Kategorie-Archiv: Hessisches Landesmuseum Wiesbaden

Hessen engagiert sich für Digitalisierung des Sammlungsguts aus Kolonialzeiten Museum Wiesbaden und Uni Marburg für Pilotprojekt ausgewählt

© Foto Diether v. Goddenthow
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Wiesbaden. Hessen engagiert sich deutschlandweit in der Aufarbeitung des kolonialen Erbes: Auf Bundesebene startet die Pilotphase der „3-Wege-Strategie“ mit 25 Einrichtungen, für die das Museum Wiesbaden und die Philipps-Universität ausgewählt wurden. Die Strategie haben Länder, Bund und kommunale Spitzenverbände verabschiedet, um Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu erfassen und digital zu veröffentlichen.

„Es ist ein wichtiger Grundstein zur Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes und des damals geschehenen Unrechts, das Sammlungsgut in deutschen Museen nach Stücken zu durchsuchen, die mit der Kolonialgeschichte verbunden sind, und das Ergebnis mit größtmöglicher Transparenz und Barrierefreiheit zugänglich zu machen“, betont Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn. „Mit dem Landesmuseum Wiesbaden und der Philipps-Universität Marburg öffnen zwei historisch gewachsene Institutionen ihre vielschichtigen Sammlungen und lassen ihre Erfahrungen in die Strategie einfließen. Gleichzeitig war es uns wichtig, auch die Erfahrungen und Herausforderungen kleinerer Einrichtungen zu hören. Als nächster Schritt ist deswegen ein hessenweiter Verbund mit Kulturgut bewahrenden Institutionen in Planung, die Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten halten. Von dieser Zusammenarbeit profitieren sowohl das Bundes-Pilotprojekt als auch die Digitalisierungsstrategie des Landes Hessen.“

„Die Philipps-Universität Marburg wird in das Pilotprojekt ihre intensive Aufarbeitung der eigenen Sammlungen aus ihren sozial- und naturwissenschaftlichen Fächern sowie der Medizin mit Objekten aus kolonialen Kontexten integrieren und besonders mit ihrer Expertise in der digitalen Bereitstellung in Open Access zur besseren Erschließung beitragen“, ergänzt Prof. Dr. Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität Marburg. „Die Universität und ihre Sammlungsleitungen unterhalten vielfältige Arbeitskontakte zu wissenschaftlichen Institutionen und Museen in den Herkunftsgesellschaften auf Gebieten früherer Kolonialherrschaft, und sie sind in der Provenienzforschung aktiv. Beispielsweise können die Religionskundliche und die Ethnographische Sammlung nicht nur den physischen Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten aufzeigen, sondern auch die Interaktion kolonialer Denkkonzepte zwischen Wissenschaft und Sammlung. Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg unterstützt die Publikation von Sammlungsdaten von rund 100 Kulturerbe-Institutionen aus aller Welt.“

Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden: „Die ethnologische Kollektion im Museum Wiesbaden ist Teil der etwa 1,2 Millionen Objekte umfassenden Bestände der Naturhistorischen Sammlungen. Uns erscheint es wichtig, in dieser Pilotphase nicht nur die Anliegen und Herausforderungen großer Sammlungen zu berücksichtigen. Sie spiegelt eindrücklich die Aktivitäten von Forschern, Sammlern und Missionaren des 19. und 20. Jahrhunderts. Es wurde fachübergreifend und repräsentativ gesammelt, denn es galt und gilt im Grunde bis heute, die Geschichten menschlicher Gemeinschaften und die Vielfältigkeit weltweiter Lebensweisen zu bewahren und respektvoll zu vermitteln. Wir als Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur wollen die Geschichte unserer Objekte und Sammlungen wissenschaftlich erschließen und durch den neuen digitalen Zugang die notwendige Transparenz schaffen, aus der erst das gegenseitige Vertrauen, Fairness und partnerschaftliche Kooperationen mit den Herkunftsgesellschaften erwachsen können.“

Zur „3-Wege-Strategie“ gehören die Schaffung eines zentralen Zugangs zu bereits digital erfasstem Sammlungsgut, die digitale Grunderfassung und Veröffentlichung solcher Bestände sowie die Erarbeitung von Standards für die langfristige digitale Verfügbarmachung.

Wiedereröffnung am 12. März 2021 – Landesmuseum Wiesbaden

Hessisches Landesmuseum Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow
Hessisches Landesmuseum Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow

Der stufenweise Lockerungsplan der Hessischen Landesregierung ermöglicht dem Museum Wiesbaden, ab dem 12. März 2021 wieder Publikum zu empfangen. Das neue Online-Ticketing-System bietet ab dem 10.3.2021 Zeitfenster für den Museumsbesuch. Der Zutritt ist nur mit vorab gebuchten Zeitfenster-Tickets möglich. Veranstaltungen, museumspädagogische Angebote oder Führungen finden bis auf Weiteres nicht statt.

„Der Tag, auf den das gesamte Team des Museums Wiesbaden gewartet hat, rückt immer näher,“ begrüßt Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. „Seit November letzten Jahres war das Museum geschlossen und die Ausstellungsräume menschenleer. Endlich wieder Gäste im Haus, und insbesondere in unseren Sonderausstellungen „August Macke – Paradies! Paradies?“ oder „Winston Roeth – Speed of Light“ begrüßen zu können erfüllt uns mit Freude. Pünktlich zu unserer Wiederöffnung wartet ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm auf die Besucherinnen und Besucher, von der Studienausstellung über die regional heimische Äskulapnatter bis hin zur Kunst des 19. Jahrhunderts mit der Präsentation „Exquisit“ der Schenkung Baechle.“

Mit der Wiedereröffnung startet das Museum Wiesbaden sein neues Online-Ticketing-System. Besucherinnen und Besuchern können das Museum gemäß der aktuellen Pandemieverordnung derzeit ausschließlich mit vorheriger Reservierung besuchen. Dafür stehen 30-minütige Zeitfenster für den Zutritt in das Museum zur Auswahl. Dadurch ist eine individuelle Planung möglich und es muss die digitale Eintrittskarte – als Code oder in ausgedruckter Form – am Tag des Besuches einfach nur noch dem Kassenpersonal vorgezeigt werden. Online-Tickets sind ab Mittwoch unter tickets.museum-wiesbaden.de oder in der Museums-App buchbar. Um einen reibungslosen Eintritt zu gewährleisten, bitten wir unsere Gäste auf der Museumwebsite das Formular zur Kontaktverfolgung auszudrucken und ausgefüllt mitzubringen. Bei allen Fragen sind wir unter der Telefonnummer 0611/335 2251 erreichbar. Um gegebenenfalls auf die weitere Entwicklung der Pandemie reagieren zu können, sind Zeitfenster-Tickets zunächst nur bis Ende März buchbar. Die weiteren Monate werden jeweils rechtzeitig freigeschaltet.

Das Museum bietet ein erprobtes Hygiene- und Sicherheitskonzept: gesonderte Besucherführung und begrenzte Personenzahlen, Abstandsregelungen, Maskenpflicht (FFP2 oder medizinische Masken) für Gäste und Personal, Kontaktdatenerhebung, Desinfektionsspender im gesamten Haus sowie erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsintervalle. Im Vorfeld ihres Besuchs können sich die Besucherinnen und Besucher auf der Website des Museums im Detail informieren.

Neben den Dauerausstellungen in den Bereichen Kunst und Natur wartet das Museum Wiesbaden mit reichhaltigen Sonderausstellungen auf: Die große Winterschau um den Bonner Expressionisten „August Macke. Paradies! Paradies?“ wird noch bis zum 9. Mai zu sehen sein. Ebenfalls in die Verlängerung bis zum 25. April geht „Speed of Light“ mit teils großformatigen Werken des US-amerikanischen Künstlers Winston Roeth, der in seinen Werken das Phänomen, Farbe zu Licht zu werden, erfahrbar macht. Erstmals zu sehen sind zudem die Präsentation der Schenkung des Ehepaars Jan und Friederike „Baechle Exquisit – Kunst des 19. Jahrhundert“, verlängert bis 26. September, sowie die Studienausstellung „Das Natternkind des Asklepios“, verlängert bis 18. Juli. Einzig für unsere Station der gemeinsam mit dem Kunsthaus Wiesbaden realisierten Doppelausstellung „reSTART Kutscher/Reifarth/Machnik“ verbleiben nur noch drei Tage bis zum 14. März. Die große naturhistorische Sonderschau „Kristalle – vom Diamant bis zum Gips“ kann ab dem 26. März von kleinen und großen Besucherinnen und Besuchern entdeckt werden.

Online-Tickets sind ab Mittwoch unter tickets.museum-wiesbaden.de oder in der Museums-App buchbar.

Sonder-Ausstellungen auf einen Blick

Hessisches Landesmuseum Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow
Hessisches Landesmuseum Wiesbaden © Foto Diether v. Goddenthow

Das Natternkind des Asklepios
Studienausstellung
1. Dez. 2020 — 18 Juli 2021

Exquisit — Kunst des 19. Jahrhunderts
Schenkung Jan und Friederike Baechle
20. Nov. 2020 — 26. Sept. 2021

August Macke
Paradies! Paradies?
30. Okt. 2020 — 9. Mai 2021

Winston Roeth
Speed of Light
11. Sep 2020 — 25. Apr 2021

Neue Ausstellungen

Kristalle
Vom Diamant bis zum Gips
26. März 2021 — 30. Jan. 2022

Von Kühen, edlen Damen und verzauberten Landschaften
Oder von der Liebe zur Malerei: Neues aus dem 19.
30. April 2021 — 26. Sept. 2021

Beuys 100
Interventionen zum Jubiläumsjahr
4. Mai 2021 — 10. Okt. 2021

Temporary Ground
Frank Gerritz
13. Mai 2021 — 29. Aug. 2021

Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden
Fon 0611 ⁄ 335 2171,
Fax 0611 ⁄ 335 2192
https://www.museum-wiesbaden.de/

Online-Tickets sind ab Mittwoch unter tickets.museum-wiesbaden.de oder in der Museums-App buchbar.

Digitale Angebote von Museen, Schlössern und Gärten als Alternative im Lockdown – Hessische Landeseinrichtungen ermöglichen Kunst und Kultur auch online

© tussenkunstenquarantaine
© tussenkunstenquarantaine

Wiesbaden. Vielen Familien fällt in der Corona-Krise die sprichwörtliche Decke auf den Kopf, weil Sport, Kino und viele andere Freizeitbeschäftigungen derzeit wegfallen. Was also tun, wenn nach dem Home Schooling die Langeweile dräut? Alternativen zu Fernsehen, Computerspielen und TikTok-Gealber bieten die hessischen Landesmuseen, Schlösser und Gärten an – vom virtuellen Besuch per 360-Grad-Aufnahme über Mitmachaktionen bis zur kuratierten Führung per YouTube. Und viele der Parks und Gärten kann man auch noch ganz in echt besuchen.

„Digitale Formate können vielen Menschen gerade jetzt in der Pandemie den Zugang zu Kulturgütern erleichtern oder neu eröffnen, weil sie unabhängig von Zeit und Raum zugänglich sind. Zugleich helfen neue Formate, Zusammenhänge zu erklären – das ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer Strategie für eine Digitalisierung mit Sinn und Verstand im Kulturbereich“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. Hessen hat zur Unterstützung der Digitalisierung in den Museen, denkmalgeschützten Gebäuden und Gärten sowie den Archiven des Landes 2020 zehn neue unbefristete Stellen eingerichtet und drei Millionen Euro für die Digitalisierung dieser Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Weitere Stellen und Mittel sind für 2021 geplant.

„Unsere Bündelungsfunktion bei der Digitalisierung zeigt sich auch im Kulturbereich. Aufgrund des fortschreitenden digitalen Wandels erwarten die Bürgerinnen und Bürger aber auch unabhängig von der aktuellen Situation entsprechende digital gestützte Angebote der Kultureinrichtungen und deren kontinuierlichen Ausbau. Ich freue mich sehr, dass es dank der geschaffenen Stellen gelingt, die Kultureinrichtungen dabei zu unterstützen, auch zukünftig ihre Angebote fortzuführen und ausbauen zu können“, betonte Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt,

© Foto Diether v. Goddenthow-
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gerade 200 Jahre altgeworden, zeigt in der Videoserie „Museum A bis Z“ kurze Clips zu jedem Buchstaben des Alphabets mit spannenden Fakten von A wie Architektur über I wie Insekten bis Z wie Zeitalter. Zur Ausstellung über den Künstler Tomás Saraceno gibt es ein virtuelles Rahmenprogramm, unter anderem mit der Filmreihe „Tomás Saraceno im Gespräch mit…“. Und alle zwei Monate lädt das Museum zum Plausch auf dem Grünen Sofa ein: ein Podcast mit Museumsdirektor Dr. Martin Faass, Künstlerinnen und Künstlern und vielen Expertinnen und Experten. hlmd.de/vermittlung

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk) bündelt im digitalen Kulturlieferdienst „Kultur & Co“ viele Reisewege durch die Kunstgeschichte über Social-Media-Kanäle und Website der mhk. So lädt die mhk in der weltweiten Mitmach-Aktion #tussenkunstenquarantaine dazu ein, Kasseler Kunstwerke zuhause nachzustellen. 360-Grad-Aufnahmen beamen Userinnen und User vor Schloss Wilhelmshöhe oder die Orangerie, und sie können durch eine 3D-Rekonstruktion des Marmorbades wandeln. Die Augmented-Reality-App bringt umgekehrt den Apoll aus der Antikensammlung ins heimische Wohnzimmer. Die Parks der MHK laden zu abenteuerlichen Spaziergängen ein. Dafür gibt es Entdecker-Karten und Rallyes mit spannenden Aufgaben, Spielen und Infos gerade für Familien – mit Abstand zu anderen Parkbesuchern, versteht sich. museum-kassel.de

Auch die Staatlichen Schlösser und Gärten bieten interaktive Rallyes an, so genannte „Bounds“. Im Prinz-Georg-Garten Darmstadt etwa zu den Themen „Geometrie im Garten“, „Mein Essen wächst im Supermarkt“ und „Blüte, Biene, Birne!“ Dass Schülerinnen und Schüler hier ihre Geometriekenntnisse trainieren, ihr Wissen zur Bestäubung von Pflanzen vertiefen oder sich mit der Frage beschäftigen, wo unser Essen herkommt, merken sie bei all dem Spaß gar nicht. Ende Februar kommt ein Bound zu Bienen und Blüten im Konventgarten des Klosters Seligenstadt hinzu. All das funktioniert per Smartphone oder Tablet über die kostenfreie App Actionbound. schloesser-hessen.de/darmstadt/actionbound-ralleys.html

Das Museum Wiesbaden lädt dazu ein, passend zur ab März

© Foto Diether v. Goddenthow-
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geplanten naturhistorischen Ausstellung „Kristalle – Von Diamant bis Gips“ Fotos von Höhlen einzusenden, die zuhause aus Kissen und Decken, Stühlen, Tischen und Kartons entstehen. Auch Alexej von Jawlenskys berühmtes Gemälde „Dame mit Fächer“ regt zum Nachbau an, ob aus Gemüse, Tüchern, Papierschnipseln oder in Verkleidung aus der Karnevalskiste (museum-wiesbaden.de/familien). Ernsthafter ist die Online-Kuratorenführung durch die Winterausstellung „August Macke – Paradies! Paradies?“ mit Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger am 4. Februar per YouTube. Zuschauerinnen und Zuschauer können im Chat Fragen stellen. museum-wiesbaden.de/macke

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen gehört zur Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL), die eine umfangreiche Website für Kinder und Jugendliche erarbeitet hat. Die crossmediale Ausstellung denkmal-europa.de ermöglicht es allen, spielerisch im eigenen Tempo das baukulturelle Erbe zu erforschen. Im Hintergrund steht die Frage: Was hat das alles mit mir zu tun? Die zum Weltkindertag im September 2020 präsentierte Seite hat den Europa Nostra Award und den Grimme Online Preis erhalten. Als analoge Ergänzung gibt es ein Workbook zum Selbermachen und Weiterlesen, auch im Klassensatz. www.denkmal-europa.de

Die Keltenwelt am Glauberg präsentiert schon seit Dezember 2020 unter dem Navigator „Keltenwelt-digital“ einen Teil ihrer Objekte in 3D. Langfristig sollen hier neben den Funden vom Glauberg auch Fundstücke aus ganz Hessen zu sehen und zu betrachten sein – das ist für die Forschung interessant, lädt aber auch einfach zum Stöbern und Staunen ein. keltenwelt-glauberg.de/

© Foto Diether v. Goddenthow-
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Auch das Römerkastell Saalburg zeigt seine Sammlung digital auf der Website. In 3D-Modellen, hochauflösenden Fotos und Videos wird die Welt der Römerinnen und Römer lebendig – für Asterix-Fans hochinteressant. www.saalburgmuseum.de

Hessisches Landes-Museum Wiesbaden Highlights 2021 nach dem Lockdown

© Foto Diether v. Goddenthow-
© Foto Diether v. Goddenthow-

Das Museumsteam arbeitet mit allen Kräften daran, dass die bisher durch den Lockdown eingeschränkt oder gar nicht zu besuchenden Ausstellungen in die Verlängerung gehen.

Das glückte bereits mit der expressionistischen Schau August Macke. Paradies! Paradies?, die zwar am letzten Wochenende vor dem Lockdown öffnen durfte, jedoch direkt danach ihre Türen wieder schließen musste: Verlängert bis 9 Mai 2021!

Ebenso wird die Ausstellung „Das Natternkind des Asklepios bis bis 18 Jul 2021 gezeigt werden.

Zur Überbrückung und auch zur Vorbereitung eines Ausstellungs-Besuches nach dem Lockdown können digitale Angebote wie Kunsttrailer, Unsere Lieblingsstücke, die Museum Wiesbaden-App (MuWi-App),  der MuWi Blog oder die Museumstour 2.0 der Freundes des Museums Wiesbaden exklusive Einblicke hinter die Ausstellungstüren geben!

Ausstellungen 2021 im Überblick

Kutscher/Reifarth/Machnik reSTART
Kooperation 

12 Dez 2020 — 14 Feb 2021 (Verlängerung wird angestrebt)

Das Natternkind des Asklepios
Studienausstellung 

1 Dez 2020 — 18 Jul 2021

Exquisit — Kunst des 19. Jahrhunderts
Schenkung Jan und Friederike Baechle 

20 Nov 2020 — 21 Mär 2021 (Verlängerung wird angestrebt)

August Macke
Paradies! Paradies? 

30 Okt 2020 — 9 Mai 2021

Winston Roeth
Speed of Light 

11 Sep 2020 — 25 Apr 2021

Schmetterlingen auf der Spur
Mit Illustrationen von Johann Brandstetter 

17 Mai 2020 — 31 Jan 2021 (Verlängerung wird angestrebt)

Jan Thomas
Kirchensaal Museum Wiesbaden — Intervention mit Keramikplastiken 

12 Mai 2020 — 31 Jan 2021 (Verlängerung wird angestrebt)

Neue Ausstellungen 2021 /2022

Kristalle
Vom Diamant bis zum Gips 

26 Mär 2021 — 30 Jan 2022

Von Kühen, edlen Damen und verzauberten Landschaften
Oder von der Liebe zur Malerei: Neues aus dem 19. 

30 Apr 2021 — 19 Sep 2021

Temporary Ground
Frank Gerritz 

13 Mai 2021 — 29 Aug 2021

Deutschlands Panda
Der Gartenschläfer
Studienausstellung 

6 Aug 2021 — 9 Jan 2022

Alles!
100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden 

17 Sep 2021 — 27 Mär 2022

Slawomir Elsner
Präzision und Unschärfe 

8 Okt 2021 — 23 Jan 2022

Doch die Käfer — Kritze, kratze!
Studienausstellung 

28 Jan 2022 — 31 Jul 2022

Weitere Infos:
Blick ins Vorschauheft 2021
Ausstellungskalender

ms-wsbn-160Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden

Ein Blick in die August Macke Ausstellung mit Roman Zieglgänsberger

Lesen Sie jetzt den Blogbeitrag von Roman Zieglgänsberger zur neuen Ausstellung August Macke — Paradies! Paradies? auf der Homepage des Museums Wiesbaden.

Das Museum Wiesbaden bringt  Ihnen die Ausstellung nach Hause und hofft, dass sie Ihnen Lust auf ein baldiges Wiedersehen im Museum Wiesbaden macht.

Susanne Kridlos Lieblingsstück

Das Lieblingsstück von Susanne Kridlo aus den Naturhistorischen Sammlungen des Museums ist übrigens ein kleines Stück schwarze Holzkohle. Erfahren Sie hier, was es damit auf sich hat. HIER geht es zum Video

Frank Stella erhält den Jawlensky-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden

Jawlensky Selbstbildnis Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Jawlensky Selbstbildnis
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Zu Ehren des berühmtesten Künstlers der Stadt vergibt die Landeshauptstadt Wiesbaden gemeinsam mit Spielbank und Nassauischer Sparkasse den Alexej von Jawlensky-Preis für das Werk eines zeitgenössischen Künstlers. Der Magistrat erkannte, auf Vorschlag des Museums Wiesbaden und nach positivem Votum des Kuratoriums für den Jawlenskypreis, Frank Stella die Ehrung zu. Er ist der siebte Preisträger nach Agnes Martin, Robert Mangold, Brice Marden, Rebecca Horn, Ellsworth Kelly und Richard Serra. Der Jawlenskypreis ist mit 18.000 Euro dotiert und mit einer Ausstellung im Museum Wiesbaden verbunden. Des Weiteren soll eine Arbeit der Preisträgerin oder des Preisträgers angekauft werden.

Frank Stella (geboren am 12. Mai 1936) ist ein US-amerikanischer Maler, Bildhauer und Objektkünstler. Frank Stella zählt zu den bedeutendsten Repräsentanten der Analytischen Malerei, des Hard Edge und der Farbfeldmalerei, der er sich nach einer Frühphase des Abstrakten Expressionismus zuwandte. Viele seiner Bilder und Reliefs sind gekennzeichnet von farbig leuchtenden Rechteck-, Kreis- oder spitz zulaufenden geometrischen Formen. Seine berühmten „Black Paintings“ kennzeichnen schwarze und daraus abgeleitete metallfarbene Streifen, die jede herkömmliche Vorstellung von Farbe und Form negieren. Seit den 1980er Jahren und bis heute vertritt Frank Stella einen räumlichen Stil abstrakt-dynamischer Elemente.

Ähnlich konsequent wie die bisherigen Träger/innen des Jawlensky-Preises besetzt Stella eine Position in der Kunst der letzten 50 Jahre, die heute bereits zu den Klassikern zählt. Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, führt hierzu aus: „Mit Frank Stella werden wir zweifelsohne einen der bedeutendsten Gegenwartskünstler bei uns in Wiesbaden zu Gast haben. Frank Stella ist ein weiterer würdiger Träger des Jawlensky-Preises, und ich freue mich schon heute auf die Ausstellung.“

Das Verfahren zur Bestimmung des Preisträgers/der Preisträgerin sieht vor, dass zunächst das Kuratorium eine Jury benennt. Diese wählt dann aus einigen vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern, einen Preisträger oder eine Preisträgerin aus. Im Oktober fand die Sitzung des Kuratoriums statt. Hierbei wurde vom Museum Wiesbaden der Vorschlag unterbreitet, in diesem Jahr bei der Verleihung des Jawlensky-Preises einen verkürzten Verfahrensweg zu beschreiten. Zielsetzung ist es, Preisverleihung und Ausstellung, dem Turnus der vergangenen Preisverleihungen folgend, in 2022 durchzuführen. Die Realisierung im „documenta-Jahr“ bringt regelmäßig eine erhöhte Aufmerksamkeit sowie die Chance, die hessische Landeshauptstadt und diese Ausstellung noch stärker überregional/international in den Fokus von Kunstinteressierten zu bringen. Angesichts der aktuellen Situation wurde dem Kuratorium vorgeschlagen, auf die Einberufung einer Jury im herkömmlichen Sinn zu verzichten und sich stattdessen bei der Entscheidungsfindung auf die externe Expertise eines ausgewiesenen Fachmannes (Dr. Holger Broeker/Kunstmuseum Wolfsburg) sowie die interne Expertise des Museums zu berufen und so Frank Stella den kommenden Jawlensky-Preis zuzuerkennen. Die zugehörige Preisträgerausstellung kann 2022 im Museum Wiesbaden stattfinden, wobei eine Kooperation mit dem neuen Museum Reinhard Ernst geplant ist.

Zu diesem Vorschlag hat das Kuratorium ein positives Votum gegeben, auch wenn das verkürzte Verfahren teilweise kritisch bewertet wurde. Der Magistrat hat nun diesem Verfahrensweg und dem Preisträgervorschlag zugestimmt. Abschließend erklärt Kulturdezernent Imholz: „Ich danke sehr herzlich dem Museum Wiesbaden und dem Museum Reinhard Ernst, die es gemeinsam ermöglichen, eine solch hochkarätige Ausstellung in Wiesbaden zu präsentieren. Mein Dank gilt auch der Naspa Wiesbaden und der Spielbank Wiesbaden ohne deren finanzielles Engagement der Jawlenskypreis nicht realisierbar wäre.“

Biografie Frank Stella:
Frank Stella wird am 12. Mai 1936 in Malden, Massachusetts, geboren. 1950 bis1954 studiert er an der Phillips Academy in Andover bei dem abstrakten Maler Patrick Morgan. Anschließend studiert Stella 1954 bis 1958 Geschichte an der Princeton University, wo er auch die offene Malklasse von William C. Seitz besucht. Ab 1958 hat Frank Stella ein Atelier in New York, seinen Lebensunterhalt verdient er als Anstreicher. Die frühen Bilder der New Yorker Zeit orientieren sich am „Abstract Expressionism“. 1958 sieht Frank Stella in der Galerie von Leo Castelli eine Ausstellung Jasper Johns, dessen „Flaggen“- und „Ziel-scheiben“-Bilder ihn beeindrucken. Wenige Monate später wechselt Frank Stella von der gestischen Abstraktion zu einer reduzierten, konzeptuellen Malweise. Es entstehen seine ersten „Black Paintings“, großformatige Leinwände, die mit einem symmetrischen Muster aus schwarzen Streifen bedeckt sind. Bald darauf beginnt Stella auch, die Form der Bildträger der inneren Struktur seiner Bilder anzupassen. Die Leinwand kann nun jede geometrische, später auch asymmetrische Form annehmen. 1960/61 wird daraus die Serie der Aluminium- und Kupferbilder und die „Shaped Canvases“, die den Bildern Frank Stellas Objektcharakter verleihen. Ab 1971 arbeitet Frank Stella an der Serie der „Polish Villages“. Diese großformatigen Collagen aus Papier, Filz, Leinwand, Sperrholz, Resopal und Aluminium, deren Titel sich jeweils auf zerstörte polnische Synagogen beziehen, markieren den Übergang von der Malerei zum Relief. Ab Mitte der 1970er Jahre entstehen große, leuchtend bunte Reliefs, zumeist aus Aluminium und Fiberglas, die aus geometrischen Formen zusammengesetzt sind. Ab 1980 arbeitet Frank Stella auch an umfangreichen Grafikzyklen, etwa den „Circuits“, den „Shards“ oder der Serie der „Cones and Pillars“, letzteren entspricht eine gleichnamige Reliefserie. Ab Anfang der 1990er Jahre erobert der Künstler auch den dreidimensionalen Raum mit plastischen Werken, Relief-Friesen und Außenskulpturen. Frank Stella gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler der Nachkriegszeit, seine Werke werden in zahlreichen großen Ausstellungen gezeigt. Seine letzte große Retrospektive war in Deutschland 2012 in Wolfsburg zu sehen. Frank Stella lebt und arbeitet in New York.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger
1991 Agnes Martin
1998 Robert Mangold
2004 Brice Marden
2007 Rebecca Horn
2012 Ellsworth Kelly
2014 Richard Serra
2020 Frank Stella

Freunde des Museums Wiesbaden

KICK OFF August Macke. Paradies! Paradies? – vom 2. bis 30. November wegen Corona-Schutzmaßnahmen geschlossen

Ausstellungansicht. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Ausstellungansicht. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Die gestern erst im Museum Wiesbaden eröffnete Ausstellung „August Macke. Paradies! Paradies?“ muss auf Beschluss des hessischen Corona-Kabinetts nach dem ersten Ausstellungswochenende vorübergehend vom 2. bis 30. November 2020 schließen.

„Die Schließung des Museums Wiesbaden wie der anderen Kulturinstitutionen stimmt uns natürlich sehr traurig,“ so Direktor Andreas Henning. „Doch bin ich überzeugt, dass jetzt von uns allen tatsächlich eine große gemeinsame Anstrengung erforderlich ist, damit wir eine verheerende Ausbreitung der Covid-19-Pandemie verhindern. Auch ist es völlig richtig, dass vor allem Kindergärten und Schulen unbedingt geöffnet bleiben müssen, Gottesdienste gefeiert werden sollten und der Handel auch handeln darf. Doch gerade in dieser Zeit wäre es auch wichtig, Seele und Geist des Menschen zu ernähren. Museen sind dafür ausgezeichnete Orte. Und nach allem, was wir wissen, sind es auch sichere Orte, denn man kann jederzeit genügend Abstand zu anderen Gästen wahren. Wir hoffen und wünschen uns daher sehr, dass wir Sie im Dezember wieder im Museum Wiesbaden begrüßen dürfen. Dass Sie hier Anregung und Freude finden, Auf- und Durchatmen können, Sinne und Denken in Schwung bringen.“

Die Werke von August Macke können Sie dann hoffentlich ab Dezember wieder besuchen, die Ausstellung Homecoming — Ludwig Knaus wird aber jetzt nach diesem Wochenende leider frühzeitig beendet. Das letzte Ausstellungswochenende ist es auch für die Studienausstellung Bibliothek der Bäume.

Aktuelle Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.museum-wiesbaden.de.

Museum Wiesbaden ehrt August Macke (1887–1914) mit fantastischer Jubiläumsausstellung „Paradies! Paradies?“

August Macke (1887 - 1914) Gartenbild 1911. In seinen Bildern unterscheidet August Macke nicht zwischen dem Glück auf dem Land und dem in der Stadt. Die Verbindung von beidem ist der Garten im urbanen Milieu, den der Künstler häufig darstellte.  Foto: Heike v. Goddenthow
August Macke (1887 – 1914) Gartenbild 1911. In seinen Bildern unterscheidet August Macke nicht zwischen dem Glück auf dem Land und dem in der Stadt. Die Verbindung von beidem ist der Garten im urbanen Milieu, den der Künstler häufig darstellte. Foto: Heike v. Goddenthow

 

Im November wegen  Corona-Schutzmaßnahmen geschlossen!

Er galt nicht nur als Maler von Heiterkeit und Harmonie, sondern war Mitbegründer der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ um Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, und er prägte den Begriff „Rheinischer Expressionismus“. Mit „Paradies! Paradies?“ präsentiert nun das Hessische Landesmuseum Wiesbaden in Kooperation mit dem Bonner Kunstmuseum nach 100 Jahren eine große Jubiläumsausstellung zu Ehren des Expressionisten  August Macke (1887–1914). Gezeigt werden 103 Werke, davon 80 Arbeiten des Künstlers aus sämtlichen Schaffensphasen: von den frühen Anfängen 1906/ 1907, als er in Düsseldorf und Berlin war, bis 1914 zu seinem allzu frühen Tod mit 27 Jahren als Soldat an der Westfront, wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Darunter sind 16 Gemälde und Aquarelle, die bereits vor 100 Jahren bei der ersten August-Macke-Gedächtnis-Ausstellung im Wiesbadener Museum präsentiert wurden. Ergänzt wird die Schau mit 23 Werken „Rheinischer Expressionisten“, die von Macke inspiriert wurden.

August Macke, Seiltänzerinnen, 1914. Kunstmuseum Bonn.  Foto: Heike v. Goddenthow
August Macke, Seiltänzerinnen, 1914. Kunstmuseum Bonn. Foto: Heike v. Goddenthow

August Macke sah in erster Linie das Positive im Menschen. Bei ihm war der Mensch nicht von Natur aus böse, sondern hatte durchaus auch seinen Platz im Paradies, einem diesseitigen Paradies. Anders als die meisten Künstlerkollegen seiner Zeit, die sich insbesondere an den menschlichen Abgründen abarbeiteten und das Schöne aus ihren Werken verbannten, erzählen die Arbeiten August Mackes vom Zauber des Alltags und fernen Ländern. Macke, zunächst vom Jugendstil und französischen Impressionismus beeinflusst, gehörte zu den Künstlern, die ein heiteres, ungetrübtes Bild vom Menschen zeigten. Seine Welt sei durch und durch positiv optimistisch, und selbst die Lehrer mochten ihn, obwohl der schlechte Schüler in der Unterprima das Real-Gymnasium wegen schlechter Noten bis auf eine Eins im Zeichnen verlassen musste, so Roman Zieglgänsberger, Kurator der Ausstellung und Kustos Klassische Moderne im Museum Wiesbaden. „Und wenn man durch die Ausstellung geht, sieht man es: Mit jeder Phase seines Werkes ist das Paradies immer wieder Thema“,

Es sei gerade jetzt in diesen Pandemie-Zeiten so wichtig, August Macke zu zeigen, unterstrich Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden, beim Presse-Preview Ende Oktober, kurz vor dem Lockdown. Macke gehöre zu den „Suchenden / Reisenden, die versuchen das Paradies, also die große Einheit  mit allem, was da ist,  wiederzufinden. Natürlich unter modernen Vorzeichen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.“, so Henning.

Diese Suche nach dem großen Harmonischen, auch sinnvollen Ganzen könne man erleben, wenn man vor den Bildern von Macke steht. „Und dieses Ganze sollte nicht nur das Innere des Menschen und die Umwelt, sondern alles: Natur, Tiere, Pflanzen, Dinge, Stadt, Modernität und all das umfassen in einem großen harmonischen Ganzen. Und wenn man vor diesen Bildern steht, die von Licht und Farbe ja durchdrungen werden, dann glaube ich, kann man an dieser Synthese die Macke gesucht hat in seinem Werk tatsächlich teilhaben – (…) Vielen Werken dieses Malers entströmen Impulse der Freude und Lebensleichtigkeit, sie scheinen uns regelrecht mit dem Leben versöhnen zu wollen“, so der Museumsdirektor.

August Macke, Die Seiltänzer, 1914. Obwohl dieser hoch über den Dächern balanciert, hat man in keinem Moment Angst, dass der nächste Schritt des Akrobaten falsch gesetzt sein könnte, so "fest" fixiert der Künstler seinen Seiltänzer im farblich warm pulsierenden Bild. Foto: Heike v. Goddenthow
August Macke, Die Seiltänzer, 1914. Obwohl dieser hoch über den Dächern balanciert, hat man in keinem Moment Angst, dass der nächste Schritt des Akrobaten falsch gesetzt sein könnte, so „fest“ fixiert der Künstler seinen Seiltänzer im farblich warm pulsierenden Bild. Foto: Heike v. Goddenthow

Die Wucht der Farben, die doppelte, doch letztlich positive Einstellung zum Leben, die Annäherung an die Natur, an die Zusammenhänge von Natur und Mensch, das ist doch etwas, was genau in diese Zeit hineinpasst, so Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, dessen Fördermittel die Ausstellung erst ermöglichten. Schon bei der Frage, ob wir den Zuschuss genehmigen oder nicht, sei bei ihr die große Frage aufgetaucht, „warum ist seit 50 Jahren diese Ausstellung nicht gezeigt worden?“ Macke malte keine billigen Klischees, keine Harmonie dort, wo keine Harmonie ist, aber doch mit einer durchaus positiven Grundeinstellung“, beglückwünschte Wolff das Wiesbadener Museumsteam zur höchst gelungenen Ausstellung.

Zur Ausstellung
Nach dem Ersten Weltkrieg organisierte August Mackes Ehefrau Elisabeth aus dem Nachlass des Künstlers eine „August Macke Gedächtnis-Ausstellung“ mit über 190 Werken, die im Herbst 1920 auch im Museum Wiesbaden gastierte. Anlässlich dieser vor 100 Jahren durchgeführten umfassenden Retrospektive präsentiert das Museum Wiesbaden erstmals wieder seit 50 Jahren eine Jubiläumsausstellung im RheinMain-Gebiet. Diese sei keine Rekonstruktion der Ausstellung von vor 100 Jahren – allein die damals 190 ausgestellten Werke wieder zu organisieren, „hätte uns technisch auch ein wenig überfordert“, so Kurator Roman Zieglgänsberger. Vielmehr habe man versucht, „Kronzeugen von damals in der Ausstellung zu vereinen: Es sind 16 Werke, kapitale Stücke, unter anderem ‚Der Seiltänzer‘ 1914, gleich wenn man reingeht zur Ausstellung, oder die ‚Afrikanische Landschaft in Tunis‘ und weitere Bilder, die vor 100 Jahren hier gezeigt wurden“.

Auch Neues gibt es zu entdecken, beispielsweise August Macke als Bildhauer. Im Vordergrund die Skulptur "Sitzendes Mädchen" im Hintergrund sein berühmtes Werk "Nacktes Mädchen mit Kopftuch" Foto: Diether v. Goddenthow
Auch Neues gibt es zu entdecken, beispielsweise August Macke als Bildhauer. Im Vordergrund die Skulptur „Sitzendes Mädchen“ im Hintergrund sein berühmtes Werk „Nacktes Mädchen mit Kopftuch“ Foto: Diether v. Goddenthow

In Teil I der Ausstellung (Räume eins bis sechs) wird Mackes stilistische Entwicklung nachvollziehbar: Ausgehend vom impulsiven Impressionismus eines Lovis Corinth, der kurzzeitig in Berlin sein Lehrer war, trug er durch seine Begegnung mit dem Fauvismus und Futurismus in Paris (Henri Matisse, Robert Delaunay) und die Zugehörigkeit zur 1911 in München gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ um Wassily Kandinsky und Franz Marc einen entscheidenden Beitrag zum künstlerischen Aufbruch nach der Jahrhundertwende bei.

„Bei dieser rasanten Entwicklung ist wichtig, dass man sich bewusst macht, dass er zur Speerspitze der Avantgarde gehört hat, und dass er als eine eigenständige Stimme ins Orchester dieser offensiven Erneuerer gewählt worden ist“, unterstreicht Zieglgänsberger die herausragende Bedeutung dieses viel zu früh verstorbenen Künstlers.

Man kann hier den Künstler in seiner Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit entdecken: Alle Sujets, alle Themen sind vertreten, mit denen sich August Macke auseinandergesetzt hat, angefangen vom Porträt über Gemälde und Zeichnungen von der Familie, Freunden, Landschaften und Stadtansichten bis hin zu verschiedenen Medien, in welchen der Künstler auch tätig war. So werden neben Druckgrafiken und einer Skulptur auch atmosphärische Aquarelle präsentiert, die vom Thuner See in der Schweiz stammen und während der berühmten Reise im April 1914 mit Paul Klee und Louis Moilliet im afrikanisch-orientalischen Tunis entstanden waren.

Teil II der Ausstellung (Räume 7 und 8):

Heinrich Campendonk (1889 - 1957) Stillleben mit zwei Köpfen (1914). Foto: Diether v. Goddenthow
Heinrich Campendonk (1889 – 1957) Stillleben mit zwei Köpfen (1914). Foto: Diether v. Goddenthow

Ausstellungs-Teil II „Rheinischer Expressionismus“ ist der Wirkung des Künstlers auf das „Rheinland“ gewidmet,  eine Zusammenstellung namhafter Vertreter dieses Genres, welches „noch nie im RheinMain-Gebiet thematisiert worden ist“, so Zieglgänsberger. Hier werden die wichtigsten Künstler vorgestellt, die August Macke in Bonn zwischen 1911 und 1914 inspiriert hat, und für die er 1913 in der Bonner Buchhandlung Cohen die Ausstellung  „Rheinische Expressionisten“ organisierte, ein Titel, der zu einer  regelrechten Marke werden sollte. Darunter die Maler Helmuth Macke (ein Cousin von August), Heinrich Nauen, Franz M. Jansen, Hans Thuar, Louis Seel, Hans Mattis-Teutsch  und Heinrich Campendonk. Letzterer kam durch August Macke in unmittelbare Berührung mit den Künstlern der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiters.
Macke war, als er nach Bonn kam,  auch Kunst-Berater und -Kunst-Organisator. Unter anderem  hatte die ersten Ausstellungen der Neuen Künstlervereinigung München und Blauen-Reiter nach Köln vermittelt, so Zieglgänsberger.

Und wenn Macke nicht gefallen wäre?

„Am Ende der Ausstellung tippen wir“, so Zieglgänsberger, „ mit der sehr eindringlichen Otto-Dix-Zeichnung ‚Gasmasken‘, die wirklich 1916 im Schützengraben gezeichnet wurde, die Frage an“: wie August Macke weitergearbeitet hätte, „wenn er an der Front überlebt hätte“. Zwar sei es müßig darüber zu spekulieren, aber wahrscheinlich, dass er womöglich doch sein künstlerisches Prinzip, den Menschen unabdingbar im Paradies verorten zu wollen, überdacht hätte. Wenn er  wohl auch kein Maler der neuen Sachlichkeit geworden wäre, so Zieglgänsberger, „hätte er sicher kreative Lösungen gefunden. August Macke wäre ja, wenn er nicht gefallen wäre, erst 31 Jahre alt gewesen als 1918 der Krieg zu Ende war. In diesem Fall hätte er noch 50 Jahre seines (künstlerischen) Lebens vor sich gehabt, wenn er beispielsweise so alt geworden wäre wie Karl Schmidt-Rottluff (1.12.1884 – 10.08.1974).

So zeigt die Ausstellung letztlich auch, „was Krieg bedeutet, wie der Krieg einfach jeden individuellen Lebensweg, jede Lebensplanung und jedes Lebensschicksal brachial durchkreuzt und abschneidet. Auch das wollen wir deutlich machen, unterstreicht Direktor Henning.

Ausstellungs-Impression August Macke "Paradies! Paradies?" Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression August Macke „Paradies! Paradies?“ Foto: Diether v. Goddenthow

Basis des  Ausstellungs-Projektes ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bonn und seine Leihgabe wichtiger Schlüsselwerke, so Henning. „Im Gegenzug bilden eine Reihe unserer Hauptwerke Alexej von Jawlenskys, zu dem August Macke in engem Kontakt stand, dort die Basis für eine große Präsentation dieses Künstlers. Ein großer Dank gilt auch dem Kulturfonds RheinMain, der mit seiner Förderung gerade jetzt maßgeblich zur Aufrechterhaltung des kulturellen Lebens beiträgt.“

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Die ursprüngliche Laufzeit der Ausstellung: 30. Oktober 2020 – 14 Februar 2021, wird aufgrund des gegenwärtigen Lockdown bis zum 30. Nov. 2020  unterbrochen. Informieren Sie sich aktuell über die Öffnung des Museums nach dem Lockdown:
https://museum-wiesbaden.de/covid-19
https://museum-wiesbaden.de/august-macke

Weitere Infos: https://www.freunde-museum-wiesbaden.de/news/interview-mit-roman-zieglgaensberger/

paradies-paradies-cover-160Sehr empfehlenswert  ist der Begleitband zur Ausstellung:  Roman Zieglgänsberger (Hrsg.) August Macke. Paradies! Paradies?, Mit Beiträgen von Sibylle Discher, Peter Forster, Tanja Pirsig-Marshall und Roman Zieglgänsberger. 192 Seiten mit ca. 150 Abb. Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, ISBN 978-3-7319-1008-4, Museums-Preis 24,90, Euro, im Handel 29,95 Euro.

Freier Eintritt ins Museum Wiesbaden am ersten Samstag im Monat – Lebensmenschen

Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in ihrem Atelier auf Gut Blagodat, 1893. Foto: Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto
Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in ihrem Atelier auf Gut Blagodat, 1893. Foto: Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto

Das Museum Wiesbaden lädt am Samstag, 4. Juli 2020 wieder bei freiem Eintritt zum Besuch der aktuellen Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen ein. Im Fokus steht die Expressionistische Schau „Lebensmenschen – Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin“ mit einem Screening im Vortragssaal.

Seit Juni kann das Museum Wiesbaden unter den geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen seine Freien Samstage wieder ermöglichen. Für junge Gäste bis 12 Jahre hat das Museum Wiesbaden eine Überraschung parat: Die „MuWi Wundertüten“ stehen an der Museumskasse kostenfrei zur Begleitung ihres Besuchs bereit. Führungen oder Sonderveranstaltungen können am 4. Juli nicht stattfinden. Ein besonderes Angebot am bevorstehenden Termin ist die Vorführung einer Dokumentation zum Künstlerpaar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, den Protagonisten der „Lebensmenschen“-Schau. Der Begleitfilm (Länge: ca. 60 min) zur Ausstellung ist am freien Samstag jeweils um 11, 13 und 15 Uhr im Vortragssaal zu sehen. „Der Filmbeitrag ist wirklich sehenswert, denn er erweitert die Lebensmenschen-Schau um viele Details zum Leben der beiden Künstler. Wichtige Lebensdaten und Ereignisse werden in der Dokumentation begleitend zur Ausstellung nochmal eingehend thematisiert“, sagt Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger.

Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin zählen zu den führenden Künstlerpositionen des Expressionismus und waren entscheidend für die Entwicklung der künstlerischen Moderne. Bislang wurde die Partnerschaft dieser „Lebensmenschen“ jedoch kaum erforscht. Das Museum Wiesbaden präsentiert mit der großangelegten Retrospektive erstmals das Œuvre des Künstlerpaars Jawlensky und Werefkin, Seite an Seite in einer gemeinsamen Schau. Darüber hinaus und neben den Dauerausstellungen in Bereichen Kunst und Natur, wartet das Museum mit einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm auf: Die Schau „Schmetterlingen auf der Spur“ lädt große und kleine Gäste dazu ein, zu Detektiven der Natur zu werden und die detailgetreuen Illustrationen Johann Brandstetters zu studieren. Mit über 500 verschiedenen Schmetterlingen und 50 Schmetterlingsstudien und Aquarellen gibt die Ausstellung einen eindrucksvollen Einblick in die Artenvielfalt der tag- und nachtaktiven Tiere. Mit dem „Homecoming“ der Werke des Wiesbadener Genremalers Ludwig Knaus werden die Betrachterin und den Betrachter in das historische Landleben in Hessen entführt: Rund 70 Gemälde und 100 Zeichnungen spiegeln Knaus‘ Beobachtung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert in Motiven des Alltags wider. Jan Thomas‘ „Bats and Saints“-Intervention tritt in einen außergewöhnlichen und beeindruckenden Dialog mit den mittelalterlichen Exponaten im Kirchensaal und den Alten Meistern und in der Studienausstellung „Bibliothek der Bäume“ können Besucherinnen und Besucher Formen, Farben und Früchte von 240 verschiedenen Holzarten entdecken und vergleichen.

Um längere Wartezeiten am Eingang oder an der Kasse zu verhindern, werden die Besucherinnen und Besucher gebeten, ihren Besuch auf 90 Minuten zu beschränken. Zudem gilt weiterhin für alle Gäste des Hauses ab 6 Jahren die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz oder ein „Visier“ zu tragen. Der Zutritt zur Filmvorführung ist kostenfrei und nur mit Anmeldung vor Ort möglich (max. 28 Gäste).

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Ein Jahr „Jugendstil. Schenkung F. W. Neess“ – Museum Wiesbaden zieht Bilanz des ersten Ausstellungsjahrs mit Neuerwerbungen

Impression "Ein Jahr 'Jugendstil. Schenkung F. W. Neess' im Museum Wiesbaden" © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression „Ein Jahr ‚Jugendstil. Schenkung F. W. Neess‘ im Museum Wiesbaden“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 28. Juni 2020 jährt sich zum ersten Mal der Jahrestag der Jugendstil-Schenkung von Ferdinand Wolfgang Neess an das Museum Wiesbaden. Zu seinem 90. Geburtstag, wurde seine Sammlung unter dem Namen „Jugendstil. Schenkung F. W. Neess“ feierlich im Museum eröffnet und findet seitdem breite Aufmerksamkeit beim Publikum und in den internationalen Medien. Das Museum konnte seinen Sammlungsschwerpunkt durch die Schenkung substanziell erweitern. Gemeinsam mit dem Sprudelhof in Bad Nauheim und der Mathildenhöhe in Darmstadt stellt die internationale Sammlung sowohl eine wichtige Ergänzung für diesen kulturgeschichtlichen Zeitraum in Hessen als auch auf der Landkarte des Jugendstils dar. Der Jugendstil speiste sich stilistisch und inhaltlich aus den Formen der Natur und verbindet somit ideal die Sammlungen für Kunst und Natur des Zweispartenhauses in Wiesbaden.

Die Präsentation der größten europäische Privatsammlung des Jugendstils, Art Nouveau und Symbolismus‘, wurde im Museum Wiesbaden ganz im Sinne des Geistes der damaligen Künstler als Gesamtkunstwerk inszeniert. Als gelebte Einheit werden Gläser, Keramiken, Möbel, Lampen und Gemälde als untrennbare Verbindung von Kunst und Leben gemeinsam gezeigt. Die Innovationskraft dieser Kunstrichtung zeigt sich auch in der künstlerischen Nutzung der modernen Elektrizität, indem Skulpturen illuminiert und funktional nutzbar gemacht und Lampen zu gläserneren leuchtenden Kunstwerken wurden. Einen besonderen Kern bildet in der Präsentation die permanente Beleuchtung der Lampen sowie der Lichtinstallationen der Räume, um die für den Jugendstil besondere Bedeutung der Lichtatmosphäre hervorzuheben.

Émile Gallé 1846 - 1904 Tischlampe mit Farndekor. Überfangglas geätzt, Schmiedeeisenmontierung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Émile Gallé 1846 – 1904 Tischlampe mit Farndekor. Überfangglas geätzt, Schmiedeeisenmontierung. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die herausragende Qualität der Objekte, die vielfach ikonische Werke dieser Zeit wie Alfons Muchas Skulptur ‚La Nature‘ enthält, trägt ihren Teil zu einem einzigartigen Kunsterlebnis bei. Dank der Schenkung konnte das Museum seinen bisherigen Sammlungsschwerpunkt zur Kunst des 19. Jahrhunderts fulminant erweitern und den Übergang vom 19. Jahrhundert zur Kunst der klassischen Moderne im 20. Jahrhundert präzisieren“, resümiert Museumsdirektor Dr. Andreas Henning und begrüßt zudem den Zuwachs an Internationalität: „Einem Museum der Landeshauptstadt Hessens würdig, trägt die Sammlung zur Schärfung seines internationalen Profils bei. Besonders die Objekte des Art Nouveau in der Sammlung verdeutlichen, welche bedeutende Rolle Frankreich für diese Bewegung innehatte. Kein anderes Museum außerhalb Frankreichs weist eine solche Fülle an Kunstwerken aus dieser Zeit auf. Die Sammlung macht das Museum Wiesbaden zu einem Zentrum des Art Nouveau in Deutschland.“

Durchdrungen vom Geist der Weltausstellung 1900 in Paris, der Wiener Sezessionsbewegung als auch der deutschen Reformbewegung stellt die Präsentation mit ihren mehr als 500 Objekten qualitativ als auch quantitativ einen zentralen Querschnitt des weltweiten Jugendstils dar. Der Jugendstil gilt als letzte gemeinsame internationale Kunstsprache.

Kustos und Ausstellungsmacher Dr. Peter Forster bedauert, dass die erste Jubiläumsfeier nur still und ohne den Stifter und Sammler begangen werden kann: „Am Jahrestag wäre der Sammler Ferdinand Wolfgang Neess 91 Jahre geworden und liebend gerne hätte das Museum seinen Geburtstag mit ihm feierlich begangen. Zu unser großen Trauer ist dies durch seinen Tod am 26. Januar 2020 nicht möglich. In seiner Sammlung lebt er jedoch weiter und auch die Sammlung selbst lebt weiter. Seine Ehefrau Danielle Neess fühlt sich der Sammlung weiterhin sehr verpflichtet und unterstützt das Museum in großzügiger und tatkräftiger Weise.“

Zahlreiche der gezeigten Exponate wurden auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Zahlreiche der gezeigten Exponate wurden auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. © Foto: Diether v. Goddenthow

So gelangten nach der Eröffnung ein Originalplakat von Alfons Mucha Österreich auf der Weltausstellung in Paris und ein großformatiges Gemälde von Friedrich König ‚Der Tod und das Mädchen‘ als Dauerleihgabe in das Museum. Einen weiteren Höhepunkt bilden eine Tischleuchte ‚Danseuse à l’écharpe‘ und eine Skulptur ‚Danseuse aux Cothurnes‘ von Agathon Léonard. Beide Tanz-Figuren wurden für einen fünfzehnteiligen Tafelaufsatz aus Porzellan entworfen, der auf der Pariser Weltausstellung 1900 mit einer Goldmedaille prämiert wurde. Die beiden beeindruckenden Fassungen in vergoldeter Bronze, eine Hommage an die um die Jahrhundertwende gefeierten neuen Ausdruckstanzbewegungen, werden in Wiesbaden erstmals zum 91. Geburtstag des Mäzens präsentiert. Neben der Sammlungspräsentation jährt sich auch das Jugendstiljahr in Wiesbaden, an dem sich zahlreiche Institutionen in Wiesbaden beteiligt und die maßgeblich dazu beigetragen haben, den Blick auf den Jugendstil in Wiesbaden zu öffnen.

Auch in den Besucherzahlen spiegelt sich die Neugier der Gäste und das Interesse an der vielseitigen Kunstströmung wieder. Am Eröffnungstag der Sammlung durfte das Museum über 1000 Besucherinnen und Besucher in seiner neuen Jugendstil-Sammlung willkommen heißen. Seitdem zieht es – nun auch als Mitglied der European Art Nouveau Route und Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener Stadtmarketing – zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland in die Sammlung.

Dr. Peter Forster, Kustos Alte Meister und Jugendstil Sammlung F.W. Neess führt durch die auch brillant präsentierte Jugendstilausstellung Hier erläutert er die große Bodenvase mit Masken, deren Besonderheit in der Entwicklung der sich an der französischen Kunstkeramit orientierenden Steinzeugserie Grès-Bijou lag. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Peter Forster, Kustos Alte Meister und Jugendstil Sammlung F.W. Neess führt durch die auch brillant präsentierte Jugendstilausstellung Hier erläutert er die große Bodenvase mit Masken, deren Besonderheit in der Entwicklung der sich an der französischen Kunstkeramit orientierenden Steinzeugserie Grès-Bijou lag. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die Bilanz ein Jahr lang Jugendstil im Museum Wiesbaden gestaltet sich auf allen Ebenen als hoch erfreulich und wird begleitetet von Zustiftungen. Dem Beispiel Neess folgend haben sich Sammler angeschlossen und werden als Vermächtnisse geschlossene Keramik- und Glaskonvolute von Royal Dux und Joh. Loetz-Witwe dem Museum zukommen lassen. Als Fazit kann festgehalten werden: Der Jugendstil hat sich in Wiesbaden etabliert, Dank Ferdinand Wolfgang Neess,“ dankt Forster dem Engagement des verstorbenen Sammlers sowie den Bürgerinnen und Bürger.

Weitere Informationen:Museum Wiesbaden

Ort:
Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden