Kategorie-Archiv: Frankfurter Museen

PIONIERE DES COMIC. EINE ANDERE AVANTGARDE ab 23. Juni 2016 in der Schirn Frankfurt

Pioniere des Comic - Am Turning-Point der Ausstellung wurden kleine Bilder hochvergrößert, um einmal mehr die auf die genial gezeichneten Details hinzuweisen, um zu zeigen, dass Cliff Sterrett bereits 1927  Pop-Art zeichnete, als es  weder den Begriff noch die Kunst-Gattung offiziell gab. © massow-picture
Pioniere des Comic – Am Turning-Point der Ausstellung wurden kleine Bilder hochvergrößert, um einmal mehr die auf die genial gezeichneten Details hinzuweisen, um zu zeigen, dass Cliff Sterrett bereits 1927 Pop-Art zeichnete, als es weder den Begriff noch die Kunst-Gattung offiziell gab. © massow-picture

 

Spektakulär, groß und in Farbe, eroberte der Comic ab 1897 sein Publikum. Bürgertum, Arbeiterklasse und ein Heer von Einwanderern waren gleichermaßen fasziniert von den unbekannten Seherfahrungen, die ihnen in den US-amerikanischen Tageszeitungen begegneten. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 23. Juni bis 18. September 2016 die erste umfassende Themenausstellung zu den „Pionieren des Comic“, die experimentierfreudig und progressiv die künstlerischen und inhaltlichen Maßstäbe des frühen Comics setzten. Die Ausstellung stellt sechs für die Kulturgeschichte des Comics herausragende, vornehmlich USamerikanische Zeichner vor: Winsor McCay, Lyonel Feininger, Charles Forbell, Cliff Sterrett, George Herriman und Frank King. Unvergessen sind Herrimans absurder Humor in Krazy Kat (ab 1913), die surrealistischen und expressionistischen Bildwelten von McCay (ab 1904) und Sterrett (ab 1912), Feiningers Comic-Serien für die Chicago Tribune (1906/07) oder der über drei Jahrzehnte in Echtzeit erzählte Comic Gasoline Alley von King (ab 1921). Mit Forbells Gesamtkunstwerk Naughty Pete (1913) kann in der Schirn außerdem ein vergessener Zeichner wiederentdeckt werden.

Wee Willie Winkie's World. Sonntagsseiten 1906 Zeitungsdruck Sammlung Achim Moeller, New York. © massow-picture
Lyonel Feininger: Wee Willie Winkie’s World. Sonntagsseiten 1906 Zeitungsdruck Sammlung Achim Moeller, New York. © massow-picture

Die Verbreitung des Comics im frühen 20. Jahrhundert basierte auf dem kometenhaften Aufstieg der Zeitung. Immer leistungsstärkere Druckmaschinen und der sinkende Papierpreis machten sie finanziell erschwinglich. Dies führte zu einer Explosion und Demokratisierung der Bilder und schuf mit den darin enthaltenen Comic-Beilagen das erste Bildmassenmedium der Geschichte. Ein einziges New Yorker Verlagshaus konnte mit nur einer Zeitungsausgabe täglich ein Millionenpublikum erreichen. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, legten findige Verleger wie zuerst Joseph Pulitzer (1847–1911) den Sonntagszeitungen Magazin-Supplements bei, darunter auch solche mit Comics – groß und in Farbe gedruckt. Zusammen mit den Ein-ZeilenStreifen in den Werktagsausgaben bildeten diese Comic-Strips die Königsdisziplin, der erst in den späten 1930er-Jahren das heute geläufige Comic-Book (Comic-Heft) folgte. Im hart umkämpften Zeitungsmarkt bedeutete Comic Macht. Der Wachstum oder Niedergang einer Zeitung entschied sich nicht mit der Qualität der Leitartikel, den Wirtschaftsnachrichten oder dem Sportteil, sondern mit der Popularität ihrer Comic-Strips. So wurde der legendäre Zeitungskrieg von 1895 bis 1898 zwischen Pulitzer und William Randolph Hearst (1863–1951) über die ComicBeilagen ausgetragen. Der frisch aus San Francisco nach New York gekommene Verleger Hearst warb Pulitzer 1891 etwa dessen gesamten Zeichnerstab ab, um sein eigenes Zeitungsimperium zu stärken.

Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde, Ausstellungsansicht.  © massow-picture
Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde, Ausstellungsansicht. © massow-picture

Die Ausstellung „Pioniere des Comic“ zeigt mehr als 200 seltene Comic-Seiten von 1905 bis in die 1940er-Jahre, darunter viele sehr seltene Originalzeichnungen der Comic-Künstler, von denen die Mehrzahl in der Schirn erstmals öffentlich zu sehen ist. Auch Wechselwirkungen zwischen Comic-Werken und Entwicklungen der bildenden Kunst jener Zeit werden deutlich. Von den ehemals Millionen Comic-Seiten der Pionierjahre sind heute nur noch wenige Exemplare erhalten. Engagierte Privatsammler erkannten rechtzeitig – entgegen der öffentlichen Meinung – die künstlerische Wertigkeit.

Dr. Alexander Braun, Kurator der Ausstellung: „Die in der Schirn gezeigten 100 Jahre alten Zeitungsseiten verströmen noch heute den energetischen Atem einer Epoche des Aufbruchs, der Zukunftsgläubigkeit, Technikbegeisterung und des kometenhaften Aufstiegs des ersten wirklichen Massenmediums: der Zeitung. Der fruchtbare Konkurrenzkampf des Zeitungsmarktes beförderte gleichermaßen den Erfindungsreichtum der Comic-Zeichner der Anfangsjahre. Die sechs in der Schirn präsentierten Künstler loten jeder für sich die Möglichkeiten der jungen Gattung aus und prägen diese bis heute.“

DIE PIONIERE DES COMIC

Die Schirn präsentiert in „Pioniere des Comic“ mit sechs exemplarischen Zeichnern die Frühphase des Comics. In der Ausstellung ist jedem ein eigener Raum gewidmet.

Aus Winsor McCays "Dream of the Rarebit Fiend". Der Strip erschien ab 1908 dreimal wöchentlich. Bereits 20 Jahre vor Dali und Magritte erfand er den Surrealismus. © massow-picture
Aus Winsor McCays „Dream of the Rarebit Fiend“. Der Strip erschien ab 1908 dreimal wöchentlich. Bereits 20 Jahre vor Dali und Magritte erfand er den Surrealismus. © massow-picture

Winsor McCay (1869–1934) gilt als erster Surrealist und Übervater des frühen Comics. Das ganze Ausdrucksspektrum des Surrealismus ist bei ihm bereits vorformuliert: mit Eseln, deren Beine zu Stelzen wachsen, oder Gesichtern, die schmelzen wie etwa die Taschenuhren in den Gemälden des spanischen Malers Salvator Dalí. In seiner ab 1905 im New York Herald erschienenen Serie Little Nemo in Slumberland steht McCay noch in der Tradition der FantasyKonventionen seiner Zeit wie Alice im Wunderland (ab 1865) oder Der Zauberer von Oz (1900): Der kleine Junge Nemo wird jede Nacht im Traum von König Morpheus’ Vasallen ins Schlummerland geholt, damit die Prinzessin einen Spielgefährten hat, und erlebt dort Abenteuer. Auch in Dream of a Rarebit Fiend widmet sich McCay intensiv und wegweisend seinem zentralen Thema: dem Traum. In jeder der ca. 900 Folgen werden über drei Jahrzehnte immer neue Protagonisten im Traum von Alltagsproblemen verfolgt. Hier zeigt sich ein radikal anderes Traumverständnis, vergleichbar etwa mit Sigmund Freuds Die Traumdeutung, die 1900 erschien. Zudem lotete McCay die künstlerischen und intellektuellen Möglichkeiten der jungen Kunstform aus und definierte den Comic neu. Selbstreferenziell hinterfragt er seine Autorschaft, etwa wenn seine Figuren im Comic mit ihm – dem Zeichner – über die Qualität seiner Kunst diskutieren oder vor lauter Hunger den Titelschriftzug des Comics herausbrechen und aufessen. McCay gilt auch als Erfinder des Zeichentrickfilms, was in der Ausstellung ebenfalls deutlich wird.

Lyonel Feininger "The-Kin-der-Kids", Sonntagsseiten 29. April 1906 © Schirn Presse
Lyonel Feininger „The-Kin-der-Kids“, Sonntagsseiten 29. April 1906 © Schirn Presse

Der berühmte Maler und Bauhaus-Lehrer Lyonel Feininger (1871–1956) begann seine künstlerische Karriere mit einer 15-jährigen Tätigkeit als Karikaturist und Comiczeichner. 1906 plante die Chicago Tribune ein neues Comic-Supplement mit Eigenproduktionen deutscher Zeichner und engagierte den in Berlin lebenden Künstler für zwei Serien: Die The Kin-der-Kids hetzen in Anlehnung an Jules Vernes In 80 Tagen um die Welt in wilder Jagd über Meere und Kontinente, während der kleine Junge in Wee Willie Winkie’s World als ein Alter Ego Feiningers die Welt in melancholischer Verträumtheit hinterfragt. Auch wenn sich diese Serien als nicht rentabel für das Blatt erwiesen und bald wieder eingestellt wurden, erlangte Feininger durch diesen Auftrag die künstlerische und finanzielle Unabhängigkeit, die ihm einen Umzug nach Paris ermöglichte. Erst hier knüpfte er Kontakte zur Kunstszene und begann seine Karriere als Maler. Bislang ist in der Feininger-Forschung nicht berücksichtigt, dass der Künstler seine Idee einer Stadt am Ende der Welt – mit altdeutschen Häusern, Seestücken, Kirchtürmen etc. – bereits in seinen Comic-Arbeiten ausformulierte. Diese stellen das erzählerische Pendant seiner „prismatischen Malerei“ dar.

Charles Forbell (1884–1946) steht exemplarisch für Künstler der frühen Comic-Avantgarde, die sich nur für kurze Zeit dem Medium zuwandten und aus Mangel an Erfolg schnell wieder verschwanden. Der Grafiker und Illustrator entwarf 1913 für seine Serie Naughty Pete innerhalb weniger Monate 18 einzigartig komponierte, farbige Sonntagsseiten, die vom Verleger des New York Herald prominent auf dem farbigen Titel des Supplements in Szene gesetzt wurden. Die Seiten überzeugen als Gesamtkunstwerke, die sich weniger über eine Aneinanderreihung einzelner Panels als vielmehr über die Ästhetik ihrer Gesamtkomposition definieren.

Cliff Sterrett, hier Ausschnitt aus Polly and Her Pals ab 1912.  Er nahm quasi die Pop-Art vorweg. Foto: © massow-picture
Cliff Sterrett, hier Ausschnitt aus Polly and Her Pals ab 1912. Er nahm quasi die Pop-Art vorweg. Foto: © massow-picture

Zu den bedeutendsten Stilisten des Comic-Strips im 20. Jahrhunderts zählt Cliff Sterrett (1883–1964). Sein Hauptwerk Polly and Her Pals erzählt vom Ehepaar Perkins und der von Verehrern umschwärmten Tochter Polly. Im Laufe der Jahre verschiebt sich der Fokus immer mehr auf den Vater und dessen täglichen Kampf mit den Tücken des Alltags. Sterretts Figurendarstellung entwickelt sich im Laufe seiner Karriere von einem nervös-organischen Strich hin zu klarer geometrischer Abstraktion. In den späten 1920er-Jahren scheint sein Comic dann geradezu modernistisch zu explodieren: psychedelische Wälder und fantastische Pflanzen, die Größenverhältnisse verschieben sich und die Perspektiven der Architektur scheinen zu stürzen, Wände und Böden sind gänzlich von Mustern überzogen. Dieser Wandel liegt in Sterretts Lebensumfeld begründet: Er lebte in der Künstlerkolonie von Ogunquit in Maine, wo er neben vielen bildenden Künstlern u. a. regelmäßig mit Walt Kuhn, dem maßgeblichen Kurator der legendären Armory Show in New York 1913, verkehrte.

George Herrimans (1880–1944) Comic-Strips nehmen eine herausragende Stellung ein. Als einziger Comic-Zeichner erhielt er von seinem Verleger William Randolph Hearst eine Anstellung auf Lebenszeit, die ihm völlige künstlerische Freiheit ermöglichte. Seine Serie Krazy Kat erschien als einziger Comic zunächst nicht im Comic-Supplement der Sonntagszeitung, sondern auf den Seiten des Feuilletons und erfreute sich einer euphorischen, intellektuellen Leserschaft. Pablo Picasso beispielsweise ließ sich von Gertrude Stein Folgen aus New York mitbringen. Kein anderer Comic dieser Zeit nahm sich mehr künstlerische Freiheiten, etwa um mit dadaistischen Stilelementen zu spielen, den Zwang des Anekdotischen und der Pointe zu ignorieren und einer ganz eigenen, zum Teil absurden Erzähllogik zu folgen. Krazy Kat handelt von der Katze Krazy, die die Maus Ignatz Mouse liebt. Diese quittiert Krazys bedingungslose Zuneigung mit dem Wurf eines Ziegelsteins an den Kopf der Katze, den diese wiederum als Liebesbeweis missinterpretiert – ein Kreislauf aus vergeblicher Sehnsucht und Begehren. Innerhalb der Comicgeschichte stellt Krazy Kat die Blaupause dar für alle späteren Kleintier-Slapsticks von Felix the Cat über Mickey Mouse bis zu Tom und Jerry.

Frank King (1883–1969) entwickelte mit seiner erfolgreichen und beliebten Serie Gasoline Alley das Erzählen in Realzeit für den Comic. Ab 1921 erschien über mehr als drei Jahrzehnte lang jeden Tag, von Montag bis Sonntag, eine Folge der Serie in Zeitungen des gesamten Landes. Der Comic – Alltagsgeschichten rund um den Junggesellen Uncle Walt und sein Findelkind Skeezix in einer amerikanischen Vorstadt – ist in Realzeit angelegt, sodass sich Parallelen zu den Lebensläufen der Leser ergeben. Gesellschaftliche und politische Entwicklungen werden aufgegriffen und abgebildet. Die literarischen Protagonisten altern mit ihren realen Lesern und begleiten deren Alltag mit vergleichbaren Problemen, etwa während der Großen Depression in den 1930er-Jahren oder durch die Einberufung aller jungen amerikanischen Männer (inklusive des jugendlichen Skeezix) als Soldaten im Zweiten Weltkrieg.

Zur Ausstellung erscheint ein grundlegender wissenschaftlicher Katalog. KATALOG Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde. Herausgegeben von Alexander Braun und Max Hollein. Vorwort von Max Hollein, Essays von Alexander Braun, David Currier, Thomas Scheibitz. Dt. Ausgabe, 272 Seiten, ca. 400 Abbildungen, 31 x 24 cm (Hochformat), Hardcover, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2016, ISBN 978-3-7757-4110-1, Preis: 30 € (Schirn), 35 € (Buchhandel).

Schirn © massow-picture
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ORT
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT,
Römerberg, 60311 Frankfurt
DAUER 23. Juni – 18. September 2016
INFORMATION www.schirn.de E-MAIL welcome@schirn.de TELEFON +49.69.29 98 82-0 FAX +49.69.29 98 82-240

EINTRITT 7 €, ermäßigt 5 €;
freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren
ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 17 Uhr, Mi 19 Uhr, Do 20 Uhr, Sa 15 Uhr und So 17 Uhr
FÜHRUNGEN BUCHEN individuelle Führungen oder Gruppenführungen buchbar unter Tel. +49.69.29 98 82-0, und E-Mail fuehrungen@schirn.de KURATOR Dr. Alexander Braun PROJEKTLEITUNG Natalie Storelli KULTURPARTNER HR2

SOCIAL MEDIA Zur Ausstellung kommuniziert die Schirn im Social Web mit den HASHTAGS #PioniereInDerSchirn #Comic #Schirn ONLINE-MAGAZIN www.schirn-magazin.de FACEBOOK www.facebook.com/Schirn TWITTER www.twitter.com/Schirn YOUTUBE www.youtube.com/user/SCHIRNKUNSTHALLE INSTAGRAM @schirnkunsthalle PINTEREST www.pinterest.com/schirn SNAPCHAT schirnsnaps

500 Jahre deutsche Bierbraukunst Geburtstagsausstellung „1516“ im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt ab 23. April 2016

© Museeum für angewandte Kunst
© Museeum für angewandte Kunst

1516. 500 Jahre deutsche Bierbraukunst
23. April bis 1. Mai 2016

Eine Ausstellung zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes für Bier

Vom Grundnahrungsmittel zum Exportschlager: Das Bier ist aus Deutschland nicht mehr wegzudenken. Vom Feierabendbier über die Oktoberfest-Maß bis hin zum Ausdruck „Hopfen und Malz verloren“— der Gerstensaft hat die deutsche Kultur geprägt. Der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des deutschen Bieres wurde am 23. April 1516 gelegt: An diesem Tag veröffentlichten die bayrischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. eine verbindliche Anweisung „wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll“. Der Erlass war eingebunden in einen Gesetzestext zur Neuregelung des Landes Bayern und bildet die Grundlage für das, was heute Reinheitsgebot genannt wird.

Diesen 500. Jubiläumstag am 23. April 2016 nehmen das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt und die Binding-Brauerei zum Anlass, eine einwöchige Ausstellung zu eröffnen, in deren Mittelpunkt die Geschichte des Biergenusses steht. In einem Raum der Historischen Villa Metzler präsentiert das Museum zierreiche Bierkrüge und Humpen aus seinen Sammlungen und ergänzt sie durch zwei Leihgaben rund um die Themen Gerstensaft und Trinkkultur: ein Zunftsiegel und eine frühe Abschrift des Originaldokuments des Reinheitsgebotes aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Flankierend zur Ausstellung in der Villa demonstriert die Binding-Brauerei in den Räumen des Restaurants „Emma Metzler“ im Museumsgebäude, wie und womit Bier gebraut wird, stellt Geschmacksproben für die Besucherinnen und Besucher bereit und erzählt von der traditionsreichen Bierbraukunst des Unternehmens.

© Museeum für angewandte Kunst
© Museeum für angewandte Kunst

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main
www.museumangewandtekunst.de

Spannende NACHT DER MUSEEN 2016 in Frankfurt, Offenbach und Höchst – Samstag, 23. April, 19 bis 2 Uhr

cover-ndm16Auf eine inspirierende Entdeckungsreise zu später Stunde lädt die NACHT DER MUSEEN in Frankfurt, Offenbach und Höchst am Samstag, 23. April 2016 ein.

Entlang des Museumsufers und darüber hinaus präsentieren rund 40 Museen und Kultureinrichtungen ein schillerndes Potpourri der Kunst. Führungen, Live-Performances, Konzerte, Partys und kulinarische Köstlichkeiten runden das nächtliche Programmangebot ab. Per Shuttle-Busse sind alle Veranstaltungslocations bis nach Höchst und Offenbach einfach  zu erreichen.

Folgende Museen, Ausstellungshäuser und Sonderlocations nehmen teil:

Archäologisches Museum
Bibelhaus Erlebnis Museum
Bildungsstätte Anne Frank
caricatura museum frankfurt
Deutsches Architekturmuseum
Deutsches Filmmuseum
Deutsches Museum für Kochkunst und Tafelkultur
Dommuseum Frankfurt
Experiminta ScienceCenter
Fotografie Forum Frankfurt
Goethe-Haus und –Museum
Haus am Dom
Henninger Turm
historisches museum frankfurt
Ikonen-Museum
Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster
Kaisersaal im Römer
kinder museum frankfurt
Kriminalmuseum Frankfurt
Liebieghaus Skulpturensammlung
Museum Angewandte Kunst/Villa Metzler
Museum für Kommunikation
Museum für Moderne Kunst, MMK 1
Museum für Moderne Kunst, MMK 2
Museum Giersch der Goethe-Universität
Museum Judengasse
Portikus
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Senckenberg Naturmuseum
Skyline Plaza Dachgarten
Städel Museum
Stoltze-Museum
Struwwelpeter-Museum im H.-Hoffmann-Haus
Weltkulturen Museum
Zoo Frankfurt

Höchst:
Bolongaropalast
Justinuskirche
Kronberger Haus (Porzellanmuseum)
Museum im Alten Schloss
Porzellanmanufaktur

Offenbach:
DLM Deutsches Ledermuseum/Schuhmuseum
Haus der Stadtgeschichte
Klingspor Museum

Zusätzliche Programmpunkte runden das Angebot ab:
Führungen
Bahnhofsmission – Menschen am Zug (historischer Rundgang am Hauptbahnhof)
Die Fischergewölbe – Frankfurt, Fischer, finstere Gewölbe
Kulturothek – Figuren, die auf uns niederschauen (Taschenlampenführung auf dem Römerberg)
Open Air
antagon theaterAKTion – Zukunftserinnerungen

Special:Mit der Nostalgie-Tram durch die Stadt

Ungewöhnliches Programm zu ungewohnter Stunde

Kulturdezernent Felix Semmelroth freut sich auf das jährliche Kulturereignis als Frühjahrsauftakt: „Die Nacht der Museen bietet auch in diesem Jahr ein außergewöhnliches Programm zu ungewohnter Stunde. Die Besucher können hinter die Kulissen schauen und erhalten ungewohnte museale Eindrücke bei dieser Kulturnacht – das Motto lautet: Kunst erkunden, entdecken und erleben!“

In einer großen Sonderschau zu Joan Miró zeigt die Schirn Kunsthalle bedeutende Malerei des 20. Jahrhunderts. Das Museum Angewandte Kunst begibt sich mit „The Happy Show“ von Design-Ikone Stefan Sagmeister auf die Suche nach dem Glück, und im Städel lädt die Maniera-Ausstellung zum Erkunden des Florenz der Medici ein. Hauptwerke von Marcel Duchamps, Andy Warhol und Claes Oldenburg haben ihren Weg aus Tate Modern, Centre Pompidou und MMK 1 in „Das imaginäre Museum“ gefunden und sind im MMK 2 zu entdecken. Als alljährliches Highlight kann bei der EY-Benefizaktion im Museum Angewandte Kunst wieder junge Kunst ersteigert werden.

Exklusive Einblicke

Exklusiv können Besucher die Baustelle des neuen alten Wahrzeichens der Stadt betreten: Im 29. Stock des Henninger Turms erhascht man einen einmaligen nächtlichen Rundblick. Auch der Kaisersaal im Römer öffnet seine Pforten. Wo sich sonst Fußball-Helden oder die Queen bei ihren Frankfurt-Besuchen tummeln, erhalten Nachtschwärmer einen Einblick in die spannende Geschichte des Schmuckstücks der städtischen Räumlichkeiten.

Auch die denkmalgeschützte Höchster Altstadt lädt zum Lustwandeln ein: Eine audiovisuelle Installation lässt den Bolongaropalast, der letztmalig vor seiner Sanierung zugänglich ist, in einem faszinierenden Lichtspiel erstrahlen. Hinter historischen Mauern gewähren Führungen und Performances Einblicke in die Zeit des Barock und Rokoko, während Frankfurts Lieblingskabarettist Michael Quast von kauzigen Originalen liest. Feinschmecker können im Porzellan Museum römische Weine kosten, zugleich erfahren modebewusste Damen mehr über die Trends zu Zeiten Marie Antoinettes. Das Gelände des Höchster Schlosses lässt sich bei Taschenlampenführungen erkunden, während in der historischen Justinuskirche eindrucksvoller Chorgesang erklingt.

Besondere Stars

Dirty Dancing, Flashdance und Footloose zum Mittanzen und eine bunte Disco-Diva-Karaoke-Show erwecken im Museum für Kommunikation die 80er Jahre zum Leben. Im Historischen Museum ist Schauspieler Walter Renneisen witzig-pointiert auf der Suche nach hessischer Kultur, während die Bluebox im Filmmuseum Besucher in die Kulissen von Forrest Gump & Co befördert und zum Posen für ein Foto mit den Filmhelden einlädt. Wer glaubt Jedi-Mächte zu besitzen, kann dies im Experiminta ScienceCenter erproben, wenn mit Umkehrbrillen beim „Jedi-Mind-Trick“ optische Täuschungen erzeugt werden. Im stimmungsvoll beleuchteten Zoo sind selten beliebte Zeitgenossen die Stars der Nacht: Insekten! Experten laden zum genauen Hinschauen, Hinhören, Berühren und sogar zum Kosten der artenreichen Krabbeltiere ein.

Feiern bis zum Morgengrauen

Auch das musikalische Angebot ist abwechslungsreich: Während im Deutschen Architekturmuseum Indian Vibes den Ton angeben, sorgen groovige Latin- und Funksounds im Senckenberg Naturmuseum für den richtigen Rhythmus. Lieblingsstücke des Jazz und Swing erklingen im Offenbacher Ledermuseum, und im Kriminalmuseum spielt das Landespolizeiorchester Evergreens und aktuelle Hits. Im Goethe-Museum geben die Offenbacher Hip-Hopper „Ohne Fronten“ Beats zum Besten. Zu frischen Partysounds kann im Höchster Bolongaropalast und auf dem Dach des Skyline Plaza mit spektakulärem Blick auf Frankfurts Wolkenkratzer bis zum Morgen gefeiert werden.

Ran an die Tickets

Das Ticket kostet 14 Euro und beinhaltet den Eintritt zu allen teilnehmenden Locations. Es ist zugleich Fahrkarte für die nächtlichen Shuttle-Busse, die historische Straßenbahn und das Shuttle-Schiff, das zwischen Städel und Eisernem Steg verkehrt. Für Besitzer der MuseumsuferCard ist der Eintritt frei. Sie ist während der Nacht in allen Museen erhältlich und kostet 85 Euro pro Jahr.
Die MuseumsCard ist während der NACHT in allen Museen erhältlich und kostet 85 € pro Jahr und bietet freien Eintritt in 34 Museen für ein Jahr (ab Kaufdatum).

Weitere Informationen über Programme, Veranstalter, Shuttle-Busse und Stadtplan  unter:  nacht-der-museen.de und facebook.com/nachtdermuseen.frankfurt

Programmheft downloaden: Nacht-d.-Museen-Progr.2016
Shuttlebusplan-2016Shuttle-Busse

Rund um die Welt und bis auf den Mond – Gebrauchsgrafik im Fokus im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt

Foto © massow-picture
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Die Schrifttype ‚Futura‘ – entworfen in Frankfurt und weltweit beliebt

Noch heute ist die „Futura“ die Hausschrift der Stadt Frankfurt. Hier wurde sie entwickelt und schaffte es zur weltweit beliebtesten Reformschrift. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt in seiner neuen Ausstellung, wie im Frankfurt der 1920er Jahre die deutsche Typografie insgesamt maßgeblich beeinflusst wurde und blickt auf 100 Jahre Schrift- und grafische Gestaltung zurück.

Frankfurt am Main (pia) Heute sind ihre klaren, geometrischen Linien wieder modern. Bereits im 20. Jahrhundert war die „Futura“ eine der populärsten Schriftarten. Sie ist die einzige, die es sogar bis ins Weltall schaffte. Denn die Plakette, die die beiden Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin 1969 bei der ersten Mondlandung auf dem Erdtrabanten zurückließen, ist in Futura gesetzt. Entwickelt wurde die Schriftart in den 1920er Jahren in Frankfurt und trat von hier aus ihren Siegeszug um die Welt an. Dabei war sie kein einzelnes Phänomen. Vielmehr steht sie programmatisch für den damaligen gestalterischen Aufbruch, der zu einem wichtigen Bestandteil des einzigartigen Stadtplanungsprogramms „Das Neue Frankfurt“ wurde.

Gebrauchsgrafik im Fokus

„Alles Neu! 100 Jahre Neue Typografie und Neue Grafik in Frankfurt am Main“ heißt daher die Ausstellung, mit der das Museum für Angewandte Kunst auf diese Phase der Stadtentwicklung zurückschaut. Sie steht in einer Reihe mit bereits gezeigten Ausstellungen zu diesem Thema wie „Das Frankfurter Zimmer“ oder die Ferdinand-Kramer-Schau. Während die architektonischen Leistungen des „Neuen Frankfurt“ mittlerweile wiederholt gewürdigt wurden, ist nun erstmals die Gebrauchsgrafik in den Mittelpunkt gerückt.

Für die Ausstellung konnte das Museum auf eine umfangreiche Sammlung aus dem Nachlass des Buchdruckermeisters und Schriftsetzers Philipp Albinus zurückgreifen. Er war von 1924 an zehn Jahre lang Fachlehrer für Typografie und Werkstattleiter für Schriftsatz an der Städtischen Kunstgewerbeschule. Rund 7.000 Blätter, Geschäfts- und Privatdrucksachen, hatten seine Erben dem Museum zur Verfügung gestellt, von denen eine Auswahl nun zum ersten Mal öffentlich gezeigt wird.

Wandel der Schrifttypen

Die Ältesten stammen aus dem 19. Jahrhundert, wie etwa ein Blatt aus Friedrich Stoltzes „Frankfurter Latern“. Die dort verwendete so genannte Frakturschrift mit den typisch gebrochenen Lettern, die an mit Feder geschriebene Buchstaben erinnern, war damals für fast alle Drucksachen in Deutschland Standard. Klaus Klemp, Kurator der Ausstellung, stellt dem Blatt vier Einladungskarten aus den 1920er Jahren zu unterschiedlichen Veranstaltungen an die Seite. Sie zeigen die damalige rasante Entwicklung. Die erste vom Juni 1925 nutzt noch den Fraktursatz, eine weitere vom Oktober 1925 eine Antiquaschrift, die auf dem lateinischen Alphabet basiert. Die beiden nächsten Blätter vom Mai und November 1926 sind bereits in einer so genannten Groteskschrift gesetzt, mit klaren Formen und ohne Serifen, also den feinen Linien, die bei anderen Schriften den Buchstabenstrich am Ende abschließen.

„Deutschland erlebte zu jener Zeit den größten Wandel seiner Schriftgeschichte in nur einem einzigen Jahrzehnt, den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, erläutert Klemp dazu. Der Anstoß sei damals aus der Kunst gekommen, von Avantgardisten wie dem Russen El Lissitzky und dem Bauhaus in Weimar. Man suchte nach einem adäquaten Ausdruck für das neue Zeittempo. „Die Groteskschrift war für die Drucksachen, was das flache Dach für die Architektur war: funktionsorientiert und gleichzeitig Symbol der neuen Gestaltungshaltung“, betont der Kurator.

Bauhausgedanke verfeinert

Frankfurt und Offenbach seien dabei mit ihren Schriftgießereien der wohl wichtigste Standort zur Reform der Typografie gewesen, stellt Klemp weiter fest und schätzt, dass dort damals mindestens 50 bis 60 neue Schriften entstanden. Wichtiger Anstoß dafür war die vom fortschrittsgläubigen Oberbürgermeister Ludwig Landmann ab 1924 geführte Stadt Frankfurt, die dieser mit einem umfangreichen Bauprogramm zum Zentrum einer süddeutschen Großregion machen wollte und dafür unter anderem den Architekten Ernst May als Leiter des Siedlungsamtes und seinen Kollegen Martin Elsaesser als Hochbauamtsleiter nach Frankfurt holte. Aufgrund der hohen Inflation hatte die Stadt bereits 1923 die Städel’sche Kunstschule sowie die Kunstgewerbeschule übernommen und beide zusammengeführt zu einer städtischen „Kunstschule für freie und angewandte Kunst“. Ihr Gründungsdirektor Fritz Wichert habe im Briefkontakt mit Walter Gropius in Weimar gestanden, aber eine eigene ganz bodenständige Verwirklichung des Bauhausgedankens für Südwestdeutschland angestrebt, stellt Klemp fest. Zur Architektur, Innenarchitektur und Produktgestaltung kam der Bereich Typografie und Drucksachengestaltung hinzu. Gerade auf diesem Gebiet habe Frankfurt mit dem Bauhaus in Weimar mithalten können. „Es gab dort weder so bedeutende Lehrer noch so viele neue Schriften wie hier.“

Verkaufsschlager ‚Futura‘

Leiter und Fachlehrer der neuen Satz-, Druck- und Buchbindewerkstatt der Schule wurde Philipp Albinus, der schon damals ein erfahrener und gut vernetzter Typograf war. Er war modernen Schriften gegenüber aufgeschlossen, verwendete zum Beispiel bereits die von Rudolf Koch entwickelte Schrift „Neuland“, die 1923 bei den Gebrüdern Klingspor in Offenbach erschienen war. Die Schule war daher bereits experimentierfreudig, noch bevor Paul Renner ab Mai 1925 als Typografielehrer für ein knappes Jahr dort unterrichtete. Renner entwarf schließlich 1927 die „Futura“-Schrift, von der ein erster Entwurf mit stark geometrischen Formen wie zum Beispiel einem Dreieck als unterem Teil des Buchstabens „g“ in der Ausstellung zu sehen ist. Erschienen ist die „Futura“ schließlich in der Bauerschen Gießerei, die diese weiterentwickelte und sie massentauglich machte. Da das Frankfurter Unternehmen Niederlassungen in New York und Barcelona besaß, schaffte es die „Futura“ schnell bis nach Nord- und Südamerika und wurde zur am besten verkauften Schrift der Firma. Anders als am Bauhaus habe es in Frankfurt eine enge Verbindung zwischen der Kunstgewerbeschule und der Wirtschaft gegeben, so dass viele Ideen praktisch umgesetzt worden seien, betont der Kurator.

Preziosen der Ausstellung

Hans Leistikow, ebenfalls Lehrer an der Schule und zugleich Leiter des städtischen Drucksachenbüros, bildete das Bindeglied zum Hochbauamt. Er habe Aufträge an fähige Studenten vermittelt, berichtet Klemp. Der Typograf Leistikow entwickelte zudem das konstruktivistische Adlersignet, das in der Bauverwaltung seit 1926 und seit 1930 für weite Teile der Stadtverwaltung genutzt wurde. Auch der Adler ist auf einem Protokollauszug des Magistrats der Stadt in der Ausstellung zu sehen. Leistikow gestaltete auch die von Ernst May herausgegebene Zeitschrift „Das Neue Frankfurt“, die in einigen Heften auch die Neue Typografie zum Thema machte. 1930 übernahm der namhafte Stuttgarter Maler und Grafiker Willi Baumeister, der seit 1928 an der Frankfurter Kunstgewerbeschule lehrte, die Gestaltung und nutzte dafür bald auch die „Futura“. Er muss ein gutes Verhältnis zu Philipp Albinus gepflegt haben, denn in dessen Nachlass fanden sich drei originell gestaltete Neujahrskarten des Stuttgarters, die nun als besondere Preziosen die Ausstellung schmücken.

Neue Wege der Kommunikation

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete der Aufbruch in die gestalterische Avantgarde. Sie führten die Fraktur-Schrift wieder ein und entließen den Direktor der Kunstgewerbeschule sowie die meisten Lehrenden. Auch Philipp Albinus musste gehen. Das Projekt des „Neuen Frankfurt“ überdauerte die NS-Zeit nicht. Anders als dem Bauhaus war es den Frankfurter Protagonisten nicht gelungen, den Ruf nachhaltig zu bewahren. „Es hat nie ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben und keinen Marketingmann, wie Walter Gropius es war“, erklärt sich Klemp diese Entwicklung.

Dass die Typografie in Frankfurt dennoch auch nach dem Krieg eine wichtige Rolle spielte, zeigt der zweite Teil der Ausstellung mit Arbeiten etwa der Vertreter der unter Leistikow nach dem Krieg entstandenen Kasseler Plakatschule, die ihren Arbeitsschwerpunkt in Frankfurt hatte. Auch die Protagonisten der 1980er Jahre schlugen neue Wege der Kommunikation ein und sind ebenfalls in der Schau vertreten wie auch aktuelle Gestalter, die an zwölf Stationen in der Ausstellung ihre Konzepte den historischen gegenüberstellen, damals wie heute mit der gleichen Grundhaltung: „Alles neu!“

Sabine Börchers (Presse- u. Informationsamt der Stadt Frankfurt a. Main)

JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER vom 26. Febr. – 12. Juni 2016 in der Schirn Frankfurt

© schirn Frankfurt
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„MIRÓ-FANS UND AUCH EIN VIELLEICHT MIT MIRÓ BISHER WENIG VERTRAUTES PUBLIKUM WERDEN KUNSTWERKE ENTDECKEN, DIE SIE NICHT ERWARTET HÄTTEN.“
MAX HOLLEIN, DIREKTOR SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT

VON DER WAND IN DIE WELT: DIE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT PRÄSENTIERT DIE UNWIDERSTEHLICH DIREKTE UND MONUMENTALE MALEREI VON JOAN MIRÓ JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER 26. FEBRUAR – 12. JUNI 2016

Joan Miró (1893–1983) bekannte einst, die Malerei „ermorden“ zu wollen. Heute gehört er zu den bemerkenswertesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 26. Februar bis zum 12. Juni 2016 in einer konzentrierten Einzelausstellung einen bislang wenig diskutierten Aspekt im Œuvre des Katalanen: Mirós Vorliebe für große Formate und seine Faszination für die Wand. Sie stellt den Ausgangspunkt seiner Malerei dar – als Objekt, das abgebildet wird und das zugleich die physische und haptische Qualität seiner Werke bestimmt. Miró löste sich von einer einfachen Wiedergabe der Wirklichkeit und setzte die Bildfläche mit der Wand gleich. Er ergründete die Struktur der Oberfläche und versuchte, den Bildraum zu entgrenzen. Sein besonderes Verhältnis zur Wand erklärt die Sorgfalt, mit der er seine Materialien und Bildgründe während seines gesamten Schaffensprozesses auswählte und vorbereitete. Er verlieh seinen Gemälden die Haptik und Textur von Wandoberflächen. Mit weißgrundierten Leinwänden, roher Jute, Faserplatten, Sandpapier oder Teerpappe ließ der Künstler einmalige Bildwelten von herausragender Materialität entstehen. Die Ausstellung in der Schirn umfasst ein halbes Jahrhundert Malerei, ausgehend von Mirós emblematischem Gemälde Der Bauernhof / La Ferme (1921/22) über seine geschätzten Traumbilder der 1920er-Jahre, das Schlüsselwerk Malerei (Die Magie der Farbe) / Peinture (La Magie de la couleur) (aus dem Jahr 1930, seine auf unkonventionellen Malgründen gearbeiteten Werke und Friese der 1940er- und 1950er-Jahre bis hin zu den späten Arbeiten wie die monumentalen und außergewöhnlichen Triptychen Blau I–III / Bleu I–III (1961) und Malerei I–III / Peinture I–III (27. Juli 1973). Mit rund 50 Kunstwerken aus bedeutenden Museen und öffentlichen Sammlungen weltweit, u. a. aus dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, der National Gallery of Art, Washington D.C., dem Museo Reina Sofía, Madrid, und dem Centre Pompidou, Paris, sowie wichtigen Privatsammlungen, eröffnet die Ausstellung der Schirn dem Publikum einen neuen Blick auf Mirós Kunst. „Joan Miró. Wandbilder, Weltenbilder“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt wird durch die Dr. Marschner Stiftung, die Ernst Max von Grunelius-Stiftung und die Hessische Kulturstiftung gefördert. Das Projekt erfährt zusätzliche Unterstützung von der Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung. „Es ist faszinierend, welchen Stellenwert die Wand in Mirós malerischem Gesamtwerk einnimmt. Seine Werke sind kraftvoll, monumental und zeugen vor allem in der direkten Betrachtung von einer ungemein starken Originalität. Miró-Fans und auch ein vielleicht mit Miró bisher wenig vertrautes Publikum werden Kunstwerke entdecken, die sie nicht erwartet hätten. Die Schirn macht es sich immer wieder zur Aufgabe, weniger beachtete Werkkomplexe oder Themen im Œuvre etablierter Meister der Kunstgeschichte zu beleuchten: Die Ausstellung wird wesentliche Aspekte aufzeigen, die für die Beschäftigung mit Mirós Kunst neue Ansätze liefern“, erläutert Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, den Schwerpunkt der Ausstellung. Die Kuratorin Simonetta Fraquelli über den Künstler: „Miró betrachtete sowohl die Wirklichkeit als auch deren künstlerische Darstellung immer unter dem Blickwinkel ihrer Eigenart. Die Wand war für ihn nicht nur ein Objekt, das er abbildete; ihre Materialität war entscheidend für die intensive physische und taktile Qualität seiner Malerei. Es gelang ihm, die reale Materie und das Material seiner Bilder in Übereinstimmung zu bringen. Diese Abkehr von der einfachen Wiedergabe der Wirklichkeit zugunsten einer Gleichsetzung der Bildfläche mit der Wand prägte sein gesamtes Werk.“

© massow-picture
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DIE SCHIRN KUNST­HALLE FRANK­FURT PRÄSEN­TIERT IN EINER KONZEN­TRIER­TEN EINZEL­AUS­STEL­LUNG EINEN BISLANG WENIG DISKU­TIER­TEN ASPEKT IM ŒUVRE DES KATA­LA­NEN: MIRÓS VORLIEBE FÜR GROSSE FORMATE UND SEINE FASZI­NA­TION FÜR DIE WAND

 

 

 

 

RUNDGANG DURCH DIE AUSSTELLUNG
Zu Beginn der Ausstellung steht das frühe Meisterwerk Der Bauernhof / La Ferme (1921/22), in dem der Künstler akribisch, detailliert und außerordentlich poetisch die gemauerte Stallwand sowie das Treiben auf dem Bauernhof der Familie Miró in Mont-roig südlich von Barcelona wiedergibt. Die Wand mit all ihren „Schönheitsfehlern“ wie Grashalmen, Keimlingen, Insekten, Flecken oder Rissen im Putz, ist genauestens zu erkennen. Dass Mirós Bildsprache sich auf schlichte, schmucklose Wände bezieht, wird durch die Gegenüberstellung des Kunstwerks mit der dreiteiligen großformatigen Arbeit Malerei / Peinture um das Jahr 1973/74 deutlich. Radikal und nur in Schwarz-Weiß gehalten, bilden diese Gemälde zudem einen Kontrapunkt zu Mirós Bildern in leuchtenden Farben. Die Ausstellung kombiniert frühe mit späteren Arbeiten und fasst Werke mit farblich ähnlichen Grundierungen oder gleichartigen Alltagsmaterialien in Gruppen zusammen.

Mitte der 1920er-Jahre tropfte und spritze Miró Farbe auf braune Gründe, um den Eindruck alter, verwitterter Mauern zu erzeugen. Entstanden sind Malereien, die an Graffiti erinnern, etwa BildGedicht (Sterne im Geschlecht von Schnecken) / Peinture-Poème (Étoiles en des sexes d’escargot) (1925) oder Die spanische Flagge / Drapeau espangnol (1925). Miró arbeitete vielfach in Serien, in seinem gesamten Œuvre finden sich Wiederholungen bestimmter Formate. Neben den braunen stellen die blauen Bildgründe die größte Gruppe dar. Die Ausstellung zeigt das
herausragende Gemälde Blau / Bleu (1925) und einige seiner weithin geschätzten Traumbilder, etwa Malerei (Figuren: die Brüder Fratellini) / Peinture (Personnages: Les frères Fratellini) von 1927. Das intensive Blau dieser Arbeiten ist bestechend und charakterisiert viele seiner Leinwände bis in die 1960er-Jahre, darunter auch das mehr als drei Meter breite, visuell beeindruckende Triptychon Blau I–III / Bleu I-III (1961) und das friesartige Bild Malerei (Für David Fernández Miró) / Peinture (Per a David Fernández Miró) (28. November 1964). In der Deutung dieser und anderer Werke wird der blaue Grund oftmals mit dem Himmel gleichgesetzt. Der Künstler verband mit dem Blau jedoch Erinnerungen an die mit blauem Kupfervitriol bespritzten Mauern der Bauernhöfe in seiner Heimat Katalonien.

Eines der Schlüsselwerke der Schirn-Präsentation ist das Gemälde Malerei (Die Magie der Farbe) / Peinture (La Magie de la couleur) von 1930. In seiner kargen, überzeugenden Materialität und reduzierten Formensprache verweist es wie kein anderes Bild auf die Wand an sich. Zwei große Punkte in Rot und Gelb, umgeben von einer auf weißem Grund angelegten Leere, verdeutlichen Mirós Versuch, herkömmliche Ansätze der Bildgestaltung zu überwinden. Durch dieses Gemälde erschließt sich die Bedeutung seiner berühmten Erklärung, die Malerei „ermorden“ zu wollen,
denn er hinterfragte die technischen und kompositorischen Grundregeln dieser Kunst von Grund auf. Miró verzichtet hier auf jede Anspielung, jeden poetischen Kontext. Auch hier verweist das Weiß auf die weiß getünchten Bauernhäuser seiner Kindheit. In seinem Bestreben, die herkömmliche Malerei zu überwinden, verwendete Miró bereits in den späten 1920er- und den 1930er-Jahren unkonventionelle Malgründe, wie unbehandelte Leinwand, Hartfaserplatte oder Sandpapier und Werkstoffe wie Jute oder  Teerpappe. Dabei entstanden Arbeiten von besonderer Textur und Materialität, etwa die Teerpapier-Collage Kopf Georges Auric / Tête de Georges Auric (1929), die auf Sandpapier gemalten Zeichen und Figurationen / Signes et figurations aus den Jahren 1935/36 oder die Malereien / Peintures auf Masonit von 1936.

Die Ausstellung präsentiert darüber hinaus Werke, die Mirós Reflexion über den Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, die weltpolitische Lage der späten 1930er-Jahre und die Ereignisse auf dem Weg zum Zweiten Weltkrieg widerspiegeln. Die in einem kühnen Stil vollendeten und teilweise auf grobem Sackleinen gemalten Bilder, wie etwa Figuren und Vögel in der Nacht / Personnages et oiseaux dans la nuit (Dezember 1939), kamen dabei der Malerei auf der nackten Wand am nächsten. 1937 arbeitete Miró neben Picasso für den Pavillon der Spanischen Republik auf der Pariser Weltausstellung und schuf sein erstes Wandbild im öffentlichen Raum, das als ein starkes politisches Statement wahrgenommen wurde. Sein Interesse an Querformaten, die an großflächige Friese erinnern, zeigt sich etwa bei Frauen und Vögel / Femmes et oiseaux (1945).
Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich Miró verstärkt auf das Arbeiten in Bildformaten von monumentaler Größe. Die Schirn zeigt das fast vier Meter breite Gemälde Malerei / Peinture (1953). Es markiert Mirós Interesse für monumentale Wandbilder und Keramik, indem es sich durch eine besondere zeichnerische Freiheit, einen energischen Farbauftrag, starke Kontraste und eine ausgeprägte Plastizität auszeichnet. Das bereits 1939 begonnene und erst 1960 fertiggestellte Gemälde Das Erwachen von Frau Bou Bou / Le Réveil de Madame Bou-Bou à l’aube (1939 – 29. April 1960) wirkt mit seinen fein gezogenen weißen Linien wie auf eine verwitterte Wand gezeichnet und verweist auf die späteren, ephemeren Zeichnungen der Wände in seinem Atelier „Son Boter“ in Palma de Mallorca.

Einen besonderen Platz in der Ausstellung nimmt das 1973 als Triptychon konzipierte, eindringliche Werk Malerei I–III / Peinture I-III ein. Die fesselnden blauen Flecken zeigen Mirós unerschütterliches Vertrauen in die Inspirationskraft nackter Wände, bündeln seine Gedanken zur Wandmalerei, die für den Abstrakten Expressionismus prägend waren, und zeugen zudem von seiner unbegrenzten künstlerischen Vitalität im Alter. Für Miró war es von großer Bedeutung, seine Kunst frei zugänglich zu machen. Die Ausstellung endet dementsprechend mit der Präsentation von zwei außergewöhnlichen Entwürfen im Originalmaßstab für keramische Wandbilder im öffentlichen Raum. Für das UNESCO-Hauptquartier in Paris schuf er die Mondwand (Entwurf für die UNESCO-Keramikwand) / Mur de la lune (Marquette Mur de l’UNESCO) und die Sonnenwand (Entwurf für die UNESCO-Keramikwand) / Mur du soleil (Marquette Mur de l’UNESCO) (beide um 1957). In den Vorarbeiten dafür zeigt sich seine ausgiebige Beschäftigung mit den Möglichkeiten der großformatigen Keramik. Zugleich stehen sie exemplarisch für Mirós künstlerische Reaktion auf zufällige Zeichnungen, „Schönheitsfehler“ nackter Wände und seinen Arbeitsprozess, der mit einer kleinen Skizze oder Kritzelei beginnen und zu einem Bild von monumentaler Größe führen konnte.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich.

DIGITORIAL Mit dem Digitorial bietet die Schirn ein kostenfreies digitales Vermittlungsformat an.
Ob zu Hause, im Café oder auf dem Weg zur Schirn – das Digitorial ermöglicht es, sich bereits vor dem Besuch mit den kunst- und kulturhistorischen Hintergründen und wesentlichen Themen der Ausstellung zu beschäftigen. Es ist responsiv, in deutscher und englischer Sprache erhältlich und verknüpft innovativ und erzählerisch ansprechend multimediale Inhalte in Form von Bild, Video,
Ton und Text. Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht. Es ist online abrufbar unter www.schirn.de/digitorial.

KATALOG JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER. Herausgegeben von der Schirn Kunsthalle Frankfurt und der Zürcher Kunstgesellschaft/Kunsthaus Zürich, Vorwort von Max Hollein, Essays von Joan Punyet Miró, Simonetta Fraquelli, William Jeffett, Carolyn Lanchner;
deutsche Ausgabe, 136 Seiten, 105 farbige Abbildungen, Gestaltung Saskia Helena Kruse,
Potsdam; Hirmer Verlag, München 2016, ISBN 978-3-7774-2589-4, Schirn-Ausgabe 29 €; ISBN
978-3-7774-2450-7, Buchhandelsausgabe 34,90 €

TIPP In seinem Essay widmet sich Joan Punyet Miró, der Enkel des Künstlers, der künstlerischen Bedeutung der Wand im Gesamtwerk seines Großvaters und verdeutlicht deren besonderen Einfluss auf dessen Malerei.
BEGLEITHEFT JOAN MIRÓ. WANDBILDER, WELTENBILDER. Eine Einführung in die Ausstellung. Herausgeber Schirn Kunsthalle Frankfurt, Texte von Laura Heeg und Max Holicki,
deutsche Ausgabe, ca. 36 Seiten, farbige Abbildungen, Broschur geheftet; Gestaltung formfellows, Frankfurt; Rasch Druckerei und Verlag, Bramsche 2016, 7,50 €, im Klassensatz 1 €
pro Heft (ab 15 Stück)

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ORT SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt DAUER 26. Februar –
12. Juni 2016 INFORMATION www.schirn.de E-MAIL welcome@schirn.de TELEFON +49.69.29
98 82-0 FAX +49.69.29 98 82-240 EINTRITT 12 €, ermäßigt 10 €, Kombiticket mit ICH 17 €,
ermäßigt 12 €; freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren VORVERKAUF Tickets sind online unter
www.schirn.de/tickets erhältlich ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Di 17 Uhr, Mi 20 Uhr, Do 19 Uhr,
Fr 11 Uhr, Sa 17 Uhr, So 11 und 15 Uhr

FÜHRUNGEN BUCHEN individuelle Führungen oder Gruppenführungen buchbar unter Tel. +49.69.29 98 82-0, und E-Mail fuehrungen@schirn.de

AUDIOGUIDE Zur Ausstellung ist ein Audioguide für 3 € erhältlich. Gesprochen von Kostja Ullmann, bietet er wesentliche Informationen zu den Kunstwerken KURATORIN Simonetta Fraquelli KURATORISCHE PROJEKTLEITUNG SCHIRN Katharina Dohm DIGITORIAL Das Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation. Design und Programmierung: Scholz & Volkmer

DIE AUSSTELLUNG WIRD GEFÖRDERT DURCH Dr. Marschner Stiftung, Ernst Max von Grunelius-Stiftung, Hessische Kulturstiftung ZUSÄTZLICHE UNTERSTÜTZUNG DURCH
Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung MEDIENPARTNER Frankfurter Allgemeine Zeitung, Harper’s Bazaar, VGF KULTURPARTNER HR2 MOBILITÄTSPARTNER Deutsche Bahn SPARPREIS KULTUR mit dem Sparpreis Kultur zur Ausstellung und zurück, ab 39 € (2. Kl.) und ab 49 € (1. Kl.). Bis zu vier Mitfahrer sparen jeweils 10 Euro. Erhältlich unter www.bahn.de/kultur

SOCIAL MEDIA Zur Ausstellung kommuniziert die Schirn im Social Web mit den HASHTAGS#MIROMIRO #Schirn ONLINE-MAGAZIN www.schirn-magazin.de FACEBOOK www.facebook.com/Schirn TWITTER www.twitter.com/Schirn YOUTUBE www.youtube.com/user/SCHIRNKUNSTHALLE INSTAGRAM @schirnkunsthalle PINTEREST
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Nur noch zwei Wochen! Die Ausstellung „Vom Verbergen“ – Museum für angewandte Kunst, Frankfurt

Foto © massow-picture
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Die Ausstellung „Vom Verbergen“ geht in die Schlussphase: Noch bis zum 6. März 2016 präsentiert das Museum Angewandte Kunst ausgewählte Objekte rund um das Phänomen des Verbergens und erzählt im Rahmen des Begleitprogramms Geschichten, die den Sammlungsstücken innewohnen. Das Museum Angewandte Kunst lädt zu zwei letzten Höhepunkten im Rahmen der Ausstellung ein:

Mittwoch, 24. Februar 2016
Verborgene Geschichten – Was gestickte Bilder erzählen. Das Katafalktuch aus dem Kloster Altenberg/Lahn.
Vortrag mit Dr. Stefanie Seeberg, Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln.
Sie gibt Einblick in die verborgene Geschichte des in der Ausstellung gezeigten Katafalktuchs zum Totengedenken der Hl. Elisabeth von Thüringen. In ihrem Vortrag enthüllt Seeberg das, was dem Betrachter der mittelalterlichen Stickerei im Museum
uf den ersten Blick verborgen bleibt: seine Entstehungsgeschichte und sein Verwendungszweck in der Klosterkirche Altenberg/Lahn. Vor diesem Hintergrund beginnt das Objekt selbst zu erzählen, wenn man sich ihm nähert und seinen Schmuck aus gestickten Figuren, Architekturmotiven und Ornamenten genauer betrachtet.
Eine Veranstaltung des Kunstgewerbevereins in Frankfurt am Main e.V. in Kooperation mit dem Museum Angewandte Kunst.

Ohne Anmeldung. Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Sonntag, 6. März 2016

Foto © Anja Jahn Museum für Angewamdte Kunst
Foto © Anja Jahn Museum für Angewamdte Kunst

Von weißen Mäusen und anderen Leerstellen. Verbergen und Zeigen im Museum.
Führung mit Juliane Duft, kuratorische Assistentin der Ausstellung „Vom Verbergen“.Die Ausstellung Vom Verbergen geht in die Schlussphase: Noch bis zum 6. März 2016 präsentiert das Museum Angewandte Kunst ausgewählte Objekte rund um das Phänomen des Verbergens und erzählt im Rahmen des Begleitprogramms Geschichten, die den Sammlungsstücken innewohnen.

Zur Finissage am 6. März 2016 um 16 Uhr widmet sich Juniorkuratorin Juliane Duft dem Sammeln, Verwahren und Präsentieren an einem Museum. Das Museum verbirgt und schützt Gegenstände in dunklen, klimatisierten Depots, um sie der Nachwelt präsentieren zu können. Dabei bleiben die persönlichen Geschichten der Schränke, Truhen und Koffer jedoch für immer in ihnen verborgen. Was zum Beispiel wollten frühere Besitzer in den Kästchen und Geheimfächern vor fremden Blicken abschirmen? Vom Verbergen gibt den Dingen ihre – möglichen – Geschichten zurück, entfacht die Imagination der Besucher und zeigt somit, was die Museumsobjekte uns heute noch sagen können, was sie mit unserer Gegenwart, unserem Leben zu tun haben.

Ohne Anmeldung, im Eintrittspreis von 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro enthalten.

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main

Das Netz des Lebens – Neue Sonderausstellung „Vielfalt zählt! Eine Expedition durch die Biodiversität“ im Senckenberg-Museum

dfg © Deutsche Forschungs- Gesellschaft
dfg © Deutsche Forschungs- Gesellschaft

Neue Sonderausstellung „Vielfalt zählt! Eine Expedition durch die
Biodiversität“ startet am 19. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Frankfurt, den 17.2.2016. Vom höchsten Berg bis zur tiefsten Stelle im Meer, von den eisigen Polen bis in die trockensten Wüsten wird unsere Erde von einem Netz des Lebens umspannt, das eine unermessliche Vielfalt birgt. Die Wanderausstellung „Vielfalt zählt! Eine Expedition durch die Biodiversität“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) macht an zehn Stationen erlebbar, was biologische Vielfalt bedeutet und wie wir sie erforschen. Über 50 interaktive Exponate und Medieninstallationen laden zum Beobachten, Mitmachen und Miterleben ein. Vom 19. Februar bis 26. Juni 2016 ist sie im Senckenberg Naturmuseum zu sehen.

Im Mittelpunkt steht die große Eiche. Rund herum spannt sich ein mit Linien und Pfeilen verbundenes Netz von Tieren und Organismen. Ein Falter legt seine Eier unter die Borke; ein Vogel frisst den Falter; Ameisen leben im Laub am Fuß des Baums; Rötelmaus, Wildschwein und Reh ernähren sich von Eicheln und jungen Trieben. Alles hängt mit allem zusammen. Das Netz des Lebens, die Biodiversität, beinhaltet mehr als die Vielfalt der Tiere. Es geht auch um die Vielfalt der Gene, die Vielfalt der Wechselwirkungen zwischen Organismen und die Vielfalt der Lebensräume selbst. Wie dies genau funktioniert – von den großen Zusammenhängen bis ins kleinste Detail – versucht die Biodiversitätsforschung zu verstehen. Einen kleinen Einblick in die Biologische Vielfalt auf unserem Planeten und ihre Erforschung gibt die Ausstellung „Vielfalt zählt!“ anhand anschaulicher Beispiele und den drei Lebensräumen Wiese, Wald und Gewässer.

So kann man beispielweise Biodiversität in der Ausstellung hören oder riechen und erfährt, dass rund die Hälfte aller Säugetierarten Nagetiere sind. Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, sind mit 400 Arten nur eine winzig kleine Gruppe. Wimmelbilder geben kombiniert mit einem Wissensquiz einen Eindruck, welche Organismen in Wald, Wiese und Gewässern leben. An orangefarbenen Notrufsäulen melden sich bedrohte Arten zu Wort, während in der Schatztruhe Schlüsselarten der Lebensräume vorgestellt werden, die auch uns Menschen lebenswichtige Güter zur Verfügung stellen, wie saubere Luft, klares Wasser, ertragreicher Boden und vieles mehr. Wer tiefer in die Forschung einsteigen möchte, kann sich Filme ansehen, in denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre aktuellen Projekte rund um den Globus vorstellen. Interaktive Ausstellungsstücke verbinden die drei vorgestellten Lebensräume. In einem virtuellen Garten können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel Vielfalt selber pflanzen und eine Animation der Meeresströme zeigt, welchen Weg Plastikmüll rund um den Globus nimmt.

Auf den dunklen Wänden der Wunderkammer am Ende der Ausstellung wirken die Lebensräume noch einmal optisch und akustisch in ihrer Gesamtheit.
In der Selfie-Box werden Besucher buchstäblich Teil der biologischen Vielfalt und können ein digitales Andenken an ihren Besuch mitnehmen.
Familien können mit einer Forscherkarte zudem die Ausstellung erkunden und auch für Lehrer und Schulkassen werden Materialien zur Ausstellung bereitgestellt.

Der Eintritt ist im Ticket für das Senckenberg Naturmuseum enthalten.

Fotowettbewerb
Begleitend zu der Ausstellung „Vielfalt zählt!“ veranstaltet das Senckenberg Naturmuseum einen Fotowettbewerb unter dem Motto „Wir in der Natur“. Mit dem Schlagwort #WirInDerNatur können Senckenberg-Fans ihre schönsten Schnappschüsse aus der Natur in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook einreichen. Erwünscht sind Bilder von und aus Wald, Wiese, Meer, sowie den dort lebenden Tieren oder Pflanzen – dabei spielt es keine Rolle, ob diese aus fernen Ländern oder dem heimischen Garten stammen. Einsendeschluss ist der 12. Juni 2016. Die drei schönsten, kreativsten oder faszinierendsten Fotos werden vom 13. bis 26. Juni in der Ausstellung im Senckenberg Naturmuseum gezeigt.
Unter allen Einsendungen werden eine Patenschaft für die Texas-Krötenechse, sowie eine Familien- und Einzelmitgliedschaft der
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung verlost.
http://tinyurl.com/WirInDerNatur

Begleitet wird die Ausstellung zudem durch eine Vortragsreihe sowie Führungen und Veranstaltungen für Kinder, Familien und Erwachsene. Mehr unter www.Seckenberg.de/veranstaltungen

Deutsches Filminstitut Frankfurt: Kinoprogrammheft März 2016

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Jetzt online abrufbar: Kinoprogrammheft März  des Deutschen Filminstitut 

Die Highlights im März:

Hou Hsiao-hsien
Filmreihe mit Werken des taiwanesischen Regisseurs, von seinem ersten Film JIU SHI LIU LIU DE TA (Cute Girl, TW 1980) bis zu seiner jüngsten Rückkehr zum Genrefilm mit
NIE YIN NIANG (The Assassin, TW/CN/HK/FR 2015).

Soziale Utopien
Filmreihe mit lauten Aufrufen zur Revolution, leisen Protesten gegen bestehende Strukturen und eskapistischen Reisen an andere Orte

Dino Risi, Luigi Comencini und die Commedia all´italiana
Filmreihe. Parallel zum italienischen Neorealismus entstand im Italien der 1950er Jahre ein satirisches Komödienformat: die Commedia all’italiana. Zwei führende Vertreter des Genres sind Dino Risi und Luigi Comencini, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten.

Junger Filmclub Treppe 41
Zwei Verfilmungen kompletter Musikalben: PINK FLOYD – THE WALL (GB 1982, R: Alan Park) und die Daft-Punk-Space-Opera INTERSTELLA 5555 – THE 5TORY OF THE 5EcRET 5TAR 5YSTEM (JP/FR 2003, R: Kazuhisa Takenouch)

Was tut sich: GRÜSSE AUS FUKUSHIMA
Doris Dörrie zu Gast!
Was tut sich: 4 KÖNIGE
Theresa von Eltz zu Gast!

Luminale-Special
Zwei Filme zum Thema „Licht“

„Schauplätze Frankfurt in den 50er Jahren“ – Foto-Ausstellung im Institut für Stadtgeschichte

"Berliner Straße beim Durchbruch, 1952" © ISG/W. Woscidlo, S7C1998_4461 Westlich der Neuen Kräme wurde die Berliner Str. neu durchgebrochen und im Bogen zur Weißfrauenstr. geführt. Dafür fielen die Ruinen der Weißfrauenkirche sowie von Teilen des Hirschgrabens und des Kornmarkts; mehrere kl. Straßen verschwanden ganz.
„Berliner Straße beim Durchbruch, 1952″
© ISG/W. Woscidlo, S7C1998_4461
Westlich der Neuen Kräme wurde die Berliner Str. neu durchgebrochen und im Bogen zur Weißfrauenstr. geführt. Dafür fielen die Ruinen der Weißfrauenkirche sowie von Teilen des Hirschgrabens und des Kornmarkts; mehrere kl. Straßen verschwanden ganz.

Ausstellung thematisiert Frankfurt am Main in den 50er Jahren
„Das Interesse der Öffentlichkeit am Wandel des Stadtbildes wächst stetig“, unterstrich Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth bei der Vorstellung der Fotoausstellung „Schauplätze. Frankfurt in den 50er Jahren“ im Institut für Stadtgeschichte. Sie zeigt vom 16. Februar bis 6. November 2016 in 15 Kapiteln die Veränderungen der Stadt in der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit und spürt dem Lebensgefühl dieser zunehmend von US-amerikanischen Einflüssen geprägten Jahre nach.

„Unsere neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen den Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war“, sagte die Leitende Direktorin des Instituts Dr. Evelyn Brockhoff – mit dem Geburtsjahr 1955 selbst ein Kind dieser Zeit. So freut sie sich besonders, dass „alte“ Frankfurter, die diese Jahre selbst erlebt haben, angesichts der gezeigten „Schauplätze“ ihren eigenen Erinnerungen nachgehen können.

"Nachtleben, 1960"  © ISG/F. Frischmann, S7FR_254 In den fünfziger Jahren entwickelte sich im „Flussgebiet“ des Bahnhofsviertels, zwischen Mosel- und Weserstraße, ein Vergnügungszentrum, in dem sich deutsche und internationale Messebesucher, Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung und amerikanische Militärangehörige mischten. An den Wochenenden, vor allem am Pay-day, wenn sich die Soldaten in Gaststätten, Musik- und Striplokalen sowie Bordellen amüsierten, gab es für den Streifendienst der amerikanischen Militärpolizei häufig Anlass einzuschreiten.
„Nachtleben, 1960″
© ISG/F. Frischmann, S7FR_254
In den fünfziger Jahren entwickelte sich im „Flussgebiet“ des Bahnhofsviertels, zwischen Mosel- und Weserstraße, ein Vergnügungszentrum, in dem sich deutsche und internationale Messebesucher, Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung und amerikanische Militärangehörige mischten. An den Wochenenden, vor allem am Pay-day, wenn sich die Soldaten in Gaststätten, Musik- und Striplokalen sowie Bordellen amüsierten, gab es für den Streifendienst der amerikanischen Militärpolizei häufig Anlass einzuschreiten.

Das Frankfurt der 50er Jahre war eine Stadt des Übergangs und der harten Kontraste. Neben Neubauten lagen Trümmer, Tausende warteten auf die Zuteilung einer Wohnung, während das Wirtschaftswunder von der Stadt Besitz ergriff und die provisorischen Verkaufsstände auf der Zeil den Einkaufspalästen Platz machten. Bei allen Vorbehalten den amerikanischen Besatzern gegenüber waren viele fasziniert von den Versprechungen des American Way of Life, der mit Musik, Film, Mode und Konsum im Alltag an Bedeutung gewann. Frankfurt gehörte zu den Kommunen in Westdeutschland, die ihre alte Stadtgestalt preisgaben, um dem motorisierten Verkehr gerecht zu werden. Nahezu alle Verkehrswege wurden verbreitert, kleinere Straßen und Gassen verschwanden, neue Verkehrsachsen wurden durchgebrochen sowie erste Parkhäuser errichtet. Der „Wiederaufbau Innenstadt“, als Frankfurter Lösung bekannt, gab dem zerstörten Zentrum ein neues Gesicht. Der Altstadtkern jedoch, wie in der Folgezeit das kleine Areal zwischen Römer und Dom bezeichnet wurde, blieb von dem Aufbau ausgenommen; die damals ungelöste Frage des Wiederaufbaus begleitet die Frankfurter bis heute.

(vl.)Tobias Picard M.A., Kurator, Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts, Dr. Michael Fleiter, Kurator
(vl.)Tobias Picard M.A., Kurator, Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts, Dr. Michael Fleiter, Kurator

Die beiden Kuratoren Dr. Michael Fleiter und Tobias Picard haben die umfangreichen Sammlungen des Instituts für Stadtgeschichte ausgewertet und aus mehreren zehntausend Motiven die eindringlichsten ausgewählt. Die Ausstellung ist das erste größere Projekt, für das auch die von der Frankfurter Rundschau übernommenen Fotobestände systematisch durchgegangen wurden – augenscheinlich ein Riesengewinn für die Bebilderung der jüngeren Stadtgeschichte. Ausgehend von Orten wie Paulskirche, Römerberg, Konsummeile Zeil, Flughafen, Messegelände oder Stadionbad lässt sie Schauplätze lebendig werden, die im Leben der Bevölkerung in den 50er Jahren eine Rolle spielten. Ihr Design ist in Form und Farben der „Nierentisch-Ära“ angelehnt.

Die Ausstellung soll die erste in einer Reihe von Dokumentationen zur Entwicklung Frankfurts sein. Das Institut für Stadtgeschichte plant Folgeveranstaltungen zu den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren, wie Brockhoff ankündigte.

"Begleitbuch zur Ausstellung“" © ISG, Michael Fleiter und Tobias Picard
„Begleitbuch zur Ausstellung““
© ISG, Michael Fleiter und Tobias Picard

Zur Schau ist unter dem Ausstellungstitel bei Henrich Editionen ein 192seitiger, reich bebilderter Begleitband (ISBN 978-3-943407-59-4) erschienen. Er ist im Institut für Stadtgeschichte sowie im Buchhandel für 14,90 Euro erhältlich.

 

 

 

Ein vielseitiges Begleitprogramm widmet sich Einzelaspekten.
Neben regelmäßigen Kuratorenführungen wird eine Vortragsreihe angeboten, die Kurator Tobias Picard M. A. mit dem Filmabend über Frankfurt im Wiederaufbau am 4. April 2016 um 18.30 Uhr eröffnet.

Der Leiter des Eintracht Frankfurt Museums Matthias Thoma stellt am 9. Mai 2016 unter dem Titel „Vom Neubeginn bis zur Deutschen Meisterschaft“ das sportliche Frankfurt vor. Es folgt am 4. Juli 2016 das Referat von Dr. Thomas Bauer „Ein Hoffnungsträger im Wiederaufbau: Walter Kolb, Oberbürgermeister 1946-1956“.

Ausstellungstafel "Schauplätze" zeigt historischen Fotos der Stunde Null mit erläuternden Texten.
Ausstellungstafel „Schauplätze“ zeigt historischen Fotos der Stunde Null mit erläuternden Texten.

Nach der Sommerpause geht es am 22. August 2016 mit Dr. Almut Gehebe-Gernhardt weiter, die über „Bomben – Bagger – Bauen. Planung und Entwicklung im Frankfurter Städtebau nach 1945“ spricht. Am 12. September 2016 geht es bei Jürgen Schwab unter dem Titel „Durchgejazzt“ um Streifzüge durch die Jazzhauptstadt der Republik in den 50er Jahren.

 

 

Dr. Bettina Tüffers beschäftigt sich am 17. Oktober 2016 mit Frankfurts Umgang mit der NS-Vergangenheit. Den Schlusspunkt der Reihe bildet der Vortrag „Welcome to little America“ von Thorsten Halsey M. A. Bis auf den Filmabend beginnen sämtliche Veranstaltungen um 18 Uhr.

Der Eintritt beträgt jeweils vier Euro, ermäßigt drei Euro. Daneben veranstaltet das Institut für Stadtgeschichte am 12. März 2016 um 16 Uhr ein Frankfurter Erzählcafé mit Stadtrat a. D. Dr. h. c. Ernst Gerhardt, der einen Rückblick auf seine Zeit als Stadtverordneter in den 50er Jahren wirft. Die Teilnahme kostet inklusive Umtrunk sechs Euro.

Die Archivpädagogin Manuela Murmann bietet für Gruppen die Arbeit mit Originalquellen unter dem Titel „Trümmer, Flüchtlinge und Wirtschaftswunder: Was die Frankfurter in den 50er Jahren bewegte“ an.

Die Angebote finden Sie auch auf dem flyer_schauplaetze

Anmeldung unter Tel. 069-212 339 51 oder manuela.murmann@stadt-frankfurt.de. Kosten entstehen den Teilnehmern nicht.

Die neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen. Foto © massow-pictureden Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war. (Dr. Evelyn Brockhoff , leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte)
Die neue Sonderausstellung lenkt mit 150 Abbildungen. Foto © massow-pictureden Blick auf einen Zeitraum, der von größter Bedeutung für die Frankfurter Stadtentwicklung war. (Dr. Evelyn Brockhoff , leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte)

Die Ausstellung ist im Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, Münzgasse 9, zu sehen und montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei. Für Gruppen können Führungen unter 069-212 314 17 oder info.amt47@stadt-frankfurt.de gebucht werden.

Nähere Informationen und genaue Termine der Veranstaltungen sind im Internet unter www.stadtgeschichte-ffm.de zu finden.

Fotoausstellung im Senckenbergmuseum stellt ab 5. Feb. 2016 Frankfurter Senioren an ihren Lieblingsorten vor

© Hans_Keller
© Hans_Keller

Neue Altersbilder

(pia) Anti-Aging ist ein zentrales Schlagwort unserer Gesellschaft – dabei erreichen immer mehr Menschen ein immer höheres Alter. Einen neuen, bejahenden Blick auf diesen Lebensabschnitt eröffnet ab dem 5. Februar die Sonderausstellung „Das ist doch noch kein Alter! Meine Zukunft in Frankfurt gestalten“ im Senckenberg Naturmuseum. Großformatige Fotografien zeigen Senioren an ihren Lieblingsorten in der Stadt, sie erzählen persönliche Geschichten und vermitteln viel Lebensfreude.

„Wir werden alle nicht jünger und hübscher – aber dafür bekommen wir Weisheit, Erfahrung und Reife geschenkt“, sagt Cäcilia H. Die 83-Jährige ist eine der dreizehn Frauen und Männer, die der Fotograf Hans Keller in Zusammenarbeit mit der Seniorenagentur Frankfurt der gemeinnützigen GFFB für das Projekt ausgesucht hat. Ziel der Ausstellung ist es, die sehr heterogene Gruppe von älteren Menschen in Frankfurt in den Fokus zu nehmen, ihre Vielfalt fernab von Klischees zu verdeutlichen. „Die Ausstellung zeigt, wie selbstverständlich aktiv unsere Senioren am städtischen Alltag teilnehmen. Sie gehören in unsere Mitte und leisten wertvolle Beiträge zum gesellschaftlichen Leben. Wir können von ihrer Lebenserfahrung nur profitieren“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann, der die Ausstellung eröffnen wird.

„Wir zeigen Senioren in anderen Zusammenhängen, als man es von ihnen erwartet“, sagt Barbara Wagner, Geschäftsführerin der GFFB. Oft werde das Alter mit Krankheit, Trauer und Einsamkeit assoziiert. „Die Lebensfreude, das Interesse oder auch die Fitness kommen viel zu kurz.“ Also rief die Seniorenagentur während der Aktionswochen Älterwerden im Sommer 2015 Menschen ab 65 Jahren dazu auf, an einem Workshop und Casting teilzunehmen und ihre persönliche Sicht auf Frankfurt zu schildern. Aus mehr als 30 Bewerbern wurden schließlich dreizehn Personen für das Foto-Shooting an ihren individuellen Lieblingsorten ausgewählt. Dabei ging es vor allem darum, den Geschichten der Senioren ein Gesicht zu verleihen.

Stiftsfrauen machten den Anfang

Dieses Ziel verfolgt der Bockenheimer Fotograf Hans Keller schon seit 2012. Damals traf er 140 Frauen des Frankfurter Katharinen- und Weißfrauenstifts zusammen, die zwischen 60 und 101 Jahre alt waren. „Das war für das gesamte Team eine überraschende Erfahrung und ein Riesenspaß“, erinnert sich Keller. Der Fotograf war bis dahin hauptsächlich in der oft künstlichen, von jungen Menschen geprägten Welt der Werbebranche tätig. „Dann kamen wir in Berührung mit dem wahren Leben und merkten, dass diese alten Damen, die auch viel Schlechtes im Leben durchgemacht hatten, voller Energie und guter Laune steckten.“ Die Fotos der Stiftsfrauen waren ab Herbst 2013, als erster Teil des Projekts „DIE KUNST ZU ALTERN“ (DKZA), öffentlich in Frankfurt zu sehen, unter anderem im Rathaus für Senioren. So kam der Kontakt zwischen der Seniorenagentur Frankfurt und Hans Keller zustande, der nun zur gemeinsamen Sonderausstellung führte.

86-jährige Sportskanone am Skaterpark abgelichtet

„Die älteren Leute freuen sich sehr, wenn sie gesehen und gehört werden – das setzt ganz viel Potenzial frei“, berichtet Barbara Wagner. Begeistert nutzten die Auserwählten des Castings die Gelegenheit, sich an ihren Lieblingsorten professionell ablichten zu lassen. Die Sportskanone Horst G. (86) spielte Guerilla Golf in dem neuen Hafenpark an der Europäischen Zentralbank. Vittoria M. (84) und Thomas B. (69) tanzten in der Frankfurter Liebfrauenkirche, um symbolisch ihre zwei Leidenschaften zu verbinden: „Den Tanz und den Glauben und der Freude an beidem“. Auch Bodo B. (78), der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ließ es sich nicht nehmen, sich auf dem Oberdeck eines Ausflugsschiffes mit seiner Ehefrau Christa in Szene setzen zu lassen. Die beiden versuchen, trotz mancher Hürden, ihre Freizeit so zu gestalten, wie vor seiner Erkrankung. „Sie posierten wie einst Leonardo di Caprio und Kate Winslet in „Titanic“, das war ein richtig romantischer Moment“, erinnert sich der Fotograf.

„Wie eine Prinzessin“: Mit Krönchen auf dem Römerberg

Aus „reiner Neugier“ hatte sich Edith P.-S. (75) am Casting beteiligt, und auch sie wurde für das Shooting auserwählt. „Offenbar ist meine Sachsehäuser Babbelgosch gut angekommen“, sagt sie lachend. Getreu ihrem Lebensmotto: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“, wurde Edith mit Krönchen auf dem Römerberg abgelichtet, auf dem sie damals als Kind mit den Trümmerfrauen Steine geklopft hatte. „Da fühlte ich mich wirklich wie eine Prinzessin.“ Gerne gibt die Seniorin ihre Erfahrungen an jüngere Leute weiter – ob es nun darum geht, aus wenigen Resten eine leckere Suppe zu kochen oder im Waschsalon ein Spannbettlaken vernünftig zusammenzulegen. „Ich hoffe, dass die Ausstellung den Dialog zwischen den Generationen belebt“, meint sie.

Das ist auch erklärtes Ziel der Verantwortlichen, und Keller freut sich sehr darüber, dass die Seniorenagentur das Senckenbergmuseum als Ausstellungsort gewinnen konnte. „Hier erreichen wir sehr viele Menschen aus allen Altersgruppen.“ Fester Bestandteil der Schau ist der Katalog, in dem die Porträtierten aus ihrem Leben berichten und die Wahl ihres Lieblingsortes erklären.

Eigenes Schicksal weckt Verständnis für Flüchtlinge

Cäcilia H. ließ sich am Frankfurter Hauptbahnhof ablichten, weil sie hier 1950, als 18 Jahre alter Flüchtling aus Ostschlesien, ganz alleine in der Freiheit ankam. „Wenn ich jetzt die Flüchtlingsströme sehe, kommt das natürlich wieder hoch“, sagt sie. Daher hilft sie seit Jahren ehrenamtlich: Cäcilia hat Flüchtlingskindern vorgelesen, Deutschunterricht gegeben und Neuankömmlinge zu Behörden oder Ärzten begleitet. Auch in der gegenwärtigen Situation will sie sich wieder engagieren. „Wir leben hier seit 70 Jahren in Frieden, und viele scheinen vergessen zu haben, wie gut es uns geht“, meint die Seniorin. Mit dem Projekt möchte sie um Verständnis für die Flüchtlinge werben – und ihre Altersgenossinnen ermutigen: „Was ich kann, das können sie auch.“

Ältere Menschen, die das Leben genießen und die Zukunft mitgestalten: „Das schreit nach mehr“, sagt Hans Keller. Noch steht der Gedanke des „Pro-Aging“ gesellschaftlich am Anfang – aber den Fotografen hat die Arbeit an „DIE KUNST ZU ALTERN“ schon ganz persönlich verändert: „Durch das Projekt habe ich die Angst vor dem Alter verloren.“

Nicole Unruh 

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung „Das ist doch noch kein Alter! Meine Zukunft in Frankfurt gestalten“ ist vom 5. Februar bis 24. April 2016 zu sehen im 2. OG des Senckenberg Naturmuseums, Senckenberganlage 25, in Frankfurt.
Die Öffnungszeiten sind montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 17 Uhr, mittwochs von 9 bis 20 Uhr, am Wochenende sowie an Feiertagen von 9 bis 18 Uhr.
Anschließend zeigt die GFFB die Bilder dauerhaft in ihren Räumlichkeiten in der Mainzer Landstraße 349. Die Ausstellung kann auch ausgeliehen werden. Weitere Informationen zu dem Projekt und der Ausstellung gibt es bei Lea Wissel, Telefon 069/951097-311, E-Mail an wissel@gffb.de .