Kategorie-Archiv: Woche der Freiheit in Wiesbaden

Pfarrer Christoph Wonneberger erhielt den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage 2015 der Stadt Wiesbaden

Die musikalische Umrahmung des Festaktes der Ludwig-Beck-Preis-Verleihung erfolgte durch das Streichquartett der Wiesbadener Musik- & Kunstschule: Johanna Steuer, Violine, Merle Kreyenfeld, Violine, Luisa Nowotny, Viola und Juliane Steuer, Violoncello.© massow-picture
Die musikalische Umrahmung des Festaktes der Ludwig-Beck-Preis-Verleihung erfolgte durch das Streichquartett der Wiesbadener Musik- & Kunstschule: Johanna Steuer, Violine, Merle Kreyenfeld, Violine, Luisa Nowotny, Viola und Juliane Steuer, Violoncello.© massow-picture

Am vergangenem Mittwoch,  30.September 2015, wurde der Wegbereiter der Leipziger Montags-Demonstrationen, der Leipziger Pfarrer Dr. h.C. Christoph Wonneberger von Oberbürgermeister Sven Gerich und Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel mit dem Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden 2015 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Unter den Gästen waren   neben Vertretern der Stadtverordnetenversammlung und der Kirchen auch die Kommandeurin der US-Garnison Wiesbaden Erbenheim, Colonel Mary L. Martin sowie eine Schulklasse der Dilthey-Schule mit ihrem Geschichtslehrer Dr. Schubert. Ferner begrüsste Oberbürgermeister Sven Gerich die beiden  Großnichten Ludwig Becks:  Marianne Tobeck und Gabriele Schreiner-Hammes.

Pfarrer Dr. h.c. Christoph Wonneberger, Leipzig. Preisträger des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden 2015.© massow-picture
Pfarrer Dr. h.c. Christoph Wonneberger, Leipzig. Preisträger des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden 2015.© massow-picture

Der Preis trägt den Namen des in Wiesbaden-Biebrich geborenen Widerstandskämpfers Generaloberst Ludwig Beck. In seiner Wohnung liefen die Fäden für das Attentat auf Hitler zusammen, obwohl er wusste, dass er permanent von der Gestapo observiert wurde. Beck war sogar als Staatsoberhaupt vorgesehen, hätte das Attentat auf Hitler geklappt. Mit dem Ludwig-Beck-Preis ehrt die Landeshauptstadt Wiesbaden Menschen in Gedenken an den Mut des Generaloberst Beck Institutionen oder Vereinigungen aus aller Welt, die sich mit besonderer Zivilcourage für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben der Menschen, die soziale Gerechtigkeit und die Grundprinzipien der Demokratie und des Rechtsstaates eingesetzt haben.

Oberbürgermeister Sven Gerich .© massow-picture
Oberbürgermeister Sven Gerich .© massow-picture

„Ich freue mich sehr, dass sich das Auswahlgremium für Christoph Wonneberger ausgesprochen hat. Er hat Zivilcourage in ganz herausragender Art und Weise gezeigt. Die Verleihung des Preises an ihn, einen der maßgeblichen Wegbereiter der friedlichen Revolution in der DDR, ist auch angesichts des 25jährigen Jubiläums der Deutschen Einheit ein wunderbares Zeichen“, betonte Oberbürgermeister Sven Gerich.  Aber Ludwig Beck und Christoph Wonneberger. so der Oberbürgermeister, seien auf den ersten Blick sicherlich nicht miteinander vergleichbar:„hier der humanistisch gebildete Sohn einer alten Offiziersfamilie, dessen militärische Laufbahn quasi schon in die Wiege gelegt war, dort der Sohn eines sächsischen Pfarrers, dem seine Berufung zum Pfarrer auch schon von Geburt an vorgegeben war“. Unterschiedlicher könnten Menschen auf den ersten Blick nicht sein“, so Sven Gerich,“und doch einen sie beide das Ziel, sich mit dem jeweils herrschenden System nicht nur anzulegen, sondern es nach Möglichkeit zu überwinden. Aber auch mit ganz unterschiedlichen Mitteln: Auf der einen Seite militärisch mit einem geplanten Attentat als Basis für einen Staatsstreich. Auf der anderen Seite mit Friedensgebeten; ermunternd, motivierend und immer wieder Mut machend. Jedoch in beiden Fällen immer mit der Gewissheit, beobachtet und in Gefahr für Leib und Leben zu sein.
Ludwig Beck bezahlte für seinen Einsatz mit dem Leben. Christoph Wonneberger erfuhr seine eigene Wiedergeburt nach einem Gehirninfarkt am 30. Oktober 1989, dem Tag, an dem 500 000 Menschen in Leipzig demonstrierten und skandierten: „Wir sind das Volk“.

Stadtverordnetenvorsteher und Mitglied des Auswahlgremiums Wolfgang Nickel. © massow-picture
Stadtverordnetenvorsteher und Mitglied des Auswahlgremiums Wolfgang Nickel. © massow-picture

Auch Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel, Mitglied des Preis-Auswahlgremiums, unterstrich Dr. Christoph Wonnebergers Schlüsselrolle als einer der Wegbereiter der friedlichen Revolution in Leipzig und sein unbeirrbares wie riskantes Engagement der  Freiheit zum Durchbruch zu verhelfen. „Pfarrer Christoph Wonneberger war einer der Haupt-Akteure der friedlichen Revolution in der DDR. Bereits zu Beginn der 80er Jahre hat er sich konsequent für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit eingesetzt. Ich bin sehr beeindruckt von dieser Leistung.Trotz der ständigen Bedrohung durch die Staatssicherheit und der Schwierigkeiten auch innerhalb der Kirche, hat er in der Leipziger Nikolaikirche den Menschen Mut gemacht und ihnen die Angst genommen“, sagte Wolfgang Nickel.

Der anschließend im Ratssaal abgespielte Videofilm 25 Jahre Friedliche Revolution: Aus der Kirche auf die Straße nahm die Besucher auf eine beeindruckende kurze Zeitreise über Christophs Wonnebergers Wirken mit.

Laudator Christan Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.© massow-picture
Laudator Christan Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.© massow-picture

So eingestimmt, lauschten die Festgäste besonders aufmerksam der Laudatio Cristian Dietrichs, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.  Christian Dietrich ist langjähriger Freund und Wegbegleiter von Christoph Wonneberger. Er war damals als 16-jähriger in den Leipziger friedensbewegten Zeiten der Montags-Demos aktiv mit dabei. Kein anderer   hätte es wohl besser verstanden,   als Zeitzeuge so authentisch  über  Pfarrer Christoph Wonnebergers riskantes und mutiges Wirken  zu berichten. Dietrichs Gänsehaut-Laudatio, zugleich ein beeindruckendes zeitgeschichtliches Dokument jener Tage,  dürfen wir mit Dietrichs Erlaubnis  folgend  abdrucken:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
Wunderbar ist es: der Zivilcouragepreisträger 2015 ist Christoph Wonneberger. Ein Vierteljahrhundert nach dem Deutschland geeint ist, schauen wir dankbar zurück auf das, was seit dem Ende der kommunistischen Gewaltherrschaft in unserem Land möglich wurde.
Mit Christoph Wonneberger wird nicht nur ein Mensch geehrt, der einen besonderen Anteil am Ende der SED-Diktatur hatte, sondern zugleich einer der auch heute an einer Kultur des Bürgermutes arbeitet. Welchen langen Weg Christoph Wonneberger dabei gegangen ist und geht, wird öffentlich noch nicht so lange wahrgenommen. Die Biographie des Archivs Bürgerbewegung und die Biographie, die der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen im vergangenen Jahr herausgegeben haben, versuchen diesem Mangel abzuhelfen. Dem diente auch der Nationalpreis im vergangenen Jahr. Bei der Verleihung im Französischen Dom in Berlin hisste der Preisträger jedoch nicht die Deutsche Fahne, sondern seine Regenbogenfahne mit dem Symbol der DDR-Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“. In diesem Sinne denke ich, ist Dir, lieber Christoph, der Zivilcouragepreis besonders nahe.
Mit dem Ludwig-Beck-Preis werden die „beiden Leben“ von Christoph Wonneberger gewürdigt: sein Engagement für Freiheit und Leben als Pfarrer in der DDR bis zum Schlaganfall Ende Oktober 1989 und sein Engagement für die Menschlichkeit und den Frieden, seit Christoph Wonneberger seine Sprache wiedergefunden hat. Dazu gehört der Protest gegen die Präsenz amerikanischen Militärs auf dem Fliegerhorst in Büchel und gegen die Verletzung des Atomwaffensperrvertrags in den letzten Jahren.

Für Christoph Wonneberger ist Zivilcourage das Pendant zum Gebet und Ausdruck des Gottvertrauens. Diese Form des Bürgermutes kumulierte in Ost und Mitteleuropa vor einem Vierteljahrhundert zu einer Revolution. Eine Revolution, die anders verlief als die Französische. Eine Revolution, die auch auf anderen Werten ruhte.

Zu ihren Schlüsseldaten gehören ganz unterschiedliche Versuche, „in der Wahrheit zu leben“ (Václav Havel), aber auch die Öffnung von russischen Kirchen kurz vor dem Millennium der Taufe Russlands, die Bildung von fliegenden Universitäten und Gewerkschaften in Polen und die Wahl eines Polen zum Papst, die Bezeichnung von Gräbern der Opfer des kommunistischen Terrors, Gottesdienste auf den Straßen vor den umgenutzen Kirchen in der Ukraine und Weißrussland, eine 600 km lange Menschenkette quer durch das Baltikum 50 Jahre nach dem Stalin-Hitler-Pakt und hunderttausende Menschen, die ihre Heimat mit fast nichts verließen.

Lange bevor sich in den ehemals kommunistischen Ländern der Wandel hin zu bürgerlichen Freiheiten vollziehen konnte, begann sich das Wissen auszubreiten, dass es Freiheit und Demokratie nicht ohne Besonnenheit und beherzte Bürger geben kann.

Nicht mehr in der Lüge leben zu müssen und Verantwortung übernehmen zu dürfen, souverän zu werden als Bürger, als Unternehmer, als Kommune oder Land, das waren die Leitwerte, die die Menschen aus der kommunistischen Diktatur nach Europa führten. Ein wichtiger Pfad dabei war die Zivilcourage, die letztlich auf Konflikt- und Gewaltminimierung zielte.
Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen. Glücklich ein Land, das keine Helden braucht!

In Diktaturen gibt es keine Trennschärfe zwischen Zivilcourage und Heldentum. Die SED verstand – wohl nicht zu unrecht – Selbstbestimmung und Solidarität sehr oft als Angriff auf ihre Macht.

Zur Anpassung in Schule, in Beruf, im Verein, in der Hausgemeinschaft, in der Öffentlichkeit und anderswo… – zur Anpassung gab es Alternativen, doch oft mit unabsehbaren Risiken. Leben in der Diktatur hieß, ständig abzuwägen ob Anpassung oder Widerstand gegen die staatlichen Instanzen sinnvoll ist. Dem Druck konnte man nur mit einer Risikobereitschaft und mit einer gewissen politischen Moralität gewachsen sein.

Christoph Wonneberger hat wie sein Vater Theologie studiert und wurde evangelischer Pfarrer. In den evangelischen Kirchen wurden nach dem Mauerbau Trainingsprogramme zur Stärkung der Bürger gegenüber dem Staat und seiner Ideologie entwickelt. Eines dieser pädagogischen Konzepte nannte sich „Erziehung zum Frieden“ – es hätte auch Freiheitstraining heißen können. Einer der Innovativsten auf diesem Feld in den letzten 15 Jahren der DDR war Christoph Wonneberger.
Viele Elemente des gewaltlosen Widerstands gegen eine der wirkmächtigsten europäischen Diktaturen sind mit ihm verbunden:

  • Friedensgebete
  • Fastenwochen
  • Friedenssternfahrten
  • ein Werkstattwochenende der Opposition unter dem Titel „Statt Kirchentag“
  • selbstverantwortete Zeitschriften
  • Flugblätter
  • Demonstrationen.

Etwas ganz Spezifisches für Christoph Wonneberger war die Initiative für den Sozialen Friedensdienst mit der sprechenden Abkürung „SoFD“.
Was verbarg sich dahinter?
In der DDR gab es keine Alternative zur Wehrpflicht. Lediglich Baubrigaden innerhalb der DDR-Armee wurden zugestanden. Verweigerer mussten mit hohen Haftstrafen rechnen. Im Gegenzug dazu entwickelte eine Dresdner Gruppe um Christoph Wonneberger 1981 ein scheinbar ganz niederschwelliges Konzept der Selbstverteidigung und des gesellschaftlichen Wandels. Anstelle des Dienstes in der Armee sollten – ähnlich wie es in der Bundesrepublik möglich war –Wehrpflichtige in Alters- und Pflegeheime gehen können. SoFD stellte nicht nur die Militarisierung der Gesellschaft in Frage, sondern ging zugleich an gegen die katastrophalen und entwürdigenden Zustände in den staatlichen Pflege- und Altersheimen. Schon die Idee war ein Übungsfeld für Zivilcourage. In Verbindung mit dem Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ waren viele Jugendliche daran beteiligt.

Wieder waren die Risiken unabsehbar. Die Vorreiter wurden von der Stasi verfolgt. Die Vorgänge der Beteiligten erhielte Codeworte wie „Feind“, „Pazifist“, „Zersetzer“ oder „Provokateur“. Die SED reagierte mit Bildungsverboten. Einige Bürgerrechtler wurden inhaftiert, wie z.B. Roland Brauckmann aus Hoyerswerda.
Was ermutigte die so Verfolgten, nicht aufzugeben?

Im Gemeindebrief vom Ende des Jahres 1987 fragte Pfarrer Wonneberger nach dem Horizont des Jahres 1987 und stellte fest, dass in der Froschperspektive alles grau und grau erscheint.
Kein Silberstreif am Horizont… Horizontverengung. Selbst der Stern von Bethlehem außer Sichtweite.

Da half nur ein Blickwechsel, doch auch die Vogelperspektive ist nicht eindeutig. Der Pfarrer stellte Alternativen fest: Falke oder Taube? und plädierte für die Perspektive aus dem Taubennest auf dem Kreuz Jesu Christi. Wie solch ein Perspektivwechsel, solche eine Befreiung möglich ist, habe ich im Leipziger Friedensgebet vor 26 Jahren, am 25. September 1989, erlebt.
Seit Ende 1988 versuchten wir den Platz vor der Nikolaikirche als öffentlichen Raum zu gewinnen, als Forum und letztlich als Ort, an dem die Sinn- und Machtfrage gestellt werden kann. Nach dem Friedensgebet am 4. September 1989 wurden dazu Transparente getragen.
Darauf war u.a. zu lesen: „Für ein offenes Land mit freien Menschen“. Die SED reagierte mit Gewalt. Verhaftungen, hohe Geldstrafen, Polizeiketten und Hundestaffeln. Faktisch wurden die Friedensgebetbesucher und Demonstranten eingekesselt.

In dieser Bedrohungssituation hielt Christoph Wonneberger seine Predigt.
Er begann mit den Worten:
’Mit Gewalt’, sagte der Friseurgehilfe – das Rassiermesser an meiner Kehle – ‚ist der Mensch nicht zu ändern!’

Mein Kopfnicken beweist ihm das Gegenteil.

Nach einer kurzen Pause lachten einige in der Kirche und es gab Beifall. Mit wenigen Worte war das Problem eines jeden, der unter Gewalt lebt, umschrieben. Fast jeder, der in der Kirche stand – es waren 2000 Menschen
gekommen, hatte Angst vor Gewalt.
Sie waren ja gekommen, weil sie nicht abseits stehen wollten, weil sie „Gesicht zeigen“ und ihren Protest artikulieren wollten. Doch wie wird die Staatsmacht in weniger als einer Stunde darauf reagieren?

Die Geschichte mit dem Rassiermesser an der Kehle zeigte: Unter Gewalt gibt es kein Entrinnen, keine Freiheit. Gewaltlogik widerspricht jeder Vernunft. Unter Zwang, Androhung und Anwendung von Gewalt wird das Subjekt gespalten und Lebensoptionen zerstört. Indem Christoph Wonneberger dieses Diktaturprinzip ansprach, leitete er schon die Befreiung ein.
Ich erinnere mich, wie seine Rede mich immer wieder zum Lachen lockte und so die Anspannung wich.

Im Zentrum der Rede stand die Analyse der Gewalt und ihrer Logik:
Gewalt zerstört Menschenleben.
Aus diesem Grund wird Gewaltanwendung strafrechtlich geahndet.
Doch was ist, wenn der Staat gewalttätig ist und diese nicht kontrolliert und begrenzt wird durch Parlamente, Gerichte und die Öffentlichkeit?
Ein solcher Staat verliert seine Legitimation.
Wer Gewalt übt,
mit Gewalt droht und sie anwendet, wird selbst Opfer der Gewalt.
[…]
Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege
mehr.
Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommen.

Und die, die von Gewalt bedroht sind, was können sie tun?
Wonneberger sagte: Angst haben wir, so denke ich, alle […] Aber: Fürchtet Euch nicht, mir ist gegeben alle Gewalt, im Himmel und auf Erden, so sagte einst Jesus. Das war keine Drohung, das war keine Nötigung. Dahinter steht kein Machtapparat. Mir ist gegeben alle Gewalt, das heißt innere Gewissheit und innere Kraft und äußere Glaubwürdigkeit. Demgegenüber sind Stasi- Apparat, Hundertschaften, Hundestaffeln nur Papiertiger und so endete die Predigt prophetisch: Fürchtet euch nicht! Wir können auf Gewalt verzichten.

In Besonnenheit und im Vertrauen auf Gott kann der destruktive Regelkreis der Gewalt durchbrochen werden, Freiheit hat Platz und Gewaltlosigkeit Zukunft. Nach einem orthodoxen Lobpreis Gottes und Empfehlungen zum gewaltlosen Handeln folgte das Lied ‚We shall overcome’. Es war von Peet Seeger in die DDR gebracht worden und war auch unter der sozialistischen Jugend bekannt. Das Lied nahm die Emotionen auf und gab eine gemeinsame Sprache der Zuversicht (‚We shall overcome‘), Gemeinschaft (‚We walk hand in hand‘) und Sehnsucht (‚We will live in peace‘).

Beim Fürbittengebet ergriffen manche die Hände ihrer Nachbarn und erhoben die gefassten Hände. Nach dem Segen wurde noch mal das Lied gesungen.“

Es war wie Heilig Abend am Ende der Christvesper, wenn die Gemeinde im Stehen die Weihnachtshymne anstimmt und weiß: Jetzt ist Weihnachten.

Draußen auf der Straße formierte sich dann der Demonstrationszug, Hunderte, die nicht im Friedensgebet waren, schlossen sich ihm an. Zuletzt waren es wohl 4000 Menschen, die an diesem Abend demonstrierten. Hier – auf der Straße – wurde couragiert die Machtfrage gestellt – ganz im Sinne des Predigers: Wir können auf Gewalt verzichten.

Später wird Christoph Wonneberger sagen:
Leibhaftig ist der, der mit Gott rechnet.

Mit der Zunahme der Gewalt gegen Demonstranten in den Tagen um den 40. Jahrestag der DDR-Gründung am 7. Oktober wurde der Montag, der 9. Oktober, zum Tag der Entscheidung.

Vierzehn Tage nach der ersten großen Demonstration kamen wohl 25mal soviel Menschen in die Leipziger Innenstadt. Eine Gruppe um Christoph Wonneberger hatte in Vorbereitung dieses Tages tagelang heimlich über 25.000 Flugblätter hergestellt.
Wir haben eines davon gerade in dem Film gesehen

(https://www.youtube.com/watch?v=LY-N7seuOBM).
Hier hieß es:
An die Einsatzkräfte appellieren wir: Enthaltet Euch der Gewalt!
Reagiert auf Friedfertigkeit nicht mit Gewalt!
W i r s i n d e i n V o l k !
Gewalt unter uns hinterlässt ewig blutende Wunden!

Der Satz Wir sind ein Volk! sprang in die Augen. Er wurde auf der Straße auch skandiert.

„Wir sind ein Volk!“ meinte nicht die Deutsche Einheit, sondern überbrückte die Distanz zwischen denen, die ihre Herrschaft auf Gewalt und Willkür errichteten und denen, die dagegen aufstanden.
Die Autoren des Flugblattes gingen davon aus, dass es trotz dieser langen Gewaltherrschaft etwas gibt, was die Menschen in der DDR letztlich verbindet: die Angst vor blutenden Wunden.

Meine sehr geehrte Damen und Herren,
heute, wo sich der Magistrat von Wiesbaden und viele Demokraten dieses Landes Christoph Wonneberger mit dem Preis für Zivilcourage ehren oder ihm dazu gratulieren, sei mir gestattet die brennende Frage der Friedlichen Revolution zu wiederholen:

Sind wir ein Volk?

Was hält uns als Deutsche, als Bundesrepublik zusammen? Das ist keine Frage nach dem Verhältnis von „Ossi“ und „Wessi“. Nein, die Unterschiede unter uns Ostdeutschen sind größer als diese pauschalen Zuordnungen innerhalb Deutschlands. Den „Ossi“ gibt es nicht. Dies zumindest stellte der Bundespräsident vor wenigen Tagen fest (Interview mit der Wochenzeitschrift SUPERillu, 24.09.2015).

Ein Ausgleich zwischen denen, die in ihrer Bildung und Karriere behindert wurden, viele Jahre ihres Lebens in mehrfacher Hinsicht eingesperrt waren und mit perfiden Methoden zersetzt wurden und denen, die das auf Gewalt gestützte System mitgetragen haben, ist immer noch offen und schon lange ein gesamtdeutsches Thema.

Doch – was verbindet unsere Gesellschaft?
Nicht nur angesichts der vielen potentiellen Neubürger stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz des Gründungsimpuls der Bundesrepublik. „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen…“, – so wird die Basis unserer Gemeinschaft in der Präambel unserer Verfassung beschrieben.

In Verantwortung wächst Freiheit.
Doch: Können wir uns des deutschen Verantwortungspatriotismus’ so sicher sein? Wie kommen dabei die Erfahrungen der beiden menschenverachtenden deutschen Diktaturen zur Geltung?
Eine europäische Studie stellt fest, dass sich nirgendwo die Bevölkerung so wenig mit ihrem Land identifiziert wie in Deutschland (Radar des gesellschaftlichen Zusammenhalts).
Ein gefährliches Missverständnis von Zivilcourage ist, den Pfad der Gewaltlosigkeit zu verlassen und sie als Konkurrenz zum staatlichen Gewaltmonopol auszubauen.

Christoph Wonneberger hat – als ein ganzer Staatsapparat gegen sein Volk stand – gesagt: Er gibt keine Alternative zum staatlichen Gewaltmonopol.
Christoph Wonneberger – Preisträger des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage. Der Preis ist eine Ermutigung zur Freiheit, die aus Verantwortung wächst

Leibhaftig ist der, der mit Gott rechnet.

Zivilcourage als Stärkung des rechtsstaatlichen Gewaltmonopols durchbricht die Teufelskreise der Gewalt und stärkt unsere Gesellschaft als Schutzraum der menschlichen Würde.

Ich danke Ihnen für ihre Geduld.“

(Wir danken Christian Dietrich, dass wir seine Rede vom 30. September 2015 im Rathaus Wiesbaden anlässlich der Verleihung des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden 2015, original abdrucken durften)

vl.Sven Gerich, Oberbürgermeister, Angelika Eder, Begleiterin von Pfarrer Wonneberger, Christian Dietrich, Laudator, Wolfgang Nickel, Stadtverordnetenvorsteher und Mieglied des Auswahlgremiums bei der Ludwig-Beck-Preisverleihung am 30.September 2015 im Wiesbadener Rathaussaal. © massow-picture
vl.Sven Gerich, Oberbürgermeister, Angelika Eder, Begleiterin von Pfarrer Wonneberger, Christian Dietrich, Laudator, Wolfgang Nickel, Stadtverordnetenvorsteher und Mieglied des Auswahlgremiums bei der Ludwig-Beck-Preisverleihung am 30.September 2015 im Wiesbadener Rathaussaal. © massow-picture

Nach einem musikalischen Zwischenspiel „Tango von Michael Mc Lean“ des Streichquartett der Wiesbadener Musik- und Kunstschule folgte die Preisverleihung durch Oberbürgermeister Sven Gerich und Stadtrat Nickel. Lang anhaltender Applaus. Der so geehrte Pfarrer Dr. Christian Wonneberger war sichtlich gerührt über so viel Lob. Das ist gar nicht sein Ding. So spielte er in seinem Dank sogleich sein „viel zu hochgespieltes“ Leipziger Wirkung im Vergleich zum Wagemut  des Offiziers  und Namenspatron Ludwig Beck herunter: „Während Beck seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlte“, so Wonneberger, „war meine geplante Internierung in einem Schweinestall für mich dagegen ein Klacks.“ Er habe doch nur getan, was getan werden musste, und in seiner Position als Pfarrer habe er da schon mehr Möglichkeiten gehabt als die meisten anderen. Er sei immer schon ein Revoluzzer gewesen, auch heute noch. Seit Pfarrer Wonneberger nach seinem Schlaganfall 2008 wieder die Sprache gefunden hatte,  ist er erneut unermüdlich in Sachen Frieden  unterwegs, und das im wahrsten Wortsinne: Mit dem Fahrrad fährt  und organisiert Wonneberger Friedenstouren. Angelika Eder, Lehrerin aus Benzheim Bergstrasse, begleitet ihn häufig dabei. Eine der weitesten Friedensfahrten führte  von Paris nach Moskau und zurück, insgesamt  4000 Kilometer Friedens-Fahrradtour.

Pfarrer Christoph Wonneberger (r.) überreicht Oberbürgermeister Sven Gerich ein Exemplar seiner eigens für die Friedensmissionen gefertigten Friedenfahnen mit dem Leitgedanken "Schwerter zu Pflugscharen". © massow-picture
Pfarrer Christoph Wonneberger (r.) überreicht Oberbürgermeister Sven Gerich ein Exemplar seiner eigens für die Friedensmissionen gefertigten Friedenfahnen mit dem Leitgedanken „Schwerter zu Pflugscharen“. © massow-picture

Immer im Gepäck dabei: Mehrere Exemplare seiner eigens für diese Friedensmissionen gefertigte Regenbogen-Friedensfahne mit der aufgedruckten weltweiten Botschaft „Schwerter zu Pflugscharen“, die Wonneberger an würdige Gesprächspartner als Andenken und Mahnung zugleich verschenk, so auch  an Wiesbadenens Oberbürgermeister Sven Gerich. In Kürze reisen Christoph Wonneberger mit Angelika Eder in einer  Gruppe  Kriegsgegner wiederholt ins ferne Asien nach Korea. Dort ist eine Friedens-Radtour  entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea geplant. Weitere Projekte stehen auf Wonnebergers Plan: Mahnende Friedensfahrten zu europäischen Nato- und Atomwaffen-Stützpunkten mit der Forderung nach totaler Abrüstung auf allen Seiten, „bei den Amerikanern und den Russen“. Pfarrer Dr. Christoph Wonneberger ist durch und durch Pazifist und auch nach 25 Jahren kein „Salon-“ oder „Talkshow-Friedensbewegter“ geworden, sondern einer, der es vorzieht couragiert zu handeln und Verantwortung vorzuleben. Der Frieden muss jeden Tag aufs Neue  gepflegt, verteidigt und eingefordert werden, davon ist Pfarrer Dr. Christoph Wonneberger überzeugt. Einen besseren und authentischeren Preisträger hätte die Stadt Wiesbaden wohl kaum finden können!

„An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ – Dobocans Ausstellung im Kunsthaus zum Auftakt der Woche der Freiheit eröffnet

Oberbürgermeister Sven Gerich eröffnet Dorel Dobocans Ausstellung "An der Grenze" im Rahmen der Woche der Freiheit.  Seitlich das Dobocans Werk "Weltlandschaften." © massow-picture
Oberbürgermeister Sven Gerich eröffnet Dorel Dobocans Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ im Rahmen der Woche der Freiheit. Seitlich das Dobocans Werk „Weltlandschaften.“ © massow-picture

Aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit eröffneten gestern Abend, 25.September 2015, Oberbürgermeister Seven Gerich und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz im Wiesbadener Kunsthaus, Schulberg 10, die Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ mit Arbeiten von Dorél Dobocan. Die Ausstellung, um die das gesamte Programm der „Woche der Freiheit“ entwickelt wurde, ist bis zum 8. November 2015 in der Halle des Kunsthauses zu sehen.

Dorel Dobocan . Das Motiv der Glühbirne taucht immer wieder als Zeichen gegen die Folter auf. So wurden neue Gefangene stets in die oberen Doppel-Pritschen der Gefängniszellen verwiesen. Die permanent brennende Glühbirne sollte sie um den Schlaf und Verstand bringen.
Dorel Dobocan . Das Motiv der Glühbirne taucht immer wieder als Zeichen gegen die Folter auf. So wurden neue Gefangene stets in die oberen Doppel-Pritschen der Gefängniszellen verwiesen. Die permanent brennende Glühbirne sollte sie um Schlaf und Verstand bringen. Dobocan wurde schließlich auch für verrückt erklärt, in die Psychiatrie eingesperrt und in der Weise zum Tode verurteilt, indem man ihm anbot Selbstmord zu begehen. Eine Anzeige über sein Ableben hatte das Rumänische Regime schon geschaltet.

Mit der zentralen Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ nimmt das Kunsthaus das Rumänien der finsteren Ceaucescu-Jahre in den Fokus. Kaum eine andere bewegte Lebensgeschichte belegt einmal mehr den Wert von Freiheit wie die des rumänisch-deutschen Künstlers Dorél Dobocan, der nur glücklichen Umständen verdankt, dass er 1978 von der Bundesregierung aus dem Gefängnis in Rumänien freigekauft wurde und seither in Mainz leben „darf“. Sein Leben und Schaffen wird im Kunsthaus Wiesbaden mittels seiner Bilder und begleitender Veranstaltungen beleuchtet. Dorél Dobocan repräsentiert eine Künstlerpersönlichkeit, die aufgrund ihrer eigenen Biographie in einem totalitären Regime das Motiv der Freiheit in allen Facetten immer wieder bearbeitet und uns „Freiheitsverwöhnte“ mahnt, für die Freiheit als den wichtigsten Wert menschlicher Würde kompromisslos einzutreten, sei es gegen politische, weltanschauliche oder religiöse Dogmen und Totalitarismen.

Künstler Dorel Doboca und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz bei der Vernissage. ©massow-picture
Künstler Dorel Doboca und Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz bei der Vernissage. ©massow-picture

Begleitprogramm:

Sonntag, 11. Oktober, 11.30 Uhr wird nach einem Künstlergespräch die aufschlussreiche Begleitbroschüre vom Kurator der Ausstellung, Bernd Brach vorgestellt.

Sonntag, 25. Oktober 8. November, jeweils um 11.30 Uhr werden Kuratorenführungen – Gruppenführungen und Führungen von Schulklassen angeboten: Anmeldung bitte unter bildende.kunst@wiesbaden.de

Zum Künstler und der Ausstellung 
Dorél Dobocan wurde 1951 als Sohn deutscher Eltern in Temeschburg in Rumänien geboren. Schon als Jugendlicher setzte er alles daran, aus der kommunistischen Diktatur in die Freiheit zu entkommen. Die gescheiterten Fluchtversuche wurden mehrfach mit Inhaftierungen geahndet, schließlich erfolgte die Zwangseinweisung des 21Jährigen in die Psychiatrie. Unter massivem Druck der damaligen Bundesregierung durfte Dorél Dobocan in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen. Seit 1978 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Mainz.

Den Machern der Veranstaltung war es sehr wichtig, mit Dorél Dobocan einen Zeitzeugen der damaligen politischen Entwicklung kennenzulernen. Sein Leben als verfolgter und inhaftierter Künstler gibt Auskunft über die Erfahrungen eines kreativen Individuums mit staatlicher Unterdrückung und ihrer Überwindung durch den historischen Umbruch der Jahre 1989/1990. Man zeigte sich zutiefst beeindruckt von der Lebensgeschichte des Malers, die zugleich sein gesamtes künstlerisches Werk bestimmt.

Aus einer Collage Grenzsoldaten, einem Grundthemas Dobocans. Seine Orignalzeichnung Grenzsoldat ist in Besitz von Hans-Dietrich Genscher. Besucher finden das Grenzsoldatenmotiv als Mahnmal gegen Gewalt, Unterdrückung, Grenzschießbefehl und Krieg in überlebensgroßen transparenten Postern der Fenster des Kunsthauses.
Aus einer Collage Grenzsoldaten, einem Grundthemas Dobocans. Seine Orignalzeichnung Grenzsoldat ist in Besitz von Hans-Dietrich Genscher. Besucher finden das Grenzsoldatenmotiv als Mahnmal gegen Gewalt, Unterdrückung, Grenzschießbefehl und Krieg in überlebensgroßen transparenten Postern der Fenster des Kunsthauses.

Die Ausstellung beginnt im abgetrennten Eingangsbereich in einer Art „Zeitschleuse“ mit kleinen Zeichnungen auf Papier, die noch in Dobocans Heimatstadt Temeschburg entstanden waren. Sie werden begleitet von einem kurzen Filmdokument. Danach gelangen Besucherinnen und Besucher mit einem „Schritt in die Freiheit“ in den großen Ausstellungsraum, in dem Arbeiten der letzten Jahre zu sehen sind. Das gesamte Werk Dorél Dobocans wie auch die Auswahl der Werke für diese Ausstellung steht unter dem Motiv der Freiheitserfahrung. Für die „Woche der Freiheit“ hat der Künstler zusätzlich eine großformatige Arbeit geschaffen, die den Titel der Ausstellung eindrücklich thematisiert.

Mit dieser Präsentation rufen Menschen den Wert der Freiheit, die jedem Einzelnen so selbstverständlich geworden ist, vor Augen. Den Wert und die Schönheit zeigen auch die eingängigen Sinnbilder, die Dorél Dobocan dafür gefunden hat.

Zeitzeugengespräch zum Thema „Wie wir die Wende erlebten“ am 24.09.15 im Stadtarchiv Wiesbaden

Das Stadtarchiv Wiesbaden, Im Rad 42, lädt am Donnerstag, 24. September, 19 Uhr, zu einem Zeitzeugengespräch mit dem Titel „Wie wir die Wende erlebten“ ein. Dr. Juliane Roloff, Dr. Hermann Roloff und Dr. Rolf Faber berichten von ihrem Leben in Ostdeutschland und über den Fall der Mauer.

Der Physiker Dr. Hermann Roloff und seine Frau, die Bevölkerungswissenschaftlerin Dr. Juliane Roloff, stammen aus Ostberlin. Dr. Juliane Roloff kam 1993 aus beruflichen Gründen an das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in der hessischen Landeshauptstadt. Ihr Ehemann lebt seit 2005 und seinem Ausscheiden aus dem deutschen Elektronensynchrotron, einer Großforschungseinrichtung in Berlin, in Wiesbaden. Über die Zeit vor und unmittelbar nach dem Mauerfall berichtet das Ehepaar aus eigener Erfahrung. An dem Gespräch beteiligt sich zudem der Jurist und Vorsitzende des Vereins für Nassauische Altertumskunde, Dr. Rolf Faber. Der gebürtige Wiesbadener war nach der Wiedervereinigung jahrelang im Erfurter Justizministerium in leitender Stellung als Aufbauhelfer tätig und gewann so wertvolle Einblicke in die historischen Abläufe.

Bunte Revue im Kulturforum Wiesbaden am 29.09.15

Kulturforum Eingang Friedrichstraße 16, 65185 Wiesbaden
Kulturforum Eingang Friedrichstraße 16, 65185 Wiesbaden

Nicht nur einen, sondern sogar „Zwei Kessel Buntes“ präsentieren am Dienstag, 29. September, um 19 Uhr Studierende der Wiesbadener Musikakademie im Kulturforum, Friedrichstraße 16.

Zu hören gibt es Heiteres und Ernstes von Kurt Weill, Paul Dessau, Hanns
Eisler unter anderem garniert mit Schlagern aus der Zeit von 1920 bis 1990.

 

Das Konzert findet im Rahmen der „Woche der Freiheit“ statt. Der Eintritt ist frei.

Die bunte Revue enthält neben Ufa-Songs und Klassikern von Brecht und Weill klassische Lieder aus Ost und West. Natürlich dürfen auch Schlager und Pop nicht fehlen. Udo Jürgens und Hildegard Knef gehen Hand in Hand mit den Pudhys und Karat. Franz Josef Degenhardt spielt nicht mit den „Schmuddelkindern“, während Xavier Naidoo dazu auffordert: „Bitte hör nicht auf zu träumen“. Ist der Abend dann zu Ende, geben sich die Sandmännchen aus Ost und West die Hände.

Wiesbadener Musik- & Kunstschule e.V.

Schillerplatz 1 – 2
65185 Wiesbaden
0611 31-30 32
wmk@wiesbaden.d

Literarisches Symposion „Europa: Mythos oder Vision – Wo stehen wir 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?“

Veranstaltungskalender Literaturhaus Wiesbaden

Literarisches Symposion „Europa: Mythos oder Vision – Wo
stehen wir 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?“

Anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung findet in der Landeshauptstadt Wiesbaden die „Woche der Freiheit“ mit zahlreichen kulturellen Aktivitäten statt. Das Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, beschäftigt sich mit Unterstützung vom Kulturfond Frankfurt RheinMain am Sonntag, 27. September, 14 Uhr, in dem Symposion „Europa: Mythos oder Vision?“ mit der Frage nach der Bedeutung Europas.

Eingeladen sind vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler und Autoren aus Österreich, Schweden, Ungarn und Deutschland: Philipp Ther, Aris Fioretes, György Dalos und Ingo Schulze. Die Moderation übernimmt Jenny Friedrich-Freksa vom Institut für Auslandsbeziehungen in Berlin.

Ingo Schulze, Berlin, Philipp Ther, Wien, Ais Fioretos, Stockholm, György Dalos, Berlin. © Fotos (von oben links im Urzeigersinn) Babara Mair, Ekko von Schwichow, Sara Mc Key, Heike Steinweg
Ingo Schulze, Berlin, Philipp Ther, Wien, Ais Fioretos, Stockholm, György Dalos, Berlin. © Fotos (von oben links im Urzeigersinn) Babara Mair, Ekko von Schwichow, Sara Mc Key, Heike Steinweg

Die Sehnsucht nach Freiheit war der Auslöser dafür, dass in Europa Mauern und Grenzen verschwunden sind. Die Idee einer Europäischen Union erlebte einen enormen Aufschwung, doch im Jahr 2015 steht die EU vor der größten Krise seit ihrem Bestehen. Die hohen Staatsverschuldungen in Griechenland, Spanien, Italien oder Portugal, aber auch die Frage, wie Europa sich politisch in Konflikten gegenüber der Ukraine oder Russland verhält, stellt die Solidarität der Mitgliedstaaten vor eine Bewährungsprobe.

Philipp Ther beginnt um 14 Uhr mit einem Vortrag zum Thema „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent – Eine Geschichte des neoliberalen Europa“, worauf im Anschluss György Dalos aus „Der Fall des Ökonomen“ liest. Ingo Schulze stellt aus dem Sammelband „Orangen und Engel“ die Kurzgeschichte „Sie haben ihr Ziel erreicht“ vor und Aris Fioretes liest Passagen aus seinem Roman „Der letzte Grieche“. Anschließend findet gegen 18.45 Uhr eine Podiumsgespräch mit den Autoren statt, bei welchem die Leitfrage „Europa: Mythos oder Vision? Wo stehen wir 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?“ diskutiert werden soll.

Die Karten für die Veranstaltung kosten zehn, ermäßigt sieben Euro und können unter der Telefonnummer 0611 3415837 oder der E-Mail-Adresse literaturhaus-kartenreservierung@freenet.de vorbestellt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter
http://www.wiesbaden.de/literaturhaus.

Hintergrund:
Philipp Ther wurde 1967 geboren und ist Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. 2015 wurde der Historiker mit dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse für „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent“ ausgezeichnet.

György Dalos wurde 1943 in Budapest geboren und ist freier Autor und Historiker. 1995 wurde er mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet; 2010 erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

Der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos wurde 1960 in Göteborg geboren und ist griechisch-österreichischer Herkunft. Von ihm erschien 2011 auf Deutsch der Bestsellerroman „Der letzte Grieche“, für den er unter anderem mit dem Literaturpreis der SWR-Bestenliste 2011 ausgezeichnet wurde.

Der 1962 in Dresden geborene Ingo Schulze studierte Klassische Philologie in Jena. 2007 wurde er für seinen Erzählungsband „Handy“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Mit seinem 2008 erschienen Roman „Adam und Evelyn“ war er erneut
für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Jenny Friedrich-Freksa wurde 1974 in Berlin geboren und studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste Berlin. Nach Auslandsaufenthalten in Paris, Genf und Rom arbeitete sie mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München. Seit 2005 ist sie Chefredakteurin der Zeitschrift „Kulturaustausch“, einer Publikation des Instituts für Auslandsbeziehungen in Berlin.

Eröffnungs-Vernissage zur Woche der Freiheit mit Arbeiten von Dorél Dobocan im Wiesbadener Kunsthaus am 25.09.2015

Woche der Freiheit startet mit der Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ von Dorél Dobocan im Kunsthaus Wiesbaden,  Schulberg 10, Freitag, 25. September 2015, 18.00 Uhr

Aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit wird im Rahmen der „Woche der Freiheit“ am Freitag, 25. September, 18 Uhr, im Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10, die Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ mit Arbeiten von Dorél Dobocan eröffnet. Dazu lädt Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz ein.
Dorél Dobocan wurde 1951 als Sohn deutscher Eltern in Temeschburg (Rumänien) geboren. Schon als Jugendlicher setzte er alles daran, aus der kommunistischen Diktatur in die Freiheit zu entkommen. Die gescheiterten Fluchtversuche wurden mehrfach mit Inhaftierungen geahndet, schließlich erfolgte die Zwangseinweisung des 21-Jährigen in die Psychiatrie. Unter massivem Druck der damaligen Bundesregierung durfte Dorél Dobocan in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen. Seit 1978 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Mainz.

„Mir war es sehr wichtig, mit Dorél Dobocan einen Zeitzeugen der damaligen politischen Entwicklung kennengelernt zu haben. Sein Leben als verfolgter und inhaftierter Künstler gibt Auskunft über die Erfahrungen eines kreativen Individuums mit staatlicher Unterdrückung und ihrer Überwindung durch den historischen Umbruch von 1989/1990.“ Rose-Lore Scholz zeigte sich zutiefst beeindruckt von der Lebensgeschichte des Malers, die zugleich sein gesamtes künstlerisches Werk bestimmt.

Die Ausstellung beginnt im abgetrennten Eingangsbereich in einer Art „Zeitschleuse“ mit kleinen Zeichnungen auf Papier, die noch in Dobocans Heimatstadt Temeschburg entstanden waren. Sie werden begleitet von einem kurzen Filmdokument. Danach gelangt der Besucher mit einem „Schritt in die Freiheit“ in den großen Ausstellungsraum, in dem Arbeiten der letzten Jahre zu sehen sind. Das gesamte Werk Dorél Dobocans wie auch die Auswahl der Werke für diese Ausstellung steht unter dem Motiv der Freiheitserfahrung. Für die „Woche der Freiheit“ hat der Künstler zusätzlich eine großformatige Arbeit geschaffen, die den Titel der Ausstellung eindrücklich thematisiert.

„Mit dieser Präsentation rufen wir den Wert der Freiheit, die uns so selbstverständlich geworden ist, vor Augen. Den Wert und die Schönheit zeigen uns auch die eingängigen Sinnbilder, die Dorél Dobocan dafür gefunden hat“, so die Kulturdezernentin.

Die Ausstellung ist vom 25. September bis zum 8. November in der Halle des Kunsthauses, Schulberg 10, bei freiem Eintritt zu sehen.

Im Rahmenprogramm ist ein Künstlergespräch und Vorstellung der Begleitbroschüre vorgesehen, am Sonntag, 11. Oktober, 11.30 Uhr, Moderation: Bernd Brach, Kurator.

Kuratorenführungen sind vorgesehen an zwei Sonntagen, 25. Oktober und 8. November, jeweils um 11.30 Uhr. Gruppenführungen und Führungen von Schulklassen melden sich bitte an unter bildende.kunst@wiesbaden.de.

Freiheit ist nicht selbstverständlich – Wiesbadener Woche der Freiheit feiert 25jähriges Jubiläum der Wiedervereinigung

Vom 25. September bis zum 2. Oktober 2015 begeht Wiesbaden die Woche der Freiheit. Ab 3. Oktober 2015 wird mit dem großen Bürgerfest in Frankfurt weitergefeiert.

© Kulturamt der Stadt Wiesbaden
© Kulturamt der Stadt Wiesbaden

In diesem Herbst begehen wir das 25-jährige Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung. Auch in der Region Rhein-Main werden zahlreiche Feierlichkeiten und kulturelle Aktivitäten diesem Ereignis einen würdigen Rahmen verleihen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat sich dazu entschlossen, über die Erinnerung an die freudigen Ereignisse der Umbruchjahre 1989/90 hinaus eine weitergehende Reflexion über das Wesen und die vielfältigen Vorstellungen von Freiheit anzustoßen: Die Wiesbadener Woche der Freiheit findet vom 25. September bis 2. Oktober statt.

Mit der Überwindung der Diktaturen im ehemaligen Ostblock und der deutschen Vereinigung hat sich die Idee der Freiheit in ganz Europa durchgesetzt. In anderen Teilen der Welt sind Menschen nach wie vor Unfreiheit und Unterdrückung ausgesetzt. Die Folgen werden uns in diesen Tagen und Wochen besonders schmerzlich bewusst. „Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele Menschen auf der Suche nach Freiheit auch zu uns kommen, ist es das Anliegen der Stadt Wiesbaden, den Begriff Freiheit auf unterschiedliche Weise zu thematisieren“, beschreibt Oberbürgermeister Sven Gerich die Motivation zur Woche der Freiheit. Wichtig findet der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Abteilung Jugendarbeit des Amtes für Soziale Arbeit. Dabei versuchen Kinder in verschiedenen Projekten, den Freiheitsbegriff auf unterschiedliche Weise in die heutige Zeit zu transportieren. „Freiheit sollte nicht nur als wichtige Erinnerung an die Wiedervereinigung gefeiert werden, sondern gerade mit Kindern und Jugendlichen als Thema auch aus ihrer Perspektive betrachtet werden.“

„Was viele nicht mehr für möglich hielten, ist vor 25 Jahren doch wahr geworden“, erinnert Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz an die deutsche Wiedervereinigung. „Nach Jahrzehnten der Teilung waren die Menschen aus West und Ost frei, sich wieder zusammen zu finden. Das war eine große Freude und ein großes Glück, für das ich noch heute dankbar bin.“ Die Zeit vor 25 Jahren war, wie selten zuvor in der Geschichte, von Umbruch und Wandel geprägt: Die Länder Mittel- und Osteuropas haben die Transformation von der Diktatur zur Demokratie bewältigt. Die Grenzen haben ihre Sperrfunktion verloren und sind für die Menschen zu Übergängen in neue Lebenschancen und Freiheiten geworden.

Diese transitorische Dimension des Umbruchs von 1989/90 greift geradezu idealtypisch das aktuelle Schwerpunktthema „Transit“ des Kulturfonds Frankfurt/RheinMain auf. Im Streben nach Freiheit haben Menschen ihre Heimat verlassen und Gesellschaften einen tiefgreifenden Wandel durchlebt. Auslöser und Ausgangspunkt für diese Transitzustände war die Sehnsucht nach Freiheit. Umgekehrt stellen die Transitbewegungen den einzelnen vor die Herausforderung, sich im Umbruch neu zu orientieren. Beispielhaft für solche Lebenswege präsentiert die Woche der Freiheit Künstler wie Dorél Dobocan oder die Autoren Sasa Stanisic und György Dalos.

Welche Faktoren sind auf dem Weg in die Freiheit prägend? Welche Bedeutung kommt dem Land, in dem ein Künstler lebt und arbeitet, noch zu – oder die Sprache, in der er sich artikuliert? Oder tritt die nationale Prägung zunehmend durch ein europäisches Bewusstsein in den Hintergrund? Wie verhält es sich in Deutschland? Dauert der transitorische Zustand, in dessen Verlauf die beiden Teile eines ehemals gespaltenen Landes wieder zusammenfinden, noch an – oder ist dieser Übergang bereits abgeschlossen? Bestimmt die Herkunft aus Ost oder West noch darüber, wie Deutsche wahrgenommen werden? Haben die Jüngeren, die die DDR nicht mehr erlebt haben, einen Begriff vom Geschenk der Vereinigung und Freiheit für das ganze Land?

Diesen und weiteren Fragestellungen geht die Wiesbadener Woche der Freiheit nach. Das Thema lässt sich nicht auf die deutsche Wiedervereinigung beschränken. Eine hinreichende Betrachtung erfordert die Einbettung und den europäischen Kontext: politisch, wirtschaftlich und kulturell. Die vorausgehenden Freiheitsbewegungen in anderen osteuropäischen Staaten, etwa Polen und Ungarn, waren Wegbereiter für den Mauerfall am 9. November 1989. In diesem Sinne ergänzen die Veranstaltungen der Wiesbadener Woche der Freiheit ganz bewusst die Schwerpunktveranstaltungen zum Jahrestag der Deutschen Einheit, die in diesem Jahr in Hessen stattfinden.

Deutschland ist nicht nur im geografischen Sinn das „Herz Europas“. Nach dem Zweiten Weltkrieg Gründungsmitglied der Europäischen Union, hat sich die Bundesrepublik von Anfang an für eine friedliche Wirtschafts- und eine politische Gemeinschaft eingesetzt, die für die Garantie menschlicher Grund- und Freiheitsrechte steht. Heute nimmt das Rhein–Main-Gebiet eine zentrale Rolle für die EU und Europa ein. Besonders die Europäische Zentralbank und der Rhein-Main-Flughafen, aber auch das US-Hauptquartier in Wiesbaden machen die Region zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsräume Europas. „Gleichzeitig mit der Förderung von Kunst und Kultur ist es Aufgabe des Kulturfonds, die Exzellenz und das Potential der Region Rhein-Main und ihre Strahlkraft national und international weiter zu stärken. Die ‚Woche der Freiheit‘ trägt dazu in hervorragender Weise bei“, begründet Geschäftsführer Dr. Helmut Müller das Engagement des Kulturfonds Frankfurt/RheinMain.

Als hessische Landeshauptstadt prägt Wiesbaden das Rhein-Main-Gebiet. Als frühere Weltkurstadt mit historischen Beziehungen in alle Teile Europas und heutigem Standort des amerikanischen Hauptquartiers nimmt Wiesbaden eine völkerverbindende Mittlerrolle ein. Seit Jahrzehnten gibt die Stadt in zahlreichen kulturellen Beiträgen den aktuellen politischen und künstlerischen Entwicklungen in Europa Raum. Dafür stehen beispielhaft das GoEast Festival im Filmbereich, die Theaterbiennale mit Neuen Stücken aus Europa oder das European Youth Circus Festival.

Kurzüberblick über das Programm

Die ‚Wiesbadener Woche der Freiheit‘ fragt nach dem Moment, von dem die neue Freiheit vor 25 Jahren ihren Ausgang nahm. Sie fragt nach dem, was Freiheit heute im vereinten Europa bedeutet und nicht zuletzt nach der Bedeutung der Freiheit als Perspektive für die Zukunft. Das Programm ist als überschaubares interdisziplinäres Festival sorgfältig zusammen gestellt. Es thematisiert die Öffnung der Grenzen im Kontext der europäischen Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven.

In der zentralen Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke“ nimmt das Kunsthaus das Rumänien der finsteren Ceaucescu-Jahre in den Fokus. Die bewegte Lebensgeschichte des rumänisch-deutschen Künstlers Dorél Dobocan, der seit seiner Ausreise 1978 in Mainz lebt, wird dort in Bildern und Veranstaltungen beleuchtet. Er repräsentiert eine Künstlerpersönlichkeit, der in seinen Arbeiten immer wieder das Motiv der Freiheit in allen Facetten bearbeitet.

Im Stadtmuseum zeigen einige der bekanntesten ostdeutschen Fotografen den Alltag der Menschen in der ehemaligen DDR jenseits jeglicher Polit-Propaganda. Die Ausstellung „Ostzeit“ richtet den Augenmerk weniger auf das politische Geschehen, sondern stellt Schicksale und Individuen in den Mittelpunkt.

Das Literaturhaus reflektiert das Thema „Freiheit“ vor dem Hintergrund des europäischen Ostens mit führenden Intellektuellen Deutschlands. Dazu zählt Karl Schlögel, der Essays und Reden der letzten 25 Jahre mitbringt. Ganz anders beklagt der Autor Ingo Schulze „das Verschwinden eines Westens mit menschlichem Antlitz“, während weitere Autoren sich mit Ungarn, Bosnien-Herzegovina oder deutsch-deutschen Lebensläufen befassen.

Begleitend wird in der Caligari Filmbühne der zweiteilige Film „Die Frau vom Checkpoint Charly“ laufen. Im anschließenden Filmgespräch steht Jutta Fleck zur Verfügung. Die ‚echte‘ Frau vom Checkpoint hat nach ihrer Entlassung aus der DDR-Haft vom Westen aus mehrere Jahre um die Ausreise ihrer beiden von der DDR zwangsadoptierten Töchter kämpfen müssen.

Die Wiesbadener Musikschule und die Musikschule Görlitz werden mit insgesamt 50 Schüler/innen aus beiden Schulen in öffentlichen Aufführungen Filmmusiken aus beiden deutschen Staaten aufführen und zwar ausschließlich mit Blasinstrumenten.

Das Stadtarchiv beteiligt sich mit Zeitzeugen-Gesprächen und Veranstaltungen mit prominenten „Aufbauhelfern“ der Wendezeit.

Parallel und für eine breite Öffentlichkeit fokussiert die Mauritius-Mediathek Literatur, Sachbücher und Medien zu den großen Themen Freiheit, Freiheitskämpfer, natürlich auch zu Mauerfall und Wiedervereinigung. Ein Begleitprogramm innerhalb des Lesecafés vertieft die Themen.

Weitere Beteiligte sind das Hessische Staatstheater mit einem Theaterparcours durch Wiesbaden.

Der hohen Stellenwert des Themas findet seinen Niederschlag in den beteiligten Kulturinstitutionen. Die Wiesbadener Kultur präsentiert sich bunt, vielfältig und interdisziplinär: Das Kulturamt mit seinen Einrichtungen Kunsthaus, Schaufenster Stadtmuseum, Villa Clementine, Caligari Filmbühne, Stadtarchiv, Musik- und Kunstschule, Musikakademie und MauritiusMediathek; das Amt für Soziale Arbeit mit Stadtteilzentrum Schelmengraben, Kinder- und Jugendzentrum Biebrich, Kinder- und Jugendzentrum Georg-Buch-Haus, Stadtteilzentrum Gräselberg, Stadtteilzentrum Klarenthal und Kinderzentrum Wellritzhof; die Hessische Landeszentrale für politische Bildung; die Elly-Heuss-Schule, die Stabsstelle Weltkulturerbe beim Oberbürgermeister, die Albrecht-Dürer-Schule, das Medienzentrum, die Bundesstiftung Aufarbeitung des SED-Unrechts, der Orchesterleiter Herbert Siebert, die Bonifatiuskirche, die KinderKunstGalerie, Spiegelbild – Aktives Museum Spiegelgasse, das Hessische Staatstheater und weitere Kooperationspartner. Weitere Informationen sowie Termine und Daten sind dem Programmheft zu entnehmen.

Woche der Freiheit vom 25.9. bis 2.10.2015 in Wiesbaden

Plakat zur Ausstellung: "Der Weg zur Deutschen Einheit". © wiesbaden.de / Foto: Kulturamt
Plakat zur Ausstellung: „Der Weg zur Deutschen Einheit“. © wiesbaden.de / Foto: Kulturamt

Anlässlich des 25jährigen Jubiläums zur deutschen Wiedervereinigung veranstaltet die Landeshauptstadt Wiesbaden zwischen dem 25. September und 2.Oktober 2015 eine Woche der Freiheit mit über 25 Vorträgen, Ausstellungen, Filmabenden, Konzerten und Aktionen von zahlreichen Wiesbadener Institutionen und Vereinen. Jeweils wird ein anderer Blick auf Begrifflichkeit, Wert und Lebbarkeit, auf Perspektiven und Grenzen von Freiheit als unserem höchsten Gut geworfen. Vor allem soll einmal mehr daran erinnert und deutlich gemacht werden, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist und immer wieder von neuem gegen politische, religiöse und wirtschaftliche Ideologien verteidigt werden muss.

Veranstaltungs-Highlights sind:

Ausstellung „An der Grenze – Nahaufnahmen. Fernblicke
Eröffnung am Freitag, 25. September 2015, um 18 Uhr im Wiesbadener Kunsthaus. Die Ausstellung ist nach der Vernissage bis zum 8. November 2015 in der Halle des Kunsthauses zu sehen.

Film: Die Frau vom Checkpoint Charlie
am Samstag, 26. September 2015, um 18 Uhr, Caligari FilmBühne Marktplatz 9 (hinter der Marktkircheden). „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ stammt aus dem Jahr 2012, mit Veronica Ferres in der Hauptrolle als Sara Bender. Caligari-Programm September 2015

Literatur: Literarisches Symposion
am Sonntag, 27. September, ab 14 Uhr mit Autoren aus Österreich, Schweden, Ungarn und Deutschland im Literaturhaus (Villa Clementine).
Programm und Karten

14 Uhr: Vortrag und Gespräch Philipp Ther: „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent – Eine Geschichte des neoliberalen Europa“
15.15 bis 16 Uhr: György Dalos liest aus „Der Fall des Ökonomen“
16.30 bis 17.15 Uhr: Ingo Schulze liest aus „Orangen und Engel“ die Kurzgeschichte: „Sie haben ihr Ziel erreicht“
17.45 bis 18.30 Uhr: Aris Fioretos liest aus „Der letzte Grieche“
18.45 bis 20 Uhr: Podiumsdiskussion mit den Autoren zur Frage: „Europa. Mythos oder Vision? – Wo stehen wir 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?“

Die Karten für das Symposium kosten zehn, ermäßigt sieben Euro und können unter der Rufnummer 0611 / 3415837 oder der E-Mail-Adresse geschützte E-Mail-Adresse als Grafik reserviert werden.

Ausstellung: „Ostzeit – Geschichten aus einem vergangenen Land
Eröffnung am 1.Oktober, 18 Uhr im Schaufenster Stadtmuseum in der Ellenbogengasse 3 – 7, bis zum 6. Dezember 2015

Flyer mit Programm zur Woche der Freiheit

OSTZEIT – Geschichten aus einem vergangenen Land – Stadtmuseum Wiesbaden 1.10.15

OSTZEIT – Geschichten aus einem vergangenen Land

Plakat zur Ausstellung: "Der Weg zur Deutschen Einheit". © wiesbaden.de / Foto: Kulturamt
Plakat zur Ausstellung: „Der Weg zur Deutschen Einheit“. © wiesbaden.de / Foto: Kulturamt

Das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Einheit feiert die Landeshauptstadt Wiesbaden mit einer „Woche der
Freiheit“ und auch das Stadtmuseum Wiesbaden ist dabei.

Am 01.10.2015 um 18 Uhr wird die Ausstellung „OSTZEIT – Geschichten aus einem vergangenen Land“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Tages der Deutschen Einheit im Schaufenster Stadtmuseum als letzte Ausstellung vor Schließung der Räumlichkeiten in der Ellenbogengasse 3 – 7 eröffnet.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Bilder der bekannten ostdeutschen Fotografinnen und Fotografen Sibylle Bergemann, Harald Hausmann, Ute Mahler, Werner Mahler und Maurice Weiss. Sie zeigen in ungeschönten und zugleich sensiblen Bildern den Alltag und die Menschen in der DDR jenseits der sozialrealistischen Wunschwirklichkeiten. Durch ihre Offenheit und persönliche Sichtweise ermöglichen die Fotografien einen authentischen Blick auf den Osten Deutschlands.

Veranstaltungsprogramm zur Woche der Freiheit

Die Ausstellung ist geöffnet:  dienstags bis sonntags von 11 bis 17