen sie Gelegenheit, andere Wege des Lernens zu Erproben und ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen. Das Museum wird zu einem ganz besonderen Lernort,“ sagte Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

Das „InnoLabMuseum“ hat in diesem Kontext das Ziel, Kulturelle Bildung als Grundbestandteil von Bildung mit den jeweiligen Verantwortungen von Universität und Museum gemeinsam konzeptionell weiterzuentwickeln: „Dies“, so Christian Kammler, Leiter der Arbeitsstelle KuBiS, „benötigt allerdings mehr, als ein weiteres neues Vermittlungskonzeptmit Schüler:innen zu erproben. Wir sehen Kulturelle Bildung, wie einen Schlüssel, für eine sich in Aufruhr und Wandel befindliche Welt. Es braucht künstlerische Freiräume, um eigene Potentiale zu entdecken, die Welt anders zu begreifen und miteinander zu gestalten.“

So startet die Kooperation bereits im Herbst dieses Jahres in den Ateliers und Sammlungen des Museum Wiesbaden mit dem Modul „Künstlerische Erprobung“ des Weiterbildungsstudiengangs Kulturelle Bildung an Schulen der Philipps Universität. Mit renommierten Künstler:innen der Sparten Literatur, Bildende Kunst, Theater und Musik unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Jebe wird das Museum für die Studierenden zum ästhetisch-forschenden Handlungsraum. In eigenen Gestaltungsprozessen der aus Schule und künstlerischen Feldern stammenden Weiterbildungsstudierenden wird die zentrale Frage nach „Kooperativität“ im beruflichen Alltag bearbeitet. Ziel ist es, zu neuen Erkenntnissen im institutionellen Miteinander zu gelangen und diese in die eigene berufliche Praxis zu übertragen. Das Museum bietet dafür den Erfahrungs- und Wirkungsraum. Das Projekt der Landeseinrichtungen kommt ohne zusätzliches Fördergeld aus.

Astrid Lembcke-Thiel, Referentin Kulturelle Bildung am Museum Wiesbaden, freut sich über die bevorstehende Zusammenarbeit: „Die besondere Chance dieser Kooperation liegt für uns darin, unsere langjährigen Vermittlungserfahrungen anzubieten und die gewonnenen Erkenntnisse zu reflektieren und zu nutzen, um für alle Transferwissen zu generieren.“

Museum Wiesbaden

Museum Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde e.V. (NVN) ermöglicht mit 10 000-Euro-Spende Kitas u. Schulen kostenfreie Führungen

Übergabe des Geldschecks mit Dr. Tilli Reinhardt, Dr. Helmut Arnold, Dr.Andreas Henning und Gabriele Knepper (v.l.n.r.) © Foto Diether von Goddenthow
Übergabe des Geldschecks mit Dr. Tilli Reinhardt, Dr. Helmut Arnold, Dr.Andreas Henning und Gabriele Knepper (v.l.n.r.) © Foto Diether von Goddenthow

Dank des Nassauischen Vereins für Naturkunde e.V. (NVN) gibt es seit April 2022 wieder kostenfreie Führungen und Workshops für Schulen und Kitas durch die Naturausstellungen im Museum Wiesbaden. Eine Spende von 10.000 Euro bringt jungen Menschen den außerschulischen Lernort Museum näher. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt in das Museum Wiesbaden.

Vermittlungsarbeit ist eine der Kernaufgaben von Museen. Als Lernort, außerhalb des Klassenzimmers und der gewohnten Umgebung, schaffen Ausstellungsräume Plattformen zur Diskussion in unmittelbarer Begegnung mit dem Objekt. Ebenso bietet das umfangreiche, lehrplanorientierte Führungsangebot durch die Dauerausstellungen der Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden mit ihren Themenräumen Farbe, Form, Bewegung und Zeit vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten für Wandertage oder Ausflüge.

Der Nassauische Verein für Naturkunde e.V. setzt sich schon seit langem für die pädagogische Arbeit des Landesmuseums Wiesbaden ein:
„Eines unserer Ziele ist es, die Naturwissenschaften und die Naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden für jeden verständlich und erfahrbar zu machen und damit die naturkundliche Bildung sowie das Interesse für die Natur insgesamt zu fördern,“ sagt Dr. Helmut Arnold, Vorsitzender des Vereins. Mit einer Spende von 10.000 Euro werden 200 kostenfreie Führungen sowie Workshops für Schulen und Kitas finanziert. Die feierliche Übergabe des Geldschecks erfolgte im Zuge des Pressetermins.

„Wir sind dem Nassauischen Verein für Naturkunde sehr dankbar für die langjährige Unterstützung und Zusammenarbeit,“ sagt Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. „Mit der großzügigen Spende fördert der Verein die Vermittlungsarbeit, ein Kernanliegen unseres Hauses. Durch die Führungen und Workshops können wir den Museumsbesuch für Schulen und Kitas zu einem besonders intensiven, vielschichtigen und nachhaltig wirkenden Erlebnis machen.“

Das Team der Bildung und Vermittlung des Museums begrüßt die Spende mit großer Dankbarkeit: „Wir freuen uns sehr, diese kostenfreien Angebote Kitas und Schulen anbieten zu können und bekommen sehr viel positive Resonanz. In kürzester Zeit waren die bis zu den Sommerferien verfügbaren Termine ausgebucht. Gerade nach den Einschränkungen durch die Coronazeit ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche das Museum als Ort der kultu-rellen Bildung erkunden und kennenlernen können und dabei finanzielle Unterstützung erhalten.“

Es besteht noch die Möglichkeit, sich für kostenfreie Führungen durch die aktuelle Sonderausstellung „Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?“ (bis 5. Februar 2023) oder – frei nach dem Motto Natur sehen! – für die Dauerausstellung „Ästhetik der Natur“ anzumelden. Buchung unter:
edu@museum-wiesbaden.de oder Tel.: 0611 / 335 21 85.
Weitere Informationen unter: www.museum-wiesbaden.de

Der Nassauische Verein für Naturkunde e.V. wurde 1829 gegründet. Seitdem engagieren sich seine Mitglieder für die naturkundliche Erforschung unserer Region und leisten Bildungsarbeit mit dem Schwerpunkt Naturkunde in Form von Vorträgen, Exkursionen und Publikationen. Neben einer eigenständigen Sammeltätigkeit naturkundlicher Objekte unterstützt der Verein ferner die naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden als Satzungsauftrag.

Weitere Info: https://www.naturkunde-online.de/

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden
https://museum-wiesbaden.de/

Museum Wiesbaden mit „Wasser im Jugendstil“, „Frank Stella“ und anderen Highlights in den Sommerferien

© Foto Diether von Goddenthow
© Foto Diether von Goddenthow

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Mit den beiden Wasserausstellungen „Wasser im Jugendstil“ und „Vom Wert des Wassers“ sowie mit „Frank Stella“ bietet das Wiesbadener Museum neben seinen beliebten Dauerausstellungen ganz besondere Highlights insbesondere auch für die Sommerferien.

Zudem können „Nachzügler“ noch die letzte Gelegenheit nutzen, die verlängerte Sonderausstellung „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“ noch bis zum 14. August zu besuchen und einen Einblick in das Werk von Alexej von Jawlensky zu erhalten. Parallel zeigt die Ausstellung „Frank Stella — Alexej-von-Jawlensky-Preis 2022″ sowohl die frühen Arbeiten Stellas seit den 1960er Jahren als auch seine spektakulären neuen Werke aus der Salmon River Series, die 2021 entstanden sind.

Im Rahmen des Wiesbadener Jahres des Wassers laufen weiterhin die Ausstellungen Wasser im Jugendstil — Heilsbringer und Todesschlund und Vom Wert des Wassers — Alles Im Fluss?
Die neuen Intervention von Mieko Shiomi ist ebenso einen Besuch Wert! Mit ihr feiert das Museum Wiesbaden das 60-jährige Jubiläum der FLUXUS Bewegung.

Zudem bietet das Museum Wiesbaden freien Eintritt, Führungen und Workshops für Geflüchtete aus der Ukraine an.

Frank Stella
Alexej-von-Jawlensky-Preis 2022
10 Jun 2022 — 9 Okt 2022

Wasser im Jugendstil
Heilsbringer und Todesschlund
13 Mai 22 — 23 Okt 22

Vom Wert des Wassers
Alles im Fluss?
22 Apr 22 — 5 Feb 23

Alles!
100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden
Nur noch bis 14 Aug 22

Doch die Käfer — Kritze, kratze!
Studienausstellung
15 Mai 22 — 6 Nov 22

Mieko Shiomi
Intervention
21 Jul 2022 — 25 Sep 2022

Weitere Infos zum kompletten Veranstaltungsprogramm

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden
https://museum-wiesbaden.de/

Studienausstellung „Doch die Käfer — Kritze, kratze!“ eröffnet am 15.Mai 2022 im Museum Wiesbaden

Abb.: Käfer-Diorama, Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Abb.: Käfer-Diorama, Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Insbesondere in Zeiten massenhaften Insektensterbens, wovon auch insbesondere Käfer betroffen sind, gewinnen diese kleinen,  wunderbaren  „Krabbeltiere“  in der öffentlichen Diskussion als Schlüssel zur gesamten Natur stark an Bedeutung.

Die Studienausstellung „Doch die Käfer — Kritze, kratze!“, kuratiert von Diplom-Biologe Fritz Geller-Grimm, Leiter der Naturhistorischen Sammlungen im Museum Wiesbaden, nähert sich den sechsbeinigen Panzertieren mit dreidimensionalen Lebensbildern und bietet so Stoff für eigene Naturforschung. Jean-Henri Fabre und Ernst Jünger sind uns dabei literarische Helfer. Beide schufen ein neues Instrumentarium zum Verstehen dieser Vielfalt an Formen und Verhaltensweisen.
Und nicht nur Wilhelm Busch hat dem bekanntesten Käfer in Deutschland ein Denkmal gesetzt: „Jeder weiß, was so ein Maikäfer für ein Vogel sei …“. Es ist höchst interessant und lehrreich zugleich in die Welt der kleinen Krabbler im Museum einzutauchen und dabei allerhand Interessantes und Neues über sie zu erfahren.

Die Eröffnung der Ausstellung mit Begrüßung durch den Kurator Fritz Geller-Grimm am So 15 Mai 22, um 11 Uhr
Die Studienausstellung läuft bis zum 6 Nov 22

Rahmenprogramm: Vorträge über den Käfer

Di 13 Sep 22, 18:00
Schwarzfahrer mit Gift-Cocktail — Spannendes aus dem Reich der Ölkäfer
Mit Dr. Johannes Lückmann

Di 11 Okt 22, 18:00
Alkohol, Inzucht und Kinderarbeit — Neue Einblicke in das Leben heimischer Borkenkäfer
Mit Prof. Dr. Peter Biedermann

Infos zur Ausstellung: „Doch die Käfer — Kritze, kratze!“

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Besucherinfos

Wasser im Jugendstil – Heilsbringer und Todesschlund – Museum Wiesbaden vom 13 Mai 22 — 23 Okt 22

Emilio Longoni, Die Melodie des Flusses, 1904, Museum Wiesbaden, Dauerleihgabe Sammlung F.W. Neess. Foto: Markus Bollen
Emilio Longoni, Die Melodie des Flusses, 1904, Museum Wiesbaden, Dauerleihgabe Sammlung F.W. Neess. Foto: Markus Bollen

Als Beitrag zum Wiesbadener Jahr des Wassers 2022 widmet sich das Museum Wiesbaden vom 13. Mai bis  23. Oktober 2022  mit „Wasser im Jugendstil – Heilsbringer oder Todesschlund“ dem Thema Wasser auf künstlerische Weise.

Organische Wasserformen, elegante Nixen, maritime wie submaritime Flora und Fauna oder furchteinflößend aufbrausende Wellenberge – die komplexen und faszinierenden Motive des Wassers spielten in der ästhetischen Bildsprache der europäischen Kunst des Fin de Siècle eine zentrale Rolle.

Dabei wurde – ganz im Gedanken des Gesamtkunstwerks – kaum ein Bereich des Lebens ausgespart. Mit einer Vielfalt nationaler und internationaler Leihgaben wird Wasser als prominentes Stilelement im Jugendstil vorgestellt. Neben der Malerei, versammelt die Ausstellung herausragenden Objekte aus den Bereichen Angewandte Kunst, Bildhauerei, Textilkunst und Drucktechnik und lasst Sie eintauchen in die faszinierende Welt des Wassers.

Die Ausstellung versammelt herausragende Objekte unterschiedlichster Medien und lässt die Betrachter eintauchen in die facettenreiche Welt des Wassers.

Ort:
Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
www.museum-wiesbaden.de

Begleitprogramm

Vortrag
Mit Dr. Ingeborg Becker
Geheimnisvolles Wasser in der Kunst der Jahrhundertwende
Do 8 Sep 22, 18 Uhr

Vortrag
Mit Wilma Estelmann
Mit allen Wassern gewaschen — Eine literarische Betrachtung
Do 22 Sep 22, 18 Uhr

Vortrag
Mit Thomas Moser
Alles im Fluss. Der Strom des Lebens in elektrischen Lampen des Jugendstils
Do 29 Sep 22, 19 Uhr

In Kooperation mit DFF — Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V.
Filmvorführung im DFF
Mit Michael Kinzer, Medienkurator DFF
Night Tide (US 1961, Curtis Harrington)
So 3 Jul 22, 20 Uhr

Gesprächsabend im Museum Wiesbaden
Bewegung in bewegten Bildern — Wie das Wasser in der Filmgeschichte seinen Lauf nahm
Mit Michael Kinzer, Medienkurator DFF und Dr. Peter Forster, Kurator Museum Wiesbaden
Do 20 Okt 22, 18 Uhr

Ort:
Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
www.museum-wiesbaden.de

„Vom Wert des Wasser – alles im Fluss?“ – Naturwissenschaftliche Betrachtungen der Wasserstadt Wiesbaden im Museum Wiesbaden vom 22.04.2022 bis 5.02.2023

Ein Highlight der Ausstellung  "Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?" ist ein naturnahes Diorama, für das das Präparatorenteam des Museums fünf Meter Rheinufer mit Tieren und Pflanzen ins Museum geholt hat. "Die Naturvielfalt im und am Wasser kann zudem auch in Aquarien, Fotografien und Modellen erforscht werden", so Kurator Dr. Hannes Lerp beim Presserundgang. .Sogar Kleinstlebewesen können bestaunt werden, entweder in überlebensgroßen Modellen oder  in Vergrößerung unter dem Mikroskop. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Highlight der Ausstellung „Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?“ ist ein naturnahes Diorama, für das das Präparatorenteam des Museums fünf Meter Rheinufer mit Tieren und Pflanzen ins Museum geholt hat. „Die Naturvielfalt im und am Wasser kann zudem auch in Aquarien, Fotografien und Modellen erforscht werden“, so Kurator Dr. Hannes Lerp beim Presserundgang. .Sogar Kleinstlebewesen können bestaunt werden, entweder in überlebensgroßen Modellen oder in Vergrößerung unter dem Mikroskop. © Foto: Diether v. Goddenthow

Anlässlich des Wiesbadener Jahrs des Wassers nähert sich das Museum Wiesbaden in zwei Sonderausstellungen, einmal aus naturwissenschaftlicher und zum anderen aus künstlerischer Perspektive, dem Thema Wasser. Den Auftakt macht nun die naturwissenschaftliche Schau „Vom Wert des Wassers. Alles im Fluss?“ vom 22. April 2022 bis zum 5. Februar 2023, die die Bedeutung des Wassers für die Stadt Wiesbaden von der Frühzeit bis heute in seinen unterschiedlichsten Vorkommen, Verwendungsformen und Bedeutungen facettenreich beleuchtet und Denkanstöße gibt, wie künftig mit dem wertvollen, zumeist  im Untergrund verborgenen  Nass nachhaltiger umgegangen werden könnte /sollte, damit auch weiterhin alles im guten Fluss bleibt.

Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden; ""Exemplarisch wird Wasser als zentralesLebenselement und kostbare Ressource erlebbar."  © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden; „“Exemplarisch wird Wasser als zentralesLebenselement und kostbare Ressource erlebbar.“ © Foto: Diether v. Goddenthow

2016 haben die Vereinten Nationen ja die 17 Nachhaltigkeitsziele beschlossen mit einer Laufzeit von 15 Jahren in der man die Ziele, also bis 2030, erreichen will. Und das Ziel Nummer 6 sei sauberes Trinkwasser, so Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. Obgleich sauberes Trinkwasser erst einmal völlig verständlich klinge, wäre das bei genauerer Hinterfragung, „was das eigentlich genau meint“ doch eine sehr abstrakte Aussage und man käme ins Grübeln und zu Fragen wie: „Was ist eigentlich Wasser? Wo befindet sich Wasser? Wozu dient Wasser? Waser als Lebenselement? Wer lebt alles im Wasser? Um dann am Ende die Frage zu stellen: Ist denn tatsächlich alles im Fluss? Oder was müssen wir tun, damit alles im Fluss bleibt oder auch wieder in Fluss kommt?“, so Henning. „Diese fünf Fragen wollen wir mit dieser Sonderausstellung aus naturwissenschaftlicher Sicht diskutieren“ erklärt der Museumsdirektor auf dem heutigen Pressegespräch. Diese Ausstellung sei eine der großen Hauptausstellungen, mit dem das Museum am Wiesbadener Wasserjahr teilnimmt.

Ein maßstabsgerechtes Modell der Wiesbadener Innenstadt verortet nicht nur die sprudelnden Thermalquellen und das städtische Kanalnetz. Die  Besucher  können unter anderem hier anhand eines Touchscreen monitor per Fingerdruck entdecken, wo an welchen Stellen Bäche unter der Stadt verlaufen. © Foto: Heike v. Goddenthow
Ein maßstabsgerechtes Modell der Wiesbadener Innenstadt verortet nicht nur die sprudelnden Thermalquellen und das städtische Kanalnetz. Die Besucher können unter anderem hier anhand eines Touchscreen monitor per Fingerdruck entdecken, wo an welchen Stellen Bäche unter der Stadt verlaufen. © Foto: Heike v. Goddenthow

Und wenn von der Stadt Wiesbaden mit ihren 27 Thermalquellen und 55 vom Taunus her kommend, zumeist unterirdisch verlaufenden Bächen ganz selbstverständlich von der Wasserstadt am Rhein gesprochen werde, dann gehörten hierzu auch „die Pferdejäger, die schon in der letzten Eiszeit an den heißen Quellen auftankten“ genauso wie 8000 Jahre später die Römer, oder im 19. Jahrhundert die Kaiserliche Kurstadt, aber auch Persönlichkeiten wie den Pionier der Chemie Carl Remigius Fresenius(1818 – 1897), der die Wasser-Analytik hier in Wiesbaden erfunden und die Basis für sämtliche Wasseranalysen bis zum heutigen Tag geschaffen hat, so Henning.

Die Naturvielfalt im undam Wasser kann auch in Aquarien, Fotografien und Modellen erforscht werden. Hier ein Flusskrebs in einem Aquarium. © Foto: Heike v. Goddenthow
Die Naturvielfalt im undam Wasser kann auch in Aquarien, Fotografien und Modellen erforscht werden. Hier ein Flusskrebs in einem Aquarium. © Foto: Heike v. Goddenthow

Ein wesentliches Ziel der Ausstellung sei das Thema Wasser auch als identitätsstiftende Klammer für Wiesbaden neu zu entdecken und mehr ins Bewusstsein zu rücken, was Wasser mit Wiesbaden zu tun habe, so Kurator Dr. Hannes Lerp. Die Ausstellung thematisiere zudem wichtige Zukunftsfragen, insbesondere über den steigenden Wert des Wasser vor dem Hintergrund des Klimawandels, wachsender Boden-Versiegelungen und der Agrarindustrialisierung. „Wir wollen zeigen welche Entwicklungen bevorstehen und wie nachhaltiges Handeln zum Schutz des Wassers beiträgt und hilft, damit alles im Fluss bleibt“, so der Kurator.

Auf 800 Quadratmetern zeichnet die Ausstellung facettenreiche Einblicke in die Geschichte der Wasserstadt Wiesbaden, alles sehr allgemeinverständlich und didaktisch gekonnt für Groß und Klein aufbereitet.

Eine Ausstellung für die ganze Familie
Junge Gäste können die Ausstellung selbständig erkunden – geleitet vom Riesen Ekko, einer Wiesbadener Sagengestalt. Die Entdeckungstour spürt den Fragen nach: „Was ist Wasser?“, „Wo ist Wasser und wozu dient es?“, „Wer lebt im Wasser?“ und führt dabei zu vielen Mitmachstationen. An Mikroskopen können kleinste Wasserlebewesen entdeckt werden, mit einer Murmelbahn wird der Weg des Wassers in der Stadt gefolgt. Ein großer Touchscreen gibt Auskunft über die Bäche von Wiesbaden und eine Rätselwand verrät einiges über Wiesbadener Wasserbesonderheiten.

Ein multimedialer Rundgang in der Museums Wiesbaden App begleitet die Schau.

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog (HG: Museum Wiesbaden, ISBN 978–3–89258–140–6, 12,– Euro an der Museumskasse).

Schirmherr der Ausstellung ist der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.

Die Ausstellung wird gefördert durch die BRITA GmbH, das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, den Nassauischen Verein für Naturkunde und die Alfred-Weigle-Stiftung Wiesbaden.

ARTE ist Medienpartner der Ausstellung.
Eröffnung am Donnerstag, 21. Apr. 2022 von 19 — 21 Uhr. Hierzu kostenfreie Tickets über: tickets.museum-wiesbaden.de

Ort:
Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
www.museum-wiesbaden.de

Wiesbadener Jahr des Wassers eröffnet – Einweihung Speer des Ekko – 150 Programmpunkte – Museum Wiesbaden mit zwei Ankerausstellungen Wasser im Jugendstil

Ein Trommelwirbel zum Auftakt des Wiesbadener Jahrs des Wassers am 22. März 2022 auf dem Kochbrunnenplatz. Hinten links ist die Speer-Installation erkennbar.  © Foto Heike v. Goddenthow
Ein Trommelwirbel zum Auftakt des Wiesbadener Jahres des Wassers am 22. März 2022 auf dem Kochbrunnenplatz. Hinten links ist die Speer-Installation erkennbar. © Foto Heike v. Goddenthow

Mit der Einweihung der Installation „Speer des Riesen Ekko“  starteten gestern am 22.3.2022 bei herrlichem Wetter Oberbürgermeister Gerd Uwe Mende, Projektleiter Dr. Thomas Weichel und Museumsdirektor Dr. Andreas Henning das „Wiesbadener Jahr des Wassers“ auf dem Kochbrunnenplatz.

„Heute ist der internationale Weltwassertag, das ist auch der Grund, warum wir das Datum gewählt haben“, so der Oberbürgermeister.. Wiesbaden sei eingebettet zwischen den Taunusquellen und den Flüssen Rhein und Main mit den seit der Römerzeit bekannten Quellen, „den unsere Stadt den Wohlstand verdankt. Dazwischen mit Bächen als Lebensadern und Wasserspielen und Brunnen als Anziehungs- und Beziehungspunkten, und vieles was uns selbstverständlich erscheint, ist keineswegs selbstverständlich“, so Mende. Die Grundidee vor zwei sei es gewesen, „das Thema Wasser teils als identitätsstiftende Klammer für Wiesbaden neu zu entdecken.“ Corona war immer wieder der Grund dafür, das Projekt zu verschieben. Aber wir haben stets weitergemacht, was aus heutiger Perspektive gut war, freut sich Mende. So ging es ers t im Herbst 21  richtig los. Da wurde das Projektbüro von Dr. Thomas Weichel mit Angeboten, sich zu beteiligen, förmlich überschüttet. „Statt der ursprünglich einmal anvisierten 15 Veranstaltungen haben wir inzwischen fast 150 Einzelveranstaltungen, die wir so nicht erwartet hatten“, verkündet der OB ganz begeistert. Man habe hierdurch ein rundes und ganz tolles Programm. Als Folge des Anmeldebooms sei das Programmheft nunmehr eher zu einem 170seitigen starken Buch und deswegen  nicht termingerecht fertig geworden.

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende hat bei seiner Begrüßung noch eine Überraschung parat: Jeder Besucher erhält  einen, in symbolisch blau gehaltene Regen-Schirm . © Foto Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Gert Uwe Mende hat bei seiner Begrüßung noch eine Überraschung parat: Jeder Besucher erhält einen, in symbolisch blau gehaltene Regen-Schirm . © Foto Diether v. Goddenthow

Zu den zentralen Partnern gehöre das Wiesbadener Museum, welches zum Jahr des Wasser zwei wunderbare Ausstellungen vorbereitet habe, die zu einem Kern im Jahr des Wassers würden. Weitere Partner seien die Kirchen, eine Moschee, Schulen, zahlreiche Vereine und Institutionen, aber auch viele Künstlerinnen und Künstler, Galerien und viele mehr, so der Oberbürgermeister. Zudem werde eine ganze Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen von der Stabsstelle und den städtischen Ämtern, insbesondere dem Umweltamt und dem Kulturamt durchgeführt. Zudem kämen Unterstützungen von den Hochschulen Rhein-Main und Fresenius, „was unser Projekt noch einmal aufgewertet“ habe, unterstreicht Mende und lobt den „Vater des Projektes“ Dr. Thomas Weichel, „ohne den wir hier heute nicht stünden“. Die Stabsstelle mit Thomas Weichel habe versucht, das Thema Wasser in der Stadt populär zu machen, die Politik davon zu überzeugen, dass wir das machen, das wir das gut finden“, so der Oberbürgermeister lobend.

Wiesbadens heiße Quellen wussten schon Kelten und Römer zu schätzen. (siehe auch Keltenland Hessen – Im Spannungsfeld der Kulturen im SAM) © Foto Diether v. Goddenthow
Wiesbadens heiße Quellen wussten schon Kelten und Römer zu schätzen. (siehe auch Keltenland Hessen – Im Spannungsfeld der Kulturen im SAM) © Foto Diether v. Goddenthow

Am Ende sei es gelungen, so der OB, eine solche thematische Breite der Veranstaltung zu erhalten, „dass diese den Ansatz des Jahres des Wasser widerspiegelt“. Das sei das Ziel und der Plan gewesen, dass neben der Darstellung der natürlichen Rahmenbedingungen und der Geschichte, insbesondere eine Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft stattfindet. Das Jahr des Wassers solle eine Aufforderung an die Stadtgesellschaft sein, sich diesen Aufgaben zu stellen, so Mende. Denn gerade eine Stadt, die so eng mit dem Wasser verknüpft sei wie Wiesbaden, solle mit forschen und innovativen Projekten vorangehen. „Aus diesem Jahr des Wassers erwächst der Auftrag gegenüber Stadt und unseren Kindern, sorgsam mit dem Gut Wasser umzugehen.“, hofft der Oberbürgermeister

Die Legende mit dem „Speer des Riesen Ekko“

Installation Speer des Ekko. © Foto Heike v. Goddenthow
Installation Speer des Ekko. © Foto Heike v. Goddenthow

Nach seinen einleitenden Worten kam Mende gemeinsam mit Dr. Thomas Weichel und Dr. Andreas Henning zur Einweihung der Installation „Speer des Riesen Ekko. Mit diesem Speer habe nunmal der Legende nach in Wiesbaden wassermäßig alles begonnen. Der Speer reflektiere die Geschichte dazu, so der Oberbürgermeister, der diese kurz zusammenfasste: „Der Legende nach wurde der gutmütige Riese Ekko von einem Drachen gereizt- Der Drache verschwand in der Erde. Bei der Verfolgung des Drachen stürzte Ekko und formte dabei mit seinen Fingern die Taunustäler und entdeckte mit seinen  unfreiwillig in die Erde einschlagenden Speer  die heißen Quellen direkt nebenan. So ginge jedenfalls die Geschichte, die viele Wiesbadener Grundschulkinder lernten, so Mende und wies auf das seit vielen Jahren wunderbare Heimatkundebuch zu dieser Geschichte von Jürgen Heller hin.

(v.l.) Dr. Thomas Weichel, Initiator u. Leiter der Stabsstelle, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Dr. Andreas Henning, Direktor des Hessischen Landesmuseums Wiesbaden, enthüllten die  blauen  runden Bänke, die als Symbol einer Quelle  den "Speer des Riesen Ekko" einschließen. © Foto Diether v. Goddenthow
(v.l.) Dr. Thomas Weichel, Initiator u. Leiter der Stabsstelle, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Dr. Andreas Henning, Direktor des Hessischen Landesmuseums Wiesbaden, enthüllten die blauen runden Bänke, die als Symbol einer Quelle den „Speer des Riesen Ekko“ einschließen. © Foto Diether v. Goddenthow

Diesen Speer des Riesen Ekko hat  Thomas Weichels Team wiederentdeckt und zum Symbol des Wiesbadener Jahr des Wassers gemacht, weswegen der Speer sich auch im Logo zum Aktionsjahr wiederfände. Vor allem dankte der OB  dem Bauunternehmen Brömer & Söhne für  Fundament und Fertigbetonteile, der Stahlbaufirma Huhle für den gesponserten 12 Meter hohen Speer, dem Gartenbaubetrieb Held für seine Pflasterarbeiten sowie der Wiesbadener Jugendwerkstatt. Diese habe  die sehr aufwändigen Gussformen für die Fertigbetonteile des Fundaments hergestellt.

Die in blau gehaltenen, um den „Speer des Riesen Ekko“ rund herum geschlungenen  Bänke hat sich Dr. Thomas Weichel  ausgedacht. Sie sollen die sprudelnde Quelle symbolisieren und zugleich zum Verweilen einladen.

Die Installation soll, so der Oberbürgermeister, ein Jahr stehen bleiben und dann vielleicht weiterwandern. Interessenten gäbe es, sowie auch viele Gelegenheiten, die Geschichte des Riesen Ekkos zu erzählen vom Riesen, der einst die Grundlagen für Wiesbadens Aufstieg legte. Das wäre auch ein schönes neues Highlight  für die Stadtführer.

Wasser habe auch „immer unsere Wirtschaft angetrieben, nicht nur den Kurbetrieb, sondern eben auch ganz real viel mechanische Mühlen im heutigen Stadtgebiet.“, so Mende. Wasser sei also gerade für Wiesbaden mehr als nur die chemische Verbindung H2O.. Wasser sei für diese Stadt identitätsstiftend, so der Oberbürgermeister, der mit einem Zitat aus Europäischen Wasserrahmrichtlinien schloss: „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“

Wasserblaue Schirme für alle. Dr. Thomas Weichel verteilt das Überraschungsgeschenk, mit dem ein wenig Werbung für das Wasser-Aktionsjahr gemacht werden soll. © Foto Diether v. Goddenthow
Wasserblaue Schirme für alle. Dr. Thomas Weichel verteilt das Überraschungsgeschenk, mit dem ein wenig Werbung für das Wasser-Aktionsjahr gemacht werden soll. © Foto Diether v. Goddenthow

Für den Fall, dass es an diesem Tag geregnet hätte, hatte das Rathaus vorgesorgt und ausreichend Schirme mitgebracht. Bei diesem herrlichen Wetter war Regenschutz zwar nicht nötig. So dienten die wasserblauen Schirme als Überraschungsgeschenk für die Anwesenden,  die, wenn es hoffentlich bald mal wieder regnet, diese blauen Schirme benutzen, um auch  “ immer wieder Werbung für das „Jahr des Wassers zu machen“.

Zwei  Anker-Ausstellungen zum Wasserjahr  im Museum Wiesbaden 

„Vom Wert des Wasser – Alles im Fluss?

Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. © Foto Diether v. Goddenthow
Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. © Foto Diether v. Goddenthow

Museumsdirektor Dr. Andreas Henning skizzierte die beiden Ausstellungen im Hessischen Landesmuseum, einmal ab 13. April 2022 in der Naturhistorischen Abteilung: „Vom Wert des Wasser – Alles im Fluss? Unter anderen zeigt ein 3 x 3 Meter großes Stadtmodell die zahlreichen Wasserflüsse der Hessenmetropole. Damit solle einmal mehr deutlich gemacht werden, „wie viel Wasser eigentlich in dieser Stadt anwesend ist, größtenteils unterirdisch“, so Henning. Und nur selten gelange das Wasser an die Oberfläche, weswegen wir uns vielleicht auch mal die Frage stellen sollten, wie wir einen Ansatz oder weitere Ansätze finden, „dieses Wasser ans Tageslicht zu holen, um gewissermaßen damit die Innenstadt weiter zu beleben“, so der Museumsdirektor. Das Lebenselement Wasser zur Belebung dieser Innenstadt sichtbarer zu machen, sei „ein Denkanstoß, den wir mit dieser Ausstellung geben wollen“.

„Wasser im Jugendstil – Heilsbringer oder Todesschlund“ ab 13.Mai 

Kochbrunnen Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow
Kochbrunnen Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow

Wasser sei natürlich auch schon immer unser aller Imaginationsraum, so der Museumsdirektor. Ein besonderer Kulminationspunkt dieses Imaginationsraums Wasser seien der Jugendstil und der Symbolismus am Ende des 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deswegen werde das Museum Wiesbaden ab 13. Mai 2022 seine zweite große Ausstellung zum Thema Wasser dem Wasser als Imaginationsort für die Künstlerinnen und Künstler des Jugendstils widmen: Wasser im Jugendstil – Heilsbringer oder Todesschlund“. „Es wird die erste große Ausstellung sein, die wir nach der Schenkung Neess zu diesem Thema machen werden. Durch Corona sei vieles ins Hintertreffen geraten. Das müsse jetzt nachgeholt werden. So werde das Museum Wiesbaden künftig jedes Jahr aus dem Jugendstil ein Thema spielen wollen, „weil wir als Stadt Wiesbaden auf der internationalen Landkarte des Jugendstils nunmehr mit einer der europäischen Spitzenkollektionen verankert sind, die jetzt dauerhaft hier in Wiesbaden beheimatet ist“, freut sich der Museumsdirektor.

Hier weitere Informationen und Details zu allen 150 Angeboten im Wiesbadener Jahr des Wasser

Tipp
wie-das-wasser-zur-kunst-wird160In der Kunstarche e.V.  /Stadtarchiv am 27. März – 10. Juni
Gruppenausstellung
Aqua – wie aus Wasser Kunst wird

Verlängert bis 26. Juni 22 – Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden – 17.09.2021 bis 27.03.2022

Alexej Jawlensky inmitten seiner Freunde 1924 Wiesbaden. Foto Alexej von Jawlensky Archiv S._A. Locarno
Alexej Jawlensky inmitten seiner Freunde 1924 Wiesbaden. Foto Alexej von Jawlensky Archiv S._A. Locarno

Zur Feier des Geburtstags des Expressionisten am 13. März 2022 verlängert das Museum Wiesbaden seine aktuelle Gesamtschau der Jawlensky-Bestände bis zum 26. Juni 2022!

Die große  Jubiläumsausstellung  „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“, vom 17. 09.2021 bis 27.03.2022 im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden, präsentiert erstmals in der Geschichte des Museums die komplette Jawlensky-Sammlung und damit auch 100 Jahre Museumsgeschichte. Obendrein vermittelt sie die Entwicklung von 100 Jahren Klassischer Moderne aus der Perspektive Jawlenskys  und zeigt ihn als einen  der Söhne dieser Stadt. Als besonderes Highlight erhält das Museum das  in der Schweiz angesiedelte Alexej-Jawlensky-Archiv und avanciert damit bis 2025 zum  wichtigsten Jawlensky-Forschungsstandort weltweit. 

Wenn man  _Alexej Jawlenskys Lebenslauf anschaue, sei sein Umzug nach Wiesbaden wohl kaum vorherbestimmt gewesen,  so Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. Geboren 1864 in Russland, dort in St. Petersburg die Akademie besucht, in München im Umfeld des Blauen Reiters die Malerei revolutioniert und zu einem der Hauptprotagonisten der Klassischen Moderne aufgestiegen, im Schweizer Exil für sich das serielle Kunstprinzip entdeckt und damit Kunstgeschichte geschrieben,  war Jawlenskys  Entscheidung, 1921  nach Wiesbaden überzusiedeln, wohl eher dem Zufall guter Werkverkäufe  geschuldet.  Wiesbaden war damals eine Stadt der Avantgarde. Die große Ausstellungstournee mit Werken von Jawlensky, die 1920 /1921 mit Stationen in Berlin, Hamburg, Hannover, München und Frankfurt am Main durch Deutschland tourte, hatte hier 1921 die sensationellste Station. An keiner anderen Station hat Jawlensky so viele Werke verkaufen können wie in der damaligen Kunstmetropole Wiesbaden. 20 Werke hatten hier neue Eigentümer gefunden. Seine damalige Agentin Emmy Scheyer sprach nicht ganz ohne Stolz vom „Jawlenskyfimmel“, so der Museumsdirektor. Deswegen lag es nah, dass sich der Künstler die Stadt Wiesbaden, die spätestens seit Fjodor Dostojewskis Roman Der Spieler in ganz Russland bekannt war, nach einer derartig positiven Resonanz seiner Bilder anschauen musste.

Der Nassauische Kunstverein, der von 1854 bis 1929 die Wiesbadener Bildergalerie begründet hatte, und die Kunstabteilung für das Museum Wiesbaden nach dessen Eröffnung 1915 leitete, suchte ihm eine Wohnung. So konnten seine Familie, Helene und Andreas Nesnakomoff-Jawlensky, im Frühjahr 1922 aus Ascona hierher umziehen, wo man, so Dr. Hennig, zuvor mit Marianne Werefkin in einer nicht wenig verwickelten Beziehung gelebt hatte.

Ausstellungs-Impression-Alles! 100-jahre-Alexej von Jawlensky in Wiesbaden. © Foto Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression-Alles! 100-jahre-Alexej von Jawlensky in Wiesbaden. © Foto Diether v. Goddenthow

Dies ist eine von 30 Jawlensky-Geschichten, die in der Ausstellung flankierend erzählt werden und zum besonderen Konzept gehören, das als Grundstruktur durch alle 16 Räume führt. So werden die 111 Jawlensky-Werke umrahmt von 30 spannenden Jawlensky-Geschichten. Biografische Ereignisse und Einblicke in die Freundschaften des Malers in Wiesbaden reihen sich an die Aufarbeitung museumsgeschichtlicher Erfolge und Skandale der Nachkriegszeit. Die Jawlensky-Arbeiten werden diesmal nicht wie sonst im Museum Wiesbaden üblich nach den Lebensorten des Künstlers (München, Schweiz, Wiesbaden) oder nach Gattungen (Köpfe, Landschaft, Stillleben) präsentiert, sondern strikt nach ihrem Erwerbungsdatum von 1922 bis heute 2021. Mit jedem Werk, das ins Haus gekommen ist, war es im Folgenden möglich, weitere Jawlensky-Bezüge zur Kunstgeschichte, aber auch zur Biografie zu erforschen und vermitteln. „Damit sieht jede Besucherin und jeder Besucher physisch beim Durchgehen durch die Ausstellung die Jawlensky-Sammlung über die Jahrzehnte hinweg wachsen, wodurch wir“, so Dr. Roman Zieglgänsberger, Kustos Klassische Moderne am Museum Wiesbaden und Kurator der Ausstellung, „über den eigenen Tellerrand hinausblicken und ganz im Allgemeinen die Institution Museum mit seinen vier Kardinalaufgaben thematisieren: Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln.“

Zugleich wird die eigene Jawlensky-Sammlung mit ausgewählten Werken der Klassischen Moderne des Sammlungsbestandes konfrontiert – von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Franz und Maria Marc, Gabriele Münter oder Marianne von Werefkin bis hin zu Georg Meistermann oder Rupprecht Geiger. Die Ausstellung endet mit einem Raum zum Alexej von Jawlensky-Preis, der erstmals 1991 an Agnes Martin vergeben wurde und den Frank Stella für 2022 mit großer Freude angenommen hat.

Weltweit bedeutendste Jawlensky-Sammlung
Der Werkkomplex um den Künstler Alexej von Jawlensky, der von 1921 bis zu seinem Tod 1941 in Wiesbaden lebte, bildet heute einen der großen Schwerpunkte im Museum Wiesbaden. Dies ist keineswegs selbstverständlich, da eine erste zu Lebzeiten des Künstlers aufgebaute Jawlensky-Sammlung zwischen 1933 und 1937 aufgrund der Kulturpolitik der Nationalsozialisten völlig aufgelöst wurde. Alle Gemälde, die sich noch 1932 als Leihgabe oder Eigenbesitz im Museum Wiesbaden befanden — immerhin mehr als 20 Gemälde —, wurden an die Besitzer zurückgegeben bzw. 1937 beschlagnahmt und abtransportiert. Die heutige Wiesbadener Jawlensky-Sammlung, die mit insgesamt 111 Werken neben der des Norton Simon Museums in Pasadena (USA/Kalifornien) die umfangreichste zum Werk des Künstlers darstellt, konnte in den letzten 25 Jahren hinsichtlich Qualität und Werkauswahl zur bedeutendsten Sammlung weltweit ausgebaut werden. Die jüngste Sammlungserweiterung stellt das Große Stillleben mit Blumenvase dar, das mit großzügiger Unterstützung des Vereins der Freunde des Museums Wiesbaden e.V. zu diesem Anlass erworben werden konnte. Alle Entwicklungsstufen des Künstlers — seine frühe Münchener Phase, der Murnauer und Schwabinger Aufbruch, die Schweizer Exilzeit sowie die wichtige Wiesbadener Periode — sind mit Hauptwerken vertreten, und bis zum 27. März 2022 erstmals komplett in der Gesamtschau „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“ zu sehen. Darüber hinaus ist die Ausstellung gespickt mit Anekdoten und Geschichten aus und um das Leben des Künstlers.

Ausstellungs-Impression-Alles! 100-jahre-Alexej von Jawlensky in Wiesbaden. © Museum Wiesbaden Foto Bernd Fickert.
Ausstellungs-Impression-Alles! 100-jahre-Alexej von Jawlensky in Wiesbaden. © Museum Wiesbaden Foto Bernd Fickert.

Neue Heimat für Alexej-von-Jawlensky-Archiv  in Wiesbadner Museum 

Als großes Highlight der Jubiläumsausstellung, kann nun öffentlich bekannt gegeben werden, dass das seit 100 Jahren in Muralto in der Schweiz angesiedelte  Alexej von Jawlensky-Archiv  bis 2025 sukzessive nach Museum Wiesbaden umzieht.   Die Enkelin des Künstlers, Angelica Jawlensky Bianconi,  übergibt als symbolischen „Grundstein“ des zukünftigen „Forschungsarchivs Alexej von Jawlensky“ dem Museum Wiesbaden beim Jubiläumsfest-Akt die deutsche Einbürgerungsurkunde ihres Großvaters.
Es ist vor allem das Verdienst von Dr. Roman Zieglgänsberger,  dass das Alexej-von-Jawlensky-Archiv von Muralto ins Wiesbadener Museum umzieht. Als Roman Zieglgänsberger vor 11 Jahren im Museum Wiesbaden begann, hatte er sich schon gewundert, dass hier außer den Bildakten kein Jawlensky-Archiv geführt wurde. Er sah aber auch keinen Sinn darin, nun in Wiesbaden bei Null ein konkurrierendes Archiv aufzubauen,  da die  Fachkollegen in der Schweiz schon seit 100 Jahren  gute Archivarbeit „machen“. So hat der Kustos  Sachen zu und über Jawlensky, die an ihn herangetragen wurden, nicht selbst gesammelt, sondern sofort an das Jawlensky-Archiv (Schweiz) weitergereicht. „Die waren erstaunt darüber, dass so eine Offenheit besteht, weil normalerweise Archive immer da sind, dass Forscher kommen, und etwas wollen und nie etwas abgeben. Und ich habe mir gedacht, wenn ich das da rüber gebe, und ich dann mal etwas nachfrage, dann krieg ich immer eine Antwort, und genauso war es. Es war von Anfang an immer ein Geben und Nehmen“, erinnert sich Dr. Zieglgänsberger, wodurch die Vertrauensbasis geschaffen wurde, dass nunmehr  Angelica Jawlensky-Bianconi sich entschied, das Alexej-Jawlensky-Archiv dem Wiesbadener Museum zu schenken. Besser hätte sich Dr. Zieglgänsbergers kooperative Offenheit für das Museum Wiesbaden wohl kaum auszahlen können.
Mit der Schenkung des Jawlensky-Archivs werden „in den kommenden vier Jahren die Jawlensky-Sammlung des Museums um die wertvollen Archivmaterialien von ca. 500 Briefen von und an Jawlensky, Fotografien in Originalabzügen, Adressbücher, Werkstattbücher, Memoiren sowie – neben vielen anderen für die Provenienzforschung bedeutsamen Quellen – eine komplette Bibliothek zum Werk und Umfeld des Künstlers erweitert werden.“, freut sich Dr.  Zieglgänsberger Die Übergabe des Archivs wird in enger Zusammenarbeit mit Angelica Jawlensky Bianconi vorgenommen. Damit wird das Museum Wiesbaden bis 2025 zur  international wichtigsten Jawlensky-Forschungsstätte avancieren.

„Wir sind Angelica Jawlensky Bianconi sehr dankbar für diese großzügige und überaus vertrauensvolle Schenkung, die das Museum Wiesbaden zum Zentrum der Jawlensky-Forschung macht, “ so Dr. Henning. Wie nicht zuletzt diese Ausstellung deutlich aufzeigt, sind Geschichte und Museumsarbeit unseres Hauses auf das Engste mit diesem Künstler verbunden. Daher ist das Museum Wiesbaden der richtige Ort für das neue „Forschungsarchiv Alexej von Jawlensky.“, so der Museumsdirektor.

Weitere Schenkungen anlässlich des Jubiläums

Dr- Andreas Henning, Direktor des Museum Wiesbaden u Dr. Gerd Eckelmann, Vorsitzender des Freunde des Museum Wiesbaden enthüllen das Große Stillleben mit Vase von Alexej Jawlensky als letzte Neuerwerbung. Dies war nur mit großzügiger Unterstützung der Freunde des Museums möglich © Diether v Goddenthow
Dr- Andreas Henning, Direktor des Museum Wiesbaden u Dr. Gerd Eckelmann, Vorsitzender des Freunde des Museums Wiesbaden enthüllen das Große Stillleben mit Vase von Alexej Jawlensky als letzte Neuerwerbung. Dies war nur mit großzügiger Unterstützung der Freunde des Museums möglich © Diether v Goddenthow

Anlässlich des Jubiläums ließen weitere zahlreiche Schenkungen die Sammlung für Klassische Moderne und den Werkbestand Jawlenskys wachsen, darunter Werke von Alexej von Jawlensky, seines Sohns Andreas Jawlensky und Künstlern aus dem Umfeld, darunter Gemälde von Oskar Moll, Louis Seel oder Pierre-Paul Girieud. Ebenso wurden 40 Briefe Jawlenskys an seine Freundin und Förderin Hanna Bekker vom Rath sowie die Originalunterlagen zur 1929 begründeten „Vereinigung zur Förderung der Kunst von Alexej von Jawlensky“ dem Museum geschenkt.

Tour durch Wiesbaden an Lebens- und Schaffensstationen Jawlenskys

Dr. Roman  Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne am Museum Wiesbaden und Kurator der Jubiläumsausstellen, hier mit "Papp-Kamerad" Alexej Jawlensky an Station 11 der Jawlensky-Selbsterkundungs-Tour durch die Stadt, hier am Warmen Damm vor dem Hessischen Staatstheater. © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne am Museum Wiesbaden und Kurator der Jubiläumsausstellen, hier mit „Papp-Kamerad“ Alexej Jawlensky an Station 11 der Jawlensky-Selbsterkundungs-Tour durch die Stadt, hier am Warmen Damm vor dem Hessischen Staatstheater. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein weiteres Ausstellungs-Highlight ist die Herausstellung besonderer Orte Alexej Jawlensky in Wiesbaden, so dass das Jubiläum auch in „seine“ Stadt hineinstrahlt: 27 Orte im Stadtgebiet, von Cafés, Einzelhandelsgeschäften, Kultureinrichtungen bis hin zu Park- bzw. Friedhofsanlagen rufen das Leben des russischen Künstlers mit dem Jawlensky Pfad (www.jawlenskypfad.de) in Erinnerung. Beginnend mit dem Wiesbadener Hauptbahnhof an der Mobilitätsinfo der ESWE Verkehr bis hinauf zum Friedhof der Russisch-Orthodoxen Kirche der Hl. Elisabeth am Neroberg, können zahlreiche Stationen – viele mit historischem Bezug und Anekdoten aus Jawlenskys Leben – besucht werden (zu Fuß, mit dem Rad, Teilstrecken mit dem öffentlichen Nahverkehr). Die teilnehmenden Cafés und Restaurants warten mit besonderen kulinarischen Angeboten auf und nur wenige befinden sich weiter außerhalb. Die Aktion verläuft zeitgleich zur Ausstellung. Ausgewählte REWE Märkte im Wiesbadener Stadtgebiet sowie in Mainz beherbergen an Samstagen Aktionsstände mit Gewinnspielen.

Infos zum Jawlensky-Pfad

Bestands-Katalog zur Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“
Damit legt das Museum Wiesbaden zum ersten Mal einen Katalog auf über den Gesamtbestand jetzt mit der stark gewachsenen Sammlung und der ein Jahrzehnt umfassenden Forschung von Roman Zieglgänsberger. Ein Bestandskatalog ist der Goldstandard in der Museumsforschung.
(Herausgeber: Museum Wiesbaden, 432 Seiten, Hirmer Verlag GmbH, München, ISBN 978-3-7774-3746-0; zum Sonderpreis von 39,80 € an der Museumskasse).

Kostenfrei steht in der App des Museums Wiesbaden ein zweisprachiger Audioguide für Erwachsene und für Kinder zur Verfügung.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Weitere Informationen sowie Podcasts – Geschichten, Reportagen, Gespräche und mehr

Präsentation vom „Buch der gescheiterten Kunstwerke“ am 8.12.21 im Museum Wiesbaden

ende-offen-buch-gescheiterer-kunstwerkeOb Geldmangel, versiegende Motivation oder der Tod – es gibt viele Gründe, warum ein Kunstwerk nicht fertiggestellt wird. Thomas von Steinaecker beschreibt zahlreiche Beispiele davon in „Ende offen: Das Buch der gescheiterten Kunstwerke“. Am Mittwoch, 8. Dezember, stellt er sein Buch um 19.30 Uhr im Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, vor.

Andreas Platthaus (FAZ) moderiert den Abend. Im Museum Wiesbaden gilt die 2G-Regel, tagesaktuelle Informationen zum Einlass sind unter www.wiesbaden.de/literaturhaus zu finden.

Die Faszination von Unvollendetem hält sich bis heute. Meist bieten die Hintergründe, warum etwas gerade nicht fertiggestellt wurde, mehr Spannung als eine Entstehungsgeschichte, an deren Ende ein fertiges Kunstwerk steht. Thomas von Steinaecker macht sich auf die Suche nach dem Scheitern, nach Fragmenten und Fehlschlägen und beschreibt diese unterhaltsam und informativ in seinem Sachbuch „Ende offen: Das Buch der gescheiterten Kunstwerke“. Die Bandbreite reicht von den Schlössern Ludwigs II. bis hin zu Jodorowskys größenwahnsinnigem Versuch, das Science Fiction-Epos „Dune“ zu verfilmen. Und am Ende zeigt sich meist, dass das Scheitern der eigentliche Weg zu Kunst ist.

Thomas von Steinaecker wurde 1977 geboren und ist als Autor, Regisseur und Journalist tätig. Seine Veröffentlichungen umfassen Romane, Comics, Hörspiele und Essays. Er wurde mit zahlreichen Literatur- und Comic-Preisen ausgezeichnet, zuletzt erhielt er 2018 den Rudolph-Dirks-Award für grafische Literatur. Im Wintersemester 2013/14 hatte er die Poetikdozentur: junge Autoren der Stadt Wiesbaden und der Hochschule RheinMain inne.

Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Es gibt eine Abendkasse. Es gilt die 2G-Regel. Kartenvorverkauf: Tourist-Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Telefon (0611) 1729930; online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus.