Kategorie-Archiv: Museum Wiesbaden

Freier Eintritt ins Museum Wiesbaden am ersten Samstag im Monat – Lebensmenschen

Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in ihrem Atelier auf Gut Blagodat, 1893. Foto: Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto
Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in ihrem Atelier auf Gut Blagodat, 1893. Foto: Alexej von Jawlensky-Archiv S.A., Muralto

Das Museum Wiesbaden lädt am Samstag, 4. Juli 2020 wieder bei freiem Eintritt zum Besuch der aktuellen Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen ein. Im Fokus steht die Expressionistische Schau „Lebensmenschen – Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin“ mit einem Screening im Vortragssaal.

Seit Juni kann das Museum Wiesbaden unter den geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen seine Freien Samstage wieder ermöglichen. Für junge Gäste bis 12 Jahre hat das Museum Wiesbaden eine Überraschung parat: Die „MuWi Wundertüten“ stehen an der Museumskasse kostenfrei zur Begleitung ihres Besuchs bereit. Führungen oder Sonderveranstaltungen können am 4. Juli nicht stattfinden. Ein besonderes Angebot am bevorstehenden Termin ist die Vorführung einer Dokumentation zum Künstlerpaar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, den Protagonisten der „Lebensmenschen“-Schau. Der Begleitfilm (Länge: ca. 60 min) zur Ausstellung ist am freien Samstag jeweils um 11, 13 und 15 Uhr im Vortragssaal zu sehen. „Der Filmbeitrag ist wirklich sehenswert, denn er erweitert die Lebensmenschen-Schau um viele Details zum Leben der beiden Künstler. Wichtige Lebensdaten und Ereignisse werden in der Dokumentation begleitend zur Ausstellung nochmal eingehend thematisiert“, sagt Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger.

Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin zählen zu den führenden Künstlerpositionen des Expressionismus und waren entscheidend für die Entwicklung der künstlerischen Moderne. Bislang wurde die Partnerschaft dieser „Lebensmenschen“ jedoch kaum erforscht. Das Museum Wiesbaden präsentiert mit der großangelegten Retrospektive erstmals das Œuvre des Künstlerpaars Jawlensky und Werefkin, Seite an Seite in einer gemeinsamen Schau. Darüber hinaus und neben den Dauerausstellungen in Bereichen Kunst und Natur, wartet das Museum mit einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm auf: Die Schau „Schmetterlingen auf der Spur“ lädt große und kleine Gäste dazu ein, zu Detektiven der Natur zu werden und die detailgetreuen Illustrationen Johann Brandstetters zu studieren. Mit über 500 verschiedenen Schmetterlingen und 50 Schmetterlingsstudien und Aquarellen gibt die Ausstellung einen eindrucksvollen Einblick in die Artenvielfalt der tag- und nachtaktiven Tiere. Mit dem „Homecoming“ der Werke des Wiesbadener Genremalers Ludwig Knaus werden die Betrachterin und den Betrachter in das historische Landleben in Hessen entführt: Rund 70 Gemälde und 100 Zeichnungen spiegeln Knaus‘ Beobachtung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert in Motiven des Alltags wider. Jan Thomas‘ „Bats and Saints“-Intervention tritt in einen außergewöhnlichen und beeindruckenden Dialog mit den mittelalterlichen Exponaten im Kirchensaal und den Alten Meistern und in der Studienausstellung „Bibliothek der Bäume“ können Besucherinnen und Besucher Formen, Farben und Früchte von 240 verschiedenen Holzarten entdecken und vergleichen.

Um längere Wartezeiten am Eingang oder an der Kasse zu verhindern, werden die Besucherinnen und Besucher gebeten, ihren Besuch auf 90 Minuten zu beschränken. Zudem gilt weiterhin für alle Gäste des Hauses ab 6 Jahren die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz oder ein „Visier“ zu tragen. Der Zutritt zur Filmvorführung ist kostenfrei und nur mit Anmeldung vor Ort möglich (max. 28 Gäste).

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Ein Jahr „Jugendstil. Schenkung F. W. Neess“ – Museum Wiesbaden zieht Bilanz des ersten Ausstellungsjahrs mit Neuerwerbungen

Impression "Ein Jahr 'Jugendstil. Schenkung F. W. Neess' im Museum Wiesbaden" © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression „Ein Jahr ‚Jugendstil. Schenkung F. W. Neess‘ im Museum Wiesbaden“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 28. Juni 2020 jährt sich zum ersten Mal der Jahrestag der Jugendstil-Schenkung von Ferdinand Wolfgang Neess an das Museum Wiesbaden. Zu seinem 90. Geburtstag, wurde seine Sammlung unter dem Namen „Jugendstil. Schenkung F. W. Neess“ feierlich im Museum eröffnet und findet seitdem breite Aufmerksamkeit beim Publikum und in den internationalen Medien. Das Museum konnte seinen Sammlungsschwerpunkt durch die Schenkung substanziell erweitern. Gemeinsam mit dem Sprudelhof in Bad Nauheim und der Mathildenhöhe in Darmstadt stellt die internationale Sammlung sowohl eine wichtige Ergänzung für diesen kulturgeschichtlichen Zeitraum in Hessen als auch auf der Landkarte des Jugendstils dar. Der Jugendstil speiste sich stilistisch und inhaltlich aus den Formen der Natur und verbindet somit ideal die Sammlungen für Kunst und Natur des Zweispartenhauses in Wiesbaden.

Die Präsentation der größten europäische Privatsammlung des Jugendstils, Art Nouveau und Symbolismus‘, wurde im Museum Wiesbaden ganz im Sinne des Geistes der damaligen Künstler als Gesamtkunstwerk inszeniert. Als gelebte Einheit werden Gläser, Keramiken, Möbel, Lampen und Gemälde als untrennbare Verbindung von Kunst und Leben gemeinsam gezeigt. Die Innovationskraft dieser Kunstrichtung zeigt sich auch in der künstlerischen Nutzung der modernen Elektrizität, indem Skulpturen illuminiert und funktional nutzbar gemacht und Lampen zu gläserneren leuchtenden Kunstwerken wurden. Einen besonderen Kern bildet in der Präsentation die permanente Beleuchtung der Lampen sowie der Lichtinstallationen der Räume, um die für den Jugendstil besondere Bedeutung der Lichtatmosphäre hervorzuheben.

Émile Gallé 1846 - 1904 Tischlampe mit Farndekor. Überfangglas geätzt, Schmiedeeisenmontierung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Émile Gallé 1846 – 1904 Tischlampe mit Farndekor. Überfangglas geätzt, Schmiedeeisenmontierung. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die herausragende Qualität der Objekte, die vielfach ikonische Werke dieser Zeit wie Alfons Muchas Skulptur ‚La Nature‘ enthält, trägt ihren Teil zu einem einzigartigen Kunsterlebnis bei. Dank der Schenkung konnte das Museum seinen bisherigen Sammlungsschwerpunkt zur Kunst des 19. Jahrhunderts fulminant erweitern und den Übergang vom 19. Jahrhundert zur Kunst der klassischen Moderne im 20. Jahrhundert präzisieren“, resümiert Museumsdirektor Dr. Andreas Henning und begrüßt zudem den Zuwachs an Internationalität: „Einem Museum der Landeshauptstadt Hessens würdig, trägt die Sammlung zur Schärfung seines internationalen Profils bei. Besonders die Objekte des Art Nouveau in der Sammlung verdeutlichen, welche bedeutende Rolle Frankreich für diese Bewegung innehatte. Kein anderes Museum außerhalb Frankreichs weist eine solche Fülle an Kunstwerken aus dieser Zeit auf. Die Sammlung macht das Museum Wiesbaden zu einem Zentrum des Art Nouveau in Deutschland.“

Durchdrungen vom Geist der Weltausstellung 1900 in Paris, der Wiener Sezessionsbewegung als auch der deutschen Reformbewegung stellt die Präsentation mit ihren mehr als 500 Objekten qualitativ als auch quantitativ einen zentralen Querschnitt des weltweiten Jugendstils dar. Der Jugendstil gilt als letzte gemeinsame internationale Kunstsprache.

Kustos und Ausstellungsmacher Dr. Peter Forster bedauert, dass die erste Jubiläumsfeier nur still und ohne den Stifter und Sammler begangen werden kann: „Am Jahrestag wäre der Sammler Ferdinand Wolfgang Neess 91 Jahre geworden und liebend gerne hätte das Museum seinen Geburtstag mit ihm feierlich begangen. Zu unser großen Trauer ist dies durch seinen Tod am 26. Januar 2020 nicht möglich. In seiner Sammlung lebt er jedoch weiter und auch die Sammlung selbst lebt weiter. Seine Ehefrau Danielle Neess fühlt sich der Sammlung weiterhin sehr verpflichtet und unterstützt das Museum in großzügiger und tatkräftiger Weise.“

Zahlreiche der gezeigten Exponate wurden auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Zahlreiche der gezeigten Exponate wurden auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. © Foto: Diether v. Goddenthow

So gelangten nach der Eröffnung ein Originalplakat von Alfons Mucha Österreich auf der Weltausstellung in Paris und ein großformatiges Gemälde von Friedrich König ‚Der Tod und das Mädchen‘ als Dauerleihgabe in das Museum. Einen weiteren Höhepunkt bilden eine Tischleuchte ‚Danseuse à l’écharpe‘ und eine Skulptur ‚Danseuse aux Cothurnes‘ von Agathon Léonard. Beide Tanz-Figuren wurden für einen fünfzehnteiligen Tafelaufsatz aus Porzellan entworfen, der auf der Pariser Weltausstellung 1900 mit einer Goldmedaille prämiert wurde. Die beiden beeindruckenden Fassungen in vergoldeter Bronze, eine Hommage an die um die Jahrhundertwende gefeierten neuen Ausdruckstanzbewegungen, werden in Wiesbaden erstmals zum 91. Geburtstag des Mäzens präsentiert. Neben der Sammlungspräsentation jährt sich auch das Jugendstiljahr in Wiesbaden, an dem sich zahlreiche Institutionen in Wiesbaden beteiligt und die maßgeblich dazu beigetragen haben, den Blick auf den Jugendstil in Wiesbaden zu öffnen.

Auch in den Besucherzahlen spiegelt sich die Neugier der Gäste und das Interesse an der vielseitigen Kunstströmung wieder. Am Eröffnungstag der Sammlung durfte das Museum über 1000 Besucherinnen und Besucher in seiner neuen Jugendstil-Sammlung willkommen heißen. Seitdem zieht es – nun auch als Mitglied der European Art Nouveau Route und Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener Stadtmarketing – zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland in die Sammlung.

Dr. Peter Forster, Kustos Alte Meister und Jugendstil Sammlung F.W. Neess führt durch die auch brillant präsentierte Jugendstilausstellung Hier erläutert er die große Bodenvase mit Masken, deren Besonderheit in der Entwicklung der sich an der französischen Kunstkeramit orientierenden Steinzeugserie Grès-Bijou lag. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Peter Forster, Kustos Alte Meister und Jugendstil Sammlung F.W. Neess führt durch die auch brillant präsentierte Jugendstilausstellung Hier erläutert er die große Bodenvase mit Masken, deren Besonderheit in der Entwicklung der sich an der französischen Kunstkeramit orientierenden Steinzeugserie Grès-Bijou lag. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die Bilanz ein Jahr lang Jugendstil im Museum Wiesbaden gestaltet sich auf allen Ebenen als hoch erfreulich und wird begleitetet von Zustiftungen. Dem Beispiel Neess folgend haben sich Sammler angeschlossen und werden als Vermächtnisse geschlossene Keramik- und Glaskonvolute von Royal Dux und Joh. Loetz-Witwe dem Museum zukommen lassen. Als Fazit kann festgehalten werden: Der Jugendstil hat sich in Wiesbaden etabliert, Dank Ferdinand Wolfgang Neess,“ dankt Forster dem Engagement des verstorbenen Sammlers sowie den Bürgerinnen und Bürger.

Weitere Informationen:Museum Wiesbaden

Ort:
Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden

„Von der Wiege bis zur Bahre“ – Wiesbadener Museum zeigt die bedeutendsten Genre-Bilder des 19. Jahrhunderts in „Ludwig Knaus Homecoming“ vom 14.02 – 2.08.2020

Die Goldene Hochzeit entsteht über den Jahreswechsel 1858/59 hinaus. Knaus war wieder nach Jahren Pariser Aufenthalte und einer längern Italienreise nach Willingshausen zurückgekehrt, „dort, wo die lauschigen Storchennester sind, wo er seine Landleute findet, die er eben malen kann, wo er seine Heimat hat“. Und er hatte das Glück binnen kürzester Zeit an verschiedenen Festen teilzunehmen, und entsprechendes Material zu finden, alles, was sein  „gemütliches deutsches Genre ausmacht“. Es ist das, was sein  Publikum von ihm erwartet, damit er mit seine Kunst auch entsprechend Käufer findet und  entsprechend seinen Status zu erhalten kann. „Die Goldene Hochzeit“, bereits vor der Ausstellung verkauft,  wird 1959 im Pariser Salon sofort ein  großer Publikumserfolg: „Es ist die Perle der Ausstellung“. Die Kuratoren Rebecca Krämer und Dr. Peter Foster,  Dr. Peter Forster Kustos Sammlungen 14. bis 19. Jh. Leitung Provenienzforschung Koordination Museumspädagogik. © Foto: Diether v Goddenthow
Die Goldene Hochzeit entsteht über den Jahreswechsel 1858/59 hinaus. Knaus war wieder nach Jahren Pariser Aufenthalte und einer längern Italienreise nach Willingshausen zurückgekehrt, „dort, wo die lauschigen Storchennester sind, wo er seine Landleute findet, die er eben malen kann, wo er seine Heimat hat“. Und er hatte das Glück binnen kürzester Zeit an verschiedenen Festen teilzunehmen, und entsprechendes Material zu finden, alles, was sein „gemütliches deutsches Genre ausmacht“. Es ist das, was sein Publikum von ihm erwartet, damit er mit seine Kunst auch entsprechend Käufer findet und entsprechend seinen Status zu erhalten kann. „Die Goldene Hochzeit“, bereits vor der Ausstellung verkauft, wird 1959 im Pariser Salon sofort ein großer Publikumserfolg: „Es ist die Perle der Ausstellung“. Die Kuratoren Rebecca Krämer und Dr. Peter Foster, Dr. Peter Forster Kustos Sammlungen 14. bis 19. Jh. Leitung Provenienzforschung Koordination Museumspädagogik. © Foto: Diether v Goddenthow

Das Hessische Landesmuseum Wiesbaden holt mit der Sonderausstellung „Ludwig Knaus – Homecoming“ (14.02. bis 2. 08.2020) einen der populärsten Künstler des 19. Jahrhunderts zurück in seine Heimatstadt Wiesbaden. Zusammen mit Adolf Menzel galt der Wiesbadener Genremaler Ludwig Knaus als der beste Zeichner und Genre-Maler seiner Zeit. Er malte wie ein Weltmeister, immer mit Skizzenblock oder Stift unterwegs. Er schuf die Vorlage für die berühmteste Druckgrafik des 19. Jahrhunderts, „Die Goldene Hochzeit“. Dieses Ölgemälde, welches nie in Deutschland gezeigt wurde, da es noch vor der Ausstellung 1859 im Pariser Salon nach Amerika verkauft wurde, galt 140 Jahre lang, noch bis vor kurzem als verschollen. Nun ist die „Die Goldene Hochzeit“ erstmals nach Deutschland als Leihgabe zurückgekehrt und mit 70 weiteren erstklassigen Genre-Bildern sowie 100 Zeichnungen und Ölstudien im UG des Landesmuseum Wiesbaden für Kunst und Natur zu sehen, darunter auch das zweitberühmteste Werk „Hoheit auf Reisen“ und das von Theodor Fontane einst so geliebte „Damenbrettspiel“ aus der Nationalgalerie Berlin. Knaus Gemälde und Zeichnungen spiegeln Beobachtungen der Gesellschaft im 19. Jahrhundert wider und geben mit Motiven aus dem Alltag tiefere Einblicke in die Kultur und Geschichte Hessens.

Ludwig Knaus Selbstportrait © Museum Wiesbaden Foto: Bernd Fickert
Ludwig Knaus Selbstportrait © Museum Wiesbaden Foto: Bernd Fickert

Der gebürtige Wiesbadener Künstler Ludwig Knaus wurde nach einer Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie zu einem der führenden Genre- und Porträtmalern des 19. Jahrhunderts. Von 1852 bis 1860 lebte Knaus in Paris, wo seine Arbeiten bereits 1852 erste Erfolge verzeichneten und fortan auf dem internationalen Kunstmarkt, vor allem nach Frankreich und Amerika, vertrieben wurden. Die Stadt Wiesbaden, zu der Knaus immer eine enge Beziehung pflegte, „schmückte“ sich im 19. Jahrhundert gerne mit dem Künstler. Aufgrund seiner hohen Preise konnte das Museum zu Knaus‘ Lebzeiten jedoch nur zwei seiner begehrten Gemälde, Brautschau (1864) und Die Frühlingsidylle (1895), zu Sonderkonditionen erwerben. Zahlreiche von Knaus‘ Arbeiten sind in seinem Atelierhaus in der Schönen Aussicht 7 in Wiesbaden entstanden. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich mit einer Zwischenstation in Wiesbaden wurde Knaus 1874 auf eine Professur an die Akademie der Künste in Berlin berufen, wo er bis zu seinem Lebensende 1910 lebte. Heute befinden sich die Gemälde von Ludwig Knaus in zahlreichen deutschen Museen, ebenso wie in Amerika und weiteren europäischen Sammlungen.

Das Damenbrettspiel, zeigt Ludwigs Knaus Vater mit seinem Schwiegervater. Theodor Fontane liebte das Werk. © Foto: Diether v Goddenthow
Das Damenbrettspiel, zeigt Ludwigs Knaus Vater mit seinem Schwiegervater. Theodor Fontane liebte das Werk. © Foto: Diether v Goddenthow

Während Knaus‘ Zeitgenossen sich der Kunst des Impressionismus verschrieben, galt Knaus‘ künstlerisches Interesse der realitätsnahen Darstellung von Szenen aus dem Alltag, darunter vor allem Taufen, Hochzeiten, Feste oder Ernten. „Mir sagt aber das ausdrucksvolle lebendige Genre entschieden besser zu, wo man sich für die Individualitäten interessiert, wo die Leute sprechen und handeln und in intimer Beziehung zu einander stehen“. Ludwig Knaus, 21.12.1857 Die Genremalerei von Ludwig Knaus bildet zahlreiche Stationen und Bereiche des Lebens ab: von der Kindheit bis zum Tod oder vom Arbeitsalltag bis zu den Existenzen außerhalb der bürgerlichen Norm. Vor allem war der Wiesbadener aber auch ein Porträtist und Zeichnungen bildeten für Knaus die Grundlage, sich der Realität zu nähern und sie zu erfassen. Knaus Œuvre zeichnet sich insbesondere durch den Anspruch des Künstlers aus, möglichst wirklichkeitstreue Darstellungen der Menschen in poetischer Form zu fertigen. Ihn interessierten Szenen zwischenmenschlicher Begegnungen. Darstellungen mit vielen Figuren sind typisch für seine Kompositionen.

Ludwig Knaus Impression © Foto: Diether v Goddenthow
Ludwig Knaus Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Oftmals besitzt die idyllisch anmutende Genremalerei aber auch soziakritisches Potential. Ludwig Knaus malte Gesellschaftsbilder, die als Spiegel der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts aus der Sicht Knaus‘ gesehen werden können. Beispielsweise leisten seine Darstellung von Festen und Landschaften um Willingshausen herum einen Beitrag zur Herausbildung der hessischen Identität, da sie Aufschluss über Trachten und Bräuche geben. Ebenfalls muss betont werden, dass Knaus als typischer Vertreter des 19. Jahrhunderts gängige Vorurteile aufzugreifen, diese entsprechend darzustellen und zu bedienen wusste. Dazu gehörten Themen und Darstellungen, die aus Sicht der bürgerlichen Gesellschaft Minderheiten, exotische Motive und Randgruppen zum Gegenstand hatten. Beispielsweise erzielte seine Präsentation der sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm bewegenden Zigeuner in Paris große Erfolge. Knaus zeigte in seinen Genrebildern auch Szenen aus dem jüdischen Kulturkreis, wie beispielsweise das Gemälde Salomonische Weisheit (1878), bei der er die gängigen Vorurteile seiner Zeit aufgriff. Großer Beliebtheit im In- und Ausland erfreuten sich seine Darstellungen der ländlichen Bevölkerung. Ein Schlüsselwerk des 19. Jahrhunderts, Die Goldene Hochzeit (1858), zeigt ein familiäres, generationenübergreifendes Fest aus der hessischen Schwalm. Für die damalige Gesellschaft und die Käuferschaft wirkten die Schwälmer Landleute als Einheit fernab einer aus den Fugen geratenen industrialisierten Welt.

Das zweitwichtigste Werk, das Ludwig Knaus  für Hessen hergestellt hat, ist „Die Hoheit auf Reisen“ von 1867. Es ist  ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland und zeigt eine politische Reaktion auf die Übernahme der Preußen von Hessen-Nassau. Dargestellt wird, „wie die neue Regentschaft durch ein Dorf oder daran vorbei läuft. Die ganzen Hessen schauen sich das an und sie reagieren im Prinzip auf das, was da neu ist, und ist dieses erste Beschnuppern, was Knaus hier sehr gut und einträglich eben darstellt“, so Krämer.© Museum Wiesbaden Foto: Bernd Fickert
Das zweitwichtigste Werk, das Ludwig Knaus für Hessen hergestellt hat, ist „Die Hoheit auf Reisen“ von 1867. Es ist ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland und zeigt eine politische Reaktion auf die Übernahme der Preußen von Hessen-Nassau. Dargestellt wird, „wie die neue Regentschaft durch ein Dorf oder daran vorbei läuft. Die ganzen Hessen schauen sich das an und sie reagieren im Prinzip auf das, was da neu ist, und ist dieses erste Beschnuppern, was Knaus hier sehr gut und einträglich eben darstellt“, so Krämer.© Museum Wiesbaden Foto: Bernd Fickert

Die Ausstellung Ludwig Knaus – Homecoming (14.02.–02.08.2020) rückt zentrale Hauptwerke aus dem Werk Knaus‘, die bereits zu Lebzeiten des Malers nach Amerika verkauft wurden, in den Fokus. Ausgehend von bedeutenden Leihgaben aus dem Grohmann Museum in Milwaukee, Wisconsin sowie dem Milwaukee Art Museum und dem Arnot Art Museum New York, die eigens für das Ausstellungsprojekt nach Hessen zurückkehren, ist die Ausstellung in thematische Bereiche gegliedert. Rund 70 Gemälde und 100 Zeichnungen und Ölstudien stellen das Werk des Wiesbadener Genremalers auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche vor. Der Rundgang thematisiert den Kreislauf des Lebens von der Wiege bis zur Bahre unter besonderer Berücksichtigung der Werke aus Amerika. Die Arbeitsweise des Künstlers wird durch Zeichnungen und Studien wie aber auch durch authentische hessische Kostüme dokumentiert. Die Ausstellung verdeutlicht anhand der Hauptwerke von Ludwig Knaus, dessen Name damals in aller Munde war, welchen hohen Stellenwert er für die Kunst des 19. Jahrhunderts besaß. Heute hingegen gilt er weitestgehend als vergessen. Eine Auswahl von hessischen Trachtenkostümen aus dem Nachlass des Künstlers ergänzen die Schau.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog „Ludwig Knaus – Homecoming“ im Deutschen Kunstverlag, (ISBN: 978-3-422-98280-2).

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Ernst von Siemens Stiftung.

Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden
www.museum-wiesbaden.de

Hessen trauert um Kunstsammler Ferdinand Neess

Ferdinand Neess  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ferdinand Neess © Foto: Diether v Goddenthow

Ministerpräsident Volker Bouffier und Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Ferdinand Neess hat allen Hessen ein Geschenk gemacht – seine Selbstlosigkeit dient als Vorbild“
Hessen trauert um den Kunstsammler Ferdinand Neess, der am Sonntag im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Neess hatte dem Land Hessen im Frühjahr 2017 seine einzigartige Jugendstil-Sammlung geschenkt, die im Landesmuseum in Wiesbaden zu sehen ist. „Ferdinand Neess hat den Hessinnen und Hessen und allen, die Wiesbaden besuchen, mit seiner Sammlung ein großartiges Geschenk gemacht – wir alle werden ihm immer dankbar sein“, erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn heute in Wiesbaden. „Dass jemand, der die Kunst so liebt und mit ihr lebt, sich von diesen Werken trennt und sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, zeugt von einer Selbstlosigkeit, die als Vorbild dienen kann. Ein großer Mann ist von uns gegangen.“

„Dank der Großzügigkeit von Ferdinand Neess kann das Museum Wiesbaden eine der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen des Jugendstils und des Symbolismus zeigen“, erklärte Ministerpräsident Bouffier, der den Kunstsammler im Oktober 2019 mit der Georg-August-Zinn-Medaille des Landes Hessen ausgezeichnet hatte. „Diese Kunstwerke werden noch viele künftige Generationen beeindrucken. Wir verstehen das Andenken an Ferdinand Neess auch als Verpflichtung, sie zu erhalten, zu zeigen und daran zu erinnern, wem wir diesen Kunstgenuss zu verdanken haben.“ Die Sammlung umfasst mehr als 500 Kunstwerke. Ihr Wert wird mit 42 Millionen Euro beziffert.

„Ich bin sehr froh, dass Ferdinand Neess die Einrichtung der Sammlung im eigens dafür umgebauten Südflügel des Museums Wiesbaden im vergangenen Jahr noch erleben konnte, einen Tag nach seinem 90. Geburtstag“, so Kunstministerin Dorn. „Der Stifter hat mehr als 40 Jahre lang Kunst und Leben eng miteinander verbunden, ganz im Geiste der Stilrichtung, die er sammelte. Er hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das die Grenzen zwischen Leben und Kunst schließlich aufheben sollte –wir, die wir daran teilhaben dürfen, danken ihm und seiner Frau Danielle herzlich.“

„Die Landeshauptstadt Wiesbaden trauert um Ferdinand Wolfgang Neess. Er hat uns 2017 reich beschenkt, indem er dem Landesmuseum seine einmalige Jugendstilsammlung vermacht hat, die seither kunstbegeisterte Menschen aus der ganzen Welt in unser Museum lockt. Für immer sind wir ihm von Herzen dankbar; sein Andenken werden wir in großen Ehren halten“, so Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Kulturdezernent Axel Imholz.

Verleihung der August-Zinn Medaille

Jugendstil-Sammlung Ferdinand Nesses im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden

Dr. Andreas Henning, Experte für alte Meister aus Dresden, wird neuer Direktor des Landesmuseums Wiesbaden

„Ich bin sehr froh, dass wir Dr. Andreas Henning für Wiesbaden gewinnen konnten“, erklärt die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn.© Foto: Diether v Goddenthow
„Ich bin sehr froh, dass wir Dr. Andreas Henning für Wiesbaden gewinnen konnten“, erklärt die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn.© Foto: Diether v Goddenthow

Wiesbaden. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute Dr. Andreas Henning als künftigen Direktor des Hessischen Landesmuseums Wiesbaden der Öffentlichkeit vorgestellt. Der gebürtige Berliner ist derzeit Kurator für italienische Malerei und stellvertretender Direktor an der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und wird zum 1. März 2020 die Nachfolge von Dr. Alexander Klar antreten.

„Ich bin sehr froh, dass wir Dr. Andreas Henning für Wiesbaden gewinnen konnten“, erklärt die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Seine fachliche Versiertheit und große Erfahrung spricht aus zahlreichen Sonderausstellungen, Forschungs- und Vermittlungsprojekten. Seine Leitungskompetenz hat er unter anderem als Stellvertretender Direktor in Dresden unter Beweis gestellt. Ganz besonders gefallen haben uns in der Auswahlkommission seine engagierten Ideen dazu, wie sich ein neues Publikum für das Museum begeistern lässt. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass er ein gutes Gespür dafür hat, wo er die Leute abholen kann, die vielleicht noch nicht oder nur selten ins Museum gehen. Dieser Aspekt ist mir sehr wichtig, denn aus meiner Sicht haben Kunst und Kultur eine zentrale Rolle für unsere Demokratie, und deshalb sollen unsere Schätze zugänglich für alle sein. Dafür wollen wir Schwellen senken und mehr erklären. Unter anderem in diesem so wichtigen Bereich der Vermittlung erwarte ich von Herrn Dr. Henning viele gute Ideen. Er hat spannende Ansätze dafür, wie sich neue Medien für die Vermittlung nutzen lassen und wie die beiden großen Schwerpunkte des Landesmuseums, Kunst und Naturgeschichte, enger verzahnt werden können.“ Herr Dr. Klar hinterlasse ein gut bestelltes Haus, aber sie sei sicher, dass Dr. Henning mit seiner großen Erfahrung  den begonnenen Weg mit viel Schwung fortführen werde, so die Ministerin.

"In einer Zeit, wo wir uns von der virtuellen Welt vereinnahmen lassen, ist der Wechsel in eine analoge Welt wichtig, weil ich mich  in der Auseinandersetzung mit dem realen Objekt neu  selbst erfahren kann", so  Dr. Andreas Henning © Foto: Diether v Goddenthow
„In einer Zeit, wo wir uns von der virtuellen Welt vereinnahmen lassen, ist der Wechsel in eine analoge Welt wichtig, weil ich mich in der Auseinandersetzung mit dem realen Objekt neu selbst erfahren kann“, so Dr. Andreas Henning © Foto: Diether v Goddenthow

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team des Museums Wiesbaden, denn dieses Haus steht für Inspiration“, sagt Dr. Andreas Henning. Er habe durchaus  Respekt vor den  großen Spuren, die Dr. Alexander Klar und sein Vorgänger hinterlassen haben. „Die Qualität und die Breite der Sammlungen faszinieren mich, und zwar Kunstwerke wie Naturobjekte gleichermaßen. Diese beiden Sammlungsschwerpunkte formen den ganz besonderen Charakter des Museums. Sie sollten deshalb auch Ausgangspunkt und Ziel der Museumsarbeit sein, wobei ich mit allen Beteiligten die Strahlkraft der Dauerausstellungen weiter steigern und zugleich nach vielfältigen Wegen der Zugänglichkeit suchen möchte. Zudem ist es mir ein Anliegen, Kunst und Natur noch mehr miteinander ins Gespräch zu bringen. Darin sehe ich die Chance, dass das Museum Wiesbaden sich immer wieder in aktuelle Fragen der Gegenwart einbringen kann und als Ort der Reflexion fungiert“, so Dr. Henning, der  Museen in heutiger Zeit durchaus auch als eine Art „Analoge Schutzräume“ definiert, in der  Menschen, die sich dort auf reale Objekte und Kunst einließen,  vor dem Hintergrund ihres virtuellen Gefordertseins durchaus  neue Wahrnehmungs-Prozesse entwickeln und zu einer Art neuen Willensaktivität und  (Selbst-/Ich-)Erkenntnissen gelangen könnten.

Selbstverständlich werde er auch die Digitalisierung voranbringen. Die digitale Plattform sei die Visitenkarte des Museums. Allerdings begreife er das Digitale immer „nur“ als Weg ins Museum, so Dr. Henning. Bereits 2007 hatte der Kustos für Alte Meister in Dresden den damaligen Second-Life-Hype erfolgreich genutzt, um die Gemäldegalerie Alter Meister 1 : 1 als Online Collection ins Netz zu stellen, wodurch viele, auch eher museumsferne User erfolgreich in die Gemäldegalerie gelockt werden konnten,  sich  auf die Gemälde  einfach mal in echt einzulassen.
Mit solchen und vielen weiteren Ansätzen, etwa beispielsweise stärker naturwissenschaftlich Interessierte mit speziellen Museumsangeboten auch für die Kunst zu gewinnen und umgekehrt,  oder mit gezielten Berufssparten-Angeboten über eine verstärkte  Zusammenarbeit mit Wiesbadener Behörden usw.,  möchte der künftige Direktor gemeinsam mit dem eingespielten Wiesbadener Museumsteam neue Formate für noch mehr Publikums-Frequenz entwickeln.

(Diether v. Goddenthow)

Biographisches

Dr. Andreas Henning, geb. 1969, studierte Kunstgeschichte und Germanistik; seine Promotion schloss er 2002 an der FU Berlin ab. Nach Stationen an der Casa di Goethe in Rom und der Staatsgalerie Stuttgart ist er seit 2004 Kurator für italienische Malerei der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Seine Museumskompetenz stellte er u. a. in zahlreichen Sonderausstellungen, Forschungs- und Vermittlungsprojekten und als Vertreter des Direktors der Gemäldegalerie Alte Meister unter Beweis. Sein Portefeuille an Ausstellungen umspannt Renaissance bis Gegenwart, darunter „Captured Emotions“ am J. Paul Getty Museum in Los Angeles sowie „Georg Baselitz – Dresdner Frauen“ und die Jubiläumsausstellung zum 500. Geburtstag von Raffaels „Sixtinischer Madonna“ in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Seine wissenschaftliche Expertise führte ihn u. a. als Museum Fellow an die Bibliotheca Hertziana / Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom und als Senior Fellow an das Center for Advanced Study in the Visual Arts in Washington DC.
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Fon 0611 ⁄ 335 2170, Fax 0611 ⁄ 335 2192

Laufende Ausstellungen

Am 2. Nov. freier Eintritt ins Museum Wiesbaden für alle Bereiche – im Foyer Schwerpunkt „Insektenhotels“ –

Blick in die Studienausstellung © Museum Wiesbaden, Foto: Bernd Fickert
Blick in die Studienausstellung © Museum Wiesbaden, Foto: Bernd Fickert

Jeden ersten Samstag des Monats sind alle aktuellen Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen Ausstellungen im Museum Wiesbaden bei freiem Eintritt zu besuchen, so auch am 2. November.

Dieses Mal liegt dabei der Fokus auf den Naturhistorischen Sammlungen mit der Studienausstellung „Auf Staatsbesuch im Insektenreich“. In Kooperation mit dem Tier- und Pflanzenpark Fasanerie entstehen Insektenhotels im Museumsfoyer.

Die Dauerausstellung der Naturhistorischen Sammlungen „Ästhetik der Natur“ schlägt eine Brücke zwischen Kunst und Natur. Das Beobachten und Beschreiben der Natur steht dabei im Mittelpunkt. Auf den Spuren der Erd- und Evolutionsgeschichte wird die formenreiche und farbenprächtige Vielfalt der Natur präsentiert. Ein besonderer Fokus liegt am eintrittsfreien Samstag auf den staatenbildenden Insekten, denn uns Menschen sind unterschiedlichste Staatsformen geläufig und nur wenigen davon vertrauen wir uns gerne an. Eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Form der arbeitsteiligen Gemeinschaft findet in der Natur dagegen selten statt. Die Studienausstellung „Auf Staatsbesuch im Insektenreich“ führt in das komplexe und spannende Thema der Insektenstaaten ein.

Um 12 Uhr und 12.45 Uhr haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, an Familienführungen durch die Studienausstellung teilzunehmen. Ein besonderer Gast in der Wandelhalle ist der Tier- und Pflanzenpark Fasanerie mit einem Aktionsstand. Kleine und große Gäste können zwischen 12 und 15 Uhr Lebensräume für soziale Insekten bauen und ihre Insektenhotels anschließend im eigenen Garten errichten.

Um 15 Uhr wird eine öffentliche Führung zum Thema „Tiere in der Kunst“ angeboten. Parallel dazu können Kinder von 11 bis 15 Uhr am Maltisch im Museumsfoyer selber kreativ tätig werden und ihre Eindrücke auf Papier festhalten.

Die Sonderausstellungen „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ (bis 19. Januar 2020), „Mit fremden Federn“ (bis 8. März 2020) sowie die Dauerausstellungen können bei freiem Eintritt besucht werden.

Ermöglicht in Kooperation mit den Freunden des Museums Wiesbaden e. V.

© Foto: Diether v Goddenthow
© Foto: Diether v Goddenthow

Hessisches Landesmuseum
für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden
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Zur Zeit zu sehen im Museum Wiesbaden

Kunst-Mäzen Ferdinand Wolfgang Neess von Ministerpräsident Volker Bouffier mit derGeorg August Zinn-Medaille ausgezeichnet

Danielle Neess, Ferdinand Wolfgang Neess, Familienmitglied und Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Danielle Neess, Mäzen Ferdinand Wolfgang Neess, Familienmitglied und Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Während einer Feierstunde im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden hat der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier den Wiesbadener Kunstsammler und Mäzen Ferdinand Wolfgang Neess mit der Georg August Zinn-Medaille geehrt. „Ferdinand Wolfgang Neess hat dem Museum Wiesbaden einen einzigartigen Schatz vermacht. Hessen ist nun im Besitz einer der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen des Jugendstils und des Symbolismus“, erklärte der Regierungschef heute im Museum Wiesbaden.

Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Seit März 2017 ist das Museum Wiesbaden Eigentümer der Sammlung. Es war die größte Einzelschenkung in der Geschichte des Landesmuseums. Ihr Wert wird mit 42 Millionen Euro beziffert. Als sichtbares Zeichen des Dankes und der Anerkennung für seinen Verdienst, die Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie dem Land Hessen und der Stadt Wiesbaden dauerhaft zur Verfügung zu stellen, hat der Wiesbadener Kunstmäzen die Georg August Zinn-Medaille vom Ministerpräsidenten erhalten. Sie wird seit 1997 für herausragende Verdienste und sehr großes Engagement zur Förderung des Gemeinwohls verliehen. „Die Hessische Museumslandschaft ist durch Herrn Neess um eine weitere kunsthistorische Attraktion reicher“, betonte Bouffier.

Impression der Jugendstilausstellung. © Foto: Diether v Goddenthow
Impression der Jugendstilausstellung. © Foto: Diether v Goddenthow

Über 40 Jahre hatte der heute 90-Jährige die Kunstobjekte des Jugendstils und des Symbolismus gesammelt. Die Leidenschaft habe mit einem Kauf in den sechziger Jahren begonnen. Als Banklehrling hatte er damals zwei Jugendstil-Leuchten erworben. Ein geschenkter Katalog sei dann die Initialzündung gewesen, die ihn endgültig zum Kunstmäzen machte.
Im Laufe der Zeit hat Neess rund 570 Jugendstil-Stücke aus dem 19. Jahrhundert zusammengetragen. Darunter finden sich unter anderem Möbel, Gemälde, Lampen und Glaskunst. „Die Schenkung ist einzigartig. Wir haben in Hessen nun, neben Darmstadt und Bad Nauheim, eine dritte Jugendstil-Hochburg. Darauf können wir stolz sein“, erklärte der Ministerpräsident. Die Exponate können von nun an in einer Dauerstellung, die im Juni 2019 eröffnet wurde, betrachtet werden. „Künftige Generationen nach uns werden noch viel Freude an den Exponaten haben“, erklärte der Ministerpräsident.

Dr. Jörg Dauer, kommissarischer Museumsdirektor und Abteilungsleiter für Kunst. © Foto: Diether v Goddenthow
Dr. Jörg Dauer, kommissarischer Museumsdirektor und Abteilungsleiter für Kunst. © Foto: Diether v Goddenthow

Dr. Jörg Daur kommissarischer Direktor und Kustos moderne und zeitgenössische Kunst, dankte dem Mäzen ganz herzlich und unterstrich, dass durch die Sammlung Jugendstil und Symbolismus das Museum Wiesbaden „seit nunmehr vier Monaten einen außerordentlichen Zuspruch erfahre. Tausende begeisterte Besucherinnen und Besucher besuchen die Neess’sche Sammlung, die „nun eben auch die unsere Sammlung“ sei, so Daur. Das Wichtigste sei vielleicht, dass „uns der Zugang der Jugendstilsammlung die Chance“ gebe, „uns selbst und unsere Sammlungen in wissenschaftlicher Hinsicht neu zu befragen. Wir nehmen dieses Geschenk also nicht nur mit großem Dank, sondern auch als Aufgabe an. Wir feiern hier heute also nicht nur das glorreiche Ergebnis einer Entwicklung, sondern zugleich auch den Aufbruch und den Beginn einer neuen Geschichte hier im Museum Wiesbaden“, so Daur in seiner Begrüßung.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow
Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. © Foto: Diether v Goddenthow

Oberbürgermeister Gert Uwe Mende gratulierte im Namen der Gremien der Stadt Wiesbaden Wolfgang Neess ganz herzlich für diese hohe Auszeichnung. Wiesbaden würde durch diese großartige Sammlung nunmehr in einem Atemzug mit den Jugendstil-Städten Darmstadt und Bad Nauheim genannt werden. Er könne sich vorstellen, dass für Kunstliebhaber alleine diese Jugendstilsammlung eine Reise nach Wiesbaden wert sei. Die Präsentation sei wirklich rundum gelungen. „Es ist ein wirkliches Highlight, wie wunderbar diese Ausstellung gelungen ist, auch in ihrer räumlichen Ausstattung und in der der Art und Weise wie die Kunstwerke dort präsentiert werden mit einer solchen Schönheit, mit einer solchen Anmut, dass es einem wirklich das Herz warm werden lässt“, so Mende.

Dr. Gerd Eckelmann, Vorsitzender des Vorstandes der Freunde des Museums Wiesbaden unterstrich diese außerordentliche Bedeutung der Sammlung Neess für das Hessische Landesmuseum und dankte auch im Namen der Freunde des Museums ganz herzlich dem Ehepaar Neess.

Kunstsammler Ferdinand Wolfgang Neess.© Foto: Diether v Goddenthow
Kunstsammler Ferdinand Wolfgang Neess.© Foto: Diether v Goddenthow

Der Geehrte Friedrich Wolfgang Neess, dankte ganz herzlich für diese Anerkennung und betonte, dass es „meine größte Freude ist, dass Museum Wiesbaden und die Stadt Wiesbaden mit dieser Schenkung glücklich gemacht zu haben“. „Ich übertrage das auch gleichzeitig auf meine Frau, die ein gutes Stück meines Weges, was die Sammlung betrifft, mich begleitet hat und mir mitgeholfen hat mit Rat und Tat und stets zur Seite stand, und der auch die Ehrung heute zusteht. Vielen Dank!“

Storytellin in Times of Change – Crossover Folk and Flute Ensemble – Norwegische Musik im Museum Wiesbaden anlässlich Sohlbergausstellung u. Buchmesse

Das norwegische Flötenensemble mit Solistin  Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das norwegische Flötenensemble mit Solistin Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Mittsommernacht. Harald Sohlberg. Ein norwegischer Landschaftsmaler“ und als Beitrag des Ehrengastlandes Norwegen anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse spielte das Norwegische Flötenensemble (Norwegian Flute Ensemble), ergänzt von Flöstinnen aus dem Rhein-Main-Gebiet und von der Violinistin Marin S. Bakke auf einer Hardanger Fidel, am 13.Oktober vormittags im Museum Wiesbaden klassische und folkloristische Stücke norwegischer Komponisten.

Solistin war Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielte. Marin Stallemo Bakke wurde schon früh in das Young Musicians Program der Universität Agder aufgenommen und hat kürzlich ihr Studium an der norwegischen Musikakademie in Oslo als klassische Geigerin abgeschlossen. Neben ihrer Orchester- und Solotätigkeit spezialisierte sie sich auf Volksmusik und trat als Hardingfele-Solistin mit mehreren professionellen Symphonieorchestern in Norwegen auf.

Das Norwegische Flötenensemble wurde 2008 auf Anregung von Prof. Jørn Schau gegründet und ist das einzige Ensemble dieser Art in Norwegen. In Originalbesetzung vereint das Ensemble Flötenstudierende und -profis der Universität Agder, Kristiansand, Norwegen. Das norwegische Flötenensemble tritt regelmäßig bei Internationalen Festivals auf. Die Anzahl der Ausführenden variiert zwischen 6 und 24. Eines der Hauptziele des Ensembles besteht darin, norwegische Komponisten und Komponistinnen zu ermutigen, Werke für unterschiedliche Flöten zu schreiben (von Piccolo bis Kontrabaß Flöte) und so das Repertoire für Flötenensembles weiter auszubauen. Das Ensemble hat bereits 4 CDs aufgenommen. Einige der aufgenommenen Werke norwegischer Komponisten sind dem Ensemble gewidmet.

Information zur Ausstellung „Mittsommer. Harald Sohlberg. Ein norwegischer Landschaftsmaler“

Am Samstag freier Eintritt ins Museum Wiesbaden – Highlights: Mittsommernacht: Harald Sohlberg – „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ u. „Jugendstil-Ausstellung“

Sohlberg: Sommernacht . © Foto: Diether v Goddenthow
Sohlberg: Sommernacht . © Foto: Diether v Goddenthow

Freier Eintritt ins Museum Wiesbaden an jedem ersten Samstag im Monat – Mittsommernacht: Harald Sohlberg

Das Museum Wiesbaden lädt am Samstag, den 5. Oktober 2019 bei freiem Eintritt zum Besuch der aktuellen Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen ein.

Am kommenden Termin steht die Retrospektive „Mittsommernacht — Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler“ im Fokus der Veranstaltungen für Klein und Groß.

Das Museum Wiesbaden zeigt mit der Ausstellung „Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ (bis 27. Oktober 2019) in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Oslo die erste Retrospektive des norwegischen Künstlers Harald Sohlberg (1869–1935) auf dem europäischen Festland. Harald Sohlberg gehört neben Edvard Munch (1863–1914) und Nikolai Astrup (1880–1928) zu den wichtigsten Künstlern Norwegens an der Schwelle zur Moderne. Sein Hauptwerk „Winternacht in Rondane“ gilt als ikonisch und wurde nach Erwerbung des Nationalmuseums im Jahr 1918 noch nie verliehen. Das Gemälde in Wiesbaden zu präsentieren ist außergewöhnlich und zählt zu den rund 70 ausgestellten, und aus internationalen Sammlungen zusammengetragenen Werken.

Um 12 und 12:45 Uhr können Eltern mit ihren Kindern an Familienführungen teilnehmen. Junge Gäste können ihre gesammelten Eindrücke von 11 bis 15 Uhr ebenfalls am Maltisch in der Wandelhalle festhalten. Um 15 Uhr wird eine Führung durch die Sohlberg-Retrospektive angeboten.

Ebenfalls können die Sonderausstellungen „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ (bis 19. Januar 2020), „Mit fremden Federn“ (bis 8. März 2020) sowie die Dauerausstellungen bei freiem Eintritt besucht werden.

Ermöglicht in Kooperation mit den Freunden des Museums Wiesbaden e. V.

Hessisches Landesmuseum
für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden
www.museum-wiesbaden.de

Sonderausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ zeigt Querschnitt aus der Gegenwarts-Malerei einer neuen Künstler-Generation – Museum Wiesbaden – 19.9.2019 – 19.1.2020.

Florian Meisenberg Reichswald.Day 5 : 8 mm Installation Wiesbaden  Öl, Ölstift, Airbrush, Glasstaub.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Florian Meisenberg Reichswald.Day 5 : 8 mm Installation Wiesbaden Öl, Ölstift, Airbrush, Glasstaub. © Foto: Diether v Goddenthow

Das Ausstellungsprojekt „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ verfolgt das Ziel, einen gültigen Querschnitt durch die junge, in Deutschland entstandene Malerei zu geben und dabei alle Erscheinungsformen des Mediums ohne konzeptuelle oder ideologische Einschränkungen zu berücksichtigen – einzig der Rückbezug auf das Tafelbild, als klassische Erscheinungsform der Malerei gibt dabei einen gedachten „Rahmen“ vor. Vom 19. September 2019 bis zum 19. Januar 2020 präsentiert die Schau zeitgleich an drei Ausstellungsorten, dem Kunstmuseum Bonn, dem Museum Wiesbaden und den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, rund 500 Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern. Jeder der drei Ausstellungsorte stellt alle teilnehmenden Künstler*innen mit jeweils bis zu vier Arbeiten vor. Die Wiesbadener Station der Ausstellung (20.9.2019-19.1.2020) zeigt 164, teils großformatige Arbeiten in 15 Ausstellungsräumen. Im Anschluss übernehmen die Deichtorhallen Hamburg mit ausgewählten Werken aller teilnehmenden Künstler*innen die Ausstellung.

Dr. Jörg Daur. Leiter Museum Wiesbaden Kurator: Cornelia Baltes Bilder erscheinen wie Nahaufnahmen vergrößerter Ausschnitte realer Alltagsmotive mit cartoonhaften Effekten.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Dr. Jörg Daur. Leiter Museum Wiesbaden Kurator: Cornelia Baltes Bilder erscheinen wie Nahaufnahmen vergrößerter Ausschnitte realer Alltagsmotive mit
cartoonhaften Effekten. © Foto: Diether v Goddenthow

Das Tafelbild als traditionsreiches künstlerisches Medium der Malereigeschichte erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Wie schon bei den alten Meistern ist die Mehrheit der gemalten Bilder heute viereckig, vielfarbig und transportabel. Seit seinen Anfängen stand das Tafelbild in einem Gefüge zwischen immateriellen Bildgegenstand und dessen Materialisierung durch Farbe und Bildträger. Handwerkliche Aspekte der Umsetzung fließen bei der Erschaffung von Bildräumen, die auf flachen, festen oder flexiblen Bildträgern entstehen, ebenfalls mit ein.

Moritz Schleime. Keine Pizza auf Ibiza (The Diary), Öl auf Leinwand. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Moritz Schleime. Keine Pizza auf Ibiza (The Diary), Öl auf Leinwand. © Foto: Diether v Goddenthow

Das Bild als Medium der Malerei ist bis heute in stetiger Diskussion. Was ist die gegenwärtige Situation des Mediums Malerei? Die Gemeinschaftsausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ wirft diese Fragestellung auf und präsentiert Künstlerpositionen, die die Möglichkeiten des Mediums auf unterschiedlichste Weise ausloten. Dabei zeigen die Werke der jungen Malerinnen und Maler, dass die Bedeutung von Farbmaterial und Bildträger für die zeitgenössische Malerei, unabhängig der Diskussionen um expansive Spielarten des Mediums, ungebrochen ist. Auf der Suche nach einem zeitgenössischen Ausdruck der Malerei werden die Elemente des Tafelbilds weiterhin genutzt. Oftmals ist die Leinwand aktiver Teil der medialen Selbstreflexion und wird als Material oder Metapher eingesetzt. Auch das Spektrum der malerischen Bildproduktion ist facettenreich: Unterschiedlichste Auseinandersetzungen mit Rahmen, Leinwand, Maltechnik, Art des Farbauftrags und der Konstruktion des Bildmotivs werden anhand der in der Ausstellung gezeigten Werke deutlich. Manche Arbeiten wecken Assoziationen zu Stillleben, figürlicher Portraitmalerei oder wirken comic-artig, erinnern an Karten oder Mindmaps. Andere sind abstrakt, gliedern sich in monochrome Farbfelder, ergänzen die Leinwand mit Objekten wie Arzneirezepten und anderen Fragmenten der „realen“ Welt oder sie sind ganz der Maltechnik und dem daraus folgenden Schaffensprozess verschrieben.

Lea Schäfer, Kuratorin erläutert Maximilians Kirmses Werk, unter anderem hier: Dinos, Öl auf Leinwand. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Lea Schäfer, Kuratorin erläutert Maximilians Kirmses Werk, unter anderem hier: Dinos, Öl auf Leinwand. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Auswahl der Künstler erfolgte in zahlreichen Atelierbesuchen durch das Kuratorenteam bestehend aus Prof. Dr. Stephan Berg, Dr. Fréderic Bußmann, Dr. Jörg Daur, Prof. Dr. Alexander Klar, Anja Richter, Lea Schäfer und Dr. Christoph Schreier. Das Team der Kurator*innen wurde ferner in der Selektion der Künstler*innen von arrivierten Maler*innen, Kunsthochschulen, Kunstkritiker*innen und Kolleg*innen aus anderen Museen beratend unterstützt. Aus einer ersten Auswahl von mehr als 200 Künstlerpositionen wurden am Ende 53 Malerinnen und Maler gewählt.

Dabei bedingten drei für das Projekt festgelegte Kriterien die Auswahl der beteiligten jungen Künstlerpositionen: Nur Malerei im Sinne des klassischen Tafelbilds sollte Gegenstand der Gemeinschaftsausstellung sein, zentral ist also die Auseinandersetzung mit dem Medium auf der begrenzten Fläche des Bildgevierts. Dabei wurde auf alle Formen der Erweiterung der Malerei, darunter malerisch angelegte, rauminstallative Interventionen, multimediale Malerei-ohne-Malerei Explorationen verzichtet, um erörtern zu können, welche Möglichkeiten das gemalte Bild vor dem Hintergrund der Digitalisierung heute noch hat. Ebenfalls konzentriert sich die Schau nur auf Künstlerinnen und Künstler, geboren seit den späten 1970er-Jahren; mithin die erste Generation, die im Wesentlichen nicht mehr in der Erfahrung des geteilten Deutschlands aufgewachsen ist und ausgebildet wurde. Der jüngste Künstler ist 28 Jahre alt. Der geographische Rahmen der Ausstellung ist auf die in Deutschland entstandene Malerei beschränkt, um das Untersuchungsgebiet des Projekts überschaubar zu halten und einen repräsentativen Schnitt der jungen Malerei in Deutschland zu ermöglichen.

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Der Rundgang der Wiesbadener Schau (20.09.2019-19.1.2020) ist nicht thematisch gegliedert, sondern arbeitet mit 164, auf 15 Ausstellungsräume verteilten Werken die unmittelbaren Beziehungen zwischen den Künstlerpositionen heraus. Hängung und Durchblicke in die angrenzenden Räume ermöglichen Vergleiche und lassen den Betrachter die verbindenden Elemente der im jeweiligen Raum vorhandenen Künstlerkonstellationen entdecken. Gerade im vergleichenden Sehen können Aufschlüsse zu Malprozess und Bildthema gegeben werden und es wird deutlich, welche vielseitigen Möglichkeiten und Grenzen das Medium der Malerei haben kann.

Beteiligte Künstler*innen: Mona Ardeleanu, Israel Aten, Paula Baader, Lydia Balke, Cornelia Baltes, Jagoda Bednarsky, Viola Bittl, Peppi Bottrop, Andreas Breunig, Paul Czerlitzki, Benjamin Dittrich, Jens Einhorn, Jenny Forster, Pius Fox, Max Frintrop, Sabrina Fritsch, Ina Gerken, Fabian Ginsberg, Gregor Gleiwitz, Lukas Glinkowski, Henriette Grahnert, Dana Greiner, Vivian Greven, Sebastian Gögel, Toulu Hassani, Sabrina Haunsperg, Franziska Holstein, Aneta Kajzer, Sumi Kim, Maximilian Kirmse, Li-Wen Kuo, David Lehmann, Benedikt Leonhardt, Florian Meisenberg, Monika Michalko, Hannes Michanek, Simon Modersohn, Bastian Muhr, Anna Nero, Moritz Neuhoff, Vera Palme, Alexander Pröpster, Franziska Reinbothe, Daniel Rossi, Markus Saile, Moritz Schleime, Jana Schröder, Daniel Schubert, Kristina Schuldt, Alicia Viebrock, Stefan Vogel, Jonas Weichsel, Tristan Wilczek

Mit der Magenta VR -Brille kann man zugleich auch virtuell  durch einige  Ausstellungsräume  in Bonn und Chemnitz  "schreiten". ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Mit der Magenta VR -Brille kann man zugleich auch virtuell durch einige Ausstellungsräume in Bonn und Chemnitz „schreiten“. © Foto: Diether v Goddenthow

Ein Virtual Reality Projekt verbindet die drei Stationen der Ausstellung. Besucherinnen und Besucher können wie durch ein virtuelles Fenster Blicke in die Ausstellungsräume der jeweiligen anderen Museen erhaschen. Das Virtual Reality Projekt wurde gemeinsam von der Telekom Deutschland und den Freunden des Kunstmuseum Bonn e.V entwickelt.

Die Wiesbadener Ausstellung wurde unterstützt durch die Art Mentor Foundation Lucerne, Habbel, Pohlig und Partner, die Deutsche Telekom AG und die Freunde des Museums Wiesbaden e.V.

Anlässlich des Ausstellungsprojekts erscheint der Katalog „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ beim Hirmer Verlag, München (978-3-7774-3419-3, 35 Euro an der Museumskasse).